Archiv für Diplomatik

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Archiv für Diplomatik
Schriftgeschichte
Siegel- und Wappenkunde
Begründet
EDMUND
durch
E. STENGEL
Herausgegeben
von
WALTER HEINEMEYER
37. Band·
BÖHLAU VERLAG KÖLN·
1991
WEIMAR·
WIEN
Die byzantinisch-abendländischen Heiratsund Verlobungspläne zwischen 750 und 1250
von
GUNTHER
WOLF
Immer wichtiger werden in der neueren Forschung die Beziehungen
zwischen Byzanz und dem Westen, vor allem dem westlichen Kaisertum.
Dennoch fehlt in der Literatur, soweit ich sehe, eine Auflistung und Aufarbeitung der byzantinisch-abendländischen Verlobungs- und Heiratsprojekte (siehe die Übersicht am Ende dieser Ausführungen). Methodische Überlegungen legen dabei zeitlich eine Beschränkung auf das halbe Jahrtausend
zwischen 750 und 1250 nahe. Wie Franz DÖLGER in seinem berühmten
Aufsatz über "die Familie der Könige im Mittelalter" schon 1940 nach1
wies , wurde Ostrom durch die Germanenvölker, die es bedrängten und
Westrom besetzten, gezwungen, Beziehungen zu diesen Völkern und ihren
Fürsten aufzunehmen, d.h. sie in das Gefüge der oströmisch-byzantinisehen Staatsideologie einzugliedern, sie als cp{Am,ci5&Acpo{ und t£KVa in
Beziehung zum 1t(X'typ ßamA.&uc; in Byzanz zu setzen/. Das führte auch
zu bündnisverstärkenden und friedenssichernden Heiraten, deren Voraussetzung freilich, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die Rechtgläubigkeit des fremden Partners war bzw. dessen Konversion oder Taufe3•
Jene berühmteste Ausnahme liegt nahe vor der von uns zu behandelnden
Zeit; es ist die Ehe des Westgotenkönigs Athaulf mit Placidia Galla4, Tochter Kaiser Theodosius' I. und Schwester der Kaiser Arcadius und Honorius, im Januar 414 in Narbonne, eine Ehe, der auch ein früh verstorbener
Sohn Theodosius entstammte. Erstaunlich ist, daß wir, trotz der schon frühen "Rechtgläubigkeit" der Franken um 500, nichts von geplanten oder
F. DÖLGER, Die "Familie der Könige" im MA (in: HJb 60, 19-40) S. 397-420.
VgI. DÖLGER, I.e.; O. TREITINGER, Die oström. Kaiser- und Reichsidee nach ihrer Gestaltung
im höfischen Zeremoniell (1938. ND 1956) S. 193.
J Vgl. F. DÖLGER, Reg. der Kaiserurk. d. oström, Reiches l, (l92.4ff.) Nr. n6 u. m u.a,
4 H. WOLFRAM, Geschichte der Goten (1979) S. 194 ff.
I
Z
16
Gunther
Wolf
geschlossenen Heiratsverbindungen zwischen Byzanz und den Franken
wissen. Zwar schickte Kaiser Anastasiusl. 508 nach Tours eine Gesandtschaft zu Chlodwig mit der Ernennung zum Ehrenkonsul (mit Akklamationsrecht?) und mit königlichem Ornat' - allein: ähnliches war auch
schon 497 dem Ostgoten Theoderich d. Großen zuteil geworden'',
8. Jahrhundert:
1. Das erste Heiratsprojekt ging, soweit wir wissen, von Byzanz aus und
betraf die Verbindung" der Tochter Pippins dj., Gisela", Schwester Karls
d. Großen, mit dem byzantinischen Kaisersohn Leon (IY., Kaiser 775-80).
Die entsprechende Gesandtschaft des Kaisers Konstantinos V. (741-75)9
fiel wohl in die Jahre 765/67, als die Auseinandersetzungen in Byzanz um
die Bilderverehrung einen Höhepunkt erreichten. Der Zeitpunkt ergibt
sich u.a. auch dadurch, daß Leon IV. bei seinem Tod am 8. September 780
aus seiner Ehe mit der Athenerin Irene, die nach der obengenannten Werbung geschlossen sein mußte, einen zehnjährigen Sohn, Konstantin VI.,
hinterließ. Pippin aber lehnte die Werbung aus Byzanz ab, vor allem wohl
auf Intervention des Papstes, mit dem er sich in allem absprach. So scheiterte diese erste Werbung aus Byzanz an Pippin 10.
2. Das nächste Heiratsprojekt ist offenbar!' (781?) wieder von Byzanz
ausgegangen, nämlich von Leons IV, Witwe Irene für ihren Sohn Konstantin VI. (78~87). Irene erbat die Hand von Rotrudl2, der Tochter Karls d.
Großen. die 772 oder 773 geboren war. Rotrud wurde 781 offiziell mit
Konstantin VI. verlobt13, und die damals etwa achtjährige Rotrud lernte
griechisch, byzantinische Bildung, Sitten und Gebräuche'", 787 wurde die
n, 38 (SSrer, Merov. I, Z 1937-51):
19itur Ab .Anastasio imperstore codeMATt;ni tunicA bl4ttu indutus tt damitk, inponens f!t7'
'''1' ~
... n .b '" "'mqwam cons.J Aut AUgustusest wOUtus. Egmsus Auten A Turonus
p"f'UUd "'"" 'Wpw
constituit. Vgl. letztens: E. EWIG, Die Merowinger u.d. FranLrnnich (UrbanTh. Bd. 352, 1988) S. 28. Die Kronenvergaben des Basileus kennen wir zu 508,
, G"I' TUT. Hi.l. Franc.
,UJo, "" roruolMo iKCrpit,tt in bruüicA buti
"ie
,,,tJxJ,.m """;
I014m (Su-fanakrone
on.
Graeca) und
• WOLnAM S. )S3ff. u. Anm. 1.
, Vii· OOLGEJl, Res. Nr. 310, 320, 322 u. bes. 325 (ca. 765).
• Gc-b. Ende 757 (Ann. Petav, ad 757); vgl. L. OELSNER, Jbb. d. friink. Reiches unter Kg. Pippin
(1111, ND 1975) S. J18.
• Vii. OfHNf.A S. 396 fE.
•t Vii. Cod. Carol. Nr. -45, ep. Stephani ID. (Cod. Carol. ep. 4~; vgI. OELSNER S. 397 u. S.
AIIU . 8. SlM!>ON,Jbb. d. frink. Rtiches unter Karl d.Gr. Bd. 1 ( 1888, ND 1969) S. 383.
11 Vii. DOLGEA, Rq. Nr. J45.
IJ Vii. AJlu..SIMSON S. JU (vgI. auch Bd. 2 S. 42J f.).
11 Vii. AJlU.·S!MSON S. 38S u, Anm. 4; P. SPECK, Kaiser Konstantin
VI. (1978) 1 S. 119, 121;
1 S sn ff. (Anm. 126fE.) .
•• f..bd. S Jib.
Die byzantinisch-abendländischen
Heirats- und Verlobungspläne
17
Verlobung aufgelöst, wahrscheinlich durch Karl d. Großen1S• Der Streitpunkt war wohl Unteritalien und das Erbe des langobardischen Herzogs
Ariehis. Dazu mag Karls Abneigung gekommen sein, seine älteste Tochter
so weit wegzugeben. Also scheiterte nach 6-jähriger Verlobung die Verbindung aller Wahrscheinlichkeit nach an Karl. Rotrud blieb unvermählt, lebte bei ihrer Tante Gisela im Kloster, nicht freilich ohne Liebhaber.
9. Jahrhundert:
1. Die angebliche Verbindung Karls d. Großen selbst 16 mit der seit
797(-802) alleinherrschenden Kaiserin Irene ist wohl sagenhaft. Zwar ist
eine Gesandtschaft Irenes an Karl im Herbst 80l/Anfang 802 höchst wahrscheinlich; aber ihr Gegenstand waren unteritalische Fragen, nicht aber
der "abenteuerliche Gedanke" 17 einer Ehe zwischen dem Sechziger Karl
und der Fünfzigerin Irene. Mit Recht, meine ich, hat sich CLASSEN gegen
die Realität des nur von Theophanes be: ichteten Heiratsprojektes 18 gewendet. Diese Verbindung scheint also nur ein Wunschtraum gewisser Kreise
gewesen zu sein.
19
2. Im Jahre 842 empfing in Trier Kaiser Lothar I. Gesandte des byzantinischen Kaisers Theophilos (819-42), wohl zwischen der Zusammenkunft
der Söhne Ludwigs des Frommen am 15. Juni 842 in Macon und deren
weiterem Treffen in Metz am 1. Oktober 842, näherhin wohl Ende August/Anfang September 8422 Dabei soll es um Beistand für Byzanz gegen
die Sarazenen und um ein Heiratsprojekt der Tochter des Theophilos (Thekla?) mit dem Sohn Lothars I., Ludwig Il., gegangen sein. Doch das Erstaunliche dabei ist, daß Kaiser Theophilos in Byzanz schon am 20. Januar
842 verstorben war21• Es ist kaum anzunehmen, daß die Gesandtschaft in
Trier erst 7 Monate nach Theophilos' Tod, in dessen Auftrag handelnd,
nicht von diesem Tod gewußt haben sollte. Freilich könnte es sein, daß die
Gesandtschaft noch von Theophilos geplant, dann im Auftrag des nachfolgenden Regentschaftsrates, dem auch Thekla angehörte22, oder von Michael Ill. (842-67) handelte23; dies ist schwer feststellbar. Sie firmiert unter
°.
Ebd. S. 568ff. mit Quellen; SPECK, 1 S. 169f; 2 S. 580f. (Anm. 489-503).
Vgl. DÖLGER, Reg. I.e. Nr. 357; SPECK I S. 326-333; 2 S. 738-747 (Anm. 27-74).
17 Vgl. P. CLASSEN, Karl d.Gr., das Papsttum u. Byzanz (in: KdGr, l..ebens_rk
u. Nachleben
U
16
Bd.
11
19
1/1965,
S.
596ff.).
Vgl. G. OS11«)G{)RSKY, Gesch. d. Byzant. Staates (1963) S. 73f. u. 155.
Vgl. DÖLGER, Reg. I.e. Nr. 443 (vor 20.1.8421); BM Nr. 1091 (1057)0; E. DOMMllR, Jbb. d.
Gesch. d. ostfriink. Reiches
20
21
1 (1887,
ND
1960)
S.
183.
Vgl. DL I v. 842 Aug. 29 in Merzig f. Trier (Mittelrhein.
Vgl. OSTROGORSKY, I.e. S. 175.
U
Ebd. S.
l)
Vgl. auch DÖLGER, Reg. I.e. Nr. 443.
183.
UB I, 77); BM Nr. 1092 (1058).
18
Gunther Wolf
dem Namen des Theophilos. Vielleicht ist sie auch schon Anfang 842, zu
Theophilos Lebzeiten, aus Byzanz abgegangen und weilte schon länger im
Frankenreich. Jedenfalls ist dieses Heiratsprojekt. wofern es stimmt, woran
ich nicht zweifle, wegen der drohenden Gefährdung Ostroms nach den
Schlachten von Dazmana am 27. Juli 838 bzw. dem Fall Amorions am 12.
August 838 und vor Herbst 842 anzusetzen/". Zu einer Ausführung des
Heiratsprojektes kam es nicht.
3. Auch das nächste Heiratsprojekt ging 867 (oder 869) von Byzanz aus.
Kaiser BasileiosI. (867-86) schrieb an den Frankenkaiser Ludwigll. (t
875), der ein Vierteljahrhundert zuvor selbst als Partner eines byzantinischen Heiratsprojektes 842 gedacht gewesen war, wegen eines Bündnisses
gegen die Sarazenen2S von Bari und der Verbindung des Prinzen und Mitkaisers (seit 6.1.869) Konstantinos (t 879) mit der Tochter Ludwigs und
Angilbergas Irmingardi", Doch verweigerte, offenbar trotz einer zuerst getroffenen positiven Abmachung, Ludwig ll. dann doch die Hand seiner
Tochter/", die dann 876/77 von Boso von Vienne geraubt, dessen Gemahlin wurde.
Es liegt nahe, daß hinter Ludwigs Absage der Papst stand, wie das schon
ein Jahrhundert zuvor der Fall gewesen war. Folge der Absage Ludwigs
war dann das wütende Schreiben Basileios' I. an Ludwig, in dem er ihm
den Kaisertitel absprach28• die Zeit der Duldung des westlichen Kaisertitels
durch Byzanz war bis 962 vorbei!
4. Der Basileus Lean VI. (886-912), seit 879 Mitkaiser seines Vaters Basileios I. (867-86), heiratete im Frühjahr 890 in zweiter Ehe Zoe Zautzina,
Tochter des Armeniers Stylianos Zautzes (t 896) (Titel: Basileopator), seine
bisherige Geliebte (t Ende 899)29. Dieser Verbindung entstammte eine
etwa 890 geborene ältere Tochter Anna30 (t vor 906, wahrscheinlich 903.).
Wohl unter dem Eindruck der bulgarischen Bedrohung seit dem Regierungsantritt Symeons (893) strebte Lean VI. in den neunziger Jahren des
9. Jahrhunderts wieder eine Verbindung mit dem Westen an. 89031 kam
es zwischen Lean VI. und dem vom Kaiser Karl ill (dem späteren
14 Vgl. OSTROGORSKY S. 175 u, Anm. 2; W. OHNSORGE, Das Kaiserbündnis von 842-844 gegen die Sarazenen (Abendland u. Byzanz 1958) S. 131 ff.
2' Vgl. DÖl.GER, Reg. Nr. 480 (ca. Juni 869).
14 Vgl. DÜMMLER, Jbb. Bd. 2 S. 236£.
27 DÜMMLER, Jbb. Bd. 2 S. 251 (Hinemari ann. ad 869 p. 105) quad4m occasione interveniente
disf.,icuit Hludowico darr: ftliam suam.
• Döl.GER, R.eg. I.e. Nr. 487 (871 Frühjahr).
29 Vgl. OSTROGORSKY, Le. S. 201 u. 215.
30 Vgl. W. OHNSORGE, Die Töchter Leons VI. (Byz. Zs. 51, 1958, S. 78ff.).
11 Vgl. Döl.GER, Reg. Nr. 536.
Die byzantinisch-abendländischen Heirats- und Verlobungspläne
19
"Dicken") durch Adoption designierten Nachfolger, Sohn von Kaiser Ludwigs Il, Tochter Irmingard und Bosos von Vienne'", Ludwigill. (geb. um
882)33 zu einer (Ju~<po)v1a ein Bündnis betreffend und die Heirat Ludwigs ill. mit der byzantinischen Prinzessin Anna sowohl wie zwischen
Leon VI. selbst und seiner Schwester(?) Ludwigsill. Die Ehe Ludwigsill.
und Annas wurde wohl erst 901 geschlossen, als Ludwig im Februar 901
Kaiser geworden war (890 Kg. v.d. Provence, 900 Kg. v. Italien). Von der
anderen Ehe ist nichts weiter bekannt. Aus der Ehe Ludwigs ill. und Annas entstammte ein wohl 903 geborener Sohn Karl Konstantin (geb. 903,
etwa 965), Graf von Vienne". Anna, die wahrscheinlich bei der Geburt
des Kindes oder kurz danach starb, war keine Porphyrogenneta, da sie
mindestens acht Jahre vor der legitimen Eheschließung ihrer Eltern geboren war, die 898 erfolgte. Doch war sie (von 901-903) für wenige Jahre Kaiserin im Westen, kaum beachtet, von der Forschung fast vergessen. Und
doch war diese Anna, neben der späteren, viel bedeutenderen Theophano,
die einzige byzantinische Prinzessin, die Kaiserin im Westen wurde.
t
Fassen wir für das 8. und 9. Jahrhundert zusammen, so gingen alle Heiratsinitiativen. 765, 781, 842,865 und 899 von Byzanz aus, verbunden mit
Bündnisangeboten gegen die Sarazenen vornehmlich Unteritaliens. letztlich scheiterten vier dieser fünf am Westen, nicht zuletzt an den päpstlichen Einwänden.
Über den Zweck der Gesandtschaft Leons VI. (t 912) an König Konrad 1.
(Ende 911-22.12.918) imJahre 912 und über etwaige Beziehungen zur Zeit
Heinrichsl (919-36) wissen wir nichts.
10. Jahrhundert:
1. Erst Ende 943/Anfang 944 wird wieder eine Bündnis-/Heiratsverbindung geknüpft, freilich nicht mit dem west- oder ostfränkischen König,
sondern von dem Protospatharios und Strategos der Longobardia Daskalios mit Hugo von Burgund und Italien. Geplant ist die Heirat des Sohnes
des (seit 913 Mit-)Kaisers Konstantins VII., RomanoslI. und Hugos (unebenbürtiger) Tochter Bertha (Eudokia)3S, zugleich mit einem Bündnis ge-
32Ygl. DÜMMLER, I.e. Bd. 3 S. 227£. u. Anm. 3 (bestätigt durch DDK ill Nr. 165 u. 166/887
31 in Lustenau], vgl. ebd. S. 331 ff. (Iuni 889 in Forchheim).
3 Ygl. E. EWIG, Kaiser LotharsI. Urenkel, Ludwig von Yienne, der präsumptive Nachfolger
Kaiser Karlsill. (in: Das erste Jahrtausend, Textbd. 1, 1962, S. 336-42).
34 C.w. PREVITE-ORTON,
Charles - Consrantine of Yienne (EHR 29, 1914, S. 703 ff.).
35 Ygl. DÖLGER, Reg. (wie Anm. 3) Nr. 642 u. 643, Nr. 655j vgl. auch schon 629 u. 935.
AUf·
Gunther
20
Wolf
gen die Araber in Fraxinetum36. Die Hochzeit des jungen Romanosll. mit
BerthalEudokia fand im September 944 statt. Doch stirbt Eudokia schon
949 (von 944-49 war Eudokia Schwägerin der späteren Kaiserin Adelheid!),
950/956 (?) heiratete Romanos Il, die Schankwirtstochter Anastaso, die
sich als Kaiserin Theophano (d.Ä.) nannte.
Politisch hatte die Ehe zwischen Romanos und Bertha kaum eine Rolle
gespielt, da Romanos I. Lakapenos, der "Ehestifter", schon am 16. Dezember 944, Hugo von Vienne, von Berengar II. 945 vertrieben, schon 947
starb.
2a. Schon 941, zu Allerheiligen, genauer am 31. Oktober37, erschienen
bei Otto I. Gesandte des Kaisers Romanos I. Lakapenos, und der Gesandtschaftsaustausch seitdem war rege38, überdauerte auch die Zeit Konstantins Vll. Porphyrogennetos (945-959) und seines Sohnes Romanos 11.
(959-963), auch die Kaiserkrönung Ottos I. am 2. Februar 962 in Rom.
Ja, in diese Zeit fällt auch eine (die zweite)38a Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers (Konstantin Vll.) an Otto unter Leitung des kaiserlich-byzantinischen Kämmerers (xorrovtrnc), des Eunuchen Salomon, die Otto
Ostern (22. April) 949 in Aachen, der alten Kaiserpfalz und sedes Karls des
Großen empfing38b.
Otto sandte mit der gleichen Gesandtschaft eine eigene unter der Leitung des sehr reichen (ditissimus) Mainzer institors (Kaufmann oder Aufsehers der Kaufleute?) Liutfred mit; die beiden· Gesandtschaften trafen in Venedig am 1. August 949 mit der Gesandtschaft des Berengar von Ivrea unter der Leitung des Diakons Liutprand (des späteren Bischofs von
Cremona) zusammen und gelangten am 17. September 949 nach Byzanz38c.
Während die Tatsache der byzantinischen Gesandtschaft selbst gut bezeugt ist, wissen wir von der eigenen Gesandtschaft Ottos nur durch Liutprand von Cremona. Und nur eine weit spätere Quelle, EkkehardIY. in
seinen Casus S. Galli (um 1050)38dbesagt, es habe sich um eine Werbungs36 VgI. Liutprand von Cremona, Antapodosis
V, 14 (Ser. rer, Germ. ed. J. BECKER 1915) S. 137
u. Anm. 2.
n R. KÖPKE. E. DÜMMLER, Jbb. d. dt. Reiches unter Onol. (- Jbb. 01) (1876, ND 1962) S.
133; Ann. Quedlinb. ad 941; Ann. Hildesheim. ad 945; Thietmar, Chron. Il, 22.
)I Vg!. DÖLGER, Reg. Nr. 651 (945),658,
664, 709, 713, 714, 748.
38. Das betonen Ann. Hildesheimenses
(SS Ill, 56, 51), die Ann. Quedlinburgenses (SS Ill, 56,
51), die Ann. Weissemburgenses (SS rn, 57, 24) und Lamberti Ann. (SS m, 57, 24); vgI. auch Flodoard ad 949 (SS m, 398, 46), Liutprand, Antapodosis IY, 4.
31b Ekkedardi Casus S. Galli (SS n, 123, 2ff.); Reg. Imp. 2,1 174a; DÖLGER. Reg. Ne. 658 (5.
82/83); Jbb. 01 S. 172.
31< Liutprand,
Antapodosis
31d SS n, 123, 2 ff.
IV, 4.
Die byzantinisch-abendländischen
Heirats- und Verlobungspläne
21
bzw. Verlobungsgesandtschaft für "Constantinus Graecus rex" gehandelt,
also für Konstantinos VII., der aber schon 905 geboren, seit 919 mit der
Tochter des Romanos I. Lakapenos, Helena, verheiratet war. Gemeint ist
von Ekkehard daher wohl des Konstatinos VTI. Sohn, Romanos TI., dessen
erste Gemahlin BerthalEudokia, die Tochter König Hugos von BurgundItalien wohl 949 (?) gestorben war.
Da Otto I. keine nähere weibliche Verwandte zur Verfügung stand, die
frei gewesen wäre, wurde nach Ekkehard die Tochter von Ottos jüngerem
Bruder Heinrich, Herzog von Bayern und der Judith, Hadwig, als "parvula" dem byzantinischen Thronfolger und Mitkaiser (seit April 945) verlobt
(desponsata). Hadwig soll, wie einst nach 781 auch Karls des Großen Tochter Rotrud, durch von Byzanz entsandte Eunuchen Griechisch gelernt haben. Doch hat sich die Verlobung bald (zwischen 950 und 955) zerschlagen, wofern sie wirklich zustandegekommen war38e, doch kaum aus den
von Ekkehard geschilderten anekdotischen Gründen, sondern weil Romanos TI. - wohl gegen den Willen seines Vaters - inzwischen die Schankwirtstochter Anastaso, die ihn durch ihre Schönheit bezaubert hatte, geheiratet hatte (950/56). Hadwig heiratete später um 95S38f den Schwabenherzog Burchard TI.
2b. Schwierigkeiten gab es erst, seit in Byzanz 963 der gewaltige Feldherr
NikephorosTI. Phokas als Usurpator Kaiser geworden war und Ottol. 967
nach Unteritalien vorrückte ", Weihnachten 967 fand in Rom die Mitkaiserkrönung von Ottos I, einzig noch lebenden Sohn OttoII. statt40. Alsbald ließ Otto I. in Byzanz um die Hand einer purpurgeborenen Prinzessin, wohl der Tochter RomanosII., Anna, werben", deren Mutter Anastaso/Theophano
Nikephoros Phokas 963 geheiratet hatte. Die Gesandtschaft traf in Byzanz am 4. Juni 968 ein (bis zum 2. Oktober)42. Sie hatte
keinen Erfolg. Die Rückgabe von Capua und Benevent waren des Nikephoros Mindestforderungen'P, so scheiterte die Mission.
Am 10. Dezember 969 wurde Nikephoros ermordet44• Ihm folgte, mit
Hilfe der Anastaso/Theophano,
Johannes I. Tsimiskes. Derweil kämpfte
38.
Heft
~.
Vgl. R. HIESTAND,Byzanz und das Regnum Italicum im 10. jh, (Geist und Werk der Zeiten,
9, 1964) S. 208 u. Anm. 76; HIEsTAND schlägt 952 Aug. 7 - den Augsburger Reichstag vor
Imp. 2,1 217a).
Widukind von Corvey, Gesta Sax. rn,44.
39Jbb. 01 S. 414f.
40 Reg. Imp. 2,1 463 b, 2,2 592 g.
41 Reg. Imp. 2,1 468 c; 2,2 589 a u. 593 a.
42 Jbb. OI S. 437ff., 454ff.; Liutprand
legatio e.7.
43 Ebd. passim.
44 OSTROGORSKY, l.e. S. 243.
31
22
Gunther
Wolf
Otto I. gegen die Griechen in Unteritalien mit freilich mäßigem Erfolg.
Etwa um Weihnachten 9714s hatte Otto I. eine erneute Gesandtschaft
nach Byzanz geschickt unter Führung des Kölner Erzbischofs Gero
(969-76). Diese hatte Erfolg46. Gero führte zwar nicht die erwünschte Porphyrogenneta Anna (die dann später 989 den Kiewer Großfürsten Vladimir heiratete), wohl aber des regierenden Kaisers Johannes Tsimiskes einzige Nichte (des ]ohannes erste Gemahlin Maria war die Schwester des Vaters
der Theophano) Theophano (d.].) (geb. 959/60) dem jungen Mitkaiser
OttoIl. als Braut 972 zu. Am 14. April 972 fand in Rom die Hochzeit
statt·n.
Diesmal war, intensiv und wiederholt, die Initiative vom Westen ausgegangen und hatte bzw. gewann ermals auch eine größere politische Bedeutung.
Die Abstammung der jüngeren Theophano dürfte neuerdings geklärt
sein 48: ihr Vater war Konstantinos Skleros, der Schwager des Kaisers Johannes Tsimiskes, ihre Mutter war Sop hi a Phokas, Tochter des Kuropalates
Leo Phokas und Nichte des Kaisers Nikephoros Phokas. Theophanos angeheirateter Oheim Johannes Tsimiskes heiratete dann in 2. Ehe Theodora,
die Tochter Konstantinos' VII. und Schwester Romanos' II.
Die Verbindung des Jahres 972 zwischen Theophano und Otto II. war
die wichtigste und folgenreichste der ganzen von uns betrachteten 5 Jahrhunderte49•
Nur obiter für das 10.Jahrhundert bemerkt sei die 988 erfolgte Werbung
Hugo Capets von Frankreich (d.h. 1 Jahr nach Begründung seiner Dynastie!) um eine byzantinische Prinzessin (Anna oder Zoe?) für seinen Sohn
Robert, die aber erfolglos blieb und in ihrer dynastiesichernden Absicht
auch von der Forschung kaum beachtet wird.
3. Der Sohn Theophanus (d.].) und Kaiser OttosII., Ottorn. (geb. 980)
warb zwischen 995 und 1001 um die Hand einer purpurgeborenen Kaisertochter in Byzanz50• 995/96 (und 998?) hatte die Werbung keinen Erfolg,
., Nach Reg, Imp. 2,1 533a.
44 Jbb. 01 S. 478f.; Reg. Imp. 2,1 533a .
•, DO 11 Nr. 21;!leg. Imp. 2,1536b,!leg.
Imp. 2,2 597e .
•• VgI. G. WOLF, Nochmals zur Frage: Wer W2T Theophano? (Byz. Zs. 81, 1988, S. 272-283);
don auch die ältere Literatur, vor allem M. UHLIRZ, A. HOFMEISTER, F. DÖLGER und W. OHN·
SORGE. VgI. auch G. WOLF, Das Itinerar der Kaiserin Theophanu (AD 35, 1989, S. 237-254) .
•, Es faIlt auf, daß zwischen 976 und 995 sich in DÖLGERs Reg. kein einziges Indiz einer Gesandtschaftsverbindung zwischen Byzanz und dem westlichen Kaisenum findet. Auch aus sonstigrn Quellen ist nichts darüber bekannt, sieht man einmal von der Gesandtschaft Theophanus
989/90 zu Anna bzw. zu den Rus nach Kiew ab.
so VgI. DöLGER, !leg. (wie Anm. 3) Nr. 787 (997 Frühjahr); Reg. Imp. 2,3 1117a, 1135 b, 1210
Uf; 1394 c, 1450 IV/d. Zum Gesamten neuerdings: G. WOLF, Zoe oder Theodora - die Braut
Die byzantinisch-abendländischen Heirats- und Verlobungspläne
23
wohl aber eine erneute 1001. Im Winter 1001/1002 war eine purpurgeborene Braut für Otto ill. unterwegs; sie traf aber in Italien Ono Ill. nicht
mehr lebend an und mußte nach Byzanz zurückkehren.
In Frage kommen die beiden Töchter des {Mit-)Kaisers Konstantinos Vill. und seiner Gemahlin Helena, Nichten des Hauptkaisers
(976-1025) Basileiosll. (Basileios und Konstantin: Söhne des Makedonenkaisers Romanosll.): Zoe (geb. 978, t 1050) und Theodora (geb. 989, t
1056). Aus staatsrechtlichen Gründen und wegen der langen Wartezeit (6
Jahre bis 1001, dh. bis zur Ehefähigkeit Theodoras 1001 mit 12 Jahren)
scheint mir Theodora als Braut Ottosill. wahrscheinlicher, obwohl die
Quellen keinen Namen nennen. Träfe dies zu, so könnte auch hier, ebensowenig wie 802 von einer Wiedervereinigung von Ost- und Westrom die
Rede sein. Derlei Spekulationen, die bisweilen in der Literatur auftauchen,
sind ohnehin seit der Entwicklung des 8. Jahrhunderts ahistorisch und obsolet.
Anzumerken ist noch der byzantinische Plan von ca. 1006, wonach der
Sohn des Dogen Pietro Orseolo, der Doge Johannes, in Byzanz mit der
Prinzessin Maria (?) verheiratet werden sollte.
11. Jahrhundert:
la. Die erneute (dritte?) Brautwerbung Ottosill. ragt schon in den Beginn des 11. Jahrhunderts hinein; doch gehört sie historisch zweifellos
noch ins 10. Jahrhundert.
lb. 1027/28, wahrscheinlich erst 1028, nach der Kaiserkrönung Kon1
rads ll. S und wohl auch nach S2 der vollzogenen oder zumindest terminierten Königskrönung Heinrichsill. (14. Aprill028-genau
2 x 28 - numerus
perfectionist - Jahre nach der Trauung Ottos Il, und Theophanusr'! versuchte Konrad, wenn die Quellen recht haben, für Heinrich ill. (geb. 22.
Oktober 1017)S4 um die Hand einer purpurgeborenen Prinzessin in Byzanz anzuhalten'P. Zur Verfügung standen damals freilich nur deren zwei
(seit November 1028 dann Kaiserinnen), die 50-jährige Zoe und die
Kaiser Ottos Ill. lOOl/lOO2?in: Kais~rin Theophanu - Prinzessin aus der Fremde _ des Westreiehs
große Kaiserin (1991).
'11027 März 26 (Reg. Imp. 3,1,1 73e).
'2 Dann wäre Reg. Imp. 3,1,1 197a vor 116b zu setzen.
B Reg. Imp. 2,3 1117a.
,. VgI.E. STEINDORFF,
]bb. d. dt. Reich unter HeinrichlII., Bd. 1 (1874, ND 1969) S. 2 Anm. 1.
"Vg!. Wiponis gesta Chuonr. (Ser. rer, Germ., ed, H. BRESSLAU 1915) e. 22 p. 41 f.; Ann. August. ad 1020.
Gunther
24
Wolf
39-jährige Theodoras6• Falls Konrad um den Altersunterschied zum
11-jährigen Heinrich gewußt hatte, wäre trotz allem die Werbung seltsam
genugS7• Zudem traf die Gesandtschaft gerade vor dem Tod Konstantins VIII. ein, und Zoe heiratete am 12.11.1028 den Eparchen Romanos Argyros, als Kaiser dann Romanosill. (1028-34); Theodora aber wollte überhaupt keine Ehe. Romanosill. soll denn dann auch Konrad für Heinrich ill. die Hand einer Schwester (die aber damals auch schon mindestens
50 Jahre alt gewesen sein dürfte!) angeboten habens8• So zerschlug sich dieses vom Westen initiierte Heiratsprojekt 1028/29 - das letzte für mehr als
ein Jahrhundert, soweit wir dies wissen.
12. Jahrhundert:
1. Erst im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts, etwa ein halbes Jahrhundert nach dem Beginn der Kreuzzüge (1096), nach dem Erstarken auch des
normannischen Reiches und damit veränderter politischer Konstellation,
kam wieder eine Eheverhindung zwischen Byzanz und dem westlichen
Kaiserhaus zustande. Vermutlich 1140s9 schickte der Basileus Johannes 11.
Komnenos (1118-43) zum Zweck des Bündnisses gegen die Normannen,
die, nach 1030, in Unteritalien anstelle der Sarazenen getreten waren und
ein mächtiges Reich errichtet hatten, und zur Brautwerbung für seinen
jüngsten Sohn Manuell. (1143-80) zu Konradill., nachdem er zuvor
schon zu Lothar von Supplinburg Verbindungen geknüpft hatte. Mehrere
Gesandtschaften gingen hin und her60, his in der Zeit vom 6.-12. Januar
1146 die Vermählung des Kaisers Manuel I. mit Konrads ill. Schwägerin
(Schwester seiner Gemahlin Gertrud, geh. 1110, t 1146) Bertha von Sulzbach (als byzantinische Kaiserin Irene) vollzogen wurde'".
Freilich brachten die Auswirkungen des 2. Kreuzzuges Konradill. weitgehend um die politischen Früchte dieser Verbindung. Irene war ganz by56
Vgl. WOLF (wie Anm. 50).
" Zwar sind gerade im byzantinischen
Bereich riesige Altersunterschiede nicht unbekannt (vgl.
1183 Adronikos Komnenos und Agnes: 65 u. 13; 1244 Johannes Vatatzes und Konstanze: 52 u. 13),
aber meist ist eben der Mann der weitaus ältere, was Aussicht auf einen Erben läßt!
5& Wahrscheinlich
in dem bekannten Chrysobull (DöLGER, Reg. Nr. 830: 1028 bald nach Nov.
11); s. auch Reg. Imp. 3,1,1 140a (dort stets statt ''KonstantinIX.''
"Konstantin VIII." zu setzen!);
vgl. W. OHNSORGE (wie Anm. 60).
59 Vgl. W. BERNHARDI, Jbb. d. dt. Gesch. unter Konradm. Bd. 1 (1883, ND 1975) S. 266ff.; vgl.
auch DöLGER, Reg. Nr. 1309 (1135?), 1313 (1137), 1320 (Anf. 1140), 1321 (1141/42), 1322 (Apr.
1142).
..
60 DÖLGER, Reg, Nr.
1330 (1144/45); vgl W. OHNSORGE, "Kaiser" Konradm. (MIOG
46/1932, S. 343-360); ders., Ein Beitr, u. Gesch. ManuelsI. von Byzanz (Festschr. A. Brackmann
1931, S. 371-393) (beide Aufs. in: Abendland u. Byzanz, 1963, S. 361-386 u. 387-410).
61 Vgl. BERNHARDI 1 S. 412ff. u. 416ff.
Die byzantinisch-abendländischen Heirats- und Verlobungspläne
25
zantinische Kaiserin, nicht aber Konrads "Geschäftsträgerin" in Byzanz'",
2. Etwa seit 1148 datieren erste Gespräche hinsichtlich einer Vermählung
von Konrads m. Sohn Heinrich (geb. 1137, 1139 verlobt mit Sophia, Tochter des Königs Bela von Ungarn bis 1146, t 1150) mit einer byzantinischen
Prinzessin'", Um 1150 versuchte Konrad das noch zu konkretisieren, indem er schriftlich seine Schwägerin !rene bat64, eine der beiden Nichten
Kaiser Manuels I., ihres Gemahls, als Gemahlin für seinen 13-jährigen
Sohn Heinrich auszuwählen und den Ehekontrakt vorzubereiten. Aber
noch in demselben Jahr zerschlug sich das Projekt durch Heinrichs frühen
Tod.
Nach Heinrichs Tod ist Ende 1151/Anfang 1152 noch kurz vor Konrads m. Ende ein wohl von Wibald von Stablo inauguriertes Heiratsprojekt Konrads selbst mit einer byzantinischen Prinzessin zu unterstellen
(Wib.ep,411).
m.
3. Seitens Konrads
wurde auch für seinen Halbbruder, den Herzog
Heinrich Jasomirgott von Bayern/Österreich eine byzantinische Prinzessin, Theodora, zur Gemahlin bestimmt. Sie kam, römisch-katholisch geworden, als Gertrud nach Bayern und starb einige Jahre nach Heinrich (t
1177) als Herzogin von Österreich (seit 1156) 1182 oder 118465• Das rechtliche Sonderphänomen des privilegium minus wurde 1156 für dieses Paar
geschaffen. 1152 starb Konrad m., der so sehr um enge Beziehungen mit
Byzanz bemüht gewesen war, nachdem kurz vor 1140 zunächst die Initiative von Byzanz ausgegangen war.
4a. Konrads Neffe und Nachfolger Friedrich I. 66 (geb. 1122) setzte diese
Byzanzpolitik zunächst fort. Friedrich war wohl schon seit 1147 {oder
1149?)67mit Adela von Vohburg verheiratet; doch lief spätestens seit Herrschaftsantritt im März 1152 Friedrichs Scheidungsverfahren'", 1153 wurde
mit päpstlicher Zustimmung in Konstanz die Ehe geschieden. Mehrfach
kam es in dieser Zeit zu Bündnisangeboten Manuelsl. an Friedrich L't",
verbunden auch mit einem Heiratsprojekt für den geschiedenen Friedrich
VgI. DöLGER, &:g. Nr. 1374 (1148 Dez.), 1378 (1149/50), 1389 (1153).
VgI. BERNHARDI 2, S. 683 u. Anm. 46; O. ENGELS,Die Staufer (Urban-Ib, Bd. 154, 1972)
S. 38ff.
64 DK ill Nr. 229 (nso April); vgl. BERNHARDI 2 S. 815ff., 816 Anm. 66.
65 BERNHARDI 2 S. 656 a. Anm. 4.
66 VgI. P. RAssow,
Honor imperii, die neue Politik Barbarossas ( 21962); K. HEiLIG,Ostrom
u. das dt, Reich. i.d. Mitte d. U. Jh. (in: Kaisertum u. Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichsi.,
1944, ND 1952) S. 159ff.; P. LAMMA, Comneni e Staufer 1 (1955) S. 56ff.
67 Reg. Imp. 4,2 46.
68 VgI. H. SIMONSFELD,
Jbb. d. dt. Reiches unter FriedrichI. (1908, ND 1967) S. 156f., 167ff.
69 Vg!. DÖLGER, Reg. (wie Anm. 3) Nr. 1391 (1153), 1396 (1154/55), 1408 (1156).
62
63
26
Gunther
Wolf
in den Jahren 1153-56. Der Name der für Friedrich vorgesehenen Braut
war wohl Maria, Tochter des Sebastokrators Isaak und Nichte Kaiser Manuels L''', Doch nahm die Politik insofern eine andere Wende71, als Friedrich in keiner Weise zu irgendwelchen Konzessionen an Byzanz in U nteritalien bereit war. Das führte zur Entfremdung zu Manuel, der bald danach
ein Bündnissystem gegen Friedrich aufbaute72• Demgemäß war auch spätestens mit Friedrichs Hochzeit mit Beatrix von Burgund am 16. Juni 1156
in Würzburg das deutsch-byzantinische Heitratsprojekt vorn Tisch. So zögerte 1156 in Würzburg FriedrichI. überhaupt, die Gesandten Manuels
vorzulassen; sie wurden erst im Juli 1156 in Nürnberg 73 empfangen, da
Friedrich über die byzantinischen Erfolge in Unteritalien überaus ungehalten war. Dennoch rissen die persönlichen Verbindungen vorderhand
nicht ganz ab 74.
Wir finden also im 12. Jahrhundert zwischen 1140 und 1156 eine ungewöhnlich starke Verdichtung der Beziehungen, der politischen wie der familiären, zwischen den frühen Staufern und den Komnenen, deren Grundlage u.a. wohl auch die geistige Welt des Ritterlichen war 75, die ihrerseits
eine Frucht des ersten Kreuzzuges.
4b. Nur am Rande erwähnt (als 'Kontrast') sei die um 1170 im Zuge der
neuen Bündnispolitik Manuels 1. erfolgte Verlobung 76 der Tochter König
Ludwigs Vll. von Frankreich, Agnes, mit Manuels etwa 1168/69 geborenem Sohn Alexiosll., und die dann etwa 118277 (das Geburtsdatum der
Braut läßt sich durch das Heiratsfähigkeitsalter von 12 Jahren etwa auf
1170 datieren) erfolgte Hochzeit. Nach der Ermordung Alexios'lI. 1183
heiratete der Mörder, der 65-jährige Andronikos I. Komnenos die
13-jährige Witwe.
5. Fast ein halbes Jahrhundert verging, bis bei der Eroberung Palermos
durch Kaiser Heinrich VI., Friedrichs I. Sohn, 1194 diesem dort die wartende Braut Irene (Maria) von Tancreds von Lecce Sohn Roger in die HänVgl. SIMONSFELD S. 201.
Vgl. W. OHNSORGE, Zu den außenpolit. Anfängen Friedrich Barbarossa (QFIAB 32 1942 S.
13-32, ND in: Abendland u. Byzanz S. 411-435, bes. S. 423ff.).
72 Vgl. OSTROGORSKY,
Le, S. 317ff.; SIMONSFEID S. 198ff.; vgl. auch Reg, Imp. 4,2197 als Antwort auf DÖLGER, &eg. Nr. 1391, &g. Imp. 4,2 398.
73 Reg. Imp. 4,2 408; DÖLGER, Reg, Nr. 1408 (1156).
74 Vgl. DöLGER, Reg. Nr. 1414 Guli 1157 betr, die Schwertleite von Konrads ill. Sohn Friedrich,
dessen Patentante offenbar Kaiserin Irene war).
"Vgl. OSTROGORSKY S. 314.
76 VgI. JL 11803 (auf Empfehlung
Papst Alexanders Ill, v. 20.21171).
77 Vgl. OSTROGORSKY S. 326; auch DÖLGER, &eg. Nr. 1438 (1161?), 1445 (1161/63),
1450
(1163) u. bes, für das Heiratsprojekt Nr. 1531 (1178 Ende).
70
71
Die byzantinisch.abendländischen Heirats- und Verlobungspläne
27
78
de fiel • Am 28. Februar 1194 war König Tancred gestorben; etwa gleichzeitig sein Sohn Roger, !renes Bräutigam. Die nun verwitwete Braut, Tochter des Kaisers Isaak Il, Angelos (1185-95) gehörte beim Einzug Heinrichs VI. in Palermo am 20. November 1194 zur "Beute"?", Heinrich bestimmte sie seinem jüngsten Bruder Philipp (von Schwaben), der 1193 der
geistlichen Würde entsagt hatte, zur Braut, nachdem er ihn zuvor zum
Herzog von Tuszien gemacht hatte. 1196 wurde Philipp Herzog von
Schwaben; Pfingsten 1197 erfolgte bei Augsburg die Hochzeit Philipps mit
lreneIMaria. Die elfjährige Ehe bis zu beider Tod 1208 scheint eine sehr
glückliche gewesen zu sein 80; aus ihr gingen vier Töchter hervor: Beatrix
d.Ä. (* 1190, t 1212, 1209 Braut, 1212 Gemahlin Kaiser OttosIV), Maria
(* 1199, t 1235, verh. 1215 mit Heinrichll. von Brabant), Kunigunde (*
um 1202, t 1235, verh. 1219 mit König Wenzel!. von Böhmen) und Beatrix d.J. (* um 1203, t 1235, verh. mit König FerdinandIII. v. Kastilien u.
Leon), Letztere war die Mutter des großen Königs Alfons X., des Weisen
(EI Sabio); Kunigunde die Mutter des bedeutendsten Przymisliden Ottokar Il. von Böhmen.
Am 21. Juni 1208 wurde Philipp in Bamberg von Pfalzgraf Otto von
Wittelsbach ermordet; schon am 27. August folgte !rene/Maria infolge einer Frühgeburt ihrem Gatten im Tode'", Vor allem Walther von der Vogelweide hat beiden, dem 'suezen' jungen Mann Philipp und der "Rose sonder Dornen, Taube sonder Gallen" !rene/Maria ein bleibendes literarisches Denkmal gesetzt82•
Politisch aber war diese Verbindung seit 1204 mit dem Ende der Angelos-Dynastie in Byzanz und der Errichtung eines lateinischen Kaiserreichs
unerheblich geworden.
13. Jahrhundert:
Im 13. Jahrhundert fand die letzte Verbindung zwischen West- und
Ostrom statt. 1204 hatte das alte Byzanz geendet; das lateinische Kaiserreich ward errichter'", Wenig später aber entstand als einer der Nachfolge78 vgl. Th. TOECHE, Jbb. d. dt. Reiches unter Heinrich VI. (1867, ND 1965) S. 319, 321, 363f.,
u. Anm. 1, 470, 545 f.
79 J. MÜHLBERGER,
Irene (in: Lebensweg u. Schicksale d. stauf. Frauen, 19n) S. 6Off.; E.
MAscHKE, Das Geschlecht d. Staufer (1943, ND 19n) S. 56f.; O. ENGELS, Staufer S. 105f.; K.
HAMPE, Dt. Kaisergeschichte i.d. Zeit d. Salier u. Staufer 21969) S. 232, 243.
10 Vgl. E. WINCKELMANN, jbb. dt. Gesch. unter Philipp v. Schwaben u. OttoN.
v. Braun.
schweig, Bd. 1 (1873, ND 1963) S. 470 u. OSTROGORSKY, Lc. S. 341 ff.
11 Vgl. WINCKELMANN 1 S. 474.
12 Walther v.d. Vogelweide Leich 3,1 (ed. K. LACHMANN • C. v. KRAus, 121962).
83 Vgl. OSTROGORSKY, Le. S. 338ff., bes. 344ff.
e
Gunther Wolf
28
der Nordküste Kleinasiens das Kaiserreich Nikäa, in dem auf
84
d
Begründer Theodoros 1. Laskaris
(1204-22) 1222-54 dessen
:;;egersohn]ohannesIII.
Dukas Vat~tzes folgte~s. Nach dem Tod seiner
Gemahlin lrene86 (vor 1244) heiratete er eine Tochter (Konstanze)
ersten
d d
.
L'
87 B . d
Kaiser FriedrichslI. von Hohenstaufen un
er Bianca ancl~ .. ~l .er
H .rat war Johannes Vatatzes 52, seine Braut 13. Von wem die Initiative
au:~ing, von Friedrich oder Johannes, ist schwer mehr zu sagen. Poli~isch
hatte sie eine gewisse, aber nur sehr eingeschränkte, Bedeutung gemelOsamer Stellungnahme gegen das lateinische Kaisertum und das Papsttum.
Nach Friedrichs Tod (1250) undJohannes' Tod (1254)88 hatte sich die etwa
24-;ährige Konstanze der Insulte von Johannes' Sohn und Nachfolger Theodor 11.Laskaris (1254-58)89, ihres Stiefsohnes, zu erwehren, wurde 1262
zurückgeschickt und kam 1269 an den Hof von Aragon zu ihrer gleichnamigen Nichte (Tochter König Manfreds), die dort seit1262 mit König Peter Ill. von Aragon verheiratet war; sie starb dort, alle Staufer überlebend,
im April 1307.
Dies war die letzte Verbindung zwischen Westreich und Ostreich, die
einzige im 13. Jahrhundert, die letzte des Mittelalters.
staaten an uc
Fassen wir das Ergebnis der Übersicht zusammen, so gab es in dem halben Jahrtausend der Beziehungen zwischen Westreich und Ostreich zwischen 750 und 1250 vor allem drei Perioden intensiver, auch durch Heiraten oder Heiratsprojekte verdichteter Verbindung:
1. zur Zeit der Karolinger, d.h. zwischen 765 und etwa 870, in der die
Initiative so gut wie ausschließlich von Byzanz ausging,
2. die mittlere Zeit der Sachsenherrscher, d.h. die eigentliche Zeit der
drei Ottonen, etwa zwischen 951 und 1002, in der die Initiative eindeutig
vom Westen ausging und in der es mit der Heirat Ottos 1I. und Theophanus zu politisch wie vor allem kulturell höchst bedeutsamen Folgen kam.
Diese Zeit deckt sich mit der Blütezeit des mittleren byzantinischen Reiches. Sowohl in karolingischer wie in ottonischer Zeit war verbindendes
Moment der gemeinsame Kampf gegen die Sarazenen (seit 827 auf Sizilien;
seit 888 Fraxinetum), trennendes das Zweikaiserproblem .
.. Ebd. S. 3S-4ff.
11
Ebd,
s. )S9{r.
.. Ebd. S. 364.
"£bd.;
auch MOULBERGER S. 148ff.; MAscHKE S. 128ff. u. Anm. 128-133 (S. 190); dort
aIKh wri~~ Li~nlur.
.
II MO'U.lfJIGf..R
S. IS0ff; OSTROGORSKY S. 367; MASCHKE S. 128ff.
"(~TIUXA)p.sKY,
I.e. S. 367ff.; ENGELS, I.e. S. 146.
vp.
Die byzantinisch-abendländischen Heirats- und Verlobungspläne
29
3. In der Frühzeit der Staufer zwischen 1135 bzw. 1139 und 1156, mit
Kernzeit zwischen 1146 und 1156, finden wir, vor allem verstärkt durch
die persönlichen Kontakte der beiden Herrscher Konrad 1lI. und Manuell.
in Byzanz im Winter 1147/48 und 1148/4990, eine außerordentliche Dichte der Beziehungen und der familiären Verbindungen, an deren Zustandekommen nicht zuletzt der "Außenminister" Konrads m., Abt Wibald von
Stablo und Malmedy (seit 1130) und Corvey (1146) (at 1098, t 1158), betei9
ligt war !. In dieser Periode, die vor allem durch die sowohl das Westreich
wie Byzanz bewegende Bedrohung durch die Normannen unter Roger 11.
(1101 bzw. 1130-51) gekennzeichnet war, ging die Initiative zunächst
1135 ff. von Byzanz aus, wurde dann aber auch stark seitens Konrads m.
forciert, vor allem zwischen 1146 und 1152. 1152-1156 hingegen lag die
Initiative wieder eindeutig bei Byzanz. Die jeweilige Initiative läßt Rückschlüsse auf die jeweilige Einschätzung der eigenen und der Stärke des Partners zu: unverkennbar sind, nach der Niederwerfung der Langobarden
durch Pippin und Karl d. Großen als Ausdruck der Stärke, die Eindrucke
auf Byzanz, die es eine Verbindung mit dem mächtigen Frankenreich erstreben lassen.
Andererseits entsprach dem Niedergang des Westreichs im späteren 9.
und früheren 10. Jahrhundert ein neuer Aufschwung in Byzanz, verkörpert durch BasileiosI. (867-86), RomanosI. (920-44), Nikephoros Phokas
(963-69), Johannes Tsimiskes (969-76) und BasileiosII. (976-1025). Es ist
einleuchtend, daß in dieser Zeit die Initiative beim Westen liegen mußte.
Als nun unter Otto I. nach 955 auch der Westen erstarkte, Ono I. 951 nach
dem regnum Italiae, 962 nach der Kaiserkrone ausgriff, und in Unteritalien intervenierte, standen sich zwei "Weltmächte" gegenüber, für die es
nur die kriegerische Lösung, der Nikephoros zuneigte, oder Bündnis und
Eheverbindung, was Johannes Tsimiskes bevorzugte, gab.
Otto Ill, nahm 995-1001 diesen Faden wieder auf, den die Parzen vorzeitig durchtrennten.
Gleichwohl glaube ich für 802 wie für 1002 nicht an eine re-unio beider
Reiche als reale historisch-politische Möglichkeit, die bisweilen in der Literatur auftaucht92• Gegenüber den Beziehungen des 8.-10. Jahrhunderts
kann der Versuch von 1028 nur als episodenhah bezeichnet werden. Danach ließen die Kirchenreform im Westen und die Abwehrkämpfe im byzantinischen Osten für lange Zeit keine Möglichkeiten engerer Beziehung
90 VgL DK ill Nr. 195 (2W) (229).
,. VgI. F. HAUSMANN,Reichskanzlei u. Hofkapelle unter Heinrich V. und Konrad
167ff.
'1 VgI. G. WOLF, Zoe oder Theodora (wie Anm. SO).
m. (1956) s.
30
Gunther
\tblf
zu. Der Investiturstreit im Westen und der Kampf Isaaks I. Komnenos mit
Michael Kerullarios im Osten banden die Energien. So wissen wir zwischen 1028 und 1135, d.h. für mehr als ein Jahrhundert, auch von keinen
Heiratsplänen zwischen Byzanz und dem Westen.
Erst nach Canossa (1077) und Mantzikert (1071), erst als die neue Macht
des Normannenstaates, seit 1059 unter des großen Robert Guiskard und
seines Bruders Roger I. Führung, Sizilien und Unteritalien erobernd, 1146
gar nach Tunis und Tripolis ausgreifend, 1081 Byzanz unmittelbar bedrohte und sich mit dem Papst verbündete - erst dieser Normannenstaat brachte, 1139 Königreich geworden, Westreich und Ostreich, Konrad m. und
Manuell. wieder zusammen. Aber so zerfiel nach dem Tode des großen
Roger 11. 1154 auch diese Allianz zwischen Staufern und Komnenen rasch
wieder.
Auch die Verbindung Philipps von Schwaben mit der byzantinischen
Kaisertochter mag vom ehestiftenden Heinrich VI. politisch gedacht gewesen sein; durch die Ereignisse von 1204 entfiel dieser Aspekt. Fast als
"Nachklang" mutet die Ehe der Konstanze, Tochter Kaiser Friedrichsll.,
mit Johannes Vatatzes an. Sie brachte letzterem Prestige, ersterem einen
nur virtuellen Bundesgenossen gegen Papst und lateinisches Kaisertum des
Ostens. Wirklich Hilfe erhielt Friedrich nicht; der Einfluß Konstanzes auf
Nikäa ist nicht feststellbar.
In dein halben Jahrtausend, das wir betrachtet haben, wurde einmal die
Schwägerin, einmal (bzw. zweimal) die Tochter eines westlichen Kaisers/Königs Kaiserin im Ostreich: (944), 1146, (1182) und 1244. Die politische Bedeutung ist nicht als erheblich zu bezeichnen. Anders bei zwei der
drei Prinzessinnen, die von Byzanz nach dem Westen kamen. Die erste
freilich, Anna, die um 900 nach dem Westen kam und 901 Kaiserin wurde,
ist fast vergessen92a.lrene/Maria,
die 1194 nach dem Westen kam, gewann
zwar nie politische Bedeutung, wohl aber eine solche für die Mariologie
bzw.93 für die Marienverehrung in Deutschland; nicht von ungefähr er91a Vgl. aber K.F. WERNER, Die Nachkommen
Karls d.Gr. (in Kar1swerk Bd. 4, 1962) S. 459 zur
VI. Generation Nr. 11; sowie neben W. OHNSORGE, Drei Deperdita ... (Byz. Zs. 45, 1952 S.
320ff.; abgedr. in: Abendland u. Byzanz, l.e. S. 227-254) u. ders., Zur Frage d. Töchter Kaiser LeonsVI. (Byz. Zs. 51,1958, S. 78ff.; abgedr. in: Konstantinopel u.d. Okzident, 1966, S. 171-175)
vor allem R. HlESTAND, Byzanz u.d. Regnum Italicum im 10. Jh. (Geist u. ~rk d. Zeiten H.9,
1964) S. 92-98, bes, 92-94, wo HlESTAND zu etwas anderen Daten kommt; interessant scheint
mir HIEsTANDs These, Anna sei schon als Augusta nach dem Westen gekommen.
9] Siehe oben Anm.
89-92; nach Jes. 11.1 u. Sir. 24,14 ist erstmals von Ephräm dem Syrer (1
373 n.Chr.) das Bild der Rose (sonder Dornen) auf Maria übertragen (vgl. E. SAUSER in LThK Bd.
9,21964, Sp. 44) u. Hdwb. d. de. Aberglaubens Bd. 7, 1936/37, Sp. m m. Literatur. Das Bild der
Taube nach Hes. 2,14; Manh. 10,16 (Vgl. O. SCHILLING u. I. BRIESENICK in LThK Bd. 9, 1964,
Sp, 1307ff.); sonder Gallen: vgl. GRIMM, Myth. 3, 504 seit dem 1. nachchristl. Jh.; vgl.
Die byzantinisch-abendländischen Heirats- und Verlobungspläne
31
hielt sie hier Mariens Name, nicht umsonst bezeichnet sie Walther von der
Vogelweide mit den bereits genannten Epitheta, die sonst zur Bezeichnung
der Himmelkönigin dienten; sie ist die Vielgeprüfte. die den ersten Bräutigam und dessen Familie in Palermo 1194, ihre eigene Familie 1204 in Byzanz, Eltern und Geschwister, zuletzt im Juni 1208 in Bamberg ihren Gemahl verlor; sie selbst starb als Mittzwanzigerin bald nach ihrem Gemahl.
Sie wird zum Typus der femina dolorosa.
Anders Theophano/Theophanu'",
Auch sie kam mit etwa 12 Jahren in
die Fremde, in den Westen, und starb schon mit etwa 31 Jahren. Doch dazwischen: glänzende Hochzeit als (Mit-)Kaiserin 972 in Rom, Kaiserin an
ihres Gemahls OttosII. Seite, dem sie vier Töchter (deren drei sie lange
überlebten) und den Thronfolger Otto ill. schenkte. Freilich, mit etwa 23
Jahren verlor sie ihren Gemahl; doch folgten sieben Jahre erfüllter Regentschaft für ihren Sohn. Ist schon Theophanus politischer Einfluß in diesen
zwei Jahrzehnten groß, so ist der kulturelle kaum zu überschätzen. Die
kulturelle Blütezeit des späten 10. und beginnenden 11. Jahrhunderts ist
ohne Theophanu kaum vorstellbar, verdichtet in ihrem Sohn und Erben,
in dessen Vorstellung Ost und West weitgehend verschmolzen zu einem orbis Christianus, daher wohl der "mittelalterlichste" der Kaiser des Westens,
der, beiderlei Erbe in sich tragend, jenen grandiosen Entwurf eines ersten
"Europäischen Staatensystems" unter Christi Herrschaft konzipiert Frucht der intensivsten Begegnung zwischen Byzanz und dem Westen.
Übersicht
765/67 Verlobungsprojekt Lean VI. und Gisela
781/87 Verlobungsprojekt Konstantinos VII. mit Rotrud
(802 Verlobungsprojekt Karl d. Große mit Irene)
842 Verlobungsprojekt LudwigII. mit Thekla
867/69 Verlobungsprojekt Konstantinos mit Irmingard
898 Verlobung/901 Heirat Ludwigill. mit Anna
943/44 Verlobung u. Heirat RomanosII. mit Bertha/Eudokia
Hadwig?)
(949/52
WINCKELMANN, Bd. 1 S. 30, 150, 474 u. 564 f. Urkundenbeil. XXV (aus Boncompagnus li.l tit.
25-Cod. Bern. Nr. 322 fol. 40 a).
94 Vgl. die Studien v. Mathilde UHLIRZ, W. OHNSORGE, A. HOFMEISTER u. F. DÖI..GER; zuletzt: G. WOLF (oben Anm. 48), Nochmals zur Frage und: Itinerar; dazu: Theophanu, Prinzessin
aus der Fremde - des Westreichs große Kaiserin (1991 anläßlich des lOCO Todestages der Kaiserin)
hg. v. G. WOLF.
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Gunther Wolf
967/68 Verlobungsprojekt Otto Il, {mit Anna}
971/72 Verlobungsprojekt u. Heirat Otto TI. mit Theophano
988 Verlobungsprojekt Robert von Francien (mit NN)
995/1002 Verlobungsprojekt Otto Ill, mit Theodora
1028 Verlobungsprojekt Heinrich Ill, {mit Theodora? oder Zoe?}
1140 Verlobungsprojekt Manuell. mit Bertha
1146 Heirat Manuell. mit Bertha/Irene
1148 Verlobungsprojekt Heinrich (mit NN)
1146/50 Heirat Heinrich Jasomirgott mit Theodora/Gertrud
1151/52 Verlobungsprojekt Konradlli. (mit NN)
1153/56 Verlobungsprojekt Friedrich I. mit Maria
1170 Verlobungsprojekt Alexios TI. mit Agnes
1182 Heirat Alexios Il, mit Agnes
1183 Heirat AndronikosI. Komnenos mit Agnes
1193/94 Verlobungsprojekt Roger mit Irene
1194 Verlobungsprojekt Philipp von Schwaben mit !rene
1197 Heirat PhiIipp von Schwaben mit IreneIMaria
1244 Heirat Johannes IT. Dukas Vatatzes mit Konstanze
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