Die Problematik der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie angesichts

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Geisteswissenschaft
Denis Dobras
Die Problematik der Vereinbarkeit von
Arbeit und Familie angesichts der
beruflichen Anforderungen der modernen
Wirtschaft.
Diplomarbeit
Universität Duisburg-Essen
Integrierter Studiengang Sozialwissenschaften
Studienrichtung Soziale Arbeit und Erziehung
Die Problematik der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie angesichts der beruflichen Anforderungen der modernen Wirtschaft
Wissenschaftliche Hausarbeit zur Erlangung des Grades eines Diplom Sozialwissenschaftlers der Universität Duisburg-Essen
Vorgelegt im Sommersemester 2008 von:
Denis Dobras
Duisburg, 13. Mai 2008
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1. Familie: Eine Begriffsbestimmung 6
2. Geschichtlicher Rückblick auf die Familie 8
2.1 Das vorindustrielle „ganze Haus“ 8
2.2 Die Herausbildung der modernen Kleinfamilie 9
2.2.1 Trennung von Wohn- und Arbeitsstätte 10
2.2.2 Liebe als primäres Kriterium der Partnerwahl 11
2.2.3 Stellung der Kinder 11
2.2.4 Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
12
3. Organisation der Arbeit in der industriell-geprägten Gesellschaft
als historische Referenzfolie für Entgrenzungsprozesse 13
3.1 Normal-Arbeitsverhältnis 15
3.2 Normal-Arbeitszeit 16
4. Reorganisation der Arbeit in der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft 17
4.1 Atypische Beschäftigungsverhältnisse 19
4.1.1 Teilzeitarbeit
20
4.1.2 Geringfügige Beschäftigung 21
4.1.3 Befristete Beschäftigung
21
4.1.4 Leiharbeit 22
4.1.5 Telearbeit 22
4.2 Flexibilisierung der Arbeitszeit 23
4.2.1 Arbeitszeitkonten
25
4.2.2 Vertrauensarbeitszeit 26
5. Formwandel der Arbeit 27
5.1 Indirekte Steuerung der Arbeitsprozesse 28
2
5.2 Partizipation und Externalisierung im Arbeitsprozesse
5.3 Subjektivierung der Arbeit
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33
6. Die Ware Arbeitskraft: Neue Anforderungen an ihre Besitzer 35
6.1 Selbst-Kontrolle 38
6.2 Selbst-Marketing 39
6.3 Selbst-Rationalisierung
41
7. Mobilität und mobile Lebensformen als berufliche Anforderung
7.1 Fernpendler
42
44
7.2 Wochenendpendler 46
7.3 Fernbeziehung 47
8.Entgrenzte Arbeit und Zeitmanagement in der alltäglichen Lebensführung
48
8.1 Grundzüge des Familienalltags
50
8.2 Auswirkungen entgrenzter Arbeit auf die alltägliche Lebensführung
51
8.2.1 Auswirkungen entgrenzter Arbeit auf die Lebensführung von
Familien mit zwei Erwerbstätigen
54
8.2.2 Auswirkungen entgrenzter Arbeit auf die Lebensführung von
Familien mit einem Erwerbstätigen
56
8.2.3 Zeitliche Belastungen bei Alleinerziehenden
8.3 Chancen entgrenzter Arbeit
57
58
9. Zusammenfassung der Ergebnisse 60
Literaturverzeichnis
64
3
Einleitung
Die Geburtenrate in Deutschland ist in den letzen zwei Jahrzehnten so stark gesunken, dass die Prognosen der Experten über die demographische Zukunft der Gesellschaft durchaus beängstigend sind. Der hohe Anteil alter Menschen an der Gesamtbevölkerung steht der niedrigen Fertilitätsrate gegenüber und sorgt somit für einen
Bevölkerungsrückgang, der gegenwärtig nur durch Einwanderungen gemildert werden kann. Denn durchschnittliche 1,37 Geburten pro Frau liegen deutlich unterhalb
der Reproduktionsschwelle.
Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf mehrere Ursachen; eine grundlegende ist
die 68er Bewegung, seit der Frauen Anspruch auf ein selbstbestimmteres Leben erheben, dessen Sinn sie nicht mehr ausschließlich in Familie und Kindern sehen und
dementsprechend auch nicht suchen. Durch den Einzug in die Erwerbswelt sind eben
neue Wege eröffnet worden, eine selbstbestimmte und unabhängige Lebensführung
einzuschlagen.
Bedingt durch die Anhebung des Lebensstandards beziehungsweise des allgemeinen
Wohlstands in Deutschland, zeichnet sich eine verstärkte und intensive Individualisierung gleichermaßen auch bei den Männern ab. Denn Konsum und materielle Werte
stehen nicht selten höher im Kurs als Familie und die Sorge für Andere, woraus sich
aber dahingegen Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Nächstenliebe, Gemeinsamkeit u. a. m. ergeben.
Damit wäre aber nur die eine Seite der Medaille aufgezeigt; denn weshalb sollten
nicht beide gesellschaftlichen Bereiche, Erwerbsarbeit und Familie also, ausbalanciert
und parallel möglich sein. Die Problematik von Arbeit und Familie kann nicht ausschließlich der hohen Beteiligung der Frauen an der monetären Arbeit zugesprochen
und damit auch nicht auf die Hausfrauendebatte reduziert werden.
Bezüglich der Unvereinbarkeit von Arbeit und Familie werden in der Bundesrepublik
seit den siebziger Jahren Lösungswege verfolgt, die bis heute keine echten Verbesserungen gebracht haben. Die kontinuierliche Anhebung des Kindergeldes oder die gegenwärtige Einführung eines Elterngeldes sowie die Debatte um eine umfangreichere
Betreuung von Kindern auch unter drei Jahren konnten und werden auch in Zukunft
nicht für eine bessere Vereinbarkeit sorgen können. Denn Erhebungen zeigen, dass
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gerade besser Verdienende und Gebildete weniger oder seltener Kinder haben als
Menschen mit geringerem Einkommen oder niederer Bildung. Und die Ausdehnung
der Betreuungsmöglichkeiten für die Kleinsten würde bedeuten, dass Kinder schon
mit zwei Jahren intensiv von anderen nicht nur betreut, sondern vielmehr erzogen
würden. Daraus ergäbe sich eine Instrumentalisierung der Kinder, die dann nur ein
Mittel zum Zweck wären, und der Sinn des Kinderkriegens würde nicht mehr auf den
Grundprinzipien der modernen Kleinfamilie basieren.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich aber nicht mit den Ursachen der rückläufigen
Geburtenzahlen, da die Problematik der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie nicht
nur ein quantitatives Problem ist, sondern vielmehr qualitative Defizite nach sich
zieht, die in der Arbeitsorganisation und ihrer Form selbst zu suchen sind. Demzufolge knüpft diese Arbeit an die Diskussionen, die Soziologen und Sozialwissenschaftler
unter der Bezeichnung „Entgrenzung von Arbeit und Leben“ führen. Einen wichtigen
und einleuchtenden Beitrag dazu leistete der amerikanische Soziologe Richard Sennett mit seinem 1998 erschienenen Essay „Der flexible Mensch“. Darin zeigt er die
Kultur des neuen Kapitalismus auf, dessen Schlüsselbegriffe ´Flexibilität´ und
´Mobilität´ sind.
Ziel dieser Arbeit wird sein, die Dynamik der kapitalistischen Wirtschaftsformation
adäquat auf das herkömmliche Familienleben und dessen Rahmenbedingungen zu
beziehen und somit die oben genannten Schlüsselbegriffe der modernen Wirtschaft zu
hinterfragen. Zwar ist nicht jeder Mensch und Beschäftigte gleichermaßen von zeitlicher und räumlicher Flexibilität betroffen, doch es ist der Trend, der darauf abzielt,
eines Tages jeden in eine hoch bewegliche und flexible Gesellschaft und Arbeitswelt
einzubinden. Demzufolge handelt es sich hier um eine theoretische Aushandlung, in
der es um die Beantwortung folgender Fragen geht:
Wie ist die Arbeit in der modernen Wirtschaft organisiert? Welche beruflichen Anforderungen stellen die moderne Wirtschaft und ihre Arbeitsorganisation an die Menschen? Wie wirken sich die beruflichen Anforderungen der modernen Wirtschaft auf
die alltägliche Lebensführung der Menschen aus?
In Kapitel 2 zeigt der historische Rückblick die Entstehungsgeschichte der Familie
und die Beziehungszusammenhänge zwischen ihren Mitgliedern, dessen Fortschritte
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