Depressionen im Alter_Bakk Arbeit_Huber

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Bakkalaureatsarbeit
Medizinische Universität Graz
Universitätsplatz 3, 8010 Graz
„Einfluss von Depressionen im Alter
auf das professionelle Verhalten von
Pflegepersonal im
Langzeitpflegebereich“
im Rahmen der Lehrveranstaltung Evidence Based Nursing (EBN)
eingereicht von:
Johanna Huber
geb. 23.09.1988
begutachtet von:
Frau Schaffer Susanna, Mag. phil., Dr. phil.
Institut für Pflegewissenschaften
8010 Graz, Billrothgasse 6/I
eingereicht: Graz, am 10. September 2012
Ehrenwörtliche Erklärung
Hiermit gebe ich ehrenwörtlich bekannt, dass die vorliegende, von mir verfasste
Bachelorarbeit ohne fremde Hilfe, selbstständig erarbeitet wurde und keine nicht
angegebenen Quellen benutzt wurden. Weiters möchte ich dafür garantieren, dass
die wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen der benützten Quellen als solche
gekennzeichnet wurden.
Diese Arbeit wurde von mit weder in gleicher noch in ähnlicher Form bei einer
anderen Pfrüfungsbehörde eingereicht.
Graz, am 10. September 2012
Zusammenfassung:
Abstract:
Einleitung: Die Arbeit beschäftigt sich mit dem
Introduction:
Phänomen
phenomenon of old age depression and its
möglichen
der
Altersdepressionen
auf
with
the
Langzeitpflegebereich. Wie sieht der Wissensstand
care. How does the state of knowledge and
bezüglich Depressionen bei den Heimbetreuer/innen
do nurses use guidelines or standards? Due
aus
werden
Leitlinien
Umgang
demographischen
Pflegebetreuung
deals
potential impact on nursing care in long-term
besseren
die
ihrem
paper
im
und
Einfluss
und
The
und
Standarts
zum
to
Durch
den
diseases and their appearance therapies or
verwendet?
Wandel
werden
Erscheinungskrankheiten
altersbedingte
diagnostic
changes
procedures
are
age-related
increasingly
ihre
important. The home quality must be adapted
Therapiemöglichkeiten bzw. Diagnoseverfahren immer
to the new demands of care. Methods: The
wichtiger. Die Heimqualität muss an die neuen
methods section is divided into two essential
Anforderungen
werden.
points. Firstly, a literature search carried out
Methoden: Der Methodenteil gliedert sich in zwei
in three different media and secondly I did an
wesentliche
der
und
demographic
Pflege
Punkte.
eine
interview to present a practical example. Pre
Medien
agreed inclusion and exclusion criteria were
durchgeführt und zum anderen wurde mittels Interview
used. Discussion: The results refer to the
ein Praxisbeispiel dargelegt. Vorab beschlossene Ein-
relevant border areas of established research
und
Suche
question. It’s about knowledge of depression,
herangezogen. Diskussion: Die relevanten Treffer
depression on nurses and the relationship
beziehen sich auf die Randbereiche der aufgestellten
between patients and doctor. Results: Due to
Forschungsfrage. Es wird der Wissensstand des
lack of literature on the research question
Pflegepersonals
Altersdepressionen
"impact of depression on the professional
erhoben, sowie die derzeitge Ausbildung. Ebenfalls
conduct of nurses in long-term care" was the
werden
von
lack of research and its at the same time the
Pflegepersonals
research result. Conclusion: It is advised to
Literatursuche
in
Zum
angepasst
drei
Ausschlusskriterien
durchleuchtet
wurden
bezüglich
Auswirkungen
möglichen
einen
und
Depressionen
und
wurde
verschiedenen
die
für
die
Einflussfaktoren
des
Arzt/Ärztin-
Patient/in-
Beziehung wird dargestellt. Ergebnisse: Aufgrund der
fehlenden Literatur bezüglich der Forschungsfrage
„Einfluss von Depressionen auf das professionelle
Verhalten
von
Pflegepersonal
im
Langzeitpflegebereich“ wurde eine Forschungslücke
gefunden und diese Erkenntnis darüber ist zugleich
das Forschungsergebnis. Schlussfolgerung: Es wird
geraten wissenschaftliche Forschungen zu diesem
Bereich durchzuführen um Ergebnisse aufzuzeigen.
carry out research on this area in order to
show results.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Allgemeine Einführung in das Thema Depression .................................................. 1
1.1 Begriffsdefinition Depression .......................................................................................... 1
1.2 Arten von Depressionen ................................................................................................... 2
1.3 Diagnose von Depressionen ............................................................................................. 2
1.4 Epidemiologie von Altersdepressionen............................................................................ 4
1.5 Risikofaktoren von Depressionen im Alter ...................................................................... 6
1.6 Therapiemöglichkeiten von depressiven Erkrankungen im hohen Alter: ........................ 6
1.6.1 Medikamentöse Behandlung ..................................................................................... 7
1.6.1.1 Wirkmechanismus .............................................................................................. 7
1.6.1.2 Gruppen von Antidepressiva .............................................................................. 7
1.6.2 Behandlung speziell bei älteren PatientInnen ........................................................... 8
2. Methoden................................................................................................................ 8
2.1 Suche im Pubmed ............................................................................................................. 9
2.2 Suche in Medline............................................................................................................ 10
2.3 Suche im PMC ............................................................................................................... 11
3. Diskussion ............................................................................................................ 12
3.1 Auflistung der Treffer: ................................................................................................... 12
3.2 Erörterung der relevanten Studien: ................................................................................ 14
4. Interview als praxisnahes Beispiel ........................................................................ 19
4.1 Rahmenbedingungen des Interviews.............................................................................. 19
4.2 Fragen des Interviews..................................................................................................... 20
4.3 Transkription des Interviews .......................................................................................... 21
5. Resümee .............................................................................................................. 30
6. Referenzliste......................................................................................................... 33
7. Abbildungsverzeichnis .......................................................................................... 36
Einleitung:
In der folgenden Arbeit „Einfluss von Depressionen im Alter auf das professionelle
Verhalten von Pflegepersonal im Langzeitpflegebereich“ möchte ich Einblicke in den
Alltag der Pflegenden bieten. Durch den demographischen Wandel erreichen wir ein
immer höheres Lebensalter, dies erfordert neue Anforderungen an unsere
Gesellschaft mit dieser Entwicklung entsprechend umzugehen. Gerade in den letzten
Lebensphasen, wo der Pflegeaufwand rapide steigt, kommt es zu vermehrten
depressiven Symptomen bei Pflegeempfängern/innen. Diese haben meist viele
Ursachen, die durch psychische oder physiche Faktoren begünstigt werden. Die
Pflege steht vor einer immer größer werdenden Herausforderung, mit diesen
Symptomen passend umzugehen. Meine Forschungsfrage ergibt sich aus dieser
Problematik. Ich möchte in dieser Arbeit klären, ob es einen negativen Einfluss (d.h.
eine schlechtere Betreuung) auf das Verhalten und somit auf die Beziehung
zwischen Pflegepersonal und Patient/innen gibt und wie mit der speziellen Thematik
umgegangen wird. Es wäre interessant zu wissen, ob das Personal ausreichend auf
Depressionen von Patient/innen geschult wird und wie sie damit umgehen, ob es
beispielsweise zu einer zusätzlichen Belastung führt. Haben sie die Möglichkeit
Informationen zum Umgang mit diesen Patient/innen zu bekommen, oder gibt es
sogar Leitlinien? Bevor ich jedoch in die spezielle Thematik gehe, möchte ich kurz
ein paar Begriffsdefinitionen abklären und eine kurze Einführung in das Thema
Depressionen geben.
1. Allgemeine Einführung in das Thema Depression
Zu Beginn meiner Arbeit möchte ich einen kurzen Überblick über Depressionen im
Allgemeinen bieten. Dies sind Vorraussetzungen für meine weitere Arbeit.
Begriffsdefinition Depression
Laut WHO versteht man unter Depression eine psychische Störung, welche sich
durch depressive Stimmung, Interessensverlust, Verlust an Freude, Schuldgefühlen
oder
niedrigen
Selbstwertgefühl
äußert.
Weiters
können
Schlafstörungen,
Appetitlosigkeit, verringerter Energieverbrauch, sowie mangelnde Konzentration
auftreten. Diese Erscheinungsbilder können chronisch und wiederkehrend auftreten
und führen zu extremen Beeinträchtigungen hinsichtlich der Fähigkeit des
Individuums. In den schlimmsten Fällen endet eine Depression mit dem Suizid der
jeweiligen
Person.
(vgl.
http://www.who.int/mental_health/management/depression/definition/en/)
Depression wird auch betitelt als „eine passive Lebenseinstellung, die von einer
langandauernden traurigen Grundstimmung geprägt ist“. (vgl. Petermann, 1985,
S.81)
Lange Zeit wurde beim Begriff Depression unter Fachleuten nicht dasselbe
verstanden. Die genaue Definition von Depressionen wurde erst im letzten Drittel des
20. Jahrunderts mittels operationalisierten Kriterien festgelegt. D. h. sie wurden
hinsichtlich Dauer, Symptomatik und allfälligen Ausschlusskriterien definiert. (vgl.
Schöpf, J. 2006, S.1)
Wichtig wäre auch zu erwähnen, dass sich fast jeder schon einmal in einer
depressiven Verstimmung befunden hat, was jedoch nicht heißt, dass dies mit einer
diagnostizierten Depression gleichzustellen ist. Eine depressive Verstimmung
vergeht nach ein paar Tagen wieder von alleine und ist kein anhaltender Zustand.
(vgl. Busch, K. 2007, S.3)
1
1.2 Arten von Depressionen
Depression ist nicht gleich Depression. Um die richtigen Therapiemaßnahmen
setzten zu können, muss zuerst die vorhandene Art der Depression diagnostiziert
werden. Hierfür gibt es eine Gliederung in drei Gruppen von Depressionen.
Man
unterscheidet
zwischen
psychogenen
Depressionen,
somatogenen
Depressionen und endogenen Depressionen.
Psychogene Depressionen: Hierbei liegen keine körperlichen Ursachen für das
Auftreten der Depression vor. Trotzdem kann sie sich in körperlichem Schmerz
ausdrücken.
Somatogene Depressionen: Damit sind körperlich bedingte Depressionen gemeint,
welche sich in organische und symptomatische Depressionen unterteilen.
Endogene Depressionen: Diese Form entsteht weder durch körperliche Ursachen,
noch durch äußere Ursachen. Sie „wächst“ sozusagen von Innen heraus. Mögliche
Ursachen
sind
genetisch
bedingt,
wie
beispielsweiße
ein
Mangel
an
Neurotransmittern, welcher die Weitergabe von Informationen in unserem Körper
hemmt.
(vgl.
http://www.altenpflegeschueler.de/krankheiten/symptome-bei-
depressionen-1.php)
Diagnose von Depressionen
In den meisten europäischen Ländern wird zur Diagnose von Depressionen das
Diagnoseinventar ICD 10 verwendet. Dies wurde von der WHO initiiert und ist teils
verbindlich anzuwenden. Man kann unter verschiedenen Störungskategorien wählen
und somit eine Störung definieren und ihre Ausprägung, sowie mögliche
Kombinationen mit anderen Störungsbildern. Der zeitliche Verlauf, vor allem von den
Leitsymptomen und durch die vermutete Ursache, bildet die Störungsbilder. Somit
muss man bedenken, dass alle Faktoren miteinbezogen werden müssen. Man
spricht nicht von einem einheitlichen Krankheitsbild. (vgl. Jobst Finke,2004, S. 86)
2
Zum besseren Verständnis zeigt die folgende Tabelle einen Auszug des
Diagnoseinventars ICD 10 im Bereich der depressiven Erkrankungen:
ICD 10 Depressionen:
bipolare Effektive Störungen (gegenwärtig depressiv)
F31.3
depressive Episode
F32
leicht
F32.1
mittel
F32.2
schwer
F32.3
rezividierende depressive Störung
F33
Zyklothymie
F34.0
Dysthymie
F34.1
Angst/ Depression gemischt
F41.2
depressive Anpassungsstörung
F43.2
(vgl. http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl/fricd.htm?gf30.htm+)
Zu den Symptomen einer Depression zählen:
Freudlosigkeit,
Energieverlust,
Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf,
Appetit- und/oder Gewichtsabnahme oder –steigerung,
Konzentrationsstörungen,
innere Unruhe oder Verlangsamung in Motorik oder Denken,
Gedankenkreisen um negative Inhalte,
Wunsch nicht mehr zu leben oder Suizidgedanken.
Dies wird durch eine bedrückte, traurige oder einer sonst negativ getönten Stimmung
zum Ausdruck gebracht. (vgl. Schöpf, J. 2006, S. 2)
3
Epidemiologie von Altersdepressionen
Laut WHO zählen Depressionen zu den am stärksten verbreiteten Volkskrankheiten.
Schätzungen ergeben, dass im Jahr 2020 möglicherweise Depressionen zu den
zweithäufigsten Volkskrankheiten zählen (nach ischämischen Herzerkrankungen).
Ein Fünftel der Weltbevölkerung leidet mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest ein
mal im Leben unter einer depressiven Störung. Im Alter leiden ebensoviele
Patient/innen an Depressionen, wie in anderen Lebensabschnitten. Jedoch wird die
Erkrankung durch typische Krankheitsbilder im Alter verstärkt. Aus der Berliner
Alternsstudie kommt hervor, dass 9,1% der über 70 Jährigen an Depressionen
leiden.
An
einer
subdiagnostischen
Depressivität
leiden
sogar
23%
der
Proband/innen. Unter subdiagnostischer Depressivität versteht man Krankheitsbilder,
die noch nicht vollständig ausgebildet sind, jedoch die Lebensqualität senken und ein
Risiko für eine spätere Erkrankung deutlich erhöhen. Ebenfalls steigt das Suizidrisiko
im Alter auf erschreckende 30,5% bei den über 75 Jährigen. (vgl. Adler et al. 2009,
S. 15-16)
Laut der Gesundheitsbefragung 2006/07, ausgewertet durch Statistik Austria, kommt
es zu folgenden, für Österreich erhobenen Ergebnissen hinsichtlich der Verteilung
von Personen mit depressiver Verstimmung: Frauen sind generell häufiger betroffen
als Männer. Bei der Erhebung wurden Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen,
Lebensunterhalt und Migrationshintergrund miteinbezogen. Daraus ergab sich, dass
die Art des Lebensunterhaltes der stärkste Einflussfaktor war, jedoch bei Männern
stärker ausgeprägt als bei Frauen. Der Faktor Alter warf bei den Frauen ein höheres
Risiko auf an einer Depression zu erkranken, im Vergleich zu Männern. 45-49 jährige
Frauen haben ein Risiko von 3,90 , Männer haben hingegen in diesem Alter ein
Risiko von 2,51. Diese beiden Werte sind höher im Vergleich zu jüngeren
Altersgruppen. (siehe Tab. 1)
4
Tabelle1: Auftretenswahrscheinlichkeit von Depressionen in Abhängigkeit von
ausgewählten Merkmalen nach Geschlecht:
(vgl. Sozio- und demographische und sozio-ökonomische Determinanten von
Gesundheit, Statistik Austria, 2007, S.102-103)
5
Risikofaktoren von Depressionen im Alter
Von großer Bedeutung für das Auftreten und Aufrechterhalten von depressiven
Störungen im fortgeschrittenen Alter,
ist das
Vorhandensein von
anderen
Krankheiten und Behinderungen. In Pflegeheimen leiden etwa 40-50% an
depressiver Verstimmung, wobei 15-20% dieser Bewohner an einer anderweitigen
schweren Erkrankung leiden. Laut Häfner begünstigt ein passiver Lebensstil
Übergewicht und Bewegungsmangel. Dadurch kann sich Diabetes entwickeln,
daraus ergibt sich nach jahrelanger Erkrankung eine Depression und die Entwicklung
eines zerebralen Gefäßprozesses wird begünstigt. Durch die Depression werden
diätetische Maßnahmen vernachlässigt, was in weiterer Folge zu einem Hirninfarkt
führen kann. Daraus ergibt sich eine Demenz mit weiterführender Pflegebedürftigkeit.
(vgl. Adler et al. 2009, S. 16-17)
Das erhöhte Alter bringt auch todesbedingte Verlustängste mit sich. Je älter man
wird, desto mehr Gedanken macht man sich über die Vergänglichkeit und über den
Tod. Gerade dann, wenn geliebte Freunde, oder auch der/die eigene Partner/in
verstirbt. Dieser Lebensabschnitt bringt an sich schon ein erhöhtes Risiko mit sich,
um eine negative Denkweise zu bilden und später an einer Depression zu erkranken.
Ebenfalls kann der Eintritt in den Ruhestand eine Depression schüren, welche im
späteren Verlauf ganz austritt. (vgl. Böttcher, H., Saal, I., 2004, S. 4)
1.6 Therapiemöglichkeiten von depressiven Erkrankungen im hohen Alter:
Es gibt verschiedene Ansätze von Therapien. Generell kann man sie in
medikamentöse Therapien und nicht medikamentöse Therapien unterteilen. Heut zu
Tage werden gänzlich alle depressiven Störungen mit einer Psychotherapie betreut
und bei Bedarf zusätzlich mit Medikamenten. Anhand von vorliegenden klinischen
Studien wurde erhoben, dass sich leicht depressive Erkrankungen am besten mit
einer spezifischen Psychotherapie und Pharmakotherapie behandeln lassen. Im
Gegensatz sind schwere Depressionen besser mit einer allgemeinen Psychotherapie
behandelbar, da die Patient/innen von einer spezifischen Therapie nicht profitieren
können, da dies überfordernd wirkt. Zusätzlich werden schwere Depressionen mit
Antidepressiva therapiert. Möglich ist es aber, bei gegebener Besserung der
6
Patient/innen diese mit einer spezifischen Psychotherapie zu behandeln, da diese zu
diesem Zeitpunkt besser händelbar ist für die Betroffenen und dann auch eine
Besserung erzielen kann. (vgl. Schöpf J., 2006, S.7)
1.6.1 Medikamentöse Behandlung
Bei einem medikamentösen Therapieansatz werden am häufigsten Antidepressiva
verabreicht, welche in zwei Wirkgruppen eingeteilt werden. Zum einen sind sie
depressionslösend, stimmungsaufhellend und antriebssteigernd und zum anderen
haben sie eine antriebshemmende, sedierende und angstdämpfende Wirkung. (vgl.
Schmid, B., Hartmeier, C., Bannert, C. 2007, S. 92)
1.6.1.1 Wirkmechanismus
Die Wirkung von Antidepressiva ist bis heute nur teilweise ergründet. Man geht
davon aus, dass sie auf die synaptische Erregungsleitung wirken und den SerotoninDopamin- Haushalt dadurch regeln. Die Wiederaufnahme der Neurotransmitter ins
Nervenende wird somit gehemmt. (vgl. Schmid, B., Hartmeier, C., Bannert, C. 2007,
S. 92)
1.6.1.2 Gruppen von Antidepressiva
Je nach Wirkweise werden Antidepressiva in verschiedene Gruppen eingeteilt. Zu
den vier wichtigsten Vertretern zählen:
Trizyklische Antidepressiva: hemmen nicht selektiv die Wiederaufnahme von
Serotonin im synaptischen Spalt
SSRI und SNRI: hemmen gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin im
synaptischen Spalt
NRI: hemmen ausschließlich die Noradrenalin- Wiederaufnahme
MAO- Hemmer: hemmt die Wirkung des Enzyms Monoamiooxidase, welches
dadurch im Gehirn Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und Tyramin nicht mehr
abbauen
kann.
Es
kommt
zu
einer
Erhöhung
der
Neurotransmitterkonzentration (vgl. Schmid, B., Hartmeier, C., Bannert, C.
2007, S. 92-93)
7
(vgl.
http://www.lilly-
pharma.de/fileadmin/images/lilly/gesundheit/depression/medikamentoese_therapie_0
1.gif)
1.6.2 Behandlung speziell bei älteren Patient/innen
Generell ist darauf zu achten, dass die Dosierung bei Einnahmebeginn sehr gering
ausfällt, wenn nicht überhaupt unter der Grenzdosierung. Eine Erhöhung kann
stufenweise
erfolgen
und
Überprüfungen sind
in
regelmäßigen
Abständen
durchzuführen. Weiters sollte man beachten, dass ältere Patient/innen oft bei vielen
Ärzt/innen in Behandlung sind, welche Medikamente verschreiben ohne voneinander
zu wissen. Auch Nieren- und Leberfunktionsstörungen dürfen nicht außer Acht
gelassen werden. Oft kann es bei älteren Personen auch zu einer Erhöhung der
Nervensystemsensibilität kommen, wodurch sich Nebenwirkungen wie Verwirrtheit
leichter durchsetzen. (vgl. Schmid, B., Hartmeier, C., Bannert, C. 2007, S. 99-100)
2. Methoden
Um eine wissenschaftliche Grundlage für meine Arbeit zu gewährleisten, habe ich
mich für eine Literaturrecherche in drei verschiedenen Medien (Medline, Oberfläche
Pubmed, PMC) entschieden. Meine Einschlusskriterien dabei waren: Treffer im
Erscheinungszeitraum zwischen 1980 und 2011 und eine Probandenanzahl über 50.
Weiters traf ich eine Einteilung in retrospektiv und prospektiv.
8
Zur Begriffserklärung:
Retrospektiv: eine retrospektive Studie wird so bezeichnet, da man von der
Gegenwart ausgehend die Vorgeschichte untersucht.
Prospektiv: darunter versteht man Studien, die Hypothesen aufstellen und dann
Daten für die Überprüfung der Hypothese sammeln.
2.1 Suche im Pubmed
Die erste Recherche führte ich im Medium Pubmed (eine Oberfläche von Medline)
durch. Folgende Determinanten wurden verwenden: depression, mood disorder,
elderly, attitudes of care givers, relationship care giver, nursing home und long term
care. Dabei ergab sich folgendes Suchprotokoll:
Tabelle 2:
Anzahl der
v. 1980 bis
Retrospektiv Prospektiv
Über 50
Relevante
Treffer
2011
Probanden
Treffer
60
60
25
35
37
7
9
9
1
8
5
4
2
2
1
1
2
0
1. Suche: depression and elderly and attitudes of care givers and nursing home
2. Suche: mood disorder and elderly and attitudes of care givers and nursing
home
3. Suche: mood disorder and elderly and relationship caregiver and long term
care
Bei der Eingabe von depression and elderly and attitudes of care givers and nursing
home kam es zu 60 Treffern, davon wurden 60 im Jahr 1980 bis 2011 publiziert.
Weiters habe ich die Hits in 25 retrospektive Studien und 35 prospektive Studien
unterteilt. Die relevanten Treffer mit einer Probandenanzahl über 50 betrugen sieben.
Bei der Eingabe von mood disorder and elderly and attitudes of care givers and
nursing home kam es zu neun Treffern, davon entstammen alle neun aus dem
relevanten Publikationszeitraum von 1980 bis 2011. Weiters ergab sich eine
9
retrospektive Studie und acht prospektive Studien. Studien mit über 50 Probanden
ergaben sich fünf. Die daraus entstandenen relevanten Treffer waren vier.
Weiters führte ich einen Suchverlauf mit den Eingaben mood disorder and elderly
and relationship caregiver and long term care durch. Hierbei bekam ich zwei
Ergebnisse, wovon beide zwischen 1980 und 2011 publiziert wurden. Es ergab sich
daraus eine Verteilung von einer retrospektiven Studie und einer prospektiven
Studie. Die Probandenanzahl war durchgehend über 50. Relevante Treffer ergab
dieser Suchverlauf jedoch nicht. (siehe Tab. 2)
2.2 Suche in Medline
Die zweite Suche führte ich im Medium Medline durch. Die Determinanten waren
wiederum depression, mood disorder, elderly, attitudes of caregiver, relationship
caregiver, nursing home und long term care. Das Suchprotokoll ergab sich dadurch
folgendermaßen:
Tabelle 3:
Anzahl der
v. 1980 bis
Retrospektiv Prospektiv
Über 50
Relevante
Treffer
2011
Probanden
Treffer
12
12
4
8
5
3
1
1
0
1
0
0
0
0
0
0
0
0
1. Suche: depression, elderly, attitudes of caregiver, nursing home
2. Suche: mood disorder, elderly, attitudes of caregiver, nursing home
3. Suche: mood disorder, elderly, relationship caregiver, long term care
Bei der Sucheingabe depression, elderly, attitudes of caregiver und nursing home
ergaben sich 12 Hits, davon wurden alle zwischen 1980 und 2011 publiziert. Weiters
unterteilen sich die Ergebnisse in vier retrospektive und acht prospektive Studien.
Fünf der Studien enthielten über 50 Probanden, davon stufte ich drei Hits als
relevante Treffer ein.
10
10
Weiters folgte die Eingabe mit den Determinanten mood disorder, elderly, attitudes of
caregiver und nursing home. Hierbei kam ein Treffer heraus, der im bestimmten
Publikationszeitraum erschienen ist. Die Studie war prospektiv, jedoch für meine
Arbeit nicht relevant.
Als letztes gab ich mood disorder, elderly, relationship caregiver und long term care
in die Suchmaschine ein, jedoch ohne einen Treffer zu erzielen. (siehe Tab. 3)
2.3 Suche im PMC
Ich beschloss den letzen Suchverlauf im Medium PMC (PubMed Central)
durchzuführen. Die Determinanten sind gleichbleibend, wie
in
den beiden
Suchverläufen zuvor, d.h. wiederum depression, mood disorder, elderly, attitudes of
caregiver, relationship cargiver, nursing home und long term care. Daraus ergab sich
folgendes Suchprotokoll:
Tabelle 4:
Anzahlt der
v. 1980-
Retrospektiv Prospektiv
Über 50
Relevante
Treffer
2011
Probanden
Treffer
85
85
47
39
40
2
5
5
1
4
5
1
6
6
5
1
1
1
1. Suche: depression and elderly and attitudes of caregiver and nursing home
2. Suche: mood disorder and elderly and attitudes of caregiver and nursing home
3. Suche: mood disorder and elderly and relationship caregiver and long term
care
Bei der Sucheingabe depression and elderly and attitudes of caregiver and nursing
home ergab sich eine Trefferquote von 85 Treffern. Davon wurden 85 zwischen 1980
und 2011 herausgebracht. Die Aufteilung erfolgte in 47 retrospektive und 39
prospektive Hits. Bei den Hits gab es 40 mit einer Probandenanzahl über 50, davon
waren zwei relevante Treffer.
11
11
Mit den Determinanten mood disorder and elderly and attitudes of caregiver and
nursing home ergaben sich fünf Treffer, wobei alle zwischen 1980 und 2011
publiziert wurden. Es gab eine retrospektive und vier prospektive Studien, wobei alle
über 50 Probanden hatten, daraus ergab sich ein relevanter Treffer.
Bei der Suche mit mood disorder and elderly and relationship caregiver and long
term care fand ich sechs Hits, wobei wiederum alle im Publikationszeitraum von 1980
bis 2011 herausgegeben wurden. Es ergab sich eine Aufteilung zwischen fünf
retrospektiven und einer prospektiven Studie, sowie einen daraus resultierenden
relevanten Treffer mit einer Probandenanzahl über 50. (siehe Tab. 4)
3. Diskussion
Während meiner Recherche zum ausgewählten Thema fiel sofort auf, dass es sich
hierbei um eine Forschungslücke handeln muss, da es sehr schwer war brauchbare
Literatur zu finden. Ebenfalls aufgefallen ist, dass Depressionen häufig mit Demenz
in Verbindung gebracht werden. Es ergab sich kein einziger Artikel, der sich wirklich
auf die Beeinflussung der Beziehung zwischen Pflegepersonal und Patient/innen
richtete. Man kann also sagen, dieser Themenbereich ist bis jetzt unerforscht.
Trotzdem habe ich „Hits“ ausgewählt um aufzuzeigen, welche Informationen rund um
diesen Themenbereich bereits existieren und welchen Bereichen anscheindend eine
bedeutsamere Rolle zugeschrieben wurde.
Auflistung der Treffer
Bevor auf die einzelnen Artikel näher eingegangen wird, möchte ich eine kurze
Übersicht geben und aufzeigen, warum diese Studien trotzdem eine Berechtigung
erhielten zu den „Hits“ zu zählen:
Correlates of knowledge and beliefs about depression among long term care
staff
The therapeutic effects of the physician-older patient relationship: Effective
communication with vulnerable older patients
12
12
The Mood Disorder Burden Index: A Scale for Assessing the Burden of
Caregivers to Adults with Unipolar or Bipolar Disorder
Knowledge of late- life depression: an empirical investigation of aged care staff
Attitude and burden in families of depressed elderly patients: strategies for
care
How effective is advanced training concerning depression and suicidality
among the elderly? Results of a pilot study
Knowledge and skills of professional carers working with older people with
depression
Effects of the quality of dyadic relationships on the psychological well-being of
elderly care- recipients
Altersdepression- wird selten erkannt
Does depression prior to caregiving increase vulnerability to depressive
symptoms among caregivers of person with Alzheimer`s disease?
Pygmalion in the nursing home. The effects of caregiver expectations on
patient outcomes
Fast jede dieser Studien bezog sich ausschließlich auf Depressionen und enthielt
keinen Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie beispielsweise Demenz.
(Ausnahme: eine Studie mit Bezug auf Alzheimer) Weiters beziehen sie sich auf den
derzeitigen Wissensstand zum Thema Depressionen, was sich auf die Pflegeleistung
der Pflegeerbringer/innen auswirken kann und somit dessen Qualität beeinflussen
kann. In vielen Studien wird die Patient/innen- Arzt/Ärztin Beziehung durchleuchtet,
was einen Einfluss auf das Erkennen von Depressionen nehmen kann und somit
ebenfalls miteinbezogen werden sollte. Artikel die sich auf depressive Symptomatik
der
Dienstleister/innen beziehen, sehe
ich
ebenfalls als
Randbereich und
nennenswert, da dies ebenfalls im Zusammenhang mit dem Entstehen von
Depressionen bei Patient/innen stehen könnte. Zu guter letzt, schloss ich noch
Studien mit ein, die das Erkennen der Symptomatik von Depressionen beschreibt, da
dies einer der wichtigsten Punkte ist. Wer Depressionen nicht erkennt, kann
Depressionen nicht behandeln.
13
13
Es folgt die genauere Erläuterung der einzelnen Artikel:
Erörterung der relevanten Studien
Im Artikel „Correlates of knowledge and beliefs about depression among long term
care staff“ steht vor allem das Pflegepersonal im Vordergrund. Es wird erhoben,
inwieweit das Pflegepersonal selbst der Depression zum Opfer fallen kann und
wieviel Wissen zu depressiven Verstimmungen besteht. Ergebnis war es, dass
paraprofessionelle Leistungserbringer/innen im Vergleich zu Schwestern/Pfleger und
Sozialarbeiter/innen einen niedrigeren Wert bei Depressionen hatten, jedoch einen
höheren Wert bei Belastung. Es
wurde geraten, die Aufklärung für das
paraprofessionelle Team individueller zu gestalten, um die Aufklärarbeit effektiver
gestalten zu können. Ich denke, durch diesen Artikel wird eine Leitlinie gegeben, um
das Personal für Depressionen zu sensibilisieren. Wenn eine Pflegeperson mehr
Wissen zu psychischen Verstimmungen erhält, auch wenn es in diesem Fall nicht auf
den/die Patient/in ausgerichtet ist, kann man eine solche Störung auch bei seinem
Gegenüber besser einschätzen und dementsprechend sensibler handeln.(vgl.
Ayalon, L., Arean, P., Bornfeld, H.,2008, S. 356-363)
Im Artikel „The therapeutic effects of the physician-older patient relationship: Effective
communication with vulnerable older patients“ liegt das Hauptaugenmerk auf der
Patient/innen- Arzt/Ärztin- Beziehung. Es wird beschrieben, welche wichtigen
Faktoren im Alter die körperliche und geistige Gesundheit beeinflussen können. Dazu
zählen
das
Einkommen,
Gesundheitssystem,…Weiters wird
soziale
Kontakte,
darauf
hingewiesen,
Zugang
dass
eine
zum
gesunde
Patient/innen- Arzt/Ärztin- Beziehung sich positiv auf diese Bereiche auswirken kann.
Oft wird eine Depression nicht früh genug erkannt und von den Patient/innen nicht
wahr genommen. Ihnen fällt nicht auf, dass sich ihre Stimmung verändert, sie können
besser körperliche Symptome kategorisieren und beschreiben. Viele haben nicht den
Mut, um über psychische Veränderungen zu sprechen und wollen niemanden zur
Last fallen. Daraus kann sich ein Teufelskreis entwickeln, der/die Patient/in ist
depressiv verstimmt, möchte es aber nicht nach außen zeigen. Somit wird versucht,
gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Dadurch erweckt diese/r Patient/in nicht
den Anschein, beim Personal mehr Zeit in Anspruch zu nehmen und die
14
14
voranschreitende
Depression
bleibt
unerkannt.
Somit
kann
es
zu
einer
Unterversorgung führen. (vgl. Summer, L. Williams, Kelly, B. Haskard, Robin
DiMatteo, M.,2007, S. 453-467)
Wie man eine Depression ermitteln kann, ist im Artikel „The Mood Disorder Burden
Index: A Scale for Assessing the Burden of Caregivers to Adults with Unipolar or
Bipolar Disorder“ beschrieben. Es wird davon ausgegangen, dass sich depressive
Verstimmungen in den nächsten Dekaden bei älteren Personen verstärken werden
und somit zu einem zentralen Problem werden. Es werden drei Kerndomäne
untersucht: Patient/innen-Stimmungs-Symptome, Sorgen über die Zukunft der
Leistungserbringer/innen
und
zwischenmenschliche
Schwierigkeiten
mit
den
Patient/innen. Der Artikel zeigt, dass die Leistungserbringer/innen, gerade im
familiären Bereich einer großen Belastung ausgeliefert sind, wenn der/die Patient/in
an einer Depression leidet. (vgl. Martire, L., Hinrichsen, G., Morse, J., Reynols, C.,
Gildengers, A., Mulsant, B., Schulz, R., 2009, S. 67-77)
Interessant fand ich den Bericht „Knowledge of late- life depression: an empirical
investigation of aged care staff.“ in dem beschrieben wird, inwieweit Pflegepersonen
eine Ausbildung hinsichtlich Depressionen von Heimbewohner/innen erhalten. Ein
bisschen weniger als die Hälfte, hatte bis zum untersuchten Zeitpunkt keine
Ausbildung in diesem Bereich genossen. Weiters empfand ein erheblicher Teil die
psychischen Verstimmungen der Bewohner, als normale Folge des Alters bzw. als
Reaktion auf den Umzug ins Altenheim. Meiner Meinung nach, kann eine solche
Einstellung des Personals die Beziehung zum/zur Patient/in erheblich beeinflussen,
da nicht wirklich auf das Problem eingegangen wird bzw. es erst gar nicht als
Problem erkannt wird. Ich denke nicht, dass es als normaler Lauf der Dinge gelten
sollte, im Alter depressiv zu werden. Informationen und spezifische Ausbildungen
sollten fester Bestandteil der Ausbildung für Krankenpflegeberufe sein. (vgl. Davison,
TE., Mc Cabe, MP., Mellor, D., Karantazas, G., George, K., 2009, S. 577-586)
Ein weiterer Artikel, der das unzureichende Wissen bezüglich Altersdepressionen
durchleuchtet, ist „Attitude and burden in families of depressed elderly patients:
strategies for care.“ Es wird beschrieben, dass pflegende Angehörige, sowie auch
das Pflegepersonal zu wenig Informationen zu diesem Thema erhält und dadurch
15
15
keine optimale Versorgung der Patient/innen erreicht werden kann. Generell wird
dem Bereich Depressionen wenig wissenschaftliche und empirische Aufmerksamkeit
geschenkt, was zu einer Besserung jedoch unausweichlich wäre. Es wird ebenfalls
darauf hingewiesen, dass die Einstellung und die Belastbarkeit des Pflegepersonals
wesentlichen Einfluss auf die Erstprüfung und die weitere Behandlung von depressiv
verstimmten Patient/innen hat. (vgl. Billig, N., 1991, S. 225-228)
Hierzu habe ich eine Pilotstudie gefunden, die untersucht, ob es einen kurzfristigen
bzw. einen langfristigen Informationszuwachs zum Thema Depressionen geben
kann, wenn man Pflegepersonen eine spezifische Schulung anbietet. Im Artikel „How
effective is advanced training concerning depression and suicidality among the
elderly? Results of a pilot study.“, wurden 374 geriatrische Pflegepersonen mittels
eines 12 Items Fragebogen befragt. Vorab erhielten sie eine vierstündige Schulung
zum Thema „Depressionen und Suizidalität im Alter“. Gemessen wurde vor der
Schulung, kurz danach und drei Monate später. Ergebnis der Studie war, dass ein
kurzfristiger Wissenszuwachs in nahezu allen 12 Items gemessen werden konnte.
Langfristig gesehen waren ebenfalls signifikante Unterschiede erkennbar, vor allem
in den Bereichen der Pharmakotherapie bei Depressionen und dem Verständnis
gegenüber Selbstmord im Alter. Diese Ergebnisse zeigen auf, welche Wichtigkeit die
Sensibilisierung
hat
und
dass
schon
nach
kurzer
Intervention
eine
Wissensbereicherung eintreten kann. Da die Pflegepersonen maßgeblich daran
beteiligt sind Depressionen im Alter zu erkennen und um danach richtig handeln zu
können, ist es unausweichlich diese Fortbildungen auszubauen und zu ermöglichen.
(vlg. Ziervogel, A., Pfeiffer, T., Hegerl, U., 2005, S. 11-17)
Ebenfalls auf die Beurteilung der Kenntnisse und Fähigkeiten des professionellen
Pflegepersonals bezüglich Depressionen, bezieht sich der Artikel „Knowledge and
skills of professional carers working with older people with depression“. Untersucht
wurde das Wissen von 21 Pflegekräften und zusätzlich von zehn Hausärzt/innen
sowie sieben Altenpflege- Manager/innen. Daraus ergab sich, wie bei den Artikeln
zuvor, ein deckendes Ergebnis. In jeder Gruppe der Befragten, zeigten sich
erhebliche
Wissenslücken
im
Bezug
auf
Wissen
und
Bewusstsein
über
Depressionen. (vgl. MC Cabe, MP., Davison, T., Mellor, D., George, K., 2008, S.
228-235)
16
16
Weiters möchte ich auf den Artikel „Effects of the quality of dyadic relationships on
the psychological well-being of elderly care- recipients“ eingehen. Hierbei setzte man
sich das Ziel, die Qualität der Beziehung zwischen Pflegepersonal und Patient/innen
hinsichtlich
des
psychischen
Wohlbefindens
des
Leistungsempfängers/der
Leistungsempfängerin zu untersuchen. Dazu wurden Interviews geführt und es
wurden folgende Bereiche miteingebunden: körperliche Gesundheit und Höhe der
instrumentellen Unterstützung. Es beteiligten sich insgesamt 37 Personen, die jedoch
noch ihren eigenen Haushalt hatten. Es ergab sich kein signifikanter Zusammenhang
zwischen der Qualität der Beziehung und dem psychischen Wohlbefinden.
Interessant ist aber, dass sich die Selbsteinschätzung im Bezug auf Gesundheit
verbesserte, depressive Symptome
weniger
bewertet
wurden,
ein
höheres
Moralempfinden empfunden wurde, sowie die Lebensqualität des Einzelnen besser
bewertet wurde. Aus den Ergebnissen geht heraus, dass das Alter an sich, die Höhe
der instrumentellen Unterstützung, sowie die körperliche Gesundheit des Einzelnen
wichtige Indikatoren für das individuelle, psychische Wohlbefinden sind. Je älter die
befragten Personen waren, desto höher waren die depressiven Sympome. (vgl.
Nunley, BL., Hall, LA., Rowles, GD., 2000, S. 44-45)
Wie bereits erwähnt, treffen diese Artikel nicht ganz das ausgewählte Thema.
Auffallend ist aber, dass zu wenig Informationen zu Depressionen im Alter bestehen.
Laut einem Artikel aus der Zeitung „der Standard“ von 2007 „Altersdepression- wird
selten erkannt“, war Tirol Vorreiter in der Ausbildung von Fachpersonal im Bezug auf
Altersdepressionen. Hierfür waren sechs Stunden für Grundlagen und Diagnose
vorgesehen und weitere 12 Stunden für Interventionsmöglichkeiten. Nachdem
Depressionen aber häufig nicht, oder falsch diagnostiziert werden, erschien mir diese
Stundenanzahl sehr gering. Es
wird angegeben, dass
jediglich 25% der
Depressionen bei über 65 Jährigen erkannt werden, da oft andere Symptome im
Vordergrund stehen und die Betroffenen über ihren Gemütszustand schweigen.
Weiters kann eine lang anhaltende Depression chronisch werden und später für
schwere Erkrankungen, wie zum Beispiel einen Herzinfarkt mitverantwortlich sein.
(vlg. http://www.eaad.net/enu/press-review-austria-1.php)
17
17
Viele Artikel beschäftigen sich mit den möglichen Depressionen von Pflegepersonal
und inwieweit diese in Zusammenhang gebracht werden können, mit einer
Alzheimererkrankung. Hierzu wurde eine Stichprobe im Rahmen der Studie „Does
depression prior to caregiving increase vulnerability to depressive symptoms among
caregivers of person with Alzheimer`s disease?“ durchgeführt. Auffallend war auch,
dass Depression sehr häufig zusammen mit einer Alzheimer Erkrankung untersucht
wurde, sowie bereits oben erwähnt mit Demenz. Es wurde die Hypothese aufgestellt,
dass Pflegekräfte mit vorheriger Depression ein größeres Risiko aufweisen, erneut
an einer Depression zu erkranken, als Pflegekräfte ohne Vorbelastung. Weiters
wurde vermutet, dass Pflegepersonen mit Vorgeschichte ein erhöhtes Risiko zum
Rückfall aufweisen, wenn sie Pflegeempfänger/innen mit depressiver Symptomatik
betreuen. Es wurde eine Stichprobe von 111 Betreuer/innen von Alzheimer
Patient/innen gewählt. Weder frühere depressive Verstimmungen, noch klinisch
relevante frühere Depressionen, waren maßgeblich an der Entstehung depressiver
Symptomen während der Leistungserbringung beteiligt. Jedoch bei der Einteilung in
„depressive Vorgeschichte“ und „keine depressiven Vorerkrankungen“, wurde
festgestellt, dass je größer die Abhängigkeit bei Aktivitäten des täglichen Lebens,
desto
weniger
präsent
waren
die
depressiven
Symptome
während
der
Leistungerbringung. Dieses Ergebnis zeigt, dass Pflegekräfte mit Vorgeschichte,
nicht unbedingt mehr gefährdet sind an Depressionen zu erkranken. (vgl.
Neundorfer, NM., Mc Clendon, MJ., Smyth, KA., Strauss, ME., Mc Callum, TJ., 2006,
S. 606-615)
Aufschlussreich sind die Ergebnisse der Studie „Pygmalion in the nursing home. The
effects of caregiver expectations on patient outcomes“. Hierbei handelt es sich nicht
um einen Artikel, speziell auf Depressionen bezogen. Es wird jedoch untersucht,
inwieweit die unterschiedliche Erwartungshaltung an einen Patienten/ eine Patientin
das professionelle Pflegeverhalten beeinflussen kann. So wurde eine Studie
durchgeführt, bei der Heimbewohner/innen kurz nach Aufnahme eingeteilt wurden in
die Kategorie „hohe Erwartung“ und „Durchschnittserwartung“. Diese Einteilung
erfolge durch eine umfassende Beurteilung der kognitiven und physichen Fähigkeiten
der Patient/innen. Dem Pflegepersonal wurde nicht gesagt, dass die tatsächliche
Einordnung zufällig getroffen wurde. So kam es zu dem Ergebnis, dass Patient/innen
in der Gruppe „hohe Erwartungen“ eine Verringerung depressiver Symptome hatten,
18
18
büßten jedoch auch vermehrt funktionale Unabhängigkeit ein. Man könnte
Querverbindungen herstellen, die besagen, dass das Pflegepersonal durch seine
Einstellung maßgeblich draran beteiligt sein kann, den Pflegeerfolg zu beeinflussen
durch mehr bzw. weniger Betreuung und dies aufgrund einer vorab getroffenen
Einschätzung des Zustandes des Patienten/ der Patientin durch medizinische
Verfahren. (vgl. Learman, LA., Avorn, J., Everitt, DE., Rosenthal, R., 1990, S. 797803)
4. Interview als praxisnahes Beispiel
Da es, wie schon erwähnt eher weniger Literatur zur Forschungsfrage vorhanden ist,
wollte ich durch ein Experteninterview herausfinden, wie die derzeitige Lage vor Ort
in Pflegeheimen aussieht. Dazu wählte ich ein Pflegeheim in Kärnten und führte die
Berfragung mit der dort tätigen Heimleitung durch. Die Wahl fiel deshalb auf die
Heimleitung, weil ich denke, dass von dieser Position aus der beste Überblick über
das Heimgeschehen gegeben werden kann und somit die representativsten
Eindrücke gewonnen werden können.
4.1 Rahmenbedingungen des Interviews
Vorab wurden alle ethischen und anonymisierungs- Aspekte behandelt und eine
Einverständniserklärung unterschrieben.
Das Interview erfolgte am 8. September 2012 und wurde von mir mittels Tonträger
aufgenommen und später transkribiert. Das Interview dauerte 53 Minuten. Die
schriftliche Zusammenfassung wurde der Heimleitung nochmals vorgelegt, um
mögliche inhaltliche Unstimmigkeiten aufgrund der Transkription zu vermeiden und
zu beheben.
Die Daten wurden anonymisiert um den/die Teinnehmer/in zu schützen und um keine
negativen Spätfolgen aufgrund des Interviews zu provozieren.
Das Interview wurde im häuslichem Umfeld der/des Teilnehmers/in durchgeführt
ohne dem Beisein anderer Personen. Damit wurde für eine lockere und entspannte
Atmosphäre während des Interviews gesorgt.
19
19
4.2 Fragen des Interviews
Der Interviewleitfaden setzt sich aus ungefähr zehn Fragen zusammen, wobei zu
Beginn
das
Auftreten
des
Phänomens
hinterfragt
wird,
sowie
seine
Diagnostizierbarkeit. Dann wird die derzeitige Lage, speziell auf das Heim selbst
bezogen hinterfragt, ebenso wird der Wissenstand durchleuchtet. Zuletzt erfolgt noch
eine persönliche Einschätzung der Heimleitung und die Forschungsfrage wird
angeschnitten. Um Raum für Zusatzinformationen zu lassen, wurde das Interview
mittels eines Leitfadens vorgenommen, somit blieb das Gespräch auch für andere
Themenbereiche offen, die möglicherweise im Gesprächsfluss entstehen.
Der Interviewleitfaden sieht wie folgt aus:
Sind depressive Erkrankungen unter Ihren Heimbewohner/innen ein
Krankheitsbild?
Welche Verhaltensweisen und Symptome bemerken DGKS/ DGKP bei
Menschen mit Depressionen in Ihrem Heim?
Denken Sie, dass Depressionen oft unerkannt bleiben, oder auch
fehldiagnostiziert werden?
Bestehen Leitlinien bezüglich Depressionen im Alter?
Wie denken Sie, wird mit depressiven Patient/innen in Ihrem Pflegeheim
umgegangen, gibt es Unterschiede zu nicht-depressiven Patient/innen?
Gibt es spezielle Zusatzausbildungen, die sich auf depressive Verstimmungen
spezialisieren?
Wie würden Sie den Wissensstand bezüglich Depressionen bei Ihren
Mitarbeiter/innen einschätzen?
Welche Optimierungsmaßnahmen, bezogen auf den Wissensstand des
Personals wären für Sie denkbar und realisierbar?
Wie schätzen Sie persönlich die Pflegeleistung bezüglich Altersdepressionen
in Ihrer Einrichtung ein?
Denken Sie, dass Depressionen im Alter das professionelle Verhalten von
Pflegepersonal beeinflussen könnte, wenn ja warum?
20
20
4.3 Transkription des Interviews
Die Transkription wurde mittels Inhaltsanalyse nach Mayring gestaltet, welche der
qualitativen Analyse zugeschrieben wird. Daraus ergibt sich, dass folgend die
wichtigsten Interviewmaterialien angeführt sind, welche auf der Forschungsfrage
basieren. Die Interviewumstände, welche auch Bestandteil der Inhaltsanalyse nach
Mayring sind, wurden bereits oben (4.1) schon näher erläutert. Das Ziel des
Interviews war es, das bestehende Wissen bezüglich Altersdepressionen in der
Langzeitpflege zu erheben. Aufgrund der Interviewdynamik haben sich einige
Änderungen im Bezug auf die Interviewfragen (Leitfaden) und die Fragenreihenfolge
ergeben.
Sind depressive Erkrankungen unter Ihren Heimbewohnern ein Krankheitsbild?
…Ja, aber sie werden zu wenig diagnostiziert. Es ist sehr auffallend, dass auf
Arztbriefen nur Demenzen diagnostiziert werden und aufscheinen, obwohl die
Bewohner gekoppelt Antidepressiva bekommen…
Wieviele Bewohner haben eine Depression als Diagnose in Ihrem Heim?
…Der Anteil der wirklich diagnostizierten Depressionen ist sehr gering. Bei 25
Bewohnern ist vielleicht ein Patient mit einer gestellten Diagnose einer
Depression. Meiner Meinung nach haben aber mindestens 30% eine
Depression. Ich glaube, dass alte Menschen zu wenig Beachtung bekommen.
Wenn sie ins Heim kommen und niemand von den Angehörigen sich um sie
kümmert, wird nicht so viel hinterfragt. Es nimmt keiner wahr, ob sie wirklich
an Depressionen erkranken, da zu wenig Aufmerksamkeit darauf gelegt
wird…
…Depressive Leute sind sehr ruhig und befinden sich im Rückzug, das heißt
sie würden auch mit dem Arzt nicht unbedingt viel reden…
Wir haben beispielsweise einen Psychiater, also einen Neurologen, der
vierteljährlich zu uns ins Heim kommt. Wir gehen dann mit ihm mit und
besprechen mit ihm vorab die Verhaltensweisen der Patienten, aber
diagnostizieren tut er eine Depression nicht…er diagnostiziert vielleicht eine
21
21
Depression für sich, aber wir bekommen dafür keinen Befund. Das ist ein
großes Problem, denn wird bekommen nur die Medikamente verschrieben, die
der Patient dann einnehmen muss…das ist Gang und Gebe…Ich muss auch
schauen, dass ich überhaupt meine Arztbriefe bekomme,… das ist nicht
üblich, nur Kurzarztbriefe werden ausgestellt. Hier stehen dann die Diagnosen
kurz beschrieben und welche Medikamente verabreicht werden sollen…
Gibt es bestimmte Symptome einer Depression, die von einer DGKS erkannt
werden?
…Man erkennt den Rückzug…Weinen..., das ist sehr wohl so ein Ding, dass
man direkt mitbekommt. Das Weinen wird doch sehr oft nach Außen hin
gezeigt. Auch Suizidgedanken sind mit einer Depression gekoppelt. Das ist
aber ein sehr schwieriges Thema, gerade in den Altenwohnheimen…Hier
wären beispielsweise Psychiatrische Krankenschwestern ein großer Vorteil.
Es wäre generell ein großer Vorteil, wenn das Personal auch in diese
Richtung hin geschult werden würde…
Wie geht man mit einer solchen Situation um, wenn man Patienten weinen sieht?
…Man kontaktiert den Arzt, schickt ihn zur Abklärung hin- so geht man damit
um…man kann sie ja nicht einfach überhören oder übersehen. Aber wir als
Pflegepersonal können ja nicht einschätzen, ob der Patient seine Äußerungen
bezogen auf Suizidwünsche ernst meint, oder nicht…von unserer Seite aus
können wir nur Gespräche machen. Die Frage ist immer, ob die Depression
mit einer Demenz gekoppelt ist, denn dann macht man Validation. Gerade
validierende Entlastungsgespräche helfen sehr viel, da werden die Bewohner
wesentlich ruhiger. Aber es ist sehr schwierig, weil ein Patient von sich aus
nicht unbedingt das Gespräch sucht, da muss er schon ein wirklich sehr sehr
großes Vertrauen zu einer Person haben…da sind ja, … also ich habe 25
Mitarbeiter und wenn die Person gerade nicht da ist, zu dem er großes
Vertrauen hat, dann wird er nicht reden…
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22
Gibt es eine bestimmte Einteilung nach Patienten beim Personal?
…Es ist so, jeder Mitarbeiter hat eine gewisse Klientenanzahl zugeteilt und ist
für verschiedene Bereiche verantwortlich, Pflegeprozess, Biographien,…Aber
vom Arbeiten her ist dass nicht möglich, dass geht einfach vom Pflegerischen
her nicht. Aber an und für sich, sind die Mitarbeiter Bewohnern zugeordnet,
dadurch wird ihr Verhältnis zueinander gestärkt…
Werden Depressionen oft fehldiagnostiziert?
…Vielleicht nicht einmal so fehldiagnostiziert, sondern sie bleiben einfach
unentdeckt. Eher werden Demenz- und Alzheimerdiagnosen erstellt, dass hat
aber so ungefähr jeder alte Mensch…Meiner Meinung nach, ist das nicht
korrekt, da es sehr unterschiedliche Diagnosen sind. Es werden oft einige
Diagnosen durch den Arzt aufgeschrieben, wobei es zwischen den Diagnosen
keine Wertigkeit gibt…
Gibt es bestimmte Leitlinien bezüglich Depressionen?
…Im Bezug auf Depressionen, nein. Ich habe auch in anderen Heimen
nachgefragt und das gibt es nichts. Bei mir im Haus nicht und in anderen auch
nicht. Ich glaube, dass das ein Thema ist, welches nicht so sehr im
Vordergrund steht. Was sich aber groß auftut, ist der Geronto-psychiatrische
Bereich. Da werden diese Patienten nachher sein. Da ist es dann
wahrscheinlich gekoppelt mit Allgemeinschwestern, Geriatrischen Schwestern
und Psychiatrischen Krankenschwestern. Das sind dann wirklich Pflegeheime,
die auf diesen Bereich aufgebaut sind… Generell wäre es sehr schön, wenn
man so jemanden hätte, habe ich aber nicht, ich habe nur Krankenschwestern
mit einem allgemeinen Diplom, keinen aus der Psychiatrie, das wäre aber sehr
positiv! Aber meines Wissens, hat sich auch noch nie jemand mit dieser
Ausbildung bei mir beworben…
Es ist noch zu sagen, dass sich gerade im letzten Jahr das Klientel irrsinnig
verändert hat. Ganz neue herausfordernde Situationen ergeben sich dadurch
für das Personal. Die, die sehr fordernd sind, schreien, gehen, einen
23
23
Wandertrieb haben, die fordern irrsinnig viel vom Pflegepersonal ab und
bekommen auch sehr viel Aufmerksamkeit. Da fallen die depressiven
Bewohner, die Stillen und die, die sich nicht beteiligen durch den Rost. Ist
so!...
Wie sieht es bezüglich Heimaktivitäten aus, wie kann man Bewohner motivieren?
…Es gibt keine zwingende Teilnahme und es nehmen meistens immer die
Gleichen daran teil. Es wird zwar zur Kenntnis genommen, wer nicht teilnimmt,
aber manchmal haben die auch keine gekoppelte Demenz und sind sehr
selbstbestimmt, dann werde ich sie nicht dazu zwingen teilzunehmen, dass ist
ein Zwiespalt…sehr schwierig… Am ehesten helfen Gespräche und einzelAnimationen, oder so etwas in der Art, aber wirklich nur auf Einen bezogen
und nicht in der Gruppe. Ich denke sie fühlen sich in einer Gruppe nicht wohl,
da sie sich nicht äußern und nicht offen sind. Das wäre die einzige Möglichkeit
die man hätte…
Werden depressive und nicht depressive Patienten unterschiedlich betreut vom
Personal?
…Könnte ich jetzt nicht sagen, …bewusst nicht, sagen wir so. Oft ist auch
Aggressivität eine Begleiterscheinung einer Depression. Sicher, einerseits
kann es schon sein, dass man glaubt ihn einfach mal in Ruhe zu lassen, teils
wird aber sicher auch geschaut mit Gesprächen die Ursachen zu finden, was
auch eine Erleichterung bringt. Mit einem Gespräch ist es zwar sicher nicht
abgetan, aber ich denke mir, ein Gespräch ist besser als kein Gespräch…ja,
es ist absolut schwierig, Depression im Altenwohnheim ist sicher ein ganz ein
großes Thema…
Gibt es Zusatzausbildungen oder auch Fortbildungen, ist Ihnen etwas bekannt?
…Also ich wüsste nichts,… also als richtige Ausbildung wüsste ich nichts.
Wenn, dann geht das eher so in den geriatrischen oder psychiatrischen
Bereich hinein. Fortbildungen wird es sicher geben, aber mir wären diese
24
24
überhaupt nicht aufgefallen. Typische Fort- bzw. Weiterbildungen sind eher
die rechtlichen Bereiche, Gesetzessachen, Validation, basale Stimulation,
Aromatherpie- dass sind die Sachen, die großteils gemacht werden, auch
Diabetes und Wundversorgung- so in diese Richtung wird sehr viel gemacht.
Die Fortbildungen kann sich auch jeder selbst aussuchen, ich denke fast nicht,
dass Fortbildungen bezüglich Depressionen sehr häufig in Anspruch
genommen werden würden. Ich glaube einfach deswegen, weil einfach dieses
Thema Demenz so sehr im Vordergrund steht, so wie auch Demenz eher
diagnostiziert wird als Depression im Vergleich. Wenn Depressionen auch
eine höhere Wertigkeit bekommen würden, ich wüsste nicht, ob es wirklich zu
einem Umdenken kommen würde. Möglich wäre es schon, dass das Personal
durch das Fehlen der Diagnose nicht so sehr auf das Thema sensibilisiert
ist…
Wie würden Sie den Wissensstand Ihres Personals einschätzen?
…rein auf Depressionen, ahm, ja…nicht sehr ausgeprägt…der ist eher gering.
Ich denke aufgrund dessen, dass auch sehr viele andere Sachen gefordert
sind. Es kommen einfach in letzter Zeit hoch demente Leute zu uns, da muss
ich schauen, dass ich damit umgehen kann, da spielt die Validation eine große
Rolle, weil wenn ich mit den Bewohnern validierend umgehen kann, mit
Gesprächen, wird er entspannter, die Situation wird entspannter und ich werde
auch entspannter…Das ist total wichtig für meine Mitarbeiter, deswegen
gehen sehr viele Ausbildungen eher in diese Richtung…Auch im Bereich
basale Stimulation und Aromatherapie…da wird jetzt sehr viel angefangen,
das sind wahrscheinlich wichtigere Bereiche in einem Altenwohnheim, als die
Depression… Schwierig wird es dann, wenn der Patient Suizidgedanken
äußert, hier fehlt uns absolut das Wissen und ich muss sagen, wir sind nicht
genug ausgebildet…Soetwas kommt vielleicht vierteljährlich vor, dass ein
Patient solche Äußerungen von sich gibt…Gott sei Dank ist es in meinem
Heim noch nie zu einem Suizidversuch gekommen, aber ich kenne
Einrichtungen und habe auch schon vorher in solchen gearbeitet, wo das
passiert
ist…(kurze
Pause) …Bei Äußerungen wird
der
Patient
ins
Krankenhaus eingewiesen und dort von Psychologen behandelt…wir können
25
25
auch nichts machen, wir sind kein Krankenhaus, bei uns sind sie ja quasi wie
daheim…
Gibt es bestimmte Pflegeleistungen bezüglich Depressionen, wenn eine Diagnose
besteht?
…Hmm…wie wird damit umgegangen…im Endeffekt…ähm, ich denke mir,
man kennt die Bewohner doch schon sehr gut und es ist schon so, dass man
immer eine gleiche Pflegeleistung durchzieht. Man wird sein Verhalten nicht
grundlegend ändern, nur weil es ihm heute vielleicht besser und morgen
vielleicht schlechter geht, außer es geht ihm besonders schlecht, da wird er
mehr Pflege brauchen…aber wenn es ihm gut geht- und ich dann nichts mehr
mache, wird nicht funktionieren, sonst wird er mir sofort wieder abfallen…es
geht darum konsequent jeden Tag dasselbe zu machen, man merkt schnell,
wenn längere Zeit nichts gemacht wird, dass er sofort wieder zurückfällt. Bei
Depressionen ist das auch so, man braucht eine Konstante…
Wie sieht es bezüglich Pflegeanamnese und Biographiearbeit bei Ihnen aus?
…Ja, wird immer gemacht. Biographiearbeit ist im Altenwohnheim ein riesiges
Thema, ohne dem kann man gar nicht mehr arbeiten, alles ist auf Biographie
aufgebaut. Biographie ist sicher eines der wichtigsten Themen, die man so
macht. Es wird schon sehr viel individuell für die Bewohner gestaltet, dass
kann auch gegen Depressionen helfen, da man gerade durch solche Sachen
den Patienten wieder herausholen kann…schon, dass ist total wichtig…den
Leuten wird so viel genommen, sie kommen in eine neue Umgebung, können
schon sehr viel nicht mehr, sind immobil, inkontinent, obwohl sie kognitiv
vielleicht noch sehr gut sind …vor allem bei kognitiv guten Leuten sind
Depressionen ein häufiges Thema, da kommt oft auch Schamgefühl
dazu…Todesfälle im Freundeskreis sind aber auch ein sehr großes Thema,
ja…ich denke da spielt so einiges mit…
26
26
Gibt es auch Psychologen die zu Ihnen ins Heim kommen?
…Gibt es leider nicht, wäre aber sehr schön, also in unseren Häusern gibt es
das nicht. Direkt zu uns kommen Psychologen nicht, dass habe ich einmal
probiert, aber die fahren nicht in ein Altenwohnheim. Ich habe zwar einen
Psychiater, der fahrt die Altenwohnheime ab, aber Psychologen machen
soetwas nicht, nein. Aber ich muss auch sagen, es äußert fast niemand den
Wunsch. Es herrscht das Bild: zu einem Psychologen geht man nicht, damit
muss man alleine fertig werden, da wäre man schwach,…Es herrscht
diesbezüglich ein
irrsinniges Schamgefühl…nein…wird überhaupt nicht
danach gefragt, obwohl es heutzutage nicht mehr das Tabuthema ist. Aber ich
denke mir, der Weg ist sehr schwierig und hart für die Personen, bis sie es
wirklich in Anspruch nehmen. Wenn man etwas Psychisches hat, will man
nicht darüber sprechen, irrsinnig schwierig, ich glaube nicht, dass es von der
Gesellschaft wirklich akzeptiert wird. Ich denke aber, dass es die Bewohner
sehr wohl annehmen würden, wenn ein Psychologe ins Haus kommen würde.
Es würde zwar einige Zeit dauern, bis sie Vertrauen zu ihm gefasst haben,
aber das Ganze beruht ja auf einer Gesprächstherapie und Gespräche haben
alle Bewohner sehr, sehr gerne, wer auch immer mit ihnen redet und wenn es
ein Besuch von irgendwo ist…,dass ist Abwechslung und wenn es wirklich ein
Psychologe ist, der sich eine Stunde hinsetzt und mit ihnen über bestimmte
Dinge redet, würde das sicher früher oder später dankend angenommen
werden. Auch wenn anfangs vielleicht Skepsis besteht, oder auch sogar eine
Abwehrhaltung. Aber sobald sich Vertrauen gebildet hat, wird es keine Rolle
mehr spielen, dass es sich um einen ausgebildeten Psycholgoen handelt.
Angenommen würde es sicher werden…
Wie könnte man den Wissensstand bezüglich Depressionen aufbessern?
…Fortbildungen, also Fortbildungen wären das Optimale. Aber wie gesagt, mir
persönlich sind nicht sehr viele bekannt. Es wäre auch ganz toll, wenn man
beispielsweise verpflichtend pro Heim eine Krankenschwester mit einer
Psychiatrischen bzw. Geriatrischen Ausbildung hätte, aufgrund dessen, dass
sich das Klientel eben so verändert…man darf nur noch Patienten mit
27
27
Pflegestufe vier aufnehmen, es kommen immer mehr Patienten mit sehr viel
gekoppelten Erkrankungen, nur mehr rein Pflegebedürftige können wir im
Heim aufnehmen,…auch sehr viele kommen mit psychischen Verstimmungen
zu uns…Wenn jetzt eine Schwester in diesem Bereich wirklich gut ausgebildet
ist, die sieht das ja schon von vornherein ganz anders. Ich denke schon, dass
das sehr hilfreich sein könnte, also jemand mit einer speziellen Ausbildung
und nicht nur mit einer Fortbildung, das wäre noch optimaler. Ein Grundstock
wäre jedoch schon eine Fortbildung, die das gesamte Personal hätte…Ich
denke
aber
auch,
dass
sich
nicht
sehr
viele
Psychiatrische
Krankenschwestern bei einer Stellenausschreibung bei mir bewerben würden,
da diese mit ihrer speziellen Ausbildung doch bevorzugt auch in diesem
speziellen Bereich bleiben wollen. Wenn sie bei mir arbeiten würden, würden
sie auch die ganz normalen pflegerischen Dienste übernehmen müssen, da
ich sonst mit dem Personal nicht zurecht kommen würde. Dafür habe ich eine
nicht so große Kapazität…Allerdings, wenn ich zu meiner derzeitigen Anzahl
an Schwestern zusätzlich eine Psychiatrische Krankenschwester einstellen
könnte und dass auch von den finanziellen Mitteln her möglich ware, könnte
ich mir schon vorstellen, dass dies ein interessanter Arbeitsplatz sein würde,
da sie sich dann rein um den psychiatrischen Bereich kümmern würden…
Wird unter den Mitarbeitern über psychische Veränderungen der Patienten
gesprochen?
…Wir besprechen diese Veränderungen sehr wohl in Team-Sitzungen, aber
auch so…aber es gibt kein spezielles Protokoll, was auf die psychische
Verfassung ausgerichtet ist. In die normale Dokumentation fließt dies aber
sehr wohl mit ein, jedoch haben wir keine tägliche Erhebung. Wenn eine
Veränderung
auffällt,
wird
diese
erhoben
und
es
wird
darüber
gesprochen…Man kennt die Personen sehr gut, es ist nicht so wie in einem
Krankenhaus, wo die Patienten nur kurze Zeit bleiben. Dadurch kann man
Veränderungen auch relativ gut erkennen, weil man ja weiß, wie der Patient
vorher war…vielleicht kenne ich den Bewohner ja schon über Jahre, da fällt
mir soetwas natürlich auch viel schneller auf…und auch wenn der erst vier
28
28
Wochen bei uns ist, kennt man den schon etwas besser und kann das
einschätzen…
Könnten Sie sich Leitlinien bei depressionen im Alter vorstellen?
…Ich denke diese zu erstellen ist irrsinnig schwierig. Wenn ich beispielsweise
eine Leitlinie habe bei einem Dekubitus, dann habe ich Fakten, wie z.B. eine
Rötung, dann kann ich beschließen, was ich bei einer Rötung mache, oder ich
klassifiziere den Dekubitus nach Stufen…ich kann auch schon vorher
anfangen mit der Braden-Skala…nur eine Depression, die ist ja soetwas von
komplex, da wüsste ich gar nicht, wo man da am Besten anfangen
sollte…auch sind die Ausprägungen einer Depression sehr verschieden und
individuell…ich glaube nicht, dass man bei einer Depression nach einer
Leitlinie arbeiten könnte, nach dem Motto: heute ist der Patient nicht gut
gelaunt, ich schaue in meiner Leitlinie nach und es wird empfohlen mit ihm ein
Gespräch zu führen…das wäre schon sehr gezwungen und denke ich nicht
sehr zielführend. Ich glaube es beruht irrsinnig auf dem Gespür und natürlich
auch auf dem Wissen von den Mitarbeitern. Ich habe auch noch nie gehört,
dass es eine Leitlinie bezogen auf Depressionen gibt, ich könnte mir soetwas
auf keinen Fall vorstellen und ich möchte das auch nicht erstellen, weil es die
Psyche des Menschen betrifft und der Mensch ist sehr komplex. Was man
machen
könnte,
wäre
den
psychischen
Status
der
Patienten
zu
erheben…täglich…um so einen Verlauf aufzuzeigen. Damit würde man
depressive
Episoden
feststellen
können
und
von
tagesabhängigen
Unwohlsein unterscheiden können…Man könnte dies beispielsweise mittels
einer Smiley-Unterteilung gestalten, dass wäre sehr aufschlussreich und
würde der Pflege keinen relevanten Mehraufwand bescheren…
29
29
5. Resümee
Meine Literaturrecherche hat ergeben, dass es zwar sehr viel Literatur über den
Bereich Depressionen gibt, auch im Speziellen wenn es sich um Depressionen im
Alter handelt, jedoch der Einfluss auf das professionelle Pflegeverhalten zur Gänze
unbearbeitet geblieben ist. Wenn man nun die Randthemen näher betrachtet, ist sehr
auffallend, dass alle Studien, in denen der Wissensstand von beruflich tätigen
Personen im Gesundheitsbereich zum Thema Depressionen erhoben wurde, mit
wenig bis nicht ausreichend bewertet wurde. Parallel dazu wird damit geworben,
dass es vermehrt Weiterbildungen gibt, was jedoch mit den Ergebnissen der Studien
nicht in Verbindung gebracht werden kann. Ich wundere mich darüber, dass immer
wieder erwähnt wird, wie schwer es ist Depressionen frühzeitig zu erkennen und
richtig zu diagnostizieren und auf der anderen Seite die Ausbildungen hinsichtlich
Depressionen im Stundenmaß verhältnismäßig gering ausfallen. Ich glaube nicht,
dass man in einem fünfstündigen Seminar alle Bereiche zum Thema „depressive
Störungen im Alter“ besprechen kann und dadurch eine signifikant bessere
Behandlung erzielt wird.
Der nächste große Bereich bezieht sich auf depressive Erkrankungen, bezogen auf
das Pflegepersonal. Auch dieser Faktor kann das professionelle Verhalten
beeinflussen. Jedoch wurde nicht durchleuchtet, ob dies auch einen Einfluss darauf
hat, wie die zu versorgenden Patient/innen darauf reagieren und ob es
möglicherweise anhand dessen auch zu einen Rückzug des Pflegeempfängers/der
Pflegeempfängerin
kommen
kann.
Es
könnte
sich
beispielsweise
eine
Kontraindikation ergeben. Die Depression des Pflegepersonals beeinflusst die
Stimmung des Patienten/ der Patientin. Dadurch verschlechtert sich sein psychisches
Wohlbefinden, was wiederum dazu führt, dass die depressive Verstimmung der
Pflegeperson negativ beeinflusst wird. Dies könnte zu einem Teufelskreise führen.
Somit konnte ich meine Forschungsfrage, ob Depressionen im Alter das
professionelle Verhalten von Pflegepersonal im Langzeitpflegebereich beeinflussen
durch meine Literatur nicht beantworten. Aufgrund dessen komme ich auf das
Forschungsergebnis, dass dieser Themenbereich bis jetz noch unerforscht geblieben
ist. Mit meiner Arbeit konnte ich zwar keine spezifischen Ergebnise präsentieren,
jedoch zeigt sie die Randbereiche des sehr umfangreichen Themas der
Altersdepressionen auf und sollte ein Anstoß dafür sein in diesem Bereich zu
30
30
forschen, um brauchbare Forschungsergebnisse hervorzubringen. Gerade dies, so
denke ich ist ein mindestens gleich großer Wert an Erkenntniss durch meine Arbeit,
denn es zeigt eine Forschungslücke auf und weist darauf hin, an diesem Thema zu
arbeiten.
Durch meinem Praxisteil wollte ich beispielhaft die derzeitige Situation in einem
österreichischen Pflegeheim darstellen. Die Ergebnisse aus meinen verwendeten
Studien, haben sich dabei hinsichtlich des Wissensstandes vom Pflegepersonal
bezüglich Depressionen bestätigt. Es ist allgemein bekannt, dass Depressionen im
Alter ein häufiges Phänomen, vor allem in Pflegeheimen sind. Jedoch wird diese so
gut wie nie diagnostiziert und schriftlich festgehalten. Andere Bereiche erhalten mehr
Priorität. Auch im Bereich der Fortbildungen ist kein Fortschritt zu erkennen. Wie mir
die Heimleitung bestätigte, gibt es viel zu wenig an Informationen im Bereich der
Altersdepressionen. Man ist als Pflegepersonal quasi sich selbst überlassen mit
dieser schwierigen Situation umzugehen. Ich denke dadurch, dass Depressionen als
Diagnose häufig gar nicht erst im Arztbrief aufscheinen, wird das Personal
diesbezüglich auch gar nicht erst sensibilisiert. Es gilt ja das „Gesetz“, was nicht
schriftlich festgehalten wird, existiert nicht und wurde/wird nicht behandelt. Oft
werden ältere Menschen auch gar nicht richtig ernst genommen. Wenn Patient/innen
keine Angehörigen haben, die das Geschehen immer im Blickfeld haben, ist die
Chance viel größer, dass man sich nicht intensiv genug mit dem/der Patienten/in
auseinandersetzt und so mögliche Begleiterkrankungen einfach übersehen werden.
Ein weiteres Problem ist meiner Meinung nach, dass Klient/innen mit psychischen
Erkrankungen extra ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen und nicht vor Ort
im Pflegeheim betreut werden können. So entsteht ein sehr großer Aufwand. Auch
wenn der Psychiater alle vier Monate ins Heim kommt und den Zustand erhebt, ist
dies keineswegs ausreichend, da sich in dieser Zeitspanne bereits eine chronische
Depression bilden kann. Gerade bei Depressionen gilt, je früher sie erkannt wird,
desto höher sind die Chancen einer Genesung. Ich denke es besteht ein großer
Bedarf an einer neuen Sichtweise bezüglich Depressionen im Alter. Man sollte doch
auch noch im späten Lebensabschnitt das Recht auf eine angemessene Behandlung
haben, in jeglicher Hinsicht. Auch wenn es sehr viele andere Bereiche in der
Langzeitpflege gibt auf die besonders viel Wert gelegt wird und die als besonders
wichtig gelten, sollte der psychische Bereich nicht vollkommen vernachlässigt
werden. Schließlich können psychische Erkankungen auch oft Auslöser von
31
31
physischen Beeinträchtigungen sein. Wenn es der Seele nicht gut geht, kann der
Körper auch nicht gesund sein!
32
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6. Referenzliste
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7&vpy=138&dur=937&hovh=254&hovw=199&tx=115&ty=98&sig=106484274904
094332858&page=1&tbnh=169&tbnw=132&start=0&ndsp=20&ved=1t:429,r:0,s:0,
i:69
Abfrage am 2. August 2012
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7. Abbildungsverzeichnis
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e_01.gif, online Abfrage am 29. August 2012
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