Vorwort - Hugendubel

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Vorwort
Das vorliegende Werk ist als Fortsetzung meines 2011 erschienenen Buches „Grundlagen der Horoskop-Deutung“ zu
verstehen. Es soll dem Astrologie-Studierenden ein solides
Grundgerüst vermitteln, das ihn in die Lage versetzt, zeitliche Entfaltungen im Horoskop zu erkennen und diese sinnvoll in die Zukunft zu projizieren. Kenntnisse über Planeten,
Aspekte, Tierkreis und Häuser werden vorausgesetzt.
Zunächst muss darauf hingewiesen werden, dass es sich bei
der astrologischen Prognose um ein Verfahren handelt, das
sehr häufig auch in Bezug auf die Vergangenheit angewendet wird. Indem der Astrologe zurückliegende Lebensphasen
in ihrem Verlauf untersucht, kann er wichtige Erfahrungen für
die Zukunft sammeln. Er sieht, wie sich ein Horoskop in der
Zeit entfaltet und entwickelt die Fähigkeit, zukünftige Konstellationen kreativ mit Leben zu erfüllen. Dementsprechend
werden in diesem Buch ausschließlich zurückliegende Ereignisse untersucht.
Zur Verdeutlichung zeitlicher Abläufe dienen drei klassische
Techniken: Die Transite, die Sekundärprogression und die
Sonnenbogendirektion. Alle drei Methoden sind weit verbreitet. Sie lassen sich sehr gut miteinander kombinieren und
bewähren sich in meiner Praxis seit vielen Jahren.
Da es sich um ein Grundlagen-Buch handelt, habe ich versucht, den Stoff möglichst übersichtlich zu gestalten und
mich auf die – im wahrsten Sinne des Wortes – grundlegenden Zusammenhänge zu konzentrieren. Diese sind bereits
hinreichend geeignet, um die wichtigsten Themenentfaltun10
gen und Entwicklungen im Leben eines Menschen aufzuzeigen.
Wer noch größere Genauigkeit erzielen möchte, sollte zusätzlich mit Halbsummen arbeiten. Zu diesem Thema kann
ich Ihnen mein Buch „Halbsummen in der Astrologie“
(Astronova, 2011) empfehlen.
„Grundlagen der astrologischen Prognose“ enthält zahlreiche
Beispiele, denn erst in der Praxis zeigt sich die Wirksamkeit
eines Systems. Um den Leser nicht mit zu vielen Informationen zu überfrachten, habe ich bei allen Untersuchungen nur
die meiner Ansicht nach wesentlichen Konstellationen herausgegriffen. Auch wurde auf die Angabe von Gradzahlen
weitgehend verzichtet. Den größten Gewinn werden Sie erzielen, wenn Sie die entsprechenden Konstellationen eigenständig mit Hilfe eines Astrologie-Programms nacharbeiten.
Die Deutungen sind in einfachen, knappen Worten gehalten,
soweit möglich wurde darauf geachtet, elementare, wiederkehrende und einprägsame Grundbegriffe zu verwenden.
Obwohl der psychologische Aspekt in einem solchen Fall
etwas in den Hintergrund tritt, bedeutet dies keineswegs,
dass nicht auch eine mehr psychologisch orientierte Deutungsweise möglich oder sinnvoll sein kann. Jedoch sollte
man vor diesem Schritt die Grundlagen und deren Anwendung verinnerlicht haben.
Natürlich beinhaltet ein Buch zur astrologischen Prognose
auch immer die zentrale Frage, ob der Mensch determiniert
ist oder den freien Willen besitzt. Wie die meisten meiner
Kollegen bin ich der Ansicht, dass wir unser Leben selbst
bestimmen können – mit gewissen Einschränkungen (siehe
hierzu die Einleitung). Letztendlich gehört die Frage nach der
Schicksalhaftigkeit zu den elementaren philosophischen
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Problemstellungen. Sie kann nicht endgültig geklärt, sondern
nur von jedem Einzelnen für sich beantwortet werden.
Am Ende des Buches finden Sie einen Nachschlageteil mit
Interpretationsvorschlägen für alle Auslösungsmöglichkeiten.
Diese können als Anregung dienen, sollten jedoch niemals
das eigenständige Deuten ersetzen.
Abschließend bitte ich um Verständnis dafür, dass bei geschlechterübergreifenden Formulierungen in der Regel nur
die männliche Form gewählt wurde. Den Text in beiden
Formen – männlich und weiblich – zu verfassen, hätte die
Lesbarkeit erschwert ohne den Informationsgehalt zu erhöhen. Eine sexistische Einstellung liegt keinesfalls zu Grunde.
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude und positive Erkenntnisse bei der Lektüre.
Inning am Ammersee im Februar 2013
Olaf Staudt
Einleitung
Zweifellos haben wir es gerade bei der Prognose mit einem
besonders faszinierenden Bereich der Astrologie zu tun.
Während einige Astrologen Prognosen grundsätzlich ablehnen und sich ausschließlich auf die psychologische bzw.
charakterliche Deutung des Geburtsbildes beschränken, sind
andere geradezu besessen von der Vorstellung, zukünftige
Entwicklungen oder Ereignisse vorauszusehen. Die meisten
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Laien halten den „Blick in die Zukunft“ ohnehin für das zentrale Thema jeder astrologischen Tätigkeit.
Tatsächlich stellt die Astrologie ein mächtiges Werkzeug dar,
mit dem es möglich ist, Energien zu beschreiben, die zu einer bestimmten Zeit im Leben eines Menschen oder allgemein auf unserer Erde wirksam sind. Diese Möglichkeit verleitet Astrologen immer wieder dazu, Aussagen über die Zukunft in Form konkreter Prognosen zu machen, die sich im
Nachhinein nicht selten als falsch herausstellen. Leider sind
es gerade die reißerischen und verantwortungslosen Prognosen, welche die Astrologie angreifbar machen und zu ihrem schlechten Ruf beitragen.
Nun muss man in diesem Zusammenhang wissen, dass das
prognostische Element seit jeher eng mit der Astrologie verknüpft war. Allerdings war es in früheren Zeiten bedeutend
einfacher, astrologische Vorhersagen zu machen, da die
damals herrschenden Lebensverhältnisse dem Individuum
weit weniger Entscheidungsmöglichkeiten hinsichtlich seiner
Lebensplanung ließen.
Heutzutage haben die Menschen – zumindest jene in unserer westlichen Gesellschaft – die Möglichkeit, ihr Leben weitgehend selbst in die Hand zu nehmen. Abhängig vom Bewusstseinsgrad und der Entwicklungshöhe bestimmen sie,
auf welche Art und Weise sie ihre astrologischen Konstellationen zum Ausdruck bringen möchten.
Dementsprechend geht heute kaum mehr jemand davon
aus, dass die Zukunft unabänderlich feststeht und wir unserem Schicksal unausweichlich ausgeliefert sind. Vielmehr
besteht die Vorstellung, dass wir durch unser gegenwärtiges
Verhalten – bewusst oder unbewusst – die Zukunft mitgestalten. Natürlich können wir die in unserem Horoskop wirksamen Planetenstellungen nicht verändern. Die Art und Wei13
se aber, auf welche sich diese manifestieren, können wir
sehr wohl beeinflussen. Mit anderen Worten: Unseren Konstellationen müssen wir uns stellen, auf welche Weise wir
dies tun, liegt in unserer Hand.
Dennoch – so einfach wie beschrieben ist die Selbstbestimmung keineswegs: Trägheit und Bequemlichkeit liegen zu
einem gewissen Grad in der Natur des Menschen. Dadurch
werden wir immer wieder veranlasst, möglichst lange in einer
gewohnten Situation zu verharren. Veränderungen werden
erst angestrebt, wenn der Druck zu groß wird oder man bereits in eine Krise geraten ist. Wir können also davon ausgehen, dass ein Mensch umso freier ist, je besser er mit sich
selbst und seinen Bedürfnissen in Kontakt steht. Er ist dann
in der Lage, bewusst Veränderungen anzustreben und die
für seine Entwicklung notwenigen Schritte einzuleiten.
Dies bedeutet allerdings nicht, dass wir unser Leben vollständig im Griff haben können, wenn wir nur über genügend
Bewusstheit und Kenntnis der eigenen Persönlichkeit verfügen. Auch sehr hoch entwickelte Menschen werden immer
wieder mit existentiellen Krisen konfrontiert, die ihnen alles
abfordern. Fragen nach dem Warum führen in solchen Situationen in aller Regel nicht zum Ziel. Viel eher kommt es darauf an, wie der Betroffene mit den schicksalhaften Ereignissen umgeht und was er daraus macht.
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Grundsätzliches zur Prognose
Das Wort „Prognose“ stammt aus
dem Griechischen und bezeichnet
das Wissen um einen Umstand
oder eine Entwicklung vor deren
Eintreten (prognosis, wörtlich „das
Vorwissen“,
die
„VorausKenntnis“).
Zumeist werden die Begriffe
„Prognose“
und
„Vorhersage“
fälschlicherweise gleichgesetzt mit der Ankündigung eines
unabänderlichen Ereignisses. Wie bereits in der Einleitung
angedeutet wurde, hält eine solche Gleichsetzung aber weder der Realität stand, noch kann sie sinnvoll sein. Eine richtig verstandene astrologische Prognose sollte vielmehr die
Absicht verfolgen, zukünftige Tendenzen und Entwicklungspotentiale zu beschreiben. In diesem Fall kann das „Vorwissen“ um das Vorhandensein bestimmter Energien dem Horoskopeigner helfen, sein Leben sinnvoller, erfüllender und
erfolgreicher zu gestalten.
Natürlich sind Prognosen nicht auf die Astrologie beschränkt.
Denken Sie nur daran, wie oft wir alle von Zeit zu Zeit Dinge
voraussagen: Das Wetter, den Ausgang eines Sportereignisses, wie unser Verkaufsgespräch diesen Nachmittag verlaufen wird usw. Wir tun dies, indem wir uns auf Erfahrungen
der Vergangenheit stützen und davon ausgehen, dass unter
ähnlichen Bedingungen etwas Ähnliches geschehen wird.
In der Astrologie verfahren wir ebenso. Wir rechnen damit,
dass ähnlich geartete Konstellationen mit ähnlich gearteten
Ereignissen bzw. Entwicklungen zusammenfallen. Diese
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Methode erscheint auf den ersten Blick relativ einfach. Tatsächlich haben wir es bei der Prognose jedoch mit dem anspruchsvollsten Bereich der Astrologie zu tun. Während es
mit einiger Übung bereits nach relativ kurzer Zeit möglich ist,
wichtige Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsanteile
im Horoskop zu erkennen, erfordert die Fähigkeit, sinnvolle
und stimmige Prognosen zu erstellen, langjährige Erfahrung.
Dies hängt vor allem damit zusammen, dass ein Horoskop
zunächst nichts anderes ist als eine abstrakte Sternkarte. Es
zeigt die Planeten-Konstellationen zu einem bestimmten
Zeitpunkt, bezogen auf einen bestimmten Ort der Erde. Zwar
lässt sich durch das Zusammenspiel der verschiedenen astrologischen Symbole ermitteln, welche Themen zu einer
bestimmten Zeit in den Vordergrund rücken. Wie der Betreffende mit der sich entfaltenden Thematik umgeht, kann jedoch, wie erwähnt, nicht mit Sicherheit bestimmt werden.
Für eine sinnvolle prognostische Arbeit ist daher ein Bezugsrahmen nötig. Um die astrologische Symbolik auf eine individuelle Ebene bringen zu können, muss der Astrologe im Beratungsgespräch zumindest in Grundzügen darüber informiert sein, worum es im Leben seines Klienten geht. Nur auf
diese Weise lässt sich eine Projektionsmöglichkeit für die
Zukunft entwickeln.
Stellen wir uns zwei Kinder vor, die zur gleichen Zeit mit einem fast identischen Horoskop geboren werden. Während
das eine in Deutschland in Wohlstand aufwächst, wird das
andere in Thailand in eine arme Bauernfamilie hineingeboren. Zweifellos werden die Charaktereigenschaften und Lebensläufe der beiden Individuen gewisse Ähnlichkeiten aufweisen, die Ebene aber, auf der sich die astrologischen
Symbole manifestieren, wird eine völlig andere sein. Eine
sinnvolle Projektion in die Zukunft dieser beiden Kinder kann
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nur unter Kenntnis ihrer verschiedenen Lebensrealitäten
erfolgen.
Jedes bedeutende Ereignis wird von wichtigen astrologischen Konstellationen begleitet. Umgekehrt jedoch
korreliert nicht jede wichtige Konstellation mit einem
Ereignis. Bisweilen geschieht es, dass die Lebensumstände
die Manifestation einer bestimmten Planeten-Energie nicht
zulassen. Sie sollten daher immer den gesunden Menschenverstand walten lassen und davon ausgehen, dass in der
Regel nur das geschehen kann und wird, was möglich und
realistisch ist.
Um tiefer in die zeitlichen Muster eines Geburtsbildes einzudringen, empfiehlt es sich zunächst, viele Ereignisse aus der
Vergangenheit zu untersuchen. Auf diese Weise kann der
Astrologie-Studierende zurückliegende Erfahrungen in ihrem
Verlauf begreifen und ein Gefühl dafür entwickeln, wie zukünftige Themenstellungen mit Leben erfüllt werden können.
Er beginnt zu verstehen, wie sich ein Horoskop in der Zeit
entfaltet.
Formulierung eines PrognoseSystems
Unsere heutige Astrologie ist ungemein komplex. Es gibt derart
viele Techniken und Herangehensweisen, dass sich der Studie17
Studierende in dieser Vielfalt leicht verlieren kann. (Besuchen Sie einige Astrologie-Foren im Internet und Sie werden
verstehen, was ich meine.) Erliegen Sie der Versuchung, alle
Informationen, die Sie im Laufe Ihres Studiums angesammelt haben, anwenden zu wollen, werden Sie schnell bemerken, dass Ihre Astrologie die notwendige Klarheit verliert.
Dies gilt in besonderer Weise für den komplizierten Bereich
der Prognose.
Ein Prognose-System sollte einfach und dennoch effektiv
sein. Der symbolische Gehalt aller wichtigen Entwicklungen
und Wendepunkte im Leben sollte sich in den Konstellationen widerspiegeln und somit erfassbar sein. Es versteht sich
von selbst, dass konkrete Ereignisse sich in der Regel erst
durch die Metagnose, d.h. die nachträgliche Untersuchung,
bestätigen.
Das hier vorgestellte System erfüllt diese Kriterien. Es besteht aus drei Techniken, die sich ergänzen und kombinieren
lassen. Diese sind:
-
die laufenden Planeten oder Transite
die Sekundärprogression
die Sonnenbogendirektion
Alle drei Methoden lassen sich als klassisch bezeichnen. Sie
haben ihren Wert über viele Jahrhunderte hindurch bewiesen und werden auch bei Ihnen funktionieren, die richtige
Anwendung vorausgesetzt. Das von mir empfohlene System
ist stark an der Praxis ausgerichtet und eignet sich besonders gut für den beratenden Astrologen, dem es darauf ankommt, mit verhältnismäßig geringem Zeitaufwand die wichtigen Lebensthemen zu erfassen.
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Einige Bemerkungen
zu den Häusern
Lassen Sie mich, bevor wir uns den
genannten
Prognose-Techniken
zuwenden, ein paar Bemerkungen zu
den astrologischen Häusern machen:
Während die Aspekte zu den verlässlichsten Deutungselementen in der Astrologie gehören, wurden die Häuser im
Laufe der Geschichte immer wieder kontrovers diskutiert.
Einige astrologische Schulen haben den Gebrauch von Häusern sogar ganz aufgegeben. Tatsächlich lassen sich sowohl
für die Anhänger als auch für die Skeptiker gute Argumente
finden. Für eine Verwendung der Häuser spricht der Gedanke, dass sie eine differenzierte Raumbeschreibung des Horoskops ermöglichen und so unsere individuelle Prägung
noch besser zum Ausdruck bringen. Dagegen sprechen die
vielen Unwägbarkeiten bei der Anwendung.
Entscheidet man sich dafür, die Häuser einzubeziehen,
muss man folgende Fragen für sich klären:
-
Für welches der zahlreich existierenden Häusersysteme entscheide ich mich?
Soll ich die klassischen oder die modernen Herrscher
verwenden, oder vielleicht gar keine?
Wo beginnt die Wirkung der einzelnen Häuser? Kann
man ihnen überhaupt klar abgegrenzte Bereiche zuordnen?
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Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion über die verschiedenen Haussysteme entfachen, die alle mathematisch
korrekt sind, sondern meine eigene Herangehensweise erläutern:
Zunächst muss betont werden, dass man auch ohne Häuser
zu sehr treffenden Deutungen kommen kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Kosmobiologie nach Reinhold Ebertin, die
Häuser grundsätzlich ablehnt und sich bei ihren Aussagen
ganz auf die Winkel und Halbsummen der Gestirne stützt –
mit sehr überzeugenden Ergebnissen.
Obwohl ich mich intensiv mit der Ebertin-Methode beschäftigt habe und diese sehr schätze, bin ich der Ansicht, dass
Häuser prinzipiell nützlich sein können. Allerdings verwende
ich sie ausschließlich bei der Analyse des Geburtshoroskops
und im Zusammenhang mit den Transiten. Dabei deute ich
die Hausstellungen der einzelnen Planeten zurückhaltend
und betrachte die Aspekte stets als übergeordnet.
Wie die meisten Astrologen heutzutage vertraue ich auf die
Placidus-Häuser, wobei ich nicht ausschließen möchte, dass
man auch mit anderen Haussystemen gute Ergebnisse erzielen kann. Befindet sich ein Planet am Ende eines Hauses
(ungefähr im letzen Sechstel), wird er bereits im nächsten
Haus gedeutet.
Auf die Häuserherrscher verzichte ich bei der prognostischen Arbeit vollständig. Meiner Erfahrung nach ist die Verlässlichkeit dieses komplexen Systems nicht sehr groß und
die vielen Querverbindungen stiften mehr Verwirrung als sie
Nutzen bringen.
Bei der Sekundärprogression und der Sonnenbogendirektion
berücksichtige ich nicht einmal die Hausstellungen. In beiden
Systemen bewegen sich die Planeten so langsam, dass sie
Jahrzehnte in einem Haus verweilen. Einzige Ausnahme ist
der progressive Mond, der sich relativ schnell bewegt und
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dessen Hauspositionen durchaus in die Deutung einbezogen
werden können. Ich persönlich verzichte jedoch auch auf
diese Möglichkeit.
Während die Aspekte zum Verlässlichsten in der Astrologie gehören, sind die Häuser nicht unumstritten.
Tatsächlich kann man auch ohne sie zu sehr stimmigen Deutungen kommen. Ich empfehle Ihnen, die
Häuser sparsam zu verwenden. Den Großteil der Informationen können Sie den Aspekten entnehmen.
Die laufenden Planeten oder
Transite
Transite zählen zu den wichtigsten
und ältesten Prognose-Methoden
in der Astrologie. Sie stellen eine
ebenso
einfache
wie
aussagekräftige Technik dar, um
Energien und Themenbereiche zu beschreiben, die zu bestimmten Zeiten aktiviert werden bzw. in den Vordergrund
rücken.
Unter den Transiten versteht man die Übergänge der laufenden Gestirne über die Faktoren eines Horoskops. Dabei wird
das individuelle Geburtsbild mit den Gestirnskonstellationen
einer beliebigen Zeit verglichen. Man legt gewissermaßen
zwei Horoskope aufeinander und analysiert die Winkelbezie-
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hungen zwischen den Planeten und Faktoren der beiden
Kosmogramme.
Aspektiert ein Transit-Planet einen Radix-Faktor, so wirkt er
mit seinen spezifischen Eigenschaften auf diesen ein. Man
kann sich den laufenden Planeten als einen Sender vorstellen, der seine Bedeutungsinhalte an den Radix-Planeten –
den Empfänger – übermittelt. Während der Dauer des Transits wird der Horoskopeigner dazu aufgefordert, sich mit den
Themen der neu entstandenen Planetenverbindung auseinanderzusetzen.
Je langsamer sich ein Planet bewegt, umso länger
dauern seine Transite. Je länger Transite dauern,
umso wichtiger sind sie. Aus diesem Grund
konzentrieren wir uns bei der Arbeit mit den
laufenden Planeten in erster Linie auf die fünf langsamen
Wandler – Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto.
Rückläufigkeit
Von der Erde aus betrachtet werden alle Planeten (außer
Sonne und Mond) in regelmäßigen Abständen rückläufig.
Dieses Phänomen resultiert aus dem Umstand, dass auch
die Erde nicht still steht, sondern sich gemeinsam mit den
anderen Planeten um die Sonne bewegt. Die Planeten werden zunächst immer langsamer, bevor sie sich nach einem
Stillstand rückwärts durch den Tierkreis bewegen. Ein erneuter Stillstand leitet den Wechsel zur Direktläufigkeit ein. Die
Planeten beginnen sich wieder vorwärts zu bewegen.
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Aufgrund der Rückläufigkeit aspektiert ein langsamer Transit-Planet einen Horoskopfaktor in der Regel mehrfach. Typisch sind drei Übergänge mit einer direkten, einer rückläufigen und einer erneut direkten Bewegung. Es kommen aber
auch einfache und fünffache Übergänge vor.
Perioden, in denen die Planeten aufgrund ihres Richtungswechsels am Himmel scheinbar still stehen, bezeichnet man als stationäre Phasen. Aspektiert ein
Planet während einer solchen stationären Phase einen Faktor des Geburtshoroskops, so bleibt der Transit über längere
Zeit bestehen. Die Wirkung ist dann besonders nachhaltig.
Orben
Wir sollten uns bei der Arbeit mit den Transiten darüber im
Klaren sein, dass die Exaktheit eines Aspektes die Vollendung oder den Höhepunkt eines Prozesses symbolisiert, der
sich bereits in der Entwicklung befindet.
Formt im Horoskop eines Menschen beispielsweise der laufende Saturn ein Quadrat zur Venus, erwarten wir entweder
eine positive Umstrukturierung oder aber eine ernsthafte
Überprüfung der Beziehungsthematik. Im dramatischsten
Fall kann diese sogar eine Trennung oder Scheidung zur
Folge haben. Zu welchem Zeitpunkt begann der Trennungsprozess? Sicherlich nicht an dem Tag des exakten Übergangs. Es wurde nur der Höhepunk einer Entwicklung deutlich, die bereits seit längerem im Gange war.
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Wir sollten weiter verstehen, dass die Phase der Annäherung und des Abklingens eines Transit-Aspektes – der so
genannte Orbis – eine Art „Bewusstseinsspanne“ repräsentiert. Es gibt einen sukzessiven Aufbau oder Anstieg, gefolgt
von einer allmählichen Beruhigung. Daher empfiehlt es sich
bei Transiten, mehr von einer spezifischen Zeitperiode auszugehen als mit exakten Zeitpunkten zu arbeiten.
Bildet ein Langsamläufer im Transit einen Aspekt zu
einem Faktor des Geburtshoroskops, so kann man im
Allgemeinen von einer Zeitspanne ausgehen, die mindestens ein Grad vor der Exaktheit wirkt und sich bis ungefähr ein Grad nach der Exaktheit erstreckt.
Dynamische und fließende Aspekte
In früheren Zeiten unterschieden die Astrologen zwischen
günstigen und ungünstigen Aspekten, wobei Trigone und
Sextile als günstig, Oppositionen und Quadrate als ungünstig angesehen wurden. Ob eine Konjunktion positiv oder negativ eingeschätzt wurde, hing von der Natur bzw. „Kompatibilität“ der beteiligten Planeten ab.
Diese These wird heutzutage zunehmend in Frage gestellt.
Es hat sich nämlich gezeigt, dass gerade die dynamischen
oder spannungsreichen Aspekte viel Energie freisetzen und
somit ein hohes Entwicklungspotential beinhalten.
In aller Regel benötigen wir die Energien der spannungsreichen Aspekte, damit sich in unserem Leben wichtige Entwicklungen vollziehen können. Daher sollten wir uns bei der
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Arbeit mit den Transiten vornehmlich auf diese Winkel konzentrieren.
Zu den dynamischen Aspekten zählen neben den Konjunktionen, Oppositionen und Quadraten auch die Halb- und Anderthalbquadrate. Diese Winkel von 45 bzw. 135 Grad wurden früher sehr vernachlässigt. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass sie eine ähnlich starke Wirkung entfalten können
wie die Quadrate und Oppositionen.
Von dynamischer Qualität – und dementsprechend mit einem hohen Entwicklungspotential ausgestattet – sind außerdem die Spiegelpunkte. Auf sie wird später ausführlich eingegangen.
Wichtige Entwicklungsphasen oder Wendepunkte im
Leben werden fast immer durch dynamische Aspekte
und Spiegelpunkte der Langsamläufer (Jupiter,
Saturn, Uranus, Neptun, Pluto) zu persönlichen Faktoren
(Medium Coeli, Aszendent, Sonne, Mond) angezeigt.
Zu den dynamischen Aspekten zählen neben den Konjunktionen, Oppositionen und Quadraten auch die Halb- und Anderthalbquadrate. Die beiden zuletzt genannten Winkel sollten insbesondere dann in Betracht gezogen werden, wenn
sie aufgrund eines Richtungswechsels des Transit-Planeten
über längere Zeit bestehen bleiben.
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