Klimawandel: Aktion und Anpassung

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Magazin der Generaldirektion Umwelt
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Sonderausgabe 2009
Umwelt für
Grüne Woche 2009
Klimawandel:
Aktion und Anpassung
EUROPÄISCHE KOMMISSION
vorbemerkung
Magazin der Generaldirektion Umwelt
Die Europäische Union kann stolz sein auf ihre bahnbrechende Verpflichtung zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 2 %
bzw. 30 %, wenn andere Industrieländer ein vergleichbares Versprechen
abgeben. Diese Verpflichtung und praktische Maßnahmen – etwa das gestärkte Emissionshandelssystem – sind unerreicht in der Welt.
Die Konferenz war ein großer Erfolg, hat aber ebenfalls hervorgehoben,
dass noch viel getan werden muss, bevor wir den Klimawandel und seine
Auswirkungen voll und ganz verstehen. Maßnahmen zur Abmilderung
und Anpassung werden helfen, doch die Zeit läuft ab. Wie ein IPCC-Experte in einer Konferenzsitzung vermeldete, geht die aktuelle Wissenschaftsforschung davon aus, dass sich die Erde auf ein Klima zubewegt,
das kein Mensch je zuvor erlebt hat – es sei denn, wir schaffen es, dass
die globalen Emissionen innerhalb der nächsten zehn Jahre ihren Höchststand erreicht haben und 2070 bei Null sind.
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ist oder wie man sich für ein „Umweltsiegel” qualifiziert?
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Europäischen Union, 2009
ISSN 1563-4175
© Europäischen Union, 2009
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Gedruckt in Belgien
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
REDAKTIONELLE INFORMATIONEN
Umwelt für Europäer, ein Magazin der Generaldirektion Umwelt der Europäischen
Kommission, erscheint alle drei Monate auf Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch,
Spanisch, Polnisch und Griechisch und kann kostenlos abonniert werden.
Füllen Sie dazu das Formular des Magazins aus oder abonnieren Sie online unter
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Chef-Redakteur: Carina Vopel
Koordinator: Jonathan Murphy
Weitere Auskünfte erteilt das Referat Kommunikation:
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Informationen und Dokumente: ec.europa.eu/environment/env-informa/
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ec.europa.eu/environment/news/efe/index_de.htm
Sonderausgabe 2009
Umwelt für
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Magazin der Generaldirektion Umwelt
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Die Konferenz rankte sich um vier Unterthemen: EU-Klimapolitiken, die
internationale Dimension, Leben mit dem Klimawandel, und Vision 2050:
eine kohlenstofffreie Gesellschaft. Die Veranstalter sammelten über 100
thematische Schlussfolgerungen der 36 Sitzungen und Parallelveranstaltungen ein, die auf allen Etagen des Charlemagne-Gebäudes stattfanden.
Zu jeder Sitzung ist nun ein Video online verfügbar: http://ec.europa.eu/
environment/greenweek/greenweeklive_allsessions.html
ec.europa.eu/environment/news/efe/index_de.htm
S
Mit dem einfachen Slogan „Aktion und Anpassung“ stellte die Grüne Woche 2009 den Klimawandel in ihren Mittelpunkt. Die größte Jahreskonferenz über die EU-Umweltpolitik fand während vier Tagen in Brüssel statt.
Sie lockte rund 4 500 Teilnehmer an, die sich angemeldet hatten, wurde
aber auch von vielen online besucht. Umweltkommissar Stavros Dimas
sprach von einer Rekordbesucherzahl, die keinen Zweifel an dem großen
Interesse lässt, das die Öffentlichkeit dem Klimawandel zollt – in einem
Jahr, das mit der Klimakonferenz in Kopenhagen und dem angestrebten Abschluss eines neuen wichtigen UN-Klimaübereinkommens seinen
Höhepunkt findet.
Grüne Woche 2009
Klimawandel:
Aktion und Anpassung
© Titelbild: Europäische Union
EUROPÄISCHE KOMMISSION
INHALT [ SONDERAUSGABE 2009: GRÜNE WOCHE 2009 ]
03
Der Weg nach Kopenhagen
Aktion und Anpassung
04
EU-Klima- und Energiepaket
05
Wissenschaft und Klimawandel
06
Die internationalen Beziehungen und Kopenhagen
07
Artenvielfalt und Klimawandel
Ehrgeizige Ziele
Die Politik auf den Wandel abstimmen
Eine globale Herausforderung erfordert
gemeinsames Handeln
Die Natur als Verbündete
08
Vision 2050
Unsere Wirtschaft muss grüner werden
10
Sicherheit und Klimawandel
11
Wasserknappheit
12
Ein Krieg ohne militärische Antwort
Die Quelle des Lebens ist am Versiegen
CO2-Abscheidung und -Speicherung
Es bleibt wenig Zeit für eine massive
Verbreitung
13
Vision 2050
14
Grüne Woche 2009 – Ausstellung und Nebenveranstaltungen
16
LIFE – jährliche Preisverleihung
Die Zusammenarbeit mit der Natur hat viele
Vorteile
Grüne Geschichten rund um die Grüne Woche
Anerkennung für LIFE-Spitzenprojekte
Der Weg nach Kopenhagen
03
Aktion und Anpassung
© TBrisco
Redner auf der Grünen Woche 2009 beschrieben den Klimawandel
als die „größte Herausforderung der Menschheit” und die „größte
Geschichte aller Zeiten”. Die meisten kamen überein, dass
dieses Jahr ein sehr wichtiges Jahr im Kampf gegen die globale
Erwärmung ist und forderten ein ehrgeiziges internationales
Übereinkommen auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Als
Ziel soll eine Begrenzung des Temperaturanstiegs von maximal
2 °C weltweit festgelegt werden.
Die Grüne Woche öffnete und schloss mit zahlreichen Beiträgen zur Klimakonferenz, die im Dezember in Kopenhagen
stattfinden wird. Viele Redner lobten die Bemühungen der
EU im Kampf gegen den Klimawandel, insbesondere das Klima- und Energiepaket von 2008. Umweltkommissar Dimas
erinnerte auf der Konferenz daran, dass andere Industrieländer noch die Verpflichtung der Gemeinschaft zur Reduktion
der Treibhausgasemissionen um 20 % bis 2020 gegenüber
dem Niveau von 1990 erfüllen müssten und die EU eine
Emissionsreduktion von 30 % anvisiere, wenn andere einen
fairen Beitrag dazu leisten.
Kommissionspräsident Barroso teilte die Auffassung, dass
die Energie- und Umweltzielvorgaben des Pakets wegweisend sind für den Rest der Welt. Die EU geht mit gutem
Beispiel voran, indem sie dem Klimawandel in allen ihren
Politiken Rechnung trägt und Europa in eine kohlenstoffarme Zukunft führt, so Barroso. Er wies darauf hin, wie
sehr der Klimawandel die Arbeit der aktuellen Kommission
bestimmt hat und sich daran aller Wahrscheinlichkeit nach
auch bei der nächsten Kommission nichts ändern wird.
Internationale Angebote
Professor Wang Yi von der chinesischen Akademie der
Wissenschaften sprach von Chinas Bemühungen für eine
kohlenstoffarme Entwicklung. Dennoch erklärte er, dass
es in Kopenhagen kein Abkommen ohne klimabezogene
Mittel, Politik und Technologietransfers von den entwickelten Ländern geben könnte. Wie auch für Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren ist für ihn ein Scheitern von
Kopenhagen keine Option, gleichzeitig warnte er jedoch:
Industrie- und Entwicklungsländer sitzen zwar im „gleichen
Boot, doch in verschiedenen Kabinen. China arbeitet an seinem eigenen Modell und Konzept für eine kohlenstoffarme
Zukunft.“
Festus Mogae, UN-Sondergesandter für Klimawandel, teilte
die Meinung von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon im Hinblick auf die Konferenz. Er betonte, wie wichtig der Abschluss
eines Übereinkommens ist, das nicht nur für die Staats- und
Regierungschefs der G8 und das Große Wirtschaftsforum
annehmbar ist, sondern auch für die Armen der Welt, die
große „schweigende Mehrheit“, die in solchen Foren nicht
vertreten ist.
Begrüßt wurden die Verpflichtung der neuen amerikanischen Regierung zur Emissionsreduktion, wenn auch nur um
17 % unter das Niveau von 2005, sowie ähnliche Initiativen in
anderen Industrieländern, etwa in Australien und Japan.
Grünes Wachstum
Zahlreiche Redner sahen in der Wirtschaftskrise eine Chance für die Schaffung sauberer Technologien und neuer
Arbeitsplätze. Steve Fludder, Vizepräsident der GE Ecomagination, plädierte für Klarheit und Stabilität. Wenn die
Unternehmen wüssten, wo es lang gehe, würden sie sich
automatisch an die neuen Anforderungen des Marktes
anpassen, so Fludder.
Tony Long vom WWF hob das Potenzial für grünes
Wachstum hervor und forderte die Regierungen dringend
dazu auf, Mittel für die Bekämpfung des Klimawandels
bereitzustellen. Er bedauerte die Verzögerung beim Technologietransfer in Entwicklungsländer und schätzte, das
Erreichen der Emissionsmarke von 30 % würde rund 130 Milliarden € jährlich verschlingen – was einem Teil der kürzlich
ausgegebenen Summe zur Rettung der zusammengebrochenen Wirtschaft und der Höhe der gegenwärtigen internationalen Außenhilfe entspricht.
Kopenhagen muss in die Geschichte
eingehen als ein Wendepunkt, an dem
die Welt die Richtung änderte
“
”
Zum Schluss erinnerte Kommissar Dimas an die Notwendigkeit, vor Dezember einen Durchbruch zu erzielen, damit
ein internationales Abkommen in der dänischen Hauptstadt
zustande kommt. „Kopenhagen muss in die Geschichte
eingehen als ein Wendepunkt, an dem die Welt die Richtung änderte und sich zu Zielvorgaben und Maßnahmen
verpflichtete, die ehrgeizig genug sind, um die gefährlichen
Auswirkungen des Klimawandels abzuwenden“, erklärte der
Kommissar. »
MEHR DAZU
GD Umwelt – Homepage Zukünftige Maßnahmen gegen den
Klimawandel
ec.europa.eu/environment/climat/future_action.htm
Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC)
www.ipcc.ch
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
04
EU-Klima- und Energiepaket
© iStockphoto
Ehrgeizige Ziele
Die EU ist weltweit führend im Kampf gegen den Klimawandel und peilt mit ihrem „Klima- und Energiepaket“ vom Dezember 2008 Energieversorgungssicherheit an. Das von den
Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament in weniger
als einem Jahr verabschiedete Paket legt klare Zielvorgaben
fest, die bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts erreicht
werden sollen.
Das Herzstück des Pakets sind drei Ziele, die bis 2020 erreicht
werden sollen: Senkung der Treibhausgasemissionen um
20 % gegenüber dem Niveau von 1990, Verbesserung der
Energieeffizienz um 20 % und Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 20 %. Bei
einer der Sitzungen im Rahmen der Grünen Woche wurde
den Teilnehmern noch einmal das übergreifende Ziel vor
Augen geführt: Es geht darum, die gefährlichen Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, indem eine globale
Erwärmung um mehr als 2 °C gegenüber den vorindustriellen Werten verhindert wird.
Die EU verpflichtet sich, ihre Emissionsreduktionen von
20 % auf 30 % zu erhöhen, wenn der Rest der Welt sich
bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember
auf ein ehrgeiziges und befriedigendes internationales
Klimaschutzabkommen einigt. Jos Delbeke, stellvertretender Generaldirektor für Umwelt bei der Europäischen Kommission, erklärte, dass die Technologie für weltweite Emissionsreduktionen um 30 % bereits existiere.
Das Emissionshandelssystem
Ein Eckpfeiler des Pakets ist der Ausbau des EU-Emissionshandelssystems (EU-EHS) für den Handelszeitraum
2013-2020 und darüber hinaus. Das EU-EHS ist das weltweit größte und erste internationale System dieser Art.
Yvon Slingenberg, Leiterin des Referats für Emissionshandel der GD Umwelt, erklärte, die EU hofft, dass andere Länder, die eigene so
Die Technologie, um
„Cap and trade“Emissionsreduktionen um genannte
Systeme entwickeln, sich
30 % zu verwirklichen, gibt dem EU-EHS anschließen,
um einen globalen Kohes für die gesamte Welt
lenstoffmarkt zu schaffen.
“
”
Das EU-EHS legt eine Obergrenze für die gesamten Emissionen von circa 11 000 Industrieanlagen fest. Innerhalb
dieses Rahmens können Unternehmen Emissionszertifikate erwerben oder verkaufen. Diese Flexibilität sorgt
dafür, dass Emissionen so kostengünstig wie möglich reduziert werden.
Das abgeänderte EHS dehnt die Handelsperiode von fünf auf acht Jahre
aus und ersetzt die aktuellen einzelstaatlichen Höchstgrenzen durch
eine EU-weit gültige Obergrenze, die
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
jährlich gesenkt wird (bis 2020 Reduktion auf 21 % unter
dem Niveau von 2005). Darüber hinaus wird auch die Zahl
der Zertifikate erhöht, die Unternehmen (auf Versteigerungen) erwerben müssen, von heute 4 % der Gesamtmenge auf mehr als die Hälfte im Jahr 2013. Dieser Anteil
wird sich jährlich erhöhen, um bis 2027 eine 100 %ige
Versteigerung zu erreichen.
Kleinere Emissionsquellen
Wenn auch das öffentliche Interesse sich in erster Linie auf
die großen Kohlenstoff-Emittenten des EU-EHS richtet, darf
nicht vergessen werden, dass circa 60 % der EU-Treibhausgasemissionen durch kleinere Betriebe in Sektoren außerhalb des EU-EHS verursacht werden, wie etwa Verkehr und
Landwirtschaft oder auch durch private Haushalte und Gebäude, erklärte Stefaan Vergote, stellvertretender Leiter des
Referats Energie und Umwelt der GD Umwelt.
Die Zielvorgabe ist, diese Nicht-EU-EHS-Emissionen bis 2020
auf 10 % unter dem Niveau von 2005 zu senken. Jeder EUMitgliedstaat hat sich, gemessen an seinem, relativen Reichtum zu verbindlichen Emissionszielen verpflichtet, wobei
den ärmeren Ländern großzügigere Ziele gewährt wurden.
Das Ziel, dass erneuerbare Energiequellen bis 2020 einen
Anteil von 20 % am EU-Energieverbrauch stellen sollen,
wird ebenfalls durch rechtsverbindliche einzelstaatliche Zielvorgaben erreicht, die von 10 % für Malta bis zu 49 %
für Schweden reichen. Bis 2020 müssen alle Mitgliedstaaten
die 10 %-Marke für erneuerbare Verkehrsenergieträger, wie
Wasserstoff, Biokraftstoffe oder „grüne Elektrizität” für Autos,
erreichen. Dabei werden Biotreibstoffe nur dann gefördert,
wenn sie die vereinbarten Nachhaltigkeitskriterien erfüllen..
Das Klima- und Energiepaket legt auch die Grundlage für die
Entwicklung und Anwendung von Technologien zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), indem es mit
einer Richtlinie einen klaren Rechtsrahmen für deren sicheren Einsatz schafft. »
MEHR DAZU
EU Climate Action – Energie für eine Welt im Wandel
ec.europa.eu/environment/climat/climate_action.htm
Wissenschaft und Klimawandel
05
Die Politik auf den
Wandel abstimmen
© iStockphoto
Obwohl wir heute mit Sicherheit sagen können, dass es den Klimawandel gibt, wissen wir aber noch nicht sicher, welche potenziellen Auswirkungen er haben wird und wie wir ihn angehen
sollen. Nach jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es
jetzt Zeit zum Handeln, und die Emissionshöchstwerte sollten
weltweit spätestens bis 2020 erreicht sein. Europa spielt bereits
eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Klimaforschung und
wird sein Engagement durch die Europäische Weltraumorganisation in Zukunft noch mehr verstärken.
Mit seinem Vortrag in der Sitzung über Klimawandelforschung auf der Grünen Woche erinnerte Professor JeanPascal van Ypersele, stellvertretender Präsident des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC),
die Zuhörer daran, dass der IPCC die beste Auskunftsstelle
für wissenschaftliche Informationen über den Klimawandel
ist. Aufgabe des IPCC ist es, die Vielzahl von Peer-Reviews
über Klimawandel zu sichten, allgemeine Muster zu erkennen und auf der Grundlage dieser Erkenntnisse eine solide
Plattform für Vorhersagen über Klimawandel zu schaffen,
die Politikern rund um den Globus helfen soll.
Wissenslücken
Van Ypersele betonte, dass die Wissenschaft nach wie vor
keine sicheren Aussagen über die genauen Beziehungen
zwischen Treibhausgasemissionen und dem globalen
Temperaturanstieg machen kann. Des Weiteren erklärte er,
dass der IPCC heute, 13 Jahre nach seiner Gründung, eine
erneute Prüfung der Grundlage des EU-Klimapakets – die
Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf maximal
2 °C – für erforderlich hält. Bei zwei Sachen ist er sich allerdings sicher: „Politiker unterschätzen nach wie vor die Herausforderung des Klimawandels, und viele Dinge über die
Klimasysteme wissen wir einfach noch nicht.“
Malte Meinshausen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sprach von weiteren Anpassungen, die erforderlich sind. Er erinnerte die Anwesenden daran, dass im Falle
einer Beschränkung des Temperaturanstiegs auf 2 °C nur
noch eine Trillion Tonnen Kohlenstoff zwischen 2000 und
2050 ausgestoßen werden kann und dass ein Drittel dieser
Menge aber bereits in den vergangenen neun Jahren ausgestoßen worden ist. Mit Nachdruck unterstrich er die Notwendigkeit, diesen „Kohlenstoff-Haushalt“ im Gedächtnis
zu behalten.
EU-Forschung zum Klimawandel
k Seit 2003 über 139 Projekte und Mittel in Höhe von
570 Millionen €
k Die Forschung umfasst Vorhersage, Gletscher, Abholzung,
Übersäuerung der Meere
k Sentinel-Satelliten von ESA werden die Sammlung von Daten
zum Klimawandel verbessern
Deshalb empfahl er der Politik, die globalen Emissionen so
rasch wie möglich zu reduzieren. Die Emissionen müssten
bis 2015 oder 2020 ihren Höhepunkt erreicht haben, erklärte
er, oder die Kosten für größere Reduktionen vor 2050 könnten sich als unerschwinglich herausstellen.
unterschätzen nach wie vor die
“Politiker
Herausforderung des Klimawandels”
Veränderungen kartieren
Christiane Schmullius von der Universität Jena betonte die
Bedeutung der Erdbeobachtung und Qualitätskartierung,
die für die Bewertung der Landbedeckung und des Anstiegs der Meeresspiegel entscheidend ist. Sie hob die Rolle
der Europäischen Weltraumorganisation hervor, die für die
Überwachung von Klimavariablen von ihren Satelliten aus
und mit ihren Bild- und Datenarchiven seit 1991 weltweit
eine führende Rolle einnimmt. Als nächstes wird die ESA
2011 im Rahmen ihres Globalen Umwelt- und Sicherheitsüberwachungsprogramms Sentinel-Satelliten in den Wetraum schicken, welche die Fragen des IPCC beantworten
und andere wissenschaftliche Missionen erfüllen werden.
Nach van Ypersele müssen die Auswirkungen der verschiedenen Klimawandel-Szenarien und Lösungen sowie das Klimaverhalten selbst unbedingt erforscht werden. Es wäre ein
großer Fehler, fügte er hinzu, wenn sich die Politik mit dem
gegenwärtigen Forschungsstand zufrieden gibt. Deshalb
kommt dem Siebten Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission mit seiner Finanzausstattung von
fast 10 Milliarden € für Klimawandelforschung eine so große
Bedeutung zu.
Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass eine gute Wissenschaftskommunikation die Öffentlichkeit über die Problematik aufklären und sie ermutigen könnte, Politik und
Politiker zum Handeln aufzufordern. »
MEHR DAZU
IPPC-Homepage
www.ipcc.ch
ESA – Raumfahrtoperationen
www.esa.int/SPECIALS/Operations/SEM98Z8L6VE_0.html
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
Die internationalen Beziehungen und Kopenhagen
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06
Eine globale Herausforderung
erfordert gemeinsames
Handeln
China und die Vereinigten Staaten sind weltweit die zwei größten
Emittenten von Treibhausgasen. Von ihnen wird es abhängen, ob das
neue globale Klimaschutzabkommen ein Erfolg wird.
Redner aus den USA, China und der EU
stellten sich in einer Debatte auf der Grünen
Woche 2009 die folgende Frage: Haben die drei
Blöcke gemeinsame oder widerstreitende Interessen,
wenn es um den Kampf gegen den Klimawandel geht? Einige Redner meinten, die EU und die USA buhlten um eine
Zusammenarbeit mit China auf diesem Gebiet.
abzielt, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 17 % des
Niveaus von 2005 zu senken, erteilt es nach gegenwärtiger
Sachlage 85 % der Zertifikate gratis.
Plan B – gibt es nicht
Die amerikanische Regierung wurde dafür kritisiert, dass
Die amerikanische Verhandlungspartnerin Taiya Smith be- sie die Annahme eines Schlussabkommens in Kopenhagen
merkte, dass sich der führende US-Klimaschutzunterhändler nicht für notwendig hält, während die EU für ihre unzureiwährend der wichtigen UN-Klimakonferenz im vergange- chende Führungsrolle gerügt wurde. Rosário Bento Pais
nen März in Bonn in Peking aufgehalten hat und dass dies von der Europäischen Kommission erklärte indes, dass allein
der EU Anlass zur Sorge geben sollte. Der dänische Experte die EU bisher ehrgeizige Ziele auf den Verhandlungstisch
Michael Starbaek Christensen konterte, die USA sollten ihre gebracht hat, indem sie sich einseitig zu einer EmissionsreKlimaschutzziele ehrgeiziger verfolgen und seien mit ihrem duktion bis 2020 um 20 % gegenüber dem Niveau von 1990
Partner und Großemittenten China wohl eher auf einer verpflichtet hat. Diese Reduktion wird auf 30 % im Rahmen
eines ehrgeizigen internationalen AbWellenlänge.
kommens erhöht, welches vorsieht,
Es ist
dass sich alle Länder zu einer fairen
Der Vorzug gilt noch
unerheblich, in welchem Lastenverteilung bei der globalen
Emissionskontrolle verpflichten.
immer der Kohle
“
Professor Wang Yi, ein chinesischer
Regierungsberater, bestätigte, dass
sein Land im Durchschnitt wöchentlich zwei Kohlekraftwerke in Betrieb
nimmt. Er erklärte, dass dies notwendig ist, um den wachsenden Energiebedarf zu decken und dass sein Land
riesige Kohlereserven hat.
Maße Europa versucht,
seine Emissionen zu
reduzieren, wenn
die USA und die
Entwicklungsländer
nicht auch ihren Part
übernehmen
Doch arbeitet China, so fügte er hinzu,
auch an der Entwicklung neuer Technologien wie Kohlenstoffabscheidung und ist um die Verbesserung der Energieeffizienz bemüht. Das Land hat seine
Zielvorgaben für erneuerbare Energiequellen um 400 %
überschritten und den Verbrauch pro BIP in den letzten drei
Jahren um 10 % gesenkt. Er führte weiter aus, dass alle Beteiligten Emissionen reduzieren müssen und Europa mehr
leisten muss, wenn es hier eine Führungsrolle übernehmen
möchte.
In den vergangenen zwei Jahren hat sich die offizielle
Haltung Chinas in Bezug auf die globale Erwärmung drastisch gewandelt, räumte der amerikanische Redner ein.
Darüber hinaus konnten die USA große Fortschritte erzielen
beim Abschluss von Technologiekooperationsabkommen
mit China.
Die Teilnehmer begrüßten die positive Haltung der neuen
US-Regierung, warnten aber gleichzeitig vor politischen
Hürden für das amerikanische Gesetz über saubere Energie
und Versorgungssicherheit (American Clean Energy and Security Act) in der Zukunft. Wenngleich dieses Gesetz darauf
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
Die EU hat darüber hinaus auch
Vorschläge ausgearbeitet, um Entwicklungsländer durch Anreize
zur Erlangung von Zielvorgaben in
bestimmten Sektoren bei der Emissionsverringerung zu unterstützen.
Der Europaabgeordnete Theodoros
Skylakakis erklärte, dass das in der EUPolitik gültige Verursacherprinzip (der
Umweltsünder bezahlt) weltweit angenommen werden muss, wenn die
internationale Staatengemeinschaft das erreichen will, was
in den Augen von Wissenschaftlern unabdingbar ist, um der
globalen Erwärmung entgegenzuwirken.
”
Die globale Erwärmung ist ein Marktversagen. Daher ist eine
Marktlösung nötig, um die neue Technologie zu entwickeln,
die zur Lösung des Problems erforderlich ist, so Skylakakis.
Weiter fügte er hinzu, dass es unerheblich ist, in welchem
Maße Europa versucht, seine Emissionen zu reduzieren,
wenn die USA und die Entwicklungsländer nicht auch ihren
Part übernehmen. »
MEHR DAZU
EU-Kampagne für den Wandel
ec.europa.eu/environment/climat/campaign/
index_en.htm
UN-Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen
en.cop15.dk
Artenvielfalt und Klimawandel
07
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Die Natur als Verbündete
Intakte Ökosysteme sind ein hervorragender Schutz vor dem
Klimawandel. Doch manche sind durch menschliches Eingreifen
bereits fragil und werden im Zuge der fortschreitenden
Erderwärmung noch mehr Schaden nehmen. Mit erfolgreichen
Politiken gegen den Klimawandel und den Verlust der
Artenvielfalt ließe sich dieser Prozess allerdings aufhalten.
Klimawandel stellt ohne Frage eine große Bedrohung für die
Arten und Habitate weltweit dar. Auf einem Seminar der Grünen Woche 2009 über Aspekte der Biodiversität hinsichtlich
der Anpassung an den Klimawandel erklärte Jeff McNeely,
Chefwissenschaftler der Weltnaturschutzunion (International
Union for Conservation of Nature, IUCN) und Mitglied des Internationalen Ausschusses für nachhaltiges Ressourcenmanagement (Panel for Sustainable Resource Management), dass es an
der Zeit ist, dass wir uns des Problems annehmen.
„Artenverlust ist bereits Realität, die Übersäuerung der Meere
löst ein Korallensterben aus, und die Meeresspiegel steigen
– in Bangladesch und anderen Teilen der Welt müssen Menschen ihre Heimat verlassen”, erklärte er. Deshalb ist die effektivste und kosteneffizienteste Art der Vorbeugung gegen
Klimaprobleme und der Anpassung dafür zu sorgen, dass
unsere Ökosysteme intakt bleiben, da wir dann insbesondere
den Schaden von extremen Klimaereignissen auf ein Minimum reduzieren und zusätzliche Vorteile erzielen können.
ektivste und kosteneffizienteste
“ArtDiedereffVorbeugung
gegen Klimaprobleme
und der Anpassung ist dafür zu sorgen, dass
unsere Ökosysteme intakt bleiben
”
Naturschutz
Konstantin Kreiser von BirdLife International stimmte dem
uneingeschränkt zu. Er vertrat die Auffassung, New Orleans
hätte Hurrikan Katrina 2005 besser verkraftet, wenn gesunde Mangrovenwälder die Stadt als eine Art Wall geschützt
hätten.
„Natürliche Systeme wie Regenwälder absorbieren die
Hälfte der Treibhausgasemissionen weltweit”, so Kreise. „Sie
sind unsere besten Verbündeten, doch wenn wir sie nicht
pflegen, werden sie zu unseren schlimmsten Feinden. So
können sich Wälder beispielsweise von Kohlenstoffsenken
in katastrophaler Weise in Kohlenstoffquellen verwandeln.”
Laut aktuellen BirdLife-Forschungsberichten über europäische Vogelarten verlagern manche Vogelarten infolge des
Klimawandels ihren Lebensraum nach Norden oder ziehen
sich in die Berge zurück. Während sich einige Arten gut an
die neuen Verhältnisse anpassen können, wird die Verbreitung anderer möglicherweise drastisch zurückgehen.
Europa verfügt bereits über ausgezeichnete Naturschutzgesetze, doch die Mitgliedstaaten setzen sie nicht korrekt
um, beklagte Kreiser. Er übte Kritik an Lobbies, die Reformen
der europäischen Agrar- und Fischereipolitik blockieren und
hielt es für erforderlich, dass jede EU-Politik auf ihre Fähigkeit
zur Förderung der „Nachhaltigkeit des Ökosystems“ geprüft
werden muss.
Anpassungsmaßnahmen
Manche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel
sind positiv. Grüne Dächer, erklärte Dr. Pam Berry vom Institut für Klimawandel der Universität Oxford, sind eine gute
Gebäudeisolierung, speichern Kohlenstoff, reduzieren urbane Hotspots und erhöhen die lokale Artenvielfalt. Die Wiedereinrichtung von Rückhaltegebieten in Lincolnshire (UK)
ist in dreifacher Hinsicht eine gute Sache – als Beitrag zur Abmilderung des Klimawandels (Kohlenstoffspeicherung), als
Anpassung (Regulierung des Wasserflusses und Verhütung
von Überschwemmungen) und als Schutz der Artenvielfalt.
Sie forderte, diese Synergien zu identifizieren und sie überall
dort, wo sie möglich sind, zu fördern; ebenso müssen kosteneffektive Antworten auf den Klimawandel gefunden werden. Andererseits verwies sie jedoch auch auf Beispiele von
Maßnahmen der Anpassung an den Klimawandel, die negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt haben. So macht
das kürzlich abgeschlossene Projekt MACIS beispielsweise
deutlich, dass der Einsatz von Schneekanonen zur Kompensierung von Schneemangel in bestimmten europäischen
Wintersportgebieten mit einem hohen Strom- und Wasserverbrauch einhergeht und sehr schlecht für die in dem Gebiet heimische Artenvielfalt ist.
Ladislav Miko, tschechischer Umweltminister und Seminarleiter, forderte die Politiker auf, Lösungen zu fördern, die auf
eine Abmilderung des Klimawandels, eine Anpassung an
den Klimawandel und den Artenschutz abzielen. Er teilte indes auch die allgemeine Schlussfolgerung, dass Europa seine
Klimaziele nicht erreicht, wenn es nicht in der Lage ist, seine
Ökosysteme und Biodiversität zu schützen. »
2010: Schlüsseljahr für die
Artenvielfalt
k Internationales Jahr der Artenvielfalt
k Vollendung des terrestren Teils des Natura-2000Netzes
k Die EU und die internationale
Staatengemeinschaften müssen ein neues
Artenschutzziel festlegen.
MEHR DAZU
GD Umwelt – Homepage Anpassung
ec.europa.eu/environment/climat/adaptation/
index_en.htm
Projekt MACIS
www.macis-project.net
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
08
Vision 2050
Unsere Wirtschaft muss grüner
werden
Klimawandel, Umweltzerstörung und Armut erscheinen häufig als unüberwindbare
Probleme. Das ist nicht die Meinung von Experten auf der Grünen Woche, die erklären, wie
sie sich die Welt im Jahr 2050 vorstellen. Die Lösungen umfassen: rascher Übergang zu
einer Wirtschaft mit wenig oder Nullwachstum, Eindämmung des Bevölkerungswachstums
und Ermutigung zu einem umfassend nachhaltigen Lebensstil.
In zwei Sitzungen mit dem Titel „Greening our economy“ widmeten sich Redner mit unterschiedlichem Wirtschafts- und Umwelthintergrund den vielfachen Herausforderungen, die sich der
Menschheit stellen. Breite Einigung wurde bei der Feststellung
erzielt, dass wir in einer Welt mit endlichen Ressourcen leben und
wir nicht so weiterleben können wie bisher.
Menschen mögen bereit sein, ihren Lebensstil bis
“2050
anzupassen, unsere Institutionen sind vielleicht
weniger willig, gleichzuziehen”
„Der ökologische Fußabdruck geht bereits über die regenerative
Fähigkeit der Erde hinaus, und unsere Anforderungen an die Erde
haben sich während der letzten 40 Jahre verdoppelt“, stellte Dr.
Moustapha Kamal Gueye von der Abteilung Technologie, Industrie und Wirtschaft des UN-Umweltprogramms (UNEP) fest. „Darüber hinaus sind weltweit die jährlichen Treibhausgasemissionen
heute fünfmal höher als die Erde absorbieren kann.“
Green Economy Initiative – ein grünes
Wirtschaftsprojekt
Er forderte einen „transformativen Wandel“ von Wirtschaft und
Gesellschaft und hob im Anschluss daran Beispiele aus der Green
Economy Initiative des UNEP hervor, die auf eine grünere Wirtschaft abzielt. Damit würden Millionen „neue und angemessene
Arbeitsplätze“ entstehen, und wir wären besser gerüstet, um Umweltherausforderungen wie Kohlenstoffabhängigkeit, Verschlechterung des Ökosystems und Wasserknappheit zu meistern. Dieser
Wandel würde auch zur Armutsminderung beitragen.
Des Weiteren sieht Dr. Moustapha Kamal Gueye in der aktuellen
Wirtschaftskrise auch eine große Chance, um unsere Wirtschaft zu
überdenken. So würde beispielsweise nur ein kleiner Teil der mehr
als drei Billionen Euro, die die Regierungen vor kurzem in die globale Wirtschaft zur Überwindung der Krise gesteckt haben, riesige
Dividenden bringen, wenn das Geld in erneuerbare Energiequellen investiert worden wäre.
Erneuerbare Energiequellen sind auch eine Schlüsselpriorität für
Jacob von Uexküll, Gründer des Weltzukunftsrats (World Future
Council), der erklärte, dass die Welt endlich zu akzeptieren scheint,
dass es „Wachstumsgrenzen“ gibt – eine Theorie, die vor 40 Jahren
vom Club of Rome bzgl. der Gefahren eines exponentiellen Bevölkerungswachstums auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen
erstellt wurde.
In von Uexkülls Vision einer „erneuerbaren Welt“ im Jahr 2050
müsste sich unser Leben in all seinen Aspekten verändern. Als
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
Schwerpunkte nannte er erneuerbare Energien, Produkt- und Abfallmanagement durch geschlossene Produktionssysteme, grüne
Arbeitsplätze sowie nachhaltige Wirtschafts- und Finanzsysteme,
die realen Wohlstand erhalten.
Der Rush auf erneuerbare
Energiequellen
Das „Herzstück“ seiner Vision ist jedoch eine erneuerbare Welt, in
der die Energieversorgung zu 100 % mit erneuerbaren Energien
gedeckt wird. Dies würde einen breiten Mix von ErneuerbareEnergie-Technologien, die Verwendung von Brennstoffzellen und
Biotreibstoffen aus Abfall aus dem Verkehr und die Nutzung neuer
Energiespeichermöglichkeiten und intelligenter Netze voraussetzen. Darüber hinaus plädierte er für den größtmöglichen Einsatz
von Strom aus lokalen erneuerbaren Energiequellen.
Der Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energiequellen würde unser Leben und unsere Gesellschaft in verschiedener Hinsicht positiv verändern, erklärte von Uexküll. Als
Hauptvorteile nannte er eine „Verlangsamung des Klimachaos“
und eine Verringerung der Luftverschmutzung. Länder müssten
nicht länger um Öl- und Gasressourcen konkurrieren, die heute
hinter zahlreichen Konflikten stehen. Gleichzeitig warnte er, dass
dies nur dann eintreten würde, wenn ein „entschiedener Wandel
stattfindet und erneuerbare Energieträger großflächig eingesetzt
werden“.
Die Gesellschaft müsste auch bereit sein für eine „Revolution sowohl in unseren Produktions- und Abfallsystemen als auch in
unseren Köpfen“. Die Wegwerfgesellschaft würde verschwinden,
Cradle-to-cradle-Design-Konzepte würden die völlige Wiederverwendung von fast jedem Abfall oder gebrauchtem Material
ermöglichen. Weiter erklärte er, es würden Millionen neuer grüner
Arbeitsplätze in Bereichen von Energieeffizienz bis hin zu nachhaltiger Landwirtschaft und Fertigung entstehen, was das Verhalten
positiv verändern und letztendlich zu einem kulturellen Wandel
führen würde. Die Menschen würden zu „nachhaltigen Konsumenten“, die Lebensqualität mit weniger Ressourcen einer Welt
mit einer immer größeren Konsumauswahl vorzögen.
Abkehr vom BIP-Indikator
Mehrere Redner vertraten die Auffassung, dass das BIP (Bruttoinlandsprodukt) – heute der Hauptindikator für Wirtschaftsentwicklung – bis 2050 durch andere Indikatoren ersetzt wird.
Zu ihnen zählte auch Dr. Arnold Tukker, Programm-Manager von
SCORE!, TNO, der außerdem auf neue Forschungserkenntnisse
verwies, wonach es schwierig wird, ohne tiefgreifende Veränderungen unseren aktuellen Lebensstandard aufrechtzuerhalten.
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© iStockphoto
Vision 2050
Green Economy Initiative (UNEP)
k stellt fest, dass mit Investitionen in die Verbesserung des
Er verwies darauf, dass die Weltwirtschaft circa 200 Billionen
USD bräuchte, um bis 2050 eine „faire und sozial gerechte“ Welt
aufzubauen, in der trotzdem die Menschen in reichen Ländern
ihr relativ hohes Einkommensniveau halten können. Das wäre
viermal höher als das bisherige. „Doch um dies zu erreichen,
müssten wir den Kohlenstoffausstoß und den Materialverbrauch der Wirtschaft um einen Faktor 10 herabsetzen, um
geringere CO2-Niveaus und eine verminderte Ressourcennutzung sicherzustellen“, so Dr. Arnold Tukker.
Praktisch würde dies große Veränderungen im Konsum- und Produktionsverhalten sowie für die Funktionsweise der Wirtschaft
bedeuten. Auf der Konsumseite müssten wir mit Veränderungen
bei Lebensmitteln (etwa weniger Fleisch und Milchprodukte),
Mobilität, Wohnen, energieverbrauchenden Produkten rechnen:
insgesamt machen diese circa drei Viertel der Lebenszyklusauswirkungen unserer Wirtschaft aus. Produktion und Produkte
müssten außerdem sehr viel energieeffizienter sein.
Tukker zufolge könnten wir die Reduzierung um den Faktor 10 erreichen, aber nur dann, wenn wir neue Technologien kombinieren
und die gesamte Produktions- und Konsumkette berücksichtigen.
„Wir alle müssen bis 2050 zu Menschen werden, die einen kleinen
ökologischen Fußabdruck hinterlassen”, fügte er hinzu.
Seine Äußerungen wurden von Dr. Peter Victor, York University,
Kanada, unterstützt, der forderte, dass natürliche Systeme in die
Wirtschaft eingebettet sein müssen. Seiner Ansicht nach ließen
sich Zielvorgaben, etwa geringere Treibhausgasemissionen,
durch die Verminderung des Wirtschaftswachstums einfacher
erreichen und er fügte hinzu, dass sogar führende Wirtschaftskapitalisten mittlerweile zu diesem Schluss kommen. „Wir möchten
eine bessere Zukunft, die wir selbst entwerfen, wir wollen kein
Desaster”, schloss er.
Faktor Bevölkerung
Dr. Ashok Khosla, Präsident der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature) plädierte für eine
Verringerung des Bevölkerungswachstums. Dies würde helfen,
die zwei großen globalen Herausforderungen, nämlich
Armut und Umweltzerstörung, zu meistern.
Er empfiehlt „Energietransfers“ in arme Länder durch die Bereitstellung von mehr erneuerbaren Energiequellen. Wenn die
Energiehaushalts von Gebäuden in der EU und in den USA
2 Millionen bis 3,5 Millionen Arbeitsplätze entstanden sind
k prognostiziert die Schaffung von bis zu 20 Millionen
Arbeitsplätzen bis 2030 im Bereich der erneuerbaren
Energiequellen
k stellt fest, dass die Verlagerung von 25 % des gesamten
Flugverkehrs unter 750 km im Jahr 2050 jährlich
5 Gigatonnen (GT) CO2 einsparen würde (aktuelle globale
Gesamtemissionen = 42 Gigatonnen; 1 Gigatonne =
1 000 Millionen Tonnen)
k erklärt, dass die Verlagerung von 25 % des gesamten
Straßengüterverkehrs von über 500 km auf die Schiene
4 Gigatonnen (GT) CO2/Jahr einsparen könnte.
Menschen zuhause oder anderswo mehr Energie zur Verfügung
haben, ändert sich ihr Verhalten tiefgreifend, da es mehr Job- und
Bildungsangebote gibt. Gebildetere Frauen werden sich auch für
weniger Kinder entscheiden, was letztlich auch weniger Armut
und geringeren Ressourcenverbrauch bedeutet. Seiner Meinung
nach trägt eine Frau, die zwei Kinder weniger gebärt, zu Kohlenstoffeinsparungen von rund 1 700 € bei. Außerdem könnte der
Energietransfer von reicheren in ärmere Länder die Weltbevölkerung von vorhergesagten neun auf sieben Milliarden Menschen
bis 2050 vermindern.
Die Debatte endete optimistisch mit Blick auf internationale Gespräche, damit grüne Wirtschaftspolitik weltweit Anerkennung
findet. Gleichzeitig warnten die Redner davor, dass sich die Menschen schnell anpassen und bis 2050 einen anderen Lebensstil,
der uns allen abverlangt wird, annehmen mögen, unsere Institutionen aber vielleicht nicht so willig sind, um gleichzuziehen. »
MEHR DAZU
Europäische Kommission – Grüne
Wirtschaft
ec.europa.eu/environment/enveco/
index.htm
UNEP Green Economy
www.unep.org/greeneconomy
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
10
Sicherheit und Klimawandel
Ein Krieg ohne militärische Antwort
© iStockphoto
Der Klimawandel hat womöglich bedeutende Auswirkungen auf
die internationale Sicherheit, insbesondere in bereits benachteiligten Regionen. Um dem Klimawandel Rechnung zu tragen, hat die
EU deshalb ihre Sicherheitsstrategie aktualisiert und arbeitet daran,
Klimaaspekte in die außenpolitischen Instrumente der Europäischen Union einzubinden.
Der Klimawandel stellt in Teilen Asiens, Afrikas und des Pazifischen
und Indischen Ozeans eine ebenso große Herausforderung für
die globale Sicherheit dar wie Terrorismus und Massenvernichtungswaffen. Experten sagen zunehmende Konflikte wegen
Naturressourcen wie Wasser, die Sicherheit von Energiepipelines
und Atomkraftwerken bedrohende Wetterveränderungen, Überschwemmungen und Missernten voraus. Auf der anderen Seite
könnte der Klimawandel zu einer stärkeren Zusammenarbeit im
Bereich der Energieversorgungssicherheit und Konfliktprävention
beitragen und zum Katalysator für Frieden werden.
überschreiten. Eine Schlüsselstrategie muss sein, Hochrisikobereiche zu identifizieren und heute in sie zu investieren, um so die
Chancen zur Bewältigung von Spannungen und Konflikten, die
dort mit hoher Wahrscheinlichkeit entstehen, zu verbessern.
Die Konferenzteilnehmer der Grünen Woche 2009 erfuhren,
dass Klimawandel ein „Gefahrenmultiplikator“ ist, der gegebene
Umstände verschärft und Spannungen sogar in stabilen Regionen
Eine neue rechtliche Infrastruktur könnte erforderlich werden,
um sich der Frage der Verteilung von Wasser aus gemeinsamen
Flüssen und des antizipierten Untergangs kleiner Inselstaaten im
Pazifik, deren Bevölkerungen neuen Lebensraum benötigen, anzunehmen. Darüber hinaus stellen sich Fragen über Eigentum von
internationalen Gewässern, die ehemalige Staaten umgeben.
Klimawandel ist ein ‚Gefahrenmultiplikator’, der
“gegebene
Umstände verschärft und Spannungen
sogar in stabilen Regionen verstärkt”
verstärkt. Die Industrieländer spüren bereits die ersten Auswirkungen. So beschädigte der Hurrikan Katrina im Jahr 2005 Ölplattformen vor der Küste Lousianas, was einerseits dazu führte, dass die
Ölförderung verlangsamt wurde, während andererseits veränderte Wasserpegel für die Wasserstaudämme zum Problem wurden.
Das Militär hat die Gefahren seit langem erkannt und die Regierungen nehmen die Sache Ernst, erklärte Nick Mabey von E3G, einer
Organisation für nachhaltige Entwicklung. Er und andere Redner
erklärten, die erste und beste Lösung, mit den Gefahren umzugehen, ist, den Klimawandel durch jetziges Handeln in den Griff zu
bekommen. 2007 erkannte die EU die Auswirkungen des Klimawandels auf die Sicherheit und aktualisierte infolgedessen ihre
Sicherheitsstrategie, um den vom Klimawandel
ausgehenden Gefahren Rechnung zu tragen.
Jeder Politikbereich muss unter dem Aspekt des Klimawandels
beleuchtet werden. Beim Entwurf von Verordnungen ist den
Auswirkungen der Strukturen auf die Umwelt sowie künftigen
Auswirkungen der Umwelt auf die Strukturen Rechnung zu
tragen – wie etwa die Gefahren der Permafrostschmelze für
russische Atomkraftwerke.
Umweltflüchtlinge
Bereits 98 % der Opfer von Naturkatastrophen entfallen auf
Entwicklungsländer. Die Auswirkungen des Klimawandels
werden diese Gemeinschaften noch verwundbarer machen
und zu Abwanderungsbewegungen führen, in erster Linie
zwar im eigenen Land, aber auch über die Landesgrenzen
hinaus. Dies erfordert Planungen in Bezug auf Umweltflüchtlinge,
einschließlich eines weiteren Bildungsangebots, temporärer
Migrationsprogramme sowie der Verbesserung und Anpassung
ihrer Wohnungen.
In ihrem Papier über die Anpassung an den Klimawandel stellt
die EU fest, dass Klimawandel und Migrationsbewegungen
miteinander verkettet sind und erklärt, dass dies in einer breiteren
EU-Debatte über Sicherheits-, Entwicklungs- und Migrationspolitiken berücksichtigt werden muss. »
MEHR DAZU
Identifizieren und
investieren
Mögliche Lösungen umfassen eine intensivere politische Zusammenarbeit mit China
und Indien und die Verbesserung der Energiesicherheit durch die Abkehr von fossilen
Brennstoffen hin zu neuen Technologien.
Europa sollte auch Konflikte in Bezug auf
natürliche Ressourcen wie Wasser präventiv angehen und neue Übereinkommen
abschließen, zum Beispiel mit afrikanischen
Ländern, wo 80 % der Flüsse nationale Grenzen
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
EU-Weißbuch – Anpassung an den Klimawandel
ec.europa.eu/environment/climat/adaptation/index_en.htm
Internationale Organisation für Migration
(International Organization for Migration)
www.iom.int
Papier der Kommission und des Rates über Klimawandel
und internationale Sicherheit
www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/
en/reports/99387.pdf
Europäische Sicherheitsstrategie
www.consilium.europa.eu/showPage.aspx?id=266&lang=en
Wasserknappheit
11
Die Quelle des Lebens ist am Versiegen
© iStockphoto
Treibhausgase sind die Verursacher der globalen Erwärmung. Wasser ist
ihr Opfer. Wasserknappheit ist ein Problem, das in Teilen Europas immer
spürbarer und sich infolge des Klimawandels zusehends verschärfen
wird. Dennoch erhält es in der Öffentlichkeit viel zu wenig Beachtung.
Globale
Erwärmung,
zunehmende Verstädterung und ein Wandel
in der Landnutzung sorgen für Wasserknappheit
weltweit. Die Teilnehmer der
Grünen Woche erfuhren, mit
welchen Mitteln die verschiedenen Gemeinschaften weltweit der Herausforderung begegnen.
Bessere Raumordnung ist von entscheidender Bedeutung. Jan Pokorny von der tschechischen Akademie der
Wissenschaft der Tschechischen Republik erklärte, wie die
Bepflanzung von Land helfen kann: Trockener Boden überhitzt sich, während Boden mit Vegetation für eine effizientere Wassernutzung sorgt, eine größere Artenvielfalt bietet, die
Sequestration von Kohlendioxid, die Abmilderung des
Klimawandels gewährleistet und den Energieüberschuss
infolge der Treibhausgasemissionen nutzt.
Bewässerung ist essentiell
Die Rechnung für Wasserknappheit müssen häufig die
europäischen Bauern bezahlen, da sie bis zu 80 % des
verfügbaren Wassers für ihre Ernten verbrauchen. Doch,
wie Eugénie Pommaret, eine Vertreterin des Europäischen
Verbands der Landwirte Copa-Cogeca feststellt, betreiben
die Landwirte im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik
bereits Wassermanagement und spüren als Erste Änderungen in der Versorgungskette.
Treibhausgase sind die Verursacher der
“globalen
Erwärmung. Wasser ist ihr Opfer”
Politiken, wie Stadtentwicklungs-, Wald- und Forstwirtschaftspolitiken, die Einfluss auf die Wasserversorgung haben, müssen sich ihrer Auswirkungen auf die Landwirtschaft
bewusst werden. Doch laut Pommaret sind Einschnitte bei
der Bewässerung nicht die Lösung, da Bewässerung Garant
für gesunde Ernten und Nahrungsmittel ist und die Feuergefahr, Bodenerosion und den Verlust von Habitaten und seltenen Arten vermindert. Für die Landwirte lautet die richtige
Antwort: freiwilliges Wassermanagement mit Anreizen plus
Unterstützung durch Innovation und neue Technologie.
Wassermanagement
Die Sitzung befasste sich auch mit Wassermanagement
weltweit. Auf der Konferenz wurde ein Vortrag darüber gehalten, wie die Entwicklungsagentur von Ost-Thessaloniki
in Griechenland eine Politik für das Flusseinzugsgebiet des Anthemounta mit der Unterstützung des LIFE-
Wasseragenda-Projekts entwickelte. Der erste Schritt bestand darin, Ort, Menge und Qualität des Wassers sowie die
Kosten zur Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung
zu identifizieren und herauszufinden, wie die Kosten wieder
hereingebracht werden können. Dann entwarfen die Partner eine Wasserpolitik auf der Grundlage der Grundsätze der
Agenda 21 und der Wasserrahmenrichtlinie, die jedem Einzelnen Einsicht gewährt, wie und wo Wasser benutzt wird.
Wasserknappheit und ihre Folgen
k Slowakei: Regenniederschläge verlagerten sich vom Tiefland,
wo sie für Ernten gebraucht werden, in Bergregionen
k Zypern: musste 2008 Wasser aus Griechenland zu hohen Kosten
importieren
k Kalifornien: musste sich infolge ausgetrockneter
Flussmündungsgebiete, geringer Wasserreservoirs und Dürren
Ziele für Wasserschutz, -recycling und -speicherung stecken
Die Politik zeigt, dass es möglich ist, durch die Änderung von
Verhaltensweisen und den Aufbau einer guten Infrastruktur
ein Gleichgewicht zwischen Versorgung und Nachfrage bis
2020 herzustellen. Die Ergebnisse werden dazu dienen, die
Öffentlichkeit für die Problematik zu sensibilisieren und einen Rat für das Flusseinzugsgebiet zu schaffen.
Zypern und Malta haben ein semiarides Klima und sind die
zwei wasserarmen Länder der EU mit der geringsten verfügbaren Wassermenge pro Person. Über zwei Drittel des Wassers werden in der Bewässerung eingesetzt; auf Haushalte,
einschließlich Tourismus, entfallen ein Viertel. Als kurzfristige
Antwort wurde eine Beschränkung der Wassernutzung in
der Landwirtschaft angeordnet, indem strenge Quoten
unter Androhung von Ordnungsstrafen festgelegt wurden.
Außerdem wurde der Versorgung der Haushalte, einschließlich Tourismus, Priorität eingeräumt.
Tam Doduc vom California Water Board sprach über die
Herausforderung „der hydrologisch am meisten veränderten Region der Erde“. Infolge des Klimawandels hat Kalifornien trotz seiner 1 200 Dämme ein fundamentales Problem
in punkto nachhaltiger Landnutzung. Ein großer Schritt nach
vorn wurde in diesem Februar mit der Verabschiedung eines
Wasserrecyclingprogramms für den Bundesstaat Kalifornien
erzielt. »
MEHR DAZU
GD Umwelt Wasser-Homepage
http://ec.europa.eu/environment/water/index_en.htm
LIFE Wasseragenada-Projekt
www.lifewateragenda.org
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
12
CO2-Abscheidung und -Speicherung
Es bleibt wenig Zeit für eine massive
Verbreitung
CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) könnte eine wichtige Rolle spielen, um die Auswirkungen der
Treibhausgasemissionen abzumildern. Doch die Technologie ist kostspielig, muss sich erst noch etablieren und
wird bis 2050 weltweit massiv eingesetzt werden müssen, um die gegenwärtigen Klimaschutzziele zu erreichen.
Europa plant bis zu 12 CCS-Demonstrationsprojekte und ein weiteres in Zusammenarbeit mit China.
zur Einreichung von Vorschlägen für diese Projekte an, eine im
Dezember 2011, die andere im Dezember 2014. Ziel ist,
verschiedene CSS-Technologien an verschiedenen Standorten in ganz Europa zu testen.
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Fossile Brennstoffe wie Kohle und Erdgas werden auch in den
nächsten Jahrzehnten in den Industrie- und Schwellenländern als wichtige Energiequellen fortbestehen, so Teilnehmer
einer Debatte über CCS auf der Grünen Woche 2009. Derzeit
befinden sich in Europa circa 50 neue Kohlekraftwerke im
Planungsstadium. Im Gegensatz dazu wird in China, dem
weltgrößten Kohleverbraucher, alle paar Tage ein neues
500 MW-Kohlekraftwerk fertig gestellt.
Was ist CCS?
Die Technologie umfasst die Abscheidung von
Kohlendioxidemissionen als Ergebnis des Verbrennungsprozesses in
verschiedenen Industriesektoren, insbesondere bei der Verwendung
von Kohle und Erdgas zur Stromerzeugung. Danach wird das
abgeschiedene CO2 in sicheren unterirdischen Speicherstätten
permanent eingelagert.
Für die EU gehört CCS zu den Technologien, die das Potenzial für
drastische Emissionsreduktionen haben. Die kürzlich angenommene CCS-Richtlinie, die Teil des EU-Klima- und Energiepakets
von 2009 ist, zielt darauf ab, einen Rechtsrahmen für einen
sicheren und umweltverträglichen Einsatz von CCS zu schaffen.
Ehrgeiziger Zeitrahmen
Die Zeitrahmen für die Verbreitung dieser Technologie stellen
eine Herausforderung dar. Die Europäische Kommission möchte, dass bis 2015 12 CSS-Demonstrationsanlagen auf großtechnischem Niveau gebaut und in Betrieb genommen werden.
Die G8-Staaten fordern eine weite Verbreitung der Technologie bis 2020.
Die EU-Projekte müssen „maßgeblich innovativ und finanziell
tragfähig“ sein, so Piotr Tulej von der Europäischen Kommission. Er kündigte die Veröffentlichung von zwei Aufforderungen
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
Die ausgewählten Projekte bedürfen des ausdrücklichen Einverständnisses der Mitgliedstaaten und müssen
mindestens 85 % des erzeugten CO2 abscheiden. Außerdem müssen sich die Betreiber verpflichten, das erworbene Wissen mit anderen zu teilen. Tulej räumte zwar
Finanzierungslücken in der Kofinanzierung der 12 CCSDemonstrationsprojekte ein, erklärte aber, dass die EU
bereits Zertifikate im Werte von 300 Millionen Euro aus
der Reserve für neue Marktteilnehmer des EU-Emissionshandelssystems für diese und andere innovative Demonstrationsprojekte für erneuerbare Energien vorgesehen
hat.
Technologiezusammenarbeit mit
China
Die EU arbeitet auch international, um CCS und saubere Kohletechnologien zu fördern, erklärte Stefan Agne von der Europäischen Kommission. Im Fokus der neuen Mitteilung der Kommission über CCS in Schwellenländern steht China, wo die EU
gemeinsam mit China den Bau einer CCS-Demonstrationsanlage plant. Zur Deckung der hohen Kosten bedarf es jedoch
möglicherweise privater und öffentlicher Gelder.
Die Verbreitung von CCS muss maßgeblich beschleunigt
werden, erklärte Nick Otter vom Global CCS Institute,
das als Antwort auf die G8-Forderung zum Thema CCS
kürzlich in Australien gegründet wurde. „Wir müssen
Vertrauen schaffen, dass CCS umweltverträglich und
kommerziell tragfähig für eine weltweite Verbreitung
ist und eine notwendige Alternative darstellt, um gegen
den Klimawandel vorzugehen”, fügte er hinzu.
Für Otter ist die Entwicklung der 10 000 CCS-Projekte, die die
Internationale Energieagentur bis 2050 fordert, eine große
Herausforderung. Bis dahin könnte nach Aussagen der IEA
die CCS-Technologie bereits fast ein Fünftel der Reduktionen
beitragen, die notwendig sind, um die CO2-Emissionen zu
vernünftigen Kosten allein im Elektrizitäts- und Industriesektor zu halbieren. »
MEHR DAZU
GD Umwelt – CCS-Homepage
ec.europa.eu/environment/climat/ccs/index_en.htm
Global CCS Institute
www.globalccsinstitute.com
Vision 2050
Die Zusammenarbeit mit
der Natur hat viele Vorteile
13
Intakte Ökosysteme bieten für den Menschen wichtige Nahrungsmittel und Leistungen, die uns helfen
könnten, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen und uns an seine Auswirkungen anzupassen.
Falsche Bewirtschaftung von Naturgebieten kann indes zum Anstieg der Treibhausgasemissionen
beitragen und die Artenvielfalt bedrohen. Die Redner auf einer Sitzung der Grünen Woche, die sich
damit beschäftigte, wie die Welt im Jahr 2050 aussehen wird, betonten, wie wichtig der Respekt
gegenüber der Natur ist, insbesondere wenn es um den Schutz unserer Wälder und Böden geht.
© iStockphoto
Der Druck wird wachsen
Zu verstehen, welche Rolle Ökosysteme bei der Klimaregulierung spielen, ist von zentraler Bedeutung für das Verständnis des
Klimawandels selbst, erklärten Barney Dickson, Leiter des UNEPProgramms für Klima und Artenschutz (UNEP Climate Change and
Biodiversity Programme), und Jan Plesnik von der tschechischen
Agentur für Naturschutz.
Die Teilnehmer erfuhren, wie in der Vergangenheit Abholzung,
insbesondere in Industrieländern, und Veränderungen in der
Landnutzung zu Verursachern für circa 20 % der Gesamtemissionen an Treibhausgasen wurden. Wenn Bäume gefällt werden,
stößt der Boden diese Gase in hohen Konzentrationen aus. Deshalb ist ein Schutz der Wälder weltweit dringend geboten. Hier
greift das UN-REDD-Programm, das nach Möglichkeiten sucht,
um Emissionen infolge von Abholzung und Umweltzerstörung in
Entwicklungsländern zu verringern und die Erhaltung der Tropenwälder zu fördern.
Torfland ist für circa 8 % der gesamten globalen Emissionen verantwortlich. „Torfboden ist nur stabil, wenn er feucht ist, trocknet
er aus, entweicht Kohlenstoff. Mit der Wiederherstellung von
Torfgebieten kann man Treibhausgasemissionen sofort reduzieren“, erklärte Annette Freibauer vom Bundesforschungsinstitut
für Ländliche Räume, Wald und Fischerei. Sie forderte Politik und
Industrie dringend auf, Land nicht nur als Ort der Produktion von
Biomasse zu sehen und empfahl die Erforschung von Land jeder
Art (auch urbanes Land), um Kohlenstoff zu speichern bzw. weniger Emissionen freizusetzen.
Biochar": eine Möglichkeit, dem
"Klimawandel
entgegenzuwirken
Dickson erläuterte, wie der Klimawandel dazu beiträgt, dass sich
Ökosysteme in höhere Breiten- und Höhengrade verlagern, häufig zu Lasten ihrer Unversehrtheit und ihres Nutzens. Doch kann
hier eine gute Bewirtschaftung eine wichtige Rolle spielen und
sowohl dem Mensch als auch der Natur helfen, sich an solche
Veränderungen anzupassen. In Vietnam hat sich beispielsweise
die Bepflanzung der Küsten mit Mangroven als sechsmal billiger
herausgestellt als die Wartung eines Deichsystems und sich darüber hinaus auch positiv auf die Artenvielfalt ausgewirkt.
Mahendra Shah vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (International Institute for Applied Systems
Analysis) warnte vor den Gefahren einer stetig zunehmenden
Entwaldung, denn Regierungen kämpfen rund um den Erdball
dafür, Land für den Nahrungsmittelanbau zu gewinnen. Darüber
hinaus verwies er auf die schwierigen Kosten-Nutzen-Abwägungen, die zwischen globalem Freihandel, Nahrungsmittelsicherheit
und der Nachfrage nach Bioenergie erfolgen müssen.
Die Nutzung von Agrarflächen zum Anbau von Energiepflanzen für Biokraftstoffe wird die für Nahrungsmittel verfügbaren Flächen verringern, fügte er hinzu. Würden die heutigen
Zielvorgaben für Biokraftstoffe erreicht, könnten laut seinen
Berechnungen bis 2020 rund 140 Millionen mehr Menschen
von Hunger bedroht sein. Dies würde die Abholzung beschleunigen und die internationalen Nahrungsmittelpreise um zwischen 30 % und 50 % erhöhen.
Intakte Ökosysteme
Jan Plesnik betonte die Bedeutung eines integrierten Ansatzes
für zum Schutz der Artenvielfalt und zur Bekämpfung des Klimawandels. Neuen Forschungsergebnissen zufolge sollten wir für
gesunde Ökosysteme sorgen, die dynamische adaptive Prozesse aushalten und weniger auf rein stabile Ökosysteme setzen,
so Plesnik. Dies könnte durch flexible Bewirtschaftung und den
Schutz der ökologischen Integrität gewährleistet werden.
Des Weiteren empfahl er die Schaffung von ökologischen
Korridoren und Sprungstellen zwischen zentralen Naturgebieten, um die eineVerbindung sicherzustellen, die die lokale
Artenvielfalt nutzen kann. In punkto Naturschutz rät er von
der „One Size Fits All“-Lösung ab. »
k Biochar ist der Kohlenstoffrückstand, der nach der anaerobischern
Pyrolyse übrigbleibt
k Einer der wenigen naturbasierten Prozesse, der atmosphärischen
Kohlenstoff in feste Kohle verwandeln kann
k Agrarabfälle in der EU könnten möglicherweise 100 Millionen
Tonnen Biochar jährlich erzeugen, hier besteht allerdings noch
Forschungsbedarf
MEHR DAZU
GD Umwelt – Homepage Natur und Artenvielfalt
ec.europa.eu/environment/nature/index_en.htm
International Biochar Initiative
www.biochar-international.org
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
14
Grüne Woche 2009 – Ausstellung und Nebenveranstaltungen
Grüne Geschichten rund um die
Grüne Woche
Mehr als 60 Aussteller waren auf der Grünen Woche 2009, um neue Ideen, Projekte und
Lösungen im privaten und öffentlichen Sektor zu präsentieren. Exponate aus der Industrie,
dem Energiesektor, der Landwirtschaft, dem Naturschutz und vielen anderen Bereichen
waren auf drei Stockwerken im Charlemagne-Gebäude in Brüssel zu sehen. Nachfolgend
berichten wir über einige Stände und Ausstellungsobjekte von besonderem Interesse, die
wir ausgewählt haben und in Wort und Bild vorstellen möchten.
Die Wüste breitet sich über das chinesische Dorf Longbaoshan
aus und zwingt die Dorfbewohner, ihr Land zu verlassen.
Extra, extra!
© Picturetank.com
Parallelsitzungen und -aktivitäten sorgten dafür,
dass bei den Teilnehmern der Grünen Woche keine
Langeweile aufkam. „Cities against climate change“
(Städte gegen Klimawandel) kamen mit Vertretern
aus Hamburg und Murcia, während bei „Archibiotics“
Umweltarchitekt Vincent Callebaut seine visionären
Arbeiten vorstellte, darunter auch schwimmende Städte, welche die expandierende Weltbevölkerung aufnehmen sollen. Die Teilnehmer
konnten außerdem an der Preisverleihung für LIFE-Umwelt- und LIFE-Natur-Projekte 2008-2009 teilnehmen oder einen Rundgang
durch„Vegetal City“ machen, eine Ausstellung über Visionen von auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Städte des belgischen Architekten
Luc Schuiten, die im Königlichen Museum für Kunst und Geschichte gezeigt wurde. Auf der Esplanade zwischen den Gebäuden
Berlaymont und Charlemagne zeigte eine Serie von Fotos in Großformat Menschen aus aller Welt , die durch die globale Erwärmung
ihre Heimat verlassen mussten. Die Not dieser „Klimanomaden“ wurde vor kurzem von einer Gruppe von 10 französischen
Fotografen und Journalisten dokumentiert, die unter dem Namen „Argos Collective“ bekannt sind.
Umweltbewusstsein steigern
© Picturetank.com
Das 1994 von einem senegalesischen Landwirtschafts-Ingenieur gegründete und in Brüssel ansässige Coren" bringt seine Botschaft der Nachhaltig"
keit in Schulen, Behörden und Unternehmen in ganz
Belgien. Die gemeinnützige Einrichtung führt ÖkoAudits gemäß internationalen Standards – wie EMAS
und ISO 14001 – durch und besucht Bildungseinrichtungen, um Lehrern und Schülern zu zeigen, wie sie
ihre Schulstunden, ihren Lebensstil und ihr Gebäude
umweltfreundlicher gestalten können.
Auf den Malediven wurde eine künstliche Insel für
Klimaflüchtlinge errichtet.
UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
Grüne Woche 2009 – Ausstellung und Nebenveranstaltungen
Parallel zum Thema der „Vision 2050“ wurde ein
90-minütiger Film gezeigt, der die Menschen aufrütteln soll, etwas gegen den Klimawandel zu
tun. Franny Armstrongs Film „The Age of Stupid“
(„Das Zeitalter der Dummen“), der im Jahr 2055 in
einer durch die globale Erwärmung verwüsteten
Welt spielt, ist ein Mix aus Drama, Dokumentarund Animationsfilm. Der Film dreht sich um
die Betrachtungen des einzigen überlebenden
Menschen, des Archivars Pete Postlethwaite. Dieser
arbeitet in einem Kulturmuseum an der Nordsee,
wo wir ihn antreffen, wie er sich Filmmaterial von
realen und erfundenen Nachrichten des frühen
21. Jahrhunderts anschaut. Er grübelt über den
Wahnwitz einer Spezies, die „wusste, wie man
Profit macht, aber vom Schutz keine Ahnung
hatte“, von Indiens letzter Billig-Fluglinie bis zu
ausbeuterischen Ölförderunternehmen in Nigeria.
Er erinnert sich daran, wie die Auswirkungen
des Klimawandels für alle klar erkennbar waren
– Gletscher bildeten sich jährlich um 10 Meter
zurück, und Hurrikan Katrina entpuppte sich als die
schlimmste Wetterkatastrophe Amerikas – und lässt
uns mit Bedauern fragen, warum solche Warnungen
ignoriert wurden: „Wir hatten eine unausgesprochene kollektive Abmachung, den Klimawandel zu
ignorieren.“ Seit seiner Premiere im vergangenen
März hat der Film weltweit das Bewusstsein von
Menschen und Regierungen wachgerüttelt. Lizzy
Gillett, die Produzentin des Filmes, war von London
aus der Konferenz per Video zugeschaltet und beantwortete die Fragen der Teilnehmer der Green
Week. Sie erklärte, inwieweit sich der Film auf wissenschaftliche Vorhersagen des IPCC (Weltklimarat)
stützt, betonte aber, dass der Film Emotionen bei
den Zuschauern auslösen und sie zum sofortigen
Handeln bewegen soll: „Kopenhagen ist unsere
letzte Chance, ein verbindliches Klimaabkommen
zu bekommen.” Der Film wird durch eine öffentliche Sensibilisierungskampagne mit dem Titel
„The Not Stupid public awareness campaign“
(„Die nicht dumme öffentliche Erkenntniskampagne“) ergänzt.
Spinnen für Nachhaltigkeit
Das Green Spider Netzwerk hat 50 Mitglieder in 28 Ländern. Es
umfasst Kommunikationsbeauftragte aus nationalen Umweltministerien und Agenturen in Europa, die Informationen, Ideen und
beste Praktiken untereinander austauschen. Im kommenden Jahr
wird sein Fokus entsprechend dem Internationalen Jahr der Artenvielfalt hauptsächlich auf Biodiversität gerichtet sein. Am Stand
des Netzwerks während der Grünen Woche waren Vertreter aus
verschiedenen Ländern anwesend. Deutschland nutzte die Gelegenheit, um Don Cato vorzustellen, eine Comicfigur, die Kinder
anregt, ihren Kindergarten umweltfreundlich zu gestalten und sie
über den Klimawandel unterrichtet.
Stadtfahrzeug mit Antrieb aus der
Steckdose
Das kleine REVA-Auto lässt sich in acht Stunden aufladen, erreicht eine
Spitzengeschwindigkeit von 80 km/h und bietet Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Das in Indien entworfene und gebaute ElektroAuto ist seit 2003 in Europa auf dem Markt. Es ist leise und sparsam,
der einzige CO2-Ausstoß, den es verursacht, erfolgt im Kraftwerk,
das den Strom erzeugt, mit dem es betrieben wird. Dank der Lithium-Ion-Batterien in der neuen Version ist eine Reichweite von bis zu
130 km gewährleistet. Das Fahrzeug, das ausserhalb des Veranstaltungsgebäudes der Grünen Woche zu sehen war, wurde freundlicherweise vom Europäischen Verband der Elektro-Fahrzeuge zur Verfügung
gestellt. Es machte sich auf den Weg nach Kopenhagen, wo die
diesjährige Klimakonferenz stattfinden wird. Den Organisatoren der
Grünen Woche wurde von Honda freundlicherweise ein Hybridfahrzeug zur Verfügung gestellt, mit dem ein Shuttleservice für die Redner
zum und vom Brüsseler Flughafen eingerichtet wurde.
Das dänische Modell
Eine Mini-Windmühle machte es leicht, den Stand des „Dänischen
Modells“ auszumachen. Dieses Modell betrifft öffentlich-private
Partnerschaften, die in Dänemark über zwei Jahrzehnte erfolgreich
waren und die nun nutzbar gemacht werden, um landesweit Klimaund Energielösungen und -projekte voranzutreiben. Viele sind in der
EnergyMap eingetragen, einem Online-Leitfaden in Englisch über
dänische Energietechniken und erneuerbare Energiequellen – von
Abfallterminals bis zu neuen, umweltfreundlichen Gebäuden, von
Bauernhöfen, deren Energieversorgung aus Biogas stammt, bis zu
Wellenenergie-Anlagen in der Nordsee.
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Ausstellung der Grünen Woche 2009
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The Age of Stupid
(Das Zeitalter der Dummen)
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UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ]
LIFE  JÄHRLICHE PREISVERLEIHUNG
Während der Grünen Woche fand die Preisverleihung von LIFE statt, dem Förderinstrument für
Umweltprojekte der Europäischen Kommission. An der Veranstaltung im Charlemagne-Gebäude
nahmen Vertreter von acht der zehn „Besten der Besten“-Projekte teil. Erstmals wurden LIFENatur- und LIFE-Umwelt-Projekte gleichzeitig ausgezeichnet.
Die 38 besten Projekte und die zehn „Besten der Besten“ illustrieren die Erfolge des LIFE-Programms in verschiedenen Umweltbereichen. Einige der diesjährigen Gewinnerprojekte werden auch nach ihrem offiziellen Ende noch weiterlaufen.
Umweltprojekte
Es wurden drei der „Besten der Besten“-Umweltprojekte aus Italien, Luxemburg und Dänemark vorgestellt. In Italien entwickelte
ESD mit Erfolg ein umweltfreundlicheres System für die Herstellung von Stahlwalzdraht, das 46 % weniger Energie verbraucht,
den Wasser- und Säureverbrauch insgesamt vermindert und die Gesamtkosten pro Tonne senkt.
Das Luxemburger Projekt Ecosb entwickelte ein innovatives Trocknungssystem für Holzpaneele, das die Emission von flüchtigen organischen Substanzen (VOC) um 99 % senkt, Energieeinsparungen von 10-20 % bewirkt und die Qualität der Paneele
verbessert.
CO2ref, ein dänisches Projekt, demonstrierte, dass die Verwendung eines natürlichen Kühlmittels – CO2 – in einer neuen Technologie für kommerzielle Kühlschränke wesentliche Umwelt- und kommerzielle Vorteile bringen kann. Die Verwendung von
FKW-Treibhausgasen wurde vermieden, der Energieverbrauch um 4 % und die Wartungskosten um 15 % gesenkt.
Über 45 dänische Supermärkte nutzen mittlerweile die Technologie.
Naturprojekte
Sieben weitere Projekte wurden ebenfalls ausgezeichnet. Der bedrohten ungarischen Wiesenschlange geht es nun viel besser
dank dem Projekt Hunvipur, das Bewirtschaftungspläne erstellte und auf die Restaurierung von Habitaten zielte (26 ha). Rund
400 Schlangen wurden von gerade mal 10 ausgewachsenen Schlangen ausgebrütet und werden in ein neues LIFE+-Projekt
eingegliedert.
Im Rahmen des Mikri-Prespa-See-Projekts in Griechenland konnten die Brut- und Nahrungsbedingungen des bedrohten
dalmatinischen Pelikans und der Zwergscharbe verbessert werden. Maßnahmen wie Wasserstandsverbesserungen und
Reetschnitt kamen neben anderen Vogelarten auch Amphibien zugute und einige Resultate können über die Grenzen hinaus
nach Albanien ausgeweitet werden.
Das Vier-Jahres-Projekt Lintulahdet im Finnischen Meerbusen zielte auf die Errichtung eines Netzes von 12 Natura-2000-Feuchtgebieten und die Wiederherstellung von rund 500 ha Weideland und Feuchtgebiet. Damit trug es zum Artenschutz in Feuchtgebieten, etwa der Schutz von Wat- und Wasservögeln, und zur Aufwertung von Freizeiteinrichtungen vor Ort bei.
In Finnland wurden außerdem rund 6 000 ha Wald in 33 Natura-2000-Gebieten im Rahmen des Projekts Boreal Forests wiederhergestellt. Zu den größten Erfolgen des Projekts gehört die Zunahme der Arten, wie etwa des bedrohten Weißrückenspechts
in den Nord- und Sumpfwäldern.
In Andalusien trug das spanische Projekt Lince Andalucía zu einem Anstieg der Population des iberischen Luchses um 49 %
bei. Andalusien ist nun Heimstätte für rund 200 Luchse. Das Projekt verhalf ferner zu einer größeren genetischen Vielfalt
und territorialen Verbreitung der Art; davon profitierten auch der spanische Kaiseradler sowie Gebirgs- und mediterrane
Buschlandhabitate. »
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Beste LIFE-Umweltprojekte
ec.europa.eu/environment/life/bestprojects/
best2008-2009/index.htm
Beste LIFE-Naturprojekte
ec.europa.eu/environment/life/bestprojects/
bestnat2007-2008/index.htm
KH-AD-09-S36-DE-C
Anerkennung für
LIFE-Spitzenprojekte
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