Hepatitis: Selbstschutz vor der gefährlichen Leberentzündung ist

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Hepatitis: Selbstschutz vor
der gefährlichen Leberentzündung ist möglich
Interview zum Welt-Hepatitis-Tag mit Prof. Dr. Thomas Berg, Leiter der Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig
An Hepatitis sterben in Europa mehr
Menschen als an Aids. Darauf macht
Prof. Dr. Thomas Berg, Leiter der Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig, mit Blick auf den Welt-HepatitisTag am 28. Juli 2014 aufmerksam.
Zwar gibt es jetzt neue Medikamente,
die Patienten mit Hepatitis B und C
sehr gut helfen können. Da aber die
Dunkelziffer der mit dem Hepatitisvirus
infizierten Menschen sehr hoch ist,
kommen die neuen Behandlungsmöglichkeiten nur für einen Bruchteil aller
Patienten zum Einsatz. Daher soll gezielt nach Hepatitisvirus-Infektionen
gesucht werden.
Ab 2015 werden mit der Interferon-freien
Therapie Heilungsraten von 95 Prozent erwartet. Interferon-freie Behandlungen stehen bereits jetzt für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung zur Verfügung, die
kein Interferon vertragen.
n Wodurch sind Ihre Patienten krank geworden?
Mit Hepatitis C kann man sich infizieren
durch Blutübertragungen, Drogenspritzen,
Geschlechtsverkehr – aber auch bei unhygienischen medizinischen Maßnahmen und
„Schönheits-Prozeduren“. Manch einer
meint, dass er sich nur ein Tattoo oder Piercing aus dem Urlaub mitgebracht hat. Am
Ende muss er erfahren, dass da auch noch
eine Hepatitis C dabei war …
Der Leber-Experte rät, bei jedem Check-up
die Leberwerte bestimmen zu lassen. „Wenn
da etwas nicht stimmt, liegt meist eine chronische Lebererkrankung vor, die weiter abgeklärt werden soll. Hierbei arbeiten wir
mit dem Hausarzt eng zusammen.“ Wichtig
ist auch, sich vorbeugend zu schützen. Gegen Hepatitis A und B gebe es eine Schutzimpfung, so Prof. Berg. Gegen Hepatitis C
hilft es nur, die Risikofaktoren für eine Infektion zu vermeiden.
n Und was sind dann die Folgen?
In bis zu 80 Prozent verläuft die Infektion
dann chronisch, mit den möglichen Folgen
der Entwicklung einer Leberzirrhose oder
eines Leberzellkarzinoms. In diesen Stadien
zeichnet sich der nächste Schritt ab: Nötig
wird eine Lebertransplantation und man
braucht einen Spender.
n Frage: Ende Juli findet alljährlich der
Welt-Hepatitis-Tag statt. Muss jedes Jahr
neu an eine alte Krankheit erinnert werden?
Prof. Berg: Aber ja. Denn es gibt wenige Felder in der Medizin, in welchen sich ein vergleichbar rascher Fortschritt in unseren Erkenntnissen über die Erkrankungen wie
auch in den Behandlungsmöglichkeiten
vollzogen hat. Wir können heute anhand
bestimmter Marker oft sehr gut den individuellen Krankheitsverlauf und das Therapieansprechen vorhersagen und bei der
überwiegenden Mehrzahl aller Patienten
die Erkrankung heilen oder in einen „Ruhezustand“ überführen. Auch sehen wir einen
Wandel bei der akuten Leberentzündung,
die man als Reise-Gelbsucht bezeichnet. Die
durch das Hepatitis-A-Virus verursachte
Gelbsucht sehen wir kaum noch. Inzwischen macht uns die Hepatitis E deutlich
mehr Sorgen. Diese akute Form der Leberentzündung gewinnt zunehmend an Bedeutung.
n Woher kommt diese neue Krankheit?
Wird sie durch Auslandsaufenthalte eingeschleppt?
Hepatitis E kommt weltweit mit besonderer
Häufung in Nordafrika und Vorderasien
vor und wird dort meist von Mensch zu
Mensch durch verunreinigte Lebensmittel
übertragen (sogenannter fäkal-oraler Übertragungsweg). Die meisten Patienten mit
akuter Hepatitis E, die wir in Deutschland
sehen, sind jedoch nicht in diese Länder gereist. Bei uns wird das Hepatitis-E-Virus
von Tieren – und hier spielen die Haus- und
Wildschweine eine besondere Rolle – auf
den Menschen übertragen. Ein besonderes
Risiko besteht für Menschen, die bereits an
einer Lebererkrankung leiden, oder bei welchen das Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise nach Organtransplantation und
bei Behandlung mit Immunsuppressiva. In
diesen Fällen kann die Hepatitis E auch
n Wie viele Menschen sind weltweit von
Hepatitis B und C betroffen? Und kann man
sich schützen?
Prof. Thomas Berg leitet am UKL die Hepatologie. Hier werden Patienten mit Lebererkrankungen behandelt.
Fotos: Stefan Straube
chronisch verlaufen und zur Zirrhose führen. Schützen kann man sich durch ausreichendes Garen von Schweinefleisch. Wenn
die Infektion rechtzeitig entdeckt wird, hat
der Patient indes gute Chancen, denn wir
können sowohl diese akute und auch chronische Leberentzündung gut heilen.
n Die wirklich gefährlichen Hepatitis-Formen sind also B und C?
Ja. An Hepatitis C starben 2010 in Europa
57 000 Menschen – das sind deutlich mehr
Todesfälle als durch Aids. Dazu kommen
31 000 Tote durch Hepatitis B. Sie sehen:
Diese Krankheiten sind, obwohl schon seit
Jahren bekannt und weitestgehend enträtselt, noch immer eine tödliche Gefahr. Es ist
sehr sinnvoll, daran immer wieder zu erinnern. Ich betreue selbst mehrere 100 Patienten mit Hepatitis C und freue mich mit den
Betroffenen, dass ihre Heilungschancen jetzt
durch neue Behandlungsmethoden deutlich
besser werden. Schon jetzt erreichen wir mit
kurzzeitigen Interferon-haltigen Behandlungen Heilungsraten von circa 90 Prozent.
Mit Hepatitis C sind weltweit 170 Millionen
Menschen infiziert. Die Hepatitis B ist noch
weiter verbreitet, das könnten 350 Millionen Betroffene sein. Schützen kann man
sich vor Hepatitis gut, denn die Erreger
werden ja nicht durch Niesen verbreitet. Bei
Hepatitis B ist der Schutz einfach: Da gibt
es eine Schutzimpfung. Dennoch sehen wir
leider immer wieder Erwachsene, die nicht
geimpft sind. Deshalb empfehle ich besonders Risikopersonen, sich impfen zu lassen.
Bei der Hepatitis C steht derzeit keine Impfung zur Verfügung. Ziel wird es sein, durch
eine möglichst flächendeckende Therapie
aller infizierten Patienten, diese Infektionskrankheit zurückzudrängen.
n Und wie merke ich, ob ich mich vielleicht
angesteckt habe?
Das ist nicht ganz einfach. Durch HepatitisViren ausgelöste Leberentzündungen bleiben oft unentdeckt. Denn Frühsymptome
wie Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit oder
Müdigkeit kann man auch für Grippe halten. Und bei manchen Patienten treten diese
Warnzeichen gar nicht auf. Manchmal fallen erst bei einer Routineuntersuchung erhöhte Leberwerte auf. Deshalb mein Rat:
Wer einen Check-up bei seinem Hausarzt
machen lässt – immer auch die Leberwerte
bestimmen lassen. Wenn da etwas nicht
stimmt, muss eine Hepatitisvirus-Infektion
ausgeschlossen werden. Mit unseren Spezialsprechstunden für Lebererkrankungen
stehen wir hierbei mit Rat und Tat bereit.
Interview: Uwe Niemann
Mit einer Impfung kann man sich selbst ganz einfach gegen Hepatitis B schützen.
Spezialsprechstunde Lebererkrankungen
Sprechzeit: Mo, Di, Do, Fr 8 - 15.30 Uhr
Terminvereinbarung: (0341) 97 122 22
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