Zeitschrift der Sternfreunde Münster E.V.

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Zeitschrift der Sternfreunde Münster E.V.
21. Jahrgang
V
2008
V
Nr. 3
Aus dem Inhalt:
Wohin geht die Reise?
SoFi in Novosibirsk
Herschels Spiralhaufen
3.- Euro
3/08
Andromeda
Inhalt
Editorial ....................................................................................................... 4
Jahr der Astronomie 2009 ............................................................................ 5
Reken oder Regen oder was? .......................................................................7
Wohin geht die Reise? ................................................................................11
Rotverschiebung einmal anders ..................................................................18
Partielle Mondfinsternis am 16.8.2008 .......................................................23
Sternfreunde intern .....................................................................................24
Die partielle Sonnenfinsternis in Münster ..................................................26
Die Nacht am Aasee ...................................................................................28
Lustiges Silbenrätsel ..................................................................................29
Bildnachweise ............................................................................................29
SoFi in Novosibirsk ....................................................................................30
Sternbild Einhorn .......................................................................................39
1998 - 2008 10-jähriges Jubiläum der Firma Gerd Neumann jr. ..............44
Herschels Spiralhaufen .............................................................................. 46
Was? Wann? Wo?........................................................................................50
Für namentlich gekennzeichnete Artikel sind die Autoren verantwortlich.
Impressum
Herausgeber:
Redaktion:
Kontakt:
Sternfreunde Münster e. V.
Sentruper Straße 285, 48161 Münster
Benno Balsfulland, Wolfgang Domberger, Michael Dütting,
Ewald Segna (V.i.S.d.P.), Hermann Soester, Wolf Steinle, Philipp Stratmann
Jürgen Stockel, Haus Angelmodde 6 a, 48167 Münster
Titelbild:
2. U-Seite o.:
2. U-Seite u.:
3. U-Seite
Rückseite
Flammen- und Pferdekopfnebel - Gerd Neumann
Partielle Mondfinsternis vom 16.8.2008 - Jo Hilpert
Halbschattenfinsternisphase vom 16.8.2008 - Dr. Siegfried Peterseim
Maximale Phase der SoFi: Novosibirsk, Estland, Münster - GN, JS, JH
Kollage Sonnenfinsternisablauf - Gerd Neumann
Tel.: 02506/2131 Auflage: 350 / Dezember 2008
3
3/08
Andromeda
Editorial
...und hallo...
Ich möchte hier von einem Phänomen,
berichten, das mir bis vor kurzem gar
nicht bekannt war, und auch in dieser
Form bisher nicht auftrat, somit auch
nicht störte.
Anlässlich der partiellen Mondfinsternis baten die Sternfreunde Münster am
16. / 17. August zu einer öffentlichen
Beobachtung vor dem LWL Museum
für Naturkunde. Da der Eintritt des
Kernschattens schon gegen 21:36
MESZ Uhr zu erwarten war, rechneten
wir auch mit einer entsprechend großen
Anzahl von Besuchern - bedingt durch
den Samstag - auch mit vielen Familien
mit Kindern. In der Dämmerungsphase bauten wir unsere Teleskope und
Ferngläser auf, unter den interessierten Blicken der ersten Neugierigen.
Soweit so gut. Es wurde später und
somit auch dunkler. Der Mond schien
gegen 21:42 Uhr das erste mal deutlich
angeknabbert.
Plötzlich... ein gleißend heller Blitz. Ich
zuckte zusammen. Ein aufziehendes
Gewitter? Weit gefehlt. Die ersten
Besucher schossen sich mit ihren Digitalkameras auf den Mond ein - mit
Blitzlicht. Ungläubiges Staunen, nicht
nur bei mir. Blitzlicht in der Astrofotografie?, das geht doch gar nicht!
4
Leider sahen das viele Besucher anders und an diesem Abend erlebten
wir ein Blitzlichtgewitter bei dieser
öffentlichen Beobachtung, wie wir es
nie zuvor erlebt hatten. Viele Besucher
hielten ihre Kameras an die Okulare
und machten so ein schnelles Bild vom
sich mehr und mehr verfinsternden
Mond. Mit der Dunkeladaption sowie
der Beschaulichkeit und der Ästhetik
der Mondfinsternis war es somit vorbei.
Und ich befürchte, dass das auch in
Zukunft ein Problem sein wird, wenn
wir nicht ausdrücklich ein Fotografierverbot mit Blitzlicht erlassen. Ich habe
ja nichts gegen das Fotografieren durch
die Teleskope und Ferngläser, aber bitte
nicht mit Blitzlicht!
Ein tolles Ereignis (und wohl auch Erlebnis) war sicher auch die Einladung
von Prof. Hiesinger vom Institut für
Planetologie an den jungen Sternfreund
Philipp. In einer Diskussionsrunde mit
so bekannten Wissenschaftlern, wie
Prof. Spohn, Dr. Schwehm, Prof. Hiesinger und dem Astronauten T. Reiter
vertrat Philipp sehr bestimmt seine
Ansichten über die Ziele der künftigen
europäischen wie internationalen
Raumfahrt. Kompliment! Alles weitere
können Sie ab Seite 11 nachlesen.
Zu guter Letzt wünsche ich allen
Sternfreundinnen und Sternfreunden
ein friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins
neue Jahr 2009.
Ewald Segna
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Andromeda
Jahr der Astronomie
2009
dort unter der Leitung von Andreas
Hänel (Leiter des Planetariums Osnabrück) die gemeinsamen Aktionen
in Westdeutschland und der Euregio
abzustimmen. Was kommt denn nun
auf die Sternfreunde Münster zu? Wir
haben uns zunächst darauf verständigt,
dass alle unsere Standardaktionen (Vorträge, Ausstellung, etc.) unter diesem
Titel „Jahr der Astronomie 2009“ laufen
und damit zusätzlich Medienpräsenz
bekommen werden.
Jürgen Stockel
Unsere öffentlichen Beobachtungen bekommen dabei einen völlig neuen Stellenwert. Wir werden in 2009 zusammen
mit dem Naturkundemuseum Münster
(Dr. Björn Voss) jeden Mittwoch Abend
(!! Januar bis April, September bis Dezember) eine öffentliche Beobachtung
durchführen (bei gutem Wetter versteht
sich!!). Dazu wird zur Zeit das C14
vom LWL Museum für Naturkunde
reaktiviert, das dann in 2009 zu allen
Veranstaltungen eingesetzt werden soll.
Um dabei die Aktiven unseres Vereins
nicht über alle Maße zu belasten, haben
wir uns im Vorstand darauf verständigt, dass immer ein Vereinsmitglied
sich für einen Monat verpflichtet, die
öffentlichen Beobachtungen zusammen mit Dr. Voss zu realisieren. Dazu
ist es ja nicht notwendig, dass wir an
jedem Mittwoch mit zig Teleskopen
auftauchen. Es müsste reichen, wenn
zumindest zwei Sternfreunde an einem
Mittwoch die Beobachtung durchführen.
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen hat es im Dezember 2007
ausgerufen: 2009 wird weltweit das
Jahr der Astronomie werden. Global
laufen zur Zeit viele unterschiedliche
Aktionen an, die möglichst alle Teile
der Bevölkerung ansprechen sollen.
So wird es Events in der Öffentlichkeit
und in Schulen geben. Natürlich werden
auch in Deutschland unterschiedlichste
Aktionen geplant und mit großer Medienpräsenz ausgestattet. Wer mehr
zu diesem Jahr erfahren möchte, der
sollte einfach mit „Jahr der Astronomie 2009“ googeln oder direkt www.
astronomy2009.de ansteuern.
Ich selbst bin jetzt schon auf drei
Meetings in Osnabrück gewesen, um
5
3/08
Andromeda
Im Januar übernimmt Hermann Soester
diese Funktion, im Februar Michael
Dütting und im März bin ich dann
dran. Wäre schön, wenn auch andere
Mitglieder sich einen Monat auf die
Fahne schreiben könnten. Wir suchen
also noch Verantwortliche für April
und September bis Dezember!! Traut
Euch!
Darüber hinaus hatte ich vorgeschlagen,
eine „Planeten-Radtour“ vom Osnabrücker zum Münsteraner Planetarium
durchzuführen. Diese Idee ist auf sehr
fruchtbaren Boden gefallen. Wichtiger
Logistik-Partner wird der ADFC sein,
der im Durchführen solcher Radtouren
große Routine hat. Wann genau welche
Route gefahren wird und wie wir die
einzelnen Planetenstationen ausgestalten wollen, das muss noch in einer
gesonderten Projektgruppe aus Münsteranern, Osnabrückern und dem ADFC
(eventuell noch Vertreter der Stadtmarketings) besprochen werden.
Besonders spannend finde ich die angedachte Zusammenarbeit in der Euregio.
Vielleicht besteht die Möglichkeit,
Euregio-Gelder zu bekommen für eine
erste gemeinsame Aktion. Das könnte
z. B. eine gemeinsame, buchähnliche
Zusammenstellung aller astronomischer
Angebote in der Euregio sein. Da
könnten auch wir Sternfreunde einen
gut platzierten Medienauftritt bekommen.
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Merken sollte man sich schon jetzt
Samstag, den 4.4.2009, der vom VdS
als Astronomietag 2009 durchgeführt
wird und ebenfalls Teil des Astrojahres 2009 sein wird. Dieser Tag soll
eingebettet werden in „100 Stunden
Astronomie“. Dazu überlegen wir im
Augenblick, mit verschiedenen Angeboten herauszugehen, etwa mit Ständen
in der Fußgängerzone (Osnabrück) oder
mit Live-Mond-Beobachtungen an
Stellen, wo immer sehr viele Menschen
sind, die man ganz spontan mit einer
Livebeobachtung „beglücken“ könnte.
Wir denken an eine öffentliche Beobachtung mitten auf dem Domplatz von
Münster am 2. oder 3. April 2009.
Wie Ihr seht, kommt da ein ganz
starkes astronomisches Jahr auf uns zu!
Ohne breite Unterstützung von Euch
Sternfreunden werden wir viele dieser
Aktionen nicht realisieren können. Ich
möchte Euch daher heute schon bitten,
engagiert dieses Astrojahr 2009 in Angriff zu nehmen. Wer von Euch Spaß
daran hat, bei der Gesamtkonzeption
unserer Sternfreundebeteiligung mitzuarbeiten, soll sich einfach bei mir
melden. Über jede Entlastung Eurerseits würden wir uns sehr freuen! Auch
weitere Ideen, das Astronomiejahr
mit Leben zu füllen, sind herzlichst
erwünscht.
(Siehe auch das Editorial der Andromeda 2/2008).
3/08
Andromeda
und Kometen. Dann wurde es richtig
anspruchsvoll: Michael hat der Gruppe
sein Lieblingsmodell gezeigt, seine Armillarsphäre. Damit konnte er demonstrieren, wie man sich das Koordina-
Reken oder Regen oder was?
Jürgen Stockel
Schon zum vierten Mal waren wir nun
in Reken in der Jugendherberge. Ich
bin zwar immer wieder ein unverbesserlicher Optimist, aber auch in diesem
Jahr war Petrus nicht gut gelaunt und
hat uns wieder einmal einen Beobachtungsabend vermasselt. Aber der guten
Stimmung hat das nicht geschadet.
Unter der Mithilfe von Michael und
Andreas haben wir einige interessante
Themen besprochen. Begonnen haben
wir aber erst einmal mit einer Vorstellungsrunde, denn neben unserem
langjährigen Vereinsmitglied Andreas
Bügler konnten wir auch zwei neue
Mitglieder unserer Jugendgruppe begrüßen: Miklas Gröne und Maximilian
Exner. Ich fand es richtig klasse, wie
die Gruppe die beiden Neuen ganz
locker in unsere Astro-Gemeinschaft
aufgenommen hat.
Am Samstag begannen wir mit einem
lustigen Quiz zum Sonnensystem
und haben dabei unsere wichtigsten
Begleiter kennengelernt: Planeten
tensystem am Himmel vorstellen kann
und warum man mit den Teilkreisen
am Teleskop in der Lage ist, bestimmte
Sterne oder Objekte mit Hilfe von Koordinaten zu finden. Dazu hat er noch
die drehbare Sternkarte erläutert und
erklärt, wie sich diese Koordinaten in
der Karte finden lassen. Wir müssen
dieses Thema unbedingt mal unter echten Beobachtungsbedingungen testen
und üben, damit auch die Jugendlichen
mit diesem wichtigen astronomischen
Hilfsmittel arbeiten können.
7
In einer Themenabstimmung mit der
ganzen Gruppe haben wir uns dann den
Asteroiden- bzw. Kometeneinschlägen
gewidmet. Eingestimmt auf dieses Thema haben wir uns mit einigen Szenen
aus bekannten Astrothrillern. Nach
einer gemeinsamen Besprechung „Wo
kommen diese Bomben aus dem All eigentlich her?“, haben wir uns in einem
3/08
Andromeda
Film angeschaut, wie die NASA in einer
mehrjährigen Aktion eine Raumsonde
auf den Weg zum Kometen Temple 1
geschickt hat und es tatsächlich gelungen ist, nach zig Millionen Kilometern
Flug durchs Sonnensystem nicht nur in
die Nähe dieses Kometen zu gelangen,
sondern auch ein Geschoss auf diesen
Kometen zu jagen und diesen zu treffen.
Irre diese Präzision!!
Nach dem Abendessen der besorgte
Blick zum Himmel: Alles dicht, es
regnet in Strömen. Ersatz ist dann schon
fast traditionell unser gemeinsamer
Kinoabend mit Filmen, die sich die Jugendgruppe selbst ausgesucht hat. Erst
spät am Abend hörte dann der Regen
auf, sodass wir dann zumindest noch
durch die tiefdunkle Landschaft gewandert sind und dank vieler Taschenlampen den Weg durch den unheimlich
dunklen Wald wieder zurückgefunden
haben zu unserer Jugendherberge.
Am Sonntag wurde das Wetter dann
wieder besser. Begonnen haben wir mit
einer Diskussion über mögliche DeepSky-Objekte für eine astronomische
Beobachtung: Zum Beispiel Galaxien,
offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen
und Gasnebel. Viele Fotos dazu haben gezeigt, wie sich solche Objekte
auf Fotos darstellen. Die Teilnehmer
wussten natürlich, dass im Teleskop
keines dieser Objekte so bunt und so
hoch aufgelöst erscheinen. Dennoch
8
sind viele der gezeigten Objekte im
Teleskop ein echter Hingucker (z. B.
der große Kugelsternhaufen M13).
Dann hielt uns nichts mehr in den
Mauern der Jugendherberge. Raus, ab
in die Sonne! Unter dem wichtigen
Warnhinweis „Nie ungeschützt und
ohne Sonnenschutzfilter in die Sonne schauen!“ bauten wir alle unsere
Teleskope auf. Dabei brachten auch
unsere Neuen Miklas und Maximilian
ihre Teleskope mit. Unsere Teleskop-
Sammlung der Jugendgruppe wurde
dabei um 2 wunderschöne Teleskope
bereichert: Miklas brachte einen kleinen 4,5-Zoll-Einarm-Dobson mit, den
man ganz einfach bedienen kann! Ich
3/08
Andromeda
Andreas hat uns dann in die Geschichte
der Raumfahrt eingeführt. Ein Film hat
uns dann gezeigt, wie man sich ganz
vage eine zukünftige Besiedlung von
Mond und Mars vorstellen könnte und
wie darüberhinaus eine weitere Besiedlung anderer Sonnensysteme an riesige
Zeit- und Entfernungsgrenzen stößt.
Insgesamt hat es uns wieder sehr viel
Spaß gemacht. Wir haben uns darauf
verständigt, dass wir alle Teilnehmer
beim nächsten Beobachten in Kattenvenne oder Alverskirchen mal einladen
werden. Denn in einem Punkt sind wir
uns alle einig: Die Theorie ist sicherlich
spannend, aber richtig heiß sind wir
mittlerweile auf Live-Beobachtungen
am Himmel. Ich hoffe, dass wir da
in der Zukunft mehr Möglichkeiten
zum gemeinsamen Beobachten finden
werden.
Ich bin schon gespannt, welches Teleskop sich der Jan in Zukunft zulegen
wird. Wäre doch toll, wenn viele
von uns beim First-Light dabei sein
könnten.
war richtig begeistert von diesem superschnellen Einsteigerteleskop! Ein
echter Geheimtip!! Ganz anders sieht
das Teleskop von Maximilian aus:
Ohne Leiter läuft für Maximilian im
Zenit nichts. Ein richtig ausgewachsenes 8-Zoll-Newton-Teleskop mit
einer ansprechenden Montierung mit
Motor- und Computersteuerung. Ich
bin mir sicher, dass Maximilian damit
in den nächsten Jahren noch viel Spaß
haben wird.
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Andromeda
Wohin geht die Reise?
Eine Podiumsdiskussion mit
Astronaut Thomas Reiter
Philipp Stratmann
Wir schreiben den 27.05.2008. Während sich in der Halle Münsterland
knapp über 6000 Besucher der Musik
der deutschen Kultband „Die Ärzte“
hingeben, ereignet sich nur einige
Kilometer davon entfernt ein Treffen,
welches (zumindest kurzfristig) das
Leben einer der Besucher ändern
wird. Denn zur gleichen Zeit findet im
hiesigen Planetarium ein Vortrag über
Methoden der Fernerkundung unseres
planetaren Nachbarn, des Mars statt,
wie üblich gefolgt von verschiedenen
Diskussionen. Einer der Diskussionsteilnehmer, genauer gesagt der Referent selbst, hat allerdings noch einen
weiteren Hintergedanken. Dr. Harald
Hiesinger, Professor des Institutes für
Planetologie in Münster, erkundigt sich
bei den anwesenden Sternfreunden
nach einer jungen Hilfskraft für ein von
langer Hand geplantes Event.
Zwei Tage später, an einem Donnerstagnachmittag, klingelt bei uns das
Telefon. Da gerade außer mir keiner im
Haus ist, nehme ich persönlich das Telefonat an und erkenne Christianes Stimme am anderen Ende der Leitung.
Nach wenigen Minuten ist das Gespräch schon vorüber, die Botschaft
trifft mich dennoch wie ein Schock:
Anscheinend wurde ich dafür ausgewählt, im Herbst dieses Jahres an einer
Podiumsdiskussion mit Deutschlands
wohl populärstem Astronaut Thomas
Reiter (!) teilzunehmen! Während
ich selber noch zwischen Freude und
Dankbarkeit für die Empfehlung, ein
wenig Unglaube und Zweifel daran,
ob es nicht ein wenig zu groß für mich
sein könnte, und dem Ärger schwanke,
dass ich zwei Tage vorher das Konzert
dem Vortrag vorzog, setze ich schon
mal eine E-Mail auf, um mich bei Herrn
Dr. Hiesinger zu melden. Die Antwort
kommt schnell zurück, und auch ein
Termin für die benötigten Absprachen
ist rasch gefunden.
Und so kam es, dass ich mich am 16.06.
kurz vor 16:00 Uhr im Institut für Planetologie wiederfand. Nachdem mir
mit Frau Klemme und Herrn Dr. Kai
Multhaup zwei weitere, äußerst freundliche Organisatoren der Veranstaltung
vorgestellt wurden und einige Fragen
betreffend meiner Person geklärt sind,
werden mir weitere, detailliertere Informationen gegeben bzw. bestätigt,
soweit Christiane sie mir am Telefon
schon mitteilen konnte.
So handelt es sich bei der Veranstaltung
um eine Podiumsdiskussion, die eingebettet ist in den dritten European Planetary Science Congress, welcher dieses
Jahr erstmalig in Münster stattfinden
wird. Da die übrigen Veranstaltungen
relativ öffentlichkeitsfern für das anwe11
3/08
Andromeda
sende Fachpublikum ausgerichtet sind,
soll sich die Diskussion zum Thema
„Wohin geht die Reise?“ sowie ein
vorhergehender Vortrag Herrn Reiters
an alle Interessierten richten. Weitere
Teilnehmer neben Herrn Reiter werden
Dr. Tilman Spohn vom DLR sowie Dr.
Gerhard Schwehm von der ESA sein.
Zugegeben: Obwohl mir diese Namen
(Schande über mein Haupt) anfänglich
noch nichts sagten, so fühlte ich mich
doch wie der berühmte David gegen
Goliath. Nur, dass dieses Mal beide
Charaktere an einem Strang ziehen
sollten. Eine kleine Erleichterung jedoch bot sich mir, als sich das kurzzeitig
bei mir aufgekommene Missverständnis klärte, dass die Diskussion, wie der
Rest des Kongresses, auf Englisch stattfände. Nicht, dass ich der englischen
Sprache nicht auch (teilweise) mächtig
wäre, aber ein wenig mehr Vertrautes
kann nie schaden. Und wenngleich die
Hauptthemen für die Podiumsdiskussion noch nicht feststanden, so wurde
ich amüsanterweise dennoch speziell
noch einmal darauf hingewiesen, dass
eventuell im Publikum das Thema vom
Vortäuschen der amerikanischen Mondlandung 1969 aufkommen könnte.
Hierbei sei besonders darauf zu achten,
den Punkt möglichst schnell abzuwürgen. Es gibt schon noch lustige Leute
auf der Welt...
Aber damit begann dann auch der
Ernst des Lebens. Natürlich wollte ich
keineswegs uninformiert dastehen, also
mussten Informationen her. Also nichts
wie auf in die Unibücherei! Doch damit
begannen meine Probleme auch schon:
Wer einmal die überragende Ordnung
und Suchhilfen dieser Einrichtung kennen gelernt hat, dem wird auch Hempels
Sofa gleich viel bequemer vorkommen.
Ich persönlich stehe seitdem meinem
eigenen Zimmer viel positiver gegenüber. Aber bei weit über einer Millionen
Buchbänden sollte einen das auch nicht
verwundern.
Und so verstrich langsam, aber unaufhaltbar der Sommer mit allerlei
verschiedenen Beschäftigungen sowie
meinem Selbststudium. Bis eines Tages
eine neue Nachricht in meinem Postfach
im StudiVZ einging. Eine Praktikantin
von der WN meldete sich, deren Chef,
ausgehend von einer Pressemeldung
des Instituts für Planetologie, ein
Interesse an einem Jugendlichen mit
astronomischer Begeisterung äußerte.
Wenngleich mich diese Formulierung
schon ein wenig störte – schließlich
sollte ich ja wohl als solcher auch in
Münster kein Exot sein – so nahm ich
die Gelegenheit zu einem Zeitungsinterview dennoch gerne wahr. So
ungewohnt ein Zeitungsinterview für
mich auch war, so wenig ungewöhnlich
entwickelte es sich. Meine Gastgeberin,
die schon benannte Praktikantin, wirkte
sehr freundlich und so entwickelte es
sich beinahe schon zu einem angenehmen Kaffeekränzchen. Desto ungewöhnlicher jedoch wurde anschließend
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Andromeda
die Aufnahme des Fotos für den Artikel.
Die Aufnahme sollte nicht nur mich als
Hobbyastronomen quasi in Action zeigen, sondern auch meine Verbundenheit
zu Münster. Und so wurde ein Motiv
gewählt, auf dem ich bei helllichtem
Tag und wolkenverhangenem Himmel
mitten auf dem Domplatz mit meinem
persönlichen Teleskop posieren sollte,
als ob ich gerade am Beobachten wäre.
Auf eine kleine Peinlichkeit wies uns
glücklicherweise mein Vater hin, als er
empfahl, wenigstens die Kappe meines
Spiegelteleskops abzunehmen. Wer
genau hinsah, konnte aber dennoch auf
dem endgültigen Bild noch die Kappe
auf dem Sucherfernrohr feststellen…
Und so schmolzen in der Hoffnung,
nicht allzu viele geübte Astronomen
mögen das Foto in der WN betrachten,
auch die letzten Tage bis zur Diskussion
dahin. Verblüffenderweise war es nicht
das Lampenfieber, was zu wachsen
begann, sondern vielmehr die Neugier
auf das Treffen mit den Größen der
deutschen Raumfahrt. Ich denke, einen
nicht ganz geringen Teil dabei habe ich
meinem sozialen Umfeld und nicht
zuletzt einigen Sternfreunden zu verdanken, die mir mit guten Zusprüchen
und Tipps Mut machten. Unvergessen
hierbei bleibt die Frage einer Stufenkameradin, die sich einen Tag vor dem
besagten Termin erkundigte, wie denn
am Vortag die Podiumsdiskussion gewesen sei.
Und plötzlich war es der 24. September.
Morgens schnell die Schulstunden ab-
solvieren, die sich dank Lehrerausfällen
auf zwei verkürzt hatten, anschließend
noch einen kurzen Kontrollblick über
die Internetseiten der NASA, ESA
etc., um etwaige Fehler im Wissen
doch noch schnell auszumerzen, und
dann schnell in den Anzug geschlüpft.
Kein nicht-Krawattenträger wird meine
Erleichterung darüber nachempfinden
können, dass das besagte Kleidungsstück noch gebunden war und ich
mich nicht auch noch daran versuchen
musste. Und so ging es dann los in
Richtung Münstersches Schloss. Kaum
gegen 18:15 Uhr dort angekommen,
erwartete mich auch schon Herr Dr.
Multhaup sowie Herr Prof. Dr. Hiesinger, der mir sogleich aus einem knapp
300 Blätter dicken Stapel eine handsi-
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Andromeda
gnierte Autogrammkarte Reiters anbot.
Es tat mir fast schon leid, als ich mir
die augenscheinlich vorhergegangene
Autogrammstunde vorstellte. Bis mir
auffiel, dass die Unterschriften merkwürdigerweise auf allen Karten nicht
nur gleich aussahen, sondern sogar
gleich platziert waren. Ich weiß nicht,
ob das etwas zu sagen hatte… Obwohl
meine Unterschrift zugegebenermaßen
auch immer gleich aussieht.
Nachdem zumindest Herr Dr. Spohn
eingetroffen war, setzte sich der kleine Trupp zu einer Vorbesprechung in
Richtung eines kleinen Vorzimmers der
Aula im ersten Stock in Bewegung. In
diesem hielt sich, entgegen der vertretenen – oder zumindest meiner – Meinung nach der eigentlich etwas später
angekündigte Herr Reiter auf.
Es ist eine Sache, eine Berühmtheit in
den Medien zu sehen. Eine komplett
andere ist es, wenn diese Person plötzlich auf einen zukommt und einem
lächelnd die Hand zur Begrüßung
schüttelt. Und obgleich ich eigentlich
Personenkult eher ablehnend gegenüber
stehe, so war dieser Moment doch ein
vollkommen neues Erlebnis für mich.
Und glücklicherweise merkte es auch
keiner, dass ich im ersten Moment nicht
genau erkannte, wer da plötzlich vor
mir stand.
Allerdings erwiesen sich die gestellten
Fragen doch beinahe schon als rhetorisch, sodass das Gespräch schnell
in Richtung Smalltalk abglitt. Und so
konnte dieser Raum auch rasch wieder
gen Aula verlassen werden, wo es sich
schon um diese recht frühe Zeit als
äußerst hilfreich herausstellte, dass
Plätze reserviert waren. Nach einigen
kleineren Gesprächen – bei denen es
sich beinahe schon klischeehaft nur
um die Raumfahrt drehte – fing Herr
Reiter erstaunlich pünktlich mit seinem
Vortrag über seine Flüge als Astronaut
an.
Nach nur einer Stunde und noch mehr
als genug unbeantworteten Zuschauerfragen musste dieser Vortrag dann aber
zeitbedingt schon beendet werden, und
die Teilnehmer der Podiumsdiskussion
wurden auf die Bühne gebeteten. Erst
beim Hinaufsteigen fiel mir auf, dass
die Aula wohl doch kleiner war, als
ich es mir zuerst vorgestellt hatte. Eigentlich ganz gut, wenn man bedenkt,
dass diese Feststellung zumindest einen
kleinen Einfluss auf meine inzwischen
aufgekommene Nervosität hatte. Auch
fiel mir auf, dass die ersten zu diesem
Zeitpunkt die Aula verließen. Hoffen
wir mal, dass dies mehr der fortgeschrittenen Zeit als mangelndem Interesse an
objektiveren Fragen der Raumfahrt zu
verdanken war. Aber gut, Herrn Reiters Vortrag war das Nonplusultra des
Abends. Was mich schon eher störte,
war die Tatsache, dass äußerst wenige
Jugendliche und Kinder anwesend
waren. Werbung wurde an den Schulen
wohl genug gemacht, aber dennoch
kann ich mich vielleicht noch an sechs
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3/08
Andromeda
Leute aus meiner Generation erinnern,
wobei ironischerweise zwei den Anschein von Jugendreportern machten
und ihr Interesse an dem Thema selber
fragwürdig ist. Schade, dass dieses Ergebnis meinen oft gemachten Eindruck
bestätigte, dass heutzutage viel zu viele
Jugendliche sich nicht mehr für die
Raumfahrt interessieren. Umso froher
jedoch war ich um die Jugendlichen
und Kinder, die anwesend waren. Immerhin darf man nicht vergessen, dass
es mittwochabends war. Und auch der
Anblick von bekannten Sternfreunden
hob meine Stimmung weiterhin.
Und damit begann die Stunde.
Es war nicht verwunderlich, dass ein
Großteil der Fragen des Publikums an
Herrn Reiter gerichtet war. Über diese
Tatsache war ich auch zugegebenermaßen recht froh, lenkte seine Berühmtheit
die Aufmerksamkeit doch von mir als
altersbedingtem Unikum ab. Und auch
die Atmosphäre auf dem Podium war
eine ganz andere, als ich erwartet hatte.
Nicht zuletzt dank Gesten wie die von
Herrn Dr. Spohn, der, als Herr Reiter
gerade eine Frage beantwortete, seelenruhig mir und Herrn Dr. Schwehm
Wasser anbot. Und ich bin mir ganz
sicher, was mir auch erst während der
Diskussion auffiel, dass das Hemd von
Herrn Dr. Spohn, welcher zwei Plätze
neben mir saß, das gleiche Muster aufwies wie meines. Es ist schon erstaunlich amüsant, was einem bei solch einer
Veranstaltung für Gedanken durch den
Kopf gehen. Aber weichen wir nicht
vom Thema ab.
Mein Hauptthema war, wie nicht anders
zu erwarten, die Ausbildung und das Interessewecken meiner Generation. Und
so kamen mir in erster Linie auch Fragen zu, wie die, inwiefern das nationale
Mondprogramm („Lunar Exploration
Orbiter“ = „Leo“) der Deutschen das Interesse der Schüler wecken würde. Also
noch einmal schnell die früher einmal
gelernten rhetorischen Tricks ins Gedächtnis rufen und auf ins Getümmel.
Während des kurzen Monologs den
Blick hin und wieder von der einer zur
anderen Seite wandern lassen, um auch
ja keinem das Gefühl zu vermitteln,
übersehen worden zu sein, das Gesagte
nonverbal mit den Händen unterstützen
und, natürlich, den Inhalt nicht zu kurz
kommen lassen. Als es darum geht, dass
die Medien auch für die Interessen der
Öffentlichkeit in die Pflicht genommen
werden müssen, einen kurzen Blick
speziell auf die anwesenden, offensichtlich erkennbaren Reporter werfen, und
erfreut feststellen, dass der Beitrag gut
im Publikum angekommen ist. Wobei
es sich geplanter anhört, als es war.
Man mag es sich gar nicht vorstellen,
aber auch bei solch einer Diskussion
fällt einem nur der Anfang schwer,
danach sprudeln die Worte nur so von
den Lippen.
Aber schon nach etwa einer halben
Stunde war eine deutliche Tendenz
festzustellen: Das Publikum schien
15
3/08
Andromeda
weniger daran interessiert zu sein,
wohin die Reise wirklich geht, sondern
vielmehr daran, wie die ersten kleinen
Schritte auszusehen haben, wie sie
finanziert werden sollen und welche
Rolle Deutschland an der Eroberung
des Weltalls spielen soll. Meiner Meinung nach spielte hierbei besonders die
geringe Anwesenheitsrate der jüngeren
Leute aus meiner Generation eine Rolle. Es ist nicht so, dass ich nicht froh
darüber war, dass die Diskussion nie die
Tendenz Richtung Science-Fiction aufzeigte, aber ein wenig weitergeführtes
Denken hätte auch nicht schaden können. Es scheint zu stimmen, was mir an
mir selber auch immer wieder auffällt:
Mit dem Älterwerden verliert man
nicht nur Übermut, sondern manchmal
auch einen Teil seiner Fantasie. Und
waren es nicht Querdenker wie Da
Vinci, Newton und Jules Verne, die im
Endeffekt Recht behielten? Schließlich
hat selbst die ESA unter der Bezeichnung Aurora inzwischen Pläne bekannt
gegeben, die bis zu einer Marsmission
im Jahre 2033 reichen. Da wäre es
nicht nur entschuldbar, sondern sogar
wünschenswert, wenn gerade bei dem
Veranstaltungstitel ein wenig weiter
und größer als bis zum nationalen
Leo-Projekt um das Jahr 2012 herum
gedacht worden wäre. Wobei natürlich
auch solche Fragen nicht unbeantwortet
bleiben durften.
Und so verstrich die Stunde bedeutend
rasanter als gedacht, bis ich schließ-
lich feststellte, dass sich auch Ewald
zu Wort meldete. Da ich bei einem
vorhergehenden Gespräch mit ihm
schon erfahren hatte, dass auch Ewald
die Internationalität der Raumfahrt als
eines seiner Lieblingsthemen empfand,
stieg schon meine Hoffnung, dass die
Diskussion nun doch einen leicht anderen Verlauf nehmen könnte. Doch diese
Hoffnung wurde im Keim erstickt, als
kurz vor dem Eintreffen des Mikrofonträgers bei Ewald Herr Dr. Hiesinger
die Diskussion mit Verweis auf die
fortgeschrittene Zeit beendete und
stattdessen alle Teilnehmer zu einem
letzten Abschlussstatement aufforderte.
Wenigstens noch eine Gelegenheit,
nicht nur die schon stark angesprochenen Themengebiete, sondern auch
die Chancen von Internationalität kurz
zusammenzufassen, um den Zuschauern auf dem Nachhauseweg die Möglichkeit zu geben, auch hierüber noch
einmal nachzudenken. Und natürlich
durfte auch, gerade von meiner Seite
her, eine kleine Ermunterung nicht fehlen, sowohl in Bezug auf die zukünftige
Generation, als auch die Zukunft an
sich, meinen Optimismus zu teilen.
Ich war schon froh darüber, zumindest
am Ende noch einmal besonders diese
Aspekte akzentuieren zu können.
Und schließlich endete es, genauso
schnell, wie es begonnen hatte, auch
schon mit einer knappen Übergabe von
Präsenten - Weinflaschen, aber nicht so
etwas Spezielles wie „Sternfreunde-
16
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Andromeda
Wein“ - an die Diskussionspartner. Ich
war schon überrascht, als mir der gut
gemeinte, wenn auch wohl nur versicherungstechnische Rat erteilt wurde,
dass der Wein wohl eher was für meine
Eltern sei. Ich meine ja nur, Alkoholkonsum ist in Deutschland ab 16 Jahren
erlaubt, und auch ansonsten werde ich
eigentlich für älter geschätzt.
Als letzter Punkt auf der Tagesordnung
stand jetzt noch ein kurzes Interview
mit Antenne Münster an. Und auch
dieses Gespräch wirkte wieder komplett
anders, als ich mir Interviews immer
vorgestellt habe. Viel persönlicher,
bedeutend unspektakulärer. Und auch
wesentlich kürzer.
So geschah es, dass ich eine gewisse
Zeit lang auf die übrige Gemeinschaft
warten musste, die sich wiederum in
dem schon bekannten Nebenzimmer
eingefunden hatte, in welchem Herr
Reiter ebenfalls ein etwas längeres
Interview gab. Dadurch fand sich noch
etwas Muße, um eine Person anzusprechen, die mir den ganzen Abend schon
ein wenig Kopfzerbrechen bereitet
hatte. Sie begleitete die Truppe schon
die ganze Zeit über, wirkte gekleidet
wie ein wissenschaftlicher Berater
eines der Mitglieder, erinnerte einen
vom Aussehen aber eher ein wenig an
einen Türsteher. Bodyguard von Herrn
Reiter! So langsam fühlte ich mich doch
ein wenig wie in Hollywood. Und ich
verspürte ein wenig den Drang, mich
einmal zu kneifen.
Doch bevor ich diesen Trieb in die Tat
umsetzen konnte, öffnete sich auch
wieder die Tür, und die Gemeinschaft,
ich hintendran, begab sich nun in etwas
eiligeren Schritten Richtung Ausgang.
Mit mir ein paar Meter zurück war
dieses Mal eine mir bisher unbekannte
Organisatorin geblieben, die nun auf
Englisch ein Gespräch anfing. Das
erste an diesem Abend, welches nicht
die Raumfahrt, sondern vielmehr ein
wenig Smalltalk als Inhalt hatte. Ein
wenig verwundert war ich schon, als
ich feststellte, dass ich mich doch ziemlich fließend auf Englisch unterhalten
konnte.
Es war knapp 22:00 Uhr, als ich schlussendlich das Gebäude verließ, zwar mehr
als zufrieden, aber wohlwissend, dass
die kommende Nacht meine Bedürfnisse als Langschläfer wohl eher nicht
erfüllen würde.
17
3/08
Andromeda
Rotverschiebung einmal anders
Olaf Schneider
Außenseiter unter den Wissenschaftlern
haben oftmals den Erkenntnisstand
ihres Wissenschaftsbereiches ganz
wesentlich vorangebracht. Ob Halton
Arp auch dazugehören wird, kann heute
nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.
Sicher ist, dass er seit vielen Jahren
von der Astronomischen Community
ausgegrenzt wird.
Halton Arp, geb. 1927 in New York, arbeitete 29 Jahre als Staff Astronom am
Mt. Wilson und Mt. Palomar-Institut.
1963 veröffentlichte er seinen „Atlas of
peculiar Galaxies“. Es war die Zeit zu
der er zu den 20 besten Astronomen seiner Zeit gerechnet wurde. Bei der Untersuchung seiner Aufnahmen machte
er unerwartete Entdeckungen: Objekte
unterschiedlicher Rotverschiebungen
schienen miteinander verbunden zu
sein. Dies war ein Phänomen, welches
nach dem Hubble-Gesetz nicht sein
durfte; die Entfernung eines Objektes
ist bestimmt durch seine Rotverschiebung. Diese Beobachtungen beschäftigten ihn immer stärker, stießen bei
dem „Telescope-allocation commitee“
auf keinerlei Verständnis mit der Folge,
dass er keine Beobachtungszeit mehr
erhielt. Dieses Verhalten stellte eine
direkte Zensur dar. Arp zog 1986 die
Konsequenzen, indem er sich vorzeitig
pensionieren ließ und nach Deutschland
zog, wo er am Max-Planck-Institut für
Astrophysik in Garching bei München
ein neues Wirkungsfeld fand.1
Hierzu ein Zitat aus einem Leserbrief
der Nachrichten der Olbers-Gesellschaft:
„…Tatsächlich halten 99% der Kosmologen die Ideen von Arp für absurd.
Die von Arp aufgrund seiner Beobachtungen angenommene enge räumliche
Nachbarschaft von Galaxien unterschiedlicher Rotverschiebung halten
sie für ein zufälliges Zusammentreffen.
Die Frage ist nur, warum dennoch 1%
der Fachleute Arps Beobachtungen
samt seiner Interpretation sehr ernst
nehmen.“2
Als Antwort auf die weitgehende Nichtbeachtung in der Fachwelt veröffentlichte er drei Bücher, in denen er seine
Ideen darlegte.
18
3/08
Andromeda
- Quasars, Redshifts and Controversis (1987 bei Interstellar Media)
- Seeing Red: Redshifts, Cosmology
and Academic Science (1998 bei
Apeiron, Montreal)
- Catalogue of Discordant Redshift
Associations ( 2003 bei Apeiron,
Quebec )
Ausgehend von seinen Beobachtungen
an Assoziationen zwischen Quasaren
und Galaxien bei Makarion 205 (Abb.
3) oder NGC 7603 (Abb. 4) findet er
unterschiedliche Rotverschiebungen
bei gleichzeitiger Brücke zwischen
Galaxie und Quasar.
Bei den gefundenen Objekten ist es statistisch äußerst unwahrscheinlich, dass
es sich um Zufälle von Konstellationen
handelt. Hieraus folgt die Annahme,
dass mindestens ein Teil der gemessenen Rotverschiebung nicht kosmologisch erklärt werden kann. Sie wird in
diesen Fällen als eine Eigenschaft der
Objekte betrachtet und als „anomal“
bzw. „intrinsisch“ bezeichnet.3
Trägt man die Anzahl der hellsten nahen
Galaxien und die der Quasare mit einer
Rotverschiebung zwischen 0,5<z<1,0
über ihre scheinbare Helligkeit auf,
so findet man gleiche Kurvenverläufe;
19
3/08
Andromeda
sie unterscheiden sich lediglich um
einen konstanten Helligkeitsbetrag.4
Diese Übereinstimmung ist ein starkes
Argument für die Assoziation der
Objekte. Ein weiteres Argument hierfür ist die Tatsache, dass statistische
Untersuchungen gezeigt haben, dass
der Winkelabstand zwischen Quasaren
und Galaxien mit zunehmender Rotverschiebung abnimmt.
Ein Kriterium der Erkenntnisfindung
stellen die statistischen Berechnungsmethoden dar. So kann ein modifiziertes
dynamisches Verhalten des Systems
bereits zu völlig anderen Ergebnissen
führen. Dies ist ein Grund für die Gilde
der Fachastronomen, sich nicht weiter
mit Arp beschäftigen zu müssen.
Eine andere Anomalie der Rotverschiebung ist ihre Quantisierbarkeit.
Dieser Effekt ist vom experimentellen
Standpunkt her wesentlich besser abgesichert, obgleich er noch viel weniger
erklärbar ist. Bekannt ist der Effekt bereits seit rund 30 Jahren; ein Entdecker
ist William Tifft. Der Quantisierungseffekt zeigt folgendes:
Rotverschiebungswerte von Galaxien
des Virgo- und Coma-Haufens sind
periodisch gehäuft mit einer Periode
von rund 72 km/s.
Rotverschiebungswerte von Spiralgalaxien unseres Superhaufens weisen eine
Periodizität von rund 36,2 km/s auf.
Rotverschiebungswerte von Quasaren
sind gehäuft um bestimmte Rotverschiebungswerte z, so dass log10 (1+z)
die Periode 0,089 hat.
Die Periodizitäten werden allerdings
nur sichtbar, wenn man die Milchstraße
als Referenz wählt; d. h. bei der Berechnung der Rotverschiebung die Eigenbewegung der Milchstraße abzieht.
Würde man die Rotverschiebungen
kosmologisch deuten, würde dies
bedeuten, dass unsere Galaxie von
konzentrischen Schalen aus Quasaren
und Galaxien umgeben wäre. Arp lehnt
diese Erklärungsmöglichkeit ab und
versucht, sie mit seinem neuen Modell
zu erklären.
Es gibt heute keine Möglichkeit die
anomale Rotverschiebung mit der konventionellen Physik zu erklären.
Um die Beobachtungsbefunde zu erklären, ist ein neues Modell erforderlich.
Arp ist kein Theoretiker, sondern ein
exzellenter Beobachter. Für die Erarbeitung eines neuen Modells suchte er die
Mitarbeit des Theoretikers Jayant Narlikar. Bereits 1977 entwickelte Narlikar
aus der Allgemeinen Relativitätstheorie
Einsteins (ART) die Lösungsgleichung
m = at2. Diese Gleichung besagt, dass
die Masse mit der Zeit zunimmt. In seinem Buch „Seeing Red“ gibt Arp noch
eine Begründung für die quadratische
Potenz in dieser Formel:
Dieses Modell entspricht dem „Machschen Prinzip“, wonach jedes Teilchen
durch Wechselwirkung mit anderen
Teilchen seine Masse erhält.
Arp geht davon aus, dass Materie,
die „neu entsteht“, keine Masse hat,
sondern mit der Zeit stets schwerer
20
3/08
Andromeda
wird. Die Masse beeinflusst aber die
Absorptionslinien der Galaxien und
somit die Rotverschiebung derselben.
Arp postuliert die Entstehung neuer
Galaxien aus älteren Galaxien heraus
( Minibang). Das emittierte Material
bewegt sich anfangs mit nahezu Lichtgeschwindigkeit, um bei Zunahme
seiner Masse abgebremst zu werden
(Impulserhaltung). Warum lässt sich
dieser Effekt in unserer Umgebung
nicht nachweisen? Weil der Effekt
innerhalb eines Systems gleicher Entstehungszeit nicht auftritt. Hier gelten
die Gesetze der ART. Was passiert nun
bei der Beobachtung unterschiedlich
alter Systeme? Betrachtet man vom
älteren System aus ein jüngeres System,
so scheint das jüngere gegenüber dem
älteren rotverschoben. Wie ist dies zu
verstehen? Um eine Absorptionslinie
zu erzeugen, müssen Elektronen durch
Lichtwellen bestimmter Wellenlängen
angeregt werden. Ist das Elektron nun
leichter, weil jünger als bei uns, wird
weniger Energie benötigt um dieses
Elektron anzuregen. Da weniger Energie aber einer größeren Wellenlänge
entspricht, sehen wir eine rotverschobene Absorptionslinie. Zwischen dieser
Art der Rotverschiebung sowie der
kosmologischen Rotverschiebung kann
kein Unterschied beobachtet werden.
t 2 Arp weist darauf hin, dass
τ = 2 sein Modell durch eine
3t0 konforme Transformation
in das Standardmodell übergeht.
Wendet man diese Modellbetrachtungen auf das Universum an, kommt
man zu einem statischen Universum
(Quasi-steady state cosmology [QSSC]).
Die Rotverschiebung weist auf das
Alter einer bestimmten Galaxie hin
und nimmt mit der Distanz ebenso zu
wie im Standardmodell, denn je weiter
der Blick, desto weiter sieht man auch
in die Vergangenheit und damit auf
jüngere Galaxien.
Auf der Erde lässt sich kein Nachweis
für eines der Modelle führen. Entsteht
aus einem Photon ein Elektron-Positron
Paar sind sie nach Arps Modell nicht
„neu“ da sie zu unserer Galaxie gehören
und damit die gleiche Masse besitzen
wie alle anderen Materiebausteine
auch.
In seinem neuesten Buch „Catalogue
of Discordant Associations“ stellt Arp
nochmals eine Fülle von Beobachtungsdaten zusammen. Insbesondere geht er
auf die Quasare mit hoher Rotverschiebung ein, die seinen Beobachtungen
nach häufig mit Galaxien hoher Energie-Zentren (Seyfert-Galaxien) und
geringerer Rotverschiebung assoziiert
sind. Dies interpretiert er damit, dass
diese Quasare aus dem Zentrum der
„Wirtsgalaxie“ ausgeworfen wurden.
Es konnten hier nur einige Aspekte des
Arpschen Modells angedeutet werden.
Zur tieferen Beschäftigung fehlen noch
unter anderem die Aspekte der „schwarzen Löcher“, die Lichtabweichung bei
massiven Galaxien.
21
3/08
Andromeda
Es ist nicht leicht, der Argumentation
Arps durchgängig zu folgen, da sie in
Einzelaspekten nicht eindeutig ist – es
gibt z. B. Quasare und Galaxien, deren
Rotverschiebung erheblich kosmologisch bestimmt sind (was Arp auch
bestätigt); eine befriedigende Erklärung
zur Hintergrundstrahlung fehlt (hier
verweist Arp auf Narlikar).
Die von Arp angeführte Transformation
erscheint mir persönlich als ziemlich
gewollt (konstruiert). Insgesamt erscheinen mir die Gedanken Arps aber
diskussionswürdig. Er wird sicherlich
nicht in Allem Recht haben, aber zahlreiche Beobachtungsdaten lassen sich
mit der Standardtheorie nicht erklären.
Hier wäre also ein Diskussionsansatz
gegeben.
Die Bücher Arps sind nur auf Englisch
zu erhalten.
1
Nachrichten der Olbers-Gesellschaft
220, S. 19, Januar 2008
2
Dr. Juri Baryschew, Universität St.
Petersburg, in Nachrichten der OlbersGesellschaft 221, S. 27, April 2008
3
s. Burbidge 1996 und Napier 2003
4
s. Arp 1987, S. 170
Abb. 2: Röntgen-Filamente, die von
Markarian 205 (Mitte) ausgehen und
bei zwei Quasaren mit z = 0,46 und
z = 0,63 enden. Der dritte Quasar befindet sich ebenfalls auf dem Filament und
ist durch den Rotverschiebungswert
z = 1,259 angegeben (Aus Arp 1998,
Fig. 1-7).
Abb. 3: Markarian 205 ist unterhalb
der zerrütteten Galaxie NGC 4319. Die
Lichtbrücke ist schwach erkennbar.
Abb. 4: NGC 7603 mit drei weiteren
Objekten mit verschiedener Rotverschiebung, die durch ein Filament
verbunden sind. Die vier Objekte
sowie die Rotverschiebungen sind
angeschrieben.
Abb. 5: Vergrößerung von 4. Es wird
ersichtlich, dass die beiden kleinen
Objekte auf dem Filament sich je genau dort befinden, wo das Filament
die beiden größeren Galaxien berührt.
(Aus Lopez-Corredoira & Gutiérrez
2002, Fig. 1)
Weiterführende Quellen:
Halton Arp:
www.genesisnet.info/artikel/interessierte/halton
Buchbesprechung Seeing Red:
http://www.genesisnet.info/pdfs/Buchbesprechung_Seeing_Red_von_Hal
ton_Arp.pdf
Anomale Rotverschiebung:
http://www.wort-und-wissen.de/publikationen.html
(Zeitschrift SIJ , Jahrgang 11, Heft 1)
Besprechung Catalogue of Discordant Redshift Associations:
http://www.skepticalinvestigations.org/
controversies/Arp_controversy.htm
22
3/08
Andromeda
Partielle Mondfinsternis am 16.8.2008
Peter Stratmann, Ewald Segna
Die MoFi hatte sich mit dem 16. August
den richtigen Tag ausgesucht! Wenn die
Urzeitmenschen Opfer darbrachten, um
die Götter zu besänftigen, und die Chinesen glaubten, ein Drache würde den
Mond verschlingen, wissen wir heute,
dass sich bloß die Erde zwischen Sonne und Mond schiebt und wir beruhigt
dieses Schauspiel genießen können.
Zuerst waren wir noch besorgt wegen
des Wetters, es waren Wolken angesagt,
doch diese verzogen sich im Laufe des
Abends und wir bekamen eine tolle
partielle Mondfinsternis zu sehen.
So lief die MoFi ab:
Um 20:23 Uhr war der 1. Kontakt,
also der Eintritt des Mondes in den
Halbschatten. Sehen konnte man aber
noch nichts.
Eine gute Stunde später, um 21:36
Uhr, war der 2. Kontakt, der Eintritt in
den Kernschatten. Um 21:41 Uhr, mit
knapp 5 Minuten Verspätung, konnte
ich das erste Mal den Schatten der Erde
auf dem Mond sehen.
Die maximale Verfinsterung mit einem
Bedeckungsgrad von 81,24% fand um
23:10 Uhr statt.
Danach sind
wir nach Hause
gefahren, sodass ich vom 3.
Kontakt (Austritt aus dem
Kernschatten,
0:45 Uhr) und
dem 4. Kontakt (Austritt aus dem
Halbschatten, 1:57 Uhr) keine Fotos
machen konnte.
Da kann ich, Ewald, nun einspringen.
Ich habe den Austritt des Mondes aus
dem Kernschatten um 0:45 Uhr noch
verfolgt. Das Bild unten ist gut fünf
Minuten vor dem 3. Kontakt aufgenommen worden. Danach war aber auch
für mich Schluss. Müde, aber zufrieden packte
ich meine
Sachen zusammen und
fuhr heimwärts.
23
3/08
Andromeda
Sternfreunde intern
Dazu ist es erforderlich, sich
telefonisch oder per Mail mit
dem Vorstand in Verbindung zu
setzen. Die Hefte können dann
nach Absprache bei mir zu den
öffentlichen Treffen der Sternfreunde Münster am 2. Dienstag
des Monats im LWL Museum für
Naturkunde abgeholt werden.
ES
☛ Eintritt:
Miklas Gröne
☛ Austritt:
Marc Schlüter
☛ Ausgefallen:
Die geplanten Aktionen wie der
Astronomietag der VdS am 6.
September, die Persidenbeobachtung in der Nacht vom 11. auf den
12. August und die Pättkestour
der Sternfreunde Münster am 13.
September sind leider dem Wetter
zum Opfer gefallen.
Gerade die Perseidenbeobachtung
sollte trotz des störenden Mondes
ein besonderer Höhepunkt werden, war es doch Dank Patricks
Semesteraufenthaltes in Kalifornien möglich, den Hineinflug
der Erde in den Staubgürtel bis
zum prognostizierten Maximum,
am 12. August, 12:00 Uhr UT,
zu beobachten. Murphy lies aber
auch in Amerika grüßen; Patrick
stand unter einer geschlossenen
Nebeldecke.
☛ Coronado PST
Das Sonnenteleskop kann von den
Vereinsmitgliedern ausgeliehen
werden.
☛ Okularkoffer
Auch der Okularkoffer steht den
Vereinsmitgliedern zwecks Ausleihe zur Verfügung.
☛ Homepage der Sternfreude
Es tut sich immer etwas auf der
Internetseite www.sternfreundemuenster.de. Schauen Sie doch
mal wieder rein!
☛ Zu verkaufen
☛ Alte Ausgaben Andromeda
Dank der Hilfe von Andreas
Bügler können wir unseren Mitgliedern das Angebot machen,
alte Ausgaben unserer Vereinszeitung „Andromeda“ kostenfrei
zu erhalten.
24
Schwere Stahlsäule, 8 Eck-Profil,
Höhe 120cm, 300kg, sandbefüllt,
als solides Fundament für stationäre Montierung zu verkaufen.
Inkl. Aufsatz für SP-DX (Gesamthöhe dann ca. 200cm).
VB: 480,- Euro Nähere Infos
unter 0251-326723 oder 015206859400
Stephan Plaßmann
3/08
Die partielle Sonnenfinsternis in Münster
Ewald Segna
Am 1. August 2008 sollte sie also stattfinden, die letzte Sonnenfinsternis in
diesem Jahrzehnt, die von Deutschland
aus zu beobachten sein wird. Erst am
4. Januar 2011 werden wir wieder in
den Genuss einer partiellen Sonnenfinsternis kommen. War es diese Tatsache
oder auch das schöne Wetter: das Fern-
Andromeda
sehen, Radio Antenne Münster und die
hiesigen Tageszeitungen hatten sich
angesagt. Der Beginn der Finsternis
berechnete sich zu 10:38 Uhr MESZ:
1. Kontakt, d. h. der Mond schiebt
sich zum ersten Mal sichtbar zwischen
Sonne und Erde, die maximale Phase
von 15% Bedeckung war gegen 11:28
Uhr zu erwarten und der 4. Kontakt,
der Mond verlässt die Sonnenscheibe,
gegen 12:19 Uhr.
Um 10:00 Uhr veranstaltete das Planetarium des LWL Museum für Naturkunde
eine Sonderveranstaltung zur aktuellen
Sonnenfinsternis. Gegen 10:20 Uhr kamen dann die Besucher nach draußen
zu den Teleskopen, die die Sternfreunde
Münster in der Zwischenzeit aufgebaut
hatten. Der große Unitron-Refraktor,
mit der ungefährlichen Projektionsmethode bestückt, wurde von da ab an
ständig umlagert. Es ist nun
einmal die eleganteste Methode, gleichzeitig mehreren
Personen einen Blick auf die
Sonne, per Projektionsschirm
zu ermöglichen. Auch die mit
Sonnenschutzfolie beklebten
Holzrahmen des Naturkunde-
26
3/08
Andromeda
museums fanden ungeahnten Zuspruch.
Einige Besucher hatten sogar noch die
Finsternisbrillen aus den Vorjahren
herausgekramt.
Gegen 10:38 Uhr waren die ersten
Rufe zu vernehmen. Der Mond hatte
die Sonnenscheibe angefressen, zwei
Minuten später war es für jedermann
ersichtlich. Das Himmelsereignis nahm
seinen Lauf. Die Redakteurin des WDR
suchte sich unter den Besuchern Interviewpartner, um sie nach ihren ersten
Eindrücken zu fragen. Auch ich durfte
Rede und Antwort stehen. „Was ist denn
für Sie das besondere an dieser Finsternis?“ „Nun ja, ich habe schon viele SoFis gesehen, allerdings nur partielle, die
totale hatte sich bisher (im Chiemgau
am 11.8.1999 durch Wolken bedingt),
meinen Blicken entzogen. Für mich
ist das Faszinierendste, dass sich diese
Auswirkungen der Himmelsmechanik (von umlaufenden
Körpern) berechnen lassen,
also der Mensch, der die Mathematik, die dahinter steckt
beherrscht und diese präzisen
Vorhersagen erst ermöglicht.“
Puh - das ist dann auch aus
dem Beitrag herausgeschnitten worden
(was hatte mich denn da geritten).
Zurück zum Beobachtungsplatz. Um
das Unitron-Teleskop hatte sich mittlerweile eine immer größere Menschen-
menge versammelt, auch viele Kinder
verfolgten das Schauspiel. Geduldig
wurden alle Fragen beantwortet und das
waren noch eine Menge bis zum Ende
der SoFi. Aber die wirklich spektakulären Momente, die sah Gerd Neumann
in Novosibirsk. Sozusagen total!
(Bericht auf Seite 30 -- Anm. der Redaktion)
27
3/08
Andromeda
Die Nacht am Aasee
Das heißt in der Regel, dass die Bewölkung regelmäßig erst gegen 22:40 Uhr
aufreißt. Dann werden aber alle Tele-
Ewald Segna
„The same procedure as last year? The
same procedure as every year!“
Alljährlich zur Sommerzeit putzen
sich der Zoo, das Pferdemuseum, der
Mühlenhof und das LWL Museum für
Naturkunde zu einer besonderen Schau
heraus. Von 20:00 Uhr bis um 24:00
Uhr wird den Besuchern die Möglichkeit geboten, für 10.- Euro Eintritt pro
Person (ab 14 Jahren), einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Seit Jahren
unterstützen diese Aktionen auch die
Sternfreunde mit einer öffentlichen
Beobachtung vor dem Naturkundemuseum, Büchertischen und einer
Teleskopausstellung. Auch die Führung
über den Planetenweg, allerdings nur
von der „Sonne“ bis zum „Mars“, bei
einen Maßstab von 1:1 Mrd., erfreut
sich großer Beliebtheit. Seit Jahren
aber beschert uns das Wetter nur suboptimale Bedingungen, um den Gästen
der „Vier vom Aasee“ den Mond und
die z. Z. sichtbaren Planeten zu zeigen.
skope aus dem Eingangsbereich des
Museums schnellstens nach draußen
getragen. Der Stand der Sternfreunde
Münster ist dann ziemlich verwaist,
alle wollen nur noch beobachten. Nun,
die (Stamm-) Besucher warten quasi
schon gegen 22:30 Uhr darauf, dass die
Wolken sich endlich verziehen (ein paar
kommen sowieso erst gegen 23:00 Uhr
- die wissen eben Bescheid :)). Und in
diesem Jahr hat uns das Wetter wieder
den Gefallen getan.
Jupiter mit seinen Wolkenbändern,
sowie den normalerweise zu sehenden
vier Galileischen Monden - gegen
23:02 Uhr verschwand Io hinter dem
Jupiter- waren die Objekte der Stunde.
Der Mond gesellte sich auch noch
dazu. Es ist schon spektakulär, über die
Mondoberfläche mit einem 15“ Dobson
zu wandern (schweben).
Kurzum, es hat wieder Spaß gemacht,
„tausenden“ potentiellen Besuchern die
„Wunder“ des Himmels zu zeigen.
28
3/08
Andromeda
Lustiges Silbenrätsel.
Stephan Plaßmann
Aus den Silben:
auf – bal – boo – feld – feld – gang – ge – gür –
ken – klas – koh – kreis – le – len – licht – lin
- mond – ne – ner – ra – sack – schei – sel – se
– se – sichts – spek – spi – spur – ster – strich –
tel – tes – tier – tral - wech
sind astronomische Begriffe zu bilden, die
nachstehend beschrieben sind.
Folgende Umschreibungen für die gesuchten
Begriffe:
1. Die Fährte zu den leichten Mädels
2. Persönliches Fürwort an einem
Wasserfahrzeug
3. Einer, der etwas beleuchtet
4. Einige Himmelskörper an einem
Hosengurt
5. Ackerfläche in Form eines Ant litzes
6. Zahlungsmittel mit Beleuchtung
7. Leinenbehältnis für einen fossilen
Brennstoff
8. Schülergruppe, die über Farbzer legung lernt
9. Verhütungsmittel mit Holzbohlen
10. Einzelne Hülsenfrucht auf Acker fläche
11. In einer Runde versammelte Vertre ter der Fauna
12. Treppe zum Erdtrabanten
Die jeweils dritten Buchstaben der Begriffe
ergeben das Lösungswort. Das Lösungswort
bezeichnet ein Klingeln an oder mit einer hohlen
Leitung.
Bildnachweise:
S. 7 S. 8
S. 9
S. 13
S. 17
S. 18
S. 19
S. 23
S. 26
S. 28
S. 29 S. 30 38
S. 39 S. 40
S. 41
S. 42
S. 43
S. 44
S. 45
S. 46
S. 47
S. 48
S. 49
Preis: Ein Exemplar des „Himmelsjahr 2009.“ Einsendeschluss ist der 9.1.2009. Per Email oder Postkarte
an Sternfreunde Münster, Sentruper Str. 285, 48161
Münster. Bei mehreren richtigen Antworten entschei29
det das Los.
l.o. Reken, alle Teilnehmer
JS
r.o. Michaels Amilarsphäre JS
r.o. Michael b. Sonnenbeobachtung JS
r.u. Patricia JS
l.o. Miklas JS
l.u. Maximilian JS
Autogrammkarte T. Ritter DLR
T. Ritter, Philipp Stratmann MS
Halton Arp WP
l.o. Röntgenaufnahme NGC 4319 HA
u.l. NGC 4319 und Mark 205 POSS
r.o. NGC 7603
CG
r.u. Vergrößerung von NGC 7603 CG
l.u. Mond in der Halbschattenphase PS
r.o. Mond, 5 Min. nach 1. Kontakt PS
r.m. Partielle Mondfinsternis, Max. SP
r.u. Mofi, kurz vor dem 3. Kontakt SP.
l. Eingangsbereich Museum KK
r. Bei der Beobachtung KK
l.o. Unitronref. und Besucher BF
m. Sonnenschutzfolie im Rahmen JH
u. WDR III Fernsehen JH
r.o. Antenne Münster, Interview BF
r.u. SoFi, maximale Bedeckung JH
l. Lars und Besucher WS
r.o. Besuchertraube vor Unitron JH
r.m. Besucher mit Folienrahmen BF
r.u. SoFi-Projektion WS
SoFi-Impressionen GN
Petrus Plancius WP
l.u. Sternbild Einhorn (Monoceros) WP
r.o. M50 WP
l.o. NGC 2264
WP
l. u. Konusnebel WP
l. NGC 2261
WP
r. Rosettennebel
PHS
r.o. V 838 Mon
WP
l. Gerd Neumann
ES
r.o. Michael und die Sternfreunde ES
r.u. Spektroskop
ES
l.o. Drehbank
ES
l.u. Sternbild Cassiopeia
WP
r.o. C. Herschel
WP
NGC 7789
MD
Dichte-, b-v-, FH-Diagramm
FK
HR-Diagramm von NGC 7789
KR
weiter auf Seite 49
3/08
Andromeda
SoFi in Novosibirsk
Im Moment gucken wir Wetterdaten
und warten noch auf die 0 Uhr-GFS
Gerd Neumann
Vorhersage. Dann werden wir wohl
mit dem Sammeltaxi zum Flughafen
Vor der Finsternis:
fahren, um dort von Rainer abgeholt
Die Nacht war lustig: Wir hatten bis um zu werden.
3 Uhr über Gott und die Welt geredet,
nach Schlafen war keinem von uns. Um es kurz zu machen:
Gegen 4 Uhr habe ich geschlafen, um Wir haben die komplette Finsternis un6 Uhr war ich eigentlich wieder wach, ter perfekten Bedingungen gesehen!
weil die Sonne ins Zimmer knallt. Der
Rolladen beschert uns Schlaf bis 8:30 Hartwig hat ein Gespräch mit J. AnderUhr.
son, einem international anerkannten
SoFi-Wetter-Guru. Hartwig kommt
etwas verwirrt und deprimiert von
diesem Gespräch zurück, denn Andersons Einschätzung der Wetterlage war
eine vollkommen andere als unsere
Interpretation der Wettermodelle. Er
war jedenfalls sehr zurückhaltend und
meinte etwas von 70% Niederschlagswahrscheinlichkeit und geringen Aussichten (Er lag daneben... :-)).
Beim Frühstück ist mein Magen zugeschnürt, wie früher vor einem wichtigen In der Zwischenzeit ist der Himmel fast
Rennen. Das Kamelfrühstück von ge- vollkommen aufgeklart, nur Richtung
stern funktioniert heute nicht. Hartwig Süden sieht es noch trübe aus. Wir
meint, das flaue Gefühl im Magen packen unsere Sachen, damit wir abwäre auch bei der sechsten SoFi nicht fahrtbereit sind und gucken nochmals
auf die Satellitenbilder. Wir haben beide
anders.
das Gefühl, dass wir die Finsternis seDer Himmel ist nahezu vollständig mit hen werden. Wir wollen bei dem Wetter
Zirren bedeckt, das entspricht genau nur geringen Aufwand treiben und zu
der Vorhersage. Und durch die Zirren der Stelle am Ob fahren, die wir gestern
würden wir alles sehen können, nur die ausgekundschaftet haben.
Als wir wieder aus dem Fenster gucken,
Fotos wären beeinträchtigt.
ist der Zenit voller Cumuluswolken, die
30
3/08
Andromeda
immer mehr werden. Der Blick aus den
Fenstern im 21. Stockwerk verschafft
uns eine Rundumsicht: Schleim im
Süden und Osten, mit Norden Cumulus und Zirren, aus Richtung Westen
Cumulusbewölkung, die schnell herbei
zieht. Brrrr, genau der gleiche Ablauf wie gestern! Allerdings meinen
wir Richtung Westen auch eine ganz
schwache Kante zu sehen, unterhalb
derer es keine Wolken gibt.
Mittlerweile ist es 12:30 Uhr Ortszeit,
viel Zeit bleibt nicht mehr! Wir beobachten die Wolken eine ganze Zeit und
man kann klar erkennen, dass sich die
Wolken im Westen erst über Novosibirsk bilden und dann nach Südosten
weggeweht werden. Wird sich das Wetter an die Vorhersage halten, dann wird
sich die Bewölkung über der Stadt zur
Finsternis auch wieder fast aufgelöst
haben. Wenn wir nach Westen fahren,
kommen wir zwar unter klaren Himmel,
aber aus Westen zieht auch ein großer
neuer Wolkenstreifen heran. Wenn er
nur minimal schneller ist, als es die
Modelle vorhersagen, können wir einen
schönen ersten Kontakt beobachten und sitzen dann unter dicken Wolken.
Es ist jetzt 13 Uhr und wir haben noch
maximal eine halbe Stunde, bis wir
aufbrechen müssen! Wenn die Stadt die
Wolken produziert, sollten wir aus der
Stadt raus! Wir beschließen nach einigen Telefonaten zu Rainer & Co nach
Kochenovo zu fahren. Wir schnappen
uns den Koffer und die Rucksäcke
mit den Instrumenten und gehen zum
Bahnhofsvorplatz. Der nächste Bus
zum Flughafen fährt erst um 14h, aber
zum Glück ist ein Sammeltaxi fast voll
und fährt kurz darauf mit uns ab.
Die Fahrt zum Flughafen ist nichts für
schwache Nerven: Die Straßen sind
hoffnungslos überfüllt. Vermutlich der
ganz normale Freitags-FeierabendWahnsinn, ergänzt um alle, die von
außerhalb die SoFi gucken wollen.
Häufig geht es nur im Schritttempo
voran, manchmal tut sich minutenlang
auch gar nichts. Dazu kommt, dass
die Wolken am Himmel immer mehr
werden. Und nicht nur dünne Zirren
oder nette Cumuli, sondern solche dicken grauen, von der Sorte, durch die
man die Sonne nicht mehr sehen kann.
Auf halber Strecke gucke ich aus dem
Fenster und sage zu Hartwig: „8/8“. Er
macht ein Gesicht, als wenn er in eine
Zitrone gebissen hätte.
Irgendwann wird der Verkehr weniger
und wir fahren die spektakuläre Schlaglochpiste zum Flughafen. Dort angekommen sieht der Himmel zum Glück
schon etwas besser als: „6/8“. Nach
einigen Minuten kommt der Taxifahrer
aus Kochenovo und wir fahren ab.
Unsere Laune bessert sich von Kilometer zu Kilometer, denn der Himmel
wird immer besser. Die Cumuli werden
immer weniger und lösen sich zunehmend auf! Im Norden hängt zwar noch
31
3/08
Andromeda
ein riesiges Wolkengebilde, aber das
soll uns nicht stören, der Wind bläst
exakt aus Westen. Zwei Kilometer
vor Kochenovo werden wir an einem
Kontrollposten der Polizei angehalten.
Der Fahrer und der Polizist debattieren über einen ca. 3cm dicken Stapel
Papier, mangels Russischkenntnissen
bleibt uns der Inhalt verborgen. Nach
einigen Minuten fährt unser Fahrer
ein paar Meter weiter, parkt das Taxi
und verschwindet mit seinen Papieren
und einer Hand voll Rubelscheine in
der Wache. Nach einer viertel Stunde
werden wir langsam etwas nervös. Spätestens zum ersten Kontakt würden wir
unseren Krempel zur Tankstelle gegenüber schleppen, aufbauen und eben von
dort gucken. Sich von einem anderen
Auto abholen zu lassen, ist sicher kein
guter Plan, wenn wir die Totalität nicht
im Gewahrsam der russischen Polizei
verbringen wollen...
Nach einer knappen halben Stunde
kommt unser Fahrer aber tatsächlich
wieder aus der Wache heraus, und ein
paar Minuten später werden wir schon
herzlich in Kochenovo empfangen. Am
Himmel sind mittlerweile nur noch
ein paar einzelne Wolken, vermutlich
ungefähr 30% Bedeckung.
Auf dem Gelände sind nicht nur wir
vier Deutschen und ein Engländer,
sondern auch noch eine Jugendgruppe
einer Sternwarte aus Moskau, die die
Sonnenfinsternis beobachten will. Sie
sind vor einigen Tagen mit der Transsib angereist (Moskau-Novosibirsk 50
Stunden!) und die Finsternis wird nicht
nur mit den mitgebrachten Teleskopen
beobachtet, sondern jeder hat eine Aufgabe, um Temperatur, Luftfeuchtigkeit,
Windgeschwindigkeit, Himmelhelligkeit und die Abkühlung von Steinen
und Flüssigkeiten zu messen.
Nach einer kurzen Begrüßung erkunden wir das Gelände. Der Wind weht
kräftig aus Westen und wir brauchen
einen windgeschützten Platz, von dem
aus wir auch die Sonne sehen können.
Meine New-Polaris würde das zwar
noch aushalten, aber Hartwigs QuelleMontierung ist deutlich windanfälliger.
Nach einigem Hin und Her entscheiden
wir uns für einen Platz unmittelbar bei
der Jugendgruppe. Wir stehen jetzt ca.
10m hinter einer Reihe großer Büsche,
ca. 15m vom Ufer eines Badesees entfernt. Alles sehr hübsch hier, vor allen
Dingen der Himmel!
Der Aufbau der Instrumente geht problemlos, alles passt, nichts im Hotel
vergessen. Mc Murphy muss heute
woanders sein Unwesen treiben. Mei-
32
3/08
Andromeda
wird 2m17,3s dauern, auf der Zentrallinie wären es 2m19,2s. Ich wähle das
Skript „optimal_Tgr2min.csv“, dass
ich für optimale Bedingungen erstellt
hatte. Ich hatte nicht wirklich damit
gerechnet, dass ich dieses Skript würde
nutzen können...
First contact
5 Minuten vor dem ersten Kontakt sind
beide Kameras fokussiert und sauber
ausgerichtet. Die Nachführung stimmt
so gut, dass die Sonne in 10 Minuten
ca. 1/4 ihres Durchmessers wandert, der
Timer und das Skript laufen: Perfekt!
Am Himmel sind nur noch vereinzelte
Wolken. Wenn davon keine im entscheidenden Moment vor die Sonne
zieht, kann eigentlich nichts mehr
passieren. Die partielle Phase ist relativ
wenig aufregend - der fehlende Teil
vom Keks wird halt immer größer. Wir
gucken mit Feldstechern und SoFiBrillen. Einmal zieht eine Wolke über
die Sonne und man kann die Sichel
kurzfristig mit dem bloßen Auge sehen.
Schon beeindruckend!
Alle paar Minuten kontrolliere ich die
Fokussierung und die Position der Sonne im Sucher. Die Sichel wird immer
schmaler und ich gehe im Kopf immer
wieder durch, was ich in der letzten
Minute vor dem zweiten Kontakt in
welcher Reihenfolge tun muss.
ne umgebaute 350D kommt in den
Fokus meines Refraktors, die zweite
Kamera mit einem Weitwinkelobjektiv
auf einen Kugelkopf ein paar Meter
weiter hinten. Die Montierung so gut
es geht nach Norden ausrichten, die
Nachführung aktivieren und alles so
verpacken, dass niemand aus Versehen
ein Kabel abreißen kann. 30 Minuten
vor dem ersten Kontakt fokussiere
ich beide Kameras und schließe den
Timer an die Weitwinkelkamera an.
20 Minuten vor dem ersten Kontakt
fahre ich den Rechner hoch: Das Auslesen der GPS-Maus klappt im ersten
Versuch, die Anbindung der Canon
funktioniert ebenfalls. Das Programm
„Eclipse-Orchestrator“ wird die Canon
im Fokus der Pentax steuern. Unser Beobachtungsplatz liegt nur 22km von der 20 Minuten nach dem ersten Kontakt
Zentrallinie entfernt, die totale Phase sieht man ohne Blick zum Himmel
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3/08
Andromeda
eigentlich keinen Unterschied. Es ist
warm, der Wind bläst noch mit unverminderter Stärke, die Farben sind
normal, ein Trupp Spatzen fliegt herum
und badet im Sand. Das durch ein Loch
projizierte Sonnenbild sieht aber schon
deutlich anders aus als sonst.
Der Wind ist schon seit einiger Zeit
schwächer geworden, aber jetzt herrscht
völlige Windstille.
Die Mücken steigen aus dem Gras und
die Spatzen fliegen eilig in Ihren Schlafbaum, noch ein kurzes Gezwitscher,
dann ist Ruhe.
Kurz darauf sind auch die Mücken
20 Minuten später werden die Farben wieder verschwunden. War heute eine
langsam fahler und blauer, und unse- wirklich kurze Dämmerung :-).
re Schatten werden komisch: In der
einen Richtung so weich wie immer, Noch 1m10s: Eine letzte Kontrolle der
rechtwinklig, dazu immer schärfer. Die Fokussierung an den Sichelspitzen.
Bläue nimmt immer mehr zu, aber es ist Noch 50s: Filter von der Weitwinkelkein kaltes Blau wie im Winter, sondern kamera den Timer auf ein Intervall von
irgendwie ein ganz warmes, weiches 2 Sekunden stellen und die Kamera
Blau. Mein Schatten sieht jetzt wirklich auf Automatik + 3/3 Blenden. Noch
komisch aus, ich habe das Gefühl, dass 30s; den Filter vom Pentax runter. Die
ich den Schatten jedes Härchens auf der hauchdünne Sichel kann man schon
Haut erkennen kann.
seit einigen Sekunden auch ohne Filter sehen, ich bekomme eine leichte
Ungefähr 4 Minuten vor der Totalität Gänsehaut. Im Westen steht ein grosnoch ein paar bange Momente: Eine ser dunkler Bogen am Himmel, der
Wolke zieht Richtung Sonne- und schnell größer wird. Während dieser
würde zur Totalität wohl genau vor der Zeit habe ich den Timer meiner WeitSonne stehen. Nach 2 Minuten ist klar, winkelkamera in der Hand und habe
dass sie ein paar Grad rechts neben der den Auslöseknopf gedrückt. Vielleicht
Sonne vorbei ziehen wird. Jetzt ist es ist der wachsende Schatten ja auf den
klar: Da kommt nichts mehr, wir wer- Bildern zu sehen!
den die Totalität sehen!
Aus dem Gasthaus am anderen Ende Rainer ruft: „Guckt auf den Boden,
des Grundstücks kommt eine Hoch- watch the ground!“ Aber ich kann keine
zeitsgesellschaft zu uns auf die Wiese: fliegenden Schatten sehen. Ich gucke
Eine Hochzeit mit einer totalen SoFi wieder nach oben zur Sonne und bin
ist auch nicht übel... Für das Brautpaar wie vom Donner gerührt: Ein zarter
gibt es einen großen Sonnenfilter mit Ring mit einigen gleißend hellen PunkSchleier drum herum - sehr hübsch!
ten. Auf der anderen Seite der Scheibe
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3/08
Andromeda
kann man schon die innere Korona
erkennen, die Diamanten verlöschen
einer nach dem anderen. Ich kann mein
Gefühl nicht wirklich beschreiben, es
gibt wenige Momente in meinem Leben, die mich bisher so getroffen haben.
Ich muss mich wirklich zusammenreissen, nicht einfach los zu heulen.
Der letzte Diamant verschwindet und
gleichzeitig wird es noch einmal viel
dunkler, die Strahlen der Korona stehen in voller Schönheit am Himmel.
Ich gucke bestimmt eine halbe Minute
nur andächtig nach oben, was für ein
majestätischer Anblick!
Der Blick durch meinen Feldstecher ist
unfassbar beeindruckend. Am Ostrand
der Sonne steht eine heckenförmige
Protuberanz, über den Westrand ragt
auch schon eine blassrosa Zunge. Phantastisch schön!
Ich gehe zur Weitwinkelkamera, drehe
den Belichtungsregler hoch um ein
paar Belichtungen mit langen Zeiten
zu machen (die Bilder sind leider
ziemlich überbelichtet, aber ich konnte mich nicht vom Anblick der Sonne
losreißen).
Mit dem Feldstecher erkunde ich die
Details in der Korona. Hatte nicht
jemand gesagt, Minimums-Koronen
seien langweilig? Ich war schon so
von den vielen Details überfordert.
Auf der Ostseite der Sonne ragen zwei
schmale Streamer in den Himmel, auf
der Westseite ein breiter. Ich habe das
Gefühl, dass die Streamer 6 bis 8 Sonnendurchmesser weit über den Himmel
ragen, aber das ist sicher übertrieben.
Ich erinnere mich daran, dass Hartwig
auf dem Flug vom Mondgesicht erzählt
hat - und tatsächlich: Im Feldstecher
kann man schwach aber deutlich den
Mann im Mond ganz klar erkennen! Ich
rufe „Hartwig, das Mondgesicht“ und
höre ein paar Sekunden später einen
kleinen Freudenschrei.
Überhaupt: In den Sekunden rund um
den zweiten Kontakt waren alle völlig
still, kurze Zeit später jubeln und schreien alle wild durcheinander. Es wird
wieder ruhiger - und an mehr kann ich
mich nicht erinnern. Ich gucke ein paar
Mal durch die Sucherlupe: Das Bild auf
der Mattscheibe ist wunderschön und
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Andromeda
voller Details. Einen kurzen Moment
denke ich über die Fotos nach: Wie
gut, dass ich mich um nichts kümmern
muss, aber hoffentlich klappt alles!
Ich gucke auf den Schirm meines Laptops, sehe C3 +1:02 und rufe laut „Noch
eine Minute, one minute left!“
Toll, ich hatte befürchtet, dass nur
noch 10 bis 20 Sekunden übrig sind,
aber wir haben noch eine ganz Minute!
Am Himmel stehen Merkur, Saturn
und Mars, die Präsepe kann ich nicht
erkennen. Der Himmel ist auch nicht
so tiefdunkel, wie ich es aus Erzählungen erwartet hätte, man kann sich
ohne Probleme bewegen. Wieder mit
dem Feldstecher: Nochmal die Details
in der Korona, die Protuberanz auf der
Westseite der Sonne ist jetzt vollständig
sichtbar, die rosa Zungen kann ich auch
mit dem bloßen Auge sehen.
Die Korona hat keine eigene Farbe, sie
ist weißlich grau, mit einem leichten
Blaustich, da der ganze Himmel tief
dunkelblau erscheint.
Am Westrand der Sonne sieht man für
einige Sekunden kurz den rötlichen
Kranz der Chromosphäre, dann bricht
der erste gleißend helle Lichtstrahl aus
der Photosphäre durch ein Mondtal.
Wieder dieser zarte Ring der inneren
Korona und diese schnell wachsenden
„Diamanten“ auf der Westseite der
Sonne. Mich überkommt das gleiche
Gefühl wie beim zweiten Kontakt.
Auf die Totalität und den Anblick der
Korona war ich durch viele Bilder
irgendwie innerlich vorbereitet, aber
die Sekunden um den zweiten und
dritten Kontakt haben mich wirklich
kalt erwischt. Darauf war ich nicht gefasst, und ich kann den Eindruck und
meine Gefühle auch nicht wirklich in
Worte fassen. Sie gehören definitiv zu
den beeindruckendsten Momenten in
meinem Leben.
36
3/08
Andromeda
Die Sichel wird erstaunlich schnell
wieder breiter, auch die innere Korona
verblasst schnell. Mit dem bloßen Auge
tut der Anblick schon nach einer knappen Minuten wieder weh: Die Totalität
ist endgültig vorbei.
Rainer ruft: „Guckt nach oben, der
Erdschatten!“ Tatsächlich sieht man
den großen dunkeln Bogen noch fast
im Zenit, er schrumpft schnell Richtung
Osten zusammen.
Die Filter auf die Instrumente zu stecken schaffe ich nur, weil ich es mir
mehrfach vorher vorgenommen habe.
Eigentlich fühle ich mich von den Eindrücken noch viel zu überlaufen. Wir
jubeln, schreien und fallen uns in die
Arme. Es hat geklappt!
Abspann
Die partielle Phase interessiert uns
eigentlich nicht mehr. Ab und zu guckt
mal jemand mit dem Feldstecher oder
der SoFi-Brille. Hartwig nimmt sogar
die Kamera vom Tele, um einen Blick
auf seine Bilder zu werfen. Ich widerstehe der Versuchung, denn bei den
Bedingungen würde ich mich später
wirklich ärgern, wenn die Daten für
eine kleine Animation des Ganzen fehlen. Die Jugendlichen nehmen weiter
Ihre Messwerte, der Pfiff mit der Trillerpfeife klingt in unseren Ohren zwar
etwas skurril, aber wenn man schöne
Kurven haben möchte, muss man das
halt auch bis zum Ende durchziehen.
Nach der Totalität beginnt wieder das
Spiel mit den Mücken: Sie kommen
kurz aus dem Gras, schwirren umher,
kurz darauf ist die Sonne schon so stark,
dass sie wieder im Gras verschwinden.
Die Spatzen kommen aus Ihrem Schlafbaum und fliegen umher. 20 Minuten
nach dem dritten Kontakt erhebt sich
auch wieder ein leichter Wind. Er wird
allerdings nicht mehr so stark, wie vor
der Totalität.
Kurz nach der Totalität bekomme ich
ein Bier in die Hand gedrückt. Obwohl
ich es nicht mag, kann ich nicht nein sagen: „Sibirska Corona“ trifft es einfach
zu gut! Da es während der partiellen
Phase nicht wirklich etwas zu tun gibt,
versuche ich eine ganze Zeit lang mit
geschlossenen Augen das Gesehen zu
verarbeiten und zu speichern. Es waren
viel zu viele Eindrücke, um wirklich
alles erfassen zu können. Irgendwann
leihe ich mir Hartwigs Handy und rufe
Katharina in Münster an, um Ihr zu
erzählen, dass es geklappt hat und was
wir gesehen haben. Danach brauche ich
noch mal eine Auszeit, weil ich wirklich
etwas wackelige Knie habe. Ich hätte
wirklich niemals gedacht, dass mich ein
Naturschauspiel derartig nachhaltig aus
der Ruhe bringen könnte!
Im Feldstecher kann ich bis 10 Sekunden vor dem vierten Kontakt noch eine
winzige Delle im Rand der Sonne sehen,
dann haben wir auch den Halbschatten
des Mondes wieder verlassen.
Hartwig holt die Becher und die Kiste
128 hervor, und alle Anwesenden be-
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3/08
Andromeda
kommen einen kleinen Schluck. Eine
sehr nette Tradition!
Der Rest des Tages ist in kurzen Worten
erzählt: Darks und Flats aufnehmen,
die Daten von den Speicherkarten der
Kameras auf die Festlatte des Laptops
sichern, Abbau der Instrumente. Die
Einladung, doch noch zum Abendessen
zu bleiben, nehmen wir gerne an. Im
Garten wird eine lange Tafel aufgebaut,
es gibt russische Spezialitäten: Rohen
Wir feiern noch fast bis Mitternacht
mit der Jugendgruppe am Lagerfeuer.
Gitarre und russische Lieder sind genau
das Richtige, es ist eine tolle Stimmung
und ich kann in Ruhe meinen Gedanken
nachhängen und ab und zu etwas mit
den Russen „reden“.
Das Taxi bringt uns diesmal ohne Zwischenfälle bis zum Hotel. Wir sind zwar
beide vollkommen fertig, aber erstmal
müssen die Bilder kurz gesichtet und
ein paar E-Mails in die Heimat geschickt werden. Bis 4 Uhr unterhalten
wir uns noch über das Gesehene. Ein
Blick aus dem Fenster: Schöne leuchtende Nachtwolken am Nordhorizont!
Einige Fotos davon bilden den freundlichen Abschluss „dieses Tages“.
Fisch mit Zwiebeln, verschiedene
Salate und das usbekische Nationalgericht: Irgendein Fleisch mit einem
orangen Gemüse und ganz viel Reis:
- sehr lecker. Zum Essen gibt es zwar
Saft und Wasser, aber auch Wodka.
Nach dem ersten steige ich aus, das
ist zu hart für mich. Zwischendurch
regnet es noch einmal kurz und kräftig,
denn ungefähr eine halbe Stunde nach
dem vierten Kontakt zogen aus Westen
große Wolken herauf: Da war die Front,
die wir auf den Satellitenbildern gesehen, und die uns Sorge gemacht hatte.
Zum Glück nur pünktlich - und nicht
etwas schneller....
38
3/08
Andromeda
Sternbild Einhorn
Hermann Soester
Von unseren 88 Sternbildern haben 36
(das sind immerhin 41 %) Tiernamen.
Das ist wohl nicht sehr verwunderlich,
spielten doch Tiere seit Urzeiten im
Leben der Menschen eine wichtige
Rolle. So wurden auf den berühmten
Wandmalereien in der südfranzösischen
Höhle von Lascaux vor ca. 25.000
Jahren bis auf eine menschliche Gestalt ausschließlich wildlebende Tiere
dargestellt. Unter den heute bekannten
„tierischen“ Sternbildern gibt es ebenfalls nur drei Haustiere, ausschließlich
Hunde. Doch damit nicht genug: Zu
diesen real existierenden Tieren gesellen sich noch fünf Fantasietiere:
Drache, Einhorn, Pegasus, Walfisch
und Zentaur, allesamt Figuren aus der
griechischen Mythologie, wobei der
„Walfisch“ eigentlich das Seeungeheuer „Cetus“ darstellt, dem unsere
geliebte Andromeda zum Opfer fallen
sollte, wäre nicht im letzten Augenblick
Perseus…, aber das ist eine andere
Geschichte.
Auch wenn man das Einhorn spontan
nicht mit der griechischen Mythologie
in Verbindung bringt, soll es dort seinen
Ursprung haben: Zeus hat der Ziege
Almathea (die ihn gesäugt hatte) ein
Horn abgeschlagen (das Füllhorn).
Dann gab man ihr den Körper eines
Pferdes, um den Stolz und das Edle des
so entstandenen Einhorns zu verdeutli-
chen. So sind die gespaltenen Hufe und
der Ziegenbart, mit denen das Einhorn
häufig dargestellt wird, ebenfalls auf
die griechische Mythologie zurückzuführen. Das Einhorn findet sich aber
auch im indischen Mythos, ebenso
wie in der persischen Schöpfungsgeschichte, in der Edda (eine Sammlung
nordischer Dichtungen unbekannter
Autoren) und an mehreren Stellen im
Alten Testament.
Das himmlische Einhorn (lat. Monoceros, Abk. Mon.) geht auf einen Mann zurück, der ins Deutsche übersetzt den
schönen Namen
„Peter Plattfuß“
trägt, der es aber
vorzog, obwohl
es noch rund vierhundert Jahre dauern würde, bis ein
gewisser Bud Spencer alias Kommissar
Rizzo im Kino herumpoltern sollte,
wie viele seiner vornehmeren Zeitgenossen, sich einen lateinischen Namen
zuzulegen. So wurde aus dem 1552 in
Dranouter (Flandern) geborenen und
1622 verstorbenen Pieter Platevoet halt
Petrus Plancius. Unter diesem Namen
machte er sich als Astronom, Theologe
und Kartograph auch über Holland hinaus einen Namen, indem er vor Allem
zahlreiche Landkarten, Sternkarten und
Himmelsgloben anfertigte und einige
neue Sternbilder einführte, von denen
heute allerdings nur noch die Taube,
39
3/08
Andromeda
die Giraffe und eben das Einhorn gebräuchlich sind. Allerdings verewigte
er auch das berühmte Kreuz des Südens
erstmals auf einem Globus, das aber
schon früher erwähnt worden war.
In der astronomischen Literatur wird
mehrfach erwähnt, Plancius habe versucht, Sternbilder mit christlicher Symbolik einzuführen (u.a. das „biblische“
Einhorn), doch Quellen, die sich mit
Plancius selbst befassen, machen dafür
die Tatsache verantwortlich, dass einige
seiner Sternbilder fälschlicherweise
dem schlesischen Kartografen Jakob
Bartsch zugesprochen werden, der sie
1624 in einer Sternkarte aufnahm und
mit religiösen Bedeutungen versah.
Plancius selbst erwähnte an keiner
Stelle, aus welchen Motiven heraus er
seine Sternbilder einführte.
Das Fabelwesen Einhorn lebt zumeist
zurückgezogen in den Wäldern und
zeigt sich Menschen gegenüber sehr
scheu. Das himmlische Einhorn scheut
vor allem die künstliche Lichtemission
des Menschen und ist am Stadthimmel
praktisch unsichtbar, weil seine hellsten
Sterne kaum heller sind als die 4. Größenklasse. Man kann es aber trotzdem
selbst dort einwandfrei lokalisieren,
weil es genau in dem Dreieck liegt, das
von den Leuchtfeuern Beteigeuze im
Orion, Sirius im Großen- und Prokyon
im Kleinen Hund gebildet wird. Durch
das Einhorn zieht sich das zarte Band
der Wintermilchstraße, sodass es auf
Sternhaufen und Nebel wahrlich nicht
verzichten muss.
Charles Messier würdigte allerdings nur
einem Objekt eine seiner berühmten
Katalognummern: M50. Schon ein
10x50 Feldstecher zeigt einen schönen
Haufen, aus dem rund zehn hellere
Sterne hervorblitzen. Aber schon ein
6-8zöller macht über 100 blauweiße
Sterne mit Helligkeiten ab 8 mag und
einen orangenfarbenen Außenseiter in
Form eines Roten Riesen südlich seines
Zentrums sichtbar. Manche Beobachter
sprechen beim Anblick des Haufens
von einer „herzförmigen Figur“. M
50 ist ungefähr 3000 Lichtjahre von
uns entfernt. Sein Winkeldurchmesser
40
3/08
Andromeda
von 15x20 Bogenminuten entspricht
einer wahren Ausdehnung von etwa 18
Lichtjahren, wobei der zentrale, dichte
Teil nur um die 10 Bogenminuten,
bzw. 9 Lichtjahre, im Durchmesser
einnimmt.
Als echtes Wintersternbild hat Monoceros etwas wirklich Winterliches
zu bieten. Was wäre der Winter ohne
Weihnachten, und was wäre Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Damit
kann das Einhorn dienen und zwar mit
einem passenden Sternhaufen: NGC
2264, auch als Weihnachtsbaumhaufen
bekannt. Allerdings sollte man, wenn
man mit etwas anderem als einem Newton unterwegs ist, auf das Zenitprisma
verzichten, denn dieser Baum steht auf
dem Kopf. Daher muss ich jetzt wohl
auch meine Behauptung revidieren, der
Kleiderbügel (Collinder 399) sei das
einzige Objekt, das im astronomischen
Fernrohr „richtig herum“ erscheint
(Andromeda 1 / 2, 2005, S. 39).
Der 5 m helle Stern 15 Monocerotis (ein
Mehrfachstern mit einem Begleiter in
nur 3” Distanz, 8,m5 hell, einem Begleiter 9. Größe in 74” Entfernung und
2 Begleitern 11. Größe in 16,6” und
41,1” Distanz) bildet den unteren Teil
des Stammes, von dem aus sich 7-10m
helle Sterne emporranken und Krone
und Spitze bilden. Unter einem dunklen
Himmel kann man einen schwachen
Reflexionsnebel erkennen, der einen
helleren Stern ca. 7‘ südwestlich von
15 Monocerotis umgibt. Dieser hat
vor allem durch eine sensationelle
Hubbleteleskopaufnahme als Konusnebel eine gewisse Berühmtheit erlangt.
Der etwa 2600 Lichtjahre entfernte
Reflexionsnebel NGC 2261 erinnert
auf den ersten Blick an einen Kometen.
41
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Andromeda
lassen sich nur die hellsten Teile, die
mit den Katalognummern NGC 2237,
2238 und 2239 bezeichnet werden;
erst auf lang belichteten Fotografien
erscheint der komplexe Nebel in voller Pracht. Allerdings soll der Einsatz
eines Schmalbandfilters visuell wahre
Wunder wirken. Mit einem Durchmesser von 1° erscheint der Rosettennebel
doppelt so groß wie der Vollmond.
Dem Fernrohrbeobachter zugänglich
Unter guten Bedingungen kann man ist allerdings der zentrale Sternhaufen,
ihn bereits mit einem l00mm-Teleskop
bei l00facher Vergrößerung erkennen.
Seine fächerförmige Gestalt zeigt sich
ab etwa 150mm Öffnung, am besten bei
120-150facher Vergrößerung. Im 8zöller zeigt sich die leicht fleckige Struktur
und die relativ scharf begrenzten Ränder des Nebels. An der Südspitze steht
ein Stern 11. Größe, der Veränderliche
R Mon. Er scheint den Kern des „Kometen“ auszumachen und sorgt auch
noch dafür, dass der Nebel die Bezeichnung „Hubbles Veränderlicher Nebel“ um den sich der Nebel ringt. Schon im
erhielt, da Edwin Hubble der erste war, 10 x 50 Feldstecher sind mindestens
der Variationen in seiner Helligkeit und 10 Sterne verteilt auf ein ca. 20‘ großes
Gestalt feststellte. Dies liegt aber nicht Feld zu sehen. Der hellste von ihnen
nur an der Helligkeitsvariation von R scheint der gelbe Stern 12 Monocerotis,
Mon, sondern vermutlich auch an den ein Objekt 6. Größenklasse, zu sein,
ständig sich wandelnden Schattenwür- doch dieser steht als „Vordergrundfen, die dichte Staubwolken in der Nähe stern“ nur zu­fällig in derselben Richdieses Sterns hervorrufen.
tung. Haufen samt Nebel sind ungefähr
Beim Einhorn denkt wahrscheinlich 4000 Lichtjahre entfernt. Der offene
jeder Sternfreund als erstes an den auf Sternhaufen ist vermutlich vor einer
zahllosen Fotos so schön erscheinenden halben Mil­lion Jahre entstanden. Die
Rosettennebel. Visuell beobachten extrem jungen Sterne darin emittieren
42
3/08
Andromeda
ein sehr energiereiches Licht, das nicht
nur die Gas­massen des Nebels zum
Leuchten anregt, sondern auch mit
einem enormen Strahlungsdruck die
Materie aus dem zentralen Bereich
des Nebels heraus­getrieben und so für
die namensgebende Form des Objekts
gesorgt hat. Die deutlich sichtbare Aushöhlung im mittleren Bereich erreicht
zurzeit einen Durchmesser von etwa 12
Lichtjahren. In nur wenigen Millionen
Jahren werden die Nebelmassen völlig
weggeblasen sein, sodass nur noch der
Sternhaufen sichtbar sein wird.
Beta Monocerotis ist ein Dreifachstern
in 691 Lichtjahren Entfernung, den
schon Herschel, der ihn 1781 entdeckte,
als „einen der schönsten Anblicke am
Himmel“ pries. Dabei umkreisen drei
Sterne der Spektralklassen B3 sehr
langsam ein gemeinsames Zentrum;
sie zeigen kaum eine Bewegung zueinander. Da die Sterne in relativ weitem
Abstand auseinander stehen, kann man
sie bereits mit einem kleinen Teleskop
beobachten. Sie erscheinen bei etwa
gleicher Helligkeit bläulich-weiß und
bilden ein sehr spitzes Dreieck.
Als ein „Kunstwerk der Natur“ bezeichnete die Welt am 6.3.2004 den
Ausbruch des Sterns V838 Monocerotis, bei dem allerdings kein Material
ins All geschleudert wurde. Der Stern
hatte sich nur aufgebläht, wodurch
sich seine äußere Hüllentemperatur
dramatisch abgekühlt hat. Dieses Aufblähen - ohne seine äußere Hülle ins
All abzustoßen - ist recht selten und
widerspricht vollkommen dem normalen Szenario einer Nova. Das Licht des
kurzzeitigen Ausbruchs erhellte nach
und nach die ihn umgebenden Staubschwaden, die vermutlich von einem
früheren Ausbruch stammen. Dadurch
änderte sich der Anblick des Objektes
monatlich. Es wuchs deutlich. Bereits
in der Andromeda 1 / 2004 lieferte
Klaus Kumbrink einen Artikel nach
dem Bericht der Welt.
Wenn Sie dem scheuen Einhorn mal
etwas richtig Gutes tun wollen, gönnen
Sie ihm einfach ein wenig Schutz in
der Dunkelheit und machen Sie mit im
Rahmen des Internationalen Jahrs der
Astronomie 2009 bei der „Licht aus!“Aktion am 28. März 2009. Das sympathische Fabeltier hätte es verdient!
43
3/08
Andromeda
1998 - 2008
10-jähriges Jubiläum
der Firma Gerd Neumann jr.
Angenehm überrascht, wurde ich doch
im Eingangsbereich von einem Stand
der Sternfreunde Münster empfangen,
den Michael aufgebaut hatte und auch
Ewald Segna
„Was vor zehn Jahren mit einer kleinen
Notiz über den Filterfassungsschlüssel
in der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ begann, hat sich mittlerweile zu
einer etablierten Adresse für Feinmechanik und Optik im wissenschaftlichen
Instrumentenbau entwickelt.“*
*http://gerdneumann.net/v2/deutsch/jubilaeum.html
den ganzen Tag über betreute. Eine
nette Idee, konnten wir Sternfreunde
auf diesem Wege auch noch Werbung
für unser Hobby machen.
Auf 160 m2 Firmenfläche waren unter
anderem eine große Drehbank, ein Optikmessplatz und, als Clou der Ausstellung, ein Spektrometer untergebracht.
Im Spektrometer konnten verschiedene
Astronomik Filter auf ihre „Durchlässigkeit“ hin untersucht werden. Das Hb
(H-Beta) Filter von Astronomik konnte
hier seine besondere Qualität unter
Beweis stellen. Von der Lichtquelle auf
Aus Anlass seines 10 jährigen Betriebsjubiläums lud Gerd Neumann alle Astronomieinteressierten am 7. September
2008 in seine Räumlichkeiten am Nottulner Landweg 104 in Roxel zu einem
Tag der offenen Tür ein. Ich machte
mich dann auch am frühen Samstag
morgen auf den Weg, um einmal einen
Blick hinter die Kulissen zu werfen.
44
3/08
Andromeda
Ge
r
euman
dN
r.
nj
der einen Seite des Spektrografen waren keine
Emissionslinien zu sehen (was mich auch nicht
verwundert hat)!
Zu einem weiteren Standbein für Gerd hat sich
mittlerweile auch seine optische Bank entwi-
d
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n
u
inmechanischer
ckelt. Hier kann er gezielt die Werbeaussagen
der Firmen mit der tatsächlichen Qualität der
Spiegel vergleichen. Für den Sternfreund, der
die Optik seines Teleskopes testen und mit
Messwerten untermauern will, eine willkommene, zusätzliche Dienstleistung.
Natürlich muss ich zum Ende auch auf die
Drehbank zu sprechen kommen - hat doch
gerade damals vor 10 Jahres alles damit angefangen. Neben seinem Maschinenbaustudium
drehte Gerd schon für Freunde und Bekannte
auf Anforderung spezielle Zubehörteile für
Teleskope. Das war ja quasi der Startschuss
in seine Selbstständigkeit.
Leider war das Wetter an diesem Tag schlecht,
sodass die Sonnenbeobachtung mit dem HaFilter ausfallen musste.
Bleibt als Zusammenfassung: Der Tag der offenen Tür war eine gelungene Demonstration
der Leistungsstärke der Firma Gerd Neumann
jr. Ich wünsche dem Jubilar alles Gute für die
Zukunft, damit wir uns in 10 Jahren wiedersehen, zum nächsten Jubiläum!
45
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Dipl.-Ing. Gerd Neumann; Nottulner Landweg 104, D-48161 Münster-Roxel,
Tel.: 02534/ 977 445, Fax: 02534/ 977 446, eMail: [email protected]
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Andromeda
Herschels Spiralhaufen
Michael Dütting
Sterngucker sind bekanntlich lichtscheue Zeitgenossen und die dunkle
Jahreszeit ist geradezu prädestiniert für
ausgiebige Spaziergänge am Himmel.
Tja, wenn da nur nicht der Novembernebel wäre, der sich in diesem Jahr als
besonders hartnäckig erweist. Schieben
sich die Wolkenwände dann doch gelegentlich beiseite, wird einem gleich
eine ganze Sammlung attraktiver Ziele
für Fernglas und Teleskop präsentiert.
Apropos attraktiv: Auch auf die Gefahr
hin, eine Genickstarre zu riskieren,
lohnt gegen Mitternacht ein Blick in
den Zenit auf eine der wenigen Frauengestalten am Firmament. Das W- oder
M-förmige Sternbild der „Königin
der Nacht“ (Cassiopeia) gewährt in
dieser Position einen tiefen Blick in
die Milchstraße. Wie es sich für eine
adelige Sagengestalt gehört, prangt hier
eine ganze JuwelenKollektion offener
Sternhaufen.
Das mit Abstand
reichste Geschmeide ist hingegen nicht
allzu bekannt und
wurde, wie könnte
es anders sein, von einer Frau entdeckt. Auf der Suche nach Kometen
und Sternennebeln richtete Caroline,
Schwester des bekannten Astronomen
Friedrich Wilhelm Herschel, am 30.
Oktober 1783 ihr selbstgebautes und
im selben Jahr fertiggestelltes NewtonTeleskop etwa 3 Grad südwestlich des
Sterns Caph (Beta Cassiopeiae) in den
Himmel. Sie stieß auf ein zunächst
unscheinbares Fleckchen von etwa 16
Bogenminuten Durchmesser.
Tut man es Caroline gleich und nutzt
ein Fernglas oder Teleskop bis etwa
10 Zentimeter Objektivöffnung, wähnt
man sich als glücklicher Entdecker
eines Kometen und liegt
damit voll daneben.
Der Blick durch ein Fernrohr
ab 6 Zoll Öffnung (150 mm)
offenbart seine wahre Natur:
Ein ungewöhnlich reicher
Sternhaufen, der in mehrfacher Hinsicht interessant
ist. Seine auffälligsten Sterne
erreichen nur eine Helligkeit
von etwa 11m, womit sich die
geringe Flächenhelligkeit
erklärt, die dieses Objekt
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Andromeda
zunächst so unscheinbar wirken lassen. Enthält die Mehrheit der offenen
Sternhaufen allenfalls einige Dutzend
bis wenige 100 Mitglieder, bringt es
dieses Exemplar auf über 1000, die
sich relativ stark in einem Zentrum zu
konzentrieren scheinen. Manche Beobachter erkennen in der Anordnung der
Sterne ein Spiralmuster, was zum Teil
auch durch Fotografien bestätigt wird.
In Carolines Nebelkatalog erhielt unser
Cassiopeia-Juwel die Nummer CH14,
ihr großer Bruder nahm es als Nummer
H VI.30 in seine Listen auf und im New
General Catalog ist er als NGC 7789
zu finden. Weitere Bezeichnungen sind
Collinder (Cr) 460 oder OCL 269 (Open
Cluster List).
Nach dem Klassifikationsschema
des Astronomen Robert
Julius Trümpler (18861956) wird Carolines
Sternhaufen dem Typ
II2r zugeordnet: Das
heißt „frei stehend, mit
geringer Konzentration
und mehr als 100 Sternen“. Dem widerspricht
freilich der Anblick im
Teleskop und die mittlerweile zahlreichen Aufnahmen, was die Aufmerksamkeit einer
ganzen Reihe von Astronomen auf sich
zog. Es kam sogar zu einem regelrechten
Disput, denn einige betrachteten NGC
7789 als Zwischending zwischen einem
offenen galaktischen Sternhaufen und
einem Kugelsternhaufen mit geringer
Konzentration. Kugelsternhaufen sind
mit wenigen Ausnahmen in den Randbereichen unserer Galaxis zu finden
und bis zu 50000 Lichtjahre entfernt,
dieser Sternhaufen befindet sich nahe
der galaktischen Ebene in „nur“ 6500
Lichtjahren Abstand.
Die Bestätigung, dass es sich um einen
„echten“ offenen Sternhaufen handelt
lieferten der amerikanische Astronom
Allan Rex Sandage und die britische
Astronomin Eleanor Margaret Peachey
mit einer Studie im Jahre 1958, aber
auch andere Forscherkollegen machten
sich daran, NGC 7789 genauer unter
die Lupe bzw. das Spektroskop zu
nehmen.
Aufnahme des Autors, fotografiert in Kattenvenne
mit einem 200mm- Newton Teleskop auf Kodak
Diafilm, Belichtungszeit 60 Minuten.
Der Astronom Friedrich Küstner nahm
sich an der Universitätssternwarte
Bonn Carolines Juwelen genauer vor
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und nutzte für seine Forschung ein
Teleskop der Sternwarte mit 274mm
Öffnung und 3850mm Brennweite.
Für die Vermessung des Sternhaufens
entstanden in den Jahren ab 1902 eine
Vielzahl fotografischer Platten, die für
eine Bestimmung der räumlichen und
der Flächendichte der Sterne herangezogen wurden [1].
Eine umfassende Arbeit aus den 60er
Jahren von Kristen Rohlfs [2] widmete sich der spektroskopischen und
photometrischen Untersuchung mit bemerkenswerten Ergebnissen: Demnach
handelt es sich bei fast allen Sternen um
Riesen oder Unterriesen, die hellsten
vom Typ K4 III (orange) mit einer
absoluten Helligkeit von -2,3m; alle
anderen von mehr als +2m scheinen sich
aus der Hauptreihe des HertzsprungRussel Diagramms herausentwickelt
zu haben. Die Leuchtkraft aller Sterne
in NGC 7789 übertrifft die der Sonne
um das 3000fache!
Es stellte sich heraus, dass die Sterne in
NGC 7789 in ihrer Evolution sehr weit
fortgeschritten sind und heute schätzt
man sein Alter auf etwa 1,5 Millarden
Jahre. Nach neusten Forschungen ist
das sehr ungewöhnlich, weil die Mitglieder eines offenen Sternhaufens
während ihrer Rotation um das Milchstraßenzentrum nach wenigen Millionen Jahren auseinanderdriften.
Eine neuere Untersuchung zweier
chinesischer Astronomen der Universität Peking [3] zeigt, dass sich auch
sogenannte „Blue Stragglers“ in diesem
Winkel des Universums aufhalten.
Dabei handelt es sich um im Vergleich
zu ihrer Leuchtkraft sehr heiße blaue
Sterne, die einen starken Sternenwind
von sich geben und so beständig Masse verlieren. Ihre Entstehung kann
derzeit nur durch die Kollision zweier
kleinerer Sterne erklärt werden. Und:
48
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sie sind häufig in Kugelsternhaufen zu geschätzte Entfernung: 6200-8000
finden... .
Lichtjahre;
wahrer Durchmesser: 50 Lichtjahre;
scheinbarer Durchmesser: 16 Bogenminuten;
Alter: 1,5 Mrd. Jahre;
neueste Klassifikation: II1r;
Koordinaten (2000,0): RA 23h 57m 24s
DKL +56 42‘ 30“.
[1] Friedrich Küstner: Ausmessungen
der vier offenen Sternhaufen NGC
7789, Messier 11 und 35, NGC 6939
in Veröffentlichungen der UniversitätsSternwarte zu Bonn, No. 19, 1923
[2] Kristen Rohlfs: Der Bau des Sternhaufens NGC 7789 und die Masse seiner roten Riesensterne. In: Zeitschrift
für Astrophysik 53, 155-185, Jg.1961
[3] Y. Xin und L.Deng: Blue Stragglers
in Galactic Open Clusters And Integrated Spectral Energy Distributions in
The Astrophysical Journal, 619;824Es lohnt sich also, gelegentlich einen 838, Februar 2005
Blick auf Carolines Juwelen zu werfen,
von denen einige Amateurastronomen
behaupten, es handele sich um den
schönsten Sternhaufen des HerbsthimFortsetzung von Seite 27
mels.
Bildunterschriften
Daten zu Herschels Spiralhaufen:
Katalogbezeichnungen: NGC 7789,
Cr460, OCL 269, Herschel VI.30,
CH14;
Helligkeiten von 11m bis 18m, hellster
Stern: 10m,7;
scheinbare Gesamthelligkeit: 6m,7;
BF - Bianca Fialla; LWL, HA - Halton Arp, DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt,
MD - Michael Dütting, CG - Lopez-Corredoira &
Gutierrez, JH - Jo Hilpert, FK - Friedrich Küstner,
KK - Klaus Kumbrink, GN - Gerd Neumann, POSS Palomar Observatory Sky Survey, SP - Dr. Siegfried
Peterseim, KR - Kristen Rohlfs, PHS - Philipp Salzgeber, ES - Ewald Segna, WS - Wolf Steinle,
JS - Jürgen Stockel, WaS - Michael Stratmann,
WP - - Wikipedia
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Was? Wann? Wo?
Andromeda
Astronomie - Unser Hobby:
Gemeinsame Beobachtung • Astrofotografie • Startergruppe •
Mond & Sonnenbeobachtung • Beratung beim Fernrohrkauf •
öffentliche Vorträge über astronomische Themen • Vereinszeitung
Wer sich mit dem faszinierenden Gebiet der Astronomie näher beschäftigen
möchte, ist herzlich eingeladen, zu einem unserer öffentlichen Treffen zu
kommen. Unsere Mitglieder beantworten gerne Ihre Fragen.
Öffentliche Veranstaltungen
Wir veranstalten Vorträge über aktuelle astronomische Themen an jedem
2. Dienstag des Monats. Öffentliche Beobachtung vor dem Museum für
Naturkunde. Aktuelle Infos über unsere „Homepage“.
www.sternfreunde-muenster.de. Alle Veranstaltungen sind kostenlos!
Vortragsthemen
(A): Anfänger
13. Jan.: Astronomie alter Kulturen (A)
Andreas Bügler
Bereits die alten Völker verfügten über
erstaunliche astronomische Kenntnisse.
Mit Beginn der systematischen Landwirtschaft entstanden dann Bauwerke
mit astronomischer Ausrichtung. Aus
diesen kann man schließen, welche Himmelsereignisse den jeweiligen Völkern
besonders wichtig waren und wie das
astronomische Wissen in ihr Weltbild
eingefügt war. Der Vortrag vergleicht
Kulturen aus verschiedenen Zeiten und
Regionen.
10. Febr.: Neue Fotos der Sternfreunde
Münster (A) div. Sternfreunde
Wieder ist ein Jahr vergangen. Viele neue
Bilder haben sich bei den Sternfreunden
(F): Fortgeschrittene
angesammelt. Der Abend vermittelt
einen Querschnitt über die verschiedenartigen Bildmotive, von Planeten bis hin
zur Deep Sky Fotografie.
10. März: Hochauflösende Mond- und
Planetenaufnahmen aus Münster (A)
Gerd Neumann
In seinem Vortrag stellt Gerd Neumann
dar, wie man auch vom Balkon eines
Mietshauses aus hochauflösende Aufnahmen erstellen kann. Aufnahmen
vom Mond und den großen Gasplaneten
werden mit vielen Bildern aus der Marsopposition des letzten Winters ergänzt.
Neben den Bildern wird auch die Technik der Instrumente und der Bildverarbeitung nicht zu kurz kommen.
Ort und Zeit: Seminarraum des Westfälischen Museums für Naturkunde / 19.30 Uhr
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