Acyclovir-Mepha® i.v. 250

Werbung
Fachinformation des Arzneimittel-Kompendium der Schweiz®
Acyclovir-Mepha® i.v. 250
Mepha Pharma AG
AMZV
Zusammensetzung
1 Ampulle enthält 250 mg Aciclovir (in Form des Na-Salzes als Lyophilisat).
Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit
1 Ampulle zu 250 mg.
Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten
Herpes simplex 1- und 2-Virus-Infektionen
Haut- und Schleimhautinfektionen, besonders primärer und rezidivierender Herpes genitalis und Herpes labialis;
Herpes-simplex-Encephalitis;
Prophylaxe von Herpes-simplex-Infektionen bei Immunsuppression;
Suppression von rezidivierenden Herpes-simplex-Infektionen (besonders Herpes genitalis); bei Immunkompetenten, die anders ungenügend beeinflusst
werden können und häufige und länger dauernde Beschwerden verursachen;
Herpes-simplex-Keratitis;
Herpes simplex bei Neugeborenen.
Herpes-Varizella-zoster-Virus-Infektionen
Herpes-zoster-Infekte (Therapiebeginn so früh wie möglich, d.h. innerhalb 72 Stunden), bei Immunkompetenten, vor allem aber bei Immunsupprimierten, bei
disseminierten Formen und Zoster ophthalmicus.
Eine positive Beeinflussung der postherpetischen Neuralgie (PHN) ist zur Zeit ungenügend belegt.
Allogene Knochenmarktransplantation (KMT)
Acyclovir-Mepha i.v. 250 wird zur CMV-Prophylaxe bei allogener KMT bei CMV-seropositiven Patienten oder bei seronegativen Patienten mit seropositivem
Spender eingesetzt. Die Prophylaxe beginnt 5 Tage vor der Transplantation und endet am Tag 30. Wird im weiteren Verlauf CMV im Blut nachgewiesen, muss
eine Frühbehandlung mit einer anti-CMV-aktiven Substanz eingeleitet werden (z.B. Ganciclovir).
Dosierung/Anwendung
Die erforderliche Dosis wird über 1 Stunde langsam i.v. infundiert.
Die Behandlung dauert gewöhnlich 5 Tage, richtet sich jedoch vor allem nach dem Zustand des Patienten und dem Therapieerfolg.
Die Behandlung der Herpes Encephalitis bei Patienten ab 3 Monaten dauert gewöhnlich 10 Tage, und die Behandlung des Herpes simplex bei Neugeborenen
14-21 Tage (siehe weiter unten).
Erwachsene und Kinder über 12 Jahre
Herpes simplex:
5 mg/kg/8-stündlich.
Herpes zoster:
5 mg/kg/8-stündlich.
Herpes zoster bei Immungeschädigten und normaler Nierenfunktion:
10 mg/kg/8-stündlich für 5 Tage und mehr.
Herpes-Encephalitis
10 mg/kg/8-stündlich für 10 Tage.
CMV Prophylaxe bei allogen Knochenmarktransplantierten
500 mg/m2/8-stündlich.
Dauer: 5 Tage vor Transplantation bis 30 Tage danach.
Säuglinge, Kleinkinder und Kinder zwischen 3 Monaten und 12 Jahren
Herpes simplex
250 mg/m2/8-stündlich.
Varicella zoster
250 mg/m2/8-stündlich.
Varizellen-Infekt bei Immungeschädigten und normaler Nierenfunktion
500 mg/m2/8-stündlich.
Herpes Encephalitis
500 mg/m2/8-stündlich für 10 Tage.
Allogene KMT (Kinder >2 Jahre)
500 mg/m2/8-stündlich, Beginn 5 Tage vor Transplantation bis 30 Tage danach.
Die wenigen vorhandenen Daten lassen annehmen, dass Kinder über zwei Jahre, die eine Knochenmarktransplantation benötigen, zur Prophylaxe einer CMVInfektion die Erwachsenendosis erhalten sollten.
Neugeborene
Das empfohlene Behandlungsschema bei bekannter oder vermuteter neonataler Herpes-simplex-Infektion beträgt 20 mg/kg Körpergewicht alle 8 Stunden.
Die Behandlungsdauer bei einer disseminierten Infektion oder einer ZNS Infektion beträgt 21 Tage, ist die Infektion auf die Haut und die Schleimhäute
beschränkt 14 Tage.
Neugeborene mit eingeschränkter Nierenfunktion benötigen eine der Nierenfunktion entsprechend angepasste Dosierung.
Ältere Patienten
Die Möglichkeit einer eingeschränkten Nierenfunktion muss bei älteren Patienten berücksichtigt werden und die Dosierung ist entsprechend anzupassen (vgl.
«Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion»). Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr muss geachtet werden.
Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion
Bei der parenteralen Verabreichung von Aciclovir an Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist Vorsicht geboten. Auf eine ausreichende
Flüssigkeitszufuhr muss geachtet werden.
Die Dosierungsempfehlung für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion basiert für Erwachsene und Jugendliche auf der Creatinin Clearance in mL/min und
für Kleinkinder und Kinder unter 13 Jahren auf mL/min/1,73 m2 .
Folgende Dosisanpassungen werden empfohlen:
Erwachsene und Jugendliche:
Seite 1
Fachinformation des Arzneimittel-Kompendium der Schweiz®
Kreatinin-Clearance
Dosierung i.v.
>50 mL
empfohlene Dosis (5 oder 10 mg/kg oder 500 mg/m2) alle 8 h
25-50 mL/min
empfohlene Dosis alle 12 h
10-25 mL/min
empfohlene Dosis alle 24 h
0 (anurisch)-10 mL/min ½ empfohlene Dosis alle 24 h
Unter Hämodialyse
½ empfohlene Dosis alle 24 h und nach Dialyse
Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder und Kinder bis 12 Jahre:
Kreatinin-Clearance
Dosierung i.v.
>50 mL/min/1,73 m2
empfohlene Dosis (250–500 mg/m2 oder 20 mg/kg) alle 8 h
25-50 mL/min/1,73 m2
empfohlene Dosis alle 12 h
10-25 mL/min/1,73 m2
empfohlene Dosis alle 24 h
0 (anurisch)-10 mL/min/1,73 m2 ½ empfohlene Dosis alle 24 h
Unter Hämodialyse
½ empfohlene Dosis alle 24 h und nach Dialyse
Zubereitung der Infusionslösung
Da kein Konservierungsmittel in den Ampullen enthalten ist, muss die Rekonstituierung der Acyclovir-Mepha Lösung und die Verdünnung mit anderen
Infusionslösungen unter aseptischen Bedingungen durchgeführt werden, vorzugsweise unmittelbar vor Gebrauch, und nicht verwendete rekonstituierte
Lösung sollte verworfen werden.
Rekonstituierung der Acyclovir-Mepha Lösung
Das gefriergetrocknete Aciclovir wird mit 10 ml Aqua ad iniectabilia oder NaCl 0,9% aufgelöst. 1 ml dieser Lösung entspricht 25 mg Aciclovir. Zur Applikation
wird entweder diese Lösung mittels Infusionspumpe über 1 Stunde (nicht rascher!) injiziert oder mit einer Infusionslösung verdünnt.
Verdünnung mit anderen Infusionslösungen
Dazu können verwendet werden:
0,45% oder 0,9% NaCl;
0,18% NaCl + 4% Glucose;
0,45% NaCl + 2,5% Glucose;
Hartmann'sche Lösung (Laktat-Infusionslösung).
Nicht verwendet werden sollten biologische oder kolloidale Flüssigkeiten (Blutkonserven, proteinhaltige Lösungen).
Bei der Verdünnung ist Folgendes zu beachten:
Für Erwachsene sollte die benötigte Menge Aciclovir zu mindestens 50 ml Flüssigkeit gegeben werden. In eine Infusionslösung von 100 ml können Dosen von
250 bis 500 mg gegeben werden. Ist die Dosierung höher, müsste eine zweite Infusion oder mehr Flüssigkeit gewählt werden.
Für Kinder und Neugeborene, wo die Dosis 100 mg oder weniger sein kann, sollten 4 ml gelöstes Aciclovir (100 mg Aciclovir) zu 20 ml Infusionslösung
gegeben werden.
Nach dem Zusatz von Aciclovir ist die Infusionslösung gut zu schütteln. Ist die Verdünnung richtig hergestellt, beträgt die Aciclovir-Konzentration nicht mehr
als 5 mg/ml (0,5%).
Die Infusionslösung ist bei Raumtemperatur (15-25 °C) bis zu 12 Stunden haltbar (chemisch-physikalische Stabilität).
Treten Trübungen oder Kristallisationen auf, vor oder während der Infusion, darf die Infusionslösung nicht verwendet werden.
Kontraindikationen
Acyclovir-Mepha i.v. 250 ist kontraindiziert bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Aciclovir und Valaciclovir.
Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen
Anwendung bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und älteren Patienten: Aciclovir wird renal ausgeschieden, daher muss die Dosierung bei
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion reduziert werden (vgl. «Dosierung/Anwendung»). Bei älteren Patienten besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit
für Nierenfunktionsstörungen, die Notwendigkeit einer Dosisreduktion sollte in dieser Patientengruppe deshalb berücksichtigt werden. Sowohl bei Patienten mit
eingeschränkter Nierenfunktion wie auch bei älteren Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von neurologischen Störungen, sie sollten daher
engmaschig auf Anzeichen für derartige unerwünschte Wirkungen überwacht werden. In den gemeldeten Fällen waren die Störungen im Allgemeinen
reversibel nach Absetzen der Behandlung (vgl. «Unerwünschte Wirkungen»).
Müssen höhere Dosen von Acyclovir-Mepha i.v. 250 infundiert werden, z.B. bei Herpes-Encephalitis, ist die Nierenfunktion, besonders bei dehydrierten
Patienten, zu überwachen.
Acyclovir-Mepha i.v. 250-Infusionslösung hat ungefähr einen pH von 11 und sollte daher nicht eingenommen werden.
Da Herpes genitalis eine sexuell übertragbare Krankheit ist, sollen Patientinnen und Patienten angewiesen werden, jeglichen Sexualkontakt zu vermeiden,
solange sichtbare Läsionen erkennbar sind.
Aufgrund des potentiellen Risikos von Neutropenie sollte bei Neugeborenen welche i.v. mit Acyclovir-Mepha i.v. behandelt werden, die Durchführung eines
Blutbildes zweimal die Woche in Erwägung gezogen werden.
Interaktionen
Aciclovir wird vorwiegend durch aktive tubuläre Sekretion unverändert über die Nieren ausgeschieden. Gleichzeitig verabreichte Medikamente, die mit diesem
Mechanismus konkurrieren, können einen Anstieg der Plasmaspiegel von Aciclovir bewirken. Probenecid und Cimetidin bewirken über diesen Mechanismus
eine Erhöhung der AUC und eine Abnahme der renalen Clearance von Aciclovir. Aufgrund der grossen therapeutischen Breite von Aciclovir ist eine Anpassung
der Dosierung jedoch nicht erforderlich.
Bei Patienten, denen Acyclovir-Mepha i.v. 250 intravenös verabreicht wird, muss die gleichzeitige Verabreichung von Medikamenten, die hinsichtlich der
Ausscheidung mit Aciclovir konkurrieren, vorsichtig erfolgen, da die Plasmaspiegel eines oder beider Medikamente oder ihrer Metaboliten ansteigen können.
Eine Erhöhung der AUC von Aciclovir und des inaktiven Metaboliten von Mycophenolatmofetil, einem Immunsuppressivum, das bei Transplantationen
eingesetzt wird, wurde bei gleichzeitiger Verabreichung dieser Medikamente festgestellt.
Vorsicht (sowie eine Überwachung der Nierenfunktion) ist auch bei der intravenösen Verabreichung von Acyclovir-Mepha i.v. 250 und der gleichzeitigen Gabe
von Medikamenten geboten, die andere Aspekte der Nierenfunktion beeinflussen (z.B. Cyclosporin und Tacrolimus).
Schwangerschaft/Stillzeit
Schwangerschaft
Ein Schwangerschaftsregister hat die Geburten von Frauen (basierend auf freiwilliger Angabe) dokumentiert, die mit Aciclovir behandelt wurden. Es wurde
keine erhöhte Anzahl von Geburtsdefekten und von einzelnen Anomalien festgestellt, verglichen mit der Allgemeinbevölkerung. Bei 1082 Geburten wurden 28
Missbildungen beobachtet, für die weder ein gleichbleibendes Muster noch eine gemeinsame Ursache anzunehmen ist. Trotzdem sind i.v. und orale Therapie
während der Schwangerschaft nur angezeigt, wenn dies eindeutig erforderlich ist (vgl. auch «Präklinische Daten»).
Fertilität
Es gibt bis jetzt keine Daten über die Auswirkung von intravenös verabreichtem Acyclovir-Mepha auf die weibliche Fertilität.
Bei Männern mit normaler Spermienzahl konnten nach chronischer oraler Verabreichung von Aciclovir keine klinisch relevanten Auswirkungen auf die Zahl, die
Morphologie und die Motilität der Spermien nachgewiesen werden.
Seite 2
Fachinformation des Arzneimittel-Kompendium der Schweiz®
Stillzeit
Nach einer peroralen Dosierung von 200 mg 5× täglich, wurden Aciclovir-Konzentrationen in der Muttermilch gefunden, die 0,6-4,1 mal dem Plasmaspiegel
entsprechen. Diese Konzentrationen würden den Säugling einer Dosis bis zu 0,3 mg/kg täglich aussetzen. Während der Behandlung mit Acyclovir-Mepha soll
daher nicht gestillt werden.
Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen
Acyclovir-Mepha i.v. 250 wird üblicherweise bei stationär behandelten Patienten eingesetzt.
Es wurden keine Studien zur Wirkung von Acyclovir-Mepha i.v. 250 auf die Fähigkeit, Fahrzeuge zu lenken oder Maschinen zu bedienen, durchgeführt.
Aufgrund von zentralnervösen Nebenwirkungen unter Acyclovir-Mepha i.v. 250 kann ein Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen nicht
ausgeschlossen werden.
Unerwünschte Wirkungen
Die beobachteten unerwünschten Wirkungen wurden anhand ihrer Häufigkeiten wie folgt klassifiziert:
Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1'000, <1/100), selten (≥1/10'000, <1/1'000), sehr selten (<1/10'000).
Blut und Lymphsystem
Gelegentlich: Abnahme der hämatologischen Kennwerte (Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie, Neutropenie).
Systemische Überempfindlichkeitsreaktionen
Sehr selten: Lebensbedrohliche Anaphylaxie, Fieber, Angioödem.
Psychiatrische Störungen und Störungen des Nervensystems
Sehr selten: Kopfschmerzen, Schwindel, Agitiertheit, Verwirrtheit, Tremor, Ataxie, Dysarthrie, Halluzinationen, psychotische Symptome, Konvulsionen,
Somnolenz, Enzephalopathie (inkl. toxische Enzephalopathie), Koma.
Neben einzelnen fatalen Fällen waren diese Ereignisse überwiegend reversibel und wurden gewöhnlich bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder
anderen prädisponierenden Faktoren wie z.B. ein höheres Alter ohne vorbestehende Niereninsuffizienz beobachtet. Therapeutisch wurde häufig erfolgreich
eine Dialysebehandlung eingesetzt.
Gefässe:
Häufig: Phlebitis.
Atmungsorgane
Sehr selten: Dyspnoe.
Gastrointestinaltrakt
Häufig: Übelkeit und Erbrechen.
Sehr selten: Durchfall, Bauchschmerzen.
Leber und Galle
Häufig: Reversibler Anstieg der Leberenzymwerte.
Sehr selten: Reversibler Anstieg des Bilirubin, Gelbsucht, Hepatitis.
Haut und Unterhautgewebe
Häufig: Pruritus, Urtikaria, Hautausschlag (einschliesslich Lichtempfindlichkeit).
Sehr selten: Diffuser Haarausfall.
Nieren und Harnwege
Häufig: Anstieg des Blutharnstoffs und des Kreatinin.
Es wird angenommen, dass ein schneller Anstieg des Blutharnstoffs und der Kreatininwerte mit den maximalen Plasmaspiegeln und dem Hydratationszustand
des Patienten zusammenhängen (vgl. auch «Überdosierung»). Um dies zu vermeiden, sollte das Arzneimittel nicht als Bolus intravenös injiziert, sondern als
langsame Infusion über eine Stunde verabreicht werden.
Sehr selten: Nierenfunktionsstörungen, akutes Nierenversagen, Nierenschmerzen.
Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten. Eine Verschlechterung der Nierenfunktion spricht gewöhnlich schnell auf eine Rehydratation des
Patienten und/oder eine Reduktion der Dosierung bzw. auf ein Absetzen des Medikamentes an. Die Entwicklung eines akuten Nierenversagens kann hingegen
in Ausnahmefällen eintreten.
Nierenschmerzen können mit Nierenversagen assoziiert werden.
Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle
Sehr selten: Müdigkeit, lokale Entzündungsreaktionen.
Schwere lokale Entzündungsreaktionen, die in einigen Fällen zu einer Zerstörung der Haut führten, sind aufgetreten, wenn Acyclovir-Mepha i.v. 250
versehentlich ins extravaskuläre Gewebe infundiert wurde.
Überdosierung
Überdosierungen mit intravenös verabreichtem Aciclovir haben zu einer Zunahme des Serum-Kreatinins und des Harnstoff-Stickstoffs im Blut und
anschliessend zu einem Nierenversagen geführt. Neurologische Reaktionen, einschliesslich Verwirrtheit, Halluzinationen, Erregtheitszustände, Krampfanfälle
und Koma wurden im Zusammenhang mit Überdosierungen beschrieben.
Behandlung: Die Patienten müssen sorgfältig auf Anzeichen von toxischen Wirkungen überwacht werden. Durch die Hämodialyse wird die Elimination von
Aciclovir aus dem Blut signifikant verbessert und kann daher bei einer Überdosierung mit diesem Medikament als Behandlungsmöglichkeit in Betracht gezogen
werden.
Eigenschaften/Wirkungen
ATC-Code: J05AB01
Wirkmechanismus
Aciclovir ist eine antivirale Substanz, welche in vitro und in vivo eine hemmende Wirkung gegen Herpes-simplex-Viren (HSV) Typ 1 und 2 und gegen Varicellazoster-Viren (VZV) aufweist.
In der Zellkultur hat Aciclovir die grösste antivirale Aktivität gegen das HSV 1, gefolgt mit abnehmender Wirkung gegen HSV 2 und VZV. Die Hemmwirkung
von Aciclovir auf HSV 1, HSV 2 und VZV ist sehr selektiv. Die Thymidinkinase (TK) der normalen, nicht infizierten Zelle verwendet Aciclovir kaum als Substrat,
daher ist die Toxizität auf die Wirtszelle gering. Die TK hingegen, die durch das HSV oder VZV codiert ist, führt Aciclovir in Aciclovirmonophosphat, ein
Nukleosidanalogon, über, welches in Diphosphat und schliesslich durch Zellenzyme in Triphosphat umgewandelt wird.
Das Aciclovirtriphosphat interferiert mit der viralen DNS-Polymerase und verhindert die virale DNS-Replikation, so dass nach Einbau in die Virus-DNS die Kette
unterbrochen wird.
Lang andauernde und wiederholte Anwendungen von Aciclovir bei schwer Immunsupprimierten können zu Virusstämmen mit reduzierter Empfindlichkeit
führen, die nicht mehr auf eine Aciclovirtherapie ansprechen. Meistens zeigen die klinischen Isolate mit reduzierter Empfindlichkeit einen relativen Mangel an
viraler TK, aber es wurden auch Stämme mit veränderter viraler TK oder viraler DNS-Polymerase gefunden. Auch in vitro können bei der Exposition von HSVIsolaten mit Aciclovir weniger empfindliche Stämme entstehen. Die Beziehung zwischen der in vitro bestimmten Empfindlichkeit der HSV-Isolate und der
klinischen Antwort auf die Aciclovirtherapie ist nicht klar. Es ist daher wichtig, bei aktiven Läsionen Kontakte zu meiden, die eine Virusübertragung
begünstigen.
Pharmakokinetik
Absorption
Beim Erwachsenen betragen die mittleren Plasmakonzentrationen im Steady-State nach einer 1-stündigen Infusion, 8-stündlich durchgeführt, mit Aciclovir
2,5 mg/kg, 5 mg/kg, 10 mg/kg und 15 mg/kg: Cmax 5,1 µg/ml, 9,8 µg/ml, 20,7 µg/ml und 23,6 µg/ml und Cmin gemessen 7 h später: 0,5 µg/ml, 0,7
µg/ml, 2,3 µg/ml und 2,0 µg/ml.
Distribution
Die Plasmaproteinbindung ist relativ gering (9-33%) und Interaktionen durch Verdrängung sind nicht anzunehmen. Die Konzentration im Liquor erreicht ca.
Seite 3
Fachinformation des Arzneimittel-Kompendium der Schweiz®
50% des Plasmaspiegels und diejenige im Bläscheninhalt herpetischer Hauteffloreszenzen entspricht ungefähr der Plasmakonzentration Das durchschnittliche
Verteilungsvolumen beim Erwachsenen im Steady-State beträgt 48 l/1,73 m2 und beim Neugeborenen 28,8 l/1,73 m2. Aciclovir ist plazentagängig und tritt
auch in die Muttermilch über. Die Konzentrationen in der Muttermilch sind höher als die aktuellen Plasmakonzentrationen der Mutter (vgl. auch
«Schwangerschaft/Stillzeit»).
Die mittlere ED50 für HSV dürfte bei 0,1 µg/ml und für VZV bei 1 µg/ml liegen.
Metabolismus/Elimination
9-Carboxymethoxymethylguanin ist der einzige Aciclovir-Metabolit von Bedeutung und macht etwa 10-15% der im Urin ausgeschiedenen Menge aus.
Nach intravenöser Applikation von Aciclovir ist beim Erwachsenen die Halbwertszeit ungefähr 2,9 Stunden. Der Hauptanteil von Aciclovir wird unverändert
durch die Nieren ausgeschieden. Die renale Aciclovir-Clearance ist wesentlich grösser als die Kreatinin-Clearance, so dass neben der glomerulären Filtration
auch eine tubuläre Sekretion an der renalen Ausscheidung des Arzneimittels beteiligt sein muss.
Die extrarenale Elimination beträgt 10% (Q0 = 0,1) und die Gesamtkörper-Clearance ca. 260 ± 81 ml/min/1,73 m2.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Bei Kindern über 1 Jahr wurden ähnliche Werte für Cmax und Cmin gemessen wie beim Erwachsenen, wenn Dosen von 250 mg/m2 anstelle von 5 mg/kg und
500 mg/m2 anstelle von 10 mg/kg verabreicht wurden.
Die mittlere Halbwertszeit im Alter zwischen 1 und 17 Jahren beträgt 2,5 h.
Bei Neugeborenen (0-3 Monate) die mit einer 1-stündigen Infusion 8-stündlich mit einer Dosis von 10 mg/kg, resp. 15 mg/kg behandelt wurden, fand man
ein Cmax von 13,8 µg/ml, resp. 18.8 µg/ml und ein Cmin von 2,3 µg/ml resp. 3,2 µg/ml. Die Halbwertszeit betrug 3,8 Stunden.
Grundsätzlich hängt die t½ vom Reifestand der renalen Exkretionsmechanismen ab, der wiederum eine Funktion des Gestationsalters, des chronologischen
Alters und des Gewichtes ist.
Die mittlere Ganzkörper-Clearance beim Neugeborenen am Termin beträgt ungefähr 1/3 der von Erwachsenen.
Bei älteren Patienten nimmt die Ganzkörper-Clearance mit zunehmendem Alter ab, verbunden mit einer Abnahme der Kreatinin-Clearance ohne wesentliche
Änderung der Halbwertszeit.
Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz beträgt die Halbwertszeit 19,5 Stunden und die Halbwertszeit während der Hämodialyse 5,7 h. Der
Plasmaspiegel von Aciclovir fällt während der Dialyse um zirka 60%.
Wie Studien gezeigt haben, ändern sich weder die pharmakokinetischen Daten von Aciclovir noch von Zidovudin, wenn die beiden Substanzen bei HIVInfizierten gemeinsam eingesetzt werden.
Präklinische Daten
Mutagenität/Karzinogenität
In-vitro- und tierexperimentelle Mutagenitätstests lassen bisher nicht auf ein genetisches Risiko für den Menschen schliessen; Aciclovir ist nicht kanzerogen.
Teratogenität
Bei der systemischen Anwendung hatte Aciclovir in international akzeptierten Standardtests bei Kaninchen, Ratten und Mäusen keine embryotoxische oder
teratogene Wirkung.
In einem nicht standardisierten Test bei Ratten traten foetale Missbildungen auf, aber lediglich bei sehr hohen, für die Mutter toxischen subkutanen Dosen. Die
klinische Bedeutung dieser Beobachtung ist noch unklar.
Sonstige Hinweise
Inkompatibilitäten
Acyclovir-Mepha i.v. 250 sollte in den angegebenen Infusionen (vgl. «Zubereitung der Infusionslösung») und in der angegebenen Konzentration verwendet
werden. Nicht verwendet werden sollten biologische oder kolloidale Flüssigkeiten (Blutkonserven, proteinhaltige Lösungen).
Haltbarkeit
Das Arzneimittel soll nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Besondere Lagerungshinweise
Die Ampullen sind nicht über 25 °C und ausser Reichweite von Kindern aufzubewahren.
Da kein Konservierungsmittel in den Ampullen enthalten ist, sollte die rekonstituierte Acyclovir-Mepha-Lösung unmittelbar vor Gebrauch hergestellt werden.
Nicht verwendete rekonstituierte Lösung ist zu verwerfen. Die mit einer anderen Infusionslösung verdünnte Lösung ist bei Raumtemperatur (15-25 °C) bis zu
12 Stunden haltbar (chemisch-physikalische Stabilität).
Zulassungsnummer
52524 (Swissmedic).
Zulassungsinhaberin
Mepha Pharma AG, Basel.
Stand der Information
September 2015.
Interne Versionsnummer: V2.1
Packungen
Menge
ACYCLOVIR Mepha 250 mg i.v. Durchstechflasche 5 Stk
CHF Abgabekat. Rückerstattungskat.
A
Publiziert am 28.08.2017
Seite 4
Herunterladen