Leben mit Borderline - Eckhard Busch Stiftung

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LVR-Klinik Köln
Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität zu Köln
Leben mit Borderline
Aussichtslos war gestern
R. Markus
Köln, 25.03.2017
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Kennen Sie das?

Haben Sie das Gefühl, dass Sie anders sind als alle anderen?
Dass Sie einfach nicht dazugehören?

Kommen Sie sich manchmal vor wie ein „Alien“?

Sind Sie empfindlicher und sensibler als die meisten anderen,
die Sie kennen? ein "Alien"?

Haben Sie je erlebt, dass Ihre Gefühle schmerzen und dass
die innere Anspannung unerträglich wird?

Können schon Kleinigkeiten starke Stimmungsschwankungen
und negative Gedanken bei Ihnen auslösen?
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
Neigen Sie dazu sich selber fertig zu machen? Sich und
alles, was dazu gehört so richtig gründlich zu hassen?

Ist es schwierig für Sie, allein zu sein, aber mit dem Partner
klappt es auch nicht so richtig?

Und wie gehen Sie mit Krisensituationen um? Lösen Sie
diese mit Alkohol, Drogen, Selbstverletzungen, Essanfällen
oder Hungerphasen?
Eigentlich wissen Sie, dass das langfristig insgesamt keine
wesentliche Änderung im Vergleich ins Chaos führt, aber …

Kennen Sie das alles? Oder manches?
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BPS - Charakteristika des invalidierenden Umfeldes

Reaktionen (vor allem emotionaler Art) und die
Mitteilungen persönlicher Erfahrungen werden
-
nicht als stimmige Selbstbeschreibungen akzeptiert,
-
nicht als adäquate Reaktionen auf Ereignisse registriert,
-
nicht wahrgenommen, trivialisiert oder zurückgewiesen,
-
als sozial unakzeptabel charakterisiert (z. B. faul, naiv),
-
pathologisiert, wenn normal.
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BPS – Konsequenzen des invalidierenden Umfeldes
 Das Individuum lernt nicht:
- Gefühle richtig zu benennen und mitzuteilen,
- wie es seine Gefühle regulieren soll,
- Probleme, die zu den schmerzlichen Gefühlen
führen, zu lösen,
- Vertrauen in die eigenen emotionalen und
kognitiven Erfahrungen als adäquate Antworten
auf Ereignisse zu entwickeln.
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Borderline-Persönlichkeitsstörung

Ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in
zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild
und in den Affekten sowie von deutlicher
Impulsivität.

Beginn im frühen Erwachsenenalter. Das Muster
zeigt sich in verschiedenen Situationen.
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Borderline Persönlichkeitsstörung
Problembereich Selbstbild
- tiefgreifende Einsamkeit
- tiefgreifendes Gefühl „anders“ zu sein
- tiefgreifendes Gefühl der Insuffizienz
- Gefühl des „hohlen Kerns“
- Störung des Körperselbst
- Störung des Körper-Bildes
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BPS – typische Pläne und Schemata
Ohne ein
liebendes
Gegenüber
löse ich mich
auf
Wenn mir
jemand
nahe kommt
droht mir
Gefahr
sichere Nähe
Wenn jemand
sieht, wie ich
wirklich bin,
wird er mich
verlassen
Wenn mir
jemand
nahe kommt
werde ich
gefährlich
meide Nähe
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Also:
BPD-Patienten haben Schwierigkeiten, positive soziale
Informationen adäquat zu verarbeiten.
Dies betrifft primäre implizite, automatisierte,
schnelle Verarbeitungsprozesse.
„Epistemic Trust“
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Fazit
BPD-Patienten haben Schwierigkeiten, positive
soziale Signale
• wahrzunehmen,
• zu akzeptieren
• adäquat umzusetzen.
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Störende Gedanken/Gefühle
sozialer Ausschluss
Faustregel:
• BPD-Patienten fühlen sich in „gesunden“
Sozialverbänden sozial ausgeschlossen.
• BPD verhalten sich so, dass sie sozial ausgeschlossen
werden.
• BPD-Patienten entwickeln zahlreiche dysfunktionale
Strategien, um sozialen Ausschluss zu verhindern.
• Die Angst vor sozialem Ausschluss führt zur Unfähigkeit,
alleine zu sein.
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Also:
Solange unsere Patienten darum kämpfen, in ihren
sozialen Bezugssystemen zu überleben, ist es
ökonomisch nicht sehr sinnvoll, sich um die eigenen
Werte zu kümmern.
Solange diese Überlebensstrategie vor allem darin
besteht, die eigene Wertigkeit zu verleugnen, ist es
schwierig, sich darum zu kümmern!
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Message I
Borderline-Patienten erwarten soziale Ablehnung
weil:
•
dies ihren basalen Grundkonzepten entspricht,
•
sie sich hässlich und unattraktiv finden,
•
dies eine strategische Gewohnheit ist.
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Message II
Borderline-Patienten erwarten soziale Ablehnung
weil:
•
dies ihren basalen Grundkonzepten entspricht,
•
sie sich hässlich und unattraktiv finden,
•
dies eine strategische Gewohnheit ist,
•
sie positive Informationen schlecht interpretieren.
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Message III
Borderline-Patienten erwarten soziale Ablehnung
weil:
•
dies ihren basalen Grundkonzepten entspricht,
•
sie sich hässlich und unattraktiv finden,
•
dies eine strategische Gewohnheit ist,
•
sie positive Informationen schlecht interpretieren,
•
sie aus positiven Erfahrungen schlecht lernen.
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Message IV
Borderline-Patienten erwarten soziale Ablehnung
weil:
•
dies ihren basalen Grundkonzepten entspricht,
•
sie sich hässlich und unattraktiv finden,
•
dies eine strategische Gewohnheit ist,
•
sie positive Informationen schlecht interpretieren,
•
sie aus positiven Erfahrungen schlecht lernen,
•
sie sich in positiven sozialen Bedingungen inadäquat
verhalten.
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Und so…
 Wenn du erwartest, dass du ausgeschlossen wirst,
 wenn du soziale Gemeinschaft bewertest, als ob du
ausgeschlossen bist,
 wenn du dich verhältst, als ob du ausgeschlossen
bist,
 dann wirst du ausgeschlossen werden!
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Computer - based open field study
Tensionprofile Controlperson
Intervall
Tension
9
Tension increase
8
Tension decrease
6
5
4
3
2
1
Time
Night
Night
10:58
09:00
19:59
17:53
15:57
13:58
11:52
09:55
18:55
16:51
14:56
13:04
0
11:02
Tension
7
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Computer - based open field study
Tensionprofile Borderline-Patient
Int erval 1
Int erval 2
Tension
9
Tension increase
8
Tens ion decrease
7
Tension
6
missing
5
4
3
2
1
Ti me
Night
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Night
13:02
11:08
09:02
21:54
19:55
17:55
15:55
13:59
12:00
10:05
08:00
22:04
20:01
17:57
16:06
14:03
0
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Sorge für Sicherheit
Vermeide sozialen Ausschluss:
- entwickele „pro-soziales“ sumissives Verhalten
unterwerfe dich
mache dich klein
mache dich selbst schlecht
- entwickele soziales Hyper-Screening
entwickele Hyper-Mentalisierung
misstraue neutralen Bedingungen
entwickele Präventivstrategien
- vermeide emotionale Signale
Stolz
Leistung
Scham
Schuld
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- entwickele rasche Escape-Strategien:
•
Selbstverletzungen
•
Dissoziation
•
Drogen/Alkohol
- entwickele Strategien zur Eindämmung von Emotionen:
•
Anorexie
•
Kontrollen
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BPS - Psychopathologie

Die meisten typischen Symptome und
Verhaltensmuster der BPS können entweder als
Bewältigungsstrategien oder als Folgen einer
gestörten Affektregulation interpretiert werden!
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BPS - dysfunktionale Verhaltensmuster und Syndrome
Impulskontrollverlust
Selbstverletzungen
Kognitive Störungen
Affektive
Dissoziation
Dysregulation
Substanzmissbrauch
Suizidphantasien
Fremdaggression
Hochrisikoverhalten
Gestörtes Selbstbild
Störungen der Beziehungsregulation
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Therapie-Stadium I
• Verbesserung der Überlebensstrategien
• Umgang mit Suizidalität und krisenerzeugendem
Verhalten
• Verbesserung der Therapiecompliance
• Umgang mit therapiestörendem Verhalten
• Behandlung von sehr schwerwiegenden Achse-IStörungen oder anderen Verhaltensmustern
• die eine Verbesserung der sozialen Integration und
Interaktion verhinder.
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Therapie-Stadium II
• Verbesserung der sozialen Integration und
Interaktion
• Behandlung von Achse-I-Störungen
• Borderline-typische emotionale Probleme wie
Einsamkeit, Angst vor Verlassen-werden,
Selbsthass usw.
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Behandlung?
• Aufklärung über mögliche verzerrte Erwartungen.
• Erkennen von spezifischen Verzerrungen.
• Prosoziales Verhalten trotz verzerrter Erwartungen
aufbauen.
• Prosoziales Verhalten trotz aversiver Gestimmtheit
aufbauen!
• Entwicklung von spezifischeren Skills.
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Training sozialer Kompetenz für
Borderlinepatienten
• Übungen, die Angemessenheit der eigenen Erwartungen
einzuschätzen
• Übungen, die Wirkung der eigenen Handlungen auf
andere einzuschätzen
• Übungen zur radikalen Akzeptanz von Dissonanzen
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Behandlungsziele von Borderlinepatienten
• Kontrolle über Emotionen, Stimmungsschwankungen und
negatives Denken (83%)
• Reduktion von Suizidalität, Selbstverletzungen und anderen
Symptomen (77%)
• Selbstakzeptanz und Selbstvertrauen (67%)
• Verbesserung der Beziehungen (58%)
• Verbesserung der Lebensteilnahme: Alltagsfertigkeiten und
Beruf (50%)
(Qualitative Interviews, N=52)
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Verbesserung der Motivation
• Von Anfang an klären, welche Dinge der Patientin im
Leben wirklich wichtig sind.
• Positive, greifbare Ziele formulieren.
• Von Beginn an den Fokus auf Zielerreichung und
Problembewältigung legen.
• Nur bei schwerwiegendem krisengenerierendem
Verhalten vorübergehend den Fokus auf Abbau von
dysfunktionalen Automatismen legen!
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Prinzipien
wertebasiert
Das oberste Ziel der DBT sollte sein, den Patienten zu
helfen, ein Leben entsprechend ihrer Werte – also ein
sinnerfülltes Leben - zu verwirklichen.
Manchmal ist es allerdings nötig, die Voraussetzungen
für Werte-Wahrnehmung und Werte-Umsetzung erst
zu schaffen!
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Wie behandelt man Einsamkeit?
• Übernahme von Verantwortung für andere
• Compassion
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Die Bewusstmachung und Konkretisierung im
Alltag und die Umsetzung von Worten in Form
von Zielen
Zauberfragen: „Was hindert Sie derzeit daran, ihre
Werte umzusetzen und Ihre Ziele zu erreichen?“
„Und wenn dieses Problem beseitigt ist – inwiefern
kommen Sie ihren Werten und Zielen näher?“
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BPD-Patienten haben nicht nur Probleme mit
negativen Emotionen, sondern auch mit der
Toleranz von positiven Emotionen!
Konsequent Exposition gegenüber positiven
Emotionen einbauen!
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Positive Emotionen
•
•
•
•
Liebe
Stolz
Freude
Euphorie
Klassische Emotionen
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• Geborgenheit
• Sinnerfülltheit
Langfristig wirksam
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Was ist eigentlich DBT?
Ein Netzwerk von engagierten Leuten,
die der festen Überzeugung sind,
dass ihre festen Überzeugungen nur
Überzeugungen sind.
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Was sind die Konsequenzen für die DBT?
• Die Prinzipien und Regeln sollten beibehalten werden.
• Patienten mit komorbider PTBS sollten so rasch als möglich
eine spezifische Traumabehandlung erhalten.
• Frühe Orientierung an sozialer Integration
• Umgang mit Einsamkeit, schlechtem Selbstwert und
Selbstabwertung
• Aufbau von Vertrauen und adäquater sozialer Interaktion
• Aufbau von Selbst-Mitgefühl
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Lösung ?
Zum Beispiel:
Enttäuschungsverwalter einrichten
das Gefühl aushalten lernen
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Vielen Dank
für Ihre
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