Europäer o erausga nd Magazin der Generaldirektion Umwelt be S Sonderausgabe 2009 Umwelt für Grüne Woche 2009 Klimawandel: Aktion und Anpassung EUROPÄISCHE KOMMISSION vorbemerkung Magazin der Generaldirektion Umwelt Die Europäische Union kann stolz sein auf ihre bahnbrechende Verpflichtung zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 2 % bzw. 30 %, wenn andere Industrieländer ein vergleichbares Versprechen abgeben. Diese Verpflichtung und praktische Maßnahmen – etwa das gestärkte Emissionshandelssystem – sind unerreicht in der Welt. Die Konferenz war ein großer Erfolg, hat aber ebenfalls hervorgehoben, dass noch viel getan werden muss, bevor wir den Klimawandel und seine Auswirkungen voll und ganz verstehen. Maßnahmen zur Abmilderung und Anpassung werden helfen, doch die Zeit läuft ab. Wie ein IPCC-Experte in einer Konferenzsitzung vermeldete, geht die aktuelle Wissenschaftsforschung davon aus, dass sich die Erde auf ein Klima zubewegt, das kein Mensch je zuvor erlebt hat – es sei denn, wir schaffen es, dass die globalen Emissionen innerhalb der nächsten zehn Jahre ihren Höchststand erreicht haben und 2070 bei Null sind. UMWELT ONLINE Möchten Sie wissen, was die Europäische Union für den Umweltschutz tut, was ein integriertes politisches Produkt ist oder wie man sich für ein „Umweltsiegel” qualifiziert? Antworten auf diese Fragen und vieles mehr finden Sie auf der Website der GD Umwelt: ec.europa.eu/environment/index_de.htm HINWEIS Weder die Europäische Kommission noch Personen, die im Namen der Kommission handeln, sind für die etwaige Verwendung der in dieser Publikation enthaltenen Informationen oder für irgendwelche Fehler, die trotz sorgfältiger Vorbereitung und Prüfung auftreten können, verantwortlich. Gedruckt auf recyceltem Papier, ausgezeichnet mit dem europäischen Umweltsiegel für graphisches Papier (ec.europa.eu/environment/ecolabel) Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2009 ISSN 1563-4175 © Europäischen Union, 2009 Die Reproduktion des Textes ist mit Quellenangabe gestattet. Die Reproduktion der Fotos (einschließlich der Abbildungen und Grafiken) ist nicht gestattet. Gedruckt in Belgien UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] REDAKTIONELLE INFORMATIONEN Umwelt für Europäer, ein Magazin der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, erscheint alle drei Monate auf Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Polnisch und Griechisch und kann kostenlos abonniert werden. Füllen Sie dazu das Formular des Magazins aus oder abonnieren Sie online unter ec.europa.eu/environment/mailingregistration/main/mailing_reg.cfm Chef-Redakteur: Carina Vopel Koordinator: Jonathan Murphy Weitere Auskünfte erteilt das Referat Kommunikation: Fax: +32 (0)2 29-86327 Informationen und Dokumente: ec.europa.eu/environment/env-informa/ Die Website Umwelt für Europäer: ec.europa.eu/environment/news/efe/index_de.htm Sonderausgabe 2009 Umwelt für on Europäer derausga Magazin der Generaldirektion Umwelt be Die Konferenz rankte sich um vier Unterthemen: EU-Klimapolitiken, die internationale Dimension, Leben mit dem Klimawandel, und Vision 2050: eine kohlenstofffreie Gesellschaft. Die Veranstalter sammelten über 100 thematische Schlussfolgerungen der 36 Sitzungen und Parallelveranstaltungen ein, die auf allen Etagen des Charlemagne-Gebäudes stattfanden. Zu jeder Sitzung ist nun ein Video online verfügbar: http://ec.europa.eu/ environment/greenweek/greenweeklive_allsessions.html ec.europa.eu/environment/news/efe/index_de.htm S Mit dem einfachen Slogan „Aktion und Anpassung“ stellte die Grüne Woche 2009 den Klimawandel in ihren Mittelpunkt. Die größte Jahreskonferenz über die EU-Umweltpolitik fand während vier Tagen in Brüssel statt. Sie lockte rund 4 500 Teilnehmer an, die sich angemeldet hatten, wurde aber auch von vielen online besucht. Umweltkommissar Stavros Dimas sprach von einer Rekordbesucherzahl, die keinen Zweifel an dem großen Interesse lässt, das die Öffentlichkeit dem Klimawandel zollt – in einem Jahr, das mit der Klimakonferenz in Kopenhagen und dem angestrebten Abschluss eines neuen wichtigen UN-Klimaübereinkommens seinen Höhepunkt findet. Grüne Woche 2009 Klimawandel: Aktion und Anpassung © Titelbild: Europäische Union EUROPÄISCHE KOMMISSION INHALT [ SONDERAUSGABE 2009: GRÜNE WOCHE 2009 ] 03 Der Weg nach Kopenhagen Aktion und Anpassung 04 EU-Klima- und Energiepaket 05 Wissenschaft und Klimawandel 06 Die internationalen Beziehungen und Kopenhagen 07 Artenvielfalt und Klimawandel Ehrgeizige Ziele Die Politik auf den Wandel abstimmen Eine globale Herausforderung erfordert gemeinsames Handeln Die Natur als Verbündete 08 Vision 2050 Unsere Wirtschaft muss grüner werden 10 Sicherheit und Klimawandel 11 Wasserknappheit 12 Ein Krieg ohne militärische Antwort Die Quelle des Lebens ist am Versiegen CO2-Abscheidung und -Speicherung Es bleibt wenig Zeit für eine massive Verbreitung 13 Vision 2050 14 Grüne Woche 2009 – Ausstellung und Nebenveranstaltungen 16 LIFE – jährliche Preisverleihung Die Zusammenarbeit mit der Natur hat viele Vorteile Grüne Geschichten rund um die Grüne Woche Anerkennung für LIFE-Spitzenprojekte Der Weg nach Kopenhagen 03 Aktion und Anpassung © TBrisco Redner auf der Grünen Woche 2009 beschrieben den Klimawandel als die „größte Herausforderung der Menschheit” und die „größte Geschichte aller Zeiten”. Die meisten kamen überein, dass dieses Jahr ein sehr wichtiges Jahr im Kampf gegen die globale Erwärmung ist und forderten ein ehrgeiziges internationales Übereinkommen auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Als Ziel soll eine Begrenzung des Temperaturanstiegs von maximal 2 °C weltweit festgelegt werden. Die Grüne Woche öffnete und schloss mit zahlreichen Beiträgen zur Klimakonferenz, die im Dezember in Kopenhagen stattfinden wird. Viele Redner lobten die Bemühungen der EU im Kampf gegen den Klimawandel, insbesondere das Klima- und Energiepaket von 2008. Umweltkommissar Dimas erinnerte auf der Konferenz daran, dass andere Industrieländer noch die Verpflichtung der Gemeinschaft zur Reduktion der Treibhausgasemissionen um 20 % bis 2020 gegenüber dem Niveau von 1990 erfüllen müssten und die EU eine Emissionsreduktion von 30 % anvisiere, wenn andere einen fairen Beitrag dazu leisten. Kommissionspräsident Barroso teilte die Auffassung, dass die Energie- und Umweltzielvorgaben des Pakets wegweisend sind für den Rest der Welt. Die EU geht mit gutem Beispiel voran, indem sie dem Klimawandel in allen ihren Politiken Rechnung trägt und Europa in eine kohlenstoffarme Zukunft führt, so Barroso. Er wies darauf hin, wie sehr der Klimawandel die Arbeit der aktuellen Kommission bestimmt hat und sich daran aller Wahrscheinlichkeit nach auch bei der nächsten Kommission nichts ändern wird. Internationale Angebote Professor Wang Yi von der chinesischen Akademie der Wissenschaften sprach von Chinas Bemühungen für eine kohlenstoffarme Entwicklung. Dennoch erklärte er, dass es in Kopenhagen kein Abkommen ohne klimabezogene Mittel, Politik und Technologietransfers von den entwickelten Ländern geben könnte. Wie auch für Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren ist für ihn ein Scheitern von Kopenhagen keine Option, gleichzeitig warnte er jedoch: Industrie- und Entwicklungsländer sitzen zwar im „gleichen Boot, doch in verschiedenen Kabinen. China arbeitet an seinem eigenen Modell und Konzept für eine kohlenstoffarme Zukunft.“ Festus Mogae, UN-Sondergesandter für Klimawandel, teilte die Meinung von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon im Hinblick auf die Konferenz. Er betonte, wie wichtig der Abschluss eines Übereinkommens ist, das nicht nur für die Staats- und Regierungschefs der G8 und das Große Wirtschaftsforum annehmbar ist, sondern auch für die Armen der Welt, die große „schweigende Mehrheit“, die in solchen Foren nicht vertreten ist. Begrüßt wurden die Verpflichtung der neuen amerikanischen Regierung zur Emissionsreduktion, wenn auch nur um 17 % unter das Niveau von 2005, sowie ähnliche Initiativen in anderen Industrieländern, etwa in Australien und Japan. Grünes Wachstum Zahlreiche Redner sahen in der Wirtschaftskrise eine Chance für die Schaffung sauberer Technologien und neuer Arbeitsplätze. Steve Fludder, Vizepräsident der GE Ecomagination, plädierte für Klarheit und Stabilität. Wenn die Unternehmen wüssten, wo es lang gehe, würden sie sich automatisch an die neuen Anforderungen des Marktes anpassen, so Fludder. Tony Long vom WWF hob das Potenzial für grünes Wachstum hervor und forderte die Regierungen dringend dazu auf, Mittel für die Bekämpfung des Klimawandels bereitzustellen. Er bedauerte die Verzögerung beim Technologietransfer in Entwicklungsländer und schätzte, das Erreichen der Emissionsmarke von 30 % würde rund 130 Milliarden € jährlich verschlingen – was einem Teil der kürzlich ausgegebenen Summe zur Rettung der zusammengebrochenen Wirtschaft und der Höhe der gegenwärtigen internationalen Außenhilfe entspricht. Kopenhagen muss in die Geschichte eingehen als ein Wendepunkt, an dem die Welt die Richtung änderte “ ” Zum Schluss erinnerte Kommissar Dimas an die Notwendigkeit, vor Dezember einen Durchbruch zu erzielen, damit ein internationales Abkommen in der dänischen Hauptstadt zustande kommt. „Kopenhagen muss in die Geschichte eingehen als ein Wendepunkt, an dem die Welt die Richtung änderte und sich zu Zielvorgaben und Maßnahmen verpflichtete, die ehrgeizig genug sind, um die gefährlichen Auswirkungen des Klimawandels abzuwenden“, erklärte der Kommissar. » MEHR DAZU GD Umwelt – Homepage Zukünftige Maßnahmen gegen den Klimawandel ec.europa.eu/environment/climat/future_action.htm Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) www.ipcc.ch UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] 04 EU-Klima- und Energiepaket © iStockphoto Ehrgeizige Ziele Die EU ist weltweit führend im Kampf gegen den Klimawandel und peilt mit ihrem „Klima- und Energiepaket“ vom Dezember 2008 Energieversorgungssicherheit an. Das von den Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament in weniger als einem Jahr verabschiedete Paket legt klare Zielvorgaben fest, die bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts erreicht werden sollen. Das Herzstück des Pakets sind drei Ziele, die bis 2020 erreicht werden sollen: Senkung der Treibhausgasemissionen um 20 % gegenüber dem Niveau von 1990, Verbesserung der Energieeffizienz um 20 % und Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 20 %. Bei einer der Sitzungen im Rahmen der Grünen Woche wurde den Teilnehmern noch einmal das übergreifende Ziel vor Augen geführt: Es geht darum, die gefährlichen Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, indem eine globale Erwärmung um mehr als 2 °C gegenüber den vorindustriellen Werten verhindert wird. Die EU verpflichtet sich, ihre Emissionsreduktionen von 20 % auf 30 % zu erhöhen, wenn der Rest der Welt sich bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember auf ein ehrgeiziges und befriedigendes internationales Klimaschutzabkommen einigt. Jos Delbeke, stellvertretender Generaldirektor für Umwelt bei der Europäischen Kommission, erklärte, dass die Technologie für weltweite Emissionsreduktionen um 30 % bereits existiere. Das Emissionshandelssystem Ein Eckpfeiler des Pakets ist der Ausbau des EU-Emissionshandelssystems (EU-EHS) für den Handelszeitraum 2013-2020 und darüber hinaus. Das EU-EHS ist das weltweit größte und erste internationale System dieser Art. Yvon Slingenberg, Leiterin des Referats für Emissionshandel der GD Umwelt, erklärte, die EU hofft, dass andere Länder, die eigene so Die Technologie, um „Cap and trade“Emissionsreduktionen um genannte Systeme entwickeln, sich 30 % zu verwirklichen, gibt dem EU-EHS anschließen, um einen globalen Kohes für die gesamte Welt lenstoffmarkt zu schaffen. “ ” Das EU-EHS legt eine Obergrenze für die gesamten Emissionen von circa 11 000 Industrieanlagen fest. Innerhalb dieses Rahmens können Unternehmen Emissionszertifikate erwerben oder verkaufen. Diese Flexibilität sorgt dafür, dass Emissionen so kostengünstig wie möglich reduziert werden. Das abgeänderte EHS dehnt die Handelsperiode von fünf auf acht Jahre aus und ersetzt die aktuellen einzelstaatlichen Höchstgrenzen durch eine EU-weit gültige Obergrenze, die UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] jährlich gesenkt wird (bis 2020 Reduktion auf 21 % unter dem Niveau von 2005). Darüber hinaus wird auch die Zahl der Zertifikate erhöht, die Unternehmen (auf Versteigerungen) erwerben müssen, von heute 4 % der Gesamtmenge auf mehr als die Hälfte im Jahr 2013. Dieser Anteil wird sich jährlich erhöhen, um bis 2027 eine 100 %ige Versteigerung zu erreichen. Kleinere Emissionsquellen Wenn auch das öffentliche Interesse sich in erster Linie auf die großen Kohlenstoff-Emittenten des EU-EHS richtet, darf nicht vergessen werden, dass circa 60 % der EU-Treibhausgasemissionen durch kleinere Betriebe in Sektoren außerhalb des EU-EHS verursacht werden, wie etwa Verkehr und Landwirtschaft oder auch durch private Haushalte und Gebäude, erklärte Stefaan Vergote, stellvertretender Leiter des Referats Energie und Umwelt der GD Umwelt. Die Zielvorgabe ist, diese Nicht-EU-EHS-Emissionen bis 2020 auf 10 % unter dem Niveau von 2005 zu senken. Jeder EUMitgliedstaat hat sich, gemessen an seinem, relativen Reichtum zu verbindlichen Emissionszielen verpflichtet, wobei den ärmeren Ländern großzügigere Ziele gewährt wurden. Das Ziel, dass erneuerbare Energiequellen bis 2020 einen Anteil von 20 % am EU-Energieverbrauch stellen sollen, wird ebenfalls durch rechtsverbindliche einzelstaatliche Zielvorgaben erreicht, die von 10 % für Malta bis zu 49 % für Schweden reichen. Bis 2020 müssen alle Mitgliedstaaten die 10 %-Marke für erneuerbare Verkehrsenergieträger, wie Wasserstoff, Biokraftstoffe oder „grüne Elektrizität” für Autos, erreichen. Dabei werden Biotreibstoffe nur dann gefördert, wenn sie die vereinbarten Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.. Das Klima- und Energiepaket legt auch die Grundlage für die Entwicklung und Anwendung von Technologien zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), indem es mit einer Richtlinie einen klaren Rechtsrahmen für deren sicheren Einsatz schafft. » MEHR DAZU EU Climate Action – Energie für eine Welt im Wandel ec.europa.eu/environment/climat/climate_action.htm Wissenschaft und Klimawandel 05 Die Politik auf den Wandel abstimmen © iStockphoto Obwohl wir heute mit Sicherheit sagen können, dass es den Klimawandel gibt, wissen wir aber noch nicht sicher, welche potenziellen Auswirkungen er haben wird und wie wir ihn angehen sollen. Nach jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es jetzt Zeit zum Handeln, und die Emissionshöchstwerte sollten weltweit spätestens bis 2020 erreicht sein. Europa spielt bereits eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Klimaforschung und wird sein Engagement durch die Europäische Weltraumorganisation in Zukunft noch mehr verstärken. Mit seinem Vortrag in der Sitzung über Klimawandelforschung auf der Grünen Woche erinnerte Professor JeanPascal van Ypersele, stellvertretender Präsident des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), die Zuhörer daran, dass der IPCC die beste Auskunftsstelle für wissenschaftliche Informationen über den Klimawandel ist. Aufgabe des IPCC ist es, die Vielzahl von Peer-Reviews über Klimawandel zu sichten, allgemeine Muster zu erkennen und auf der Grundlage dieser Erkenntnisse eine solide Plattform für Vorhersagen über Klimawandel zu schaffen, die Politikern rund um den Globus helfen soll. Wissenslücken Van Ypersele betonte, dass die Wissenschaft nach wie vor keine sicheren Aussagen über die genauen Beziehungen zwischen Treibhausgasemissionen und dem globalen Temperaturanstieg machen kann. Des Weiteren erklärte er, dass der IPCC heute, 13 Jahre nach seiner Gründung, eine erneute Prüfung der Grundlage des EU-Klimapakets – die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf maximal 2 °C – für erforderlich hält. Bei zwei Sachen ist er sich allerdings sicher: „Politiker unterschätzen nach wie vor die Herausforderung des Klimawandels, und viele Dinge über die Klimasysteme wissen wir einfach noch nicht.“ Malte Meinshausen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sprach von weiteren Anpassungen, die erforderlich sind. Er erinnerte die Anwesenden daran, dass im Falle einer Beschränkung des Temperaturanstiegs auf 2 °C nur noch eine Trillion Tonnen Kohlenstoff zwischen 2000 und 2050 ausgestoßen werden kann und dass ein Drittel dieser Menge aber bereits in den vergangenen neun Jahren ausgestoßen worden ist. Mit Nachdruck unterstrich er die Notwendigkeit, diesen „Kohlenstoff-Haushalt“ im Gedächtnis zu behalten. EU-Forschung zum Klimawandel k Seit 2003 über 139 Projekte und Mittel in Höhe von 570 Millionen € k Die Forschung umfasst Vorhersage, Gletscher, Abholzung, Übersäuerung der Meere k Sentinel-Satelliten von ESA werden die Sammlung von Daten zum Klimawandel verbessern Deshalb empfahl er der Politik, die globalen Emissionen so rasch wie möglich zu reduzieren. Die Emissionen müssten bis 2015 oder 2020 ihren Höhepunkt erreicht haben, erklärte er, oder die Kosten für größere Reduktionen vor 2050 könnten sich als unerschwinglich herausstellen. unterschätzen nach wie vor die “Politiker Herausforderung des Klimawandels” Veränderungen kartieren Christiane Schmullius von der Universität Jena betonte die Bedeutung der Erdbeobachtung und Qualitätskartierung, die für die Bewertung der Landbedeckung und des Anstiegs der Meeresspiegel entscheidend ist. Sie hob die Rolle der Europäischen Weltraumorganisation hervor, die für die Überwachung von Klimavariablen von ihren Satelliten aus und mit ihren Bild- und Datenarchiven seit 1991 weltweit eine führende Rolle einnimmt. Als nächstes wird die ESA 2011 im Rahmen ihres Globalen Umwelt- und Sicherheitsüberwachungsprogramms Sentinel-Satelliten in den Wetraum schicken, welche die Fragen des IPCC beantworten und andere wissenschaftliche Missionen erfüllen werden. Nach van Ypersele müssen die Auswirkungen der verschiedenen Klimawandel-Szenarien und Lösungen sowie das Klimaverhalten selbst unbedingt erforscht werden. Es wäre ein großer Fehler, fügte er hinzu, wenn sich die Politik mit dem gegenwärtigen Forschungsstand zufrieden gibt. Deshalb kommt dem Siebten Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission mit seiner Finanzausstattung von fast 10 Milliarden € für Klimawandelforschung eine so große Bedeutung zu. Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass eine gute Wissenschaftskommunikation die Öffentlichkeit über die Problematik aufklären und sie ermutigen könnte, Politik und Politiker zum Handeln aufzufordern. » MEHR DAZU IPPC-Homepage www.ipcc.ch ESA – Raumfahrtoperationen www.esa.int/SPECIALS/Operations/SEM98Z8L6VE_0.html UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] Die internationalen Beziehungen und Kopenhagen © iStockphoto 06 Eine globale Herausforderung erfordert gemeinsames Handeln China und die Vereinigten Staaten sind weltweit die zwei größten Emittenten von Treibhausgasen. Von ihnen wird es abhängen, ob das neue globale Klimaschutzabkommen ein Erfolg wird. Redner aus den USA, China und der EU stellten sich in einer Debatte auf der Grünen Woche 2009 die folgende Frage: Haben die drei Blöcke gemeinsame oder widerstreitende Interessen, wenn es um den Kampf gegen den Klimawandel geht? Einige Redner meinten, die EU und die USA buhlten um eine Zusammenarbeit mit China auf diesem Gebiet. abzielt, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 17 % des Niveaus von 2005 zu senken, erteilt es nach gegenwärtiger Sachlage 85 % der Zertifikate gratis. Plan B – gibt es nicht Die amerikanische Regierung wurde dafür kritisiert, dass Die amerikanische Verhandlungspartnerin Taiya Smith be- sie die Annahme eines Schlussabkommens in Kopenhagen merkte, dass sich der führende US-Klimaschutzunterhändler nicht für notwendig hält, während die EU für ihre unzureiwährend der wichtigen UN-Klimakonferenz im vergange- chende Führungsrolle gerügt wurde. Rosário Bento Pais nen März in Bonn in Peking aufgehalten hat und dass dies von der Europäischen Kommission erklärte indes, dass allein der EU Anlass zur Sorge geben sollte. Der dänische Experte die EU bisher ehrgeizige Ziele auf den Verhandlungstisch Michael Starbaek Christensen konterte, die USA sollten ihre gebracht hat, indem sie sich einseitig zu einer EmissionsreKlimaschutzziele ehrgeiziger verfolgen und seien mit ihrem duktion bis 2020 um 20 % gegenüber dem Niveau von 1990 Partner und Großemittenten China wohl eher auf einer verpflichtet hat. Diese Reduktion wird auf 30 % im Rahmen eines ehrgeizigen internationalen AbWellenlänge. kommens erhöht, welches vorsieht, Es ist dass sich alle Länder zu einer fairen Der Vorzug gilt noch unerheblich, in welchem Lastenverteilung bei der globalen Emissionskontrolle verpflichten. immer der Kohle “ Professor Wang Yi, ein chinesischer Regierungsberater, bestätigte, dass sein Land im Durchschnitt wöchentlich zwei Kohlekraftwerke in Betrieb nimmt. Er erklärte, dass dies notwendig ist, um den wachsenden Energiebedarf zu decken und dass sein Land riesige Kohlereserven hat. Maße Europa versucht, seine Emissionen zu reduzieren, wenn die USA und die Entwicklungsländer nicht auch ihren Part übernehmen Doch arbeitet China, so fügte er hinzu, auch an der Entwicklung neuer Technologien wie Kohlenstoffabscheidung und ist um die Verbesserung der Energieeffizienz bemüht. Das Land hat seine Zielvorgaben für erneuerbare Energiequellen um 400 % überschritten und den Verbrauch pro BIP in den letzten drei Jahren um 10 % gesenkt. Er führte weiter aus, dass alle Beteiligten Emissionen reduzieren müssen und Europa mehr leisten muss, wenn es hier eine Führungsrolle übernehmen möchte. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die offizielle Haltung Chinas in Bezug auf die globale Erwärmung drastisch gewandelt, räumte der amerikanische Redner ein. Darüber hinaus konnten die USA große Fortschritte erzielen beim Abschluss von Technologiekooperationsabkommen mit China. Die Teilnehmer begrüßten die positive Haltung der neuen US-Regierung, warnten aber gleichzeitig vor politischen Hürden für das amerikanische Gesetz über saubere Energie und Versorgungssicherheit (American Clean Energy and Security Act) in der Zukunft. Wenngleich dieses Gesetz darauf UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] Die EU hat darüber hinaus auch Vorschläge ausgearbeitet, um Entwicklungsländer durch Anreize zur Erlangung von Zielvorgaben in bestimmten Sektoren bei der Emissionsverringerung zu unterstützen. Der Europaabgeordnete Theodoros Skylakakis erklärte, dass das in der EUPolitik gültige Verursacherprinzip (der Umweltsünder bezahlt) weltweit angenommen werden muss, wenn die internationale Staatengemeinschaft das erreichen will, was in den Augen von Wissenschaftlern unabdingbar ist, um der globalen Erwärmung entgegenzuwirken. ” Die globale Erwärmung ist ein Marktversagen. Daher ist eine Marktlösung nötig, um die neue Technologie zu entwickeln, die zur Lösung des Problems erforderlich ist, so Skylakakis. Weiter fügte er hinzu, dass es unerheblich ist, in welchem Maße Europa versucht, seine Emissionen zu reduzieren, wenn die USA und die Entwicklungsländer nicht auch ihren Part übernehmen. » MEHR DAZU EU-Kampagne für den Wandel ec.europa.eu/environment/climat/campaign/ index_en.htm UN-Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen en.cop15.dk Artenvielfalt und Klimawandel 07 © iStockphoto Die Natur als Verbündete Intakte Ökosysteme sind ein hervorragender Schutz vor dem Klimawandel. Doch manche sind durch menschliches Eingreifen bereits fragil und werden im Zuge der fortschreitenden Erderwärmung noch mehr Schaden nehmen. Mit erfolgreichen Politiken gegen den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt ließe sich dieser Prozess allerdings aufhalten. Klimawandel stellt ohne Frage eine große Bedrohung für die Arten und Habitate weltweit dar. Auf einem Seminar der Grünen Woche 2009 über Aspekte der Biodiversität hinsichtlich der Anpassung an den Klimawandel erklärte Jeff McNeely, Chefwissenschaftler der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, IUCN) und Mitglied des Internationalen Ausschusses für nachhaltiges Ressourcenmanagement (Panel for Sustainable Resource Management), dass es an der Zeit ist, dass wir uns des Problems annehmen. „Artenverlust ist bereits Realität, die Übersäuerung der Meere löst ein Korallensterben aus, und die Meeresspiegel steigen – in Bangladesch und anderen Teilen der Welt müssen Menschen ihre Heimat verlassen”, erklärte er. Deshalb ist die effektivste und kosteneffizienteste Art der Vorbeugung gegen Klimaprobleme und der Anpassung dafür zu sorgen, dass unsere Ökosysteme intakt bleiben, da wir dann insbesondere den Schaden von extremen Klimaereignissen auf ein Minimum reduzieren und zusätzliche Vorteile erzielen können. ektivste und kosteneffizienteste “ArtDiedereffVorbeugung gegen Klimaprobleme und der Anpassung ist dafür zu sorgen, dass unsere Ökosysteme intakt bleiben ” Naturschutz Konstantin Kreiser von BirdLife International stimmte dem uneingeschränkt zu. Er vertrat die Auffassung, New Orleans hätte Hurrikan Katrina 2005 besser verkraftet, wenn gesunde Mangrovenwälder die Stadt als eine Art Wall geschützt hätten. „Natürliche Systeme wie Regenwälder absorbieren die Hälfte der Treibhausgasemissionen weltweit”, so Kreise. „Sie sind unsere besten Verbündeten, doch wenn wir sie nicht pflegen, werden sie zu unseren schlimmsten Feinden. So können sich Wälder beispielsweise von Kohlenstoffsenken in katastrophaler Weise in Kohlenstoffquellen verwandeln.” Laut aktuellen BirdLife-Forschungsberichten über europäische Vogelarten verlagern manche Vogelarten infolge des Klimawandels ihren Lebensraum nach Norden oder ziehen sich in die Berge zurück. Während sich einige Arten gut an die neuen Verhältnisse anpassen können, wird die Verbreitung anderer möglicherweise drastisch zurückgehen. Europa verfügt bereits über ausgezeichnete Naturschutzgesetze, doch die Mitgliedstaaten setzen sie nicht korrekt um, beklagte Kreiser. Er übte Kritik an Lobbies, die Reformen der europäischen Agrar- und Fischereipolitik blockieren und hielt es für erforderlich, dass jede EU-Politik auf ihre Fähigkeit zur Förderung der „Nachhaltigkeit des Ökosystems“ geprüft werden muss. Anpassungsmaßnahmen Manche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sind positiv. Grüne Dächer, erklärte Dr. Pam Berry vom Institut für Klimawandel der Universität Oxford, sind eine gute Gebäudeisolierung, speichern Kohlenstoff, reduzieren urbane Hotspots und erhöhen die lokale Artenvielfalt. Die Wiedereinrichtung von Rückhaltegebieten in Lincolnshire (UK) ist in dreifacher Hinsicht eine gute Sache – als Beitrag zur Abmilderung des Klimawandels (Kohlenstoffspeicherung), als Anpassung (Regulierung des Wasserflusses und Verhütung von Überschwemmungen) und als Schutz der Artenvielfalt. Sie forderte, diese Synergien zu identifizieren und sie überall dort, wo sie möglich sind, zu fördern; ebenso müssen kosteneffektive Antworten auf den Klimawandel gefunden werden. Andererseits verwies sie jedoch auch auf Beispiele von Maßnahmen der Anpassung an den Klimawandel, die negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt haben. So macht das kürzlich abgeschlossene Projekt MACIS beispielsweise deutlich, dass der Einsatz von Schneekanonen zur Kompensierung von Schneemangel in bestimmten europäischen Wintersportgebieten mit einem hohen Strom- und Wasserverbrauch einhergeht und sehr schlecht für die in dem Gebiet heimische Artenvielfalt ist. Ladislav Miko, tschechischer Umweltminister und Seminarleiter, forderte die Politiker auf, Lösungen zu fördern, die auf eine Abmilderung des Klimawandels, eine Anpassung an den Klimawandel und den Artenschutz abzielen. Er teilte indes auch die allgemeine Schlussfolgerung, dass Europa seine Klimaziele nicht erreicht, wenn es nicht in der Lage ist, seine Ökosysteme und Biodiversität zu schützen. » 2010: Schlüsseljahr für die Artenvielfalt k Internationales Jahr der Artenvielfalt k Vollendung des terrestren Teils des Natura-2000Netzes k Die EU und die internationale Staatengemeinschaften müssen ein neues Artenschutzziel festlegen. MEHR DAZU GD Umwelt – Homepage Anpassung ec.europa.eu/environment/climat/adaptation/ index_en.htm Projekt MACIS www.macis-project.net UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] 08 Vision 2050 Unsere Wirtschaft muss grüner werden Klimawandel, Umweltzerstörung und Armut erscheinen häufig als unüberwindbare Probleme. Das ist nicht die Meinung von Experten auf der Grünen Woche, die erklären, wie sie sich die Welt im Jahr 2050 vorstellen. Die Lösungen umfassen: rascher Übergang zu einer Wirtschaft mit wenig oder Nullwachstum, Eindämmung des Bevölkerungswachstums und Ermutigung zu einem umfassend nachhaltigen Lebensstil. In zwei Sitzungen mit dem Titel „Greening our economy“ widmeten sich Redner mit unterschiedlichem Wirtschafts- und Umwelthintergrund den vielfachen Herausforderungen, die sich der Menschheit stellen. Breite Einigung wurde bei der Feststellung erzielt, dass wir in einer Welt mit endlichen Ressourcen leben und wir nicht so weiterleben können wie bisher. Menschen mögen bereit sein, ihren Lebensstil bis “2050 anzupassen, unsere Institutionen sind vielleicht weniger willig, gleichzuziehen” „Der ökologische Fußabdruck geht bereits über die regenerative Fähigkeit der Erde hinaus, und unsere Anforderungen an die Erde haben sich während der letzten 40 Jahre verdoppelt“, stellte Dr. Moustapha Kamal Gueye von der Abteilung Technologie, Industrie und Wirtschaft des UN-Umweltprogramms (UNEP) fest. „Darüber hinaus sind weltweit die jährlichen Treibhausgasemissionen heute fünfmal höher als die Erde absorbieren kann.“ Green Economy Initiative – ein grünes Wirtschaftsprojekt Er forderte einen „transformativen Wandel“ von Wirtschaft und Gesellschaft und hob im Anschluss daran Beispiele aus der Green Economy Initiative des UNEP hervor, die auf eine grünere Wirtschaft abzielt. Damit würden Millionen „neue und angemessene Arbeitsplätze“ entstehen, und wir wären besser gerüstet, um Umweltherausforderungen wie Kohlenstoffabhängigkeit, Verschlechterung des Ökosystems und Wasserknappheit zu meistern. Dieser Wandel würde auch zur Armutsminderung beitragen. Des Weiteren sieht Dr. Moustapha Kamal Gueye in der aktuellen Wirtschaftskrise auch eine große Chance, um unsere Wirtschaft zu überdenken. So würde beispielsweise nur ein kleiner Teil der mehr als drei Billionen Euro, die die Regierungen vor kurzem in die globale Wirtschaft zur Überwindung der Krise gesteckt haben, riesige Dividenden bringen, wenn das Geld in erneuerbare Energiequellen investiert worden wäre. Erneuerbare Energiequellen sind auch eine Schlüsselpriorität für Jacob von Uexküll, Gründer des Weltzukunftsrats (World Future Council), der erklärte, dass die Welt endlich zu akzeptieren scheint, dass es „Wachstumsgrenzen“ gibt – eine Theorie, die vor 40 Jahren vom Club of Rome bzgl. der Gefahren eines exponentiellen Bevölkerungswachstums auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen erstellt wurde. In von Uexkülls Vision einer „erneuerbaren Welt“ im Jahr 2050 müsste sich unser Leben in all seinen Aspekten verändern. Als UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] Schwerpunkte nannte er erneuerbare Energien, Produkt- und Abfallmanagement durch geschlossene Produktionssysteme, grüne Arbeitsplätze sowie nachhaltige Wirtschafts- und Finanzsysteme, die realen Wohlstand erhalten. Der Rush auf erneuerbare Energiequellen Das „Herzstück“ seiner Vision ist jedoch eine erneuerbare Welt, in der die Energieversorgung zu 100 % mit erneuerbaren Energien gedeckt wird. Dies würde einen breiten Mix von ErneuerbareEnergie-Technologien, die Verwendung von Brennstoffzellen und Biotreibstoffen aus Abfall aus dem Verkehr und die Nutzung neuer Energiespeichermöglichkeiten und intelligenter Netze voraussetzen. Darüber hinaus plädierte er für den größtmöglichen Einsatz von Strom aus lokalen erneuerbaren Energiequellen. Der Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energiequellen würde unser Leben und unsere Gesellschaft in verschiedener Hinsicht positiv verändern, erklärte von Uexküll. Als Hauptvorteile nannte er eine „Verlangsamung des Klimachaos“ und eine Verringerung der Luftverschmutzung. Länder müssten nicht länger um Öl- und Gasressourcen konkurrieren, die heute hinter zahlreichen Konflikten stehen. Gleichzeitig warnte er, dass dies nur dann eintreten würde, wenn ein „entschiedener Wandel stattfindet und erneuerbare Energieträger großflächig eingesetzt werden“. Die Gesellschaft müsste auch bereit sein für eine „Revolution sowohl in unseren Produktions- und Abfallsystemen als auch in unseren Köpfen“. Die Wegwerfgesellschaft würde verschwinden, Cradle-to-cradle-Design-Konzepte würden die völlige Wiederverwendung von fast jedem Abfall oder gebrauchtem Material ermöglichen. Weiter erklärte er, es würden Millionen neuer grüner Arbeitsplätze in Bereichen von Energieeffizienz bis hin zu nachhaltiger Landwirtschaft und Fertigung entstehen, was das Verhalten positiv verändern und letztendlich zu einem kulturellen Wandel führen würde. Die Menschen würden zu „nachhaltigen Konsumenten“, die Lebensqualität mit weniger Ressourcen einer Welt mit einer immer größeren Konsumauswahl vorzögen. Abkehr vom BIP-Indikator Mehrere Redner vertraten die Auffassung, dass das BIP (Bruttoinlandsprodukt) – heute der Hauptindikator für Wirtschaftsentwicklung – bis 2050 durch andere Indikatoren ersetzt wird. Zu ihnen zählte auch Dr. Arnold Tukker, Programm-Manager von SCORE!, TNO, der außerdem auf neue Forschungserkenntnisse verwies, wonach es schwierig wird, ohne tiefgreifende Veränderungen unseren aktuellen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. eature f 09 © iStockphoto Vision 2050 Green Economy Initiative (UNEP) k stellt fest, dass mit Investitionen in die Verbesserung des Er verwies darauf, dass die Weltwirtschaft circa 200 Billionen USD bräuchte, um bis 2050 eine „faire und sozial gerechte“ Welt aufzubauen, in der trotzdem die Menschen in reichen Ländern ihr relativ hohes Einkommensniveau halten können. Das wäre viermal höher als das bisherige. „Doch um dies zu erreichen, müssten wir den Kohlenstoffausstoß und den Materialverbrauch der Wirtschaft um einen Faktor 10 herabsetzen, um geringere CO2-Niveaus und eine verminderte Ressourcennutzung sicherzustellen“, so Dr. Arnold Tukker. Praktisch würde dies große Veränderungen im Konsum- und Produktionsverhalten sowie für die Funktionsweise der Wirtschaft bedeuten. Auf der Konsumseite müssten wir mit Veränderungen bei Lebensmitteln (etwa weniger Fleisch und Milchprodukte), Mobilität, Wohnen, energieverbrauchenden Produkten rechnen: insgesamt machen diese circa drei Viertel der Lebenszyklusauswirkungen unserer Wirtschaft aus. Produktion und Produkte müssten außerdem sehr viel energieeffizienter sein. Tukker zufolge könnten wir die Reduzierung um den Faktor 10 erreichen, aber nur dann, wenn wir neue Technologien kombinieren und die gesamte Produktions- und Konsumkette berücksichtigen. „Wir alle müssen bis 2050 zu Menschen werden, die einen kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen”, fügte er hinzu. Seine Äußerungen wurden von Dr. Peter Victor, York University, Kanada, unterstützt, der forderte, dass natürliche Systeme in die Wirtschaft eingebettet sein müssen. Seiner Ansicht nach ließen sich Zielvorgaben, etwa geringere Treibhausgasemissionen, durch die Verminderung des Wirtschaftswachstums einfacher erreichen und er fügte hinzu, dass sogar führende Wirtschaftskapitalisten mittlerweile zu diesem Schluss kommen. „Wir möchten eine bessere Zukunft, die wir selbst entwerfen, wir wollen kein Desaster”, schloss er. Faktor Bevölkerung Dr. Ashok Khosla, Präsident der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature) plädierte für eine Verringerung des Bevölkerungswachstums. Dies würde helfen, die zwei großen globalen Herausforderungen, nämlich Armut und Umweltzerstörung, zu meistern. Er empfiehlt „Energietransfers“ in arme Länder durch die Bereitstellung von mehr erneuerbaren Energiequellen. Wenn die Energiehaushalts von Gebäuden in der EU und in den USA 2 Millionen bis 3,5 Millionen Arbeitsplätze entstanden sind k prognostiziert die Schaffung von bis zu 20 Millionen Arbeitsplätzen bis 2030 im Bereich der erneuerbaren Energiequellen k stellt fest, dass die Verlagerung von 25 % des gesamten Flugverkehrs unter 750 km im Jahr 2050 jährlich 5 Gigatonnen (GT) CO2 einsparen würde (aktuelle globale Gesamtemissionen = 42 Gigatonnen; 1 Gigatonne = 1 000 Millionen Tonnen) k erklärt, dass die Verlagerung von 25 % des gesamten Straßengüterverkehrs von über 500 km auf die Schiene 4 Gigatonnen (GT) CO2/Jahr einsparen könnte. Menschen zuhause oder anderswo mehr Energie zur Verfügung haben, ändert sich ihr Verhalten tiefgreifend, da es mehr Job- und Bildungsangebote gibt. Gebildetere Frauen werden sich auch für weniger Kinder entscheiden, was letztlich auch weniger Armut und geringeren Ressourcenverbrauch bedeutet. Seiner Meinung nach trägt eine Frau, die zwei Kinder weniger gebärt, zu Kohlenstoffeinsparungen von rund 1 700 € bei. Außerdem könnte der Energietransfer von reicheren in ärmere Länder die Weltbevölkerung von vorhergesagten neun auf sieben Milliarden Menschen bis 2050 vermindern. Die Debatte endete optimistisch mit Blick auf internationale Gespräche, damit grüne Wirtschaftspolitik weltweit Anerkennung findet. Gleichzeitig warnten die Redner davor, dass sich die Menschen schnell anpassen und bis 2050 einen anderen Lebensstil, der uns allen abverlangt wird, annehmen mögen, unsere Institutionen aber vielleicht nicht so willig sind, um gleichzuziehen. » MEHR DAZU Europäische Kommission – Grüne Wirtschaft ec.europa.eu/environment/enveco/ index.htm UNEP Green Economy www.unep.org/greeneconomy UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] 10 Sicherheit und Klimawandel Ein Krieg ohne militärische Antwort © iStockphoto Der Klimawandel hat womöglich bedeutende Auswirkungen auf die internationale Sicherheit, insbesondere in bereits benachteiligten Regionen. Um dem Klimawandel Rechnung zu tragen, hat die EU deshalb ihre Sicherheitsstrategie aktualisiert und arbeitet daran, Klimaaspekte in die außenpolitischen Instrumente der Europäischen Union einzubinden. Der Klimawandel stellt in Teilen Asiens, Afrikas und des Pazifischen und Indischen Ozeans eine ebenso große Herausforderung für die globale Sicherheit dar wie Terrorismus und Massenvernichtungswaffen. Experten sagen zunehmende Konflikte wegen Naturressourcen wie Wasser, die Sicherheit von Energiepipelines und Atomkraftwerken bedrohende Wetterveränderungen, Überschwemmungen und Missernten voraus. Auf der anderen Seite könnte der Klimawandel zu einer stärkeren Zusammenarbeit im Bereich der Energieversorgungssicherheit und Konfliktprävention beitragen und zum Katalysator für Frieden werden. überschreiten. Eine Schlüsselstrategie muss sein, Hochrisikobereiche zu identifizieren und heute in sie zu investieren, um so die Chancen zur Bewältigung von Spannungen und Konflikten, die dort mit hoher Wahrscheinlichkeit entstehen, zu verbessern. Die Konferenzteilnehmer der Grünen Woche 2009 erfuhren, dass Klimawandel ein „Gefahrenmultiplikator“ ist, der gegebene Umstände verschärft und Spannungen sogar in stabilen Regionen Eine neue rechtliche Infrastruktur könnte erforderlich werden, um sich der Frage der Verteilung von Wasser aus gemeinsamen Flüssen und des antizipierten Untergangs kleiner Inselstaaten im Pazifik, deren Bevölkerungen neuen Lebensraum benötigen, anzunehmen. Darüber hinaus stellen sich Fragen über Eigentum von internationalen Gewässern, die ehemalige Staaten umgeben. Klimawandel ist ein ‚Gefahrenmultiplikator’, der “gegebene Umstände verschärft und Spannungen sogar in stabilen Regionen verstärkt” verstärkt. Die Industrieländer spüren bereits die ersten Auswirkungen. So beschädigte der Hurrikan Katrina im Jahr 2005 Ölplattformen vor der Küste Lousianas, was einerseits dazu führte, dass die Ölförderung verlangsamt wurde, während andererseits veränderte Wasserpegel für die Wasserstaudämme zum Problem wurden. Das Militär hat die Gefahren seit langem erkannt und die Regierungen nehmen die Sache Ernst, erklärte Nick Mabey von E3G, einer Organisation für nachhaltige Entwicklung. Er und andere Redner erklärten, die erste und beste Lösung, mit den Gefahren umzugehen, ist, den Klimawandel durch jetziges Handeln in den Griff zu bekommen. 2007 erkannte die EU die Auswirkungen des Klimawandels auf die Sicherheit und aktualisierte infolgedessen ihre Sicherheitsstrategie, um den vom Klimawandel ausgehenden Gefahren Rechnung zu tragen. Jeder Politikbereich muss unter dem Aspekt des Klimawandels beleuchtet werden. Beim Entwurf von Verordnungen ist den Auswirkungen der Strukturen auf die Umwelt sowie künftigen Auswirkungen der Umwelt auf die Strukturen Rechnung zu tragen – wie etwa die Gefahren der Permafrostschmelze für russische Atomkraftwerke. Umweltflüchtlinge Bereits 98 % der Opfer von Naturkatastrophen entfallen auf Entwicklungsländer. Die Auswirkungen des Klimawandels werden diese Gemeinschaften noch verwundbarer machen und zu Abwanderungsbewegungen führen, in erster Linie zwar im eigenen Land, aber auch über die Landesgrenzen hinaus. Dies erfordert Planungen in Bezug auf Umweltflüchtlinge, einschließlich eines weiteren Bildungsangebots, temporärer Migrationsprogramme sowie der Verbesserung und Anpassung ihrer Wohnungen. In ihrem Papier über die Anpassung an den Klimawandel stellt die EU fest, dass Klimawandel und Migrationsbewegungen miteinander verkettet sind und erklärt, dass dies in einer breiteren EU-Debatte über Sicherheits-, Entwicklungs- und Migrationspolitiken berücksichtigt werden muss. » MEHR DAZU Identifizieren und investieren Mögliche Lösungen umfassen eine intensivere politische Zusammenarbeit mit China und Indien und die Verbesserung der Energiesicherheit durch die Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu neuen Technologien. Europa sollte auch Konflikte in Bezug auf natürliche Ressourcen wie Wasser präventiv angehen und neue Übereinkommen abschließen, zum Beispiel mit afrikanischen Ländern, wo 80 % der Flüsse nationale Grenzen UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] EU-Weißbuch – Anpassung an den Klimawandel ec.europa.eu/environment/climat/adaptation/index_en.htm Internationale Organisation für Migration (International Organization for Migration) www.iom.int Papier der Kommission und des Rates über Klimawandel und internationale Sicherheit www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/ en/reports/99387.pdf Europäische Sicherheitsstrategie www.consilium.europa.eu/showPage.aspx?id=266&lang=en Wasserknappheit 11 Die Quelle des Lebens ist am Versiegen © iStockphoto Treibhausgase sind die Verursacher der globalen Erwärmung. Wasser ist ihr Opfer. Wasserknappheit ist ein Problem, das in Teilen Europas immer spürbarer und sich infolge des Klimawandels zusehends verschärfen wird. Dennoch erhält es in der Öffentlichkeit viel zu wenig Beachtung. Globale Erwärmung, zunehmende Verstädterung und ein Wandel in der Landnutzung sorgen für Wasserknappheit weltweit. Die Teilnehmer der Grünen Woche erfuhren, mit welchen Mitteln die verschiedenen Gemeinschaften weltweit der Herausforderung begegnen. Bessere Raumordnung ist von entscheidender Bedeutung. Jan Pokorny von der tschechischen Akademie der Wissenschaft der Tschechischen Republik erklärte, wie die Bepflanzung von Land helfen kann: Trockener Boden überhitzt sich, während Boden mit Vegetation für eine effizientere Wassernutzung sorgt, eine größere Artenvielfalt bietet, die Sequestration von Kohlendioxid, die Abmilderung des Klimawandels gewährleistet und den Energieüberschuss infolge der Treibhausgasemissionen nutzt. Bewässerung ist essentiell Die Rechnung für Wasserknappheit müssen häufig die europäischen Bauern bezahlen, da sie bis zu 80 % des verfügbaren Wassers für ihre Ernten verbrauchen. Doch, wie Eugénie Pommaret, eine Vertreterin des Europäischen Verbands der Landwirte Copa-Cogeca feststellt, betreiben die Landwirte im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik bereits Wassermanagement und spüren als Erste Änderungen in der Versorgungskette. Treibhausgase sind die Verursacher der “globalen Erwärmung. Wasser ist ihr Opfer” Politiken, wie Stadtentwicklungs-, Wald- und Forstwirtschaftspolitiken, die Einfluss auf die Wasserversorgung haben, müssen sich ihrer Auswirkungen auf die Landwirtschaft bewusst werden. Doch laut Pommaret sind Einschnitte bei der Bewässerung nicht die Lösung, da Bewässerung Garant für gesunde Ernten und Nahrungsmittel ist und die Feuergefahr, Bodenerosion und den Verlust von Habitaten und seltenen Arten vermindert. Für die Landwirte lautet die richtige Antwort: freiwilliges Wassermanagement mit Anreizen plus Unterstützung durch Innovation und neue Technologie. Wassermanagement Die Sitzung befasste sich auch mit Wassermanagement weltweit. Auf der Konferenz wurde ein Vortrag darüber gehalten, wie die Entwicklungsagentur von Ost-Thessaloniki in Griechenland eine Politik für das Flusseinzugsgebiet des Anthemounta mit der Unterstützung des LIFE- Wasseragenda-Projekts entwickelte. Der erste Schritt bestand darin, Ort, Menge und Qualität des Wassers sowie die Kosten zur Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung zu identifizieren und herauszufinden, wie die Kosten wieder hereingebracht werden können. Dann entwarfen die Partner eine Wasserpolitik auf der Grundlage der Grundsätze der Agenda 21 und der Wasserrahmenrichtlinie, die jedem Einzelnen Einsicht gewährt, wie und wo Wasser benutzt wird. Wasserknappheit und ihre Folgen k Slowakei: Regenniederschläge verlagerten sich vom Tiefland, wo sie für Ernten gebraucht werden, in Bergregionen k Zypern: musste 2008 Wasser aus Griechenland zu hohen Kosten importieren k Kalifornien: musste sich infolge ausgetrockneter Flussmündungsgebiete, geringer Wasserreservoirs und Dürren Ziele für Wasserschutz, -recycling und -speicherung stecken Die Politik zeigt, dass es möglich ist, durch die Änderung von Verhaltensweisen und den Aufbau einer guten Infrastruktur ein Gleichgewicht zwischen Versorgung und Nachfrage bis 2020 herzustellen. Die Ergebnisse werden dazu dienen, die Öffentlichkeit für die Problematik zu sensibilisieren und einen Rat für das Flusseinzugsgebiet zu schaffen. Zypern und Malta haben ein semiarides Klima und sind die zwei wasserarmen Länder der EU mit der geringsten verfügbaren Wassermenge pro Person. Über zwei Drittel des Wassers werden in der Bewässerung eingesetzt; auf Haushalte, einschließlich Tourismus, entfallen ein Viertel. Als kurzfristige Antwort wurde eine Beschränkung der Wassernutzung in der Landwirtschaft angeordnet, indem strenge Quoten unter Androhung von Ordnungsstrafen festgelegt wurden. Außerdem wurde der Versorgung der Haushalte, einschließlich Tourismus, Priorität eingeräumt. Tam Doduc vom California Water Board sprach über die Herausforderung „der hydrologisch am meisten veränderten Region der Erde“. Infolge des Klimawandels hat Kalifornien trotz seiner 1 200 Dämme ein fundamentales Problem in punkto nachhaltiger Landnutzung. Ein großer Schritt nach vorn wurde in diesem Februar mit der Verabschiedung eines Wasserrecyclingprogramms für den Bundesstaat Kalifornien erzielt. » MEHR DAZU GD Umwelt Wasser-Homepage http://ec.europa.eu/environment/water/index_en.htm LIFE Wasseragenada-Projekt www.lifewateragenda.org UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] 12 CO2-Abscheidung und -Speicherung Es bleibt wenig Zeit für eine massive Verbreitung CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) könnte eine wichtige Rolle spielen, um die Auswirkungen der Treibhausgasemissionen abzumildern. Doch die Technologie ist kostspielig, muss sich erst noch etablieren und wird bis 2050 weltweit massiv eingesetzt werden müssen, um die gegenwärtigen Klimaschutzziele zu erreichen. Europa plant bis zu 12 CCS-Demonstrationsprojekte und ein weiteres in Zusammenarbeit mit China. zur Einreichung von Vorschlägen für diese Projekte an, eine im Dezember 2011, die andere im Dezember 2014. Ziel ist, verschiedene CSS-Technologien an verschiedenen Standorten in ganz Europa zu testen. ©B na ello /Pro sjek tlab Fossile Brennstoffe wie Kohle und Erdgas werden auch in den nächsten Jahrzehnten in den Industrie- und Schwellenländern als wichtige Energiequellen fortbestehen, so Teilnehmer einer Debatte über CCS auf der Grünen Woche 2009. Derzeit befinden sich in Europa circa 50 neue Kohlekraftwerke im Planungsstadium. Im Gegensatz dazu wird in China, dem weltgrößten Kohleverbraucher, alle paar Tage ein neues 500 MW-Kohlekraftwerk fertig gestellt. Was ist CCS? Die Technologie umfasst die Abscheidung von Kohlendioxidemissionen als Ergebnis des Verbrennungsprozesses in verschiedenen Industriesektoren, insbesondere bei der Verwendung von Kohle und Erdgas zur Stromerzeugung. Danach wird das abgeschiedene CO2 in sicheren unterirdischen Speicherstätten permanent eingelagert. Für die EU gehört CCS zu den Technologien, die das Potenzial für drastische Emissionsreduktionen haben. Die kürzlich angenommene CCS-Richtlinie, die Teil des EU-Klima- und Energiepakets von 2009 ist, zielt darauf ab, einen Rechtsrahmen für einen sicheren und umweltverträglichen Einsatz von CCS zu schaffen. Ehrgeiziger Zeitrahmen Die Zeitrahmen für die Verbreitung dieser Technologie stellen eine Herausforderung dar. Die Europäische Kommission möchte, dass bis 2015 12 CSS-Demonstrationsanlagen auf großtechnischem Niveau gebaut und in Betrieb genommen werden. Die G8-Staaten fordern eine weite Verbreitung der Technologie bis 2020. Die EU-Projekte müssen „maßgeblich innovativ und finanziell tragfähig“ sein, so Piotr Tulej von der Europäischen Kommission. Er kündigte die Veröffentlichung von zwei Aufforderungen UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] Die ausgewählten Projekte bedürfen des ausdrücklichen Einverständnisses der Mitgliedstaaten und müssen mindestens 85 % des erzeugten CO2 abscheiden. Außerdem müssen sich die Betreiber verpflichten, das erworbene Wissen mit anderen zu teilen. Tulej räumte zwar Finanzierungslücken in der Kofinanzierung der 12 CCSDemonstrationsprojekte ein, erklärte aber, dass die EU bereits Zertifikate im Werte von 300 Millionen Euro aus der Reserve für neue Marktteilnehmer des EU-Emissionshandelssystems für diese und andere innovative Demonstrationsprojekte für erneuerbare Energien vorgesehen hat. Technologiezusammenarbeit mit China Die EU arbeitet auch international, um CCS und saubere Kohletechnologien zu fördern, erklärte Stefan Agne von der Europäischen Kommission. Im Fokus der neuen Mitteilung der Kommission über CCS in Schwellenländern steht China, wo die EU gemeinsam mit China den Bau einer CCS-Demonstrationsanlage plant. Zur Deckung der hohen Kosten bedarf es jedoch möglicherweise privater und öffentlicher Gelder. Die Verbreitung von CCS muss maßgeblich beschleunigt werden, erklärte Nick Otter vom Global CCS Institute, das als Antwort auf die G8-Forderung zum Thema CCS kürzlich in Australien gegründet wurde. „Wir müssen Vertrauen schaffen, dass CCS umweltverträglich und kommerziell tragfähig für eine weltweite Verbreitung ist und eine notwendige Alternative darstellt, um gegen den Klimawandel vorzugehen”, fügte er hinzu. Für Otter ist die Entwicklung der 10 000 CCS-Projekte, die die Internationale Energieagentur bis 2050 fordert, eine große Herausforderung. Bis dahin könnte nach Aussagen der IEA die CCS-Technologie bereits fast ein Fünftel der Reduktionen beitragen, die notwendig sind, um die CO2-Emissionen zu vernünftigen Kosten allein im Elektrizitäts- und Industriesektor zu halbieren. » MEHR DAZU GD Umwelt – CCS-Homepage ec.europa.eu/environment/climat/ccs/index_en.htm Global CCS Institute www.globalccsinstitute.com Vision 2050 Die Zusammenarbeit mit der Natur hat viele Vorteile 13 Intakte Ökosysteme bieten für den Menschen wichtige Nahrungsmittel und Leistungen, die uns helfen könnten, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen und uns an seine Auswirkungen anzupassen. Falsche Bewirtschaftung von Naturgebieten kann indes zum Anstieg der Treibhausgasemissionen beitragen und die Artenvielfalt bedrohen. Die Redner auf einer Sitzung der Grünen Woche, die sich damit beschäftigte, wie die Welt im Jahr 2050 aussehen wird, betonten, wie wichtig der Respekt gegenüber der Natur ist, insbesondere wenn es um den Schutz unserer Wälder und Böden geht. © iStockphoto Der Druck wird wachsen Zu verstehen, welche Rolle Ökosysteme bei der Klimaregulierung spielen, ist von zentraler Bedeutung für das Verständnis des Klimawandels selbst, erklärten Barney Dickson, Leiter des UNEPProgramms für Klima und Artenschutz (UNEP Climate Change and Biodiversity Programme), und Jan Plesnik von der tschechischen Agentur für Naturschutz. Die Teilnehmer erfuhren, wie in der Vergangenheit Abholzung, insbesondere in Industrieländern, und Veränderungen in der Landnutzung zu Verursachern für circa 20 % der Gesamtemissionen an Treibhausgasen wurden. Wenn Bäume gefällt werden, stößt der Boden diese Gase in hohen Konzentrationen aus. Deshalb ist ein Schutz der Wälder weltweit dringend geboten. Hier greift das UN-REDD-Programm, das nach Möglichkeiten sucht, um Emissionen infolge von Abholzung und Umweltzerstörung in Entwicklungsländern zu verringern und die Erhaltung der Tropenwälder zu fördern. Torfland ist für circa 8 % der gesamten globalen Emissionen verantwortlich. „Torfboden ist nur stabil, wenn er feucht ist, trocknet er aus, entweicht Kohlenstoff. Mit der Wiederherstellung von Torfgebieten kann man Treibhausgasemissionen sofort reduzieren“, erklärte Annette Freibauer vom Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei. Sie forderte Politik und Industrie dringend auf, Land nicht nur als Ort der Produktion von Biomasse zu sehen und empfahl die Erforschung von Land jeder Art (auch urbanes Land), um Kohlenstoff zu speichern bzw. weniger Emissionen freizusetzen. Biochar": eine Möglichkeit, dem "Klimawandel entgegenzuwirken Dickson erläuterte, wie der Klimawandel dazu beiträgt, dass sich Ökosysteme in höhere Breiten- und Höhengrade verlagern, häufig zu Lasten ihrer Unversehrtheit und ihres Nutzens. Doch kann hier eine gute Bewirtschaftung eine wichtige Rolle spielen und sowohl dem Mensch als auch der Natur helfen, sich an solche Veränderungen anzupassen. In Vietnam hat sich beispielsweise die Bepflanzung der Küsten mit Mangroven als sechsmal billiger herausgestellt als die Wartung eines Deichsystems und sich darüber hinaus auch positiv auf die Artenvielfalt ausgewirkt. Mahendra Shah vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (International Institute for Applied Systems Analysis) warnte vor den Gefahren einer stetig zunehmenden Entwaldung, denn Regierungen kämpfen rund um den Erdball dafür, Land für den Nahrungsmittelanbau zu gewinnen. Darüber hinaus verwies er auf die schwierigen Kosten-Nutzen-Abwägungen, die zwischen globalem Freihandel, Nahrungsmittelsicherheit und der Nachfrage nach Bioenergie erfolgen müssen. Die Nutzung von Agrarflächen zum Anbau von Energiepflanzen für Biokraftstoffe wird die für Nahrungsmittel verfügbaren Flächen verringern, fügte er hinzu. Würden die heutigen Zielvorgaben für Biokraftstoffe erreicht, könnten laut seinen Berechnungen bis 2020 rund 140 Millionen mehr Menschen von Hunger bedroht sein. Dies würde die Abholzung beschleunigen und die internationalen Nahrungsmittelpreise um zwischen 30 % und 50 % erhöhen. Intakte Ökosysteme Jan Plesnik betonte die Bedeutung eines integrierten Ansatzes für zum Schutz der Artenvielfalt und zur Bekämpfung des Klimawandels. Neuen Forschungsergebnissen zufolge sollten wir für gesunde Ökosysteme sorgen, die dynamische adaptive Prozesse aushalten und weniger auf rein stabile Ökosysteme setzen, so Plesnik. Dies könnte durch flexible Bewirtschaftung und den Schutz der ökologischen Integrität gewährleistet werden. Des Weiteren empfahl er die Schaffung von ökologischen Korridoren und Sprungstellen zwischen zentralen Naturgebieten, um die eineVerbindung sicherzustellen, die die lokale Artenvielfalt nutzen kann. In punkto Naturschutz rät er von der „One Size Fits All“-Lösung ab. » k Biochar ist der Kohlenstoffrückstand, der nach der anaerobischern Pyrolyse übrigbleibt k Einer der wenigen naturbasierten Prozesse, der atmosphärischen Kohlenstoff in feste Kohle verwandeln kann k Agrarabfälle in der EU könnten möglicherweise 100 Millionen Tonnen Biochar jährlich erzeugen, hier besteht allerdings noch Forschungsbedarf MEHR DAZU GD Umwelt – Homepage Natur und Artenvielfalt ec.europa.eu/environment/nature/index_en.htm International Biochar Initiative www.biochar-international.org UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] 14 Grüne Woche 2009 – Ausstellung und Nebenveranstaltungen Grüne Geschichten rund um die Grüne Woche Mehr als 60 Aussteller waren auf der Grünen Woche 2009, um neue Ideen, Projekte und Lösungen im privaten und öffentlichen Sektor zu präsentieren. Exponate aus der Industrie, dem Energiesektor, der Landwirtschaft, dem Naturschutz und vielen anderen Bereichen waren auf drei Stockwerken im Charlemagne-Gebäude in Brüssel zu sehen. Nachfolgend berichten wir über einige Stände und Ausstellungsobjekte von besonderem Interesse, die wir ausgewählt haben und in Wort und Bild vorstellen möchten. Die Wüste breitet sich über das chinesische Dorf Longbaoshan aus und zwingt die Dorfbewohner, ihr Land zu verlassen. Extra, extra! © Picturetank.com Parallelsitzungen und -aktivitäten sorgten dafür, dass bei den Teilnehmern der Grünen Woche keine Langeweile aufkam. „Cities against climate change“ (Städte gegen Klimawandel) kamen mit Vertretern aus Hamburg und Murcia, während bei „Archibiotics“ Umweltarchitekt Vincent Callebaut seine visionären Arbeiten vorstellte, darunter auch schwimmende Städte, welche die expandierende Weltbevölkerung aufnehmen sollen. Die Teilnehmer konnten außerdem an der Preisverleihung für LIFE-Umwelt- und LIFE-Natur-Projekte 2008-2009 teilnehmen oder einen Rundgang durch„Vegetal City“ machen, eine Ausstellung über Visionen von auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Städte des belgischen Architekten Luc Schuiten, die im Königlichen Museum für Kunst und Geschichte gezeigt wurde. Auf der Esplanade zwischen den Gebäuden Berlaymont und Charlemagne zeigte eine Serie von Fotos in Großformat Menschen aus aller Welt , die durch die globale Erwärmung ihre Heimat verlassen mussten. Die Not dieser „Klimanomaden“ wurde vor kurzem von einer Gruppe von 10 französischen Fotografen und Journalisten dokumentiert, die unter dem Namen „Argos Collective“ bekannt sind. Umweltbewusstsein steigern © Picturetank.com Das 1994 von einem senegalesischen Landwirtschafts-Ingenieur gegründete und in Brüssel ansässige Coren" bringt seine Botschaft der Nachhaltig" keit in Schulen, Behörden und Unternehmen in ganz Belgien. Die gemeinnützige Einrichtung führt ÖkoAudits gemäß internationalen Standards – wie EMAS und ISO 14001 – durch und besucht Bildungseinrichtungen, um Lehrern und Schülern zu zeigen, wie sie ihre Schulstunden, ihren Lebensstil und ihr Gebäude umweltfreundlicher gestalten können. Auf den Malediven wurde eine künstliche Insel für Klimaflüchtlinge errichtet. UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] Grüne Woche 2009 – Ausstellung und Nebenveranstaltungen Parallel zum Thema der „Vision 2050“ wurde ein 90-minütiger Film gezeigt, der die Menschen aufrütteln soll, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Franny Armstrongs Film „The Age of Stupid“ („Das Zeitalter der Dummen“), der im Jahr 2055 in einer durch die globale Erwärmung verwüsteten Welt spielt, ist ein Mix aus Drama, Dokumentarund Animationsfilm. Der Film dreht sich um die Betrachtungen des einzigen überlebenden Menschen, des Archivars Pete Postlethwaite. Dieser arbeitet in einem Kulturmuseum an der Nordsee, wo wir ihn antreffen, wie er sich Filmmaterial von realen und erfundenen Nachrichten des frühen 21. Jahrhunderts anschaut. Er grübelt über den Wahnwitz einer Spezies, die „wusste, wie man Profit macht, aber vom Schutz keine Ahnung hatte“, von Indiens letzter Billig-Fluglinie bis zu ausbeuterischen Ölförderunternehmen in Nigeria. Er erinnert sich daran, wie die Auswirkungen des Klimawandels für alle klar erkennbar waren – Gletscher bildeten sich jährlich um 10 Meter zurück, und Hurrikan Katrina entpuppte sich als die schlimmste Wetterkatastrophe Amerikas – und lässt uns mit Bedauern fragen, warum solche Warnungen ignoriert wurden: „Wir hatten eine unausgesprochene kollektive Abmachung, den Klimawandel zu ignorieren.“ Seit seiner Premiere im vergangenen März hat der Film weltweit das Bewusstsein von Menschen und Regierungen wachgerüttelt. Lizzy Gillett, die Produzentin des Filmes, war von London aus der Konferenz per Video zugeschaltet und beantwortete die Fragen der Teilnehmer der Green Week. Sie erklärte, inwieweit sich der Film auf wissenschaftliche Vorhersagen des IPCC (Weltklimarat) stützt, betonte aber, dass der Film Emotionen bei den Zuschauern auslösen und sie zum sofortigen Handeln bewegen soll: „Kopenhagen ist unsere letzte Chance, ein verbindliches Klimaabkommen zu bekommen.” Der Film wird durch eine öffentliche Sensibilisierungskampagne mit dem Titel „The Not Stupid public awareness campaign“ („Die nicht dumme öffentliche Erkenntniskampagne“) ergänzt. Spinnen für Nachhaltigkeit Das Green Spider Netzwerk hat 50 Mitglieder in 28 Ländern. Es umfasst Kommunikationsbeauftragte aus nationalen Umweltministerien und Agenturen in Europa, die Informationen, Ideen und beste Praktiken untereinander austauschen. Im kommenden Jahr wird sein Fokus entsprechend dem Internationalen Jahr der Artenvielfalt hauptsächlich auf Biodiversität gerichtet sein. Am Stand des Netzwerks während der Grünen Woche waren Vertreter aus verschiedenen Ländern anwesend. Deutschland nutzte die Gelegenheit, um Don Cato vorzustellen, eine Comicfigur, die Kinder anregt, ihren Kindergarten umweltfreundlich zu gestalten und sie über den Klimawandel unterrichtet. Stadtfahrzeug mit Antrieb aus der Steckdose Das kleine REVA-Auto lässt sich in acht Stunden aufladen, erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 80 km/h und bietet Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Das in Indien entworfene und gebaute ElektroAuto ist seit 2003 in Europa auf dem Markt. Es ist leise und sparsam, der einzige CO2-Ausstoß, den es verursacht, erfolgt im Kraftwerk, das den Strom erzeugt, mit dem es betrieben wird. Dank der Lithium-Ion-Batterien in der neuen Version ist eine Reichweite von bis zu 130 km gewährleistet. Das Fahrzeug, das ausserhalb des Veranstaltungsgebäudes der Grünen Woche zu sehen war, wurde freundlicherweise vom Europäischen Verband der Elektro-Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. Es machte sich auf den Weg nach Kopenhagen, wo die diesjährige Klimakonferenz stattfinden wird. Den Organisatoren der Grünen Woche wurde von Honda freundlicherweise ein Hybridfahrzeug zur Verfügung gestellt, mit dem ein Shuttleservice für die Redner zum und vom Brüsseler Flughafen eingerichtet wurde. Das dänische Modell Eine Mini-Windmühle machte es leicht, den Stand des „Dänischen Modells“ auszumachen. Dieses Modell betrifft öffentlich-private Partnerschaften, die in Dänemark über zwei Jahrzehnte erfolgreich waren und die nun nutzbar gemacht werden, um landesweit Klimaund Energielösungen und -projekte voranzutreiben. Viele sind in der EnergyMap eingetragen, einem Online-Leitfaden in Englisch über dänische Energietechniken und erneuerbare Energiequellen – von Abfallterminals bis zu neuen, umweltfreundlichen Gebäuden, von Bauernhöfen, deren Energieversorgung aus Biogas stammt, bis zu Wellenenergie-Anlagen in der Nordsee. MEHR DAZU Ausstellung der Grünen Woche 2009 ec.europa.eu/environment/greenweek/ exhibition.html © TBrisco The Age of Stupid (Das Zeitalter der Dummen) 15 UMWELT FÜR EUROPÄER [ SONDERAUSGABE 2009 ] LIFE JÄHRLICHE PREISVERLEIHUNG Während der Grünen Woche fand die Preisverleihung von LIFE statt, dem Förderinstrument für Umweltprojekte der Europäischen Kommission. An der Veranstaltung im Charlemagne-Gebäude nahmen Vertreter von acht der zehn „Besten der Besten“-Projekte teil. Erstmals wurden LIFENatur- und LIFE-Umwelt-Projekte gleichzeitig ausgezeichnet. Die 38 besten Projekte und die zehn „Besten der Besten“ illustrieren die Erfolge des LIFE-Programms in verschiedenen Umweltbereichen. Einige der diesjährigen Gewinnerprojekte werden auch nach ihrem offiziellen Ende noch weiterlaufen. Umweltprojekte Es wurden drei der „Besten der Besten“-Umweltprojekte aus Italien, Luxemburg und Dänemark vorgestellt. In Italien entwickelte ESD mit Erfolg ein umweltfreundlicheres System für die Herstellung von Stahlwalzdraht, das 46 % weniger Energie verbraucht, den Wasser- und Säureverbrauch insgesamt vermindert und die Gesamtkosten pro Tonne senkt. Das Luxemburger Projekt Ecosb entwickelte ein innovatives Trocknungssystem für Holzpaneele, das die Emission von flüchtigen organischen Substanzen (VOC) um 99 % senkt, Energieeinsparungen von 10-20 % bewirkt und die Qualität der Paneele verbessert. CO2ref, ein dänisches Projekt, demonstrierte, dass die Verwendung eines natürlichen Kühlmittels – CO2 – in einer neuen Technologie für kommerzielle Kühlschränke wesentliche Umwelt- und kommerzielle Vorteile bringen kann. Die Verwendung von FKW-Treibhausgasen wurde vermieden, der Energieverbrauch um 4 % und die Wartungskosten um 15 % gesenkt. Über 45 dänische Supermärkte nutzen mittlerweile die Technologie. Naturprojekte Sieben weitere Projekte wurden ebenfalls ausgezeichnet. Der bedrohten ungarischen Wiesenschlange geht es nun viel besser dank dem Projekt Hunvipur, das Bewirtschaftungspläne erstellte und auf die Restaurierung von Habitaten zielte (26 ha). Rund 400 Schlangen wurden von gerade mal 10 ausgewachsenen Schlangen ausgebrütet und werden in ein neues LIFE+-Projekt eingegliedert. Im Rahmen des Mikri-Prespa-See-Projekts in Griechenland konnten die Brut- und Nahrungsbedingungen des bedrohten dalmatinischen Pelikans und der Zwergscharbe verbessert werden. Maßnahmen wie Wasserstandsverbesserungen und Reetschnitt kamen neben anderen Vogelarten auch Amphibien zugute und einige Resultate können über die Grenzen hinaus nach Albanien ausgeweitet werden. Das Vier-Jahres-Projekt Lintulahdet im Finnischen Meerbusen zielte auf die Errichtung eines Netzes von 12 Natura-2000-Feuchtgebieten und die Wiederherstellung von rund 500 ha Weideland und Feuchtgebiet. Damit trug es zum Artenschutz in Feuchtgebieten, etwa der Schutz von Wat- und Wasservögeln, und zur Aufwertung von Freizeiteinrichtungen vor Ort bei. In Finnland wurden außerdem rund 6 000 ha Wald in 33 Natura-2000-Gebieten im Rahmen des Projekts Boreal Forests wiederhergestellt. Zu den größten Erfolgen des Projekts gehört die Zunahme der Arten, wie etwa des bedrohten Weißrückenspechts in den Nord- und Sumpfwäldern. In Andalusien trug das spanische Projekt Lince Andalucía zu einem Anstieg der Population des iberischen Luchses um 49 % bei. Andalusien ist nun Heimstätte für rund 200 Luchse. Das Projekt verhalf ferner zu einer größeren genetischen Vielfalt und territorialen Verbreitung der Art; davon profitierten auch der spanische Kaiseradler sowie Gebirgs- und mediterrane Buschlandhabitate. » MEHR DAZU Beste LIFE-Umweltprojekte ec.europa.eu/environment/life/bestprojects/ best2008-2009/index.htm Beste LIFE-Naturprojekte ec.europa.eu/environment/life/bestprojects/ bestnat2007-2008/index.htm KH-AD-09-S36-DE-C Anerkennung für LIFE-Spitzenprojekte