Demenz braucht Kompetenz – das führt zu Effizienz

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Demenz braucht Kompetenz – das führt zu Effizienz
Mag. Aloisia Angermair, PD Stv. Landeskrankenhaus Innsbruck
60. Österreichischer Kongress für Krankenhausmanagement Krems, 9.05.2017
Tirol Kliniken GmbH
» 3 Landeskrankenhäuser:
 LKH-Universitätskliniken
Innsbruck
 LKH Hall
 LKH Hochzirl-Natters (2
Standorte)
» Landes - Pflegeklinik Tirol
» Ausbildungszentrum West
www.tirol-kliniken.at
Inhalt
Gesellschaftliche- und gesundheitspolitische Präsenz
Relevanz für das Krankenhaus
Tirol Kliniken Initiative „Demenz braucht Kompetenz“
Pilotprojekt – Optimierungen am LKH Innsbruck
Rollout – Ausblick
60. Österreichischer Kongress für Krankenhausmanagement Krems, 9.05.2017
Demenz / Delir
Demenz (ICD-10, 2017)
Syndrom
chronische / fortschreitende Krankheit des Gehirns
Störung kortikaler Funktionen - kognitive Beeinträchtigungen
Veränderungen emotionale Kontrolle, Sozialverhaltens Motivation, …
60% durch Alzheimer Erkrankung (neurodegenerative Demenz)
Bild: Google Demenz (05.04.2017)
115 000 – 130 000 erkrankte Menschen in Österreich (Österreichischer Demenzbericht, 2014)
Delir (ICD-10, 2017; ICD-10)
akutes hirnorganisches Syndrom
Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, …
Unterschiedlicher Schwergrad
Nicht durch Alkohol oder sonstige psychotrope Substanzen - Organisch bedingt
Häufigste psychische Störung bei älteren Menschen (Frühwald, 2017)
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… im Fokus der Öffentlichkeit
Internet Zugriff: 04.04.2017 http://www.zeit.de/2016/10/demenz-trauma-krankenhausoperation-klinik
Internet Zugriff: 04.04.2017 http://www.spiegel.de/einestages/reportage-ueber-demenzkranke-2008-rolf-ich-und-alzheimera-1136848.html
… im Familienleben ändert Demenz
alle Spielregeln …
… zu den bedrückendsten Konsequenzen des
Alterns gehört die Demenz die im hohen
Lebensalter beinahe zwangsläufig auftritt und
Pflegekosten in Milliardenhöhe verursacht.
Internetzugriff: 04.04.2017 http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizinernaehrung/warum-alzheimer-immer-noch-unheilbar-ist-14800590.html
… im Fokus der Öffentlichkeit
Bild: Google Demenz (05.04.2017)
„… Demenz stellt
Krankenhäuser vor
große
Herausforderungen“
Studie i.A. Robert Bosch Stiftung 2016
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Aktivitäten
Österreichischer Demenzbericht 2014
Österreichweite Demenzstrategie
Handlungsempfehlung 5b
„Anpassung der Strukturen, Prozesse, Abläufe und
Umgebungsfaktoren in Krankenanstalten an die
Bedürfnisse von Menschen mit Demenz“
Juraszovich, Brigitte; Sax, Gabriele; Rappold, Elisabeth; Pfabigan, Doris; Stewig, Friederike
(Hg.) (2015): Demenzstrategie Gut Leben mit Demenz. Bundesministerium für Gesundheit
und Sozialministerium, Wien. )
Initiativen / Projekte in stationären und
ambulanten Versorgungsstrukturen
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Relevanz
Ausgangssituation
Daten / Fakten
Risiko Krankenhaus
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Ausgangssituation
Zu wenig Beachtung – Demenz als Nebendiagnose
Interprofessionelle Herausforderung / Belastung / Hilflosigkeit
Überforderung von PatientInnen / Angehörigen
Schwerwiegende Komplikationen
Relevanz
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Daten / Fakten
Prävalenz

Literatur: 12 – 23,3% (Isfort, M. et al., 2014)

LKH Innsbruck 2016: in der Altersgruppe 80 und älter: bis 14,1%
(Quelle: Kosten-und Leistungsrechnung LKI 2016, Haupt- und Nebendiagnosen, ICD - Codierung)
Höhere Ø Belagstage

Tirol (2014): 13,5 BT (versus 9,2 BT) (Österreichischer Demenzbericht 2014)
Mehrkosten
durch Komplikationen Bsp. Delir:
 Faktor 2,5 (Leslie et al. 2008)
 € 1200 / Delir-Episode im KH
Relevanz
~ € 948,000 / Jahr (Weinrebe et al. 2016)
 Delir-assoziierte Langzeitfolgekosten (1 Jahr)
$16.000 - $ 64.400 (Leslie et al., 2008 in Inouye et al., 2011)
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Risiko Krankenhaus
„Herausforderndes Verhalten“
Mangelernährung, Dehydrierung
Immobilität / Stürze
Hohe Prädisposition für ein Delir
 Höhere Pflegebedürftigkeit – Heimeinweisung

Nur 1/3 lebt selbstständig nach einem Jahr
(Fong TG et al. (2009) Delirium in elderly adults)
 1 Jahres-Mortalitätsrate 62% höher
Relevanz
(Leslie et al. 2005 in Inouye et al., 2011)
→ Delir bis zu 1/3 vorbeugbar!
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Initiative
Struktur und Organisation
Strategie und Konzept
Häuserübergreifende Bausteine
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Struktur und Organisation
Hr. Mag. S. Deflorian
Geschäftsführer
tirol kliniken Holding
Fr. Mag. B. Czegka MAS,
Abteilungsvorstand
Pflegemanagement
ExpertInnen tirol kliniken:
ÄrztInnen, Pflege, Sozialarbeit,
Ergotherapie, Öffentlichkeitsarbeit
Führungskräfte, ExpertInnen,
Projektleitungen
Memory Netzwerk
Direktionen /
Klinikleitungen
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Strategie / Konzept
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Häuserübergreifende
Bausteine
Multiprofessionelles Schulungskonzept
Memory Netzwerk
Kommunikationsmaßnahmen
(Plakatkampagne, Intranetplattform,
Internetauftritt in Vorbereitung,
Broschüren, …)
Evaluierungen (Befragungen)
Unterstützungsangebote
Baustandard – Checkliste Pflegekonzept
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Multiprofessionelles
Schulungskonzept
Basisfortbildungen für alle Berufsgruppen 2500 TeilnehmerInnen bis Ende 2017
Gesundheitsberufe (4 UE)
Patientennahe Berufe (2 UE)
Ärzte (4 x 2 UE für Basisausbildung und Ausbldg. Allgemeinmedizin; Gesamt 123 TN)
Memory Netzwerk (MultiplikatorInnen)
Memory Nurse (WB) 11 TN
Memory Beauftragte (Lehrgang) 173 TN
Spezialfortbildungen
Rechtssicherheit vs. Absicherung
Demenzen Klinik & Diagnostik
Delirmanagement
Validation
Abteilungsspezifische FB
Evaluierung der Grundausbildungen und Sonderausbildungen azw/fhg
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Baustandard
Checkliste Baustandard
Pflegerische Bedarf für BO Planungen
Ziel: Unterstützung der NutzerInnen bei Planungen (Neubau, Renovierungen) – Architektur /
räumliche Aspekte
Empfehlungen:
 Stationsbereich, Bettenzimmer, Nasszelle, PatientInnenbäder/Stationsbäder
 Standardempfehlungen und Assistenz- und Unterstützungsbedarfe Geriatrie / Demenz
Themenfelder Beispiele:
Orientierungshilfen
Raum Nr. oder Raumbezeichnungen, Uhren, …
Sicherheitskriterien
Schwerpunktstationen (Niederflurbetten, Handläufe, Desorientiertenschutzsystem, …)
Gestaltung, Ausstattung, Möblierungen
Kontrastreiche Einrichtung, Praxisbeispiel Duschbereich, …
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Pilotprojekt LKH Innsbruck
(Förderung TGF)
Dezember 2013 – Dezember 2015
Notfallaufnahme
Projektabschlussbericht
Neurologie 4 Station
Projektpublikation http://www.degruyter.com/printahead/j/ijhp
qfp-projekte International Journal of Health Professions
Projektkooperation
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Projektüberblick
Erhebungen
Projektmaßnahmen
Folgeprojekte
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Erhebungen
Literatur
Exemplarisch … Empfehlungen vom Deutschen Institut für
angewandte Pflegeforschung
 Handlungsempfehlung Sensibilität fördern
 Handlungsempfehlung Demenzbeauftragte benennen
 Handlungsempfehlung Angehörigen Einbezug stärken
 Handlungsempfehlung Ehrenamt ausbauen
 Handlungsempfehlung Bildungsmaßnahmen verstärken
Hospitation
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Erhebung Angehörige
Infos über Vereine und Selbsthilfegruppen
Funktionierendes Entlassungsmanagement
Kontakt und Austausch Akutkrankenhaus und
extramurale Bereiche
Private (vertraute) Gegenstände (Kleidung,
Kissen, etc.) im Krankenhaus verwenden
Miteinbeziehen Angehöriger in die Pflege
Patientenbegleitung (rooming in)
Besuchszeiten
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Auszüge der Ergebnisse
7. Tiroler Demenztag
28.3.2014
Ergebnisse MitarbeiterInnen
Befragung
Thema Demenz und Delir
Fragebogen vom dip Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung
(in adaptierter Form)
Basisbefragung 2014
FB Rücklauf Gesamt: n = 40 (54,8%)
Follow-up Befragung 2015
FB Rücklauf Gesamt: n = 31 (43,1%)
Qualitative Befragung MA PatientInnentransportservice
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Ergebnisse MitarbeiterInnen
Basisbefragung
Hohe
Relevanz MW 7,1
Unerwünschte
Vorkommnisse:
Nachtaktivität
92%
Bettrahmen 92%
Fixiergurte 75%
Verlassen der
Station 50%
4. Bitte geben Sie an ob es in den letzten sieben Arbeitstagen auf Ihrer
Station/Abteilung vorgekommen ist, dass eine Patientin ein Patient …
Ergebnisse MitarbeiterInnen
Basisbefragung
8. Belastungssituationen im Umgang und in der Pflege von PatientInnen mit Demenz
Unbemerktes Verlassen der Abteilung 75%
Menschen mit Demenz nicht gerecht zu werden 75%
Stürze 75%
FBM nicht vermeiden zu können 75%
Aggressives Verhalten gegen Pflegepersonen 63,7%
Herausforderndes Verhalten – Unwissen 50%
Projekt Maßnahmen
Schulungen
Analyse und Verbesserung von Kernprozessen / Abläufen
(Risikoprävention)
Strukturelle und ablauforganisatorische
Verbesserungsmaßnahmen, Unterstützungsangebote
Memorynetzwerk – Memory Nurses
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Praxisbeispiele
Strukturen und Abläufe
Entlassungsmanagement
Kernprozesse
Pflege
Einbezug Ehrenamtlicher MitarbeiterInnen
Einbezug Angehöriger, Besuchszeiten,
rooming in, Informationsbroschüren
D Transport
Orientierungshilfen
Piktogramme, Beschilderung, individuelle Orientierung
Kalender, Personaleinsatztafeln
Hilfsmittel Sturzprophylaxe / „Weglauftendenzen“
Niederflurbetten, Sturzmatten, Bettfluchtbügel,
Rollator in NF, Eaysy Walker, Demenzzimmer in
Stützpunktnähe, Desorientiertensystem - Pilotierung
Prävention durch Aktivierung / Beschäftigung /
Risikoerkennung
Praxisbeispiele
Notfallaufnahme
Praxisbeispiele
Memory Netzwerk
Memory Nurses / Memorybeauftragte
Aufgaben Memory Nurses :
Initiativen unmittelbar mit PatientInnen / Angehörigen
(Pflegeberatungen)
Patientenetikette
Astrid DE JESUS-KUPRIAN:
Verena FRIEDRICH:
Sabrina ZANGERL :
Fachlicher Input im direkten Austausch mit den Abteilungen
(Handlungsempfehlungen)
82734
83459
83433
(Innere Medizin, HNO, NCH)
(FKK, Haut)
(Chirurgie inkl. HerzChirurgie, Psychiatrie)
Station:
Telefonnr./Dect:
Zugewiesen von:
Zugewiesen am:
Memory-Beauftragter der Station:
Diagnosen:
Fachlicher Input „Wissensmanagement“
diagnostizierte Demenz
fragliches Delir
(Hyperaktives Delir
Hypoaktives Delir)
Problembeschreibung/Fragestellung:
Vernetzung
Maßgeblich für den Rollout LKI / tirol kliniken
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 fehlende Orientierung
Weglauftendenzen
Bisher getroffene Maßnahmen:
 abwehrendes Verhalten
Unruhe
Projektergebnisse
Follow up Erhebung
Auszüge signifikante Ergebnisse
Signifikante Verbesserungen
(p Wert):
Unterstützung durch Ehrenamt
Orientierungsmaßnahmen
Niederflurbetten
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Projektergebnisse
Follow up Erhebung
Auszüge signifikante Ergebnisse
Signifikante Verbesserungen
(p Wert):
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Projektergebnisse
Follow up Erhebung
Auszüge signifikante Ergebnisse
Signifikante Verbesserungen
(p Wert):
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Folgeprojekt
Delir-Prävention, -Früherkennung und –
Frühbehandlung
Implementierung eines strukturierten Vorgehens im Rahmen
eines Pilotprojektes an drei Unfallchirurgischen Abteilungen.
(März 2016 – Mai 2017)
Ergebnis – niedrige Delirrate 8%. 732 Pat. > 70 Jahre – Delir n 64
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Rollout / Ausblick
Schulungen und MultiplikatorInnensystem (Memorynetzwerk)
 Grundverständnis und Kompetenz
 Pflege zentrale Schlüsselrolle - Nicht medikamentöse Maßnahmen
und Interprofessionelle Optionen auf Abteilungsebene
 Zentrale Schnittstellen, Projektkontext
 Rollout Tirol Kliniken weit
Bild: Google Demenz (05.04.2017)
Interprofessioneller Workflow für die Delir-Prävention, Früherkennung und Frühbehandlung
 Commitment auf Klinikleitung
 Verfahrensanweisungen / Informationsmanagement
 Unterstützung Memorynetzwerk
 Rollout - Pilotierungen
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Vielen Dank für die
Aufmerksamkeit
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