Social Tranquilizer - LKH Graz Süd-West

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Social Tranquilizer
Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Ein Vergleich zwischen theoretischen Diskursen und
praktischen Erfahrungen der SozialarbeiterInnen in
psychiatrischen Krankenanstalten Österreichs
Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades „Magistra (FH)
für sozialwissenschaftliche Berufe“
Verfasserin: Doris Pröll
Vorgelegt am FH-Diplomstudiengang Soziale Arbeit – Fachhochschule Salzburg
Gutachter: DSA Mag. Dr. Karl Wilhelmstätter
Salzburg, Mai 2009
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Zusammenfassung
Das „Psychiatriewesen“ ist sehr vielschichtig. Es ist das größte Handlungsfeld der
Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen. Wie sieht aber die konkrete Praxis von
SozialarbeiterInnen in psychiatrischen Krankenanstalten aus?
Die angehängten Hypothesen zu dieser Fragestellung lauten:
SozialarbeiterInnen
in
psychiatrischen
Krankenanstalten
haben
unterschiedliche
Arbeitsschwerpunkte in ihrer Arbeit mit PatientInnen in den einzelnen Bundesländern.
SozialarbeiterInnen in psychiatrischen Krankenanstalten haben Veränderungs- bzw.
Verbesserungswünsche bezüglich ihrer Arbeitsbedingungen.
PatientInnen
in
psychiatrischen
Krankenanstalten
sind
grundsätzlich
motiviert,
sozialarbeiterische Hilfestellungen in Anspruch zu nehmen.
Hauptanliegen
der
PatientInnen
in
psychiatrischen
Krankenanstalten
an
SozialarbeiterInnen betreffen finanzielle Angelegenheiten.
Die Vernetzung zwischen den Krankenanstalten und den nachsorgenden Einrichtungen
funktioniert nur mangelhaft.
Um die Forschungsfrage zu beantworten, wird im Theorieteil ein thematischer Überblick
u.a. über die allgemeinen Aufgaben, Methoden und Handlungsfelder der Sozialen Arbeit
gegeben, um dann auf die möglichen spezifischen Anforderungen der Sozialen Arbeit in
der Psychiatrie einzugehen. Widersprüchlichkeiten und Übereinstimmungen von
Theorie und Praxis werden wie folgt überprüft. Der empirische Teil setzt sich aus einer
standardisierten Befragung, die online an alle SozialarbeiterInnen in psychiatrischen
Krankenanstalten Österreichs versendet wurde, und dessen Auswertung zusammen.
Den Abschluss der Arbeit bilden die Zusammenfassung der Ergebnisse und die daraus
ableitbaren Handlungsempfehlungen. Die Ergebnisse beziehen sich auf die Fragen
nach dem tatsächlichen Arbeitsbereich und seinen häufigsten Anforderungen. So
entstand eine Sammlung von Ideen, Schwierigkeiten und Innovationen, mit denen
SozialarbeiterInnen in der Praxis konfrontiert sind.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Abstract
Being very complex, the psychiatric system presents the largest scope of work in the
public health system. The purpose of this paper is to portray the practical work of social
workers in psychiatric hospitals in Austria. Thus, the following four hypotheses were
formulated. Depending on the federal state they come from, social workers in psychiatric
hospitals put different focus on their work. They have ideas of changing and improving
their working conditions. Patients are motivated to accept help from social workers and
the main concerns patients want to discuss with social workers are of financial origin.
In the theoretical part of the paper a thematic overview of the general assignments,
methods and scopes of social work is given. Then the specific demands of social work
in psychiatric institutions are discussed. The second part consits of a standardized
questionnaire, which was sent online to all social workers in psychiatric hospitals of
Austria and the results are being interpreted. For a consistent comparison, the social
workers were asked the same questions as discussed in the theoretical part.
Finally a summary of the results, which mainly deal with the actual scope of work and its
challenges, and recommendations for action, is given. This collection of ideas,
difficulties and innovations social workers are constantly confronted with in their every
day work life thus concludes the paper.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Inhaltsverzeichnis
VORWORT...................................................................................................................... 6
1 EINLEITUNG................................................................................................................ 7
2 METHODISCHE KONZEPTION................................................................................... 9
2.1 Bedeutung empirischer Methoden für die Soziale Arbeit ...................................................... 9
2.2 Klärung der Grundbegriffe von empirischen Methoden......................................................... 9
2.3 Fragenkonstruktion allgemein..............................................................................................10
2.4 Art des Fragebogens in der aktuellen Studie .......................................................................11
3 DIE DIPLOMARBEIT ................................................................................................. 14
3.1 Ziel der Diplomarbeit ...........................................................................................................14
3.2 Wer wurde befragt? .............................................................................................................14
3.3 Hypothesen und Forschungsfrage.......................................................................................15
4 SOZIALE ARBEIT...................................................................................................... 16
4.1 Begriff: Soziale Arbeit ..........................................................................................................16
4.2 Handlungsfelder der Sozialen Arbeit ...................................................................................16
4.3 Theorien der Sozialen Arbeit ...............................................................................................18
4.4 Einige Methoden der Sozialen Arbeit...................................................................................19
4.5 Berufspflichten für SozialarbeiterInnen ................................................................................26
5 SOZIALE ARBEIT IM GESUNDHEITSWESEN......................................................... 27
5.1 Bedeutung der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen ........................................................27
5.2 Handlungsfelder und Arbeitsansätze der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen.................29
5.3. Kompetenzprofil von SozialarbeiterInnen im Gesundheitswesen........................................30
5.4. Klinische Sozialarbeit: Definition.........................................................................................31
5.5 Tätigkeitsfelder der klinischen Sozialarbeit ..........................................................................33
5.6 Methoden bzw. Handlungsansätze der klinischen Sozialarbeit ............................................34
6 PSYCHIATRIE ........................................................................................................... 37
6.1 Versuch einer Begriffsdefinition Psychiatrie.........................................................................37
6.2 Psychiatrische Kliniken und Abteilungen .............................................................................38
6.3 Psychiatrische Krankheitslehre............................................................................................42
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
7 SOZIALE ARBEIT IN DER PSYCHIATRIE/PSYCHIATRISCHEN LANDSCHAFT ... 43
7.1 Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit mit PsychiatriepatientInnen ..............................................43
7.2 Aufgabenfeld und Methoden................................................................................................44
7.3 Theoretische Verortung der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie ............................................50
8. ERGEBNISSE DES FRAGEBOGENS...................................................................... 51
8.1 Ausschicken der Fragebögen ..............................................................................................51
8.2 Daten der Befragten ............................................................................................................52
8.3 Daten der PatientInnen........................................................................................................55
8.4 Inhaltliche Aufgaben der SozialarbeiterInnen.......................................................................59
8.5 Methoden in der Praxis der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie.............................................71
8.6 Vernetzung/Nachsorge........................................................................................................79
8.7 Veränderungswünsche und Visionen der PraktikerInnen.....................................................91
8.8 Zusammenfassung der Grundergebnisse............................................................................93
9 BEANTWORTUNG DER HYPOTHESEN & FORSCHUNGSFRAGEN ..................... 96
9.1 Verifizierung der Hypothesen ..............................................................................................96
9.2 Beantwortung der Forschungsfragen.................................................................................100
9.3 Handlungsempfehlungen...................................................................................................103
10 LITERATURVERZEICHNIS ................................................................................... 104
10.1 Bücher.............................................................................................................................104
10.2 Zeitschriften.....................................................................................................................108
10.3 Internet ............................................................................................................................109
11 ABBILDUNGSVERZEICHNIS................................................................................ 111
12 ANHANG................................................................................................................ 113
12.1 Psychiatrische Krankenanstalten in Österreich................................................................113
12.2 Der Fragebogen ..............................................................................................................115
EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG............................................................................ 122
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Vorwort
Die vorliegende Diplomarbeit soll einen generellen Einblick in die tatsächlichen
Tätigkeiten und Anforderungen an SozialarbeiterInnen bieten, die in Österreichs
psychiatrischen Krankenanstalten tätig sind.
Die Motivation, sich mit diesem Thema so eingehend zu beschäftigen, ist durch meine
eigene Tätigkeit als Sozialarbeiterin auf der Psychotherapiestation der ChristianDoppler-Universitätsklinik begründet, die ich seit Dezember 2007 ausübe. Ich vertrete
die Ansicht, dass viele für den beruflichen Alltag gewinnbringende Inhalte zum Großteil
durch Vernetzungen mit KollegInnen im psychiatrischen Bereich zum Vorschein
kommen
und
gegenseitig
bei
vorkommenden
Unsicherheiten
Unterstützungen
ermöglichen.
Mein besonderer Dank gilt meiner Arbeitsstätte dem Sonderauftrag für stationäre
Psychotherapie und dem gesamten Team.
Ich möchte mich bei den SozialarbeiterInnen der Christian-Doppler-Klinik bedanken für
die wohlwollende Aufnahme im Team, die zahlreichen Denkanstöße und den guten
Zuspruch. Sehr gute Anregungen für die Diplomarbeit habe ich von DSA Mag. Gustav
Holzner und DSA Paul Weidinger erhalten. Für die sehr gute inhaltliche Betreuung
während dem Verfassen der Diplomarbeit gebührt Herrn DSA Mag. Dr. Karl
Wilhelmstätter mein Dank.
Für die Geduld bei der Hilfe zur Selbsthilfe in Bezug auf die Excel-Auswertung danke
ich meinem Freund Harald.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
1 Einleitung
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie1
ExpertInnen für Soziale Arbeit in den unterschiedlichen Handlungsfeldern können in
ihrem Arbeitsalltag oft großen Herausforderungen gegenüber stehen, wenn es darum
geht, Menschen in prekären Lebenslagen möglichst rasch und nachhaltig ihre
Unterstützung zukommen zu lassen. Viele unterschiedliche Aspekte wie zum Beispiel
die Biographie der KlientInnen, die Ursachen für die missliche Situation und die
Fähigkeiten der Betroffenen sind ganzheitlich zu betrachten und darauf adäquat zu
reagieren, ohne die Autonomie der Hilfebedürftigen einzuschränken.
„Eine länger anhaltende psychische Störung ist häufig mit sozialen Risiken wie
Randständigkeit, Isolation oder Armut verbunden. Vielfach können Lebensentwürfe
beim Eintritt der Krankheit im frühen Erwachsenenalter bzw. im Jugendalter nicht mehr
eingelöst werden. Eine berufliche und/oder soziale Zielkorrektur „nach unten“ muss
häufig vorgenommen werden. In diesen Fällen sind neben medizinisch therapeutischen
Hilfen sozialarbeiterische Maßnahmen erforderlich.“ (www.asklepios.com; Zugriff am
16.2.2009)
Was ist das Besondere bzw. Unterscheidende am Handlungsfeld der Sozialen Arbeit in
der Psychiatrie? Ist es überhaupt notwendig, einen Unterschied zwischen der „Sozialen
Arbeit“ und der „Sozialen Arbeit in der Psychiatrie“ herauszustreichen? Was sagen
PraktikerInnen der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie über ihr Aufgabengebiet, ihren
Kontakt mit den PatientInnen und ihre angewandten Methoden?
Die Diplomarbeit stellt den Versuch dar, einen Vergleich zwischen der theoretischen
Auseinandersetzung von Sozialer Arbeit in der Psychiatrie und den Praxiserfahrungen
von SozialarbeiterInnen in diesem Handlungsfeld zu entwickeln.
Ich habe mich für die Wahl dieses Themas entschieden, weil ich seit Dezember 2007
selbst in diesem Handlungsfeld tätig bin. Daher bin ich an einem breiteren und auch
wissenschaftlichen Blickwinkel, was die Aufgaben und Methoden der Sozialen Arbeit in
der Psychiatrie angeht, interessiert.
Die Diplomarbeit setzt sich aus einem theoretischen Literaturteil, einem empirischen Teil
und einem Kapitel bezüglich
1
der methodischen Konzeption
zusammen. Der
Tranquilizer: sind Beruhigungsmittel, die in der Psychiatrie eingesetzt werden.
Social Tranquilizer wird hier als provokanter, aufs Thema hinführender Titel verwendet. Hintergrund:
Wodurch und wie arbeitet die Soziale Arbeit in der Psychiatrie? Nur beruhigend?
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Schwerpunkt
des
Auseinandersetzung
vierten
mit
der
Kapitels
ist
Sozialen
die
Arbeit.
begriffliche
Hier
und
werden
theoretische
die
einzelnen
Handlungsfelder angeführt, kurz auf das Theoriedilemma der Sozialen Arbeit
eingegangen und die Aufgaben und Methoden der Sozialen Arbeit erläutert.
Das folgende Kapitel beschäftigt sich speziell mit der Bedeutung der Sozialen Arbeit im
Gesundheitswesen. Der Begriff Klinische Sozialarbeit wird definiert und dessen
Notwendigkeit erörtert. Einen weiteren Schwerpunkt in diesem Kapitel bildet die
Methodenfrage der Klinischen Sozialarbeit.
Das Thema Psychiatrie umfasst das sechste Kapitel. Unterschiedliche psychiatrische
Kliniken und Abteilungen werden in Bezug auf ihre Zielgruppen erklärt. Mögliche
psychiatrische Krankheitsbilder werden anhand des Klassifikationssystems ICD 102
angeführt. Die theoretische Verortung der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie findet
besonderes Augenmerk.
Kapitel 7 beschäftigt sich mit der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie.
Unter anderen sind Ziele der Diplomarbeit, die aufgestellten Hypothesen zu bestätigen
oder gegebenenfalls zu widerlegen. Dieser Teil bildet ein weiteres Kapitel.
Im empirischen Teil der Diplomarbeit geht es um den Versuch, die Ergebnisse der
Befragungen auszuwerten und darzustellen.
Letztendlich führt dies zur Beantwortung der Forschungsfrage: “Wie sieht die konkrete
Praxis von SozialarbeiterInnen in Österreichs psychiatrischen Krankenanstalten aus?
Welche Zukunftsideen und Visionen gibt es in diesem Arbeitsfeld?“
Im Abschlusskapitel werden neue Erkenntnisse verarbeitet.
2
ICD 10: siehe Kapitel 6.3
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
2 Methodische Konzeption
In diesem Kapitel erkläre ich nach dem Definieren der Bedeutung von empirischen
Forschungsmethoden
und
verwendeten
Grundbegriffen
die
methodische
Herangehensweise an die aktuelle Forschungsstudie. Ebenfalls behandle ich die
notwendigen Kenntnisse zur Fragebogenkonstruktion.
2.1 Bedeutung empirischer Methoden für die Soziale Arbeit
Der Einsatz von empirischen Methoden und Praktiken in der Sozialen Arbeit zur
Erhebung, Darstellung und Interpretation von Daten ist nicht nur notwenig, sondern ist in
einigen Feldern bereits üblich. Das Beherrschen einer empirischen Datenerhebung ist
für SozialarbeiterInnen von Vorteil bzw. notwendig, wenn es um systematische
Darstellungen von Daten von KlientInnen im Rahmen der Sozialberichtserstattung einer
regionalen Bedarfserhebung geht, oder eine Einrichtung eine Selbstevaluation plant.
Die Sozialarbeitsforschung hat ein spezifisches Erkenntnisinteresse, sodass die
Fragestellungen eine unmittelbare Nähe zur beruflichen Praxis aufweisen. Trotzdem
wird die Soziale Arbeit auf das Wissen der Bezugswissenschaften angewiesen bleiben.
Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit kommt ohne eine wissenschaftliche
Grundlegung nicht aus (vgl. Schaffer 2002, S.9-11).
Bei der empirischen Forschung geht es nicht mehr nur um Praxisforschung sondern
zunehmend auch um empirisch gestütztes Wissen für die Theorieentwicklung. Die
professionelle Handlungspraxis in der Sozialen Arbeit kann sich ohne vielfältige und
umfängliche
empirische
Kenntnisse
über
ihren
Gegenstandsbereich
nicht
weiterentwickeln (vgl. Otto/Oelerich/Michel 2003, S. 3f).
2.2 Klärung der Grundbegriffe von empirischen Methoden
Empirisch bedeutet einfach ausgedrückt „im sozialen Umfeld wahrnehmbar“. Das
Soziale Handeln ist Gegenstand empirischer Sozialforschung. Soziales Handeln hat
eine intentionale Komponente und ein soziales Gegenüber (wenn auch nicht immer
anwesend z.B. einen Brief an jemanden schreiben) und ist durch wechselseitige
Verhaltenserwartungen strukturiert. Man spricht ebenso von sozialem Handeln laut
Schaffer (2002), wenn die Folgen destruktiv sind (vgl. Schaffer 2002, S. 25f).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
„Den Ausgangspunkt für eine empirische Studie bildet in der Regel eine Hypothese oder
eine Reihe von Hypothesen (das heißt eine oder mehrere Aussagen über einen
vermuteten Zusammenhang), die theoretisch oder aus vorhandenen empirischen
Studien abgeleitet worden sind. Ziel des empirischen Vorgehens kann dann die
vorläufige Bestätigung oder endgültige Verwerfung der Ausgangshypothese(n) sein.
Dieses Vorgehen wird deduktiv genannt (Überprüfung eines theoretisch entwickelten
Zusammenhangs an der Realität).“ (Schaffer 2002, S.27)
2.3 Fragenkonstruktion allgemein
Im Fragebogen werden der Inhalt, die Anzahl und die Reihenfolge der Fragen
festgelegt. Bereits bei der Fragebogenkonstruktion muss über die sprachliche
Formulierung
der
Fragen
und
die
Verwendungsweise
von
Antwortkategorien
entschieden werden (vgl. Atteslander/Kopp In: Roth/Holling 1999, S.153).
Nicht vergessen werden darf, den gewünschten TeilnehmerInnen in kurzen aber
präzisen
Sätzen
die
Absicht
Verwertungszusammenhang
bzw.
den
Zweck
(Auftraggeber,
der
Befragung
Motivation,
sowie
ihren
geplanter
Veröffentlichungskontext) zu erläutern. Zudem müssen die Auswahlkriterien bezüglich
der zu befragenden Personen genannt werden, und eine Anonymitätszusicherung hat
zu erfolgen. Als vertrauenssteigernd wirkt auch das Angebot, die späteren Ergebnisse
bei Interesse zur Verfügung zu stellen. Die Rücklaufquote kann durch ein weiteres
Erinnern an den Fragebogen gesteigert werden. Die Fragebogenkonstruktion kann in
folgender Weise ablaufen: Den Beginn kann man mit so genannten „Eisbrecherfragen“
gestalten. Das sind Fragen, die relativ einfach und ohne zu zögern zu beantworten sind.
Die für die Untersuchung wichtigsten Fragen werden nach Möglichkeit in der Mitte des
Fragebogens platziert, da die „kritische“ Einstiegsphase überwunden ist, gleichzeitig
aber die Erregungskurve bei den Befragten noch so hoch ist, dass ein gewisses
Aufmerksamkeitsniveau garantiert scheint. Thematisch zusammengehörende Fragen
sollen auch in ein und demselben Block angeführt werden, denn die Themenabfolge
muss nachvollziehbar sein. Die Fragen zu den persönlichen Daten werden meist in
einem eigenen Fragenkomplex und vollstandardisiert am Ende der schriftlichen
Befragung erhoben. Um einen gelingenden Fragebogen konstruieren zu können, ist ein
thematisches Vorwissen notwendig (vgl. Schaffer 2002, S. 92-97).
Um genügend Vorwissen in dem Themenbereich der aktuellen Studie zu erwerben,
habe ich zuerst Informationen für die theoretische Auseinandersetzung aus der Literatur
recherchiert und in den Theoriekapiteln verarbeitet.
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Es gilt die Regel: Besser mehrere kurze Fragen als eine zu komplexe Frage stellen. Bei
der Fragenformulierung ist darauf zu achten, dass keine wertbesetzten Begriffe
verwendet werden (vgl. Schaffer 2002, S.98).
Geschlossene Fragen sind so formuliert, dass den Befragten mit der Frage gleichzeitig
eine Reihe von Antwortmöglichkeiten vorgelegt werden, aus denen sie die zutreffende
Alternative auswählen müssen. Bei offenen Fragen haben die TeilnehmerInnen nicht
nur inhaltlich zu antworten, sondern die Antworten müssen auch selbständig sprachlich
formuliert werden (vgl. Atteslander/Kopp In: Roth/Holling 1999, S.154f).
Es gibt auch die Möglichkeit, skalierte Antwortkategorien zu verwenden (vgl. Schaffer
2002, S. 149).
„Die von der Variable angenommenen Werte können von „hoch“ bis „niedrig“ und von
„sehr häufig“ bis „überhaupt nicht“ rangiert werden.“ (Schaffer 2002, S.149)
Die Befragten sollen auch jeweils vor der Beantwortung jeder Frage wissen, ob
Mehrfachnennungen möglich sind. Bei der Verwendung von Skalen muss vor jeder
dieser Fragen das System der Skala erklärt werden, auch wenn diese immer gleich
bleiben. Suggestiv-Fragen sind unbedingt zu vermeiden (vgl. Schaffer 2002, S.99).
Vor dem ersten Einsatz des Fragebogens sollte ein Pre-Test durchgeführt werden, um
herauszufinden, ob eventuell Probleme bei der Datenerhebung auftreten können (vgl.
Schaffer 2002, S. 147).
Um die erhobenen Daten computergestützt auswerten zu können, müssen diese in
einen maschinenlesbaren Datenfile übertragen werden. Das weitere Vorgehen hängt
von der Art der Fragestellungen bzw. von den Antwortvorgaben ab (vgl. Schaffer 2002,
S. 148).
Der Fragebogen lässt sich u.a. auswerten mit Hilfe der beschreibenden bzw.
deskriptiven Statistik. Diese liefert eine Zusammenfassung der erhobenen Daten, die
sich ausschließlich auf die Untersuchungsmenge beziehen. Sowohl einzelne messbare
Beobachtungsdaten
als
auch
Zusammenhänge
mehrerer
Merkmale
können
beschrieben werden (vgl. Atteslander/Kopp 1995, S.297).
2.4 Art des Fragebogens in der aktuellen Studie
Da der empirische Teil der Diplomarbeit eine Vollerhebung der Aussagen von
PraktikerInnen in diesem Handlungsfeld zum Ziel hatte, war die logische Konsequenz
für die Wahl der Durchführung eines Fragebogens gegeben. Mein Bestreben war die
Befragung aller SozialarbeiterInnen in ganz Österreich, die in psychiatrischen
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Krankenanstalten tätig waren. Die Internetrecherche im November 2008 ergab die
Anzahl von 37 psychiatrischen Krankenanstalten bzw. psychiatrischen Anstalten in
Österreich. Diese waren auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie
und Jugend zu eruieren (vgl. www.bmgfj.gv.at; Zugriff am 5.11.2008). Bei einer weiteren
Recherche Ende Jänner 2009 hat das Bundesministerium zwei weitere psychiatrische
Anstalten hinzugefügt.
Beinahe jede Krankenanstalt verfügt bereits über eine Homepage, in der die Einrichtung
vorgestellt wird. Bei manchen Krankenanstalten waren auch die beschäftigten
SozialarbeiterInnen
mit
Telefonnummer
oder
E-Mail
Adresse
angeführt.
Der
überwiegende Teil der psychiatrischen Krankenanstalten erwähnte nur die möglichen
Dienste der SozialarbeiterInnen. Daher bestand meine weitere Aufgabe darin, in
akribischer Art alle fehlenden Daten telefonisch zu erfragen.
Ich entschied mich für die Form eines Online-Fragebogens, da dieser im Vergleich zu
einem Fragebogen, der per Post zugestellt wird, meiner Meinung nach viele Vorteile
hat. Für das spätere Verschicken des Fragebogens musste ich die Anzahl der
SozialarbeiterInnen und deren berufliche E-Mail Adressen erheben. Vereinzelt waren
wenige SozialarbeiterInnen nicht bereit, ihre E-Mail Adresse zur Verfügung zu stellen,
aber die KollegInnen erklärten sich bereit, die Informationen über die Fragebögen an
diese Personen weiterzuleiten. Diese konnten dann selbst entscheiden, ob sie an der
Befragung teilnehmen wollten. Ich vermute, dass es sich hier um eine gewisse
Unsicherheit gehandelt hat, die ich leider nicht ausräumen konnte.
Ein weiterer Grund, die Form des Online-Fragebogens zu wählen, war die Tatsache,
dass dieser eine für den Studiengang Soziale Arbeit innovative aber auch
wissenschaftliche Form der empirischen Befragung darstellt. Mit Hilfe des OnlineProgramms zur Fragebogenerstellung konnte die Anonymität der Befragten garantiert
werden. Durch das Wesen des Online-Fragebogens erwartete ich mir einen höheren
Rücklauf, als hätte ich die Fragebögen per Post verschickt. Die SozialarbeiterInnen
erhielten die Fragebögen direkt auf ihren Arbeitsplatz und konnten sie sogleich
beantworten und durch einen einzigen „Klick“ retournieren. Ich denke, dass ein
zusätzlicher Weg zum nächsten Postkasten einige SozialarbeiterInnen von der
Teilnahme abgehalten hätte. Um den logischen, inhaltlichen und strukturellen Aufbau
des
Fragebogens
überprüfen
zu
können,
führte
ich
einen
Pre-Test
mit
SozialarbeiterInnen aus meinem Arbeitsumfeld durch. Nachdem ich Unklarheiten im
Fragebogen beseitigt hatte, erstellte ich den Fragebogen mit dem Online-Programm
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Voycer. Dieses Programm kann mit einer Umfrage-Plattform verglichen werden (vgl.
www.voycer.com). Die zu Befragenden erhielten ein erstes E-Mail, das über mein
Vorhaben Aufklärung gab und den kommenden Fragebogen ankündigte. Etwa eine
Woche später verschickte ich E-Mails, die den Fragebogenlink enthielten, mit der Bitte
um Beantwortung binnen zwei Wochen. Vor Ablauf der zwei Wochen verschickte ich
nochmals ein Erinnerungsmail an jene SozialarbeiterInnen, die laut dem Programm
noch nicht teilgenommen hatten. Ich erhielt einen Rücklauf von 46 Prozent.
Alle erhaltenen Daten importierte ich in eine Excel-Tabelle und wertete sie auf diese
Weise aus. So erhielt ich eine Grundauswertung, die vor allem die Verteilung der
Antworten darstellte. Als nächsten Schritt setzte ich die einzelnen Ergebnisse in
Beziehung, um weitere Aussagen treffen zu können.
Gegen Ende der Diplomarbeit versuchte ich empirische Ergebnisse und theoretische
Auseinandersetzungen der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie zu verknüpfen. Auf diese
Weise sollte die Arbeit ein vollständiges Bild ergeben und möglichst alle aufgeworfenen
Fragen beantworten. Neue Erkenntnisse bildeten den Abschluss der Diplomarbeit.
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
3 Die Diplomarbeit
3.1 Ziel der Diplomarbeit
Ziel der Diplomarbeit ist der theoretische Vergleich der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie
mit den Aussagen der PraktikerInnen in diesem Handlungsfeld. Von Bedeutung sind
Fragen nach den unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten der SozialarbeiterInnen,
Unsicherheiten bei Aufgaben und angewandten Methoden der Sozialen Arbeit,
Nachsorgeeinrichtungen
und
Veränderungswünsche
hinsichtlich
verschiedener
Rahmenbedingungen.
3.2 Wer wurde befragt?
Mein Bestreben war das Eruieren möglichst aller SozialarbeiterInnen, die in Österreichs
Psychiatrien tätig waren. Allerdings habe ich mich entschlossen, keine Befragungen mit
SozialarbeiterInnen, die in der Neurologie oder der Geriatrie beschäftigt sind,
durchzuführen, weil diese für meine Diplomarbeit nicht relevant sind. Wie schon im
Kapitel
2
näher
erläutert,
erhielt
ich
die
Kontaktdaten
der
Psychiatrischen
Krankenanstalten auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie
und Jugend. Durch weitere Internetrecherchen bzw. telefonische Auskünfte trug ich die
Firmen-E-Mail Adressen von 149 SozialarbeiterInnen zusammen.
Diese sind beschäftigt in Psychiatrischen Krankenanstalten oder Landeskliniken mit
psychiatrischen Abteilungen in allen Bundesländern. Um einen groben Überblick über
die Verteilung der befragten Personen auf die Bundesländer zu geben, führe ich
folgende erhobenen Daten an: Spitzenreiter bezüglich der Anzahl von Psychiatrien ist
Niederösterreich mit 8 Einrichtungen. Wien liegt mit 7 psychiatrischen Einrichtungen
knapp dahinter, wobei das Sozialmedizinische Zentrum Baumgartner Höhe (Otto
Wagner Spital) mit 29 SozialarbeiterInnen den größten Anteil ausmacht. Platz 3 erreicht
die Steiermark mit 6 Einrichtungen. Hier zählt die Landesnervenklinik Sigmund Freud
Graz 20 SozialarbeiterInnen (ohne Neurologie und Geriatrie). Oberösterreich hat 5
Psychiatrien. Den größten Anteil von SozialarbeiterInnen beschäftigt die LandesNervenklinik Wagner-Jauregg (21 SozialarbeiterInnen). Es folgen die Bundesländer
Tirol (4 Einrichtungen), Salzburg und Kärnten mit jeweils 3 psychiatrischen
Krankenanstalten, Vorarlberg (2 Einrichtungen) und Burgenland (1 Einrichtung).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
3.3 Hypothesen und Forschungsfrage
Folgende Hypothesen versuche ich anhand meiner Studie zu beantworten:
•
SozialarbeiterInnen in psychiatrischen Krankenanstalten haben unterschiedliche
Arbeitsschwerpunkte in ihrer Arbeit mit PatientInnen in den einzelnen
Bundesländern.
•
SozialarbeiterInnen in psychiatrischen Krankenanstalten haben Veränderungsbzw. Verbesserungswünsche bezüglich ihrer Arbeitsbedingungen.
•
PatientInnen in psychiatrischen Krankenanstalten sind grundsätzlich motiviert,
sozialarbeiterische Hilfestellungen in Anspruch zu nehmen.
•
Hauptanliegen der PatientInnen in psychiatrischen Krankenanstalten an
SozialarbeiterInnen betreffen finanzielle Angelegenheiten.
•
Die Vernetzung zwischen den Krankenanstalten und den nachsorgenden
Einrichtungen funktioniert nur mangelhaft.
Meine Forschungsfragen lauten:
•
Wie sieht die konkrete Praxis von SozialarbeiterInnen in Österreichs
psychiatrischen Krankenanstalten aus?
•
Welche Zukunftsideen und Visionen gibt es in diesem Arbeitsfeld?
In den folgenden Theoriekapiteln werde ich jene Schwerpunktthemen behandeln, die für
meine empirische Studie relevant sind und einen Vergleich zwischen Theorie und Praxis
ermöglichen. Den Grundstock bildet das Kapitel Soziale Arbeit mit den Themen
Theorien der Sozialen Arbeit, Aufgaben und Methoden. In den anschließenden Kapiteln
wird die Soziale Arbeit immer mehr in Richtung Gesundheitswesen, Klinik und
Psychiatrie beleuchtet. Den Abschluss der Theorie bildet das Theorie- und MethodenKapitel Soziale Arbeit in der Psychiatrie.
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
4 Soziale Arbeit
Im gegenständlichen Kapitel soll ein theoretischer Überblick gegeben werden, was unter
Sozialer Arbeit zu verstehen ist und in welchen Bereichen sie anzutreffen ist.
4.1 Begriff: Soziale Arbeit
Der Begriff Sozialpädagogik kommt von der Reformpädagogik und der bürgerlichen
Jugendbewegung. Die Sozialarbeit bzw. die Soziale Arbeit hat eher eine Tradition der
Armenfürsorge. Diese Begriffe wurden schon in der Weimarer Republik auf die
Handlungsfelder in der Armenpflege bzw. der allgemeinen Wohlfahrtspflege bezogen
(vgl. Thole 2002, S.133).
...“als der pädagogische Charakter der damit in den Blick tretenden Aufgaben stärker
hervortrat und der sozialarbeiterischen Klientel, etwa nach Maßgabe der Formel „Hilfe
zur Selbsthilfe“, zunehmend nahe gelegt wurde, „brachliegende oder verschüttet
geglaubte Hilfsquellen, Energien und Kräfte wieder zu nutzen (Ressourcenarbeit),
rückten Sozialpädagogik und Sozialarbeit unter dem Dach des Begriffs Soziale Arbeit
zusammen...“. (Müller 1998 In: Thole 2002, S. 134)
Unter dem Begriff Soziale Arbeit wird eine handlungswissenschaftliche Disziplin
verstanden. Sie unterstützt Menschen aktivierend, die unter anhaltenden sozialen
Problemen leiden oder von sozialem Ausschluss bedroht sind (vgl. www.avenirsocial.ch;
Zugriff am 18.02.2009).
Die Soziale Arbeit ist auf verschiedenen Gebieten tätig und hat unterschiedliche
Zielgruppen. Im folgenden Unterkapitel werden die Einsatzbereiche der Sozialen Arbeit
angeführt, um einen Überblick über mögliche Handlungsfelder zu geben. Erst in den
später folgenden Kapiteln werde ich mich zunehmend auf die Herausforderungen der
Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen und dann speziell in der Psychiatrie
konzentrieren.
4.2 Handlungsfelder der Sozialen Arbeit
Unter Handlungsfeld kann auch Arbeitsfeld verstanden werden.
Ein Arbeitsfeld definiert sich durch eine gemeinsame Thematik, hat einen rechtlichen
wie auch institutionellen Zusammenhang und kennzeichnet sich durch Zielgruppe und
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Methode. Eine genaue Bezeichnung der Handlungsfelder der Sozialen Arbeit ist nur in
Ansätzen vorhanden (vgl. Zimmermann 2002, S.172).
Im Konzept für Lehre, Forschung & Entwicklung des Fachhochschulstudiengangs für
Soziale Arbeit in Salzburg teilt Popp (2002) die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit wie
folgt ein:
•
Aktivierende Soziale Arbeit im Bereich der sozialen Dienstleistungen der Kinder-,
Jugend- und Familienhilfe
•
Aktivierende Soziale Arbeit im Rahmen der sozialen Dienstleistungen für
körperlich, geistig oder sinnesbeeinträchtigte Personen
•
Aktivierende Soziale Arbeit im Rahmen der sozialen Dienstleistungen für
psychisch bzw. psychosomatisch beeinträchtigte Personen
•
Aktivierende Soziale Arbeit im Bereich der sozialen Dienstleistungen für
pflegebedürftige Personen – mit besonderer Berücksichtigung der sozialen
Altenhilfe
•
Aktivierende Soziale Arbeit im Bereich der sozialen Dienstleistungen für
integrationsgefährdete Personen
•
Aktivierende Soziale Arbeit in den Sozialämtern
•
Aktivierende Soziale Arbeit im Rahmen der integrativen Beratungsstellen in den
Landbezirken
•
Aktivierende Soziale Arbeit im Rahmen der soziokulturellen Gemeinwesenarbeit
•
Aktivierende Soziale Arbeit in weiteren Handlungsfeldern wie Betrieben, Schulen,
Erlebnispädagogik, Strafvollzug und Sozialplanung (vgl. Popp 2002, S. 55 –66).
Unter dem Begriff „Aktivierende Soziale Arbeit“ versteht sich eine durchgehende
Handlungslogik, die auf die Eigenverantwortung und Selbsthilfekompetenz der
Betroffenen verweist. Soziale Dienstleistungen zielen auf die bedürfnis- und
bedarfsgerechte Lösung bzw. Minderung der Problemlagen der KlientInnen ab (vgl.
Popp 2002, S.52).
Es sind auch weitere Einteilungen der Handlungsfelder vorhanden wie z.B. die
Einteilung nach
Berufsverbandes
Zielgruppen
von
Klicpera
diplomierter
(1996) oder des
SozialarbeiterInnen
Österreichischen
(OBDS
Handlungsfeldbeschreibungen 2004). Allerdings werde ich auf diese nicht näher
eingehen.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Im folgenden Kapitel soll erörtert werden, inwieweit sich die Soziale Arbeit theoretisch
verorten lässt. Außerdem führe ich ein Theoriebeispiel der Sozialen Arbeit an, das
meiner Ansicht nach besonders im Gesundheitswesen handlungsleitend sein sollte.
4.3 Theorien der Sozialen Arbeit
Wie schon bei der Begriffserklärung erläutert, hat die Soziale Arbeit von heute keine
eindimensionale Entwicklung durchgemacht und ist daher heterogen. Auch die bisher
verwendeten Theorien sind keine Theorien im eigentlichen Sinn sondern abhängig von
Personen, Konzepten oder Begriffen. Es fehlen in der Sozialen Arbeit Kriterien für die
Erstellung von Theorien. Gegenstandsbereich und Erkenntnisinteresse sind nicht
definiert, und die Theorieentwicklung verläuft unbefriedigend. In der Literatur findet man
genügend Texte unter dem Begriff Theorie, allerdings ist die Voraussetzung, das
Theorieverständnis, noch immer ungeklärt. Ansätze zur Theoriebildung setzen sich aus
Pädagogik, Sozialphilosophie, Soziologie, Psychologie sowie aus rechtlichen und
ökonomischen Wissensbeständen zusammen (vgl. Thole 2002, S. 139f).
Im Hinblick auf die später folgende theoretische Auseinandersetzung mit der Sozialen
Arbeit im Gesundheitswesen und besonders in der Psychiatrie erachte ich das
„Konzept“ der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit als notwendiges Paradigma für
das methodische Handeln in diesen Bereichen. Aus diesem Grund gehört für mich
bereits
an
dieser
Stelle
die
Auseinandersetzung
mit
der
Theorie
der
Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit angeführt.
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit: „Lebensweltorientierung verbindet die Analyse von
gegenwärtig spezifischen Lebensverhältnissen mit pädagogischen Konsequenzen. Sie
betont – in der Abkehr von traditionell defizitärem und individualisierendem Blick auf
soziale Probleme - das Zusammenspiel von Problemen und Möglichkeiten, von Stärken
und Schwächen im sozialen Feld und gewinnt daraus das Handlungsrepertoire
zwischen Vertrauen, Niedrigschwelligkeit, Zugangsmöglichkeiten und gemeinsamen
Konstruktionen von Hilfsentwürfen auszubalancieren.“ (Thiersch/Grunwald/Köngeter In:
Thole 2002, S. 161)
Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit bezieht sich auf die Strukturen der
Lebenswelt der KlientInnen wie Raum, Zeit, soziale und gesellschaftliche Bedingungen.
Je nach den Erfahrungen der KlientInnen in diesen Bereichen reagiert die
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit, um alltägliche Bewältigungen und Hilfen zur
Selbsthilfe zu ermöglichen (vgl. Thiersch/Grunwald/Köngeter In: Thole 2002, S. 172f).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
„Die lebensweltorientierte Handlungslogik – gelegentlich auch als soziokulturelle bzw.
öko-soziokulturelle Handlungslogik bezeichnet – geht im wesentlichen von mangelnden
ökonomischen Ressourcen und/oder von einer defizitären Ausstattung der räumlichmateriellen Umwelt im Hinblick auf die bio-psycho-sozialen und öko-sozio-kulturellen
Entwicklungsmöglichkeiten von Individuen bzw. Gruppen aus.“ (Popp 2002, S.33)
Eckpfeiler der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit sind: Prävention, Alltagsnähe,
Integration, Partizipation und Dezentralisierung (vgl. Thiersch/Grunwald/Köngeter In:
Thole 2002, S. 172f).
Im
Gegensatz zur
Lebensweltorientierung der Sozialen
Arbeit
ist
auch
die
Lebensstilorientierte Handlungslogik der Sozialen Arbeit zu erwähnen. Popp (2002)
verwendet
diesen Begriff
im
Sinne des
tiefenpsychologischen Konzepts der
Individualpsychologie als ein individuelles Lebenskonzept, „das auf dem Hintergrund der
psychischen Verarbeitung lebensgeschichtlicher und lebensweltlicher Erfahrungen die
Wahrnehmungen, Emotionen, Sinnkonstruktionen und Handlungen eines Menschen
steuert.“ (Popp 2002, S. 31)
Die lebensstilorientierte Handlungslogik, die auch als psychosoziale bzw. biopsychosoziale Handlungslogik bezeichnet wird, geht im Wesentlichen von individuellen
Krisen aus. Diese verursachen einen Leidensdruck oder ein von der Norm
abweichendes Verhalten des Menschen. Die Soziale Arbeit zielt auf eine Verbesserung
der
Problemlösungskompetenzen
und
auf
eine
Modifikation
biopsychischer
Bedingungen3 ab (vgl. Popp 2002, S. 31).
Zusammenfassend könnte man sagen: Es gibt eine Theorienvielfalt in der Sozialen
Arbeit. Allerdings sind ein Großteil der Theorien nicht exakt definiert, sodass ein
Theorienvergleich äußert schwierig bzw. kaum möglich ist.
Bei der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit wird das Hauptaugenmerk vor allem auf
Prävention, Alltagsnähe, Integration, Partizipation gelegt.
4.4 Einige Methoden der Sozialen Arbeit
Allgemein lässt sich der Methodenbegriff wie folgt definieren: „Methoden sind erprobte,
überlegte und übertragbare Vorgehensweisen zur Erledigung bestimmter Aufgaben und
Zielvorgaben.“ (Schilling 1993 In: Galuske, Michael 2003, S.24)
3
Modifikation von biopsychischen Bedingungen kann z.B. durch psychiatrische Interventionen erfolgen.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
„Methoden der Sozialen Arbeit thematisieren jene Aspekte im Rahmen
sozialpädagogischer/sozialarbeiterischer
Konzepte,
die
auf
eine
planvolle,
nachvollziehbare und damit kontrollierbare Gestaltung von Hilfeprozessen abzielen und
die dahingehend zu reflektieren und zu überprüfen sind, inwieweit sie dem Gegenstand,
den
gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen,
den
Interventionszielen,
den
Erfordernissen des Arbeitsfeldes, der Institutionen, der Situation sowie den beteiligten
Personen gerecht werden.“ (Galuske 2003, S. 30)
Das Methodenspektrum der Sozialen Arbeit in Österreich ist nicht theoriegeleitet
festgelegt.
Popp (2002) erläutert das berufsspezifische Methodenspektrum der „Aktivierenden
Sozialen Arbeit“ wie folgt:
Zu den klientenbezogenen Methoden lassen sich folgende Methoden der Sozialen
Arbeit
zählen
Sozioanalyse,
Soziotherapie,
Soziale
Mediation,
Soziokulturelle
Animation, Sozialdiagnose, Soziale Beratung und Case Management. Sozialplanung,
Sozialmanagement,
Sozialadministration
und
–dokumentation
gehören
zu
den
strukturbezogenen Methoden. Für die eigene Profession sind Selbstreflexion,
Selbstevaluation, Intervision und Supervision notwendig. Das Augenmerk der
Forschung
liegt
bei
der
Entwicklung
und
Evaluation
der
Sozialen
Arbeit.
Situationsspezifische Methoden werden jeweils den Bedürfnissen diverser Zielgruppen
sowie den institutionellen Organisationsformen angepasst (vgl. Popp 2002, S. 69f).
Von den angeführten Methoden der Sozialen Arbeit sind die klientenbezogenen
Methoden am relevantesten für die theoretische Auseinandersetzung mit der
Themenstellung der Diplomarbeit, daher gehe ich auf diese genauer ein.
Die Sozioanalyse ist mit der Soziotherapie (siehe auch Kapitel 7.2) eng verbunden. Es
handelt sich um ein Diagnoseverfahren der Sozialen Arbeit, bei dem das Verstehen der
Beziehungsdynamik eines interagierenden KlientInnensystems, das Verstehen der
Aneignungsdynamik bezogen auf die sozialräumlichen Bedingungen sowie das
Verstehen
der
Zeitgestaltungsdynamik
in
sozial-
bzw.
milieutherapeutischen
Handlungskontexten im Mittelpunkt stehen (vgl. Popp 2002, S.70).
„Soziotherapie (gelegentlich auch Milieutherapie bzw. als psychosoziale Gruppenarbeit
bezeichnet) ist eine professionelle Methode der Sozialen Arbeit, bei der (auf dem
methodisch-diagnostischen Hindergrund der „Sozioanalyse“) im Hinblick auf den
einzelnen Klienten bzw. die einzelne Klientin im Kontext von intensiv interagierenden
Gruppen (einschließlich Familien) eine über den Zeitraum der Betreuung/Begleitung
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
hinaus andauernde, nachhaltig problemverändernd – therapeutische Wirkung auf
folgenden 4 Interventionsebenen angestrebt wird“ (Popp 2002, S.71):
•
Beziehungsdynamik in einer Gruppe wie z.B.: Familie, Wohngruppe
•
Partizipative und bedürfnisorientierte Gestaltung der räumlichen Bedingungen
(Wohnraum)
•
Bedürfnisbefriedigender Umgang mit dem Zeitbudget
•
Bedürfnisbefriedigender Umgang mit dem Geldbudget (vgl. Popp 2002, S.71).
Die Soziotherapie oder Sozialtherapie findet man häufig im Kontext von Sozialarbeit.
Sie wird aber auch häufig von anderen Berufsgruppen ausgeübt. Der Sozialtherapie
liegt ein entwicklungspsychologisches Verstehens- und Handlungsmodell zu Grunde.
Bei der Soziotherapie nach SGB V § 37a handelt es sich um eine Leistung im Rahmen
der Gesetzlichen Krankenversicherung, die ausschließlich für den Personenkreis der
schwer
psychisch
kranken
Menschen
gedacht
ist
(vgl.
Binner/Ortmann
In:
Ortmann/Röh, 2007, S.71f).
Unter Soziale Mediation versteht man eine Moderation von Konfliktklärungs- und
Lösungsprozessen durch ExpertInnen der Sozialen Arbeit (vgl. Popp 2002, S.71).
„Mediation ist die Einschaltung eines (meist) neutralen und unparteiischen Dritten im
Konflikt, der die Parteien bei ihren Verhandlungs- und Lösungsversuchen unterstützt,
jedoch über keine (Konflikt-)Entscheidungskompetenz verfügt.“ (Breidenbach In:
Galuske 1998, S. 211)
Soziokulturelle Animation meint die Anwendung von Ermutigung und Anregung einer
Gruppe von KlientInnen zu einer bedürfnis- und bedarfsgerechten Aktivität im Kontext
der Sozialen Arbeit. Es besteht ein Zusammenhang der Animationsprozesse mit
Selbsterfahrung,
Kreativitätsförderung,
sozialem
Lernen,
Demokratisierung
und
Gemeinwesenorientierung (vgl. Popp 2002, S.72).
Bei der Sozialdiagnose wird eine umfassende Kontext-Analyse der somatischen,
psychischen, soziokommunikativen und ökonomisch-materiellen Problemlagen von
KlientInnen unter Berücksichtigung des Aspekts der Problemgeschichte (Anamnese)
erstellt (vgl. Popp 2002, S. 72).
Soziale Diagnosen dienen zur „Sichtbarmachung von Komplexität, von zahlreichen
Bezügen, Systemen, Teilsystemen, in die Person und Problem verwoben sind. Zum
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
anderen müssen sie allerdings die einmal erkannte Komplexität strukturieren, um den
AkteurInnen geplantes Handeln zu ermöglichen.“ (Pantucek 2006, S.39)
Eine weitere Methode der Sozialen Arbeit, die allerdings eher vermehrt im klinischen
Bereich stattfindet ist die Soziale Diagnostik.
„Soziale Diagnostik
• erhebt den Problemkontext
• „verhandelt“ die Problemdefinition mit den Beteiligten
• versucht Ressourcen aufzuspüren
• sucht nach Bearbeitungs- und Lösungsmöglichkeiten
• macht „Wirkungen“ und „Nebenwirkungen“ von Aktionen und Interventionen
verhandelbar
• veranschaulicht problemrelevante Zusammenhänge
• ermöglicht Entscheidungen zur Problembearbeitung für die KlientInnen und zur
Interventionsplanung für die SozialarbeiterInnen.“ (Pantucek 2006, S.63)
Kritiker der sozialen Diagnostik sprechen von einer möglichen Stigmatisierung der
KlientInnen. Strukturierte Verfahren der Sozialen Diagnostik sind notwendig, um die
Nachvollziehbarkeit von Interpretationen des Datenmaterials zu gewährleisten. Soziale
Diagnosen bestimmen keine „stabilen Eigenschaften“, sondern beschäftigen sich mit
Situationen, die mitunter einer laufenden Veränderung unterliegen. Das bedeutet, dass
die soziale Diagnose ihre „Gültigkeit“ sehr schnell verlieren kann (vgl. ebda, S.67f).
Pantucek (2006) führt in seinem Buch verschiedene Diagnoseinstrumente an. Folgende
erachte ich als möglicherweise besonders relevant für die Soziale Arbeit in der
Psychiatrie: Notationssysteme, Netzwerkkarte, Biographischer Zeitbalken, InklusionsChart und Person-In-Environment-Classification-System (PIE).
Mit Hilfe von „Notationssystemen“ werden fallbezogene Informationen auf strukturierte
Art zusammengestellt und somit eine Bewertung ermöglicht. Sie lenken die
Aufmerksamkeit auf einzelne Aspekte und blenden andere Daten gezielt aus. Anhand
dieser Auflistung werden mögliche Ziele und Lösungswege gesucht und diskutiert. Die
„Netzwerkkarte“ ist für den sozialarbeiterischen Fallbearbeitungsprozess geeignet. Der
Gegenstand der Netzwerkkarte ist die soziale Einbindung der Klientin/ des Klienten mit
dem Fokus auf Unterstützungsnetzwerke. Die entstandene grafische Darstellung wird
gemeinsam interpretiert und mögliche Verbesserungen des Netzes werden besprochen.
Der „biografische Zeitbalken“ systematisiert und visualisiert die Individualgeschichte der
KlientInnen. Die wichtigsten lebensgeschichtlichen Daten werden entlang einer
Zeitachse eingetragen. Verschiedene Dimensionen der Biografie wie Familie, Wohnen,
Schule, Arbeit werden entsprechend notiert. Die „Inklusions-Chart“ dient zur Übersicht
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
von wesentlichen Faktoren sozialer Einbindung und Sicherung. Zu diesen zählen u.a.
Erwerbsarbeit, Sozialversicherung, Geldverkehr, Mobilität, Bildung und Gesundheit. Die
Inklusion wird auf einer Skala anhand von Indizien beurteilt. Das „Person-InEnvironment-Classification-System (PIE)” wurde in den 90er Jahren in den USA
entwickelt und ähnelt dem ICD10 und dem DSM-IV. Es entspricht einem Codesystem,
das eine Klassifizierung von Problemen in Rollen und Problemen in der Umwelt
ermöglicht, die Interventionen erfordern können (vgl. Pantucek 2006, S133f).
Ich gehe davon aus, dass die soziale Beratung eine der meist genannten Methoden der
Sozialen Arbeit ist. Für die Durchführung einer sozialen Beratung ist das
mehrperspektivische Fallverstehen notwendig. Darunter versteht man ein möglichst
komplexes
Erfassen
der
psychischen,
sozialen,
ökonomischen/materiellen
Problemanteile der KlientInnen. Die Beratung erfolgt in Form eines methodisch
strukturierten Dialoges mit der Klientin bzw. dem Klienten, bei dem individuell und sozial
passende Lösungen erarbeitet werden. Sozialdiagnose, schrittweise Entwicklung von
Lösungsansätzen und Evaluation werden bei diesem Prozess miteingeschlossen (vgl.
Popp 2002, S.73).
„In der Grundform handelt es sich bei der Beratung um eine Interaktion zwischen
Ratsuchenden und einem Berater, in der in Bezug auf ein lebenspraktisches oder
psychosoziales Problem Wissen, Orientierung und Lösungsfähigkeiten vermittelt
werden. Die Lösung von Problemen kann kognitive, emotionale und praktische
Elemente umfassen.“ (Ansen In: Gunwald/Thiersch 2004, S. 59)
Durch Case Management wird vor allem für Multi-Problem-KlientInnen eine bedürfnisund bedarfsgerechte Nutzung der problemangemessenen sozialen Dienstleistungen
und Ressourcensysteme4 angestrebt (vgl. Popp 2002, S.73).
VertreterInnen des Case Managements sprechen von einer Weiterentwicklung der
Einzelhilfe.
Das
Beziehungsarbeit
Aufgabenspektrum
zur
verlagert
organisierenden,
sich
von
planenden,
der
psycho-sozialen
koordinierenden
und
kontrollierenden Abstimmung von Angebot und Nachfrage nach Unterstützung (vgl.
Galuske 1998, S. 202).
„Case Management gehört der Sozialarbeit an und hat die Kernfunktion, den KlientenSystemen (einzelnen Menschen, Familien und ihren Angehörigen, Kleingruppen,
4
Ressourcensysteme können u.a. förderliche, unterstützende soziale Kontakte innerhalb der Familie oder
im Freundeskreis sein.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Nachbarn, Freunden usw.) in koordinierter Weise Dienstleistungen zugänglich zu
machen, die von ihnen zur Lösung von Problemen und zur Verringerung von
Spannungen und Stress benötigt werden. Sozialarbeiter erfüllen damit einen wichtigen
Teil ihres Mandates und ihrer Funktion, indem sie soziale oder gesundheitliche,
therapeutische und erzieherische, religiöse, juristische u.a. Hilfen denen vermitteln und
zukommen lassen, die auf derartige Leistungen ambulant (im eigenen Haushalt) oder in
Institutionen und Organisationen angewiesen sind.“ (Lowy In: Galuske 1998, S. 202)
Der Prozess des Case Managements besteht aus den Schritten: Assessment, Planung,
Intervention, Monitoring/Controlling, Evaluation und Resümee.
“Das Assessment dient der ganzheitlichen, systemischen Analyse der Situation. Es
werden individuelle, familiäre und umfeldbezogene Faktoren erhoben. Die Ressourcen,
die sowohl in der Situation als auch in den beteiligten AkteurInnen liegen, werden
ebenso ermittelt wie die biografischen Aspekte der Problemsituation und bereits erfolgte
Lösungsversuche.“ (Goger/Tordy In: SiÖ. 1/2006, S. 11)
Bei der Planung werden Ziele definiert und vereinbart, die gemeinsam bearbeitet
werden sollen. Die Kompetenzen und Aufgaben der beteiligten Institutionen und
VertreterInnen des sozialen Umfelds sind zu klären und aufzuteilen. Dieser Hilfeplan soll
transparent, nachvollziehbar und in schriftlicher Form vorhanden sein.
Die Intervention ist die Umsetzung des Hilfeplans. Es geht um Aufbau einer tragfähigen
Beziehung, Verbesserung der Handlungsstrategien der KlientInnen, Finden geeigneter
Dienstleistungen für bestehende Bedürfnisse, handlungsorientierte Beratung und
Begleitung bei Inanspruchnahme der Hilfe.
Während der Phase des Monitorings wird die Umsetzung des Hilfeplans überprüft. Im
Bedarfsfall werden neue Dienstleistungssysteme an das bestehende Hilfenetz
angeknüpft.
Maßnahmen, Dienstleistungen und Tätigkeiten des/der Case ManagerIn werden am
Ende des Hilfeprozesses evaluiert. Es gilt zu überprüfen, ob der Hilfeplan umgesetzt
wurde, die definierten Ziele erreicht werden konnten und, ob die Maßnahmen zu der
gewünschten Verbesserung der Lebenssituation der KlientIn beigetragen haben (vgl.
Goger/Tordy 2006, S. 11f).
Der/Die Case ManagerIn erfüllt also die Funktionen eines/r KoordinatorIn, eines/r
AnwältIn und eines/r BeraterIn. Als KoordinatorIn schätzt er/sie die Situation des/r
KlientIn und die möglichen Ressourcen ein. Weiters wirkt der/die Case ManagerIn
anwaltlich
als
FürsprecherIn,
um
die
notwendige
Hilfe
zu
erreichen.
Das
Unterstützungsmanagement arbeitet auch in beratender Funktion, um die KlientInnen im
Hilfeprozess zur Eigenständigkeit anzuregen (vgl. Ballew/Mink In: Wendt 1995, S. 56f.).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Die Methode der Sozialen Netzwerkarbeit erachte ich in Bezug auf das im Kapitel 5
dargestellten Handlungsfeld ebenfalls als bedeutend.
„Unter Soziale Netzwerkarbeit versteht man ein sozialpädagogisches Handlungsmodell,
das aufbauend auf Methoden und Befunde der sozialen Netzwerkforschung durch die
Analyse, Nutzung, Gestaltung und Ausweitung des Beziehungsgeflechts der Klienten zu
Personen,
Gruppen
und
Institutionen
auf
eine
Optimierung
ihrer
Unterstützungsnetzwerke und damit auf die Stärkung ihrer Selbsthilfepotentiale abzielt
und sich zu diesem Zweck unterschiedlichster Techniken der Analyse von und
Einflussnahme auf Klientennetzwerke bedient.“ (Galuske 1998, S.285)
„Professionelle soziale Unterstützungsinterventionen zur Belastungsreduktion und
Stressbewältigung basieren auf der grundlegenden Vorstellung, dass Probleme in
Unterstützungsdefiziten im sozialen Netzwerk des Klienten begründet sind.“ (Pauls
2004, S.302)
Diese Defizite können unter anderen sein: Nichtvorhandensein von informellen
Netzwerken (Freundeskreis), kein Kontakt zu wichtigen Personen (z.B. Partner),
Trennung vom sozialen Kontext, Rückzug anderer Personen aufgrund von negativen
Einstellungen und Ablehnung. Ziel ist der selbständige Umgang der PatientInnen mit
ihrem Umfeld. Falls Beratungen aber nicht ausreichen bzw. unangemessen sind, sei es
aufgrund bestimmter Eigenschaften des Umfeldes oder der Defizite oder spezifischen
Situation der KlientInnen, dann müssen im sozialtherapeutischen Ansatz der Klinischen
Sozialarbeit Interventionen im Netzwerk durchgeführt werden (vgl. Pauls 2004, S.302).
Ist ein stabiles, funktionales System vorhanden, wird sich die Strategie darauf richten,
die UnterstützerInnen, deren Ressourcen aus irgendeinem Grund blockiert sind, zur
Hilfeleistung zu bewegen. Sind im System Dysfunktionalitäten zu sehen, die einen
negativen Einfluss auf KlientInnen haben, wird versucht, die Netzwerkmitglieder oder
ganze Netzwerke zu ersetzen oder zu verändern (vgl. Pearson 1997, S.227).
Bei der Ressourcenarbeit werden die Kräfte und Stärken der KlientInnen, der sozialen
Gemeinschaft, der Lebenswelten und sozialen Ökologien in den Vordergrund gerückt.
Unter Ressource versteht man im Grunde alles, was für die Lebensführung und
Lebensbewältigung notwendig und daher bewahrenswert ist (vgl. Nestmann In:
Grunwald/Thiersch 2004, S.71f).
„Gerade in der sozialpädagogischen Ressourcenarbeit mit Personen, die in riskanten
und belastenden Lebenszusammenhängen leben, ist die Verhinderung und das
Aufhalten von weiterem Ressourcenverlust vordringliche Aufgabe und primäres Ziel.“
(Nestmann In: Grunwald/Thiersch 2004, S.74)
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Aufgrund der durchgeführten Literaturrecherche hat sich meine Meinung bestätigt, dass
folgende Methoden der Sozialen Arbeit besonders zielführend und konstruktiv im
Bereich der Psychiatrie angewendet werden können:
Ohne
Soziale
Beratung
ist
meiner
Ansicht
nach
ein
funktionierendes
sozialarbeiterisches Handeln nicht möglich.
Soziale Diagnostik in ihren unterschiedlichen Formen ist mehr oder weniger noch in den
Anfängen, jedoch kann sie bei genügend zeitlichen Ressourcen Aufschlüsse für weitere
Interventionen liefern.
Da nach meiner Erfahrung psychiatrische PatientInnen meist nur wenige oder negativ
wirkende soziale Kontakte pflegen, ist die Soziale Netzwerkkarte eine weitere
anzuwendende Methode zur Diagnostik in diesem Bereich.
Case Management wird oft durch längere stationäre Aufenthalte und multiplen
Problemsituationen
unumgänglich
und
daher
besonders
bei
psychiatrischen
Patientinnen notwendig.
Soziotherapie zielt auf Verbesserungen im alltäglichen Leben ab, wie der Umgang mit
Geld, Zeit, räumlichen Bedingungen und Beziehungen zu Mitmenschen. Diese
therapeutischen Hilfen sind oft gerade für diese Zielgruppe notwendig, damit sie wieder
in ihrem eigenen Lebensumfeld bestehen können.
4.5 Berufspflichten für SozialarbeiterInnen
In diesem Kapitel führe ich zusammenfassend einige ethische Standards und
Berufspflichten der SozialarbeiterInnen, die bei der Generalversammlung des OBDS
(Österreichischer Berufsverband Diplomierter SozialarbeiterInnen) 2004 beschlossen
wurden an:
SozialarbeiterInnen gehen auf die Ziele der Betroffenen ein und haben stets auf die
Selbstbestimmung und die vorhandenen Ressourcen der KlientInnen zu achten.
Gegenüber den KlientInnen ist die notwendige Transparenz zu gewährleisten.
SozialarbeiterInnen sind verpflichtet, die einzelnen Arbeitsschritte zu dokumentieren und
evaluieren. Qualitätssichernde Rahmenbedingungen sind für professionelle Sozialarbeit
notwendig. Verbindliche Bestandteile professioneller Praxis sind Reflexion, Intravision,
Supervision und Weiterbildung (vgl. www.tirol-sozialarbeit.at; Zugriff am 19.02.2009).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
5 Soziale Arbeit im Gesundheitswesen
Aufbauend auf das Kapitel 4 gehe ich nun auf die Soziale Arbeit im Gesundheitswesen
ein. Wichtige Begriffe bzw. Methoden, die besonders in diesem Bereich zum Tragen
kommen, werde ich noch differenzierter behandeln. Den aktuellen Diskussionspunkt
„Klinische Sozialarbeit“ werde ich auch darstellen.
5.1 Bedeutung der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen
In diesem Kapitel versuche ich durch verschiedene Zitate zu erörtern, was Soziale
Arbeit mit dem Gesundheitswesen zu tun hat, bzw. warum die Soziale Arbeit für die
Gesundheit von PatientInnen von Bedeutung sein kann.
Auftretende soziale Komplikationen der KlientInnen können den Krankheits- und den
Rehabilitationsverlauf negativ beeinflussen (vgl. www.asklepios.com; Zugriff am
16.02.2009).
„Sozialarbeiter – als Fachkräfte für die Bearbeitung sozialer Probleme – erfahren
tagtäglich in ihrer Arbeit, in welch hohem Maße z.B.: die Arbeitssituation oder
Arbeitslosigkeit, Überschuldung, familiäre Probleme, unzureichender Wohnraum oder
Einsamkeitsgefühle auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen wirken.
Aus den Erfahrungen der Sozialarbeit gibt es keinen Zweifel daran, dass insbesondere
sozial verletzliche bzw. verletzte Bevölkerungsgruppen besonders intensive und
vielfältige (soziale) Unterstützung auf dem Weg zu mehr Gesundheit benötigen. Bislang
ist es jedoch in der Sozialarbeit weitgehend versäumt worden, diese Erfahrungen
aufzugreifen und daraus eigene – sozialarbeitspezifische – gesundheitsbezogene
Verstehensweisen und Handlungskonzepte zu entwickeln.“ (Ortmann 2008 In: SiÖ
02/08, S.8)
„Die Bedeutung der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen ist angesichts der engen
Verflochtenheit gesundheitlicher Parameter und sozialstruktureller Variabeln sehr groß.
Gesundheit bildet in allen Altersstufen ein tragendes Fundament für die soziale Lage,
und
umgekehrt
stellt
die
Einbindung
in
das
Sozialgefüge
einen
zentralen
Bedingungsfaktor für Gesundheit dar. Gesundheit als eine zentrale Dimension sozialer
Ungleichheit gewinnt in allen Feldern der Sozialen Arbeit zunehmend an Bedeutung.
Der gesellschaftliche Wandel erzeugt im gesamten Gesundheits- und Sozialwesen
einen Problemlöse- und Innovationsdruck, der nur in enger Verbindung beider
miteinander bewältigt werden kann.“ (Lützenkirchen 2005, S.7)
Soziale Arbeit im Gesundheitswesen bedeutet Arbeit mit kranken Menschen, die aus
ihren gewohnten Lebensbezügen herausgerissen wurden und denen Soziale Arbeit
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
beim Finden einer neuen Balance in ökonomischer, seelischer und sozialer Hinsicht
assistieren soll (vgl. Chassè/Wenierski 1999, S. 365).
Sozial benachteiligte Menschen haben verhältnismäßig weniger Einfluss auf ihre
Gesundheit durch bewusstes Verhalten. Viel bedeutender als individuelle Faktoren sind
die Lebens- , Arbeits- und Umweltverhältnisse. Entscheidende Schutzfaktoren bilden
soziale Ressourcen. Gesundheitsfördernde Maßnahmen müssen zur Förderung der
Lebenskompetenz und zur Sensibilisierung des Gesundheitsbewusstseins in eine
sozial-kulturelle Perspektive eingegliedert sein, um für die KlientInnen der Sozialen
Arbeit wirksam zu sein (vgl. Lützenkirchen 2005, S.7).
Soziale Arbeit im Gesundheitswesen hat es vor allem mit akut erkrankten oder mit
chronisch kranken Menschen und ihren Angehörigen zu tun. Häufig befinden sich die
KlientInnen der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen in finanziell gefährdeten und
sozial prekären Lebenslagen, müssen ihren Arbeitsplatz wechseln oder aufgeben, sind
von Arbeitslosigkeit oder Pflegebedürftigkeit bedroht, müssen sich mit vorzeitiger
Berentung und ihren Folgen auseinander setzen oder sehen sich aufgrund ihrer
Erkrankung mit sozialer Ausgrenzung und sozialem Abstieg konfrontiert (vgl.
Chassè/Wensierski 1999, S.355).
„Soziale Arbeit muss hier in der Beratung, Begleitung und Intervention auf das zentrale
Problem situationsgerechter Bewältigung, etwa einer akuten Krise (z.B. eines
psychotischen Schubes und der oft traumatischen Erfahrung mit der Psychiatrie) oder
lebenslanger Bewältigungsformen des Lebens mit chronischer Krankheit oder einer
dauerhaften Behinderung, reagieren.“ (Chassè/Wenierski 1999, S.355)
„Der Paradigmenwechsel der modernen Sozialarbeit von der Defizit- zur
Ressourcenorientierung entspricht dem Wandel des Gesundheitsverständnisses von
der Pathogenese5 zur Salutogenese6. (...) Durch zahlreiche Studien ist längst belegt,
dass von Gesundheitsförderungsmaßnahmen überwiegend diejenigen profitieren, die
ohnehin günstigere Gesundheitsparameter aufweisen, nämlich Mittelschichtsangehörige. Die viel proklamierte gesundheitliche Chancengleichheit könnte durch eine
verstärkt an sozialen Kriterien orientierte Gesundheitsversorgung, also durch Soziale
Arbeit im Gesundheitswesen, der Realisation nähergebracht werden.“ (Lützenkirchen
2005, S.8)
5
Das Konzept der Pathogenese richtet seinen Blick auf die Ursachen einer Krankheit und deren
möglichen Beseitigung.
6
„Das Konzept der Salutogenese geht auf den amerikanisch-israelischen Medizinsoziologen Aaron
Antonovsky (1923-1994) zurück. Er kritisierte die rein pathogenetisch-kurative Sichtweise der Medizin und
stellte ihr seinen salutogenetischen Ansatz entgegen. Dieser Ansatz fragt erstmalig nicht mehr nach den
Ursachen einer Krankheit und Möglichkeiten ihrer Beseitigung, sondern richtet den Blick auf die
Gesundheit und ihre Bedingungen. Salutogenese sucht also nach den protektiven Faktoren, nach
Ressourcen, und versucht, diese gezielt zu fördern, um Krankheit gar nicht erst entstehen zu lassen.“
(Lützenkirchen 2005, S.19)
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Ziele einer gesundheitsfördernden Sozialen Arbeit sind die Autonomisierung der
Lebenspraxis von Einzelnen oder Gruppen, die von psychosozialer Desintegration
bedroht oder beeinträchtigt sind, sodass sie einen besseren Zugang zu den
Gesundheitsdimensionen erhalten (vgl. Lützenkirchen 2005, S.23).
Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) sieht die Soziale Arbeit im
Gesundheitsbereich als einen Teil der Sozialen Arbeit insgesamt und wirft folgende
Fragen auf:
„Trägt Soziale Arbeit in ihrer Zuordnung als patientenbezogene gesundheitliche
Dienstleistung zur Individualisierung von Lebenskrisen bei, oder schafft sie in ihrem Tun
gesellschaftliche Bezüge (..)? Ist das in jüngster Zeit propagierte Konzept der
„Klinischen
Sozialarbeit“7
mit
den
damit
verbundenen
gesonderten
Ausbildungserwartungen Vorbild für eine Professionalisierung und Verbesserung der
Präsenz auf dem Beschäftigungsmarkt, oder ist es als Entwertung der Sozialen Arbeit
abzulehnen?“ (www.dbsh.de; Zugriff am 19.02.2009)
5.2 Handlungsfelder und Arbeitsansätze der Sozialen Arbeit im
Gesundheitswesen
In diesem Kapitel soll erläutert werden, woraus sich die Soziale Arbeit im
Gesundheitswesen zusammensetzt, und wo sie zum Einsatz kommen kann.
Chassè und Wenierski (1999) führen folgende Aufgabenbereiche, Tätigkeitsfelder,
Arbeitsformen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen an:
•
Aufgabenbereiche:
Tätigkeiten
und
Anforderungen
aus
den
Bereichen
Prävention, Kuration, Rehabilitation und Habilitation (Nachsorge)
•
Ausgewählte Arbeitsansätze: Information, Beratung und Vermittlung in den oben
genannten Bereichen sowie Soziale Anamnese, Konfliktberatung, Casemanagement, Begleitung und Assistenz, Motivierung zur Annahme von Hilfen,
Empowerment,
Förderung
von
Selbsthilfe,
Mitwirkung
von
Präventionsmaßnahmen, Mitwirkung bei Entscheidungen über stationäre oder
ambulante Kuration, Soziotherapie und Krisenintervention
•
Einrichtungen und Dienste: Gesundheitsämter, Sozial- und Jugendämter,
Beratungsdienste
Sozialstationen,
in
Krankenkassen,
Spezialambulanzen,
Beratungsdienste,
spezielle
7
öffentlicher
und
nichtöffentlicher
Krankenhäuser
Selbsthilfeorganisation
Organisationen
von
Rehabilitationseinrichtungen,
und
von
Betroffenen,
Heilstätten,
Trägerschaft,
Spezialkliniken,
PatientInnengruppen,
Extramurale
Dienste,
Akutbehandlungs-
Die Klinische Sozialarbeit wird im Kapitel 5.4. näher erklärt.
Doris Pröll
Seite 29 von 122
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
einrichtungen,
Berufsförderungseinrichtungen,
Sondereinrichtungen
für
Menschen mit Behinderungen (vgl. Chassè/Wenierski 1999, S.360).
5.3. Kompetenzprofil von SozialarbeiterInnen im Gesundheitswesen
ExpertInnen für Soziale Arbeit haben laut Popp (2002) über reflexive, selbstreflexive
und methodische Kompetenz zu verfügen. Bezüglich der beruflichen Identität ist ein
Wissen über die historische Entwicklung, den aktuellen gesellschaftlichen Stellenwert
und die (mögliche) Zukunft der Sozialen Arbeit unabdingbar. Weiters gehören dazu
Wissen über den aktuellen Entwicklungsstand der Sozialen Arbeit im internationalen
Vergleich, Wissen um ethische Aspekte der Sozialen Arbeit sowie über Institutionen der
beruflichen Vertretung, Wissen über das Spektrum von Funktionen und Methoden,
Fähigkeiten zur berufsfeldbezogenen Nutzung von Wissensbeständen aus den
Bezugsdisziplinen. Bezüglich der Zielgruppen ist eine Kenntnis der Lebensstile und
Lebenswelten, individuellen und sozialen Problemlagen erforderlich, die durch
sozialarbeiterische Analyse bzw. Diagnose möglich wird. Genauso wichtig ist das
Wissen über wirtschaftliche und (sozial)politische (z.B. Arbeitslosigkeit, Sozialplanung,
Qualitätsentwicklung) sowie rechtliche Rahmenbedingungen (z.B. Zuständigkeiten,
Handlungsspielräume, Handlungsabläufe) der Sozialen Arbeit. Mit selbstreflexiver
Kompetenz ist ein kritischer Blick auf die, in Verbindung mit dem Hilfeprozess
auftretenden, Motiven sowie die lebensgeschichtlich geprägten und lebensstiltypischen
Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsmuster gemeint. Methodisch kompetent zu
sein bedeutet, über Struktur- und Funktionszusammenhänge sozialarbeiterisch
relevanter Institutionen und kommunikativen bzw. klientenbezogenen Methoden der
Sozialen
Arbeit
(siehe
forschungsmethodische
Kapitel
und
4.4)
Bescheid
zu
methodisch-strukturelle
wissen.
Ebenso
Kompetenz
sind
bezüglich
strategischen Handlungsanforderungen und administrativen-dokumentationsorientierten
Handlungsanforderungen notwendig (vgl. Popp 2002, S.74f.).
Staub-Bernasconi (1996) fasst das erforderliche Wissen wie folgt zusammen:
„Methodisches Arbeiten in der Sozialen Arbeit setzt gemäß der hier vertretenen
Auffassung Handlungstheorien voraus. Und diese verknüpfen folgende Wissensformen
miteinander: Beschreibungswissen (phänomenologisches Wissen), in unserem Falle
Wissen über Probleme, die Menschen haben können; Erklärungswissen im Hinblick auf
diese Probleme und ihre Veränderbarkeit durch menschliche Einwirkung; Wertwissen
als Basis für Zielformulierungen; Akteur-, Regel- und Verfahrenswissen als
Interventionswissen zur Erreichung von Veränderungen.“ (Staub-Bernasconi In: Heiner
et al. 1996)
Doris Pröll
Seite 30 von 122
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Laut Chassè und Wensierski (1999) zählen zu den notwendigen professionellen
Kompetenzen sehr gute Fähigkeiten zur Gesprächsführung, ein Überblick über die
gängigen Konzepte von Krisen- und Krankheitsbewältigung und über Krankheitsbilder,
die dann im konkreten Arbeitsfeld vertieft werden müssen. Eventuell zählt dazu auch
eine
Weiterqualifikation
psychotherapeutischer
zur
Sozialen
Techniken
Therapie,
Aspekte
die
jenseits
lebenspraktischer
spezialisierter
Krisen-
und
Krankheitsbewältigung betont. Außerdem ist ein systemorientierter Blick auf die
Familien- und Freundschaftsnetzwerke sowie eine Kooperationsbereitschaft mit
anderen Berufsgruppen notwendig (vgl. Chassè/Wenierski 1999, S. 365).
5.4. Klinische Sozialarbeit: Definition
Dieses Kapitel soll beleuchten, was die klinische Sozialarbeit (im Vergleich zur
bisherigen Sozialen Arbeit im Krankenhaus) ausmacht.
Im Fachlexikon der sozialen Arbeit wird klinische Sozialarbeit wie folgt definiert:
„In Übertragung des amerikanischen Fachbegriffs cinical social work bezeichnet
klinische Sozialarbeit die behandelnde oder in Behandlungskontexten erfolgende
professionelle soziale Arbeit mit und für Menschen bei Krankheit, Behinderung oder
psychosozialen Krisen. Sie orientiert sich an einem biopsychosozialen Verständnis von
Krankheit und Gesundheit und wirkt fachlich auf Heilung, Linderung oder Besserung hin.
Klinische Sozialarbeit widmet sich u.a. der sozialen Rehabilitation, der
Suchtkrankenhilfe, der Arbeit mit Angehörigen von Kranken, der Gesundheitsbildung,
der Beratung und Therapie in der Kinder- und Jugendhilfe, der Familientherapie sowie
der Soziotherapie ...“. (Fachlexikon sozialer Arbeit 2002, S.558)
In Deutschland und Österreich entwickelt sich derzeit die klinische Sozialarbeit als ein
neues Fachgebiet der Sozialarbeit, zu der es einer zusätzlichen Qualifizierung von
SozialarbeiterInnen bedarf (vgl. Ortmann 2008 In: SiÖ 2/2008, S.11).
Laut der National Federation of Societies for Clinical Social Work 1977 basiert die
klinische Sozialarbeit auf Wissen und Theorien psychosozialer Entwicklung, des
Verhaltens, der Psychopathologie, unbewusster Motive, interpersonaler Beziehungen,
umgebungsbedingten Stresses, sozialer Systeme und kultureller Verschiedenheit. Ziele
sind die Verbesserung, Aufrechterhaltung und Stabilisierung der psychosozialen
Funktionsfähigkeit von Individuen, Familien und Kleingruppen.
„Die generalistisch orientierte Sozialarbeit ist an Grenzen gestoßen. Sie ist notwendiger
denn je, hat sie doch die Aufgabe, einen Verbund institutionalisierter Lebenslagen und
Hilfestrukturen für Menschen zu schaffen, die im Modernisierungsprozess8 bereits zu
8
Unter Modernisierungsprozess ist hier u.a. die Technisierung der Medizin gemeint.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Schaden gekommen sind. Doch bei den gesundheits- und krankheitsbezogenen
Aufgabenstellungen im Sozial-, Gesundheits-, Erziehungs- und Justizwesen
konfrontieren die schwierigen Problemlagen der KlientInnen die Profession mit
spezifischeren Anforderungen an Wissen und methodischer Kompetenz. Die
grundsätzliche Gesundheitsperspektive aller Sozialarbeit darf nicht den Blick dafür
verstellen, dass in der beruflichen Praxis zunehmend stark gefährdete, chronisch kranke
und mehrfach belastete Menschen den Schwerpunkt des Klientels bilden und
spezialisierte psycho-soziale Behandlung benötigen. Deshalb muss die generalistische
Soziale Arbeit durch qualifizierte sozialarbeiterische Kompetenzen einer
gesundheitsspezifischen Fachsozialarbeit ergänzt werden.“ (Pauls 2004, S.11f)
Kritiker der klinischen Sozialarbeit befürchten einen Rückfall in die Defizitorientierung
und eine mögliche Entwertung grundständiger Sozialer Arbeit. Auch die klinische
Fachlichkeit und ihre Methodenkompetenz wird als noch zuwenig entwickelt gesehen
(vgl. Kottler 2004, S.26).
Es geht bei der klinischen Sozialarbeit um ein interdisziplinäres gesundheitsbezogenes
Handeln in sozialen Situationen für und mit Menschen, die von gesundheitlichen
Problemen bedroht, „auffällig“ oder erkrankt sind. Bisher hat sich die Soziale Arbeit an
den Disziplinen Medizin und Psychologie orientiert. Die klinische Sozialarbeit schließt an
den
Erkenntnissen
der
sozialwissenschaftlichen,
sozialmedizinischen
und
gesundheitswissenschaftlichen Forschungen an. Zum Beispiel ist die Bedeutung
sozialer Stressoren für Gesundheit und Krankheit bekannt. Zusammenhänge zwischen
sozialen Ungleichheiten und Gesundheit sind empirisch belegt. Es fehlen aber noch
umfangreiche Belege aus der Praxis der Sozialen Arbeit dafür, wie Formen der
professionellen sozialen Unterstützung, Netzwerkarbeit und Case Management
gesundheitsförderlich
wirken.
Die
klinische
Sozialarbeit
lässt
sich
wie
folgt
charakterisieren:
Klinische Sozialarbeit gilt als niedrigschwellige Arbeit, da auch Menschen erreicht
werden,
die
nicht
von
sich
aus
die
Möglichkeiten
des
Sozial-
und
als
auch
Krankheitsversorgungssystems aufsuchen würden.
Klinische
Sozialarbeit
umfasst
sowohl
Kriseninterventionen
Langzeitbehandlungen, - beratung, - betreuung und -begleitung.
Es geht in der Praxis der Beratung um Verstehen und Deuten der genannten
Lebenssituationen sowie um sozial wirksame Interventionen, mit deren Hilfe KlientInnen
ihre eigenen Potentiale für ein besseres Leben aktivieren und anwenden können.
Klinische Sozialarbeit orientiert sich nicht an den Defiziten und möglichen Pathologien
der Menschen, sondern rückt deren Ressourcen in das Zentrum deren Denkens und
Handelns (vgl. Schaub 2008, S.20f).
Doris Pröll
Seite 32 von 122
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
„Klinische Sozialarbeit setzt im Vergleich zur Klinischen Psychologie an der sozialen
Perspektive an, bspw. an der Erhöhung des Unterstützungspotentials innerhalb der
privaten und der professionellen sozialen Netzwerke der Klienten, durch Vernetzung
und Kooperation (...), durch direkte Alltagsunterstützung (...), und durch Kompensation
defizitärer sozialstruktureller Situationsmerkmale (...), ggf. durch direkte Unterstützung
und Moderation bei Lebensereignissen und Situationen im Feld (aufsuchend: z.B.
Schule, Arbeitsplatz, Nachbarschaft).“ (Pauls 2004, S.23)
„Die Sozialarbeit hat die Funktion, die Mitglieder an den Rändern der Gesellschaft zu
integrieren. In Bezug auf die Gesundheit und Gesundheitswesen geht es vor allem um
die Integration chronisch kranker, sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Um die
soziale Ungleichverteilung von Gesundheitsgütern zu mildern und die gesundheitliche
Chancengleichheit zu erhöhen, spielt Soziale Arbeit im Gesundheitswesen eine
bedeutende Rolle.“ (Lützenkirchen 2005, S.14)
Der gesundheitsbezogenen Sozialarbeit liegt ein biopsychosoziales Modell zugrunde.
Menschen
werden
gesundheitliche
als
biopsychosoziale
Probleme
nach
Einheiten
physiologischen,
erfasst.
Demnach
psychischen
und
werden
sozialen
Systemebenen zugeordnet, die miteinander kommunizieren und durch Auf- und
Abwärtsbewegungen untrennbar biopsychosozial verwoben sind (vgl. Ortmann 2008 In:
SiÖ 2/2008, S.9).
5.5 Tätigkeitsfelder der klinischen Sozialarbeit
Der Begriff Klinische Sozialarbeit ist unabhängig davon, ob die sozialklinische Tätigkeit
in Praxen, ambulanten Beratungsstellen, in Tageseinrichtungen oder in Kliniken oder
Langzeiteinrichtungen stationär erfolgt (vgl. Pauls 2004, S.12).
Mögliche Felder der klinischen Sozialarbeit sind die Suchtkrankenhilfe, die stationäre
und ambulante Psychiatrie und Geriatrie, die Krankenhaussozialarbeit und andere
sozial-gesundheitliche Dienste (vgl. Hahn/Pauls In: Gahleitner/Hahn 2008, S. 22).
Das biopsychosoziale Krankheitsmodell in der klinischen Sozialarbeit besagt, dass
organische, psychische und soziale Bedingungen in kontinuierlich ändernden
Wechselbeziehungen stehen, aus denen sich die Entwicklung und der Verlauf von
Störungen erklären lassen (vgl. Pauls 2004, S.86).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
5.6 Methoden bzw. Handlungsansätze der klinischen Sozialarbeit
Die im Kapitel 4. 4 bereits erläuterten Methoden der Sozialen Arbeit kommen natürlich
zum Großteil auch in der klinischen Sozialarbeit zum Tragen. Teilweise erfordert der
klinische Bereich eine Spezialisierung, Adaptierung oder Ergänzung der gebräuchlichen
Methoden der Sozialen Arbeit.
•
Beratung: Ortmann und Schaub haben für die klinische Sozialarbeit ein
Beratungsmodell entwickelt, um die Bedeutung von Beratungsgesprächen als
Beispiel für verständigungsorientierte Kommunikation im Hilfeprozess in den Fokus
praxeologischen Verstehens und Handelns zu lenken. Dieses Modell zeigt, welche
komplexen Handlungs- und Reflexionsebenen in Beratungen wirken (vgl. Schaub
2008, S.56).
•
Familienorientierte
Arbeit:
Wie
schon
zum
Teil
erwähnt
sollten
klinische
SozialarbeiterInnen grundlegende Kenntnisse über Paar- und Familiensysteme
haben. Die klinische Sozialarbeit entwickelte auf unterschiedliche Familienformen
und
-strukturen
abgestimmte
beraterische
Hilfestellungen.
Bereits
in
Einzelberatungsgesprächen mit KlientInnen wird ein besonderes Augenmerk auf das
familiäre Feld gerichtet (vgl. Schaub 2008, S.61f).
•
Teamarbeit: Von Teamarbeit wird gesprochen, wenn die Zusammenarbeit in einer
Gruppe z.B.: Stationsgruppe der Klinik unter Einsatz unterschiedlicher fachlicher und
persönlicher Möglichkeiten der Mitglieder und bewusster Beachtung bestimmter
Regeln auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet wird (vgl. Schaub 2008, S.73).
•
Case Management: siehe Kapitel 4.4
•
Netzwerkarbeit: siehe Kapitel 4.4. Idealerweise werden in solchen Netzwerken
gegenseitig unterschiedliche Formen und Leistungen sozialer Unterstützung wie z.B.
Informationen, Beratungen, Pflege, lebenspraktische Hilfen und materielle Hilfen
getauscht. In sozialen Netzwerken werden Gesundheit und Krankheit gelebt. Sie
beinhalten unterschiedliche Ressourcen für Gesundheit und Gesundung (vgl.
Ortmann 2008 In: SiÖ 2/2008, S.10).
Netzwerkarbeit „wird fallunabhängig an den Bedarf und Ressourcen des
Sozialraumes orientiert geplant; ist eine langfristige, gemeinsame Vorbereitung und
Planung mit einer gemeinsamen Zielsetzung unterschiedlicher lokaler Akteure; ist
die stärker institutionalisierte, strategisch angeleitete Zusammenarbeit verschiedener
Partner; ist das bestehende Versorgungsnetz, an dessen Weiterentwicklung
gearbeitet wird.“ (Schaub 2008, S.95)
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Es kann allerdings vorkommen, dass sozialpsychiatrische Netzwerke ungewollt zu
einer Chronifizierung von psychischen Erkrankungen beitragen, da sie unter
Umständen auch krankheitserhaltend wirken können (vgl. Schaub 2008, S.99).
•
Reflexionsmethoden (Balint-Gruppen-Arbeit9, Teamberatung, Fallsupervision im
Team, Coaching10)
•
Psychosoziale Diagnostik: wird an dieser Stelle nochmals erwähnt, weil sie ein
zentrales Element jeder psychosozialen Intervention ist. Die Diagnostik ist insofern
den verschiedenen Grundformen und ihren Methoden zugeordnet, als sie diese als
permanenter Bestandteil jeder Phase des Arbeitsprozesses „durchwirkt“. Sie besitzt
einen Schnittstellencharakter, der sich zwischen psychischen, sozialen und
alltagssituativen
Dimensionen erstreckt. Gründe für die Notwendigkeit
der
psychosozialen Diagnostik sind:
•
Soziale Diagnostik ermöglicht fundierte Begründungen für Behandlungsmaßnahmen
gegenüber
Kostenträgern;
ermöglicht
eine
Nachvollziehbarkeit
gegenüber
FachkollegInnen, Betroffenen und KostentägerInnen; ist gleichzeitig Dokumentation;
außerdem erhalten Betroffene Einsicht in die Zusammenhänge zwischen ihren
Problemen (vgl. Pauls 2004, S.204f).
Die
psychosoziale
Diagnostik
kann
und
soll
nicht
den
Prozess
des
Beziehungsaufbaus und des Fallverstehens ersetzen (vgl. Pantucek In: SiÖ
04/2007, S. 19).
Psychosoziale Diagnostik wird am Beginn, im Verlauf und am Ende von Maßnahmen
eingesetzt und kann im direkten Austausch mit den KlientInnen gemeinsam
erarbeitet werden und auf diese Weise zugleich als Intervention wirken (vgl. Schröer
In: SiÖ 04/2007, S. 23).
9
Die Balint-Gruppen-Arbeit ist ein psychoanalytisch orientiertes personenbezogenes Gruppenverfahren,
das für die ärztliche Arbeit entwickelt wurde und auch für die klinische Sozialarbeit genutzt wird (vgl.
Schaub 2008, S.101).
10
Unter Coaching versteht man eine Einzelberatung, die berufsfeldbezogen und tiefenpsychologisch
fundiert ist. Bessere Bewältigung und Gestaltung beruflicher Aufgaben sind Ziele des Coachings (vgl.
Schaub 2008, S. 106).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
•
Soziales Kompetenztraining11:„Das GSK12 bietet sich für Patienten mit
schizophrenen und affektiven Störungen sowie schweren Persönlichkeitsstörungen
besonders an, weil es
1. einen unmittelbar einsichtigen Bezug zu den sozialen Alltagsproblemen der
Patientinnen und Patienten aufweist,
2. als hochstrukturierter Interventionsansatz mit einem verständlichen
Erklärungsmodell gerade in Zeiten der tief greifenden Verunsicherung von
Patientinnen und Patienten eine klare Orientierung bieten kann,
3. wichtige hoffungsvermittelnde Signale geben kann, dass Kompetenzen
(wieder-) erlernbar sind und persönliche Probleme dadurch lösbar werden.(..)“
(Herberich/Lenz In: Hinsch/Pfingsten 2007, S. 239)
Das Soziale Kompetenztraining in der Gruppe bietet ein förderliches Milieu, wenn es
darum geht, intensive Selbsterfahrung mit sich und durch andere zu erleben. Die
TeilnehmerInnen werden dahingehend motiviert, die Gruppe nicht nur als
geschützten Raum zu nutzen, sondern das Rollenspiel auch als einen Ort des
Ausprobierens zu begreifen, wo manches vielleicht zunächst nicht gelingt, und dies
auch so sein darf (vgl. Pareigis In: Ortmann/Röh 2008, S.164f.).
•
Soziotherapie: Siehe Kapitel 4.4
11
Unter „sozialer Kompetenz“ versteht man die Fähigkeit eines Menschen, angemessene Kompromisse
zwischen eigenen Bedürfnissen einerseits und sozialer Anpassung andererseits zu finden (vgl. Pfingsten
In: Hinsch/Pfingsten 2007, S.3).
Die Arbeitsdefinition von sozialer Kompetenz lautet: „Unter sozialer Kompetenz verstehen wir die
Verfügbarkeit und Anwendung von kognitiven, emotionalen und motorischen Verhaltensweisen, die in
bestimmten sozialen Situationen zu einem langfristig günstigen Verhältnis von positiven und negativen
Konsequenzen für den Handelnden führen.“ (Pfingsten In: Hinsch/Pfingsten 2007, S.4)
12
GSK bedeutet Gruppentraining sozialer Kompetenzen.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
6 Psychiatrie
Da die Psychiatrie ein breit gefächertes Handlungsfeld der Sozialen Arbeit ist, ist eine
differenzierte Darstellung der unterschiedlichen Formen von psychiatrischer Behandlung
unabdingbar.
6.1 Versuch einer Begriffsdefinition Psychiatrie
Die Psychiatrie ist ein Fachgebiet der Medizin. Sie beschäftigt sich mit der Erkennung,
der
nichtoperativen
Behandlung,
der
Rehabilitation,
der Prävention
und
der
Begutachtung psychischer Auffälligkeiten und Krankheiten (vgl. Fachlexikon der
sozialen Arbeit 2002, S.736).
„Unter
psychiatrischer
Versorgung
sind
alle
stationären,
teilstationären,
komplementären und ambulanten Einrichtungen zu verstehen, die Patienten mit
psychischen Krankheiten und Störungen institutionell betreuen; hinzu kommen
niedergelassene Nervenärzte, praktische und Allgemeinärzte, sonstige Hausärzte und
Beratungsstellen im Vorfeld.“ (Huber 1999, S.648)
Im Lehrbuch „Sozialarbeit und Sozialpädagogik in der Psychiatrie“ findet man folgende
Definition: „Psychiatrie ist die Lehre von den seelischen Störungen und den seelischen
Erkrankungen. Sie befasst sich mit der Verursachung und Entstehung (Ätiologie), den
Merkmalen (Symptomatologie), der Systematik (Syndromatik und Nosologie) sowie der
Diagnostik, der Prävention und Therapie der seelischen Krankheiten. Eine Theorie der
Entstehung und Behandlung der psychischen Erkrankung sowie ein Versorgungssystem
bildeten sich im 18. Jahrhundert heraus.“ (Bosshard et al. 1999, S.1)
„Jeder Versuch einer systematisch angemessenen Ordnung im Handlungs- und
Forschungsfeld „Psychiatrie“ verfängt sich in der disziplinären und professionellen
Vielschichtigkeit
und
Widersprüchlichkeit
dieses
Feldes.
Angesichts
der
Unübersichtlichkeit und Verschiedenartigkeit der disziplinären Zugänge und der
Kontroversen der professionellen Interessen ist das Unterfangen, einen begründeten
und fundierten Überblick über das “thematische Feld Psychiatrie“ zu geben,
gleichermaßen notwendig wie schwierig.“ (Dörr 2005, S.11)
Die Psychiatrie befasst sich als wissenschaftliche Disziplin und ärztliche Profession der
Medizin mit der Diagnose, Intervention und Prävention mentaler Krankheiten sowie
deren Erforschung. Psychiatrie bezeichnet man ebenso als einen konkreten sozialen
Ort
wie
psychiatrische
Hospitäler,
Kliniken
und
Landeskrankenhäuser
mit
psychiatrischen Abteilungen. Drittens ist Psychiatrie als eine soziale Institution zu
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
begreifen und zeichnet sich damit als ein in Strukturen geronnene soziale Denk, Handlungs- und Zweckorientierung durch Norm- und Wertorientierung aus. Psychiatrie
im Fokus dieses Ordnungsmusters stellt eine gesellschaftliche Organisierung psychosozialen Leids dar (vgl. Dörr 2005, S. 13).
„Psychische Erkrankungen nehmen zu und haben für Betroffene sowie Angehörige in
allen Lebensbereichen (...) schwere Folgen. Bei ungenügenden sozial-integrativen
Maßnahmen drohen sozialer Abstieg, Verarmung und Isolation. Um dies zu verhindern,
braucht es entsprechende Angebote und eine auf die Bedürfnisse der Betroffenen
abgestimmte psychiatrische Versorgung.“ (Ramseyer 2003, abstract)
6.2 Psychiatrische Kliniken und Abteilungen
„Die Klinikpsychiatrie ist heute eine aktiv behandelnde Disziplin geworden, die im Zuge
immer neuer naturwissenschaftlicher und neurobiologischer Erkenntnisse äußerlich
viele Züge „technischer“ Medizin der körperlichen Fächer angenommen hat. Ihre
Domäne ist die Akutbehandlung schizophrener und affektiver Psychosen und
psychoorganischer Erkrankungen sowie die Behandlung krisenhafter Zuspitzungen bei
neurotischen Störungen. Hinzu kommt die Akutbehandlung von Suchterkrankten.“13
(Röttgers et al. 2003, S. 20)
Grob lassen sich die einzelnen psychiatrischen Abteilungen in stationäre und
teilstationäre Abteilungen untergliedern.
PatientInnen werden vollstationär aufgenommen, wenn sie aufgrund der Schwere und
Dauer der zu behandelnden Krankheit bzw. der Beschaffenheit des sozialen Umfeldes
der PatientInnen ein derartiges stationäres Versorgungsangebot benötigen.
Ergänzt wird diese Behandlung durch Tageskliniken. Psychisch Kranke werden
tagsüber behandelt, wenn sie nach einer Akutphase der Erkrankung nachts und am
Wochenende wieder eigenständig leben können. Diese offene Behandlungsform ist
aber nur dann möglich, wenn ein familiäres bzw. soziales Netz der Betroffenen
vorhanden ist (vgl. Dörr 2005, S. 34f).
Es gibt zwei Funktionen von Tageskliniken: Die Kriseninterventionstagesklinik dient der
Verhinderung einer stationären Aufnahme für alle Krisen und Krankheiten und
ermöglicht die Aufrechterhaltung von sozialen Beziehungen. Sie hat daher einen hohen
präventiven
Charakter.
Die
Rehabilitations-Tagesklinik
kommt
vorwiegend
für
„chronifizierende PatientInnen“ in Frage. Sie dient der Verkürzung des stationären
13
Psychische Erkrankungen werden in einem folgenden Kapitel näher erläutert.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Aufenthalts und der allmählichen Wiederaufnahme der sozialen Beziehungen (vgl.
Dörner et al. 2002, S. 475).
Nachtkliniken gehören auch zu den teilstationären Einrichtungen. Hauptziele dieser
Behandlungsformen sind ebenso wie die Tageskliniken die berufliche und soziale
Rehabilitation von psychisch kranken Menschen mit dem Ziel, die autonome
Lebenspraxis (wieder) aufzubauen (vgl. Dörr 2005, S. 34f).
Eine Forderung der Psychiatrie-Enquete von 1975 besagte, dass die stationäre
Psychiatrie auf Gemeindeebene zurückgeholt werden muss. Im Gegensatz zu rein
psychiatrischen Krankenhäusern werden angeschlossene psychiatrische Abteilungen
an Allgemeinkrankenhäusern daher angestrebt (vgl. Dörner et al. 2002, S. 472).
„Psychiatrische Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern haben (mit Ambulanz und
Infrastruktur für chronisch Kranke) auch den Vorteil, dass durch ein Konsiliarsystem a.
die körpermedizinische Mangelversorgung der psychiatrischen Patienten aufhört, und b.
die ebenso wichtige psychiatrische Versorgung der körpermedizinischen Stationen
garantiert ist.“ (Dörner et al. 2002, S. 473)
Auf ambulante Maßnahmen und komplementäre Einrichtungen möchte ich hier nicht
eingehen, weil diese für meine Diplomarbeit unrelevant sind.
Die Sozial- oder Gemeindepsychiatrie14 richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Einflüsse
der Gesellschaft oder besser der Gesellschaftlichkeit des Individuums, auf Entstehung
und Aufrechterhaltung der Erkrankung und die damit zusammenhängenden Prozesse
der Ausgrenzung bzw. Reintegration (vgl. Steinböck In: Steinböck/Berger 2003, S.
105f).
„Sozialpsychiatrische Einrichtungen verfolgen das Ziel, chronisch psychisch kranke
Menschen den Verbleib im Gemeinwesen zu ermöglichen, sie also darin zu
unterstützen, dass sie in ihrer eigenen Lebenswelt bleiben, leben und zurecht kommen
können.“ (Obert In: Grunwald/Thiersch 2004, S. 305)
Sozialpsychiatrisch können Tätigkeiten im stationären Bereich allgemeinpsychiatrischer
Kliniken und Landeskrankenhäuser sein, in den Abteilungen für Suchtkranke, in der
Gerontopsychiatrie,
der
Forensischen
Psychiatrie
und
der
Kinder-
und
Jugendpsychiatrie, in psychiatrischen Abteilungen von Allgemeinkrankenhäusern sowie
Tages- und Nachtkliniken. Außerdem zählen dazu extramurale Einrichtungen wie
14
Die Bezeichnung Sozialpsychiatrie ist mit der Bezeichnung Gemeindepsychiatrie gleichzusetzen. Ich
nehme an, dass in Deutschland vermehrt der Begriff Gemeindepsychiatrie verwendet wird und in
Österreich noch eher die Bezeichnung Sozialpsychiatrie. In dieser Arbeit werde ich beide Begriffe ohne
Wertung verwenden.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Tagesstätten,
Übergangswohnheime,
betreute
Wohngemeinschaften,
Rehabilitationswerkstätten, sozialpsychiatrische Dienste, Kriseninterventionsdienste
sowie niedrigschwellige Begegnungsstätten und Gemeindeclubs für psychisch Kranke.
Die Soziale Arbeit gestaltet bewusst die Begegnung mit den in spezifischer Weise
isolierten AdressatInnen, indem sie soziale Orte neu schafft, Lebensbedingungen
versucht zu verbessern durch Formen der Angehörigenarbeit und Kontaktherstellung
mit tatsächlichen oder möglichen Arbeitsstellen (vgl. Hörster, Reinhard In: Chassé et al.
2004, S.370f).
Case-Management,
Unterstützung
von
Selbsthilfeaktivitäten
und
Formen
der
Krisenintervention stehen zur Debatte (vgl. Hörster In: Chassé et al. 2004, S.370).
Die soziale Integration der PatientInnen soll erhalten bleiben oder so bald wie möglich
wiederhergestellt werden. Die sozialen Beziehungen werden nach Möglichkeit so
gestaltet, dass sie für den Krankheitsverlauf bzw. Gesundungsprozess optimal sind (vgl.
Brosch 1995, S. 60).
„Der hilfebedürftige Mensch sollte in seinen System- und Milieubezügen gesehen und
verstanden
werden.
gesellschaftlicher
Unterstützung
Seine
Armut
Prozesse
sollte
das
und
begriffen,
Ziel
der
Hilfebedürftigkeit
und
im
Zentrum
Selbstbefähigung
wurde
der
stehen.“
als
Ergebnis
psychosozialen
(Bosshard
In:
Gahleitner/Hahn 2008, S.152f)
„Jede psychiatrische Störung und Krankheit ist nicht nur ein medizinisches, sondern
zugleich ein soziales Problem. Soziale Faktoren sind für Entstehung, Verlauf, Prognose,
Behandlung und (primäre und/oder sekundäre) Prävention psychischer Störungen von
Bedeutung, (..).Themen der Sozialpsychiatrie sind u.a. auch die zwischenmenschlichen
Beziehungen in den Familien psychisch Kranker, die Einstellung der Öffentlichkeit zu
psychischen Krankheiten und Störungen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft.“
(Huber 1999, S.643)
„Das Augenmerk in Forschungs- und Behandlungsstrategien liegt mehr auf den
psychosozialen Faktoren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen, zu Besserung oder
Verschlechterung beitragen bzw. einen Rückfall herbeiführen oder verhindern.“ (Brosch
1995, S. 60)
Große psychiatrische Kliniken verfügen neben der Allgemeinpsychiatrie auch über
spezialisierte Abteilungen wie Kinder- und Jugendpsychiatrie, Geriatrie, Neurologie,
Forensik und Abteilungen für Abhängigkeitserkrankungen. Die stationäre Aufnahme von
PatientInnen kann auch unterschiedlich erfolgen. Dies ist abhängig davon, ob Selbstund/oder Fremdgefährdung besteht. In diesen Fällen werden PatientInnen im
Unterbringungsbereich aufgenommen bzw. angehalten. Für die wissenschaftliche
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Auseinandersetzung in dieser Arbeit werden die Bereiche Geriatrie und Neurologie
ausgeklammert.
Heute wird die psychische Krankheit als ein bio-psycho-sozialer Prozess behandelt und
entsprechend sozialer Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten psychischer
Krankheiten untersucht. Weiterfolgende Einrichtungen können sein Ambulatorien,
Wohnheime
und
Rehabilitationswerkstätten
meist
mit
interdisziplinären
und
multiprofessionellen Teams.15 Dennoch ist das Gegenstandsfeld Psychiatrie immer
noch ökonomisch, sozial und kulturell im biomedizinisch definierten Deutungsfeld der
Medizin verortet und dementsprechend strukturiert (vgl. Dörr 2005, S.28f).
Auf den Suchtstationen geht es bei PatientInnen mit langjähriger (meist Alkohol-)
Abhängigkeit zunächst darum, den körperlichen Entzug in Verbindung mit einer
vielseitigen Diagnostik und Beratungsarbeit durchzuführen und dann an der Motivation
zu einer Entwöhnungsbehandlung weiterzuarbeiten (vgl. Clausen et al. 1996, S.202).
In dem Begriff Forensische Psychiatrie steckt das Wort „forum“. Damit ist der öffentliche
Platz im alten Rom gemeint, auf dem Gericht gehalten wurde. Daher lässt sich
Forensische Psychiatrie als gerichtliche Psychiatrie übersetzen und beschreibt damit
einen Überschneidungsbereich beider Fächer, der Rechtswissenschaften und der
Psychiatrie (vgl. Steinböck In: Steinböck/Berger 2003, S.101).
In der forensischen Psychiatrie werden psychisch kranke StraftäterInnen untergebracht
und behandelt. Diese PatientInnen sind aufgrund ihrer geistigen, seelischen oder
persönlichkeitsbedingten Anlagen und Entwicklungen nicht imstande, die Folgen ihres
gesetzwidrigen Handelns abzusehen (vgl. Clausen et al. 1996, S.205f).
In der Kinder- und Jugendpsychiatrie werden minderjährige PatientInnen mit
psychotischen oder autistischen Erkrankungen, schweren Ängsten, Selbstwertstörungen,
Suizidgefährdung,
Schulverweigerung
und
Lernleistungsstörungen,
Essstörungen, mit Auffälligkeiten im Sozialverhalten, erhöhter Gewaltbereitschaft,
Verwahrlosung oder Drogenmissbrauch behandelt (vgl. Clausen et al. 1996, S. 211).
15
Diese Einrichtungen werden in meiner Diplomarbeit nicht näher erläutert, da das Hauptaugenmerk nur
die klinische Psychiatrie betreffen soll.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
6.3 Psychiatrische Krankheitslehre
Menschen können unterschiedlich gut entwickelte Fähigkeiten haben, auf Konflikte und
Belastungen des Lebens adäquat zu reagieren. Wenn belastende Herausforderungen
oder Probleme die Fähigkeit eines Menschen beeinträchtigen, den alltäglichen
Aufgaben zu entsprechen bzw. emotional standzuhalten, kann eine psychische Störung
unterschiedlichen Schweregrades vorliegen (vgl. Wittchen 1998, S.7).
„Psychische Störungen und Schwierigkeiten manifestieren sich in unterschiedlichen
Graden von Leidensdruck und Funktionsstörungen in vier Schlüsselbereichen
menschlicher Aktivität: (1) In der Art und Weise, wie Menschen ihre Gefühle erleben und
äußern; (2) wie sie denken; urteilen und lernen; und (3) wie sie sich verhalten. (4)
Psychische Störungen beeinflussen auch das körperliche Erleben und Empfinden.
Umgekehrt wirken sich physische Störungen genauso auf psychische Vorgänge und
Erlebnisse aus.“ (Wittchen 1998, S. 10)
Das ICD 10 (International Classification of Diseases) ist ein Klassifikationssystem von
psychischen Störungen, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt
wurde, um eine Vereinheitlichung zu gewährleisten (vgl. Huber 1999, S.34). Folgende
psychische Krankheitsbilder sind nach dem ICD 10 eingeteilt:
„F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
F10-F19 Psychische und Verhaltenstörungen durch psychotrope Substanzen
F20-F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F70-F79 Intelligenzstörungen
F80-F89 Entwicklungsstörungen
F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen“ (www.psychotherapiepraxis.at am
9.2.2009)
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
7 Soziale Arbeit in der Psychiatrie/psychiatrischen
Landschaft
7.1 Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit mit PsychiatriepatientInnen
Neben den psychiatrischen Krankenanstalten sind SozialarbeiterInnen auch tätig in der
psychosozialen Rehabilitation und Betreuung. Hier einige Beispiele:
-
ambulante Beratung, Betreuung psychisch kranker Menschen
-
ambulante psychosoziale Rehabilitation
-
Intensivbetreuung (für psychisch kranke Haftentlassene)
-
Ambulante Beratung und Betreuung von Abhängigkeitskranken
-
Angehörigenberatung
-
Übergangswohnheim
-
Betreute Wohngemeinschaften (befristet und unbefristet)
-
Langzeitwohnheim
-
Intensiv betreutes Wohnen für schwer rehabilitierbare psychotische
Personen
-
Übergangswohnheim für Abhängigkeitskranke mit Abstinenz
-
Arbeitstrainingszentren für psychisch Kranke
-
Beschäftigungsprojekte für psychisch Kranke
-
Arbeitsassistenz
-
Tageszentren
-
Clubs für Psychiatrieerfahrene
-
Drogenberatung
-
Wohnhaus für chronisch psychisch kranke Menschen mit erhöhtem
körperlichen Pflegebedarf
Erforderliche Kontakte zu den oben genannten Einrichtungen werden schon während
des Krankenhausaufenthalts vermittelt (vgl. Leistungen für psychisch kranke Menschen
2002, S.18f).
Bis heute sind teilstationäre, komplementäre und rehabilitative Institutionen nicht in
ausreichender Zahl vorhanden. Es wäre wichtig, dass diese eng mit den psychiatrischen
Krankenhäusern, Abteilungen und Kliniken zusammenarbeiten (vgl. Huber 1999, S.
659).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Joachim Speicher, der 2003 eine Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale
Psychiatrie in Frankfurt hielt, kritisierte dort die Gemeindepsychiatrie. Er warf die Frage
auf, ob die Gemeindepsychiatrie nicht selbst chronifizierend ist (vgl. www.psychiatrie.de;
Zugriff am 19.02.2009).
„Dauerwohnheime, Langzeitrehabilitation in Werkstätten, unendliche Geschichten
psychosozialer Wohngemeinschaftsbetreuungen, Kriseninterventionen und Versorgung
rund um die Uhr. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Jahr für Jahr. Sind das tatsächlich die
Perspektiven einer wohnortnahen und modernen Psychiatrie? Wohl kaum. Der Wandel
von der institutionsbezogenen zur personenorientierten Psychiatrie ist im vollem Gang
und nach wie vor dringend geboten(...). (Es) gelingt (.) dem medizinischen Denken und
seinen Vertretern, dominante Rollen und Positionen im gemeindepsychiatrischen
Diskurs einzunehmen. Interessant ist hierbei der Umstand, dass die
Gemeindepsychiatrie hingegen berufsgruppenspezifisch jedoch eine klare Domäne der
SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen ist. (...) Ich plädiere für eine
sozialarbeiterische Interventionspraxis, die den Klienten geh- und machbare „Ausgänge“
aus der psychiatrischen Vollversorgung eröffnet und nicht defizitorientierte
Horrorszenarien optioniert, in denen dünnhäutige und vulnerable Menschen sich nicht
mehr dem Leben aussetzen können.“ (www.psychiatrie.de; Zugriff am 19.02.2009)
7.2 Aufgabenfeld und Methoden
„Die Psychiatrie ist in der Behandlung und Betreuung von psychisch kranken Menschen
auf eine breite sozialarbeiterische Unterstützung angewiesen, die sich insbesondere auf
Hilfen zur Alltagsbewältigung der Betroffenen bezieht.“ (www.askepios.com; Zugriff am
16.02.2009)
Joachim Speicher streicht die methodische Wichtigkeit der Sozialen Arbeit bei der
Fachtagung „Soziale Arbeit in der (Gemeinde-)Psychiatrie“ in diesen Worten heraus:
„Sozialarbeit als Wissenschaft ist die eine der wirklich wenigen Disziplinen, die auf die
Unbestimmbarkeit des sozialen Lebens nicht mit einer trivialen Reduktion von
Komplexität reagiert, sondern sich die Methoden- und Theorienvielfalt sowie die
dazugehörige Denkfreiheit bewahrt hat.“ (www.psychiatrie.de, Zugriff am 19.02.2009)
Viele der bereits im Kapitel 4.4 genannten und erläuterten Methoden der Sozialen Arbeit
sind natürlich auch Methoden der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie. Da die
Soziotherapie die Basis therapeutischen Handelns in psychiatrischen Einrichtungen
darstellt, lohnt sich hier eine weitere Vertiefung in Bezug auf die Anwendung in der
Psychiatrie. Psychotherapie kann immer nur einen kleinen abgegrenzten Teil des Tages
beanspruchen. Soziotherapie ist keine Technik, die neben anderen Techniken steht,
sondern macht die Anwendung anderer Techniken erst möglich (vgl. Dörner et al. 2002,
S. 562f)
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
„Soziotherapie fördert die normalen, regelhaften, allgemeinen, alltäglichen, gesunden,
nicht an Krankheit gebundenen, d.h. freien Anteile eines Individuums; und: In dem
Maße, in dem ein Patient in unbestimmten, in allgemeinen, d.h. auch in informellen
Situationen seine Reaktionen auf Anforderungen aus dem Alltag, auf Regeln, auf
Normales, Banales kennen und überprüfen lernen kann, in dem Maße findet
Soziotherapie statt.“ (Dörner et al. 2002, S. 564)
„Soziale Arbeit in der Psychiatrie impliziert Benennung und Herausarbeitung von
Leitperspektiven
im
sozialpsychiatrischen
Versorgungsnetz.
Dies
sind
u.a.
Empowerment, Lebensweltorientierung, Einzelfallorientierung wie auch Biographie und
Zeitlichkeit als Prämissen klinischer Praxis - stets im Blick auf das lebendige Subjekt im
Erkrankungs- und Genesungsgeschehen.“ (Homfeldt/Mühlum In: Dörr 2005, S. 10)
Zentraler Punkt für den sozialarbeiterischen Zugang ist im Besonderen der
Perspektivenwechsel von den psychischen Defiziten und Krankheitssymptomen hin zu
den gesunden, kreativen und konstruktiven Fähigkeiten, Fertigkeiten und Potentialen
der KlientInnen. Die Soziale Arbeit zielt neben dem Bemühen um soziale Rehabilitation
und die Entwicklung eines tragfähigen Alltags auf die Förderung sozialer Kontakte und
Kompetenzen, den Aufbau von Selbstwertgefühl sowie auf die Schaffung oder
Bereitstellung
neuer
identitätsstützender
Erfahrungsräume
ab.
In
diesem
Zusammenhang betreibt Soziale Arbeit ein Case-Management, um die verschiedenen
Unterstützungsangebote kontinuierlich und kooperativ aufeinander abzustimmen und zu
vernetzen (vgl. Chassè et al. 2004, S. 379f).
Empowerment kann als Prozess im Menschen verstanden werden, der die eigenen
Stärken entdeckt und die soziale Lebenswelt mitgestalten kann (vgl. Krisor 2005, S. 53).
„Will man den konzeptuellen Kern des Empowerment-Konzeptes formulieren, so ist es
vor allem dies: ein verändertes, optimistisch gestricktes Menschenbild, das die
Wahrnehmung der Lebenswirklichkeit des Adressaten und die Entwürfe einer sensiblen
alltagsorientierten Unterstützungspraxis durch die Soziale Arbeit anleitet. Mit seiner
Betonung von Selbstorganisation und autonomer Lebensführung formuliert dieses
Menschenbild eine radikale Absage an Metaphern der Schwäche, des Defizits und des
Nicht-Gelingens.“ (Herriger 2002, S.70)
Seit der Psychiatrie-Enquete 1975 wurden neben den niedergelassenen ÄrztInnen für
Psychiatrie
und
Psychotherapie,
den
ärztlichen
und
nichtärztlichen
PsychotherapeutInnen, den psychiatrischen Kliniken und Tageskliniken viele neue
Hilfsangebote, wie zum Teil schon erwähnt, entwickelt: Institutionsambulanzen an
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Kliniken und Tageskliniken, Sozialpsychiatrische Zentren, Tagesstätten, psychiatrische
Krankenpflege, betreutes Wohnen und sozialpsychiatrische Dienste. Diese Hilfen zielen
vor allem auf die Alltagsbewältigung, Gestaltung von Sozialkontakten und Freizeit ab.
Ebenfalls
gehören
zur
psychiatrischen
Landschaft
ambulant
medizinische
Rehabilitationseinrichtungen, Berufstrainingszentren, Werkstätten für psychisch kranke
Menschen oder Zuverdienst- und Integrationsfirmen. Das Hauptaugenmerk der
SozialarbeiterInnen
in
den
psychiatrischen
Kliniken
sind
die
psychosozialen
Problemlagen der PatientInnen. Für die Klinik gilt folgende Maxime: „Nach der
Einweisung ist vor der Entlassung.“ Existentielle Fragen müssen rasch geklärt werden:
Kostenübernahmen, Benachrichtigungen von Ämtern, Verständigung von Angehörigen,
Besorgen von Taschengeld und Kleidern (vgl. Bosshard In: Gahleitner/Hahn 2008,
S.151f).
„Dass diese Maßnahmen zu gelingenden Interventionen der Sozialarbeiterin werden,
hängt einerseits von ihrer sozialrechtlichen Versiertheit und ihrer Vernetzung außerhalb
der Klinik ab, andererseits aber von ihrer Fähigkeit, zu dem Menschen, der sich in einer
Krise befindet, akut psychotisch ist oder impulsiv und selbstzerstörerisch agiert, Kontakt
aufzunehmen. Aufbau und Gestaltung der Arbeitsbeziehung gehören zu den
anspruchvollsten und wichtigsten Aufgaben. Es müssen sowohl Sicherheit und
Vertrauen entstehen, gleichzeitig aber auch Grenzen gesetzt, Nähe und Distanz
gefunden werden. Die psychiatrischen Diagnosen als solche sind für diese Arbeit nicht
immer hilfreich, möglicherweise sogar hinderlich. Hilfreich kann das Wissen um
psychodynamische Aspekte der jeweiligen Störung sein. Die Sozialarbeiterin muss hier
über die Fähigkeit zur Selbstreflexion verfügen. Hierbei ist sie auf ein kollegiales Team
und Supervision angewiesen.“ (Bosshard In: Gahleitner/Hahn 2008, S.154)
Ein umfassendes theoretisches und methodisches Wissen ist notwendig, um auf der
Grundlage sozialer Diagnosen die individuell angepassten Interventionsschritte planen
zu können. Ein Teil eines zirkulären methodischen Problemlösungsprozesses ist auch in
der
Psychiatrie
die
soziale
Diagnostik.
(Sie
dient
zur
Feststellung
des
Problemkomplexes mit dem Ziel, Handlungswege zuzuordnen und zielbezogen
anzuwenden.)
Psychoedukation
ist
eine
weitere
wichtige
Methode
klinischer
Sozialarbeit in einem Gesundheitswesen, in dem Behandlungsabläufe immer rascher
werden. Der entscheidende Vorteil des Case Managements ist, dass verschiedene
Interventionen auf die Situation der PatientInnen abgestimmt und die Behandelnden in
ihrer Zusammenarbeit unterstützt werden. Die Soziale Arbeit in der Klinik richtet ihren
Fokus auch auf die Prävention. Jede Intervention sollte darauf ausgerichtet sein,
nachhaltig
und
damit
auch
präventiv
zu
wirken
(vgl.
Becker-Bikowski
In:
Gahleitner/Hahn 2008, S.180f).
Doris Pröll
Seite 46 von 122
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
„Kernkompetenzen der Sozialen Arbeit nehmen mit der Ökonomisierung im
Gesundheitswesen und der damit einhergehenden Diskussion um ethische Aspekte in
der Patientenversorgung eine zunehmende wichtige Rolle ein.“......“Eine tragfähige
qualitätsgesicherte Versorgung muss von einer Koordinationsstelle aus gelenkt werden,
die den Gesamtbehandlungsprozess im Blick hat. Es sind viele Aspekte in die Planung
einzubeziehen und zu vernetzen, um ein optimales Ergebnis für alle Beteiligten zu
erreichen.“ (Becker-Bikowski In: Gahleitner/Hahn 2008, S.185)
Klinische Sozialarbeit hat auch Zukunftsperspektiven in der Forschung und somit
Möglichkeiten, ihre Fachlichkeit im Gesundheitswesen zu positionieren (vgl. BeckerBikowski In: Gahleitner/Hahn 2008, S.185).
Die im Kapitel 5.6 bereits erwähnten Handlungsansätze lassen sich auf die Soziale
Arbeit in der Psychiatrie übertragen. In der Literatur wird keine weitere Differenzierung
der Methoden und Handlungsansätze betont.
Aus
meiner
Internetrecherche
habe
ich
aus
verschiedenen
Hompages
von
psychiatrischen Krankenanstalten Inhalte zu Aufgabenschwerpunkten und Zielen der
Sozialen Arbeit in der Psychiatrie zusammengetragen. Folgende einzelne Auszüge
sollen einen kurzen Einblick über die Aufgaben der SozialarbeiterInnen in Psychiatrien
darstellen.
Ein Schwerpunkt der Tätigkeiten der SozialarbeiterInnen im LSF Graz16 ist laut
Internetangabe „die Koordination bestehender Ressourcensysteme (PatientInnen,
Angehörige, soziale Dienste, etc.) mit dem Ziel, die im Krankenhaus eingeleiteten
Gesundungsprozesse nach Entlassung der PatientInnen zu erhalten bzw. zu fördern
und dadurch deren Lebensqualität zu verbessern.“ (www.lsf-graz.at; Zugriff am
16.02.2009)
Durch die Entlassungsvorbereitungen soll auch die vorzeitige Wiederaufnahme
verhindert werden und dadurch auch ein volkswirtschaftlicher Beitrag geleistet werden.
Der Kontakt mit extramuralen sozialen Diensten wird hergestellt und Unterstützung mit
finanziellen und materiellen Hilfen geleitstet (vgl. www.lsf-graz.at; Zugriff am
16.02.2009).
Die
SozialarbeiterInnen
beraten,
vermitteln
und
koordinieren
Hilfs-
und
Unterstützungsmaßnahmen. Bei Bedarf führen sie auch Begleitungen der PatientInnen
durch. Der Behandlungsplan, der mit der Aufnahme der PatientInnen von den
behandelnden ÄrztInnen im Zusammenwirken mit dem multiprofessionellen Team
innerhalb der Behandlungskonferenz erstellt wird, ist auch ein Bezugspunkt für das
berufliche Handeln der Sozialarbeit. Alltags- und soziale Handlungskompetenz sollen
16
LSF Graz: Landesnervenklinik Sigmund Freud Graz
Doris Pröll
Seite 47 von 122
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
gefördert
werden.
Die
SozialarbeiterInnen
wirken
bei
verschiedenen
gruppenpädagogischen Angeboten sowie bei der Einleitung und Begleitung von
arbeitstherapeutischen Maßnahmen mit (vgl. www.klinikum.uni-heidelberg.de; Zugriff
am 18.02.2009).
„Die Behandlung psychisch erkrankter Menschen ist ohne die Sozialarbeit nicht
vorstellbar, da die psychosoziale und berufliche Wiedereingliederung in das jeweilige
familiäre, soziale und berufliche Umfeld einen wichtigen Bestandteil der Behandlung
darstellt. Sozialarbeiterischer Handlungsbedarf besteht vor allem in den Bereichen:
•
Finanzen und Sozialversicherung
•
Wohnungs- und Lebenssituation
•
Arbeit und Ausbildung
•
Familie und soziales Bezugsfeld
•
Freizeit
und
Tagesstruktur“
(www.klinikum.uni.heidelberg.de;
Zugriff
am
18.02.2009)
Die Klinische Sozialarbeit im Klinikum Wels-Grieskirchen beschreibt ihre Tätigkeit als
sehr fallorientiert, um individuelle Lösungen zur Verbesserung der Lebenssituation der
Einzelnen zu finden. Als Aufgabenbereiche listet sie auf: Klärung der Lebenssituation,
Organisation von regionalen Hilfsangeboten für die Zeit während oder nach der
Behandlung, Wohnprobleme, Fragen zu den Themen Arbeit, Ausbildung und berufliche
Rehabilitation, Anliegen bzgl. Krankenversicherungen, Pension, Pflegegeld, etc.,
familiäre Probleme (vgl. www.we.klinikum-wegr.at; Zugriff am 30.01.2009).
Franz Hierlemann, Leiter des Sozialdienstes der Psychiatrischen Universitätsklinik
Zürich, fasst in dem Artikel „Soziale Arbeit in der Psychiatrie“ den Auftrag der Profession
wie folgt zusammen: Es geht um das Erkennen der Ressourcen der PatientInnen im
Rahmen der sozialen Diagnose und das Erstellen der Behandlungsplanung, die in die
interprofessionelle Zusammenarbeit eingebunden sein muss. Aufgegliedert bedeutet
das:
•
Begrenzung
nachteiliger
Folgen
einer
psychischen
Erkrankung
(Exklusionsvermeidung in den Lebensbereichen Arbeit, Wohnen, materielle
Sicherheit)
•
Hilfe bei bereits bestehenden nachteiligen Folgen (Integrationsförderung) durch
teilweise Reintegration während der Behandlungsphase
•
Mitgestalten von „geschützten Lebensverhältnissen“
•
Aufklärung des Teams über die soziale Situation der PatientInnen
Doris Pröll
Seite 48 von 122
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
•
Vernetzung der Maßnahmen und Koordination von Hilfeleistungen während der
Entlassungsphase (vgl. www.avenirsocial.ch; Zugriff am 18.02.2009).
Die folgenden Auszüge aus dem Internet eigenen sich als Zusammenfassung der
Kompetenzen der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie:
„Die Soziale Arbeit in der Psychiatrie zeichnet sich dadurch aus, dass sie die soziale
Lage der Patienten und daraus resultierende Beeinträchtigungen angemessen erfassen
und das verzweigte Netz von Sozialleistungen problemorientiert erschließen kann.“ (...)
„Soziale Arbeit in der Psychiatrie ist (..) ein elementares Bindeglied zwischen den
Schonräumen
der
psychiatrischen
Behandlung
und
den
gesellschaftlichen
Anforderungen, auf die Patienten vorbereitet werden müssen.“ (www.asklepios.com;
Zugriff am 16.02.2009)
Im Online-Artikel der Landesnervenklinik Sigmund Freud Graz „Soziale Arbeit im
Krankenhaus“ sind die Intentionen der Sozialen Arbeit, die ich als allgemein
übertragenswert empfinde, wie folgt angeführt: Unterstützung der Gesundung,
Steigerung der Lebensqualität, Verbesserung der Zusammenarbeit der Helfersysteme,
Förderung der Compliance17 der PatientInnen, Verringerung der Aufenthaltsdauer,
Öffentlichkeitsarbeit,
Verzögerung
neuerlicher
Aufnahmen,
positiver
volkswirtschaftlicher Beitrag (vgl. www.lsf-graz.at; Zugriff am 16.02.2008).
17
Damit ist das kooperative Verhalten von PatientInnen in der Klinik gemeint.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
7.3 Theoretische Verortung der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie
Das Theoriekonzept der Sozialen Arbeit im psychiatrischen Feld setzt sich zusammen
aus
der
Krankheitslehre18,
biopsychosozialen
einer
ressourcenorientierten
Gesundheitslehre, den Alltags- und Lebenskonzepten der Sozialen Arbeit19 und dem
von der Psychoanalyse entwickelten Konzept des „Szenischen Verstehens“20 zur
Deutung der Beziehungsdynamik zwischen KlientIn und SozialarbeiterIn, das der
Komplexität der Problemlagen angemessen ist (vgl. Bosshard In: Gahleitner/Hahn 2008,
S.154).
Im
Gegensatz
therapeutischen
zu
einer
eher
Berufsgruppen
symptomorientierten
stellt
die
Soziale
Betrachtungsweise
Arbeit
eine
der
bedeutende
Perspektivenänderung dar. Ein Prinzip der Sozialen Arbeit ist das Erkennen und die
Wertschätzung der immer auch vorhandenen gesunden Anteile und die damit
verbundenen salutogenen Möglichkeiten der KlientInnen. Ziele der Sozialen Arbeit mit
psychisch kranken Menschen sind die positive Veränderung der psychosozialen
Krankheitsfolgen sowie die Verbesserung primärer Benachteiligungen. Wichtig ist das
Verstehen des „Intrapsychischen“ der KlientInnen und eine darauf gegründete Haltung
und Vorgehensweise, die bei allen Anregungen, Unterstützungen, Begleitungen und
Beratungen zum Tragen kommen. Grundsätzlich ist dies bei anderen Arbeitsfeldern
nicht anders, allerdings ergeben sich die Besonderheiten aus der Notwendigkeit, das
Wissen, Verstehen und Können der Sozialen Arbeit in einem von der Medizin und ihren
therapeutischen Vorstellungen dominierten Feld zu vertreten (vgl. Bosshard In:
Gahleitner/Hahn 2008, S. 156f).
18
„ Die biopsychosoziale Sichtweise sieht die Erkrankung in einem langfristig biografisch angelegten
Zusammenhang, in dem Beziehungserfahrungen während der Säuglingszeit und Kindheit,
Bindungserfahrungen und die in Interaktionen erlernten Umgangsweisen mit Gefühlen eine
herausgehobene Bedeutung haben, denn sie sind zu psychischen Strukturen geworden und Grundlagen
für Erwartungen und Verhaltensmuster.“ (Bosshard In: Gahleitner/Hahn 2008, S.155)
19
Die Alltags- und Lebenskonzepte der Sozialen Arbeit sind inhaltlich in Verbindung zu bringen mit dem
Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit (siehe Kapitel 4.3).
20
„(Re-)Inszenierung und Szenisches Verstehen: Von einer Inszenierung oder Reinszenierung wird
gesprochen, wenn der Klient ganze Szenen, so wie er sie früher erlebt hat, in der Gegenwart unbewusst
wieder herstellt, wenn er in Szenen agiert. Wenn z. B. jemand in chaotischen Verhältnissen
aufgewachsen ist und eine bestimmte Form des Streitens oder der Aggression als Form der
Beziehungsaufnahme gelernt hat, wird er versuchen, solche chaotischen, unverarbeiteten Szenen immer
wieder herzustellen. Wir sprechen dann von Reinszenierung, Inszenierung oder
Übertragungsinszenierung. Die Inszenierungen erfordern vom Gegenüber – Psychoanalytiker oder
Sozialarbeiter – ein Verstehen der Szene. Das Szenische Verstehen ist eine weitere theoretische
Perspektive zum Verstehen des Phänomens von Übertragung und Gegenübertragung.“ (Stemmer Lück
2004, S.104)
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
8. Ergebnisse des Fragebogens
Hier beginnt der empirische Teil der Diplomarbeit. In den folgenden Unterkapiteln führe
ich die genaue Vorgehensweise des Versendens der Fragebögen und die Darstellung
der einzelnen Fragen und deren Antworten an.
8.1 Ausschicken der Fragebögen
Ich habe den Online-Fragebogen am 17.2.2009 an alle recherchierten Sozialarbeiter
und Sozialarbeiterinnen, die in psychiatrischen Krankenanstalten tätig sind, in ganz
Österreich ausgeschickt. Ich gehe davon aus, dass ich einer Vollerhebung, der in
diesem Bereich tätigen SozialarbeiterInnen, sehr nahe gekommen bin. Allerdings kann
ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Zu bemerken ist auch, dass ich aus
konzeptuellen Überlegungen keine Befragungen mit SozialarbeiterInnen, die in
neurologischen oder geriatrischen Abteilungen tätig sind, durchführte. Eine Woche vor
Abschicken des Fragebogens, sendete ich eine Vorankündigung aus, die mein
Vorhaben erklären sollte. Herr DSA Mag. Dr. Wilhelmstätter war so freundlich, mir eine
offizielle Bestätigung auszustellen, um eventuelle Bedenken der zu befragenden
SozialarbeiterInnen auszuräumen. Zwei Wochen nach dem ersten Ausschicken der
Fragebögen, verschickte ich eine Erinnerung an jene PraktikerInnen, die laut dem
Online-Programm bisher noch nicht teilgenommen haben. Dadurch wurden nochmals
einige SozialarbeiterInnen motiviert, sich zu beteiligen. Mit 7.3. 2009 setzte ich den
Teilnahmeschluss fest. Insgesamt habe ich den Fragebogen an 149 Personen
ausgeschickt. 69 Personen haben an der Befragung teilgenommen. Das ist ein Rücklauf
von 46%. Ich führe den hohen Rücklauf auf die Methode des Online-Fragebogens
zurück, die eine sehr rasche und mit wenig Aufwand verbundene Antwortmöglichkeit für
die befragten Personen darstellt. Einige TeilnehmerInnen bekundeten ihr Interesse an
den Ergebnissen per E-Mail.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
8.2 Daten der Befragten
In
diesem
Kapitel
beschreibe
ich
die
angegebenen
Daten
der
befragten
SozialarbeiterInnen. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass die Darstellungen der
Ergebnisse nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, mit der Frage 1 beginnen sondern mit
einer
relativ
hohen
Nummerierung.
Das
liegt
daran,
dass
ich
mich
„fragenbogentechnisch“ entschieden habe, einige persönliche Fragen erst gegen Ende
zu stellen. Für den logischen Aufbau der Ergebnisdarstellung ist aber eine Umkehrung
notwendig, um verständliche Ausführungen zu gewährleisten. Für meine Diplomarbeit
waren folgende Informationen von Interesse:
Welches Alter und Geschlecht haben die befragten TeilnehmerInnen?
Wie viele Personen haben eine psychotherapeutische Ausbildung absolviert?
In welchem Bundesland arbeiten die befragten ExpertInnen für Soziale Arbeit?
Alter der befragten SozialarbeiterInnen:
Frage 52: Alter
(n= 56)
7%
9%
29%
25-30 Jahre
31-35 Jahre
11%
36-40 Jahre
41-45 Jahre
46-50 Jahre
51-55 Jahre
16%
21%
56-60 Jahre
7%
Abbildung 1: Alter der befragten SozialarbeiterInnen
Die Frage nach dem Alter beantworteten 56 von 69 Personen. Davon ist die größte
Gruppe mit 16 SozialarbeiterInnen im Alter von 25 bis 30 Jahren. Diese machen 29%
(16 Nennungen) aus. 16% (9 Nennungen) sind 31 bis 35 Jahre alt. Nur 7% (4
Nennungen) sind 36 bis 40 Jahre. 41 bis 45 Jahre sind 21% der SozialarbeiterInnen (12
Nennungen). 6 Personen (11%) sind 46 bis 50 Jahre alt und 5 Personen (9%) sind 51
bis 60 Jahre alt. Die älteste Berufsgruppe der SozialarbeiterInnen mit 56 bis 60 Jahren
machen 7% aus (4 Nennungen).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Geschlecht der befragten SozialarbeiterInnen:
Frage 53: Geschlecht (n=56)
Die Frage nach dem Geschlecht haben 56 von 69 Personen beantwortet. Der eindeutig
überwiegende Anteil der befragten SozialarbeiterInnen mit fast 75% sind Frauen (41
Nennungen). 27% (15 Nennungen) sind Männer.
Psychiatrische Anstalten bzw. Abteilungen in den Bundesländern :
Frage 2: In welchem Bundesland arbeiten Sie?
(n=69)
Vorarlberg
Tirol
7
2
1
Salzburg
6
Kärnten
8
9
1
Oberösterreich
Steiermark
Niederösterreich
4
17
14
Wien
Burgenland
Bundesland nicht
angegeben
Abbildung 2:SozialarbeiterInnen in den einzelnen Bundesländern
Zu dieser grafischen Darstellung habe ich auch jene 7 Personen angefügt, die keine
Angaben zum Bundesland gemacht haben. Ich möchte gleich zu Beginn der
Ausführungen zu dieser Frage darauf hinweisen, dass die teilweise großen
Unterschiede der Zahl der teilgenommenen SozialarbeiterInnen natürlich auch mit den
Größen der psychiatrischen Krankenanstalten in den einzelnen Bundesländern
zusammenhängen (Beispiele siehe Einleitung). In Vorarlberg und Kärnten haben jeweils
eine Person den Fragebogen ausgefüllt. In Burgenland haben zwei SozialarbeiterInnen
teilgenommen. Niederösterreich ist mit 4 Personen vertreten. 7 Fragebögen wurden in
Tirol bearbeitet. 8 Teilnehmer zählt Salzburg. In Wien haben 9 Personen teilgenommen.
In der Steiermark sind es bereits 14 SozialarbeiterInnen. Spitzenreiter ist Oberösterreich
mit 17 TeilnehmerInnen.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Arten von psychiatrischen Abteilungen:
Frage 1: In welchem psychiatrischen Bereich arbeiten Sie?
(n=69)
5%
3%
12%
23%
5%
1%
13%
6%
28%
4%
Allgemeinpsychiatrie
Akutpsychiatrie
Kinder- und Jugendpsychiatrie
Forensische Psychiatrie
Suchtbereich
Gemeinde- und Sozialpsychiatrie
Psychosomatik
Gerontopsychiatrie
Psychiatrische Rehabilitation
Sonstige
Abbildung 3: Psychiatrische Abteilungen
Diese Frage haben alle 69 SozialarbeiterInnen beantwortet. Mehrfachnennungen waren
möglich. Die grafische Darstellung zeigt, dass knapp über die Hälfte der Befragten in
der Allgemeinpsychiatrie (23%, 22 Nennungen) und in der Akutpsychiatrie (28%, 25
Nennungen) tätig sind. 13% (12 Nennungen) arbeiten im Suchtbereich und 12% (11
Nennungen) arbeiten in der Gerontopsychiatrie. Die folgenden Bereiche sind nur
marginal vertreten: Forensische Psychiatrie mit 6% (6 Nennungen), Psychiatrische
Rehabilitation und Psychosomatik mit jeweils 5% (5 Nennungen), Kinder- und
Jugendpsychiatrie mit 4% (4 Nennungen), Gemeinde- und Sozialpsychiatrie mit 1% (1
Nennung) und Sonstige mit 3%. Unter Sonstige wurden folgende Bereiche angeführt:
Ambulanz, Langzeitpsychiatrie und interkulturelle Ambulanz.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
8.3 Daten der PatientInnen
Bezüglich
der
PatientInnen
interessierten
mich
Informationen
betreffend
der
Aufenthaltsdauer, der Zuweisungsform und der häufigsten Krankheitsbilder. Bei diesen
folgenden Fragen waren jeweils Mehrfachnennungen möglich.
Aufenthaltsdauer der PatientInnen:
Frage 3: Arbeiten Sie mit LangzeitpatientInnen, KurzzeitpatientInnen und/oder
mit ambulanten PatientInnen?
(n=66)
24%
27%
LangzeitpatientInnen
KurzzeitpatientInnen
ambulante
PatientInnen
49%
Abbildung 4: Behandlungsdauer der PatientInnen
Beinahe
die
Hälfte
(49%,
50
Nennungen)
arbeiten
zum
Teil
u.a.
mit
KurzzeitpatientInnen. Beim Fragebogen habe ich KurzzeitpatientInnen definiert mit einer
durchschnittlichen Aufenthaltsdauer in der Klinik von unter 3 Monaten. 24% (25
Nennungen) gaben an, mit LangzeitpatientInnen (durchschnittlicher Aufenthalt von über
3 Monaten) sozialarbeiterisch tätig zu sein. 27% (28 Nennungen) arbeiten mit
ambulanten PatientInnen.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Zuweisung der PatientInnen zur Sozialen Arbeit:
Frage 4: Wie erfolgt die Zuweisung der PatientInnen zur Sozialen Arbeit?
(n=67)
Pflegepersonal
11%
SozialarbeiterInnen
19%
Ärzteschaft
PatientInnen selbst
27%
Sonstige
14%
29%
Abbildung 5: Zuweisungsform der PatientInnen
Bei der Beantwortung dieser Frage waren ebenfalls Mehrfachnennungen möglich.
Insgesamt haben 67 Personen Angaben dazu gemacht. Der größte Teil der
Zuweisungen nämlich 29% (58 Nennungen) erfolgte, wie zu erwarten, durch die
Ärzteschaft. Erstaunlicherweise gaben 27% (53 Nennungen) an, dass sich PatientInnen
selbst um eine Zuweisung zur Sozialen Arbeit bemühen. 19% (38 Nennungen) der
Zuweisungen erteilt das Pflegepersonal. 14% (27 Nennungen) werden durch die
SozialarbeiterInnen selbst zugewiesen. Die Kategorie „Sonstige“ besteht aus 11% (22
Nennungen).
Diese
PsychotherapeutInnen;
setzt
sich
zusammen
interdisziplinäres
Team;
aus
folgenden
PsychologInnen;
Antworten:
Sachwalter;
Angehörige; extramurale Einrichtungen; Eigeninitiative; Verwaltung.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Krankheitsbilder der PatientInnen:
Frage 5: Mit welchen Krankheitsbildern bzw. psychischen Beeinträchtigungen haben Sie
in Ihrer Arbeit hauptsächlich zu tun?
(n=63)
4%
3%
7%
4%
7%
Organische, einschließlich
symptomatischer psychischer Störungen
psychische und Verhaltensstörungen durch
psychotrope Substanzen
Schizophrenie, schizotype und wahnhafte
Störungen
Affektive Störungen
10%
13%
16%
Neurotische, Belastungs- und
somatoforme Störungen
Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen
Störungen
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Intelligenzstörungen
6%
13%
17%
Entwicklungsstörungen
Verhaltens- und emotionale Störungen mit
Beginn in der Kindheit und Jugend
Nicht näher bezeichnete psychische
Störungen
Abbildung 6: Krankheitsbilder der PatientInnen
Diese Grafik zeigt, dass SozialarbeiterInnen in den Psychiatrien Österreichs mit allen
Krankheitsbildern bzw. psychischen Beeinträchtigungen, die im ICD 10 angeführt sind,
zu tun haben. Man kann hier die Aussage ableiten, dass SozialarbeiterInnen am
häufigsten mit Menschen mit affektiven Störungen (17%) und mit Persönlichkeits- und
Verhaltensstörungen (16%) arbeiten. Der sozialarbeiterische Kontakt mit PatientInnen,
die unter Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen leiden beträgt 13%. Der
gleiche Prozentsatz gilt für die Arbeit mit PatientInnen mit neurotischen, Belastungsund somatoforme Störungen. 10% der befragten SozialarbeiterInnen haben mit den
Krankheitsbildern psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
zu tun. Jeweils 7% haben Kontakt mit Menschen mit organischen, einschließlich
symptomatischen psychischen Störungen und mit PatientInnen mit Verhaltens- und
emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend. Verhaltensauffälligkeiten
mit körperlichen Störungen haben 6% der ExpertInnen für Soziale Arbeit als
PatientInnengruppe angegeben. Weniger Kontakt von SozialarbeiterInnen besteht zu
PatientInnen mit Intelligenzstörungen (4%), mit Entwicklungsstörungen (3%) und mit
Menschen, die an nicht näher bezeichneten psychischen Störungen (4%) leiden.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Motivation der PatientInnen:
Frage 6: Sind über 80% der PatientInnen entsprechend Ihrer Erfahrung nach dem
Erstkontakt motiviert, soziarbeiterische Hilfe in Anspruch zu nehmen? (n=61)
75% der befragten ProfessionistInnen (51 Nennungen) sind der Meinung, dass 80% der
PatientInnen motiviert sind, nach dem Erstkontakt sozialarbeiterische Hilfe in Anspruch
zu nehmen. 13% (9 Nennungen) sind nicht dieser Meinung. 8 Personen haben diese
Frage nicht beantwortet. Da nur 2 Antwortmöglichkeiten vorhanden sind, kann auf eine
Grafik verzichtet werden.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
8.4 Inhaltliche Aufgaben der SozialarbeiterInnen
Unter diesem Kapitel fasse ich jene Fragen zusammen, die aufzeigen können, wie
häufig welche patientInnenbezogenen Aufgaben erledigt werden. Von Interesse sind die
Items: Arbeitssuche bzw. berufliche Rehabilitation, Wohnungssicherung, Antragstellung
bei
Ämtern,
Verschuldung
bzw.
Existenzsicherung,
Obsorgeregelung,
Beziehungsfragen, Tagesstruktur, besondere Problemstellungen und rechtliche Fragen.
Unterstützung bei Arbeitssuche bzw. berufliche Rehabilitation:
Frage 7: Wie häufig unterstützen Sie KlientInnen bei der Arbeitssuche bzw. bei
der beruflichen Rehabilitation?
(n=63)
15%
8%
15%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
37%
5 sehr häufig
25%
Abbildung 7: Arbeitssuche bzw. berufliche Rehabilitation
37% der ProfessionistInnen geben an, dass sie Ihre KlientInnen bei der Arbeitssuche
bzw. bei der beruflichen Rehabilitation häufig unterstützen (23 Nennungen). Die
Bezeichnung „sehr häufig“ verwenden 15% (9 Nennungen). Im Mittelbereich sammeln
sich 25%, die manchmal Unterstützung bei der Arbeitssuche anbieten (15 Nennungen).
15% (9 Nennungen) geben in dieser Hinsicht nur selten Hilfestellung. 8% haben diese
Aufgabe überhaupt nicht. Ich nehme an, dass hier jene geantwortet haben, die in der
Gerontopsychiatrie arbeiten.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Unterstützung bei der Wohnungssicherung:
Frage 8: Wie häufig unterstützen Sie KlientInnen bei der Wohnungssicherung?
(n=63)
20%
3%
21%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
20%
36%
Abbildung 8: Wohnungssicherung
Über die Hälfte der ExpertInnen der Sozialen Arbeit geben an, dass sie KlientInnen bei
der Wohnungssicherung „häufig“ (36%, 22 Nennungen) bis „sehr häufig“ (20%, 12
Nennungen) unterstützen. 20% (12 Nennungen) haben diese Aufgabe nur manchmal
auszuüben. Immerhin 21% (9 Nennungen) geben die Häufigkeit dieser Aufgabe mit
„selten“ an. Mit diesem Thema haben 3 % überhaupt nichts zu tun.
Unterstützung bei Antragstellungen bei Ämtern:
Frage 9: Wie häufig unterstützen Sie KlientInnen bei Antragstellungen bei
Ämtern?
(n=62)
2%
7%
7%
1 überhaupt nicht
47%
2 selten
3 manchmal
4 häufig
37%
5 sehr häufig
Abbildung 9: Antragstellung bei Ämtern
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Laut dieser Grafik scheint das Unterstützen bei Antragstellungen bei Ämtern eine der
häufigsten Aufgaben der SozialarbeiterInnen zu sein. 47% (29 Nennungen) tun dies
sehr häufig und 37% (23 Nennungen) häufig. Jeweils 7% (4 Nennungen) geben als
Häufigkeitskategorie „manchmal“ und „selten“ an. 2% (1 Nennung) gibt bei
Antragstellungen keine Unterstützung.
Unterstützung bei Verschuldung bzw. Existenzsicherung:
Frage 10: Wie häufig unterstützen Sie KlientInnen bei
Verschuldung/Existenzsicherung?
(n=62)
3%
16%
28%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
25%
5 sehr häufig
28%
Abbildung 10: Verschuldung bzw. Existenzsicherung
Insgesamt 56% der SozialarbeiterInnen unterstützen KlientInnen bei Verschuldung bzw.
Existenzsicherung sehr häufig (28%, 17 Nennungen) bis häufig (28%, 17 Nennungen).
25% (15 Nennungen) geben die Kategorie „manchmal“ an. Nur selten haben hier 16%
(10 Nennungen) Unterstützung anzubieten. 3% (2 Nennungen) haben diese Aufgabe
überhaupt nicht.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Unterstützung bei Obsorgeregelungen:
Frage 11: Wie häufig unterstützen Sie KlientInnen bei der Obsorgeregelung?
(n=61)
10%
(häufig)
0%
(sehr häufig)
18% (überhaupt nicht)
16%
(manchmal)
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
56% (selten)
Abbildung 11: Obsorgeregelung
Durch diese Befragung zeigt sich, dass Obsorgeregelungen von SozialarbeiterInnen in
psychiatrischen Kliniken kaum unterstützt werden. Die Kategorie „sehr häufig“ beträgt
0%. Nur 10% (6 Nennungen) haben damit häufig zu tun. 16% (10 Nennungen) geben
an, dass sie manchmal Unterstützung bei Obsorgeregelungen geben. Über die Hälfte
der befragten SozialarbeiterInnen (56%, 34 Nennungen) verwenden die Kategorie
„selten“. 18% (11 Nennungen) haben keine Aufgaben in diesem Bereich.
Unterstützung bei Beziehungsfragen:
Frage 12: Wie häufig unterstützen Sie KlientInnen bei Beziehungsfragen?
(n=64)
8%
5%
26%
27%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
34%
Abbildung 12: Beziehungsfragen
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Um mein Verständnis von Beziehungsfragen zu erläutern, ergänzte ich diese Frage mit
den Begriffen Trennungsproblematik, Gewalterfahrungen und Isolation. Der größte
Anteil
mit
34%
(21
Nennungen)
unterstützt
KlientInnen
manchmal
bei
Beziehungsfragen. 27% (17 Nennungen) führen diese Aufgabe häufig aus, 26% (16
Nennungen) hingegen selten. 8% (5 Nennungen) bieten Unterstützung sehr häufig an
und im Gegensatz dazu 5% (3 Nennungen) überhaupt nicht.
Unterstützung beim Finden einer Tagesstruktur:
Frage 13: Wie häufig unterstützen Sie KlientInnen beim Finden einer
Tagesstruktur?
(n=60)
2%
7%
32%
17%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
sehr häufig
42%
Abbildung 13: Tagesstruktur
60 Personen haben diese Frage beantwortet. Das Diagramm stellt dar, dass diese
Aufgabe auch zu den Hauptaufgaben der SozialarbeiterInnen in den psychiatrischen
Krankenanstalten zählen könnte. Der größte Anteil der befragten SozialarbeiterInnen
nämlich 42% (25 Nennungen) gibt an, häufig Unterstützung beim Finden einer
Tagesstruktur zu geben. Daran anschließend stellen 32% (19 Nennungen) ihre Hilfe
sehr häufig zur Verfügung. 17% verwenden die Kategorie „manchmal“. „Selten“ trifft für
7% (4 Nennungen) zu. 2% (1 Nennung) verwenden die Kategorie „überhaupt nicht“.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Unterstützung bei besonderen Problemstellungen:
Frage 14: Wie häufig unterstützen Sie KlientInnen bei besonderen
Problemstellungen (MigrantInnen, Haftentlassene, Besachwalterte,
Pflegebedürtige) ?
(n=62)
3%
13%
1 überhaupt nicht
34%
15%
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
35%
Abbildung 14: KlientInnen mit besonderen Problemstellungen
Mit KlientInnen mit besonderen Problemstellungen wie MigrantInnen, Haftentlassene,
besachwalterte
und/oder
pflegebedürftige
Personen
haben
die
befragten
SozialarbeiterInnen in Österreichs Psychiatrien häufig (35%, 22 Nennungen) bis sehr
häufig (34%, 21 Nennungen) zu tun. 15% (9 Nennungen) hingegen haben diese
Problemstellungen nur manchmal in ihrer Arbeit. 13% (8 Nennungen) kommen nur
selten in Kontakt mit KlientInnen, die derartige Problemstellungen mitbringen. Die
Kategorie „überhaupt nicht“ trifft auf 3% der SozialarbeiterInnen zu.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Unterstützung bei rechtlichen Fragen:
Frage 15: Wie häufig unterstützen Sie KlientInnen bei rechtlichen Fragen?
(n=64)
0%
(überhaupt nicht)
10%
33%
1 überhaupt nicht
26%
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
31%
Abbildung 15: Rechtliche Fragen
Laut dieser Grafik haben alle 64 befragten SozialarbeiterInnen mehr oder weniger mit
der Klärung von rechtlichen Fragen zu tun. 10% (6 Nennungen) geben an, dass sie nur
selten rechtliche Auskünfte geben. Bereits 26% (16 Nennungen) verwenden die
Häufigkeitskategorie „manchmal“. 31% (19 Nennungen) unterstützen KlientInnen bei
rechtlichen Fragen häufig und 33% (21 Nennungen) tun dies sogar sehr häufig.
Zusammenfassung der meistgenannten Aufgaben:
Ranking der meistgenannten Aufgaben (häufig bis sehr häufig)
90%
84%
80%
73%
70%
69%
63%
60%
55%
54%
51%
50%
40%
30%
Antragstellung bei Ämtern
Tagesstruktur
besondere Problemstellungen
Rechtliche Fragen
Existenzsicherung
Wohnungssicherung
Arbeitssuche
20%
10%
0%
Abbildung 16: Ranking meistgenannter Aufgaben
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Die
obige
Grafik
dient
der
Verdeutlichung
der
häufigsten
Aufgaben
der
SozialarbeiterInnen im Umgang mit PatientInnen in psychiatrischen Krankenanstalten.
Die Nennungen der Kategorien „häufig“ und „sehr häufig“ wurden addiert und jeweils zu
der Anzahl der SozialarbeiterInnen, die die jeweilige Frage beantwortet haben, in
Beziehung gesetzt. Dieses Vorgehen ergab die Häufigkeit in Prozentwerten der
einzelnen Aufgaben:
84% Unterstützung beim Stellen von Anträgen bei Ämtern
73% Hilfestellung beim Finden einer Tagesstruktur
69% Unterstützung bei besonderen Problemstellungen (MigrantInnen, Haftentlassene,
besachwalterte und/oder pflegebedürftige Personen)
63% Klärung von rechtlichen Fragen
55% Hilfe bei der Existenzsicherung
54% Unterstützung bei der Wohnungssicherung
51% Hilfe bei der Arbeitssuche
Weitere patientInnenbezogene Aufgaben:
Frage 16: Gibt es weitere patientInnenbezogene Aufgaben, die Sie häufig
ausführen?
Nachbetreuung
(n=30)
Vernetzung
Angehörigenarbeit
5
6
2
2
5
Soziales
Kompetenztraining
Gruppenarbeit
Krankenversicherung
Psychoedukation
2
Freizeitgestaltung
2
4
3
3
3
Entlassungsmanagement
Abstinenzförderung
Sonstige
Abbildung 17: Weitere patientenbezogene Aufgaben
Wie aus der Art der Fragestellung ableitbar, handelt es sich hierbei nicht um eine
geschlossene Frage, sondern um eine offene Frage. Ich habe alle Antworten zu dieser
Frage zusammengefasst und in Kategorien eingeteilt, um eine grafische Darstellung zu
ermöglichen. Dieses Diagramm wurde nicht mit Prozentwerten sondern mit Nennungen
Doris Pröll
Seite 66 von 122
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
beschriftet, damit auf einen Blick ersichtlich wird, wie viele Personen welche Kategorie
angegeben haben. Diese Fragestellung erlaubte, mehrere Aussagen festzuhalten. Die
befragten SozialarbeiterInnen haben laut eigenen Angaben folgende weitere Aufgaben:
Nachbetreuung (6 Nennungen), Vernetzung (5 Nennungen), Angehörigenarbeit (4),
Soziales
Kompetenztraining
(3),
Gruppenleitung/soziale
Gruppenarbeit
(3),
Versicherung (3), Psychoedukation (2), Freizeitgestaltung (2), Entlassungsmanagement
(2),
Abstinenzförderung
Psychotherapie
(1),
(2),
Sonstige:
Wohngemeinschaft-
Reha
und
Maßnahmen
(1),
Ambulante
Pflegeheimbesichtigung
(1),
Existenzsicherung (2)
Anliegen der PatientInnen:
Frage 17: Welche (3) Anliegen haben PatientInnen hauptsächlich?
(n=54)
Versorgung
Finanzielle Anliegen
Wohnsituation
Arbeitssuche
Betreuungsnetz
3%
2%
2% 2%
6%
1%
20%
Familie, soziale Kontakte
4%
Existenzsicherung
4%
Rechtliche Fragen
Behördengänge
4%
5%
18%
6%
Tagesstruktur/Freizeit
Heimplatz
6%
17%
Pension
Nachsorge
Hilfestellung bei Anträgen
Sonstige
Abbildung 18: Anliegen der PatientInnen
Die Antworten dieser offenen Frage wurde ebenfalls zusammengefasst und
kategorisiert. Daraus ergeben sich folgende Ergebnisse: 20% (31 Nennungen) der
ProfessionistInnen der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie geben an, dass KlientInnen
finanzielle Anliegen haben. Bedürfnisse hinsichtlich der Wohnsituation haben laut dieser
Grafik 18% (28 Nennungen). An dritter Stelle mit 17% (26 Nennungen) liegen die
Anliegen bezüglich der Arbeitssuche. Weitere Bedürfnisse der PatientInnen beziehen
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
sich auf: Betreuungsnetz 6%; Familie und soziale Kontakte 6%; Existenzsicherung 5%;
rechtliche Fragen, Behördengänge und Tagesstruktur bzw. Freizeit jeweils 4%;
Heimplatz 3%; Pension, Nachsorge und Hilfestellung bei Antragen jeweils 2%,
Versorgung 1% und Sonstige 6%. Unter Sonstige habe ich folgende Anliegen der
KlientInnen zusammengefasst: Schnelle Information, Kontakt mit Ärzten, Sachwalter,
Sozialtraining,
Krankengeld,
Abstinenzförderung,
Krisenintervention,
Klärung-
Beruhigung-Entlastung, Partizipation und Obdachlosigkeit.
Aufgaben der SozialarbeiterInnen im Stationsteam:
Frage 18. Welche Aufgaben haben Sie als SozialarbeiterIn im Stationsteam?
(n=62)
Organisieren von Helferkonferenzen
Informationsweitergabe
5%
14%
19%
Leitung bzw. Anwesenheit bei
Teambesprechungen
Beteiligung bei Teamsupervision
14%
26%
Beteiligung bei Teamintervision
22%
Sonstige
Abbildung 19: Aufgaben der SozialarbeiterInnen im Stationsteam
Die Hauptaufgabe der SozialarbeiterInnen im Stationsteam ist mit 26% (60 Nennungen)
die
Informationsweitergabe.
Folgend
ist
die
Leitung
bzw.
Anwesenheit
bei
Teambesprechungen mit 22% (51 Nennungen). 19% (43 Nennungen) organisieren
Helferkonferenzen. Jeweils 14% geben an, sich bei der Teamsupervision sowie bei der
Teamintervision zu beteiligen. Sonstige Aufgaben machen 5% (11 Nennungen) aus.
Alle
darunter
fallenden
Entlassungsmanagement,
Kommentare
inhaltliche
Leitung
führe
einer
ich
hier
Station,
wörtlich
Organisation
an:
der
Unterstützungsmaßnahmen nach der Entlassung, Koordination von Ärzten mit
Angehörigen,
Doris Pröll
Betreuern,
etc.,
Organisatorisches,
Inventar,
Wartung
des
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Abteilungsinternetauftrittes,
Wartung
des
DSA-Intranets,
Teambesprechungen,
Teilnahme an Abteilungsklausur, Organisation der Regionalkonferenz, Leitung des
Kunsthof
16,
Außenkontakte,
inoffizielle
Entlassungsgespräche,
Beratung
der
Angehörigen und der Patienten.
Unsicherheiten bei Aufgaben:
Frage 19: Gibt es Aufgaben, die Ihnen Unsicherheiten bereiten? (n=60)
Diese Frage haben 47 Personen mit „nein“ beantwortet und 13 Personen mit „ja“.
Frage 20: Wenn ja, welche Aufgaben bereiten Ihnen Unsicherheiten? (n=10)
Folgende wörtliche Antworten beziehen sich auf diese Frage:
Rechtliche Auskünfte (3 Nennungen), Asyl- u. Fremdenrecht, Entlassungsvorbereitung
bei zu kurzer Aufenthaltsdauer, z. B: Angehörigen eine Entlassung zu erklären, wenn
sich diese in erster Linie aus Platzmangel ergibt; das Dickicht der Ämter und Behörden;
Veränderung durch das CHG-Gesetz21 und deren Auswirkungen, Kontakte Jugendamt;
Versorgung dementer Patienten ohne Angehörige, neue Situationen – verschiedene
Meinungen
Allgemein lässt sich zusammenfassen, dass rechtliche Fragen Unsicherheiten bereiten.
21
Das CHG -Gesetz ist das Oberösterreichische Chancengleichheitsgesetz (vgl. www.ris.bka.gv.at).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Aufgabenschwerpunkte:
Frage 21: Gibt es Aufgabenschwerpunkte in Ihrer Arbeit? (n=55)
33 SozialarbeiterInnen haben diese Frage mit “ja“ beantwortet. 22 Personen geben an,
dass sie keine Aufgabenschwerpunkte in ihrer Arbeit haben.
Frage 22: Wenn ja, welche Aufgabenschwerpunkte sind dies?
(n=29)
15%
22%
15%
11%
15%
11%
11%
Existenzsicherung
Entlassungsmanagement
Arbeitssuche
Finanzielle Angelegenheiten
Wohnversorgung
Vernetzung
Sonstige
Abbildung 20: Aufgabenschwerpunkte
Diese
offene
Fragestellung
Aufgabenschwerpunkte
in
der
hat
Arbeit
folgende
mit
Antwortkategorien
psychiatrischen
ermöglicht:
PatientInnen
sind
Existenzsicherung, Entlassungsmanagement und Arbeitssuche mit jeweils 15% (je 4
Nennungen), finanzielle Angelegenheiten, Wohnversorgung und Vernetzung mit jeweils
11% (je 3 Nennungen) und Sonstige mit 22%. Unter Sonstige habe ich folgende
Wortmeldungen zusammengefasst: Ausgliederung von LangzeitpatientInnen, Alltag,
Gruppenleitung, Gruppenpsychotherapie, Konzeptverantwortung, Soziale Diagnostik.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
8.5 Methoden in der Praxis der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie
Dieses
Kapitel
stellt
eine
Zusammenfassung
jener
Methoden
dar,
die
SozialarbeiterInnen im Umgang mit psychiatrischen PatientInnen verwenden. Die
folgenden Grafiken sollen verdeutlichen, welche Methoden besonders gängig sind und
welche kaum Bedeutung haben. Meine Fragen richteten sich auch nach bestehenden
Unsicherheiten bezüglich der Anwendung von bestimmten Methoden und möglichen
Weiterentwicklungsprozessen.
Soziale Beratung:
Frae 23: Wie häufig führen Sie Soziale Beratung durch?
(n=60)
3% 0%
7%
10%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
80%
Abbildung 21: Soziale Beratung
Die Frage nach der Häufigkeit der Sozialen Beratung haben 60 Personen beantwortet.
80% (47 Nennungen) geben an, dass sie sehr häufig Soziale Beratung durchführen.
10% (6 Nennungen) bieten Soziale Beratung häufig an. Weniger bedeutend sind hier
die Kategorien „manchmal“ mit 7% (3 Nennungen) und „überhaupt nicht“ mit 3% (4
Nennungen). Die Kategorie „selten“ beträgt 0%.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Case Management:
Frage 24: Wie häufig führen Sie Case Management durch?
(n=60)
19%
7%
14%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
sehr häufig
31%
29%
Abbildung 22: Case Management
Case Management wird von 7% (4 Nennungen) überhaupt nicht als Methode der
Sozialen Arbeit in der Psychiatrie angewendet. 14% (8 Nennungen) der befragten
SozialarbeiterInnen üben Case Management nur selten aus. 29% (17 Nennungen)
verwenden die Kategorie „manchmal“, und 31% (19 Nennungen) entscheiden sich für
„häufig“. Immerhin 19% (11 Nennungen) geben an, diese Methode sehr häufig
durchzuführen.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Soziale Netzwerkarbeit:
Frage 25: Wie häufig führen Sie Soziale Netzwerkarbeit durch?
(n=59)
3%
7%
29%
27%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
34%
5 sehr häufig
Abbildung 23: Soziale Netzwerkarbeit
Am nennungsstärksten ist die Kategorie „häufig“ mit 34% (20 Nennungen). Gefolgt von
„sehr häufig“ mit 29% (17 Nennungen). Im Mittelbereich ordnen sich 27% (16
Nennungen) ein. 7% (4 Nennungen) führen Soziale Netzwerkarbeit nach eigenen
Angaben nur selten durch und 3% (2 Nennungen) überhaupt nicht.
Soziale Diagnostik:
Frage 26: Wie häufig führen Sie Soziale Diagnostik durch?
(n=58)
2%
26%
25%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
21%
26%
Abbildung 24: Soziale Diagnostik
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Die grafische Darstellung zur Häufigkeit der Anwendung der Sozialen Diagnostik ist im
Vergleich
zu
den
bisherigen
Grafiken
dadurch
auffällig,
dass
es
keine
Schwerpunktkategorie gibt. Die Antworten teilen sich zwischen den Kategorien
„selten“(25%), „manchmal“ (26%), „häufig (21%) und „sehr häufig“ (26%) beinahe zu
gleichen Teilen auf. 2% der SozialarbeiterInnen geben an, Soziale Diagnostik überhaupt
nicht durchzuführen.
Soziotherapie:
Frage 27: Wie häufig führen Sie Soziotherapie durch?
(n=59)
14%
19%
1 überhaupt nicht
15%
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
17%
35%
Abbildung 25: Soziotherapie
Die Frage zur Anwendung der Soziotherapie wurde nur von 59 Personen beantwortet.
Im Vergleich zu den anderen Methoden spielt laut dieser Grafik die Soziotherapie eine
eher untergeordnete Rolle in der Praxis der SozialarbeiterInnen in den Psychiatrien
Österreichs. 19% (11 Nennungen) führen die Soziotherapie überhaupt nicht durch. Der
überwiegende Anteil von 35% (21 Nennungen) ist nur selten damit beschäftigt. Die
Kategorie „manchmal“ trifft für 17% (10 Nennungen) zu. Nur 15% arbeiten häufig mit
Soziotherapie und 14% sehr häufig.
Doris Pröll
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Zusammenfassung der meistgenannten Methoden:
Ranking der meistgenannten Methoden (häufig bis sehr häufig)
100%
90%
90%
80%
70%
63%
Soziale Beratung
60%
51%
50%
Soziale
Netzwerkarbeit
47%
Case Management
40%
30%
29%
Soziale Diagnostik
20%
Soziotherapie
10%
0%
Abbildung 26: Ranking der meistgenannten Methoden
Die obige grafische Darstellung wurde in der gleichen Weise erstellt als das Ranking der
meistgenannten Aufgaben (siehe Kapitel 8.4). Die Prozentwerte der Häufigkeit der
angewendeten Methoden ergaben sich durch das Addieren der Kategorien „häufig“ und
„sehr häufig“ und in Beziehung setzen mit der entsprechenden Anzahl der antwortenden
SozialarbeiterInnen:
90% Soziale Beratung
63% Soziale Netzwerkarbeit
51% Case Management
47% Soziale Diagnostik
29% Soziotherapie
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Weitere Methoden:
Frage 28: Gibt es weitere Methoden, die Sie häufig anwenden?
(n=20)
Gruppenarbeit
Gesprächsführung
27%
37%
Krisenintervention
Mediation
systemische lebensweltorientierte
Sozialarbeit
9%
9%
9%
9%
Sonstige
Abbildung 27: Weitere Methoden
Um herauszufinden, welche Methoden SozialarbeiterInnen in der Praxis in diesem
Bereich noch anwenden, stellte ich diese offene Frage. Die zusammengefassten und
kategorisierten Antworten ergeben obige Grafik. Bei den Prozentwerten ist allerdings zu
beachten, dass nur 20 Personen weitere Methoden angeführt haben. Davon arbeiten
37% (8 Nennungen) mit Gruppen. Jeweils 9% (je 2 Nennungen) entfallen auf
Gesprächsführung, Krisenintervention, Mediation und systemische lebensweltorientierte
Sozialarbeit. Unter Sonstige (27%, 6 Nennungen) habe ich jene Methoden summiert,
die nur einmal vorkommen: Soziale Diagnostik, Familienarbeit, Psychoedukation,
systemische Beratung, Berufsinteressenstests und soziale Intervention.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Bedingungen für die Methodenauswahl:
Frage 29: Wodurch ist Ihre Methodenauswahl bedingt/beeinflusst?
(n=63)
Rahmenbedingungen wie Zeit,
Organisation
2%
persönliche Erfahrungen
27%
27%
ökonomische Überlegungen wie Aufwand
Teamvorstellungen
PatientInnen selbst
12%
10%
22%
Sonstige
Abbildung 28: Methodenauswahl
Die Einflusspunkte für die Methodenauswahl sind hauptsächlich Rahmenbedingungen
wie Zeit und Organisation (27%, 56 Nennungen), persönliche Erfahrungen (22%, 44
Nennungen) und PatientInnen selbst (27%, 54 Nennungen). Teamvorstellungen
kommen bei 12% (23 Nennungen) zum Tragen. Für 10% (19 Nennungen) sind
ökonomische Überlegungen wie Aufwand ausschlaggebend. Unter Sonstige (2%)
werden folgende Begründungen angegeben: Therapieziele des interdisziplinären Teams
mit den Patienten; Vorstellungen, Empfehlungen bzw. Bitten von anderen Institutionen,
wo Patienten bereits betreut werden; Ausbildungsstand, mein Selbstverständnis von
Sozialarbeit, ich bin kein Therapeut;
Unsicherheiten bei der Anwendung von Methoden:
Frage 30: Gibt es Methoden, die Ihnen Unsicherheiten bereiten? (n=56)
Meine Motivation hinter dieser Fragestellung war, zu erfahren, ob mehrere
SozialarbeiterInnen unter ähnlichen Unsicherheiten in ihrer Arbeit leiden. Das Ergebnis
zeigt allerdings, dass es anscheinend unter den SozialarbeiterInnen, die in
psychiatrischen Krankenanstalten tätig sind, kaum Unsicherheiten in der Methodik gibt.
Die Frage zum Vorhandensein von Unsicherheiten wurde von 7 Personen mit „ja“
beantwortet und von 49 Personen mit „nein“.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Frage 31: Wenn ja, welche sind das? (n=6)
Die folgenden Unsicherheiten wurden jeweils nur einmal genannt: systemische
Gesprächsführung, Angehörigenarbeit, Soziotherapie, Krisenmanagement, Je nach
Situation und PatientIn unterschiedlich, Teamvorstellungen.
Aufgrund der Tatsache, dass kaum Unsicherheiten vorhanden sind, ist auch kein
weiterer Vergleich möglich.
Weiterentwicklung von Methoden:
Frage 32: Gibt es Methoden, die Sie im Lauf Ihrer beruflichen Tätigkeit (im
psychiatrischen Bereich) weiterentwickelt haben? (n=55)
32 SozialarbeiterInnen bejahten diese Frage. 23 Personen gaben an, keine Methoden
weiterzuentwickeln.
Frage 33: Wenn ja, welche sind dies? (Gibt es Methoden, die Sie im Lauf Ihrer
beruflichen Tätigkeit (im psychiatrischen Bereich) weiterentwickelt haben?)
(n=31)
Soziotherapie
Soziale Diagnostik
5
8
Soziale Netzwerkarbeit
4
Case Management
Soziale Beratung
Suchtberatung
Systemische Sozialarbeit
2
2
4
Gruppenleitung
Gesprächstechniken
2
2
3
3
Sonstige
Abbildung 29: Weiterentwicklung von Methoden
Dieses Diagramm habe ich nicht wie bei den übrigen Grafiken mit Prozentwerten
beschriftet sondern mit Nennungen, da sich nur 31 Personen zu dieser Frage geäußert
haben. Mehrmals haben Weiterentwicklungen stattgefunden bezüglich Soziotherapie (5
Nennungen), Soziale Diagnostik und Soziale Netzwerkarbeit (je 4 Nennungen), Case
Management und Soziale Beratung (je 3 Nennungen). Je 2 Personen gaben an, dass
sie die Methoden in der Suchtberatung, systemische Sozialarbeit, Gruppenleitung und
Gesprächstechniken weiterentwickelt haben. Die 8 Nennungen in der Kategorie
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Sonstige führe ich wörtlich an: Psychotherapeutische Intervention bei älteren Menschen;
Social Skills; sämtliche Methoden; Erfahrung; Ausbildung in systemischen Arbeiten;
Familiengespräch; Mediation und Teamarbeit.
8.6 Vernetzung/Nachsorge
In diesem Fragenkapitel möchte ich herausfiltern, mit welchen Einrichtungen
SozialarbeiterInnen in welchem Ausmaß vernetzt sind und wo zuwenig konstruktiver
Informationsaustausch herrscht. Außerdem interessiert mich die Fragestellung, ob es
Lücken im psychosozialen Versorgungsnetz auch in anderen Bundesländern gibt, und
welche das sind.
Arbeitsrehabilitation:
Frage 34: Haben Sie mit Einrichtungen der Arbeitsrehabilitation mehrmals im
Jahr persönlichen oder telefonischen Kontakt?
(n=58)
16%
1 überhaupt nicht
2%
34%
2 selten
3 manchmal
4 häufig
24%
5 sehr häufig
24%
Abbildung 30: Arbeitsrehabilitation
SozialarbeiterInnen in den psychiatrischen Krankenanstalten haben sehr häufig (34%,
20
Nennungen)
bis
häufig
(24%,
14
Nennungen)
mit
Einrichtungen
der
Arbeitsrehabilitation persönlichen oder telefonischen Kontakt. 24% (14 Nennungen)
geben an, nur manchmal mit diesen Institutionen zu tun zu haben. 2% (1 Nennung) hat
nur selten telefonischen oder persönlichen Kontakt. Bei 16% (9 Nennungen) der
SozialarbeiterInnen findet eine Vernetzung in dieser Hinsicht überhaupt nicht statt.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Betreute Wohneinrichtungen:
Frage 35: Haben Sie mit betreuten Wohneinrichtungen mehrmals im Jahr
persönlichen oder telefonischen Kontakt?
(n=59)
3%
5%
10%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
22%
60%
5 sehr häufig
Abbildung 31: Betreute Wohneinrichtungen
Auffallend ist bei diesem Diagramm, dass 60% der SozialarbeiterInnen (35 Nennungen)
mit betreuten Wohnformen sehr häufig Kontakt haben und 22% (13 Nennungen) einen
häufigen Kontakt angeben. Die Kategorie „manchmal“ verwenden 10% (6 Nennungen).
Für nur 5% (3 Nennungen) trifft die Kategorie „selten“ zu und für 3% (2 Nennungen) gilt
die Einteilung „überhaupt nicht“.
Sozialamt:
Frage 36: Haben Sie mit dem Sozialamt mehrmals im Jahr persönlichen oder
telefonischen Kontakt?
(n=59)
2%
41%
3%
32%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
22%
sehr häufig
Abbildung 32: Sozialamt
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Insgesamt besteht zu 63% der Kontakt zwischen den in Psychiatrien beschäftigten
SozialarbeiterInnen und dem Sozialamt sehr häufig (41%, 24 Nennungen) bis häufig
(22%, 13 Nennungen). 32% der SozialarbeiterInnen sind nur manchmal mit dem
Sozialamt in Verbindung. Ein sehr geringer Prozentsatz hat auch angegeben, selten
(3%, 2 Nennungen) bis überhaupt nicht (2%, 1 Nennung) mit dem Sozialamt zu tun zu
haben.
Wohnungsamt:
Frage 37: Haben Sie mit dem Wohnungsamt mehrmals im Jahr persönlichen
oder telefonischen Kontakt?
(n=58)
7%
14%
1 überhaupt nicht
29%
19%
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
31%
Abbildung 33: Wohnungsamt
Der Kontakt mit dem Wohnungsamt scheint laut dieser Grafik nicht so bedeutend zu
sein als mit dem Sozialamt. Die größten Anteile der SozialarbeiterInnen haben nur
manchmal (31%, 18 Nennungen) bzw. selten (29%, 17 Nennungen) mit dem
Wohnungsamt Kontakt. Häufig bis sehr häufig trifft für 19% (11 Nennungen) und 14% (8
Nennungen) zu. 7% (4 Nennungen) haben keine Verbindung mit dem Amt.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Tagesstrukturierende Einrichtungen:
Frage 38: Haben Sie mit tagesstrukturierenden Einrichtungen mehrmals im Jahr
persönlichen oder telefonischen Kontakt?
(n=59)
0%
(überhhaupt nicht)
12%
1 überhaupt nicht
37%
24%
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
27%
Abbildung 34: Tagesstrukturierende Einrichtungen
Der Kontakt zu tagesstrukturierenden Einrichtungen hat für SozialarbeiterInnen in der
Psychiatrie laut dieser Grafik eine besondere Wichtigkeit, denn 37% (22 Nennungen)
haben sehr häufigen und 27% (16 Nennungen) häufigen Kontakt zu diesen
psychosozialen Einrichtungen. Die Kategorie „manchmal“ trifft für 24% (14 Nennungen)
zu. 12% (7 Nennungen) haben „selten“ markiert. Die Kategorie „überhaupt nicht“ hat
niemand verwendet.
Doris Pröll
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Schuldenberatung:
Frage 39: Haben Sie mit der Schuldenberatung mehrmals im Jahr persönlichen
oder telefonischen Kontakt?
(n=57)
12%
7%
21%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
26%
5 sehr häufig
34%
Abbildung 35: Schuldenberatung
Die Frage nach dem Kontakt mit der Schuldenberatung ergibt ein eher ausgewogenes
Bild. Die größte Kategorie ist „manchmal“ mit 34% (19 Nennungen). Daran
anschließend ist ein häufiger Kontakt mit 26% (15 Nennungen). 21% (12 Nennungen)
sind nur selten mit der Schuldenberatung in Verbindung und 7% (4 Nennungen)
überhaupt nicht. Hingegen gibt es SozialarbeiterInnen in Psychiatrien, die sehr häufigen
Kontakt mit der Schuldenberatung pflegen (12%, 7 Nennungen).
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Sozialmedizinischer Dienst:
Frage 40: Haben Sie mit dem Sozialmedizinischen Dienst mehrmals im Jahr
persönlichen oder telefonischen Kontakt?
(n=58)
20%
20%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
13%
26%
21%
Abbildung 36: Sozialmedizinischer Dienst
Diese Darstellung legt die Vermutung nahe, dass je nach psychiatrischer Abteilung
mehr oder weniger Kontakt mit dem Sozialmedizinischen Dienst besteht. Bis auf die
Kategorie „häufig“, die nur 13% (7 Nennungen) aufweist, sind alle anderen
Möglichkeiten zu ähnlich großen Prozentsätzen verteilt: 20% (11 Nennungen) haben
keinen Kontakt zum Sozialmedizinischen Dienst. Für 26% (15 Nennungen) trifft „selten“
zu. Im Mittelbereich (manchmal) befinden sich 21% (12 Nennungen). Sehr häufigen
Kontakt geben 20% (11 Nennungen) an.
Doris Pröll
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Arbeitsmarktservice:
Frage 41: Haben Sie mit dem Arbeitsmarktservice mehrmals im Jahr
persönlichen oder telefonischen Kontakt?
(n=56)
9%
27%
9%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
25%
5 sehr häufig
30%
Abbildung 37: Arbeitsmarktservice
57% der SozialarbeiterInnen in Psychiatrien haben häufigen (30%, 16 Nennungen) bis
sehr häufigen (27%, 15 Nennungen) Kontakt mit dem Arbeitsmarktservice. Im Mittelfeld
bei „manchmal“ liegen 25% (14 Nennungen). Je 9% (je 7 Nennungen) haben nur selten
oder überhaupt keine Verbindung zum Arbeitsmarktservice.
Krankenversicherungsanstalten:
Frage 42: Haben Sie mit den Krankenversicherungsanstalten mehrmals im Jahr
persönlichen oder telefonischen Kontakt?
(n=59)
2%
3%
16%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
57%
22%
5 sehr häufig
Abbildung 38: Krankenversicherungsanstalten
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Unter den Spitzenreitern der Einrichtungen, mit denen SozialarbeiterInnen sehr
häufigen
Kontakt
haben,
sind
mit
57%
(33
Nennungen)
die
Krankenversicherungsanstalten vertreten. Häufigen Kontakt haben immerhin noch 22%
(13 Nennungen). 16% haben diesbezüglich manchmal Verbindung. Verschwindend
gering sind die Werte bei der Kategorien „selten“ (3%, 2 Nennungen) und „überhaupt
nicht“ (2%, 1 Nennung).
Pensionsversicherungsanstalten:
Frage 43: Haben Sie mit den Pensionsversicherungsanstalten mehrmals im
Jahr persönlichen oder telefonischen Kontakt?
(n=59)
5%
2%
12%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
56%
25%
Abbildung 39: Pensionsversicherungsanstalten
Die Ergebnisse zu dieser Frage ähneln sehr stark denen der vorhergehenden Frage.
Daher
zähle
ich
sie
hier
nur
mehr
kurz
auf.
Kontakte
zu
den
Pensionsversicherungsanstalten: sehr häufig: 56% (33 Nennungen), häufig: 25% (15
Nennungen), manchmal: 12% (7 Nennungen), selten: 2% (1 Nennung), überhaupt nicht:
5% (3 Nennungen)
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Bewährungshilfe:
Frage 44: Haben Sie mit der Bewährungshilfe mehrmals im Jahr persönlichen
oder telefonischen Kontakt?
(n=59)
7%
14%
22%
1 überhaupt nicht
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
24%
33%
Abbildung 40: Bewährungshilfe
Mit der Bewährungshilfe besteht bei 22% (13 Nennungen) überhaupt kein Kontakt und
bei 33% (20 Nennungen) nur selten. 24% (14 Nennungen) geben an, dass sie nur
manchmal mit der Bewährungshilfe Kontakt haben. Häufiger bis sehr häufiger Kontakt
besteht nur bei 14% (8 Nennungen) und bei 7% (4 Nennungen) der SozialarbeiterInnen.
Entzugskliniken:
Frage 45: Haben Sie mit Entzugskliniken mehrmals im Jahr persönlichen oder
telefonischen Kontakt?
(n=61)
10%
20%
1 überhaupt nicht
15%
2 selten
3 manchmal
4 häufig
5 sehr häufig
22%
33%
Abbildung 41: Entzugskliniken
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Die größten Prozentsätze teilen sich unter den ersten 3 Kategorien auf: 20% der 61
SozialarbeiterInnen
(12
Nennungen)
haben
überhaupt
keinen
Kontakt
mit
Entzugskliniken. „Selten“ trifft für 33% (19 Nennungen) zu. 22% (13 Nennungen) haben
manchmal Verbindung mit solchen Einrichtungen. 15% (9 Nennungen) bezeichnen den
Kontakt als häufig und 10% (6 Nennungen) als sehr häufig.
Ranking der Vernetzung zwischen Einrichtungen und SozialarbeiterInnen:
Ranking meistgenannter Einrichtungen (häufig bis sehr häufig)
90%
81%
81%
80%
78%
70%
64%
Betreute Wohnformen
63%
60%
59%
50%
40%
Pensionsversicherung
Krankenversicherung
Tagesstrukturierende
Einrichtungen
Sozialamt
30%
Arbeitsrehabilitation
20%
10%
0%
Abbildung 42: Ranking meistgenannter Einrichtungen
Diese Grafik (erstellt wie in Kapitel 8.4 und 8.5) zeigt, mit welchen Einrichtungen die
befragten SozialarbeiterInnen am häufigsten vernetzt sind:
81% Vernetzung mit betreuten Wohnformen
81% Pensionsversicherung
78% Krankenversicherung
64% Tagesstrukturierende Einrichtungen
63% Sozialamt
59% Arbeitsrehabilitation
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Informationsaustausch:
Frage 46: Mit welchen Einrichtungen würden Sie sich mehr
Informationsaustausch wünschen?
(n=18)
Arbeitsamt
4
11
3
Ambulante
Beratungsstellen
Jugendamt
Sozialamt
Sonstige
3
4
Abbildung 43: Mehr Informationsaustausch gewünscht
Da diese offene Frage nur 18 Personen beantwortet haben, verwende ich hier wieder
Nennungen anstatt Prozentwerte zur Beschriftung der Grafik. Je 4 SozialarbeiterInnen
würden sich mehr Kontakt mit dem Arbeitsamt sowie mit dem Sozialamt wünschen. Je 3
SozialarbeiterInnen zeigen das Bestreben, mit ambulanten Beratungsstellen sowie mit
dem Jugendamt mehr in Verbindung zu stehen zu wollen. Unter der Kategorie
„Sonstige“ habe ich alle einzelnen Antworten zusammengefasst: Reha-Einrichtungen,
Migranteninstitutionen,
Sachwalterschaft,
Bezirksgericht,
Grundsicherung,
Hauskrankenpflege,
Pflegeheime,
Notschlafstellen,
Sozialmedizinischer
Dienst,
Pensionsversicherung und Sozialversicherung.
Psychosoziale Versorgungseinrichtungen:
Frage
47:
Gibt
es
nach
Ihrer
Erfahrung
genügend
psychosoziale
Versorgungseinrichtungen? (n=57)
Diese Frage haben 54 SozialarbeiterInnen mit „nein“ beantwortet. 3 Personen waren
der Meinung, dass es genügend psychosoziale Versorgungseinrichtungen gibt.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Frage 48: Wenn nein, welche psychosozialen Einrichtungen fehlen bzw. sind
zuwenig ausgebaut?
(n=53)
betreute Wohnformen
mobile Betreuung
Tagesstrukturierende
Einrichtungen
Arbeit am 2. Arbeitsmarkt
20%
2%
2%
45%
kostenlose Psychotherapie
Notschlafstellen
2%
3%
Sachwalter
5%
Entzugskliniken
11%
10%
Sonstige
Abbildung 44: Psychosoziale Einrichtungen
Die Frage 48 hatte keine vorgegebenen Antwortkategorien. Daher habe ich alle
Antworten zusammengefasst und in Kategorien eingeteilt. Dadurch entstand obige
Grafik. Diese Frage kann eindeutig beantwortet werden, da von 53 SozialarbeiterInnen
45% der Meinung sind, dass betreute Wohnformen fehlen bzw. zuwenig ausgebaut
sind.
Weil
einzelne
Personen
mehrere
fehlende
betreute
Wohnformen
mit
unterschiedlichen Schwerpunkten anführten, ergibt das eine Anzahl von 40 Nennungen.
Dies macht den größten Anteil aus. Alle weiteren ausbaufähigen Einrichtungen laut den
Befragten sind: Mobile (sozialpsychiatrische) Betreuung (10%, 9 Nennungen),
Tagesstrukturierende Einrichtungen (11%, 10 Nennungen), Arbeitsmöglichkeiten am 2.
Arbeitsmarkt (5%, 5 Nennungen), mehr kostenlose Psychotherapie (3%, 3 Nennungen),
Notschlafstellen, professionelle Sachwalter und Entzugskliniken zu je 2% (2
Nennungen). Folgende Einrichtungen kommen jeweils einmalig vor: Psychosozialer
Dienst für gerontopsychiatrische PatientInnen,
Psychosoziales Zentrum, Einrichtung für forensische PatientInnen, Tageszentren für
ältere PatientInnen, Spezialangebote für Essstörungen und Persönlichkeitsstörungen,
Alleinerziehende
Alkoholiker,
Erkrankte;
Pflege
Männerberatungsstellen,
zuhause,
Psychosoziale
Freizeiteinrichtungen,
Einrichtungen
für
Landespflegeheime,
suchtspezifische Tageskliniken bzw. ambulante Tageszentren für Suchtkranke,
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
spezielle Frauenangebote, bessere personelle Kapazitäten in der Nachbetreuung,
Krisendienste, Beratungsstellen, psychiatrische Hauskrankenpflege.
Die Kategorie der fehlenden bzw. zuwenig ausgebauten betreuten Wohnformen gliedert
sich wie folgt auf: Die Aussagen der PraktikerInnen zu den fehlenden bzw. zuwenig
vorhandenen
betreuten
Wohnformen
unterscheiden
sich
in
bezug
auf
die
Aufenthaltsdauer der PatientInnen, der Zielgruppe, das Alter und der Art der Betreuung.
Unterscheidungen in der Aufenthaltsdauer: Übergangswohnen bzw. Kurzzeitwohnen
und Dauerwohnplätze;
Unterscheidung bezüglich der Zielgruppe: Demenzkranke, forensische PatientInnen,
PatientInnen mit Suchtproblemen, PatientInnen mit Persönlichkeitsstörungen, Mütter mit
Kindern. Unterscheidung nach dem Alter: Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene,
Unterscheidung in der Art der Betreuung: sozialpädagogisch, therapeutisch bzw.
sozialtherapeutisch, niedrigschwellig bis intensiv betreut.
8.7 Veränderungswünsche und Visionen der PraktikerInnen
Dieses Fragekapitel besteht aus einer geschlossenen Frage und zwei offenen Fragen.
Mein Ziel ist, herauszufinden, welche Wünsche und Veränderungsvorschläge
SozialarbeiterInnen in der Praxis haben.
Veränderungswünsche:
Frage 49: Haben Sie Veränderungswünsche betreffend...?
(n=50)
5%
12%
6%
Arbeitsausmaß
Arbeitsinhalte
Fortbildungen
KlientInnenkontakt
47%
28%
Nachsorgeeinrichtungen
Sonstige
2%
Abbildung 45: Veränderungswünsche
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Beinahe die Hälfte der befragten SozialarbeiterInnen haben Veränderungswünsche
betreffend den Nachsorgeeinrichtungen (47%, 38 Nennungen). Den zweiten größeren
Teil mit 28% (23 Nennungen) sind auf Fortbildungen bezogen. 12% (10 Nennungen)
können sich ein anderes Arbeitsausmaß vorstellen. Wünsche bezüglich den
Arbeitsinhalten haben 6% (5 Nennungen) und bezüglich dem KlientInnenkontakt 2% (2
Nennungen). Sonstige Veränderungswünsche beziehen sich auf folgende Bereiche:
therapeutisches
Konzept,
organisatorische
Rahmenbedingungen
der
Arbeit,
Psychotherapiekosten; mehr Personal für die Stationen; eigenes Büro.
Visionen und Ideen der SozialarbeiterInnen:
Frage 50: Welche Veränderungsvisionen bzw. -ideen haben Sie? (n=30)
Die SozialarbeiterInnen in den psychiatrischen Anstalten Österreichs antworteten wie
folgt:
•
„Mehr Fortbildungsangebote (5 Nennungen)
•
Ausbau von psychosozialer Nachsorge (3 Nennungen) (mobile Wohnbetreuung)
•
Therapiebereiche mit geringen Wartezeiten (2 Nennungen)
•
Optimierung der Vernetzung (2 Nennungen) – auch mit sozialpolitischen
Entscheidungsträgern
•
Verbesserung
der
Organisationsstrukturen
(2
Nennungen)
–für
SozialarbeiterInnen innerhalb der Kliniken
•
Mehr ambulant –weniger stationär
•
Arbeitszeit reduzieren
•
Optimierung von Arbeitsabläufen
•
Mitarbeit in der Weiterentwicklung des therapeutischen Konzeptes
•
Einbindung in ein Nahtstellenmanagement
•
Aufnahme von forensischen PatientInnen in bestehende Einrichtungen für
psychisch Kranke
•
Anbieter: niedrigschwellig und ethisch
•
Mehr Budget für Sozialarbeit
•
Mehr zeitliche Ressourcen
•
Akutbereiche ohne Bettendruck
•
Optimale räumliche Ausstattung
•
Anerkennung durch die Leitung
•
Adäquate Behandlung für alle PatientInnen
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
•
Mehr kostenlose Therapieplätze für Menschen mit geringem Einkommen
•
Mehr interdisziplinäres Zusammenarbeiten“
Anmerkungen der SozialarbeiterInnen:
Frage 51: Zusätzliche Anmerkungen, Mitteilungen, Ergänzungen? (n=3)
3 SozialarbeiterInnen fügten anschließende Bemerkungen an:
•
Klinische Sozialarbeit ist ein unabdingbarer Beitrag einer ganzheitlichen
Behandlung im psychiatrischen und somatischen Bereich;
•
Weniger Dokumentation;
•
Sozialarbeit sollte durch mehr Öffentlichkeitsarbeit einen höheren Stellenwert in
der Gesellschaft erhalten;
8.8 Zusammenfassung der Grundergebnisse
Um eine gewisse Übersichtlichkeit zu schaffen, fasse ich die wichtigsten Ergebnisse der
Fragen zusammen, bevor ich zu den Hypothesen und den zusätzlich ableitbaren
Fragestellungen komme.
Der Großteil der befragten SozialarbeiterInnen (29%) ist zwischen 25 und 30 Jahre alt.
Beinahe 75% der PraktikerInnen, die an der Studie teilgenommen haben, sind Frauen.
Am nennungsstärksten waren die Bundesländer Oberösterreich und Steiermark, wo
auch große psychiatrische Krankenanstalten angesiedelt sind. Es hat sich gezeigt, dass
die SozialarbeiterInnen hauptsächlich in den Allgemein- und Akutpsychiatrien tätig sind
(über 50%). Überraschend ist, dass die Gemeinde- und Sozialpsychiatrie nur einmal
genannt
wurde.
Fast
50%
arbeiten
mit
KurzzeitpatientInnen.
Die
häufigsten
Krankheitsbilder der PatientInnen, mit denen SozialarbeiterInnen zu tun haben, sind
affektive Störungen und Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.
Laut den Aussagen der PraktikerInnen sind über 80% der PatientInnen motiviert, nach
dem Erstkontakt sozialarbeiterische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Die Fragen nach den inhaltlichen Aufgaben ergaben folgende Ergebnisse: Zu den
Hauptaufgaben bei den geschlossenen Fragestellungen gehört an erster Stelle die
Unterstützung bei Antragstellungen bei Ämtern. Platz zwei nimmt die Hilfe beim Finden
einer Tagesstruktur ein. Dritter Aufgabenschwerpunkt ist die Unterstützung von
KlientInnen mit besonderen Problemstellungen wie MigrantInnen, Haftentlassene,
besachwalterte und/oder pflegebedürftige Personen. An vierter Stelle befindet sich die
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Hilfe bei rechtlichen Fragen. Dazu kommen noch durch die folgende offene Frage
Nachbetreuung und Vernetzung als am häufigsten genannte Punkte.
Die Hauptanliegen der PatientInnen sind erstens finanzielle Anliegen, zweitens Anliegen
die Wohnsituation betreffend und drittens die Unterstützung bei der Arbeitssuche.
Unsicherheiten bei inhaltlichen Aufgaben scheint es kaum zu geben. Am ehesten
wurden Unsicherheiten in Verbindung mit rechtlichen Auskünften und im Kontakt mit
Ämtern genannt.
Die vorgegebenen Fragestellungen beziehend auf die Häufigkeit der angewandten
Methoden ergeben folgendes Bild: Erwatungsgemäße Spitzenreiterin der Methoden ist
die Soziale Beratung gefolgt von der Sozialen Netzwerkarbeit. An dritter Stelle fungiert
mit Abstand die Soziale Diagnostik. An vierter Stelle wird Case Management platziert.
Erstaunlicherweise findet laut dieser Studie Soziotherapie kaum statt. Durch die
folgende offene Frage kommt noch die Methode der Gruppenarbeit hinzu. Auch
hinsichtlich der Anwendung der sozialarbeiterischen Methoden scheinen laut dieser
Befragung kaum Unsicherheiten vorhanden zu sein. Allerdings geben 31 Personen an,
verschiedene Methoden im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit weiterentwickelt zu haben.
Öfter genannt werden in dieser Hinsicht Soziotherapie, Soziale Netzwerkarbeit und
Soziale Diagnostik.
Die Fragen bezüglich der Vernetzung mit (Nachsorge-)Einrichtungen ergeben folgende
Ergebnisse: Am häufigsten stehen SozialarbeiterInnen, die in psychiatrischen
Krankenanstalten tätig sind, mit betreuten Wohneinrichtungen in Kontakt. Darauf folgen
sehr häufige Kontakte mit Kranken- und Pensionsversicherungsanstalten. Mit einigem
Abstand folgen das Sozialamt und tagesstrukturierende Einrichtungen. Alle weiteren
erfragten Einrichtungen werden weniger oft kontaktiert. Die Ergebnisse bezüglich des
Wunschs nach mehr Informationsaustausch fallen nicht so hoch aus als erwartet.
Grundsätzlich dürfte der Informationsaustausch bei den meisten SozialarbeiterInnen
eher zufrieden stellend sein. Nur das Arbeitsamt und Sozialamt werden hier mehrmals
genannt.
Es gibt nicht genügend psychosoziale Einrichtungen. 45% geben an, dass vor allem
betreute Wohnformen für unterschiedliche Zielgruppen fehlen bzw. zuwenig ausgebaut
sind.
Veränderungswünsche der SozialarbeiterInnen beziehen sich hauptsächlich auf
Nachsorgeeinrichtungen und Fortbildungen. Auffallend ist auch, dass auch bei den
offenen Fragen fast ausschließlich nur Wünsche zu Gunsten der Betreuung der
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
PatientInnen genannt werden und kaum Ideen bezüglich der eigenen Arbeit oder des
eigenen Verdienstes. Dass mehr Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden sollte, wird auch
nur einmal erwähnt. Ich vermute, dass der rote Faden meiner Fragestellungen die
SozialarbeiterInnen dazu gebracht hat, in diesem Sinne weiterzudenken und keine
neuen, von PatientInnen unabhängigen, Ideen zu bringen. Es könnte aber auch der Fall
sein, dass zuerst an das Wohl der PatientInnen und das damit verbundene
Erfolgserlebnis, wenn z. b. eine adäquate Wohnversorgung zustande kommt, an erster
Stelle steht, bevor die öffentliche Anerkennung zum Thema wird.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
9 Beantwortung der Hypothesen & Forschungsfragen
9.1 Verifizierung der Hypothesen
Hypothese
1:
SozialarbeiterInnen
in
psychiatrischen
Krankenanstalten
haben
unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte in ihrer Arbeit mit PatientInnen in den einzelnen
Bundesländern.
Um diese Hypothese verifizieren zu können, waren einige Arbeitsschritte notwendig. Zu
Beginn wurden jene Bundesländer gefiltert, aus denen die meisten SozialarbeiterInnen
geantwortet haben. Dies sind Oberösterreich (17 Nennungen), Steiermark (14
Nennungen), Wien (9 Nennungen), Salzburg (8 Nennungen) und Tirol (6 Nennungen).
Auf die Daten der übrigen Bundesländer kann bei dieser Fragestellung verzichtet
werden,
da
aufgrund
der
geringen
Anzahl
an
SozialarbeiterInnen
keine
aussagekräftigen Ergebnisse ableitbar sind. Als zweiten Arbeitsschritt werden die
meistgenannten Aufgaben der PraktikerInnen mit den angegebenen Bundesländern
korreliert. Dadurch ist folgende grafische Darstellung entstanden.
Aufgabenschwerpunkte in den Bundesländern
16
Nennungen (häufig & sehr häufig)
14
Arbeitssuche
12
Wohnungssicherung
10
Antragstellung bei Ämtern
Existenzsicherung
8
Tagesstruktur
Besondere Problemstellungen
6
Rechtliche Fragen
4
2
0
OÖ
(n=17)
ST
(n=14)
W
(n=9)
S
(n=8)
T
(n=6)
Bundesländer
Abbildung 46: Aufgabenschwerpunkte in den Bundesländern
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Bei dem obigen Diagramm ist die unterschiedliche Anzahl von SozialarbeiterInnen aus
den einzelnen Bundesländern zu beachten. Es zeigt sich deutlich, dass alle
angegebenen Aufgaben in allen angeführten Bundesländern durchgeführt werden.
In Oberösterreich und der Steiermark sind die Aufgaben bezüglich der Arbeitssuche und
der Wohnungssicherung weniger stark vertreten. In Salzburg und Tirol gehören diese
allerdings zu den höchsten Anteilen.
Unterstützung bei Antragstellungen bei Ämtern bieten hauptsächlich Oberösterreich und
die Steiermark an.
Die Existenzsicherung spielt in Oberösterreich, Steiermark, Wien und Tirol eine eher
untergeordnete Rolle.
Das Unterstützen beim Finden einer Tagesstruktur ist bei allen angegebenen
Bundesländern in einem höheren Bereich angesiedelt.
Besonders das Bundesland Oberösterreich hat mit besonderen Problemstellungen wie
MigrantInnen, Haftentlassene, besachwalterte und/oder pflegebedürftige Personen zu
tun.
In Salzburg machen Unterstützungen bei rechtlichen Fragen gemeinsam mit
Wohnungssicherung und Existenzsicherung den höchsten Anteil aus. Auch in
Oberösterreich und eventuell die Steiermark sind bei rechtlichen Angelegenheiten zu
erwähnen, weil diese höher angelegt sind.
Spitzenreiter bei den Aufgaben sind in:
•
Oberösterreich: Antragstellungen bei Ämtern, besondere Problemstellungen
•
Steiermark: Antragstellungen bei Ämtern
•
Wien: Antragstellungen bei Ämtern
•
Salzburg: Wohnungssicherung, Existenzsicherung und rechtliche Fragen
•
Tirol: Antragstellungen bei Ämtern, Tagesstruktur, besondere Problemstellungen
Die Hypothese 1 kann daher nur zu einem sehr geringen Teil bestätigt werden. Das
Ergebnis lautet: SozialarbeiterInnen in psychiatrischen Krankenanstalten haben
ähnliche bis gleiche Arbeitsschwerpunkte in ihrer Arbeit mit PatientInnen in den
einzelnen Bundesländern.
Hypothese
2:
SozialarbeiterInnen
in
psychiatrischen
Krankenanstalten
haben
Veränderungs- bzw. Verbesserungswünsche bezüglich ihrer Arbeitsbedingungen.
Diese Hypothese kann eindeutig mit ja beantwortet werden. Hauptsächlich beziehen
sich die Antworten auf Nachsorgeeinrichtungen und Fortbildungen. Siehe Kapitel 8.7.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Hypothese 3: PatientInnen in psychiatrischen Krankenanstalten sind grundsätzlich
motiviert, sozialarbeiterische Hilfestellungen in Anspruch zu nehmen.
Auch diese Hypothese kann bestätigt werden. Siehe grafische Darstellung im Kapitel
8.3.
Hypothese 4: Hauptanliegen der PatientInnen in psychiatrischen Krankenanstalten an
SozialarbeiterInnen betreffen finanzielle Angelegenheiten.
Zur Beantwortung kann Frage 17 (siehe Kapitel 8.4) herangezogen werden. Daraus
ergibt sich folgendes Ergebnis. An erster Stelle steht die finanzielle Problematik, an
zweiter
die
Wohnsituation
und
anschließend
folgen
Anliegen
bezüglich
der
Arbeitssuche. Somit kann auch diese Hypothese bejaht werden.
Hypothese 5: Die Vernetzung zwischen den Krankenanstalten und den nachsorgenden
Einrichtungen funktioniert nur mangelhaft.
Nennungen (häufig bis sehr häufig)
Häufigkeit der Vernetzung der SozialarbeiterInnen mit folgenden Einrichtungen
Arbeitsrehabilitation
Betreute Wohnformen
Sozialamt
Tagesstrukturierende Einrichtungen
Krankenversicherung
Pensionsversicherung
OÖ
(n=17)
ST
(n=14)
W
(n=9)
S
(n=8)
T
(n=6)
Abbildung 47: Häufigkeit der Vernetzung der SozialarbeiterInnen mit Einrichtungen
Diese grafische Darstellung zeigt, dass SozialarbeiterInnen in Krankenanstalten mit den
nachsorgenden Einrichtungen vernetzt sind. Unterschiede beziehen sich auf die Arten
der Einrichtungen.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Die SozialarbeiterInnen in Oberösterreich (17 Nennungen) haben den häufigsten
Kontakt mit den Versicherungsanstalten (Krankenversicherung, Pensionsversicherung).
Mit dem Sozialamt ist die Vernetzung deutlich schwächer.
In der Steiermark (14 Nennungen) sind die SozialarbeiterInnen mit allen angegebenen
Einrichtungen in einem ähnlichen Ausmaß vernetzt.
In Wien (9 Nennungen) sind die betreuten Wohnformen und die Pensionsversicherung
an oberster Stelle bezüglich der Kontaktaufnahme.
Die SozialarbeiterInnnen in Salzburg (8 Nennungen) haben den häufigsten Kontakt mit
den betreuten Wohnformen. Mit tagesstrukturierenden Einrichtungen und mit dem
Sozialamt ist die Vernetzung eher gering.
Im Bundesland Tirol (6 Nennungen) liegt die Krankenversicherung an der Spitze. An
letzter Stelle wird die Arbeitsrehabilitation angegeben.
Die Hypothese 5 kann daher in dieser generellen Form nicht bestätigt werden. Mit
einzelnen Einrichtungen wie Versicherungsanstalten und betreuten Wohnformen sind
die SozialarbeiterInnen der Krankenanstalten in den angeführten Bundesländern sehr
häufig in Kontakt. Die Vernetzung mit den Sozialämtern (mit den Ausnahmen
Steiermark und Tirol) ist nur gering.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
9.2 Beantwortung der Forschungsfragen
1) Wie sieht die konkrete Praxis von SozialarbeiterInnen in Österreichs psychiatrischen
Krankenanstalten aus?
Diese Forschungsfrage lässt sich mit dem Kapitel 8.8 Zusammenfassung der
Grundergebnisse zum Großteil beantworten.
Hinzu kommt noch der Vergleich zwischen den praktischen Aussagen und der
theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Teilweise stimmen Theorie und
Praxis überein. Bei manchen Punkten driften die Fakten allerdings auseinander. Zum
Einen ist dies der Fall, weil die berufliche Praxis der SozialarbeiterInnen aufgrund
verschiedener Rahmenbedingungen nicht immer der Theorie entsprechen kann. Zum
Anderen entsteht bei quantitativen als auch teilweise bei qualitativen Befragungen auch
ein gewisses Verständigungsproblem, wenn theoretische Konzepte in der Metaebene
zur praktischen Diskussion gestellt werden. Hier stellt sich auch die Frage, wie die
PraktikerInnen zu ihren Antworten kommen. Wie sehr ist der Realitätsbezug gegeben?
Kennen die PraktikerInnen alle theoretischen Begriffe, die in der Befragung
vorkommen? Antworten sie nach Kategorien?
Im aktuellen Theorie- und Praxis-Vergleich fällt auf, dass die Befragten bei der Frage
nach der Anwendung von Methoden in ihrem Arbeitsfeld keine Methoden in Bezug auf
die eigene Profession angeben. Im Kapitel 4.4 sind dies Methoden wie Selbstreflexion,
Selbstevaluation, Intervision und Supervision. Der Grund dafür könnte sein, dass ich
nicht gezielt danach gefragt habe, sondern nur eine offene Antwortkategorie gewählt
habe. Als weiteren Grund vermute ich, dass man bei dem Begriff „Methode“ zuerst an
Vorgehensweisen im Umgang mit PatientInnen denkt. Die Methode der Soziotherapie
kommt in der diesbezüglichen Literatur sehr häufig vor. Sie zieht sich durch von der
Sozialen Arbeit allgemein bis in die Arbeit mit PsychiatriepatientInnnen im Besonderen.
Die Wichtigkeit und die damit zu verfolgenden Ziele lassen sich deutlich herauslesen. In
der empirischen Befragung allerdings geben 19% der antwortenden SozialarbeiterInnen
an, dass sie Soziotherapie überhaupt nicht durchführen. Es bleiben immer noch 35%,
die zwar angeben, dass sie Soziotherapie kennen aber nur selten anwenden. Ich
nehme an, dass dieser Begriff nicht allen PraktikerInnen bekannt ist. Viele werden
Soziotherapie vielleicht eher der Bezeichnung „Gruppenarbeit“ zuordnen. Bei der Frage
nach Unsicherheiten in der Methodenanwendung wird Soziotherapie genannt. Viele
PraktikerInnen werden „einzelfallorientiert“ arbeiten und daher wird Soziotherapie im
Sinne der Milieutherapie auch keine große Rolle spielen. In der Literatur wird Case
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Management als eine übliche und notwendige Methode in der Sozialen Arbeit
bezeichnet, die in der Psychiatrie Anwendung findet. Wenn man allerdings diese
Aussage mit den Antworten der befragten PraktikerInnen vergleicht, sieht das Bild
etwas anders aus. 50% geben an, dass sie Case Management überhaupt nicht bis
manchmal durchführen. Ich nehme an, dass bei diesem Begriff Unsicherheiten
bestehen, und die Antworten daher in dieser Form ausgefallen sind. Die theoretischen
und praktischen Aussagen bezüglich der Sozialen Netzwerkarbeit sind hingegen eher
übereinstimmend. In der Literaturrecherche hat sich gezeigt, dass die Sozial- und
Gemeindepsychiatrie ein großer und bedeutender Bereich im Psychiatriewesen ist.
Allerdings wurde diese Antwortkategorie als möglicher Arbeitsbereich nur einmal
gewählt,
was
mich
eher
verwundert.
Dies
könnte
bedeuten,
dass
in
sozialpsychiatrischen Anstalten weniger SozialarbeiterInnen tätig sind. Ein anderer
Grund könnte sein, dass PraktikerInnen unter Sozial- und Gemeindepsychiatrie auch
Tätigkeiten in der Allgemeinpsychiatrie verstehen. Ausschlaggebend für das Ergebnis
dürfte
auch
der
Umstand
gewesen
sein,
dass
nur
SozialarbeiterInnen
in
Krankenanstalten befragt wurden. Die meisten sozialpsychiatrischen Einrichtungen sind
aber extramural (siehe Kapitel 7.1). Die Methode des Empowerments kommt nur in der
theoretischen
Auseinandersetzung
vor.
In
der
Literatur
wird
u.a.
Kritik
an
Nachsorgeeinrichtungen ausgeübt, insofern, dass die psychiatrische Vollversorgung
eine Chronifizierung der PatientInnen bewirken kann. Die SozialarbeiterInnen in der
Praxis geben hingegen überdurchschnittlich oft an, dass Nachsorgeeinrichtungen mehr
oder weniger österreichweit fehlen oder zuwenig ausgebaut sind. Der Begriff
Entlassungsmanagement kommt in der empirischen Befragung relativ häufig vor,
obwohl ich nicht gezielt danach gefragt habe. In der Literatur werden Variablen
angegeben, die das Gelingen von Entlassungsmanagement bedingen. Dazu gehört u.a.
eine ausreichende Vernetzung. Das Kapitel 8.6 zeigt, dass diese Vernetzung zwischen
SozialarbeiterInnen und diversen Einrichtungen gegeben ist. Die Methode der
Psychoeduktion kommt sowohl in der Theorie als auch in der Praxis vor.
Ein alarmierendes Signal zeigt sich in der empirischen Auswertung bezüglich der
Wohnversorgung von PsychiatriepatientInnen. Wie schon erwähnt gehört diese zu den
Hauptbedürfnissen
der
Betroffenen.
Die
SozialarbeiterInnen
können
diese
Grundbedürfnisse allerdings nur sehr eingeschränkt befriedigen, weil adäquate
Einrichtungen zum Großteil fehlen. Da verwundert es nicht, dass sich der Hauptanteil
der befragten SozialarbeiterInnen besonders einen diesbezüglichen Ausbau wünscht.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Wenn man die genannten Unsicherheiten mit den Zukunftswünschen kombiniert, könnte
man
zu
folgendem
Schluss
kommen:
SozialarbeiterInnen
in
psychiatrischen
Krankenanstalten benötigen und wünschen sich Fortbildungen im rechtlichen Bereich.
Regelmäßige Fortbildungsangebote für Methodenanwendung in der Sozialen Arbeit
würden nach den Auswertungsergebnissen auch in Anspruch genommen werden.
Zusammenfassend lässt sich die Behauptung aufstellen, dass die Soziale Arbeit in den
einzelnen Bundesländern nicht auffallend voneinander abweicht. Zum Großteil sind die
PraktikerInnen mit ähnlichen Problemsituationen konfrontiert.
Lösungsmöglichkeiten für ihren Arbeitsbereich sehen sie hauptsächlich in einem
Ausbau von psychosozialen Versorgungsnetzen mit den jeweilig erforderlichen
Kriterien:
niedrigschwellig,
ethisch,
adäquat,
mobil,
ambulant
und
kostenlos.
Rahmenbedingungen dafür sind: ausreichendes Budget für den Sozialbereich, zeitliche
Ressourcen für die Betreuung und eine optimale räumliche Ausstattung.
In einigen Bereichen streben SozialarbeiterInnen eine Optimierung der Vernetzungen
an. Interdisziplinäre Vernetzungstreffen könnten vermehrt ausgebaut werden, um diese
Berufsgruppe zu stärken.
2) Welche Zukunftsideen und –Visionen kommen in diesem Arbeitsfeld vor?
Zur Beantwortung dieser Frage können die Aussagen zu den Fragen 49 und 50
herangezogen werden (siehe Kapitel 8.7). Hauptpunkte sind wie schon erwähnt
Wünsche nach dem Ausbau von Nachsorgeeinrichtungen, ein größeres Angebot an
Fortbildungen und eine Optimierung von Vernetzungen.
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
9.3 Handlungsempfehlungen
Da die Online-Befragung eine relativ hohe Rücklaufquote erzielt hat, nehme ich an,
dass die befragten SozialarbeiterInnen an einem weiteren beruflichen Austausch
interessiert wären. Es würde sich sogar eine österreichweite Vernetzung der
Berufsgruppe anbieten. Konkret könnte dies auch über eine Internetplattform organisiert
werden. Inhalte könnten Hinweise für Fortbildungsveranstaltungen und diverse
Vernetzungstreffen
sein.
Dies
könnte
u.a.
auch
eine
Chance
bieten,
die
Öffentlichkeitsarbeit in diesem Bereich voranzutreiben. Weiters könnten spezifische
Fortbildungsangebote
wie
best-practise-Beispiele
und
Weiterentwicklungen
von
Methoden wie z.B. der Soziale Diagnostik organisiert werden.
Die Ergebnisse dieser Diplomarbeit könnten auch als Ausgangspunkt für weiterführende
differenzierte Fragestellungen in diesem Bereich herangezogen werden.
Doris Pröll
Seite 103 von 122
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
10 Literaturverzeichnis
10.1 Bücher
Ansen,
Harald:
Klaus/Thiersch,
Soziale
Hans
Beratung
(Hrsg):
in
Praxis
prekären
Lebenslagen
Lebensweltorientierter
In:
Grunwald,
Sozialer
Arbeit.
Handlungszugänge und Methoden in unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Weinheim und
München: Juventa Verlag 2004
Atteslander,
Peter/Kop,
Manfred:
Befragung.
In:
Roth,
Erwin
(Hrsg.):
Sozialwissenschaftliche Methoden. Lehr- und Handbuch für Forschung und Praxis.
Wien, München: Oldenburg Verlag1995
Atteslander, Peter/Kopp, Manfred: Befragung. In: Roth, Erwin/Holling, Heinz (Hrsg.):
Sozialwissenschaftliche Methoden. Lehr- und Handbuch für Forschung und Praxis.
Wien, München: R. Oldenbourg Verlag 1999
Binner, Ulrich/Ortmann, Karlheinz: Klinische Sozialarbeit als Sozialtherapie. In:
Ortmann, Karlheinz/Röh, Dieter (Hrsg.): Klinische Sozialarbeit. Konzepte. Praxis.
Perspektiven. Freiburg im Breisgau: Lambertus -Verlag 2008
Bosshard, Marianne/Ebert, Ursula/Lazarus, Horst: Sozialarbeit und Sozialpädagogik in
der Psychiatrie. Bonn: Psychiatrie-Verlag 1999
Brosch, Werner: Psychiatrie. Eine Einführung für Psychotherapeuten, Psychologen und
andere professionelle Helfer. Wien: Orac Verlag 1995
Chassè, Kar August/Wenierski, Hans-Jürgen (Hrsg): Praxisfelder der Sozialen Arbeit.
Eine Einführung. Weinheim und München: Juventa Verlag 2004
Clausen, Jens/Dresler, Klaus-d., Eichenbrenner, Ilse: Soziale Arbeit im Arbeitsfeld
Psychiatrie. Eine Einführung. Freiburg im Breisgau: Lambertus-Verlag: 1996
Doris Pröll
Seite 104 von 122
Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Dörner, Klaus/Plog, Ursula/Teller, Christine/ Wendt, Frank: Irren ist menschlich.
Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie. Bonn: Psychiatrie-Verlag 2002
Dörr Margret: Soziale Arbeit in der Psychiatrie. München: Ernst Reinhardt Verlag 2005
Fachlexikon der sozialen Arbeit. Frankfurt am Main: Deutscher Verein für öffentliche und
private Fürsorge – Eigenverlag: 2002
Gahleitner,
Silke/Hahn,
Gernot
(Hg.):
Klinische
Sozialarbeit.
Zielgruppen
und
Arbeitsfelder. Beiträge zur psychosozialen Praxis und Forschung 1. Bonn: PsychiatrieVerlag 2008
Galuske, Michael: Methoden der Sozialen Arbeit. Eine Einführung. Weinheim und
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Herberich, Stefanie/Lenz, Elisabeth: Allgemeinpsychiatrie In: Hinsch, Rüdiger/Pfingsten,
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Herriger, Norbert: Empowerment in der Sozialen Arbeit. Eine Einführung. Stuttgart.
Berlin. Köln: Verlag W. Kohlhammer 2002
Huber, Gerd: Psychiatrie. Lehrbuch für Studium und Weiterbildung. Stuttgart:
Schattauer Verlagsgesellschaft 1999
Klicpera, Christiian/Gasteiger Klicpera, Barbara: Soziale Dienste. Anforderungen,
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Kottler, Anna: Psychosoziale Beratung in der Klinischen Sozialarbeit. Bedarf und
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Handlungszugänge
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unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Weinheim und München: Juventa Verlag 2004
Obert, Klaus: Alltags- und lebensweltorientiertes sozialpsychiatrisches Handeln In:
Grunwald, Klaus/Thiersch, Hans (Hrsg.): Praxis Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit.
Handlungszugänge und Methoden in unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Weinheim und
München: Juventa Verlag 2004
Otto, Hans-Uwe/Oelerich, Gertrud/Micheel, Heinz-Günter: Mehr als ein Anfang.
Empirische Forschung in der Sozialen Arbeit In: Empirische Forschung und Soziale
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Pauls, Helmut: Klinische Sozialarbeit. Grundlagen und Methoden psychosozialer
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Pearson, Richard E.: Beratung und soziale Netzwerke. Eine Lern- und Praxisanleitung
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Pfingsten,
Ulrich:
Soziale
Kompetenzen
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Kompetenzprobleme
In:
Hinsch,
Rüdiger/Pfingsten, Ulrich: Gruppentraining sozialer Kompetenzen GSK. Grundlagen.
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Doris Pröll
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Röttgers, Hanns Rüdiger/Nedjat, Schide: Psychiatrie für Sozialberufe. Krankheitslehre –
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Schaffer, Hanne: Empirische Sozialforschung für die Soziale Arbeit. Eine Einführung.
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Schaub, Heinz-Alex: Klinische Sozialarbeit. Ausgewählte Theorien, Methoden und
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Staub-Bernasconi, Silvia: Soziale Probleme - Soziale Berufe – Soziale Praxis In: Heiner,
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Stemmer
Lück,
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Psychoanalytische Theorien und ihre Anwendung in der Praxis. Stuttgart: Kohlhammer
Verlag 2004
Steinböck, Herbert: Forensik und Gemeindepsychiatrie In: Steinböck, Herbert/Berger,
Heinrich (Hrsg): Ist die Psychiatrie der richtige Ort? Zum Verhältnis von forensischer
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Thole, Werner (Hrsg): Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch.
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Ballew, Julius/Mink, George: Was ist Case Management? In: Unterstützung fallweise.
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Doris Pröll
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Wien:
Österreichischer
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Ortmann, Karlheinz: Entwicklungen und Potenziale der gesundheitsbezogenen
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Berufsverband Diplomierter SozialarbeiterInnen: 2/2008
Pantucek, Peter: Professionalisierung durch Soziale Diagnostik? In: SiÖ Sozialarbeit in
Österreich. Zeitschrift für Soziale Arbeit, Bildung und Politik. Gesundheit –
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Wien:
Österreichischer
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Diplomierter SozialarbeiterInnen: 4/2007
Schröer, Ulrike: Diagnostik – Konfrontation mit einem Reizwort. Zeitschrift für Soziale
Arbeit, Bildung und Politik. Gesundheit – Herausforderung für die Sozialarbeit. Wien:
Österreichischer Berufsverband Diplomierter SozialarbeiterInnen: 4/2007
Zimmermann, Siegfried: Arbeitsfelder, Methoden und Arbeitsinhalte der Sozialarbeit. In:
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
10.3 Internet
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Doris Pröll
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http://www.ris.bka.gv.at/Land/
http://www.voycer.com
http://www.grafstat.de
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11 Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Alter der befragten SozialarbeiterInnen.................................................................52
Abbildung 2:SozialarbeiterInnen in den einzelnen Bundesländern ............................................53
Abbildung 3: Psychiatrische Abteilungen...................................................................................54
Abbildung 4: Behandlungsdauer der PatientInnen.....................................................................55
Abbildung 5: Zuweisungsform der PatientInnen ........................................................................56
Abbildung 6: Krankheitsbilder der PatientInnen .........................................................................57
Abbildung 7: Arbeitssuche bzw. berufliche Rehabilitation ..........................................................59
Abbildung 8: Wohnungssicherung .............................................................................................60
Abbildung 9: Antragstellung bei Ämtern.....................................................................................60
Abbildung 10: Verschuldung bzw. Existenzsicherung................................................................61
Abbildung 11: Obsorgeregelung ................................................................................................62
Abbildung 12: Beziehungsfragen...............................................................................................62
Abbildung 13: Tagesstruktur......................................................................................................63
Abbildung 14: KlientInnen mit besonderen Problemstellungen ..................................................64
Abbildung 15: Rechtliche Fragen...............................................................................................65
Abbildung 16: Ranking meistgenannter Aufgaben .....................................................................65
Abbildung 17: Weitere patientenbezogene Aufgaben ................................................................66
Abbildung 18: Anliegen der PatientInnen...................................................................................67
Abbildung 19: Aufgaben der SozialarbeiterInnen im Stationsteam ............................................68
Abbildung 20: Aufgabenschwerpunkte ......................................................................................70
Abbildung 21: Soziale Beratung ................................................................................................71
Abbildung 22: Case Management .............................................................................................72
Abbildung 23: Soziale Netzwerkarbeit .......................................................................................73
Abbildung 24: Soziale Diagnostik ..............................................................................................73
Abbildung 25: Soziotherapie......................................................................................................74
Abbildung 26: Ranking der meistgenannten Methoden .............................................................75
Abbildung 27: Weitere Methoden ..............................................................................................76
Abbildung 28: Methodenauswahl...............................................................................................77
Abbildung 29: Weiterentwicklung von Methoden .......................................................................78
Abbildung 30: Arbeitsrehabilitation ............................................................................................79
Abbildung 31: Betreute Wohneinrichtungen...............................................................................80
Abbildung 32: Sozialamt............................................................................................................80
Abbildung 33: Wohnungsamt ....................................................................................................81
Abbildung 34: Tagesstrukturierende Einrichtungen ...................................................................82
Abbildung 35: Schuldenberatung...............................................................................................83
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
Abbildung 36: Sozialmedizinischer Dienst .................................................................................84
Abbildung 37: Arbeitsmarktservice ............................................................................................85
Abbildung 38: Krankenversicherungsanstalten..........................................................................85
Abbildung 39: Pensionsversicherungsanstalten ........................................................................86
Abbildung 40: Bewährungshilfe .................................................................................................87
Abbildung 41: Entzugskliniken...................................................................................................87
Abbildung 42: Ranking meistgenannter Einrichtungen ..............................................................88
Abbildung 43: Mehr Informationsaustausch gewünscht .............................................................89
Abbildung 44: Psychosoziale Einrichtungen ..............................................................................90
Abbildung 45: Veränderungswünsche .......................................................................................91
Abbildung 46: Aufgabenschwerpunkte in den Bundesländern ...................................................96
Abbildung 47: Häufigkeit der Vernetzung der SozialarbeiterInnen mit Einrichtungen.................98
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12 Anhang
12.1 Psychiatrische Krankenanstalten in Österreich
1. Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien (W)
2. Anton
Proksch-Institut
Stiftung
Genesungsheim
Kalksburg,
Abteilung
für
Drogenabhängige (NÖ)
3. Anton-Proksch-Institut
Wien,
Sonderheilanstalt
für
Alkoholkranke
und
Drogenabhängige Wien-Kalksburg (W)
4. Bezirkskrankenhaus Kufstein (T)
5. Christian-Doppler-Klinik Salzburg - Universitätsklinikum der PMU (S)
6. Kardinal Schwarzenberg'sches Krankenhaus (S)
7. Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie Bad Aussee (ST)
8. Klinikum Wels-Grieskirchen (OÖ)
9. Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt (B)
10. Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz-Eggenberg (ST)
11. Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel (W)
12. Krankenhaus St. Josef Braunau (OÖ)
13. Krankenhaus Stiftung Maria-Ebene Frastanz (V)
14. Landesklinik St. Veit (S)
15. Landesklinikum Donauregion Tulln (NÖ)
16. Landesklinikum Mostviertel Amstetten-Mauer (NÖ)
17. Landesklinikum Thermenregion Baden-Mödling (NÖ)
18. Landesklinikum Thermenregion Neunkirchen (NÖ)
19. Landesklinikum Waldviertel Zwettl-Gmünd-Waidhofen/Thaya (NÖ)
20. Landesklinikum Weinviertel Hollabrunn (NÖ)
21. Landeskrankenhaus Klagenfurt (K)
22. Landeskrankenhaus Rankweil (V)
23. Landeskrankenhaus Steyr (OÖ)
24. Landeskrankenhaus Universitätsklinik Innsbruck (T)
25. Landeskrankenhaus Villach (K)
26. Landeskrankenhaus Vöcklabruck (OÖ)
27. Landeskrankenhaus-Universitätsklinikum Graz (ST)
28. Landesnervenklinik Sigmund Freud Graz (ST)
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
29. Oberosterreichische Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg (OÖ)
30. Privatklinik Hochrum - Sanatorium der Kreuzschwestern Innsbruck (T)
31. Privatklinik St. Radegund für Innere Medizin, Psychiatrie, Neurologie, Orthopädie
und Geriatrie/Gerontologie (ST)
32. Psychiatrisches Krankenhaus des Landes Tirol (T)
33. Sonderkrankenanstalt Haus am Walde Treffen (K)
34. Sonderkrankenanstalt Marienhof (NÖ)
35. Sonderkrankenanstalt Neutillmitsch-Gralla (ST)
36. Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe - Otto Wagner-Spital mit
Pflegezentrum (W)
37. Sozialmedizinisches Zentrum Ost der Stadt Wien - Donauspital (W)
38. Sozialmedizinisches Zentrum Süd, Kaiser-Franz-Josef-Spital mit Gottfried von
Preyer'schem Kinderspital (W)
39. Therapiezentrum Ybbs (W)
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
12.2 Der Fragebogen
Fragebogen zu den Praxiserfahrungen
1. In welchem psychiatrischen Bereich arbeiten Sie?
Mehrfachnennungen sind möglich!
Allgemeinpsychiatrie
Gemeinde- und Sozialpsychiatrie
Akutpsychiatrie
Psychosomatik
Kinder- und
Jugendpsychiatrie
Gerontopsychiatrie
Forensische Psychiatrie
psychiatrische Rehabilitation
Suchtbereich
2. In welchem Bundesland arbeiten Sie?
Vorarlberg
Steiermark
Tirol
Niederösterreich
Salzburg
Wien
Kärnten
Burgenland
Oberösterreich
PatientInnen
3. Arbeiten Sie mit
Mehrfachnennungen sind möglich!
LangzeitpatientInnen
(durchschnittlicher Aufenthalt 3
Monate oder länger)
KurzzeitpatientInnen
(durchschnittlicher Aufenthalt unter 3
Monaten)
ambulante PatientInnen
4. Wie erfolgt die Zuweisung der PatientInnen zur Sozialen Arbeit?
Mehrfachnennungen sind möglich!
Pflegepersonal
PatientInnen selbst
SozialarbeiterInnen
Ärzteschaft
5. Mit welchen Krankheitsbildern bzw. psychischen Beeinträchtigungen haben Sie in
Ihrer Arbeit hauptsächlich zu tun?
Mehrfachnennungen sind möglich!
Organische, einschließlich
symptomatischer psychischer
Störungen
psychische und Verhaltensstörungen
durch psychotrope Substanzen
Doris Pröll
Persönlichkeits- und
Verhaltensstörungen
Intelligenzstörungen
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Schizophrenie, schizotype und
wahnhafte Störungen
Entwicklungsstörungen
Verhaltens- und emotionale
Störungen mit Beginn in der
Kindheit und Jugend
Nicht näher bezeichnete psychische
Störungen
Affektive Störungen
Neurotische, Belastungs- und
somatoforme Störungen
Verhaltensauffälligkeiten mit
körperlichen Störungen
6. Sind über 80% der PatientInnen entsprechend Ihrer Erfahrung nach dem Erstkontakt
motiviert, sozialarbeiterische Angebote in Anspruch zu nehmen?
ja
nein
Inhaltliche Aufgaben der SozialarbeiterInnen
7. Wie häufig führen Sie folgende Aufgaben aus? (bezogen auf PatientInnen)
Unterstützung bei Arbeitssuche/berufliche Rehabilitation
Mehrfachnennungen sind möglich!
überhaupt nicht
1
2
3
4
5
sehr häufig
8. Unterstützung bei Wohnungssicherung
überhaupt nicht 1
2
3
4
5
sehr häufig
9. Unterstützung bei Antragstellungen bei Ämtern
überhaupt nicht 1
2
3
4
5 sehr häufig
10. Unterstützung bei Verschuldung/Existenzsicherung
überhaupt nicht 1
2
3
4
5 sehr häufig
11. Unterstützung bei Obsorgeregelungen
überhaupt nicht 1
2
3
4
5
sehr häufig
12. Unterstützung bei Beziehungsfragen (Trennungsproblematik, Gewalterfahrungen,
Isolation)
überhaupt nicht 1
2
3
4
5 sehr häufig
13. Unterstützung beim Finden einer Tagesstruktur
überhaupt nicht 1
2
3
4
5 sehr häufig
14. Unterstützung bei besonderen Problemstellungen (MigrantInnen, Haftentlassene,
Besachwalterte, Pflegebedürftige)
überhaupt nicht 1
2
3
4
5 sehr häufig
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
15. Unterstützung bei rechtlichen Fragen
überhaupt nicht 1
2
3
4
5
sehr häufig
16. Gibt es weitere patientInnenbezogene Aufgaben, die Sie häufig ausführen?
17. Welche drei Anliegen haben PatientInnen hauptsächlich?
18. Welche Aufgaben haben Sie als SozialarbeiterIn im Stationsteam ?
Mehrfachnennungen sind möglich!
Organisieren von Helferkonferenzen
Beteiligung bei Teamsupervision
Informationsweitergabe
Beteiligung bei Teamintervision
Leitung bzw. Anwesenheit bei
Teambesprechungen
19. Gibt es Aufgaben, die Ihnen Unsicherheiten bereiten?
ja
nein
20. Wenn ja, welche Aufgaben bereiten Ihnen Unsicherheiten?
21. Gibt es Aufgabenschwerpunkte in Ihrer Arbeit?
ja
nein
22. Wenn ja, welche Aufgabenschwerpunkte sind dies?
Methoden
23. Welche folgenden Methoden wenden Sie hauptsächlich an?
Soziale Beratung
überhaupt nicht 1
2
3
4
5 sehr häufig
2
3
4
5 sehr häufig
2
3
4
5 sehr häufig
24. Case Management
überhaupt nicht 1
25. Soziale Netzwerkarbeit
überhaupt nicht 1
26. Soziale Diagnostik
Doris Pröll
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
überhaupt nicht 1
2
3
4
5 sehr häufig
2
3
4
5 sehr häufig
27. Soziotherapie
überhaupt nicht 1
28. Gibt es weitere Methoden, die Sie häufig anwenden?
29. Wodurch ist Ihre Methodenauswahl bedingt/beeinflusst?
Mehrfachnennungen sind möglich!
Rahmenbedingungen wie Zeit,
Organisation
Teamvorstellungen
persönliche Erfahrungen
PatientInnen selbst
ökonomische Überlegungen wie
Aufwand
30. Gibt es Methoden, die Ihnen Unsicherheiten bereiten?
ja
nein
31. Wenn ja, welche Unsicherheiten sind das?
32. Gibt es Methoden, die Sie im Lauf Ihrer beruflichen Tätigkeit (im psychiatrischen
Bereich) weiterentwickelt haben?
nein
ja
33. Wenn ja, welche sind das?
Vernetzung / Nachsorge
34. Haben Sie mit den folgenden (Nachsorge-) Einrichtungen mehrmals im Jahr
persönlichen oder telefonischen Kontakt?
Arbeitsrehabilitation
überhaupt nicht
2
3
4
5
sehr häufig
35. betreute Wohneinrichtungen
überhaupt nicht 1
2
3
4
5
sehr häufig
36. Sozialamt
überhaupt nicht
1
2
3
4
5
sehr häufig
37. Wohnungsamt
überhaupt nicht
1
2
3
4
5
sehr häufig
Doris Pröll
1
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Social Tranquilizer – Soziale Arbeit in der Psychiatrie
38. Tagesstrukturierende Einrichtungen
überhaupt nicht 1
2
3
4
5
sehr häufig
39. Schuldenberatung
überhaupt nicht
1
2
3
4
5
sehr häufig
40. Sozialmedizinischer Dienst
überhaupt nicht 1
2
3
4
5
sehr häufig
41. Arbeitsmarktservice
überhaupt nicht 1
3
4
5
sehr häufig
42. Krankenversicherungsanstalten
überhaupt nicht 1
2
3
4
5
sehr häufig
43. Pensionsversicherungsanstalten
überhaupt nicht 1
2
3
4
5
sehr häufig
44. Bewährungshilfe
überhaupt nicht
1
2
3
4
5
sehr häufig
45. Entzugskliniken
überhaupt nicht
1
2
3
4
5
sehr häufig
2
46. Mit welchen Einrichtungen würden Sie sich mehr Informationsaustausch wünschen?
47. Gibt es nach Ihrer Erfahrung genügend psychosoziale Versorgungseinrichtungen?
ja
nein
48. Wenn nein, welche psychosozialen Einrichtungen fehlen bzw. sind zuwenig
ausgebaut?
Persönliche Stellungnahme
49. Haben Sie Veränderungswünsche betreffend
Mehrfachnennungen sind möglich!
Arbeitsausmaß
KlientInnenkontakt
Arbeitsinhalte
Nachsorgeeinrichtungen
Doris Pröll
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Fortbildungen
50. Welche Veränderungsvisionen bzw. -ideen haben Sie?
51. Zusätzliche Anmerkungen, Mitteilungen, Ergänzungen?
Persönliche Daten
52. Alter
Jahre
53. Geschlecht
weiblich
männlich
54. Wie lange sind Sie bereits im psychiatrischen Bereich tätig?
Jahre
55. Haben Sie eine psychotherapeutische Ausbildung?
ja
nein
56. Wenn ja, welche
57. Ebenfalls wenn ja, was war Ihre Motivation, diese Ausbildung zu machen?
Die Auswertung der Daten erfolgt absolut anonym.
Vielen Dank für Ihre Mitarbeit!
Für weitere Anregungen bzw. Fragen stehe ich Ihnen unter folgender E-mail Adresse gerne zur
Verfügung: [email protected]
Abschicken
Eingaben loeschen
Dieses Formular wurde mit GrafStat (Ausgabe 2009 / Ver 4.02) erzeugt.
Ein Programm v. Uwe W. Diener 1/2009.
Informationen zu GrafStat: http://www.grafstat.de
Doris Pröll
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Anmerkung zum Fragebogen: Aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit der
Darstellung des Fragebogens habe ich die Druckversion des GrafStat–Programms
anstelle des Voycer-Programms als Anhang verwendet. Inhalt und Fragestellungen
bleiben aber unverändert.
Doris Pröll
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Eidesstattliche Erklärung
Ich erkläre, dass die vorliegende Diplomarbeit von mir selbst verfasst wurde, und dass
ich keine anderen als die angeführten Behelfe verwendet habe.
Doris Pröll
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