Botin der Liebe - Neuwerkkirche Goslar

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„Botin der Liebe“
1. So. n. Epi. über Mt 3,13-17 (1) 12.01.14
[13] Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. [14]
Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst
zu mir? [15] Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns,
alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's geschehen. [16] Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald
herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine
Taube herabfahren und über sich kommen. [17] Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies
ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Liebe Gemeinde,
kürzlich erlebt am Steinberg:
Der ruhig vor sich hin joggende Pfarrer trifft einen spazierengehenden Lehrer.
Der Lehrer ruft dem Geistlichen zu:
"Gut so, Herr Pfarrer, halten Sie sich ruhig fit - Sie wissen ja, wir müssen arbeiten, bis wir
mindestens 67 sind!"
Daraufhin antwortet der Pfarrer etwas außer Atem:
"Wieso müssen? Wir dürfen, lieber Kollege, wir dürfen!"
Und ist es nicht wirklich so, dass all die zu beneiden sind, die eine Aufgabe haben, die
erfüllt und wirklich Sinn macht?!
Was gibt es Erfüllenderes und Sinnvolleres als Menschen das Evangelium zu verkünden?
Was gibt es Schönere, als eine Aufgabe zu haben in einer christlichen Gemeinde?
Als Botin zu sein des Evangeliums, als Bote der Liebe?!
Denn Botschaften der Liebe sind wertvoll und rar!
Mut-gebenden Botschaften erreichen uns nicht in der Zeitung und durch die Tagesschau.
Sie erreichen uns durch Menschen …
… und durch die Bibel.
So auch heute durch das Evangelium von der Taufe Jesu.
Die ersten 30 Jahre im Leben des Jesus von Nazareth sind bei Matthäus schnell erzählt.
Kaum sind die Weisen aus dem Morgenland abgezogen, da stehen wir schon am Ufer des
Jordan und werden Zeugen, wie der Messias sein Werk beginnt.
Die Aufgabe Jesu ist es - nach Matthäus - die ganze Gerechtigkeit Gottes zu erfüllen –
- eine mehr als anspruchsvolle Aufgabe!
Diese Aufgabe kann er im Grunde nur erfüllen, indem er erkennt, wer er wirklich ist: Er
ist der geliebte Sohn Gottes. Das sagt die Stimme aus dem Himmel.
Der Geist Gottes kommt in Gestalt einer Taube zu Jesus. In der orientalischen Kultur ist
die Taube zudem die Botin der Liebesgöttin. Insofern ist sie geeignet eine Liebesbotschaft
zu überbringen. Die Botschaft, dass Gott Jesus Liebe und Zuneigung entgegenbringt.
So weit so gut.
Aber was fangen wir nun mit dieser Geschichte an?
Am besten erst mal das, was wir normalerweise mit Liebegeschichten anfangen. Wir
freuen uns darüber!
Warum sehen wir so gerne Liebesfilme im Kino?
Warum verkauft sich kaum ein Roman, dem die Liebesgeschichte fehlt?
Wir sehnen uns alle nach Liebe und Zuneigung.
Wir wünschen uns im Grunde, selber eine oder einer der Akteure von Liebesgeschichten
zu sein.
Und die Geschichte von der Taufe Jesu ist so eine Liebesgeschichte. Und was für eine.
Ich kenne ein Paar, wo er sie über den Stadionlautsprecher in der Eishockeyhalle gefragt
hat, ob sie ihn heiraten will. Das fand sie sehr romantisch. Sie werden es beide nie
vergessen.
Aber was ist das im Vergleich zu unserer Geschichte, wo die Stimme Gottes direkt aus
dem Himmel schallt mit der schlichten aber ergreifenden Liebeserklärung:
„Du bist mein geliebtes Kind, dir gehört meine Zuneigung.“
Diese Stimme gräbt sich tief in das Bewusstsein ein.
So etwas vergisst man nicht.
Und die Geschichte von der Taufe Jesu ist noch mehr als das.
Sie ist im Grunde eine Liebesgeschichte, in der wir selber vorkommen und eine der
Hauptrollen spielen.
Ja, wir sind Teil dieser Geschichte!
Im Glauben an Jesus Christus werden wir in die Liebes-Beziehung zwischen Gott und
Mensch hinein genommen.
Die Stimme aus dem Himmel gilt nun auch uns.
Uns gilt - genauso wie Jesus selbst - die Zuneigung Gottes. Auch wir leben aus der
Beziehung zu Gott, die eine Liebesbeziehung ist.
Auch wir können kraft der Taufe erkennen, wer wir in Wirklichkeit sind.
Darum freue ich mich sehr darüber, dass wir heute Stefan Roblick in sein Amt als
Gemeindekurator einführen.
Denn in diesem Amt bekommt die Würde und der damit verbundene Auftrag der Taufe
einen sichtbaren Ausdruck.
Zum Glück ist es ja gerade in unserer Neuwerkgemeinde kein Geheimnis, dass jede und
jeder Getaufte beauftragt ist, am Bau und am Leben der Gemeinde mitzuwirken.
Als Getaufte sind wir nicht automatisch Pfarrerinnen und Pfarrer, also lang ausgebildete
Beauftragte, um bestimmte geistliche Funktionen - wie zum Beispiel das Predigen, das
Taufen oder das Einsetzen des Abendmahls auszuführen.
Aber immerhin sind wir als Gemeindeglieder doch so "priesterlich" (vom "Priestertum
aller Glaubenden" ist immer wieder gesprochen worden), dass wir auch ohne Vermittlung
eine heilsvolle Verbindung zu Gott haben können ...
... eben wie geliebte Kinder, wie Töchter und Söhne.
Und - lieber Stefan - Du bist nun durch dein besonderes Kuratoren-Amt kein Pfarrer,
aber doch unter den "Gottes-Kindern" der Gemeinde nun so etwas wie das älteste
Geschwisterkind, das schon besondere Aufgaben übertragen bekommt, wenn die Eltern
keine Zeit haben oder gerade nicht im Haus sind ...
Aller Anfang ist leicht. Als kleine Kinder sind wir in der Regel zur Taufe getragen
worden!
Und nun sind wir größer, erwachsener geworden ... und entdecken vielleicht gerade erst,
dass wir als Getaufte Anteil am Auftrag Jesu Christi haben.
Und was ist das nicht für ein schöner Auftrag:
Botin / Bote sein der Liebe!
Dieser besondere Bote Jesus von Nazareth überbringt die gute Nachricht und zwingt seine
Sendung niemandem auf.
Dieser Bote erzählt Geschichten und sieht Gott selbst wie einen Freund, ja wie einen Vater
...
... auf dass auch uns trauen und lernen „unser Vater“ zu sagen und uns einüben in die
gelassene Sorglosigkeit der Kinder Gottes
... die die Spielsachen nicht brauchen, die der Teufel aus seinem Sack zaubert;
... die sich in der Hand ihres himmlischen Vaters geborgen wissen, geht’s auch durchs
finstere Tal, durch Leiden und Tod.
Der Boden, der feste Grund droht uns mitunter unter den Füßen verloren zu gehen, wir
wissen manchmal nicht mehr ein noch aus und zweifeln an uns selbst, verlieren jegliches
Vertrauen.
Dann kann die Taufe zu einem Licht in der Dunkelheit werden.
Denn die Taufe stellt uns sichtbar vor Augen, wie groß die Liebe Gottes ist. Sie bringt
Hoffnung und Zukunft,
ist Trost und Kraft in Bedrängnis und Ängsten.
Die Herrlichkeit Gottes wird offenbar.
Aller Anfang ist leicht und wie’s ausgeht liegt letztlich in Gottes Hand. Sein Wille
geschehe.
So leicht ist das Gepäck, mit dem der Christus aus dem Jordan steigt und sich auf den Weg
macht, um das Himmelreich zu predigen.
Und schwerer muss das Gepäck seiner Jüngerinnen und Jünger nicht sein. „Nehmt auf
euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last
ist leicht.“ (Mt. 11/29f)
Also frisch auf! Machen wir uns auf den Weg!
Der Weg unseres Lebens könnte abenteuerlich sein.
Wir werden dabei sicher auch Umwege gehen – uns vielleicht dann und wann selber
verlieren.
Sei es, dass wir gerade aufbrechen ...
... oder dass wir auf dem Heimweg sind.
Aber: "der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die
Seinen" (2 Tim 3,19a).
Aus diesem Grund dürfen wir Botinnen und Boten sein - des Gottes, der die Liebe ist und der uns liebt!
Was wollen wir mehr?!
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Christus
Jesus, Amen.
Karin Liebl, Pfarrerin in der Neuwerkgemeinde
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