Falk Gastro-Kolleg Leber und Gallenwege

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Falk
Gastro-Kolleg
Leber und
Gallenwege
Gemeldete Hepatitis-E-Fälle 2001 – 2012
Hepatitis-E-Virusinfektion
Zusammenfassung
Das Hepatitis-E-Virus (HEV) ist ein RNA-Virus aus der Familie der Hepeviridae. In der
vergangenen Dekade wurde in Deutschland eine stetig steigende Inzidenz der HEVInfektionen dokumentiert. Man unterscheidet mehrere Genotypen: HEV1 und HEV2 sind
primär humanpathogen, werden fäkal-oral übertragen und sind für Epidemien in
Entwicklungsländern verantwortlich; HEV3, eine Zoonose, führt vor allem durch den
Verzehr von Schweinefleisch zu autochthonen Infektionen in westlichen Ländern. Hohe
Seroprävalenzraten weisen auf eine große Anzahl subklinischer Verläufe hin. Neben der
typischen ikterischen, selbstlimitierenden Hepatitis können auch extrahepatische
Manifestationen und bei immunkompromittierten Patienten sogar chronische Verläufe
auftreten. Die Elimination einer chronischen Hepatitis E kann meist über die Reduktion
einer immunsuppressiven Therapie oder einer Therapie mit Ribavirin und/oder
pegyliertem Interferon erreicht werden. Ein Impfstoff gegen HEV1 wurde 2012 in China
zugelassen.
Dr. M. Schultheiß
Dr. T. Böttler
Prof. Dr. R. Thimme*
Abteilung für Innere Medizin II
Medizinische Universitätsklinik
Freiburg
Hugstetter Str. 55
79106 Freiburg
*Korrespondierender Autor
Zertifiziert
mit
1
Punkt
Schlüsselwörter
HEV-RNA | ikterische Hepatitis | chronische Hepatitis | Ribavirin | Impfung
Fragebeantwortung unter
www.falkfoundation.de
Falk Gastro-Kolleg
Titelbild: Zunahme der gemeldeten Hepatitis-E-Fälle in Deutschland 2001–2012 (siehe Tab. 1)
10
Hepatitis-E-Virusinfektion
Einleitung
Hepatitis-E-Virusinfektionen galten in Deutschland bislang als absolute Rarität. Seit ungefähr 10 Jahren wird jedoch ein kontinuierlicher Anstieg der Meldezahlen beobachtet
[1], wobei unklar ist, ob dies auf einer Zunahme der Infektionen oder auf der zunehmenden ärztlichen Wahrnehmung und verbesserten Diagnostik dieser Virusinfektion beruht.
Da jedoch trotz steigender Inzidenzzahlen die Anzahl der HEV-infizierten Patienten mit
relevanter Reiseanamnese weitestgehend stabil geblieben ist, ist von einer Zunahme der
autochthonen, also in Deutschland erworbenen Infektionen auszugehen (Tab. 1).
Tab. 1
Übersicht der HEV-Infektionen in Deutschland [1]
Meldejahr
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Anzahl der Hepatitis-E-Fälle
31
17
32
53
54
51
73
104
109
221
238
388
davon autochthon
12
7
10
21
23
24
45
70
85
166
181
–
Die vorliegende Übersichtsarbeit soll den derzeitigen Kenntnisstand über die Diagnose,
Klinik, Therapie und Prävention der Hepatitis-E-Virusinfektion zusammenfassen.
Viruscharakteristika
Das Hepatitis-E-Virus (HEV) ist ein einzelsträngiges RNA-Virus mit 3 offenen Leserahmen
(LR). Diese haben eine Länge von 1693 (LR1), 660 (LR2) bzw. 114 (LR3) Aminosäuren (Abb. 1)
und kodieren für verschiedene Strukturproteine [2]: LR1 kodiert für Enzyme, die für die
RNA-Replikation notwendig sind wie Helicasen, Polymerasen und Methyltransferasen;
LR2 kodiert für das Kapsid, also die „Verpackung des Virusgenoms“ und LR3 kodiert für ein
Protein, welches die Virionfreisetzung entscheidend steuert. Das Virus repliziert im Zytoplasma seiner Wirtszelle und hat eine Länge von 27–34 nm.
Abb. 1
Schematische Darstellung des Hepatitis-E-Virus und seiner Leserahmen (LR);
AS = Aminosäuren
HEV wird als einziger Vertreter der Gattung Hepevirus der Familie der Hepeviridae zugeordnet. Nach Infektion wird eine humorale und zelluläre Immunantwort induziert. Das
Virus selbst ist nicht zytotoxisch. Die Pathogenese wird höchstwahrscheinlich über die
zelluläre Immunantwort vermittelt [3]. Erst seit 2007 ist HEV in einer Zelllinie kultivierbar,
kürzlich gelang in dem In-vitro-Zellkultursystem trotz des Vorhandenseins von HEV-Antikörpern die Vermehrung verschiedener HEV-Genotypen aus Serumproben [4].
P Das Hepatitis-E-Virus ist ein einzelsträngiges RNA-Virus und umfasst
insgesamt 5 Genotypen.
11
Das Virus wird in insgesamt 5 Genotypen eingeteilt, die wiederum mehrere Subgenotypen besitzen (Tab. 2):
Tab. 2
Epidemiologische und klinische Gegenüberstellung der HEV1- und HEV2-Infektionen
versus HEV3- und HEV4-Infektionen (modifiziert nach [7])
Charakteristika
Genotyp 1/2
Genotyp 3/4
Auftreten
epidemisch (und sporadisch)
autochthon
geografische Verteilung
Entwicklungsländer
weltweit
Primärwirt
Mensch
Tier (Schwein)
Übertragung
fäkal-oral
Fleischkonsum
Anzahl ikterischer Hepatitiden
hoch
niedrig
Altersverteilung
Jugendliche und junge Erwachsene ältere Menschen (> 60 Jahre)
Geschlechterverteilung
gleich
bevorzugt Männer
extrahepatische Manifestationen
selten
häufig (neurologisch)
chronische Infektion
nicht beschrieben
bei Immunsuppression
• Der Genotyp 1 (HEV1) ist humanpathogen, wird fäkal-oral meist über verunreinigtes
Trinkwasser übertragen und tritt epidemisch in Asien auf.
• Der Genotyp 2 (HEV2) hat die gleichen Charakteristika wie HEV1 und kommt in
Mexiko und Afrika vor.
• Der Genotyp 3 (HEV3) ist primär eine Zoonose (Vorkommen v. a. bei Schweinen).
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt über verunreinigtes Fleisch. HEV3 tritt
weltweit auf und ist für das autochthone, sporadische Auftreten in westlichen
Ländern verantwortlich.
• Der Genotyp 4 (HEV4) ist ebenso eine Zoonose und für autochthone Übertragung­
en in Südostasien ursächlich. Kürzlich wurde HEV4 auch bei europäischen Schweinen identifiziert.
• Der Genotyp 5 (HEV5) kommt nur in Vögeln vor und wird daher auch als „avian“
bezeichnet.
Epidemiologie
Bis in die 1980er-Jahre waren wiederholt epidemisch auftretende und akut verlaufende
Hepatitiden beschrieben worden, die meist als „epidemische Non-A-Non-B-Hepatitis“
klassifiziert wurden. HEV wurde 1983 von dem sowjetischen Virologen Mikhail Balayan
identifiziert. Er hatte einen Hepatitisausbruch bei sowjetischen Soldaten im besetzten
Afghanistan beobachtet, sich anschließend mit Fäzes selbst infiziert und HEV elektronenmikroskopisch im eigenen Stuhl nachgewiesen [5].
In Entwicklungsländern werden Übertragungen von HEV1 und HEV2 meist über fäkal
verunreinigtes Trinkwasser verursacht und können zum Teil zu großen periodisch auftretenden Epidemien führen. Der retrospektiv erste nachweisbare Ausbruch wurde 1955 in
Indien mit mehr als 29.300 Infizierten beobachtet; eine Epidemie größeren Ausmaßes
trat 1989 in China mit mehr als 120.000 infizierten Personen auf.
Man geht von jährlich etwa 20 Millionen HEV-Infektionen weltweit aus, die zu ca. 3 Millionen Hepatitiden führen.
Dies erklärt auch die sehr hohe Rate von Anti-HEV-Antikörpern, die in Entwicklungsländern
bei 30–80% der Bevölkerung nachgewiesen werden können. In den westlichen Ländern
treten HEV3-Infektionen zwar nur sporadisch auf, dennoch sind erstaunlich hohe Seroprävalenzraten beschrieben worden. So wurden z. B. in einer Studie in den USA bei 21%
der untersuchten Personen Anti-HEV-Antikörper nachgewiesen [6] – ein auch im Vergleich
zu anderen Hepatitis-Virusinfektionen (HAV: 38,3%, HBV: 5,7%, HCV: 2,0%) erstaunlich
hoher Prozentsatz. Bemerkenswert war in dieser Studie auch die Verteilung in der ame-
P HEV1 und HEV2 werden fäkal-oral
übertragen und führen zu Epidemien in
Entwicklungsländern; HEV3 verursacht
über verunreinigtes Fleisch sporadische
Erkrankungen in der westlichen Welt.
12
rikanischen Population [7]: So waren Afroamerikaner seltener betroffen als Weiße, Homosexuelle seltener als Heterosexuelle und Südstaatler seltener als US-Amerikaner aus anderen Gebieten. Hingegen war der deutliche Anstieg der Anti-HEV-Antikörper mit
zunehmendem Alter (< 10% bei bis 19-Jährigen, > 40% bei über 60-Jährigen) zu erwarten.
Die Übertragung von HEV3 erfolgt v. a. über verunreinigtes Fleisch, insbesondere über
nicht ausreichend erhitztes Schweinefleisch. So konnte z. B. in Frankreich ein hoher Prozentsatz von HEV-RNA-positiven Schweinswürsten in Supermärkten nachgewiesen
werden [8]. Dies könnte auch die hohe HEV-Seroprävalenzrate in Südwestfrankreich erklären. Mit 52,5% Seropositivität bei Blutspendern und bis zu 80% bei Jägern besteht in
dieser Region, in der traditionell ungekochtes Wildfleisch verzehrt wird, die höchste
dokumentierte Durchseuchungsrate in den Industrienationen [9].
Einen weiteren selteneren Übertragungsweg stellen Blutprodukte und Organtransplantate dar. Bei Blutspendern konnten die o. g. hohen Seroprävalenzraten bestätigt werden,
das Risiko einer HEV-Übertragung ist aber gering. So konnte kürzlich bei deutschen bzw.
schwedischen Plasmaspenden nur in 1 von 4525 bzw. 1 von 7986 Proben HEV-RNA nachgewiesen werden [10]. Eine Übertragung über ein Lebertransplantat ist ebenso beschrieben [11].
Diagnose
Die Diagnose der HEV-Infektion basiert wie bei anderen Hepatitis-Virusinfektionen primär
auf dem direkten Nachweis spezifischer Antikörper. Nach einer mehrwöchigen Inkubationszeit können spezifische Anti-HEV-IgM- und Anti-HEV-IgG-Antikörper meist mit Beginn
der klinischen Symptomatik nachgewiesen werden. Diese bleiben 3–12 Monate (Immunglobulin M, IgM) bzw. jahre- oder sogar lebenslang (Immunglobulin G, IgG) detektierbar.
Allerdings bestehen große Unterschiede in der Sensitivität und Spezifität der bislang
verfügbaren Nachweisverfahren, sodass kein von den US-amerikanischen Behörden offiziell zugelassenes Verfahren („FDA-approved“) zur Verfügung steht. Je nach Testverfahren wurden beispielsweise Seroprävalenzen zwischen 3,6 und 16,2% bei britischen Blutspendern [12] und zwischen 16 und 52% bei einer südfranzösischen Population [9]
beschrieben. Selbst bei Patienten mit HEV-RNA-positiver akuter Hepatitis E lag die
Seroprävalenz zwischen 44 und 98%.
P Die Diagnose kann über spezifische
Anti-HEV-IgM- und Anti-HEV-IgG-Antikörper bzw. durch Nachweis von
HEV-RNA im Serum oder Stuhl erfolgen.
Alternativ besteht die Möglichkeit die HEV-RNA direkt im Serum oder – sogar etwas
länger – im Stuhl nachzuweisen. Aufgrund der eingeschränkten Antikörperdiagnostik
sollte bei einem begründeten Verdacht auf eine HEV-Infektion und insbesondere bei
immunsupprimierten Patienten direkt die HEV-RNA bestimmt werden.
Klinik
Klinisch verläuft die HEV-Infektion bei immunkompetenten Personen in aller Regel als
akute, selbstlimitierende Hepatitis. Nach einer ca. 3–8-wöchigen Inkubationszeit kommt
es zunächst zu fakultativen Allgemeinsymptomen wie Appetitlosigkeit, Fieber, Übelkeit,
Schwäche, Bauchschmerzen sowie zu Myalgien oder Arthralgien. Nach diesem Prodromalstadium folgen typische Symptome einer Hepatitis wie Ikterus, zunehmende Entfärbung des Stuhlgangs und Verdunkelung des Urins. Bei der körperlichen Untersuchung
kann oftmals eine Hepatomegalie getastet werden, teilweise auch mit begleitender
Splenomegalie. Im Labor zeigen sich erhöhte Serum-Transaminasen, wobei meist die
Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT oder ALT) führend ist. Des Weiteren finden sich
erhöhte Cholestaseparameter sowie eine Hyperbilirubinämie. Die klinische Symptomatik
und die Laborveränderungen normalisieren sich meist einige Wochen nach Erkrankungsbeginn.
Schwere Verläufe der HEV-Infektion sind selten. Die WHO berichtet jedoch bei ca. 20
Millionen Infektionen pro Jahr von rund 70.000 Todesfällen. Insbesondere Patienten mit
einer vorbestehenden Lebererkrankung scheinen ein erhöhtes Risiko für einen fulminanten Krankheitsverlauf zu haben.
13
Darüber hinaus ist ein Zusammenhang zwischen dem Genotyp und dem klinischen
Verlauf beschrieben worden. Dabei sind HEV3-Infektionen grundsätzlich mit einem milderen Verlauf assoziiert. Klinisch-symptomatische Infektionen mit den Genotypen 1 und
2 werden häufig bei jüngeren Personen beobachtet, wohingegen HEV3- und -HEV4-Infektionen meist nur bei älteren Personen symptomatisch verlaufen (s. Tab. 2). Bei einem
HEV3-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff zeigten sich beispielsweise nur bei 11 von 33
HEV-IgM-positiven Patienten (zumeist ältere Männer) klinische Symptome [13]. Des Weiteren können HEV1- und HEV2-Infektionen bei schwangeren Frauen im zweiten oder
dritten Trimenon einen fulminanten Verlauf nehmen, der mit einer Mortalität von bis zu
25% assoziiert ist [14, 15].
Als extrahepatische Manifestationen der HEV-Infektion sind in erster Linie neurologische
Komplikationen beschrieben worden, z. B. Ataxie, Polyneuritis und Polyradikulitis, bis hin
zu einem Guillain-Barré-Syndrom [7, 16]. Das Virus konnte in einzelnen Fällen auch im
Liquor der Patienten nachgewiesen werden. Neurologische Komplikationen können sich
auch bei Patienten ohne klinische Zeichen einer Hepatitis entwickeln. Eindeutige Zusammenhänge mit dem HEV-Genotyp wurden bislang nicht beschrieben. Die Symptome
klingen typischerweise kurz nach der Viruselimination ab.
P Neben einer ikterischen Hepatitis
können extrahepatische Manifestationen
und in speziellen Patientengruppen
auch chronische Verläufe auftreten.
Im Unterschied zur Hepatitis-A-Virusinfektion, bei der bislang keine chronischen Verläufe beschrieben wurden, kann eine HEV-Infektion auch einen chronischen Verlauf nehmen
[17]. Bei immunkompetenten Personen ist die Entwicklung einer chronischen Infektion
jedoch eine Rarität [18]. So sind chronische Verläufe bislang vor allem bei Patienten mit
einer Immunsuppression nach Organtransplantation, mit laufender zytostatischer Tumortherapie und mit HIV-Infektion beschrieben worden [19, 20, 21]. In einer retrospektiven
Analyse von HEV-Infektionen bei Patienten nach Organtransplantation in 17 Transplantationszentren in den USA und in Europa wurde gezeigt, dass rund 66% der 85 HEV-Infektionen bei diesen Patienten einen chronischen Verlauf nahmen [19]. Eine Thrombozytopenie und eine immunsuppressive Therapie mit Tacrolimus scheinen Risikofaktoren für
die Entwicklung einer chronischen HEV-Infektion zu sein. Im Rahmen der chronischen
HEV-Infektion nach Organtransplantation kann es zu einer raschen Progression der Leberfibrose bis hin zur Leberzirrhose kommen [11, 22].
Therapie
Die akute HEV-Infektion ist zumeist selbstlimitierend und bedarf keiner spezifischen
antiviralen Therapie. Bei den seltenen fulminanten Verläufen und bei Patienten mit einer
vorbestehenden Lebererkrankung ist Ribavirin als Monotherapie erfolgreich eingesetzt
worden [23]. Bei einem fulminanten Verlauf sollte frühzeitig die Indikation zur Lebertransplantation evaluiert und die Patienten in ein entsprechendes Zentrum überwiesen
werden.
Bei immunsupprimierten Patienten mit einer chronischen HEV-Infektion kann zunächst
eine Reduktion der immunsuppressiven Medikation versucht werden. Hierdurch kann in
etwa 30% der Fälle eine spontane Viruselimination erreicht werden [24, 25]. Alternativ
kann eine Therapie mit pegyliertem Interferon oder Ribavirin durchgeführt werden,
wobei Ribavirin aufgrund des günstigeren Nebenwirkungsprofils einer Interferontherapie
vorzuziehen ist [24, 25]. Leitlinien zur Therapie der chronischen HEV-Infektion liegen
bisher nicht vor.
P Neben einer Reduktion der immunsuppressiven Therapie kann eine
chronische HEV-Infektion auch
erfolgreich mit Ribavirin und/oder
pegyliertem Interferon behandelt
werden.
Prävention
Eine Prävention der HEV-Infektion kann über eine Impfung erreicht werden. Bisher sind
2 unterschiedliche rekombinante Impfstoffe in Studien untersucht worden, die beide
Proteinsequenzen des zweiten offenen Leserahmens des Virus beinhalten und eine gute
Wirksamkeit zeigen. So konnte in einer Phase-II-Studie mit einem 56-kDa-Protein, welches
in Insektenzellen exprimiert wird, bei nepalesischen Soldaten eine 96%ige Effektivität
gezeigt werden [26]. Weitere Studien liegen zu diesem bisher nicht zugelassenen Impfstoff
jedoch nicht vor.
14
Ein zweiter Impfstoff wurde in einer chinesischen Phase-III-Studie bei über 100.000 Probanden getestet. Dieser Impfstoff besteht aus einem 26-kDa-Protein, das in Escherichia
coli exprimiert wird und weist einen hohen Schutz auf. So wurde bei 15 Probanden in der
Plazebogruppe und bei keinem in der Impfstoffgruppe eine HEV-Infektion beobachtet.
Dieser Impfstoff wurde daraufhin 2012 in China zugelassen [27, 28].
P Eine Impfung gegen HEV1 ist seit 2012
in China zugelassen.
Eine weitere Säule der HEV-Prävention ist die Expositionsprophylaxe. Bei Reisen in Risikogebiete für die Genotypen 1 und 2 sollte vor allem der Verzehr von Trinkwasser mit
unklarem Reinheitsgrad, ungekochtem Fisch, Obst oder Gemüse vermieden werden. In
westlichen Ländern, wo vor allem die Genotypen 3 und 4 vorkommen, sollte besonders
auf unzureichend erhitztes Fleisch verzichtet werden.
Zu empfehlende Literatur
Literatur
1 Homepage des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin
http://www.rki.de
2 Ahmad I, Holla RP, Jameel S.
Molecular virology of hepatitis E virus.
Virus Res. 2011;161(1):47–58.
3 Suneetha PV, Pischke S, Schlaphoff V, Grabowski J, Fytili P, Gronert A, et al.
Hepatitis E virus (HEV)-specific T-cell responses are associated with control of HEV
infection.
Hepatology. 2012;55(3):695–708.
4 Takahashi M, Tanaka T, Takahashi H, Hoshino Y, Nagashima S, Jirintai, et al.
Hepatitis E Virus (HEV) strains in serum samples can replicate efficiently in cultured
cells despite the coexistence of HEV antibodies: characterization of HEV virions in
blood circulation.
J Clin Microbiol. 2010;48(4):1112–25.
5 Balayan MS, Andjaparidze AG, Savinskaya SS, Ketiladze ES, Braginsky DM,
Savinov AP, et al.
Evidence for a virus in non-A, non-B hepatitis transmitted via the fecal-oral route.
Intervirology. 1983;20(1):23–31.
6 Kuniholm MH, Purcell RH, McQuillan GM, Engle RE, Wasley A, Nelson KE.
Epidemiology of hepatitis E virus in the United States: results from the Third National
Health and Nutrition Examination Survey, 1988–1994.
J Infect Dis. 2009;200(1):48–56.
7 Hoofnagle JH, Nelson KE, Purcell RH.
Hepatitis E.
N Engl J Med. 2012;367(13):1237–44.
8 Colson P, Borentain P, Queyriaux B, Kaba M, Moal V, Gallian P, et al.
Pig liver sausage as a source of hepatitis E virus transmission to humans.
J Infect Dis. 2010;202(6):825–34.
9 Mansuy JM, Bendall R, Legrand-Abravanel F, Sauné K, Miédouge M, Ellis V, et al.
Hepatitis E virus antibodies in blood donors, France.
Emerg Infect Dis. 2011;17(12):2309–12.
10 Baylis SA, Gärtner T, Nick S, Ovemyr J, Blümel J.
Occurrence of hepatitis E virus RNA in plasma donations from Sweden, Germany and
the United States.
Vox Sang. 2012;103(1):89–90.
15
11 Schlosser B, Stein A, Neuhaus R, Pahl S, Ramez B, Krüger DH, et al.
Liver transplant from a donor with occult HEV infection induced chronic hepatitis
and cirrhosis in the recipient.
J Hepatol. 2012;56(2):500–2.
Literatur
12 Bendall R, Ellis V, Ijaz S, Ali R, Dalton H.
A comparison of two commercially available anti-HEV IgG kits and a re-evaluation of
anti-HEV IgG seroprevalence data in developed countries.
J Med Virol. 2010;82(5):799–805.
13 Said B, Ijaz S, Kafatos G, Booth L, Thomas HL, Walsh A, et al.
Hepatitis E outbreak on cruise ship.
Emerg Infect Dis. 2009;15(11):1738–44.
14 Bhatia V, Singhal A, Panda SK, Acharya SK.
A 20-year single-center experience with acute liver failure during pregnancy:
is the prognosis really worse?
Hepatology. 2008;48(5):1577–85.
15 Tsega E, Krawczynski K, Hansson BG, Nordenfelt E.
Hepatitis E virus infection in pregnancy in Ethiopia.
Ethiop Med J. 1993;31(3):173–81.
16 Kamar N, Bendall RP, Peron JM, Cintas P, Prudhomme L, Mansuy JM, et al.
Hepatitis E virus and neurologic disorders.
Emerg Infect Dis. 2011;17(2):173–9.
17 Kamar N, Selves J, Mansuy JM, Ouezzani L, Péron JM, Guitard J, et al.
Hepatitis E virus and chronic hepatitis in organ-transplant recipients.
N Engl J Med. 2008;358(8):811–7.
18 González Tallón AI, Moreira Vicente V, Mateos Lindemann ML, Achécar Justo LM.
[Chronic hepatitis E in an immunocompetent patient].
Gastroenterol Hepatol. 2011;34(6):398–400.
19 Kamar N, Garrouste C, Haagsma EB, Garrigue V, Pischke S, Chauvet C, et al.
Factors associated with chronic hepatitis in patients with hepatitis E virus infection
who have received solid organ transplants.
Gastroenterology. 2011;140(5):1481–9.
20 Ollier L, Tieulie N, Sanderson F, Heudier P, Giordanengo V, Fuzibet JG, et al.
Chronic hepatitis after hepatitis E virus infection in a patient with non-Hodgkin
lymphoma taking rituximab.
Ann Intern Med. 2009;150(6):430–1.
21 Dalton HR, Bendall RP, Keane FE, Tedder RS, Ijaz S.
Persistent carriage of hepatitis E virus in patients with HIV infection.
N Engl J Med. 2009;361(10):1025–7.
22 Gérolami R, Moal V, Colson P.
Chronic hepatitis E with cirrhosis in a kidney-transplant recipient.
N Engl J Med. 2008;358(8):859–60.
23 Gérolami R, Borentain P, Raissouni F, Motte A, Solas C, Colson P.
Treatment of severe acute hepatitis E by ribavirin.
J Clin Virol. 2011;52(1):60–2.
24 Kamar N, Rostaing L, Abravanel F, Garrouste C, Lhomme S, Esposito L, et al.
Ribavirin therapy inhibits viral replication on patients with chronic hepatitis e virus
infection.
Gastroenterology. 2010;139(5):1612–8.
16
25 Wedemeyer H, Pischke S, Manns MP.
Pathogenesis and treatment of hepatitis e virus infection.
Gastroenterology. 2012;142(6):1388–97.
Literatur
26 Shrestha MP, Scott RM, Joshi DM, Mammen MP Jr, Thapa GB, Thapa N, et al.
Safety and efficacy of a recombinant hepatitis E vaccine.
N Engl J Med. 2007;356(9):895–903.
27 Zhu FC, Zhang J, Zhang XF, Zhou C, Wang ZZ, Huang SJ, et al.
Efficacy and safety of a recombinant hepatitis E vaccine in healthy adults:
a large-scale, randomised, double-blind placebo-controlled, phase 3 trial.
Lancet. 2010;376(9744):895–902.
28 Proffitt A.
First HEV vaccine approved.
Nat Biotechnol. 2012;30(4):300.
17
Fragen zur Hepatitis-E-Virusinfektion
Frage 1:
Welche Antwort ist richtig? Das Hepatitis-E-Virus
EE
EE
EE
EE
EE
ist ein einzelsträngiges RNA-Virus
repliziert im Nucleolus
hat eine sinkende Inzidenz in Deutschland
gehört zur Familie der Picornaviridae
besitzt 8 Genotypen
Frage 2:
Welche Antwort ist richtig?
EE
EE
EE
EE
EE
HEV5 ist nur bei Affen beschrieben
HEV3 verursacht typischerweise Epidemien in Entwicklungsländern
HEV4 tritt insbesondere in Südostasien auf
HEV1 kommt ausschließlich in Schweinen vor
HEV2 tritt insbesondere in Südfrankreich auf
Frage 3:
Welche Antwort ist richtig? Das Hepatitis-E-Virus
EE
EE
EE
EE
EE
wurde erstmals 1987 von einer amerikanischen Forschergruppe beschrieben
betrifft v. a. Homosexuelle und Afroamerikaner
führt bei > 80% der Infizierten zu einer ikterischen Hepatitis
wird in Deutschland ausschließlich fäkal-oral übertragen
kann auch über Blutprodukte übertragen werden
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Leber und
Gallenwege
Bitte beachten Sie:
Bei der Beantwortung der Fragen
ist immer nur 1 Antwort möglich.
Die Beantwortung der Fragen und
Erlangung des Fortbildungszertifikats
ist nur online möglich.
Bitte gehen Sie dazu auf unsere Homepage
www.falkfoundation.de.
Unter dem Menüpunkt Falk Gastro-Kolleg
können Sie sich anmelden und die Fragen
beantworten.
Bitte diesen Fragebogen nicht
per Post oder Fax schicken!
Frage 4:
Welche Antwort ist falsch? Die Diagnose einer HEV-Infektion
EE
EE
EE
EE
EE
kann auch bei Gesunden noch nach vielen Jahren über die HEV-RNA erfolgen
kann über den Nachweis spezifischer Anti-HEV-Antikörper erfolgen
ist auch durch den Nachweis von HEV-RNA im Stuhl möglich
ist bislang in den verfügbaren Testverfahren noch nicht international standardisiert
sollte bei immunkompromittierten Patienten direkt durch Nachweis der HEV-RNA
erfolgen
Frage 5:
Welche Antwort ist falsch? Im Rahmen einer akuten HEV-Infektion
findet sich häufig
EE
EE
EE
EE
EE
eine Hepatomegalie
ein Ikterus
eine hepatitische Laborkonstellation (GPT > GOT)
ein akutes Nierenversagen
ein Prodromalstadium mit unspezifischen Symptomen
Wichtig:
Fragebeantwortung unter
www.falkfoundation.de
Falk Gastro-Kolleg
Frage 6:
Welche Aussage bezüglich der klinischen Manifestation der HEVInfektion ist richtig?
EE
EE
EE
EE
EE
Schwangere sind durch spezifische Antikörper vor einer Infektion geschützt
Genotyp-1-Infektionen verlaufen sehr selten (< 1%) als ikterische Hepatitis
Die Genotyp-3-Infektion betrifft häufiger ältere Männer
Rheumatische Beschwerden wie Arthralgien und Myalgien treten praktisch nie auf
Tödliche Verläufe einer Hepatitis-E-Virusinfektion sind nicht beschrieben
18
Frage 7:
Welche Antwort ist richtig? Extrahepatische Manifestationen der
HEV-Infektion sind häufig
EE
EE
EE
EE
EE
dermatologische Komplikationen
neurologische Komplikationen
ophthalmologische Komplikationen
kardiologische Komplikationen
psychiatrische Komplikationen
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Leber und
Gallenwege
Frage 8:
Welches Medikament wird bei der Therapie der fulminanten und
chronischen HEV-Infektion erfolgreich eingesetzt?
EE
EE
EE
EE
EE
Rilpivirin
Boceprevir
Ribavirin
Tenovofir
Lamivudin
Frage 9:
Welche Aussage zur chronischen HEV-Infektion ist falsch? Die
chronische HEV-Infektion
EE
EE
EE
EE
EE
tritt gehäuft nach Organtransplantation auf
betrifft hauptsächlich Patienten mit Genotyp-1-Infektion
wurde bei HIV-positiven Patienten beschrieben
kann zur Leberzirrhose führen
tritt gehäuft bei vorbestehender Thrombozytopenie auf
Frage 10:
Welche Aussage zur HEV-Impfung ist falsch? Die HEV-Impfung
EE
EE
EE
EE
EE
ist in China zugelassen
schützt vor Genotyp-1-Infektionen
wurde in den USA vom Markt genommen
vermittelt keinen Schutz gegen Hepatitis-A-Virusinfektionen
besteht aus einem 26-kDa-Protein
19
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