16. DIE FEIER DER TAUFE Die Sakramente der Kirche begleiten den Menschen in allen seinen Lebensabschnitten. Man spricht daher, dass sie zur Entfaltung und Kräftigung des christlichen Lebens dienen. Viele Religionen kennen Initiationsriten und so kann man auch von der Taufe, als von den drei Sakramenten der christlichen Initiation sprechen. Die anderen zwei Sakramente sind die Firmung und die Kommunion. Das Sakrament der Taufe erhält folgende Namen: 1. Taufe auf griechisch: „baptizein“ = eintauchen. Dieses Eintauchen versinnbildlicht das Begrabenwerden mit Christus, um dann mit ihm aufzuerstehen. 2. Das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung. Es erinnert uns Augustinus mit dem Wort: „ Die Taufe ist das Tor aller anderen Sakramente.“ 3. Die Taufe wird auch Erleuchtung genannt. → Taufkerze Vorzeichen der Taufe im Alten Testament: Es gibt mehrere, aber das wichtigste Vorzeichen ist der Durchzug durch das Rote Meer. In dieser Durchquerung wird der Übergang von der Sklaverei in die Freiheit begangen. Symbole: Das Reich der Sünde und das Reich Gottes (Ägypten und das gelobte Land) Die Taufe im Neuen Testament: Es gibt die Taufe des heiligen Johannes, die aber nicht die ist, die jetzt die Kirche spendet, sondern eine Taufe der Umkehr, ein Bußritus. Christus ist es, der seinen Aposteln in Matthäus 28, 19-20, den Auftrag erteilt: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes; und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ Die Taufe in der Kirche: Schon am Pfingstsonntag heißt es, dass Petrus und die anderen Apostel 3000 Taufen spendeten. Auch der Apostel Paulus taufte immer wieder. So zum Beispiel seinen Gefängniswärter und dessen Familie, die reiche Purpushändlerin Lydia und auch deren Familie – sprich auch Kinder. Man kann mit dem heiligen Augustinus die Taufe folgendermaßen erklären: „ Es tritt das Wort zum Wasser es wird ein Sakrament.“ Die eigentliche Zeremonie der Taufe: 1. 2. 3. 4. 5. Das Kreuzzeichen auf die Stirn des Täuflings. Die Verkündigung des Wort Gottes und das Glaubensbekenntnis. Die Salbung mit Katechumenenöl. Der Exorzismus: Der Zelebrant legt ihm die Hand auf. Die Weihe des Taufwassers ( entweder während der Tauffeier selbst oder in der Osternacht). 6. Die eigentliche Taufe: Das dreimalige Eintauchen in das Taufwasser. 7. Die Salbung mit dem heiligen Chrisam. 8. Das weiße Kleid (der Getaufte hat Christus als Gewand angelegt und wird mit ihm auferstehen). 9. Die Taufkerze (Christus erleuchtet den Neugetauften). 10. Der feierliche Segen. Wer darf taufen? Ursprünglich durfte nur der Bischof taufen, dann wurde das Taufrecht zusätzlich auf Priester ausgedehnt. In einer Notlage darf jeder Mensch taufen, auch wenn er selbst nicht getauft sein sollte. Er muss nur das im Sinn haben, was auch die Kirche mit ihrem Sakrament bezwecken will. Was bewirkt die Taufe Es wird die „Gnadenberaubtheit“ der Natur geheilt (Vergebung der Erbschuld). Es wird uns wieder die Würde der Kinder Gottes zuteil. Heilung meint eine tiefere Wirkung der Gnade als es bei der bloßen Nichtanrechnung dieser Gnadenberaubtheit (Position Luthers) geschieht. Bei Erwachsenen bewirkt das Bad der Wiedergeburt die Erlösung von allen persönlichen Sünden Dem Täufling wird die Fähigkeit mitgeteilt an den dreifaltigen Gott zu glauben, auf ihn zu hoffen und ihn zu lieben. Man nennt diese Fähigkeiten auch eingegossene theologischen Tugenden des Glaubens der Hoffnung und der Liebe . Da die Taufe ein geistiges Prägemal (Charakter) bewirkt, wird die Taufe ähnlich der Firmung und der Weihe nur einmal gespendet. Durch die Taufe wird man in den Stand des allgemeinen Priestertums eingegliedert. Wer darf die Taufe empfangen: Jeder Mensch kann die Taufe empfangen. Bei Kindern müssen die Eltern darum bitten. Die Diskussion, ob dadurch die Freiheit der Kinder eingeschränkt wird, muß unter dem Lichte aller anderen Maßnahmen gesehen werden, die Eltern zum Wohl ihrer Kinder treffen: Erziehung, Namensgebung, Sprachschulung. So versteht man, daß die Taufe als Glaubensgeschenk an die Kinder zu sehen ist. Wie die Kinder damit umgehen, müssen sie dann selbst verantworten. Begriffserklärung Sakrament, (von lateinisch sacramentum: Weihe, zu sacare: einem Gott darbringen), im Christentum Bezeichnung für einen symbolischen Akt, mit dem dem Gläubigen die Gnade Gottes weitergegeben werden soll, wie sie durch Jesus Christus vermittelt wurde. Augustinus zufolge sind Sakramente signa (Zeichen), die sich aus einem Element (etwa dem Wasser bei der Taufe) und dem verbum (dem deutenden Wort) zusammensetzen. Initiation, (von lateinisch initium: Eintritt, Eingang, Anfang), Bezeichnung für alle einführenden Weiheriten. Der Begriff geht auf den Jesuitenmissionar Joseph Lafitau (16811740) zurück, der ihn 1724 für die von ihm bei den Irokesen beobachteten Zeremonien verwendete, um diese mit den Weihehandlungen in antiken Mysterienreligionen zu vergleichen. Ritus, ursprünglich Bezeichnung für eine Handlung mit einer religiösen Zielsetzung, die aus Worten und Gesten besteht und einem festgelegten Ablauf folgt (Zeremonie), der weitgehend unabhängig von zeitlicher und räumlicher Bindung wiederholt werden kann. Augustinus, Aurelius (354-430), abendländischer Kirchenvater und einer der bedeutendsten Kirchenlehrer. Exorzismus (von griechisch exorkízein: beschwören), Ritual zur Austreibung von Dämonen, die von einem Menschen oder Ort Besitz ergriffen haben. Zur Vorbereitung auf das Sakrament der katholischen Taufe wird ein Exorzimusgebet gesprochen. Heiliges Chrisam, ein vom Bischof geweihtes wohlriechendes Öl. Die Salbung mit dem heiligen Chrisam bedeutet, dass dem Neugetauften der Heilige Geist geschenkt wird. Die erste eucharistische Kommunion, das Empfangen der Hostie. Die lateinische Kirche behält den Zutritt zur heiligen Kommunion denen vor, die zum Vernunftalter gelangt sind, bringt aber den Zusammenhang der Taufe mit der Eucharistie dadurch zum Ausdruck, dass das getaufte Kind zum Gebet des Vaterunsers an den Altar getragen wird.