Basiswissen Diabetes mellitus

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Basiswissen
Diabetes mellitus
Schulungsunterlage
www.gesundheit-pflege.at
Basiswissen
Diabetes mellitus
Diese Schulungsunterlage wurde überarbeitet von
Prim. Doz. Dr. Mag. Christian-Heinz Anderwald, MBA
Inhalt
Seite
Ursachen und Selbstkontrolle
2
Medikamentöse Therapiemöglichkeiten
5
Insulinschulung
8
Labor- und Kontrollparameter
13
BMI-Berechnung
13
Hypoglykämie
14
Hyperglykämie
17
Fußpflege bei Diabetes
18
Wundmanagement
19
Essen und Trinken bei Diabetes mellitus Typ-2
21
Ursachen und Selbstkontrolle
Unter Diabetes mellitus, wörtlich übersetzt „honigsüßer Durchfluss“, versteht man die sogenannte „Zuckerkrankheit“. Gemeint ist, dass sich im Blut soviel Zucker befindet, dass er mit dem Urin ausgeschieden wird. Diese
Erkrankung ist bereits seit dem Altertum bekannt. Erst Anfang des vorherigen Jahrhunderts (1909) erkannten die
kanadischen Forscher Banting und Best den Stellenwert des Mangels am Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird, als Ursache dieser Erkrankung.
Diabetes Mellitus Typ-1 und Typ-2
Ungefähr 8 bis 10 % aller Österreicherinnen und Österreicher leiden an Diabetes mellitus, der „Zuckerkrankheit“,
wobei ein Gutteil noch nicht diagnostiziert ist. Wir können verschiedene Formen unterscheiden:
Diabetes Typ-1:
Beginnt zumeist im Kindes- beziehungsweise im Jugendalter. Die insulinproduzierenden Zellen, die sogenannten
Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, werden zerstört. Die Ursache ist eine Autoimmunkrankheit. Krankheitsbeginn ist üblicherweise zwischen dem 1. und 20. Lebensjahr.
Diabetes Typ-2:
Diabetes mellitus Typ-2 ist eine der häufigsten Volkskankheiten und macht den Großteil der Diabetes-Erkrankungen aus. Durch Fettleibigkeit (Adipositas) kommt es zur Insulinresistenz, das heißt zur verminderten Ansprechbarkeit von Geweben und Organen gegenüber Insulin. Zusätzlich besteht ein Insulin-Ausschüttungsdefekt in qualitativer und quantitativer Weise. Dies wird oft nicht erkannt und die Behandlung zu spät eingeleitet. Der Beginn setzt
meistens nach dem 40. Lebensjahr ein. Oft sind schon Spätschäden entstanden (Augen, Niere, Herz-KreislaufSystem).
Pankreopriver Diabetes, im Rahmen des sog. Typ-3-Diabetes:
Diese Form entsteht durch wiederholte Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Durch diese Entzündungen werden die insulinproduzierenden Beta-Zellen zerstört. Ursache dieser Erkrankung sind zum Großteil
Alkoholmissbrauch, aber auch Fettstoffwechselstörungen, vor allem massiv erhöhte Triglyzerid-Werte oder Cortison-Therapien.
2
Das (Kardio-)metabolische Syndrom oder Insulinresistenz-Syndrom
Es existieren unterschiedliche Definitionen, in denen die Kombination von Adipositas (Taillenumfang bei Männern >
94 cm, bei Frauen > 80 cm) mit folgenden zentralen Risikofaktoren als metabolisches Syndrom bezeichnet wird.
Risikofaktoren:
•• Diabetes mellitus, erhöhte Nüchternglukose oder gestörte Glukosetoleranz
•• Fettstoffwechselstörung (Triglyzeride  oder HDL-Cholesterin )
•• Bluthochdruck oder dessen Behandlung
•• Insulinresistenz
Es besteht die Gefahr für Herz-Kreislauferkrankungen. Die Therapie ist eine Umstellung der Lebensgewohnheiten
auf eine gesunde Lebensweise, regelmäßige Bewegung und das Ausschließen von Risikofaktoren sowie gegebenenfalls auch eine medikamentöse Behandlung.
Folgeerscheinungen des Diabetes:
Ein über einen längeren Zeitraum bestehender hoher Blutzuckerspiegel führt zu Schädigungen an sämtlichen
Gefäßen. Viele Diabetikerinnen und Diabetiker entwickeln demnach ein diabetisches Spätsyndrom.
Die häufigsten Spätschäden sind:
•Makroangiopathie:
Erkrankung der großen arteriellen Blutgefäße, die Atherosklerose mit Herzinfarkt, Schlaganfall und Gefäßver schlüsse zur Folge hat
•Mikroangiopathie:
Das ist eine Erkrankung der kleinen arteriellen Blutgefäße. Besonders betroffen sind die Augen mit Erblindung
(Retinopathie) und die Nieren (Nephropathie).
•Polyneuropathie:
Schädigung der peripheren Nerven und damit verbundene Sensibilitätsstörungen, Schmerzen in den Extremitä ten und allgemein verminderte Schmerzwahrnehmung
•Diabetischer Fuß:
Es kommt zu Gewebsuntergang aufgrund von Durchblutungsstörungen oder verminderter Empfindlichkeit von
Schmerz als Warnsignal. Am meisten betroffen sind Zehen und Fersen.
•Erektile Dysfunktion beim Mann:
Potenz ist gestört
Therapiemöglichkeiten
Diabetes ist wie der Bluthochdruck eine Erkrankung, die viel Disziplin und Selbstkontrolle erfordert, um Spätschäden zu vermeiden. Für die Selbstkontrolle werden Sie natürlich weiter unterrichtet und eingehend eingeschult.
Was können Sie selbst tun:
•• Blutzuckerwert nahe am Normalbereich halten
•• Für normalen Blutdruck sorgen
•• Diabetes-Pass führen
•• Sich gesund ernähren
•• Übergewicht vermeiden oder reduzieren
•• Regelmäßige körperliche Aktivität
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3
Selbstkontrollen:
Vorteile durch Selbstkontrollen:
•• Verbesserte Lebensqualität und erhöhte Lebenserwartung
•• Weniger Komplikationen
•• Reduktion von Spätschäden
•• Eigenverantwortung wird gefördert
•• Verminderte Krankenhausaufenthalte
Arten von Selbstkontrollen:
•• Blutzucker (BZ): nüchtern bis 120 mg/dl (6,7 mmol/l) (normal 70 - 100 mg/dl
(eine Stunde danach) zwischen 140 - 160 mg/dl (7,8 - 8,9 mmol/l)
(3,9 - 5,6 mmol/l)),
nach dem Essen
•• Regelmäßige Gewichtskontrolle und Abbau von Übergewicht
Wer soll Blutzucker messen?
Jede Diabetikerin und jeder Diabetiker sollte den Blutzucker kontrollieren.
Wann soll getestet werden?
Ob Sie nüchtern, vor jeder Mahlzeit, 1 - 2 Stunden
nach jeder Mahlzeit oder vor der Nachtruhe messen
sollen, hängt von der antidiabetischen Therapie ab.
Wie soll getestet werden?
Der Test erfolgt mittels Blutstropfen aus der Fingerbeere.
Möglichst den seitlichen Rand verwenden.
Sie benötigen: Stechgerät inklusive Nadel, Blutzuckertestgerät, Teststreifen
Hände waschen (desinfizieren und gut trocknen lassen)
Fingerbeere seitlich einstechen
Blut in ausreichender Menge auftragen
Blutzuckerwert ablesen und im Diabetestagebuch dokumentieren
Diät:
Die Diät sollte in jeder Diabetesbehandlung einen hohen Stellenwert einnehmen. Dazu gehört eine gesunde Vollwertkost. Diabetikerinnen und Diabetiker müssen speziell auf die Kohlenhydratmenge achten, da gerade diese
blutzuckerwirksam sind. Ziel der Diät ist es, Gewicht zu reduzieren (vor allem bei Typ-2-Diabetikerinnen und -Diabetikern).
Diabetikerinnen und -Diabetiker mit Insulintherapie müssen hingegen die Kohlenhydratmenge so genau wie möglich berechnen. Dies geschieht in Broteinheiten (BE).
Eine BE entspricht etwa 10 - 12 g Kohlenhydraten.
Ein normalgewichtiger Erwachsener ohne schwere körperliche Arbeit benötigt etwa 15 - 16 BE pro Tag.
Bewegung:
Eine regelmäßige und effektive Bewegung fördert den Stoffwechsel. Somit wird die Insulinresistenz im Körper
gemindert. Zudem fühlt man sich frischer und verliert zugleich auch an Gewicht.
4
Medikamentöse Therapiemöglichkeiten
Orale Antidiabetika
Stufenplan der oralen antidiabetischen Therapie des Typ-2-Diabetes:
Basistherapie:
HbA1c-Zielwert: 6,5 %
•• Ernährung
•• Gewichtsreduktion
Intervention: ≥ 7,0 %
•• Tabakverzicht
•• Schulung
•• Bewegung
Zu den am häufigsten verwendeten Diabetesmedikamenten zählen die Sulfonylharnstoffe. Sie lösen eine vermehrte Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse aus. Bei Typ-2-Diabetikerinnen und -Diabetikern sind Sulfonylharnstoffe derzeit etwas umstritten, da sie eventuell eine Stoffwechselstörung bedingt durch Hyperinsulinämie
verursachen und somit eine Gewichtsreduktion erschweren. Deshalb werden bedingt Hemmstoffe der Kohlenhydratresorption eingesetzt, die Blutzuckerspitzen nach dem Essen vermeiden und die Insulinwirkung verbessern
sollen.
Wirkungen von oralen Antidiabetika:
•• Biguanide (Metformin): Hemmung der Zuckerproduktion in der Leber
•• Sulfonylharnstoffe und Glinide: verstärkte Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse
•• Alpha-Glukosidase-Inhibitoren: Hemmung der Spaltung von Zweifachzuckern und Aufnahme der Kohlenhydrate
im Darm
•• Thiazolidindione: Verbesserung der Insulinempfindlichkeit
•• Modulatoren der Inkretinwirkung (GLP-1, GIP): DPP-4-Hemmer (Gliptine), GLP-1-Agonisten
Therapieoptionen:
Insulin, Glitazone, (Metformin)
Muskel
Insulin, Glitazone
Glukoseaufnahme 
Glukoseverwertung 
Metformin, Glitazone, Insulin
Fettgewebe
Leber
Lipolyse  
Freie Fettsäuren 
Glukoseproduktion
der Leber 
Sulfonylharnstoffe, Glinide
Pankreas
Ziel
Insulin 
Alpha-Glukosidase-Inhibitoren
D arm
Kohlenhydrat-Resorption 
DPP-4-Hemmer, GLP-1-Agonisten
Pankreas
Wirkung der Inkretine 
Verbesserte
Insulinausschüttung
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Sulfonylharnstoffe:
Wirkung:
•• Vermehrte Insulinfreisetzung aus den Betazellen
•• Keine klinisch relevanten extrapankreatischen Effekte auf den Glukosestoffwechsel
Therapieversagen:
•• Ca. 20 % Primärversager
•• Jedes Therapiejahr ca. 10 % Sekundärversager
Kontraindikationen:
•• Typ-1-Diabetes
•• Gravidität
•• Anamnestische Ketoazidose
•• Schwere Nieren- und Lebererkrankungen
Sulfonylharnstoff-Analoga (Repaglinid, Nateglinid):
Wirkungsweise:
•• Vermehrte Insulinfreisetzung aus den Betazellen mit kurzer Wirkung
•• Rasche Wirkung zu den Hauptmahlzeiten
•• Langfristige Beeinflussung von Morbidität und Mortalität ist bisher nicht untersucht
Alpha-Glukosidase-Hemmer (Acarbose, Miglitol):
Wirkung:
•• Senkung der postprandialen Hyperglykämie
Nebenwirkungen:
•• Flatulenz, Tenesmen, Diarrhoe, Maldigestion
•• Ca. 30 % der Acarbosemetabolite werden resorbiert
•• Langzeiteffekte auf die Darmflora sind bisher nicht untersucht
Kontraindikatoren:
•• Chronische Darmerkrankungen
•• Darmulcera
•• Hernien
•• Schwere Lebererkrankungen
Modulatoren der Inkretinwirkung (GLP-1, GIP):
GLP-1-Analoga:
DPP-4-Hemmer:
Exenatide, Liraglutide
Sitagliptin, Vildagliptin, Saxagliptin, Linagliptin
Wirkung:
•• Vermehrte Insulinfreisetzung aus den Betazellen bei
Hyperglykämie durch GLP-1-Effekt
Wirkung:
•• Verlängerung der körpereigenen GLP-1-Wirkung durch
Hemmung des abbauenden Enzyms, der Dipeptidyl Peptidase-4 (DPP-4)
Nebenwirkungen (GLP-1-Analoga, DPP-4-Hemmer):
•Magen-Darmerscheinungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
•Pankreatitis
•Schwindel, zentralnervöse Störungen
Kontraindikationen (GLP-1-Analoga, DPP-4-Hemmer):
•Schwere Niereninsuffizienz
•Typ-1-Diabetes
•Dekompensierte Leberzirrhose
•Schwangerschaft
6
Metformin:
Wirkung (Auswahl):
•• Hemmung der hepatischen Glukoseproduktion
•• Steigerung der peripheren Glukoseutilisation
Nebenwirkungen (Auswahl):
•• Gastrointestinale Störungen (5 bis 20 % bei Behandlungsbeginn)
•• Laktazidose insbesondere bei eingeschänkter Nierenfunktion (selten, aber eine Letalität von 50 %)
Indikation:
In der United Kingdom Prospective Diabetes Study (UKPDS) wurde Metformin bei adipösen, jüngeren Typ-2Diabetikerinnen und -Diabetikern unter strikter Einhaltung der Kontraindikationen erfolgreich eingesetzt (Verminderung der diabetesbezogenen Todesfälle). Bei Kombination von Metformin mit Sulfonylharnstoffen war die Mortalität erhöht.
Kontraindikationen (Glucophage, Diabetex, Meglucon):
•• Azidose, Präkoma, hyperosmolares Koma
•• (Schwere) Einschränkung der Leber- und Nierenfunktion (Krea > 1,3 - 1,5 mg/dl; mittelgradig)
•• Schwere kardiovaskuläre Funktionseinschränkung
•• Respiratorische Insuffizienz
•• Schwere Infekte
•• Katabole Zustände, z. B. Operationen mit Allgemeinanästhesie
•• Röntgenuntersuchungen mit intravenösen Kontrastmitteln
•• Reduktionsdiät (< 1000 kcal/die)
•• Alkoholismus
•• Geplante oder bestehende Schwangerschaft oder Stillperiode
Quelle: Bundesanzeiger 9/94
Achtung:
Die normale Nierenfunktion muss gesichert sein. Während der Therapie muss mindestens zweimal pro Jahr
eine Serumkreatininbestimmung durchgeführt werden, bei interkurrenten Infekten auch öfter! Bei älteren Patientinnen und Patienten ist die Kreatinin-Clearance wichtig.
Jährliche Blutbildkontrollen sollen stattfinden.
Bei Leberfunktionsstörungen ist besondere Vorsicht geboten, da die Laktat-Clearance eingeschränkt sein kann.
Bei Röntgenuntersuchungen mit intravenösen Kontrastmitteln sowie bei geplanten Operation mit Allgemeinanästhesie muss zwei Tage vorher die Behandlung mit Metformin abgesetzt und darf erst zwei Tage nachher
wieder begonnen werden.
Die Einnahme von Alkohol während der Therapie mit Metformin sollte unterlassen werden.
Thiazolidindione („Glitazone“):
Quelle: Wirkstoff aktuell der KBV 2001
Wirkungsweise:
Glitazone aktivieren den nukleären PPAR-Gamma (peroxisomal proliferator activated receptor gamma), ein Rezeptor, der überwiegend im Fettgewebe exprimiert wird.
Die Insulinwirkung wird verbessert, indem die Transkription von Genen der Adipozyten-Differenzierung sowie des
Lipid- und Glukose-Metabolismus gesteigert wird. Die Insulinresistenz wird reduziert. Die Blutglukose-Konzentrationen gehen zusammen mit der Konzentration des zirkulierenden Insulins zurück.
Nebenwirkungen:
•• Mögliche Hepatotoxizität, daher ist ein Monitoring der Leberwerte wichtig
•• Herzinsuffizienz
•• Cave: Flüssigkeitsretention mit Ödembildung bei gleichzeitiger Gabe von nicht-steroidalen Antiphlogistika
•• Gewichtszunahme
•• Osteoporose, Frakturneigung (insbesondere Frauen)
•• Erhöhte Morbidität von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz
•• Möglicherweise vermehrte Harnblasenkarzinome
Kontraindikationen:
•• Lebererkrankungen
•• Alle Grade der Herzinsuffizienz
•• Hämaturie
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Insulinschulung
B asis
Verzögerungsinsulin
Grundversorgung
40 - 50 %
Getrennter Einsatz
Insulingabe ist bei allen Diabetikerinnen und Diabetikern des Typs-1 und einem Teil des Typs-2 erforderlich. Insulin muss parenteral verabreicht werden, das heißt unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes, da es sonst von
Verdauungsenzymen abgebaut wird. Insulin wird in der Regel subkutan, also unter die Haut, gespritzt. Es wird
hierbei in IE (Internationale Einheiten) gemessen. Eine IE enthält etwa 0,05 mg Insulin. Eine IE Insulin senkt den
Blutzuckerspiegel um etwa 30 - 50 mg/dl.
Je nach Schweregrad wird bis zu dreimal täglich Insulin gespritzt. Es gibt so genannte Insulinpumpen, die kontinuierlich Insulin in den Körper verabreichen.
B olus
∕
Normal-kurzwirkendes
insulinAnaloginsulin
Essens- Blutzuckerinsulin Korrektur
60 - 50 %
Insulinarten
3h
6h
12 h
14 h
24 h
Kurzzeit-Insulin-Analogon:
Die Wirkung setzt unmittelbar nach dem Spritzen ein und hält 2 bis 3 Stunden an.
Aussehen: klare Flüssigkeit
Produkte: Novo Rapid, Humalog, Apidra
Normalinsulin (kurzwirksames Insulin oder Altinsulin):
Der Wirkeintritt erfolgt nach 30 Minuten, die Wirkdauer beträgt 4 bis 6 Stunden.
Aussehen: klare Flüssigkeit (immer)
Produkte: Actrapid, Lilly Normal, Insuman Rapid
Mischinsulin (Kombinationinsulin):
Mischinsuline wirken nach ca. 10 Minuten, ihre Wirkung hält 10 bis 12 Stunden an.
Aussehen: milchig trübe Flüssigkeit
Mischungen aus Kurzzeit-Analogon und Verzögerungsinsulin: Humalog Mix, Novo Mix
Verzögerungsinsulin (Langzeitinsulin):
Der Wirkeintritt erfolgt erst nach einer Stunde, dafür beträgt die Wirkdauer 12 bis 14 Stunden. Das Insulin ist an
einen Verzögerungsstoff gebunden, dieser setzt sich nach längerem Stehenlassen am Boden des Fläschchens
oder der Ampulle ab. Vor Gebrauch muss es unbedingt gemischt werden.
Aussehen: milchig trübe Flüssigkeit (wenn gut vermischt)
Produkte: Insuman basal, Insulatard, Lilly basal
Langzeit Insulinanalogon:
Die Wirkung tritt nach 2 Stunden ein und hält fast 24 Stunden an.
Aussehen: klare Flüssigkeit
Produkte: Lantus, Levemir
8
Normalinsulin:Kurzwirkendes Insulinanalogon:
Blutzucker-Korrektur:Blutzucker-Korrektur:
Allgemein gilt: Zielbereich z. B. 100 mg/dl (5,6 mmol/l), 1 IE senkt um 30 - 50 mg/dl (1,7 - 2,8 mmol/l)
Essen:
Zwischenmahlzeiten können zur Hauptmahlzeit hinzugerechnet werden.
Essen:
Für Zwischenmahlzeiten müssen Sie extra spritzen.
Korrektur des Blutzuckers:
Ist frühestens 4 Stunden nach dem letzten Bolus möglich.
Korrektur des Blutzuckers:
Ist frühestens 2 bis 3 Stunden nach dem letzten Bolus
möglich.
Das Blutzucker-Therapieziel wird vor den Hauptmahlzeiten individuell vereinbart:
100 - 120 mg/dl(5,6 - 6,7 mmol/l)
im Normalfall
120 - 160 mg/dl(6,7 - 8,9 mmol/l)
bei häufigen Unterzuckerungen
und/oder schlechter Unterzuckerungswahrnehmung,
vorübergehend bei akuten Augenkomplikationen
vor dem Schlafengehen (Ausnahme: Schwangerschaft,
Pumpentherapie)
120 mg/dl (6,7 mmol/l)
Spritz-Ess-Abstand (SEA):
BZ vor dem Essen
Empfohlener SEA
< 60 mg/dl (3,3 mmol/l)
2 - 4 Scheiben Traubenzucker essen, sofort die geplante Mahlzeit essen und nach dem Essen spritzen
60 - 80 mg/dl (3,3 - 4,4 mmol/l)
1 - 2 Scheiben Traubenzucker essen, sofort die geplante Mahlzeit essen und nach dem Essen spritzen
80 - 250 mg/dl (4,4 - 13,9 mmol/l)
Spritzen und essen
Ca. 15 Minuten warten
> 250 mg/dl (13,9 mmol/l)
Basiswissen Diabetes mellitus
9
Wohin wird das Insulin gespritzt?
Am Besten wird Insulin in das Unterhautfettgewebe gespritzt, also subkutan. In Ausnahmesituationen kann Insulin
auch in den Muskel (intramuskulär) gespritzt werden. Dadurch wirkt es schneller. In die Vene, also intravenös, darf
ausschließlich die Ärztin bzw. der Arzt spritzen.
Geeignete Spritzstellen:
Oberarm:
Insulinwirkung: mittelschnell
Achtung: Nicht in den Muskel
spritzen!
Bauch:
Insulinwirkung: am schnellsten
Achtung: Nicht unmittelbar neben den Nabel spritzen!
Oberschenkel:
Insulinwirkung: am langsamsten
Hüfte:
Insulinwirkung: langsam (durch
das subkutane Fettgewebe)
Wichtige Hinweise zu den Spritzstellen:
•• Spritzstellen bei jeder Injektion wechseln. Wird eine Stelle häufig verwendet kann es zu Verhärtungen und zur
Bildung von Fettgewebe kommen. Dadurch kann das Insulin nur langsamer und nicht vollständig aufgenommen
werden.
•• Nie in Narben, Krampfadern oder blaue Flecken spritzen.
•• Wärme beschleunigt die Insulinaufnahme, Kälte verzögert die Aufnahme.
Bei der konventionellen Insulintherapie spritzt die Patientin oder der Patient zweimal täglich ein Mischinsulin, bei
der intensivierten Insulintherapie dreimal pro Tag. Der Nachteil daran ist jedoch, dass dies einen starren Tagesund Essablauf mit sich bringt. Deshalb wählen viele Diabetikerinnen und -Diabetiker eine Insulintherapie nach
dem Basis-Bolus-Konzept (auch „funktionelle Insulintherapie (FIT)“ genannt). Hierbei wird ein- bis zweimal täglich
ein langwirkendes Insulin und zusätzlich vor jeder Mahlzeit, je nach Glukose-Wert, eine bestimmte Menge an
kurzwirksamem Insulin im Verhältnis zu den einzunehmenden Broteinheiten verabreicht.
10
mmol/l
mg/dl
Morgens hohe Blutzucker-Werte?
140
7,8
100
5,6
60
3,3
22:00
03:00
07:00
22:00
03:00
07:00
22:00
03:00
07:00
— Gegenregulation (selten): Blutzuckeranstieg nach einer Unterzuckerung
— Zu wenig Verzögerungsinsulin
— Dawn-Phänomen: Blutzuckeranstieg in den frühen Morgenstunden
Was tun?
•• Verzögerungsinsulin (VI) um
10 % verringern
Was tun?
•• VI um 10 % erhöhen
Was tun?
•• VI abends später spritzen
(23:00, 24:00 Uhr)
•• morgendl. VI-Menge früher
spritzen (z. B. 5:00 Uhr)
•• Normalinsulin oder kurzwir kendes Analoginsulin spritzen
(z. B. 5:00 Uhr)
•• VI um 10 % erhöhen, zusätz lich 1 - 2 BE essen
•• VI wechseln (anderes langwir kendes Insulin)
•• Insulinpumpentherapie
Flug mit Zeitverschiebung bei Therapie mit zweimal NPH-Insulin:
Flugzeit: 8 Stunden
New York
Hamburg
Hamburg
New York
Basis 07:00
morgens
Basis 07:00
morgens
01:00
13:00
Flug
Basis
mehrer Boli oder kleine
VI-Dosis
Abflug
13:00
07:00
19:00
13:00
21:00
15:00
Abflug
04:00
22:00
18:00
19:00
00:00
01:00
01:00
02:00
07:00
08:00
Ankunft
Basis
abends
Ankunft
Basis
abends
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Infekt mit Fieber
Ketone im Harn testen. Ist der Keton-Wert negativ, beachten Sie folgende Punkte.
Was tun?
•• VI morgens, mittags und abends um 10 - 20 % erhöhen
•• Alle BE-Faktoren um 0,5 erhöhen
•• Korrekturregel verschärfen z. B. von 50 auf 40 mg/dl (2,8 auf 2,2 mmol/l) pro IE Insulin
•• Alle vier Stunden den Blutzucker messen
Bei einer Besserung nicht vergessen, die Insulinmengen wieder zu vermindern.
Stoffwechselentgleisung – Ketoazidose
Bei Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und/oder
Blutzucker > 350 - 400 mg/dl (19,4 - 22,2 mmol/l)
Keton testen (Harn)
Keton ++ bis +++
Arzt informieren
Holen Sie sich Hilfe!
Sie dürfen nicht einschlafen.
Keton negativ
Blutzucker-Korrektur je nach kurzwirkendem Insulin,
drei bzw. vier Stunden nach dem letzten Bolus
Sofort 20 % der gesamten Tagesinsulinmenge in Form
von kurzwirkendem Insulin spritzen, viel Wasser trinken, nach 2 h den Blutzucker messen.
Blutzucker erneut über 240 mg/dl (13,3 mmol/l) und
Keton ++ bis +++:
Erneut 20 % der gesamten Tagesinsulinmenge in Form
von kurzwirkendem Insulin spritzen, viel Wasser trinken, nach 2 h den Blutzucker messen.
Blutzucker unter 240 mg/dl (13,3 mmol/l) und Keton
++ bis +++:
10 % der gesamten Tagesinsulinmenge in Form von
kurzwirkendem Insulin spritzen, viel Wasser trinken,
nach 2 h den Blutzucker messen.
Blutzucker unter 180 mg/dl (10,0 mmol/l) und Keton
0 bis +:
Jetzt kein zusätzliches Insulin mehr spritzen, weiter
viel Wasser trinken, 2 BE essen (günstig ist eine Banane), da der Blutzucker noch weiter sinkt (Hypoglykämiegefahr), nach 2 h den Blutzucker messen
Erforschen Sie die Ursache Ihrer Entgleisung!
12
Labor- und Kontrollparameter
Blutzucker
Normalwerte bei Erwachsenen und Jugendlichen:
Nüchtern: 80 - 110 mg/dl (4,4 - 6,1 mmol/l)
Nach dem Essen: ≤ 140 - 160 mg/dl (7,8 - 8,9 mmol/l)
Quelle: Diabetes Care 25 (2): 275-278, 2002
HbA1c
HbA1c:
(%)
HbA1c:
(mmol/mol)
4
20,2
5
31,1
100
6
42,1
135
7
53,0
170
8
63,9
205
9
74,9
240
10
85,8
275
11
96,7
310
12
107,7
345
HbA1c ist eine Form des Hämoglobins, also des roten Blutfarbstoffes, an den Glukose gebunden ist. Der
HbA1c-Wert ist das „Blutzuckergedächtnis“ über ca.
drei Monate. Er ist eine Verbindung von Glukose und
Hämoglobin. Der Wert verändert sich unter anderem
durch die Blutzuckerkonzentration im Blut und durch
den Abbau der roten Blutkörperchen.
Mittlerer Blutzucker: (mg/dl)
65
Bei Cholesterin-Normalwerten
Blutdruck
Die Messung erfolgt indirekt über eine Blutdruckmanschette entweder manuell oder automatisch mittels eines
digitalen Gerätes. Der obere Wert wird Systole genannt, der untere Diastole.
Blutdruckwerte:
Hochnormal: 140/90 mmHg
Normal: 130/85 mmHg
Optimal: 120/80 mmHg
BMI
Kategorie:
Untergewicht
Der BMI ist eine international anerkannte Maßeinheit,
mit der sich das Körpergewicht individuell bewerten lässt.
Berechnung:
BMI =
Körpergewicht in kg
(Körpergröße in m)2
Basiswissen Diabetes mellitus
BMI (kg/m²):
< 18,5
Normalgewicht
18,5 - 24,9
Übergewicht
25,0 - 29,9
Adipositas Grad I
30,0 - 34,9
Adipositas Grad II
35,0 - 40,0
Adipositas Grad III
> 40,0
13
Hypoglykämie
Definition
Von einer Hypoglykämie spricht man, wenn der gemessene Blutzuckerwert unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) liegt. Manche Diabetikerinnen und Diabetiker bemerken ihre Unterzuckerung aber auch schon, wenn der Blutzucker noch
höher, z. B. bei ca. 80 - 90 mg/dl (4,4 - 5,0 mmol/l) liegt. Warnzeichen kündigen diesen Mangelzustand an. Bei lange
bestehendem Diabetes sind diese Warnzeichen schwächer ausgebildet und können sogar ganz ausfallen. Deshalb sollte jede bzw. jeder lernen, einen Mangelzustand zu erkennen.
Ursachen
Bei jeder Unterzuckerung des Körpers ist es wichtig, nach der Ursache zu suchen, um eine weitere Unterzuckerung vermeiden zu können. Es kommt jedoch häufig vor, dass die Ursachen einer Hypoglykämie nicht gefunden
werden. Daher empfiehlt es sich die Blutzuckerwerte aufzuschreiben und so zu kontrollieren.
Häufige Ursachen:
Zu viel Insulin
Verwechslung verschiedener Insulinarten untereinander
Insulin nicht richtig durchmischt (Misch-, Verzögerungsinsulin)
Beschleunigte Insulinaufnahme durch:
•Warmes Bad
•Spritzen in Muskelgewebe
•Massieren der Spritzstelle ...
Zu hohe Dosis von Zuckertabletten (welche die Insulinproduktion anregen):
•Doppelte Einnahme bzw. zusätzliche Tabletteneinnahme
•Veränderte Dosis durch stärkere Gewichtsabnahme
•Wechselwirkung zu anderen Medikamenten (z. B. Schmerzmedikamente ...)
Außergewöhnliche körperliche Bewegung oder Sport
Zu wenige Kohlenhydrate:
•Zu langer Spritz-Ess-Abstand
•Zu wenige BE‘s gegessen
•Falsche Schätzung der BE‘s
•Zwischenmahlzeiten ausgelassen
•Erbrechen und/oder Durchfall
Fasten
Übermäßiger Alkoholkonsum
14
Symptome
Die Anzeichen einer Unterzuckerung sind wie bei der Hyperglykämie (zu viel Zucker) sehr individuell. Die Liste gibt
Ihnen nur einen kurzen Überblick.
•• Hungergefühl, Heißhunger
•Herzklopfen
•• Zittrige Hände, weiche Knie
•Schweißausbrüche (kalter Schweiß)
•• Blasses Gesicht und blasse Haut
•Ungenauer Gang
•• Kribbeln der Lippen
•Gedächtnisstörungen
•• Kopfschmerzen
•Abewesendes Verhalten
•• Sehstörungen, z. B. verschwommenes Sehen
•Nervosität und Unruhe
•• Sprachstörungen
•Aggressivität, Traurigkeit, Euphorie
Achtung: Bei den ersten Anzeichen müssen Sie reagieren! Wichtig: Erst essen, dann messen.
SofortmaSSnahmen
Liegt eine Hypoglykämie vor nehmen Sie sofort ein bis zwei rasch wirkende Broteinheiten zu sich!
Rasch wirkende BE‘s:Ungeeignete BE‘s:
•• Traubenzucker
•Schokolade, Süßigkeiten
•• Fruchtsaft (Orangensaft, Apfelsaft ...)
•Vollkornprodukte
•• Coca Cola, Fanta ...
•Milch und Milchprodukte
•• Haushaltzucker (Rohrzucker)
•Fettreiche Nahrungsmittel (Wurstsemmel, Butterbrot ...)
•• Honig
•Produkte für Diabetikerinnen und Diabetiker
•• Sirup
•Diätlimonaden und „Light“-Getränke
•• Flüssigzucker
•• Datteln
Nächste Schritte:
1 bis 2 mittellangsam wirkende Broteinheiten verhindert einen weiteren Abfall des Blutzuckers.
Mittellangsam wirkende BE‘s:
•• Weißbrot
•• Semmel
•• Zwieback
•• Obst und Kompotte
MaSSnahmen bei Bewusstlosigkeit:
1.) Ruhe bewahren!
2.) Umgehend ärztliche Hilfe anfordern! Sind Sie als Ersthelferin oder -helfer alleine, kümmern Sie sich zuerst um
die ohnmächtige Person. Versuchen Sie sich weitere Helfer zu holen, indem Sie um Hilfe rufen.
3.) Atemwege der Patientin bzw. des Patienten freimachen.
4.) Patientin bzw. Patienten in stabile Seitenlage bringen.
5.) Gut informierte und geschulte Angehörige können der Patientin bzw. dem Patienten Glukagon (z. B. GlucaGen®) unter die Haut spritzen. Glukagon ist ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel erhöht, indem es Reserven
aus der Leber freisetzt.
Achtung: Bei Bewusstlosigkeit darf nichts eingeflößt und kein Traubenzucker in die Wangentasche gelegt werden. Es besteht Erstickungsgefahr durch den fehlenden Schluckreflex.
Basiswissen Diabetes mellitus
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Bewusstsein prüfen:
Laut ansprechen,
anfassen, schütteln
Atmung prüfen:
Atemwege freimachen,
Kopf nackenwärts
beugen, Unterkiefer
anheben, sehen, hören, fühlen
Atmung feststellbar?
Person ansprechbar?
Nein
Stabile Seitenlage:
Ellbogen und Knie bilden ein Dreieck, Körper
in Seitenlage drehen,
Kopf nackenwärts, Gesicht Richtung Boden,
Mund öffnen
Ja
Notruf 144 (Ö) / 112 (EU):
Wo ist der Notfallort?
Was ist passiert?
Wieviele Personen sind
betroffen?
Wer ruft an?
Bewusstsein
und Atmung
überwachen.
Vermeiden
Insulin:
•• Genaue Dosierung beachten!
•• Korrektur mit Normalinsulin erst nach 4 Stunden bzw. bei Humalog und NovoRapid nach 2 bis 3 Stunden
•• Gutes Durchmischen von Misch- und Verzögerungsinsulin
•• Achtung bei verändertem Insulinbedarf (Bewegung, Gewichtsabnahme, Krankheit ...)
Zuckertabletten (welche die Insulinproduktion anregen):
•• Dosierung einhalten
•• Einnahme nicht willkürlich erhöhen
Körperliche Bewegung und Sport
Kohlenhydrate:
•• Lange Spritz-Ess-Abstände vermeiden!
•• Mahlzeiten mit Tabletteneinnahme / Insulintherapie abstimmen
Alkohol:
Übermäßigen Alkoholkonsum sollen Sie meiden, insbesondere hochprozentige Spirituosen. Generell soll Alkohol
nur zu den Mahlzeiten getrunken werden und das in Maßen!
Was muss ich immer griffbereit haben?
Als Diabetikerin oder Diabetiker müssen Sie immer damit rechnen, eine Unterzuckerung zu bekommen. Deshalb sollten Sie in jeder Lebenslage ausreichende Mengen an schnell verwertbaren Kohlenhydraten griffbereit haben.
Blutzuckermessgerät:
Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutzucker, nur so können Sie lernen, Ihre Blutzuckerreaktion richtig einzuschätzen.
Traubenzucker:
Tragen Sie stets Würfelzucker, Traubenzucker oder Zuckergel mit sich.
Angehörige informieren:
Informieren Sie Ihre Angehörigen über Diabetes, über Hypoglykämie-Symptome und darüber, was im Falle einer
Hypoglykämie zu tun ist.
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Hyperglykämie
Definition
HYPER GLYC ÄMIE = zuviel Zucker im Blut
Eine Hyperglycämie beruht auf Insulinmangel und/oder Insulinresistenz. Sie besteht immer dann, wenn der Blutzucker die festgesetzten Zielwerte wesentlich übersteigt. Eine hyperglykämische Stoffwechselentgleisung kann
dann vorliegen, wenn Blutzuckerwerte über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) mehrfach überschritten werden.
Ursachen
Weniger Bewegung als üblich / gewohnt
Zu geringe Tablettendosis
Vergessen blutzuckersenkende Tabletten einzunehmen
Unregelmäßige Tabletteneinnahme
Zu wenig Insulin:
•• Zu wenig Insulin gespritzt (zu wenige IE eingestellt)
•• Vergessen das Insulin zu spritzen
•• Keine Korrektur gesetzt bei erhöhtem Wert
•• Unwirksames Insulin durch falsche Lagerung (Wärme, Kälte)
•• Gesteigerter Bedarf – Abnahme der Eigeninsulinproduktion
•• Erhöhter Bedarf bei Krankheit, Infekte, Entzündungen
Medikamenteneinnahme mit Blutzucker erhöhender Nebenwirkung:
•• Cortison
•• Blutdrucktabletten
•• Hormontabletten ...
Gewichtszunahme
Stress und Ärger
Pen ist kaputt, Blutzuckermessgerät zeigt falsche Werte
Symptome
•• Starkes Durstgefühl und trockener Mund
•Sehstörungen
•• Trockene Haut, rotes Gesicht
•Schwächeanfall
•• Übelkeit, Erbrechen
•Vermehrter Harndrang (Polyurie)
•• Bauchschmerzen
•Juckreiz auf der Haut
•• Abgeschlagenheit
•Chronische Infektionen
•• Konzentrationsschwierigkeiten
•• Verwirrung
Die Symptome können bis zum hyperglykämischen Koma führen. Kennzeichen hierfür sind tiefe Bewusstlosigkeit,
Kussmaulatmung und ein Blutzuckerwert von zumindest 300 mg/dl (16,7 mmol/l).
Basiswissen Diabetes mellitus
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SofortmaSSnahmen
•• Ärztin oder Arzt verständigen
•• Blutzuckerkontrolle
•• Vitalfunktionen überprüfen (Blutdruck, Puls, Temperatur)
•• Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage
•• Bei Ansprechbarkeit: Flüssigkeit geben
FuSSpflege bei Diabetes
Unsere Füße tragen uns täglich mehrere Kilometer. Somit zählen sie zu den wichtigsten Körperteilen, die wir besitzen. Dennoch werden sie oft auch sehr vernachlässigt. Gerade bei Diabetikerinnen und Diabetikern ist es sehr
wichtig, auf die Füße zu achten und sie ausreichend zu pflegen.
Bei langjährig schlecht eingestelltem Diabetes kommt es zu Schädigungen an Gefäßen und Nerven. Dadurch
ergeben sich speziell an den Füßen oft irreversible Schäden.
Verletzungen werden durch die verminderte Schmerzwahrnehmung oft nicht oder zu spät erkannt. Durch mangelnde Produktion an Fußschweiß kommt es zur Austrocknung der Haut an der Fußsohle. Die Haut wird rissig
und anfälliger für Wunden.
Tipps für gesunde FüSSe
Waschen Sie Ihre Füße täglich ca. 5 Minuten in warmem Wasser (ca. 30° C). Überprüfen Sie die Temperatur mittels einem Thermometer, da durch die Nervenschädigung die Temperaturwahrnehmung beeinträchtigt sein kann.
Benutzen Sie eine milde Seife, spülen Sie die Seife gründlich ab und trocknen Sie die Füße sorgfältig, besonders
zwischen den Zehen, mit einem weichen Handtuch ab. Untersuchen Sie dabei die Füße auf Hautveränderungen
und Verletzungen, nehmen Sie für die Fußsohle gegebenenfalls einen Spiegel zu Hilfe.
Die Pflege Ihrer Füße gehört in professionelle Hände! Pediküre bzw. medizinische Fußpflege ist das Richtige.
Schützen Sie Ihre FüSSe:
Schutz vor Wunden:
•• Verwenden Sie keine scharfen Werkzeuge, keine Scheren, auch keine Hornhaut- oder Hühneraugensalben.
•• Laufen Sie nicht barfuß! Die Gefahr von Verletzungen ist zu groß.
Schutz vor Verbrennungen:
•• Schützen Sie Ihre Füße vor heißem Sand und Sonnenbrand.
•• Benutzen Sie nie eine Wärmflasche oder ein Heizkissen, um die Füße zu wärmen. Es besteht die Gefahr, dass
Sie die Temperatur nicht richtig wahrnehmen und es könnte zu Verbrennungen kommen.
Frühzeitige Behandlung:
•• Zeigen Sie auch jede kleinste Veränderung oder Verletzung Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ideales Schuhwerk und Strümpfe:
Socken:
•• Tragen Sie nach Möglichkeit Socken aus Materialien, die Ihre Haut atmen lassen (Wolle, Baumwolle, Seide).
•• Wechseln Sie Strümpfe täglich!
Schuhe:
•• Achten Sie darauf, dass der Schuh nirgends drückt. Prüfen Sie mit der Hand, ob die Innenflächen des Schuhs
glatt sind.
•• Auch die alten Schuhe sollten vor dem Anziehen durch die Fingerspitzen auf Unebenheiten untersucht werden.
•• Bei besonders gefährdeten Füßen gibt es die Möglichkeit einen Spezialschuh für Diabetikerinnen und Diabetiker
anfertigen zu lassen. Fragen Sie Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt.
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Wundmanagement
Einfluss der Ernährung auf Chronische
Wunden
Die Wundheilung erfordert eine ausreichende Energieund Nährstoffversorgung. Voraussetzungen für ein optimales Abheilen chronischer Wunden sind die Behandlung der Grunderkrankung, die gute lokale Wundversorgung und ein guter Ernährungszustand der Patientin oder des Patienten.
Liegt ein schlechter Ernährungszustand vor, so können Reinigungs- und Abwehrprozesse, sowie die Gefäßneubildung und die Gewebeaufbauprozesse bedeutend beeinträchtigt sein.
Energie:
Energie spielt eine wichtige Rolle in der Wundheilung.
Sämtliche Aufbauprozesse erfordern Energie. Mangelnde Energie hat Wundheilungsstörungen zur Folge. Wichtige Energielieferanten sind Kohlenhydrate,
Proteine und Fette.
Kohlenhydrate:
Kohlenhydrate liefern Glukose. Diese wird genutzt, um Zellenergie in Form von ATP zu gewinnen. Sind zu wenig
Kohlenhydrate vorhanden, so wird Glycerin, Milchsäure und Muskelprotein genutzt, um Glukose neu zu synthetisieren. Dies führt zum Proteinabbau und somit zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes und einer verlangsamten Wundheilung. Bei länger bestehender Hyperglykämie entsteht eine Verschlechterung der Wundheilung, nicht zuletzt durch die hohe Glukose-Konzentration im Wundsekret, das ein Nährmedium für Bakterien ist.
Proteine:
Proteine und Aminosäuren sind für eine optimale Wundheilung von entscheidender Bedeutung. Eine unzureichende Protein-Versorgung führt zu reduzierter Fibroblastenaktivität, verminderter Kollagensynthese, verzögerter Angiogenese und geschwächter Immunabwehr. Durch Verletzungen und starker Exsudation (Ausschwitzung) der Wunde kommt es zu Proteinverlusten.
Aminosäuren:
Aminosäuren sind die Bausteine der Proteine. Für die Wundheilung wichtige Aminosäuren sind Arginin und Glutamin, sie fördern die Immunabwehr und dienen als Energiequelle.
Fett:
Fett ist ein wichtiger Energielieferant.
Wasser:
Für eine normale Zellfunktion ist eine ausreichende Versorgung des Körpers mit Flüssigkeit wichtig. Durch Wunddrainage kann es zu größeren Flüssigkeitsverlusten kommen. Über Getränke sollten pro Tag mindestens 2 Liter
Wasser aufgenommen werden.
Mikronährstoffe:
Verschiedene Vitamine und Mineralstoffe sind für eine optimale Wundheilung von Bedeutung.
•• Wichtige Vitamine: Vitamin C, A, E, K, Vitamin-B-Komplex, D, H
•• Wichtige Mineralstoffe: Eisen, Kupfer, Selen, Zink, Magnesium, Mangan
Basiswissen Diabetes mellitus
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Chronisch stagnierende Wunden
Definition:
Von einer chronisch stagnierenden Wunde wird gesprochen, wenn es über einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen
zu keinem Fortschritt im Heilungsprozess kommt. Diese Stagnation wird ausgelöst durch eine Mangelversorgung
des Gewebes.
Besonderheiten:
Ungleichgewicht im Wundmilieu
Proteasegehalt im Exsudat (entzündliche Absonderung) steigt überproportional an:
Proteasen sind Enzyme, die andere Enzyme, Proteine und Polypeptide hydrolytisch abbauen können.
Überschüssige Proteasen richten sich gegen den Selbstheilungsprozess des Organismus:
•• Bauen neu gebildetes Gewebe ab
•• Verhindern so das Abheilen der Wunde
•• Es kommt zum Abbau positiver Wundheilungsfaktoren
Kollagen:
Es ist das bedeutendstes Protein der menschlichen Haut. Kollagenfasern stützen und stärken das Bindegewebe.
Bei einem Defekt erfolgt die Reparatur mit körpereigenem Kollagen.
Das Wirkprinzip:
Der Organismus nützt die Gerüsteigenschaften des Kollagens. In allen Phasen des Heilungsprozesses werden
zahlreiche physiologische Funktionen unterstützt. Alginate in Verbandsmaterialien fördern aktiv den Wundheilungsvorgang, insbesondere bei stagnierenden Wunden.
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Essen und Trinken bei Diabetes Mellitus Typ-2
Die Behandlung von Diabetes mellitus beruht auf drei Säulen:
•• Ernährung
•• Bewegung
•• Medikamente / Insulin
Besonders wichtig bei der Diabetes-Therapie sind regelmäßige Kontrollen um evtuelle Spätschäden (Gefäße,
Herz, Nieren, Augen, Nerven) möglichst hintan zu halten bzw. rechtzeitig behandeln zu können.
Ernährungsempfehlungen bei Diabetes mellitus
Wie für den gesunden Menschen wird auch für Diabetikerinnen und Diabetiker eine ausgewogene und abwechslungsreiche Mischkost empfohlen.
Zusätzlich sind für Personen, die an Diabetes erkrankt sind, folgende Punkte wichtig.
1.) Gewichtsreduktion:
Bei bestehendem Übergewicht sollte das Abnehmen im Vordergrund stehen. Dadurch kann Insulin wieder besser
wirken und die Blutzuckerwerte verbessern sich. Schon bei einer Gewichtsreduktion von 10 % werden deutliche
Erfolge spürbar. Eine langsame, aber dauerhafte Reduktion von Gewicht ist von großer Bedeutung. Dazu ist eine
Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung unerlässlich.
Besonderes Augenmerk gilt dabei einem sparsamen Umgang mit Fett:
•• 2 EL Streichfett in Form von Butter oder Margarine pro Tag
•• 2 EL Kochfett in Form von hochwertigem Pflanzenöl pro Tag
•• Fettarme Zubereitungsmethoden
•• Fettarme Milch und Milchprodukte
•• Fettarmes Fleisch und wenig magere Wurst
2.) Mahlzeitenverteilung:
Für Diabetikerinnen und Diabetiker ist wichtig, nur drei Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen.
3.) Ballaststoffe:
Ballaststoffe sorgen für eine lang anhaltende Sättigung und sind in der Lage, den Blutzuckeranstieg nach der
Mahlzeit zu verzögern. Ballaststoffreiche Lebensmittel sind: Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst ...
4.) Getränke:
Bei Getränken ist es besonders wichtig, dass diese keinen Zucker enthalten. Zucker aus Getränken geht besonders schnell ins Blut über und führt zu Blutzuckerspitzen. Auch Fruchtsäfte sind für Diabetikerinnen und Diabetiker
nur bedingt geeignet, da auch in ungezuckerten oder „light“ Säften Fruchtzucker vorhanden ist, der von der Leber
in Glukose umgewandelt werden kann.
Gut geeignet sind Wasser, Mineralwasser, Tees eventuell mit Süßstoff und sehr stark verdünnte Fruchtsäfte oder
ähnliches.
5.) Zucker:
Mehlspeisen sind bei gut eingestellten Blutzuckerwerten nicht ganz verboten, sollten aber sehr sparsam genossen
werden. Idealerweise ersetzt man einen Teil des Mehls durch Vollkornmehl und reduziert den Zucker bei selbst
gemachten Mehlspeisen.
impreSSum:
Medieninhaber: Dr. Dr. Wagner GmbH
Für den Inhalt verantwortlich: Diätologinnen und Diätologen der
Reha-Klinik Agathenhof
Überarbeitet von: Prim. Doz. Dr. Mag. Christian-Heinz Anderwald,
MBA•Reha-KlinikAgathenhof
Layout und Gestaltung: www.werbecluster.at
Irrtum und Änderungen vorbehalten
Stand: 11/2012
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