Depression – Diagnostik und Therapie - CME

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Depression
Diagnostik und Therapie
Priv.-Doz. Dr. med. Michael Landgrebe
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
der kbo Lech-Mangfall-Klinik Agatharied
Akademisches Lehrkrankenhaus der technischen Universität München
Epidemiologie
• „Global Burden of Disease“ 2000
Punktprävalenz weltweit: ca. 5%
• Bundesgesundheitssurvey 1998
aktuelle Prävalenz: ca. 6%
• Frauen : Männer = 2 : 1, alle
Altersgruppen
• 10% der Hausarztpatienten
• 25% aller stationären
Behandlungen in Fachkliniken
Ca. jede 4. Frau und jeder 8. Mann erkranken im Laufe des Lebens
an einer Depression
Aus: Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.
Das Biopsychosoziale Entstehungsmodell der
Depression
Endogener Faktor
• Konstitutionelle Prädisposition
• Dysbalance der Neurotransmittersysteme
• Neuroendokrinologische/
Chronobiologische Dysregulation
Genetische
Prädisposition
Typus melancholicus
(vor allem bei bipolaren
Erkrankungen)
Circadiane
Rhythmusstörungen
Depression
Somatischer Faktor
• Aktuelle oder chronische
Erkrankung
• Depression auslösende
Medikamente
• Physikalische Einwirkungen
(z.B. Lichtentzug)
Persönlichkeitsfaktoren
• Affektives Morgentief
• Schlafstörungen
• Störungen der circadianen
Hormonsekretion (z.B.
Melatonin, Cortison, etc.)
Reaktiver Faktor
Entwicklungsfaktor
• Ängstlich-fürsorglicher Erziehungsstil
• Unzureichend verarbeitete
Verlusterlebnisse/Traumata
• Gelernte Hilflosigkeit
• Akute Verluste
• Lebenszyklische Krisen
• Chronische Konflikte
Symptome der Depression
Suizidgedanken
Suizidale
Handlungen
Verlust von
Interesse und
Freude
Negative und
pessimistische
Zukunftsperspektiven
Depressive
Stimmung
Schuldgefühle
Schmerzen
Vermindertes
Selbstvertrauen
Appetitminderung
Erhöhte
Ermüdbarkeit,
Antriebslosigkeit
Schlafstörungen
Vermindertes
Selbstwertgefühl
Verminderte
Aufmerksamkeit und
Konzentration
Denkhemmung
Körperliche Symptome bei Depressionen
Kopfschmerzen,
Schwindel
Rückenschmerzen
v. a. bei Frauen
Atembeschwerden
u. a. Engegefühl
Herzbeschwerden
u. a. Herzrasen
Unterleibsbeschwerden u.a.
Zyklusstörungen,
Schmerzen
Magen-DarmBeschwerden u.a.
Übelkeit, Völlegefühl,
Schmerzen
Möller HJ et al.; Thieme-Verlag, Stuttgart 2001
2.
Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?
Werden beide Fragen mit „Ja“ beantwortet, ist die klinische Erfassung der formalen Diagnosekriterien erforderlich,
Beispielfragen
da nur durch die explizite Erhebung aller relevanten Haupt- und Nebensymptome eine adäquate Diagnosestellung nach ICD-10 möglich ist. Dies geschieht in aller Regel über eine fundierte Exploration des Patienten
im Gespräch, wobei die Beispielfragen in Tabelle 8 hierbei leitend sein können.
Tabelle 8: Beispielfragen zur Symptomerfassung (n. [249])
Hauptsymptome
Depressive Stimmung
„Haben Sie sich in den letzten zwei Wochen niedergeschlagen oder traurig gefühlt?“
„Gab es Zeiten, an denen Ihre Stimmung besser oder schlechter war?“
Interessenverlust und Freudlosigkeit
„Haben Sie in der letzten Zeit das Interesse oder die Freude an wichtigen
Aktivitäten (Beruf, Hobby, Familie) verloren?“
„Hatten Sie in den letzten zwei Wochen fast ständig das Gefühl, zu nichts
mehr Lust zu haben?“
Erhöhte Ermüdbarkeit und Antriebsmangel
„Haben Sie Ihre Energie verloren?“
„Fühlen Sie sich ständig müde und abgeschlagen?“
„Fällt es Ihnen schwer, die Aufgaben des Alltags wie gewohnt zu bewerkstelligen?“
Zusatzsymptome
Verminderte Konzentration und
Aufmerksamkeit
„Haben Sie Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren?“
„Haben Sie Mühe, die Zeitung zu lesen, fernzusehen oder einem Gespräch zu folgen?“
Vermindertes Selbstwertgefühl
und Selbstvertrauen
„Leiden Sie an fehlendem Selbstvertrauen und/oder Selbstwertgefühl?“
„Fühlen Sie sich so selbstsicher wie sonst?“
Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
„Machen Sie sich häufig Selbstvorwürfe?“
„Fühlen Sie sich häufig schuldig für alles, was geschieht?“
Aus: S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, Version 2, Stand 2015
sigkeit
Beispielfragen
Erhöhte Ermüdbarkeit und Antriebsmangel
„Hatten Sie in den letzten zwei Wochen fast ständig das Gefühl, zu nichts
mehr Lust zu haben?“
„Haben Sie Ihre Energie verloren?“
„Fühlen Sie sich ständig müde und abgeschlagen?“
„Fällt es Ihnen schwer, die Aufgaben des Alltags wie gewohnt zu bewerkstelligen?“
Zusatzsymptome
Verminderte Konzentration und
Aufmerksamkeit
„Haben Sie Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren?“
„Haben Sie Mühe, die Zeitung zu lesen, fernzusehen oder einem Gespräch zu folgen?“
Vermindertes Selbstwertgefühl
und Selbstvertrauen
„Leiden Sie an fehlendem Selbstvertrauen und/oder Selbstwertgefühl?“
„Fühlen Sie sich so selbstsicher wie sonst?“
Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
„Machen Sie sich häufig Selbstvorwürfe?“
„Fühlen Sie sich häufig schuldig für alles, was geschieht?“
Negative und pessimistische
Zukunftsperspektiven
„Sehen Sie die Zukunft schwärzer als sonst?“
„Haben Sie Pläne für die Zukunft?“
Suizidgedanken/
SuizidgedanSuizidhandlungen
ken/Suizidhandlungen
„Geht es Ihnen so schlecht, dass Sie über den Tod nachdenken oder daran, dass es besser wäre, tot zu sein?“
„Hatten oder haben Sie konkrete Pläne, sich etwas anzutun?“
„Haben Sie versucht, sich etwas anzutun?“
„Gibt es etwas, was Sie am Leben hält?“
Schlafstörungen
„Hat sich an Ihrem Schlaf etwas geändert?“
„Schlafen Sie mehr/weniger als sonst?“
Verminderter Appetit
„Hatten Sie mehr/weniger Appetit in der letzten Zeit?“
„Haben Sie ungewollt abgenommen?“
Aus: S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, Version 2, Stand 2015
Patienten mit psychiatrischer Störung
Somatische Symptome – ein Warnzeichen der
Depression
70
69%
60
50
40
30
18%
20
10
4%
0
0
1– 4
5
Anzahl unerklärbarer körperlicher Symptome
Je mehr unerklärbare körperliche Symptome vorliegen, desto wahrscheinlicher ist das Vorliegen
einer psychiatrischen Störung wie z.B. eine Depression als zugrundeliegende Ursache
Modifiziert nach Kisely et al., Psychol Med 1997; 27:1011-9
Diagnose der Depression nach ICD-10
Hauptsymptome
 Gedrückte, depressive Stimmung
 Interessenverlust, Freudlosigkeit
 Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit
Depressive Episode
Zusatzsymptome
Verminderte Konzentration und
Aufmerksamkeit
Vermindertes Selbstwertgefühl und
Selbstvertrauen
Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
Negative und pessimistische
Zukunftsperspektiven
Suizidgedanken / -handlungen
Schlafstörungen
Verminderter Appetit
S3-Leitlinie Unipolare Depression
S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, Version 2, Stand 2015
Diagnostisches Vorgehen
Bei Ersterkrankung
obligat:






fakultativ:
Körperliche und neurologische
Untersuchung
Differentialblutbild
BSG
Leberenzyme
Nierenwerte
TSH










CRP
T3, T4
Vitamin B12
Lues-Serologie, HIV-Test
Drogenscreening
Liquoruntersuchung
CCT
cMRT
EEG
EKG
Wichtig: Medikamentenanamnese (z.B. ACE-Hemmer, ß-Blocker,
Ibuprofen, Ca2+-Antagonisten, Sulfonamide, Gyrasehemmer sowie
Interferone können eine Depression auslösen oder verstärken)
DGPPN-Leitlinien, Kurzversion (www.dgppn.de)
Beispiele somatischer Ursachen der Depression
•
Neurologische Erkrankungen
Entzündungen, Tumoren, Intoxikationen, Blutungen, degenerative
Erkrankungen des Gehirns
•
Endokrinologische Erkrankungen
Hypo-/Hyperthyreose, Hypophysenvorderlappeninsuffizienz,
Nebennierenrinden-Über-/Unterfunktion, Dysregulation der Sexualhormone
•
Stoffwechsel-Erkrankungen
Anämie, Porphyrie, Hämochromatose, Diabetes mellitus
•
Sonstige internistische Erkrankungen
Leber-, Nieren-, Herz-Kreislauf-Insuffizienz, Tumoren, gastrointestinale
Erkrankungen, Infektionserkrankungen
Säulen der Depressionstherapie
Psychotherapie
Biologische
Therapieverfahren/
Spezialtherapien
Depression
Psychopharmaka
Soziales
Netz:
Familie und
Freunde
Therapie depressiver Störungen
Leichte Depression
(≤ 14 Tage)
Aktiv abwartende Begleitung („Watchful Waiting“) für
die Dauer von maximal 14 Tagen, wenn anzunehmen
ist, dass die Symptomatik ohne spezifische
Behandlung wieder abklingt
Leichte Depression
(> 14 Tage)
Bevorzugt Psychotherapie
Antidepressiva nicht generell zur Erstbehandlung sondern
nur unter bestimmten Voraussetzungen und kritischer
Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses
Mittelgradige Depression
Psychotherapie oder Pharmakotherapie
Schwere Depression
Kombinationsbehandlung mit
Psychotherapie und Pharmakotherapie
Dysthymie,
chronische Depression
Kombinationsbehandlung mit Psychotherapie und
Pharmakotherapie ist wirksamer als Monotherapie
Modifiziert nach S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie unipolare Depression, Langfassung, Version 1.3, Januar 2012
Nicht-pharmakologische Behandlungsoptionen
• Lichttherapie
Spezialtherapien
•
Wachtherapie
•
Elektrokonvulsionstherapie
•
Interpersonelle Psychotherapie
•
Repetitive transkranielle
Magnetstimulation
•
Kognitive Verhaltenstherapie
•
Vagusnervstimulation
•
web-basierte Psychotherapien
• Tiefenhirnstimulation
•
...
Nicht-pharmakologische Behandlungsoptionen
Lichttherapie ist auch bei nicht-saisonaler Depression wirksam!
aus: Tuunainen et al.; Cochrane Database Syst Rev. 2004;(2):CD004050.
Klassische Psychotherapie-Verfahren
Ambulant
Stationär
GKV-Erstattung
Verhaltenstherapie (KVT)
Verhaltenstherapie (KVT)
Psychodynamische Psychotherapie
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Psychodynamische Psychotherapie
Modifizierte analytische und systemische
Verfahren
Ohne GKV-Erstattung
Interpersonelle Psychotherapie
Systemische Psychotherapie
Ergänzung durch: Psychoedukation, Ergotherapie,
Angehörigengruppen, Kunsttherapie,
Entspannungstechniken, körper- und bewegungsbezogene Therapien
Interpersonelle Psychotherapie
Gesprächs-Psychotherapie
Neuere Verfahren
•
•
•
Niederschwellige Angebote (evidenzbasiert)
Angeleitete Selbsthilfe (Manuale)
Telefon- oder online-gestützte Therapieprogramme (z.B. deprexis®24)
Technologiegestützte psychosoziale Interventionen (cCVT)
DGPPN, BÄK, KBV, et al (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression*. S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression – Langfassung,
2. Auflage. 2015. Version 3. Available from: www.depression.versorgungsleitlinien.de; [cited: 20.04.2016]; DOI: 10.6101/AZQ/000277
Internet-basierte Psychotherapie bei
Depressionen
Internet-basierte Psychotherapie ist wirksam und kann eine Alternative zur
konventionellen „face-to-face“-Psychotherapie darstellen
Aus: Andersson & Cuijpers 2009, Cognitive Behaviour Therapy 38 (4), 196–205
Wirkstoffklassen bei Antidepressiva
NARI
Selektive NA-Wiederaufnahmehemmung
Reboxetin
SSRI
Selektive 5-HT-Wiederaufnahmehemmung
Citalopram, Escitalopram,
Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin,
Sertralin
SNRI
Selektive 5-HT- und NA-Wiederaufnahmehemmung
Venlafaxin, Duloxetin
NaSSA
α2- und 5-HT2- und 5-HT3-Rezeptorblockade
Mirtazapin
Trizyklika
NA- und 5-HT-Wiederaufnahmehemmung sowie Effekte
auf verschiedene andere Rezeptoren („Dirty Drugs“)
z.B. Imipramin, Trimipramin,
Clomipramin, Opipramol,
Amitriptylin, Doxepin
MonoaminoxidaseHemmung
•
•
Tranylcypromin
Moclobemid
NDRI
Selektive NA- und DA-Wiederaufnahmehemmung
Bupropion
Melatonerge
Antidepressiva
Melatonin-MT1- und MT2-Agonismus
5-HT2c-Rezeptorblockade
Agomelatin
Multimodale
Antidepressiva
5-HT3-/5-HT1D-Rezeptorantagonist, 5HT1ARezeptoragonist, 5-HT1B-Rezeptorpartialagonist,
Inhibition des SERT-Transporter
Vortioxetin
Nicht selektiv und irreversibel
Selektiv (MAO-A) und reversibel (RIMA)
Modifiziert nach Laux & Dietmaier 2012
Wirksamkeit
S3- Leitlinie / Nationale Versorgungsleitlinie
„Sichere Nachweise zur Überlegenheit eines Wirkstoffes oder einer
Wirkstoffgruppe im ambulanten Bereich können jedoch aus den zahlreichen
Vergleichsstudien zwischen Prüf- und Standardsubstanz, die meist nur die
Nichtunterlegenheit prüfen, kaum abgeleitet werden.“
Alle zugelassenen Antidepressiva sind (gleich) wirksam
Verträglichkeit und Interaktionsprofil
Überdosierungssicherheit
Ko-Morbidität
Handbarkeit
Anwendungserfahrung und Patientenpräferenzen
Ansprechen in einer früheren Krankheitsperiode
Aus: S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, Version 2, Stand 2015
Kriterien für die Auswahl
eines Antidepressivums
Dauer der Therapie
Bei der 1. Episode
4 bis 9 Monate
Bei 2 oder mehr depressiven Episoden mit bedeutsamen
funktionellen Einschränkungen (z.B. schwere Krankheitsepisoden)
in der jüngeren Vergangenheit
Mindestens 2 Jahre
Aus: S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, Version 2, Stand 2015
Johanniskraut

Hyperikum (Johanniskraut) ist für die Therapie von leichten bis
mittelschweren Depressionen zugelassen

NW: Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Erregung, Photosensibilisierung und Müdigkeit (gering)

Cave: Interaktionspotenzial (z.B blutverdünnende Substanzen, orale
Kontrazeptiva, Digoxin und Cyclosporin)

Bsp.: Hyperikum perforatum
Nicht selektive serotonerge und noradrenerge
trizyklische Antidepressiva (TZA)

Serotonerg, noradrenerg und dual wirksam

Gute Wirksamkeit (teils aktivierend, teils sedierend)

Sicherheit und Verträglichkeit im Vergleich zu SSRI/SNRI schlechter (v.a. bei
Überdosierungen)

NW: anticholinerge NW, Kreislaufstörungen, Herzrhythmusstörungen,
delirante Zustandsbilder

Cave: Interaktionspotenzial (z.B. Clonidin, Amiodaron, AntiparkinsonMedikamente, Sympathomimetika, Muskelrelaxantien)

Bsp.: Amitriptylin-,oxid, Clomipramin, Doxepin, Imipramin, Desipramin,
Nortriptylin, Maprotolin, etc.
Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer
(SSRI)

Häufig Therapie der ersten Wahl

Im Vergleich zu TZA und dual wirksamen Antidepressiva
(SNRI, NaSSA) gleich gut wirksam

Besseres Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil (vs. TZA)

Häufigste NW: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, sexuelle Funktionsstörungen,
Schlafstörungen

Cave:
- Kombination mit Clodipogrel, ASS, NSAR
 Risiko (4,7-fach erhöht) für obere GI-Blutung
- Hyponatriämie (v.a. bei älteren Patienten)

Absetzphänomene bei SSRI mit kurzer HWZ möglich

Bsp.: Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin
Selektive Serotoni- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer (SNRI)

SNRI sind im Vergleich zu TZA vergleichbar wirksam

Schmerzmodulierende Effekte
(Duloxetin  Zulassung für Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie)

Im Vergleich zu TZA besseres, im Vergleich zu SSRI schlechteres
Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil

Häufigste NW: GI-Störungen, sexuelle Funktionsstörungen, innere Unruhe,
Blutdurckerhöhung, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen

Absetzphänomene sind möglich

Bsp.: Venlafaxin, Duloxetin
Noradrenerges und spezifisch serotonerges
Antidepressivum (NaSSA)

Im Vergleich zu TZA gleich gut wirksam

Durch Sedierung positive Effekte bei agitierten Patienten

Im Vergleich zu TZA besseres Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil

NW: Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Restless-Legs,
Appetitsteigerung, Mundtrockenheit

Seltene UAW: Leukopenie bis hin zur Agranulozytose

Bsp.: Mirtazapin
Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer
(NDRI)

Im Vergleich zu SSRI und SNRI gleich gut wirksam

Häufigste NW: Mundtrockenheit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, innere
Unruhe, Blutdurckerhöhung

Memo: Senkung der Krampfschwelle  epileptischer Anfall

Bsp.: Bupropion
MT1-/MT2-Agonist und 5HT2c-Antagonist
•
Im Vergleich zu SSRI und SNRI gleich gut wirksam
•
Wiederherstellung der gestörten zirkadianen Rhythmik (z.B. Schlaf-WachRhythmus)
•
I.d.R. keine Sedierung am Tage
•
I.d.R. Gewichtsneutral, Erhalt der sexuellen Funktion, kein Einfluss auf
Blutdruck, Herzfrequenz + QTc-Zeit
•
Keine Absetzsymptomatik
•
Häufigste NW: Kopfschmerz, Übelkeit, Schwindel
•
Memo: Kontrolle Lebertransaminasen (GOT/GPT) entsprechend der
Fachinformation
•
Bsp.: Agomelatin
Warum ist es wichtig, auf mögliche
Nebenwirkungen und Interaktionen von
Antidepressiva zu achten?
Subjektive Gründe für Therapieabbruch
Frühe Abbrecher
(1 Monat;N=41)
Späte Abbrecher
(4 Monate;N=25)
Unerwünschte
Nebenwirkungen
Braucht keine
Medikation
Modifiziert nach Lin E et al. (1995) Med Care Vol 33, 1: 67-74
Besserung der
Symptome
Gefühl Medikation
wirkt nicht
Nebenwirkungsprofil von Antidepressiva
Psychomotorische Aktivierung
Psychose
Sexuelle Dysfunktion
Sedierung/
Müdigkeit
Aktivierende
Nebenwirkungen
DA-Wiederaufnahmehemmung
Gewichtszunahme
5-HT2Agonismus
H1Antagonismus
VerschwommenSehen
Trockener Mund
Sinustachykardie
Obstipation
Harnverhalt
Übelkeit
AchAntagonismus
Gedächtnisstörungen
Antidepressiva
α 1Antagonismus
Störungen
Aktivierende Effekte
α2-Antagonismus
NAWiederaufnahmehemmung
Harnverhalt
Priapismus
Aktivierende Effekte
Tremor
Orthostatische Hypotonie
Schwindel
Modifiziert nach Richelson 1993
5-HTWiederaufnahmeGastrointestinale
hemmung
Kardiovaskuläre
Störungen
Antidepressiva und Schlaf/Wachheit am Tag
Schlafkontinuität
Sedierung tagsüber
• Amitriptylin
++
++++
• Doxepin
++
+++
• Imipramin
+, +/-
++
• Clomipramin
+, +/-
+/-
• Desipramin
+/-
+
• Fluoxetin
-
+/-
• Paroxetin
--
n/a
+/-
+/-
-
++
+++
-
• Bupropion
-
+/-
• Trazodon
+++
++++
TZA
SSRI
• Sertralin
Obstipation
SNRI
• Venlafaxin
Melantonerge Antidepressiva
• Agomelatin
Sonstige
+: Zunahme; -: Abnahme; +/- : keine Veränderung;
n/a: keine Daten verfügbar Wiederholte Symbole geben die Stärke eines Effekts an, bzw. auf inkonsistente Ergebnisse zwischen Studien hin
Modifiziert und erweitert nach Lader, Eur Neuropsychopharmacol 2007; 17: 743-55
Antidepressiva und sexuelle Dysfunktion
Obstipation
Moc
Moclobemid
Esc
Escitalopram
Ago
Agemelatin
Dul
Duloxetin
Ami
Amineptin
Phen
Phenelzin
Nef
Nefazodon
Imi
Imipramin
Bup
Bupropion
Flu
Fluoxetin
Pla
Placebo
Par
Paroxetin
Mir
Mirtazapin
Cit
Citalopram
Fluv
Fluvoxamin
Ven
Venlafaxin
Ser
Sertralin
Serretti et al. 2009, J Clin Psychopharmacol 29(3):259-266
Effekte von Antidepressiva auf das
QTc-Intervall
Substanzklasse/Substanz
Citalopram, Escitalopram, Maprotilin, TZA
(insbesondere Amitriptylin)
Risiko QTc-Zeit-Verlängerung
Vorhanden
Fluoxetin, Mianserin, Moclobemid,
Obstipation
Trazodon,
Venlafaxin
Gering oder nur bei
Überdosierung/Intoxikation
Agomelatin, Bupropion, Duloxetin,
Mirtazapin, Sertralin, Paroxetin,
Reboxetin, Tranylcypromin
Sehr gering, nicht vorhanden
in therapeutischen Konzentrationen
Modifiziert nach Benkert O., Hippius H., Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie, Springer, 9. Auflage,2013
Wichtigste Interaktionen bei neueren AD*
Wechselwirkung mit
Klinische Effekte
Empfehlungen
Analgetika, zentrale Opioide,
Buspiron, Antibiotika (Linezolid), AD
(SSRI, SNRI, Clomipramin, MAOHemmer)
Verstärkte serotonerge Effekte bei
Tramadol, Fentanyl und Pethidin
Agomelatin, Bupropion und
Mirtazapin in der Regel möglich
ASS/NSAR (Diclofenac, Ibuprofen)
Verminderte Thrombozytenaggregation  verstärkte Blutungsneigung
Interaktion bei SSRI/SNRI relevant
Alternativen: Agomelatin, Bupropion
oder Mirtazapin
Betablocker
Verstärkte Betablockerwirkung durch
Enzyminhibition; Hypotonie;
Bradykardie
Interaktion v.a. bei Fluoxetin,
Paroxetin, Duloxetin und
Bupropion
Alternativen: Agomelatin,
Citalopram, Escitalopram oder
Sertralin
Migränemittel vom Tryptan-Typ
Potenzierung serotonerger Effekte
Vorsicht bei Kombination mit
SSRI/SNRI, MAO-Hemmer
Carbamazepin
Diuretika vom Thiazid-Typ
Erhöhtes Risiko eines SIADHSyndroms -> Elektrolytverschiebung
(Hyponatriämie)
-> Delirgefahr
Vorsicht bei Kombination mit
SSRI/SNRI
Alternativen: Agomelatin
Bupropion oder Mirtazapin
Obstipation
*) = SSRI, Duloxetin, Venlafaxin, Mirtazapin, Bupropion, Agomelatin)
Modifiziert nach Laux G, Dietmaier O, Praktische Psychopharmakotherapie, Urban&Fischer, 6.Auflage 2012
Übersicht
Nebenwirkungen von Antidepressiva
Wirksubstanz
Sedierung
Agitation,
Insomnie
Anticholinerg Orthostase
Übelkeit/
Emesis
Gewichtszunahme
Sexuelle
Dysfunktion
Agomelatin
-
-
-
-
+
-
-
Amitriptylin
+++
-
+++
+++
-
+++
+
Bupropion
-
+
+
-
+
-
-
Duloxetin
-
+
-
-
++
-
+
Escitalopram
-
+
-
-
++
-
++
+
-
++
Fluoxetin
++
Mirtazapin Obstipation
++
-
-
+
-
++
-
Paroxetin
-
++
+
-
++
-
++
Reboxetin
-
++
+
++
+
-
+
Sertralin
-
++
-
-
++
-
++
Venlafaxin
-
++
-
++
++
-
++
- = keine NW oder selten auftretend, + = gering auftretend, ++ = mäßig auftretend, +++ = häufig
Modifiziert nach Bauer M et al.,2013 ; The World Journal of Biological Psychiatry, 14: 334-385
Fazit
• Die Depression ist eine häufige und gesundheitsökonomisch hoch relevante
Erkrankung
• eine rechtzeitige Diagnose und Einleitung einer spezifischen Therapie
(Psychotherapie und / oder Psychopharmakotherapie) ist wichtig
• Web-basierte Psychotherapieangebote stellen eine sinnvolle und wirksame
Alternative bei Wartezeiten auf einen regulären Therapieplatz dar
• Eine Psychopharmakotherapie sollte unter den Aspekten des Wirkspektrums
und der Verträglichkeit individuell ausgewählt werden
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