“Meine Rechnung geht jetzt bis zum 1. Mai...” (Sepp Teufl in seinem letzten Brief aus dem KZ Mauthausen) Dokumentation über den Widerstand Linzer KommunistInnen gegen den Faschismus Herausgegeben vom KPÖ-Bezirksvorstand Linz anlässlich des 70. Jahrestages der Okkupation Österreichs durch Hitlerdeutschland im März 1938 Seite 2 Die Linzer KPÖ im Widerstand Vorwort 1938-1945 Der Aufruf der KPÖ gegen die Annexion: Vor 70 Jahren wurde mit der Okkupation Österreichs durch Nazideutschland die Selbständigkeit Österreichs ausgelöscht. Die KPÖ hat sich dagegen von Anfang an entschieden aufgelehnt, international protestierten nur die Sowjetunion und Mexiko. Es dauerte sieben Jahre bis im April 1945 – vor allem durch die großen Opfer der Sowjetarmee – die Befreiung vom Faschismus erfolgte und ein selbständiges Österreich wieder entstand. Für dieses Wiedererstehen hatten sich die Alliierten im “Moskauer Memorandum” von 1943 ausgesprochen, allerdings mit dem Hinweis, wonach “sein eigener Beitrag an seiner Befreiung berücksichtigt werden wird”. Die KPÖ kann mit Fug und Recht darauf verweisen, dass sie diesen “eigenen Beitrag” wahrgenommen hat, stellen doch KommunistInnen den Großteil der Opfer im politischen Widerstand gegen den Nazifaschismus. Schon 1933 vom Austrofaschismus in die Illegalität gedrängt wurde die KPÖ nach der Niederschlagung des Februaraufstandes durch Zuzug enttäuschter SozialdemokratInnen zur Massenpartei. Wie ernst der kommunistische Widerstand genommen wurde, zeigt unter anderem die Diktion in den Gestapo-Berichten und Urteilten des Nazi-Volksgerichtshofes. Es ist daher bezeichnend für das heutige politische und mediale Establishment, wenn systematisch versucht wird, den politischen Widerstand – und dabei vor allem den Anteil der KPÖ – gegen den NS-Faschismus zu verschweigen. Offensichtlich soll damit die Mitschuld hunderttausender ÖsterreicherInnen – ein Beispiel ist der Linzer Nazi-Oberbürgermeister Langoth – an den Verbrechen des Nazi-Regimes bagatellisiert werden. Die vorliegende Broschüre ist ein Beitrag dem entgegenzuwirken. Neben einer allgemeinen Darstellung des Widerstandes der KPÖ zeigt sie am Beispiel von Opfern wie auch von Überlebenden des Widerstandes in Linz, dass sich die KommunistInnen mit dem “Anschluss” abgefunden haben und stets für das Wiedererstehen eines eigenständigen Österreich eingetreten sind. Wir verbinden die vorliegende Arbeit daher mit der Forderung nach gebührender Anerkennung des Widerstandes und der Erfüllung des bei der Gründung der 2. Republik verkündeten antifaschistischen Grundauftrages. Österreich wird wiedererstehen! Volk von Österreich! An alle Völker Europas und der Welt! Hitler hat mit militärischer Gewalt Österreich unter sein Joch gebracht. Hitler ist dabei, den Freiheitswillen des österreichischen Volkes durch die Stiefel seiner Soldateska niederzutreten. Er ist daran, in Österreich seine Fremdherrschaft aufzurichten. Drei Tage vor dem Volksentscheid, nach dem seine Agenten jahrelang riefen, hat er losgeschlagen, aus Angst vor dem Willen des österreichischen Volkes, aus Angst vor dem Ergebnis der Volksabstimmung, die mit dem Bekenntnis der überwältigenden Mehrheit zur Freiheit und Unabhängigkeit geendet hätte, aus Angst vor der Niederlage, die er am 13. erlebt hätte. Berchtesgaden hatte den Widerstand des Volkes verhundertfacht. Alle Kräfte des Volkes begannen sich zu vereinigen zur Verteidigung der Heimat gegen die Barbarei des Faschismus. Gegen diese geeinte Front des österreichischen Volkes hatte Hitler seine Kanonen, seine Tanks und Flugzeuge eingesetzt. Volk von Österreich! Wehre Dich, leiste Widerstand den fremden Eindringlingen und ihren Agenten. Schließt Euch zusammen, Katholiken und Sozialisten, Arbeiter und Bauern! Schließt Euch zusammen, nun erst recht, zur Front aller Österreicher. Alle unterschiede der Weltanschauung, alle Parteiunterschiede treten zurück vor der heiligen Aufgabe, die heute dem österreichischen Volke gestellt ist! Zusammenstehen gegen Hitler, zusammenstehen, um Hitlers Soldateska aus Österreich wieder hinauszujagen! Arbeiter, bleibt fest! Seid einig und bleibt treu den stolzen Traditionen der österreichischen Arbeiterklasse, lasst euch nicht beugen, trotzt dem Terror! Macht die Betriebe zu Zentren des Widerstandes! Lasst Euch den Gewerkschaftsbund nicht zerstören! Soldaten, Offiziere, Angehörige der Exekutive, die ihr der österreichischen Heimat die Treue haltet, schließt euch zusammen mit dem Volk, reiht Euch ein in die Front des erbitterten Widerstandes gegen Hitler und seine Agenten! Volk von Österreich! Wehre Dich! Mach die Losung zur Tat. Rot-Weiß-Rot bis in den Tod! Mögen es die deutschen Faschisten wissen, möge es die ganze zivilisierte Welt hören: das österreichische Volk wird nie und nimmer diese Fremdherrschaft, aufgerichtet unter den Bajonetten und dem Terror, anerkennen. Das österreichische Volk steht mit tödlichem Hass den faschistischen Tyrannen gegenüber… ...Lernt aus dem Beispiel Österreichs. Jedes Zurückweichen, jede Kapitulation vor den Kriegsbrandstiftern ermuntert den Hitler-Faschismus zu neuen Angriffen. Hitler will keinen Frieden, er lässt seine Bajonette marschieren. Hitler hasst die Front der friedlichen Völker, er will über die Völker herrschen… Das österreichische Volk ist vergewaltigt worden, aber sein Glaube und seine Zuversicht sind ungebrochen. Der Kampf geht weiter. Durch seine eigene Kraft und durch die Hilfe der Weltfront des Friedens wird ein freies, unabhängiges Österreichs wiedererstehen! Aufruf des ZK der KPÖ zur Annexion in der Nacht vom 11. zum 12. März 1938 Roland Hochstöger, KPÖ-Bezirksvorsitzender Leo Furtlehner, KPÖ-Landessprecher März 2008 Impressum: Medieninhaber (Verleger), Herausgeber, Hersteller: KPÖ-Linz, Melicharstraße 8, 4020 Linz, Telefon +43 732 652156, Mail [email protected], Web http://ooe.kpoe.at Die KPÖ war vom Wiedererstehen eines unabhängigen Österreich überzeugt: “Rote Fahne”, Zentralorgan der KPÖ, illegal während des Verbotes der KPÖ (1938 bis 1945). 1938-1945 Die Linzer KPÖ im Widerstand Seite 3 Anmerkungen zu ”Bilder des Nationalsozialismus in Linz” Im Stile einer Dorfchronik Das Archiv der Stadt Linz präsentierte Ende 1997 einen umfangreichen Bildband zum Thema ”Nationalsozialismus in Linz”. Auf knapp 200 Seiten wird der Versuch unternommen, zu möglichst allen Aspekten der NS-Herrschaft in Linz Fotos zu präsentieren. Jedem der einzelnen Kapitel wurde ein kurzer, oftmals zu kurzer Textteil vorangestellt. Bei der Lektüre dieses Buches erhält man zweifelsohne eine Fülle interessanter Informationen. Dennoch hinterlässt es beim Leser einen schalen Nachgeschmack. Die Zusammenstellung der Artikel ist unausgewogen. Zentrale Elemente der Naziherrschaft und des Terrors, den sie verbreitete werden nur oberflächlich behandelt. Man bekommt den Eindruck, dass manche Kapitel nur deshalb eingebaut wurden, um den Anspruch einer umfassenden Darstellung dieses Zeitraumes zu erfüllen. Was dabei herausgekommen ist, kann man nur als unwürdigen Umgang mit einem solch sensiblen Thema bezeichnen. Während der Abschnitt über Hitlers Baupläne für Linz mehr als fünf Seiten Text und über dreißig Seiten Fotos ausmacht, so beschränkt sich das Kapitel über das Konzentrationslager Mauthausen auf lediglich sechs Seiten. Unwillkürlich kommt einem die Redewendung ”...und was außerdem geschah” in den Sinn. Wenn man ein Buch über nationalsozialistische Architektur verfassen will, so sollte man das tun, allerdings unter Beiziehung von Architektur- und Kunstexperten. Unredlich ist es, wenn man durch Einfügen von Kapiteln eine Gesamtdarstellung erschleichen will. Was das durchaus interessante Bildmaterial betrifft, ist zu kritisieren, dass die Autoren die Leserschaft damit alleine lassen. Es genügt eben nicht hie und da ein Anführungszeichen zu setzen, um die NS-Ästhetik zu demaskieren. Der Leser wird dieser Ästhetik auf den Leim gehen, und - sehr bedenklich - man gewinnt den Eindruck, dass dies stellenweise auch auf Seiten der Herausgeber geschehen ist. Worin zum Beispiel der Informationswert des auf Seite 18 in Farbdruck wiedergegeben Hitlerporträts liegt ist fraglich. Jeder kennt diese Bilder. Somit kann es sich nur um eine gestalterische Eskapade handeln. Nächstens legt man vielleicht ein Faltposter zum Herausnehmen bei. Dies ist aber nur das herausragendste Beispiel. Die indifferente Umgangsweise mit dem Medium Photographie zieht sich durch das ganze Buch, und kann im besten Fall als Naivität interpretiert werden. Inhaltlich fällt vor allem auf, dass die Rolle Österreichs als Opfer, über das der Nationalsozialismus wie eine Naturgewalt bzw. Krankheit hereinbricht in neuer, variierter Form wieder auftaucht. Der Anschluss wird als unausweichliches Schicksal dargestellt. Es wird keinesfalls der Versuch unter- nommen aufzuzeigen, was passiert wenn Feigheit und Opportunismus ein gar nicht so unbedeutendes Potential an Widerstandsgeist ersticken. Die deutsche Wehrmacht war sich vor dem Einmarsch jedenfalls gar nicht so sicher, wie die österreichische Bevölkerung sich verhalten würde. Erst die Haltung der offiziellen Staatsstellen klärte für sie die Lage. Vielmehr wird die Situation des von der internationalen Staatenwelt verlassenen Kleinstaates betont. Und wenn internationaler Protest erwähnt wird, dann nur in abwertender Form. So heißt es beispielsweise auf Seite 43 dass die Jubelszenen in Linz und überall in Österreich der Welt ein beeindruckendes Schauspiel geliefert hatten, auf das vom Ausland schwerlich mit ernstzunehmenden Protesten reagiert werden konnte. Die Verurteilung der Annexion durch die Sowjetunion und ihre Note an die Westmächte, die die sowjetische Bereitschaft zu einer gemeinsamen Aktion betont scheint also in die Kategorie ”nicht ernstzunehmend” zu gehören. Es mutet etwas seltsam an, wenn einerseits ein Lamento über die mangelnde internationale Solidarität angestimmt wird, andererseits tatsächliche diplomatische Schritte, auch wenn sie nicht den gewünschten Effekt erwirkten, als irrelevant abgetan werden. Auf die gleiche Art wird mit dem österreichischen Widerstand verfahren. In dieser Publikation existiert er nicht. Es wird weder der Aufruf der KPÖ gegen die Annexion vom 12. März 1938 erwähnt, noch wird auch nur der Name eines einzigen österreichischen Widerstandskämpfers genannt. Die sofort einsetzende Verhaftungswelle politischer Gegner nach dem Einmarsch bleibt ebenso unerwähnt. Diese Praxis hat Tradition. Der Widerstand wurde seit 1945 bewusst verschwiegen. Niemals hat man von Seiten der gesellschaftlich bestimmenden Kräfte den Versuch gemacht, hier ein neues Identifikationsmuster zu bilden. In der selben Manier verfährt man auch in dieser Publikation. Diese Haltung gipfelt in folgender Feststellung: ”Am 5. Mai 1945, um 11.07 Uhr, trafen die ersten US-Truppenverbände auf dem Hauptplatz ein, wo ihnen NS-Oberbürgermeister Franz Langoth zum Empfang gegenübertrat. Eine weitergehende Initiative von Linzer Widerstandsgruppen oder verantwortungsbewussten nationalsozialistischen Funktionären, dem Nazi-Spuk früher ein Ende zu bereiten, hatte es nicht gegeben.” Den letzten Auftritt des unseligen Langoth in einem Atemzug mit Aktivitäten von Widerstandsgruppen zu nennen ist an sich schon seltsam. Gänzlich absurd wird aber die Gleichsetzung von Widerstandskämpfern und sogenannten verantwortungsbewussten Nationalsozialisten in der Aufgabe den ”Nazispuk” zu beenden. Der verantwortungsbewusste Nationalsozialist als Nachkriegskonstrukt ist eine Fiktion, der tatsächliche Nazi hatte wohl andere Intentionen als die Naziherrschaft zu beseitigen. Mit dem Ausdruck ”Nazispuk” hat es auch seine Bewandtnis. Er taucht immer als Bezeichnung für die Endphase der NS-Diktatur auf, gleichsam um das episodenhafte dieses Regimes zu betonen, um es als in sich abgeschlossene Periode darzustellen. Dass genau zu dieser Zeit in Mauthausen die letzten Vergasungen durchgeführt wurden, bei denen unter anderem der Landesobmann der KPÖ Sepp Teufl und der führende Sozialdemokrat Richard Bernaschek ermordet wurden, dass noch am 1. Mai 1945 auf dem Truppenübungsplatz in Treffling Erschießungen stattfanden wird fast erwartungsgemäß übersehen. Der Bildband ”Bilder des Nationalsozialismus in Linz” muß zusammenfassend als unausgewogenes Konglomerat von Einzelbeiträgen bezeichnet werden, wobei sich der Verdacht auftut, dass ein Teil der Autoren vom redaktionellen Ergebnis selbst unangenehm überrascht waren. Über weite Strecken wird NS-Folklore präsentiert, statt das Bild von totalitärer Herrschaft und massivster Repression am Beispiel Linz zu zeigen. In dieser Art werden sonst Dorfchroniken verfasst, und was dort ärgerlich ist, muß man bei einem solchen Vorhaben als Fahrlässigkeit bezeichnen. Das gilt sowohl für den Text- wie den Bildteil. Ein Resumé ziehen die Autoren und Herausgeber selbst, wenn sie Oliver Rathkolb zitieren: ”Eine echte antinationalsozialistische Vergangenheitsbewältigung inklusive einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem NS-Gedankengut auf breitester Ebene ist nie erfolgt.” Dieses Zitat ist beinah eineinhalb Jahrzehnte alt. Viel ist seither geschehen. Mit diesem Werk wird es noch einmal bestätigt. Konstantin Putz Quelle: Fritz Mayerhofer/Walter Schuster (Hg.), Bilder des Nationalsozialismus in Linz, Archiv der Stadt Linz, 1997 Seite 4 Die Linzer KPÖ im Widerstand Gestapo bestätigt kommunistischen Widerstand ”Der steter Beobachtung bedarf...” Ein anschauliches Beispiel für den aktiven politischen Widerstand gegen das Nazi-Regime ist das ”Verzeichnis oberösterreichischer Kommunisten, erstellt von der Gestapo Linz für das Gestapa Berlin” vom 16. August 1938 (Bundesarchiv Koblenz, Bestand RSHA, DÖW 3678). Dieses Verzeichnis umfasst 41 Personen, vorwiegend aus Linz und spricht durch den Gestapo-Jargon für sich: l Adamek Magdalena, Pflegerin, 6. 3. 1907 in München geb. Sie war führende Funktionärin der Roten Hilfe und der KP in Ried im Innkreis, Oberdonau, und wurde deshalb 1935 mit 6 Wochen Arrest bestraft. Sie ist heute noch fanatische Anhängerin der kommunistischen Bewegung und bedarf steter polizeilicher Beobachtung. l Aichbauer Karl (Spitzname Schmarrn), Schriftsetzer, 9. 4. 1915 in Linz geb. Er war kommunistischer Verbindungsmann, gehörte zu jener Organisation, die sich mit dem Schmuggel kommunistischer Flugschriften aus der Tschechoslowakei nach Österreich befasste, wurde deshalb 1935 längere Zeit in Haft gesetzt. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, der steter polizeilicher Beobachtung bedarf. l Aichberger Anton, Drehergehilfe, 12.6. 1903 in Linz geb. Er war Organisationsleiter der KP in Steyr/Oberdonau und hatte in der dortigen Arbeiterschaft großen Einfluß, flüchtete am 17.7.34 nach Russland, wo er sich gegenwärtig noch aufhält. Vom Polizeikommissariat Steyr 1936 ausgebürgert. Die Ausbürgerung besteht noch zu Recht. l Ammer Karl, Schlossergehilfe, 5. 5. 1898 in Pettenbach, Bez. Kirchdorf a. d. Krems, geboren. Er war Obmann der Roten Hilfe, Ortsgruppe Wels, und Gebietsleiter des antifaschistischen Komitees in Wels. Er hielt sich 1937 14 Tage in Wels auf und hat mit Gesinnungsgenossen in Wels Fühlung genommen und wurde unter einem Decknamen telegrafisch nach England zurückgerufen. Er ist nach wie vor agiler Kommunist. l Bodenhofer Karl, Hilfsarbeiter. 5. 10. 1911 Linz geb. War kommunistischer Verbindungsmann, hat sich an kommunistischen Schmier- und Streuzettelaktionen beteiligt und wurde deshalb 1935 mit Arrest bestraft. Er ist heute noch kommunistischer Anhänger, der steter Beobachtung bedarf. l Brandstetter Franz, Anstreichergehilfe, 8. 10. 1903 Ternberg, Oberdonau, geb. Derzeit in Russland aufhältig. bezieht weder Rente noch Ruhegehalt. Er ist radikaler Funktionär der kommunistischen Bewegung. Hielt sich von 1930 bis 1932 im Altreich auf und besuchte dort eine kommunistische Parteischule. Später betätigte er sich als kommunistischer Agitator in Oberdonau, wurde deshalb auch bestraft und flüchtete am 10.8. 1935 in die Sowjetunion. l Brandstetter Franz, Tischlergehilfe, 11. 1. 1913 Linz geb. War kommunistischer Verbindungsmann, hat große Mengen kommunistischer Flugschriften verbreitet und wurde daher 1935 vom LG Linz zu 5 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Durch Amnestie- rung wurde er nach kurzer Strafverbüßung enthaftet. Er ist heute noch kommunistischer Anhänger und muß beobachtet werden. l Brenner Felix, Feilenhauergehilfe, 30.4. 1911 in Leopoldsdorf geb. Betätigte sich 1935 in Steyr. Oberdonau, als kommunistischer Agitator, ließ große Mengen kommunistischer Flugschriften verbreiten und wurde daher von der Polizeidirektion Linz mit Arrest und vom Kreisgericht Steyr mit Kerker bestraft. Er ist heute noch fanatischer Kommunist. l Denkmeier Johann, Drehergehilfe, 10. 2. 1909 Ried geb. War stets führend in der kommunistischen Bewegung tätig, fungierte als Kurier, unterhielt 1934 eine kommunistische Meldestelle und wurde einige Male wegen dieser Betätigung bestraft. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, der steter polizeilicher Beobachtung bedarf. l Dichowa Josef, gewesener Reichsbahner, 2. 7. 1878 Aurolzmünster, Oberdonau, geb. Er hat sich am 12. Feber 1934 an der Marxistenrevolte beteiligt, sodass ihm strafweise sein Ruhegehalt verkürzt wurde. 1935 wurde er wegen Verbreitung kommunistischer Flugschriften von der Polizeidirektion Linz zu 5 Monaten Arrest verurteilt, auf Grund dessen ihm von der Reichsbahn sein Ruhegehalt vollkommen entzogen wurde. Dichowa ist heute noch fanatischer Kommunist, der im Ernstfall vor keiner Gewalttat zurückschreckt. Er verhält sich gegenwärtig zurückgezogen, bedarf aber dessen ungeachtet steter polizeilicher Beobachtung. l Dörflinger Friedrich, Zuckerbäckergehilfe, 23. 2. 1900 Knittelfeld, Steiermark, geb. Er hatte in der kommunistischen Bewegung verschiedene führende Funktionen inne und wurde bereits wegen kommunistischer Betätigung bestraft. Ist heute noch Kommunist, verhält sich zwar zurückgezogen, bedarf aber einer polizeilichen Beobachtung. l Dürank Bernhard, Fabriksarbeiter. 12. 12. 1914 Kleinmünchen geb. Hatte früher in der Sozialistischen Arbeiterjugend verschiedene Funktionen inne, schloss sich nach der Auflösung dieser Vereinigung der kommunistischen Bewegung an. Gründete 1935 in einer hiesigen Textilwarenfabrik eine kommunistische Betriebszelle, veranlasste außerdem kommunistische Schmier- und Streuzettelaktionen. Er ist heute noch fanatischer Anhänger der kommunistischen Bewegung, nur verhält er sich zurückgezogen. l Egger Johann, Hilfsarbeiter, 8. 10. 1892 Steyr geb., deutscher Reichsangehöriger. War kommunistischer Agitator und Gemeinderat von Steyr und hatte in dieser Bewegung großen Einfluß. Er ist heute noch Kommunist, verhält sich aber gegenwärtig zurückgezogen. l Filla Josef, Spenglergehilfe, 13. 3. 1911 Bad Ischl, Oberdonau, geb. War Mitglied des Zentralkomitees der KP Wien, bereiste als Agitator in den Jahren 1934-35 das Land Österreich, organisierte einen großangelegten Schriftenschmuggel aus der Tschechoslowakei nach Oberösterreich, wurde 1935 in Linz festgenommen und von der Polizeidirektion Linz mit 10 Monaten Arrest und vom LG Linz mit 5 Jahren schweren Kerkers bestraft. Er wurde später amnestiert, sodass er die Kerkerstrafe nicht vollständig verbüßen brauchte. Filla ist ein fanatischer Füh- 1938-1945 rer der kommunistischen Bewegung, der steter polizeilicher Beobachtung bedarf. l Fischer Hermann, Vertragsangestellter, 3. 2. 1902 Simbach geb. Unterhielt 1936 in seiner Wohnung eine kommunistische Meldestelle und wurde deshalb in Haft gesetzt. Fischer ist heute noch fanatischer Kommunist, mit dessen Aktivität im Ernstfalle zu rechnen ist. l Fock Karl, Zollwachebeamter, 23.6.1912 Linz geb. War 1935 Mitglied der illegalen komm. Landesleitung der KP Oberdonau und befasste sich mit der Herstellung und Verbreitung einer großen Menge komm. Flugschriften und wurde daher von der Polizeidirektion Linz mit Arrest bestraft. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, mit dessen Aktivität im Ernstfalle zu rechnen ist. l Fuchs Johann, gewesener Reichsbahner, derzeit Bodenpastaerzeuger, 8. 5. 1899 St. Martin, Bez. Gmünd, geb. Er gehörte bis 1934 der sozialdemokratischen Partei und dem Republikanischen Schutzbund an, schloss sich später der kommunistischen Bewegung an. Es wurden 1935 in seiner Wohnung mit einem Vervielfältigungsapparat große Mengen kommunistischer Flugschriften hergestellt. Er wurde deshalb von der Polizeidirektion mit 6 Monaten Arrest und vom LG in Linz mit 5 Jahren schweren Kerkers bestraft, wurde jedoch durch die Juliamnestie 1936 auf freien Fuß gesetzt. Ist heute noch fanatischer Anhänger der kommunistischen Bewegung, verhält sich jedoch zurückgezogen. l Füreder Hermann, Malergehilfe, 16.9. 1916 Linz geb. Ist im sozialistischen Sinne erzogen worden, schloss sich später der kommunistischen Bewegung an und wurde in den letzten Jahren wegen kommunistischer Betätigung einige Male in Haft gesetzt und mit Arrest bestraft. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, verhält sich aber zurückhaltend. l Geiger Gottfried, Maurergehilfe, 10. 8. 1913 Straß-Emling, Oberdonau, geb. War kommunistischer Agitator und verbreitete große Mengen kommunistischer Flugschriften. Wurde 1935 von der Polizeidirektion Linz mit 4 Monaten Arrest und vom LG in Linz zu 5 Jahren schweren Kerkers verurteilt, durch Amnestierung wurde er 1936 auf freien Fuß gesetzt. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, der steter Beobachtung bedarf. l Geschwandtner Ferdinand, Monteur, 7. 8. 1904 Bad Ischl geb. War früher Mitglied des Republikanischen Schutzbundes, schloss sich nach dessen Auflösung der KP-Bewegung an, war Gebietskassier für das Salzkammergut, verbreitete große Mengen Flugschriften, nahm an verschiedenen kommunistischen Versammlungen teil und wurde daher 1936 von der Polizeidirektion Linz mit 6 Monaten Arrest bestraft. Ist heute noch fanatischer Kommunist. l Grossauer Willibald, Färbergehilfe, 14.4. 1901 Reiterndorf, CSR, geb. Besuchte 1931-32 in Moskau die Lenin-Schule, war in Steyr Obmann der KP und der Arbeiterwehr und Gemeinderat von Steyr. Wurde wegen seiner kommunistischen Betätigung wiederholt in Haft gesetzt und war außerdem von Mai bis September 1934 im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Ist als radikaler Kommunist zu bezeichnen. l Gschwandtner Georg, gewesener Reichsbahner, 30.1. 1900 Steyr, Oberdonau, geb. Er gehörte 1934 als aktiver Reichsbahner einer kommunistischen Zelle an, war Verbindungsmann zur illegalen Landesleitung der KP in Oberdonau, beherbergte in seiner Wohnung kommunistische Kuriere und befasste sich außerdem mit der Herstellung und Ver- 1938-1945 breitung großer Mengen kommunistischer Flugschriften. Er wurde daher vom LG Linz im Jahre 1935 zu einem Jahre strengen Arrests verurteilt, was ihm auch seine Entlassung von der Reichsbahn eintrug. Ist immer noch fanatischer Kommunist, der polizeilicher Beobachtung bedarf. l Haselmayer Franz, Hafnergehilfe, 30. 3. 1910 in Linz geb. Stand mit dem ZK der KP in Wien in Verbindung, war mit Personaldokumenten auf den Namen Anton Martin ausgestattet, reiste von 1934-38 in Österreich als kommunistischer Agitator, wurde am 11. 2. 38 in einem kommunistischen Schulungslager von der Polizeidirektion Linz festgenommen, eine Bestrafung erfolgte nicht, weil er einer Generalamnestie teilhaftig wurde. Ist nach wie vor fanatischer Kommunist, nur verhält er sich gegenwärtig zurückgezogen. l Jaric Franz, Hilfsarbeiter, 15. 10. 1903 Bad Ischl geb. Derzeit in Rotspanien als Kämpfer; war kommunistischer Gebietsleiter, hat viele kommunistische Versammlungen abgehalten und große Mengen Propagandamaterial verbreiten lassen. Wurde 1936 von der Polizeidirektion Linz zu 10 Monaten Arrest verurteilt, eine gerichtliche Aburteilung erfolgte nicht, da er in der Voruntersuchung einer Generalamnestie teilhaftig wurde. Jaric ist ein fanatischer Kommunist, der auch vor Gewalttätigkeiten nicht zurückschreckt. l Kammerer Friedrich, Hilfsarbeiter, 12.8.1896 Linz geb. Er hat in der kommunistischen Bewegung verschiedene Funktionen inne, gehörte 1934 der illegalen Landesleitung in Oberdonau an, reiste unter dem Decknamen Hagart und Fritzolin in Österreich als kommunistischer Kurier, veranlasste die Herstellung und Verbreitung großer Mengen Flugschriften, verleitete einen hiesigen Kommunisten zu einem Anschlag auf eine Hochspannungsleitung und flüchtete dann in die Tschechoslowakei. Kehrte im Herbst 1937 nach Österreich zurück, wurde in Linz verhaftet, wurde jedoch während der Voruntersuchung einer Generalamnestie teilhaftig, sodass er straflos ausging. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, der vor keiner Gewalttat zurückscheut und daher steter polizeilicher Beobachtung bedarf. l Kammerstätter Peter, Elektroschlosser, 10. 12. 1911 Triest geb. Er gehörte der illegalen Landesleitung der KP Oberdonau an, beteiligte sich an der Herstellung und Verbreitung großer Mengen Flugschriften, stand mit Kurieren in Verbindung, errichtete eine Briefanschriftstelle und wurde daher von der Polizeidirektion Linz im Jahre 1935 mit 6 Monaten Arrest bestraft. Er ist ein fanatischer Kommunist, der steter Beobachtung bedarf und mit dessen besonderer Aktivität im Ernstfall zu rechnen ist. l Knoblehar Anton, Tischlergehilfe, 26.2. 1908 in Mürzzuschlag/Stmk. geboren. Er war Führer des illegalen kommunistischen Jugendverbandes in Linz und wird im Februar 1938 von der Poldion Linz zu 3 Monaten Arrest verurteilt. l Kramlinger Heinrich, Schlossergehilfe, 15. 2. 1916 Steyr geb., deutscher Reichsangehöriger. Er war kommunistischer Verbindungsmann und eine Anlaufstelle für KP-Propagandamaterial, beteiligte sich später selber an der Herstellung solcher Flugschriften und wurde daher wiederholt mit Arrest bestraft. Er ist heute fanatischer Kommunist, der steter polizeilicher Beobachtung bedarf. l Landl Johann, Malergehilfe, 5. 12. 1902 in Gerlitzdorf/Oberdonau geb. Er war Organisationsleiter der KPÖ/Linz, betätigte sich später als Kurier der Die Linzer KPÖ im Widerstand KPÖ und der Roten Hilfe. Wurde von der Poldion Linz 1933 mit 6 Wochen und 1935 mit 6 Monaten Arrests bestraft. Er ist immer noch fanatischer Kommunist, der polizeilicher Beobachtung bedarf. l Neuburger Josef, Schlossergehilfe, 29. 1. 1898 in Linz geb. Er hatte früher in der sozialdemokratischen Partei verschiedene Funktionen inne und schloss sich nach deren Auflösung im Jahre 1934 der kommunistischen Bewegung an. Obwohl er in einem staatlichen Betrieb beschäftigt war, befasste er sich mit der Herstellung und Verbreitung kommunistischer Flugschriften, stand mit Kurieren in Verbindung und wurde daher von der Poldion Linz einige Male in Haft gesetzt. Er ist heute noch Anhänger der kommunistischen Bewegung und bedarf steter Beobachtung. l Nock Karl, Fleischhauergehilfe, 26. 1. 1904 Oberneukirchen/Oberdonau geb. Er hatte in der KP Linz verschiedene Funktionen inne. Er trat als Versammlungsredner auf und befasste sich mit dem Ausbau der komm. Jugendbewegung. l Reindl Karl, Konditorgehilfe, 20.2. 1913 in Linz geb., deutscher Reichsangehöriger. Er ist fanatischer Anhänger der illegalen kommunistischen Bewegung im Gau Oberdonau. Er hat wiederholt an Führerbesprechungen teilgenommen und befasste sich mit der Verbreitung von Flugschriften und wurde von der Poldion Linz mit insgesamt 13 Monaten Arrest bestraft. l Ritter Marie, geb. Reiter, Fabriksarbeiterin, 20. 4. 1893 Bad Ischl geb. Sie gehörte früher der soz. dem. Partei an und hat sich nach deren Auflösung der komm. Bewegung angeschlossen. Ritter gehörte einer komm. Betriebszelle in der Tabakfabrik in Linz an und befasste sich mit der Herstellung und Verbreitung komm. Flugschriften, betätigte sich für die Rote Hilfe, beherbergte in ihrer Wohnung komm. Kuriere und wurde 1936 von der Poldion Linz mit 2 Monaten Arrest bestraft und außerdem von der Tabakfabrik entlassen. Sie ist heute noch Anhängerin der komm. Bewegung und bedarf polizeilicher Beobachtung. l Steyrer Erwin, Mechaniker, 17. 4. 1917 Linz geb. Er war Leiter des ill. komm. Jugendverbandes in Linz, gründete mehrere Zellen und ließ große Mengen Flugschriften herstellen und verbreiten und wurde daher von der Poldion Linz im Jahre 36 zu 6 Monaten Arrest und vom Landesgericht in Linz zu 5 1/2 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Er wurde durch eine Amnestie auf freien Fuß gesetzt und entzog sich 1937 der Militärdienstpflicht und flüchtete nach Spanien, wo er gegenwärtig gegen die nationalspanischen Truppen kämpft. l Strasser Josef, Maurergehilfe, 10. 11. 1890 Audorf/Bezirk Linz geb. Er hat sich stets führend in der komm. Bewegung in Linz betätigt, trat wiederholt als Versammlungsredner auf, war Leiter der roten Arbeiterwehr in Linz, wurde wiederholt in Haft gesetzt, war 1934 einige Monate im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Mit einer Aktivität Strassers ist im Ernstfall unbedingt zu rechnen. l Straßmeier Roman, Schlossergehilfe, 18.8.1916 in Linz geb. Er war Mitglied der illegalen Stadtleitung des komm. Jugendverbandes in Linz, errichtete mehrere Zellen, beteiligte sich an der Herstellung und Verbreitung größerer Mengen komm. Flugschriften und wurde daher von der Poldion Linz mit Arrest und vom Landesgericht Linz wegen Hochverrats zu 5 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Er wurde an einer Amnestie teilhaftig und verbüßte Seite 5 dadurch seine Strafe nicht. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, der steter Beobachtung bedarf. l Teufl Josef, Schlosser, 23. 11. 1904 in Wien geb. Er ließ sich 1934 zum Landesleiter der KPÖ Oberdonau wählen, führte den Decknamen Brand und entfaltete im Gau Oberdonau eine große Organisationstätigkeit. Er stellte verschiedene Gebietszellenleitungen auf, ließ große Mengen Flugschriften verbreiten und wurde daher 1934 von der Poldion Linz mit 6 Monaten Arrest und vom Landesgericht in Linz zu 4 Monaten schweren Kerkers verurteilt. Nach der Strafverbüßung wurde er anschließend im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Teufl ist heute noch fanatischer Kommunist, verhält sich zwar momentan zurückgezogen, doch ist im Ernstfalle mit seiner Aktivität zu rechnen. l Vorauer Maximilian, Hochschulstudent, 16. 2. 1915 Weigelbach. Er ist ein fanatischer Kommunist, stand mit verschiedenen Kurieren in Verbindung, wurde wegen seiner komm. Tätigkeit von der Bezirkshauptmannschaft im Jahr 37 mit 10 Monaten Arrest bestraft und 3 Monate in das Anhaltelager Wöllersdorf abgegeben, 1935 beteiligte er sich an einem komm. Anschlag auf eine Starkstromleitung, wurde deshalb im Kreisgericht von Ried im Innkreis zu 2 1/2 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Mit seiner Aktivität ist im Ernstfalle zu rechnen. l Wagenleitner Alois, Hilfsarbeiter, 1. 10. 1909 in Ried/Innkreis geb. Er war Führer der komm. Bewegung in Ried, ließ Propagandamaterial verbreiten und wurde daher mit 6 Wochen und 3 Monaten Arrest bestraft. Er ist nach wie vor fanatischer Kommunist, der steter polizeilicher Beobachtung bedarf. l Winböck Karl, Maschinenmeister, 18. 9. 1896 in Graz geb. Er war Mitglied der ill. komm. Landesleitung in Oberdonau, beteiligte sich an der Herstellung und Verbreitung großer Mengen kommunistischer Flugschriften und wurde daher von der Polizeidirektion im Jahre 1936 mit 6 Monaten Arrest und vom Landesgericht in Linz wegen Verbrechens des Hochverrats mit 5 Jahren schweren Kerkers bestraft. Durch Amnestien brauchte er seine Strafe nicht vollständig zu verbüßen. Er ist ein unverbesserlicher Kommunist, mit dessen Aktivität im Ernstfalle zu rechnen ist. l Wipplinger Alois, Schlossergehilfe, 11. 6. 1917 St. Florian/Oberdonau geb. Er war Agitator des komm. Jugendverbandes in Linz, verbreitete große Mengen Flugschriften und wurde daher 1936 von der Poldion Linz mit Arrest bestraft. Da er dessen ungeachtet seine KP-Tätigkeit fortsetzte, wurde er 1937 3 Monate im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Er ist heute noch fanatischer Kommunist, mit dessen Aktivität im Ernstfall zu rechnen ist. l Wollersberger Josef, Hilfsarbeiter, 21.4. 1910 Siebach geb. Er hatte in der komm. Bewegung verschiedene Funktionen inne und seit Jahren eine agile Tätigkeit entfaltet. Er verbreitete Flugschriften und wurde wiederholt in Haft gesetzt. Er ist ein fanatischer Kommunist, der steter Beobachtung bedarf und mit dessen Aktivität und eventuellen Aktionen zu rechnen ist. Quelle: Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich, Österreichischer Bundesverlag, 1982 Seite 6 Die Linzer KPÖ im Widerstand Opfer für die Freiheit Nach den keineswegs vollständigen von Prof. Peter Kammerstätter (1911-1993) erstellten Aufzeichnungen sind im Bezirk Linz im Kampf gegen den grünen und braunen Faschismus, als Kämpfer der Roten Armee und im spanischen Freiheitskampf zwischen 1934 und 1945 folgende Mitglieder und FunktionärInnen der KPÖ ums Leben gekommen. l Bauer August, geboren am 15. Juli 1898, Arbeiter der Hermann-Göring-Werken, am 10. Juli 1944 im KZ Flossenbürg ums Leben gekommen l Brunner Franz, geboren am 30. Oktober 1902 in Linz, Arbeiter der Schiffswerft, am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast l Brunner Maria, geboren am 25. November 1903, Hausfrau, am 31. März 1945 im Frauengefängnis Kaplanhof bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen l Erhart Therese, geboren am 27. Juni 1905, Hausfrau, am 1. Mai 1945 in Treffling erschossen l Fuß Johann, geboren am 8. Mai 1899 in Sankt Martin, Werkgehilfe der Eisenbahn, am 25. Februar 1945 bei einem Bombenangriff auf das Polizeigefängnis Mozartstraße während der Untersuchungshaft ums Leben gekommen l Grillmayr Josef, geboren am 15. Juli 1913, Straßenbahner der ESG, am 1. Mai 1945 in Treffling erschossen l Gröblinger Fritz, geboren am 11. Juni 1912, Schlosser, im Herbst 1938 in Spanien auf Seite der Republik gefallen l Grüll Max, geboren am 20. September 1912, Schuhmacher, Arbeiter der Stickstoffwerke, am 19. September 1944 im KZ Mauthausen erschlagen l Hackl Fritz, geboren am 6. August 1908 in Linz, Kellner und Schleifer, Februarkämpfer, Emigration in die UdSSR, Spanienkämpfer, Deckname Franz Toch, am 28. November 1937 in Torralba de Aragon (Spanien) an Typhus gestorben l Hackl Johann, geboren am 31. Juli 1906 in Linz, Chauffeur beim Zeitungsverlag Wimmer, am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast l Haider Ludwig, geboren am 9. August 1885 in Straßwalchen, Lokführer der Eisenbahn, am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast l Haselmayr Franz, geboren am 30. März 1910 in Linz, Hafner, Arbeiter der Schiffswerft, am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast l Häusl Rudolf, geboren am 4. April 1894 in Linz, Werkmeister der Eisenbahn, am 12. Juni 1945 als Folge der Haft im KZ Mauthausen gestorben l Hefner Josef, Verschubmeister der Eisenbahn, am 14. Februar 1945 in Jugoslawien als Partisan gefallen l Hehenberger Karl, geboren am 21. Oktober 1896, Straßenbahner der ESG, am 1. Mai 1945 auf dem Truppenübungsplatz Treffling erschossen l Hoffmann Johann Ing., geboren am 18. Mai 1897, Angestellter der Hermann-Göring-Werke, im April 1945 im KZ Flossenbürg ums leben gekommen l Kainz Franz, geboren am 28. August 1898, EBG-Arbeiter, am 18. September 1944 im KZ Mauthausen ums Leben gekommen l Königslehner Anna, geboren 1900, im Frauengefängnis Kaplanhof am 31. März 1945 bei einem Bombenangriff ums leben gekommen l Kriegner Franz, geboren am 10. Dezember 1913 in Böhmisch-Hörschlag, Schmied der Schiffswerft, am 13. März 1945 im KZ Mauthausen ums Leben gekommen l Kühberger Rudolf, geboren am 27. Februar 1901, Arbeiter der Tabakfabrik, am 22. Jänner 1945 im KZ Mauthausen ermordet l Ladislav Karl, geboren am 11. September 1924, Sohn von Anna Haider, 1943 bei einem Partisaneneinsatz in der Sowjetunion ums Leben gekommen l Landl Johann, geboren am 5. Dezember 1902 in Gerlitzdorf, Malergehilfe, Organisationsleiter der KPÖ und Roten Hilfe l Leeb Franz, geboren am 30. September 1901, Arbeiter der Schiffswerft, am 20. Februar 1945 im KZ Mauthausen ums Leben gekommen l Maritschnig Franz, geboren am 6. März 1900 in Plaun, Arbeiter der Schiffswerft, am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast l Mayer Franz, geboren am 26. Mai 1914 in Linz, gefallen bei den Februarkämpfen am 12. Februar 1934 am Römerberg l Mitter Friedrich, geboren am 3. Mai 1913, Schutzbündler, Februarkämpfer, Emigration in die CSR und UdSSR, Spanienkämpfer, 1939 in Spanien auf Seite der Republik gefallen l Mitter Josef, geboren am 21. Jänner 1903 in Linz, Buchhändler, in Spanien auf Seite der Republik gefallen l Mittermayr Josef, geboren am 8. März 1901, Schlosser, Februarkämpfer, Emigration in die UdSSR, Spanienkämpfer, gestorben während der Blockade in Leningrad l Müller Hugo, geboren am 30. Dezember 1910, Neffe von Richard Bernaschek, Arbeiter der Tabakfabrik, im Juli 1944 bei einem Partisaneneinsatz in der Sowjetunion ums Leben gekommen l Obermayr Heinrich, geboren am 16. Jänner 1901 in Linz, Angestellter der Tabakfabrik, am 28. April 1945 im KZ Mauthauser ermordet l Pfob Karl, geboren am 23. Juni 1912, Angestellter der Spatenbrotwerke, 1938 in Spanien auf Seite der Republik gefallen l Pollhammer Stefan, geboren am 12. Dezember 1906 in Linz, Maler bei der Eisenbahn, am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast l Prischl Karl, geboren am 16. Jänner 1895, Gemeindebediensteter, am 15. September 1942 im KZ Ravensbrück ums leben gekommen l Rackwetz Theodor jr., geboren am 25. Jänner 1925, zusammen mit seinem Vater in der Sowjetunion als Partisan gefangen und am 14. Oktober 1938-1945 1944 im KZ Mauthausen hingerichtet l Rackwetz Theodor, geboren am 21. September 1901, Lithograph beim Gutenberg-Verlag, beim Partisaneneinsatz in der Sowjetunion gefangen und am 14. Oktober 1944 im KZ Mauthausen hingerichtet l Rader Karl, geboren am 21. April 1898 in Reichenau, Elektroschweißer in der Schiffswerft, Obergefreiter, am 28. April 1945 erschossen l Reindl Karl, geboren am 20. Februar 1913 in Linz, Konditor, Lokführer bei der Eisenbahn, am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast l Robl Heinrich, geboren am 8. Jänner 1913, 1942 als emigrierter Schutzbündler bei der Verteidigung von Leningrad gefallen l Schachinger Rudolf, geboren am 20. Jänner 1910, Schlossergehilfe, Februarkämpfer l Schmelensky Anton, geboren am 22. Mai 1905 in Linz, Arbeiter der Tabakfabrik, am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast l Stadler Josef, geboren am 27. Dezember 1908 in Linz, Tischlermeister, Unteroffizier, am 26. April 1945 im KZ Mauthausen ermordet l Stark Max, geboren am 6. Dezember 1911, Gemeindebediensteter, 1939 in Spanien an der Seite der Republik gefallen l Steidl Karl, geboren 1910, im Herbst 1941 als Angehöriger der Roten Armee von der deutschen Wehrmacht erschossen l Teufl Josef, geboren am 23. November 1904 in Linz, Schlosser der Steyr-Werke und später Tabakfabrik Linz, ab 1933 Landesobmann der KPÖ, ab 1934 Mitglied des ZK der KPÖ, am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast l Thallinger Willibald, geboren am 23. November 1911, am 1. Mai 1945 auf dem Truppenübungsplatz Treffling erschossen l Tschofenig-Taurer Gisela, geboren am 21. Mai 1917, wohnhaft in Linz-Kleinmünchen, Reichsbahnangestellte, am 27. April 1945 im Lager Schörgenhub erschossen l Weigl Franz, geboren am 30. November 1905, wohnhaft in Linz-Sankt Magdalena, 1938 in Spanien auf Seiten der Republik gefallen l Wipplinger Alois, geboren am 25. Juni 1906, Arbeiter der Schiffswerft, am 2. März 1945 im KZ Mauthausen ums Leben gekommen l Zinner Cäcilia, geborene Schnitzler, geboren am 15. November 1896 in Großraming, Schneiderin, am 1. Mai 1945 in Treffling erschossen l Zivny Franz, geboren am 26. Mai 1907 in Linz, Hilfsarbeiter, Spanienkämpfer, ging von Spanien aus in die UdSSR, im November 1941 in Charkov von der Gestapo erschossen 1938-1945 Die Linzer KPÖ im Widerstand Seite 7 Kommunistischer Widerstand gegen den Hitlerfaschismus Dem Nazi-Terror die Stirn geboten… Die KPÖ war als erste Partei schon am 27. Mai 1933 vom Dollfuß-Regime verboten worden und seither illegal tätig. Dadurch war sie auch von parlamentarischen Illusionen befreit und konnte den Charakter des Faschismus sehr realistisch einschätzen. Dies ermöglichte ihr maßgeblich, den Aufstand des Republikanischen Schutzbundes in Linz am 12. Februar 1934 zu beeinflussen. Durch das Versagen der Führung der Sozialdemokratie wurde dieser letzte verzweifelte Versuch den Faschismus zu verhindern durch die Übermacht von Bundesheer und Austrofaschismus niedergeschlagen. KPÖ nach 1934 im Aufschwung Mit der Ausschaltung der parlamentarischen Demokratie und der Arbeiterbewegung wurde dem Austrofaschismus und damit letztlich auch der Okkupation Österreichs durch den Hitlerfaschismus der Weg geebnet. Nach dem Februar 1934 gab es einen Zuzug vieler enttäuschter Sozialdemokraten zur KPÖ, die in der Folge gerade in der Illegalität deutlich erstarkte. Hatte die KPÖ 1933 in Oberösterreich 570 Mitglieder, so waren es 1935 bereits 2.200. Die KPÖ entfaltete aber im illegalen Kampf gegen den Ständefaschismus von 1934 bis 1938 eine große Aktivität und erreichte dabei eine führende Rolle. Sowohl in der Zeit des Austrofaschismus als auch später unter dem unvergleichlich brutaleren Nazi-Faschismus war die KPÖ stets bemüht unter Beachtung der Regeln der Konspiration und des illegalen Kampfes eine flächendeckende Organisationsstruktur mit Verbindungen zur Zentrale und ins Ausland aufrechtzuerhalten. Eine Generalprobe für den vom Faschismus geplanten Krieg war der Bürgerkrieg in Spanien von 1936 bis 1939. Auch aus Oberösterreich kämpften zahlreiche Kommunisten dort an der Seite der Republik gegen den von Deutschland und Italien unterstützten Faschismus. Ideologische Basis des Widerstandes Für den kommunistischen Widerstand gegen den Hitlerfaschismus waren politisch zwei Aspekte wesentlich. Georgi Dimitroff formulierte die 1935 vom 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale bestätigte Analyse des Faschismus als ”am meisten terroristische Form der Herrschaft des Finanzkapitals” und der daraus abgeleiteten Notwendigkeit einer breiten Volksfront im antifaschistischen Kampf. Ebenso wichtig war aber auch die im Auftrag der KPÖ von Alfred Klahr 1937 verfasste Arbeit ”Zur österreichischen Nation”, mit der erst eine in- tensivere Auseinandersetzung mit dem weitverbreiteten ”Anschlussgedanken” erfolgte und eine Mobilisierung gegen die sich abzeichnende Annexion Österreichs erfolgte. Ganz in diesem Sinne führten Vertreter der KPÖ im März 1938 Verhandlungen mit dem Arbeiterkammer-Sekretär Alfred Maleta über die Zusammenarbeit bei der Abwehr des ”Anschlusses” und verlangten die Bewaffnung der Arbeiterschaft. Und so ist auch der Aufruf des ZK der KPÖ gegen die Okkupation zu verstehen. Breiter kommunistischer Widerstand Der Historiker Helmut Konrad bestätigt in einer Zusammenfassung des Widerstandes in Oberösterreich ein ”deutliches Übergewicht der Kommunisten”. Wie wichtig der kommunistische Widerstand in Oberösterreich war, wird auch aus den Akten der Gestapo deutlich. In einem Bericht unmittelbar nach dem ”Anschluss” im März 1938 sind namentlich 41 KommunistInnen erfasst, bei 36 von ihnen erfolgt die stereotype Einschätzung ”fanatischer Kommunist”, ”bedarf steter Beobachtung” und mit ihren Aktivitäten sei ”im Ernstfall zu rechnen”. Bei den 59 in einem eigenen Verzeichnis erfassten Sozialdemokraten haben nur 10 eine derartige ”Würdigung” erfahren. Aus Gestapo-Berichten von 1939 und 1941 wird deutlich, dass fast nur KommunistInnen Widerstand leisteten, wobei die Auslegung des Begriffes ”kommunistisch” von der Gestapo freilich eher großzügig erfolgte. Das verwundert auch insoferne nicht, als etwa den Revolutionären Sozialisten (RS) 1938 von ihrem Zentralkomitee empfohlen wurde, ihre Aktivitäten für drei Monate einzustellen, weil Widerstand sinnlos sei. Das hatte freilich auch ideologische Hintergründe, weil seitens der RS nach wie vor das Fernziel einer gesamtdeutschen Revolution verfolgt und der Kampf für ein eigenständiges Österreich als nicht sinnvoll erachtet wurde. Reorganisierung der KPÖ Nach dem erfolgten ”Anschluss” Österreichs an Hitlerdeutschlands erfolgte 1939 eine Reorganisation der KPÖ im nunmehrigen Reichsgau ”Oberdonau”. Franz Haider war Verbindungsmann zu Willi Schmidt in Wien. 1940 erfolgte eine neuerliche Umstrukturierung durch Bildung einer Landesleitung, die sich aus Sepp Teufel, Franz Haider, Karl Reindl, Franz Haselmayr, Max Grüll und Elisabeth Rechka zusammensetzte und deren Verbindungsmann zum ZK der KPÖ Erwin Puschmann war. Nach der Verhaftung Franz Haiders wurde 1941 die Landesleitung nach Wels verlegt und von Hermann Höllermann, Karl Scharrer, Karl Mischka und Ludwig Hartl gebildet, die später alle von den Nazis ermordet wurden. Die Zentren des kommunistischen Widerstandes gegen den Hitlerfaschismus lagen in Linz, Steyr, Renner und Innitzer begrüßten freudig den “Anschluss” Wels, dem Salzkammergut und im Bezirk Vöcklabruck. Darüber hinaus gab es vereinzelten Widerstand seitens der KPÖ auch in anderen Bezirken und Gemeinden des Landes. Bedeutend war auch der Widerstand in wichtigen Betrieben, vor allem bei der Reichsbahn sowie bei den zu den ”Reichswerken Hermann Göring” gehörenden den Eisenwerken in Linz und den Steyr-Werken. In Oberösterreich verloren ungefähr 160 KommunistInnen ihr Leben im Kampf gegen den Nazi-Faschismus, sei es in Gefängnissen und Konzentrationslagern, im Kampf der spanischen Republik oder in den Reihen der alliierten Armeen. Viele Beispiele des Widerstandes Es gibt viele herausragende Beispiele des Widerstandes gegen den Terror des Hitler-Regimes. Sie zeigen, dass es auch einen anderen Weg gab als den des Mitläufertums, den die meisten ÖsterreicherInnen gingen, wie die mehr als 99 Prozent Ja-Stimmen vom April 1938 zum Ausdruck brachten. So wurde der langjährige Landesobmann der KPÖ, Sepp Teufl, noch wenige Tage vor der Befreiung im Lager Mauthausen ermordet. Zwei Steyrer Kommunisten, Franz Draber und Sepp Bloderer, gelang sogar die Flucht aus der Todeszelle des Zuchthauses Stadlheim in München. Ein wichtiges Beispiel des Widerstand und Zeugnis von großem Humanismus zeigte auch die Familie Breirather aus Sierning mit ihrem Einsatz für das Roma-Mädchen Sidonie Adlersburg. Als ”Welser Gruppe” wurde von der Gestapo die 1942 nach Wels verlegte Landesleitung der KPÖ eingeordnet, die weitreichende Verbindungen nach Linz, Steyr und in das Salzkammergut hatte. Unter kommunistischer Führung gelang es ihr zahlreiche antifaschistische Aktivitäten zu entfalten. Durch die Verletzung der notwendigen Konspiration gelang es der Gestapo jedoch ihre Spitzel in diesen Kreis einzuschleusen und Dutzende AntifaschistInnen zu verhaften und zu ermorden. Seite 8 Partisanenbewegung im Salzkammergut Eine große Bedeutung erlangte die Widerstandsbewegung im Salzkammergut, die von Sepp Plieseis und Alois Straubinger - der eine aus einem Nebenlager des KZ Dachau in Hallein, der andere aus dem Gefängnis in Wels ausgebrochen - organisiert wurde. Zahlenmäßig ist diese Widerstandsund Partisanenbewegung nicht genau festzulegen, weil das Netz der Verbindungsleute sehr groß war. Die Verankerung des Widerstandes im Salzkammergut war so tief, dass auch verhältnismäßig wenig AntifaschistInnen vom Nazi-Regime gefasst werden konnten. Im Salzkammergut, einschließlich dem Ausseerland, verfügte die Widerstandsbewegung schon 1944 über rund 300 Anlaufstellen. Die Stadt Bad Ischl wurde praktisch von der Widerstandsbewegung befreit. Die Bewegung war auch entscheidend an der Rettung der Kunstschätze im Altausseer Salzbergwerk beteiligt. Frauen - als Beispiel seien Resi Pesendorfer, Marianne Feldhammer und die ”Partisanenmutter” Maria Sams genannt - hatten großen Anteil an der Bewegung. ”Keine aufbauwilligen Kräfte...” Noch in den letzten Tagen des Krieges, Ende April 1945 wurden auf ausdrücklichen Befehl von Nazi-Gauleiter August Eigruber im KZ Mauthausen zahlreiche Antifaschisten, darunter vor allem KommunistInnen wie Sepp Teufl, Alois Welischek und andere, ermordet. Begründet wurden diese Mordbefehle damit, dass die Alliierten ”keine aufbauwilligen Kräfte vorfinden” sollten. Ebenso wurden in Treffling (Gemeinde Engerwitzdorf) noch in den letzten Kriegstagen am 1. Mai 1945 zahlreiche Widerstandskämpfer, darunter ebenfalls namhafte KommunistInnen, ermordet. ”Eigenen Beitrag” ernstgenommen Zusammenfassend zeigt der in Oberösterreich entfaltete kommunistische Widerstand gegen den Hitlerfaschismus, dass die KPÖ die Perspektive nie in einer Versöhnung mit den Henkern der Demokratie und Arbeiterbewegung und mit den Totengräbern der Selbständigkeit Österreichs sahen. Sie ließen sich auch vom größten Terror nicht entmutigen, immer wieder aufs Neue in verschiedenen Formen Widerstand gegen das ”braune Regime” zu entfalten. Die KPÖ hat damit den Auftrag der Alliierten in der ”Moskauer Deklaration” vom Juli 1943, die Wiederherstellung eines unabhängigen Österreich als eines ihrer Kriegsziele werde von einem ”eigenen Beitrag” Österreichs zu seiner Befreiung abhängig sein, ernst genommen. Die Linzer KPÖ im Widerstand 1938-1945 Josef Teufl, KPÖ-Landesobmann von 1933-1945: Ein kämpfender Antifaschist ”Genosse Teufl wurde im Lager oft vernommen. Die Vernehmung durch den Gestapomann Pötscher war für ihn stets eine große Gefahr. Einmal, als er wieder gerufen wurde, sagte er mir: ”Heut muß ich wieder zum Pötscher gehen, wenn ich nicht zurückkommen sollte, macht es weiterhin richtig.” Wenn er wieder zurückkam, war immer sein Gesicht geschwollen und sein Rücken zerschlagen. Aber er machte sich nicht viel daraus. Gewöhnlich sagte er: ”Wenn man kämpfen will, muß man hart sein und im Kampfe liegt das Leben. Wenn wir auch sterben müssen, wir wissen doch, wofür wir gestorben sind.” Diese Worte eines mitgefangenen Augenzeugen im KZ Mauthausen charakterisierten einen Mann, der gegen grünen und braunen Faschismus gekämpft hatte und ganz kurz vor der Befreiung im Jahre 1945 sein Leben lassen mußte. Gemeint ist Josef Teufl, von 1933-45 Landesobmann der oberösterreichischen KPÖ. Teufl (er wird irrtümlich manchmal auch Toifl geschrieben) wurde am 24. November 1904 in Wien als Sohn eines Musiklehrers und einer Krankenschwester geboren. Er besuchte Volks- und Bürgerschule und lernte in den Jahren 1919-22 den Schlosserberuf in der Lokomotivfabrik Krauß in Linz. Von 1926-29 war er in den Steyr-Werken beschäftigt, ab 1929 war er Maschinenschlosser in der Linzer Tabakfabrik. 1927 hatte er geheiratet, er hatte zwei Kinder. Seit 1933 KPÖ-Landesobmann Schon in Steyr Kommunist geworden, wurde ihm nach dem Parteiverbot 1933 die Funktion eines Landesobmannes der KPÖ übertragen. Im September 1933 fand im Gasthaus Neuwirth auf der Gis (Gemeinde Lichtenberg) eine illegale Landeskonferenz der KP mit rund 40 Teilnehmern statt, darunter eine starke linke sozialdemokratische Gruppe unter Leitung des späteren Landesobmannes der KPÖ, Franz Haider. Schon vor den Ereignissen des Februar 1934 spielte Teufl eine maßgebliche Rolle. Am 9. Mai 1933 wurde er gemeinsam mit 40 anderen Kommunisten und Linken verhaftet. Im Herbst 1933 trat er bei einer SP-Vertrauensmännerkonferenz im Theresiensaal als Gegenredner zu Otto Bauer auf und prangerte dessen Beschwichtigungstaktik an. Im Dezember 1933 vermittelte er die Kontakte des illegal unter dem Decknamen ”König” als Instrukteur in Linz weilenden ZK-Mitglieds Simon Kompein zum Schutzbund-Kommandanten des Abschnitts Franckviertel Franz Kaltenböck. Die Kämpfe des 12. Februar 1934 machte Sepp Sepp Teufl, Landesobmann der KPÖ Teufl aktiv beim Wirtschaftshof mit. Wenige Tage nach den Kämpfen leitete Teufl illegale Flugblattaktionen in Linz. Eine illegale Landeskonferenz der KPÖ im August 1934 in Walding mit rund 40 Teilnehmern bestätigte Teufl als Landesobmann. Als solcher bemühte sich Teufl vor allem in ”Einheitskonferenzen” in Linz und Gmunden um gemeinsame Aktionsausschüsse mit Sozialdemokraten und Schutzbündlern. Illegale antifaschistische Arbeit Der 12. Parteitag der KPÖ im September 1934 an dem er wegen seiner Verhaftung nicht teilnehmen konnte, wählte ihn zum ZK-Mitglied. 1934 lehnte er das Angebot in die Schweiz in die Emigration zu gehen ab und blieb in Österreich. In den folgenden Jahren gab es ständig Verhaftungen, sodass die illegale Landesleitung ständig umgruppiert werden mußte. Teufl war jedoch als Landesobmann stets Mitglied der engeren Führung der Landespartei. Die illegale antifaschistische Arbeit Teufls wird durch mehrere Berichte der Polizei belegt. So heißt es in einem Bericht der Bundespolizeidirektion Linz vom 23. September 1934, Teufl habe drei Monate zuvor den arbeitslosen Buchdrucker Klee mit der Einrichtung einer kommunistischen Meldestelle betraut, er habe sich am 8. September 1934 mit dem arbeitslosen Maschinenschlosser Lang und am 11. September mit Friedrich Kammerer in einer Schrebergartenhütte zu illegalen Besprechungen getroffen. Teufl wurde dann auch am 12. September 1934 in der Wohnung Klees verhaftet, im Protokoll der Polizei heißt es, ”... er repräsentiert die derzeitige illegale Leitung der KP Oberösterreichs.” Besonderer Vorwurf der Polizei an Teufl: Er 1938-1945 habe mit antifaschistischen Kreisen in der CSR, u.a. mit Richard Bernaschek, in Verbindung gestanden. Im Bericht der Polizei vom 18. Jänner 1935 wird Teufl gemeinsam mit 11 weiteren beschuldigt, an der Herstellung der illegalen Zeitschriften ”Rote Front” und ”Roter Rebell” mitgewirkt zu haben und des Hochverrats angeklagt. Ergänzt wird Teufls ”Sündenregister” im Bericht vom 16. September 1934 um die Beschuldigung, dass er etwa im März 1932 in der Tabakfabrik eine kommunistische Betriebszelle errichtete. Teufl war von 1932 bis zur Auflösung der Freien Gewerkschaften im Jahre 1934 Vertrauensmann der Tabakarbeitergewerkschaft gewesen. Vom Landesgericht Linz wurde er am 28. März 1935 zu vier Monaten schweren Kerker verurteilt. Die Verfolgung durch die Austrofaschisten wurde nach der Okkupation 1938 von den Nazis nahtlos fortgesetzt. Die Gestapo berichtet In einem Bericht der Gestapo vom 16. August 1938 heißt es: ”Teufl… ließ sich 1934 zum Landesleiter der KPÖ Oberdonau wählen, führte den Decknamen Brand und entfaltete im Gau Oberdonau eine große Organisationstätigkeit. Er stellte verschiedene Gebietszellenleitungen auf, ließ große Mengen Flugschriften verbreiten und wurde daher 1934 von der Poldion Linz mit 6 Monaten Arrest und vom Landesgericht Linz zu 4 Monaten schweren Kerker verurteilt. Nach der Strafverbüßung wurde er anschließend im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Teufl ist heute noch ein fanatischer Kommunist, verhält sich zwar momentan zurückgezogen, doch ist im Ernstfalle mit seiner Aktivität zu rechnen.” Nach der Besetzung wurde Teufl daher auch ständig von der Gestapo überwacht. Er wurde nicht zum Wehrdienst eingezogen, weil man seine Aufklärungsarbeiten unter den Soldaten fürchtete. Trotz Überwachung unterbrach er seine illegale Tätigkeit nicht. In einem Rohbau richtete er eine illegale Druckerei ein, schrieb selbst Flugblätter und druckte sie. 1940 bildete sich eine neue Landesleitung der KP, deren Vorsitzender wiederum Teufl war. Am 9. September 1944 gelang es der Gestapo durch Mithilfe eines Spitzels seiner habhaft zu werden und Teufl wurde gemeinsam mit etwa 100 anderen Antifaschisten verhaftet und ins KZ Mauthausen eingeliefert. Der erwähnte Mitgefangene erzählt: ”Teufl war einer der besten Organisatoren im Lager. Er stellte innerhalb des Lagers Gruppen auf, die die Aufgabe hatten, günstige Gelegenheiten für den Ausbruch aufzuspüren. Er teilte Leute ein, die damit betraut waren, die Beobachtung draußen vorzunehmen, herauszubekommen, was bei der SS vorgeht, ob die Straßen belegt sind, was für Fahrzeuge sich draußen befinden und vieles mehr. Er schulte auch die Gruppen, mit denen er politisch arbeitete. Vor seiner Ermordung organisierte er einen Ausbruch. Er wurde leider durch Schwerverbrecher, die schon lange im Lager waren und Hilfsdienste für die SS Die Linzer KPÖ im Widerstand machten, verhindert.” Vor allem aber war es die eigene Schwäche die den Ausbruchsversuch letztlich scheitern ließ. Die Torturen der SS Wie Richard Dietl, ein anderer Mitgefangener zu Protokoll gab, wurden Teufl und mehrere im September 1944 inhaftierte Antifaschisten von der SS im Steinbruch des KZ schikaniert, mußten sehr schwere Steine über die berüchtigten 187 Stufen der Todesstiege schleppen, wobei mehrere von ihnen erschossen wurden, als sie zusammenbrachen. Eine andere Tortur der SS war, dass man die Gefangenen drei Nächte und vier Tage ohne zu essen, trinken und die Notdurft verrichten zu können, mit den Zehenspitzen und Kopf in strammer Haltung an der Mauer stehen ließ, um Geständnisse zu erpressen, wobei ebenfalls mehrere Häftlinge erschlagen wurden. Teufl und einigen anderen malte die SS mit roter Farbe drei Kreuze auf den Rock, was so viel zu bedeuten hatte wie ”Du kehrst nicht zurück.” Der Eigruber-Befehl Seite 9 Brief aus Mauthausen ”Wenn die Ereignisse so forttreiben wie gerade jetzt, so hoffe ich auf ein recht baldiges Wiedersehen. Wir alle befinden uns hier in Höchstspannung. Meine Rechnung geht jetzt bis zum ersten Mai.” Sepp Teufl am 30. März 1945 in einem aus dem KZ Mauthausen geschmuggelten Brief. Teufl wurde am 28. April 1945 ermordet. Kommunisten machen. Auch sie soll stark sein und sich von nichts abbringen lassen. Unsere Idee muß weitergetragen werden. Sag meiner Frau, dass sie nicht traurig sein soll, denn ich sterbe für unsere Idee. Viele von uns sind gestorben und vielleicht werden noch viele sterben, aber wir leben trotzdem, denn der Geist, den wir Kommunisten wachgerufen haben, wird sich immer weiter verbreiten.’ Bald darauf wurde Genosse Teufl von mir getrennt und ein paar Tage später erfuhr ich, dass er in der Gaskammer ermordet und schon begraben sei. Es waren nur wenige Tage vor unserer Befreiung. Es war unserem Genossen Teufl nicht mehr vergönnt sie zu erleben.” An das Andenken Sepp Teufls erinnert in Linz die nach ihm benannte Teuflstraße am Bindermichl. Vom 27. - 29. April 1945 wurde auf ausdrücklichen Befehl des Nazi-Gauleiters August Eigruber im KZ Mauthausen eine große Gruppe von oberösterreichischen Antifaschisten, darunter Sepp Teufl und Richard Bernaschek, ermordet. In dem Befehl hieß es ausdrücklich, die einrückenden alliierten Truppen dürften keine aufbauwilligen Kräfte vorfinden. Der einzige der dem Massaker entkam, war Richard Dietl aus Wels. Der erwähnte Augenzeuge berichtete: ”Ich war bis zur letzten Minute bei ihm. Er hatte die geballten Fäuste in der Tasche, schaute gegen die Sonne und sagte: ‘Bertl, die Sonne sehe ich heute nicht mehr untergehen, es gibt keinen Ausweg mehr. Macht es gut und lasst Euch nicht weich machen. Erzählt meiner Frau, wie ich gelebt habe im Lager und wie ich gestorben bin. Sie soll meine Tochter und meinen Sohn richtig erziehen. Besonders den Die berüchtigte Todestiege im Konzentrationslager Mauthausen mit ihren Buben soll sie zu Stufen war ein Martyrium für die Häftlinge, wenn sie Steine über diese Trepeinem richtigen pe schleppen mußten. Seite 10 Die Linzer KPÖ im Widerstand 1938-1945 Das Leben des Max Grüll (1912-1944) Von einem seltenen Optimismus erfüllt Max Grüll, Sohn eines Bäckergehilfen, der mit seinem kargen Verdienst nicht einmal den Hunger seiner 18köpfigen Familie stillen konnte, wurde am 20. September 1912 in Linz geboren und lernte fortan das bittere Los eines armen Arbeiterkindes kennen. Noch während des Besuchs der Volks- und Bürgerschule trat er in die Reihen der organisierten Arbeiterbewegung, gehörte zu den Roten Falken, zur SAJ, zum Wehrsport und zu den Jugendordnern des Republikanischen Schutzbundes. Er erlernte das Schusterhandwerk und wurde daraufhin arbeitslos. Dennoch verstärkte er seine politische Tätigkeit und bekleidete verschiedene Funktionen, die er stets mit größter Gewissenhaftigkeit, Verlässlichkeit und Begeisterung ausübte. Überdies war er ein hervorragender Sportler, Wanderer und Bergsteiger. Beim Februaraufstand Am 12. Februar 1934, als sich die österreichische Arbeiterschaft dem heranstürmenden Heimwehr-Faschismus entgegenstellte, war Max Grüll in den vordersten Reihen der kämpfenden Arbeiter. Er beteiligte sich als Mitglied einer Schutzbund-MG-Abteilung bei der Verteidigung der Linzer Eisenbahnbrücke. Peter Kammerstätter war dort als Posten eingeteilt und erinnerte sich: ”Ich sah den Maxl, mit welchem großen Ernst und Schnelligkeit er beim Aufstellen des MG und der Schutzvorkehrungen mitwirkte.” Wegen seiner Teilnahme am Februaraufstand mußte er eine längere Zeit im Kerker verbringen. Auf Grund des Verrats der SP-Parteiführung während der Februarereignisse zog Max persönliche Konsequenzen und trat der KPÖ, dem KJV bei und überführte eine Reihe von SAJ-Gruppen zum KJV. Im September 1934 gab es eine große Verhaftungswelle in Oberösterreich. Max übernahm daraufhin die Herstellung von unterbrochenen Verbindungen, vertrieb illegale Broschüren, wirkte bei der ”Roten Hilfe” mit und leitete schließlich die Herstellung der oberösterreichischen KJV-Zeitung ”Roter Rebell”. Max verstand es, die politische Arbeit in legale Jugendorganisationen und Klubs zu verlegen und wurde schließlich Hauptverantwortlicher für Jugendarbeit in der oberösterreichischen Partei. 1936 neuerlich verhaftet Durch einen Polizeispitzel verraten, wurde Max 1936 wieder verhaftet und, um ein Geständnis zu erpressen, von der Polizei schwerstens misshandelt, so dass er wochenlang nicht gehen konnte und sein Kopf von eiternden Wunden bedeckt war. Trotzdem blieb Max standhaft und verriet keinen der Genossen, die mit ihm zusammengearbeitet hatten. Nach neun Monaten Haft endlich entlassen, setzte er seine illegale Tätigkeit unerschrocken fort, wurde neuerlich verhaftet, mußte aber schließlich doch wieder freigelassen werden. 1937 kam seine Frau Anny von Wien nach Linz. Nach dem Einmarsch Nazideutschlands in Österreichs wurde die illegale antifaschistische Arbeit noch erheblich gefährlicher. Max jedoch wurde wiederum verantwortlich für die Jugendarbeit der Partei. Er wurde Mitglied des ZK des KJV und der Landesleitung der oö. KPÖ. Max Grüll bekam eine Arbeitsstelle in der Konsum-Genossenschaft, daher arbeitete er auch aktiv im GÖC-Club, einem legalen Konsum-Jugendklub, unter dessen Deckmantel sich vor allem junge Kommunisten und Sozialisten organisierten. Außerdem wurde er Wanderwart und Leiter der Linzer Gruppe des Touristen-Club. Max nützte alle Möglichkeiten und Gelegenheiten, um gerade in dieser schweren Zeit neue Kader für die Partei und den KJV zu bilden. Diese wurden bei geheimen Zusammenkünften auf Berghütten und Ausflügen systematisch geschult. 1941 wurde seine Tochter Hermine geboren. Außerdem fing er in der Personalabteilung der Stickstoffwerke in Linz zu arbeiten an. Auch dort beteiligte er sich sofort am Aufbau einer neuen Betriebsgruppe, die ein Teil der sogenannten ”Welser Gruppe”, dem größten oberösterreichischen Widerstandskreis, dem auch führende linke Sozialdemokraten und faktisch das gesamte Aktiv der oberösterreichische KPÖ angehörten, war. In den Stickstoffwerken hatte Max auch Möglichkeiten, mit Fremdarbeitern in Verbindung zu kommen und war bis zu seiner Verhaftung mit Tschechen in engem Kontakt. Max schrieb an seiner eigenen Biographie, einer Erzählung mit dem Titel ”Die Geschichte des kleinen Sepperl”, die er auf Grund seiner Verhaftung nicht beenden konnte, die aber dennoch eindrucksvoll das harte Leben armer Arbeiterkinder beschreibt. Häftling Nummer 97.019 Am 10. September 1944 infolge einer Denunziation von der Gestapo verhaftet, wurde Max mit der Häftlingsnummer 97.019 in KL Mauthausen eingeliefert. Dort wurde er am 19. September bei einem Verhör unter unsäglichen Foltern und Qualen langsam und bestialisch ermordet. Wie tapfer und standhaft sich Max Grüll gehalten hat, beweist eine Erklärung des politischen Leiters der Gestapo im KL Mauthausen, der seiner Frau Anny wörtlich sagte: ”Alle Achtung vor ihrem Mann. Was wir mit ihm auch getan haben, er hat die Zähne zusam- Max Grüll (1912-1944) mengebissen und kein Wort gesagt, nicht einmal seinen Namen.” Max Grüll war von einem seltenen Optimismus an die Jugend und eine sozialistische Zukunft erfüllt, zu seiner Frau sagte er kurz vor seiner Verhaftung: ”Ich freue mich über die politische Entwicklung in der Jugendbewegung. Ich weiß, dass es vorwärts geht. Ich bin stolz, dass ich Kommunist sein kann. Mir ist klar, dass ich, wenn mich die Gestapo erwischt, mit meinem Leben abschließen muß. Wenn ich auch ein Opfer der Hitlerschergen werden sollte, unsere Arbeit war nicht umsonst, sie wird ihre Früchte tragen und am Ende steht der Sieg unserer Idee, des Sozialismus.” Quelle: Peter Kammerstätter, Ansprache bei der Enthüllung der SAJ-Gedenktafel im KZ Mauthausen, 1991 Die Bilanz des Nazifaschismus l 2.700 ÖsterreicherInnen wurden hingerichtet l 16.100 ÖsterreicherInnen starben in Gestapohaft, Zuchthäusern und Gefängnissen l 16.500 Österreicherinnen starben in Konzentrationslagern l 65.459 österreichische Juden wurden ermordet l 24.300 ZivilistInnen sind bei Luftangriffen oder Kriegshandlungen umgekommen l 247.000 zur Wehrmacht eingezogene Österreicher sind gefallen oder dauern vermisst 1938-1945 Die Linzer KPÖ im Widerstand Seite 11 Erinnerung an Gisela Tschofenig-Taurer Wenige Tage vor Kriegsende in Mauthausen ermordet Zeugen nicht ”beweiskräftig”? Franz Haselmayers Kampf Beim Studium des amtlichen Werkes ”Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934 bis 1945” fällt auf, dass ein markanter Name darin überhaupt nicht vorkommt, nämlich der von Gisela Tschofenig, geborene Taurer. Gisela Taurer entstammte einer Kärntner Eisenbahnerfamilie, wurde am 21. Mai 1917 geboren und kam mit ihren Eltern 1935 nach Linz. Sie arbeitete schon in der Schuschnigg-Zeit illegal in der kommunistischen Jugend und nach dem ”Anschluss” für die KPÖ. 1944 wurde sie in Kärnten verhaftet und nach Linz ins berüchtigte Frauengefängnis Kaplanhof gebracht. Dort machte sie den Bombenangriff vom 31. März 1945 mit, bei dem zahlreiche Frauen ums Leben kamen. Bei den Verhören, zu denen sie ins Lager Mauthausen gebracht wurde, hat man ihr schon angedroht, sie werde ihren damals vierjährigen Sohn nicht mehr sehen. Ihre Freundin Therese Reindl, die mit Gisela die letzten Wochen der Haft teilte, berichtete, dass in der Nacht vom 27. auf 28. April 1945 im Lager Schörgenhub, wohin die Frauen vom Kaplanhof gebracht worden waren, Gisela Tschofenig-Taurer zusammen mit der Welser Kameradin Höllermann aus der Baracke geholt wurde, Gisela habe ihr noch zugeflüstert: ”Jetzt ist es so weit.” An den Schuhen erkannt… In der Nacht hörten die Frauen mehrere Schüsse vor dem Lager fallen. Am nächsten Tag hat Frau Reindl bemerkt, dass ein weiblicher Kapo die Bergschuhe von Gisela getragen hat, mit denen sie in Kärnten verhaftet worden war. Frau Reindl war auch dabei, als kurz nach der Befreiung die Grube geöffnet wurde, in der insgesamt sechs Leichen lagen, darunter die von Gisela und Frau Höllermann. Bei Gisela fehlten die Schuhe. Obwohl es also über den Tod von Gisela Tschofenig-Taurer nicht den geringsten Zweifel geben kann, wurde sie nicht in das amtliche Verzeichnis der Opfer aufgenommen, weil die SS zu diesem Zeitpunkt in Schörgenhub keine Totenbücher mehr geführt hat. Die Unterlassung der zusammenbrechenden Verbrecherorganisation gilt also bis zum heutigen Tag mehr als die Aussagen von Zeugen über diesen Tod für die Freiheit Österreichs. Soll das etwa die Aufarbeitung der Geschichte sein, wenn heute noch das Nichtzeugnis der SS mehr gilt als das Zeugnis von Mitkämpferinnen der Ermordeten? Franz Haselmayer wurde am 31. März 1910 in Linz geboren. Er besuchte die Volksund Bürgerschule, erlernte das Hafnerhandwerk. Seit der frühesten Jugend war er bei den Kinderfreunden in der SAJ, Obmann der Ortsgruppe Ost in Linz und Mitglied der Bezirksleitung der SAJ. Haselmayer war bei den Jugendordnern, einer Unterorganisation des Schutzbundes. Er beteiligte sich am Aufstand des Republikanischen Schutzbundes am 12. Februar 1934 im Gebiet des Wirtschaftshofes. Nach dem 12. Februar 1934 wurde er Mitglied des KJV und besuchte die ehemaligen SAJ-Gruppen in Linz und Steyr, die er zu gewinnen versuchte, was ihm auch gelang. tatkräftige Unterstützung zu bieten. Viele Kommunisten, die damals in den Kerkern und Konzentrationslagern schmachteten, berichten, dass der Franz ihnen und ihren Familien in dieser harten Zeit oft und oft geholfen hat. Er hat sich verheiratet mit M. Rinnerberger und im Oktober 1941 wurde seine Tochter Ingrid geboren. 1944 wurde er wieder zur Wehrmacht nach Krems eingezogen. Eines Tages aber ereilte ihn selbst das Schicksal, Deckname Fred Kunst Als seine Tätigkeit durch die Nachforschungen der Staatspolizei erschwert wurde, wurde er nach Wien berufen und war in verschiedenen Bundesländern unter dem Namen Fred Kunst tätig. Er besuchte dann die Lenin-Schule in Moskau. 1937 kehrte er zurück, arbeitete als Instruktor und wurde Mitglied des ZK des KJV Österreich und war auch Mitglied der KPÖ-Landesleitung von Oberösterreich. Dann wurde er 1938 bei einer Jugendschule auf dem Feuerkogel verhaftet. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten arbeitet er beim Arbeitsdienst und kam dann in die Schiffswerft in die Schweisserei, wo er angelernt wurde. Die Linzer Gestapo hat am 8. August 1938 auch von Franz Haselmayer einen Bericht an die Zentralstelle nach Berlin übermittelt, in dem es heißt, er sei Hafnergehilfe, am 30. März 1910 geboren. Er stehe mit dem ZK der KP in Wien in Verbindung, war mit Personaldokumenten auf den Namen Anton Martin ausgestattet, reiste von 1934-38 in Österreich als kommunistischer Agitator, wurde am 12. Februar 1938 in einem kommunistischen Schulungslager von der Polizeidirektion Linz festgenommen. Eine Bestrafung sei nicht erfolgt, weil er einer Generalamnestie teilhaftig wurde. Er sei nach wie vor ein ”fanatischer Kommunist”, verhalte sich aber ”gegenwärtig zurückgezogen”. Illegaler Organisator Haselmayer wurde zum Militärdienst eingezogen. Im Jahre 1940 kehrte er vom Militär wieder an seinem Arbeitsplatz in die Schiffswerft zurück und begann sofort die illegalen Betriebsorganisationen in Linz, Steyr und anderen Orten von Oberösterreich zu betreuen. Außerdem aber sah er es als seine Pflicht an, den Kommunisten und Antifaschisten zu helfen, den Kriegsgefangenen der Roten Armee und den ausländischen Zwangsabeitern wie viele vor ihm. Durch einen Gestapospitzel war seine illegale Gruppe verraten worden. Franz wurde in Krems von der Militärpolizei verhaftet, in Garnisonarrest in Linz abgegeben. Die Gestapo forderte ihn sofort an und brachte ihn am 25. November 1944 in das KZ Mauthausen, wo er die Häftlingsnummer 102.516 bekam. Die Weisung des Gauleiters Bei den durchgeführten Verhören war er schrecklichen Quälereien ausgesetzt. Er wurde mit 41 Oberösterreichern, alle Angehörige der ”Welser Gruppe”, auf Befehl des damaligen Gauleiters von Oberdonau, Eigruber, mit der Erklärung, die Alliierten sollten ”keine aufbauwilligen Kräfte vorfinden” am 28. April 1945 in der Gaskammer erstickt. Es war die letzte Vergasung im KZ Mauthausen. Sein Leben war erfüllt von der Liebe zu den Menschen und vom Glauben an die Jugend und die Arbeiterklasse und an den Sieg des Sozialismus. Für ihn wie für viele andere gilt die auf einer Gedenktafel im KZ Mauthausen festgehaltene Ausspruch eines ehemaligen griechischen Häftlings: ”Vergiss uns nicht, die wir hier getötet wurden, denn das Vergessen des Bösen ist die Aufforderung zu seiner Wiederholung.” Quelle: Peter Kammerstätter, Ansprache bei der Enthüllung der SAJ-Gedenktafel im KZ Mauthausen, 1991 Seite 12 Die Linzer KPÖ im Widerstand 1938-1945 Noch in den letzten Tagen wurde in Treffling ermordet Hinrichtung von WiderstandskämpferInnen am 1. Mai Buchstäblich bis zum letzten Tag seines Bestehens wütete das Naziregime in Hitlers Heimatgau Oberdonau gegen alle Gegner. Noch am 1. Mai 1945, als der Osten Österreichs schon seit rund drei Wochen befreit und am 27. April 1945 in Wien die 2. Republik und damit das Wiedererstehen eines unabhängigen Österreich proklamiert worden war, wurden auf dem Truppenübungsplatz in Treffling zahlreiche WiderstandskämpferInnen kaltblütig ermordet. Darunter befanden sich auch die KommunistInnen Josef Grillmayr, Karl Hehenberger, Willibald Thallinger und Cäcilie Zinner. In einer Anklageschrift des Oberreichsanwaltes beim Nazi-Volksgerichtshofes vom 21. Dezember 1944 wurde Cäcilie Zinner gemeinsam mit Aloisia Höglinger, Friederike Buchacher und Josef Stammler angeklagt vom Herbst 1943 bis August 1944 ”kommunistischen Hochverrat” durch Unterstützung des Deserteurs und Kommunisten Ludwig Telfner als Gründer und Führer der nach dem 1934 in Wien hingerichteten Februarkämpfer benannten kommunistischen Brigade ”Münichreiter” begangen und ”wehrkraftzersetzende Äußerungen” getan zu haben. Laut Anklageschrift war Cäcilie Zinner durch die Hinrichtung ihres Mannes zu einer fanatischen Gegnerin des NS-Regimes geworden und hatte vor allem Verbindungen zwischen WiderstandskämpferInnen hergestellt und Geld zur Unterstützung von Widerstandskämpfern und Opfern des NS-Regimes gesammelt. Außerdem hatte sie rote Armbinden, Blusen und Selbstbinder mit Sowjetstern sowie Hammer und Sichel genäht, offenbar in der Hoffnung auf die nahe Befreiung und als Vorbereitung für den organisierten Widerstand. Vorgeworfen wurde ihr weiters eine Äußerung, derzufolge sie bedauerte, dass das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 durch Stauffenberg mißglückt war. Im Zusammenhang mit der Gruppe ”Münichreiter” standen auch Karl Hehenberger und Josef Grillmayr, die in einem Artikel des Nazi-Fachblattes ”Volk und Recht” vom 2. März 1945 als besonders exemplarische fälle von Widerstand gegen das NS-Regime genannt wurden, weil sie ”dem deutschen Volk in den Rücken gefallen” sind, womit die Schlussfolgerung gezogen wurde: ”Der Volksgerichtshof rechnet in Linz mit ehrvergessenen Schurken ab.” Insgesamt standen 18 Angeklagte in diesem ersten Prozess wegen ”kommunistischem Hochverrat” in Linz überhaupt vor Gericht, weil sie im Sommer 1944 versucht hatten unter Anleitung des aus Innsbruck stammenden Telfner eine kommunistische Organisation aufzuziehen. Hehenberger wurde vor allem zur Last gelegt Telfner Unterschlupf gewährt zu haben und ihm ”Gesinnungsgenossen zuführte” und Geld für den Widerstand zur Verfügung stellte. Grillmayr wurde vorgeworfen sich an den ”Umtrieben Telfners” beteiligt zu haben, obwohl zwei seiner Brüder an der Ostfront gefallen waren. Neben Telfner wurden am 23. Februar 1945 vom Linzer Volksgerichtshof bei diesem Prozess Grillmayr, Hehenberger und Zinner zum Tode verurteilt. Die Verurteilung der drei KommunistInnen erfolgte beim ”Freistädter Prozess” im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Gruppe ”Freies Österreich” um den Krankenkassenangestellten Ludwig Hermentin, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Diese Gruppe war über ganz Oberösterreich verstreut, hatte ihren Mittelpunkt aber in Freistadt. Im Oktober 1944 waren die Gestapobeamten Haller und Prohaska nach Freistadt gekommen und hatten sich Hermentin und anderen Personen als ”Mitglieder der neuen Landesregierung” vorgestellt und sich dabei des Häftlings Willibald Thallinger bedient. Als sie diese Provokation nicht zur Anzeige brachten, wurden sie verhaftet, insgesamt wurden über hundert Verhaftungen vorgenommen und acht WiderstandskämpferInnen angeklagt und zum Tode verurteilt. Thallinger war im Herbst 1944 verhaftet worden, ihm wurde vorgeworfen, ausländische Radiosender zu hören und Ausländer finanziell und mit Lebensmitteln zu unterstützen. Nach seiner Verhaf- Dieser Obelisk am Linzer Barbarafriedhof erinnert an die in Treffling ermordeten WiderstandskämpferInnen. tung wurde er am 17. Oktober 1944 in das Gestapo-Lager Linz-Schörgenhub überstellt und von dort aus von Haller als Lockvogel für Hermentin missbraucht. Am 1. Mai 1945 wurden insgesamt 12 WiderstandskämpferInnen von Linz nach Treffling gebracht und dort erschossen, das Exekutionskommando bestand aus 16- bis 17-jährigen Burschen. Quelle: Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945, Österreichischer Bundesverlag, 1982 Gedenkstein für die am 1. Mai 945 auf dem Truppenübungsplatz Treffling erschossenen WiderstandskämpferInnen. 1938-1945 Die Linzer KPÖ im Widerstand Vom linken Sozialdemokraten zum Landesobmann der KPÖ Widerstandskämpfer und Kommunist Franz Haider wurde am 11. September 1907 in Linz geboren. Sein Vater Franz Haider war ein aus Ansfelden gebürtiger Bauernknecht, Zimmermann und später Oberbauarbeiter bei der Bahn, seine Mutter Maria Haider, geborene Müller war ein aus Saxen gebürtiges Hausmädchen und später Tabakarbeiterin, beide waren ab 1905 Mitglieder der Sozialdemokratie. Franz Haider besuchte bis 1921 die Volks- und Bürgerschule und begann nach einem Zwischenspiel als Hüter und Stallbursche bei einem Großbauern 1922 eine kaufmännische Lehre bei der EBG, wo er dann bis 1925 als Angestellter tätig war. Zwischen 1925 und 1927 war er Oberbauarbeiter bei der Bahn und 1927 am Streik gegen das Schattendorf-Urteil beteiligt. Das Abblasen dieses Streiks durch die SPÖ-Führung wirkte auf ihn wie auch andere junge Sozialdemokraten niederschmetternd und sie begannen die Politik der SPÖ-Führung mit kritischen Augen zu betrachten. Von 1927 bis 1934 war Haider Magistratsangestellter im städtischen Gaswerk. Von früher Jugend auf war Franz Haider in der sozialdemokratischen Bewegung tätig, in der Gewerkschaftsjugend und als Wehrturner im Schutzbund, von 1927 bis 1933 war er Mitglied der SPÖ. Vor allem aber machte er sich als Sportler mit hervorragenden Leistungen einen Namen. Bereits 1928 wurde er Sportwart des ATSV-Linz und gehörte ab 1931 dem Ausschuss dieses Vereins an. 1931 verlor er bei einem tragischen Bergunfall am Monte Rosa (Schweiz) durch Erfrierungen Finger und Zehen, wodurch seine aktive Sportlaufbahn been- det wurde, er jedoch weiterhin als Sportfunktionär tätig war. Der gescheiterte Heimwehrputsch von 1931 war für die Wehrturner Anlass zu erhöhten Anstrengungen zur Verteidigung der Demokratie, wobei die jungen Sozialisten in den führenden Schutzbundfunktionären Richard Strasser, Richard Bernaschek und Otto Huschka Garanten dafür sahen, dass die linken Kräfte im entscheidenden Augenblick richtig handeln würden. Die beharrliche Aufklärungsarbeit des Kommunisten Heinrich Frauenberger bei den Wehrturnern war jedoch der Ausgangspunkt für ein erwachendes Interesse von Haider und anderen an der Politik der Sowjetunion. Gegen einigen Widerstand innerhalb der SPÖ im März 1933 nahm Haider an einer internationalen Konferenz der Arbeitersportler teil, deren Ergebnisse er in mehr als 30 Vorträgen propagierte. Bereits 1933 strömte ein Teil der mit der Führung der SPÖ unzufriedenen Arbeiter, vor allem Arbeitersportler sowie sämtliche 300 Mitglieder der sozialdemokratischen ”Arbeiterhilfe” zur KPÖ, obwohl die Kommunistische Partei seit 26. Mai 1933 verboten war. Bei einer Landeskonferenz der KPÖ im September 1933 im Gasthaus Neuwirt auf der ”Gis” (Gemeinde Lichtenberg) nahm eine Abordnung linker Sozialdemokraten unter Führung von Franz Haider teil, die im Verlaufe dieser Konferenz auch offiziell Mitglieder der KPÖ wurden, der Haider schon nach seiner Rückkehr von der Arbeiterdelegation in die Sowjetunion im Mai 1933 beigetreten war. Bereits bei dieser Landeskonferenz wurde Haider Mitglied der KPÖ-Landesleitung und als Agitprop (Verantwortlicher für Agitation und Propaganda) beauftragt. Im Zuchthaus Garsten war Franz Haider inhaftiert und wurde dort im Mai 1945 von Einheiten der US-Armee befreit. Seite 13 Im Vorfeld des Februaraufstandes 1934 trug die KPÖ bewusst die Auseinandersetzung über den einzuschlagenden Weg in die Sozialdemokratische Partei hinein. Dabei spielte auch Franz Haider eine wichtige Rolle. Bei drei großen Vertrauensmännerkonferenzen der SPÖ im Herbst 1933 traten im Theresiensaal Sepp Teufl auf, in Urfahr Felix Brandstätter und in der Dorfhalle in der Franckstraße Franz Haider als kommunistischer Diskussionsredner auf. Der sozialdemokratische Referent in der Dorfhalle war kein geringerer als Otto Bauer und mußte in seinem Schlusswort einräumen: ”Der junge Genosse (nämlich Franz Haider, die Red.) hat zu 99 Prozent recht. Was aber ist dann, wenn das eine Prozent eintritt, dass die Arbeiterschaft die Gefahr noch nicht genug versteht?” Schon am 10. Februar 1934 rief die KPÖ-Zeitung ”Rote Fahne”zum Generalstreik auf. Die KPÖ richtete im Gasthaus ”Zur Stadt Linz” eine eigene Verbindungsstelle ein und Haider hatte Richard Bernaschek vergeblich vorgeschlagen die Leitung des Schutzbundes vom ”Hotel Schiff” in ein illegales Zentrum zu verlegen. Am 12. Februar 1934 meldeten sich viele Kommunisten bei den Sammelplätzen des Schutzbundes und nahmen an den Kämpfen teil, Franz Haider beim Wirtschaftshof, der Diesterwegschule und der Dorfhalle. Die Wehrturnerabteilung des Schutzbundes arbeitete mit der 54. Schutzbundabteilung zusammen, die als radikalste Abteilung galt. Nach der Niederschlagung des Februaraufstandes etablierte sich das austrofaschistische Regime begann für die illegale Arbeiterbewegung Jahre der Verfolgung. Franz Haider wurde aus dem Magistratsdienst entlassen und war ab 1934 Berufsrevolutionär, wobei er die Organisierung der Unterstützung der Februaropfer über die ”Rote Hilfe”, die Gewinnung der enttäuschten SozialdemokratInnen für die KPÖ und die Herausgabe der ”Roten Front” (Auflage 2.500 bis 3.000 Exemplare) als Hauptaufgaben sah. Bei einer Landeskonferenz der KPÖ Ende August 1934 bei dem Kleinbauern Eder in Amberg (Gemeinde Gramastetten) wurde Franz Haider wiederum als Mitglied der Landesleitung gewählt. Am 12. September 1934 wurde Haider verhaftet und zu einer sechsmonatigen Polizeiverwaltungsstrafe verurteilt, aus welcher er am 12. März 1935 entlassen wurde. In einem Bericht der Bundespolizeidirektion Linz vom 23. September 1934 wird Haider im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Franz Sinzinger, Hans Golob, Michael Reisinger und anderen wegen Herstellung und Verbreitung der illegalen ”Roten Front” ermittelt, wobei Haider als ”Lieferant der mit Flugschriftentext versehenen Matrize” fungierte. Am 18. Jänner 1935 mußte die Staatsanwaltschaft Linz jedoch im Zusammenhang mit einer Anklage eines Hochverratsverfahrens die Ermittlungen gegen Haider sowie gegen zahlreiche andere der 55 Angeklagten wegen Mangels an Beweisen einstellen. Am 7. Oktober 1935 erfolgte die Berufung Haiders zur illegalen Inlandsleitung der KPÖ nach Seite 14 Die Linzer KPÖ im Widerstand Franz Haider in den Fängen der Gestapo Wien, vom Februar 1936 bis 1938 absolvierte er ein Studium an der Lenin-Schule in Moskau wo er auch seine spätere Frau Anna Ladislav kennenlernte. Anfang 1938 kehrte er nach Brünn (CSR) zurück und ließ sich dort als österreichischer Flüchtling legalisieren. Zum Zeitpunkt der Okkupation Österreichs durch Nazideutschland im März 1938 war Haider in der Tschechoslowakei und die Gestapo registrierte in einem Bericht vom 2. November 1938, dass Haider als Emigrant in der CSR in verschiedenen Orten an der ehemaligen Grenze des mittlerweile ebenfalls annektierten Sudetenlandes und Oberdonaus neue Kurierlinien aufzubauen bemüht war. 1938 wurde in Wien sein Sohn Helmut geboren. Nach der Okkupation der Tschechoslowakei durch Hitlerdeutschland war Haider in der Grenzarbeit an der tschechisch-polnischen Grenze tätig und wurde am 29. März 1939 verhaftet, von dort nach Dresden und am 4. September 1939 nach Linz überstellt, wo ein später eingestelltes Verfahren wegen Hoch- und Landesverrat eröffnet wurde bis er am 27. September 1939 entlassen wurde. 1939 erfolgte eine Reorganisierung der Landespartei, wobei Franz Haider als Verbindungsmann zu Willi Schmidt in Wien beauftragt wurde. Vom Herbst 1939 bis 1941 war Haider wieder als Angestellter des Gaswerks tätig. 1940 heirateten Franz und Anna Haider, seine Gattin und sein Sohn übersiedelten nach Linz. Im selben Jahr erfolgte eine neuerliche Umstrukturierung durch Bildung einer Landesleitung, die sich aus Sepp Teufel, Franz Haider, Karl Reindl, Franz Haselmayr, Max Grüll und Elisabeth Rechka zusammensetzte und deren Verbindungsmann zum ZK der KPÖ Erwin Puschmann war und mit Gisela Tschofenig-Taurer, die 1945 im Lager Schörgenhub ermordet wurde, zusammenarbeitete. Anna Haider ging zur illegalen Arbeit nach Wien. Am 5. Mai 1941 wurden Franz und Anna Haider in Linz wegen ”kommunistischer Betätigung” verhaftet, sei Frau wurde sofort, Franz Haider am 5. Juni 1941 nach Wien überstellt. Gemeinsam mit Erwin Puschmann, Franz Sebek und Margarethe Schütte-Lihotzky und Karl Lisetz standen beide am 22. September 1942 vor dem 2. Senat des Nazi-Volksgerichtshofes in Wien. Franz Haider wurden die bürgerlichen Ehrenrechte für zehn Jahre aberkannt und er wurde zu 13 Jahren Zuchthaus wegen ”Nichtanzeige eines hochverräterischen Unternehmens” verurteilt. Anna Haider wurde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt und in die Strafanstalt Aichach (Bayern) eingewiesen. Am 3. November 1942 wurde Franz Haider unter der Nummer 391/42 in das Zuchthaus Garsten eingewiesen, wo er gemeinsam mit anderen Widerstandskämpfer – so etwa dem 1996 verstorbenen Raimund Zimpernik – bis zur Befreiung durch die US-Armee im Mai 1945 inhaftiert war. Nach der Verhaftung Franz Haiders wurde 1941 die Landesleitung nach Wels verlegt und von Hermann Höllermann, Karl Scharrer, Karl Mischka und Ludwig Hartl gebildet, die später alle von den Nazis ermordet wurden. Noch im Jänner 1945 wurde Haiders Mutter Maria in Linz von de Gestapo verhaftet, überlebte einen US-Bombenangriff auf das Frauengefängnis Kaplanhofstraße und wurde nach der Befreiung am 3. Mai 1945 aus dem Lager Schörgenhub entlassen. Franz Haider wurde am 7. Mai 1945 aus dem Zuchthaus Garsten entlassen und gelangte über Steyr und Wien Ende Mai nach Linz. Dort übernahm Franz Haider die Funktion als KPÖ-Landesobmann und wurde als solcher vom 13. Landesparteitag am 23./24. Februar 1946 bestätigt, er übte diese Funktion bis zu seinem Tod am 15. März 1968 aus. Ab Juni 1945 fungierte Haider als Herausgeber und Mitarbeiter der KPÖ-Zeitung ”Österreichische Nachrichten”, immer noch illegal, weil in der US-Besatzungszone erst ab 19. September 1945 Parteien und Parteizeitungen erlaubt waren. Im Juni 1945 nahm Haider an Besprechungen der ”Österreichischen Freiheitsbewegung” und der ihr angeschlossenen Widerstandsbewegungen in Ried im Innkreis teil und wurde in deren Landesauschuss gewählt. Im Juni und August 1945 fanden Kontaktgespräche Haiders mit Ludwig Bernaschek über die Gründung einer einheitlichen Arbeiterpartei statt, die jedoch dann von der SPÖ abgebrochen wurden. Im September und Oktober 1945 nahm Haider an der ersten und zweiten Länderkonferenz in Wien teil. Vom 29. Oktober bis 13. Dezember 1945 war Haider auf Grund eines Dreiparteienabkommens zwischen ÖVP, SPÖ und KPÖ kurzfristig Landeshauptmannstellvertreter in der provisorischen Landesregierung. 1938-1945 Die Verfolgung war freilich noch nicht zu Ende. Am 29. Mai 1946 wurde Franz Haider, der auch Herausgeber des Parteiorgans ”Neue Zeit” war, von der US-Besatzungsbehörde festgenommen, angeblich in einem Artikel der ”Neuen Zeit” am 20. Mai ein Ausspruch des US-Leutnants Ryon vorsätzlich falsch zitiert worden war. Am 29. Mai 1946 wurde Haider von einem Militärgericht zu 600 Schilling Geldstrafe und zwei Monaten Gefängnis sowie 600 Schilling Geldstrafe verurteilt, die er in einer Außenstelle des Landesgerichtes Linz absitzen mußte. Vom 16. Dezember 1947 bis 27. Juli 1952 gehörte Haider dem politischen Beirat der Zivilverwaltung Mühlviertel (dieser Teil Oberösterreichs war sowjetisch besetzt und hatte daher eine eigene Verwaltung) an. Vom 15. November 1955 bis zu seinem Tode im Jahre 1968 war Haider auch Gemeinderat von Linz. Bereits 1938 war Haider Mitglied des illegalen Zentralkomitees der KPÖ, dem er offiziell vom 13. Parteitag am 19.-21. April 1946 bis zu seinem Tod im Jahre 1968 angehörte. Von 1949 bis 1951 war er auch Mitglied des Politischen Büros des ZK der KPÖ. Quelle: Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945, Österreichischer Bundesverlag, 1982 Peter Kammerstätter, Haider Franz – Ein Leben im Dienste der österreichischen Arbeiterklasse, Berichte aus seinem Leben, Reden und Aufsätze, 1987 Literatur zum Thema l 60 Jahre KPÖ, 60 Jahre Republik - KPÖ immer für Österreich, Neues Linz, November/Dezember 1978 l Alfred-Klahr-Gesellschaft (Hg.), Ich möchte, dass sie Euch alle immer nahe bleiben, Biographien kommunistischer WiderstandskämpferInnen in Österreich, Alfred-Klahr-Gesellschaft, Wien, 1997 l Ertelt Inge, Meine Rechnung geht bis Anfang Mai, Edition Geschichte der Heimat, Grünbach, 2003 l Kammerstätter Peter, Dem Galgen, dem Fallbeil, der Kugel entkommen, Edition Geschichte der Heimat, Grünbach, 2006 l Slapnicka Harry, Oberösterreich als es ”Oberdonau” hieß, 1938-1945, Landesverlag, Linz, 1978 l Um Oberösterreich, Der 13. oberösterreichische Landesparteitag der KPÖ, Verlag Neue Zeit, Linz, 1946 l Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945, Band 1-2, Österreichischer Bundesverlag Wien, Jugend und Volk Wien-München, Landesverlag Linz, 1982 1938-1945 Die Linzer KPÖ im Widerstand Das Leben des Erwin Steyrer ”Rückkehr unerwünscht” Erwin Steyrer wurde am 17. April 1917 in Linz-Kleinmünchen geboren und entstammt ebenso wie sein Bruder, der spätere SPÖ-Minister und Bundespräsidentschaftskandidat Dr. Kurt Steyrer der Familie des namhaften Sozialdemokraten, Linzer Bürgermeisters und Landeshauptmannstellvertreters Josef Gruber. Erwin Steyrer erlernte den Beruf eines Automechanikers und war schon frühzeitig in der Arbeiterbewegung tätig, unter anderem als ”ein sehr fanatischer Arbeiterturner”, wie er sich selbst bezeichnete. selbst stellte dann eine Art Kapuze über den Kopf dieses Häftlings und brachte ihn so zum Ersticken. Ich wagte kaum noch, hinzusehen, weil ich jederzeit fürchtete, dass diese Bestie auch mich holt.” Trotzdem überlebt… Erwin Steyrer überlebte aber trotz schwerer Verletzungen, an denen er Zeit seines weiteren Lebens litt, den Nazi-Terror und war sofort nach der Befreiung 1945 wieder politisch aktiv. Vom Seite 15 KPÖ-Landesobmann Franz Haider wurde er beauftragt, die Freie Österreichische Jugend (FÖJ) aufzubauen – deren Mitgliederzahl sich bis Ende der 40er Jahre zwischen 12.000 und 8.000 bewegte. Steyrer übte die Funktion des Landessekretärs der FÖJ aus und übernahm nach Absolvierung einer Parteischule das Schulungs- und Agitationsreferat der KPÖ-Landesleitung. Ab 1950 war Steyrer bis zu seiner Pensionierung selbständiger Trafikant. Viele Jahre lang gehörte er auch zu den Funktionären und Aktivisten des KZ-Verbandes. Erwin Steyrer ist nach langer schwerer Krankheit am 6. November 1994 in Linz im 78. Lebensjahr verstorben. Eisenbahner im Widerstand gegen den Hitlerfaschismus Seine Leidenschaft, das Geräteturnen wurde ihm 1933 bei einer Aufnahmeprüfung zum ASKÖ-Stamm zum Verhängnis, bei einem Sturz zerschmetterte er sich die Hand und wechselte daraufhin zum Handball. Am 1. Mai 1933 – öffentliche Maifeiern waren schon verboten – war er bei der Verteilung linker Schriften beteiligt und kam auch mit dem Schutzbund in Kontakt, war für eine aktive Mitgliedschaft aber noch zu jung. Im Zusammenhang mit den Februarkämpfen von 1934 – welche Steyrer im Wirtschaftshof mitverfolgte – wurde er Mitglied der KPÖ. 1936 wurde er zu fünfeinhalb Jahren Kerker wegen “kommunistischer Betätigung” verurteilt, nach seinem Amnestieausriss im Herbst 1936 ging er nach Spanien und kämpfte in den Internationalen Brigaden gegen den Faschismus. Er wurde dort gefangengenommen, wurde in einigen Lagern in Frankreich festgehalten und dann der Gestapo ausgeliefert und kam in das KZ Flossenbürg im Bayrischen Wald, wo er als Häftling in die Kategorie ”Rückkehr unerwünscht” eingestuft wurde. Er berichtet darüber: ”Ich habe von einem Blockschreiber erfahren, dass auf meiner Kartei stand, dass ich nur im Steinbruch beschäftigt werden durfte. Außerhalb des Lagers im Bereich des Krematoriums mußten wir aufgeschichtete, gefrorene Eis- und Erdhaufen aufhacken, auf die andere Seite schaufeln und wenige Tage später mußten wir alles wieder zurückschaufeln. Bei dieser sinnlosen Arbeit habe ich einen Genossen aus Bad Aussee kennengelernt. Wenn ein SS-Führer gekommen ist, dann haben wir den Anschein erweckt, dass wir sowieso in ein paar Tagen hin sein werden. Auf diese Weise hat mich der Genosse eingeschult, wie wir im Laufe des Tages viele Minuten und viel Kraft gewinnen und damit das Leben verlängern konnten. Ich konnte beobachten, wie im Winter ein junger Kommandoführer einen Häftling befahl, sich in den Schnee zu setzen. Daraufhin beauftragte er andere Häftlinge, den ersten im Schnee einzugraben und nur den Kopf herausschauen zu lassen. Den Schnee klopfte er mit der Schaufel nieder. Er ”Zersetzungserscheinungen hervorgerufen...” Der Widerstand der Eisenbahner gegen den Faschismus war in Oberösterreich vergleichsweise geringer als in Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten oder Salzburg. Trotzdem wurden 270 Eisenbahner verurteilt, davon fünf zum Tode. 263 wurden zu Zuchthausstrafen verurteilt oder in Konzentrationslager eingeliefert, davon sind 25 gestorben. Zwei wurden in die Strafdivision 999 eingereiht, davon ist einer gefallen. 340 oö Eisenbahner wurden in das ”Altreich” und 1.064 Eisenbahner in besetzte Gebiete abgeordnet. Auch in Linz bildete sich eine Gruppe des Widerstandes von Eisenbahnern. Im März und April 1943 wurden sieben Bedienstete des Ausbesserungswerkes der Reichsbahn, der späteren Hauptwerkstätte verhaftet. Den Angeklagten Rudolf Häusl (geb. 1894), Johann Streitner (geb. 1894), Karl Kampelmüller (geb. 1895), Franz Prückl (geb. 1898), Josef Heitzinger (geb. 1894), Josef Lehner (geb. 1892) und Alois Pichler (geb. 1892) wurde in der Anklageschrift vom 15. Juni 1943 vorgeworfen, sie hätten ”Zersetzungserscheinungen hervorgerufen” die auf von ihnen verbreiteten Nachrichten des Schweizer Senders Beromünster beruhten. Dadurch machte sich, so die Anklageschrift, im Reichsbahnausbesserungswerk Linz eine „politische Zersetzungspropaganda“ bemerkbar. Die Angeklagten waren früher Mitglieder der SPÖ, Prückl war 1934 aktiver Februarkämpfer und wurde deshalb am 11. Mai 1934 zu vier Monaten schweren Kerker verurteilt. Er war später bei den illegalen Revolutionären Sozialisten (RSÖ) tätig, wobei die Beteiligung an verschiedenen Schmier- und Streuaktionen registriert wurde. Bereits im Sommer 1938 wurde Prückl von der Gestapo verwarnt, nachdem er zweimal durch „staatsabträgliche Äußerungen“ aufgefallen war und im Oktober 1938 wegen Übertretung des Ordnungsgesetzes mit vier Wochen Arrest bestraft. Häusl wurde unter anderem vorgeworfen, er hätte nach der Niederlage der Nazi-Wehrmacht bei Stalingrad im Februar 1943 zu einem russischen Kriegsgefangenen gesagt: ”Servus Genosse, ich stelle mich als Bolschewik Häusl vor”. In der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof am 27. Juli 1943 im Wiener Justizpalast wurden Häusl zu zweieinhalb Jahren, Streitner und Kampelmüller zu je zwei Jahren, Prückl, Lehner und Pichler zu je eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. In einem 1971 erstellten Verzeichnis der politisch gemassregelten EisenbahnerInnen im Zeitraum von 1934 bis 1945 werden für Oberösterreich 67 Personen angeführt, weitere 29 wurden zum Tode oder Zuchthaus verurteilt, 17 davon wurden hingerichtet oder starben im KZ. Darunter befinden sich die Kommunisten Johann Fuß (1899-1944), Ludwig Haider (1885-1945), Rudolf Häusl (1894-1945), Franz Hofmann (1900-1945), Stefan Pollhammer (1906-945) und Karl Reindl (1913-1945). Sie alle wurden im September 1944 – als sich bereits die Endphase des NS-Regimes abzeichnete – verhaftet und in das KZ Mauthausen eingeliefert, wo die meisten auf Grund des Eigruber-Befehls ermordet wurden, damit die Alliierten „keine aufbauwilligen Kräfte“ vorfinden sollten. An Ludwig Haider, Karl Reindl und Stefan Pollhammer erinnert eine Gedenktafel beim ÖBB-Heizhaus in der Heizhausstraße. Nach Ludwig Haider wurde die Haiderstraße im Stadtteil Neue Heimat benannt. Quelle: Friedrich Vogl, Österreichs Eisenbahner im Widerstand, ÖGB-Verlag, 1968 Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich, Bundesverlag, 1982 Seite 16 Die Linzer KPÖ im Widerstand 1938-1945 Resi Reindl steht exemplarisch für die Arbeiterbewegung Ein reiches Leben, trotz alledem Noch wenige Tage vor ihrem Tod hatte Theresia Reindl (geboren 1910, gestorben am 15. April 1989) mit KameradInnen im KZ-Verband über die bevorstehende Befreiungsfeier im KZ Mauthausen gesprochen und gemeint, sie möchte dabei sein ”wenn ich noch einmal hinaufschnaufen kann”. Die KameradInnen hatten sie beruhigt und ihr angetragen, dass man sie selbstverständlich im Auto mitnehmen werde. Aber dann hatte ihr Herz doch nicht mehr durchgehalten und für immer zu Schlagen aufgehört. Mit dem Tod von ”Resi” Reindl war ein Leben zu Ende gegangen, das geradezu exemplarisch für ein Leben im 20. Jahrhundert steht, in einer Zeit der Stürme und ungeheuren Opfer. Und wenn das Herz von Resi Reindl schließlich müde geworden ist, dann sollte bedacht werden, welche gewaltigen Lasten es zu tragen hatte in einem Leben, dessen Spanne nüchtern mit dem Wort Zeitgeschichte höchst unzulänglich umschrieben wird. Theresia Reindl stammte aus einer Arbeiterfamilie, die in ihrer kämpferischen Haltung sozusagen eine Jahrhundertfamilie war und auf die nicht von ungefähr die Literatur über das hundertjährige Bestehen der Sozialdemokratie im Jahre 1989 zurückgreifen mußte, als Beispiel für die heroischen Kampfjahre der alten Arbeiterbewegung. Schon in die Kindheit von Resi Reindl fielen wichtige und tief einschneidende Ereignisse. Der Vater war führend an einem großen Streik der Schiffswerftarbeiter im Jahre 1911 beteiligt und wurde daraufhin gemaßregelt, verlor seinen Arbeitsplatz und wurde aus Linz ausgewiesen. Seine revolutionäre Gesinnung hinderte aber die Militärbehörden keineswegs, eher dürfte sie zur Beschleunigung beigetragen haben, dass der sechsfache Familienvater 1914 sofort einrücken mußte und schon bald in Przemysl gefallen ist. Da existiert noch ein Bild, das die ganze, aber schon vaterlose Familie zeigt, mit Trauerflor im Haar und am Arm, über den Tod des Vaters und die kleine Resi blickt als Kind von etwa fünf Jahren neugierig in die Welt. Die Welt aber, in der sie aufgewachsen ist, war eine Welt des tausendfältigen Sterbens im Krieg, des Hungers, der Wirtschaftskrisen und der Arbeitslosigkeit und der sozialen Unterdrückung. Resi war lange Zeit im Spitalsdienst tätig und lernte auch hier die tragischen Seiten des Lebens kennen. Gleichzeitig war sie, wie die ganze Familie, schon in der Jugend fest in der Arbeiterbewegung verankert. Nach 1934 kam sie zusammen mit ihren Brüdern Alois und Fritz Gröblinger in die KPÖ, der sie dann ein ganzes Leben lang unerschütterlich die Treue bewahrt hat. Die Zeiten waren bewegt und sie waren gefährlich. Ein Bruder ging in die Emi- gration und ist im spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republik und der Freiheit gefallen. Der andere Bruder war ständig verfolgt und vielemale eingekerkert, sie selbst war illegal tätig, leistete wichtige Kurierdienste und war das Verbindungsglied zum unvergessenen in Mauthausen ums leben gekommenen KPÖ-Landesobmann Sepp Teufl. Ihre Schwester kam ins Gefängnis. Für Resi Reindl war das Jahr 1938 und der ”Anschluss” an Nazideutschland nämlich nicht etwas, dem man ”freudig zustimmen” konnte, sondern eine Verschärfung der Gefahren, denn für sie und für alle KommunistInnen lag es auf der Hand, dass Hitler nun mit Volldampf dem Krieg zusteuerte. Zusammen mit ihrem Gatten, dem Lokführer Karl Reindl (geboren am 20. Februar 1913, Konditor, später Lokführer, 1934 wegen Hochverrat verhaftet, 1940 Mitglied der illegalen Landesleitung der KPÖ, am 29. April 1945 auf Weisung von NSDAP-Gauleiter Eigruber im Konzentrationslager Mauthausen ermordet) arbeitete Resi weiter illegal und half mit, ein Netz zu schaffen für den aktiven Widerstand gegen den Krieg und für die Freiheit Österreichs. 1944 wurde sie verhaftet, ebenso wie ihr Mann. Im Frauengefängnis Kaplanhof, wo sich heute die Pädagogische Akademie des Bundes befindet, machte sie den verheerenden Bombenangriff mit, dem zahlreiche Frauen zum Opfer fielen. Und während sie selbst im Lager Schörgenhub schmachtete, wurde ihr Mann Karl Reindl noch am 29. April 1945 auf direkten Befehl des blutbefleckten Gauleiters August Eigruber ermordet. In Schörgenhub war sie die letzte Gefangene, die eine andere tapfere Kämpferin, Gisela Tschofenig-Taurer, lebend gesehen hat, denn am nächsten Tag, nachdem Gisela aus dem Lager gebrach wurde, bemerkte Resi, dass die Aufseherin bereits die Schuhe der Ermordeten trug. Aus solchen grauenvollen Einzelheiten setzt sich Zeitgeschichte zusammen. Es gehört ein großes und starkes Herz dazu, solche Zeiten ohne Licht und Brot durchzustehen, aufrecht, wachsam und geschmeidig zu bleiben, sich selbst treu und seinen Idealen. Wer das alles mitgemacht hat, der braucht wahrlich keine Belehrung über Demokratie und Freiheit, im Gegenteil, sie kann, wie Resi Reindl vielmehr Lektionen darüber erteilen, über Charakterstärke und Pflichterfüllung im Dienste Österreichs und der Arbeiterklasse. Der kämpferische und politische Weg von Resi Reindl ist jedoch nur die eine Seite ihres langen Lebens. Es gilt auch zu würdigen, was für ein guter Mensch sie gewesen ist. Ganze Generationen von einstigen Kindern erinnern sich an sie, als unermüdliche Helferin bei den Kinderland-Erholungsaktionen in Kirchschlag. Sie, die heute selbst schon Frauen und Männer sind, reden Theresia Reindl (1910-1989) von ihr als der berühmten ”Tante Resi”, die mit Strenge und doch unendlich viel Verständnis für die kindlichen Wünsche und Bedürfnisse viele Jahre Klang ihres Amtes gewaltet hat. Alle drei ”Andi” Enkel und Kinder der Nichten hat sie heiß geliebt und sie mit großer Fürsorglichkeit umgeben, wie eine vorbildliche Oma und auch diese einstigen Kinder werden das gute Andenken an Resi weitertragen. Resi Reindl war viele Jahre lang im Bund Demokratischer Frauen tätig, in der Organisation Kinderland und im KZ-Verband. Überall hat sie aktiv mitgewirkt mit Hingabe und sarkastischem Humor. Sie hat gerne gesungen und bis ins hohe Alter Sport betrieben und dabei Erholung gefunden. Trotz der ungemein harten Schläge, die auf sie niedergegangen sind, hat sie sich ein mitfühlendes Herz bewahrt und davon auch immer ihrer Umgebung reichlich und hilfsbereit abgegeben. Es war nicht nur ein hartes und tapferes Leben, das sich in Resi Reindl vollendet hat, sondern auch ein reiches Leben, trotz alledem und alledem. Quelle: Franz Kain, Nachruf beim Begräbnis von Theresia Reindl, 20. April 1989 1938-1945 Die Linzer KPÖ im Widerstand Seite 17 Peter Kammerstätter – namhafter Historiker der Arbeiterbewegung Ein kommunistischer Funktionär mit Überlegung und Umsicht Peter Kammerstätter wurde am 10. Dezember 1911 in Triest als Sohn eines strafversetzten oberösterreichischen Eisenbahners und einer aus der Untersteiermark stammenden Mutter geboren. Im Alter von acht Jahren kam er nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1919 nach Linz, wo er lange als “Zuagroaster”, “Katzelmacher” oder “Italiener” ausgegrenzt wurde, was seine Sensibilität im Umgang mit Minderheiten schärfte. Nach dem Schulbesuch erlernte Kammerstätter den Beruf eines Elektroschlossers. Schon frühzeitig war er in der Arbeiterbewegung organisiert und kam aus der Sozialistischen Arbeiterjugend über die Sozialdemokratische Partei bereits 1933 in die KPÖ, welcher er bis zu seinem Tode am 3. Oktober 1993 angehörte. Bei den Februarkämpfen 1934 meldeten sich auch viele Kommunisten bei den Sammelstellen des Schutzbundes, Kammerstätter war zunächst bei der Verteidigung der Eisenbahnbrücke und anschließend beim Petrinum in Urfahr im Einsatz. Schon unter dem Austrofaschismus übte er wichtige Funktionen für die KPÖ aus und wurde mehrmals verhaftet. In einem Polizeibericht vom 16. September 1935 wird er beispielsweise beschuldigt, den Vertreter des Zentralkomitees Anton Alfons zum Zwecke des Aufbaus einer Verbindung in die Tabakfabrik Kontakt mit der Kommunistin Marie Ritter hergestellt zu haben und wurde dafür zu 6 Monaten Arrest verurteilt. 1938 gehörte Kammerstätter der illegalen KPÖ-Landesleitung an und war in den Tagen vor dem ”Anschluss” Österreichs an Nazideutschland im März 1938 an Kontaktgesprächen der KPÖ mit dem christlichsozialen Politiker Alfred Maleta, damals Sekretär der Arbeiterkammer und nach 1945 ÖVP-Abgeordneter, mit dem Ziel eine Einheitsfront gegen Hitler herzustellen teil. Wie ernst die Gestapo Kammerstätters Widerstand gegen das NS-Regime nahm, wird aus dem ”Verzeichnis oberösterreichischer Kommunisten” erstellt von der Gestapo Linz vom 16. August 1938 deutlich. Darin wird festgestellt, dass er sich an der Herstellung und Verbreitung großer Mengen Flugschriften” beteiligte und ”mit Kurieren in Verbindung” stand und eine Briefanschriftstelle errichtete und wurde daher von der Polizeidirektion Linz im Jahre 1935 mit 6 Monaten Arrest bestraft. Vor allem aber bezeichnete die Gestapo Kammerstätter als einen ”fanatischen Kommunisten, der steter Beobachtung bedarf und mit dessen besonderer Aktivität im Ernstfall zu rechnen ist”. Kammerstätter war allerdings kein Fanatiker, sondern ein “Funk- tionär mit Überlegung und Umsicht”, wie Franz Kain in seiner Grabrede ausführte. Nach Beginn des 2. Weltkrieges auf Betreiben Hitlerdeutschlands wurde er im September 1939 verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht, wo er im Auftrag des Lagerkomitees mit dem ebenfalls inhaftierten späteren Landeshauptmann Heinrich Gleißner Verhandlungen über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit in einem künftigen freien Österreich führte. 1940 kam er wieder frei und wurde unter strenger Überwachung arbeitsverpflichtet. Im Jahre 1945 war Kammerstätter aktiv am Wiederaufbau der Gewerkschaften beteiligt und war KPÖ-Bezirksobmann von Linz, ab 1948 Landessekretär und von 1951 bis 1965 Mitglied des Zentralkomitees. Dabei war ihm immer schon die marxistische Bildungsarbeit – etwa durch den Plan einer großen Parteibibliothek – ein besonderes Anliegen. In besonderer Weise engagierte sich Kammerstätter Anfang der 50er Jahre auch für die Neutralität, zu deren Pionieren und Wegbereitern er gehörte. 1964 legte er seine Funktion als Landessekretär zurück und arbeitete bis zur Pensionierung im Jahre 1971 in einem Voest-Konzernbetrieb, wo er auch zum Betriebsrat gewählt wurde. Ab 1967 begann Kammerstätter unermüdlich Material über die Geschichte der Arbeiterbewegung in Oberösterreich zu sammeln und erwarb sich damit als Historiker der Arbeiterbewegung große Verdienste, er wurde dafür zum Professor und von der Landesregierung zum Konsulenten ernannt und von der Stadt Linz mit der Wissenschaftsmedaille ausgezeichnet. Kammerstätter war auch Präsidiumsmitglied des KZ-Verbandes und jahrelang bei der Internationalen Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung in Linz vertreten. Er war bis zu seinem Tode im Jahre 1993 rastlos und unermüdlich tätig und vermittelte durch seine Tätigkeit für die Volkshochschule, für Jugendgruppen, die Universitäten Linz und Salzburg, mit unzähligen Vorträgen in Schulen sowie Führungen im KZ Mauthausen und “Politischen Wanderungen” zu Schauplätzen von Widerstand und Verfolgung tausenden jungen Menschen Eindrücke über den Faschismus. Kammerstätter hinterließ umfangreiche Materialsammlungen über die Arbeiterbewegung und den Widerstand in Oberösterreich, die den Unterbau für die Arbeiten zahlreicher Historiker bilden. Sein ganzes Leben war den Idealen der Arbeiterbewegung verpflichtet. Maßgeblich arbeitete Kammerstätter an den Publikationen von Harry Slapnicka zur oö Landesgeschichte sowie der Dokumentation “Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945” mit. Peter Kammerstätter (1911-1993) Im Oktober 1996 wurde auf Initiative der Volkshochschule zur Erinnerung an Kammerstätter eine Gedenktafel an der Fassade des Hauses Finkstraße 3 in Linz, in welchem Kammerstätter gelebt hatte enthüllt. Mit diesem Akt wurden die Verdienste Kammerstätters für die Aufarbeitung eines wesentlichen Bereiches der Geschichte der Arbeiterbewegung und des antifaschistischen Widerstandes in Oberösterreich und darüber hinaus gewürdigt. Von bleibendem Wert sind die von Kammerstätter im Eigenverlag herausgegebenen Studien und Materialsammlungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Oberösterreich, die leider nur in kleinen Auflagen erschienen sind: “Der Aufstand des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich. Eine Sammlung von Materialien, Dokumenten und Aussagen von Beteiligten” (1984), ”Der Aufstand des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich am 12. Februar 1934 im Spiegel der Literatur und Lyrik” (1986), ”Dem Galgen, dem Fallbeil, der Kugel, der Gaskammer entkommen” (1989), ”Franz Haider – Ein Leben im Dienste der Arbeiterbewegung” (1987), “Der Todesmarsch ungarischer Juden von Mauthausen nach Gunskirchen im April 1945”. Quelle: In Erinnerung an Peter Kammerstätter, “Antifa-Info”-Sonderausgabe, Herbst Seite 18 Die Linzer KPÖ im Widerstand 1938-1945 Geschichtsbilder die nicht im Lesebuch stehen: ”Nur” lebenslänglich Der Linzer Rechtsanwalt Dr. Siegfried Köhl (geboren 1913 in Königswiesen, gestorben am 25. Dezember 1997 in Linz) nahm bald nach dem ”Anschluss” die illegale Tätigkeit für die KPÖ und die Freiheit Österreichs wieder auf. Er wurde im November 1938 verhaftet und wurde beschuldigt, die Leitung der ”Roten Studenten” innezuhaben und als Instruktor für Oberösterreich zu arbeiten. Er berichtet über seinen Prozess: Jahre Untersuchungshaft wurden nicht angerechnet, also neuneinhalb Jahre. Csarmann bekam zwölf, Müller fünfzehn, Kuhn acht, Kästenbauer fünf Jahre, wobei ihr die Untersuchungshaft nicht angerechnet wurde, und die Friedl Christoph bekam drei Jahre. Wir waren nur deshalb, ohne geköpft zu werden, billiger davongekommen, weil für die Ostmark zum Zeitpunkt unserer Tag noch eine mildere Übergangszeit vorgesehen war, was wir aber damals nicht wussten. ”Im April 1941 knallte die Anklageschrift in meine Zelle. Es tauchte ein amtswegiger Verteidiger auf, der von mir verlangte, ihm aufzuschreiben, was ich zu meiner Verteidigung vorzubringen hätte. Er veranlasste, dass mir ein Schreibzeug zur Verfügung gestellt wurde. Ich verfasste innerhalb eines Tages eine 60 Seiten starke Verteidigungsschrift, die mir aber der Verteidiger als zu umfangreich zurückwarf. Ich dürfte höchstens sechs Seiten niederlegen. Aber auch diese verkürzten Argumente verwendete er dann in seinem Plädoyer nicht. Er meinte nur, an meiner Schuld wäre nicht zu zweifeln, es wäre jedoch mildernd, dass ich noch so jung wäre, die Segnungen der nationalsozialistischen Befreiung der Ostmark noch nicht genießen hätte können und durch das Judentum Wiens verdorben worden wäre. Das Urteil Die Verurteilung stützte sich auf die Paragraphen 80 und 83 des Reichsstrafgesetzbuches, Vorbereitung zum Hochverrat, begangen durch den Versuch, gewaltsam ”die Alpen- und Donaugaue”, das heißt, Österreich vom Großdeutschen Reich loszureissen und die deutsche Regierung zu stürzen. Das war zwar unser politisches Hauptziel gewesen, wie auch die Verhinderung des Krieges, die Wiedererrichtung eines unabhängigen, freien und demokratischen Österreichs, das konnte aber angesichts der Kräfteverhältnisse und aller Umstände nicht Gegenstand eines aktuellen Unternehmens sein. Der Inhalt unserer Schriften und unserer Organisationsformen richteten sich nicht auf Vorbereitungen zu einem gewaltsamen Umsturz. Dazu hätte es selbstverständlich ein ganz anderes Instrumentarium, eine ganz andere Art von Tätigkeit, ein ganz anderes Szenario bedurft. Das war der im Wesen von mir vertretene Rechtsstandpunkt. Der Volksgerichtshof verfolgte hingegen eine ganz andere Verfolgungspraxis und qualifizierte selbst karitatives Verhalten, wie Sammlung für die ”Rote Hilfe”, Geldspenden für Inhaftierte und deren Angehörige, als hochverräterisch. Wie war unser Schicksal hernach? Bruno Dubber verstarb im Zuchthaus Altona-Hamburg 1943, nachdem man ihm eine tödliche Injektion verabreicht hatte. Josef Müller wurde in Zusammenhang mit dem SS-Massaker im April 1945 in Stein erschossen. Leo Kuhn wurde 1944 auf Außenarbeit in eine Außenstelle kommandiert, von dort gegen Kriegsende wegen sogenannter politischer Umtriebe ins KZ-Mauthausen mit dem Tötungsauftrag ”Rückkehr unerwünscht” geschickt, dort aber von Genossen in der Schreibstube anstelle eines wirklich verstorbenen Häftlings als verstorben registriert, und unter dem Namen und der Häftlingsnummer des Verstorbenen weiter geführt, und so vor der angeordneten Liquidierung gerettet. Regina Kästenbauer wurde gemütskrank und verstarb frühzeitig. Wir anderen wurden im Mai 1945 be- freit. Csarmann und ich waren in der Haft schwindsüchtig geworden. Ich selbst hatte mir eine schwere kavernöse Lungentuberkulose zugezogen.” Wehret den Anfängen! Quelle: Kammerstätter Peter, Dem Galgen, dem Fallbeil, der Kugel, der Gaskammer entkommen, Selbstverlag, Linz, 1989 ”Lügenschüppel, Judenknecht...” In der Woche vom 11. bis 17. Mai 1941 wurde unser Volksgerichtshofprozess im großen Saal vom Zweiten Senat verhandelt, der aus dem Vizepräsidenten des VG, einem zweiten Berufsrichter, einem Generalmajor der Polizei und je einem SA- und einem SS-Brigadeführer bestand. Der Saal war voll mit Gestapo-Männern, die offenbar zu Unterrichtszwecken an der Verhandlung teilnahmen. Über uns wurde getrennt verhandelt. Der erste Verhandlungstag in der Sache Dubber endete mit einer unvorstellbaren Erleichterung für uns: Der Hauptangeklagte erhielt nur lebenslänglich. Daher waren unserer aller Köpfe gerettet. Ich trat nun selbstsicher vor die Anklagebank, als mein Verhandlungstag kam. Ich wurde vom Präsidenten, wie üblich, beschimpft, er nannte mich ”Lügenschüppel”, ”Judenknecht” und entzog mir immer wieder das Wort. Mein Vater, der zuhören durfte, war über mein Auftreten entsetzt, weil er es zu keck befand, wie er mir später seinen Eindruck wiedergab. Ich erhielt acht Jahre Zuchthaus, eineinhalb Zuflucht bei den Toten Dr. Köhl entkam am 6. April 1945 in der Strafanstalt Stein nur um ein Haar dem blutigen Massaker der SS, dem 386 Häftlinge zum Opfer fielen. Er berichtet: ”Als mich der Hauptwachtmeister sah, schrie er: da haben wir ja den Kommunistenführer! Ich wurde im Hof einem SS-Offizier vorgeführt, der mich kurz befragte und dann befahl, mich an die gegenüberliegende Mauer zu stellen. Ich wusste, das war das Ende und ging gefasst zur befohlenen Stelle. Als ich mich, an der Mauer angekommen, umdrehte, bemerkte ich, dass die Erschiessungsgruppe ihre Maschinenpistolen neu laden mußte. Blitzschnell entschlossen schleuderte ich die Holzpantoffel weg und sprang in einen nahen offenen Schuppen, in dem Munitionskisten gelagert waren. Gedeckt durch die Kisten lief ich rückwärts hinaus und in einen anderen, weiter weg stehenden offenen Schuppen hinein, in dem ein großes Fass lag. Ich wollte mich darin verstecken. Es war aber schon ein Häftling darin verkrochen. So lief ich hinten wieder heraus und warf mich an der Seitenwand unter ein Gerüst. Schon näherten sich die SSler, ich dachte nur mehr an meine Mutter. Im Schuppen fielen Schüsse und dann entfernte sich die Truppe. Ich kehrte in das Innere des Schuppens zurück. Da lag der Häftling, der im Fass Zuflucht gesucht hatte, erschossen in einer Blutlache. Die SS hatte offenkundig geglaubt, mich erwischt zu haben. Ich schlich dann vorsichtig zum Spitalsgebäude. Vor der rückwärtigen Eingangstür lagen Tote. Ich warf mich zu ihnen, beschmierte mich mit ihrem Blut, stellte mich tot und horchte.” 1938-1945 Die Linzer KPÖ im Widerstand Es dauerte Jahre, bis die Langothstraße umbenannt wurde Die Blutspur wurde aufgedeckt Am 23. Dezember 1985 teilte der damalige Linzer Bürgermeister Schanovsky via „Rathaus-Pressedienst“ der Öffentlichkeit mit, dass die Franz-Langoth-Straße demnächst in Franz-Jägerstätter-Straße umbenannt werde. Allerdings verließ die damals noch absolute SPÖ-Mehrheit gleich wieder der Mut: Die Langothstraße wurde nicht nach dem von den Nazis hingerichteten Innviertler Mesner benannt - der später eine Straße im Stadtteil Sankt Magdalena gewidmet bekam - sondern der politisch „harmlosen“ Kaisergasse angeschlossen. Ungeachtet dessen stellte dieser Schritt einen großen Erfolg eines jahrelangen zähen Kampfes der Antifaschisten und vor allem der Linzer KPÖ dar. Bereits 1977 hatte der damalige Gemeinderat Prof. Franz Kain im Rathaus auf die Herausforderung durch den 1973 erfolgten einstimmigen Beschluss von SPÖ, ÖVP und FPÖ im Stadtsenat, diese Straße nach dem letzten faschistischen Oberbürgermeister, dem SS-Brigadeführer Franz Langoth (1877 bis 1953) zu benennen, hingewiesen. Wegbereiter des Faschismus Auf Einwände über die „Verdienste“ von Langoth wies Kain darauf hin, dass der ehemalige großdeutsche Landeshauptmann-Stellvertreter der 1. Republik ein ausgesprochener Wegbereiter des Faschismus war. Sowohl Gauleiter August Eigruber als auch der Chef des Reichssicherheits-Hauptamtes, SS-Obergruppenführer Ernst Kaltenbrunner, hoben anlässlich der Einsetzung Langoths als Oberbürgermeister von Linz überschwenglich hervor, dass Langoth für die illegale NSDAP in Österreich stets Vorbild und „verlässliche Stütze“ war. Die KPÖ legte auch ein Dokument aus dem Jahre 1919 vor, in welchem Langoth als Landeshauptmannstellvertreter die Bezirkshauptmannschaften aufforderte, „dass die Meldungs-, Passund Aufenthaltsbewilligsvorschriften aufs rigoroseste gehandhabt werden, um gegen kommunistische Agitatoren mit der Abschiebung oder Landesverweisung vorzugehen“. Von Himmler vorgeschlagen Wie hoch das Ansehen Langoths bei den Machthabern des „Dritten Reiches“ war, geht daraus hervor, dass der SS-Reichsführer Heinrich Himmler ihn zum Kommandanten des Konzentrationslagers Sachsenhausen vorschlug und ihn zum SS-Oberführer und später zum SS-Brigadeführer entspricht dem Dienstgrad eines Generals - beförderte. Zur Legende von Langoth als „Retter von Linz“, weil er die Übergabe der Stadt an die US-Truppen angebahnt hatte, ist anzumerken, dass kein einziger Nazi-Oberbürgermeister kämpfend untergegangen ist, weil auch Langoth seine eigene Haut retten wollte. Bei einer Festsitzung zum 40. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus im April 1985 erinnerte GR Kain daran, dass in der Familie seiner Frau und seiner eigenen Familie drei Todesopfer im Kampf um die Befreiung zu beklagen waren. Nach keinem dieser Opfer wurde eine Straße oder ein Platz benannt, wohl aber nach jenem Oberbürgermeister, „der noch amtiert hat, als unsere Verwandten Ende April 1945 in Mauthausen erschlagen wurden. Sie werden verstehen, dass wir über diese Herausforderung nur mit größter Bitternis sprechen können Schmieraktion in den 80er Jahren gegen die Langothstraße. Seite 19 und uns niemals damit abfinden werden!“ Der damalige FPÖ-Stadtrat Seyr und der damalige ÖVP-Vizebürgermeister Hödl - 1987 im Zuge der Waldheim-Affäre durch seinen berüchtigten antisemitischen Brief an Edgar Bronfman, den Chef des Jewish World Council unrühmlich bekanntgeworden - hielten es für angebracht sich demonstrativ zur Langothstraße und zu den „Verdiensten“ des SS-Generals zu bekennen., In der SPÖ war zu diesem Zeitpunkt hingegen bereits eine starke Bewegung zur Umbenennung der Langothstraße entstanden, weil schon seit längerem durch Zeugnisse namhafter Historiker Langoths Tätigkeit am Nazi-Volksgerichtshof bekanntgeworden war. Zunächst war nur aktenmäßig belegt, dass unter Mitwirkung von Langoth der Arbeiter der Hermann-Göring-Werke Stefan Rambausch im November 1943 zum Tode verurteilt wurde, weil er an seinem Arbeitsplatz „lange Zeit hindurch systematisch defaitistische Reden“ geführt hatte. Dann aber wurden aus Potsdam dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) eine große Anzahl von Akten des Volksgerichtshofes übermittelt. Schon eine erste Durchsicht förderte zutage, dass Langoth an der Verhängung von 16 Todesurteilen und der Verurteilung von Widerstandskämpfern zu Zuchthausstrafen von 130 Jahren als Richter beteiligt war. Langoths Opfer… Zu den Opfern gehörten unter anderem der katholische Medizinstudent Gustav Ziegler aus Wien, der einem deutschen Offizier gegenüber Ende 1943 erklärt hatte, dass der Krieg verloren sei. Zu den Opfern gehörten auch die Funktionäre des Kommunistischen Jugendverbandes (KJV), Leopoldine Sicka (geb. 1923), Anna Gräf (geb. 1925), Franz Sikuta (geb. 1921) und Karl Hann (geb. 1924), alle aus Wien, die Flugschriften „teilweise mit defaitistischem Inhalt“ weitergegeben haben und deswegen am 12. Oktober 1943 zum Tode verurteilt wurden. Langoth bekannte sich in seinem Rechtfertigungsbuch „Kampf um Österreich“ ausdrücklich zu den Todesurteilen bei „minderwertigen Subjekten, bei Verrat und Sabotage“. Der Hochverrat an Hitler-Deutschland im Kampf für ein freies und unabhängiges Österreich ist genau ein solcher „Verrat“ auf den sich Langoth bezog. Es dauerte lange, bis die Linzer „Stadtväter“ endlich ihr Festhalten an der Langothstraße aufgaben. Wie aus einem Schreiben von DÖW-Leiter Neugebauer vom 8. Dezember 1985 hervorgeht, waren der Stadt Linz die Akten über Langoths Bluturteile schon monatelange bekannt, bevor der notwendige Trennungsstrich gezogen wurde. Erst nach der Gemeinderatswahl vom Oktober 1985 rang sich die SPÖ-Mehrheit dazu durch - und dann auch nur halb. Die Darstellung der wirklichen Rolle Langoths in städtischen Publikationen fand bis heute nicht statt… Leo Furtlehner Seite 20 Die Linzer KPÖ im Widerstand 1938-1945 Ansprache von GR Prof. Franz Kain im Jahre 1985 ”Niemals damit abfinden werden...“ Bei der Festsitzung des Linzer Gemeinderates am 8. Mai 1985 zum 40. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus führte der damalige KPÖ-Gemeinderat Prof. Franz Kain (1922-1997) aus: Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geschätzte Festgäste, meine Damen und Herren! Die geschichtlichen Ereignisse, deren 40. und 30. Jahrestag wir heute begehen, haben bekanntlich ihre Schatten weit vorausgeworfen. Meine Partei, die Kommunistische Partei Österreichs, hat sich 1938 keineswegs an den Ratschlag der katholischen Bischöfe gehalten, der Auslöschung Österreichs durch Hitler-Deutschland begeistert zuzustimmen. Sie hat sich aber auch nicht an das Bekenntnis eines hohen sozialdemokratischen Führers gehalten, der seinerseits erklärt hatte, er werde zum Anschluss ,freudig mit ja’ stimmen. Unsere Partei hat sich vielmehr noch in der Nacht des Einmarsches der deutschen Truppen in einem Aufruf an die Bevölkerung gewendet, in dem verkündet wurde, dass Österreich wieder frei und unabhängig sein werde. Wir haben den Kampf gegen Hitler nicht erst begonnen, als er im Begriff stand, den Krieg zu verlieren, wir haben ihn schon geführt, als er den Krieg vorbereitet und weil er ihn begonnen hat. Wir haben den Kampf um die Freiheit unseres Landes auch nicht geführt, weil uns irgendeine fremde Macht dazu verpflichtet hätte, wir haben ihn vielmehr geführt auf der Grundlage der Tugenden der alten Arbeiterbewegung: gegen die Kanonenkönige und gegen das mörderische Geschäft des Militarismus, auf uns selbst gestellt und auf der Grundlage nationaler Erkenntnis. Der Oberreichsanwalt in Berlin, der unsere Anklage formulierte, hat dies sehr wohl verstanden und stets als besonders verschärfend hervorgehoben, dass es unser Ziel war, ,die Ostmark vom Reiche loszureißen’. Wir sind stolz auf diesen Tatbestand, und es bedarf für uns keiner Nachhilfestunden im Patriotismus, wir sind vielmehr in der Lage, solche jederzeit zu erteilen. Der Kampf gegen den anfangs übermächtigen Gegner war schwer und ungeheuer verlustreich. Die relativ kleine Kommunistische Partei hat dabei die weitaus größten Opfer von allen Gruppierungen bringen müssen. Allein die Linzer Organisation hat im Kampf für die Freiheit unseres Landes über 50 Opfer zu beklagen, tapfere Frauen und Männer, die die Würde unseres Volkes bis zum letzten Atemzug verteidigt haben. Der österreichische Widerstand, so heldenhaft er auch im einzelnen war, konnte den Durchbruch nicht erzielen. Die Voraussetzung für unsere Wiedergeburt war die Niederlage der Militärmacht des Hitlerfaschismus. Wir wollen auch heute daran erinnern, dass die Völker der Sowjetunion dafür die schwersten Opfer zu bringen hatten. So wie wir im Kampf um die Freiheit nicht gezögert haben, unsere Pflicht zu tun, so haben wir es auch unmittelbar in und nach den Tagen der Befreiung gehalten, gemeinsam mit allen demokratischen Kräften. Auch in Linz haben Kommunisten schwerste Aufgaben übernommen: Genosse Otto Brunn war der erste Ernährungsreferent und Genosse Franz Rammersdorfer der erste Wohnungsreferent in der hungrigen und zerstörten Stadt. Stets waren hervorragende Vertreter des Widerstandes auch unsere Mandatare. Franz Haider war zu zwölf Jahren Kerker verurteilt gewesen. Hans Kerschbaumer hat sechs Jahre im KZ Buchenwald verbracht. Altgemeinderat Alois Wipplinger war schon in der Schuschnigg-Zeit zu einer hohen Kerkerstrafe verurteilt und war zusammen mit dem späteren Bundespräsidenten Jonas im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Keiner von ihnen hat jemals Aufhebens um seine Leistungen gemacht, aber heute soll ihrer ehrend gedacht werden. Auch Altgemeinderat Haunschmid und ich selbst haben unsere Jugendjahre in schwerer Kerkerhaft verbracht und den Krieg beim ,Himmelfahrtskommando’ der Strafbrigade 999 mitgemacht. Großen Weitblick bewiesen… Die KPÖ hat auch beim Ringen um den Staatsvertrag großen Weitblick bewiesen. Während andere Gruppen geglaubt haben, der Staatsvertrag sei als Anhängsel einer Politik der Stärke und damit zu erreichen, haben unsere Abgeordneten im Parlament schon Anfang der fünfziger Jahre die Frage der Neutralität unseres Landes aufgeworfen und wurden dafür als Hochverräter beschimpft. Unbeirrt davon haben wir in Bad lschl schon 1952 eine große Konferenz für Frieden und Neutralität abgehalten. Der Staatsvertrag war dann auch nicht Ausdruck und Ergebnis einer Erpressungspolitik des kalten Krieges, sondern Ausdruck einer Politik der Entspannung. l Wir haben seit den Tagen der Befreiung unerschütterlich an den Wahrheiten festgehalten, die Grundlage und Säulen unserer Unabhängigkeit heute sind und bleiben: l Die Zeit der Besatzung war kein Idealzustand, aber weit schlimmer war die Wolfszeit vorher, die uns ein fürchterliches Erbe hinterlassen hat. l In der antifaschistischen Haltung darf es keine Zugeständnisse geben. l Der alte Faschismus war der Untergang unseres Landes, der neue beschwört schon wieder ernste Gefahren herauf. l Wir sind der Meinung, dass die Unabhängigkeit verbunden sein muß auch mit einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit und dass die Verständigung und nicht die Hetze Richtschnur unseres Handelns sein muß. l Unser Land muß ein Land sozialer Gerechtigkeit sein, eines der Gleichberechtigung der Frau und der Vorsorge für die Jugend und die alten Menschen. l Staatsvertrag und Neutralität sind kein Ruhekissen, sondern Verpflichtung zum Handeln, und dies nicht nur beim ungelösten Minderheitenproblem. In der Familie meiner Frau und in meiner eigenen Franz Kain (1922-1997) war jahrelang das antifaschistische Gewissen des Linzer Gemeinderates haben wir drei Todesopfer zu beklagen, die im Kampf um die Freiheit unseres Landes gefallen sind, einer davon noch am 28. April 1945 im KZ-Lager Mauthausen. Aber die Stadt, in der diese Kämpfer gelebt und gearbeitet haben, hat keine Straße und keinen Platz nach ihnen benannt. Wohl aber eine nach jenem Oberbürgermeister, der in der Zeit noch im Amt war, als in Mauthausen unsere Verwandten erschlagen wurden, nämlich nach jenem Oberbürgermeister Langoth, der den Rang eines SS-Brigadeführers, also eines SS-Generals innehatte. Sie werden verstehen, dass wir über diese Herausforderung nur mit größter Bitternis sprechen können und uns niemals damit abfinden werden. Wir betrachten die Tage vor 40 Jahren nicht als düsteren Zusammenbruch, sondern als Befreiung und hoffnungsvollen Beginn, für den wir schwere Opfer gebracht haben. Die Unabhängigkeitserklärung trägt daher auch mit Recht die Unterschrift unseres langjährigen Parteivorsitzenden Johann Koplenig. Wir bekennen uns zu Staatsvertrag und Neutralität, denn wir haben tatkräftig mitgeholfen sie vorzubereiten. Aber wir verschließen nicht die Augen, auch nicht an dem hohen Festtag, vor den neuen Gefahren. Das große Befreiungswerk ist auch heute, nach 40 Jahren, noch nicht vollendet, nämlich in seinem antifaschistischen Auftrag und dem Auftrag der Friedensförderung auf allen Ebenen. Meine Damen und Herren, die Weltgeschichte überantwortet kleinliche Winkelzüge und opportunistische Manöver dem Vergessen. Was sie aber emporhebt und aufbewahrt im Gedächtnis der Völker, das sind politische Charakterstärke, der Freiheitswille in Zeiten der Unterdrückung, der Kampf für soziale Gerechtigkeit, für Menschenwürde und um den Frieden. Und diesem höchsten Anspruch wollen und müssen wir auch in Zukunft gerecht werden. (Beifall) Quelle: Beilage zum Amtsblatt der Landeshauptstadt Linz, Nr. 5/1985