a2017 p-art fragen2 - Kesselhaus Winterthur

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Fragen an Christoph Burri, Architekt Kesselhaus
Welches war die grösste Herausforderung im Zusammenhang mit der Architektur
des Kesselhaus-Umbaus?
Das Prinzip Kesselhaus ist ein Organtausch: Das alte Innenleben, die Heizkessel fürs
Brauchwarmwasser des ganzen Sulzerareals, wurde schon vor Jahren entfernt. Die
Hauptidee ist, den historischen Gebäudekörper mit neuen Organen wieder zum Leben zu
erwecken. Durch den prominenten Standort vis a vis vom Bahnhof Winterthur und am Kopf
des Sulzerareals wurde im Gestaltungsplan Sulzerareal Winterthur eine publikumsorientierte
Nutzung gewünscht und festgelegt. Als Gebäude mit Mischnutzung für Shopping und
Entertainment wurden hochfrequentierte Nutzungseinheiten generiert und im bestehenden
Gebäudekubus verschachtelt implantiert.
Das Kesselhaus ist eines der stark geschützten Gebäude auf dem Sulzerareal. Die komplette
Fassade, die Kohlesilos und die innere Gebäudestruktur waren durch die Auflage der
Denkmalpflege zu erhalten.
Die Herausforderung lag darin, die neuen Teile für den zukünftigen Besucher erleb- und
fassbar zu bauen. Die enorme Dichte an neuen Baukörpern, die in den bestehenden Rahmen
eingebaut werden, von innen wie aussen zu kommunizieren. Durch ein kluges Netz von
Erschliessungswegen, die starke Kontrastierung von alt zu neu und den Tageslichteinlässen
wird dies möglich.
Welche modernen Kontrastpunkte haben Sie zum historischen Industriegebäude
gesetzt?
Es sind dies die Einbauten der Kinokörper. Diese grossvolumigen, monolithischen
Betonkonstruktionen mit einer nicht strukturierten, glatten und glänzenden Oberfläche stellen
einen starken Kontrast zu den bestehenden kleinformatigen Backstein- und grauen
Industriewänden dar: Dem noch sichtbaren Stahltragwerk der Dächer, den alten Markierungen
über Bodenbelastungen und Geschosshöhen oder den Schweissspuren aus über 100 Jahren
Industriegeschichte.
Was ist das Konzept für die Innenarchitektur?
Das Grundkonzept ist, die bestehenden Industriebauteile mit all ihren Spuren aus der
Geschichte des Kesselhauses wo immer möglich unberührt zu belassen und dem gegenüber
die neu eingebauten Teile klar abzuheben. Das Kesselhaus soll aber immer seinen IndustrieBeilage Medienmappe Eröffnung Kesselhaus Winterthur
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A2017 GmbH
Charakter behalten. Aus diesem Grund ist auch die Technik nur da, wo notwendig, versteckt
oder ist der Boden als verbindende Fläche industrietauglich gebaut.
Welches Detail/welcher Bereich im Kesselhaus ist Ihr Lieblingsort, architektonisch
gesehen?
Der Raum unter den Kohlensilos, wo die Kinobesucher über die Wendeltreppe in die oberen
Foyers zirkulieren und die Besucher der Bar das Geschehen beobachten können oder tief
sitzend im bequemen Sessel den einmaligen Raum geniessen. Das Kaskaden-Treppenhaus
entlang der Zürcherstrasse, wo im Kaltraum zwischen dem Kinosaal und der Glasfassade mit
einer Höhe von 20 Metern die Industriekathedrale inszeniert wird, und natürlich der Aufgang
über die grosszügige Treppe durch die Mall in das Hauptfoyer der Kinos unter die beeindruckende Auskragung des grossen Kinosaals, wo noch einmal über die ganze Höhe die
riesigen Dimensionen wahrgenommen werden.
Was war in Bezug auf die modernen Kinosäle speziell zu beachten?
Die Kinosäle werden THX zertifiziert. Dieser hohe Standard stellt Anforderungen an Akustik
und Schall, hörbar und fühlbar. Die Kinosäle wurden deshalb mit einem sehr aufwändigen
Verfahren von der bestehenden Struktur getrennt und schwingend gelagert. Damit eine
Schallübertragung von Kino zu Kino oder von aussen nach innen möglichst nicht
wahrnehmbar ist. Dies betrifft auch sämtliche Leitungen, die in die Säle geführt werden.
Und in Bezug auf die anderen Nutzungen?
Das Kesselhaus ist sehr publikumsintensiv. An vielen Orten kreuzen sich die Wege zwischen
den verschiedenen Nutzungen. Der Sicherheit im Gebäude wurde deshalb auf allen Ebenen
ein sehr hoher Grad an Aufmerksamkeit geschenkt. Es gibt Flächen mit gleichzeitiger Nutzung
für den Normalbetrieb, an denen zusätzlich im Notfall mit Hilfe von versenkbaren Schleusen
Fluchtkorridore geschaffen werden. Hier keine Knoten zu schaffen war eine Herausforderung.
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