21 02 2017 internationales magazin für

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I N T E R N AT I O N A L E S M AG A Z I N F Ü R Z I EG E L A RC H I T E K T U R
IN DIESER AUSGABE:
e4 – Nachhaltige Gebäudekonzeption
Energieeffiziente Lösungen
Optimale Wohnqualität
02 2017
www.architectum.com
#21
2 EDITORIAL
CHRISTOF DOMENIG
CEO Clay Building Materials Europe
24
ZUKUNFTSFÄHIG MIT
KERAMISCHEN BAUSTOFFEN
Die Bauindustrie hat ein immenses Potenzial, zu einer nachhaltigen Gesellschaft beizutragen. Gebäude sind im Laufe ihrer Lebensdauer für 40% des Energieverbrauchs verantwortlich. Aus diesem Grund hat die EU neue Ziele vorgegeben, um dies zu ändern. Alle
ab 2021 erbauten Gebäude sollen fast keine Energie verbrauchen –„nearly zero energy
buildings“. Dies hat großen Einfluss auf das Bauen in der Zukunft.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz müssen von Beginn der Planungsphase an mit einbezogen werden und dabei nimmt auch die Auswahl des richtigen Baustoffes einen hohen
Stellenwert ein. Mit unseren innovativen und energieeffizienten keramischen Produktlösungen und unseren ganzheitlichen Wohnkonzepten unterstützen wir Architekten und Bauunternehmer dabei, diese zukünftigen Anforderungen bereits heute zu erfüllen.
Hintermauerziegel, Klinker und Dachziegel sowie Pflasterziegel sind nicht nur ästhetisch,
sondern stehen auch für ökologisches und nachhaltiges Bauen. Sie bestehen aus natürlichen Rohstoffen und werden in Marktnähe gefertigt, was die Transportwege gering
hält. Darüber hinaus haben sie eine sehr lange Lebensdauer und können mühelos mehr
als 150 Jahre Bestand haben. Sie garantieren eine hohe Wohnqualität und leisten einen
aktiven Beitrag zum Klimaschutz.
Einige der besten Beispiele für nachhaltige und energieeffiziente Projekte finden Sie in
dieser Ausgabe. Sie zeigen, dass Sie mit innovativen Keramikprodukten bereits jetzt zukunftsfähige Gebäude umsetzen können.
Viel Spaß beim Lesen!
10
Christof Domenig
IMPRESSUM
HERAUSGEBER Wienerberger AG, 1100 Wien VERLAG Starmühler Agentur & Verlag GmbH, 1010 Wien, www.starmuehler.at
CHEFREDAKTEURIN Andrea Blama (Wienerberger AG) KOOPERATION Alexa Uplegger (DE), Dario Mantovanelli (IT), Kairi Pops
(EST), Mélinda Zivan (FR), Patrick Alexander (CH), Sabine Merlevede (BE), Tom Dearden (UK), Zinaida Barbaros (RO) GRAFIK & DESIGN
Starmühler Agentur & Verlag GmbH, Artdirector: Thomas Tuzar, www.starmuehler.at DRUCK Ueberreuter Print & Packaging
GmbH, Industriestrasse 1, 2100 Korneuburg PRODUKTION Ueberreuter Print & Packaging GmbH
FOTO COVER Studio Claerhout FOTO RÜCKSEITE Geraldine Bruneel
WIENERBERGER AG CLAY BUILDING MATERIALS EUROPE, A-1100 Wien, Wienerberg City,
Wienerbergstraße 11, T +43 (1) 601 92-10551, [email protected],
twitter.com/architectum, youtube.com/wienerbergerofficial, www.architectum.com
02|2017
INHALT 3
STANDARDS
04NEWS
05LIEN VANSTEENKISTE UND HEIN
VERBEKE VON GROEP III – Interview
28
04
e4
08EIN ENERGIEEFFIZIENTES ZIEGELHAUS
Rumänien
20
10
EIN UMWELTBEWUSSTER
WOHNBAU ETABLIERT SICH
Frankreich
12NACHHALTIGES BAUEN UND
WOHNEN DURCH UND DURCH
Belgien
ENERGIEEFFIZIENZ
16FÖRDERUNG VON NACHHALTIGKEITS­
WERTEN IM GROSSEN RAHMEN
Vereinigtes Königreich
16
20BUNTE UND NACHHALTIGE
ZIEGELWÄNDE, DIE AUSSEHEN
WIE LAKRITZ
Deutschland
22EIN NEUER GEBÄUDESTANDORT
FÜR NACHHALTIGE FORSCHUNG
Estland
24REGIONALE WERTSCHÖPFUNG –
NACHHALTIGES DESIGN
Italien
34
28MODERNE UND ENERGIEEFFIZIENTE
STADTVILLA
Deutschland
INDIVIDUELLE
LÖSUNGEN
30EINE NEUE ART DES ZUSAMMEN­LEBENS
– BEZAHLBARE WOHNQUALITÄT
Schweiz
34WENN WOHLFÜHLATMOSPHÄRE
AUF NACHHALTIGKEIT TRIFFT
Belgien
38INTERESSE FÜR RECYCLING WECKEN
Frankreich
02|2017
4 NEWS
LANGFRISTIGER ERFOLG ENTSTEHT
NUR DURCH NACHHALTIGES HANDELN
Nachhaltigkeit ist bei Wienerberger Clay Building Materials Europe ein Teil der
Unternehmensstrategie und ein integraler Bestandteil der Unternehmenskultur. Sie ist eine der Hauptinnovationsquellen für neue und optimierte Produkte sowie langfristige, kosteneffiziente Systemlösungen, die zur Energieeffizienz in Gebäuden beitragen, sich positiv auf Gesundheit und Sicherheit ihrer
Bewohner auswirken und zudem hinsichtlich der Bauästhetik besonders
interessant sind. Lesen Sie für weitere Informationen zum Thema auch die
Nachhaltigkeitsberichte von Wienerberger.
www.clay-wienerberger.com/expertise/what-sustainability-­means-for-us
Hergestellt aus natürlich vorkommenden Rohstoffen, stehen keramische Produkte für
Wertbeständigkeit, Langlebigkeit, hohe Wohnqualität und innovatives Bauen.
POROTON-S9-P – MIT DÄMMMATERIAL GEFÜLLTE
ZIEGEL FÜR MEHRFAMILIENHÄUSER
Durch die Füllung mit dem Perlit Poroton-S9-P sorgen
Sie für eine ausgezeichnete Wärmedämmung.
Mehrfamilienhäuser benötigen Ziegel und Wandsysteme, die den höchsten Ansprüchen an Struktur, Energieeffizienz, Brandschutz und Schalldämmung genügen. Um dieses Produktsegment weiter zu optimieren, haben wir das organische Bindemittel Perlit durch ein mineralisches (zementbasiertes) Bindemittel
ersetzt. Das neue Bindemittel verbessert die Feuerbeständigkeit der Ziegel,
die nun die Anforderungen der höchsten Brandschutzklasse A1 erfüllen. Diese
können aufgrund einer Mauerwerksfestigkeit von fk = 5,2 N/mm2 auch für mehr
als sechsstöckige Gebäude verwendet werden. Darüber hinaus sind durch einen U-Wert von 0,20 W/m2K (Wandstärke 42,5 cm) energiearme Gebäude
möglich. Zu guter Letzt emittiert Poroton-S9-P keine Schadstoffe und wurde
daher mit dem Umweltgütezeichen als gesundes Baumaterial eingestuft.
[email protected]
Eco-Brick ist deutlich schmäler, dadurch
können bis zu 3,5 cm zusätzliche
Dämmung verwendet werden und das
zahlt sich bei der Stromrechnung aus.
Eco-Brick ist ein wahrhaft moderner Fassadenziegel. Die
Ziegel sind schmaler als herkömmliche Ziegel und schaffen Platz für bis zu 3,5 cm zusätzliche Dämmung, womit
wiederum ein verringerter Energieverbrauch einhergeht.
Die geringere Wandstärke kann auch für eine Vergrößerung
der Wohnfläche im Inneren genutzt werden und eignet sich
perfekt für Renovierungen, bei denen die Arbeiten innerhalb
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festgelegter Perimeter erfolgen müssen. Das muss allerdings
nicht zulasten der Ästhetik gehen: Denn Eco-Brick gibt es
in einer großen Auswahl zeitloser Farbvarianten. Schließlich
vereinfacht das geringe Gewicht dieser Ziegel die Handhabung auf der Baustelle und ermöglicht einen energiesparenderen Transport.
[email protected]
© Fotos: Markus Esser, Wienerberger AG
ECO-BRICK – DER VORMAUERZIEGEL FÜR NIEDRIGENERGIEHÄUSER
INTERVIEW 5
Lien Vansteenkiste und Hein Verbeke
gehören zum Architekturbüro Groep III
Architecten in Brügge, Belgien.
FÜR EIN GLEICHGEWICHT ZWISCHEN
KOMFORT, PRIVATSPHÄRE UND PLATZ
© Fotos: Architecten Groep III, Fien Muller
Lien Vansteenkiste
und Hein Verbeke
von Groep III sprechen über nachhaltige Architektur,
energieeffizientes
Bauen und maximale Wohnqualität
in ihrer Arbeit.
U
mweltveränderungen und die EU-Richtlinie mit Energieeffizienz-Zielen für 2020
erhöhen den Druck auf die Bauindustrie,
nachhaltige und energieeffiziente Lösungen
für Gebäude zu finden. Die Richtlinie verlangt,
dass alle nach 2020 erbauten Gebäude Niedrigstenergiegebäude sein müssen. Das bedeutet, dass die Häuser fähig sein müssen, die verbrauchte Energie wieder zu produzieren. Fällt
es sehr schwer, diese Vorgaben einzuhalten,
oder würden Sie sich in Ihrer Arbeit sowieso auf
nachhaltige Architektur konzentrieren?
L. V.: Nachhaltige Architektur ist ein wichtiger Aspekt
zeitgenössischer architektonischer Gestaltung geworden. Wir versuchen immer, Gebäude zu entwickeln, die minimale Auswirkungen auf die Umwelt mit
maximalem Komfort für den Menschen kombinieren.
Unser Leitbild besagt, dass wir unsere Bauherren im
Entwurfsprozess inspirieren, ermutigen und unter-
stützen möchten. So können wir die Umwelt bestmöglich schützen und sie positiv mit einbringen. Wir
inspirieren unsere Kunden zum Beispiel, indem wir
die Bedeutung der Nachhaltigkeit hervorheben.
Bedeutet „ermutigen“, dass der Bauherr am
Entwurfsprozess beteiligt ist, oder geht es hier
mehr um Beratung?
L. V.: Wir beraten, inspirieren und gewährleisten,
dass Kunden jeden Schritt des Entwurfsprozesses
nachverfolgen können, denn nachhaltiges Design
beginnt mit der ersten Idee.
Sind die von Ihnen gebauten Gebäude bereits
in der Lage, so viel Energie zu produzieren, wie
sie verbrauchen?
L. V.: Wir möchten ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen schaffen.
Nullenergiegebäude sind sicher das Ziel, aber sie <
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6 INTERVIEW
Groen-Steenbrugge-Lageplan:
1 Studentenheim
2 Büro
3 Wohnhaus
4 Garten
< sind nicht immer bezahlbar. Wir müssen also versuchen, diese Faktoren in ein Gleichgewicht zu bringen und eine spätere Verbesserung des Gebäudes
zu ermöglichen.
Was sind die wesentlichen Nachhaltigkeitsmerkmale Ihres Projekts Groen Steenbrugge?
L. V.: Ein Aspekt jedes nachhaltigen Konzepts ist
die effiziente Raumnutzung. Das Grundkonzept von
Groen Steenbrugge orientiert sich an der städtischen Bebauungsdichte und Multifunktionalität. Die
effiziente Raumnutzung ist ein wichtiger Faktor bei
der städtebaulichen Planung. Für ein Grundstück mit
3.000 m2 hatten wir acht Häuser mit kleinen Privatgärten und ein Bürogebäude vorgesehen. Das Bürogebäude teilen sich zwei Unternehmen. Weiterhin
gibt es eine Studentenunterkunft mit zwölf Zimmern.
Hinzu kommt ein Gemeinschaftsgarten, der von allen
Bewohnern genutzt wird, und eine Tiefgarage mit Direktzugang zu jedem Haus. Wir haben also ein großes Bauvorhaben auf einem sehr kleinen Grundstück
umgesetzt und so den Platz unter Berücksichtigung
der Differenzierung bestmöglich genutzt.
Die Raumnutzung ist also ein Hauptmerkmal für
Nachhaltigkeit in diesem Projekt. Ist dies Ihrer
Meinung nach ein Aspekt nachhaltigen Bauens,
das insgesamt mehr Beachtung finden sollte?
H. V.: Flandern wurde sehr stark baulich erschlossen
und die Zersiedelung um die Städte nimmt immer
weiter zu. Wir zählen nun auf die Unterstützung des
flämischen Regierungsbaumeisters, der überzeugt
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5 Öffentlicher Park
6 Zugang zur Tiefgarage
7 Fahrrad- und Fußweg
ist, dass es so nicht weitergehen kann. Flandern ist
bereits „überbebaut“ und es gibt keine hochwertigen
Freiflächen mehr. Wir müssen also bezüglich unserer
Planung und Bebauung umdenken. Der verfügbare
Raum muss effizienter genutzt werden.
Gibt es in Flandern Vorgaben zur Größe von
Baugrundstücken?
H. V.: Es gibt gesetzliche Vorschriften, die allerdings
von Stadt zu Stadt unterschiedlich sein können. Zukünftig wird die Bebauung näher am anderen sein,
aber das bedeutet nicht, dass dies zulasten der
Qualität gehen muss. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Einzelräume wichtig sind, auch wenn die
Gebäudedichte höher ist.
Es ist sicher eine Herausforderung, Wohnkomfort und Privatsphäre gegen die Einschränkungen kleinerer Räume und Energieeffizienz abzuwägen. Wie beeinflusst dies Ihre Arbeit?
H. V.: Ich denke, dass unser Projekt Groen Steenbrugge ein sehr gutes Beispiel ist. Es zeigt, dass
es möglich ist. Natürlich ist jedes Bauvorhaben einzigartig. Die verantwortungsvolle Raumnutzung bei
Natürliche, fast mono­
chrome Materialien
charakterisieren
das Projekt Groen
Steenbrugge.
»Wir versuchen immer, Gebäude zu entwickeln, die minimale
Auswirkungen auf die Umwelt mit maximalem Komfort für
den Menschen kombinieren.«
Lien Vansteenkiste
INTERVIEW 7
gleichzeitig hoher Designqualität ist eine ständige
Herausforderung bei der Planung. Alternative Wohnformen wie Gemeinschafts- oder Mehrgenerationen-Entwürfe, betreutes Wohnen etc. können Antworten auf diese Herausforderung geben.
Was könnten und sollten Architekten Ihrer Meinung nach tun, um nachhaltige Gebäudekonzepte voranzutreiben?
H. V.: Wir sollten unsere Kunden beraten und informieren. In unserem Büro schauen wir immer über
das zu bebauende Grundstück hinaus. Wenn wir
zum Beispiel mit dem Bau einer Schule betraut werden, schauen wir uns die Qualität der umgebenden
Architektur an: Welche Infrastruktur gibt es bereits
und welche Funktionen gibt es vor Ort bereits? So
entsteht ein Masterplan mit einem Mehrwert, bei
dem es um mehr als nur den Schulbau geht.
Ein weiterer Aspekt ist natürlich die Materialwahl. Ziegel ist als Naturmaterial sehr beliebt
und kommt oft für nachhaltige Bauvorhaben zum
Einsatz – was sind die Vorteile dieses Baustoffs?
L.V.: Wir verwenden gern Ziegel, da er ein natürliches
Material ist. Er ist vielseitig einsetzbar, in verschiedenen Farben und Texturen erhältlich und kann zur Umsetzung verschiedener Baustile genutzt werden. Einzigartig ist die lange Lebensdauer und Beständigkeit
des Materials. Wir entwerfen auch viele Sozialwohnungen, wo der Ziegel für diese Eigenschaften beliebt
und kostengünstig ist. Natürlich ist der Komfort im
Gebäude ein wichtiges Thema und dafür kommt eine
weitere einzigartige Eigenschaft des Ziegels zum Tragen: die hohe thermische Masse. Wenn die Außentemperaturen zum Beispiel im Tagesverlauf schwanken, kann eine hohe thermische Masse im Gebäude
diese täglichen Schwankungen „ausgleichen“.
Man könnte also sagen, dass Ziegel für eine Art
natürliche Klimaregulierung sorgen?
H. V.: Ja, denn die thermische Masse nimmt Wärmeenergie auf, wenn die umgebende Temperatur
höher ist, und gibt sie wieder ab, wenn die Umgebungstemperatur fällt. Für mich ist es ganz natürlich,
Ziegel in meinen Projekten zu verwenden. >
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8 e4
EIN ENERGIEEFFIZIENTES
ZIEGELHAUS
Dieses Einfamilienhaus in Rumänien wurde gemäß dem e4-Konzept gebaut,
das vier zentrale Eigenschaften aufweist: Energy (Energieeffizienz), Economy
(Erschwingliche Kosten), Ecology (Erneuerbare Energie) und Emotion (Einzigartige Wohnqualität). In dem Gebäude werden Ziegel und alternative Energiequellen verwendet, um ein nachhaltiges, hochwertiges Wohngefühl mit einer
kostengünstigen Bauweise und geringen Instandhaltungskosten zu verbinden.
VOLLE KONTROLLE ÜBER DAS INNENRAUMKLIMA Die
Ziegelwände sorgen für ein ausgewogenes Innenraumklima und schützen vor plötzlichen Temperaturänderungen. Dieses e4-Ziegelhaus unterstreicht
zudem die Vorliebe des Eigentümers für innovative
Lösungen beim Hausbau: Dazu gehören die Grundwasserwärmepumpe oder die Sonnenkollektoren auf
dem Dach. Das Haus verfügt über ein „Zentralhirn“,
das den Eigentümern dank der neuesten Automatisierungstechnik die Kontrolle aller Parameter für den
Wohnkomfort und ein optimales Management der
Instandhaltungskosten ermöglicht.
ZIEGELBAUWEISE FÜR EINEN GERINGEREN ENERGIEVER­
BRAUCH Ein zusätzliches Unterscheidungsmerkmal
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DATEN & FAKTEN
Primärenergieverbrauch
38,5 kWh/m2a
Heizwärmeverbrauch
8,5 kWh/m2a
CO2 -Emissionen
6,4 kgCO2 /m 2a
Projektname
e4-Haus Rumänien,
bei Bukarest
Architekt
Tecto Arhitectura
Bauherr
Privat
Verwendete Produkte
Porotherm TermoExpert 38 STh
Jahr der Fertigstellung
2015
ist die thermodynamische Solarwand – die „Trombe-Wand“. Sie trägt durch die verstärkte Heizung/
Kühlung der Innenräume ohne jeglichen Energieverbrauch zur natürlichen Belüftung des Hauses bei.
Dies ist der Kombination von Solarenergietechnik
und der Wärmeträgheit der Ziegel zu verdanken. Im
Winter nimmt die thermodynamische Solarwand die
Wärme während der Sonnenstunden auf und gibt sie
dann langsam im Laufe der Nacht ab, womit ein geringerer Energieverbrauch gewährleistet wird.
Wienerberger entwickelte das e4-Konzept im Sinne
eines energieeffizienten, gesunden und kostengünstigen Wohnungsbaus. Es spiegelt den zunehmenden
Wunsch vieler Bauherren wider, bei der Umsetzung
der eigenen Vorstellungen auch den Klimaschutz zu
berücksichtigen. >
Mehr dazu erfahren Sie unter: www.clay-wienerberger.com/
expertise/the-e4-brick-house-concept
© Fotos: Wienerberger AG
M
it diesem e4-Haus in der Nähe von Bukarest hat Tecto Arhitectura bewiesen, dass
nachhaltiges Bauen nicht langweilig aussehen muss. Da ein kostengünstiger Bau zu den Anforderungen gehörte, setzten die Architekten durch
die Verwendung klarer, strukturierter Formen und
das Zusammenspiel von Schwarz und Weiß auf einen modernen Look. Dieses Konzept fand sowohl
im Außen- als auch im Innenbereich Anwendung.
Unter Berücksichtigung der Bedürfnisse einer modernen Familie mit zwei Kindern entschieden sich
die Architekten für verschmelzende Innenräume und
große Fensterfronten, um die Räume mit Tageslicht
zu fluten.
e4 9
Dank ihrer ausgezeichneten
Wärmespeicherkapazität und
erstklassigen Dämmeigenschaften können Ziegel den
Ausstoß von CO2 und den
Energiebedarf insgesamt
reduzieren. In Kombination mit
einem innovativen Heizsystem
wird der Gesamtenergieverbrauch minimiert.
»Die Anwendung des e4-Konzepts für ein
Einfamilienhaus verkörpert die ideale Vision
eines möglichen Hauses der Zukunft. Das Projekt
untersucht parallel verschiedene Möglichkeiten
der Energie- und Materialeinsparung – sowohl
während der Bauphase als auch über die
Lebensdauer des Eigenheims hinweg.«
Dr. Architect Sergiu C. Petrea, Tecto Arhitectura
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10 e4
EIN UMWELTBEWUSSTER
WOHNBAU ETABLIERT SICH
„Le Candide“ ist ein mehrstöckiges Sozialwohnungsbauprojekt in Frankreich,
mit dem 29 Wohnungen in einer zuvor eher verwahrlosten Wohngegend
entstehen sollten. Das Projekt gründet auf dem Wienerberger e4-Konzept:
Ecology (Erneuerbare Energie), Economy (Erschwingliche Kosten), Energy
(Energieeffizienz) und Emotion (Einzigartige Wohnqualität).
D
as Gebäude könnte treffenderweise als
Wohn-Lebensraum bezeichnet werden und
soll eine Alternative für urbanes Wohnen darstellen. Für die Architekten ist es ein Ideenlabor,
das den Bewohnern Möglichkeiten eines „natürlichen Wohnens“ in einem mehrstöckigen Gebäude
eröffnet. Der Zwillingsblock beherbergt eine Reparaturwerkstatt im Erdgeschoss, auf dem Dach gibt
es einen Gemüsegarten und Gewächshäuser, eine
Windturbine zur Bewässerung und einen Spielplatz
mit einer Terrasse für Kinder.
DATEN & FAKTEN
KERAMISCHE BAUSTOFFE – FÜR INNEN UND AUSSEN
Betrachtet man das Gebäude von außen, fallen zuerst die Balkone auf. Mit ihren geflochtenen Weidenbalustraden und dem unterschiedlichen Aussehen
auf jedem Stockwerk bringen sie eine Wellenbewegung in die Fassade. Nachts leuchten hier LEDs wie
kleine Glühwürmchen, die tagsüber wieder aufgeladen werden. Zweischalige Ziegelwände sorgen für
eine zusätzliche Wärme- und Schalldämmung und
ein besseres Innenraumklima für die Bewohner.
Bauherr
OPH de Vitry-sur-Seine (Wohnraumverbesserungsvorhaben)
VORBILD DURCH INNOVATION Dieses Projekt ergab sich
aus einem Architekturwettbewerb und erhielt später
einen Preis bei einem Ideenwettbewerb für CO2-arme
Lösungen. Damit konnte man die Energiesparmöglichkeiten überprüfen und Systeme vorschlagen, mit
denen CO2-Emissionen von weniger als 5 kg/m2a er-
02|2017
Primärenergieverbrauch
18,93 kWh/m2a
Heizwärmeverbrauch
8,54 kWh/m2a
CO 2 -Emissionen
2,1 kgCO2 /m2a
Projektname
Le Candide, Vitry-sur-Seine,
Frankreich
Architekt
Bruno Rollet Architecte
Verwendete Produkte
Wand: Porotherm GFR20Th+
Fassade: Terca Rhônes
Jahr der Fertigstellung
2012
Balkone mit Balustraden aus Flechtwerk legen
sich wellenförmig um die dunkle Ziegelfassade.
e4 11
Eine Windturbine auf dem Dach wird zur Bewässerung des
gemeinschaftlichen Gewächshauses und der Pflanzkästen
auf den Balkonen genutzt.
© Fotos: Bruno Rollet, Luc Boegly
reicht werden konnten. Die Wohnbaugenossenschaft
entschied sich für die Umsetzung dieser Änderungsvorschläge und verband somit Architektur, Gebäudetechnik und soziales Engagement miteinander. Zu
den neuen Technologien, die in das Projekt integriert wurden, gehörten eine Photovoltaikanlage, eine
Grundwasserwärmepumpe, eine Abwasser-Wärmerückgewinnungsanlage und ein hybrides natürliches
Belüftungssystem.
Das Projekt ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür,
wie Vororte durch attraktiven und umweltfreundlichen Wohnbau aufgewertet werden können. >
»Das Wohnviertel war lange
Zeit vernachlässigt worden,
sodass wir quasi von vorn
anfangen mussten. Ziegel ist
dafür sehr gut geeignet. Die
Zeit kann ihm nichts anhaben.«
Bruno Rollet, Bruno Rollet Architecte
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12 e4
NACHHALTIGES BAUEN UND
WOHNEN DURCH UND DURCH
Das „Nachhaltige Wohnviertel“ in Belgien untersucht, in welchem Maße nachhaltiges Bauen machbar und kostengünstig ist, wenn klassische Baumethoden und bekannte Keramikmaterialien zum
Einsatz kommen. Auf der Grundlage des e4-Konzepts von Wienerberger (Ecology – Erneuerbare
Energie, Economy – Erschwingliche Kosten, Energy – Energieeffizienz und Emotion – Einzigartige
Wohnqualität) bietet das Reihenhaus optimalen Wohnkomfort.
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e4 13
Mit diesem Pilotprojekt wollte Wienerberger Belgien zwei Ansprüche
unter Beweis stellen: Es ist möglich, trotz niedriger Baukosten ein
nachhaltiges Wohnprojekt umzusetzen, das die Kriterien für die BREEAM-Bewertung „Ausgezeichnet“ erfüllt – dabei werden die Anfangsinvestition und die langfristigen Instandhaltungskosten berücksichtigt
und die Einsparungen mit einem Standard-Neubau verglichen.
D
as Nachhaltigkeitskonzept spielte von Anfang
an eine große Rolle: So wurde der Standort
– am Stadtrand, umgeben von sieben Wohnhäusern – besonders sorgfältig ausgewählt. Trotz der
Bereitstellung mehrerer Wohneinheiten für sieben
Familien blieb die Baufläche fast gleich. (Anstelle von
30 % nahm sie nun 33 % des Bodens ein.)
ENERGIEKONZEPT Der erste Schritt war der Entwurf einer optimalen Gebäudehülle. Als Nächstes mussten
energieeffiziente Geräte und erneuerbare Energien
berücksichtigt werden. Bisher haben die Häuser eine
deutlich bessere Leistung gezeigt als erwartet. Mit
einer E7/E12 und K16/K19-Bewertung (jeweils für
mittlere und abschließende Reihenhäuser) sind die
Eigenheime „zukunftsfähig“ und erreichen den Passivhausstandard von 15 kWh/m2/Jahr.
WASSERBEWIRTSCHAFTUNG Für Regenwasser soll Wasserneutralität erreicht werden. Dementsprechend soll
so viel Regenwasser wie möglich aufgefangen und zur
Verwendung eingesetzt werden. Die Schrägdächer der
Häuser sind mit Keramikziegeln gedeckt. Jedes Haus
hat einen 5.000-Liter-Regenwassertank, der mit den
Toiletten, einer Wartungsarmatur und einem Zulauf für
die Waschmaschine verbunden ist. Überschüssiges
Wasser läuft in ein mit Kies gefülltes Filterbecken im
Gemeinschaftsgarten ab.
GUTE INVESTITION Die Endkosten des Bauvorhabens
beliefen sich auf 1.100 Euro pro m2 zzgl. MwSt. für
die mittleren Reihenhäuser und 1.210 Euro pro m2
für die beiden Eckreihenhäuser. Fast ein Viertel <
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14 e4
DATEN & FAKTEN
Primärenergieverbrauch
für die Heizung
7.436 kWh prim/Jahr
Nettoenergieverbrauch
für die Heizung
9 kWh/Jahr
CO 2 -Emissionen
-477 kg CO2 /Jahr
Projektname
De Duurzame Wijk –
Das Nachhaltige Wohnviertel,
Waregem, Belgien
Architekt
Wielfaert Architects, Landschaftsarchitekt: Fris in het Landschap
Bauherr
Eribo Building & Immo
Technischer Berater
3E
Verwendete Produkte
Terca Eco-Brick Linnaeus,
Koramic Bellus Schiefer engobiert
+ Koramic Fleece Plus Bettung,
Porotherm PLS 500,
maßgeschneiderte wasserdurchlässige Penter Pflasterklinker
Jahr der Fertigstellung
2016
02|2017
e4 15
© Fotos: Studio Claerhout
Der Schutz einer Reihe wertvoller Bäume während der
Bauphase hat dazu geführt, dass der begrenzte private
Außenbereich der Bewohner direkt in einen lang gewachsenen Gemeinschaftsgarten übergeht.
< (24 %) der Kosten entfiel auf den Überbau, der
einen großen Einfluss auf das Leistungsprofil hat.
Daraus ergibt sich ganz klar: Entscheiden Sie sich
für eine nachhaltige und gleichzeitig bezahlbare Gebäudehülle, setzen Sie auf eine Sammelheizung und
richten Sie besonderes Augenmerk auf einen Aktionsplan für erneuerbare Energien.
Die traditionelle belgische Bauweise mit der Verwendung
klassischer keramischer Baustoffe eignet sich perfekt für
günstige Bauvorhaben mit langer Nutzungsdauer, ohne dass
dies zu Lasten der Qualität oder Ästhetik fallen würde.
HOHE QUALITÄT, DIE GENERATIONEN ÜBERDAUERT
Wohnkomfort steht im Mittelpunkt. Mithilfe der Wärmespeicherkapazität der soliden Konstruktion können Temperaturschwankungen minimiert werden.
Für eine optimale Schalldämmung wurden die Häuser durch eine Betonplatte getrennt, und die doppelten Trennwände zwischen den Häusern sind zusätzlich schallisoliert. Die Außenfassaden werden durch
eine flexible Fuge getrennt.
Damit die Häuser sich mit ihren Bewohnern mitentwickeln können, wurden gründliche Überlegungen zur
Barrierefreiheit und Anpassungsfähigkeit angestellt. In
diesem Sinne hat man sich u.a. für geringe Schwellenhöhen am Eingang, breite Türen, Rangierraum für
Rollstühle und ein Treppenhaus entschieden, das für
die Installation eines Treppenlifts geeignet ist.
Das Projekt wurde nach dem Nachhaltigkeitszertifikat BREEAM (Building Research Establishment
Environmental Assessment Methodology) mit „Ausgezeichnet“ bewertet. Damit ist es erst das zweite
Wohnbauprojekt in Belgien, das eine solche Bewertung erhalten hat. >
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16 ENERGIEEFFIZIENZ
XXX
FÖRDERUNG VON NACHHALTIGKEITS­
WERTEN IM GROSSEN RAHMEN
D
as Projekt befindet sich am südlichen Stadtrand von Cambridge, wo 3.500 neue Wohnungen mit Gemeinschaftsanlagen und Grünflächen entstehen sollen. Der Masterplan für dieses
Projekt wurde von Formation Architects entwickelt.
Die rechtwinkelige Häuseranordnung umschließt
einen parkähnlichen Gemeinschaftsbereich mit Tischen, Bänken, Pergolas und Grillplatz sowie grasbewachsenen Spielflächen und einem Kinderspielhaus. Gesäumt ist dieser Bereich von Bäumen und
02|2017
Grünpflanzen, während eine Glaswand für Schallschutz sorgt. Drei kleine Gärten können zum Gemüseanbau genutzt werden.
VERSCHIEDENE GEBÄUDEARTEN Formation Architects hat
insgesamt 128 Wohnstätten gebaut – 70 zwei- und
dreistöckige Häuser und 58 Wohnungen in vierstöckigen Gebäuden, die den Eingang zu diesem neuen
Wohngebiet abgrenzen. Die verschiedenen Gebäudearten sind in langen und kurzen Reihen entweder
einzeln versetzt oder als Doppelhäuser angeordnet.
Zurückgesetzte Strukturen und unterschiedliche Gebäudehöhen, schmale, bodentiefe Fenster und kleine
Balkone vermitteln den Eindruck, als wären sie spielerisch mit Bausteinen zusammengesetzt worden. <
© Fotos: Louis Sinclair
Das Wohnprojekt Seven Acres in England erhielt noch vor
seiner Fertigstellung zahlreiche Preise. Die Auszeichnungen
waren nicht nur der Architektur, sondern auch dem Nachhaltigkeitskonzept für die 128 Neubauten zu verdanken.
ENERGIEEFFIZIENZ
XXX 17
DATEN & FAKTEN
Projektname
Seven Acres, Cambridge,
Vereinigtes Königreich
Architekt
Formation Architects
Bauherr
Skanska
Verwendete Produkte
Terca Marziale
Jahr der Fertigstellung
2014
Zurückgesetzte Plattenstrukturen an Fassade und Dachterrassen vermitteln
das Gefühl, das Haus wäre aus senkrechten Bausteinen erbaut.
02|2017
18 ENERGIEEFFIZIENZ
XXX
»Wir haben uns für einen Ziegel mit fast
handgefertigter Qualität entschieden. Die
helle Farbe erinnert an das skandinavische
Erbe des Investors und passt sich
gleichzeitig gut in die umgebenden
Ziegelbauten von Cambridge ein.«
Michael Richter, Formation Architects
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ENERGIEEFFIZIENZ
XXX 19
Die Skulpturen am Ende des Komplexes in Richtung
Straßenkurve laden zum Spielen ein.
< HERAUSRAGENDES ZIEGELMAUERWERK Das Design
der zusammenhängenden Ziegelfassaden, die dem
Haus Ruhe und Größe verleihen, ist besonders bemerkenswert. Auskragende Binder und dekorative
Vertiefungen in der Fassadenfläche sorgen für eine
ansprechende Ästhetik. Auf die Frage nach der Auswahl der zu verwendenden Ziegel sagt Michael Richter von Formation Architects: „Wir haben uns für einen
Ziegelstein mit fast handgefertigter Qualität entschieden.“ Eichenholz vervollständigt die begrenzte Materialpalette der acht Haustypen und drei Wohngebäude.
Alle Wohnungen haben eine Mindestdeckenhöhe von
2,7 Metern oder verfügen über galerieähnliche offene
Bereiche; Schiebetüren ermöglichen unterschiedliche
Raumkonfigurationen, und Terrassen auf allen Etagen
ergänzen die schmalen Gärten.
NACHHALTIGKEITSMERKMALE Die starke Dämmung,
das Belüftungssystem mit Wärmerückgewinnung, die
Dreifachverglasung, Photovoltaik, grüne Dächer und
Regenwassersammeltanks sind Beispiele für das umweltbewusste Profil dieses Wohnviertels. Fahrradräume in jedem Haus sollen die Bewohner an den eigenen Beitrag zur Energieeinsparung erinnern. >
4-Betten-Haus – Grundriss für Erdgeschoss und Obergeschoss
02|2017
20 ENERGIEEFFIZIENZ
XXX
BUNTE UND NACHHALTIGE ZIEGELWÄNDE,
DIE AUSSEHEN WIE LAKRITZ
Die farbenfrohen Wände des Kinderhauses Buntspecht in Spardorf entstanden in monolithischer
Ziegelbauweise, deren hoher Wärmeschutz die zukunftsweisende Energieeffizienz unterstreicht,
ohne dabei auf zusätzliche Dämmschichten zurückgreifen zu müssen.
D
iese Bauweise schreibt die Vorteile der einschaligen Wand im modernen, energieeffizienten
Bauen fort. Die Ziegel übernehmen sowohl die
tragende Wirkung als auch den Wärmeschutz der Außenwand, sodass keine zusätzlichen Dämmschichten
auf der Außen- oder Innenwand benötigt werden.
OPTIMIERTE GEBÄUDEHÜLLE Die Außenwände entstanden aus einem verfüllten Hintermauerziegel in den
Stärken 49 und 42,5 cm. Die mit Mineralwolle verfüllten Leichthochlochziegel mit einer Wärmeleitfähigkeit von A = 0,07 W/mK können selbst in KfW-Effizienz- und Passivhäusern für hochwärmedämmende
monolithische Außenwände verwendet werden. Bei
49 cm Mauerwerksstärke plus 2 cm äußerem Leichtputz und 1,5 cm Kalkgipsputz innen wird damit ein
U-Wert von 0,14 W/m2k erreicht.
Auch die tragenden Innenwände wurden aus Ziegelmauerwerk gebaut. Sie unterstützen ein gesundes
Raumklima, da hochporosierter Ton Feuchtigkeit und
Wärme aufnimmt und zeitverzögert wieder abgibt.
Für Gebäude, in denen sich Kinder und Betreuer
aufhalten, ist das ein großer Vorteil.
02|2017
DATEN & FAKTEN
Projektname
Kinderhaus Buntspecht,
Spardorf, Deutschland
Architekt
dbj-Architects
Bauherr
Gemeinde Spardorf
Verwendete Produkte
Poroton T7-MW
Jahr der Fertigstellung
2014
Auf den Wänden ruhen die Decke des Erdgeschosses sowie das Flachdach über dem Obergeschoss.
Das Dach schließt mit einer umlaufenden Beton-Attika
ab, die den Planern zufolge verschiedene Funktionen
erfüllt – sowohl bezüglich struktureller Anforderungen
als auch im Sinne eines wärmebrückenfreien Aufbaus.
PLATZ FÜR KINDER Auf 1.280 m2 Netto-Grundfläche
konnte eine Aufteilung mit fünf Gruppenräumen für
Krippe, Kindergarten und Hort sowie ein Sportraum,
zwei Schlafbereiche, ein Werkraum und der Personalbereich vorgesehen werden. >
© Fotos: Deutsche Poroton / Matthias Rotter
LAKRITZ ALS INSPIRATION „Natürlich muss die gestalterische Idee für solch ein Projekt von den Kindern als
spätere Nutzer ausgehen“, beschreibt djb-Projektleiter
Matthias Bettmann die Anfänge der Planung. „Kinder
lieben Süßigkeiten und sie lieben Farben! Also haben
wir uns von einem Lakritzkonfekt inspirieren lassen.
Die monolithische Baumasse wurde optisch in einzelne farbige Wandscheiben aufgelöst, zwischen denen
sich senkrechte, geschossübergreifende Fensterelemente befinden, die mit ihrer dunklen Farbe praktisch
die Lakritze im Konfekt darstellen.“
ENERGIEEFFIZIENZ
XXX 21
Zwei freistehende, weiße Säulen markieren den Eingangsbereich des zweistöckigen Gebäudes. Die Verbindung zur
Fassade erfolgt auf Dachhöhe, um Wärmebrücken in dem
monolithischen Bau zu vermeiden.
02|2017
22 ENERGIEEFFIZIENZ
EIN NEUER GEBÄUDESTANDORT
FÜR NACHHALTIGE FORSCHUNG
Das Rakvere Smart House Kompetenzzentrum in Estland ist ein experimentelles Konzept, in dem eine
Forschungseinrichtung für intelligente Gebäudetechnik untergebracht ist. Ziel war es, einen physischen
„Baukörper“ zu schaffen, in dem verschiedene technische Lösungen für zukünftige Bauten entwickelt
und getestet werden können.
M
it Partnern aus mehreren estnischen Universitäten bemüht sich das Kompetenzzentrum,
zusätzlich zu den regionalen Berufsschulen,
Unternehmen und Behörden als zentrale Schaltstelle
des Baugewerbes einen Beitrag zu leisten, um die
regionale Entwicklung und Innovation zu fördern. Zu
den Forschungsgebieten gehören neue Technologien für die Haus- und Büroausstattung, automatisierte Gebäudesysteme und Gebäudemanagement.
Dabei dient das Kompetenzzentrum nicht nur als
02|2017
lokaler Knotenpunkt, sondern nimmt auch aktiv an
verschiedenen europäischen Initiativen für nachhaltige Energie teil und unterstützt die Energieeffizienz
durch innovatives und intelligentes Bauen.
UNTERSTÜTZUNG NEUER TECHNOLOGIEN Um seine nachhaltigen und innovativen Ansätze zu unterstreichen,
wurde das Kompetenzzentrum selbst als erstes öffentliches Niedrigstenergiegebäude Estlands unter
Verwendung der BIM-Methode konzipiert, indem ver-
ENERGIEEFFIZIENZ 23
Das Kompetenzzentrum wurde als
erstes öffentliches Niedrigstenergiegebäude in Estland konzipiert.
© Fotos: Oliver Alver, Henry Vürst
Gebäude der Bank von Estland, das nach wie vor
das optisch dominante Gebäude auf dem zentralen
Platz darstellt. Das neue Gebäude schaut dahinter
hervor und schafft so einen ästhetischen Kontrast
zum historischen Bau. Die erdfarbenen Mauersteine
der Fassade dienen dabei als verbindendes Element.
Sie stellen ein einzigartiges Muster her, ohne sich zu
sehr von dem alten Gebäude abzuheben, das aus
Ziegelstein erbaut wurde. Die Gebäude sind durch
die Verwendung keramischer Materialien und die
zeitbeständige Struktur miteinander verbunden.
schiedene Gebäudeautomatisierungstechniken zum
Einsatz kommen. Eine Reihe nachhaltiger Energiequellen wie Solarmodule und geothermische Wärmepumpen werden für die Gebäudebeheizung benutzt.
Eine einmalige Umgebung für Demonstrations- und
Testzwecke im Zentrum schafft optimale Bedingungen für die wissenschaftliche Arbeit der Forscher.
Im städtebaulichen Kontext ist das Zentrum die Erweiterung eines bestehenden Gebäudes. Zu dem
Grundstück gehört auch das denkmalgeschützte
INTEGRIERTE NACHHALTIGKEIT Zusätzlich zu den neuen nachhaltigen Elementen wie Solarheizung und
Wasseraufbereitung wurde die Forschungseinrichtung unter Berücksichtigung traditioneller Bauverfahren konzipiert. Das spiegelt sich in der Verwendung
der Baustoffe wider. Der verwendete Ziegel schafft
nicht nur eine attraktive Fassade, sondern hat zudem eine ausgezeichnete Wärmespeicherkapazität,
die das Gebäude im Winter warm und im Sommer
kühl hält. Tark Maja ist ein gutes Beispiel, wie natürliche Baumaterialien mit der neuesten Technologie
kombiniert werden können. >
DATEN & FAKTEN
Projektname
Tark Maja („Intelligentes Haus“),
Rakvere, Estland
Verwendete Produkte
Terca Westminster
Architekten
Alver Arhitektid
Bauherr
SA Virumaa Kompetentsikeskus
Jahr der Fertigstellung
2015
02|2017
24 ENERGIEEFFIZIENZ
Die monolithische Bauweise wird durch die Wahl
gleichmäßiger Materialien noch unterstrichen:
einheimische Sandarten, Kreide und weißer Zement.
02|2017
ENERGIEEFFIZIENZ 25
REGIONALE
WERTSCHÖPFUNG –
NACHHALTIGES DESIGN
Mit der Eleganz und der Gelassenheit eines Herrenhauses präsentiert sich das Einfamilienhaus in Südtirol. Der weiße Monolith zeichnet sich durch eine energiesparende Bauweise und die Verwendung
natürlicher und lokaler Materialien aus.
D
er Wunsch des Bauherrn war es, einen kleinen,
aber bedeutungsvollen Ansitz zu schaffen. Das
Einfamilienhaus befindet sich am Ausgang des
Mühlwalder Tals auf 862 m Meereshöhe. Es fügt sich
in die umgebende Landschaft ein und strahlt gleichzeitig die ruhige und elegante Gelassenheit eines
Herrenhauses aus. Die quadratischen Fensteröffnungen in unterschiedlicher Größe beziehen sich auf
signifikante Punkte der in unmittelbarer Nähe steil
aufragenden Berglandschaft und bieten eine atemberaubende Aussicht auf die Berge und Wälder.
LOKALES BAUMATERIAL Die einheitliche Materialwahl
aus lokalen Sanden, Kalk und Weißzement unterstreicht den monolithischen Charakter des Gebäudes. Der natürliche Grundton des Materials steht
dabei im Vordergrund. Die Fassadenoberfläche
präsentiert sich in einem gewaschenen Grobputz.
Auch bei der Auswahl des Wandmaterials wurde ein
natürliches und robustes Material gewählt – Ziegel.
Die rautenförmigen Dachplatten wurden aus Weißzement und Dolomitsanden handwerklich hergestellt
und anschließend sandgestrahlt, um eine getreue
Abstimmung mit der Fassade zu erreichen. Alle verwendeten Materialien, außen wie innen, demonstrie<
ren regionale Verbundenheit.
DATEN & FAKTEN
Primärenergiebedarf
73,28 kWh/m2a
Heizwärmebedarf
41,54 kWh/m2a
Projektname
Haus am Mühlbach,
Südtirol, Italien
Architekten
Pedevilla Architects
Bauherr
Privat
Verwendete Produkte
Porotherm PLAN 50 T
Jahr der Fertigstellung
2014
02|2017
26 ENERGIEEFFIZIENZ
Erschlossen wird das Gebäude über die tiefer versetzte Garagenzufahrt an seiner Schmalseite und über das hölzerne Zugangsportal an
seiner Längsseite. Die interne Raumabfolge ist halbstöckig versetzt
und reicht von dem im Erdgeschoss liegenden Koch- und Ess­bereich
bis hin zum Wohnbereich im Dachgeschoss.
Erdgeschoss
0 1
5
10
Dachgeschoss
Obergeschoss
Untergeschoss
< EHRLICHES HANDWERK Im Innenraum wurde ebenso besonders auf die handwerkliche Qualität und die
Verwendung von ortstypischen Materialien geachtet.
So wurde der Innenputz auf Kalkbasis durch Zusammensetzung von Sumpfkalk, Marmorsanden und
Erdpigmenten hergestellt. Diese warm anmutenden
0 1
»Um eine hohe regionale Wertschöpfung zu
erreichen, wurde großer Wert auf handwerkliche
Qualität und die Verwendung von ortstypischen
Materialien gelegt.«
Pedevilla Architects
02|2017
1:100
0 1
Oberflächen werden durch den Einsatz von handgehobeltem Ulmenvollholz und durch die Verlegung
von Passeirer Gneis unterstützt. Natürliche Materialien schaffen ein gutes Wohnklima und erzeugen in
ihrer Zusammenwirkung eine Wohlfühloase mitten in
den Bergen.
5
10
REDUZIERTE ENERGIEKOSTEN Die Architekten und der
Bauherr verzichteten bewusst auf komplizierte Haus­
Obergeschoss
1:100
technik, um das Gebäude möglichst wartungsarm zu
gestalten, und investierten das Geld in hochqualitative Materialien.
Das Projekt entspricht der Klasse B der Klima­HausZertifizierung in Südtirol. Diese Klasse beschreibt
ein Gebäude mit einem Heizenergiebedarf unter
50 kWh/m2a. >
0
© Fotos: Gustav Willeit, Pedevilla Architects
Dachgeschoss
ENERGIEEFFIZIENZ 27
Viel Sorgfalt wurde auch bei der Innenarchitektur
aufgewendet, wobei der hochwertigen Verarbeitung
und der Verwendung typischer lokaler Materialien
besondere Aufmerksamkeit zukam: kreidebasierter
Innenputz, von Hand gehobeltes Ulmenholz, Passeirer
Gneis und Hufschmied-Bronze.
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28 ENERGIEEFFIZIENZ
MODERNE UND
ENERGIEEFFIZIENTE
STADTVILLA
Dieser Blickfang mit zwei Wohnungen ist Teil einer Stadtentwicklung in Deutschland. Die Kubusform mit ihren hellbeigen Ziegeln ist mehr als nur optisch ansprechend. Dank der zweischaligen
Konstruktion der Wände verfügt das Haus über die neueste Energieeffizienz-Technik.
SKULPTURALE AKZENTE Inmitten dieser neu entstandenen Wohnfläche bietet ein moderner beiger Kubus
Wohnkomfort in herausragendem Design. Gemeinsam entschieden sich Architektin Anja Engelshove
und der Bauherr für einen hellen Ziegel, dessen Retro-Look im Kontrast zum modernen Design steht.
Die in einem speziellen Verfahren entwickelten unregelmäßigen und leicht gebrochenen Kanten der Ziegel lassen das Material gewollt älter aussehen.
KONSEQUENTE ZIEGELBAUWEISE Da der Bauherr Wert auf
eine Ziegelfassade legte, musste Architektin Anja Engelshove keine Überredungskunst für eine Hintermauer und Innenwände aus gebranntem Ton aufbringen.
Mit der zweischaligen Konstruktion unter Verwendung
17,5 cm starker Planziegel wird eine ausgezeichnete Wärmedämmung erreicht. Die Bauweise wirkt sich
positiv auf die Raumluftqualität aus und sorgt somit für
ein gesundes Wohnraumklima. Die Innenwände aus
Hintermauerziegeln nehmen überschüssige Feuchtigkeit auf und speichern die Wärme.
ENERGIEEFFIZIENTES DESIGN Die großflächigen, nach
Süden ausgerichteten Fenster lassen nicht nur viel
02|2017
DATEN & FAKTEN
Projektname
Stadtvilla am Phoenixsee,
Dortmund
Architekt
Anja Engelshove
Bauherr
Privat
Verwendete Produkte
Terca Oud Laethem,
Poroton T16
Jahr der Fertigstellung
2015
Licht, sondern auch Sonnenwärme ins Haus. Das hilft,
Heizenergie zu sparen. Insgesamt erzielt die Stadtvilla
einen Mindest-U-Wert von 0,171 W/m2K – wofür das
Haus mit KfW-Effizienzhausstandard 55 eingestuft
wurde. Diese Bewertung bestätigt, dass das Gebäude moderne Energieeffizienzstandards und damit die
Anforderungen für finanzielle Förderung erfüllt.
HOHE WOHNQUALITÄT Die elegante Architektur setzt
sich im Inneren mit klaren Linien, hochwertigen Materialien und viel Licht im ganzen Gebäude fort. Entspanntes Wohnen in exklusivem Ambiente mit Blick
auf den Phoenixsee. >
© Fotos: Ralf Pieper
E
ines der aktuell größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands wird derzeit auf einer
200 Hektar großen Industriebrache in Dortmund realisiert. Die Entwicklungspläne umfassen
einen künstlichen See, neue Geschäfts- und Industriegebäude sowie Wohnungen.
ENERGIEEFFIZIENZ 29
Die großen Fensterflächen ermöglichen den freien Blick auf den
Phoenixsee und lassen viel Licht in den Raum. Die Vorliebe für
helle Farbtöne setzt sich auch im Inneren fort.
02|2017
30 INDIVIDUELLE LÖSUNGEN
02|2017
INDIVIDUELLE LÖSUNGEN 31
Flexible Wohnkonstellationen. Hinter den kleinen
Fenstern und Balkonen
verbergen sich die
Mini-Apartments, die mit
den großzügigen gemeinsamen Wohnbereichen
verbunden sind.
EINE NEUE ART DES
ZUSAMMENLEBENS
– BEZAHLBARE
WOHNQUALITÄT
Das Clusterhaus Haus A in der Schweiz widmet sich aktuellen
Fragen: Wie kann man das Zusammenleben von Menschen
gestalten, ihre Beziehungen zueinander und die Beziehung
zum öffentlichen Raum von innen nach außen, und wie können
diese Menschen gemeinsame Einrichtungen nutzen?
H
aus A ist Teil des neuen Hunziker Areals im
Norden Zürichs. Das Projekt mit dem vielversprechenden Titel „mehr als wohnen“ umfasst
insgesamt 450 Wohnungen. Die Wohnungen verteilen sich auf 13 Gebäude, die von unterschiedlichen
Architekten entworfen wurden.
„Mehr als wohnen“ heißt, dass man mehr als nur
Wohnraum bieten möchte: So werden den Bewohnern und Genossenschaftsmitgliedern (bei fehlendem Privatauto) Dienstleistungen wie Carsharing und
Elektromobilität angeboten; zudem sind Gemeinschaftsküchen, Gewächshäuser, Kräutergärten und
Hotelzimmer für Gäste geplant.
DATEN & FAKTEN
Projektname
Clusterhaus, Haus A –
Zürich, Schweiz
Architekten
Duplex Architekten
Bauherr
Baugenossenschaft
mehr als wohnen
Verwendete Produkte
Poroton-T7, Poroton-T8 und
DryFix Polyurethanschaum
Jahr der Fertigstellung
2015
GEMEINSAME RÄUME UND SOZIALBEREICHE Das beeindruckendste Merkmal des Wohnhauses ist allerdings die neuartige und innovative Raumaufteilung,
wie im Fall des Hauses A, das der Feder von Duplex
Architekten entsprang. Es bietet seinen Bewohnern sowohl einen großen Gemeinschaftsraum als
auch einen eigenen Rückzugsbereich. Dieser Bereich ähnelt einer Miniwohnung mit einem oder <
02|2017
32 INDIVIDUELLE LÖSUNGEN
N
0
5
10m
Hunziker Areal, Baugenossenschaft mehr als wohnen
Grundriss Regelgeschoss möbliert, Haus A, Dialogweg 6
Duplex Architekten, Zürich
N
»Wir haben das gesamte
Gebäude auf dem
kleinsten gemeinsamen
Nenner der Ziegelmaße
gebaut. Auf diese
Weise konnten wir den
Zuschnitt der Ziegel
und den anfallenden
Abfall minimieren und
die Dämmeigenschaften
verbessern. Das passt
gut zu den innovativen
Sozialkonzepten des
Projekts.«
Duplex Architects
0
502|2017
10m
Auf dem Grundriss erkennt man die
Miniapartments mit einem oder zwei
Zimmern, einer Küchenzeile und einem
kleinen Duschbad sowie den
Gemeinschaftsbereich.
INDIVIDUELLE LÖSUNGEN 33
© Fotos: Johannes Marburg, Duplex Architekten AG
Die Idee war, erschwingliche Qualitätswohnungen
für Bewohner mit Gemeinschaftssinn zu schaffen.
< zwei Zimmern, einer Teeküche und einem kleinen
Duschbad. Die Bewohner sind vom neuen Konzept
begeistert. Marco Gähler, 27, Physiker und Chemiker, sagt dazu: „Vierhundert Quadratmeter mit einem riesigen Essbereich und einem noch größeren
Wohnzimmer, einer außergewöhnlich großen Loggia,
auf der man Partys feiern kann, und all das mitten in
Zürich? Ich nenne das sozialen Luxus.“
Anna Hambitzer, 28, Physikerin und Medizintechnikerin, sagt: „Hier zu sein ist wirklich mehr als nur wohnen. Dieses Haus ist ein Beitrag zu einer zukünftigen,
gesellschaftsübergreifenden Verbundenheit, die weit
über die klassische Studenten-WG hinausgeht.“
MINIMALE BAUABFÄLLE Neben den sozialen Aspekten ist die innovative Bauweise eines der beeindruckendsten Merkmale von Haus A. Die gesamte Außenwand wurde als monolithische Mauerwerkswand
mit integrierter Perlit-Dämmung gebaut. Alle geometrischen Maße des Gebäudes wie die Geschosshöhe und die Breite der Fenster basieren auf einem
Vielfachen der Ziegelmaße, um so wenig Abfall wie
möglich zu produzieren. Um eine Einschränkung der
Dämmeigenschaften zu vermeiden, hat man die Ziegel nicht auf Mörtel gebettet, sondern sie stattdessen
mit einer 2 mm dicken Polyurethanschaum-Schicht
zusammengeklebt. Dank all dieser Maßnahmen war
keine zusätzliche Wärmedämmung notwendig. >
02|2017
34 INDIVIDUELLE LÖSUNGEN
Dieser Neubau wurde respektvoll
inmitten der alten Bäume eingebettet,
die Teil des Klimakonzepts sind.
WENN WOHLFÜHLATMOSPHÄRE
AUF NACHHALTIGKEIT TRIFFT
Im belgischen Hasselt ist ein Hortgebäude entstanden, bei dem dank der Berücksichtigung
der natürlichen Umgebung die städtische Grünfläche erhalten und so ein angenehmes
Umfeld für die Kinder geschaffen werden konnte.
02|2017
INDIVIDUELLE LÖSUNGEN 35
L
ens°Ass Architecten stellten mit diesem Projekt
ihr kontextbewusstes Denken unter Beweis.
Der Auftrag bestand darin, an eine bereits bestehende Reihenhauszeile anzuknüpfen und einen
Durchgang zum Park zu ermöglichen. Die Architekten entschieden sich gegen den Bau zusätzlicher
großer Gebäude auf Kosten der herrlichen Bäume.
Stattdessen rollten sie die Sache von der anderen
Seite auf. Um die Grünfläche der Stadt zu erhalten,
erweiterten sie nicht die Reihenhauszeile, sondern
entwarfen im Park zwischen den Bäumen und Büschen einen Pavillon mit „Wurzeln“. Der Garten fungiert als Rückwand, sodass das Gebäude von der
Straße aus kaum zu sehen ist. Die Fassade geht aus
der Dünnbettmethode hervor, und die Textur der Ziegel passt sich gut in das sprunghafte Wachstum der
Umgebung ein.
STÄDTISCHER ERHOLUNGSRAUM Durch die Verwendung einer Pavillonform konnte eine größere Fläche
frei bleiben. Zusätzlich bringt das Zusammenspiel
beider Funktionen – Stadtpark und Kinderhort – einen Mehrwert für beide und wirkt sich positiv auf
das Stadtgefüge aus. Alle Funktionen sind klar, einleuchtend und räumlich logisch. Die runden Fensteröffnungen in der Außenwand erhöhen die soziale <
DATEN & FAKTEN
Projektname
De Ark, Hasselt, Belgien
Architekten
Lens°Ass Architecten
Bauherr
VZW De Wiekslag
Verwendete Produkte
Terca Blauw-Rood Genuanceerd
Jahr der Fertigstellung
2014
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36 INDIVIDUELLE LÖSUNGEN
Die Grundrisse von Erd- und Obergeschoss zeigen
die intelligente Raumaufteilung in „De Ark“.
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INDIVIDUELLE LÖSUNGEN 37
Die runden Fenster in der Außenwand sind in Wahrheit
umfunktionierte Oberlichter. Sie stellen eine Verbindung
für die Bewohner zum Park her.
© Fotos: Lens°Ass Architecten & Philippe van Gelooven
< Interaktion im Park. Sie schaffen eine angenehme Atmosphäre und werden auch dem Projekttitel
gerecht: „De Ark“ – die Arche. Der Pavillon und die
Wand lassen gemeinsam einen von der Außenwelt
geschützten Raum entstehen.
NACHHALTIGKEIT ALS GRUNDVORAUSSETZUNG Alle verwendeten Materialien (Beton, Ziegel und Holz) wurden unter Anwendung der jeweiligen Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt und integriert. Die großen
Bäume, die erhalten werden konnten und schützend
über dem neuen Pavillon stehen, unterstützen das
Klimakonzept. Regenwasser wird in den Innenhöfen
und auf den Dächern gesammelt und kann im Boden
versickern. Auch die Wahl der Ziegel spiegelt diesen
Ansatz wider, denn Ton ist Teil unserer natürlichen
Umgebung. Dadurch, dass die Architekten im Laufe ihrer zahlreichen Umbauprojekte mit einigen sehr
alten Gebäuden zu tun hatten, konnten sie sich mit
den einzigartigen Eigenschaften von Ziegel vertraut
machen, so Bart Lens. Er schätzt den Werkstoff aufgrund seiner „wunderschön alternden Patina, der
Reinigungsfreundlichkeit, seiner flexiblen Nutzung
und Wiederverwendung sowie der soliden Widerstandsfähigkeit des Materials“.
„De Ark“ schafft eine Wohlfühlatmosphäre unter Berücksichtigung von Natur und Nachhaltigkeit. >
»Heute sind Nachhaltigkeit und der ökologische Fußabdruck
ein ganz wichtiges Thema. Aus der Geschichte haben wir
gelernt, dass Ziegelgebäude nicht nur langlebig, sondern
auch außergewöhnlich beständig sind. Ein beruhigender
Gedanke für einen Immobilieninvestor.«
Bart Lens
02|2017
38 INDIVIDUELLE LÖSUNGEN
INTERESSE FÜR
RECYCLING WECKEN
In Paris ist unter dem Boulevard Périphérique, der die Stadt
vom Vorort Pantin trennt, eine neue öffentliche Recycling- und
Sortieranlage entstanden. Das ungewöhnlich stylische Design
der Anlage soll Passanten dazu bewegen, ihren Abfall dort zu
entsorgen und somit Ressourcen einzusparen.
D
SCHICKES DESIGN UND RECYCLING Eine Sortieranlage
ist nicht wirklich glamourös, sodass man sich für einen auffälligen weißen Ziegel entschieden hat, um
das Gebäude hervorzuheben und das Thema Wiederverwertung für jedermann sichtbar zu machen.
Als natürliches Material passt Ziegel sehr gut in das
Gesamtkonzept.
Mit einer Fläche von 1.400 m2 hebt sich die Anlage
vom umgebenden Straßennetz ab wie eine Perle im
Asphaltdschungel. Abgeschottet von ihrer unwirtlichen Umgebung ist sie durch eine Einfriedung aus
weißen Ziegeln und Glasbausteinen, die 35–40 Meter hohe, geschwungene Wände ergeben. Mit diesem letzten Schliff soll die Neugier der zahlreichen
Passanten sowie die Bereitschaft geweckt werden,
so viele Wertstoffe wie möglich zu sammeln und zur
Wiederverwertung hier abzugeben.
02|2017
DATEN & FAKTEN
Projektname
Espace de tri Porte de Pantin,
Paris, Frankreich
Bauherr
Stadt Paris
Architekt
Data Architectes
Verwendete Produkte
Terca, weiß, emailliert
Jahr der Fertigstellung
2016
STÄRKE UND LEICHTIGKEIT Die gleichermaßen robuste
und leichte Einfriedung steht im Kontrast zur umgebenden Infrastruktur und lässt einen Dialog mit den
Passanten entstehen. Die glasierten weißen Ziegel
wurden versetzt verlegt, wobei einige von ihnen von
der Wand abstehen. Dieses Design und die Höhe von
3,3 m verhindern das Eindringen Unbefugter, lassen
gleichzeitig aber die Blicke neugieriger Fußgänger zu
und das Tageslicht hindurch. Die städtische Umgebung spiegelt sich auf der glänzenden Ziegelfassade,
die im Licht der Sonne und der vorbeifahrenden Autos erstrahlt.
Dieses Wertstoffzentrum steht mit seiner mutigen
Architektur für Nachhaltigkeitswerte, während es
gleichzeitig als notwendige Einrichtung zur Abfallverwertung dient. Letztlich ist es doch der Abfall von
heute, der die Ressourcen von morgen stellt. >
© Fotos: Geraldine Bruneel
ie Sortieranlage befindet sich in einem Teil der
Stadt, der bis vor Kurzem noch durch Indus­
trie, Gewerbe und Parkhäuser geprägt war. In
den vergangenen 30 Jahren hat das Gebiet durch
Rückgang und Verlagerung dieser Aktivitäten eine
Erneuerung erfahren.
Mit seiner Lage auf einem ehemaligen Kreisverkehr,
der umgebaut wurde, um die Durchfahrt einer Straßenbahn zu ermöglichen, liegt der Standort inmitten
vielfältiger Verkehrsstraßen: die Tangente darüber,
ein Straßentunnel darunter und vier Spuren auf jeder
Seite. Er ist somit strategisch inmitten verschiedener
Logistikrouten gelegen und bietet zudem den Vorteil,
gut sichtbar und ausgezeichnet erreichbar zu sein.
INDIVIDUELLE LÖSUNGEN 39
Die Kombination von Keramik- und Glasziegeln schafft ein
faszinierendes Zusammenspiel von Licht und Schatten.
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www.architectum.com
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