Munimast 17. Juni 2016 15 Auf Bildungstour im Osten Swiss Beef Mittelland / 100 Betriebsleiter schauten über die eigene Hoftür. Vier grosse Mäster verrieten ihnen ihre Erfolgsgeheimnisse. GUNDETSWIL Zwei Themen beredeten die Munimäster von Swiss Beef Mittelland auf der Hinfahrt in die Ostschweiz: Erstens das seit Wochen andauernde Regenwetter, und zweitens die hohen Tränkerpreise. Beim Wetter war man sich einig, dass alles Schimpfen nichts nützt und es nur die Hoffnung auf Sonnenschein gibt. Bei den aktuell hohen Tränkerpreisen von je nach Qualität 13 bis 15 Franken je Kilo lebend war man sich einig, dass dieser Preis indirekt auch der guten Nachfrage zuzuschreiben ist. Einer von den rund 100 mitreisenden Munimästern fasste es zusammen: «Solange die Mäster bereit sind, hohe Preise zu bezahlen, werden die Tränker nicht billiger.» im Aufzuchtstall bedeute weniger Stress für die jungen Kälber. Der Unterschied zum vorherigen Kälberstall mit einem Strohbett sei eine bessere Tränker-Gesundheit, ist Herzog überzeugt. Fliegen: Martin Stäheli bekämpft in seinem Stall die Fliegen einmal pro Woche mit Neporex. Simon Herzog füllt regelmässig die Kanäle unter den Lospa-Spalten mit Wasser oder dünner Gülle und lässt den Inhalt samt den Fliegenlarven ins Güllenloch. Generell ist der Automatisierungsgrad auf den Betrieben hoch. In Ställen sind Kraftfutter-Verteilautomaten und Futtermischwagen Standard. Ebenfalls wird sehr gut auf Qualität geachtet, sowohl bei der Silage für die Fütterung, wie auch bei der Qualität der abgelieferten Mastmuni. Eingestallt werden meistens Tränker mit Abstammung Fleischrassen oder mindestens Braunvieh. Das Ziel sind in der Regel sehr vollfleischige, gleichmässig gedeckte (C3)-Muni. Vier grössere Munimäster Besucht wurden zwei Munimäster mit Produktion nach den Vorschriften von QM Schweizer Fleisch und zwei die nach Labelvorschriften produzieren. Kurt und Simon Herzog in Gundetswil ZH (90 Kälber und 380 Vormast und Ausmast) und Oliver Engeli in Engishofen TG (380 Muni) produzieren nach QM Schweizer Fleisch. Die Betriebsgemeinschaft Widmer in Rickenbach ZH (350 Muni, maximal 420) und Familie Stäheli in Roggwil TG (240 Muni) produzieren für das Label IP Suisse. Das Fleisch ihrer Muni wird in der Migros als Terra Suisse verkauft. Die Betriebsleiter vernahmen Gemeinsamkeiten, hörten aber auch von unterschiedlichen Strategien der Mäster. Ställe: Oliver Engeli hat einen amortisierten, aber gut eingerichteten Stall mit Lospa-Spaltenböden, der rationell mit Futterautomaten, Mischwagen und Abfräsmaschine am Fahrsilo Widmer ist Harverstore-Fan Alle vier besuchten Munimäster wissen, dass das Einstallungsprogramm das Fundament einer erfolgreichen Munimast darstellt. Dazu gehört wie hier auf dem Römerhof der Betriebsgemeinschaft Stäheli ein sauberer, gut belüfteter und warmer, separater Kälberstall. funktioniert. Jakob Widmer hat den Ausmaststall für 200 Muni in einer einfachen, vielseitig verwendbaren Betonhalle eingerichtet, die sich jedoch als Munistall bewährt hat. Einstreu: Auf dem Betrieb der Betriebsgemeinschaft (BG) Widmer wurden die Muni seit jeher auf Stroh gemästet. Der Strohverbrauch für die im Durchschnitt 350 Labelmuni beträgt 1500 Rundballen jährlich oder vier Rundballen pro Tag. Ein Drittel des Strohs produziert die BG selber, zwei Drittel wird zugekauft. Dabei verläuft der Handel so, dass die BG Widmer den von den Ackerbauern begehrten Mist auf die Äcker liefert und im Gegenzug Stroh erhält. «Stroh gibt Arbeit, ist aber das beste für die Ackerböden», zieht Jakob Widmer Bilanz. Simon Herzog empfindet Liegeboxen für Kälber und Lospa-Spaltenböden für die Ausmasttiere als eine grosse Arbeitserleichterung, denn damit gebe es auf dem Hof nur noch eine GülleAusbring-Kette und die MistAusbring-Kette entfalle. Einstallen: Die sorgfältige Einstallung zählt bei allen vier besuchten Betrieben zum wichtigsten Erfolgsfaktor der Munimast. Ein grosser Fortschritt sei es, betonen alle vier Munimäster, dass die Kälber heute mit einem durchschnittlichen Alter von sechs Wochen und einem Gewicht von 75 kg in den Mastbetrieb kämen. Die Tierverluste seien mit schwereren und älteren Kälbern kleiner als in früheren Zeiten, als nur sieben bis zehn Tage alte Tränker angeliefert wurden. QM oder Label: Martin Stäheli hat von QM auf IP Suisse umgestellt. Seitdem seine Muni Auslauf hätten, habe er die Tiere auch besser unter Kontrolle, betont Martin Stäheli. «Ich möchte nicht mehr zurück zu geschlossenen Ställen», lautet sein Fazit. Simon Herzog bezeichnet geschlossene Ställe mit Liegeboxen als besser, wenn es darum geht, den Krankheitsdruck bei 30 Tränkern, die aus 30 verschiedenen Ställen stammen, gering zu halten. Ein kontrolliertes, gleichmässiges und zugfreies Klima Einzig Simon Herzog gibt zu, dass die Mast von A-Tränkern im grossen und ganzen rentabler sei weil die Tränker billiger sind. Man müsse es eben «ertragen» beim Gang durch den Stall, dass diese Tiere «nur mittelfleischig» seien und nicht dem Idealbild aller Metzger entsprächen. C-Muni rentierten weniger, hat Simon Herzog die Erfahrung gemacht. Die meisten Munimäster haben Fahrsilo oder noch dazu Hochsilos. Nur die Betriebsgemeinschaft Widmer in Rickenbach ZH hat alle Siloarten ausprobiert und ist zuletzt bei den Harverstore-Silos gelandet und «die haben sich bewährt», zieht Jakob Widmer sein Fazit. rü VIER ERFOLGSGEHEIMNISSE FÜR GESUNDE TIERE IN DER MUNIMAST Die Tränkekälber holen wir in der Umgebung ab Kleine Kälber brauchen gleichmässige Wärme Für unseren IPS-Munimast-Betrieb kaufen wir wöchentlich zwei bis drei Tränker im Gewicht von je mindestens 75 kg von Milchbauern in der Nähe, die Kunden von unserem Lohnunternehmen sind. Die Tränker sind maximal 20 Minunten auf dem Transport. Sie werden immer um 17 Uhr abgeholt. Am zweiten Tag, wenn die Kälber richtig trinken, bekommen sie eine Einstell-Behandlung nach Rezept. Weil die Kälber in den Auslauf können, sehe ich vom Hof aus, wenn eines hustet rü Es ist Mode, die Ställe zu öffnen und Kälber an die frische Luft zu lassen. Das funktioniert unserer Meinung nach nur auf Milchviehbetrieben. Ich erhalte 30 Tränker von 30 verschiedenen Höfen. Ich weiss, kleine Kälber brauchen Wärme! Deshalb haben wir einen geschlossenen Aufzuchtstall mit Wärmetauscher, so kann ich die Luft erwärmen. Seit einem Jahr funktioniert der neue Aufzuchtstall mit den Liegeboxen für die Kälber gut und ich habe weniger Tierverluste. rü Anita Stäheli überwacht die frisch eingekauften Kälber. Zuerst erhalten sie Eisen und Selen, sie werden geimpft und entlaust. Stefanie und Simon Herzog ziehen in Gundetswil ZH jährlich 520 Munikälber auf, die sie mästen oder als Remonten verkaufen. Amortisierte, aber rationell eingerichtete Ställe Das Auge des Herrn mästet sein Vieh! Das Erfolgsgeheimnis unseres Betriebes ist ein Einstallungsprogramm mit nasaler Impfung gegen Rindergrippe und später noch zwei mal spritzen gegen Rindergrippe. Die Kälber erhalten 22 kg Milchpulver, haben separate Ställe. Falls eine Gruppe krank wird, ist sie schon separiert. Erfolgsfaktoren sind die langjährige Erfahrung unseres seit 39 Jahren angestellten Mitarbeiters Hans Marti und amortisierte Ställe, die aber trotzdem rationell eingerichtet sind. rü Eine neue Gruppe wird innert zwei Tagen eingestallt. An der Decke des Aufzuchtstalles sind Deckenstrahler montiert. Wenn die Kälber nass aus dem Transporter geladen werden, liegen sie sofort genau unter die Wärmestrahler, um zu trocknen. An der Decke sind UltravioletLampen angebracht, um Flechten zu verhindern. Die frisch eingestallten Kälber kontrolliere ich täglich und messe, ob sie Fieber haben. Dieser bekannte Spruch stimmt: Das Auge des Herrn mästet sein Vieh. rü Oliver Engeli tut alles, damit seine Munikälber optimal starten und in der Aufzucht eine Tageszunahme von 1,1 kg erreichen. Jakob Widmer heizt den Kälberstall, sobald die Aussentemperatur unter 0 Grad liegt oder die Aussenluft feucht ist. (Bilder rü)