MEMORANDUM 2014 European Elections MEMORANDUM für die Europawahlen 2014 SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org 1 MEMORANDUM 2014 European Elections Zur Bedeutung der Sozialen Ökonomie Die Soziale Ökonomie ist ein wichtiger Akteur in Europa. Sie stellt 14,5 Millionen bezahlte Arbeitsplätze und repräsentiert damit 6,5% der arbeitenden Bevölkerung der EU. In Ländern wie Belgien, Italien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden beschäftigt sie gar 9%-11.5% der arbeitenden Bevölkerung. Insbesondere in der derzeitigen Periode wirtschaftlicher und sozialer Krisen kann die Soziale Ökonomie innovative Ansätze für sozialen Zusammenhalt und Integration, die Schaffung von Arbeitsplätzen, Unternehmergeist, Wachstum und die Förderung aktiver Bürgerschaft bieten. Die Akteure der Sozialen Ökonomie sind tief in der Lebensrealität der Menschen auf lokaler Ebene verwurzelt. Sie können somit neu aufkommende soziale Bedürfnisse erkennen, interpretieren und passende Lösungsansätze liefern. Seit langer Zeit schon leisten sie ihren Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Wegen, benachteiligten Gruppen zu dienen, nicht zuletzt durch die Reinvestition von Überschüssen in das Gemeinwesen. Es ist dieser positive Einfluss auf die Gesellschaft und die Umwelt, welcher die EU-Institutionen dazu veranlasst hat, Soziale Ökonomie als einen Schlüsselakteur bei der Umsetzung der Strategie “Europa 2020” und des in der Europäischen Binnenmarktakte verankerten Ziels einer “ in hohem Maβe wettbewerbsfähigen sozialen Marktwirtschaft” anzuerkennen. 2 SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org MEMORANDUM 2014 European Elections ABOUT SOCIAL ECONOMY EUROPE Social Economy Europe, das europäische Netzwerk für Soziale Ökonomie, möchte alle politischen Parteien dazu auffordern, die Schaffung eines fruchtbaren Ökosystems für die Soziale Ökonomie zum Wohle aller EU-Bürger zu unterstützen. Ohne einen fairen Kontext für Unternehmen der Sozialen Ökonmie, der auf Basis entsprechender gesetzlicher, administrativer und finanzieller Instrumente die Entwicklung des Sektors fördert, können diese Unternehmen ihr Potential nicht voll entfalten. Akteure der Sozialen Ökonmie folgen Wertsetzungen, die zur Schaffung neuer Lösungsansätze führen und Gesellschaft, Wirtschaft sowie Umwelt positiv beeinflussen. Seit sehr langer Zeit schon entwickeln und erbringen sie Dienstleistungen und Produkte, die den spezifischen Bedürfnissen und Interessen der Menschen vor Ort gerecht werden. Soziale Ökonomie lässt sich auf der Basis dreier Hauptmerkmale definieren: • Vorrangstellung der Person sowie des Allgemeininteresses ; • demokratische Unternehmensführung und Einbeziehung aller Akteure; • kollektiver Besitz von Überschüssen, die reinvestiert werden. Die Wahlen zum Europäischen Parlament 2014 sind die Gelegenheit, Aktionen anzustoβen, die es ermöglichen, das Potential der Sozialen Ökonomie zu nutzen, um die wichtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft in diesen Zeiten anzugehen. Das Europäische Parlament sowie andere EU-Institutionen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, sicherzustellen, dass diesbezüglich Forderungen von allen EU-Institutionen gehört und anerkannt werden und sich in Europäischen Politiken, welche die Bedürfnisse und Sorgen aller EU-Bürger berücksichtigen, widerspiegeln. SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org 3 MEMORANDUM 2014 European Elections Die Soziale Ökonomie, ein Governance-Modell für die Europäische Union Die Soziale Ökonomie repräsentiert 2 Millionen Unternehmen (10% aller Unternehmen in Europa) und beschäftigt mehr als 14 Millionen bezahlte Beschäftigte (dies entspricht 6,5% der gesamten arbeitenden Bevölkerung der EU). Von diesen Beschäftigten arbeiten 70% für gemeinnützige Vereine, 26% für Genossenschaften und 3% für Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Es handelt sich um Unternehmen aller Arten und Gröβen, von kleinen und mittleren Betrieben bishin zu internationalen Unternehmen. Sie sind in allen Wirtschaftsbereichen aktiv. Die Hauptfamilien der Sozialen Ökonomie (Genossenschaften, Stiftungen, Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit sowie Vereine) sind Strukturen, die von Bürgern geschaffen wurden, um dem Allgemeininteresse ihrer Gemeinschaft zu dienen. Ihre Aktivitäten basieren auf demokratischen und partizipativen Entscheidungsfindungsprozessen. In Europa gibt es 160.000 Genossenschaften mit 123 Millionen Mitgliedern, die 5,4 Millionen Arbeitsplätze stellen. Genossenschaften sind in jedem Wirtschaftsbereich anzutreffen, insbesondere in der Landwirtschaft, in Finanzdienstleistungen, im Einzelhandel, Wohnungswesen sowie als Arbeitnehmergenossenschaften in Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen. Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit liefern Hilfestellungen für und versichern über 120 Millionen Menschen. Sie haben einen Marktanteil von 23.7%. Vereine erwirtschaften mehr als 4% des BIP - 50% aller EU-Bürger sind bei ihnen aktiv. Die Soziale Ökonomie fuβt auf einer Denkrichtung, welche die Grenzen der Wirtschaft und des Binnenmarkts mit sozialen Überlegungen zusammenbringt. Die Europäische Binnenmarktakte stellt fest: “Sozialwirtschaft und Sozialunternehmen sind wichtige Akteure im Hinblick auf soziale Innovation, Integration und Vertrauen. Der Aufbau von Vertrauen in den Binnenmarkt und die Stärkung der sozialen Marktwirtschaft setzen äußerst verantwortungsbewusste und innovative Unternehmen voraus, die auf Gesellschaft und Umwelt eine positive Wirkung haben.” Es ist dieser positive Einfluss auf die Gesellschaft und die Umwelt, welcher die EU-Institutionen dazu veranlasst hat, Soziale Ökonomie als einen Schlüsselakteur bei der Umsetzung der Strategie “Europa 2020” und des in der Europäischen Binnenmarktakte verankerten Ziels einer “ in hohem Maβe wettbewerbsfähigen sozialen Marktwirtschaft” anzuerkennen. Diese Aspekte – Förderung aktiver Bürgerschaft, soziale Eingliederung und Vertrauen – sind Grundvoraussetzungen, um das soziale Kapital innerhalb unserer Gesellschaft zu verbessern. Social Economy Europe ist davon überzeugt, dass die Wurzeln der derzeitigen Krise auch in einem Governanceproblem sowie der Vorrangstellung streng wirtschaftlicher Interessen vor menschlichen, sozialen und umweltbezogenen Zielrichtungen liegen. Obwohl die soziale Dimension Teil der Hauptsäulen der EU ist, gerät sie durch die Krise und das Bedürfnis, Wachstumspolitik zu fördern, in den Hintergrund. Die Soziale Ökonomie kann eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, EU-Politiken zu entwickeln und diese Ungleichheiten und Ungleichgewichte zu korrigieren, da sie einem Managementmodell folgt, das auf Demokratie, gleicher Verteilung von Profit und Reinvestierung von Überschüssen 4 SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org MEMORANDUM 2014 European Elections im Sinne des Allgemeininteresses fuβt. Zudem kann sie Lösungansätze für wirtschaftliche und soziale Herausforderungen liefern, die den Bedürfnissen und Erwartungen eines groβen Teils der Bevölkerung entsprechen. Es ist dieser auf den Menschen zentrierte Ansatz, der die Person und die Umwelt vor den Profit stellt, der ins Zentrum der Governance-Prinzipien der EU gebracht werden sollte. Die Wahlen zum Europäischen Parlament 2014 sind die Gelegenheit, Initiativen anzustoβen, die es ermöglichen, das Potential der Sozialen Ökonomie zu nutzen, um die wichtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft in diesen Zeiten anzugehen. Das Europäische Parlament sowie andere EUInstitutionen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, dass diese Forderungen von allen EU-Institutionen gehört und anerkannt werden und sich in Europäischen Politiken, welche Bedürfnisse und Sorgen aller EU-Bürger berücksichtigen, widerspiegeln. SOCIAL ECONOMY EUROPE deshalb die Europäischen Institutionen auf 1. Eine neue Intergroup “Soziale Ökonomie” im Europäischen Parlament zu etablieren Die Intergroup “Soziale Ökonomie” im Europäischen Parlament fungiert als eine bedeutsame Plattform für Dialog, die den Austausch zwischen Europaabgeordneten, Akteuren der sozialen Ökonomie, Vertretern der Europäischen Kommission, Zivilgesellschaft und anderen relevanten Interessensvertretern über EU-Politiken und Gesetzgebung, welche einen Bezug zur Sozialen Ökonomie haben, fördert. Seit 1990 hat diese Intergroup aktuelle Informationen zu EU-Politiken und Gesetzgebungsprozessen, welche die Soziale Ökonomie betreffen, geliefert und somit in bedeutsamer Weise zu den demokratischen Prozessen innerhalb der EU beigetragen. In der letzten Legislaturperiode trugen die regelmäβigen Anhörungen der Intergroup zur Vorbereitung wichtiger Stellungnahmen des Europäischen Parlaments, welche von Relevanz für die Soziale Ökonomie sind (z.B. Stellungnahmen von H. Becker MEP, S. Giegold MEP und P. Toia MEP), bei. Darüber hinaus intensivierte die Intergroup die interinstitutionelle Zusammenarbeit – etwa im Zusammenhang mit der Erarbeitung von Stellungnahmen des Europäischen Wirtschafts-und Sozialausschusses, wie beispielsweise der zum “Sozialen Unternehmertum und sozialen Unternehmen” von Berichterstatterin Ariane Rodert.. 2. Eine Dienststelle oder eine transversale Abteilung, die sich speziell den Themen der Sozialen Ökonomie widmen, innerhalb der Europäischen Kommission aufrechtzuerhalten und zu fördern Die Europäische Kommission behandelt das Thema Soziale Ökonomie auf transversale Art und Weise in mehreren Generaldirektionen. Innerhalb der Generaldirektion Unternehmen und Industrie deckt die D/1 Unternehmertum und Soziale Ökonomie nur zum Teil Themen um die Soziale Ökonomie ab. Die Generaldirektion Binnenmarkt und Dienstleistungen integriert die Soziale Ökonomie in ihre Arbeit zu “Rahmenbedingungen für Unternehmen” und, spezifischer, zur “Initiative für Soziales Unternehmertum” und zu Investment Funds (insbesondere zu Sozialen Investment Funds). Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration konzentriert sich auf Themen mit Bezug zur Sozialen Ökonomie im Rahmen der “Europa 2020”-Initiativen und der Europäischen Plattform gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Social Economy Europe möchte darauf hinweisen, dass die Vielzahl von verschiedenen Konzepten und sich überschneidenden Rahmen, welche unterschiedliche Generaldirektionen zur Förderung der Sozialen Ökonomie nutzen, Verwirrung stiften. SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org 5 MEMORANDUM 2014 European Elections 3. Einen klaren Plan zur Schaffung von europäischen Statuten für Stiftungen, Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit und Vereine zu präsentieren und vorwärtszubringen Soziale Ökonomie ermöglicht in erster Linie, wirtschaftliche Effizienz und direkten sozialen Nutzen für Einzelpersonen und die Gemeinschaft zu kombinieren. Anders als andere Unternehmen, bspw. Aktiengesellschaften, hat die Person Vorrangstellung vor dem Profit und die Verteilung von Überschüssen ist nur begrenzt erlaubt. Zudem fördert die Soziale Ökonomie innerhalb ihrer Strukturen demokratische Entscheidungsfindungsprozesse. Unternehmen der Sozialen Ökonomie sollten innerhalb des Binnenmarktes die gleichen Ausgangsbedingungen wie andere Unternehmensformen vorfinden können. Soziale Ökonomie kann ihr volles Potential nur weiterentwickeln und ausschöpfen, wenn auf europäischer Ebene ein gesetzlicher Rahmen mit angebrachten politischen, gesetzlichen und operationellen Bedingungen für alle Familien (Genossenschaften, Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, Vereine und Stiftungen) eingeführt wird. 4. Einen Europäischen Aktionsplan für die (Weiter-)Entwicklung der Sozialen Ökonomie zu definieren Social Economy Europe bietet den EU-Institutionen seine Zusammenarbeit an, wenn es darum geht, einen Europäischen Aktionsplan zur (Weiter-)Entwicklung des Sektors der Sozialen Ökonomie zu definieren, Soziale Ökonomie und ihre Unternehmen zu fördern sowie EU-Politiken in eine Linie zu bringen, um Klarheit für den Sektor zu schaffen. Ein solcher Aktionsplan würde es Akteuren der Sozialen Ökonomie auch ermöglichen, aktiv bei der Entwicklung von EU-Politiken mit Auswirkungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, Unternehmertum, sozialen Zusammenhalt, territoriale Entwicklung und soziale Eingliederung mitzuwirken. 6 SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org MEMORANDUM 2014 European Elections Förderung des Sozialen Unternehmertums als integralen Teil der Sozialen SOCIAL ECONOMY EUROPE ist der Auffassung, dass Soziale Ökonomie und ihre Akteure auf europäischer Ebene eine umfassende und widerspruchsfreie Politik, welche ihrer starken Präsenz innerhalb der Gesellschaft gerecht wird, sowie institutionelle Anerkennung vonseiten der EUInstitutionen verdienen. Mehr als 200 Dokumente des Europäischen Parlaments, der Europäischen Kommission und des Europäischen Wirtschafts-und Sozialausschusses haben den Beitrag der Sozialen Ökonomie zum Projekt Europa und die Notwendigkeit, Soziale Ökonomie in allen Sozialund Wirtschaftspolitiken zu berücksichtigen, anerkannt. SOCIAL ECONOMY EUROPE glaubt ebenfalls, dass mit den meisten der auf EU-Ebene vorgeschlagenen Instrumente zur Stärkung des Sozialen Unternehmertums - wie beispielsweise den Intiativen zur sozialen Innovation, sozialen Investmentfonds, Corporate Social Responsibility und dem Messen sozialer Auswirkungen - Konzepte, die in der langen Tradition der Sozialen Ökonomie bereits existieren, lediglich neu formuliert werden. Heute befindet sich die Soziale Ökonomie an einem Scheideweg. Soziales Unternehmertum , als integraler Teil der Sozialen Ökonomie, war ein Hauptthema der Initiativen, die von den Generaldirektionen Binnenmarkt (MARKT) und Unternehmen (ENTR) auf den Weg gebracht wurden, um eine “in hohem Maβe wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft” zu fördern. Die Europäische Kommission hat Soziale Ökonomie und Soziale Innovation ins Zentrum ihrer Initiativen in den Bereichen territoriale Kohäsion, Recherche, innovative Lösungsansätze für gesellschaftliche Probleme und speziell Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung gestellt. Spezielle Aufmerksamkeit gilt zudem dem Messen des Impakts sozialer Unternehmen, um deren Beitrag für den wirtschaftlichen Aufschwung und soziale Reformen konkret aufzuzeigen. Obwohl diese Initiativen wichtige Etappen auf dem Weg hin zu einer echten Anerkennung der Sozialen Ökonomie darstellen, werden dennoch einige Risiken sichtbar: • Das Risiko, soziale Unternehmen zu trivialisieren: Konzepte, die letztendlich dazu führen, das jedwedes Unternehmen von sich behaupten kann, ein soziales Unternehmen zu sein, können zu einer Abwärtsspirale führen. • Die Gefahr, Effektivität und Effizienz der sozialen Unternehmen zu messen und sich dabei auf kurzfristige und quantifizierbare Resultate zu konzentrieren, statt die Auswirkungen auf Einzelpersonen, die Gesellschaft und die Umwelt in den Mittelpunkt zu stellen. • Die Tendenz, öffentliche Dienstleistungen zu privatisieren und die Auffassung, dass der Markt und private Initiativen allein alle sozialen Probleme lösen können. SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org 7 MEMORANDUM 2014 European Elections SOCIAL ECONOMY EUROPE deshalb die Europäischen Institutionen auf: 5. Sicherzustellen, dass eine adequate Methodologie für das Messen des sozialen Impakts entwickelt wird, die den Anliegen der Akteure der Sozialen Ökonomie, der öffentlichen Instanzen, der Leistungsempfänger und klassischer finanzieller Akteure Rechnung trägt. Die Evaluierung und das Messen des sozialen Impakts sollte dazu dienen, zunächst einmal die Bedeutsamkeit der Aktivitäten sozialer Unternehmen intern sowie extern hinsichtlich unterschiedlicher Interessensvertreter (Nutzer der Produkte und Dienstleistungen, öffentliche Instanzen, Beschäftigte, Investoren, etc.) zu unterstreichen. Auβerdem mindert das Messen des sozialen Impakts die Risiken eines puren Benchmarkings. Es erlaubt, andere Aspekte als nur die finanziellen in den Fokus zu nehmen und qualitative Analysen mit sozialem Schwerpunkt durchzuführen, die beispielsweise den sozialen Nutzen, soziale Erträge aus investiertem Kapital, positive Externalitäten und demokratische Unternehmensführung berücksichtigen. Schlieβlich sollte das Messen und die Evaluierung des sozialen Impakts nicht nur auf Mikro-, sondern auch auf Makroebene (gesellschaftliche Ebene) geschehen. 6. Sicherzustellen, dass soziale Innovation in einer Weise gefördert wird, die es erlaubt, kontinuierlich Dienstleistungen zu verbessern und Lösungsansätze zu bieten, die sich an den Bedürfnissen der Gesellschaft orientieren. Der soziale Nutzen und die Gemeinnützigkeit allgemein sollten stärker in den Blickpunkt gerückt werden, um soziale Eingliederung so weit wie nur möglich zu fördern. Zudem sollte soziale Innovation nicht nur über ein Problem, das gelöst werden soll und die erzielen Ergebnisse, definitiert werden, sondern auch über den ‘Prozess’. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass ein innovativer Lösungsansatz auf partizipatorischen und demokratischen Prozessen beruht. Die Soziale Ökonomie kann ein hohes Maβ an Expertise vorweisen, wenn es darum geht, für die Gesellschaft innovative und nachhaltige Musterlösungen zu liefern. 7. Beispiele bewährter Praktiken von Corporate Social Responsibility innerhalb der Unternehmen der Sozialen Ökonomie zu nutzen und sich bewusst darüber zu sein, dass Unternehmer der Sozialen Ökonomie in allen Aspekten ihrer unternehmerischen Tätigkeit verantwortlich handeln. Unternehmen der Sozialen Ökonomie bringen soziale und wirtschaftliche Kriterien mit Prinzipien des Umweltschutzes, der good governance und der Integration zusammen. Auf europäischer Ebene sollten sie als eine Quelle bewährter CSR-Praktiken angesehen werden und bei der Umsetzung damit verbundener Politiken als Referenz dienen. 8. Die Einbindung von Akteuren der Sozialen Ökonomie in die Programmierungs- und Umsetzungsphase der Strukturfonds 2014-2020 zu stärken. Organisationen der Sozialen Ökonomie sind in der lokalen Realität verwurzelt und fähig, lokale Entwicklungsbedürfnisse zu interpretieren sowie ihren Beitrag zu aktuellen Entwicklungsstrategien, welche soziale Eingliederung und Kohäsion fördern, zu leisten. Die Europäischen Institutionen haben in die neuen Regelungen zur Förderperiode 2014-2020 der Strukturfonds die Förderung sozialer Unternehmen als eine Priorität eingebracht. Es bleibt jedoch den Mitgliedsstaaten überlassen, darüber zu entscheiden, wie dies konkret umgesetzt werden soll. Von grundlegender Bedeutung bleibt damit, einen echten bottom-up-Ansatz zu fördern, der alle Schlüsselakteure und insbesondere Akteure der Sozialen Ökonomie einbindet, um den Zielstellungen der Europa 2020-Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum zu entsprechen. 8 SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org MEMORANDUM 2014 European Elections Soziale Ökonomie, für den universellen Zugang zu und eine hohe Qualität von Sozialen Dienstleistungen von Allgemeinem Interesse Akteure der Sozialen Ökonomie liefern essentielle Dienstleistungen für lokale Gemeinwesen, darunter auch soziale Dienstleistungen von allgemeinem Interesse. Soziale Ökonomie ist aktiv in Bereichen wie der Sozialversicherung, Sozial-und Gesundheitsdienstleistungen, Zugang zu und Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, Versicherungsdienstleistungen, lokale Dienstleistungen (Unterhaltung, Säuberung, Reparatur und Renovation von Gebäuden und Grünflächen, sozialer Transport), Ausbildung und Weiterbildung, Recherche, Kultur, Sport und Freizeit, sozialer Tourismus, Energie, Verbraucherschutz, Umwelt und Genossenschaftlicher Wohnungsbau. Soziale Dienstleistungen von Allgemeinem Interesse, die häufig von Akteuren der Sozialen Ökonomie entwickelt und erbracht werden, sind ein Hauptmerkmal des Europäischen Sozialmodels und eine Grundvoraussetzung für das Erreichen der Wachstumsziele der Strategie Europa 2020. Der Präsident der Europäischen Kommission J. M. Barroso sagte in dieser Hinsicht in seiner “State of the Union Speech” 2012: “Gerade die europäischen Länder mit den effizientesten Sozialschutzsystemen und den ausgeprägtesten Sozialpartnerschaften gehören zu den erfolgreichsten und wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt.” SOCIAL ECONOMY EUROPE begrüβt viele der Schritte, welche die Europäische Kommission im sozialen Bereich unternommen hat – etwa mit der Einführung des Sozialinvestitionspakets – um die Mitgliedsstaaten zu “Investitionen in die Sozialpolitik, in Sach und Geldleistungen, die sowohl aktivierende als auch auch kompetenzfördernde Wirkung haben”, anzuregen. Auch die Berichte der OECD und des Internationalen Währungsfonds nennen Ausbildung und Sozialausgaben als Voraussetzungen für Wachstum, da beide zu einer gesunden und kompetenten Arbeitsbevölkerung beitragen. Andererseits wird vor Folgendem gewarnt: • die Tendenz, Sozialausgaben als eine Investition anzusehen, bei der die finanzielle Rendite wichtiger ist als die sozialen Errungenschaften; • die Tendenz, kurzfristige Aktionen innerhalb der Sozialpolitik zu fördern, bei denen mehr die Selektivität als der universale Zugang bei der Bereitstellung sozialer Dienstleistungen im Vordergrund steht. SOCIAL ECONOMY EUROPE möchte hier an die Europäische Grundrechtscharta (insbesondere Art. 34 zur sozialen Sicherheit und sozialen Unterstützung) und an den Artikel 9 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union erinnern. In letzterem heiβt es: “Bei der Festlegung und Durchführung ihrer Politik und ihrer Maßnahmen trägt die Union den Erfordernissen im Zusammenhang mit der Förderung eines hohen Beschäftigungsniveaus, mit der Gewährleistung eines angemessenen sozialen Schutzes, mit der Bekämpfung der sozialen SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org 9 MEMORANDUM 2014 European Elections Ausgrenzung sowie mit einem hohen Niveau der allgemeinen und beruflichen Bildung und des Gesundheitsschutzes Rechnung.” Es ist im Interesse der europäischen Bürger, soziale Politiken, die zu qualitiativ hochwertigen sozialen Dienstleistungen von allgemeinem Interesse für alle führen, aufrechtzuerhalten und das Allgemeininteresse aller Profitlogik voranzustellen. SOCIAL ECONOMY EUROPE fordert deshalb die Europäischen Institutionen auf: 9. Sicherzustellen, dass bei der Umsetzung des Sozialinvesititionspakets der soziale Nutzen und die Gemeinnützigkeit aller Profitlogik und Selektivität bei der Bereitstellung sozialer Dienstleistungen vorangestellt werden. Wenn Sozialinvestitionen ein Motor für Wirtschaftswachstum, Integration und die Verminderung von Ungleichheiten sein sollen, so müssen sie sich an alle Bürger und nicht nur an gefährdete Gruppen richten. Nur langfristige und qualitative hochwertige Sozialinvestitionen für alle können dazu beitragen, sozialen Fortschritt zu erreichen. 10.Einen angemessenen gesetzlichen und politischen Rahmen, einschlieβlich angebrachter Finanzierung für soziale Dienstleistungen von allgemeinem Interesse, sicherzustellen und dies insbesondere auch in Krisenzeiten. Die Europäische Kommission hat 2013 einen Leitfaden vorgelegt, der drei Pakete von EURegelungen, welche die Sozialen Dienstleistungen von Allgemeinem Interesse betreffen (Staatliche Beihilfen, öffentliche Auftragsvergabe und Binnenmarkt), abdeckt. Basierend auf Anfragen, welche die Kommission durch den Interaktiven Informationsservice sowie regelmäβige Kontakte mit öffentlichen Behörden, Nutzern und Erbringern von Dienstleistungen und anderen Vertretern der Zivilgesellschaft erhält, beinhaltet er konkrete Fragen und Antworten. Social Economy Europe denkt, dass nur ein angemessener gesetzlicher Rahmen zu Sozialen Dienstleistungen von Allgemeinem Interesse Unsicherheiten beseitigen/beheben und, mit Bezug auf die vom Europäischen Gerichtshof getroffenen Entscheidungen, die richtige Investition in Soziale Dienstleistungen garantieren kann. 11.Die spezifischen Merkmale von Akteuren der Sozialen Ökonomie bei der Erbringung Sozialer Dienstleistungen von Allgemeinem Interesse, insbesondere hinsichtlich der Anwendung der Regelungen zur öffentlichen Auftragsvergabe und zu staatlichen Beihilfen, zu berücksichtigen. SOCIAL ECONOMY EUROPE möchte anregen, den gesellschaftlichen Nutzen bei der Anwendung der Regelungen zur öffentlichen Auftragsvergabe und zu staatlichen Beihilfen zu maximieren, indem stets derjenige Anbieter ausgewählt wird, der dem Allgemeininteresse am besten gerecht werden kann. 10 SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org MEMORANDUM 2014 European Elections Soziale Ökonomie und die Europäische Union: Finanziell nachhaltig und im Dienste sozialer Zielstellungen Über ihre quantitative Bedeutung hinaus hat die soziale Ökonomie in den letzten Jahrzehnten nicht nur ihre Fähigkeit, effektiv zur Lösung neuer sozialer Probleme beizutragen, bewiesen. Stärken konnte sie ebenfalls ihre Position als ein unabdingbarer Akteur für stetigen und nachhaltigen Wirtschaftswachstum, für die Erbringung von Dienstleistungen, die sich an konkreten Bedürfnissen orientieren, für die Steigerung des Wertes wirtschaftlicher Aktivitäten, die sozialen Bedürfnissen dienen, für einen gerechteren Lohn und eine gerechtere Verteilung des Wohlstands, für die Korrektur von Ungleichgewichten auf dem Arbeitsmarkt und, zusammenfassend, für eine Stärkung von Wirtschaftsdemokratie in der Europäischen Union. SOCIAL ECONOMY EUROPE | 75, Rue Botanique B-1210 BRUSSELS | E-mail [email protected] | www.socialeconomy.eu.org 11 © Social Economy Europe, 2013 Originalversion: Englisch Verantwortlicher Herausgeber: Alain Coheur Redaktion& Produktionsmanagement: Marcel Smeets [email protected] www.socialeconomy.eu.org