Oracle Insights: Tales from the Oak Table

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26.07.2007
12:39 Uhr
Seite 73
Buchbesprechung
Oracle Insights: Tales from the Oak Table
gelesen von Dr. Frank Haney
Im Allgemeinen ist die Besprechung von Sammelbänden ein schwieriges Geschäft. Im vorliegenden Fall sind die Autoren jedoch nicht
nur seit vielen Jahren im Oracle-Umfeld tätig,
sie eint auch die mehr oder weniger leidvollen
Erfahrungen aus diversen Projekten. Das ist einer der Gründe, warum sie sich im Oak Table
Network zusammengeschlossen haben.
Anliegen, Geschichte und
Aktivitäten dieses informellen Zusammenschlusses von Oracle-Experten
erläutert Mogens Nørgaard in seiner Einführung. Daran schließen
sich zwölf interessante
Beiträge an. Diese stellen
nicht einfach nur Features nebeneinander, sondern betrachten sie auch
in ihrem historischen
Kontext.
Ohne Kenntnis der
Geschichte kann man die
Gegenwart nicht verstehen. Dieser Ansatz bleibt in den
meisten technisch orientierten Oracle-Büchern unberücksichtigt. Dave Ensor stellt in seinem Beitrag "A Brief History
of Oracle" dar, wie sich Oracle bei der Durchsetzung des relationalen Datenmodells entwickelt hat. Nicht nur theoretisch interessant ist hier ein Abriss zur Umsetzung der
Coddschen Regeln durch Oracle. Den größten Anteil in diesem längsten Beitrag des Bandes hat die Abfolge der OracleVersionen, die durch praktische Probleme induziert ist.
Auch bei differenzierter Betrachtung ist der Text eine Bereicherung – das gilt vor allem für die ein oder andere kritische Bemerkung zu neuen Features wie Real Application
Cluster oder Flashback.
Der überwiegende Teil der Beiträge beschäftigt sich mit
den aus eskalierenden Projekten gewonnenen Konsequenzen für das Performance-Tuning. Das ist teilweise sogar
recht amüsant, obwohl es die Beteiligten sicherlich nicht
immer so empfunden haben mögen. Die Diskussion fokussiert sich auf die Entwicklung einer Methode zur
Performance-Diagnostik, um zu vermeiden, was G. K.
Vaidyanatha "Compulsive Tuning Disorder" nennt. Dahinter verbirgt sich das Insistieren in beliebige Benchmarks
und Hit Ratios. Zwei Schwerpunkte kristallisieren sich heraus: Wo wird erstens die Antwort-Zeit tatsächlich verursacht? Deren Lokalisierung erfordert vor allem den Zugriff
auf das Oracle Wait Interface. Oracle ist hierfür, wie keine
andere Datenbank, umfassend instrumentalisiert – diese
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Daten gilt es für die Diagnostik zu nutzen. Zweitens darf
man sich nicht auf isolierte Bereiche oder Aktionen konzentrieren, sondern sollte auf eine End-to-End-Analyse
setzen. Das bedeutet einerseits, die Aktionen der Benutzer
in ihrem logischen Zusammenhang als Ganzes zum
Ausgangspunkt der Untersuchung zu machen, andererseits
nach Möglichkeit die verschiedenen Schichten der komplexen Infrastruktur einzubeziehen.
Einige wichtige Punkte dieser Diskussion sind:
1. Die Autoren stellen an verschiedenen Stellen die Bedeutung von Extended SQL Tracing für die Performance-Diagnostik heraus (Details dazu bei C. Millsap
und J. Holt: Optimizing Oracle Performance, O’Reilley,
2003). Trotz der neuen Möglichkeiten in Oracle 10g,
wie die Active Session History sowie der erweiterte Zugriff auf das Wait Interface (beispielsweise durch die
Warteklassen-Statistik), sollte diese Methode ihren
Platz bei der Analyse komplizierter PerformanceProbleme behalten. Nicht umsonst wird bei 10g mit
dem Package DBMS_MONITOR eine unterstützte
Schnittstelle für das Extended SQL Tracing geboten.
2. Die Performance-Diagnostik, sei es durch die V$-Views
oder das Extended SQL Tracing, bedeutet immer eine
zusätzliche Last für das System. Die Abfrage der Views
ist beispielsweise mit dem Parsen und Ausführen von
SQL verbunden und führt unter Umständen zu internen Konflikten beim Zugriff auf den Library-Cache. Bei
Datenbanken, die bereits hängen beziehungsweise extrem langsam sind, ist nicht mit brauchbaren Resultaten zu rechnen. Einen Ausweg bietet der Direktzugriff
auf die SGA (Direct Memory Access). Deren Grundlagen stellt Kyle Hailey in seinem Beitrag sehr verständlich dar (Details siehe Appendix D von R. Shee,
K. Deshpande und K Gopalakrishnan: Oracle Wait Interface: A Practical Guide to Performance Diagnostics
& Tuning, McGraw-Hill/Osborne, 2004). Natürlich ist
dazu eine Applikation nötig, die diesen Zugriff realisiert. Zu diesem Zweck ist in 10g der direkte Zugriff auf
die SGA als Option in die Performance-Diagnostik im
Enterprise Manager integriert.
3. Jeder, der in einer frühen Phase zu einem Oracle-Projekt hinzugezogen wurde, wird normalerweise mit der
Frage konfrontiert, wie mit RAID 5 ein teures StorageSystem effizienter zu nutzen sei. In dieser Hinsicht
agieren Autoren ganz entschieden: Die Einsparung an
Plattenplatz wird in der Regel mit gravierenden Nachteilen für die Performance erkauft, sodass das Ganze im
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Security
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IT-Sicherheit
Endeffekt sogar teurer kommt. Da es die Protagonisten
des Bandes überdrüssig sind, diese Diskussion mit jedem Projekt wieder neu zu führen, haben sie unter dem
Wahlspruch "Enough is Enough" eine Vereinigung gegründet, die Battle Against Any RAID Five (BAARF).
Was auf den ersten Blick scherzhaft erscheint, ist mit
einer Vielzahl harter Argumente untermauert, die unter http://www.baarf.com nachzulesen sind. Die Vereinigung steht allen Gleichgesinnten offen.
Titel: Oracle Insights: Tales from the Oak Table
Autoren: Mogens Nørgaard et al.
Verlag: Apress
Sprache: Englisch
Seiten: 420
ISBN: 1590593871
Preis: 35,10 Euro
Fazit
Das Buch ist sehr lesenswert und jedem wärmstens zu
empfehlen, der sich über die technischen Details hinaus für
dieses oder jenes Feature oder eine bestimmte DatenbankVersion interessiert.
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Kontakt:
Dr. Frank Haney
[email protected]
www.doag.org
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