“Meine Rechnung geht jetzt bis zum 1. Mai...”

Werbung
“Meine Rechnung geht
jetzt bis zum 1. Mai...”
(Sepp Teufl in seinem letzten Brief aus dem KZ Mauthausen)
Dokumentation über den Widerstand
Linzer KommunistInnen gegen den
Faschismus
Herausgegeben vom KPÖ-Bezirksvorstand Linz
anlässlich des 70. Jahrestages der Okkupation
Österreichs durch Hitlerdeutschland im März 1938
Seite 2
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Vorwort
1938-1945
Der Aufruf der KPÖ gegen die Annexion:
Vor 70 Jahren wurde mit der Okkupation Österreichs durch Nazideutschland die Selbständigkeit
Österreichs ausgelöscht. Die KPÖ hat sich dagegen
von Anfang an entschieden aufgelehnt, international protestierten nur die Sowjetunion und Mexiko.
Es dauerte sieben Jahre bis im April 1945 – vor allem durch die großen Opfer der Sowjetarmee – die
Befreiung vom Faschismus erfolgte und ein selbständiges Österreich wieder entstand.
Für dieses Wiedererstehen hatten sich die Alliierten im “Moskauer Memorandum” von 1943 ausgesprochen, allerdings mit dem Hinweis, wonach
“sein eigener Beitrag an seiner Befreiung berücksichtigt werden wird”. Die KPÖ kann mit Fug und
Recht darauf verweisen, dass sie diesen “eigenen
Beitrag” wahrgenommen hat, stellen doch KommunistInnen den Großteil der Opfer im politischen
Widerstand gegen den Nazifaschismus.
Schon 1933 vom Austrofaschismus in die Illegalität gedrängt wurde die KPÖ nach der Niederschlagung des Februaraufstandes durch Zuzug enttäuschter SozialdemokratInnen zur Massenpartei.
Wie ernst der kommunistische Widerstand genommen wurde, zeigt unter anderem die Diktion in den
Gestapo-Berichten und Urteilten des Nazi-Volksgerichtshofes.
Es ist daher bezeichnend für das heutige politische und mediale Establishment, wenn systematisch
versucht wird, den politischen Widerstand – und
dabei vor allem den Anteil der KPÖ – gegen den
NS-Faschismus zu verschweigen. Offensichtlich soll
damit die Mitschuld hunderttausender ÖsterreicherInnen – ein Beispiel ist der Linzer Nazi-Oberbürgermeister Langoth – an den Verbrechen des
Nazi-Regimes bagatellisiert werden.
Die vorliegende Broschüre ist ein Beitrag dem
entgegenzuwirken. Neben einer allgemeinen Darstellung des Widerstandes der KPÖ zeigt sie am
Beispiel von Opfern wie auch von Überlebenden
des Widerstandes in Linz, dass sich die KommunistInnen mit dem “Anschluss” abgefunden haben und
stets für das Wiedererstehen eines eigenständigen
Österreich eingetreten sind. Wir verbinden die vorliegende Arbeit daher mit der Forderung nach gebührender Anerkennung des Widerstandes und der
Erfüllung des bei der Gründung der 2. Republik
verkündeten antifaschistischen Grundauftrages.
Österreich wird wiedererstehen!
Volk von Österreich! An alle Völker Europas und der Welt!
Hitler hat mit militärischer Gewalt Österreich unter sein Joch gebracht. Hitler ist dabei, den Freiheitswillen des österreichischen Volkes durch die Stiefel seiner Soldateska niederzutreten. Er ist daran, in Österreich seine Fremdherrschaft aufzurichten. Drei Tage vor dem Volksentscheid, nach dem
seine Agenten jahrelang riefen, hat er losgeschlagen, aus Angst vor dem Willen des österreichischen
Volkes, aus Angst vor dem Ergebnis der Volksabstimmung, die mit dem Bekenntnis der überwältigenden Mehrheit zur Freiheit und Unabhängigkeit geendet hätte, aus Angst vor der Niederlage, die er
am 13. erlebt hätte.
Berchtesgaden hatte den Widerstand des Volkes verhundertfacht. Alle Kräfte des Volkes begannen
sich zu vereinigen zur Verteidigung der Heimat gegen die Barbarei des Faschismus. Gegen diese geeinte Front des österreichischen Volkes hatte Hitler seine Kanonen, seine Tanks und Flugzeuge eingesetzt.
Volk von Österreich! Wehre Dich, leiste Widerstand den fremden Eindringlingen und ihren Agenten. Schließt Euch zusammen, Katholiken und Sozialisten, Arbeiter und Bauern! Schließt Euch zusammen, nun erst recht, zur Front aller Österreicher. Alle unterschiede der Weltanschauung, alle Parteiunterschiede treten zurück vor der heiligen Aufgabe, die heute dem österreichischen Volke gestellt
ist! Zusammenstehen gegen Hitler, zusammenstehen, um Hitlers Soldateska aus Österreich wieder
hinauszujagen!
Arbeiter, bleibt fest! Seid einig und bleibt treu den stolzen Traditionen der österreichischen Arbeiterklasse, lasst euch nicht beugen, trotzt dem Terror! Macht die Betriebe zu Zentren des Widerstandes! Lasst Euch den Gewerkschaftsbund nicht zerstören!
Soldaten, Offiziere, Angehörige der Exekutive, die ihr der österreichischen Heimat die Treue haltet, schließt euch zusammen mit dem Volk, reiht Euch ein in die Front des erbitterten Widerstandes
gegen Hitler und seine Agenten!
Volk von Österreich! Wehre Dich! Mach die Losung zur Tat. Rot-Weiß-Rot bis in den Tod!
Mögen es die deutschen Faschisten wissen, möge es die ganze zivilisierte Welt hören: das österreichische Volk wird nie und nimmer diese Fremdherrschaft, aufgerichtet unter den Bajonetten und
dem Terror, anerkennen. Das österreichische Volk steht mit tödlichem Hass den faschistischen Tyrannen gegenüber…
...Lernt aus dem Beispiel Österreichs. Jedes Zurückweichen, jede Kapitulation vor den Kriegsbrandstiftern ermuntert den Hitler-Faschismus zu neuen Angriffen. Hitler will keinen Frieden, er lässt
seine Bajonette marschieren. Hitler hasst die Front der friedlichen Völker, er will über die Völker
herrschen…
Das österreichische Volk ist vergewaltigt worden, aber sein Glaube und seine Zuversicht sind ungebrochen. Der Kampf geht weiter. Durch seine eigene Kraft und durch die Hilfe der Weltfront des
Friedens wird ein freies, unabhängiges Österreichs wiedererstehen!
Aufruf des ZK der KPÖ zur Annexion in der Nacht vom 11. zum 12. März 1938
Roland Hochstöger,
KPÖ-Bezirksvorsitzender
Leo Furtlehner,
KPÖ-Landessprecher
März 2008
Impressum: Medieninhaber (Verleger), Herausgeber, Hersteller: KPÖ-Linz, Melicharstraße 8, 4020
Linz, Telefon +43 732 652156, Mail
[email protected], Web http://ooe.kpoe.at
Die KPÖ war vom Wiedererstehen eines unabhängigen Österreich überzeugt: “Rote Fahne”,
Zentralorgan der KPÖ, illegal während des Verbotes der KPÖ (1938 bis 1945).
1938-1945
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Seite 3
Anmerkungen zu ”Bilder des Nationalsozialismus in Linz”
Im Stile einer Dorfchronik
Das Archiv der Stadt Linz präsentierte
Ende 1997 einen umfangreichen Bildband
zum Thema ”Nationalsozialismus in Linz”.
Auf knapp 200 Seiten wird der Versuch unternommen, zu möglichst allen Aspekten der
NS-Herrschaft in Linz Fotos zu präsentieren.
Jedem der einzelnen Kapitel wurde ein kurzer, oftmals zu kurzer Textteil vorangestellt.
Bei der Lektüre dieses Buches erhält man zweifelsohne eine Fülle interessanter Informationen.
Dennoch hinterlässt es beim Leser einen schalen
Nachgeschmack. Die Zusammenstellung der Artikel
ist unausgewogen. Zentrale Elemente der Naziherrschaft und des Terrors, den sie verbreitete werden nur oberflächlich behandelt. Man bekommt
den Eindruck, dass manche Kapitel nur deshalb
eingebaut wurden, um den Anspruch einer umfassenden Darstellung dieses Zeitraumes zu erfüllen.
Was dabei herausgekommen ist, kann man nur als
unwürdigen Umgang mit einem solch sensiblen
Thema bezeichnen. Während der Abschnitt über
Hitlers Baupläne für Linz mehr als fünf Seiten Text
und über dreißig Seiten Fotos ausmacht, so beschränkt sich das Kapitel über das Konzentrationslager Mauthausen auf lediglich sechs Seiten. Unwillkürlich kommt einem die Redewendung ”...und
was außerdem geschah” in den Sinn.
Wenn man ein Buch über nationalsozialistische
Architektur verfassen will, so sollte man das tun,
allerdings unter Beiziehung von Architektur- und
Kunstexperten. Unredlich ist es, wenn man durch
Einfügen von Kapiteln eine Gesamtdarstellung erschleichen will.
Was das durchaus interessante Bildmaterial betrifft, ist zu kritisieren, dass die Autoren die Leserschaft damit alleine lassen. Es genügt eben nicht
hie und da ein Anführungszeichen zu setzen, um
die NS-Ästhetik zu demaskieren. Der Leser wird
dieser Ästhetik auf den Leim gehen, und - sehr bedenklich - man gewinnt den Eindruck, dass dies
stellenweise auch auf Seiten der Herausgeber geschehen ist. Worin zum Beispiel der Informationswert des auf Seite 18 in Farbdruck wiedergegeben
Hitlerporträts liegt ist fraglich. Jeder kennt diese
Bilder. Somit kann es sich nur um eine gestalterische Eskapade handeln. Nächstens legt man vielleicht ein Faltposter zum Herausnehmen bei. Dies
ist aber nur das herausragendste Beispiel. Die indifferente Umgangsweise mit dem Medium Photographie zieht sich durch das ganze Buch, und kann
im besten Fall als Naivität interpretiert werden.
Inhaltlich fällt vor allem auf, dass die Rolle Österreichs als Opfer, über das der Nationalsozialismus wie eine Naturgewalt bzw. Krankheit hereinbricht in neuer, variierter Form wieder auftaucht.
Der Anschluss wird als unausweichliches Schicksal
dargestellt. Es wird keinesfalls der Versuch unter-
nommen aufzuzeigen, was passiert wenn Feigheit
und Opportunismus ein gar nicht so unbedeutendes
Potential an Widerstandsgeist ersticken. Die deutsche Wehrmacht war sich vor dem Einmarsch jedenfalls gar nicht so sicher, wie die österreichische Bevölkerung sich verhalten würde. Erst die Haltung
der offiziellen Staatsstellen klärte für sie die Lage.
Vielmehr wird die Situation des von der internationalen Staatenwelt verlassenen Kleinstaates betont.
Und wenn internationaler Protest erwähnt wird,
dann nur in abwertender Form. So heißt es beispielsweise auf Seite 43 dass die Jubelszenen in
Linz und überall in Österreich der Welt ein beeindruckendes Schauspiel geliefert hatten, auf das
vom Ausland schwerlich mit ernstzunehmenden
Protesten reagiert werden konnte. Die Verurteilung
der Annexion durch die Sowjetunion und ihre Note
an die Westmächte, die die sowjetische Bereitschaft
zu einer gemeinsamen Aktion betont scheint also
in die Kategorie ”nicht ernstzunehmend” zu gehören. Es mutet etwas seltsam an, wenn einerseits ein
Lamento über die mangelnde internationale Solidarität angestimmt wird, andererseits tatsächliche
diplomatische Schritte, auch wenn sie nicht den gewünschten Effekt erwirkten, als irrelevant abgetan
werden.
Auf die gleiche Art wird mit dem österreichischen Widerstand verfahren. In dieser Publikation
existiert er nicht. Es wird weder der Aufruf der KPÖ
gegen die Annexion vom 12. März 1938 erwähnt,
noch wird auch nur der Name eines einzigen österreichischen Widerstandskämpfers genannt. Die sofort einsetzende Verhaftungswelle politischer Gegner nach dem Einmarsch bleibt ebenso unerwähnt.
Diese Praxis hat Tradition. Der Widerstand wurde
seit 1945 bewusst verschwiegen. Niemals hat man
von Seiten der gesellschaftlich bestimmenden Kräfte den Versuch gemacht, hier ein neues Identifikationsmuster zu bilden. In der selben Manier verfährt man auch in dieser Publikation. Diese Haltung gipfelt in folgender Feststellung:
”Am 5. Mai 1945, um 11.07 Uhr, trafen die ersten US-Truppenverbände auf dem Hauptplatz ein,
wo ihnen NS-Oberbürgermeister Franz Langoth
zum Empfang gegenübertrat. Eine weitergehende
Initiative von Linzer Widerstandsgruppen oder verantwortungsbewussten
nationalsozialistischen
Funktionären, dem Nazi-Spuk früher ein Ende zu
bereiten, hatte es nicht gegeben.”
Den letzten Auftritt des unseligen Langoth in
einem Atemzug mit Aktivitäten von Widerstandsgruppen zu nennen ist an sich schon seltsam.
Gänzlich absurd wird aber die Gleichsetzung von
Widerstandskämpfern und sogenannten verantwortungsbewussten Nationalsozialisten in der Aufgabe den ”Nazispuk” zu beenden. Der verantwortungsbewusste Nationalsozialist als Nachkriegskonstrukt ist eine Fiktion, der tatsächliche Nazi hatte
wohl andere Intentionen als die Naziherrschaft zu
beseitigen. Mit dem Ausdruck ”Nazispuk” hat es
auch seine Bewandtnis. Er taucht immer als Bezeichnung für die Endphase der NS-Diktatur auf,
gleichsam um das episodenhafte dieses Regimes zu
betonen, um es als in sich abgeschlossene Periode
darzustellen.
Dass genau zu dieser Zeit in Mauthausen die
letzten Vergasungen durchgeführt wurden, bei denen unter anderem der Landesobmann der KPÖ
Sepp Teufl und der führende Sozialdemokrat Richard Bernaschek ermordet wurden, dass noch am
1. Mai 1945 auf dem Truppenübungsplatz in Treffling Erschießungen stattfanden wird fast erwartungsgemäß übersehen.
Der Bildband ”Bilder des Nationalsozialismus
in Linz” muß zusammenfassend als unausgewogenes Konglomerat von Einzelbeiträgen bezeichnet
werden, wobei sich der Verdacht auftut, dass ein
Teil der Autoren vom redaktionellen Ergebnis selbst
unangenehm überrascht waren. Über weite Strecken wird NS-Folklore präsentiert, statt das Bild
von totalitärer Herrschaft und massivster Repression am Beispiel Linz zu zeigen. In dieser Art werden
sonst Dorfchroniken verfasst, und was dort ärgerlich ist, muß man bei einem solchen Vorhaben als
Fahrlässigkeit bezeichnen. Das gilt sowohl für den
Text- wie den Bildteil.
Ein Resumé ziehen die Autoren und Herausgeber selbst, wenn sie Oliver Rathkolb zitieren: ”Eine
echte antinationalsozialistische Vergangenheitsbewältigung inklusive einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem NS-Gedankengut auf breitester Ebene ist nie erfolgt.” Dieses Zitat ist beinah
eineinhalb Jahrzehnte alt. Viel ist seither geschehen. Mit diesem Werk wird es noch einmal bestätigt.
Konstantin Putz
Quelle: Fritz Mayerhofer/Walter Schuster
(Hg.), Bilder des Nationalsozialismus in Linz,
Archiv der Stadt Linz, 1997
Seite 4
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Gestapo bestätigt kommunistischen Widerstand
”Der steter Beobachtung bedarf...”
Ein anschauliches Beispiel für den aktiven politischen Widerstand gegen das
Nazi-Regime ist das ”Verzeichnis oberösterreichischer Kommunisten, erstellt von der
Gestapo Linz für das Gestapa Berlin” vom
16. August 1938 (Bundesarchiv Koblenz, Bestand RSHA, DÖW 3678). Dieses Verzeichnis
umfasst 41 Personen, vorwiegend aus Linz
und spricht durch den Gestapo-Jargon für
sich:
l Adamek Magdalena, Pflegerin, 6. 3. 1907 in
München geb. Sie war führende Funktionärin der
Roten Hilfe und der KP in Ried im Innkreis, Oberdonau, und wurde deshalb 1935 mit 6 Wochen Arrest
bestraft. Sie ist heute noch fanatische Anhängerin
der kommunistischen Bewegung und bedarf steter
polizeilicher Beobachtung.
l Aichbauer Karl (Spitzname Schmarrn), Schriftsetzer, 9. 4. 1915 in Linz geb. Er war kommunistischer Verbindungsmann, gehörte zu jener
Organisation, die sich mit dem Schmuggel kommunistischer Flugschriften aus der Tschechoslowakei
nach Österreich befasste, wurde deshalb 1935 längere Zeit in Haft gesetzt. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, der steter polizeilicher
Beobachtung bedarf.
l Aichberger Anton, Drehergehilfe, 12.6. 1903 in
Linz geb. Er war Organisationsleiter der KP in
Steyr/Oberdonau und hatte in der dortigen Arbeiterschaft großen Einfluß, flüchtete am 17.7.34 nach
Russland, wo er sich gegenwärtig noch aufhält. Vom
Polizeikommissariat Steyr 1936 ausgebürgert. Die
Ausbürgerung besteht noch zu Recht.
l Ammer Karl, Schlossergehilfe, 5. 5. 1898 in Pettenbach, Bez. Kirchdorf a. d. Krems, geboren. Er war
Obmann der Roten Hilfe, Ortsgruppe Wels, und Gebietsleiter des antifaschistischen Komitees in Wels.
Er hielt sich 1937 14 Tage in Wels auf und hat mit
Gesinnungsgenossen in Wels Fühlung genommen
und wurde unter einem Decknamen telegrafisch
nach England zurückgerufen. Er ist nach wie vor
agiler Kommunist.
l Bodenhofer Karl, Hilfsarbeiter. 5. 10. 1911 Linz
geb. War kommunistischer Verbindungsmann, hat
sich an kommunistischen Schmier- und Streuzettelaktionen beteiligt und wurde deshalb 1935 mit Arrest bestraft. Er ist heute noch kommunistischer
Anhänger, der steter Beobachtung bedarf.
l Brandstetter Franz, Anstreichergehilfe, 8. 10.
1903 Ternberg, Oberdonau, geb. Derzeit in Russland
aufhältig. bezieht weder Rente noch Ruhegehalt. Er
ist radikaler Funktionär der kommunistischen Bewegung. Hielt sich von 1930 bis 1932 im Altreich auf
und besuchte dort eine kommunistische Parteischule. Später betätigte er sich als kommunistischer Agitator in Oberdonau, wurde deshalb auch bestraft
und flüchtete am 10.8. 1935 in die Sowjetunion.
l Brandstetter Franz, Tischlergehilfe, 11. 1. 1913
Linz geb. War kommunistischer Verbindungsmann,
hat große Mengen kommunistischer Flugschriften
verbreitet und wurde daher 1935 vom LG Linz zu 5
Jahren schweren Kerkers verurteilt. Durch Amnestie-
rung wurde er nach kurzer Strafverbüßung enthaftet. Er ist heute noch kommunistischer Anhänger
und muß beobachtet werden.
l Brenner Felix, Feilenhauergehilfe, 30.4. 1911 in
Leopoldsdorf geb. Betätigte sich 1935 in Steyr.
Oberdonau, als kommunistischer Agitator, ließ große Mengen kommunistischer Flugschriften verbreiten und wurde daher von der Polizeidirektion Linz
mit Arrest und vom Kreisgericht Steyr mit Kerker bestraft. Er ist heute noch fanatischer Kommunist.
l Denkmeier Johann, Drehergehilfe, 10. 2. 1909
Ried geb. War stets führend in der kommunistischen
Bewegung tätig, fungierte als Kurier, unterhielt
1934 eine kommunistische Meldestelle und wurde
einige Male wegen dieser Betätigung bestraft. Er ist
heute noch fanatischer Kommunist, der steter polizeilicher Beobachtung bedarf.
l Dichowa Josef, gewesener Reichsbahner, 2. 7.
1878 Aurolzmünster, Oberdonau, geb. Er hat sich
am 12. Feber 1934 an der Marxistenrevolte beteiligt, sodass ihm strafweise sein Ruhegehalt verkürzt
wurde. 1935 wurde er wegen Verbreitung kommunistischer Flugschriften von der Polizeidirektion Linz
zu 5 Monaten Arrest verurteilt, auf Grund dessen
ihm von der Reichsbahn sein Ruhegehalt vollkommen entzogen wurde. Dichowa ist heute noch fanatischer Kommunist, der im Ernstfall vor keiner
Gewalttat zurückschreckt. Er verhält sich gegenwärtig zurückgezogen, bedarf aber dessen ungeachtet
steter polizeilicher Beobachtung.
l Dörflinger Friedrich, Zuckerbäckergehilfe, 23. 2.
1900 Knittelfeld, Steiermark, geb. Er hatte in der
kommunistischen Bewegung verschiedene führende
Funktionen inne und wurde bereits wegen kommunistischer Betätigung bestraft. Ist heute noch Kommunist, verhält sich zwar zurückgezogen, bedarf
aber einer polizeilichen Beobachtung.
l Dürank Bernhard, Fabriksarbeiter. 12. 12. 1914
Kleinmünchen geb. Hatte früher in der Sozialistischen Arbeiterjugend verschiedene Funktionen inne,
schloss sich nach der Auflösung dieser Vereinigung
der kommunistischen Bewegung an. Gründete 1935
in einer hiesigen Textilwarenfabrik eine kommunistische Betriebszelle, veranlasste außerdem kommunistische Schmier- und Streuzettelaktionen. Er ist
heute noch fanatischer Anhänger der kommunistischen Bewegung, nur verhält er sich zurückgezogen.
l Egger Johann, Hilfsarbeiter, 8. 10. 1892 Steyr
geb., deutscher Reichsangehöriger. War kommunistischer Agitator und Gemeinderat von Steyr und hatte
in dieser Bewegung großen Einfluß. Er ist heute
noch Kommunist, verhält sich aber gegenwärtig zurückgezogen.
l Filla Josef, Spenglergehilfe, 13. 3. 1911 Bad
Ischl, Oberdonau, geb. War Mitglied des Zentralkomitees der KP Wien, bereiste als Agitator in den
Jahren 1934-35 das Land Österreich, organisierte
einen großangelegten Schriftenschmuggel aus der
Tschechoslowakei nach Oberösterreich, wurde 1935
in Linz festgenommen und von der Polizeidirektion
Linz mit 10 Monaten Arrest und vom LG Linz mit 5
Jahren schweren Kerkers bestraft. Er wurde später
amnestiert, sodass er die Kerkerstrafe nicht vollständig verbüßen brauchte. Filla ist ein fanatischer Füh-
1938-1945
rer der kommunistischen Bewegung, der steter
polizeilicher Beobachtung bedarf.
l Fischer Hermann, Vertragsangestellter, 3. 2.
1902 Simbach geb. Unterhielt 1936 in seiner Wohnung eine kommunistische Meldestelle und wurde
deshalb in Haft gesetzt. Fischer ist heute noch fanatischer Kommunist, mit dessen Aktivität im Ernstfalle zu rechnen ist.
l Fock Karl, Zollwachebeamter, 23.6.1912 Linz
geb. War 1935 Mitglied der illegalen komm. Landesleitung der KP Oberdonau und befasste sich mit
der Herstellung und Verbreitung einer großen Menge komm. Flugschriften und wurde daher von der
Polizeidirektion Linz mit Arrest bestraft. Er ist heute
noch fanatischer Kommunist, mit dessen Aktivität im
Ernstfalle zu rechnen ist.
l Fuchs Johann, gewesener Reichsbahner, derzeit
Bodenpastaerzeuger, 8. 5. 1899 St. Martin, Bez.
Gmünd, geb. Er gehörte bis 1934 der sozialdemokratischen Partei und dem Republikanischen
Schutzbund an, schloss sich später der kommunistischen Bewegung an. Es wurden 1935 in seiner Wohnung mit einem Vervielfältigungsapparat große
Mengen kommunistischer Flugschriften hergestellt.
Er wurde deshalb von der Polizeidirektion mit 6 Monaten Arrest und vom LG in Linz mit 5 Jahren
schweren Kerkers bestraft, wurde jedoch durch die
Juliamnestie 1936 auf freien Fuß gesetzt. Ist heute
noch fanatischer Anhänger der kommunistischen
Bewegung, verhält sich jedoch zurückgezogen.
l Füreder Hermann, Malergehilfe, 16.9. 1916 Linz
geb. Ist im sozialistischen Sinne erzogen worden,
schloss sich später der kommunistischen Bewegung
an und wurde in den letzten Jahren wegen kommunistischer Betätigung einige Male in Haft gesetzt
und mit Arrest bestraft. Er ist heute noch fanatischer
Kommunist, verhält sich aber zurückhaltend.
l Geiger Gottfried, Maurergehilfe, 10. 8. 1913
Straß-Emling, Oberdonau, geb. War kommunistischer Agitator und verbreitete große Mengen kommunistischer Flugschriften. Wurde 1935 von der
Polizeidirektion Linz mit 4 Monaten Arrest und vom
LG in Linz zu 5 Jahren schweren Kerkers verurteilt,
durch Amnestierung wurde er 1936 auf freien Fuß
gesetzt. Er ist heute noch fanatischer Kommunist,
der steter Beobachtung bedarf.
l Geschwandtner Ferdinand, Monteur, 7. 8. 1904
Bad Ischl geb. War früher Mitglied des Republikanischen Schutzbundes, schloss sich nach dessen Auflösung der KP-Bewegung an, war Gebietskassier für
das Salzkammergut, verbreitete große Mengen
Flugschriften, nahm an verschiedenen kommunistischen Versammlungen teil und wurde daher 1936
von der Polizeidirektion Linz mit 6 Monaten Arrest
bestraft. Ist heute noch fanatischer Kommunist.
l Grossauer Willibald, Färbergehilfe, 14.4. 1901
Reiterndorf, CSR, geb. Besuchte 1931-32 in Moskau
die Lenin-Schule, war in Steyr Obmann der KP und
der Arbeiterwehr und Gemeinderat von Steyr. Wurde wegen seiner kommunistischen Betätigung wiederholt in Haft gesetzt und war außerdem von Mai
bis September 1934 im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Ist als radikaler Kommunist zu bezeichnen.
l Gschwandtner Georg, gewesener Reichsbahner,
30.1. 1900 Steyr, Oberdonau, geb. Er gehörte 1934
als aktiver Reichsbahner einer kommunistischen
Zelle an, war Verbindungsmann zur illegalen Landesleitung der KP in Oberdonau, beherbergte in
seiner Wohnung kommunistische Kuriere und befasste sich außerdem mit der Herstellung und Ver-
1938-1945
breitung großer Mengen kommunistischer
Flugschriften. Er wurde daher vom LG Linz im Jahre
1935 zu einem Jahre strengen Arrests verurteilt, was
ihm auch seine Entlassung von der Reichsbahn eintrug. Ist immer noch fanatischer Kommunist, der polizeilicher Beobachtung bedarf.
l Haselmayer Franz, Hafnergehilfe, 30. 3. 1910 in
Linz geb. Stand mit dem ZK der KP in Wien in Verbindung, war mit Personaldokumenten auf den Namen Anton Martin ausgestattet, reiste von 1934-38
in Österreich als kommunistischer Agitator, wurde
am 11. 2. 38 in einem kommunistischen Schulungslager von der Polizeidirektion Linz festgenommen,
eine Bestrafung erfolgte nicht, weil er einer Generalamnestie teilhaftig wurde. Ist nach wie vor fanatischer Kommunist, nur verhält er sich gegenwärtig
zurückgezogen.
l Jaric Franz, Hilfsarbeiter, 15. 10. 1903 Bad Ischl
geb. Derzeit in Rotspanien als Kämpfer; war kommunistischer Gebietsleiter, hat viele kommunistische
Versammlungen abgehalten und große Mengen
Propagandamaterial verbreiten lassen. Wurde 1936
von der Polizeidirektion Linz zu 10 Monaten Arrest
verurteilt, eine gerichtliche Aburteilung erfolgte
nicht, da er in der Voruntersuchung einer Generalamnestie teilhaftig wurde. Jaric ist ein fanatischer
Kommunist, der auch vor Gewalttätigkeiten nicht
zurückschreckt.
l Kammerer Friedrich, Hilfsarbeiter, 12.8.1896
Linz geb. Er hat in der kommunistischen Bewegung
verschiedene Funktionen inne, gehörte 1934 der illegalen Landesleitung in Oberdonau an, reiste unter
dem Decknamen Hagart und Fritzolin in Österreich
als kommunistischer Kurier, veranlasste die Herstellung und Verbreitung großer Mengen Flugschriften,
verleitete einen hiesigen Kommunisten zu einem
Anschlag auf eine Hochspannungsleitung und flüchtete dann in die Tschechoslowakei. Kehrte im Herbst
1937 nach Österreich zurück, wurde in Linz verhaftet, wurde jedoch während der Voruntersuchung einer Generalamnestie teilhaftig, sodass er straflos
ausging. Er ist heute noch fanatischer Kommunist,
der vor keiner Gewalttat zurückscheut und daher
steter polizeilicher Beobachtung bedarf.
l Kammerstätter Peter, Elektroschlosser, 10. 12.
1911 Triest geb. Er gehörte der illegalen Landesleitung der KP Oberdonau an, beteiligte sich an der
Herstellung und Verbreitung großer Mengen Flugschriften, stand mit Kurieren in Verbindung, errichtete eine Briefanschriftstelle und wurde daher von
der Polizeidirektion Linz im Jahre 1935 mit 6 Monaten Arrest bestraft. Er ist ein fanatischer Kommunist,
der steter Beobachtung bedarf und mit dessen besonderer Aktivität im Ernstfall zu rechnen ist.
l Knoblehar Anton, Tischlergehilfe, 26.2. 1908 in
Mürzzuschlag/Stmk. geboren. Er war Führer des illegalen kommunistischen Jugendverbandes in Linz
und wird im Februar 1938 von der Poldion Linz zu 3
Monaten Arrest verurteilt.
l Kramlinger Heinrich, Schlossergehilfe, 15. 2.
1916 Steyr geb., deutscher Reichsangehöriger. Er
war kommunistischer Verbindungsmann und eine
Anlaufstelle für KP-Propagandamaterial, beteiligte
sich später selber an der Herstellung solcher Flugschriften und wurde daher wiederholt mit Arrest bestraft. Er ist heute fanatischer Kommunist, der steter
polizeilicher Beobachtung bedarf.
l Landl Johann, Malergehilfe, 5. 12. 1902 in Gerlitzdorf/Oberdonau geb. Er war Organisationsleiter
der KPÖ/Linz, betätigte sich später als Kurier der
Die Linzer KPÖ im Widerstand
KPÖ und der Roten Hilfe. Wurde von der Poldion
Linz 1933 mit 6 Wochen und 1935 mit 6 Monaten
Arrests bestraft. Er ist immer noch fanatischer Kommunist, der polizeilicher Beobachtung bedarf.
l Neuburger Josef, Schlossergehilfe, 29. 1. 1898 in
Linz geb. Er hatte früher in der sozialdemokratischen Partei verschiedene Funktionen inne und
schloss sich nach deren Auflösung im Jahre 1934 der
kommunistischen Bewegung an. Obwohl er in einem
staatlichen Betrieb beschäftigt war, befasste er sich
mit der Herstellung und Verbreitung kommunistischer Flugschriften, stand mit Kurieren in Verbindung und wurde daher von der Poldion Linz einige
Male in Haft gesetzt. Er ist heute noch Anhänger der
kommunistischen Bewegung und bedarf steter Beobachtung.
l Nock Karl, Fleischhauergehilfe, 26. 1. 1904
Oberneukirchen/Oberdonau geb. Er hatte in der KP
Linz verschiedene Funktionen inne. Er trat als Versammlungsredner auf und befasste sich mit dem
Ausbau der komm. Jugendbewegung.
l Reindl Karl, Konditorgehilfe, 20.2. 1913 in Linz
geb., deutscher Reichsangehöriger. Er ist fanatischer
Anhänger der illegalen kommunistischen Bewegung
im Gau Oberdonau. Er hat wiederholt an Führerbesprechungen teilgenommen und befasste sich mit
der Verbreitung von Flugschriften und wurde von
der Poldion Linz mit insgesamt 13 Monaten Arrest
bestraft.
l Ritter Marie, geb. Reiter, Fabriksarbeiterin, 20.
4. 1893 Bad Ischl geb. Sie gehörte früher der soz.
dem. Partei an und hat sich nach deren Auflösung
der komm. Bewegung angeschlossen. Ritter gehörte
einer komm. Betriebszelle in der Tabakfabrik in
Linz an und befasste sich mit der Herstellung und
Verbreitung komm. Flugschriften, betätigte sich für
die Rote Hilfe, beherbergte in ihrer Wohnung
komm. Kuriere und wurde 1936 von der Poldion
Linz mit 2 Monaten Arrest bestraft und außerdem
von der Tabakfabrik entlassen. Sie ist heute noch
Anhängerin der komm. Bewegung und bedarf polizeilicher Beobachtung.
l Steyrer Erwin, Mechaniker, 17. 4. 1917 Linz geb.
Er war Leiter des ill. komm. Jugendverbandes in
Linz, gründete mehrere Zellen und ließ große Mengen Flugschriften herstellen und verbreiten und
wurde daher von der Poldion Linz im Jahre 36 zu 6
Monaten Arrest und vom Landesgericht in Linz zu 5
1/2 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Er wurde
durch eine Amnestie auf freien Fuß gesetzt und entzog sich 1937 der Militärdienstpflicht und flüchtete
nach Spanien, wo er gegenwärtig gegen die nationalspanischen Truppen kämpft.
l Strasser Josef, Maurergehilfe, 10. 11. 1890 Audorf/Bezirk Linz geb. Er hat sich stets führend in der
komm. Bewegung in Linz betätigt, trat wiederholt
als Versammlungsredner auf, war Leiter der roten
Arbeiterwehr in Linz, wurde wiederholt in Haft gesetzt, war 1934 einige Monate im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Mit einer Aktivität Strassers ist im
Ernstfall unbedingt zu rechnen.
l Straßmeier Roman, Schlossergehilfe, 18.8.1916
in Linz geb. Er war Mitglied der illegalen Stadtleitung des komm. Jugendverbandes in Linz, errichtete
mehrere Zellen, beteiligte sich an der Herstellung
und Verbreitung größerer Mengen komm. Flugschriften und wurde daher von der Poldion Linz mit
Arrest und vom Landesgericht Linz wegen Hochverrats zu 5 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Er wurde an einer Amnestie teilhaftig und verbüßte
Seite 5
dadurch seine Strafe nicht. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, der steter Beobachtung bedarf.
l Teufl Josef, Schlosser, 23. 11. 1904 in Wien geb.
Er ließ sich 1934 zum Landesleiter der KPÖ Oberdonau wählen, führte den Decknamen Brand und entfaltete im Gau Oberdonau eine große
Organisationstätigkeit. Er stellte verschiedene Gebietszellenleitungen auf, ließ große Mengen Flugschriften verbreiten und wurde daher 1934 von der
Poldion Linz mit 6 Monaten Arrest und vom Landesgericht in Linz zu 4 Monaten schweren Kerkers verurteilt. Nach der Strafverbüßung wurde er
anschließend im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Teufl ist heute noch fanatischer Kommunist,
verhält sich zwar momentan zurückgezogen, doch
ist im Ernstfalle mit seiner Aktivität zu rechnen.
l Vorauer Maximilian, Hochschulstudent, 16. 2.
1915 Weigelbach. Er ist ein fanatischer Kommunist,
stand mit verschiedenen Kurieren in Verbindung,
wurde wegen seiner komm. Tätigkeit von der Bezirkshauptmannschaft im Jahr 37 mit 10 Monaten
Arrest bestraft und 3 Monate in das Anhaltelager
Wöllersdorf abgegeben, 1935 beteiligte er sich an
einem komm. Anschlag auf eine Starkstromleitung,
wurde deshalb im Kreisgericht von Ried im Innkreis
zu 2 1/2 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Mit seiner Aktivität ist im Ernstfalle zu rechnen.
l Wagenleitner Alois, Hilfsarbeiter, 1. 10. 1909 in
Ried/Innkreis geb. Er war Führer der komm. Bewegung in Ried, ließ Propagandamaterial verbreiten
und wurde daher mit 6 Wochen und 3 Monaten Arrest bestraft. Er ist nach wie vor fanatischer Kommunist, der steter polizeilicher Beobachtung bedarf.
l Winböck Karl, Maschinenmeister, 18. 9. 1896 in
Graz geb. Er war Mitglied der ill. komm. Landesleitung in Oberdonau, beteiligte sich an der Herstellung und Verbreitung großer Mengen
kommunistischer Flugschriften und wurde daher von
der Polizeidirektion im Jahre 1936 mit 6 Monaten
Arrest und vom Landesgericht in Linz wegen Verbrechens des Hochverrats mit 5 Jahren schweren Kerkers bestraft. Durch Amnestien brauchte er seine
Strafe nicht vollständig zu verbüßen. Er ist ein unverbesserlicher Kommunist, mit dessen Aktivität im
Ernstfalle zu rechnen ist.
l Wipplinger Alois, Schlossergehilfe, 11. 6. 1917
St. Florian/Oberdonau geb. Er war Agitator des
komm. Jugendverbandes in Linz, verbreitete große
Mengen Flugschriften und wurde daher 1936 von
der Poldion Linz mit Arrest bestraft. Da er dessen
ungeachtet seine KP-Tätigkeit fortsetzte, wurde er
1937 3 Monate im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, mit
dessen Aktivität im Ernstfall zu rechnen ist.
l Wollersberger Josef, Hilfsarbeiter, 21.4. 1910
Siebach geb. Er hatte in der komm. Bewegung verschiedene Funktionen inne und seit Jahren eine agile Tätigkeit entfaltet. Er verbreitete Flugschriften
und wurde wiederholt in Haft gesetzt. Er ist ein fanatischer Kommunist, der steter Beobachtung bedarf
und mit dessen Aktivität und eventuellen Aktionen
zu rechnen ist.
Quelle: Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich, Österreichischer Bundesverlag,
1982
Seite 6
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Opfer für die Freiheit
Nach den keineswegs vollständigen von
Prof. Peter Kammerstätter (1911-1993) erstellten Aufzeichnungen sind im Bezirk Linz
im Kampf gegen den grünen und braunen
Faschismus, als Kämpfer der Roten Armee
und im spanischen Freiheitskampf zwischen
1934 und 1945 folgende Mitglieder und
FunktionärInnen der KPÖ ums Leben gekommen.
l Bauer August, geboren am 15. Juli 1898, Arbeiter der Hermann-Göring-Werken, am 10. Juli 1944
im KZ Flossenbürg ums Leben gekommen
l Brunner Franz, geboren am 30. Oktober 1902 in
Linz, Arbeiter der Schiffswerft, am 28. April 1945 im
KZ Mauthausen vergast
l Brunner Maria, geboren am 25. November
1903, Hausfrau, am 31. März 1945 im Frauengefängnis Kaplanhof bei einem Bombenangriff ums
Leben gekommen
l Erhart Therese, geboren am 27. Juni 1905,
Hausfrau, am 1. Mai 1945 in Treffling erschossen
l Fuß Johann, geboren am 8. Mai 1899 in Sankt
Martin, Werkgehilfe der Eisenbahn, am 25. Februar
1945 bei einem Bombenangriff auf das Polizeigefängnis Mozartstraße während der Untersuchungshaft ums Leben gekommen
l Grillmayr Josef, geboren am 15. Juli 1913, Straßenbahner der ESG, am 1. Mai 1945 in Treffling erschossen
l Gröblinger Fritz, geboren am 11. Juni 1912,
Schlosser, im Herbst 1938 in Spanien auf Seite der
Republik gefallen
l Grüll Max, geboren am 20. September 1912,
Schuhmacher, Arbeiter der Stickstoffwerke, am 19.
September 1944 im KZ Mauthausen erschlagen
l Hackl Fritz, geboren am 6. August 1908 in Linz,
Kellner und Schleifer, Februarkämpfer, Emigration
in die UdSSR, Spanienkämpfer, Deckname Franz
Toch, am 28. November 1937 in Torralba de Aragon
(Spanien) an Typhus gestorben
l Hackl Johann, geboren am 31. Juli 1906 in Linz,
Chauffeur beim Zeitungsverlag Wimmer, am 28.
April 1945 im KZ Mauthausen vergast
l Haider Ludwig, geboren am 9. August 1885 in
Straßwalchen, Lokführer der Eisenbahn, am 28.
April 1945 im KZ Mauthausen vergast
l Haselmayr Franz, geboren am 30. März 1910 in
Linz, Hafner, Arbeiter der Schiffswerft, am 28. April
1945 im KZ Mauthausen vergast
l Häusl Rudolf, geboren am 4. April 1894 in Linz,
Werkmeister der Eisenbahn, am 12. Juni 1945 als
Folge der Haft im KZ Mauthausen gestorben
l Hefner Josef, Verschubmeister der Eisenbahn,
am 14. Februar 1945 in Jugoslawien als Partisan
gefallen
l Hehenberger Karl, geboren am 21. Oktober
1896, Straßenbahner der ESG, am 1. Mai 1945 auf
dem Truppenübungsplatz Treffling erschossen
l Hoffmann Johann Ing., geboren am 18. Mai
1897, Angestellter der Hermann-Göring-Werke, im
April 1945 im KZ Flossenbürg ums leben gekommen
l Kainz Franz, geboren am 28. August 1898,
EBG-Arbeiter, am 18. September 1944 im KZ Mauthausen ums Leben gekommen
l Königslehner Anna, geboren 1900, im Frauengefängnis Kaplanhof am 31. März 1945 bei einem
Bombenangriff ums leben gekommen
l Kriegner Franz, geboren am 10. Dezember 1913
in Böhmisch-Hörschlag, Schmied der Schiffswerft,
am 13. März 1945 im KZ Mauthausen ums Leben
gekommen
l Kühberger Rudolf, geboren am 27. Februar
1901, Arbeiter der Tabakfabrik, am 22. Jänner 1945
im KZ Mauthausen ermordet
l Ladislav Karl, geboren am 11. September 1924,
Sohn von Anna Haider, 1943 bei einem Partisaneneinsatz in der Sowjetunion ums Leben gekommen
l Landl Johann, geboren am 5. Dezember 1902 in
Gerlitzdorf, Malergehilfe, Organisationsleiter der
KPÖ und Roten Hilfe
l Leeb Franz, geboren am 30. September 1901,
Arbeiter der Schiffswerft, am 20. Februar 1945 im
KZ Mauthausen ums Leben gekommen
l Maritschnig Franz, geboren am 6. März 1900 in
Plaun, Arbeiter der Schiffswerft, am 28. April 1945
im KZ Mauthausen vergast
l Mayer Franz, geboren am 26. Mai 1914 in Linz,
gefallen bei den Februarkämpfen am 12. Februar
1934 am Römerberg
l Mitter Friedrich, geboren am 3. Mai 1913,
Schutzbündler, Februarkämpfer, Emigration in die
CSR und UdSSR, Spanienkämpfer, 1939 in Spanien
auf Seite der Republik gefallen
l Mitter Josef, geboren am 21. Jänner 1903 in
Linz, Buchhändler, in Spanien auf Seite der Republik gefallen
l Mittermayr Josef, geboren am 8. März 1901,
Schlosser, Februarkämpfer, Emigration in die
UdSSR, Spanienkämpfer, gestorben während der
Blockade in Leningrad
l Müller Hugo, geboren am 30. Dezember 1910,
Neffe von Richard Bernaschek, Arbeiter der Tabakfabrik, im Juli 1944 bei einem Partisaneneinsatz in
der Sowjetunion ums Leben gekommen
l Obermayr Heinrich, geboren am 16. Jänner
1901 in Linz, Angestellter der Tabakfabrik, am 28.
April 1945 im KZ Mauthauser ermordet
l Pfob Karl, geboren am 23. Juni 1912, Angestellter der Spatenbrotwerke, 1938 in Spanien auf Seite
der Republik gefallen
l Pollhammer Stefan, geboren am 12. Dezember
1906 in Linz, Maler bei der Eisenbahn, am 28. April
1945 im KZ Mauthausen vergast
l Prischl Karl, geboren am 16. Jänner 1895, Gemeindebediensteter, am 15. September 1942 im KZ
Ravensbrück ums leben gekommen
l Rackwetz Theodor jr., geboren am 25. Jänner
1925, zusammen mit seinem Vater in der Sowjetunion als Partisan gefangen und am 14. Oktober
1938-1945
1944 im KZ Mauthausen hingerichtet
l Rackwetz Theodor, geboren am 21. September
1901, Lithograph beim Gutenberg-Verlag, beim
Partisaneneinsatz in der Sowjetunion gefangen und
am 14. Oktober 1944 im KZ Mauthausen hingerichtet
l Rader Karl, geboren am 21. April 1898 in Reichenau, Elektroschweißer in der Schiffswerft, Obergefreiter, am 28. April 1945 erschossen
l Reindl Karl, geboren am 20. Februar 1913 in
Linz, Konditor, Lokführer bei der Eisenbahn, am 28.
April 1945 im KZ Mauthausen vergast
l Robl Heinrich, geboren am 8. Jänner 1913, 1942
als emigrierter Schutzbündler bei der Verteidigung
von Leningrad gefallen
l Schachinger Rudolf, geboren am 20. Jänner
1910, Schlossergehilfe, Februarkämpfer
l Schmelensky Anton, geboren am 22. Mai 1905
in Linz, Arbeiter der Tabakfabrik, am 28. April 1945
im KZ Mauthausen vergast
l Stadler Josef, geboren am 27. Dezember 1908
in Linz, Tischlermeister, Unteroffizier, am 26. April
1945 im KZ Mauthausen ermordet
l Stark Max, geboren am 6. Dezember 1911, Gemeindebediensteter, 1939 in Spanien an der Seite
der Republik gefallen
l Steidl Karl, geboren 1910, im Herbst 1941 als
Angehöriger der Roten Armee von der deutschen
Wehrmacht erschossen
l Teufl Josef, geboren am 23. November 1904 in
Linz, Schlosser der Steyr-Werke und später Tabakfabrik Linz, ab 1933 Landesobmann der KPÖ, ab
1934 Mitglied des ZK der KPÖ, am 28. April 1945 im
KZ Mauthausen vergast
l Thallinger Willibald, geboren am 23. November
1911, am 1. Mai 1945 auf dem Truppenübungsplatz
Treffling erschossen
l Tschofenig-Taurer Gisela, geboren am 21. Mai
1917, wohnhaft in Linz-Kleinmünchen, Reichsbahnangestellte, am 27. April 1945 im Lager Schörgenhub erschossen
l Weigl Franz, geboren am 30. November 1905,
wohnhaft in Linz-Sankt Magdalena, 1938 in Spanien auf Seiten der Republik gefallen
l Wipplinger Alois, geboren am 25. Juni 1906, Arbeiter der Schiffswerft, am 2. März 1945 im KZ
Mauthausen ums Leben gekommen
l Zinner Cäcilia, geborene Schnitzler, geboren am
15. November 1896 in Großraming, Schneiderin, am
1. Mai 1945 in Treffling erschossen
l Zivny Franz, geboren am 26. Mai 1907 in Linz,
Hilfsarbeiter, Spanienkämpfer, ging von Spanien
aus in die UdSSR, im November 1941 in Charkov
von der Gestapo erschossen
1938-1945
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Seite 7
Kommunistischer Widerstand gegen den Hitlerfaschismus
Dem Nazi-Terror die Stirn geboten…
Die KPÖ war als erste Partei schon am
27. Mai 1933 vom Dollfuß-Regime verboten
worden und seither illegal tätig. Dadurch
war sie auch von parlamentarischen Illusionen befreit und konnte den Charakter des
Faschismus sehr realistisch einschätzen.
Dies ermöglichte ihr maßgeblich, den Aufstand
des Republikanischen Schutzbundes in Linz am 12.
Februar 1934 zu beeinflussen. Durch das Versagen
der Führung der Sozialdemokratie wurde dieser
letzte verzweifelte Versuch den Faschismus zu verhindern durch die Übermacht von Bundesheer und
Austrofaschismus niedergeschlagen.
KPÖ nach 1934 im Aufschwung
Mit der Ausschaltung der parlamentarischen
Demokratie und der Arbeiterbewegung wurde dem
Austrofaschismus und damit letztlich auch der Okkupation Österreichs durch den Hitlerfaschismus
der Weg geebnet. Nach dem Februar 1934 gab es
einen Zuzug vieler enttäuschter Sozialdemokraten
zur KPÖ, die in der Folge gerade in der Illegalität
deutlich erstarkte. Hatte die KPÖ 1933 in Oberösterreich 570 Mitglieder, so waren es 1935 bereits
2.200.
Die KPÖ entfaltete aber im illegalen Kampf gegen den Ständefaschismus von 1934 bis 1938 eine
große Aktivität und erreichte dabei eine führende
Rolle. Sowohl in der Zeit des Austrofaschismus als
auch später unter dem unvergleichlich brutaleren
Nazi-Faschismus war die KPÖ stets bemüht unter
Beachtung der Regeln der Konspiration und des illegalen Kampfes eine flächendeckende Organisationsstruktur mit Verbindungen zur Zentrale und
ins Ausland aufrechtzuerhalten.
Eine Generalprobe für den vom Faschismus geplanten Krieg war der Bürgerkrieg in Spanien von
1936 bis 1939. Auch aus Oberösterreich kämpften
zahlreiche Kommunisten dort an der Seite der Republik gegen den von Deutschland und Italien unterstützten Faschismus.
Ideologische Basis des Widerstandes
Für den kommunistischen Widerstand gegen
den Hitlerfaschismus waren politisch zwei Aspekte
wesentlich. Georgi Dimitroff formulierte die 1935
vom 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale bestätigte Analyse des Faschismus als ”am
meisten terroristische Form der Herrschaft des Finanzkapitals” und der daraus abgeleiteten Notwendigkeit einer breiten Volksfront im antifaschistischen Kampf.
Ebenso wichtig war aber auch die im Auftrag
der KPÖ von Alfred Klahr 1937 verfasste Arbeit
”Zur österreichischen Nation”, mit der erst eine in-
tensivere Auseinandersetzung mit dem weitverbreiteten ”Anschlussgedanken” erfolgte und eine Mobilisierung gegen die sich abzeichnende Annexion
Österreichs erfolgte. Ganz in diesem Sinne führten
Vertreter der KPÖ im März 1938 Verhandlungen
mit dem Arbeiterkammer-Sekretär Alfred Maleta
über die Zusammenarbeit bei der Abwehr des ”Anschlusses” und verlangten die Bewaffnung der Arbeiterschaft. Und so ist auch der Aufruf des ZK der
KPÖ gegen die Okkupation zu verstehen.
Breiter kommunistischer Widerstand
Der Historiker Helmut Konrad bestätigt in einer
Zusammenfassung des Widerstandes in Oberösterreich ein ”deutliches Übergewicht der Kommunisten”. Wie wichtig der kommunistische Widerstand
in Oberösterreich war, wird auch aus den Akten der
Gestapo deutlich. In einem Bericht unmittelbar
nach dem ”Anschluss” im März 1938 sind namentlich 41 KommunistInnen erfasst, bei 36 von ihnen
erfolgt die stereotype Einschätzung ”fanatischer
Kommunist”, ”bedarf steter Beobachtung” und mit
ihren Aktivitäten sei ”im Ernstfall zu rechnen”. Bei
den 59 in einem eigenen Verzeichnis erfassten Sozialdemokraten haben nur 10 eine derartige ”Würdigung” erfahren.
Aus Gestapo-Berichten von 1939 und 1941 wird
deutlich, dass fast nur KommunistInnen Widerstand
leisteten, wobei die Auslegung des Begriffes ”kommunistisch” von der Gestapo freilich eher großzügig erfolgte. Das verwundert auch insoferne nicht,
als etwa den Revolutionären Sozialisten (RS) 1938
von ihrem Zentralkomitee empfohlen wurde, ihre
Aktivitäten für drei Monate einzustellen, weil Widerstand sinnlos sei. Das hatte freilich auch ideologische Hintergründe, weil seitens der RS nach wie
vor das Fernziel einer gesamtdeutschen Revolution
verfolgt und der Kampf für ein eigenständiges Österreich als nicht sinnvoll erachtet wurde.
Reorganisierung der KPÖ
Nach dem erfolgten ”Anschluss” Österreichs an
Hitlerdeutschlands erfolgte 1939 eine Reorganisation der KPÖ im nunmehrigen Reichsgau ”Oberdonau”. Franz Haider war Verbindungsmann zu Willi
Schmidt in Wien. 1940 erfolgte eine neuerliche
Umstrukturierung durch Bildung einer Landesleitung, die sich aus Sepp Teufel, Franz Haider, Karl
Reindl, Franz Haselmayr, Max Grüll und Elisabeth
Rechka zusammensetzte und deren Verbindungsmann zum ZK der KPÖ Erwin Puschmann war.
Nach der Verhaftung Franz Haiders wurde 1941 die
Landesleitung nach Wels verlegt und von Hermann
Höllermann, Karl Scharrer, Karl Mischka und Ludwig Hartl gebildet, die später alle von den Nazis
ermordet wurden.
Die Zentren des kommunistischen Widerstandes
gegen den Hitlerfaschismus lagen in Linz, Steyr,
Renner und Innitzer begrüßten freudig den
“Anschluss”
Wels, dem Salzkammergut und im Bezirk Vöcklabruck. Darüber hinaus gab es vereinzelten Widerstand seitens der KPÖ auch in anderen Bezirken
und Gemeinden des Landes. Bedeutend war auch
der Widerstand in wichtigen Betrieben, vor allem
bei der Reichsbahn sowie bei den zu den ”Reichswerken Hermann Göring” gehörenden den Eisenwerken in Linz und den Steyr-Werken. In Oberösterreich verloren ungefähr 160 KommunistInnen
ihr Leben im Kampf gegen den Nazi-Faschismus,
sei es in Gefängnissen und Konzentrationslagern,
im Kampf der spanischen Republik oder in den
Reihen der alliierten Armeen.
Viele Beispiele des Widerstandes
Es gibt viele herausragende Beispiele des Widerstandes gegen den Terror des Hitler-Regimes.
Sie zeigen, dass es auch einen anderen Weg gab
als den des Mitläufertums, den die meisten ÖsterreicherInnen gingen, wie die mehr als 99 Prozent
Ja-Stimmen vom April 1938 zum Ausdruck brachten. So wurde der langjährige Landesobmann der
KPÖ, Sepp Teufl, noch wenige Tage vor der Befreiung im Lager Mauthausen ermordet.
Zwei Steyrer Kommunisten, Franz Draber und
Sepp Bloderer, gelang sogar die Flucht aus der Todeszelle des Zuchthauses Stadlheim in München.
Ein wichtiges Beispiel des Widerstand und Zeugnis
von großem Humanismus zeigte auch die Familie
Breirather aus Sierning mit ihrem Einsatz für das
Roma-Mädchen Sidonie Adlersburg.
Als ”Welser Gruppe” wurde von der Gestapo
die 1942 nach Wels verlegte Landesleitung der
KPÖ eingeordnet, die weitreichende Verbindungen
nach Linz, Steyr und in das Salzkammergut hatte.
Unter kommunistischer Führung gelang es ihr
zahlreiche antifaschistische Aktivitäten zu entfalten. Durch die Verletzung der notwendigen Konspiration gelang es der Gestapo jedoch ihre Spitzel in
diesen Kreis einzuschleusen und Dutzende AntifaschistInnen zu verhaften und zu ermorden.
Seite 8
Partisanenbewegung im Salzkammergut
Eine große Bedeutung erlangte die Widerstandsbewegung im Salzkammergut, die von Sepp
Plieseis und Alois Straubinger - der eine aus einem
Nebenlager des KZ Dachau in Hallein, der andere
aus dem Gefängnis in Wels ausgebrochen - organisiert wurde. Zahlenmäßig ist diese Widerstandsund Partisanenbewegung nicht genau festzulegen,
weil das Netz der Verbindungsleute sehr groß war.
Die Verankerung des Widerstandes im Salzkammergut war so tief, dass auch verhältnismäßig wenig AntifaschistInnen vom Nazi-Regime gefasst
werden konnten.
Im Salzkammergut, einschließlich dem Ausseerland, verfügte die Widerstandsbewegung schon
1944 über rund 300 Anlaufstellen. Die Stadt Bad
Ischl wurde praktisch von der Widerstandsbewegung befreit.
Die Bewegung war auch entscheidend an der
Rettung der Kunstschätze im Altausseer Salzbergwerk beteiligt. Frauen - als Beispiel seien Resi Pesendorfer, Marianne Feldhammer und die ”Partisanenmutter” Maria Sams genannt - hatten großen
Anteil an der Bewegung.
”Keine aufbauwilligen Kräfte...”
Noch in den letzten Tagen des Krieges, Ende
April 1945 wurden auf ausdrücklichen Befehl von
Nazi-Gauleiter August Eigruber im KZ Mauthausen
zahlreiche Antifaschisten, darunter vor allem KommunistInnen wie Sepp Teufl, Alois Welischek und
andere, ermordet. Begründet wurden diese Mordbefehle damit, dass die Alliierten ”keine aufbauwilligen Kräfte vorfinden” sollten.
Ebenso wurden in Treffling (Gemeinde Engerwitzdorf) noch in den letzten Kriegstagen am 1.
Mai 1945 zahlreiche Widerstandskämpfer, darunter
ebenfalls namhafte KommunistInnen, ermordet.
”Eigenen Beitrag” ernstgenommen
Zusammenfassend zeigt der in Oberösterreich
entfaltete kommunistische Widerstand gegen den
Hitlerfaschismus, dass die KPÖ die Perspektive nie
in einer Versöhnung mit den Henkern der Demokratie und Arbeiterbewegung und mit den Totengräbern der Selbständigkeit Österreichs sahen.
Sie ließen sich auch vom größten Terror nicht
entmutigen, immer wieder aufs Neue in verschiedenen Formen Widerstand gegen das ”braune Regime” zu entfalten.
Die KPÖ hat damit den Auftrag der Alliierten in
der ”Moskauer Deklaration” vom Juli 1943, die
Wiederherstellung eines unabhängigen Österreich
als eines ihrer Kriegsziele werde von einem ”eigenen Beitrag” Österreichs zu seiner Befreiung abhängig sein, ernst genommen.
Die Linzer KPÖ im Widerstand
1938-1945
Josef Teufl, KPÖ-Landesobmann von 1933-1945:
Ein kämpfender Antifaschist
”Genosse Teufl wurde im Lager oft vernommen. Die Vernehmung durch den Gestapomann Pötscher war für ihn stets eine große Gefahr. Einmal, als er wieder gerufen
wurde, sagte er mir: ”Heut muß ich wieder
zum Pötscher gehen, wenn ich nicht zurückkommen sollte, macht es weiterhin richtig.”
Wenn er wieder zurückkam, war immer sein
Gesicht geschwollen und sein Rücken zerschlagen. Aber er machte sich nicht viel daraus. Gewöhnlich sagte er: ”Wenn man
kämpfen will, muß man hart sein und im
Kampfe liegt das Leben. Wenn wir auch
sterben müssen, wir wissen doch, wofür wir
gestorben sind.”
Diese Worte eines mitgefangenen Augenzeugen
im KZ Mauthausen charakterisierten einen Mann,
der gegen grünen und braunen Faschismus gekämpft hatte und ganz kurz vor der Befreiung im
Jahre 1945 sein Leben lassen mußte. Gemeint ist
Josef Teufl, von 1933-45 Landesobmann der oberösterreichischen KPÖ.
Teufl (er wird irrtümlich manchmal auch Toifl
geschrieben) wurde am 24. November 1904 in
Wien als Sohn eines Musiklehrers und einer Krankenschwester geboren. Er besuchte Volks- und Bürgerschule und lernte in den Jahren 1919-22 den
Schlosserberuf in der Lokomotivfabrik Krauß in
Linz. Von 1926-29 war er in den Steyr-Werken beschäftigt, ab 1929 war er Maschinenschlosser in der
Linzer Tabakfabrik. 1927 hatte er geheiratet, er
hatte zwei Kinder.
Seit 1933 KPÖ-Landesobmann
Schon in Steyr Kommunist geworden, wurde
ihm nach dem Parteiverbot 1933 die Funktion eines Landesobmannes der KPÖ übertragen. Im September 1933 fand im Gasthaus Neuwirth auf der
Gis (Gemeinde Lichtenberg) eine illegale Landeskonferenz der KP mit rund 40 Teilnehmern statt,
darunter eine starke linke sozialdemokratische
Gruppe unter Leitung des späteren Landesobmannes der KPÖ, Franz Haider.
Schon vor den Ereignissen des Februar 1934
spielte Teufl eine maßgebliche Rolle. Am 9. Mai
1933 wurde er gemeinsam mit 40 anderen Kommunisten und Linken verhaftet. Im Herbst 1933
trat er bei einer SP-Vertrauensmännerkonferenz im
Theresiensaal als Gegenredner zu Otto Bauer auf
und prangerte dessen Beschwichtigungstaktik an.
Im Dezember 1933 vermittelte er die Kontakte des
illegal unter dem Decknamen ”König” als Instrukteur in Linz weilenden ZK-Mitglieds Simon Kompein zum Schutzbund-Kommandanten des Abschnitts Franckviertel Franz Kaltenböck.
Die Kämpfe des 12. Februar 1934 machte Sepp
Sepp Teufl, Landesobmann der KPÖ
Teufl aktiv beim Wirtschaftshof mit. Wenige Tage
nach den Kämpfen leitete Teufl illegale Flugblattaktionen in Linz. Eine illegale Landeskonferenz der
KPÖ im August 1934 in Walding mit rund 40 Teilnehmern bestätigte Teufl als Landesobmann. Als
solcher bemühte sich Teufl vor allem in ”Einheitskonferenzen” in Linz und Gmunden um gemeinsame Aktionsausschüsse mit Sozialdemokraten und
Schutzbündlern.
Illegale antifaschistische Arbeit
Der 12. Parteitag der KPÖ im September 1934
an dem er wegen seiner Verhaftung nicht teilnehmen konnte, wählte ihn zum ZK-Mitglied. 1934
lehnte er das Angebot in die Schweiz in die Emigration zu gehen ab und blieb in Österreich. In den
folgenden Jahren gab es ständig Verhaftungen, sodass die illegale Landesleitung ständig umgruppiert werden mußte. Teufl war jedoch als Landesobmann stets Mitglied der engeren Führung der
Landespartei.
Die illegale antifaschistische Arbeit Teufls wird
durch mehrere Berichte der Polizei belegt. So heißt
es in einem Bericht der Bundespolizeidirektion Linz
vom 23. September 1934, Teufl habe drei Monate
zuvor den arbeitslosen Buchdrucker Klee mit der
Einrichtung einer kommunistischen Meldestelle betraut, er habe sich am 8. September 1934 mit dem
arbeitslosen Maschinenschlosser Lang und am 11.
September mit Friedrich Kammerer in einer Schrebergartenhütte zu illegalen Besprechungen getroffen. Teufl wurde dann auch am 12. September
1934 in der Wohnung Klees verhaftet, im Protokoll
der Polizei heißt es, ”... er repräsentiert die derzeitige illegale Leitung der KP Oberösterreichs.”
Besonderer Vorwurf der Polizei an Teufl: Er
1938-1945
habe mit antifaschistischen Kreisen in der CSR, u.a.
mit Richard Bernaschek, in Verbindung gestanden.
Im Bericht der Polizei vom 18. Jänner 1935 wird
Teufl gemeinsam mit 11 weiteren beschuldigt, an
der Herstellung der illegalen Zeitschriften ”Rote
Front” und ”Roter Rebell” mitgewirkt zu haben
und des Hochverrats angeklagt.
Ergänzt wird Teufls ”Sündenregister” im Bericht
vom 16. September 1934 um die Beschuldigung,
dass er etwa im März 1932 in der Tabakfabrik eine
kommunistische Betriebszelle errichtete. Teufl war
von 1932 bis zur Auflösung der Freien Gewerkschaften im Jahre 1934 Vertrauensmann der Tabakarbeitergewerkschaft gewesen. Vom Landesgericht Linz wurde er am 28. März 1935 zu vier Monaten schweren Kerker verurteilt. Die Verfolgung
durch die Austrofaschisten wurde nach der Okkupation 1938 von den Nazis nahtlos fortgesetzt.
Die Gestapo berichtet
In einem Bericht der Gestapo vom 16. August
1938 heißt es: ”Teufl… ließ sich 1934 zum Landesleiter der KPÖ Oberdonau wählen, führte den
Decknamen Brand und entfaltete im Gau Oberdonau eine große Organisationstätigkeit.
Er stellte verschiedene Gebietszellenleitungen
auf, ließ große Mengen Flugschriften verbreiten
und wurde daher 1934 von der Poldion Linz mit 6
Monaten Arrest und vom Landesgericht Linz zu 4
Monaten schweren Kerker verurteilt. Nach der
Strafverbüßung wurde er anschließend im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Teufl ist heute noch ein
fanatischer Kommunist, verhält sich zwar momentan zurückgezogen, doch ist im Ernstfalle mit seiner Aktivität zu rechnen.”
Nach der Besetzung wurde Teufl daher auch
ständig von der Gestapo überwacht. Er wurde nicht
zum Wehrdienst eingezogen, weil man seine Aufklärungsarbeiten unter den Soldaten fürchtete.
Trotz Überwachung unterbrach er seine illegale Tätigkeit nicht. In einem Rohbau richtete er eine illegale Druckerei ein, schrieb selbst Flugblätter und
druckte sie. 1940 bildete sich eine neue Landesleitung der KP, deren Vorsitzender wiederum Teufl
war. Am 9. September 1944 gelang es der Gestapo
durch Mithilfe eines Spitzels seiner habhaft zu werden und Teufl wurde gemeinsam mit etwa 100 anderen Antifaschisten verhaftet und ins KZ Mauthausen eingeliefert.
Der erwähnte Mitgefangene erzählt: ”Teufl war
einer der besten Organisatoren im Lager. Er stellte
innerhalb des Lagers Gruppen auf, die die Aufgabe
hatten, günstige Gelegenheiten für den Ausbruch
aufzuspüren. Er teilte Leute ein, die damit betraut
waren, die Beobachtung draußen vorzunehmen,
herauszubekommen, was bei der SS vorgeht, ob
die Straßen belegt sind, was für Fahrzeuge sich
draußen befinden und vieles mehr. Er schulte auch
die Gruppen, mit denen er politisch arbeitete. Vor
seiner Ermordung organisierte er einen Ausbruch.
Er wurde leider durch Schwerverbrecher, die schon
lange im Lager waren und Hilfsdienste für die SS
Die Linzer KPÖ im Widerstand
machten, verhindert.”
Vor allem aber war es die eigene Schwäche die
den Ausbruchsversuch letztlich scheitern ließ.
Die Torturen der SS
Wie Richard Dietl, ein anderer Mitgefangener
zu Protokoll gab, wurden Teufl und mehrere im
September 1944 inhaftierte Antifaschisten von der
SS im Steinbruch des KZ schikaniert, mußten sehr
schwere Steine über die berüchtigten 187 Stufen
der Todesstiege schleppen, wobei mehrere von ihnen erschossen wurden, als sie zusammenbrachen.
Eine andere Tortur der SS war, dass man die
Gefangenen drei Nächte und vier Tage ohne zu essen, trinken und die Notdurft verrichten zu können,
mit den Zehenspitzen und Kopf in strammer Haltung an der Mauer stehen ließ, um Geständnisse zu
erpressen, wobei ebenfalls mehrere Häftlinge erschlagen wurden. Teufl und einigen anderen malte
die SS mit roter Farbe drei Kreuze auf den Rock,
was so viel zu bedeuten hatte wie ”Du kehrst nicht
zurück.”
Der Eigruber-Befehl
Seite 9
Brief aus
Mauthausen
”Wenn die Ereignisse so forttreiben wie
gerade jetzt, so hoffe ich auf ein recht baldiges Wiedersehen. Wir alle befinden uns hier
in Höchstspannung. Meine Rechnung geht
jetzt bis zum ersten Mai.”
Sepp Teufl am 30. März 1945 in einem
aus dem KZ Mauthausen geschmuggelten Brief. Teufl wurde am 28. April
1945 ermordet.
Kommunisten machen. Auch sie soll stark sein und
sich von nichts abbringen lassen.
Unsere Idee muß weitergetragen werden. Sag
meiner Frau, dass sie nicht traurig sein soll, denn
ich sterbe für unsere Idee. Viele von uns sind gestorben und vielleicht werden noch viele sterben,
aber wir leben trotzdem, denn der Geist, den wir
Kommunisten wachgerufen haben, wird sich immer
weiter verbreiten.’ Bald darauf wurde Genosse
Teufl von mir getrennt und ein paar Tage später
erfuhr ich, dass er in der Gaskammer ermordet
und schon begraben sei. Es waren nur wenige Tage
vor unserer Befreiung. Es war unserem Genossen
Teufl nicht mehr vergönnt sie zu erleben.”
An das Andenken Sepp Teufls erinnert in Linz
die nach ihm benannte Teuflstraße am Bindermichl.
Vom 27. - 29. April 1945 wurde auf ausdrücklichen Befehl des Nazi-Gauleiters August Eigruber
im KZ Mauthausen eine große Gruppe von oberösterreichischen Antifaschisten, darunter Sepp Teufl
und Richard Bernaschek, ermordet. In dem Befehl
hieß es ausdrücklich, die einrückenden alliierten
Truppen dürften keine aufbauwilligen Kräfte vorfinden. Der einzige der dem Massaker entkam, war
Richard Dietl aus Wels.
Der erwähnte Augenzeuge berichtete: ”Ich war
bis zur letzten
Minute bei ihm.
Er hatte die geballten Fäuste in
der
Tasche,
schaute gegen
die Sonne und
sagte: ‘Bertl, die
Sonne sehe ich
heute nicht mehr
untergehen, es
gibt keinen Ausweg mehr. Macht
es gut und lasst
Euch nicht weich
machen. Erzählt
meiner Frau, wie
ich gelebt habe
im Lager und wie
ich
gestorben
bin. Sie soll meine Tochter und
meinen
Sohn
richtig erziehen.
Besonders den Die berüchtigte Todestiege im Konzentrationslager Mauthausen mit ihren
Buben soll sie zu Stufen war ein Martyrium für die Häftlinge, wenn sie Steine über diese Trepeinem richtigen pe schleppen mußten.
Seite 10
Die Linzer KPÖ im Widerstand
1938-1945
Das Leben des Max Grüll (1912-1944)
Von einem seltenen Optimismus erfüllt
Max Grüll, Sohn eines Bäckergehilfen,
der mit seinem kargen Verdienst nicht einmal den Hunger seiner 18köpfigen Familie
stillen konnte, wurde am 20. September
1912 in Linz geboren und lernte fortan das
bittere Los eines armen Arbeiterkindes kennen.
Noch während des Besuchs der Volks- und Bürgerschule trat er in die Reihen der organisierten
Arbeiterbewegung, gehörte zu den Roten Falken,
zur SAJ, zum Wehrsport und zu den Jugendordnern
des Republikanischen Schutzbundes. Er erlernte
das Schusterhandwerk und wurde daraufhin arbeitslos. Dennoch verstärkte er seine politische Tätigkeit und bekleidete verschiedene Funktionen,
die er stets mit größter Gewissenhaftigkeit, Verlässlichkeit und Begeisterung ausübte. Überdies war er
ein hervorragender Sportler, Wanderer und Bergsteiger.
Beim Februaraufstand
Am 12. Februar 1934, als sich die österreichische Arbeiterschaft dem heranstürmenden Heimwehr-Faschismus entgegenstellte, war Max Grüll in
den vordersten Reihen der kämpfenden Arbeiter. Er
beteiligte sich als Mitglied einer Schutzbund-MG-Abteilung bei der Verteidigung der Linzer Eisenbahnbrücke. Peter Kammerstätter war
dort als Posten eingeteilt und erinnerte sich: ”Ich
sah den Maxl, mit welchem großen Ernst und
Schnelligkeit er beim Aufstellen des MG und der
Schutzvorkehrungen mitwirkte.”
Wegen seiner Teilnahme am Februaraufstand
mußte er eine längere Zeit im Kerker verbringen.
Auf Grund des Verrats der SP-Parteiführung während der Februarereignisse zog Max persönliche
Konsequenzen und trat der KPÖ, dem KJV bei und
überführte eine Reihe von SAJ-Gruppen zum KJV.
Im September 1934 gab es eine große Verhaftungswelle in Oberösterreich.
Max übernahm daraufhin die Herstellung von
unterbrochenen Verbindungen, vertrieb illegale
Broschüren, wirkte bei der ”Roten Hilfe” mit und
leitete schließlich die Herstellung der oberösterreichischen KJV-Zeitung ”Roter Rebell”. Max verstand
es, die politische Arbeit in legale Jugendorganisationen und Klubs zu verlegen und wurde schließlich
Hauptverantwortlicher für Jugendarbeit in der
oberösterreichischen Partei.
1936 neuerlich verhaftet
Durch einen Polizeispitzel verraten, wurde Max
1936 wieder verhaftet und, um ein Geständnis zu
erpressen, von der Polizei schwerstens misshandelt,
so dass er wochenlang nicht gehen konnte und sein
Kopf von eiternden Wunden bedeckt war. Trotzdem
blieb Max standhaft und verriet keinen der Genossen, die mit ihm zusammengearbeitet hatten. Nach
neun Monaten Haft endlich entlassen, setzte er seine illegale Tätigkeit unerschrocken fort, wurde
neuerlich verhaftet, mußte aber schließlich doch
wieder freigelassen werden. 1937 kam seine Frau
Anny von Wien nach Linz.
Nach dem Einmarsch Nazideutschlands in Österreichs wurde die illegale antifaschistische Arbeit
noch erheblich gefährlicher. Max jedoch wurde wiederum verantwortlich für die Jugendarbeit der Partei. Er wurde Mitglied des ZK des KJV und der Landesleitung der oö. KPÖ.
Max Grüll bekam eine Arbeitsstelle in der Konsum-Genossenschaft, daher arbeitete er auch aktiv
im GÖC-Club, einem legalen Konsum-Jugendklub,
unter dessen Deckmantel sich vor allem junge
Kommunisten und Sozialisten organisierten. Außerdem wurde er Wanderwart und Leiter der Linzer Gruppe des Touristen-Club. Max nützte alle
Möglichkeiten und Gelegenheiten, um gerade in
dieser schweren Zeit neue Kader für die Partei und
den KJV zu bilden. Diese wurden bei geheimen Zusammenkünften auf Berghütten und Ausflügen systematisch geschult.
1941 wurde seine Tochter Hermine geboren.
Außerdem fing er in der Personalabteilung der
Stickstoffwerke in Linz zu arbeiten an. Auch dort
beteiligte er sich sofort am Aufbau einer neuen Betriebsgruppe, die ein Teil der sogenannten ”Welser
Gruppe”, dem größten oberösterreichischen Widerstandskreis, dem auch führende linke Sozialdemokraten und faktisch das gesamte Aktiv der oberösterreichische KPÖ angehörten, war. In den Stickstoffwerken hatte Max auch Möglichkeiten, mit
Fremdarbeitern in Verbindung zu kommen und
war bis zu seiner Verhaftung mit Tschechen in engem Kontakt. Max schrieb an seiner eigenen Biographie, einer Erzählung mit dem Titel ”Die Geschichte des kleinen Sepperl”, die er auf Grund seiner Verhaftung nicht beenden konnte, die aber
dennoch eindrucksvoll das harte Leben armer Arbeiterkinder beschreibt.
Häftling Nummer 97.019
Am 10. September 1944 infolge einer Denunziation von der Gestapo verhaftet, wurde Max mit
der Häftlingsnummer 97.019 in KL Mauthausen
eingeliefert. Dort wurde er am 19. September bei
einem Verhör unter unsäglichen Foltern und Qualen langsam und bestialisch ermordet. Wie tapfer
und standhaft sich Max Grüll gehalten hat, beweist
eine Erklärung des politischen Leiters der Gestapo
im KL Mauthausen, der seiner Frau Anny wörtlich
sagte: ”Alle Achtung vor ihrem Mann. Was wir mit
ihm auch getan haben, er hat die Zähne zusam-
Max Grüll (1912-1944)
mengebissen und kein Wort gesagt, nicht einmal
seinen Namen.”
Max Grüll war von einem seltenen Optimismus
an die Jugend und eine sozialistische Zukunft erfüllt, zu seiner Frau sagte er kurz vor seiner Verhaftung: ”Ich freue mich über die politische Entwicklung in der Jugendbewegung. Ich weiß, dass es
vorwärts geht. Ich bin stolz, dass ich Kommunist
sein kann. Mir ist klar, dass ich, wenn mich die Gestapo erwischt, mit meinem Leben abschließen
muß. Wenn ich auch ein Opfer der Hitlerschergen
werden sollte, unsere Arbeit war nicht umsonst, sie
wird ihre Früchte tragen und am Ende steht der
Sieg unserer Idee, des Sozialismus.”
Quelle: Peter Kammerstätter, Ansprache bei
der Enthüllung der SAJ-Gedenktafel im KZ
Mauthausen, 1991
Die Bilanz des
Nazifaschismus
l 2.700 ÖsterreicherInnen wurden hingerichtet
l 16.100 ÖsterreicherInnen starben in Gestapohaft, Zuchthäusern und Gefängnissen
l 16.500 Österreicherinnen starben in
Konzentrationslagern
l 65.459 österreichische Juden wurden ermordet
l 24.300 ZivilistInnen sind bei Luftangriffen oder Kriegshandlungen umgekommen
l 247.000 zur Wehrmacht eingezogene
Österreicher sind gefallen oder dauern
vermisst
1938-1945
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Seite 11
Erinnerung an Gisela Tschofenig-Taurer
Wenige Tage vor Kriegsende in Mauthausen ermordet
Zeugen nicht
”beweiskräftig”?
Franz Haselmayers Kampf
Beim Studium des amtlichen Werkes
”Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934 bis 1945” fällt auf, dass ein markanter Name darin überhaupt nicht vorkommt, nämlich der von Gisela Tschofenig,
geborene Taurer. Gisela Taurer entstammte
einer Kärntner Eisenbahnerfamilie, wurde
am 21. Mai 1917 geboren und kam mit ihren Eltern 1935 nach Linz.
Sie arbeitete schon in der Schuschnigg-Zeit illegal in der kommunistischen Jugend und nach dem
”Anschluss” für die KPÖ. 1944 wurde sie in Kärnten
verhaftet und nach Linz ins berüchtigte Frauengefängnis Kaplanhof gebracht. Dort machte sie den
Bombenangriff vom 31. März 1945 mit, bei dem
zahlreiche Frauen ums Leben kamen. Bei den Verhören, zu denen sie ins Lager Mauthausen gebracht wurde, hat man ihr schon angedroht, sie
werde ihren damals vierjährigen Sohn nicht mehr
sehen.
Ihre Freundin Therese Reindl, die mit Gisela die
letzten Wochen der Haft teilte, berichtete, dass in
der Nacht vom 27. auf 28. April 1945 im Lager
Schörgenhub, wohin die Frauen vom Kaplanhof gebracht worden waren, Gisela Tschofenig-Taurer zusammen mit der Welser Kameradin Höllermann
aus der Baracke geholt wurde, Gisela habe ihr noch
zugeflüstert: ”Jetzt ist es so weit.”
An den Schuhen erkannt…
In der Nacht hörten die Frauen mehrere Schüsse vor dem Lager fallen. Am nächsten Tag hat Frau
Reindl bemerkt, dass ein weiblicher Kapo die Bergschuhe von Gisela getragen hat, mit denen sie in
Kärnten verhaftet worden war. Frau Reindl war
auch dabei, als kurz nach der Befreiung die Grube
geöffnet wurde, in der insgesamt sechs Leichen lagen, darunter die von Gisela und Frau Höllermann.
Bei Gisela fehlten die Schuhe.
Obwohl es also über den Tod von Gisela Tschofenig-Taurer nicht den geringsten Zweifel geben
kann, wurde sie nicht in das amtliche Verzeichnis
der Opfer aufgenommen, weil die SS zu diesem
Zeitpunkt in Schörgenhub keine Totenbücher mehr
geführt hat. Die Unterlassung der zusammenbrechenden Verbrecherorganisation gilt also bis zum
heutigen Tag mehr als die Aussagen von Zeugen
über diesen Tod für die Freiheit Österreichs.
Soll das etwa die Aufarbeitung der Geschichte
sein, wenn heute noch das Nichtzeugnis der SS
mehr gilt als das Zeugnis von Mitkämpferinnen der
Ermordeten?
Franz Haselmayer wurde am 31. März
1910 in Linz geboren. Er besuchte die Volksund Bürgerschule, erlernte das Hafnerhandwerk. Seit der frühesten Jugend war er bei
den Kinderfreunden in der SAJ, Obmann der
Ortsgruppe Ost in Linz und Mitglied der Bezirksleitung der SAJ.
Haselmayer war bei den Jugendordnern, einer
Unterorganisation des Schutzbundes. Er beteiligte
sich am Aufstand des Republikanischen Schutzbundes am 12. Februar 1934 im Gebiet des Wirtschaftshofes. Nach dem 12. Februar 1934 wurde er
Mitglied des KJV und besuchte die ehemaligen
SAJ-Gruppen in Linz und Steyr, die er zu gewinnen
versuchte, was ihm auch gelang.
tatkräftige Unterstützung zu bieten.
Viele Kommunisten, die damals in den Kerkern
und Konzentrationslagern schmachteten, berichten,
dass der Franz ihnen und ihren Familien in dieser
harten Zeit oft und oft geholfen hat. Er hat sich verheiratet mit M. Rinnerberger und im Oktober 1941
wurde seine Tochter Ingrid geboren. 1944 wurde er
wieder zur Wehrmacht nach Krems eingezogen.
Eines Tages aber ereilte ihn selbst das Schicksal,
Deckname Fred Kunst
Als seine Tätigkeit durch die Nachforschungen
der Staatspolizei erschwert wurde, wurde er nach
Wien berufen und war in verschiedenen Bundesländern unter dem Namen Fred Kunst tätig. Er besuchte dann die Lenin-Schule in Moskau. 1937
kehrte er zurück, arbeitete als Instruktor und wurde Mitglied des ZK des KJV Österreich und war auch
Mitglied der KPÖ-Landesleitung von Oberösterreich. Dann wurde er 1938 bei einer Jugendschule
auf dem Feuerkogel verhaftet. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten arbeitet er
beim Arbeitsdienst und kam dann in die Schiffswerft in die Schweisserei, wo er angelernt wurde.
Die Linzer Gestapo hat am 8. August 1938 auch
von Franz Haselmayer einen Bericht an die Zentralstelle nach Berlin übermittelt, in dem es heißt,
er sei Hafnergehilfe, am 30. März 1910 geboren. Er
stehe mit dem ZK der KP in Wien in Verbindung,
war mit Personaldokumenten auf den Namen Anton Martin ausgestattet, reiste von 1934-38 in Österreich als kommunistischer Agitator, wurde am
12. Februar 1938 in einem kommunistischen Schulungslager von der Polizeidirektion Linz festgenommen. Eine Bestrafung sei nicht erfolgt, weil er
einer Generalamnestie teilhaftig wurde. Er sei nach
wie vor ein ”fanatischer Kommunist”, verhalte sich
aber ”gegenwärtig zurückgezogen”.
Illegaler Organisator
Haselmayer wurde zum Militärdienst eingezogen. Im Jahre 1940 kehrte er vom Militär wieder
an seinem Arbeitsplatz in die Schiffswerft zurück
und begann sofort die illegalen Betriebsorganisationen in Linz, Steyr und anderen Orten von Oberösterreich zu betreuen. Außerdem aber sah er es
als seine Pflicht an, den Kommunisten und Antifaschisten zu helfen, den Kriegsgefangenen der Roten Armee und den ausländischen Zwangsabeitern
wie viele vor ihm. Durch einen Gestapospitzel war
seine illegale Gruppe verraten worden. Franz wurde in Krems von der Militärpolizei verhaftet, in
Garnisonarrest in Linz abgegeben. Die Gestapo
forderte ihn sofort an und brachte ihn am 25. November 1944 in das KZ Mauthausen, wo er die
Häftlingsnummer 102.516 bekam.
Die Weisung des Gauleiters
Bei den durchgeführten Verhören war er
schrecklichen Quälereien ausgesetzt. Er wurde mit
41 Oberösterreichern, alle Angehörige der ”Welser
Gruppe”, auf Befehl des damaligen Gauleiters von
Oberdonau, Eigruber, mit der Erklärung, die Alliierten sollten ”keine aufbauwilligen Kräfte vorfinden” am 28. April 1945 in der Gaskammer erstickt.
Es war die letzte Vergasung im KZ Mauthausen.
Sein Leben war erfüllt von der Liebe zu den
Menschen und vom Glauben an die Jugend und die
Arbeiterklasse und an den Sieg des Sozialismus.
Für ihn wie für viele andere gilt die auf einer Gedenktafel im KZ Mauthausen festgehaltene Ausspruch eines ehemaligen griechischen Häftlings:
”Vergiss uns nicht, die wir hier getötet wurden,
denn das Vergessen des Bösen ist die Aufforderung
zu seiner Wiederholung.”
Quelle: Peter Kammerstätter, Ansprache bei
der Enthüllung der SAJ-Gedenktafel im KZ
Mauthausen, 1991
Seite 12
Die Linzer KPÖ im Widerstand
1938-1945
Noch in den letzten Tagen wurde in Treffling ermordet
Hinrichtung von
WiderstandskämpferInnen am 1. Mai
Buchstäblich bis zum letzten Tag seines
Bestehens wütete das Naziregime in Hitlers
Heimatgau Oberdonau gegen alle Gegner.
Noch am 1. Mai 1945, als der Osten Österreichs schon seit rund drei Wochen befreit
und am 27. April 1945 in Wien die 2. Republik und damit das Wiedererstehen eines unabhängigen Österreich proklamiert worden
war, wurden auf dem Truppenübungsplatz in
Treffling zahlreiche WiderstandskämpferInnen kaltblütig ermordet.
Darunter befanden sich auch die KommunistInnen Josef Grillmayr, Karl Hehenberger, Willibald
Thallinger und Cäcilie Zinner. In einer Anklageschrift des Oberreichsanwaltes beim Nazi-Volksgerichtshofes vom 21. Dezember 1944 wurde Cäcilie
Zinner gemeinsam mit Aloisia Höglinger, Friederike Buchacher und Josef Stammler angeklagt vom
Herbst 1943 bis August 1944 ”kommunistischen
Hochverrat” durch Unterstützung des Deserteurs
und Kommunisten Ludwig Telfner als Gründer und
Führer der nach dem 1934 in Wien hingerichteten
Februarkämpfer benannten kommunistischen Brigade ”Münichreiter” begangen und ”wehrkraftzersetzende Äußerungen” getan zu haben.
Laut Anklageschrift war Cäcilie Zinner durch die
Hinrichtung ihres Mannes zu einer fanatischen
Gegnerin des NS-Regimes geworden und hatte vor
allem Verbindungen zwischen WiderstandskämpferInnen hergestellt und Geld zur Unterstützung von
Widerstandskämpfern und Opfern des NS-Regimes
gesammelt. Außerdem hatte sie rote Armbinden,
Blusen und Selbstbinder mit Sowjetstern sowie
Hammer und Sichel genäht, offenbar in der Hoffnung auf die nahe Befreiung und als Vorbereitung
für den organisierten Widerstand. Vorgeworfen
wurde ihr weiters eine Äußerung, derzufolge sie
bedauerte, dass das Attentat auf Hitler vom 20. Juli
1944 durch Stauffenberg mißglückt war.
Im Zusammenhang mit der Gruppe ”Münichreiter” standen auch Karl Hehenberger und Josef
Grillmayr, die in einem Artikel des Nazi-Fachblattes
”Volk und Recht” vom 2. März 1945 als besonders
exemplarische fälle von Widerstand gegen das
NS-Regime genannt wurden, weil sie ”dem deutschen Volk in den Rücken gefallen” sind, womit die
Schlussfolgerung gezogen wurde: ”Der Volksgerichtshof rechnet in Linz mit ehrvergessenen Schurken ab.”
Insgesamt standen 18 Angeklagte in diesem
ersten Prozess wegen ”kommunistischem Hochverrat” in Linz überhaupt vor Gericht, weil sie im
Sommer 1944 versucht hatten unter Anleitung des
aus Innsbruck stammenden Telfner eine kommunistische Organisation aufzuziehen. Hehenberger
wurde vor allem zur Last gelegt Telfner Unterschlupf gewährt zu haben und ihm ”Gesinnungsgenossen zuführte” und Geld für den Widerstand zur
Verfügung stellte. Grillmayr wurde vorgeworfen
sich an den ”Umtrieben Telfners” beteiligt zu haben, obwohl zwei seiner Brüder an der Ostfront gefallen waren. Neben Telfner wurden am 23. Februar 1945 vom Linzer Volksgerichtshof bei diesem
Prozess Grillmayr, Hehenberger und Zinner zum
Tode verurteilt.
Die Verurteilung der drei KommunistInnen erfolgte beim ”Freistädter Prozess” im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Gruppe ”Freies Österreich” um den Krankenkassenangestellten Ludwig
Hermentin, zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Diese Gruppe war über ganz Oberösterreich verstreut, hatte ihren Mittelpunkt aber in Freistadt.
Im Oktober 1944 waren die Gestapobeamten
Haller und Prohaska nach Freistadt gekommen
und hatten sich Hermentin und anderen Personen
als ”Mitglieder der neuen Landesregierung” vorgestellt und sich dabei des Häftlings Willibald Thallinger bedient. Als sie diese Provokation nicht zur Anzeige brachten, wurden sie verhaftet, insgesamt
wurden über hundert Verhaftungen vorgenommen
und acht WiderstandskämpferInnen angeklagt und
zum Tode verurteilt.
Thallinger war im Herbst 1944 verhaftet worden, ihm wurde vorgeworfen, ausländische Radiosender zu hören und Ausländer finanziell und mit
Lebensmitteln zu unterstützen. Nach seiner Verhaf-
Dieser Obelisk am Linzer Barbarafriedhof
erinnert an die in Treffling ermordeten WiderstandskämpferInnen.
tung wurde er am 17. Oktober 1944 in das Gestapo-Lager Linz-Schörgenhub überstellt und von
dort aus von Haller als Lockvogel für Hermentin
missbraucht.
Am 1. Mai 1945 wurden insgesamt 12 WiderstandskämpferInnen von Linz nach Treffling gebracht und dort erschossen, das Exekutionskommando bestand aus 16- bis 17-jährigen Burschen.
Quelle: Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945, Österreichischer Bundesverlag, 1982
Gedenkstein für die am 1. Mai 945 auf dem Truppenübungsplatz Treffling erschossenen WiderstandskämpferInnen.
1938-1945
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Vom linken Sozialdemokraten zum Landesobmann der KPÖ
Widerstandskämpfer und Kommunist
Franz Haider wurde am 11. September
1907 in Linz geboren. Sein Vater Franz Haider war ein aus Ansfelden gebürtiger Bauernknecht, Zimmermann und später Oberbauarbeiter bei der Bahn, seine Mutter Maria Haider, geborene Müller war ein aus Saxen gebürtiges Hausmädchen und später Tabakarbeiterin, beide waren ab 1905 Mitglieder der Sozialdemokratie.
Franz Haider besuchte bis 1921 die Volks- und
Bürgerschule und begann nach einem Zwischenspiel als Hüter und Stallbursche bei einem Großbauern 1922 eine kaufmännische Lehre bei der
EBG, wo er dann bis 1925 als Angestellter tätig
war. Zwischen 1925 und 1927 war er Oberbauarbeiter bei der Bahn und 1927 am Streik gegen das
Schattendorf-Urteil beteiligt. Das Abblasen dieses
Streiks durch die SPÖ-Führung wirkte auf ihn wie
auch andere junge Sozialdemokraten niederschmetternd und sie begannen die Politik der
SPÖ-Führung mit kritischen Augen zu betrachten.
Von 1927 bis 1934 war Haider Magistratsangestellter im städtischen Gaswerk.
Von früher Jugend auf war Franz Haider in der
sozialdemokratischen Bewegung tätig, in der Gewerkschaftsjugend und als Wehrturner im Schutzbund, von 1927 bis 1933 war er Mitglied der SPÖ.
Vor allem aber machte er sich als Sportler mit hervorragenden Leistungen einen Namen. Bereits
1928 wurde er Sportwart des ATSV-Linz und gehörte ab 1931 dem Ausschuss dieses Vereins an. 1931
verlor er bei einem tragischen Bergunfall am Monte Rosa (Schweiz) durch Erfrierungen Finger und
Zehen, wodurch seine aktive Sportlaufbahn been-
det wurde, er jedoch weiterhin als Sportfunktionär
tätig war.
Der gescheiterte Heimwehrputsch von 1931 war
für die Wehrturner Anlass zu erhöhten Anstrengungen zur Verteidigung der Demokratie, wobei die
jungen Sozialisten in den führenden Schutzbundfunktionären Richard Strasser, Richard Bernaschek
und Otto Huschka Garanten dafür sahen, dass die
linken Kräfte im entscheidenden Augenblick richtig
handeln würden. Die beharrliche Aufklärungsarbeit des Kommunisten Heinrich Frauenberger bei
den Wehrturnern war jedoch der Ausgangspunkt
für ein erwachendes Interesse von Haider und anderen an der Politik der Sowjetunion. Gegen einigen Widerstand innerhalb der SPÖ im März 1933
nahm Haider an einer internationalen Konferenz
der Arbeitersportler teil, deren Ergebnisse er in
mehr als 30 Vorträgen propagierte.
Bereits 1933 strömte ein Teil der mit der Führung der SPÖ unzufriedenen Arbeiter, vor allem
Arbeitersportler sowie sämtliche 300 Mitglieder der
sozialdemokratischen ”Arbeiterhilfe” zur KPÖ, obwohl die Kommunistische Partei seit 26. Mai 1933
verboten war. Bei einer Landeskonferenz der KPÖ
im September 1933 im Gasthaus Neuwirt auf der
”Gis” (Gemeinde Lichtenberg) nahm eine Abordnung linker Sozialdemokraten unter Führung von
Franz Haider teil, die im Verlaufe dieser Konferenz
auch offiziell Mitglieder der KPÖ wurden, der Haider schon nach seiner Rückkehr von der Arbeiterdelegation in die Sowjetunion im Mai 1933 beigetreten war. Bereits bei dieser Landeskonferenz wurde Haider Mitglied der KPÖ-Landesleitung und als
Agitprop (Verantwortlicher für Agitation und Propaganda) beauftragt.
Im Zuchthaus Garsten war Franz Haider inhaftiert und wurde dort im Mai 1945 von Einheiten
der US-Armee befreit.
Seite 13
Im Vorfeld des Februaraufstandes 1934 trug die
KPÖ bewusst die Auseinandersetzung über den
einzuschlagenden Weg in die Sozialdemokratische
Partei hinein. Dabei spielte auch Franz Haider eine
wichtige Rolle. Bei drei großen Vertrauensmännerkonferenzen der SPÖ im Herbst 1933 traten im
Theresiensaal Sepp Teufl auf, in Urfahr Felix
Brandstätter und in der Dorfhalle in der Franckstraße Franz Haider als kommunistischer Diskussionsredner auf.
Der sozialdemokratische Referent in der Dorfhalle war kein geringerer als Otto Bauer und mußte in seinem Schlusswort einräumen: ”Der junge
Genosse (nämlich Franz Haider, die Red.) hat zu 99
Prozent recht. Was aber ist dann, wenn das eine
Prozent eintritt, dass die Arbeiterschaft die Gefahr
noch nicht genug versteht?” Schon am 10. Februar
1934 rief die KPÖ-Zeitung ”Rote Fahne”zum Generalstreik auf. Die KPÖ richtete im Gasthaus ”Zur
Stadt Linz” eine eigene Verbindungsstelle ein und
Haider hatte Richard Bernaschek vergeblich vorgeschlagen die Leitung des Schutzbundes vom ”Hotel
Schiff” in ein illegales Zentrum zu verlegen. Am
12. Februar 1934 meldeten sich viele Kommunisten
bei den Sammelplätzen des Schutzbundes und
nahmen an den Kämpfen teil, Franz Haider beim
Wirtschaftshof, der Diesterwegschule und der Dorfhalle. Die Wehrturnerabteilung des Schutzbundes
arbeitete mit der 54. Schutzbundabteilung zusammen, die als radikalste Abteilung galt.
Nach der Niederschlagung des Februaraufstandes etablierte sich das austrofaschistische Regime
begann für die illegale Arbeiterbewegung Jahre
der Verfolgung. Franz Haider wurde aus dem Magistratsdienst entlassen und war ab 1934 Berufsrevolutionär, wobei er die Organisierung der Unterstützung der Februaropfer über die ”Rote Hilfe”, die
Gewinnung der enttäuschten SozialdemokratInnen
für die KPÖ und die Herausgabe der ”Roten Front”
(Auflage 2.500 bis 3.000 Exemplare) als Hauptaufgaben sah. Bei einer Landeskonferenz der KPÖ
Ende August 1934 bei dem Kleinbauern Eder in
Amberg (Gemeinde Gramastetten) wurde Franz
Haider wiederum als Mitglied der Landesleitung
gewählt.
Am 12. September 1934 wurde Haider verhaftet
und zu einer sechsmonatigen Polizeiverwaltungsstrafe verurteilt, aus welcher er am 12. März 1935
entlassen wurde. In einem Bericht der Bundespolizeidirektion Linz vom 23. September 1934 wird
Haider im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen
Franz Sinzinger, Hans Golob, Michael Reisinger
und anderen wegen Herstellung und Verbreitung
der illegalen ”Roten Front” ermittelt, wobei Haider
als ”Lieferant der mit Flugschriftentext versehenen
Matrize” fungierte. Am 18. Jänner 1935 mußte die
Staatsanwaltschaft Linz jedoch im Zusammenhang
mit einer Anklage eines Hochverratsverfahrens die
Ermittlungen gegen Haider sowie gegen zahlreiche
andere der 55 Angeklagten wegen Mangels an Beweisen einstellen.
Am 7. Oktober 1935 erfolgte die Berufung Haiders zur illegalen Inlandsleitung der KPÖ nach
Seite 14
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Franz Haider in den Fängen der Gestapo
Wien, vom Februar 1936 bis 1938 absolvierte er
ein Studium an der Lenin-Schule in Moskau wo er
auch seine spätere Frau Anna Ladislav kennenlernte. Anfang 1938 kehrte er nach Brünn (CSR) zurück
und ließ sich dort als österreichischer Flüchtling legalisieren. Zum Zeitpunkt der Okkupation Österreichs durch Nazideutschland im März 1938 war
Haider in der Tschechoslowakei und die Gestapo registrierte in einem Bericht vom 2. November 1938,
dass Haider als Emigrant in der CSR in verschiedenen Orten an der ehemaligen Grenze des mittlerweile ebenfalls annektierten Sudetenlandes und
Oberdonaus neue Kurierlinien aufzubauen bemüht
war. 1938 wurde in Wien sein Sohn Helmut geboren.
Nach der Okkupation der Tschechoslowakei
durch Hitlerdeutschland war Haider in der Grenzarbeit an der tschechisch-polnischen Grenze tätig
und wurde am 29. März 1939 verhaftet, von dort
nach Dresden und am 4. September 1939 nach Linz
überstellt, wo ein später eingestelltes Verfahren
wegen Hoch- und Landesverrat eröffnet wurde bis
er am 27. September 1939 entlassen wurde. 1939
erfolgte eine Reorganisierung der Landespartei,
wobei Franz Haider als Verbindungsmann zu Willi
Schmidt in Wien beauftragt wurde.
Vom Herbst 1939 bis 1941 war Haider wieder
als Angestellter des Gaswerks tätig. 1940 heirateten Franz und Anna Haider, seine Gattin und sein
Sohn übersiedelten nach Linz. Im selben Jahr erfolgte eine neuerliche Umstrukturierung durch Bildung einer Landesleitung, die sich aus Sepp Teufel,
Franz Haider, Karl Reindl, Franz Haselmayr, Max
Grüll und Elisabeth Rechka zusammensetzte und
deren Verbindungsmann zum ZK der KPÖ Erwin
Puschmann war und mit Gisela Tschofenig-Taurer,
die 1945 im Lager Schörgenhub ermordet wurde,
zusammenarbeitete. Anna Haider ging zur illegalen Arbeit nach Wien.
Am 5. Mai 1941 wurden Franz und Anna Haider in Linz wegen ”kommunistischer Betätigung”
verhaftet, sei Frau wurde sofort, Franz Haider am
5. Juni 1941 nach Wien überstellt. Gemeinsam mit
Erwin Puschmann, Franz Sebek und Margarethe
Schütte-Lihotzky und Karl Lisetz standen beide am
22. September 1942 vor dem 2. Senat des
Nazi-Volksgerichtshofes in Wien. Franz Haider wurden die bürgerlichen Ehrenrechte für zehn Jahre
aberkannt und er wurde zu 13 Jahren Zuchthaus
wegen ”Nichtanzeige eines hochverräterischen Unternehmens” verurteilt. Anna Haider wurde zu 15
Jahren Zuchthaus verurteilt und in die Strafanstalt
Aichach (Bayern) eingewiesen.
Am 3. November 1942 wurde Franz Haider unter der Nummer 391/42 in das Zuchthaus Garsten
eingewiesen, wo er gemeinsam mit anderen Widerstandskämpfer – so etwa dem 1996 verstorbenen
Raimund Zimpernik – bis zur Befreiung durch die
US-Armee im Mai 1945 inhaftiert war. Nach der
Verhaftung Franz Haiders wurde 1941 die Landesleitung nach Wels verlegt und von Hermann Höllermann, Karl Scharrer, Karl Mischka und Ludwig
Hartl gebildet, die später alle von den Nazis ermordet wurden. Noch im Jänner 1945 wurde Haiders
Mutter Maria in Linz von de Gestapo verhaftet,
überlebte einen US-Bombenangriff auf das Frauengefängnis Kaplanhofstraße und wurde nach der
Befreiung am 3. Mai 1945 aus dem Lager Schörgenhub entlassen.
Franz Haider wurde am 7. Mai 1945 aus dem
Zuchthaus Garsten entlassen und gelangte über
Steyr und Wien Ende Mai nach Linz. Dort übernahm Franz Haider die Funktion als KPÖ-Landesobmann und wurde als solcher vom 13. Landesparteitag am 23./24. Februar 1946 bestätigt, er übte
diese Funktion bis zu seinem Tod am 15. März
1968 aus. Ab Juni 1945 fungierte Haider als Herausgeber und Mitarbeiter der KPÖ-Zeitung ”Österreichische Nachrichten”, immer noch illegal, weil
in der US-Besatzungszone erst ab 19. September
1945 Parteien und Parteizeitungen erlaubt waren.
Im Juni 1945 nahm Haider an Besprechungen
der ”Österreichischen Freiheitsbewegung” und der
ihr angeschlossenen Widerstandsbewegungen in
Ried im Innkreis teil und wurde in deren Landesauschuss gewählt. Im Juni und August 1945 fanden
Kontaktgespräche Haiders mit Ludwig Bernaschek
über die Gründung einer einheitlichen Arbeiterpartei statt, die jedoch dann von der SPÖ abgebrochen
wurden. Im September und Oktober 1945 nahm
Haider an der ersten und zweiten Länderkonferenz
in Wien teil. Vom 29. Oktober bis 13. Dezember
1945 war Haider auf Grund eines Dreiparteienabkommens zwischen ÖVP, SPÖ und KPÖ kurzfristig
Landeshauptmannstellvertreter in der provisorischen Landesregierung.
1938-1945
Die Verfolgung war freilich noch nicht zu Ende.
Am 29. Mai 1946 wurde Franz Haider, der auch
Herausgeber des Parteiorgans ”Neue Zeit” war,
von der US-Besatzungsbehörde festgenommen,
angeblich in einem Artikel der ”Neuen Zeit” am
20. Mai ein Ausspruch des US-Leutnants Ryon vorsätzlich falsch zitiert worden war. Am 29. Mai 1946
wurde Haider von einem Militärgericht zu 600
Schilling Geldstrafe und zwei Monaten Gefängnis
sowie 600 Schilling Geldstrafe verurteilt, die er in
einer Außenstelle des Landesgerichtes Linz absitzen mußte.
Vom 16. Dezember 1947 bis 27. Juli 1952 gehörte Haider dem politischen Beirat der Zivilverwaltung Mühlviertel (dieser Teil Oberösterreichs
war sowjetisch besetzt und hatte daher eine eigene
Verwaltung) an. Vom 15. November 1955 bis zu
seinem Tode im Jahre 1968 war Haider auch Gemeinderat von Linz. Bereits 1938 war Haider Mitglied des illegalen Zentralkomitees der KPÖ, dem
er offiziell vom 13. Parteitag am 19.-21. April 1946
bis zu seinem Tod im Jahre 1968 angehörte. Von
1949 bis 1951 war er auch Mitglied des Politischen
Büros des ZK der KPÖ.
Quelle: Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945, Österreichischer Bundesverlag, 1982
Peter Kammerstätter, Haider Franz – Ein Leben im Dienste der österreichischen Arbeiterklasse, Berichte aus seinem Leben, Reden
und Aufsätze, 1987
Literatur zum
Thema
l 60 Jahre KPÖ, 60 Jahre Republik - KPÖ
immer für Österreich, Neues Linz, November/Dezember 1978
l Alfred-Klahr-Gesellschaft (Hg.), Ich
möchte, dass sie Euch alle immer nahe bleiben, Biographien kommunistischer WiderstandskämpferInnen
in
Österreich,
Alfred-Klahr-Gesellschaft, Wien, 1997
l Ertelt Inge, Meine Rechnung geht bis Anfang Mai, Edition Geschichte der Heimat,
Grünbach, 2003
l Kammerstätter Peter, Dem Galgen, dem
Fallbeil, der Kugel entkommen, Edition Geschichte der Heimat, Grünbach, 2006
l Slapnicka Harry, Oberösterreich als es
”Oberdonau” hieß, 1938-1945, Landesverlag, Linz, 1978
l Um Oberösterreich, Der 13. oberösterreichische Landesparteitag der KPÖ, Verlag
Neue Zeit, Linz, 1946
l Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945, Band 1-2, Österreichischer
Bundesverlag Wien, Jugend und Volk
Wien-München, Landesverlag Linz, 1982
1938-1945
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Das Leben des Erwin Steyrer
”Rückkehr unerwünscht”
Erwin Steyrer wurde am 17. April 1917 in
Linz-Kleinmünchen geboren und entstammt
ebenso wie sein Bruder, der spätere SPÖ-Minister und Bundespräsidentschaftskandidat
Dr. Kurt Steyrer der Familie des namhaften
Sozialdemokraten, Linzer Bürgermeisters
und Landeshauptmannstellvertreters Josef
Gruber. Erwin Steyrer erlernte den Beruf eines Automechanikers und war schon frühzeitig in der Arbeiterbewegung tätig, unter anderem als ”ein sehr fanatischer Arbeiterturner”, wie er sich selbst bezeichnete.
selbst stellte dann eine Art Kapuze über den Kopf
dieses Häftlings und brachte ihn so zum Ersticken.
Ich wagte kaum noch, hinzusehen, weil ich jederzeit fürchtete, dass diese Bestie auch mich holt.”
Trotzdem überlebt…
Erwin Steyrer überlebte aber trotz schwerer
Verletzungen, an denen er Zeit seines weiteren Lebens litt, den Nazi-Terror und war sofort nach der
Befreiung 1945 wieder politisch aktiv. Vom
Seite 15
KPÖ-Landesobmann Franz Haider wurde er beauftragt, die Freie Österreichische Jugend (FÖJ) aufzubauen – deren Mitgliederzahl sich bis Ende der
40er Jahre zwischen 12.000 und 8.000 bewegte.
Steyrer übte die Funktion des Landessekretärs der
FÖJ aus und übernahm nach Absolvierung einer
Parteischule das Schulungs- und Agitationsreferat
der KPÖ-Landesleitung. Ab 1950 war Steyrer bis
zu seiner Pensionierung selbständiger Trafikant.
Viele Jahre lang gehörte er auch zu den Funktionären und Aktivisten des KZ-Verbandes. Erwin
Steyrer ist nach langer schwerer Krankheit am 6.
November 1994 in Linz im 78. Lebensjahr verstorben.
Eisenbahner im Widerstand gegen den Hitlerfaschismus
Seine Leidenschaft, das Geräteturnen wurde
ihm 1933 bei einer Aufnahmeprüfung zum
ASKÖ-Stamm zum Verhängnis, bei einem Sturz
zerschmetterte er sich die Hand und wechselte daraufhin zum Handball. Am 1. Mai 1933 – öffentliche Maifeiern waren schon verboten – war er bei
der Verteilung linker Schriften beteiligt und kam
auch mit dem Schutzbund in Kontakt, war für eine
aktive Mitgliedschaft aber noch zu jung.
Im Zusammenhang mit den Februarkämpfen
von 1934 – welche Steyrer im Wirtschaftshof mitverfolgte – wurde er Mitglied der KPÖ. 1936 wurde
er zu fünfeinhalb Jahren Kerker wegen “kommunistischer Betätigung” verurteilt, nach seinem Amnestieausriss im Herbst 1936 ging er nach Spanien
und kämpfte in den Internationalen Brigaden gegen den Faschismus.
Er wurde dort gefangengenommen, wurde in
einigen Lagern in Frankreich festgehalten und
dann der Gestapo ausgeliefert und kam in das KZ
Flossenbürg im Bayrischen Wald, wo er als Häftling
in die Kategorie ”Rückkehr unerwünscht” eingestuft wurde. Er berichtet darüber:
”Ich habe von einem Blockschreiber erfahren,
dass auf meiner Kartei stand, dass ich nur im Steinbruch beschäftigt werden durfte. Außerhalb des Lagers im Bereich des Krematoriums mußten wir aufgeschichtete, gefrorene Eis- und Erdhaufen aufhacken, auf die andere Seite schaufeln und wenige
Tage später mußten wir alles wieder zurückschaufeln.
Bei dieser sinnlosen Arbeit habe ich einen Genossen aus Bad Aussee kennengelernt. Wenn ein
SS-Führer gekommen ist, dann haben wir den Anschein erweckt, dass wir sowieso in ein paar Tagen
hin sein werden. Auf diese Weise hat mich der Genosse eingeschult, wie wir im Laufe des Tages viele
Minuten und viel Kraft gewinnen und damit das
Leben verlängern konnten.
Ich konnte beobachten, wie im Winter ein junger Kommandoführer einen Häftling befahl, sich in
den Schnee zu setzen. Daraufhin beauftragte er
andere Häftlinge, den ersten im Schnee einzugraben und nur den Kopf herausschauen zu lassen.
Den Schnee klopfte er mit der Schaufel nieder. Er
”Zersetzungserscheinungen
hervorgerufen...”
Der Widerstand der Eisenbahner gegen
den Faschismus war in Oberösterreich vergleichsweise geringer als in Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten oder Salzburg. Trotzdem wurden 270 Eisenbahner verurteilt, davon fünf zum Tode.
263 wurden zu Zuchthausstrafen verurteilt oder
in Konzentrationslager eingeliefert, davon sind 25
gestorben. Zwei wurden in die Strafdivision 999
eingereiht, davon ist einer gefallen. 340 oö Eisenbahner wurden in das ”Altreich” und 1.064 Eisenbahner in besetzte Gebiete abgeordnet.
Auch in Linz bildete sich eine Gruppe des Widerstandes von Eisenbahnern. Im März und April
1943 wurden sieben Bedienstete des Ausbesserungswerkes der Reichsbahn, der späteren Hauptwerkstätte verhaftet. Den Angeklagten Rudolf
Häusl (geb. 1894), Johann Streitner (geb. 1894),
Karl Kampelmüller (geb. 1895), Franz Prückl (geb.
1898), Josef Heitzinger (geb. 1894), Josef Lehner
(geb. 1892) und Alois Pichler (geb. 1892) wurde in
der Anklageschrift vom 15. Juni 1943 vorgeworfen,
sie hätten ”Zersetzungserscheinungen hervorgerufen” die auf von ihnen verbreiteten Nachrichten des
Schweizer Senders Beromünster beruhten. Dadurch
machte sich, so die Anklageschrift, im Reichsbahnausbesserungswerk Linz eine „politische Zersetzungspropaganda“ bemerkbar.
Die Angeklagten waren früher Mitglieder der
SPÖ, Prückl war 1934 aktiver Februarkämpfer und
wurde deshalb am 11. Mai 1934 zu vier Monaten
schweren Kerker verurteilt. Er war später bei den illegalen Revolutionären Sozialisten (RSÖ) tätig, wobei die Beteiligung an verschiedenen Schmier- und
Streuaktionen registriert wurde. Bereits im Sommer 1938 wurde Prückl von der Gestapo verwarnt,
nachdem er zweimal durch „staatsabträgliche Äußerungen“ aufgefallen war und im Oktober 1938
wegen Übertretung des Ordnungsgesetzes mit vier
Wochen Arrest bestraft.
Häusl wurde unter anderem vorgeworfen, er
hätte nach der Niederlage der Nazi-Wehrmacht bei
Stalingrad im Februar 1943 zu einem russischen
Kriegsgefangenen gesagt: ”Servus Genosse, ich
stelle mich als Bolschewik Häusl vor”. In der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof am 27. Juli
1943 im Wiener Justizpalast wurden Häusl zu zweieinhalb Jahren, Streitner und Kampelmüller zu je
zwei Jahren, Prückl, Lehner und Pichler zu je eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.
In einem 1971 erstellten Verzeichnis der politisch gemassregelten EisenbahnerInnen im Zeitraum von 1934 bis 1945 werden für Oberösterreich
67 Personen angeführt, weitere 29 wurden zum
Tode oder Zuchthaus verurteilt, 17 davon wurden
hingerichtet oder starben im KZ.
Darunter befinden sich die Kommunisten Johann Fuß (1899-1944), Ludwig Haider
(1885-1945), Rudolf Häusl (1894-1945), Franz
Hofmann (1900-1945), Stefan Pollhammer
(1906-945) und Karl Reindl (1913-1945). Sie alle
wurden im September 1944 – als sich bereits die
Endphase des NS-Regimes abzeichnete – verhaftet
und in das KZ Mauthausen eingeliefert, wo die
meisten auf Grund des Eigruber-Befehls ermordet
wurden, damit die Alliierten „keine aufbauwilligen
Kräfte“ vorfinden sollten. An Ludwig Haider, Karl
Reindl und Stefan Pollhammer erinnert eine Gedenktafel beim ÖBB-Heizhaus in der Heizhausstraße. Nach Ludwig Haider wurde die Haiderstraße im
Stadtteil Neue Heimat benannt.
Quelle: Friedrich Vogl, Österreichs Eisenbahner im Widerstand, ÖGB-Verlag, 1968
Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich, Bundesverlag, 1982
Seite 16
Die Linzer KPÖ im Widerstand
1938-1945
Resi Reindl steht exemplarisch für die Arbeiterbewegung
Ein reiches Leben, trotz alledem
Noch wenige Tage vor ihrem Tod hatte
Theresia Reindl (geboren 1910, gestorben
am 15. April 1989) mit KameradInnen im
KZ-Verband über die bevorstehende Befreiungsfeier im KZ Mauthausen gesprochen
und gemeint, sie möchte dabei sein ”wenn
ich noch einmal hinaufschnaufen kann”. Die
KameradInnen hatten sie beruhigt und ihr
angetragen, dass man sie selbstverständlich
im Auto mitnehmen werde. Aber dann hatte
ihr Herz doch nicht mehr durchgehalten und
für immer zu Schlagen aufgehört.
Mit dem Tod von ”Resi” Reindl war ein Leben
zu Ende gegangen, das geradezu exemplarisch für
ein Leben im 20. Jahrhundert steht, in einer Zeit
der Stürme und ungeheuren Opfer. Und wenn das
Herz von Resi Reindl schließlich müde geworden
ist, dann sollte bedacht werden, welche gewaltigen
Lasten es zu tragen hatte in einem Leben, dessen
Spanne nüchtern mit dem Wort Zeitgeschichte
höchst unzulänglich umschrieben wird.
Theresia Reindl stammte aus einer Arbeiterfamilie, die in ihrer kämpferischen Haltung sozusagen eine Jahrhundertfamilie war und auf die nicht
von ungefähr die Literatur über das hundertjährige
Bestehen der Sozialdemokratie im Jahre 1989 zurückgreifen mußte, als Beispiel für die heroischen
Kampfjahre der alten Arbeiterbewegung. Schon in
die Kindheit von Resi Reindl fielen wichtige und tief
einschneidende Ereignisse.
Der Vater war führend an einem großen Streik
der Schiffswerftarbeiter im Jahre 1911 beteiligt und
wurde daraufhin gemaßregelt, verlor seinen Arbeitsplatz und wurde aus Linz ausgewiesen. Seine
revolutionäre Gesinnung hinderte aber die Militärbehörden keineswegs, eher dürfte sie zur Beschleunigung beigetragen haben, dass der sechsfache Familienvater 1914 sofort einrücken mußte und schon
bald in Przemysl gefallen ist.
Da existiert noch ein Bild, das die ganze, aber
schon vaterlose Familie zeigt, mit Trauerflor im
Haar und am Arm, über den Tod des Vaters und die
kleine Resi blickt als Kind von etwa fünf Jahren
neugierig in die Welt. Die Welt aber, in der sie aufgewachsen ist, war eine Welt des tausendfältigen
Sterbens im Krieg, des Hungers, der Wirtschaftskrisen und der Arbeitslosigkeit und der sozialen Unterdrückung. Resi war lange Zeit im Spitalsdienst
tätig und lernte auch hier die tragischen Seiten des
Lebens kennen. Gleichzeitig war sie, wie die ganze
Familie, schon in der Jugend fest in der Arbeiterbewegung verankert.
Nach 1934 kam sie zusammen mit ihren Brüdern Alois und Fritz Gröblinger in die KPÖ, der sie
dann ein ganzes Leben lang unerschütterlich die
Treue bewahrt hat. Die Zeiten waren bewegt und
sie waren gefährlich. Ein Bruder ging in die Emi-
gration und ist im spanischen Bürgerkrieg auf der
Seite der Republik und der Freiheit gefallen. Der
andere Bruder war ständig verfolgt und vielemale
eingekerkert, sie selbst war illegal tätig, leistete
wichtige Kurierdienste und war das Verbindungsglied zum unvergessenen in Mauthausen ums leben gekommenen KPÖ-Landesobmann Sepp Teufl.
Ihre Schwester kam ins Gefängnis.
Für Resi Reindl war das Jahr 1938 und der ”Anschluss” an Nazideutschland nämlich nicht etwas,
dem man ”freudig zustimmen” konnte, sondern
eine Verschärfung der Gefahren, denn für sie und
für alle KommunistInnen lag es auf der Hand, dass
Hitler nun mit Volldampf dem Krieg zusteuerte.
Zusammen mit ihrem Gatten, dem Lokführer
Karl Reindl (geboren am 20. Februar 1913, Konditor, später Lokführer, 1934 wegen Hochverrat verhaftet, 1940 Mitglied der illegalen Landesleitung
der KPÖ, am 29. April 1945 auf Weisung von
NSDAP-Gauleiter Eigruber im Konzentrationslager
Mauthausen ermordet) arbeitete Resi weiter illegal
und half mit, ein Netz zu schaffen für den aktiven
Widerstand gegen den Krieg und für die Freiheit
Österreichs. 1944 wurde sie verhaftet, ebenso wie
ihr Mann.
Im Frauengefängnis Kaplanhof, wo sich heute
die Pädagogische Akademie des Bundes befindet,
machte sie den verheerenden Bombenangriff mit,
dem zahlreiche Frauen zum Opfer fielen. Und während sie selbst im Lager Schörgenhub schmachtete,
wurde ihr Mann Karl Reindl noch am 29. April 1945
auf direkten Befehl des blutbefleckten Gauleiters
August Eigruber ermordet. In Schörgenhub war sie
die letzte Gefangene, die eine andere tapfere
Kämpferin, Gisela Tschofenig-Taurer, lebend gesehen hat, denn am nächsten Tag, nachdem Gisela
aus dem Lager gebrach wurde, bemerkte Resi, dass
die Aufseherin bereits die Schuhe der Ermordeten
trug.
Aus solchen grauenvollen Einzelheiten setzt sich
Zeitgeschichte zusammen. Es gehört ein großes und
starkes Herz dazu, solche Zeiten ohne Licht und
Brot durchzustehen, aufrecht, wachsam und geschmeidig zu bleiben, sich selbst treu und seinen
Idealen. Wer das alles mitgemacht hat, der braucht
wahrlich keine Belehrung über Demokratie und
Freiheit, im Gegenteil, sie kann, wie Resi Reindl
vielmehr Lektionen darüber erteilen, über Charakterstärke und Pflichterfüllung im Dienste Österreichs und der Arbeiterklasse.
Der kämpferische und politische Weg von Resi
Reindl ist jedoch nur die eine Seite ihres langen Lebens. Es gilt auch zu würdigen, was für ein guter
Mensch sie gewesen ist. Ganze Generationen von
einstigen Kindern erinnern sich an sie, als unermüdliche
Helferin
bei
den
Kinderland-Erholungsaktionen in Kirchschlag. Sie, die
heute selbst schon Frauen und Männer sind, reden
Theresia Reindl (1910-1989)
von ihr als der berühmten ”Tante Resi”, die mit
Strenge und doch unendlich viel Verständnis für die
kindlichen Wünsche und Bedürfnisse viele Jahre
Klang ihres Amtes gewaltet hat. Alle drei ”Andi”
Enkel und Kinder der Nichten hat sie heiß geliebt
und sie mit großer Fürsorglichkeit umgeben, wie
eine vorbildliche Oma und auch diese einstigen
Kinder werden das gute Andenken an Resi weitertragen.
Resi Reindl war viele Jahre lang im Bund Demokratischer Frauen tätig, in der Organisation
Kinderland und im KZ-Verband. Überall hat sie aktiv mitgewirkt mit Hingabe und sarkastischem Humor. Sie hat gerne gesungen und bis ins hohe Alter
Sport betrieben und dabei Erholung gefunden.
Trotz der ungemein harten Schläge, die auf sie niedergegangen sind, hat sie sich ein mitfühlendes
Herz bewahrt und davon auch immer ihrer Umgebung reichlich und hilfsbereit abgegeben. Es war
nicht nur ein hartes und tapferes Leben, das sich in
Resi Reindl vollendet hat, sondern auch ein reiches
Leben, trotz alledem und alledem.
Quelle: Franz Kain, Nachruf beim Begräbnis
von Theresia Reindl, 20. April 1989
1938-1945
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Seite 17
Peter Kammerstätter – namhafter Historiker der Arbeiterbewegung
Ein kommunistischer Funktionär mit
Überlegung und Umsicht
Peter Kammerstätter wurde am 10. Dezember 1911 in Triest als Sohn eines strafversetzten oberösterreichischen Eisenbahners und einer aus der Untersteiermark
stammenden Mutter geboren. Im Alter von
acht Jahren kam er nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1919 nach Linz, wo er
lange als “Zuagroaster”, “Katzelmacher”
oder “Italiener” ausgegrenzt wurde, was
seine Sensibilität im Umgang mit Minderheiten schärfte.
Nach dem Schulbesuch erlernte Kammerstätter
den Beruf eines Elektroschlossers. Schon frühzeitig
war er in der Arbeiterbewegung organisiert und
kam aus der Sozialistischen Arbeiterjugend über
die Sozialdemokratische Partei bereits 1933 in die
KPÖ, welcher er bis zu seinem Tode am 3. Oktober
1993 angehörte.
Bei den Februarkämpfen 1934 meldeten sich
auch viele Kommunisten bei den Sammelstellen
des Schutzbundes, Kammerstätter war zunächst bei
der Verteidigung der Eisenbahnbrücke und anschließend beim Petrinum in Urfahr im Einsatz.
Schon unter dem Austrofaschismus übte er wichtige
Funktionen für die KPÖ aus und wurde mehrmals
verhaftet. In einem Polizeibericht vom 16. September 1935 wird er beispielsweise beschuldigt, den
Vertreter des Zentralkomitees Anton Alfons zum
Zwecke des Aufbaus einer Verbindung in die Tabakfabrik Kontakt mit der Kommunistin Marie Ritter hergestellt zu haben und wurde dafür zu 6 Monaten Arrest verurteilt.
1938 gehörte Kammerstätter der illegalen
KPÖ-Landesleitung an und war in den Tagen vor
dem ”Anschluss” Österreichs an Nazideutschland
im März 1938 an Kontaktgesprächen der KPÖ mit
dem christlichsozialen Politiker Alfred Maleta, damals Sekretär der Arbeiterkammer und nach 1945
ÖVP-Abgeordneter, mit dem Ziel eine Einheitsfront
gegen Hitler herzustellen teil.
Wie ernst die Gestapo Kammerstätters Widerstand gegen das NS-Regime nahm, wird aus dem
”Verzeichnis oberösterreichischer Kommunisten”
erstellt von der Gestapo Linz vom 16. August 1938
deutlich. Darin wird festgestellt, dass er sich an der
Herstellung und Verbreitung großer Mengen Flugschriften” beteiligte und ”mit Kurieren in Verbindung” stand und eine Briefanschriftstelle errichtete
und wurde daher von der Polizeidirektion Linz im
Jahre 1935 mit 6 Monaten Arrest bestraft. Vor allem aber bezeichnete die Gestapo Kammerstätter
als einen ”fanatischen Kommunisten, der steter Beobachtung bedarf und mit dessen besonderer Aktivität im Ernstfall zu rechnen ist”. Kammerstätter
war allerdings kein Fanatiker, sondern ein “Funk-
tionär mit Überlegung und Umsicht”, wie Franz
Kain in seiner Grabrede ausführte.
Nach Beginn des 2. Weltkrieges auf Betreiben
Hitlerdeutschlands wurde er im September 1939
verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht, wo er
im Auftrag des Lagerkomitees mit dem ebenfalls
inhaftierten späteren Landeshauptmann Heinrich
Gleißner Verhandlungen über Möglichkeiten einer
Zusammenarbeit in einem künftigen freien Österreich führte. 1940 kam er wieder frei und wurde
unter strenger Überwachung arbeitsverpflichtet.
Im Jahre 1945 war Kammerstätter aktiv am
Wiederaufbau der Gewerkschaften beteiligt und
war KPÖ-Bezirksobmann von Linz, ab 1948 Landessekretär und von 1951 bis 1965 Mitglied des
Zentralkomitees. Dabei war ihm immer schon die
marxistische Bildungsarbeit – etwa durch den Plan
einer großen Parteibibliothek – ein besonderes
Anliegen. In besonderer Weise engagierte sich
Kammerstätter Anfang der 50er Jahre auch für die
Neutralität, zu deren Pionieren und Wegbereitern
er gehörte. 1964 legte er seine Funktion als Landessekretär zurück und arbeitete bis zur Pensionierung im Jahre 1971 in einem Voest-Konzernbetrieb, wo er auch zum Betriebsrat
gewählt wurde.
Ab 1967 begann Kammerstätter unermüdlich
Material über die Geschichte der Arbeiterbewegung
in Oberösterreich zu sammeln und erwarb sich damit als Historiker der Arbeiterbewegung große Verdienste, er wurde dafür zum Professor und von der
Landesregierung zum Konsulenten ernannt und
von der Stadt Linz mit der Wissenschaftsmedaille
ausgezeichnet. Kammerstätter war auch Präsidiumsmitglied des KZ-Verbandes und jahrelang bei
der Internationalen Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung in Linz vertreten.
Er war bis zu seinem Tode im Jahre 1993 rastlos und unermüdlich tätig und vermittelte durch
seine Tätigkeit für die Volkshochschule, für Jugendgruppen, die Universitäten Linz und Salzburg, mit
unzähligen Vorträgen in Schulen sowie Führungen
im KZ Mauthausen und “Politischen Wanderungen”
zu Schauplätzen von Widerstand und Verfolgung
tausenden jungen Menschen Eindrücke über den
Faschismus.
Kammerstätter hinterließ umfangreiche Materialsammlungen über die Arbeiterbewegung und
den Widerstand in Oberösterreich, die den Unterbau für die Arbeiten zahlreicher Historiker bilden.
Sein ganzes Leben war den Idealen der Arbeiterbewegung verpflichtet. Maßgeblich arbeitete Kammerstätter an den Publikationen von Harry Slapnicka zur oö Landesgeschichte sowie der Dokumentation “Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich
1934-1945” mit.
Peter Kammerstätter (1911-1993)
Im Oktober 1996 wurde auf Initiative der
Volkshochschule zur Erinnerung an Kammerstätter
eine Gedenktafel an der Fassade des Hauses Finkstraße 3 in Linz, in welchem Kammerstätter gelebt
hatte enthüllt. Mit diesem Akt wurden die Verdienste Kammerstätters für die Aufarbeitung eines wesentlichen Bereiches der Geschichte der Arbeiterbewegung und des antifaschistischen Widerstandes in
Oberösterreich und darüber hinaus gewürdigt.
Von bleibendem Wert sind die von Kammerstätter im Eigenverlag herausgegebenen Studien
und Materialsammlungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Oberösterreich, die leider nur in
kleinen Auflagen erschienen sind: “Der Aufstand
des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich. Eine Sammlung von Materialien, Dokumenten und Aussagen von Beteiligten” (1984), ”Der
Aufstand des Republikanischen Schutzbundes in
Oberösterreich am 12. Februar 1934 im Spiegel
der Literatur und Lyrik” (1986), ”Dem Galgen,
dem Fallbeil, der Kugel, der Gaskammer entkommen” (1989), ”Franz Haider – Ein Leben im Dienste der Arbeiterbewegung” (1987), “Der Todesmarsch ungarischer Juden von Mauthausen nach
Gunskirchen im April 1945”.
Quelle: In Erinnerung an Peter Kammerstätter, “Antifa-Info”-Sonderausgabe, Herbst
Seite 18
Die Linzer KPÖ im Widerstand
1938-1945
Geschichtsbilder die nicht im Lesebuch stehen:
”Nur” lebenslänglich
Der Linzer Rechtsanwalt Dr. Siegfried
Köhl (geboren 1913 in Königswiesen, gestorben am 25. Dezember 1997 in Linz)
nahm bald nach dem ”Anschluss” die illegale Tätigkeit für die KPÖ und die Freiheit Österreichs wieder auf. Er wurde im November
1938 verhaftet und wurde beschuldigt, die
Leitung der ”Roten Studenten” innezuhaben
und als Instruktor für Oberösterreich zu arbeiten. Er berichtet über seinen Prozess:
Jahre Untersuchungshaft wurden nicht angerechnet, also neuneinhalb Jahre. Csarmann bekam
zwölf, Müller fünfzehn, Kuhn acht, Kästenbauer
fünf Jahre, wobei ihr die Untersuchungshaft nicht
angerechnet wurde, und die Friedl Christoph bekam drei Jahre. Wir waren nur deshalb, ohne geköpft zu werden, billiger davongekommen, weil für
die Ostmark zum Zeitpunkt unserer Tag noch eine
mildere Übergangszeit vorgesehen war, was wir
aber damals nicht wussten.
”Im April 1941 knallte die Anklageschrift in
meine Zelle. Es tauchte ein amtswegiger Verteidiger auf, der von mir verlangte, ihm aufzuschreiben,
was ich zu meiner Verteidigung vorzubringen hätte. Er veranlasste, dass mir ein Schreibzeug zur
Verfügung gestellt wurde. Ich verfasste innerhalb
eines Tages eine 60 Seiten starke Verteidigungsschrift, die mir aber der Verteidiger als zu umfangreich zurückwarf.
Ich dürfte höchstens sechs Seiten niederlegen.
Aber auch diese verkürzten Argumente verwendete
er dann in seinem Plädoyer nicht. Er meinte nur,
an meiner Schuld wäre nicht zu zweifeln, es wäre
jedoch mildernd, dass ich noch so jung wäre, die
Segnungen der nationalsozialistischen Befreiung
der Ostmark noch nicht genießen hätte können und
durch das Judentum Wiens verdorben worden
wäre.
Das Urteil
Die Verurteilung stützte sich auf die Paragraphen 80 und 83 des Reichsstrafgesetzbuches, Vorbereitung zum Hochverrat, begangen durch den
Versuch, gewaltsam ”die Alpen- und Donaugaue”,
das heißt, Österreich vom Großdeutschen Reich loszureissen und die deutsche Regierung zu stürzen.
Das war zwar unser politisches Hauptziel gewesen,
wie auch die Verhinderung des Krieges, die Wiedererrichtung eines unabhängigen, freien und demokratischen Österreichs, das konnte aber angesichts
der Kräfteverhältnisse und aller Umstände nicht
Gegenstand eines aktuellen Unternehmens sein.
Der Inhalt unserer Schriften und unserer Organisationsformen richteten sich nicht auf Vorbereitungen zu einem gewaltsamen Umsturz. Dazu hätte es selbstverständlich ein ganz anderes Instrumentarium, eine ganz andere Art von Tätigkeit, ein
ganz anderes Szenario bedurft. Das war der im
Wesen von mir vertretene Rechtsstandpunkt. Der
Volksgerichtshof verfolgte hingegen eine ganz andere Verfolgungspraxis und qualifizierte selbst karitatives Verhalten, wie Sammlung für die ”Rote
Hilfe”, Geldspenden für Inhaftierte und deren Angehörige, als hochverräterisch.
Wie war unser Schicksal hernach? Bruno Dubber verstarb im Zuchthaus Altona-Hamburg 1943,
nachdem man ihm eine tödliche Injektion verabreicht hatte. Josef Müller wurde in Zusammenhang
mit dem SS-Massaker im April 1945 in Stein erschossen. Leo Kuhn wurde 1944 auf Außenarbeit in
eine Außenstelle kommandiert, von dort gegen
Kriegsende wegen sogenannter politischer Umtriebe ins KZ-Mauthausen mit dem Tötungsauftrag
”Rückkehr unerwünscht” geschickt, dort aber von
Genossen in der Schreibstube anstelle eines wirklich verstorbenen Häftlings als verstorben registriert, und unter dem Namen und der Häftlingsnummer des Verstorbenen weiter geführt, und so
vor der angeordneten Liquidierung gerettet. Regina Kästenbauer wurde gemütskrank und verstarb
frühzeitig. Wir anderen wurden im Mai 1945 be-
freit. Csarmann und ich waren in der Haft schwindsüchtig geworden. Ich selbst hatte mir eine schwere
kavernöse Lungentuberkulose zugezogen.”
Wehret den Anfängen!
Quelle: Kammerstätter Peter, Dem Galgen,
dem Fallbeil, der Kugel, der Gaskammer
entkommen, Selbstverlag, Linz, 1989
”Lügenschüppel, Judenknecht...”
In der Woche vom 11. bis 17. Mai 1941 wurde
unser Volksgerichtshofprozess im großen Saal vom
Zweiten Senat verhandelt, der aus dem Vizepräsidenten des VG, einem zweiten Berufsrichter, einem
Generalmajor der Polizei und je einem SA- und einem SS-Brigadeführer bestand. Der Saal war voll
mit Gestapo-Männern, die offenbar zu Unterrichtszwecken an der Verhandlung teilnahmen. Über uns
wurde getrennt verhandelt.
Der erste Verhandlungstag in der Sache Dubber
endete mit einer unvorstellbaren Erleichterung für
uns: Der Hauptangeklagte erhielt nur lebenslänglich. Daher waren unserer aller Köpfe gerettet. Ich
trat nun selbstsicher vor die Anklagebank, als mein
Verhandlungstag kam. Ich wurde vom Präsidenten,
wie üblich, beschimpft, er nannte mich ”Lügenschüppel”, ”Judenknecht” und entzog mir immer
wieder das Wort. Mein Vater, der zuhören durfte,
war über mein Auftreten entsetzt, weil er es zu
keck befand, wie er mir später seinen Eindruck wiedergab.
Ich erhielt acht Jahre Zuchthaus, eineinhalb
Zuflucht bei den Toten
Dr. Köhl entkam am 6. April 1945 in der Strafanstalt Stein nur um ein Haar dem blutigen Massaker der SS, dem 386 Häftlinge zum Opfer fielen. Er
berichtet:
”Als mich der Hauptwachtmeister sah, schrie er:
da haben wir ja den Kommunistenführer! Ich wurde im Hof einem SS-Offizier vorgeführt, der mich
kurz befragte und dann befahl, mich an die gegenüberliegende Mauer zu stellen. Ich wusste, das war
das Ende und ging gefasst zur befohlenen Stelle.
Als ich mich, an der Mauer angekommen, umdrehte, bemerkte ich, dass die Erschiessungsgruppe
ihre Maschinenpistolen neu laden mußte. Blitzschnell entschlossen schleuderte ich die Holzpantoffel weg und sprang in einen nahen offenen Schuppen, in dem Munitionskisten gelagert waren. Gedeckt durch die Kisten lief ich rückwärts hinaus und
in einen anderen, weiter weg stehenden offenen
Schuppen hinein, in dem ein großes Fass lag.
Ich wollte mich darin verstecken. Es war aber
schon ein Häftling darin verkrochen. So lief ich hinten wieder heraus und warf mich an der Seitenwand unter ein Gerüst. Schon näherten sich die
SSler, ich dachte nur mehr an meine Mutter. Im
Schuppen fielen Schüsse und dann entfernte sich
die Truppe. Ich kehrte in das Innere des Schuppens
zurück.
Da lag der Häftling, der im Fass Zuflucht gesucht hatte, erschossen in einer Blutlache. Die SS
hatte offenkundig geglaubt, mich erwischt zu haben. Ich schlich dann vorsichtig zum Spitalsgebäude. Vor der rückwärtigen Eingangstür lagen Tote.
Ich warf mich zu ihnen, beschmierte mich mit ihrem Blut, stellte mich tot und horchte.”
1938-1945
Die Linzer KPÖ im Widerstand
Es dauerte Jahre, bis die Langothstraße umbenannt wurde
Die Blutspur wurde aufgedeckt
Am 23. Dezember 1985 teilte der damalige Linzer Bürgermeister Schanovsky via
„Rathaus-Pressedienst“ der Öffentlichkeit
mit, dass die Franz-Langoth-Straße demnächst in Franz-Jägerstätter-Straße umbenannt werde. Allerdings verließ die damals
noch absolute SPÖ-Mehrheit gleich wieder
der Mut: Die Langothstraße wurde nicht
nach dem von den Nazis hingerichteten Innviertler Mesner benannt - der später eine
Straße im Stadtteil Sankt Magdalena gewidmet bekam - sondern der politisch „harmlosen“ Kaisergasse angeschlossen.
Ungeachtet dessen stellte dieser Schritt einen
großen Erfolg eines jahrelangen zähen Kampfes
der Antifaschisten und vor allem der Linzer KPÖ
dar. Bereits 1977 hatte der damalige Gemeinderat
Prof. Franz Kain im Rathaus auf die Herausforderung durch den 1973 erfolgten einstimmigen Beschluss von SPÖ, ÖVP und FPÖ im Stadtsenat, diese
Straße nach dem letzten faschistischen Oberbürgermeister, dem SS-Brigadeführer Franz Langoth
(1877 bis 1953) zu benennen, hingewiesen.
Wegbereiter des Faschismus
Auf Einwände über die „Verdienste“ von Langoth wies Kain darauf hin, dass der ehemalige großdeutsche Landeshauptmann-Stellvertreter der 1.
Republik ein ausgesprochener Wegbereiter des Faschismus war. Sowohl Gauleiter August Eigruber als
auch der Chef des Reichssicherheits-Hauptamtes,
SS-Obergruppenführer Ernst Kaltenbrunner, hoben
anlässlich der Einsetzung Langoths als Oberbürgermeister von Linz überschwenglich hervor, dass
Langoth für die illegale NSDAP in Österreich stets
Vorbild und „verlässliche Stütze“ war.
Die KPÖ legte auch ein Dokument aus dem
Jahre 1919 vor, in welchem Langoth als Landeshauptmannstellvertreter die Bezirkshauptmannschaften aufforderte, „dass die Meldungs-, Passund Aufenthaltsbewilligsvorschriften aufs rigoroseste gehandhabt werden, um gegen kommunistische Agitatoren mit der Abschiebung oder Landesverweisung vorzugehen“.
Von Himmler vorgeschlagen
Wie hoch das Ansehen Langoths bei den Machthabern des „Dritten Reiches“ war, geht daraus hervor, dass der SS-Reichsführer Heinrich Himmler ihn
zum Kommandanten des Konzentrationslagers
Sachsenhausen vorschlug und ihn zum
SS-Oberführer und später zum SS-Brigadeführer entspricht dem Dienstgrad eines Generals - beförderte.
Zur Legende von Langoth als „Retter von Linz“,
weil er die Übergabe der Stadt an die US-Truppen
angebahnt hatte, ist anzumerken, dass kein einziger Nazi-Oberbürgermeister kämpfend untergegangen ist, weil auch Langoth seine eigene Haut
retten wollte.
Bei einer Festsitzung zum 40. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus im April 1985 erinnerte
GR Kain daran, dass in der Familie seiner Frau und
seiner eigenen Familie drei Todesopfer im Kampf
um die Befreiung zu beklagen waren. Nach keinem
dieser Opfer wurde eine Straße oder ein Platz benannt, wohl aber nach jenem Oberbürgermeister,
„der noch amtiert hat, als unsere Verwandten Ende
April 1945 in Mauthausen erschlagen wurden. Sie
werden verstehen, dass wir über diese Herausforderung nur mit größter Bitternis sprechen können
Schmieraktion in den 80er Jahren gegen die Langothstraße.
Seite 19
und uns niemals damit abfinden werden!“ Der damalige FPÖ-Stadtrat Seyr und der damalige
ÖVP-Vizebürgermeister Hödl - 1987 im Zuge der
Waldheim-Affäre durch seinen berüchtigten antisemitischen Brief an Edgar Bronfman, den Chef des
Jewish World Council unrühmlich bekanntgeworden - hielten es für angebracht sich demonstrativ
zur Langothstraße und zu den „Verdiensten“ des
SS-Generals zu bekennen.,
In der SPÖ war zu diesem Zeitpunkt hingegen
bereits eine starke Bewegung zur Umbenennung
der Langothstraße entstanden, weil schon seit längerem durch Zeugnisse namhafter Historiker Langoths Tätigkeit am Nazi-Volksgerichtshof bekanntgeworden war. Zunächst war nur aktenmäßig belegt, dass unter Mitwirkung von Langoth der Arbeiter der Hermann-Göring-Werke Stefan Rambausch
im November 1943 zum Tode verurteilt wurde, weil
er an seinem Arbeitsplatz „lange Zeit hindurch systematisch defaitistische Reden“ geführt hatte.
Dann aber wurden aus Potsdam dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) eine große Anzahl von Akten des Volksgerichtshofes übermittelt. Schon eine erste Durchsicht förderte zutage, dass Langoth an der Verhängung von 16 Todesurteilen und der Verurteilung
von Widerstandskämpfern zu Zuchthausstrafen von
130 Jahren als Richter beteiligt war.
Langoths Opfer…
Zu den Opfern gehörten unter anderem der katholische Medizinstudent Gustav Ziegler aus Wien,
der einem deutschen Offizier gegenüber Ende 1943
erklärt hatte, dass der Krieg verloren sei. Zu den
Opfern gehörten auch die Funktionäre des Kommunistischen Jugendverbandes (KJV), Leopoldine
Sicka (geb. 1923), Anna Gräf (geb. 1925), Franz
Sikuta (geb. 1921) und Karl Hann (geb. 1924), alle
aus Wien, die Flugschriften „teilweise mit defaitistischem Inhalt“ weitergegeben haben und deswegen
am 12. Oktober 1943 zum Tode verurteilt wurden.
Langoth bekannte sich in seinem Rechtfertigungsbuch „Kampf um Österreich“ ausdrücklich zu
den Todesurteilen bei „minderwertigen Subjekten,
bei Verrat und Sabotage“. Der Hochverrat an Hitler-Deutschland im Kampf für ein freies und unabhängiges Österreich ist genau ein solcher „Verrat“
auf den sich Langoth bezog.
Es dauerte lange, bis die Linzer „Stadtväter“
endlich ihr Festhalten an der Langothstraße aufgaben. Wie aus einem Schreiben von DÖW-Leiter
Neugebauer vom 8. Dezember 1985 hervorgeht,
waren der Stadt Linz die Akten über Langoths Bluturteile schon monatelange bekannt, bevor der notwendige Trennungsstrich gezogen wurde. Erst nach
der Gemeinderatswahl vom Oktober 1985 rang sich
die SPÖ-Mehrheit dazu durch - und dann auch nur
halb. Die Darstellung der wirklichen Rolle Langoths in städtischen Publikationen fand bis heute
nicht statt…
Leo Furtlehner
Seite 20
Die Linzer KPÖ im Widerstand
1938-1945
Ansprache von GR Prof. Franz Kain im Jahre 1985
”Niemals damit abfinden werden...“
Bei der Festsitzung des Linzer Gemeinderates am 8. Mai 1985 zum 40. Jahrestag der
Befreiung vom Faschismus führte der damalige KPÖ-Gemeinderat Prof. Franz Kain
(1922-1997) aus:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geschätzte Festgäste, meine Damen und Herren!
Die geschichtlichen Ereignisse, deren 40. und 30.
Jahrestag wir heute begehen, haben bekanntlich ihre
Schatten weit vorausgeworfen. Meine Partei, die Kommunistische Partei Österreichs, hat sich 1938 keineswegs
an den Ratschlag der katholischen Bischöfe gehalten, der
Auslöschung Österreichs durch Hitler-Deutschland begeistert zuzustimmen. Sie hat sich aber auch nicht an das
Bekenntnis eines hohen sozialdemokratischen Führers
gehalten, der seinerseits erklärt hatte, er werde zum Anschluss ,freudig mit ja’ stimmen. Unsere Partei hat sich
vielmehr noch in der Nacht des Einmarsches der deutschen Truppen in einem Aufruf an die Bevölkerung gewendet, in dem verkündet wurde, dass Österreich wieder
frei und unabhängig sein werde.
Wir haben den Kampf gegen Hitler nicht erst begonnen, als er im Begriff stand, den Krieg zu verlieren, wir
haben ihn schon geführt, als er den Krieg vorbereitet
und weil er ihn begonnen hat. Wir haben den Kampf um
die Freiheit unseres Landes auch nicht geführt, weil uns
irgendeine fremde Macht dazu verpflichtet hätte, wir haben ihn vielmehr geführt auf der Grundlage der Tugenden der alten Arbeiterbewegung: gegen die Kanonenkönige und gegen das mörderische Geschäft des Militarismus, auf uns selbst gestellt und auf der Grundlage nationaler Erkenntnis.
Der Oberreichsanwalt in Berlin, der unsere Anklage
formulierte, hat dies sehr wohl verstanden und stets als
besonders verschärfend hervorgehoben, dass es unser
Ziel war, ,die Ostmark vom Reiche loszureißen’. Wir sind
stolz auf diesen Tatbestand, und es bedarf für uns keiner
Nachhilfestunden im Patriotismus, wir sind vielmehr in
der Lage, solche jederzeit zu erteilen.
Der Kampf gegen den anfangs übermächtigen Gegner war schwer und ungeheuer verlustreich. Die relativ
kleine Kommunistische Partei hat dabei die weitaus
größten Opfer von allen Gruppierungen bringen müssen.
Allein die Linzer Organisation hat im Kampf für die Freiheit unseres Landes über 50 Opfer zu beklagen, tapfere
Frauen und Männer, die die Würde unseres Volkes bis
zum letzten Atemzug verteidigt haben.
Der österreichische Widerstand, so heldenhaft er
auch im einzelnen war, konnte den Durchbruch nicht erzielen. Die Voraussetzung für unsere Wiedergeburt war
die Niederlage der Militärmacht des Hitlerfaschismus.
Wir wollen auch heute daran erinnern, dass die Völker
der Sowjetunion dafür die schwersten Opfer zu bringen
hatten.
So wie wir im Kampf um die Freiheit nicht gezögert
haben, unsere Pflicht zu tun, so haben wir es auch unmittelbar in und nach den Tagen der Befreiung gehalten,
gemeinsam mit allen demokratischen Kräften. Auch in
Linz haben Kommunisten schwerste Aufgaben übernommen: Genosse Otto Brunn war der erste Ernährungsreferent und Genosse Franz Rammersdorfer der erste Wohnungsreferent in der hungrigen und zerstörten Stadt.
Stets waren hervorragende Vertreter des Widerstandes
auch unsere Mandatare. Franz Haider war zu zwölf Jahren Kerker verurteilt gewesen. Hans Kerschbaumer hat
sechs Jahre im KZ Buchenwald verbracht. Altgemeinderat Alois Wipplinger war schon in der Schuschnigg-Zeit
zu einer hohen Kerkerstrafe verurteilt und war zusammen mit dem späteren Bundespräsidenten Jonas im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Keiner von ihnen hat
jemals Aufhebens um seine Leistungen gemacht, aber
heute soll ihrer ehrend gedacht werden. Auch Altgemeinderat Haunschmid und ich selbst haben unsere Jugendjahre in schwerer Kerkerhaft verbracht und den Krieg
beim ,Himmelfahrtskommando’ der Strafbrigade 999
mitgemacht.
Großen Weitblick bewiesen…
Die KPÖ hat auch beim Ringen um den Staatsvertrag großen Weitblick bewiesen. Während andere Gruppen geglaubt haben, der Staatsvertrag sei als Anhängsel
einer Politik der Stärke und damit zu erreichen, haben
unsere Abgeordneten im Parlament schon Anfang der
fünfziger Jahre die Frage der Neutralität unseres Landes
aufgeworfen und wurden dafür als Hochverräter beschimpft. Unbeirrt davon haben wir in Bad lschl schon
1952 eine große Konferenz für Frieden und Neutralität
abgehalten. Der Staatsvertrag war dann auch nicht Ausdruck und Ergebnis einer Erpressungspolitik des kalten
Krieges, sondern Ausdruck einer Politik der Entspannung.
l Wir haben seit den Tagen der Befreiung unerschütterlich an den Wahrheiten festgehalten, die Grundlage und Säulen unserer Unabhängigkeit heute sind
und bleiben:
l Die Zeit der Besatzung war kein Idealzustand, aber
weit schlimmer war die Wolfszeit vorher, die uns ein
fürchterliches Erbe hinterlassen hat.
l In der antifaschistischen Haltung darf es keine Zugeständnisse geben.
l Der alte Faschismus war der Untergang unseres Landes, der neue beschwört schon wieder ernste Gefahren herauf.
l Wir sind der Meinung, dass die Unabhängigkeit verbunden sein muß auch mit einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit und dass die Verständigung und nicht
die Hetze Richtschnur unseres Handelns sein muß.
l Unser Land muß ein Land sozialer Gerechtigkeit
sein, eines der Gleichberechtigung der Frau und der
Vorsorge für die Jugend und die alten Menschen.
l Staatsvertrag und Neutralität sind kein Ruhekissen,
sondern Verpflichtung zum Handeln, und dies nicht
nur beim ungelösten Minderheitenproblem.
In der Familie meiner Frau und in meiner eigenen
Franz Kain (1922-1997) war jahrelang das
antifaschistische Gewissen des Linzer
Gemeinderates
haben wir drei Todesopfer zu beklagen, die im Kampf
um die Freiheit unseres Landes gefallen sind, einer davon noch am 28. April 1945 im KZ-Lager Mauthausen.
Aber die Stadt, in der diese Kämpfer gelebt und gearbeitet haben, hat keine Straße und keinen Platz nach ihnen
benannt. Wohl aber eine nach jenem Oberbürgermeister,
der in der Zeit noch im Amt war, als in Mauthausen unsere Verwandten erschlagen wurden, nämlich nach jenem Oberbürgermeister Langoth, der den Rang eines
SS-Brigadeführers, also eines SS-Generals innehatte. Sie
werden verstehen, dass wir über diese Herausforderung
nur mit größter Bitternis sprechen können und uns niemals damit abfinden werden.
Wir betrachten die Tage vor 40 Jahren nicht als düsteren Zusammenbruch, sondern als Befreiung und hoffnungsvollen Beginn, für den wir schwere Opfer gebracht
haben. Die Unabhängigkeitserklärung trägt daher auch
mit Recht die Unterschrift unseres langjährigen Parteivorsitzenden Johann Koplenig. Wir bekennen uns zu
Staatsvertrag und Neutralität, denn wir haben tatkräftig
mitgeholfen sie vorzubereiten. Aber wir verschließen
nicht die Augen, auch nicht an dem hohen Festtag, vor
den neuen Gefahren. Das große Befreiungswerk ist auch
heute, nach 40 Jahren, noch nicht vollendet, nämlich in
seinem antifaschistischen Auftrag und dem Auftrag der
Friedensförderung auf allen Ebenen.
Meine Damen und Herren, die Weltgeschichte überantwortet kleinliche Winkelzüge und opportunistische
Manöver dem Vergessen. Was sie aber emporhebt und
aufbewahrt im Gedächtnis der Völker, das sind politische
Charakterstärke, der Freiheitswille in Zeiten der Unterdrückung, der Kampf für soziale Gerechtigkeit, für Menschenwürde und um den Frieden. Und diesem höchsten
Anspruch wollen und müssen wir auch in Zukunft gerecht
werden. (Beifall)
Quelle: Beilage zum Amtsblatt der Landeshauptstadt Linz, Nr. 5/1985
Herunterladen