Kapitel 3.3.3. - Julia White Publishing

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Kap. 3.
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3.3.3. Das Verdauungssystem
Das Verdauungssystem des Menschen ist grundlegend dazu strukturiert, dem Körper die stoffliche Basis für die Existenz auf der Erde zu
geben und den grössten Genuss auf der groben Ebene mit dem höchsten Genuss auf der feinsten Ebene zu verbinden. Aus dem Rohstoff
Früchte zieht es Vitalstoffe, wertet sie in wertvolle Körperbestandteile
um und erzeugt das Lebenselixier, welches Wachstum und Regeneration nach Belieben und Wunsch ermöglicht. Es gewährleistet auf diese
Weise ein Leben in Glück ohne Krankheit und Altern.
So war es bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mensch begann, falsche
Nahrung zu sich zu nehmen, egal ob aus Not oder aus Unwissenheit.
Um das Überleben weiter zu sichern, musste das Verdauungssystem
seine ursprüngliche Funktion verändern und eine eigenständige Synthese beginnen, deren Produkt nicht mehr Lebenselixier war, sondern eine eigenartige Stoffkombination. Die Alterung wurde geboren, und Tod aus Krankheit und Schwäche entstand.
Bis heute ernährt sich der Mensch falsch und gibt somit seinem
Verdauungssystem nicht die Chance, wieder nach dem Ursprung zu
funktionieren. Kranksein und Altern sind normal geworden, doch nur
weil der Verdauungstrakt, die Grundlage für jegliche Gesundheit, nicht
richtig funktioniert und nicht richtig funktionieren kann.
Im Grunde genommen beginnt die Verdauung bereits vor dem Essen, bei der durch das Hungergefühl signalisierten Bereitschaft des
Verdauungssystems zur Nahrungsaufnahme. Fehlt diese Bereitschaft,
so sind Störungen bei der Nahrungsverarbeitung vorprogrammiert.
Denn im Zustand des starken ( ☞ ) Hungers (“Bären-” oder “Wolfshunger”) werden sämtliche Verdauungsmechanismen bestmöglich auf
ihren Einsatz vorbereitet (“das Wasser läuft einem im Mund zusammen”), die Sinne werden geschärft, um die für den Körper zu diesem
Zeitpunkt am besten geeignete Nahrung optimal finden und auswählen zu können, und die unteren Verdauungsorgane werden gereinigt.
Für diese Reinigung wird eigens ein Schleim ausgesondert, der alle
Giftstoffe bindet, welche mit der Nahrung aufgenommen oder oxidativ
aus ihr gebildet worden sind. Schliesslich wird noch eine Darmentleerung angeregt, um alles Unnötige auszuwerfen.
Bärenhunger muss also unabdingbare Voraussetzung für jegliche
Nahrungsaufnahme sein, und zwar mindestens 15 – 20 Minuten lang,
damit die Ausreinigung optimal in Gang kommt.
Die erste Etappe der korrekten Verdauung ist dann der Mund, wo
durch das Kauen bereits die feinsten Energiestoffe freigesetzt und der
Der Mensch
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Nahrung entzogen werden. Sie geben dem Gehirn die Signale, die für
die Steuerung der weiteren Verdauung nötig sind. Der Speichel führt
hier eine wertvolle Vorverdauung durch und erzeugt die Vorinformation,
um welche Geschmacks- und Nahrungsart es sich handelt.
Aufgrund dieser Information mobilisiert der Magen seine Säfte für
die weitere Verdauung und zersetzt die Nahrung so, dass der Zwölffingerdarm seine Aufgabe vollständig ausführen kann. Dieser wiederum
ist ein Informator für den Dünndarm, auf dessen Funktion er die Nahrung durch seine Sekretaussonderungen abstimmt.
So gelangt die Nahrung vollständig vorbereitet in den Dünndarm,
der aus ihr den biochemischen Auszug macht, welcher für den weiteren Stoffwechsel unersetzlich ist. Diese Nähr- und Vitalstoffe werden
durch die Darmwand ins Blut geschleust und dann zur weiteren Verarbeitung in die Leber oder direkt zu den Zellen transportiert.
Die Nahrung, aus der der Dünndarm die biochemisch wertvollen
Substanzen herausgelöst hat, geht weiter an den Dickdarm, dessen
Sekrete zusammen mit der Darmflora Vitamine aus ihr produzieren.
Daher ist der Dickdarm am Anfang aufsteigend, damit die Nahrung
längere Zeit aufgehalten wird, und dann querliegend, damit die nötigen Auszugsprozesse stattfinden können. Der Mastdarm schliesslich
ist abfallend, so dass die Nahrung bei einer bestimmten Menge einen
Druck auf den Ausgang erzeugt und dann als Abfall entlassen wird.
Dieser gesamte Prozess findet von Natur aus in einem durch das
Hungergefühl gesteuerten Rhythmus statt, der gewährleistet, dass
ungefähr zur Zeit der Nahrungsaufnahme eine Darmentleerung stattfindet, so dass sich nirgends im Darm etwas stauen kann. Durch diesen Rhythmus wird gleichzeitig gewährleistet, dass der leere Magen
und Darm der Normalzustand sind, dass also die Verdauungsorgane
zwischen den Mahlzeiten ausreichend Zeit zur Erholung erhalten.
Neben dieser normalen Funktionsweise des Verdauungssystems gibt
es noch eine zweite, die sich AyurVeda Ritam als ( ☞ ) Heilfasten für
therapeutische Zwecke zunutze macht. Hört man nämlich auf, Nahrung zu sich zu nehmen, so meldet sich der erste Hunger, wenn der
Magen sich entleert, hört aber nach kurzer Zeit wieder auf. Entleert
sich dann der Dünndarm, so kommt der zweite Hunger, der ebenfalls
nur von relativ kurzer Dauer ist. Der dritte Hunger jedoch, der bei der
Entleerung des Dickdarms stattfindet, ist intensiver und hört erst nach
vier oder fünf Tagen auf. Dann schaltet das Verdauungssystem auf
Notbetrieb um und übergibt dem Stoffwechsel die Führung, der nun
beginnt, den Körper durch die in ihm abgelagerten Substanzen aufrechtzuerhalten. Das Verdauungsfeuer wird also vom Magen-Darm-
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Bereich verstärkt auf die Ebene der Gewebe und Zellen verlagert. Dort
frisst es alles auf, was sich im Körper befindet und nicht für seine
Funktion nötig ist: Bakterien, Schleimarten, Verwachsungen, Eiterherde, Geschwüre, Tumore, Karzinome etc. und wandelt es in Energie um.
Nach einigen Wochen, wenn nur mehr die reine Körpersubstanz
übrig ist, meldet sich das Hungergefühl dann noch einmal. Das ist der
Gewebshunger, der letzte Hunger, den keiner überschreiten darf. Er
signalisiert als Alarmstufe, dass es dem Körper jetzt an die Substanz
geht. Erst bei diesem Hunger geht es ans Verhungern. Davor ist jede
Angst unbegründet.
Zusätzlich zu den eben beschriebenen Mechanismen aktiviert der
Hunger in jedem seiner Phasen sämtliche Energiereserven des Körpers. Das ist nötig, da alle Tiere in der Wildnis nur durch den Hunger
ans Essen erinnert werden und dann viel Energie benötigen, um Nahrung zu finden. So gehen ein Löwe oder ein Wolf überhaupt erst auf
Nahrungssuche, wenn sie Hunger haben. In diesem Zustand sind sie
im Vollbesitz ihrer Energie, ihrer Ausdauer und ihrer Sinnesschärfe,
und das für Stunden und sogar Tage. Denn so viel Zeit kann vergehen, bis sie eine Beute erjagt haben. Nach dem Fressen ist die Energie
und Sinneswachheit dahin, ein Löwe schläft dann bis zu 24 Stunden
am Stück.
Aus diesem Beispiel, das sich beliebig durch andere ergänzen liesse,
ersehen wir, dass nicht der gefüllte, sondern der leere Magen die höchste
Energie und Wachheit aktiviert. Und somit müssen wir uns eingestehen, dass wir aus Angst vor dem Hunger fast unser gesamtes Leben
im Zustand des vollgefressenen Löwen verbringen, und uns um die
wertvolle Erfahrung der vollen Energie und Wachheit bringen, die wir
durch Zulassen und Kultivieren des Hungers geniessen könnten.
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3.3.4. Der Bewegungsapparat
Der Bewegungsapparat hat – wie der Name bereits sagt – die Aufgabe, den Körper oder seine Teile zu bewegen. Doch das ist bei weitem
nicht alles. Alle Gelenke sind nämlich gleichzeitig Impulsgeber für das
vegetative Nervensystem und die gesamten Stoffwechselfunktionen.
In ihnen sind quasi Schalter eingebaut, die ansprechen, wenn sie vollständig gebeugt oder gestreckt werden.
Der Körper ist somit nicht nur ein bewegungsfreudiger Mechanismus, Bewegung ist für ihn und seine Gesundheit vielmehr unerlässlich. Zum einen wird dadurch nämlich der Bewegungsapparat geschmei-
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