Kultur-und Giftpflanzen

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Kakipflaume
Diospyros kaki
Ein laubabwerfendes Obstgehölz mit kugeliger Krone aus Japan und China. Die
Blätter sind dunkelgrün und auf der Unterseite behaart, die Blüten sind klein und
weissgelb. Die Art ist zweihäusig, d.h. es gibt
sowohl männliche als auch weibliche
Pflanzen, die während der reife tomaten-roten
Früchte erreichen die Grössen von Pfirsichen.
Sie sind erst geniessbar, wenn sie überreif
sind und werden daher im Oktober und
November geerntet.
Myrte
Myrtus communis
Die Myrte wächst in Macchie und Buschgebieten, wird
aber auch häufig in Gärten und Parks angebaut. Die
Myrte ist ein dichtbelaubter, immergrüner Strauch, nur
selten ein kleiner Baum. Die gegenständigen dunkelgrünen Blätter sind, gegen das Licht gesehen, mit
feinen Drüsen durchsetzt, die wohlriechende Öle enthalten. Blattform und Größe sind recht unterschiedlich. Die weißen, duftenden Blüten weisen zahlreiche
Staubfäden auf. Durch Auspressen der Pflanze wird
Myrtenöl "Eau d'Anges" gewonnen. Aus den Früchten kann man Myrtenlikör herstellen. Die Myrte wird
in arabischen Legenden erwähnt, die Griechen weihten sie der Aphrodite und benutzten sie für Siegerkränze.
Pinie
Pinus pinea
Die Pinie ist leicht an ihrer
schirmförmigen Krone und
an den grossen, kugel- bis
eiförmigen zapfen zu erkennen. Die grossen, essbaren Samen stellen in den
Mittelmeerländern
eine
gängige Handelsware dar
(z.B. für ins BasilikumPesto).
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Trompetenblumen
Bigonia
Tecoma capensis (Südafrika)
Bigonia ignea (Brasilien)
Bigonia buccinatoria (Mexiko)
Tecoma radicans (Nordamerika)
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Drillingsblume
Bougainvillea
Eine der verbreitetsten Pflanzen und auffälligsten Schlinggewächse in den Gärten der
Subtropen. Sie bedeckt
Pergolen und
Mauerwerk und ist von kräftigem Rot und
Orange. Die einzelnen Blüten sind klein,
röhrenförmig und weissgelb. Sie sitzen jedoch
in einem Blütenstand, der von drei farbigen
Hochblättern umgeben ist. Es gibt verschiedene
Arten und zusätzlich noch Farbvarietäten
innerhalb der Arten. Die Drillingsblume stammt
aus Südamerika und wurde 1820 nach Europa
eingeführt.
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Strauchiger Gomphocarpus
†
Gomphocarpus fructicosus
(Schwalbenwurzgewächse)
Falso Cottone
Ghomphos cheville
Der zierliche Strauch mit Milchsaft wird bis zu 2 m
hoch. Die lanzettähnlichen Blätter sind gegenständig und oft zu 3 quirlig angeordnet.
Die Blüten mit weisser 5-zähliger Krone sind in gestielten, hängenden doldenartigen Blütenständen
angeordnet.
Die Fruchtkapseln sind aufgeblasen, eiförmig
und weich stachelig.
Die aufgesprungene Kapsel sieht wie reife Baumwolle aus.
Die Samen sind giftig!
Die Zierpflanze ist im ganzen Mittelmeergebiet
und den Kanaren verwildert. Sie wächst an Flussufern und an feuchten Stellen in der Nähe der
Küste.
Die Pflanze stammt ursprünglich aus Südafrika.
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Alraune
†
Mandragora officinarium
Die Blätter spriessen rosettig aus einer dicken, verzweigten Pfahlwurzel. Die Blätter sind eiförmig, 15 – 25
cm lang, gezähnt und gewellt. Die röhrenförmigen und
violetten Blüten befinden sich im Zentrum der Rosette.
Die Frucht ist eine 25-30 mm grosse, gelb-orange
Beere. Die Alraune wächst auf steinigen, sehr
trockenen und öden Plätzen.
Der berühmte griechische Arzt und Kräuterkundige
Dioskurides nimmt von Hereusis, der Göttin der
Erfindungskunst, die magische und menschengestaltige Alraunenwurzel entgegen
Botanisch zählt sie zur Familie der Nachtschattengewächse und ist nahe mit Stechapfel, Tollkraut
und Tollkirsche verwandt. Diese Verwandtschaft wurde schon von Theophrast erkannt. Nach ihm
waren Alraune und Tollkirsche Geschwister. Die Alraune kommt hauptsächlich in den wärmeren
Gebieten Südosteuropas und Westasiens, aber auch in Nordafrika vor. Im alten Ägypten war die
Alraune Symbol der Liebe und ein geschätztes Aphrodisiakum. Sie wurde meist im
Zusammenhang von Eros und Sinnlichkeit dargestellt. Besonders beliebt war ein mit der Alraune
versetzter Wein. Er enthielt sehr berauschende und aphrodisische Kräfte. Der Papyrus Ebers,
die älteste von allen überlieferten medizinischen Rezeptsammlungen der Welt, ist voller Hinweise
auf den Gebrauch der Alraune. Ein Rezept empfiehlt einen aus Alraunenfrüchten, Milch, Honig,
«Kräutern des Feldes» und Wein gekochten Sud. Die Griechen liebten die Alraune genauso wie
die Ägypter. Bei ihnen galt sie nicht nur als ein Aphrodisiakum für Menschen, sondern wurde
auch von den liebestollen Satyrn verspeist. Für die verwandte Tollkirsche, nach deren Genuß
verführerische Frauen zu scheu sein sollen, gibt Theophrast ein genaues Rezept an: «Die Blätter
der Mandragora zusammen mit Gerstenkörnern sollen gut sein für Geschwüre, und die
abgeschabte Wurzel in Essig eingeweicht, ist gut gegen die Rose und Gicht, als Schlafmittel und
Liebestrank. Sie wird mit Wein oder Essig eingegeben. Man schneidet sie in kleine Scheiben, die
dann eingefädelt und in den Rauch gehängt werden.»
Die Alraune war allen altorientalischen Völkern gut bekannt. Überall wurde sie als Liebesmittel,
Aphrodisiakum, Narkotikum, Rauschmittel und Medizin benutzt. Besonders berühmt wurde eine
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Textstelle aus dem Alten Testament. Darin ist die aphrodisische Kraft der Liebesäpfel - das sind
die Alraunenfrüchte - von Gott abgesegnet (Gen. 30, Vers. 14 – 17).
Die Kraft der Alraune wurde im Altertum bereits stark mythologisiert. Da die Wurzel nicht nur viele
medizinische Eigenschaften aufwies, sondern auch das geschlechtliche Verlangen steigerte und
bei Unwilligen Liebesverlangen erregte, wurde sie zur bedeutendsten Zauberwurzel. Hinzu kam
noch ihre leicht anthropomorphe Gestalt. Die ganze Pflanze war von einer geheimnisvollen Aura
umgeben. Es hieß, sie habe eine menschengestaltige Seele, die den Rhizotomen, den
Wurzelgräber, mit einem Schmerzensschrei töten könnte, wenn sie aus dem Erdreich gezogen
werde. Bald entwickelten sich Rituale mit denen nach der Wurzel gegraben wurde, und es
entstanden Geschichten von wundersamen Ereignissen im Zusammenhang mit der Wurzel.
Diese Überlieferungen lebten bis ins Mittelalter fort
«Wunderbar und kaum glaublich ist, was der ernste und achtungswürdige Geschichtsschreiber
Josephus in seiner Geschichte Jerusalems von der Wurzel Baaras [Alraune] ... erzählt, dass sie
nämlich von feuerroter Farbe sei und bei Nacht einen Glanz verbreite, aber sehr schwer zu
bekommen sei, indem sie den Händen und Augen des nach ihr Greifenden entgehe und nicht
eher nachgebe, als bis sie mit dem Urin einer Menstruierenden besprengt werde. Aber auch auf
diese Art wird die Wurzel nicht ohne Gefahr herausgerissen, denn es trifft den, der sie
herauszieht, augenblicklich der Tod, wenn er nicht durch ein Amulett von der gleichen Wurzel
geschützt ist. Deshalb graben diejenigen, welche kein solches Amulett haben, ringsherum die
Erde auf, binden mit einem Strick einen Hund an die Wurzel und entfernen sich sogleich. Der
Hund, welcher sich alle Mühe gibt loszukommen, reißt die Wurzel heraus und stirbt nun an der
Stelle seines Herrn. Jetzt kann jeder diese Wurzel ohne Gefahr in die Hand nehmen.»
Später kam die Sage vom «Galgenmännlein» auf. Sie wurzelt wahrscheinlich in einer
altgermanischen Tradition. Wie Tacitus berichtet, wurden bei den Germanen die Frauen, die in
die Vergangenheit und die Zukunft sehen konnten, Alrunen oder Alraunen genannt. Runa
bedeutet «Geheimnis», alruna «die Geheimnis Wissende», aber auch «die Runen kennende».
Die Runen waren Zauberzeichen, die Odin/ Wotan, der Gott der Ekstase, des Wissens, des
Rausches und der Dichtkunst, ersann, als er neun Tage am Weltenbaum hing. Runen waren also
das Geheimnis des Gehenkten. Das Henken war damals eine verbreitete Hinrichtungsmethode.
Niemandem blieb dabei verborgen, dass die Gehenkten im letzten Augenblick ihres Lebens noch
einen «letzten Abgang», eine Ejakulation, erlebten. Diesem wundersamen, nicht durch erotische
Betätigung gewonnenen Samen wurden Zauberkräfte nachgesagt. Man glaubte, wenn er die
Mutter Erde benetze, befruchte er sie. Dann würde aus ihr eine Wurzel von besonderer Kraft
wachsen. Diese Wurzel sei das mächtigste Aphrodisiakum und Amulett. Wird die Wurzel mit
verschiedenen Ritualen zum Leben erweckt, entsteht aus ihr das Galgenmännlein.
In der frühen Neuzeit wurde die Alraune zu einer Hexenpflanze
und zu einem wichtigen Bestandteil der Hexensalbe. Diese
auch Buhl- oder Flugsalbe genannt, sollen sich die Hexen nach
dem Volksglauben auf die Schleimhäute von Vagina und Darm
auftragen. Bald darauf fuhren Sie aus ihrem erstarrten Körper
aus und flogen durch die Lüfte zum Hexensabbat.
(Die Hexensalben enthielten neben der Alraune noch Opium,
Haschisch, Betel, Schierling, Tollkirsche, Stechapfel und
Bilsenkraut.)
Die Alraune und die Sage vom Galgenmännlein haben
unzählige literarische und künstlerische Bearbeitungen
erfahren. Selbst in modernen Comic strips taucht das
Motiv der Alraune und des in ihr schlummernden Geistes
wieder auf. (Titelblatt eines mexikanischen Comic-Heftes)
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Sodomsapfel
†
Solanum
sodomaeum
Der zu den Nachtschattengewächsen gehörende
Sodomsapfel ist ein stacheliger und etwa 1m
hoher Strauch. Die Blätter und der Stängel sind mit
steifen, gelben Stacheln bewehrt. Die Blüten sind
gross und violett. Die Frucht ist eine glänzende,
gelbe, harte und 2 cm grosse Frucht („Apfel“).
Der Sodomsapfel kommt im ganzen Mittelmeerraum auf sandigen Flächen oder an Wegrändern
vor.
Wahrscheinlich ist der „Apfel von Sodom“ eine
andere Pflanzenart – nämlich der Palästina-Nachtschatten/Jericho-Tomate (Solanum incanum).
Siehe Weinstock Sodoms in 5. Mose/Deuteronomium 32,32 oder Micha 7,4 (Dornstrauch,
hebr. hedeq).
.
Stechapfel
Datura
stramonium
Der bis zu 1m hohe und stark verzweigte Stechapfel
lebt nur ein Jahr. Die weissen Blüten sind lang und
röhren- bis trichterförmig. Die grüne Frucht ist eine
längliche und stachelige Kapsel.
Der Stechapfel kommt auch in der Schweiz in
warmen Lagen auf Schuttplätzen, Wegrändern oder
Äckern vor.
Die Pflanze ist sehr giftig und narkotisch; sie enthält
die Alkaloide Hyoscyamin, Hyoscin und Scopolamin.
Der Grieche Theophrast schrieb: „Nach Einnahme
von 3/20 einer Unze wird der Patient fröhlich und
meint, er sei der Held des Tages, 2mal die Dosis und
er wird bösartig mit Wahnvorstellungen, 3mal dieselbe und er bleibt dauernd irr, 4mal die Dosis und er
ist tot.
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Rizinus
†
Ricinus communis
Seit etwa 4000 v. Chr. wird diese Pflanze in
Ägypten
angebaut.
Sie
wächst
in
Klimagebieten ohne Winterfrost zu einem
kleinen Baum heran, sonst kann sie nur als
einjährige Pflanze angebaut werden. Die
grossen marmorierten Samen enthalten
etwa 50 % Öl, das ausgepresst werden
kann. Die Samen sind sehr giftig, die
Giftstoffe bleiben beim Pressen jedoch in
den Rückständen. Das Öl kann für
medizinische Zwecke (z.B. Abführmittel)
verwendet werden.
Rizinuspflanzen sieht man in Italien
vorwiegend auf Schuttflächen, Strassenrändern oder auf Parkplätzen.
Jasmin-Arten
Als Rohstoffe zur Parfümherstellung dienen zahlreiche
verschiedene Jasminarten. Mit den Jasminblüten werden
auf Sizilien auch Glacen oder Kuchen aromatisiert. Zu
diesem Zweck wird in Gärten oder Plantagen Jasmin
angepflanzt. Wildwachsend ist im Mittelmeerraum der
gelbe Jasminum fruticans. Auf Madeira und den Kanarischen Inseln gedeiht ebenfalls der gelbe, äusserst
wohlriechende und wilde Jasminum odoratissimum.
Jasminum grandiflorum (Varietät von J. officinale)
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