Prof. Dr. Roderich Tumulka Mathematisches Institut, Universität Tübingen Wintersemester 2016/17 Abgabe Fr. 25.11.2016 Mathematische Physik: Statistische Mechanik Übungsblatt 5 Aufgabe 19: Ergodizität auf einer endlichen Menge. (schriftlich, 35 Punkte) Sei Ω eine endliche Menge, #Ω = n. Ein zeit-diskretes dynamisches System wäre nun eine Bijektion T : Ω → Ω. (a) Man zeige: T ist maß-erhaltend für P(A) = #A/n. (b) Man zeige: P ist das einzige normierte Maß, das von jeder Bijektion erhalten wird. (c) Wie viele dynamische Systeme gibt es auf Ω? (d) Was bedeutet es hier für T , ergodisch zu sein? (e) Was sind die ergodischen Komponenten eines nicht-ergodischen T ? (f ) Wie viele dynamische Systeme auf Ω sind ergodisch? (g) Wie groß ist also die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufällig gewähltes dynamisches System ergodisch ist? (h) Als Rekurrenz-Zeit von ω ∈ Ω unter T würde man nun das kleinste t ∈ N mit T t ω = ω bezeichnen. Wie lang ist die Rekurrenz-Zeit für ergodisches T ? (i) Wie lang ist die mittlere Rekurrenz-Zeit für zufälliges T (ob ergodisch oder nicht) und zufälliges ω? Aufgabe 20: Entropie im Gleichgewicht (schriftlich, 35 Punkte) Man berechne die Entropie S(N, E, V ) des thermischen Gleichgewichtszustandes eines (mono-atomigen) idealen Gases gemäß der Boltzmann-Formel S(eq) = k log Ω(E). (log = ln) Anleitung. Man benutze dafür die bereits gewonnenen Relationen 1 N V V3N (2mE)3N/2 N! π d/2 Vd = Γ(1 + d/2) d Ω(E) = vol Γ≤E dE vol Γ≤E = (1) (2) (3) sowie die Stirling-Formel Γ(x + 1) = √ 2πx e−x xx (1 + o(x)) für x → ∞ (4) und n! = Γ(n + 1). Man setze E = N e und V = N v mit Konstanten e, v, sortiere die Terme nach Größenordnungen O(N log N ), O(N ), O(log N ), . . ., und gebe die führende Ordnung als Ergebnis an. Bitte wenden! Aufgabe 21: Streuquerschnitt für Billardkugeln. (schriftlich, 30 Punkte) Wenn zwei Billardkugeln mit Radius a und Impulsen p1 , p2 zusammenstoßen, stoßen sie in der Regel dezentral, und die resultierenden (auslaufenden) Impulse p01 , p02 hängen vom Verschiebungsvektor ω = (q 2 − q 1 )/2a ∈ S21 im Moment des Stoßes ab: p01 = p1 − [(p1 − p2 ) · ω]ω , p02 = p2 + [(p1 − p2 ) · ω]ω . Wir betrachten jetzt zufällige Zusammenstöße und wollen die Wahrscheinlichkeitsverteilung von p01 , p02 bei gegebenen p1 , p2 charakterisieren, indem wir die von ω bestimmen. Dazu betrachten wir p2 = 0 (was sich ja immer durch eine Galilei-Transformation erreichen lässt), q 2 = 0 und p1 = p1 ex (was sich durch Translation und Rotation erreichen lässt). Es ist sinnvoll anzunehmen, dass die y- und z-Komponenten von q 1 uniform verteilt sind (und zwar, wenn wir darauf bedingen, dass es zum Stoß kommt, auf der Kreisscheibe vom Radius 2a um den Ursprung in der yz-Ebene), und es ist praktisch, sie in Polarkoordinaten (r, ϕ) zu schreiben; r und ϕ heißen auch die Stoßparameter. (a) Wie lauten q 1 und ω als Funktionen r und ϕ? (b) Man zeige, dass ω = (ωx , ωy , ωz ) Wahrscheinlichkeitsdichte proportional zu 1ωx <0 |ωx | relativ zur Gleichverteilung d2 ω auf der Sphäre hat. (c) Man begründe, warum daher bei beliebigen p1 ,p2 die Wahrscheinlichkeitsverteilung von ω proportional ist zu 1ω·(p1 −p2 )<0 ω · (p1 − p2 ) d2 ω. Aufgabe 22: Gibbs-Entropie (mündlich) Man berechne dieselbe Funktion S(N, E, V ) wie in Aufgabe 20 auf andere Weise mit Hilfe der Äquivalenz der Ensembles, der Gibbs-Formel Z S(eq) = −k dx ρ(x) log ρ(x) Γ und der kanonischen Dichte ρ(x) = Z −1 e−βH(x) . Man gebe wie bei Aufgabe 20 nur die führende Ordnung an. Hinweis: Um die richtige N -Abhängigkeit zu finden, muss man ein N -abhängiges ΛN mit Volumen VN = N v (bei v = const.) wählen, und man muss entweder Γ = N Γ1 wählen oder auf Γ = ΓN 1 als Volumenmaß dx/N ! benutzen, was beides auf einen Zusatzfaktor −1 N ! in Z führt. Aufgabe 23: (mündlich) Zeigen Sie aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, dass ein Kühlschrank notwendigerweise Strom verbraucht, statt Strom zu erzeugen. (Man hätte ja denken können, dass die dem Kühlschrankinhalt entzogene Energie hinterher zur Verfügung steht.) Anleitung. Seien TK die Temperatur im Kühlschrank, TU die Temperatur in der Umgebung, QK die Wärmeenergie im Kühlschrank, QU die Wärmeenergie in der Umgebung und δW die nutzbare Energie, die der Kühlmechanismus erzeugt (negativ, wenn er nutzbare Energie verbraucht), während er dem Kühlschrank die Wärmeenergie δQK < 0 zufügt und der Umgebung die Wärmeenergie δQU . Man benutze die Clausius-Relation δSi = δQi /Ti , i = K, U , um δW < 0 zu zeigen. 2