KIRCHFELD BOTE Kirchfeld – Haus für Betreuung und Pflege Winter 2011 INHALT Ethisches Handeln – von der Theorie ins alltägliche Leben 3 Drei Jahre alt und nicht mehr wegzudenken: Der Lindengarten 8 Mit «tacs» die Leistungen in Pflege und Betreuung erfassen 10 SPEZIAL: Der Einblick in die Technik des Kirchfelds 16 Grusswort des Gemeinderats 18 Verschiedene Gratulationen und Varia 23 KIRCHFELDüBOTE 3/11 EDITORIAL IM SPANNUNGSFELD Geschätzte Leserin, geschätzter Leser Wie hat sich das Kirchfeld in den vergangenen Jahren entwickelt? Was hat sich grundlegend verändert seit der Eröffnung des Kirchfelds 1 im 2002? Diese Fragen stellen interessierte Menschen, die gerne einen Blick hinter die Kulissen dieses Betriebes werfen würden und nachvollziehen möchten, was sich in der Betreuung und Pflege verändert hat. Erinnern wir uns! Es gab eine Lernende für Fachfrau Betreuung. Sie war die Einzige. Heute werden viele verschiedene Aus- und Weiterbildungen in der Pflege und in der Hotellerie angeboten. Junge Menschen verändern die Ansprüche und Qualität eines Betriebes. Es mussten Führungsstrukturen geschaffen und die Mitarbeitenden entsprechend geschult werden. Heute rekrutiert man hauptsächlich Fachkräfte, welche man im eigenen Betrieb ausgebildet hat, denn der Arbeitsmarkt ist ausgetrocknet. Fachliche und menschliche Kompetenzen sind in diesem sensiblen Umfeld in Pflege und Betreuung die wichtigste Grundlage. Wie wir diese Qualität definieren, haben wir im Leitbild formuliert, das nach ethischen Grundsätzen erarbeitet und weiter entwickelt wurde. Wie Ethik im Kirchfeld gelebt wird, beweisen wir jeden Tag. Die Pflege und Betreuung ist heute durch die veränderte Demographie komplexer und anspruchsvoller geworden. Gutes Handeln muss reflektiert werden, denn nur so wird man der Selbstbestimmung der Bewohner und Bewohnerinnen gerecht. Es gab keine geschützte Wohneinheit für Menschen mit Demenz. Die zwischenmenschlichen Konflikte waren für alle Beteiligten sehr belastend. Heute sieht man, wie eine überschaubare Infrastruktur die Menschen beruhigt. Das Konzept mit der Wohngruppe Lindengarten, die vor drei Jahren in das Gesamtangebot für Betreuung und Pflege im Kirchfeld integriert wurde, hat sich für die Bewohnerinnen und Bewohner wie auch für die Mitarbeitenden sehr bewährt. Die Krankheit Demenz nimmt aber weiterhin stark zu und zusätzliche spezialisierte Betreuungs- und Wohnformen sind gefragt. Früher führte man eine Pflegedokumentation, heute verlangt das Krankenversicherungsgesetz ein wissenschaftliches Pflegeleistungserfassungssystem. Die Mitarbeitenden haben entsprechend vermehrt administrative Aufgaben zu übernehmen. Das Spannungsfeld in der Betreuung und Pflege ist gross und soll möglichst allen Ansprüchen gerecht werden. Das Kirchfeld-Team gibt Tag für Tag sein Bestes, damit die Bewohnerinnen und Bewohner zufrieden sind. Ihre Lebensqualität ist unser Auftrag. Den interessierten Menschen möchten wir einen Blick hinter die Kulissen erlauben. Das Kirchfeld 1 feiert 2012 das 10-jährige Jubiläum. Erleben Sie das Kirchfeld hautnah im nächsten Jahr. Wir freuen uns schon jetzt auf Ihren Besuch und wünschen Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit. Sabine Schultze-Heim 2 KIRCHFELDüBOTE 3/11 SCHWERPUNKT EINE KULTUR DER ETHIK ENTWICKELN Im Leitbild hat das Kirchfeld die Grundsätze ethischen Handelns formuliert. Mit Ausbildung und Weiterbildung entwickelt das Haus für Betreuung und Pflege sukzessive seine Kultur der Ethik weiter und setzt das Wissen im Alltag ein. So stützen sich Entscheide in schwierigen Situationen – zum Beispiel bei komplexen palliativen Pflegesituationen – auf Fallbesprechungen nach ethisch fundierter Methode. Die Wissensgruppe Ethik spielt dabei eine wichtige Rolle. Sabine Schultze-Heim Ethik ist in aller Munde – von sozialen Institutionen bis hin zu wirtschaftlichen Unternehmungen. Wenn alle ihr Handeln reflektieren, müsste dies doch Folgen haben, spürbar sein. Im Kirchfeld wirkt sich Ethik direkt auf die Entscheidungsfindung und Problemlösung im Alltag aus. Mit dem Ziel, Ethik nach den Grundsätzen des Leitbilds in den Pflege-Alltag im Kirchfeld zu integrieren, begann das Kirchfeld vor zwei Jahren mit ethischen Weiterbildungen und inter nen Schulungen. Hat das etwas verändert? Blicken wir kurz zurück. Die Leitung Kirchfeld erachtete es als wichtige Grundhaltung in der Führung eines sozialen Betriebes, dass alle Mitarbeitenden, Bewohner und Bewohnerinnen sowie die Angehörigen ein gemeinsames Grundverständnis von reflektiertem Handeln und Problemlösungen haben. Jeder und jede Beteiligte soll möglichst unabhängig und neutral hinterfragen und mitentscheiden können. Es galt nun, in gezielten Aus- und Weiterbildungen die Kompetenzen für das ethische Handeln zu erweitern und eine Ethik-Organisation im Betrieb KIRCHFELDüBOTE 3/11 aufzubauen. Die erste Herausforderung war, Mitarbeitende für das Thema und die zeitaufwändige Ausbildung in Ethik zu motivieren. Schliesslich entschied sich die Leiterin selbst für die Weiterbildung und konnte auch Daniela Sager, Stationsleiterin, für das CAS «Ethische Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen» motivieren. Dieser Zertifikatskurs war die Grundlage, Fallbesprechungen auf den Abteilungen einführen zu können. Ethische Entscheidfindung Inhaltlich lernte man ethische Grundkenntnisse, wie Methoden und Grundbegriffe der Ethik und deren Anwendung in beruflichen Arbeitssituationen, ethische Argumentationsmodelle, Möglichkeiten und Grenzen ethischen Argumentierens und die Analyse der eigenen Werthaltung. Zudem beinhaltete dieser Kurs eine praxisnahe Vertiefung typischer Dilemmasituationen im Gesundheitswesen und systematische Besprechung schwieriger Entscheidungssituationen. Besondere Beachtung wurde der 3 SCHWERPUNKT Schulung und Vermittlung des Modells «7 Schritte Dialog» für ethisch fundierte Fallbesprechungen geschenkt. Spezielle Themen, wie Grundkonflikte am Ende des Lebens, ethische Aspekte der «Palliative Care», der Sterbehilfe, Forschung am Menschen oder auch rechtliche Fragen im Umfeld ethischer Dilemmasituationen wurden mit Fachpersonen vertieft. Mit dem Abschluss des Zertifikatskurses «Ethische Entscheidungsfindung in Organisatio nen», welche die Leiterin soeben abgeschlossen hat, konnte die betriebseigene Ethikorganisation angegangen werden. Die Schwerpunktthemen dieses Kurses bewegten sich zwischen Aufbau und Pflege einer Kultur ethischen Nachdenkens in Institutionen des Gesundheitsund Sozialwesens bis hin zu Themen wie: Systemisches Verständnis von Organisationen, Entwicklung und Implementierung von EthikGremien, Entscheidungsverfahren und das Erstellen von Leitlinien. Nun galt es, mit einfachen Schritten Ethik im Kirchfeld praxisnahe einzuführen und bereits bestehende Gremien für die Implementierung zu nutzen. Die bestehende Wissensgruppe «Ethik», welche Daniela Sager als Koordinatorin führt, wird seit 2010 in den ethischen Grundbegriffen geschult. Diese Gruppe, zusammengesetzt aus Mitarbeitenden aller Stationen, startete sehr motiviert. Die Mitarbeitenden haben nun die Aufgabe, alle freiheitseinschränkenden Massnahmen auf den Abteilungen zu evaluieren und gemeinsam zu überprüfen, sowie Handlungen in der Praxis kritisch zu hinterfragen. Dabei zeigte sich, dass durch das Hinterfragen von Mechanismen eine eigentliche Fehlerkultur entsteht. Eine Handlung infrage stellen, heisst nicht gleichzeitig, dass Fehler gemacht wurden. Durch die Möglichkeit des Reflektierens werden 4 Hemmschwellen gesenkt und es entstehen konkrete sachliche Handlungsoptionen. Die Überprüfung der freiheitseinschränkenden Massnahmen wird mit der Einführung des Erwachsenenschutzrechts ab 2013 eine erste Anforderung und Vorgabe für alle Organisationen sein. Bereits seit dem letzten Jahr werden im Kirchfeld ethische Fallbesprechungen unter Beratung und Anleitung der geschulten Fachpersonen auf den Abteilungen angeboten und durchgeführt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für die Mitarbeitenden eine hohe Anforderung ist, ethisch zu hinterfragen und Lösungsansätze zu formulieren. Die Besprechung in der EthikGruppe motiviert aber zugleich und kann auch entlastend sein, da gemeinsame Lösungen erarbeitet werden. Die weitere Entwicklung der ethischen Kultur und Praxis wird in den nächsten Jahren eine Daueraufgabe sein. Denn für die Qualitätssicherung in Pflege und Betreuung ist reflektiertes Handeln nicht mehr wegzudenken. Ethische Entscheidfindung 7 Schritte Dialog ü ü ü ü ü ü ü Erfahrung des Sachverhaltes als ethisches Problem Kontextanalyse Werteanalyse Entwurf von mindestens drei Handlungsmöglichkeiten Analyse der Handlungsmöglichkeiten Konsensfindungsprozess und Handlungsentscheid Kommunikation und Überprüfung des Handlungsentscheids KIRCHFELDüBOTE 3/11 SCHWERPUNKT Wissensgruppe Ethik GUTES HANDELN WIRD GEMEINSAM REFLEKTIERT Die Wissensgruppe Ethik schafft im Kirchfeld den Transfer von der theoretischen Ebene in die praktische Umsetzung ethischer Grundsätze im Alltag. In der Gruppe werden konkrete Fälle besprochen und Handlungsmöglichkeiten gemeinsam erarbeitet. Daniela Sager erklärt als Koordinatorin der Wissensgruppe, warum dieser ethische Dialog so wichtig ist. Interview Marlise Egger Andermatt Das Kirchfeld arbeitet nach ethischen Grundsätzen, die im Leitbild formuliert sind. Warum ist die Ethik ein zentrales Thema im Kirchfeld? «Wo Menschen Lebensqualität finden» steht für das Haus für Betreuung und Pflege. Diese Lebensqualität hängt heute mehr denn je mit einem selbstbestimmten Leben zusammen. Die Individualität hat auch in der Pflege einen hohen Stellenwert. Die Persönlichkeit jedes Bewohners, jeder Bewohnerin steht im Vordergrund. Nicht alle haben die gleichen Bedürfnisse und Werthaltungen. Dies muss bei unserer Pflege und Betreuung berücksichtigt werden. Die Anforderungen werden immer komplexer. Greift das Thema Ethik in alle Bereiche? Der Schwerpunkt ethischen Handelns liegt momentan im Bereich der Pflege. Hier haben wir seit zwei Jahren die Grundlagen erarbeitet und weiterentwickelt. Mit der Wissensgruppe Ethik haben wir ein Instrument zur Überprüfung unserer Leistungen geschaffen. Dieser ethi- KIRCHFELDüBOTE 3/11 sche Ansatz soll später auch für die Hotellerie übernommen werden. Was heisst das im Alltag der Pflege konkret? In der Pflege müssen wir die Selbstbestimmung der Bewohnerinnen und Bewohner respektieren. Es gibt aufgrund verschiedener Krankheitsbilder jedoch Situationen, wo freiheitsbeschränkende Massnahmen notwendig sind. In diesem Spannungsfeld zwischen Autonomie und Freiheit auf der einen Seite sowie Hilfe und Sicherheit auf der anderen Seite bewegen sich Pflege und Betreuung. Wo sind die Grenzen zu ziehen? Pflegende kommen oft in ein schwieriges Dilemma. Wichtig ist es, eine neutrale Basis für die Problemlösung zu finden und mit solchen Entscheiden nicht allein zu sein. Was ist die Aufgabe der Wissensgruppe Ethik? Die Wissensgruppe Ethik reflektiert, diskutiert ethische Probleme und sucht nach ange- 5 SCHWERPUNKT Auszug aus dem Leitbild. passten Möglichkeiten. Hier sind Mitarbeitende von jeder Abteilung als «Wissensträger» vertreten. Das sind ausgebildete Fachpersonen, aber auch Pflegemitarbeitende, die in ihrer Arbeit unmittelbar mit der Pflege und Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner zu tun haben, sei das im Kirchfeld 1 oder zum Beispiel auch in der Wohngruppe Lindengarten. Denn gerade im Umgang mit Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung stellt sich die Frage ethischen Handelns umso mehr. Wie läuft ethisches Entscheiden ab? Am Anfang steht die Aufgabe, das Handeln im Alltag zu hinterfragen. In Stresssituationen oder Notfällen fehlt oft die Zeit zur Reflexion. Nicht reflektierte Handlungen werden in der Wissensgruppe analysiert und Möglichkeiten werden besprochen. Die Entscheide werden dann in den Pflegeteams auf der Grundlage von Fallbesprechungen nach dem Modell «7 Schritte Dialog» getroffen. Das ist eine standardisierte Methode für die ethische Entscheidfindung – von der Analyse bis zum Handlungsentscheid und der Überprüfung. Zum Beispiel wer- 6 den im Schritt 4 mindestens drei Handlungsmöglichkeiten entworfen. Das hilft, aus dem Schema «Entweder-oder» hinauszukommen und Machtkämpfe zu vermeiden. Der Vorteil der Methode ist auch, gemeinsam Entscheide zu fällen, umzusetzen und diese auch zu überprüfen. Denn Situationen können sich auch verändern, was Flexibilität in diesem Prozess ethischen Handelns voraussetzt. WISSENSGRUPPE ETHIK Daniela Sager, Stationsleiterin Sabrina Gruber, Fachfrau Gesundheit Claudia Cretu, dipl. Pflegefachfrau Claudia Giese, Mitarbeiterin Pflege Simun Karacic, Fachmann Betreuung Daniela Ischer, dipl. Pflegefachfrau Rosetta Pasquale, Pflegeassistentin KIRCHFELDüBOTE 3/11 FORUM Im Werkunterricht entstanden unter der Leitung des Lehrers Peter Haas wunderschöne neue Entenhäuser im Tiergehege. KIRCHFELDüBOTE 3/11 7 SCHWERPUNKT LINDENGARTEN – DIE WOHNFORM MIT ZUKUNFT Vor drei Jahren wurde der Lindengarten als geschützte Wohngruppe für neun Bewohner und Bewohnerinnen mit Demenz eröffnet. Die Bewohner, Angehörigen und auch das Pflegepersonal machten in dieser Zeit sehr gute Erfahrungen. Der Bedarf für weitere spezialisierte Wohngruppen ist ausgewiesen und muss in der Planung berücksichtigt werden. Marta Viviroli, Stellvertretung Leitung Pflegedienste Im Lindengarten werden Bewohner und Bewohnerinnen mit verschiedenen Demenzformen betreut. Die Einrichtung und das Ambiente erinnern an eine grosse Wohnung. Die grosszügige Stube mit offener Küche lädt zum Verweilen ein. Das Pflegeheim scheint weit weg. Für die Bewohner ist diese Atmosphäre wichtig. Sie können sich hier in ihrer eigenen Welt frei bewegen. Bei der Gestaltung und Einrichtung der Räume wurde darauf geachtet, dass möglichst wenig Verletzungsgefahr besteht. Mit dem geschützten Rundgang im Garten kann dem zum Teil extremen Bewegungsbedürfnis entsprochen werden. Am grossen Esstisch in der Stube trifft man sich zum Essen, zum Spielen, zum Gespräch oder man geniesst einfach nur die Gemeinschaft. Die Menschen mit Demenz sind hier unter sich. Mit den Einzelzimmern wird auch eine Rückzugsmöglichkeit ermöglicht, von welcher gerne Gebrauch gemacht wird. Positive Erfahrungen für alle Beteiligten Gute Erfahrungen mit dem Lindengarten machen auch die Besucher und Angehörigen. Sie werden jeweils an der «Wohnungstüre» durch eine Mit- 8 arbeitende Pflege begrüsst. Das führt zu einem engen Kontakt und guten Gesprächen zwischen Angehörigen und Pflegenden. Dadurch wird immer wieder ein neues Puzzleteil der Lebensgeschichte oder der Vorlieben des Bewohners bekannt. Bei der Betreuung und Pflege wird dies berücksichtigt und eine noch grössere Zufriedenheit erreicht. Aber auch die Angehörigen untereinander haben Gelegenheit, ihre Erfahrungen auszutauschen. Der Lindengarten ist bis jetzt die einzige Wohngruppe im Kirchfeld. Dies, obwohl in den letzten Jahren bei immer mehr Menschen bereits beim Eintritt die Diagnose Demenz bekannt ist. Die neun Plätze im Lindengarten sind immer belegt und es besteht eine Warteliste. Deshalb treten die Menschen oft zuerst ins Kirchfeld 1 ein. Die Menschen mit Demenz sind aber meist überfordert mit der offenen Struktur und den langen und gleichaussehenden Gängen. Dies kann sich in Verhaltensstörungen äussern wie verbale Entgleisungen, Eindringen in die Privatsphäre von anderen Bewohnern, Weglaufen oder Aggressivität. Darauf reagieren sowohl Angehörige wie Mitbewohnende mit Unverständ- KIRCHFELDüBOTE 3/11 SCHWERPUNKT nis und Ablehnung. Zwischen diesen Bewohnern entwickelt sich auf der Abteilung eine schlechte Atmosphäre, welche den Betreuungsaufwand durch die Pflegenden erhöht. Unsere Erfahrung und neue Studien zeigen, dass durch die Verlegung auf eine spezialisierte Abteilung wie der Lindengarten positive Effekte erzielt werden. Die Lebensqualität der Menschen mit Demenz wird verbessert und die betreffende Abteilung wird entlastet. Das heisst, auch die Bewohnerinnen und Bewohner der entlasteten Abteilung nehmen dies als eine Steigerung der Lebensqualität wahr. Die begehrten Plätze im Lindengarten werden nach festgelegten Kriterien vergeben. Im Lindengarten beruhigen sich diese Bewohner oft nach kurzer Zeit. Demenz ist aber nicht gleich Demenz. Es ist eine grosse Herausforderung, die Menschen mit verschiedenen Demenzformen und einem grossen Altersunterschied im Lindengarten zu pflegen. Dies erfordert von den Pflegenden eine hohe Flexibilität und Fachkenntnis. Trotzdem kann den Bedürfnissen der Bewohner nicht immer genügend entsprochen werden. Zunehmend werden auch für Menschen mit psychischen Problemen, oder für Suchtkranke und Verwahrloste Plätze in Pflegeheimen benötigt. Für all diese Menschen müssen spezialisierte und kleine Wohngruppen geschaffen werden. Denn nur dort können sie optimal betreut und gefördert werden. REGER AUSTAUSCH AM ANGEHÖRIGEN-TREFFEN Im Kirchfeld sind die Angehörigen der Bewohnerinnen und Bewohner willkommen – im Alltag und speziell am jährlichen Treffen für Angehörige. So wurden sie am Samstag, den 19. November 2011, mit einer musikalischen Einlage begrüsst. Die Kadermitarbeitenden stellten sich anschliessend mit ihren verschiedenen Aufgaben vor. Die Leiterin Kirchfeld und der Gemeinderat informierten über verschiedene Sachthemen, unter anderem stellten sie die neue Taxordnung vor. Beim reichhaltigen Apéro wurde in einer angeregten Stimmung der Austausch gepflegt. Zum Abschluss dieser Veranstaltung wurden in der Kaderrunde die Anregungen, Kritiken und positiven Rückmeldungen ausgetauscht und wo notwendig, neue Lösungsmöglichkeiten besprochen. Das Angehörigen-Treffen zeigt, dass der Austausch geschätzt wird und sehr wertvoll ist. KIRCHFELDüBOTE 3/11 Auf den Abteilungen der Pflegedienste hat die Bezugspflege unter anderem das Ziel, diese Beziehung zwischen Pflegenden und Angehörigen im Alltag zu pflegen und zu vertiefen. Je enger und konstruktiver die Zusammenarbeit ist, desto besser können die Bewohnerinnen und Bewohner gepflegt und ihre individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden. Angehörige haben aber manchmal nicht nur Anliegen an die Pflege, sondern auch an die Verwaltung oder an die Hotellerie. Diese Mitarbeitenden trifft man im Alltag nicht per Zufall auf den Abteilungen und wünscht sich vielleicht doch Begegnungsmöglichkeiten. Um diese Kontakte und Gespräche zu ermöglichen, treffen sich alle Kadermitarbeitenden mit den Angehörigen jedes Jahr im Herbst an einem Samstagvormittag. 9 AKTUELL EFFIZIENTE LEISTUNGSERFASSUNG MIT «tacs» Im Kirchfeld wurde mit «tacs» ein neues Instrument für die Leistungserfassung in Pflege und Betreuung in einem Pilot projekt getestet. Die Erfahrungen des Pflegeteams auf der Station 1 g/b sprechen für die Einführung der Methode auf 2012. «tacs» liefert überprüfbare Daten für differenzierte Auswertungen und mehr Kostentransparenz. Der Zeitaufwand wird messbar, nicht aber die pflegerische und menschliche Qualität, die sich nicht in Zahlen, sondern in der Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner ausdrückt – so das Fazit von Projektleiter Thomas Gautschi. Thomas Gautschi, Stationsleiter 1 g/b Im September 2011 startete auf der Station 1 g/b ein topmotiviertes Team mit dem Pilotversuch zur Einführung des neuen Systems zur Leistungserfassung «tacs» in Pflege und Betreuung. Der direkte Einbezug und die Mitwirkung im KernProjekt-Team war für den Projektleiter eine wichtige Voraussetzung. Schon nach der ersten Informationsveranstaltung zur Methode «tacs» zeigte sich deutlich, dass die vorhandene Hardware nicht ausreichen würde. Fragen wie: Ist der zeitliche Aufwand nicht zu gross? Welche Vorteile bietet das System? Reichen die personellen Ressourcen aus?, konnten in ersten Gesprächen mit dem Entwickler von «tacs» sowie Anwendern aus verschiedenen Sparten des Gesundheitswesens teilweise beantwortet werden. Am 7. September 2011 besuchte das ganze Pilotprojekt-Team während je eines Halbtages eine interne Weiterbildung. Die Teilnehmenden lernten direkt an den Notebooks das System 10 «tacs» kennen. Bereits am kommenden Tag begann eine 10-tägige Probephase und ab dem 19. September startete der Versuch definitiv. Am 19. Oktober wurde mit dem Kern-ProjektTeam eine erste Analyse und Auswertung durchgeführt. Diese erste Analyse verlief durchwegs positiv und unsere Versuchs-Station bekam nur lobende Worte. Für eine abschliessende Auswertung war der Zeitpunkt noch zu früh, aber fürs Team waren die regelmässigen Rückmeldungen von den Vorgesetzten wichtig. Zeitaufwand optimieren Erste Zwischenbilanz: «tacs» ist absolut bedienerfreundlich, Vorkenntnisse sind nicht notwendig, aber alle brauchen mit etwa 20 bis 30 Minuten pro Tag noch zu viel Zeit zum Erfassen. Ziel wäre ein Zeitaufwand von 10 Minuten, was mit den heutigen Rahmenbedingungen in Sachen EDV und Infrastruktur kaum möglich ist. KIRCHFELDüBOTE 3/11 AKTUELL «Als ich zum ersten Mal von der neuen Leistungserfassungssoftware ‹tacs› hörte, war ich sehr skeptisch. Das ist sicher eine Art generelle Überwachung oder eine ständige Kontrolle, dachte ich mir. Im Kreditkarten-, GPS-, und Facebook-Zeitalter ist es ja nicht mehr verwunderlich, ständig kontrolliert und beobachtet zu sein. Jetzt aber, nach gut fünf Wochen, muss ich sagen, dass ich positiv überrascht bin, was ‹tacs› mir persönlich im Arbeitsalltag bringt. Ich gehe bewusster und organisierter an gewisse Tätigkeiten und kann nicht zuletzt durch ‹tacs› meine Arbeitsabläufe optimieren.» (Ich tacse, du tacst, sie tacst, wir tacsen, ihr tacst, sie tacsen ... sogar neue Verbformen werden geschaffen.) Jonathan Matter, Mitarbeiter Pflege So kann nur immer eine Person die Leistungen im System erfassen. Die Arbeitsabläufe müssen noch optimiert werden. Die Erfahrungen im Team mit «tacs» waren unterschiedlich. Bewundernswert waren aus Sicht des Projektleiters das Engagement und die Motivation jedes und jeder Einzelnen, so zum Beispiel der problemlose Einstieg von Laura Nieswald, die bisher wenig PC-Erfahrung hatte und jetzt so geschickt mit dem System umgeht, als ob sie dies schon immer getan hätte. Hut ab und ein Dank für den engagierten Einsatz an alle Mitarbeitenden aus dem Projekt-Team. Einige von ihnen berichten hier über ihre Erfahrungen beim «Tacsen». Persönliches Fazit als Projektleiter Die Methode «tacs» ermöglicht eine effiziente Leistungserfassung und liefert Daten für die Berechnung der Leistungen und den Einsatz KIRCHFELDüBOTE 3/11 personeller Ressourcen oder für den Vergleich mit anderen Institutionen (Benchmark). Der zeitliche Aufwand der erbrachten Leistungen kann gemessen, analysiert und interpretiert werden, aber diese Systemdaten sagen nichts über die pflegerische, fürsorgliche und menschliche Qualität aus. Beruhigende, tröstende und aufmunternde Worte, eine liebevolle Gestik, zärtlich die Hand halten oder berühren, still da sein oder ein Lächeln, Witz und Humor – diese menschliche, anteilnehmende und fürsorgliche Zuneigung und ihre Wirkung bei den Bewohnerinnen und Bewohnern kann nicht über den Zeitfaktor gemessen werden. So einfach und effizient das System für die quantitative Auswertung ist, es sagt nichts über die qualitative Leistung jedes einzelnen Mitarbeiters aus, über ihre Persönlichkeit, ihre Ressourcen und individuellen Fähigkeiten. 11 AKTUELL «Ich kannte ‹tacs› schon, bevor die Pilot-Phase begann, da ich vorgängig im Kanton BE, im Spital damit gearbeitet habe. Im Grossen und Ganzen finde ich das ‹tacs› ein gutes Instrument; es war für mich von Anfang an schnell verständlich und einfach in der Handhabung. In der Pilot-Phase bemerkte ich, dass das ‹Tacsen› im Spital einfacher und schneller ging. Ich kann mir das so erklären, dass ich im Spital für maximal sechs Patienten zuständig war und hier im Pflegeheim oft für bis 30 Bewohnerinnen und Bewohner. Ich finde es sehr schade, dass wir Pflegende immer mehr Büroarbeiten ausführen müssen und uns immer weniger den Bewohnern widmen können.» Angelika Ruchti, Pflegefachfrau «Da ich nur in der Nacht arbeite, fehlt mir der Erfahrungsaustausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Auch, wenn ich ein Problem habe, bin ich auf mich selbst gestellt und ich frage mich dann, ob ich alles richtig mache. In den meisten Fällen konnte ich jedoch – learning by doing – die Probleme selber lösen.» Esther Troxler, Pflegeassistentin im Nachtdienst Einführung 2012 Inzwischen fand im November 2011 eine weitere Auswertung im Rahmen der Teamsitzung statt, die ein sehr gutes Resultat zeigte: «Die Mitarbeitenden haben sehr diszipliniert gearbeitet», erklärt Sabine Schultze, Leiterin Kirchfeld zum Pilotprojekt. «Aus meiner Sicht ist ‹tacsen› notwendig, damit wir endlich eine transparente Leistungs- und Kostenwahrheit darstellen können. Zusammen mit RAI, der Methode zur Abklärung des Pflegebedarfs, haben wir so einen Vergleich zwischen Leistungen und Taxen. Zudem ist es ein einfaches, aber gutes Führungsinstrument.» Aufgrund der positiven Ergebnisse der Versuchsphase wird «tacs» im 2012 definitiv eingeführt. Was ist tacs? «tacs» ist eine Methode zur Erfassung der Leistung und Tätigkeiten jedes einzelnen Mitarbeiters, jeder Mitarbeiterin und dient als Controllingsystem im Gesundheitswesen. Mit der genauen Erfassung des Aufwands können leistungspflichtige und nichtpflichtige Leistungen und Tätigkeiten gegenüber dem Kostenträger ausgewiesen werden. Die Daten bezüglich Aufwand, Inhalt, Leistungserbringer und Kosten lassen differenzierte Auswertungen zu, die auch der Optimierung der Stellenplanberechnung dienen. 12 KIRCHFELDüBOTE 3/11 INFO RAI-NH GENAUE EINSCHÄTZUNG DES PFLEGEBEDARFS Zur Abklärung des Pflegebedarfs und zur Ermittlung des Pflegeaufwandes wurde im Kirchfeld im Januar 2011 das RAI-NH-System* eingeführt, aber in der Übergangsphase parallel mit dem bisherigen BESA** abgerechnet. Nun wird ab Januar 2012 das RAI-NH auch bei der Abrechnung mit den Versicherern eingesetzt. Dieses System ist ein differenziertes und fundiertes Instrument, das von den Krankenversicherern anerkannt ist und seit Jahren in verschiedenen Kantonen der Schweiz angewendet wird. Grundlage für eine individuell angepasste Pflege und Betreuung Damit die Hilfe und Pflege auf den individuellen Bedarf ausgerichtet werden kann und den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner entspricht, führen die Pflegenden beim Eintritt eine umfassende Bedarfsabklärung durch. Danach erfolgt alle sechs Monate oder bei wesentlichen Veränderungen eine erneute Einschätzung. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden im Gespräch persönlich befragt, zum Beispiel auch nach ihren Gewohnheiten. Dazu kommen die Informationen des Pflegepersonals über die benötigte Hilfe im Alltag. Notwendig für eine angepasste Pflege und Betreuung sind Angaben zu körperlichen und kognitiven Fähigkeiten und Einschränkungen, zu Hören und Sehen, Stimmung und Wohlbefinden, Ernährung, Kontinenz, Schmerzen, KIRCHFELDüBOTE 3/11 Zustand der Haut, bevorzugte Beschäftigungen, Medikamente sowie Therapien und Behandlungen. Der Arzt bespricht mit dem Pflegepersonal offene Fragen und unterschreibt das Formular, auch als Bestätigung für die Krankenversicherung, gemeinsam mit den involvierten Fachpersonen. Einstufung in Pflegeaufwandgruppen Beim RAI-NH-System werden alle Bewohnerinnen und Bewohner aufgrund von klar festgelegten Kriterien einer von insgesamt 36 Pflegeaufwandgruppen zugeteilt. Die detaillierte Pflegeaufwandgruppe ist auf dem Pflege- und Behandlungsbedarfsausweis ersichtlich, welcher den Bewohnerinnen und Bewohnern zusammen mit der ersten Rechnung, halbjährlich und bei Veränderungen zugestellt wird. Fragen? Bei Fragen zum RAI-NH-System oder zur Einstufung in eine Pflegeaufwandgruppe wenden Sie sich bitte an die Stationsleitung oder die Leitung Pflegedienst. Die zuständigen Fachpersonen geben Ihnen gerne Auskunft. *RAI-NH: Resident Assessment Instrument for Nursing Homes = Bedarfsabklärungs-Instrument für Alters- und Pflegeheimbewohner ** BESA: BewohnerInnen EinStufungs- und Abrechnungssystem 13 FORUM DER RÜCKBLICK AUF EINEN AKTIVEN HERBST IM FOTOREIGEN Veranstaltungen wie das Musiklotto mit Verena Speck und das Winzerfest sind stets sehr willkommene Anlässe für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Das Winzerfest wurde mit dem Eglipaar und seinem Gefolge diesen Herbst gefeiert, da der Schmutzige Donnerstag an der Fasnacht wegen Viruserkrankungen ausfiel. Die Bewohnerinnen und Bewohner genossen die Abwechslung und waren mit Freude dabei. 14 KIRCHFELDüBOTE 3/11 FORUM Kaderklausurieren (27. Oktober, links) ... guezlen und eine feine Kürbissuppe zubereiten. KIRCHFELDüBOTE 3/11 15 SPEZIAL Technik im Kirchfeld FÜR DIE SICHERHEIT UND DAS WOHLBEFINDEN IM EINSATZ Im Kirchfeld herrscht ein angenehmes Klima – in jeder Hinsicht. Neben individueller Pflege und Betreuung wird für das leibliche Wohl gesorgt und das Leben für die Bewohnerinnen und Bewohner abwechslungsreich gestaltet. Damit sich alle wohl und sicher fühlen im Haus, sorgt auch der Technische Dienst, der Tag und Nacht im Einsatz ist. Die Fachleute geben hier Einblick in die Welt der Technik. «Die Technik hört auch im Kirchfeld nicht mit dem Bedienen eines Lichtschalters auf», sagt Siegfried Odermatt zu seinem breiten Arbeitsfeld mit neuesten Technologien und Einrichtungen. Er ist mit seinem Team immer bemüht, die Technik zu optimieren und dabei auch ökologi- sche Aspekte zu berücksichtigen. «Horw hat das Label Energiestadt, und entsprechend versuchen wir auch, alternative Energien zu nutzen.» So fangen auf dem Dach von Kirchfeld 1 Solar-Panels die Sonnenstrahlen auf und liefern Energie für die Wassererwärmung. DIE SONNE NUTZEN Auf 42 m2 erstreckt sich die Fläche der Solaranlage (Typ Aron20DF) mit insgesamt 240 Vakuumröhren und einer Leistung von 33,6 Watt/m2 Kelvin. «Die Solaranlage wärmt uns ab etwa 11.00 Uhr bei genügend Sonneneinstrahlung die Kaltwasserzufuhr im ersten Wasserspeicher vor. Die Restwärme für Warmwasser und Heiz- 16 wasser wird durch eine Ölfeuerung und in der kalten Jahreszeit zusätzlich mit einer Holzschnitzelheizung produziert», erklärt Siegfried Odermatt die Kapazität der Solaranlage. Die Leistung ist «ein Tropfen auf den heissen Stein», aber die Solaranlage produziert immerhin ca. 13 MWh pro Jahr. Im Jahr 2009 hat ein Hagel- KIRCHFELDüBOTE 3/11 SPEZIAL sturm die Solaranlage auf dem Kirchfeld-Dach stark beschädigt; sie musste neu wiederaufgebaut werden. Im Mai 2010 konnte sie für die Nutzung der Sommermonate wieder in Betrieb genommen werden. Hauptenergiequellen für die Wärme ist jedoch die Holzschnitzelheizung, die mit rund 1360m3 Schnitzel in der letzten Wintersaison total 930 MWh produzierte. Dazu kommt die Ölfeuerung mit rund 1250 MWh pro Jahr. «Zur- zeit wird eine Optimierung der Wärmeerzeugung auch mit dem Einsatz von Wärmepumpen durch einen Spezialisten geprüft», erklärt Siegfried Odermatt. «Ein solches Aggregat könnte beispielsweise die Abwärme der Waschküchenräume und die Abluft der Wäschetrockener zur Warmwasserproduktion nutzbar machen.» Parallel dazu wird eine Verbesserung des Wirkungsgrades der Solaranlage durch optimalste Speicherung in Erwägung gezogen. ELEKTRONISCHES SCHLIESS-SYSTEM Siegfried Odermatt, Leiter Technischer Dienst Das Kirchfeld hat im November ein neues elektronisches Schliess-System eingeführt. Damit wird eine höhere Sicherheit und eine einfachere Handhabung bei den Zutrittsberechtigungen erreicht. Vorerst ist der äussere Schliessring beider Gebäude neu ausgerüstet. Im Projekt ist ein Ausbau auf weitere 45 Türbeschläge vorgesehen. Sicherheitsrelevante Zugänge, wie z.B. Büros, Lagerräume oder Garderoben sollen mit den KIRCHFELDüBOTE 3/11 Zutrittsberechtigungen gesichert sein. Zur Identifikation wird ein Schlüsselanhänger mit einem Plastik-Badge mit den entsprechenden Berechtigungsinformationen eingesetzt. Das Gegenstück, die Entscheidungselektronik im Beschlag (e-Zylinder, Wandleser, i-Locker-Riegelschloss), vergleicht diese Informationen mit den eigenen und gibt bei Übereinstimmung den Zutritt frei. 17 SPEZIAL Wie Arterien und Venen einen Organismus durchziehen, ist das Kirchfeld von unsichtbaren Kanälen und Rohren durchzogen. Links Schnitzelofen, rechts Lüftung (Monoblock). KÜNSTLICHE BELÜFTUNG FÜR OPTIMALES KLIMA Othmar Heini, Hauswart Meistens nehmen die Menschen im Kirchfeld nur die abgestrahlte und eingeblasene Luft war. Dieser Effekt wird jedoch durch eine aufwändige Technik erzeugt. Im ganzen Haus melden Fühler den Zustand der Luft. Aufgrund dieser Signale steuert ein Computer je nach Bedarf den Heizofen. Mittels Pumpen wird heisses Wasser in die Radiatoren gepumpt. Die Raumluft im Zimmer umströmt die Radiatoren und erwärmt sich. Ein Holzschnitzelofen, ein Ölofen und Sonnenkollektoren erzeugen die Wärme. Heisswasser, das nicht sofort gebraucht wird, gelangt in grosse Speicher. Künstliche Belüftung und Heizung – ist das nicht ein Widerspruch? Pumpen wir nicht die erwärmte Luft wieder aus dem Haus? Nein, in einem Haus mit über hundert Bewohnerinnen und Bewohner hat jede Person andere Wärmeund Luftbedürfnisse. Im einen Zimmer würde meistens das Fenster offenstehen, im andern 18 die Heizung voll aufgedreht. Künstliche Belüftung ermöglicht einen optimalen Wärme-LuftAustausch, ohne dass die Fenster geöffnet werden müssen. In die Zimmer wird warme Luft eingeblasen. Die verbrauchte Luft wird abgesaugt, die Wärme entnommen und der frischen Luft wieder zugefügt. Dies geschieht über die Wärmerückgewinnungsanlage, welche im Lüfter eingebaut ist. Verbrauchte Luft gelangt ins Freie und Frischluft wird in angenehmer Temperatur wieder in die Zimmer geführt. Beim Schnitzelofen werden zwei bis dreimal während der Heizperiode die Feuerkammern und die Rauchrohre von der Asche befreit. Wenn ein Stau in der Förderanlage vom Schnitzelsilo zum Ofen entsteht, muss schon mal auch von Neuem angefeuert werden, was den Mitarbeitenden mit einem Hauch von Nostalgie beschwingen lässt. KIRCHFELDüBOTE 3/11 SPEZIAL MEHR SICHERHEIT MIT DEM GPS Markus Studhalter, Stv. Leiter Technischer Dienst Das Kirchfeld ist bestrebt, allen Bewohnerinnen und Bewohnern eine optimale Sicherheit zu gewährleisten, aber auch Freiheit und Autonomie zu ermöglichen. Personen mit mangelnder Orientierung oder anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind gefährdet, wenn sie allein unterwegs sind. Damit sie zum Beispiel von ihrem Spaziergang ins Dorf wieder zurückfinden, hilf ein kleines Gerät, ein Trackersystem auf der Basis von GPS (weltweite Positionsortung über Satellit). Auf der Internetseite des Lieferanten kann die Position des Gerätes jederzeit durch befugte Betreuungspersonen (Passwort) auf einer Karte festgestellt werden. Das Kirchfeld setzt dieses Gerät bei vier Bewohnern auf freiwilliger Basis ein. Diese Personen und ihre Angehörigen sind über die Möglichkeiten dieses Systems sowie über die freiheitsbeschränkenden Aspekte im Sinne des Persönlichkeitsschutzes informiert und nehmen diese Dienstleistung bis auf Widerruf vom Kirchfeld in Anspruch. PATIENTENRUFSYSTEM GETS Markus Christen, Lernender Fachmann Betriebsunterhalt Wenn eine Person Hilfe benötigt, muss sie dies sofort mitteilen können. Um das möglichst einfach und schnell zu gewährleisten, ist im Gebäude das Patientenrufsystem GETS installiert. Wer Hilfe braucht, kann auf den Rufknopf drücken. Nun erscheint auf der Ganganzeige die Zimmernummer des Bewohners, der Bewohnerin und das Pflegepersonal reagiert. Was einfach klingt, läuft im Hintergrund auf einer komplexen, programmierbaren Steuereinheit ab. KIRCHFELDüBOTE 3/11 Komponenten des Patientenrufsystems: ü Birntaster mit Rufknopf ü Zugtaster für die Badezimmer ü Zimmerterminal (Anzeige Rufe und Präsenz) ü Fluranzeige (Präsenz Pflegepersonal) ü Ganganzeige (offene Rufe) In einigen Fällen wird das Patientenrufsystem um weitere Komponenten wie eine Trittmatte oder einen Armbandtaster erweitert, um die Sicherheit im Notfall zu gewährleisten. 19 FORUM GRUSSWORT DES GEMEINDERATS INNOVATIVE ALTERSPOLITIK NUR MIT DEM KIRCHFELD Geschätzte Bewohnerinnen, Bewohner und Angehörige Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ende Jahr ist die Zeit des Zurückschauens, die Zeit einer kritischen Überprüfung und gleichzeitig des Ausblicks und der Planung. Rückblickend ist das Projekt «Innovative Alterspolitik» für Horw etwas ins Stocken geraten. Inzwischen hat der Kanton ein neues Altersleitbild erlassen und mit seinem Bericht zur Pflegeheimplanung fünf neue Planungsregionen geschaffen. Der Kreis Luzern hat sich erst diesen Herbst konstituiert und fordert die Gemeinden auf ihre kommunale Alterspolitik auf diese Region abzustimmen. Insbesondere der Grundsatz «ambulant vor stationär» soll konsequenter umgesetzt und die Dienstleistungsangebote auf eine gemeindeübergreifende oder regionale Lösung hin überprüft werden. Unsere Bestandesaufnahme vom letzten Jahr muss in diesem Sinne aktualisiert werden. Unbestritten bleibt, dass eine vermehrte Zusammenarbeit unter den Institutionen in Horw nötig ist. Zudem wurden an einem Workshop die Themen altersgerechtes Wohnen und vielfältige Strukturen für Betreuung und Pflege als wichtigste Entwicklungsperspektiven bestätigt. Wie dieser Mix an Wohn- und Hilfsformen in Horw zukünftig aussehen soll, müssen wir konkretisieren. In diesem Prozess spielt das Kirchfeld – Haus für Betreuung und Pflege als zentraler Teil im Gesamtangebot eine wichtige Rolle. Der Gemeinderat unterstützt daher die laufende und professionelle Weiterentwicklung dieses Betriebes. So sind wir stolz auf die Differenzierungen in Organisation und Führungsstruk turen, auf die Einführung eines breit abgestützten Qualitätssicherungssystems mit integrierter Ethik und Palliativkonzept sowie den Aufbau von Wissensgruppen. Im letzten Jahr setzte das Kirchfeld das neue Pflegefinanzierungsgesetz erfolgreich um. 20 Das Kirchfeld soll im stationären Bereich immer auf die steigenden Anforderungen in der Pflege wie Demenz, Psychogeriatrie, frühere Über nahmen aus den Spitälern, Entlastung von pflegenden Angehörigen usw. vorbereitet sein. Daher wird sich im neuen Jahr eine Arbeitsgruppe mit einer möglichen Neukonzeption der Angebotsvielfalt im Kirchfeld 2 auseinandersetzen. Die aktuelle Baustruktur und der Renovations bedarf müssen berücksichtigt werden. Diese Weiterentwicklung muss auch auf die «Planungsregion Alterspolitik Luzern» abgestimmt werden, wo sich eher eine Reduktion an Pflegebetten als ein Ausbau abzeichnet. Wie Sie sehen, ist das Kirchfeld für die Gestaltung einer zukunftsgerichteten Horwer Alterspolitik, die in einer Gesamtschau auch den Ausbau ambulanter Angebote und neuer Wohnformen im Alter zum Ziel hat, der zentrale Drehpunkt und ein starker Partner zugleich. Wir freuen uns mit dem Haus für Betreuung und Pflege ein modernes Kompetenzzentrum zu führen, welches uns bei der Weiterentwicklung hilft. Nun freuen wir uns in diesem Jahr das 10Jahre-Jubiläum zu feiern. Das Kirchfeld ist mit seinem Angebot gut aufgestellt und wird die bevorstehenden Herausforderungen auch in Zukunft dynamisch und professionell meistern. Allen Beteiligten, welche zu dieser guten Ausgangslage beigetragen haben, möchte ich im Namen der Bevölkerung ein riesiges Dankeschön aussprechen. Den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Angehörigen und dem ganzen Kirchfeld-Team wünsche ich eine besinnliche Adventszeit, lichtvolle Festtage und einen glücklichen Rutsch ins Jubiläumsjahr. Oskar Mathis, Sozialvorsteher KIRCHFELDüBOTE 3/11 FORUM WINTERGEDANKEN Es ist kalt und neblig. Wir gehen kaum mehr ins Freie, erledigen nur noch Unumgängliches. Ich habe mich in meine Sofaecke zurückgezogen. Wenn ich lesen will, lange ich nur zu leichter Literatur. Zu heiteren Geschichten. Warum sich die Laune noch mehr verdüstern? Zeitweise tue ich gar nichts. Sitze bloss da und denke nach. Allerdings bin ich keine Denkerin. Ich hänge auch nicht der Vergangenheit nach. Die ist abgetan und verarbeitet. Es ist mehr ein Fühlen, ein Vor-Fühlen in die Zukunft hinein. Nein, nicht als Hellseherin, aber als Ahnende, als Bangende, als Hoffende. Mit meinen 90 Jahren auf dem Buckel bin ich recht rasch am Ende meiner Visionen angelangt. Was erhofft man sich für die letzte kurze Zeit? Das ist schnell gesagt: Keine Schmerzen, keine Behinderungen. Medizinisch gesehen ist das zum grossen Teil machbar. Reden wir aber nicht länger um den heissen Brei herum: Das Ende meiner Vision ist natürlich das Ableben. Es wird uns heute in unserer Alterswohnung, wo Pflege und Demenz an uns angrenzen, täglich vor Augen geführt. Manchmal fehlt einer am Mittagstisch. Wir fragen nicht. Warum schmerzt es dennoch? Warum liegt es uns auf der Seele? Mein «Fühlen» sagt mir, es ist das Abschiednehmen. Vielleicht stehen einmal alle meine Lieben um mein Bett herum, vielleicht hält nur ein einziger Mensch meine Hand. Aber klar ist, es ist alles zu Ende. Nie mehr werde ich sie sehen, nie mehr sie umarmen können. Eine heisse Woge von Liebe überschwemmt mich. Ich kann sie nicht lassen, aber ich muss. Ich wüsste so gern, wie «es» weitergeht mit ihnen. Ein leiser Groll mischt sich in meinen Schmerz. Sie werden sich an mich erinnern, da bin ich sicher. So, wie ich ab und zu beim Aufwachen vermeine, im Garten meiner Eltern zu stehen, so werde ich auch ihnen erscheinen. Schemenhaft, beim Aussprechen einer Erinnerung, oft sogar ein Lächeln hervorrufend. Wir, die Alten, sind immer noch da, unverwischbar, auch wenn wir nicht mehr da sind. Küngolt Heim-Aebli Mutter von Sabine Schultze-Heim KIRCHFELDüBOTE 3/11 21 FORUM ... und Friede auf Erden Margot Elmiger, Mitarbeiterin Administration Sie sind Vergangenheit, die warmen Sommertage. Früh senkt sich über’s Land die Dunkelheit, und ab und zu drückt mich die bange Frage: «Wie wird sie dieses Jahr – die frohe Weihnachtszeit?» An wieviel Orten gibt’s auf uns’rer Erde nur Hunger, Elend, Not und Barbarei? Was muss gescheh’n, dass dort Frieden werde? Ist der absurde Machtkampf nicht bald vorbei? Wann hört es auf – das sinnlose Zerstören? Wann können alle Kinder glücklich sein? Wann müssen sie nicht täglich Schüsse hören? Friede auf Erden – kann dies nicht sein? 10 JA HR E KIR CH FELD Wann gibt es Staatsbeamte, die nicht lügen? Wann werden keine Kinder mehr missbraucht? Wann weiss man nicht mehr, was das ist – «betrügen»? Wann wird der Arbeitslose doch noch mal gebraucht? So hätt‘ ich noch tausend and‘re Fragen, die mich bewegen in der «stillen» Zeit. Als Antwort darauf kann ich heut nur sagen: «Bis all dies einmal ändert, geht’s noch weit!» Erst muss ein jeder bei sich selbst beginnen, muss mit sich selbst im inner‘n Frieden sein. Nur wenn wir uns auf uns zurückbesinnen, kehrt bei uns selbst erst – Weihnachten ein! Das nebenstehende Logo wird im nächsten Jahr die Jubiläumsaktivitäten begleiten. Nach zehn Jahren nimmt es mit Freude Elemente aus der künstlerischen Arbeit von Monika Kiss Horváth zur Eröffnung 2002 auf: Die Schwalbe erinnert nicht nur an die verschiedenen Vogelporträts, sondern steht als Zugvogel auch für das Kommen und Gehen im Haus da. Abweichend zur Kunst im Bau nimmt der «Farbcode» nicht die Farben der Schwalbe, sondern der Fassade Kirchfeld 1 auf. EINLADUNG Erleben Sie das Kirchfeld hautnah Das Kirchfeld feiert das 10-jährige Jubiläum. 2002 wurde der Neubau Kirchfeld 1 eröffnet. Das Jahr 2012 steht deshalb im Zeichen der Entwicklung mit Einblick in den Kirchfeld-Alltag und einem Blick in die Zukunft. Verschiedene Attraktionen, Feierlichkeiten und Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Das offene Haus für Betreuung und Pflege lädt alle Angehörigen, Freunde und die ganze Bevölkerung von Horw ein, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und mit uns allen zu feiern. Begleiten Sie uns durchs Jubiläumsjahr und machen Sie sich ein Bild vom vielfältigen Alltag im Kirchfeld. Nehmen Sie Ihre Agenda und notieren Sie bereits jetzt folgende Daten: 5. Mai Das Alter geht uns alle an 25. August Generationen treffen sich 24. November Zukunftsvisionen Kirchfeld Detaillierte Informationen entnehmen Sie bitte der März-Ausgabe Kirchfeldbote, Blickpunkt und unter www.kirchfeld-horw.ch. 22 KIRCHFELDüBOTE 3/11 GRATULATIONEN JUBILÄEN VON MITARBEITENDEN 1. Januar 2012 Marchina Johanna 10 Jahre Karacic Simun 20 Jahre 2. Januar 2012 Barth Agnes 10 Jahre 15. Februar 2012 12. März 2012 Gomer Bettina 10 Jahre Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und ein grosses Dankeschön für die vielen Jahre der Treue. Administration Pflegedienst Aktivitäten Pflegedienst ABSCHIED Aus unserer Gemeinschaft sind geschieden SPEZIELLE GEBURTSTAGE 01.12.2011 05.12.2011 09.12.2011 12.12.2011 15.12.2011 21.12.2011 Pieper Walter Koller Josef Suppiger Franz Hug Alice Stucki Walter Schreiber Ernst 80 96 93 91 95 85 Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre 05.01.2012 18.01.2012 24.01.2012 26.01.2012 31.01.2012 Stucki Erika Müller Elisabeth Zimmermann Albert Rothenfluh Walter Sigrist Rosmarie 94 90 92 93 90 Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre 06.02.2012 16.02.2012 16.02.2012 22.02.2012 27.02.2012 Studhalter Maria Kempf Hirlanda Rothenfluh Adelheid Marolf Martha Studhalter Josef 90 91 91 90 93 Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre 03.03.2012 06.03.2012 13.03.2012 15.03.2012 15.03.2012 19.03.2012 Roos Marie Müller Emilie Bühlmann Emma Meier Ines Zwimpfer Franz Waldvogel Hans 94 85 102 93 95 90 Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Wir gratulieren den Jubilarinnen und Jubilaren zum grossen Festtag ganz herzlich und wünschen Ihnen alles Gute. KIRCHFELDüBOTE 3/11 6. 15. 2. 19. 27. 7. 11. 16. 21. 21. September September Oktober Oktober Oktober November November November November November 2011 2011 2011 2011 2011 2011 2011 2011 2011 2011 Gerber Herbert Dubois Edeltrude Binggeli Elsa Jöhri Gertrud Stäubli Hedwig van Zalm Maria Leitner Anna Grangl Maria van Wilhelmy Marjan Biedermann Heinz Den Angehörigen sprechen wir unser herzliches Beileid aus. Ich setzte den Fuss in die Luft, und sie trug. Hilde Domin Trauriger Abschied von Walter Eiholzer Traurig nahmen wir Abschied von unserem sehr geschätzten Mitarbeiter Walter Eiholzer. Er arbeitete seit 34 Jahren im Kirchfeld in verschiedenen Bereichen der Hotellerie mit viel Freude und Engagement. Mit seinem sympathischen und freundlichen Charakter war er bei Vorgesetzten, Mitarbeitenden sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr beliebt. Wir werden den lieben Verstorbenen in guter Erinnerung behalten. 23 IMPRESSUM Herausgeber: Kirchfeld – Haus für Betreuung und Pflege Gemeinde Horw Redaktion Marlise Egger Andermatt Redaktionsteam Kirchfeld Manuela Bammert, Sabine Schultze Gestaltung Tino Küng Fotos Kirchfeld und Pierre Burkhart (diese Seite) Druck Eicher Druck Auflage 800 Exemplare Kontakt Kirchfeld – Haus für Betreuung und Pflege, 6048 Horw Telefon 041 349 41 41, www.kirchfeld-horw.ch KIRCHFELDüBOTE 3/11