kongress - Stiftung Digitale Chancen

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Freie und Hansestadt Hamburg
Senatsamt für die Gleichstellung
:women@work
Frauen in IT- und Multimediaberufen
Eine Initiative der digitelle
Dokumentation des Kongresses und der
Firmenkontaktbörse am 13. Juli 2001
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KONGRESS
Eröffnung
Seite
 Hauptgebäude der Universität Hamburg, Hörsaal A
9.30 – 11.00
IT- und Multimediaberufe: Frauen sind dabei!
9.30 - 9.45
Begrüßung und Einleitung:
Krista Sager, Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für die Gleichstellung
6
9.45 - 11.00
Diskussionsrunde:
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Tina Kulow,
ehemals Netzpiloten, Hamburg
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
Dr. habil. Barbara Paech,
Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software
Engineering IESE, Kaiserslautern
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Maud Pagel,
Deutsche Telekom, Bonn
13

Ursula Triller,
worldwidejobs.de, Hamburg
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Moderation: Senatorin Krista Sager
FIRMENKONTAKTBÖRSE
 Im Foyer des Westflügels
2
Multimedia- und IT-Unternehmen präsentieren ihr Profil, ihr Know-how und ihr Angebot als
potentielle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber
11.00 - 11.30
Eröffnung der Firmenkontaktbörse
Rundgang mit Senatorin Krista Sager
11.00 - 20.00
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Firmenkontaktbörse
Arbeitsamt Hamburg
AKRA GmbH
Deutsche Telekom
Finanzbehörde Hamburg
Hamburg newmedia@work
H.E.I. Hamburger Initiative für Existenzgründungen und Innovationen
hep Hamburger Existenzgründungsprogramm
indisoft Gesellschaft für Weiterbildung und Systementwicklung
jobpilot AG
Kompetenzzentrum Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie
Johann Daniel Lawaetz-Stiftung
Medienhandbuch Publikationsgesellschaft mbH
Netlife Internet Software und Consulting GmbH
NORDMETALL
Senatsamt für die Gleichstellung
Service Digitale Arbeit
Systematics AG
whois, whois verlags-& vertriebsgesellschaft
worldwidejobs.de
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FOREN
Seite
 Saal I (Flügelbau, Raum 221)
12.00 - 13.30
Starten und Durchstarten in der Informationsgesellschaft
Finanzielle Wege in die Selbständigkeit

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
Dr. Heike Kehlbeck, T-Venture, Berlin
Martina Krämer, Hamburger Initiative für Existenzgründungen und
Innovationen H.E.I., Hamburg
Birgit Kownatzki, Vereins- und Westbank-Team Concept, Hamburg
Petra M. Skiba, myMusicScore.com, Hamburg
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Moderation: Corinna Nienstedt, Handelskammer Hamburg
14.00 - 15.30
Ohne Netzwerke geht es nicht!
Business-Networking im Web




Sybille Heyms, webgrrls, Hamburg
Brigitte Lüdecke, Mediacoaching, Berlin
Birgit Poppke, womanticker, Frankfurt/Main
Birgit Unger, u-netz, Essen
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Moderation: Kirstin Schmidt, Hamburg newmedia@work, Hamburg
16.00 - 17.30
Berufswege - heute, morgen, übermorgen
Tätigkeitsfelder und Anforderungen in IT- und Multimediaberufen




Prof. Dr. Leonie Dreschler-Fischer, Uni Hamburg, Fachbereich Informatik
Birte Glimm, Elephant Seven GmbH, Hamburg
Dr. Bettina Knauer, Multi-M Fischer Multimedia GmbH, Hamburg
Dr. Ulrike Schumann-Giesler, bios beratungsgesellschaft für informatik
und organisationssysteme mbH, Hamburg
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Moderation: Susanne Möcks-Carone, ehemals MediaCity.Academy gGmbH, Hamburg
18.00 - 19.30
New Economy zwischen Aufbruch und Umbruch
Unternehmenskultur im Wandel: Chance für die berufliche Entwicklung von Frauen?



Cornelia Brandt, ver.di, Hamburg
Dr. Ingrid Möller, cept consult gmbh, Köln
Susanne Möcks-Carone, ehemals MediaCity.Academy gGmbH, Hamburg
Moderation: Marie-Luise Tolle, Senatsamt für die Gleichstellung, Hamburg
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37
FOREN
Seite
 Saal II (Hauptgebäude, Hörsaal J)
12.30 - 14.00
Neue Medien - neue Berufsfelder
Tätigkeitsfelder und Anforderungen in IT- und Multimediaberufen




Sabine Hengesbach, in medias Publish Relations GmbH, Hamburg
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Sabine Köhler, PYLON LV-Beratung, Hamburg
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Martina Kulick, Ernst & Young, Deutsche Allgemeine Treuhand AG, Hamburg 43
Gabriele Sievers, IBM e-business Innovation Center, Hamburg
Moderation: Dr. Ingrid Möller, cept consult gmbh, Köln
14.30 - 16.00
Online zum neuen Arbeitsplatz
Neue Wege bei der Personal- und Stellensuche


Eva Gärtner, jobpilot AG, Bad Homburg
Nicole Raukamp, Haarmann Hemmelrath Management Consultants GmbH,
Hamburg
 Kristina Sender, Deutsche Telekom, Hamburg
 Ursula Triller, worldwidejobs.de, Hamburg
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Moderation: Gisela Chudziak, Senatsamt für die Gleichstellung, Hamburg
16.30 - 18.00
Arbeitskultur in den Neuen Medien - Chance für Mütter und Väter?
Erfahrungen aus der New Economy



Ilka Bickmann, DealTime.com (Germany) GmbH, Heidelberg
Marianne Pfister, Comet Computer GmbH, München
Sylvia Stange, Deutsche Telekom, Hamburg
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Moderation: Cornelia Zolghadri, LichtTechnikDesign, Hamburg
18.30 - 20.00
Berufsperspektive Selbständigkeit
Unternehmerinnen berichten über ihre Gründungs- und Aufbauphase



Elke Bouillon, Phaidros Software AG, Ilmenau
Irene Heinen, Nettraffic Internet Perfomance GmbH, Hamburg
Katja Maria Wilke, Yellobit Digitale Dienste, Hamburg
Moderation: Christiane Ram, Wirtschaftsbehörde, Hamburg
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WERKSTATTGESPRÄCHE
SEITE
 Raum III (Flügelbau, Raum 121)
Werkstattgespräche ergänzen die Foren. Sie bieten Raum, in kleinerem Rahmen Informationen und Erfahrungen auszutauschen, Praktikerinnen und Fachfrauen Fragen zu stellen,
Tipps weiterzugeben oder Fragestellungen, die in den Foren offen geblieben sind, weiter zu
verfolgen.
14.00 - 15.30
Werkstattgespräch mit Fachfrauen aus IT- und Multimediaunternehmen




Bianca Bauer, Systematics, Hamburg
Gaby Kortum, AOL Deutschland, Hamburg
Karola Nühse, Ponton Software Technology, Hamburg
Dr. Wiebke Oeltjen, POET Software, Hamburg
Moderation: Annedore Bröker, Arbeitsamt Hamburg, Hochschulteam Hamburg
16.00 - 17.30
Werkstattgespräch mit Online-Journalistinnen





Dörte Dahm, AOL Bertelsmann, Hamburg
Angelika Eckert, txt:ae, Hamburg
Bettina von Lösch, AOL Bertelsmann, Hamburg
Wiebke Peters, G+J Women New Media GmbH, Hamburg
Dorothee Wiegand, C't-Magazin für Computertechnik, Hannover
Moderation: Birgit Poppke, womanticker, Frankfurt/Main
18.00 - 19.30
Werkstattgespräch mit Netzwerkerinnen
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




Susanne Broos, womanticker, Frankfurt/Main
Sybille Heyms, webgrrls, Hamburg
Karen Hildebrandt, FrauenNetzwerkForum, Hamburg
Brigitte Lüdecke, Mediacoaching, Berlin
Corinna Nienstedt, E trifft U, Hamburg
Birgit Unger, u-netz, Essen
Moderation: Angelika Caspari, Unternehmerinnenverband Schöne Aussichten,
Hamburg
Presseauszüge
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Begrüßung und Einleitung
Krista Sager, Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für die Gleichstellung
Meine sehr verehrten Damen,
sehr verehrte Herren,
ich begrüße Sie ganz herzlich zu dem Kongress :women@work.
Ich wäre heute beinahe als Online-Piratin aufgetreten, mit schwarzer Augenklappe. Doch
das hat mein Augenarzt heute morgen noch abwenden können. Wenn Sie dennoch den Eindruck haben, ich pliere Sie ein wenig komisch an, so liegt das daran, dass ich immer noch
gewisse Irritationen in meinen Augen habe, also nehmen Sie es nicht persönlich.
Im letzten Jahr haben wir hier in Hamburg die digitelle durchgeführt. Die digitelle, das war
bundesweit die erste Messe mit Kongress rund um das Thema „Frauen machen neue
Medien – Frauen in der Informationsgesellschaft“. Diese digitelle wollen wir alle zwei Jahre
durchführen. Doch auch in der Zwischenzeit wollen wir unter dem Label digitelle am Thema
dranbleiben. Die zahlreichen Anmeldungen zu unserem Kongress :women@work haben uns
darin bestätigt, dass das Thema „Frau und ihre Chancen in der Informationsgesellschaft und
in den neuen Berufen“ bei Frauen auf großes Interesse stößt.
Und wir haben auch heute eine Menge zu bieten. Während dieser Fachtagung können Sie
eine Reihe von Foren besuchen, die sich mit den Chancen in den neuen Berufsfeldern
beschäftigen, mit den Berufsbildern, mit den Möglichkeiten, sich in dieser Branche selbständig zu machen, mit dem Networking in dieser Branche und mit den Jobvermittlungsbörsen,
die online arbeiten. Gleichzeitig bieten wir Ihnen drei Werkstattgespräche an. Hier haben Sie
die spannende Möglichkeit, Frauen vom Fach kennen zu lernen, die über ihre Erfahrungen
berichten. Hinzu kommt die Firmenkontaktbörse, wo Sie direkten Kontakt mit Firmen knüpfen können, die auf der Suche nach Fachkräften sind.
:women@work ist nur ein Baustein in einer ganzen Reihe von Aktivitäten zu dem Thema
„Chancen von Frauen in den neuen IT-Berufen“, die wir in den letzten Jahren gestartet
haben und die auch in Zukunft fortgesetzt werden sollen. Zentrales Ziel ist für uns, dass sich
die Frauen, die in dieser Branche tätig sind oder sich für diese Branche interessieren, untereinander kennen lernen, dass sich dort ein Netzwerk entwickelt, das dem Young-Boys-Network etwas entgegen setzt. Wir haben nämlich festgestellt, dass es eben nicht nur das OldBoys-Network in der Old-Economy gibt, nein, es existiert auch ein sehr gut funktionierendes
Young-Boys-Network in der New-Economy. Warum sollte es hier also nicht auch ein starkes
Frauen-Netzwerk geben. Denn davon profitieren viele Frauen. Schon im Frühjahr, als wir
zusammen mit der Bundesregierung und der schwedischen Regierung in Hamburg die Konferenz „Women on the Web“ ausgerichtet haben, habe ich Frauen getroffen, die sich ein Jahr
zuvor auf der digitelle kennen gelernt hatten und die inzwischen zusammen arbeiten.
Frauen haben zu den neuen Techniken einen anderen Zugang als Männer. Frauen haben
einen sehr viel pragmatischeren Zugang zu den Technologien, sie stellen viel eher die
Frage: „Was bringt mir das Ganze? Welche Aufgaben kann ich mit den neuen Techniken
besser erfüllen?“ Frauen sind seltener von der reinen Technik fasziniert, Frauen verstehen
sich nicht als Technik-Freaks. Deutlich wird das auch, wenn man einen Blick auf den Frauenanteil wirft:
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Der Frauenanteil im Informatikstudium beträgt rund 17 Prozent, in den Ausbildungsberufen
der Multimedia-Branche sind Frauen mit nur 14 Prozent vertreten. Die Bundesregierung hat
sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2005 den Frauenanteil in den IT-Ausbildungen auf 40
Prozent zu steigern, und wir unterstützen die Regierung bei diesem Anliegen.
Eines ist allerdings schon heute ganz deutlich: Wenn man dieses Ziel ernsthaft ins Auge fassen will, dann muss man schon in den Schulen und in den Hochschulen anfangen. Hier
muss durch eine andere Didaktik in den Schulen, in den entsprechenden Unterrichtsfächern
deutlich gemacht werden, dass die neuen Ausbildungsberufe nicht nur etwas für TechnikFreaks sind. Das Hamburger Senatsamt für die Gleichstellung hat in diesem Zusammenhang
eine Studie über die „Chancen von Frauen in IT- und Medienberufen“ in Auftrag gegeben.
Die Ergebnisse dieser Studie liegen noch nicht vor, sie werden im Herbst öffentlich vorgestellt. Doch nach ersten Auswertungen können wir zumindest schon einige Trends feststellen: Wir können sagen, dass Frauen in den neuen Berufsfeldern der IT-Branche überproportional dort vertreten sind, wo es nicht so sehr um den Technik-Ansatz geht, sondern mehr
um den Medien-Ansatz, den Design-Ansatz, den Gestaltungs-Ansatz oder wo es um das
Verkaufen geht. Hier sind Frauen auch bei der Ausbildung überproportional vertreten. Das
heißt, durchschnittlich sind Frauen zu 11 bis 25 Prozent in den neuen Ausbildungsberufen zu
finden, geht es jedoch um Gestalten und Design so sind junge Frauen mit bis zu 60 Prozent
an diesen Berufen interessiert.
Trotz der Einbrüche an der Börse im Bereich der New-Economy und trotz der Insolvenzen,
die wir auch in Hamburg erlebt haben, gehen wir davon aus, dass die New-Economy-Berufe
zukünftig gerade in Hamburg gute Beschäftigungschancen für Frauen bieten werden. Wir
haben in Hamburg insgesamt 4.781 Firmen in der sogenannten IT-Branche mit insgesamt
rund 60.000 Beschäftigten. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass in Hamburg
174 Green-Cards vergeben worden sind und nur 15 davon an Frauen. Ich weiß nicht, ob
jemand von Ihnen auf der digitelle war. Dort habe ich gesagt, jetzt müsste man eigentlich
auch mal schauen, wie viele Frauen eigentlich von der Green-Card-Aktion der Bundesregierung profitieren. Hier in Hamburg waren es bisher gerade mal 8,6 Prozent. Auf unserer Firmenkontaktbörse habe ich gerade erfahren, dass eine dieser Green-Card-Besitzerinnen bei
einem der Unternehmen arbeitet, die auf dieser Job-Kontaktbörse vertreten sind.
Wir gehen - wie gesagt - davon aus, dass die Chancen von Frauen in diesen neuen Berufen
nach der Konsolidierungsphase gut sein werden. Natürlich muss man sich vieles genauer
anschauen. Auf der einen Seite wird man bei den Unternehmen zukünftig nicht nur auf reines Wachstum setzen, sondern auch auf die tatsächliche Erfolgsbilanz, auf die tatsächliche
Gewinnentwicklung und auf realistische Zukunftsperspektiven schauen. Auf der anderen
Seite spricht vieles dafür, dass eine fundierte Ausbildung in Zukunft von größerer Bedeutung
sein wird und auch auf der Arbeitnehmerseite das Improvisierte etwas zurücktreten wird.
Frauen haben hier durchaus gute Chancen, weil die meisten Frauen eine überdurchschnittlich gute Ausbildung vorzuweisen haben und eben diese überdurchschnittlich gute Ausbildung ist in dieser Branche besonders gefragt. Das hat auch die Online-Umfrage unserer
Studie ergeben. 85 Prozent der Frauen, die sich an dieser Online-Studie beteiligt haben und
die in der Branche arbeiten, haben angegeben, sie haben die Hochschulreife oder Fachhochschulreife; 60 Prozent von ihnen haben ein Hochschulstudium oder ein Fachhochschulstudium absolviert. Interessant wiederum ist, dass diese Studien nicht vorrangig in Fächern
wie Mathematik oder Informatik absolviert wurden, typisch waren auch Fächer wie Germanistik, Geografie, Philosophie, Psychologie oder sogar Theologie. Offensichtlich ist ein Studium eine gute Grundlage, um in der IT-Branche Fuß zu fassen. Dennoch ist es eine interessante Frage, ob dieses Quereinsteigertum für die Branche charakteristisch bleibt. Wir denken, gerade die jüngere Frauengeneration muss mehr darauf achten, mit der Ausbildung
stärkere Anknüpfungspunkte an die Branche zu finden, wenn sie dort Fuß fassen will.
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In Hamburg existieren im Schulbereich und im Hochschulbereich eine ganze Reihe von Motivations- und Informationsprojekten für junge Frauen. Das fängt an mit der Berufsorientierung, mit besonderen Projekttagen für Mädchen. An der Technischen Universität HamburgHarburg wird es ein Women-Competence-Center geben. Der Fachbereich Informatik ist
ebenfalls sehr aktiv, was die Motivation junger Frauen angeht. Zugleich sind wir dezidiert der
Meinung, dass diese Art der Motivations- und Informationsprojekte dringend erforderlich
sind, dass sie aber nicht ausreichen, damit Frauen ihre Chancen in dieser Branche wirklich
nutzen können. Hier sind in der Tat auch die Firmen und die Unternehmen gefragt.
Einige Firmen gehen da durchaus mit gutem Beispiel voran. Erwähnen möchte ich hier das
Ausbildungsteam der Deutschen Telekom in Potsdam. Dieses Team hat bei einem Einstellungstest für Ausbildungsberufe nicht einfach technische Detailkenntnisse abgefragt, stattdessen wurde ein Lernauftrag gestellt, der im Team gelöst und präsentiert werden sollte.
Das Ergebnis: Es haben sich weit mehr junge Frauen als zuvor für eine Ausbildung zur
Systemelektronikerin interessiert und es wurden auch mehr junge Frauen eingestellt. Das
finde ich natürlich hochinteressant. Es sagt viel darüber aus, wie auch von der Unternehmensseite aus junge, gut ausgebildete Frauen für die IT-Branche motiviert werden können.
Microsoft versucht einen anderen Weg über flexible Arbeitszeiten, über die Möglichkeit ein
Sabbatjahr zu nehmen, über Teilzeit- oder alternierende Telearbeit, um so die Vereinbarkeit
von Kindern und Beruf zu unterstützen.
Die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf ist ein ganz wichtiges Thema in dieser Branche. Die
Veränderungen in dieser Branche sind besonders rasant, das wissen alle, das wissen Sie
wahrscheinlich noch besser als ich, weil Sie auch schon eine gewisse Affinität zu dieser
Branche haben oder dort beschäftigt sind. Wenn Frauen wegen eines Babies dort ein Jahr
einfach aussetzen, so ist das ein echtes Risiko.
Doch wie kriegt man das zusammen, den Anschluss an den Beruf zu erhalten und gleichzeitig auch der Familie und den Kindern gerecht zu werden. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich
finde es gut, dass sich jetzt in dieser Branche, wie beispielsweise bei Pixel Park, erste
Betriebsräte gründen. Ich glaube, es ist für Frauen eine große Chance, dass es in dieser
Branche eine hohe Flexibilität in Bezug auf die Arbeitszeit gibt. Das kann auch mehr Zeitsouveränität für Frauen bedeuten. Doch Frauen brauchen flexible Arbeitszeiten auf der Basis
von klaren verbindlichen Regelungen, sonst können sie Familie und Beruf nicht miteinander
vereinbaren. Man kann Kinder nicht darauf verweisen, dass man entweder um acht, um zehn
Uhr abends oder um zwölf nach Hause kommt. Kinder brauchen Zuverlässigkeit und deswegen brauchen Frauen und Männer auch ein gewisses Maß an Zuverlässigkeit.
Die ersten Ergebnisse unserer Studie haben ergeben, dass die Frauen, die in dieser Branche tätig sind, insbesondere die Inhalte und die abwechslungsreiche Tätigkeit bei ihrer Arbeit
schätzen. Zugleich schätzen sie aber auch die Möglichkeit, flexible Arbeitszeiten zu vereinbaren. Sehr positiv bewertet werden aber auch die persönlichen Gestaltungsspielräume, die
ihnen die Branche gibt. Und mehr als drei Viertel der Frauen äußern sich sehr positiv über
die gute Arbeitsatmosphäre. Das heißt, die neue Arbeitskultur der Branche ist etwas, was
Frauen durchaus entgegenkommt. Viel spricht also dafür, dass die IT-Branche für Frauen
eine Chance sein kann. Und zwar nicht nach dem Motto: "Wir sind alle eine große Familie" –
wie es die Chefs mancher New-Media-Unternehmen früher gerne betonten. Denn: „Wir sind
alle eine große Familie“ bedeutet nicht unbedingt, familienfreundliche Arbeitsbedingungen.
Es ist sehr positiv, dass bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Erkenntnis
wächst, dass man auch in der IT-Branche ein bisschen mehr Commitment braucht. Zugleich
sollten aber die andere Arbeitskultur und die flexiblen Arbeitszeiten erhalten bleiben.
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Unzufrieden äußerte sich eine größere Anzahl von Frauen in unserer Online-Umfrage über
die mangelhafte Unterstützung, die sie von ihrem Vorgesetzten bekommen. 30 Prozent der
Unzufriedenen haben außerdem angegeben, dass sie bei der Entlohnung gegenüber männlichen Kollegen benachteiligt werden. Sie gaben an, dass sie weniger verdienen, als das im
Jahresdurchschnitt in ihrem jeweiligen Berufsfeld üblich ist.
Ich muss ehrlich sagen, damit habe ich nicht gerechnet. Da ist mir klar geworden, wie stark
man sich von einer egalitären Kultur auch täuschen lassen kann. Gerade in diesen jungen
Unternehmen herrscht ja nach außen hin eine besondere Egalitätskultur vor, die sicher sehr
reizvoll ist, aber es ist natürlich schon interessant, bei einigen Unternehmen dann hinter die
Kulissen zu schauen. Wenn es stimmt, dass Frauen zumindest in einem relevanten Anteil
der Unternehmen schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen, dann spricht das
dafür, dass viel mehr verbindliche Vereinbarungen und Commitments in der Branche getroffen werden müssen. Andererseits müssen Frauen offensichtlich in ihrer Verhandlungskompetenz gestärkt werden.
Wir haben die Frauen, die an unserer Online-Umfrage teilgenommen haben, außerdem
gefragt: "Was glauben Sie, welche Fähigkeiten in Ihrem Beruf von besonderer Bedeutung
sind?" Die Frauen haben uns sehr nachdrücklich bestätigt, was allgemein über die Bedeutung der sogenannten Soft skills diskutiert wird. Ihre Antworten lauteten: "Gefragt ist in meinem Beruf in dieser Branche Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Organisationsfähigkeit." Hier haben Frauen durchaus eine Menge einzubringen und hier bieten sich ihnen eine
Menge Chancen. Ich kenne diese Diskussion auch in meiner Funktion als Wissenschaftssenatorin. Viele Firmen geben uns ein Feedback über die jungen Männer, die aus dem
Fachbereich Informatik kommen. Diese jungen Männer sind teilweise hochqualifiziert, wenn
es um die Bewältigung der technischen Aufgaben in einer Firma geht, aber wenn es darum
geht, Projektmanagement zu machen, wenn es darum geht, in einem Team zu arbeiten,
Dinge in einem Team zu kommunizieren, dann bringen sie oft nicht die nötigen Voraussetzungen mit. Hier könnten Frauen in der Tat ihre Kompetenzen noch stärker einbringen.
Ich denke, ich habe Ihnen nun ein wenig Stoff geliefert, über den Sie im weiteren Verlauf
unseres Kongresses noch diskutieren werden. Ich darf mich an dieser Stelle für Ihre Aufmerksamkeit bedanken. Außerdem wünsche ich unserem Kongress einen guten Verlauf und
ich wünsche Ihnen viele interessante Kontakte und viele interessante Gespräche.
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EINLEITENDE DISKUSSIONSRUNDE
„IT- und Multimediaberufe: Frauen sind dabei!“
Tina Kulow, ehemals Netzpiloten, Hamburg
Gibt es in Ihrem Unternehmen Ansätze, die Qualifikation von Frauen für das Unternehmen
zu nutzen und zu fördern?
In den Unternehmen, in denen ich die Gelegenheit hatte zu arbeiten, gab es Weiterbildungsmaßnahmen wie z.B. Management-Seminare und Schulungen die an alle Mitarbeiter
gerichtet waren und keine spezifischen Maßnahmen für Frauen. Was sollte dies sein? Generell sollte der Anspruch eines Unternehmens sein, die Qualifikation aller Mitarbeiter kontinuierlich zu fördern und auszubauen. Das ist in der jetzigen wirtschaftlicher Situation vieler
Unternehmen der sog. New Economy sicherlich eine Herausforderung. Und natürlich muss
auf die Chancengleichheit von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen geachtet werden.
Frauen in der IT - und Multimedia-Branche: Wo sind sie zu finden? Welche Chancen haben
sie?
Mein Eindruck ist, dass Frauen auch in dieser „modernen" Branche immer noch da zu finden
sind, wo sie in der Mehrzahl auch in der Old-Economy zu finden sind: in Kommunikation,
Marketing, Personal und Organisation. Sicherlich auch in den kreativen Bereichen wie
Screen-Design oder auch im Bereich Controlling. Auch wenn sich neue Berufsbilder durch
die New Economy entwickeln, sind Frauen in den reinen IT -Berufen (Netzwerk-Servertechnologie, Programmierung, Systemadministration, etc.) meiner Einschätzung nach eine Seltenheit.
Das gilt übrigens auch für viele Positionen der obersten Management-Ebene. Die Chancen
sind m.E. nicht besser und nicht schlechter als in anderen Industrien und Branchen auch.
Ist diese Branche auch für Frauen eine Zukunftsbranche?
Klares ja. Telekommunikation, Internet, IT-Beratung und Umsetzung werden auch in den
nächsten Jahren weiter wachsen - und diese Bereiche ebenfalls in der "klassischen" Wirtschaft. Auch wenn wir gerade "im Tal der Tränen" mit Insolvenzen und Stellenabbau sind.
Wo sehen sie Handlungsbedarf für wen, um Frauen stärker in diesem rasant wachsenden
und dynamischen Bereich einzubeziehen?
Wie schon gesagt, gibt es im höheren Management noch immer sehr wenige Frauen auch
wenn glücklicherweise das positive Gründerklima der letzten 18 Monate auch vielen Frauen
die Gelegenheit gab, eigene Firmen zu gründen. Also weiterhin Förderung von Existenzgründerinnen.
Handlungsbedarf sehe ich auch bei ausbildenden Institutionen - dies allerdings für Männer
und Frauen. Die Ausbildung muss auf eine sich beständig wandelnde Wirtschaft und deren
Anforderung anpassen.
Welche Empfehlungen geben Sie Frauen, die in diesem Bereich Fuß fassen wollen?
Ich glaube, dass es für diesem Bereich keine besonderen Tipps gibt. Es bieten sich viele
neue Berufsfelder, die mit Sicherheit eine spannende Aufgabe sind und die aber auch in
vielen anderen Unternehmen zu finden sein werden. Meine Einschätzung ist, dass die Zeit
der erfolgreichen Quereinsteiger vorbei ist und wieder eine sehr fundierte Ausbildung - ganz
klassisch - gefordert wird. Der Auswahlprozess wird in den nächsten Monaten härter.
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Informationen zur Person:
Tina Kulow, Jahrgang 1968, war vom 1.September bis Ende Mai 2001 im Vorstand der
Netzpiloten tätig und dort hauptsächlich für die interne und externe Kommunikation, internationales Business Development sowie für den Markenaufbau der Netzpiloten AG verantwortlich.
Davor leitete Tina Kulow von März 1997 bis Juni 2000 bei der Kabel New Media AG den
internationalen Bereich Corporate Communications.
Weitere Stationen waren SAT.1, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Berlin (1992-1996) und
Barbarella Entertainment in Köln (1996-1997).
12
Dr. habil Barbara Paech, Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering
IESE, Kaiserslautern
Drei Faktoren sind nach meiner Erfahrung entscheidend dafür, dass Frauen im IT-Bereich
mitgestalten werden:
An erster Stelle steht nach wie vor die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Verbesserte
staatliche Kinderbetreuung, aber auch auf Wiedereinsteigerinnen mit Kindern zugeschnittene
Fortbildungsmaßnahmen können eine kurzfristige Verbesserung der jetzigen Situation bewirken. Ein entscheidender Durchbruch ist aber erst zu erzielen, wenn die Väter motiviert und in
die Pflicht genommen werden, die Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder mit zu übernehmen.
An zweiter Stelle steht ein weniger technik-zentriertes Verständnis von IT und IT-Berufen. IT ist nur das Medium, d.h. ein Mittel zum Zweck. Der Einsatz von IT zielt letztendlich
darauf ab, die Wissensgesellschaft zu gestalten: insbesondere durch Vernetzung, elektronisch verfügbares Wissen, virtuelle Gemeinschaften und Dienstleistungen. Der Mittel- und
Ausgangspunkt dieser Gestaltung ist der Mensch! Dass genau diese Sichtweise auf IT für
Frauen attraktiv ist, können wir an der Frauenhofer Gesellschaft (FhG) IESE erleben. Bei
unserer Arbeit stehen die Menschen, die Software entwickeln, und die Prozesse und das
Wissen, das sie dazu brauchen, im Vordergrund. Nicht zuletzt deswegen haben wir einen
Anteil von 27% Wissenschaftlerinnen (Im FhG-Durchschnitt sind es 12 %, bei den InformatikErstsemestern sind es zur Zeit 17%). Auch in diesem Bereich sind kurzfristige Maßnahmen,
wie gezielte Information und Werbung von Schülerinnen wichtig, aber nicht allein erfolgreich.
Wirklich verbreiten und etablieren lässt sich diese mensch-zentrierte Sicht nur im Alltag der
Familien, Kindergärten, (Hoch-)Schulen und Unternehmen sowie in den öffentlichen Darstellungen in Rundfunk, Fernsehen, Presse und dem Internet selbst.
Und zuletzt müssen Frauen für sich klären, wie viel Einsatz ihnen die Mitgestaltung
der Zukunft wert ist. Dies hört sich einfach an, lässt sich aber nur umsetzen, wenn Frauen
nicht nur marginale Beteiligung an den Gestaltungsprozessen haben. Zuerst muss ihnen
einmal ermöglicht werden (z.B. durch die Frauenquote), gestaltende Aufgaben zu übernehmen. Ebenso wichtig ist es dann, sie auch darin zu bestärken (z.B. durch Mentoring), sich
auf Dauer diesen Herausforderungen zu stellen.
Informationen zur Person:
Dr. habil Barbara Paech ist Leiterin der Abteilung Quality Software Development am Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE). Sie hat 1998 an der TU
München habilitiert und befasst sich seit Jahren mit der Modellierung und Gestaltung von
Systemen und der Vernetzung von Requirements and Software Engineering. Sie leitet Forschungs- und Transferprojekte und ist kontinuierlich in Lehr- und Weiterbildungsveranstaltungen aktiv. Im Jahr 2000 ist ihr Buch „Aufgabenorientierte Softwareentwicklung - Modellierung und Gestaltung von Unternehmen, Arbeit und Software“ im Springer Verlag erschienen.
13
Maud Pagel, Leiterin für Gleichstellung und Chancengleichheit im Konzern Deutsche
Telekom, Bonn
Im Konzern Deutsche Telekom wird Qualität gelebt. Dabei ist es selbstverständlich,
dass alle, Frauen und Männer, ihre Potenziale gleichgestellt und unabhängig von Hierarchien an dem für sie richtigen Platz einbringen.
Gleichstellung und Chancengleichheit ist nicht nur eine Frage der Personalpolitik und der
Unternehmenskultur, sondern muss zunehmend in direktem Zusammenhang mit der Verbesserung der Gesamtleistung am Markt und als starkes „Tool“ für die Durchsetzung von
Innovationen und Veränderungen gesehen werden. Die Existenz und die Umsetzung einer
Gleichstellungspolitik sind wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg eines Unternehmens,
und zwar nach innen und nach außen.
Gleichstellungsarbeit leistet einen konkreten, wertschöpfenden Beitrag.
Als zukunftorientiertes Unternehmen bekennt sich die Deutsche Telekom zu Gleichstellung
und Chancengleichheit von Frauen und Männern.
Noch immer werden technische Aufgaben und Berufe überwiegend von Männern übernommen; auch bei den Unternehmen des Konzerns Deutsche Telekom. Hier gilt es, Veränderungen herbeizuführen.
Da einerseits Teams bestehend aus Frauen und Männern bessere Arbeitsergebnisse erzielen, andererseits Frauen Technik anders nutzen und gestalten, setzt die Telekom verstärkt
auf mehr Frauen in den Technologiebereichen.
Maßnahmen:





Spezielle Personalmarketingkonzepte, ausgerichtet auf die Interessen von Mädchen, zur
Einstellung von Mädchen für die IT-Ausbildungsberufe
Einstellungstests differenziert auf die unterschiedlichen Interessen und Kompetenzen von
Mädchen und Jungen
Werben durch Informationsveranstaltungen, z.B. in Schulen und bei „Mädchen-TechnikTagen“ speziell für Mädchen in IT – Berufe
Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Arbeitsverwaltungen
Personalmarketingkonzepte, ausgerichtet auf die unterschiedlichen Kompetenzen von
Frauen und Männern
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Informationen zur Person:
Maud Pagel
Deutsche Telekom AG
1945
geboren in Göttingen
1962
nach Beendigung der Schulausbildung
Eintritt in die Deutsche Bundespost –
Fernmeldewesen in Göttingen
1962 - 1976
Ausbildung als Verwaltungsfachfrau und
Tätigkeiten in den unterschiedlichsten Ressorts
des Unternehmens
1976 - 1998
Freigestellte Betriebs- und Gesamtsbetriebsrätin,
Mitglied im Wirtschaftsausschuss und Aufsichtsratsmitglied
1998
Leiterin für Gleichstellung und Chancengleichheit im
Konzern Deutsche Telekom
als auch
Mitglied der Expertinnengruppe “Frauen in der
Informationsgesellschaft” und dem Forum “Frauen
in der Wirtschaft”. Mitglied im Vorstand des Vereins
“Frauen geben Technik neue Impulse”
Ihre Vision:
Frauen in allen gesellschaftlichen und beruflichen Bereichen durch geeignete Programme, Projekte und Maßnahmen die Unterstützung zu geben, damit Chancengleichheit und Gleichstellung für Frauen und Männer
erlebbar und wahrhaftig wird.
15
Ursula Triller, Gründerin und Geschäftsführerin des internationalen Online-Stellenmarktes
worldwidejobs.de, Hamburg
Die IT- und Multimediabranche ist für Frauen eine echte Zukunftsbranche. Einstieg, Umstieg
und Aufstieg sind einfacher zu realisieren als in anderen Branchen.
Einstieg:
Auch in Zukunft wird es viele Jobs in dieser Branche geben.
Die Nachfrage nach IT- und Internetfachkräften ist ungebrochen hoch. Lediglich die enormen
Wachstumsraten der Branche sind nicht mehr gegeben. worldwidejobs.de hat aktuell über
30.000 offene Stellen von IT- und Internetfirmen in seiner Datenbank.
Aufstieg:
Der Aufstieg ist in dieser Branche einfacher als in anderen Branchen.
Frauen werden von Kollegen und Kolleginnen leichter als Führungspersönlichkeiten akzeptiert.
Umstieg:
Firmengründungen sind bereits mit geringem Kapital möglich. worldwidejobs.de startete in
einem Wintergarten – Anfangsinvestitionen: ein PC, ein Modem und ein Telefon. Heute beschäftigt worldwidejobs.de 33 Mitarbeiter und ist zu einem der Key-Player auf dem OnlineRecruitingmarkt geworden.
Mit rund 400.000 Stellenangeboten, darunter 130.000 bei 5.000 deutschen Unternehmen,
bietet worldwidejobs.de Bewerbern das größte deutsche Jobangebot im Internet
(Sievers+Zabel). Der Jobgigant ist strategischer Kooperationspartner von T-Online. 28 der
DAX-30 Unternehmen nutzen das Angebot von www.worldwidejobs.de
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Informationen zur Person:
Die Betriebswirtin Ursula Triller gründete im September 1999 den Internet-Stellenmarkt
worldwidejobs.de. Mit 400.000 Jobangeboten, davon über 120.000 aus Deutschland, bietet
worldwidejobs.de BewerberInnen das größte deutsche Jobangebot im Internet. Zuvor arbeitete die 38jährige als Wirtschaftsredakteurin für verschiedene Magazine und Online-Angebote, zuletzt in Hamburg als Redakteurin in der Wirtschaftredaktion des STERN und in Düsseldorf bei der Wirtschaftswoche.
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FORUM
„Starten und Durchstarten in der Informationsgesellschaft. Finanzielle
Wege in die Selbständigkeit.“
Dr. Heike Kehlbeck, T-Venture, Berlin
Ziel meines Statements ist es,
a) die Finanzierungsalternative Venture Capital transparenter zu machen und
b) einige Aspekte meiner Erfahrungen im Bereich Existenzgründung und Finanzierung von
Unternehmen weiterzugeben.
1. T-Venture und Venture Capital in Deutschland

T-Venture als große Corporate Venture Capital Gesellschaft – d.h. mit der Deutschen
Telekom AG im Hintergrund - gehört zu den attraktivsten Investoren im Bereich der
TIMES-Märkte. (TIMES=Telekommunikation, Informationstechnologie, Multimedia, Entertainment, Security)

Venture Capital-Bereich ist ein interessantes Tätigkeitsfeld für Frauen. Neben den fachlichen Kompetenzen kommt es vor allem auf die kommunikativen Fähigkeiten und das
„richtige Gespür“ an.

Der VC-Markt in Deutschland hat im Jahr 2000 neue Rekorde erreicht und wird sich auch
in Zukunft positiv entwickeln, da enorme Wachstumspotentiale vorhanden sind.

Aufgrund des schwierigen Umfeldes beim Fund raising und Exit geht dies mit Bereinigungen im VC-Markt einher. Und das ist gut so! Denn: „Hot money made mistakes“.
2. Finanzierungsmöglichkeiten für Existenzgündungen

Venture Capital ist eine unter vielen Finanzierungsalternativen. Nur bei einem kleinen
Teil von Unternehmen ist Venture Capital die geeignete Finanzierungsquelle.

Venture Capital ist risikotragendes Kapital, das in innovative, schnell wachsende Unternehmen investiert wird. Ziel ist es, eine Wertsteigerung des Unternehmens zu erreichen
und entsprechend dem hohen Risiko eine hohe Rendite für die Investoren zu realisieren.

Venture Capital-Investoren suchen längerfristige Partnerschaften mit Gründungsgesellschaften. Aber: es ist eine Partnerschaft auf Zeit!
3. Frauen und Venture Capital

Mehr Mut! Versuch macht klug!

Nur in sehr wenigen Gründerteams, die Venture Capital akquirieren, sind Frauen beteiligt.
18

Management, Management, Management – ist das wichtigste VC-Kriterium. Frauen
sollten daher noch mehr ihre Kompetenzen im Bereich Team und Mitarbeiterführung und
Krisenmanagement herausstellen.
4. Existenzgründungen im Bereich Neuer Medien

Der Hype ist vorbei, der Boom bleibt.

Es zählen wieder fundamentale kaufmännische Gesetzmäßigkeiten.

Gesucht werden profitable Geschäftsmodelle.

Der Businessplan sollte realistische Umsatzziele aufzeigen. Der Break even muss erreichbar sein.

Viele Unternehmen im Bereich der neuen Medien vernachlässigen die solide Finanzplanung und –kontrolle (inklusiver Cash Flow Planung) und die frühzeitige Vorbereitung
weiterer Finanzierungsrunden.
5. Welche Finanzierungswege bevorzugen Frauen?

Frauen sind phantasievoller beim Aufspüren von Finanzierungsmöglichkeiten.

Aber: Sie wählen seltener die traditionellen Finanzierungswege, führen weniger Bankgespräche und verhandeln zurückhaltender über Finanzierungskonditionen.
6. Empfehlungen an Gründerinnen im IT- und Multimedia-Bereich

Schöpfen Sie sachlich und mutig alle Möglichkeiten aus.

Ein Businessplan ist Grundbedingung für erfolgreiche Finanzierungsgespräche, aber am
wichtigsten für Sie selbst.

Der Businessplan sollte realistisch und verständlich sein, aber auch die Potentiale ausreichend erkennen lassen.

Ein rein technikorientiertes Geschäftsmodell reicht nicht. Stellen Sie den Kundennutzen
und ihren USP in den Vordergrund.

Talk about ´exits´ when you ´enter´

Frauen sind häufig gute Krisenmanager in Familien, bringen Sie dieses auch in Ihre unternehmerischen Aktivitäten ein.
7. Wie können Gründerinnen im Bereich IT- und Multimedia noch stärker gefördert
werden?

Noch mehr Networking

Die Verbindung von kommunikativen Fähigkeiten, Gespür mit technischem und betriebswirtschaftlichem Know-how ist unschlagbar. Die Orientierung hierauf sollte bereits bei
den Schülerinnen beginnen.
19
Informationen zur Person:
Frau Kehlbeck ist seit Anfang der neunziger Jahre in der Beratung und Finanzierung von
innovativen, jungen Unternehmen engagiert. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und wissenschaftlicher Tätigkeit mit anschließender Promotion (1994) führte sie ihr
Berufsweg über den öffentlichen Dienst und eine Landesbank in die Selbständigkeit und
dann in die spannende Venture Capital Branche.
Seit Anfang 2000 ist sie bei T-Venture, der Venture Capital Tochter der Deutschen Telekom,
aktiv. Als Investment Direktorin bewertet sie Anfragen von Unternehmen, führt Investitionsverhandlungen und unterstützt die Beteiligungsunternehmen bis zum Exit.
Als Consultant (1997-199) war sie unter anderem für die Wolfsburg AG und im Rahmen des
dort veranstalteten Business Plan Wettbewerbs ´promotion´, als betriebswirtschaftlicher
Coach für Unternehmer und Unternehmerinnen und im Bereich Stadtmarketing aktiv. Als
Gutachterin hat sie im Auftrag des Senatsamtes für die Gleichstellung der FHH zusammen
mit der Universität Hannover eine Studie über Existenzgründerinnen und Aspekte der Unternehmensfinanzierung sowie für die NORD/LB eine Studie über Region und Risikokapital erstellt.
Vorher befasste sich Frau Kehlbeck in der NORD/LB (1996), in der Wirtschaftsbehörde der
FHH (1994-1996) und im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium (1992-1994) mit der
Förderung von Unternehmen und Wirtschaft. In dieser Zeit hat sie u.a. an der Verbesserung
der Rahmenbedingungen für Venture Capital in Deutschland mitgewirkt und als Existenzgründungsbeauftragte die Hamburger Initiative für Existenzgründungen und Innovationen
(H.E.I.) gestaltet, die Vorbild für viele Existenzgründungsinitiativen in anderen deutschen
Regionen geworden ist.
Zwischen 1986 und 1992 war sie als Dozentin und Wissenschaftlerin an einer privaten Akademie und der Universität in Hannover aktiv.
Frau Kehlbeck hat in Hannover promoviert (Dr. rer. pol., 1993) und Wirtschaftswissenschaften (1980-1986) studiert und in Lüneburg ein Studium der Multimedia-Informatik (1999) absolviert. Sie ist Mitglied im Deutschen Multimedia Verband (dmmv) und in der Hamburg new
media@work.
Frau Kehlbeck wohnt zur Zeit mit ihrem Lebenspartner in der schönsten Stadt Deutschlands:
Hamburg und in der spannendsten Stadt Deutschland: Berlin. Sie hat keine Kinder und ist
nicht verheiratet.
20
Martina Krämer, Hamburger Initiative für Existenzgründungen und Innovationen H.E.I.,
Hamburg
Zur Hamburger Initiative für Existenzgründungen und Innovationen H.E.I.:
Initiative der Hamburger Wirtschaft, seit 1995
finanz- und tatkräftige Unterstützung von der Wirtschaftsbehörde und
der Vereins- und Westbank AG, Team Concept
erste Anlaufstelle für Existenzgründerinnen in Hamburg
Qualifizierung der Interessentinnen über das H.E.I.-Scheckheft (Inhalt: Wertschecks in
Höhe von DM 1.000,--)
Initiierung von Projekten, u.a. „Banken als Partner“ (1 x im Monat), Gründerstammtisch
(alle 6 Wochen) und H.E.I.-InfoPoint Hamburg (jeden 2. Mittwoch im Monat)
Veranstaltung der jährlichen Gründertage (23.-25.11.2001 in der Handwerkskammer
Hamburg)
Beratungsteam von 3 Mitarbeiterinnen
Internetpräsenz: www.gruenderhaus.de
Daten und Fakten (2000):
-
3.000 Auflagen
435 Beratungsgespräche
415 vergebene Scheckhefte
Anteil Männer zu Frauen: 50:50
Altersdurchschnitt ca. 30 bis 35 Jahre
Informationsdefizite der Gründerinnen:
1.
2.
3.
4.
5.
Finanzierungsfragen
Kalkulation, Buchführung, Steuern
allgemeine kaufmännische Fragestellung, Marketing
Krisenmanagement
Unternehmenskauf
Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten?
-
Fremdfinanzierung: Umfassende Infos rund um das Thema „Öffentliche Finanzierungshilfen“ (BG)
Eigenkapitalfinanzierung: BTG, VC’s oder Innovationsstiftung Hamburg
Wie nehmen Sie Frauen bei der Inanspruchnahme wahr?
Frauen haben eine größere Scheu, sich zu verschulden Risikobewusster!
Eingeschränkte familiäre Unterstützung! Spannungsdreieck: Selbständigkeit/Kind/
Familie.
Frauen sind „Multitasking“-fähig, d.h. Organisationstalente (gute Netzwerkerinnen).
21
Frauen benötigen im Durchschnitt weniger Kapital! Da fragen wir uns schon: Woran mag das
liegen? Zuerst einmal daran, dass den männlichen Gründern höheres Eigenkapital/Einkommen zur Verfügung steht und sie damit bei den Banken größere Kredite bewegen
können.
Spezielle Problematik von Existenzgründungen im Bereich „Neuer Medien“?
Hochkomplexe Inhalte werden oftmals nicht verstanden.
Branchenproblematik: Psychologische Komponente => Marktschwankungen.
Gute fachliche Qualifikation, aber keine kaufmännische Kenntnisse (fehlendes Controlling
im Unternehmen).
Frauenanteil im Bereich technische Berufe ca. 3 %, eher im künstlerischen Umfeld tätig
(Graphikerin, Dienstleistung).
< Vertrieb von Hard-/Software, Netzwerkentwicklung/-implementierung, Support, Programmierung
> Graphikerin, Dienstleistung im Internetbereich.
Welche Finanzierungswege bevorzugen Frauen nach Ihrer Erfahrung?
Eigenfinanzierungsanteil hoch, weniger Fremdfinanzierung über Banken.
Freiberufliche Tätigkeit (evtl. von zu Hause aus).
DtA-Startgeld.
Kooperation (Bürogemeinschaften oder Rechtsformen=Partner).
Welche Empfehlungen würden Sie Gründerinnen im IT- und Multimedia-Bereich geben?
Umfassende Analyse der Marktgegebenheiten (inkl. Konkurrenz).
Kapitalvernichtung = Finger am „Puls der Branche“ haben.
Welche Handlungsbedarfe sehen Sie, um Gründerinnen in dieser Branche stärker zu
fördern?
Bedarfsgerechte Ausbildung im technischen Bereich.
Sensibilisieren für die Berufe der Zukunft!
Informationen zur Person:
Martina Krämer (Jahrgang 1969) kam im Juli 1996 zur Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg
GmbH als Firmenkundenbetreuerin mit Handlungsvollmacht. Sie ist gelernte Bankkauffrau
und verfügt über 7 Jahre Erfahrung im Kreditwesen. Nebenberuflich hat sie eine Fortbildung
zur Bankwirtin durch Besuch der Bankakademie absolviert.
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Birgit Kownatzki, Vereins- und Westbank – Team Concept, Hamburg
Das 7köpfige Team Concept der Vereins- und Westbank ist spezialisiert auf die Begleitung
von Unternehmensgründungen und –nachfolgen. Wir verstehen uns als Schnittstelle und
Berater, d.h. wir stellen nicht nur die optimale Finanzierung zusammen, sondern vermitteln in
einem integrierten Prozess die Gründer bzw. Nachfolger zusätzlich an Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte, VC-Gesellschaften, öffentliche Kreditgeber und Kreditgarantiegemeinschaften.
Ferner bietet unser Team eine Begleitung der jungen Unternehmen über die ersten Jahre
der Geschäftstätigkeit. Nach der Startphase wird der Kunde später nicht mehr durch uns,
sondern zwecks räumlicher Nähe von einem Vertriebsmitarbeiter vor Ort betreut.
Finanzierungen für Gründer und Nachfolger realisieren wir in nahezu allen Fällen über zinsgünstige öffentliche Mittel. Wenn es erforderlich ist, stellen wir außerdem den Kontakt zu
Beteiligungsgesellschaften her, um so die optimale Kombination aus Fremd- und Eigenkapital sicherzustellen.
Der Frauenanteil bei Existenzgründungen ist – das war auch in der Vergangenheit stets der
Fall - auffällig niedrig. Außerdem sind die beantragten Kreditsummen im Durchschnitt sehr
viel geringer. In den Gesprächen erleben wir Frauen oftmals wesentlich vorsichtiger als
Männer. Nach eigener Aussage vieler Frauen sind diese bei dem Schritt in die Selbständigkeit stark auf den Rückhalt aus Freundeskreis und Familie angewiesen.
Die Branche der Neuen Medien ist derzeit stark belastet durch viele Insolvenzen. Daher ist
aktuell eine gewisse Vorsicht seitens der Kapitalgeber (sowohl Banken als auch VC-Gesellschaften) spürbar. Folglich sind Gründerinnen in dem Bereich verstärkt aufgefordert, ihre
angestrebten Nischen bzw. Stärken gegenüber Mitbewerbern in ihren Konzepten klar herauszuarbeiten. Der Businessplan ist für gewöhnlich die "Eintrittskarte" zur Finanzierung. Ist
dieser unvollständig, da die Gründerinnen z.B. der Meinung sind, weitere wichtige Punkte
besser in einem persönlichen Gespräch erläutern zu können, so kommt es oftmals gar nicht
mehr zu diesem Termin. ( Sowohl Banken als auch VC-Gesellschafter führen schon aus
Kapazitätsgründen nur Gespräche mit Gründern, die einen sehr guten Businessplan eingereicht haben. )
Die Branche ist ferner stark durch Fachterminologie geprägt, so dass die Businesspläne für
Externe oft nur schwer verständlich sind. Dies gilt natürlich auch für potentielle Kapitalgeber.
Daher ist allen Gründerinnen in dieser Branche zu empfehlen, ihren Businessplan noch
durch gute Freunde oder Bekannte, denen sie vertrauen, gegenlesen zu lassen. Hierbei
kann der Plan von einer nicht beteiligten dritten Person auf Schlüssigkeit und Verständlichkeit geprüft werden.
Unsere Tipps an Gründerinnen aus dem Bereich Neue Medien:
- Sich intensiv mit der eigenen Idee und dem Wettbewerb auseinander zu setzen,
- im Vorwege ein ehrliches Stärken-Schwächen-Profil zu erstellen,
- den Businessplan von einer dritten Person gegenlesen zu lassen,
- den Businessplan bei mehreren potentiellen Kapitalgebern einzureichen. Hierbei sollte im
Vorwege telefonisch erfragt werden, ob die angesprochenen Kapitalgeber der Finanzierung von Gründungen in dem Bereich/in der Größenordnung offen gegenüberstehen.
Ferner sollte man konkret nach einem Spezialisten für Unternehmensgründungen fragen
und sich im Anschluss direkt an diesen wenden.
23
Informationen zur Person
Birgit Kownatzki, geboren am 17.04.1970 in Köln. Nach einigen Umwegen über Essen und
Pinneberg nunmehr wohnhaft in Hamburg.
1989 – 1991: Ausbildung zur Bankkauffrau in der Vereins- und Westbank AG
1991 – 1998: tätig als Kreditspezialistin, in den Jahren 1992/1993 erfolgte eine interne
betriebswirtschaftliche Fachausbildung
1998 – heute: Geschäftskundenbetreuerin, unterbrochen durch 7monatige, projektbezogene
Tätigkeit als Dozentin in München. Seit 1999 als Kundenbetreuerin tätig im
"Team Concept" der Vereins- und Westbank AG. Dieses ist spezialisiert auf
Unternehmensgründungen und –nachfolgen.
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FORUM
„Ohne Netzwerke geht es nicht! Business Networking im Web“
Sybille Heyms, Webgrrls, Hamburg
Kurzdarstellung des Vortrages von Rechtsanwältin Sybille Heyms, Hamburg, Regionalleitung
Webgrrls Hamburg
1. Was ist eigentlich Networking?
Nutzung des Internets
2. Webgrrls - ein Internetnetzwerk für Frauen
Gründungsgeschichte
Webgrrls als virtuelles business Netzwerk
International 20.000 Mitglieder
5.000 Mitglieder in Deutschland
3. Zielsetzungen
Vernetzung und Förderung von Frauen, die sich beruflich mit Internettechnologien
und/oder mit „New Media“ Businessfragen auseinandersetzen
4. Möglichkeiten
Bildung von Wissens- Pools/ Wissensaustausch/ Informationsbeschaffung- Prinzip des
„Gebens und Nehmens“
virtuelle Teams/ regional und überregional
professionelle Auftragsvermittlung
Karriereplanung – Weiterbildung, Jobsuche, Bewerbung
5. Funktionsweise
Mailinglisten
Website
Regionaltreffen
Informationen zur Person:
Sybille Heyms, Rechtsanwältin, wurde 1966 geboren, ist alleinerziehende Mutter eines 1989
geborenen Sohnes.
Absolvierte zunächst eine Ausbildung in Kosmetik, Visagismus nebenbei Fotografie.
Übernahm diverse Tätigkeiten in Werbung und Vertrieb.
Leitete in Berlin die Markteinführung eines japanischen Kosmetik-Konzerns.
1988 Hochzeit/ 1989 Geburt des Sohnes Philipp / 1991 Trennung / 1994 Scheidung.
Erst spät reifte die Idee zu studieren:
1991 Hannover/ Bremen: Studium der Rechtswissenschaften, erstes Staatsexamen
1996 – 1998 Köln: Referendariat, zweites Staatsexamen.
25
Eröffnete 1999 eine Rechtsanwaltskanzlei in Hamburg, die sich vornehmlich in den Bereichen Online Recht, dem gewerblichen Rechtsschutz, Markenrecht, Urheberrecht und Vertragsrecht betätigt. Die Tätigkeit ist zu einem großen Teil beratend. Zu den Mandanten zählen sowohl kleine bis mittelständische IT-Unternehmen, Softwareentwickler, Web-Designer
als auch Bürger von nebenan.
Mit einem Vertrag startete die Verfasserin ein gemeinsames Projekt. Inhalt ist eine Veröffentlichung im Bereich Online Werbung. Diese Veröffentlichung soll Ende des Jahres 2001 fertig
gestellt sein und wird ca. 400 bis 500 Seiten umfassen.
Ehrenamtliche Betätigung als Regionalleiterin der Webgrrls in Hamburg.
26
Brigitte Lüdecke, Mediacoaching, Berlin
Mediacoaching – ein virtuelles Netzwerk für Frauen, die sich selbständig machen.
Bestimmte Techniken des Internet eignen sich im besonderen Maße, um mit anderen einen
fachlichen Austausch zu pflegen: Newsgroups und Mailinglisten. Es handelt sich um Communities, die weniger unterhaltungs-, sondern sachlich orientiert sind; das Themenspektrum
ist extrem vielfältig: Selbsthilfe, Gesundheit, Politik, Beruf, Wissenschaft, Religion, etc, für
alles gibt es eine Ecke. Für die Teilnahme an einer Mailingliste genügt ein E-Mail-Konto, für
das Lesen von Newsgruppen sollte der Internetprovider einen Zugang bereitstellen. Beide
Techniken bieten eine immense thematische bzw. fachliche Vielfalt.
Dabei ist das Spannungsfeld zwischen der formal sehr unverbindlichen Mitgliedschaft und
der Aufgeschlossenheit und Verbindlichkeit, mit der auch Neulingen begegnet wird, verblüffend.
Gerade für ganz spezielle Themen kann das Internet das richtige Medium sein, um zeit- und
ortsübergreifend mit anderen Erfahrungen, Kenntnisse, Ansichten und Ideen auszutauschen.
Das Wort Synergie hat hier eine ganz neue Bedeutung bekommen.
Zugleich ist die aktive Beteiligung in solchen Netzwerken eine einfache und aussichtsreiche
Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, die auch beruflich auf die eine oder andere Art weiterbringen (können).
Mediacoaching ist ein solches Netzwerk. Gegründet im Oktober 1998 als Privatinitiative
steht diese Mailingliste heute rund 280 Frauen, die selbständig sind oder sich selbständig
machen wollen, rund um die Uhr als Kommunikationsplattform zur Verfügung.
Fragen die alltäglich behandelt werden sind z.B.
 Vertragliches, Fachliches, Buchhaltung, Akquisition, etc.
 Trends in der Entwicklung des Internet
 EDV-Probleme aller Art, auch: nützliche Tools für das eine oder andere Problem
 gegenseitige Rückmeldung für einen professionellen Auftritt
Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme ist Akzeptanz der (üblichen) Nettikette.
Informationen zur Person:
Brigitte Lüdecke, 1984 Diplom in Soziologie an der Freien Universität Berlin, 1994 Abschluss
Wirtschaftsassistentin beim Institut für Technische Weiterbildung Berlin e.V., Berufserfahrung
in Wirtschaft, Verwaltung und gemeinnützigem Bereich;
seit 7/1998 Aufbau und Pflege des Netzwerkes Mediacoaching – eine Mailingliste für Frauen
die sich selbständig machen;
selbständig im Bereich Erhebung der Nutzeranforderungen an zukünftige IT-Systeme sowie
Einsätze als Dozentin für Kommunikation im Internet, Webseitengestaltung und MS-OfficeProgramme.
27
Birgit Poppke, womaticker, Frankfurt/Main
“Der Erfolg eines jeglichen Unternehmens hängt immer mehr vom Grade seiner Vernetzung
ab”.
Der Journalistinnen- und Expertinnenpool:
Womanticker besteht aus drei Teilen:
1. Ein Informationsdienst für Frauen,
2. eine Seminaranbieterin zum Thema „Online-Redaktion“
und in Kooperation mit dem Journalistinnenbund
3. Initiatorin und Betreiberin eines Journalistinnen- und Expertinnenpools im Internet.
In den Pool haben sich von unseren 1000 Community- (Medienfrauen) 120 eingetragen.
Unser Netzwerk will Kontakte zwischen den Autorinnen fördern,
Autorinnen und Expertinnen sichtbar machen,
eine Plattform zur Selbstdarstellung und zur Akquise bieten, Texte und deren Autorinnen der
Medienwirtschaft vermitteln.
Stand der Dinge:
Zur Zeit arbeiten wir gerade an der Datenbank und den Scripten, um die Handhabung dynamisch und damit einfacher zu machen. Dann wird jede Teilnehmerin ihre Daten über einen
Benutzerinnennamen und Passwort selbst verwalten können, die Daten ändern und immer
wieder Texte eingeben können. Außerdem hat sie die Möglichkeit, eine E-Mail Adresse zu
bekommen und so mit anderen Poolmitgliedern Kontakt aufzunehmen. Jedes neu aufgenommene Mitglied wird in unserem Newsletter vorgestellt und somit mit den Fachkompetenzen allen Abonnentinnen und Abonnenten bekannt gemacht.
Derzeit vermitteln wir hauptsächlich die Kontakte zwischen Verlagen, Zeitungen und anderen
Interessentinnen, die auf der Suche nach freien Autorinnen oder Expertinnen sind und den
Journalistinnen. Name, Fachgebiet, Publikationen und ein Probetext sind im Internet zu sehen. Nach dem Relaunch wird es für Textsuchende die Möglichkeit geben, Auszüge der
Daten nach Stichwörtern abzufragen, Kurztexte der Autorinnen einzulesen und diese Texte
dann zu beziehen oder eine Expertin über uns zu buchen.
Wendet sich ein Medium an uns mit einer konkreten Anfrage, erstellen wir auch ein redaktionelles Konzept (für eine Webseite) und koordinieren auch einen Stab an freien Mitarbeiterinnen, die wir aus dem Pool rekrutieren und die langfristig Inhalte liefern. Die Journalistinnen
übertragen uns dann gezielt die Nutzungsrechte für ihre Texte.
Wir sehen uns als Komplett-Dienstleisterin für eine Zielgruppe: Durch unseren Newsdienst
informieren wir zum Thema Frauen und Internet.
Unser Seminarbereich hat sich auf Medienfrauen spezialisiert und bietet Seminare, mit
denen Frauen sich zum Thema Online-Redaktion weiterbilden können. Mit Hilfe der Datenbank können sie sich dann mit ihren Kompetenzen sichtbar machen.
Ziel ist also:
Ein freier Journalistinnenpool im Internet als bundesweiter Contentdienst.
Der Expertinnen – und Journalistinnenpool wird nicht nur als Kontaktbörse dienen, um Journalistinnen und Expertinnen untereinander zu vernetzen, sondern vermittelt auch Freie Mit28
arbeiterinnen, Texte und Expertisen an die Medien. Dabei tragen sich die Medienfrauen in
eine Datenbank mit ihrem Fachthema, ihren Referenzen und ihrer Disponibilität ein.
Was bedeutet Netzwerken für uns?
Für uns bedeutet Netzwerken, eine mehrdimensionale Plattform zur Verfügung zu stellen
oder zu nutzen, auf der sich Menschen austauschen können - in welchen Form auch immer.
Da wir eine Medienplattform aufbauen, hat das noch mal eine besondere Komponente.
Für uns bedeutet ein Netzwerk in dieser Art aber auch, Medienfrauen die Arbeit zu erleichtern und die Präsenz von Medienfrauen zu stärken. Als Dienstleisterin.
Was sind das für Frauen bei uns?
1. Bei uns finden sich überproportional viele Frauen, die sich mit dem Thema Gender und
Frauenforschung beschäftigen. Oder Frauen, die sich mit wissenschaftlichen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Themen beschäftigen. Auch Auslandsthemen, Gesundheitsthemen und Beratungstätigkeiten sind Schwerpunkte. Wenig anzutreffen sind Frauen, die
sich auf klassische Themen der Schönheit und Wellness, Mode und Kosmetik spezialisiert
haben. Obwohl wir auch eine Rubrik Schönheit haben.
2. Eine Journalistin, die sich bei uns einträgt muss sich erst einmal als „Journalistin“ begreifen und nicht unter die Rubrik “Journalist” als Berufsbezeichnung einordnen. Sie geht mit
hoher Wahrscheinlichkeit auch davon aus, dass Journalistin zu sein in vielen - nicht in allen
Punkten - etwas anderes ist, als ein „Journalist“ zu sein.
3. Bis jetzt tragen sich die Frauen bei uns ein, weil es nichts kostet, es relativ schnell geht
und weil sie nur Vorteile haben können, durch die Präsenz in unserer Datenbank. Sie können die Webseite, die wir über sie erstellen, nutzen oder nicht und haben einen zusätzlichen
Verknüpfungspunkt im Netz.
Informationen zur Person:
Birgit Poppke, selbstständige Fach-Journalistin für den Bereich Internet, IT- und Multimedia,
Webentwicklerin, Online-Redakteurin. Sie ist Gründerin der poppke & broos GbR, die das
Portal www.womanticker.de entwickelt, einem Internet-Informationsdienst für Frauen und
Zielgruppenportal für Journalistinnen. Sie arbeitet zudem für verschiedene (Fach-)publikationen.
Studium: Publizistik. Erfahrungen: Der Online-Dienst germany.net (Pressereferentin) und
der Fachinformationsdienst Internet Intern (Online-Redakteurin), Focus online (freie Mitarbeit), Hightext Verlag. Bei womanticker Redaktionsleitung und Webseiten-Entwicklerin.
Eigene Internet-Kolumne in der Frankfurter Rundschau.
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Birgit Unger, u-netz, Essen
www.u–netz.de – Wirtschaftspotenziale von Frauen sichtbar machen
Seit 8 Jahren entwickeln Birgit Unger und Cornelia Sperling, Mitinhaberinnen der RevierA
GmbH aus Essen, Konzepte und Projekte zur Sichtbarmachung und Stärkung von Unternehmerinnen.

Regionale Branchenbücher seit 1994 mit dem Verband Schöne Aussichten für das
Ruhrgebiet und Köln/Bonn

Unternehmerinnentage Ruhrgebiet, seit 1996 jährlich stattfindendes Forum mit
400-500 Teilnehmerinnen für Erfahrungsaustausch und Qualifizierung, das in breiter
Kooperation mit Unternehmerinnenverbänden/Netzwerken, Beratungs- und Wirtschaftsinstitutionen realisiert wird.

Virtuelles Unternehmerinnenforum www.u-netz.de, Wirtschaftsportal und Vernetzungsmedium seit 1999, unterstützt vom Wirtschafts- und Frauenministerium NRW.
Die Motivation, www.u-netz.de zu entwickeln war und ist:
 Die Vielfalt der Unternehmerinnen sichtbar zu machen für: KundInnen, Politik und Wirtschaft;
 ein Forum für den Erfahrungsaustausch zu schaffen und Unternehmerinnen miteinander
in Kontakt zu bringen;
 ein Informationsportal zu entwickeln für Verbands- und Netzwerk-Termine, interessante
Seminare sowie Tipps, Chats und Best Practice-Modelle;
 erprobte Elemente wie die Kooperationsbörse der Unternehmerinnentage an allen 365
Tagen im Jahr möglich zu machen;
 Chefinnen Informationen über Verbände, Beratungsangebote und Fachliteratur zu geben
sowie weiterführende Links und Adressen zur Verfügung zu stellen und
 den Gedanken des Miteinander-Geschäfte-machens und Netzwerkens fördern.
Die weiteren Pläne für das virtuelle Unternehmerinnenforum www.u-netz.de
Nach dem NRW-weiten Ausbau mit landesweiten Daten und neuem Design in 2001, geht es
jetzt darum, adäquate Werbemöglichkeiten für Unternehmerinnen zu entwickeln und weiter
zu experimentieren, wie das Medium Internet für Erfahrungsaustausch, Beratung und Kontaktmöglichkeiten genutzt werden kann. Eine weitere wichtige Arbeit liegt auch in der Bekanntmachung des virtuellen Unternehmerinnenforums für Kundinnen und Kunden - als
Adresse für Kompetenz und Qualität.
Langfristig wollen wir die Finanzierung der Plattform mehr auf die Nutzerinnen selbst und die
Akquisition in der Privatwirtschaft konzentrieren. Dazu ist es einerseits nötig, mehr Werbeplätze anzubieten und andererseits mit interessierten Partnern aus der Wirtschaft zusammen
zu arbeiten, die gezielt Kontakt zu von Frauen geführten Unternehmen suchen und bereit
sind, ihre Produkte und ihr Marketing auf diese Zielgruppe auszurichten. Auch der Bereich
von Onlineberatung wird in den nächsten Jahren eine größere Rolle spielen, hier machen
Expertinnen und Beraterinnen bereits interessante Erfahrungen.
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Eine große Rolle spielt der bundesweite Ausbau in der nahen Zukunft. Immer mehr Unternehmerinnen und Expertinnen aus dem ganzen Bundesgebiet finden www.u-netz.de im Internet und wünschen sich ähnliche Angebote in ihren Ländern. Hier bieten wir Unterstützung
und Beratung an, wie Länderportale aufgebaut werden können.
Ein bundesweites Internet-Portal für Unternehmerinnen kann den Zugang zu weiteren künftigen Länderportalen sicherstellen und sich für Themen wie Unternehmens-Nachfolge, Mentoring oder Europa engagieren.
Damit würde ein großes Bedürfnis nach Erfahrungsaustausch mit anderen Regionen befriedigt und könnte gerade auch kleineren Initiativen früh Gelegenheit geben, im Netzwerk sichtbar zu sein.
Informationen zur Person:
Birgit Unger, Jahrgang 1962
Geschäftsführende Gesellschafterin der RevierA GmbH, Agentur für Kultur und Kommunikation, in Essen (www.reviera.de)
Ausbildungen: Kauffrau und Schriftsetzerin, Selbstständig seit 1990
Schwerpunkte der Agentur:
 ProjektEntwicklung, u.a. zur Sichtbarmachung von Unternehmerinnen und ihrer Verbände, PR-Arbeit, Konzeptentwicklung und –umsetzung
• regionale Branchenbücher mit dem Verband „Schöne Aussichten“, seit 1994
• Unternehmerinnentag Ruhrgebiet, seit 1996
• virtuelles Unternehmerinnenforum www.u-netz.de, seit 1999
 KongressManagement, z.B. für Fachtagungen der Landesregierung NRW
 GrafikDesign für klassische PrintMedien und CrossMedia (CD-ROM und Internet)
Mitglied im:
 VdU – Verband deutscher Unternehmerinnen
 Parlament der Industrie- und Handelskammer zu Essen
 Verband Schöne Aussichten – Verband selbstständiger Frauen e.V.
 netz NRW – Verbund für Ökologie und soziales Wirtschaften e.V.
31
FORUM
„Berufswege – heute, morgen, übermorgen. Tätigkeitsfelder und
Anforderungen in IT- und Multimediaberufen“
Birte Glimm, Elephant Seven GmbH, Hamburg
Informationen zur Person:
Persönliche Daten
Name:
Birte Glimm
Telefon: 040. 34 101 - 226
E-Mail: [email protected]
Ausbildung
1994
Abitur am Gymnasium Theodor-Mommsen-Schule
1995 – 1998
Kommunikationsdesign Studium
an der privaten Hamburger Technischen Kunstschule
Abschlussarbeit: Internet Kulturforum
Abschluss: sehr gut
Berufserfahrung
04/98 – 01/00
Teilhaberin der Multimedia Agentur
JEN.net Internet Services GmbH in Hamburg
Aufbau des Bereichs Internet
seit 01/00
Systementwicklerin bei der Elephant Seven GmbH in Hamburg
Technische Leitung des Team 1
Konzeption und Realisierung von Inter/Intranet Anwendungen
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Dr. Bettina Knauer, Multi-M Fischer Multimedia GmbH, Hamburg
Voraussetzungen und Anforderungen der PR-Arbeit im Bereich Multimedia und Internet
Qualität statt Quantität: PR-Arbeit muss immer schnell sein, darf dabei jedoch die Ansprüche
hinsichtlich Qualität und Kontinuität nicht aus den Augen verlieren. Das gilt gerade im dynamischen Marktumfeld IT und Multimedia, und das gilt nach dem Hype und der einseitigen
Fokussierung auf die Aktienentwicklung um so mehr. Es kann dabei nur der erfolgreich agieren, der neben hoher Flexibilität eine ausgearbeitete Strategie und ein klares Konzept hat
und so auch einen eigenen Stil entwickeln kann. Schnellschüsse und Spontanaktionen erregen zwar einiges Aufsehen, werden aber ebenso schnell auch wieder vergessen.
Quereinstieg: Über die intensive Auseinandersetzung mit Fachjournalisten und auch Wissenschaftlern wird die Professionalität im kommunikativen Außenauftritt gesichert. Die Qualifikationsanforderung für die PR-Arbeit sind hoch. Dabei bringen Quereinsteigerinnen aus
unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen gute Voraussetzungen mit, da sie die Themen rund um die neuen Medien in unterschiedlichen Kontexten (gebildet im Studium, Werdegang etc.) betrachten und so den Multiplikatoren ein differenziertes und reflektiertes Bild
von Multimedia und Internet anbieten können.
Neue Medien, neue Kultur, neue Wirtschaft: Mit dem Internet sind neue kulturelle und wirtschaftliche Diskurse verbunden, die in der PR-Arbeit aufgegriffen und reflektiert werden sollten. Auch hier gilt: insbesondere nach dem Hype ist eine PR-Arbeit notwendig, die neue Akzente im Bereich „Neue Kultur, neue Wirtschaft: Internet“ setzt und konturiert.
Neue Teamkultur: In den Teams wirken unterschiedliche Kulturen von Kreativen zusammen
(IT-Entwicklung, Design, Text, Werbung, Beratung etc.) – alle konzentriert auf ein maßgeschneidertes Endprodukt. Flexibilität, Konturierung und Grenzüberschreitung zugleich sind
daher von den einzelnen Teammitgliedern gefordert. Will man von einer neuen Teamkultur
im Bereich Neue Medien sprechen, so entwickelt sich hier eine sehr interessante Verbindung
von akademischer und marktorientierter Kultur.
Informationen zur Person:
Dr. Bettina Knauer (geb. 1964)
Public Relations Manager bei MULTI-M KG
-
Studium der Germanistik, Philosophie, Theaterwissenschaften, Buch- und Bibliothekswissenschaft, Christlichen Archäologie und Kunstgeschichte
-
Promotion im Fach Neuere deutsche Literaturwissenschaft
-
7 Jahre wissenschaftliche Assistentin und Dozentin am Institut für Germanistik der Universität Erlangen-Nürnberg. Dort u. a. auch Projektleitung und Öffentlichkeitsarbeit für
das Programm „Europäische Hochschule“
-
Freie Journalistin (online und offline)
-
PR/Marketing Referentin bei einem IT/Telcounternehmen in Hamburg
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Dr. Ulrike Schumann-Giesler, bios beratungs gmbh, Hamburg
Beratung in der IT-Branche – Überblick und Erfahrungen
Bei der Beratung in der IT-Branche lassen sich verschiedene Aufgabenfelder unterscheiden.
Sie reichen von der strategischen Unternehmensberatung über die unterschiedlichen Tätigkeiten bei der Softwareerstellung (z.B. Konzeption, Programmierung) bis hin zum Training
von Mitarbeitern und Coaching von Führungskräften. Für die dargestellten Aufgabenfelder
sind neue Berufsbilder entstanden.
Die Inhalte der jeweiligen Tätigkeiten und die notwendigen Voraussetzungen zu ihrer erfolgreichen Ausübung werden in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst.
Organisationsberatung
Softwareerstellung
Coaching
Schulung
Inhalt
Analyse/Optimierung
 von Abläufen / Geschäftsprozessen
 der Aufbauorganisation
 der IT-Strategie
 von Projekten
Fachkonzeption
DV-Konzeption
Realisierung
Test
Qualitätssicherung
Integration
Dokumentation
externer Partner einer Führungskraft
Weiterentwicklung der Führungskraft
Schulungen
Workshops
„Training on the job“
Voraussetzung
Fachkenntnisse
Projekterfahrungen
Abstraktionsvermögen
strukturiertes Arbeiten
Kreativität
zuhören können
Kenntnisse in der entsprechenden
Entwicklungsumgebung
Methodenkenntnisse
analytisches Denken
strukturiertes Arbeiten
Erfahrung
Einfühlungsvermögen
„Chemie“ muss stimmen
sehr gute Fachkenntnisse zum Thema
der Schulung
didaktische Fähigkeiten
Alle diese Berufsbilder werden zunehmend auch von Frauen wahrgenommen. In der Art und
Weise, wie die Aufgaben wahrgenommen werden, lassen sich durchaus Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Beratern feststellen. Bei weiblichen Beratern lassen sich
tendenziell die folgenden Eigenschaften feststellen, welche sich positiv auf die Projektarbeit
und das Projektergebnis auswirken:
 Einfühlungsvermögen
 zuhören können
 kommunikationsfähig





teamfähig
Aufgaben werden um der Sache willen und nicht wegen persönlicher Karriereziele möglichst gut bearbeitet
zielstrebig und ergebnisorientiert bei fachlichen Themen
hohe eigene Ansprüche an die Fachkenntnisse
getrennter Einsatz von Verstand und Gefühl
34
Festzustellen ist, dass diese für das Projekt positiven Eigenschaften sich teilweise negativ
auf die persönliche Karriere weiblicher Berater auswirken.
Die Akzeptanz weiblicher Berater bei Kunden und Kollegen ist sehr unterschiedlich, aber
zum größten Teil positiv.
Informationen zur Person:
Dr. Ulrike Schumann-Giesler, Jahrgang 1969, hat Betriebswirtschaftslehre in Kiel und Göttingen studiert (Abschluss 1993). Die Promotion erfolgte im Fach Wirtschaftsinformatik an der
Uni Göttingen (Abschluss 1997). Von 1993 – 1997 arbeitete Dr. Schumann-Giesler als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Uni Göttingen. Forschungsschwerpunkte waren:
 die Konsistenz beim Einsatz mehrerer Datenbanken im Unternehmen (Veröffentlichung:
Schumann-Giesler, U., Datenkonsistenz bei heterogener Datenspeicherung, Wiesbaden
1997, Dissertation) sowie
 die Entwicklung von Anwendungssystemen: von der Konzeption bis zur Realisierung
sowohl der Software als auch der Datenbanken (Veröffentlichung: Schumann, M.,
Schüle, H., Schumann, U., Entwicklung von Anwendungssystemen – Grundzüge eines
werkzeuggestützten Vorgehens, Berlin 1994).
Seit 1997 ist Dr. Schumann-Giesler in der Unternehmensberatung tätig. Sie hat unterschiedliche Aufgaben bei Kunden in ganz Deutschland wahrgenommen. Schwerpunkte sind die
Organisationsberatung, die strategische IT-Beratung, das Training von Mitarbeitern und das
Coaching von Führungskräften. Seit 1999 arbeitet sie für bios beratungsgesellschaft für
informatik und organisationssysteme mbh sowohl als Beraterin als auch im Management.
35
FORUM
„New Economy zwischen Aufbruch und Umbruch. Unternehmenskultur im
Wandel: Chancen für die berufliche Entwicklung von Frauen?“
Cornelia Brandt, ver.di Bundesvorstand, DAG Hauptverwaltung,
Bereich Technologie/Innovation, Hamburg
1. Arbeitswelt im Wandel
Widersprüchliche Entwicklungen und Anforderungen entstehen:
- Auf der einen Seite mehr Eigenverantwortung und Autonomie, andererseits wachsende
Abhängigkeit, von der Technik, vom Kunden, vom Team, von Leistungsvorgaben und
kurzfristigen Unternehmensentscheidungen;
- neue spannende Aufgaben entstehen, aber es wächst auch Stress, Leistungsdruck,
Arbeitsbelastung.
- Die Arbeitszeitrealität hat sich verändert: die Diskrepanz zwischen den tariflich vereinbarten und den tatsächlich geleisteten Arbeitszeiten ist größer geworden.
2. Der New Economy fehlen die Frauen
- Studienanfängerinnen Informatik 1977/78: 21 %, auf 13 % in 1998/99 gesunken
- Frauenanteil in der IT-Branche bei knapp 10 %, die Hälfte im Support, gefolgt von Kreativ- und Verwaltungsjobs (Mikrozensus 2000)
- Weibliche Auszubildende in IT-Berufen, insgesamt 14 % (1999)
in Medienberufen 59 % (1999)
3. Was Frauen von der New Economy erwarten
(Quelle: Befragung der rarecompany 2001)
- Über die Hälfte der befragten Frauen erwarten als Vorteil der New Economy
- mehr persönlichen Freiraum 63 %
- flexiblere Arbeitszeiten 61 %
- zeitgemäßere Arbeitsstrukturen 53 %
- Gleichstellung mit männlichen Kollegen 53 %
- bessere Aufstiegschancen 51 %
- bessere Verdienstmöglichkeiten 51 %
4. Einschätzung der Betriebe (Quelle: Studie des BIBB 2001)
- Insgesamt bewerten Betriebe, die in IT-Berufen ausbilden, die geringe Ausbildungsquote
von Frauen als ein Problem mangelnder Information, Motivierung und fehlenden Interesses junger Frauen
5. Neue Arbeitsorganisation und Wandel der Geschlechterrollen
- Studie zur Telearbeit zeigt:
- Telearbeitende Männer machen neue Erfahrungen bei der Übernahme von Kindererziehung, auch in eher von traditioneller Rollenverteilung geprägten Partnerschaften.
(Quelle: Maus/Winker, 2001, siehe auch www.telechance.de)
6.
-
Handlungsbedarf – Auswahl
Zeitsouveränität sichern, neue Arbeitszeitkultur schaffen
Frauen als Ressource betrachten
Work-Life-Balance für Männer und Frauen
Gendermainstreaming als Konzept
Gleichstellung im Betrieb verbessern
36
7. Links für Frauen in der New Economy ... auch für Männer!
ver.di bietet Beratung, nicht nur virtuell, Beispiele:
-
www.mulimediabuero.de, viele links und Infos
www.onforte.de, Beratung zur Telearbeit, zu Telelernen, Internet/Intranet, für virtuelle
Teams
www.mediafon.net, Tipps für selbstständige Medienschaffende
www.connexx-av.de, für den Bereich der privaten Medien
und setzt auf das Konzept des Gender-Mainstreaming, nehmen Sie uns beim Wort!
Die Firmen der „New Economy“ sollten verstärkt die Potenziale von Frauen erkennen und
nutzen. Der Umbruch, in dem sich die New Economy derzeit befindet, sollte genutzt werden,
die Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer attraktiver zu machen. Dies ist ein Handlungsfeld für die Arbeitgeber und für uns Gewerkschaften.
Zitat: Erwin Staudt, Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland und der Initiative D 21:
"Wir haben großes Interesse an Frauen, die Wissen und Information in Deutschland
voranbringen."
Nehmen wir ihn beim Wort!
Informationen zur Person:
Cornelia Brandt, Diplom-Soziologin, Gewerkschaftssekretärin, seit 1988 bei der Deutschen
Angestellten-Gewerkschaft, Bundesvorstand, Hamburg, seit 2.7.01 ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft. Zuerst in der Bundesfrauenabteilung, mit dem inhaltlichen Schwerpunkt Frauen und Technik, seit September 2000 Leiterin der Abteilung Humanisierung der
Arbeit/Technischer Wandel beim Bundesvorstand der DAG. Mitarbeiterin im Projekt „Koordinationsbüro multimedia und arbeitswelt“ von IG Medien, HBV, Deutscher Postgewerkschaft
und DAG (www.multimediabuero.de) und im „Online Forum Telearbeit“ in beratender Funktion. Mitglied der Expertinnengruppe „Frauen in der Informationsgesellschaft“ seit 1997 ,
diese ist die AG 3 im Forum Informationsgesellschaft (www.forum-informationsgesellschaft.de).
37
Susanne Möcks-Carone, ehemals MediaCity.Academy gGmbH, Hamburg
Was ist unter „Unternehmenskultur“ zu verstehen?
Quelle: Personallexikon; H.-T. Beyer
-
Normen, Werte, Führungs- und Organisationsgrundsätze
Die Summe der Grundhaltungen und Prioritäten
Die Gesamtheit der Denk-, Verhaltens- und Arbeitsweisen im Unternehmen
Welche Werte und Arbeitsweisen charakterisierten die NewEconomy in der Aufbauphase?
-
Zeitliche/räumliche Unabhängigkeit
Keine/flache Hierarchien
Partizipation an Entscheidungen/Erfolg
Offene Kommunikation
Produktive Verbindung Arbeit-Freizeit
Problemloser Quereinstieg
Schnelle/gute Aufstiegsmöglichkeiten
Hohe Dynamik
„Everything goes“
Welche Werte und Arbeitsweisen kennzeichnen die NewEconomy in der heutigen Umbruchphase?
-
Aktuell: Sinn- und Beschäftigungskrise
Verändertes Rollenmodell Arbeitgeber-Arbeitnehmer
Wachsende Professionalisierung
Wachsende Hierarchisierung
Trend zu freien oder zeitweisen Arbeitsverhältnissen (z.B. Freelancer, Interimsmanager)
„Back to the Basics“, wie Rentabilität, Stabilität, Rationalisierung.
Werte, die in der New Economy besonders geschätzt werden
-
Hohe Lernbereitschaft
Dienstleistungs-Mentalität
Flexibilität
Teamfähigkeit
Kommunikationsfähigkeit
Erfolgsorientierung
Problemlösungsfähigkeit
38
Sich wandelnde Unternehmenskultur: Chance für Frauen?
Vorausgeschickt:
- Unternehmenskultur wird durch Menschen geprägt.
- Je mehr Einfluss man/frau im Unternehmen hat, desto größer sind die Möglichkeiten die
Unternehmenskultur mitzubestimmen.
-
Ob gute Entwicklungsmöglichkeiten speziell für Frauen gegeben sind, ist von der gelebten (!) Kultur der einzelnen Unternehmung abhängig.
Unternehmenskultur ist kein Selbstzweck, sondern unterliegt ökonomischen Zwängen.
Und:
- Unterstützung bei der beruflichen Entwicklung ist eine Holschuld.
- Die Entwicklungsmöglichkeiten müssen bekannt sein.
- Frauen können bestehende Strukturen nur verändern/verbessern, wenn sie auch zahlenmäßig ein ernstzunehmender Faktor sind.
Deshalb brauchen Frauen...
- Frühzeitigen Zugang zu neuen Technologien für Mädchen und Frauen
- Vorbilder
- Mentoring
- Networking
- Aktive Seilschaften
- Selbstverständlichen Umgang mit Macht u. Technik!
...dann klappts auch mit der (individuell definierten) Karriere.
Informationen zur Person:
Susanne Möcks-Carone
Geboren 1963 in Roth/Bayern, verheiratet, 1 Kind
Adresse: Langelohstr. 114, 22609 Hamburg
Fon: 0172 70 69 302 - Fax: 040 800 20 1 20 - eMail: [email protected]
07/2001
Management Angel (Interimsmanagerin)
2001-06/2001
Gemeinnützige Privatakademie für NewMedia & Commerce,
Hamburg
Vorsitzende der Geschäftsleitung
1999-2000
Nach Verkauf des Systemhauses an
International tätiger Solutionprovider AG, Hamburg
Direktorin der Business Unit „Sales + Services“
1997-1999
Softwareentwicklungs- und Systemhaus mit Schwerpunkt
eSecurity, Hamburg
Geschäftsführerin, Schwerpunkt Sales/Markting/PR
39
1992-1996
Selbständige Trainerin in der Erwachsenenbildung
1989-1992
Groß- und Außenhandelsfirma, Hamburg/Atlanta/Dubai
Mitglied der Geschäftsleitung, Leitung der Finanzabteilung
1984-1989
Institut für betriebliche Aus- und Weiterbildung, München/Zürich
Traineeausbildung
Mitglied der Geschäftsleitung
Ausbildung:
1989 - 1994
Berufsbegleitendes Studium der Wirtschaftswissenschaften an der
Fernuniversität Hagen
Engagements:




DMMV Deutschen Multimedia Verband, Hamburg newmedia@work, Ausbildungsinitiative
der Hamburger Wirtschaft e.V., Arbeitskreis „Multimedix“, Runder Tisch des Bildungswerk Medien e.V., „digitelle“.
Seit 1997 zahlreiche Vorträge und Podiumsdiskussionen rund um das Thema „Internet/Digitale Wirtschaft“ u.a. bei Mitsubishi Electric Jahrestagungen, „mediamit“ Hamburg,
MAZ Harburg, Hamburg newmedia@work, CeBIT 2000, Bundesfrauenkonferenz der
Grünen 2001, KIVS Jahrestagung (Gesellschaft für Informatik, VDI/ITG) 2001, Marketing
Club Hamburg, women@work, Bund junger Unternehmer, Wirtschaftjunioren.
1988-1992 Vorstandsmitglied beim Frauennetzwerk „pömps e.V.“, heute aktiv bei den
„webgrrls“, „KIM Kompetenz im Management“ und „idee_it“.
Referentin bei „EFA, Informations- und Beratungsstelle Frau und Beruf“, Hamburg.
40
FORUM
„Neue Medien – neue Berufsfelder. Tätigkeitsfelder und Anforderungen in ITund Multimediaberufen“
Sabine Hengesbach, in medias Public Reations GmbH, Hamburg
I.
-
II.
III.
Frauen in IT- und Multimediaberufen – was bedeutet das in der PR-Branche?
- Vorstellung von in medias und Tätigkeitsbereichen
Frauenanteil
Public Relations im Online-Zeitalter
 Online und Offline-PR
 Was ist eigentlich PR im Netz?
Verhältnis zu anderen Kommunikationsdisziplinen
Zeitfaktor
 Beispiele
Homepages
Pressearbeit (mit Beispielen)
Ausblick
 Die Zukunft der Online-PR
Perspektiven für Frauen
Chancen
Qualifikationen
-
Informationen zur Person:
Sabine Hengesbach wurde am 6. Dezember 1963 als Tochter einer Bankkauffrau und eines
Ingenieurs in Düsseldorf geboren. Nach ihrem Abitur an einem Hamburger Gymnasium im
Jahre 1983 arbeitete sie zunächst als Fremdsprachen-Assistentin in verschiedenen namhaften Hamburger Unternehmen. Den Diplom-Studiengang für Übersetzen und Dolmetschen
an der Heidelberger Universität beendete sie nach Studienaufenthalten an der Pariser
Sorbonne und der Mailänder Universität im Jahre 1993 in den Sprachen Französisch und
Italienisch.
Die 37-jährige Hamburger Managerin ist alleingeschäftsführende Gesellschafterin der PRAgentur in medias Public Relations GmbH. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg
wurde im Dezember 1994 gegründet. Seit 1999 ist in medias mit einer Filiale in Berlin vertreten.
Die Agentur betreut heute namhafte Hamburger Institutionen wie die Hamburger Musikhalle
und das Hamburger Musikfest ebenso wie bekannte Markenartikler, z.B. den italienischen
Pasta-Hersteller Buitoni oder das indische Unternehmen Basmati Rice Europe, Unternehmensberatungen wie das Hamburger Softwarehaus CPL oder IT-Startups.
Sabine Hengesbach steht an der Spitze eines überwiegend weiblich geprägten Unternehmens: „Teilzeitarbeit ist bei uns ebenso willkommen wie Homeworking – Hauptsache, das
Ergebnis stimmt. Der Einsatz neuer Medien kann fundierte PR-Kenntnisse jedoch nicht ersetzen. Gerade im Multimedia-Zeitalter ist eine umfassende Qualifikation der Mitarbeiter in
allen Bereichen der Public Relations vielmehr unerlässlich...“.
41
Sabine Köhler, PYLON LV-Beratung, Hamburg
IT-Consultant - eine Alternative für Frauen!?
Durch den großen Mangel an qualifizierten Fachkräften in der IT- und Multimediabranche
gehen Unternehmen vermehrt dazu über, dieses Defizit durch Zusammenarbeit mit IT-Unternehmensberatungen auszugleichen. Die Mitarbeiterin der IT-Beratungsfirma geht für einige
Zeit - das können wenige Wochen bis zu mehrere Jahre sein - zum dem Unternehmen, das
damit zu ihrem Kunden wird, um das dortige Management und die Belegschaft bei der
Bewältigung der Aufgaben im IT-Bereich zu beraten und bei der Umsetzung der Lösungen
unterstützend tätig zu sein.
Und was macht eine IT-Beraterin nun genau?
Diese Frage lässt sich im Prinzip einfach beantworten: Akquirieren - Beraten - Umsetzen.
Doch was verbirgt sich hinter diesen Begriffen?
Bei der überwiegenden Mehrzahl der Unternehmungen sind die Aufgaben durch das Unternehmensziel klar umrissen und für längere Zeit festgeschrieben: Es sollen Autos gebaut,
Versicherungsschutz bereit gestellt oder ein Internetportal errichtet werden. Das Unternehmensziel "IT-Beratung" lässt hier vielmehr Spielraum: Die IT-Beraterin weiß zwar, dass sie in
der IT-Branche beschäftigt sein wird, jedoch können ihre Aufgaben bei jedem neuen Einsatz
anders aussehen - und werden es in der Regel auch tun.
Doch bevor sich die IT-Beraterin einer Aufgabe widmen kann, muss sie sich diese erst einmal suchen. Während üblicherweise nach einer erfolgreichen Bewerbung diese Suche abgeschlossen ist, stellt sie sich für die Beraterin ständig aufs Neue, d.h. sie muss Unternehmen
finden, denen sie ihre Dienstleistung "IT-Beratung" anbieten kann und die bereit sind, ihr
diese abzukaufen. Auch wenn das Akquirieren am Anfang eines jeden Auftrags steht, ist es
derjenige Schritt mit dem die Beraterin in ihrer beruflichen Laufbahn zuletzt in Berührung
kommt, denn natürlich wird von keiner Berufsanfängerin erwartet, dass sie sich als erstes
einen Auftrag besorgt. Diese Aufgabe wird von denjenigen MitarbeiterInnen übernommen,
die bereits über die nötigen Kontakte und Erfahrungen verfügen; jüngere MitarbeiterInnen
haben genügend Zeit sich fachliche und kommunikative Fähigkeiten anzueignen, um später
diese anspruchsvolle Aufgabe ebenfalls erfolgreich zu bewältigen.
Gleichzeitig mit der Akquise beginnt in der Regel auch die Beratung, denn wenn die Beraterin den Auftrag erteilt haben möchte, muss sie dem Kunden unter anderem darstellen, wie
sie sein Problem lösen kann. Hat sich der Kunde für ein Beratungsunternehmen entschieden, beginnt die eigentliche Arbeit. Wenn der Kunde seinen Sitz nicht in der Nähe des
Wohnortes hat, kann das bedeuten, dass die Beraterin vier Tage in der Woche in einer anderen Stadt verbringt. Die bereits begonnene Beratung wird nun fortgesetzt, das Problem eingekreist und einer endgültigen Lösung zugeführt. In fast allen Fällen ist die IT-Beraterin auch
an der Umsetzung der Lösung beteiligt und hat so die Möglichkeit, in der Praxis zu erkennen,
was ihre Vorschläge Wert sind, um somit wertvolle Erfahrungen zu sammeln.
Die bei Frauen vorhandenen sozialen Kompetenzen vereinfachen es ihnen auch, die informellen Strukturen des von ihr beratenen Unternehmens zu erkennen und zu nutzen, wenn
auch nicht zu verleugnen ist, dass externe MitarbeiterInnen nicht immer mit offenen Armen
empfangen werden.
42
Und wie sieht es jetzt mit den Chancen der Frauen aus?
Es ist davon auszugehen, dass die Anforderungen an die IT in Zukunft weiter zunehmen
werden, so dass mit einem erhöhten Bedarf an qualifizierten Beraterinnen und Beratern in
diesem Bereich zu rechnen ist, ebenso ist der Trend zum Outsourcen weiterhin ungebrochen. Männer sind nachweislich nicht besser ausgebildet als Frauen, so dass sich für letztere auch zukünftig in der Beratungsbranche gute Aussichten bieten. Inzwischen wird kaum
ein größeres IT-Projekt ohne Hilfe externer Beratungsfirmen durchgeführt, was einerseits auf
die immer größer werdende Komplexität, andererseits auf die damit einher- und darüber hinausgehenden Personalknappheit zurückzuführen ist. Ich erwarte nicht, dass sich an dieser
Entwicklung in den nächsten Jahren eine gravierenden Veränderung vollziehen wird.
Um als IT-Consultant arbeiten zu können, ist ein Studium der Informatik oder Mathematik
von Nutzen, aber auch ein Quereinstieg mit einem anderen Hochschulabschluss ist möglich.
Weiterhin sind Initiative und selbständige Arbeitsweise, Leistungs-, Lern- und Einsatzbereitschaft sowie Flexibilität erforderlich. Die Entwicklungsmöglichkeiten hängen in erster Linie
vom eigenen Engagement ab, neben dem zwingend notwendigen Aufbau fachlicher Kompetenz in verschiedenen oder der Spezialisierung in bestimmten Bereichen kann es die Beraterin von der Projektmanagerin über die Abteilungsleiterin bis zum Mitglied des Unternehmensvorstands bringen.
Ich kann qualifizierten und/oder interessierten Frauen durchaus raten, sich bei einer IT-Beratungsfirma zu bewerben, sofern sie bereit sind, die dortigen Arbeitsbedingungen zu akzeptieren: Arbeiten beim Kunden vor Ort, was mit regelmäßiger Reisetätigkeit verbunden sein
kann und häufig wechselnde Arbeitsumgebung und -aufgaben. Frauen haben gerade durch
ihre größere soziale Kompetenz und wegen ihres Geschicks im Umgang mit Menschen gute
Chancen, in der Beratungsbranche Karriere zu machen.
Informationen zur Person:
Sabine Köhler, geboren 1965, ausgebildete Versicherungskauffrau, Studium der Mathematik an der TU Berlin, fünfeinhalbjährige Tätigkeit als Versicherungsmathematikerin bei einem
Hamburger Versicherungsunternehmen, seit Januar 2000 IT-Beraterin bei der PYLON Lebensversicherungsberatung GmbH.
Durchführung von Frauentutorien für angehende Ingenieurinnen während des Studiums,
Mitarbeit im Hamburger FrauenInternetProjekt, Mitorganisation des 26. Kongresses von
Frauen in Naturwissenschaft und Technik, der vom 1. - 4. Juni 2000 an der Hamburger Universität stattfand.
43
Martina Kulick, Ernst & Young, Deutsche Allgemeine Treuhand AG, Hamburg
Berufsbild Wissensmanager – Auf dem Weg zum wissensbasierten Unternehmen
Herausforderungen des Marktes an Unternehmen:

Globalisierung
Absatz- und Einkaufsmarkt erweitern ihren Radius, wodurch intelligente Formen der
Zusammenarbeit erforderlich werden
 Weltweiter intellektueller Wettbewerb
Durch den erweiterten Aktionsradius vergrößert sich auch der Kreis potentieller Konkurrenz. Aus- und Weiterbildung sowie Forschung und Entwicklung müssen sich diesen Herausforderungen stellen.
 Schnelligkeit (siehe auch Vortrag Sabine Hengesbach)
Der Faktor Zeit wird im unternehmerischen Maßnahmenbündel und der Zielrichtung
von Organisationsprojekten und Technologieeinsatz immer kritischer.
 Kundenindividualität
Der Trend vom Anbieter- zum Käufermarkt vollzieht sich durch Serviceerhöhung und
aktive Umsetzung kundenindividueller Anforderungen
 Selbstbestimmung und neue Werte, Standortunabhängigkeit
Die Verschiebung der Wertemuster von Arbeitnehmern und Organisationen erfordern
eine höhere Flexibilität von Arbeitszeit und Arbeitsort.
Wissen ist Risikokapital im Unternehmen. Wissensmanagement ist eine der entscheidenden
Managementbereiche, die Organisationen helfen, bessere Geschäftsentscheidungen zu
treffen. Wissen hat eine eindeutige Priorität für jede Organisation.
Vorhandene Wissensprogramme zeigen, dass diese Investitionen positive Auswirkungen auf
Geschäftswachstum und Marktanteile haben. In der Ausgabe 26 der Computer Zeitung vom
28.06.01 erschien ein Artikel mit dem Titel „Selten ist der Erfolg von Wissensprojekten bekannt“.
Daten sind kontextunabhängige Zahlen und Zeichen über verschiedene Dinge bzw. Sachverhalte, also lediglich „eine Folge von Zeichen.“ Daten sind somit die strukturierte Aufzeichnung von Zahlen und Zeichen, die frei von Werturteilen und Interpretationen sind. Sie sind
objektiv wahrnehmbar und potentiell verwertbar, aber als Handlungsbasis nicht einsetzbar.
Das Datenmaterial wird individuell wahrgenommen und anwendungsspezifisch aufbereitet, d.
h. die Daten werden ggf. komprimiert (verdichtet) oder in einen sachlogischen Zusammenhang mit anderen Daten gebracht (interpretiert).
Nach der Interpretation werden Daten als Informationen bezeichnet. Informationen sind z.
B. Nachrichten, da mit der Übermittlung von Informationen eine Wahrnehmungsveränderung
des Empfängers provoziert werden soll. Das heißt, die Übertragung soll sich auf das Beurteilungsvermögen und das Verhalten des Empfängers auswirken. Damit entscheidet der
Empfänger selbst, ob es sich bei der Nachricht um eine Information handelt, also ob die
Nachricht ihn tatsächlich informiert.
Wissen entwickelt sich in Menschen aus der geistigen Verarbeitung von Informationen. Wissen ist somit die Vernetzung von Daten und Informationen in einem Ursache-Wirkungs-Kontext. Es repräsentiert die Gesamtheit der Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Individuen zur Problemlösung einsetzen.
Wissen bietet die Fähigkeit, eine Lösung zu finden, entweder durch das einander Zuordnen
von Informationen oder durch Verwenden bzw. Erzeugen eines Lösungsschemas.
Beispiel: Die Meldung 30 % ist ein typisches Datum. Es ist die einfache Aneinanderreihung
von drei Zeichen ohne irgendeine aussagekräftige Bedeutung. Wird das Datum „30 %“ mit
anderen Daten in einen strukturierten Zusammenhang gesetzt und interpretiert („Firma XY
hat ein diesjähriges Umsatzplus von 30 % generiert“), wird es zu einer verwertbaren In44
formation. In Kombination mit subjektiven Erfahrungen generiert die Information Wissen.
Steigert ein Unternehmen den Umsatz, so können auch Gewinn- und Kurssteigerungen erwartet werden. Daher ist der Kauf der Aktie zu empfehlen.
Ziel ist...
..., dass ein Unternehmen nicht bloß explizite Informationen verarbeitet, sondern ein
Erzeuger von neuem Wissen ist und somit kreativ gegenüber der Umwelt vorgeht.
Das Beispiel zeigt, dass die Entscheidung „die Aktie kaufen“ durch unterschiedliche Formen
des Wissens getroffen wurde.
Explizites Wissen liegt immer in einer fixen (z. B. schriftlichen) Form vor. Aufgrund dieser
Tatsache ist die Abgrenzung von explizitem Wissen zu Informationen schwierig, da oft die
Weiterentwicklung durch den persönlichen Erfahrungsschatz nicht erkennbar ist. Explizites
Wissen sind z. B. Verfahrensanweisungen, Qualitätssicherungs-Vorschriften, archivierte
Korrespondenz, etc..
Jeder Mensch verfügt über einen „Erfahrungsschatz“, dem impliziten Wissen. Implizites
Wissen beinhaltet Lebenserfahrung und Erfahrungswerte bezüglich der Geschäftspraktiken
eines Unternehmens, kulturelle Vorstellungen oder bestimmter Verhaltensregeln. Dieses
Wissen ist nicht in einer fixen Form verfügbar, sondern in Form von menschlichen Gedanken.
Die Information „Firma XY hat ein diesjähriges Umsatzplus von 30 % generiert“ löst den Entscheidungsprozess „Ich kaufe Aktien der Firma XY“ aus.
Implizites und explizites Wissen bedingen einander und sorgen durch Interaktion mit anderen
Menschen für einen dynamischen Prozess der Wissensausbreitung.
Aufgaben
Herausforderungen des Wissensmanagers ist, das Ziel zu unterstützen.
Allgemein
• Zusammenführen der Wünsche und Anforderungen der verschiedenen Bereiche (siehe
auch Vortrag Sabine Köhler)
Strategie
• Formulierung der Wissensmanagement-Vision und -Mission
• Entwicklung einer ganzheitlichen Wissensmanagement-Strategie
• Erarbeitung eines Gesamtkonzepts für Wissensmanagement
Services
• Umsetzung der Wissensmanagement-Strategie in Projekte (Projektmanagement)
• Eigenverantwortliche Durchführung von Projekten im Umfeld von Wissensmanagement,
Dokumentenmanagement/Archivierung (Gestaltung aller Projektphasen, von Analyse bis
Implementierung)
• Wissensmanagement-Consulting innerhalb des Unternehmens (im Hinblick auf Strukturierung und Darstellung von Informationen)
45
Beziehungen
• Förderung des Wissensaustauschs im Unternehmen
• Kommunikation mit Mitarbeitern aller Hierarchiestufen und Fachbereiche
• Etablierung einer Unternehmens- und Lernkultur
• Aufbau von Wissensnetzwerken
Menschen & Organisation
• Kritische Analyse der internen Kommunikationsprozesse und Entwicklung eines WMKommunikationskonzeptes
• Unterstützung der Innovationsprozesse im Bereich Forschung & Entwicklung
Prozesse
• Implementierung von WM-Prozessen
• Analyse und Reengineering von Geschäftsprozessen (aus Sicht des WM, auch Lern- und
Feedbackmechanismen)
Einführung von Publikations- und Editionsprozessen
Inhalt
 Beschaffung & Aufbereitung von Informationen (aus internen und externen Quellen)
 Entwicklung von Nutzerprofilen über kritischen Informationsbedarf
Infrastruktur
 Bewertung, Auswahl und Implementierung von WM-Methoden/-Techniken und Anwendungen
 Aufbau/Einführung bzw. Ausbau und strategische Ausrichtung von Intranets
 Analyse und Design von leistungsfähigen WM-Systemen und Softwarearchitekturen
 Einbindung von WM-Lösungen in bestehende IT-Umgebungen
 Auswahl von geeigneten Softwarekomponenten (z. B. CM-, DM- und Groupware-Produkte)
Zur Bewältigung dieser Aufgaben werden in Zukunft Wissensmanager benötigt. Die Attraktivität dieser Stellen liegt in der Kombination von persönlichem Netzwerk und Zugang zu bereichsübergreifenden Informationen. Abgesehen von der Führungsebene bzw. -assistenz
gibt es kaum eine Funktion, in der man besser die Strukturen und das Know-how eines Unternehmens kennenlernt.
Der Wissensmanager muss Spaß am interdisziplinären Denken haben. Hier sind fachübergreifende Studiengänge oder Berufserfahrung aus möglichst vielen Bereichen hilfreich. Analytische Fähigkeiten sind für das Verständnis und die Strukturierung komplexen Wissens
erforderlich.
Der 'Wissensmanager' muss sich klar darüber sein, dass seine Stellenbezeichnung nicht
bedeutet, er wisse mehr als alle anderen.
Eigenschaften des Wissensmanagers
Selbstbewusstheit - Die realistische Einschätzung der eigenen Persönlichkeit, also das
Erkennen und Verstehen der eigenen Gefühle, Bedürfnisse, Motive und Ziele, aber auch das
Bewusstsein über die persönlichen Stärken und Schwächen. Es geht darum, sich selbst gut
zu kennen, um einschätzen zu können, wie man selbst in bestimmten Situationen reagiert,
was man braucht und wo man noch an sich selbst arbeiten muss.
Starke analytische und konzeptionelle Fähigkeiten
Ausgeprägte Verhandlungs-, Präsentations- und Moderationsstärke
Fähigkeit zum raschen Eindenken in neue, unterschiedliche Themengebiete
Selbststeuerung - Fähigkeit, die eigenen Gefühle und Stimmungen durch einen inneren
Dialog zu beeinflussen und zu steuern. Hiermit sind wir unseren Gefühlen nicht mehr einfach
ausgeliefert, sondern können sie konstruktiv beeinflussen.
Selbstständige, ergebnis- und kundenorientierte Arbeitsweise
stilsichere Ausdrucksfähigkeit
46
Motivation - Sich selbst motivieren zu können heißt, immer wieder Leistungsbereitschaft
und Begeisterungsfähigkeit aus sich selbst heraus entwickeln zu können. Ist besonders
hilfreich in Phasen, in denen ein Projekt schwierig wird oder wenn die Dinge anders laufen
als geplant. Wer sich selbst motivieren kann, findet immer wieder Kraft zum Weitermachen
und verfügt auch über eine höhere Frustrationstoleranz.
Engagement, Eigeninitiative
Kommunikations- und Teamfähigkeit
Durchsetzungsvermögen
Spaß an Neuen Medien
Empathie - Einfühlungsvermögen; das Vermögen, sich in die Gefühle und Sichtweisen
anderer Menschen hineinversetzen zu können und angemessen darauf zu reagieren. Es
geht darum, Mitmenschen in ihrem Sein wahrzunehmen und zu akzeptieren. Dabei heißt
akzeptieren nicht automatisch gutheißen, sondern ihnen mit Respekt entgegenzutreten und
Verständnis für ihr Tun und Denken zu haben.
Engagement, Eigeninitiative
Kommunikations- und Teamfähigkeit
Ausgeprägte Verhandlungs-, Präsentations- und Moderationsstärke
Soziale Kompetenz - Z. B. die Fähigkeit Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen
zu knüpfen und diese dauerhaft aufrecht erhalten zu können. Also ein gutes Beziehungsund Konfliktmanagement, aber auch Führungsqualitäten oder das Vermögen, funktionierende Teams zu bilden und zu leiten.
Teamfähigkeit
Kommunikationsfähigkeit - Einerseits die Fähigkeit, sich klar und verständlich auszudrücken und somit sein Anliegen deutlich und transparent zu übermitteln; andererseits die
Fähigkeit, anderen Menschen aktiv und aufmerksam zuhören zu können, und das, was sie
sagen, zu verstehen und einzuordnen.
Teamfähigkeit
Verhandlungs- und Moderationsstärke
Gertrud Höhler (Interview April 2001)
Sie gehört zu den gefragtesten Kommunikations- und Unternehmensberatern in Deutschland. Neben Polit-Grössen wie Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl setzten die meisten der rund
50 führenden deutschen Firmen auf ihre Expertisen und ihre Beratungsdienste, unter ihnen
die Deutsche Bank und Mercedes.
Den Leuten auf den Teppichetagen empfehlen Sie neue Führungsrichtlinien, solche,
die auch die emotionale und soziale Intelligenz der Menschen einbeziehen. …
„[...] Neuere Forschungen konnten endlich auch wissenschaftlich beweisen, wie wichtig
diese Kombination von IQ und EQ ist. [...] Heute weiss man, was das ist, was im Gehirn
bewirkt wird, damit Begeisterung ausgelöst wird, Motivation. Man weiss, wie wichtig es ist,
dass die Menschen lernen, ein Thema sowohl über die Intelligenz wie über die Empfindungen anzugehen. Die Männer werden generell darauf dressiert, dass sie die Intelligenz
abspalten von der Emotion. Frauen sind nicht so leicht dressierbar.”
Also ist die Abspaltung – hier männliche Ratio, dort weibliche Emotion – überholt?
„[...] Eine Frau isoliert nie die intelligente Ebene. Sie geht ein Problem zugleich auch immer
mit dem limbischen System an, wo Anteilnahme und Gefühle sitzen, und fragt, welche
Auswirkungen eine Problemlösung für die Mitarbeiter, für das Team, für die Firma hat. Sie
stellt also Gesamtzusammenhänge her, denkt und handelt simultan, [...] während der Mann
immer Split-World macht. Darum schaffen Frauen viel leichter Lösungen, die für Menschen
passen.”
47
Fachliche Anforderungen
siehe auch Vortrag Sabine Köhler
•Hochschulstudium oder Quereinsteiger
(Wirtschaftsinformatik, BWL, Informatik, Informationswissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Pädagogik ...)
Studiengang Informationswirtschaft an der FH Köln
Bachelor-Studiengang Informationsdesign an der Hochschule für Bibliotheks- und
Informationswesen (FH Stuttgart)
•Mehrjährige Berufserfahrung
•Projektmanagementerfahrung
•Organisations- und Planungskompetenz
•Technisches Verständnis / EDV-Kenntnisse
Karrierechancen
• Intern:
•Entwicklungsoptionen in der Prozess- und Technologiegestaltung
•Aufstiegsmöglichkeiten in nächste Führungsebene
Durch Kontakte zum Topmanagement
•Leitung des Vorreiter-Teams im Unternehmen
in einem der wichtigsten Bereiche mit wachsender Bedeutung
•Aufstiegsmöglichkeit zum CIO (Chief Information Officer)
einer der höchsten Positionen vieler Unternehmen
• Extern:
•Mitarbeiterinnen oder Projektmanager bei IT-Dienstleistern oder Consulting-Unternehmen
• Strategieberater
• Prozessberater
• IT Berater
• Organisations- und Personalentwicklungsberater
• Je nach Unternehmensorganisation auch Fokussierung auf Branchen
Vorgehensweise:
• Über den eigenen Standpunkt und die eigenen Ziele klar werden
• Sich selbst aktiv verkaufen (es wartet niemand auf einen!)
• In großen Unternehmen Entwicklungen beobachten und aktiv nachfragen
Gehaltsperspektiven:
Je nachdem, ob Hochschulabsolvent oder IT-Profi mit langer Beruferfahrung sowie Ansiedelung im Unternehmen (Geschäftsführung, Fachabteilung etc.), erreicht ein Wissensmanager im Schnitt zwischen 80.000 und 130.000 DM Jahresgehalt.
E & Y’s Knowledge Management Approach
Welche Komponenten sind bei der Erstellung eines erfolgreichen Knowledge ManagementProgramms für ein Unternehmen beteiligt?
Auf den Radarschirmen der IT-Verantwortlichen in den fast allen Industriesegmenten
erscheint Knowledge Management schnell als kritischer Faktor zum Geschäftserfolg.
Recherchen von IDC zu erfolgreichen Knowledge Management-Projekten zeigen an, dass
zu deren Erfolg mehr gehört als die einfache Auswahl der besten Technologielösung.
48
Für erfolgreiches Knowledge Management ist eine ganzheitliche Betrachtung von Strategie
(Strategischer und wirtschaftlicher Nutzen, Kommunikation der Zielrichtung)
• Kultur (Verhalten, Barrieren und Rollen, Neue Kommunikations-/Lernkultur)
• Führung (Führungsprinzipien und –instrumente, Geeignete Kenngrößen)
• Prozessen (Relevante Geschäftsprozesse / Wissensdefizite, Integration der Wissenselemente)
• IT-Infrastruktur (Abgleich von Prozessfluss und Wissensfluss, Weiterentwicklung der ITSysteme)
erforderlich.
Mehr als andere IT-Projekte, erfordert Knowledge Management eine formale organisatorische Annäherung zur Erstellung von Wissensstrategien.
Eine der weltweit größten Prüfungs- und Beratungsgesellschaften mit einem Umsatz von
derzeit rund 8,4 Mrd. US-$ und 76.000 Mitarbeitern in über 130 Ländern.
Unsere Philosophie ist es, gemeinsam mit unseren Kunden Ideen zu entwickeln, innovative
Lösungen zu erarbeiten und diese in konkreten, messbaren Erfolg umzusetzen. Unser
Beratungsangebot ist integriert, praxisnah, auf Wertzuwachs und zügige Realisierung ausgerichtet. Teamarbeit, Schnelligkeit, Zukunftsorientierung und Wertorientierung – damit begleiten wir Sie auch künftig von der Idee bis zum Erfolg.
Dienstleistungsangebot: Integriert Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Corporate Finance
und Business Advisory Services und richtet sich sowohl an große internationale als auch an
lokale mittelständische Unternehmen aller Branchen und Rechtsformen.
EY Deutschland: Zählt zu den drei größten Prüfungs- und Beratungsgesellschaften
Deutschlands. Nach der Übertragung der Unternehmensberatung auf Cap Gemini Ernst &
Young erzielen wir mit derzeit 3.000 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von rund 600 Mio.
DM. Unsere anspruchsvolle Klientel setzt sich aus Unternehmen jeder Branche, Größe und
Rechtsform zusammen.
Näher am Kunden: Durch rund 25 Niederlassungen im ganzen Bundesgebiet belegen wir
die Nähe zu unseren Kunden. In hochkarätig besetzten Grundsatzabteilungen stehen unseren Kunden und Mitarbeitern Spezialisten zur Verfügung, die Fachwissen und persönliches
Engagement innerhalb unserer Unternehmensphilosophie verbinden.
Weitere Informationen: www.ernst-young.de
Wir unterstützen beim Aufbau einer Infrastruktur
Knowledge Management
Wir helfen bei der Mobilisierung der Ressource Wissen
 Knowledge Enablement
•Schaffung einer Wissensvision
•Gespräche managen
•Mobilisierung von Wissensaktivisten
•Schaffung eines richtigen Kontextes
Kompetenzen durch eigenes internes Wissensmanagement im weltweiten „Center for Business Knowledge“
Gertrud Höhler (Interview April 2001):
“Die Tatsache, dass ich eine Frau bin, hat in meinem beruflichen Leben nie eine Rolle
gespielt. Einer der wichtigsten Sätze, den man allen Frauen sagen muss, lautet: „Denk nicht
dauernd daran, dass du eine Frau bist. Sondern denk an die Ziele, die du hast, an die Probleme, die du lösen willst, denk immer an die Aufgaben. [...]”
49
Informationen zur Person:
Martina Kulick, geboren 1963, ausgebildete Bankkauffrau, berufsbegleitendes Studium zur
Bankfachwirtin (FH), zuerst Kundenbetreuung im Privatkundengeschäft und im Organisationsbereich, danach zehnjährige Tätigkeit im IT-Bereich bei einer deutschen Großbank in
Hamburg mit den Schwerpunkten Anwenderbetreuung, Schulungen und Projektarbeit für
Kommunikationsstrukturen und Wissensmanagement. Zwischenzeitlich IT-Consultant bei
einem Hamburger IT-Systemintegrator im Bereich Groupware. Seit Februar 2001 Senior
Advisor bei Ernst & Young Deutsche Allgemeine Treuhand AG.
Schwerpunkte bei Ernst & Young: Unterstützung und Projektmanagement bei Mandanten in
den Bereichen Wissensmanagement, e-Learning und Training. Teilnahme als Aussteller am
Kongress „Women on the Web“, der im März 2001 an der Handelskammer Hamburg statt
fand.
50
FORUM
„Online zum neuen Arbeitsplatz. Neue Wege bei der Personal- und
Stellensuche“
Eva Gärtner, jobpilot AG, Bad Homburg
Der Kurzvortrag soll vor allem die Situation der Bewerber/innen beleuchten.
Moderne Medien stellen Bewerberinnen und Bewerber vor neue Herausforderungen. Im
Mittelpunkt dieser Entwicklungen steht das Internet mit seinen zahlreichen Stellenbörsen und
neuen Wegen der Bewerbung. Immer mehr Nutzer entdecken das Medium Internet für die
Jobsuche. Studierende und Frauen machen da keine Ausnahme.
Das Angebot ist riesig. Für die Bewerber heißt es immer mehr, die Jobsuche im Netz effektiv
zu gestalten. Das heißt für die einen, sich in einem riesigen Angebot zurecht zu finden und
für die anderen, auch mit exotischen Berufswünschen oder nicht ganz gradem Lebenslauf
passende Wege zum Traumjob zu finden.
Auch an den Universitäten und Fachhochschulen denkt man um. In den Hochschulen werden Beratungsstellen für Jobsuchende geschaffen. Jobpilot schult die Berater in den Hochschulen und kann über die Erfahrungen berichten.
Viele andere Erfahrungen mit den Bewerberinnen und Bewerbern konnte jobpilot auf zahlreichen Hochschulmessen und bei Vorträgen und Diskussionen zum Thema „Bewerben im
Internet“ sammeln. Diese Vorträge geben einen guten Einblick in die Fragen und Bedürfnisse
der Bewerberinnen und Bewerber.
Voraussichtliche Gliederung
1.
2.
3.
4.
Daten und Fakten (Nutzerzahlen bei jobpilot)
Jobsuche im Internet – Der Weg zum Traumjob
Erfahrungen im Hochschulbereich
Fazit
Informationen zur Person:
Eva Gärtner
Diplom-Betriebswirtin (FH)
Managerin Campus Marketing
jobpilot AG, Bad Homburg





Alter: 31 Jahre
Ausbildung zur Hotelfachfrau
Zwei Jahre Tätigkeit in der Hotellerie in Dorint Hotels in Hamburg und
Westerland auf SyltStudium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule
Bielefeld; Schwerpunkte Marketing und Personalwesen
Nach Abschluss des Studiums, Mitarbeit im Akademischen Auslandsamt
der FH Bielefeld
Seit 1999 Managerin Campus Marketing bei der jobpilot AG, Europas
Karrieremarkt im Internet
51
Nicole Raukamp, Haarmann Hemmelrath Management Consultants GmbH, Hamburg
Qualifikation und Quereinstieg
 Titel ersetzbar durch Erfahrung, Einsatzwillen und überdurchschnittliche Motivation
 Klare Definition und Kommunikation der persönlichen Ziele
 Die Qualifikation muss durch andere Wege erworben sein
Anforderungen – weiche Formulierungen immer häufiger zu finden
Vorbereitung und Qualität
 Die eigenen Kernkompetenzen (Fachliche Qualifikationen, Intellekt, Selbstmanagement,
Methoden, … ) genau kennen
 Stellenangebote suchen, die genau den Kernkompetenzen entsprechen
 In Suchmaschinen bewusst nach Stellenanzeigen für “Quereinsteiger” recherchieren
(z.B. > ‘Projektleiter + Quereinsteiger + Content Management’)
 Stellenanzeigen genau lesen, nach bevorzugten Unternehmen priorisieren
 “Offline” diverse Prosa-Texte anlegen, um verschiedenen Bewerbungsformularen gerecht
zu werden
 Eigene Profile in Job-Portalen anlegen
 sich in Communities / Netzwerken ins Gespräch bringen
 Persönliche Kontakte nutzen, ggf. Personalberater / Coach einbinden
 Qualität in der Bewerbung ist von höchster Relevanz
Flexibel bleiben, Alternativen suchen
Ist der Raum für eine individuelle Positionierung nicht vorhanden
 z.B. keine Abfrage der persönlichen Ziele,
 keine Möglichkeit einen eigenen Prosatext einzugeben
 zu viele Felder, die Fakten abfragen
besteht die Gefahr, durch eine Selektion zu fallen.
Auswege:
 z.B. eigene Online-Präsenz, Kurzbewerbung mit dem Link als E-Mail versenden
 Auf dem klassischen Offline-Weg bewerben / Kreativ-Bewerbung
 Job-Portale, eigene Profile nach Kernkompetenzen anlegen
Recruiting-Seiten aus der Praxis
www.driven-by-ideas.de – Recruiting-Seite der PR-Agentur Cohn & Wolfe
52
Informationen zur Person:
Nicole Raukamp
Consultant und Web-Manager
geb. 23. April 1974
Beruflicher Werdegang
1990 bis 1993
1993 bis 1994
1995 bis 1996
1996 bis 1998
1998 bis 2000
seit 2000
Kaufmännische Ausbildung bei Deutsche Bank AG
Beraterin für Firmen- und Privatkunden bei Deutsche Bank AG
Junior Beraterin für bei Werbeagentur tr communications
Marketing Manager bei International Communications Europe GmbH
Marketing Koordinatorin und Kommunikationsdesignerin für PricewaterhouseCoopers Unternehmensberatung GmbH
Haarmann Hemmelrath Management Consultants GmbH
Beratungsschwerpunkte








Marketing- und Kommunikationsplanung – Online und Offline
Internetkonzeption und -design
Intranetkonzeption und –design
Relaunch- und Erweiterungsstrategien für Internet-Auftritte
Prozessdesign (Schwerpunkt Internet / Intranet, Content-Generierung und Qualitätssicherung)
CI-Beratung, Markenführung (Schwerpunkt Internet)
Marketing- und Kommunikationsstrategien – Online und Offline
Bewertung und Analyse von Internetauftritten
53
Kristina Sender, Deutsche Telekom, Bonn
Online-Bewerbung – e-recruiting – ist in aller Munde, aber lange nicht in jedem Unternehmen
eingesetzt.
Wie gewinnt man heute den “war for talents”? Die Veränderung vom “Arbeitgeber-“ zum
“Bewerbermarkt” hat uns alle motiviert, über neue Ideen und Systeme in der Personalbeschaffung nachzudenken.
Gerade die Deutsche Telekom, die einen sehr hohen Bekanntheitsgrad genießt, muss im
Rahmen der Gewinnung von neuen Beschäftigten im Konzern neue Wege einschlagen. Zum
einen müssen Personalmarketingaktivitäten und zum anderen gezielte Personalsuchen
deutlich machen, wie wichtig die Gewinnung von neuen, hochtalentierten und motivierten
Mitarbeiter(innen) auch für die Deutsche Telekom ist.
Im letzten Jahr haben wir uns daher entschieden, neben dem herkömmlichen Medienmix für
die Personalsuche den modernen Weg des e-recruiting und damit verbunden der OnlineBewerbung zu gehen. Hierbei ging es uns insbesondere darum, gezielter und effizient die
richtigen Bewerber(innen) anzusprechen und letztendlich auch zu gewinnen.
In einem ersten Schritt haben wir damit begonnen, alle nationalen Stellen im Konzern Telekom in unserer Jobbörse www.telekom.de/jobs einzustellen. Darüber hinaus bieten wir seit
08/2000 ein vereinfachtes Verfahren der Online-Bewerbung für sog. Green Card-Kandidat(inn)en an, seit 12/2000 können alle nationalen Stellen online beworben werden.
Entscheiden sich Bewerber(innen) für die Online-Bewerbung auf eine bestimmte Vakanz,
werden diese durch einen strukturierten Online-Bewerbungsbogen geführt. Nach Absendung
des Bogens erfolgt ein sog. “matching”, d.h. es erfolgt ein vollautomatischer Abgleich des
Bewerberprofils mit dem ausgeschriebenen Stellenprofil; kommt es zu keiner Berücksichtigung des Bewerbers/der Bewerberin bei der Besetzung der ausgeschriebenen Stelle, erfolgt
ein erneutes “matching” für alle im Konzern ausgeschriebenen Stellen (sofern der/die Bewerber(in) nicht ausdrücklich in seiner/ihrer Bewerbung das erweiterte matching abgelehnt
hat).
Der so beschriebene Prozess hat gegenüber der herkömmlichen Printbewerbung eindeutige
Vorteile im Hinblick auf die Schnelligkeit der Bearbeitung wie z.B. automatische Eingangsbestätigung und Zwischeninfos für die Bewerber(innen) per mail, Weiterleitung der Bewerbungen innerhalb der Fachabteilungen etc. Um die beschriebenen Effekte zu erreichen, ist
es jedoch sehr wichtig, dass alle Betroffenen den richtigen und verantwortungsvollen Umgang dieser Form der Bewerbung beherrschen.
Die Online-Bewerbung auf speziell ausgeschriebene Vakanzen ist seit 03/2001 um die Möglichkeit der Online-Initiativbewerbung erweitert worden und im 3. Quartal 2001 werden wir die
Jobbörse und Online-Bewerbungsmöglichkeiten auch in englischer Sprache zur Verfügung
stellen. So tragen wir auch der Internationalisierung des Konzerns Telekom weiter Rechnung.
Darüber hinaus wird derzeit die eigene HR-Homepage komplett überarbeitet. Diese soll im 2.
Halbjahr 2001 im produktiven Status u.a. unser Employer Branding verbessern und gezielt
auf Online-Bewerbungen aufmerksam machen.
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass der Konzern Deutsche Telekom an einer ausgewogenen Beschäftigungsstruktur sehr interessiert ist. Dies macht auch eine speziell für die
54
Gleichstellung und Chancengleichheit abgeschlossene Konzernbetriebsvereinbarung deutlich, die die Einstellung von Frauen bei Unterrepräsentanz fordert.
Informationen zur Person:
Seit Sommer 2000 ist Frau Kristina Sender, geboren im September 1964 in Berlin und Mutter
einer neunjährigen Tochter, verantwortlich für das Personalmarketing und Recruitment bei
der Deutschen Telekom.
Nach einer dreijährigen Ausbildung zur Diplomverwaltungswirtin von 1983 bis 1986 begann
sie noch im selben Jahr ihre Tätigkeit bei der Deutschen Bundespost. 1988 wechselte sie
innerhalb der Deutschen Bundespost nach Düsseldorf und 1990 zur Generaldirektion Telekom nach Bonn. Dort war sie bis 1993 im Bereich des Arbeits- und Tarifrechts tätig. Dann
wechselte sie bis 1998 zur T-Mobil, hier war sie u.a. für die Gehaltsabrechnung und betriebliche Altersversorgung verantwortlich. Seit Mai 1998 ist Frau Sender wieder bei der Deutschen Telekom beschäftigt und gestaltete verantwortlich die konzerninterne Arbeitsvermittlung mit. Im Sommer 2000 wurde ihr Aufgabengebiet um das Personalmarketing und
Recuitment erweitert.
55
Ursula Triller, Gründerin und Geschäftsführerin des internationalen Online-Stellenmarktes
worldwidejobs.de, Hamburg
Das Internet bietet Bewerberinnen hervorragende Chancen, schnell und effizient eine
Stelle in der IT- und Multimediabranche zu finden. Bei www.worldwidejobs.de lassen
sich rund 400.000 Stellenangebote nach dem gewünschten Job und Einsatzort im Inund Ausland durchsuchen. Diese Markttransparenz können Print-Stellenmärkte nicht
bieten.
5000 Jobs in frauenfreundlichen Unternehmen können Kandidatinnen über das Spezialangebot worldwidejobs.de - women abrufen, in Unternehmen, die Kriterien erfüllen wie flexible
Arbeitszeiten, Teilzeitjobs und einen hohen Anteil an Frauen in Führungspositionen. OnlineStellenmärkte wie worldwidejobs.de ermöglichen darüber hinaus gezielt die Suche nach
Jobs für Quer- und Wiedereinsteigerinnen.
56
Die Jobrecherche im Internet bietet Bewerberinnen nicht nur die Chance, einen passenden
Job am gewünschten Ort zu finden: Das Web erlaubt gleichzeitig, präzise Informationen über
den neuen Arbeitgeber zu sammeln und so die Chancen beim Vorstellungsgespräch deutlich
zu erhöhen.
Präsentation und Wortwahl der Anzeige geben weiteren Aufschluss über den Arbeitsplatz im
künftigen Unternehmen. worldwidejobs.de bietet hier gegenüber anderen Print- und Onlinestellenmärkten einen großen Vorteil: Die weltweiten Stellenangebote, die über die Datenbank
abgefragt werden können, stammen originär von den Internetseiten der Unternehmen. Das
bedeutet: Die Jobs sind tagesaktuell - und sie werden Bewerberinnen in der Corporate Identity des potentiellen Arbeitgebers präsentiert.
Mit rund 400.000 Jobs, darunter 130.000 freie Stellen in 5000 deutschen Unternehmen, bietet worldwidejobs.de Bewerbern das größte deutsche Jobangebot im Internet (Sie
vers+Zabel). worldwidejobs.de wurde im September 1999 von der Betriebswirtin Ursula
Triller gegründet. Der Jobgigant ist strategischer Kooperationspartner von T-Online. 28 der
Dax-30 Unternehmen nutzen das Angebot von www.worldwidejobs.de
Informationen zur Person:
Die Betriebswirtin Ursula Triller gründete im September 1999 den Internet-Stellenmarkt
worldwidejobs.de. Mit 400.000 Jobangeboten, davon über 120.000 aus Deutschland, bietet
worldwidejobs.de BewerberInnen das größte deutsche Jobangebot im Internet. Zuvor arbeitete die 38jährige als Wirtschaftsredakteurin für verschiedene Magazine und Online-Angebote, zuletzt in Hamburg als Redakteurin in der Wirtschaftredaktion des STERN und in Düsseldorf bei der Wirtschaftswoche.
57
FORUM
„Neue Arbeitskulturen in den neuen Medien – Chance für Mütter und
Väter? – Erfahrungen aus der New Economy“
Ilka Bickmann, Director Communications, DealTime.com (Germany) GmbH, Hamburg
1.
Darstellung des Unternehmens und Person:
Clevere Kunden sparen Geld und Zeit mit DealTime.


DealTime ist ein führender Einkaufsservice für Produkt- und Preisvergleiche und ermöglicht einen umfassenden Informationsaustausch zwischen Konsumenten, die im Internet
einkaufen wollen, und Handelsunternehmen, die ihre Produkte und Serviceleistungen
anbieten möchten. Basierend auf einer Suchmaschinentechnologie erhält der Konsument
über www.dealtime.de die Möglichkeit, derzeit über 2 Mio. Produkte nach Modell, Produkttyp, Marke, Händler und Preis in 16 Kategorien vergleichen zu können. Der Service
von DealTime ist auf zwei unterschiedliche Weisen zu nutzen: Über die Website von
DealTime und über WAP auf dem Handy unter http://wap.dealtime.de. Nach aktuellen Rankings von Connect Platz 1 für DealTime-WAP!
DealTime ist ein internationales, privates Unternehmen, das weltweit durch Partner wie
America Online, Time Warner, Bank of America, Singapore Telecom und Bertelsmann
als größtem Anteilseigner strategisch und finanziell unterstützt wird und von den wichtigsten Standorten USA, Japan und Europa aus mit gesamt 350 Mitarbeitern aus agiert.
Bislang ist der Service von DealTime unter www.dealtime.com, www.dealtime.co.jp,
www.dealtime.de und www.dealtime.co.uk verfügbar.
Warum Preisvergleich im Internet?
 4,7 Millionen Konsumenten kaufen online, 93 % werden es wieder tun (Stern) und für
58% der Deutschen ist Preisvergleich im Internet wichtiger als die Börsennachrichten.
Online-Shopping und zuvor im Internet Preise zu vergleichen ist Trend.
 Über 75 % der Kunden vergleichen verschiedene Angebote, bevor sie einkaufen. Dabei
sind für die Kaufentscheidung mehrere Faktoren und Informationen entscheidend (Preis,
Lieferzeit, Service), die bei einem immer komplexeren Angebot bei verschiedenen Handelsformen eingeholt werden müssen. Dieses Orientierungsbedürfnis wird beim Verbraucher durch Fall des Rabattgesetzes noch viel stärker zunehmen.
 => In den USA und Deutschland ist DealTime bereits klarer Marktführer bei Preisvergleichen.
Zu mir:
Ich bin bei DealTime seit europäischer Gründung (Mai 2000) als Director Communications
zuständig für die Koordination der Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Marketingaktivitäten im
europäischen Raum, in enger Verzahnung mit den USA. Ein spannender Job, der aus
Gegensätzen lebt: a) die sich aus den unterschiedlichen Arbeitskulturen her ergeben (wer
jemals mit Amerikanern zusammen gearbeitet hat, wird dies bestätigen), b) die Presse- und
Medienlandschaft und die ambivalente Stimmung von Medienvertretern gegenüber der sog.
New Economy – wobei wir uns ja schon zur Next Economy zählen, wir leben noch!....Hinzu
kommt eine wirklich andere Zeitrechnung und –dimension, in der sich das Unternehmen und
die ganze Branche befinden - Beispiel Markenaufbau: Man kann heute eine Buchpreismaschine sein morgen ein Shoppingportal, übermorgen vielleicht ein virtuelles Reisebüro....die
Übergänge sind oft überraschend und nicht einmal fließend, und man muss flexibel und
immer bereit für Neues sein, und darf auf keinen Fall nostalgisch denken.
58
2. Übergang Punkt 2: Was unterscheidet die Unternehmenskultur in Internetunternehmen von Unternehmen der „Old Economy“? Stichwort Flexibilität in der Arbeitskultur...
Interessant in diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Personalberatung Rarecompany aus Heidelberg: Was Frauen von der New Economy erwarten...Befragt wurden 200 Personen, 80% Frauen, 20% Männer, Altersunterschied liegt bei 29
Jahren.
Ein ganz wichtiger Aspekt dieser Studie ist, dass Frauen gerade in Unternehmen der New
Economy die Vereinbarkeit von Familienplanung und Karriere hier als strategische Chance
sehen. 60% der Frauen erwarten grundsätzlich flexiblere Arbeitszeiten, nur 30% Männer.
Zwei Drittel gehen von sehr großem persönlichen Freiraum aus, diesen erwarten nur 14%
der befragten Männer. Und 52% der Frauen versprechen sich sehr gute Karrierechancen in
der New Economy, dies erwarten nur 30% der Männer für Frauen.
Wie diese Punkte bzw. Erwartungen kann ich persönlich nur bestätigen. Wie sieht nun bei
DealTime die Realität dahingehend aus?
Ein wichtiger Punkt ist die schon angesprochene andere Zeitdimension, die einiges vom
Arbeitnehmer abverlangt, die andererseits aber auch begeisternd ist und süchtig machen
kann: Dinge, Entscheidungen, Aktivitäten sind nie für die Ewigkeit gedacht, sondern immer
für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum. Die New Economy ist auf oberster Ebene
dadurch viel offener Experimenten und neuen Ideen gegenüber, was nicht unbedingt heißt,
dass wir naiv oder unüberlegt / unerfahren agieren, wir arbeiten auch mit Marktforschung
etc., aber die grundsätzlichen Entscheidungswege sind kürzer, Fehler werden nicht so übertrieben ernst bewertet, sondern sind Etappen auf einem Weg.
Kooperationsdenken und –fähigkeit sowohl intern im Unternehmen selbst wie extern anderen
Geschäftspartnern gegenüber ist eine ganz wichtige Leitlinie und Philosophie in den neuen
Unternehmen gerade der Jetzt-Zeit, die nicht mehr volle Kanne von Investoren mit Geld
zugeschüttet werden – wie kommen Unternehmen gemeinsam weiter? Die Konkurrenzstimmung, der Kampf um die Marktführerschaft in oft minimalen Marktsegmenten steht derzeit
schwer unter Beschuss, und ich gehe davon aus, dass Internetunternehmen mit uneitlem
Teamgeist und weiter Denke hier am weitesten kommen werden.
Wie sieht die Arbeitszeitkultur aus? Es herrscht ja wohl immer noch hartnäckig das Gerücht
der 80-Stunden-Woche in Dotcoms....kann ich für mein Unternehmen nicht bestätigen und
wird auch anderswo nicht mehr gefordert, im Gegenteil: Unternehmen wie JAMBA haben
den Feierabend ab 18.00 Uhr zur Pflicht gemacht, da ein Ausgleich im Privatleben nur unternehmensförderlich sein kann. Was nicht heißt, wir arbeiten nun gar nicht mehr - ich denke
vielmehr, wir nutzen sehr intensiv unsere Arbeitszeit und sitzen nicht gelangweilt und untätig
herum. Dazu sind auch zu viele Baustellen da, die auch abteilungsübergreifend in TeamWork beackert werden müssen. Hinzu kommt, dass wir bei DealTime begeisterte und geförderte Home-Office-Worker sind, ausgehend von unserem Geschäftsführer, der zwischen
Familie in Hamburg und Heidelberg pendelt und z.B. jetzt wegen bevorstehender Geburt
seines zweiten Kindes ganz oben in Hamburg im Home-Office tätig ist. Fast alle Mitarbeiter/innen in Leitungspositionen besitzen einen Laptop und Home-Netzanschluss und sind per
Rufumleitung zuhause erreichbar. Für meine Situation als berufstätige Mutter ein ganz großer Vorteil Richtung Flexibilität gegenüber den Bedürfnissen meines Sohnes.
Das war vergleichsweise bei meinem früheren Arbeitgeber, einer Buchverlagsgruppe, völlig
utopisch, da wurde man manchmal schon schief angeschaut, wen man ausnahmsweise um
18.30 Uhr bereits am Fahrstuhl stand....Liegt vielleicht auch am Job selbst – Man kann ja nie
genug PR erreichen..., auch wenn man 24 Stunden am Tag arbeiten würde...
59
3. Chancen oder Risiken der neuen Arbeitskultur?
Ich persönlich sehe, wie oben beschrieben, eher Chancen in der neuen Arbeitskultur, die
mir mehr Möglichkeiten zum Home-Office ermöglicht – bei mir ist es sicher auch dahingehend ideal, weil ich sowohl ein Büro in der Firma besitze als auch ein perfekt ausgestattetes Home-Office, da mein Mann freiberuflich arbeitet. Die Heimarbeit geht gerade mit
Kindern aller Alterstufen nämlich nur eingeschränkt, man ist zwei Faktoren ausgesetzt,
die man unter einen Hut bringen muss, denn man ist für das Kind / die Kinder erreichbar
und kann sich nicht 100% auf die Arbeit konzentrieren bzw. reagieren, wenn diese fordert.
Für mich ist die Halb-Halb-Lösung optimal, nur von zuhause wäre für mich ehrlich gesagt
zu anstrengend, da reicht mir schon oft die Beschlagnahme meines Kindes und ich kann
da schwer Grenzen ziehen. Womit ich bei den Risiken der neuen Arbeitskultur wäre,
nichts ist ja leider nur schwarz oder nur weiß...Die Vermischung von Arbeit- und Privatleben birgt natürlich auch Überforderung, man ist immer erreichbar für die Arbeit, kann
schlecht abgrenzen. Bei unserem internationalen Unternehmen ist das doppelt spürbar in
den unterschiedlichen Arbeitszeiten USA – Deutschland, die einen hier bis in die späten
Abendstunden noch erwischen können...
4. Modelle / Neue Formen der Arbeitszeitstrategie / Ausgleich der unterschiedlichen
Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmerinnen bei DealTime?
Vgl. 2. mit der flexiblen Home-Office-Regelung. Zudem übernimmt DealTime den
Kindergarten für meinen Sohn, in dringenden Fällen kann ich auch problemlos meinen Sohn mit in die Firma bringen – er ist da im Team stets willkommen und ein Kollege findet sich immer zum Spielen. Liegt wahrscheinlich auch an dem jugendlichen
Alter der Kollegen...und an unserem Chef, der selbst kleine Kinder hat.
5. Rollenklischees in der New Economy?
Klar gibt es die hier auch, die gibt es leider immer noch überall.....Ich kenne allerdings
eher das Klischee, berufstätige Mutter und „Karrierefrau“ = psychisch verarmte Rabenmutter oder aber die tolle Frau, die alles – privat und karrieremäßig im Griff hat, dabei
habe ich „einfach“ einen Hausmann, der mir den Rücken freihält.....
Mein Mann und ich kämpfen seit der Geburt unseres ersten Kindes um eine neue Rollenkultur, nämlich die des 100%igen Hausmannes und der berufstätigen Mutter als
Ernährerin der Familie. Bei uns lag die Entscheidung vor vier Jahre nahe, dass mein
Mann aufgrund seiner freiberuflichen Passion eher zu Hause bleiben kann als ich, die ich
nach Examen Berufsanfängerin war und beruflich Fuß fassen wollte. Zudem bin ich
beruflich viel ehrgeiziger als mein Mann und hätte schon schwer mit meinem Hausfrauen-Schicksal gehadert...
Unser Modell – ich bin nach drei Monaten nach der Geburt voll eingestiegen, mein Mann
übernahm 3 Jahre die Hausmannrolle – hat sehr gut funktioniert, trifft aber immer noch
auf Irritation und auf wenig Nachfolge in unserem Bekanntenkreis und insgesamt in der
Bevölkerung. Da werden Gesetzesänderungen wie Elternzeit u.a. vielleicht etwas daran
ändern. M.E. liegt es aber eher daran, dass der Zeitpunkt der Familiengründung so
geplant wird, dass die Frau und natürlich nur die Frau ..., nach einigen Jahren Arbeit Lust
auf die Erfahrung der Mutterrolle hat und dadurch sich das Problem einer Rollenteilung –
der Vater könnte ja vielleicht auch mal... - auflöst. Deshalb finden Sie vielleicht gerade in
der jungen Altersstruktur der New Economy so wenig Mütter....
Hinzu kommt die finanzielle Überlegung: Selten verdienen Frauen soviel wie ihre männlichen Partner, so dass bei der Überlegung, wer bleibt beim Kind? – die Höhe des Gehaltes ausschlaggebend ist.
60
Ich persönlich sehe Kinder bzw. Familie eher integrativ zu meinem / unserem gesamten
Leben und könnte sie daher nie als Etappe in meinem Lebens „planen“, aber das ist
meine bzw. unsere persönliche Einstellung.
Informationen zur Person:
Ilka Bickmann, 32, Director Communications bei DealTime.com (Germany) GmbH
Internationaler Einkaufsservice im Internet der Bertelsmanngruppe
Verheiratet, einen Sohn (4), zweites Kind unterwegs
Motto: Wer sich nicht bewegt, bewegt auch nichts....
Beruflicher Background:
- Seit über vier Jahren in leitenden Positionen im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig: nach Studium der Germanistik/Journalistik & Psychologie kurzes Zwischenspiel beim Fernsehen (Sat 1, ZDF),
- danach als Pressesprecherin für eine Münchner TopTen-Publikumsbuchverlagsgruppe gearbeitet und diese Tätigkeit drei Jahre lang mit großer Begeisterung ausgeübt.
- Seit Frühjahr 2000: Director Communications der DealTime.com (Germany) GmbH,
Internetunternehmen der Bertelsmanngruppe und DealTime Ltd. (USA), Leitung der
gesamten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in enger Kooperation mit USA, Japan,
England
Skills:
- Vereinbarkeit von Job & Familie; Engagement zur Förderung der seltenenen Spezies
„Hausmann“ sowie „Business-Mum“ in der (deutschen) Gesellschaft und Arbeitskultur
durch Vorträge, Workshops, networking
61
Marianne Pfister, Leitung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei Comet Computer GmbH,
München
Comet Computer GmbH ist ein Dienstleistungsunternehmen für Technische Dokumentation
und Softwareentwicklung, das von Anfang an auf Flexibilität und Innovation ausgerichtet war
– lange bevor man von „New Economy“ sprach. Heute gehört das Unternehmen zu den führenden Anbietern für Online-Dokumentation in Deutschland.
Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben dank frauen- und familienfreundlicher Arbeitsbedingungen ist Comet Computer schon seit Unternehmensgründung 1987 ein besonderes
Anliegen. Flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit zur Telearbeit, integrierte Kinderbetreuung
und Führungspositionen für Teilzeitkräfte bedeuten nicht nur für Mütter und Väter eine interessante berufliche Alternative. Sie ermöglichen vor allem die Verwirklichung privater und
persönlicher Ziele ohne Verzicht auf eine attraktive, anspruchsvolle Arbeit. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist auf rund 60 angestiegen und ständig am wachsen.
Im Laufe der Jahre wurde das Konzept zur Vereinbarkeit von Familie, Beruf und individueller
Lebensplanung weiterentwickelt, um den wandelnden Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter entgegenzukommen und sowohl dem Wohlergehen des Unternehmens als auch
den Herausforderungen der innovativen Arbeitswelt Rechnung zu tragen.
Mit unkonventionellen Arbeitsmodellen bietet das Unternehmen insbesondere Müttern und
Vätern attraktive Alternativen zum herkömmlichen Arbeitsplatz und gibt auch BerufsrückkehrerInnen eine Chance. Zentrale Faktoren unserer Unternehmenskultur sind:





Kriterien für Mitarbeiterauswahl: Qualifikation, Sozialkompetenz und Flexibilität
(nicht: Geschlecht, Alter, Herkunft, Familiensituation)
Flexible Arbeitszeiten und -orte
Führungspositionen auch für Teilzeitkräfte
Gezielte Weiterbildung für alle
menschenfreundliche Arbeitsbedingungen:
Rücksicht auf private Situation, Einbeziehung der Partner, Kinderbetreuung
Dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten, speziell Internet und Intranet, reicht das
Firmennetzwerk weit über die Bürostandorte hinaus. Dies gewährleistet eine problemlose
Einbindung aller "fernen" MitarbeiterInnen und unterstützt ihre aktive Teilnahme am aktuellen
Firmengeschehen. Um den gemeinschaftlichen Gedanken zu pflegen sowie Netzwerk und
Kommunikationswege zu optimieren, legt Comet Computer viel Wert auf Kommunikationsmanagement, wofür eigens eine Position geschaffen wurde.
62
War 1987 die Chancengleichheit ein Ur-Motiv für die Firmengründung, zeigt sie sich heute
als bewährtes Grundprinzip für den Unternehmenserfolg und bietet
 bessere Möglichkeiten, MitarbeiterInnen zu finden, zu motivieren und zu halten
 beste Voraussetzungen, auf hoch dynamischen Markt reagieren zu können.
Comet Computer erhielt 1994, 1998 und 2000 einen Förderpreis der Bayerischen Staatsregierung für Chancengleichheit im Betrieb und wurde 1997 und 2000 mit dem Total E-Quality
Prädikat ausgezeichnet.
Informationen zur Person:
Marianne Pfister
Nach Schulzeit und kaufmännischer Ausbildung in Hamburg folgte 1968 eine 10jährige
Berufstätigkeit als Fremdsprachenkorrespondentin bei einem Brauereiplanungsbüro in Hamburg, Paris und Westafrika. Die Prioritäten in der nachfolgenden Familienphase verlagerten
sich mit dem Heranwachsen der Kinder. Von 1989 bis 1993 übernahm Marianne Pfister die
Geschäftsführung einer Vertriebsfirma für Industrieelektronik und arbeitete bis 1999 als freie
Mitarbeiterin bei einem Unternehmensberater. 1994 bis 1996 war sie in der Pilotphase Teilnehmerin und später Tutorin eines Multimedia-Fernlehrkurses für Berufswiedereinsteigerinnen, initiiert von der Universität Erlangen (FIM-PSYCHOLOGIE), gefördert vom Europäischen Sozialfond, der Telecom, Siemens-Nixdorf u.a.
Seit 1997 arbeitet Marianne Pfister für Comet Computer GmbH in flexibler Teilzeit in alternierender Telearbeit.
63
Sylvia Stange, Deutsche Telekom, Bonn
In einem Telekommunikationskonzern soll Technik verkauft werden, sinnvollerweise wird
diese daher auch im eigenen Konzern genutzt. D.h. ideale Voraussetzungen für eine
moderne und effiziente Arbeitskultur - und das nicht nur in der New Economy!
Jedoch: Der Theorie muss die Praxis folgen, denn die Erfahrung lehrt uns, dass trotz hervorragender Konditionen - wie unsere Tarifverträge zu Arbeitszeitkonten, Teilzeit und zu Telearbeit (mit Award!)- hier nur zögerlich eine Veränderung zu registrieren ist:
Auch bei uns ist Teilzeit noch immer weiblich und geht einher mit Nachteilen für das berufliche Fortkommen. Ein modernes Unternehmen braucht flexible Arbeitszeiten, das erwarten
alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über alle Hierarchieebenen.
Daher haben wir Gleichstellungsbeauftragte mit “work and life balance” eine Kampagne gestartet, deren Ziel folgende Vision verfolgt:
“Im Konzern Deutsche Telekom bringen Männer und Frauen berufliche, familiäre und
private Interessen mit den betrieblichen Anforderungen in Einklang!"
Informationen zur Person:
Dipl.-Ing. Sylvia Stange
Geboren:
19. Januar 1959 in Hamburg
Ausbildung:
Abitur und Studium der
Physikalischen Technik
Abschluss:
Diplom-Ingenieur
seit 1981:
Deutsche Telekom
Tätigkeiten:
Von Technikplanung zu überregionaler Koordination und Verhandlung mit Landes- und
Kommunalgremien; von einer “Prüfungsbehörde” über Personalbuchführung zur Arbeitszeitbeauftragten; von Tarifverhandlungen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit bis zur Gleichstellungsbeauftragten;
nunmehr:
Leiterin Strategie, Planung, Steuerung, Grundsätze im Gleichstellungsbereich;
Stellvertretende Leiterin Gleichstellung und Chancengleichheit im Konzern
64
FORUM
„Berufsperspektive Selbstständigkeit - Unternehmerinnen berichten über
ihre Gründungs- und Aufbauphase“
Elke Bouillon, Phaidros Software AG, Ilmenau
Unternehmensgründung – aus weiblicher Sicht
Gemeinsam mit zwei Partnern habe ich 1998 ein Unternehmen gegründet (und meinen Job
im öffentlichen Dienst an den Nagel gehängt). Die Phaidros Software AG hat inzwischen ca.
30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihren Sitz in der Thüringer Universitätsstadt Ilmenau
sowie seit Sommer 2000 ein Büro in Hamburg. Das Unternehmen stellt eine Technologie zur
Herstellung von Software auf Modellbasis her.
Erfolgsfaktoren bei der Gründung eines Unternehmens
Gute Gründungsidee / Kundenorientierung
Motiviertes Team / Firmenkultur
Qualifizierte Gründer / Branchenkenntnissen
Markt- und Wettbewerbsanalyse
Konzentration auf Kernkompetenzen
Gutes Marketing und PR
Netzwerke
Frau in einer Männerdomäne?
- keine Angst vor Technik!
- das Bild von der „mithelfenden Ehefrau“ - der „Vorstand“ auf der Visitenkarte
- Emotionale Intelligenz ein Vorteil von Frauen
- stellen Frauen eher Frauen ein?
Unternehmerin und Mutter?
- Kind oder Karriere - (k)eine Entscheidung?
- die Rolle des Partners
- Gesellschaftliches Umfeld
Informationen zur Person:
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Elke Bouillon, 37 Jahre alt, wohnhaft in Ilmenau, zwei Kinder. (Christian ist 17 Jahre alt
und besucht das Gymnasium und Fabian, 5 geht in den Kindergarten)
In Zella-Mehlis geboren, in Halle an der Saale aufgewachsen,
Studium an der heutigen TU Ilmenau Abschluss als Dipl. Ing. für Elektrotechnik
1990 – 1998 an der TU Ilmenau beschäftigt
anfangs Mitarbeiterin im Studentenrat, später Referentin des Rektors für studentische
Angelegenheiten
Seit 1997 Gründung und Aufbau der Phaidros Software AG mit 2 Partnern.
Die Firma hat heute ca. 30 Beschäftigte davon 4 Auszubildende
Im Vorstand zuständig für Marketing und PR, Organisation und Personalentwicklung
nähere Informationen zum Unternehmen unter www.phaidros.com.
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Irene Heinen, Nettraffic Internet Performance GmbH, Hamburg
Thesen zu Chancen von Frauen als Führungskräfte und in der Selbstständigkeit:
1. Das Risiko, dass es nicht klappt, gibt es immer. In jedem Fall haben Sie die Chance,
dazu zu lernen und sich weiter zu entwickeln.
2. Als Führungskraft müssen Sie Generalistin sein! Die Spezialisten werden und müssen
Ihnen fachlich überlegen sein, gleichzeitig müssen Sie selber ständig dazu lernen.
3. Management heißt, Visionen haben, Strategien entwickeln, delegieren, Entscheidungen
treffen und Verantwortung übernehmen! Wer Angst hat, Fehler zu machen, wird Entscheidungen aus dem Weg gehen.
4. Finden Sie Ihren eigenen Stil. Authentizität ist das beste Rezept – gegenüber Vorgesetzten und gegenüber Mitarbeitern!
5. Glauben Sie an Ihre eigene Ideen und Überzeugungen! Bleiben Sie aber offen für neue
Erkenntnisse und gute Argumente. Ihr Umfeld spiegelt Ihnen Ihre eigenen
Verhaltensweisen und Unsicherheiten wider! Wer sich ernst nimmt, wird ernst
genommen, wer nicht sicher ist, wird Unsicherheit erzeugen – und umgekehrt.
7. Keine berufliche Entwicklung ohne Persönlichkeitsentwicklung! Wer nicht bereit ist, sich
und die eigenen Einstellungen ständig zu überprüfen, wird sich auch beruflich nicht entwickeln können. Verzicht auf eine Partnerschaft ist ein unnötiger Preis! Beruflicher Erfolg
erfordert allerdings, dass Ihr Partner und Sie Ihren beruflichen Erfolg genau so wichtig
nehmen wie seinen.
Zu Nettraffic
Die Idee:
Die Performance, also die Verfügbarkeit und die Geschwindigkeit von Onlineangeboten, entscheidet über deren Akzeptanz und wirtschaftlichen Erfolg. Die Nettraffic Internet Performance GmbH bietet hierzu umfassende Überwachungs- und Beratungsdienste an. Zur
CeBIT stellt das Start-up den Leistungsumfang und die Nutzerschnittstelle einer neuen
Generation des eigenen Messsystems vor. Das Angebot zielt auf Unternehmen mit einem
ernsthaften geschäftlichen Interesse an ihrem Internet-Auftritt. Ihnen stehen in Frequenz,
Verfahren und Bezugsraum variierbare Messservices auf Basis eines verteilt arbeitenden
Messsystems zur Verfügung. Das entsprechende Angebot von Überwachungs- und Beratungsdiensten wird Nettraffic mit besonderem Schwerpunkt auf dem deutschen E-Commerce-Markt ausbauen.
Das Unternehmen:
Die Nettraffic Internet Performance GmbH war der erste Anbieter in Deutschland, der die
Verfügbarkeit sowie die Abruf- und Transaktionszeiten von Onlineangeboten aus der Sicht
des Endverbrauchers geprüft hat. Gegründet wurde das Unternehmen Mitte 1999 von Irene
Heinen und Frank Simon.
Mit der Erweiterung des Gesellschafterkreises um die Investmentgesellschaft Techno Nord
VC GmbH und den Verlag Heinz Heise GmbH & Co KG im Mai 2000, der Verlegung des
Firmensitzes und dem Bezug der neuen Büroräume in Hamburg im August dehnte das
Unternehmen seine Geschäftstätigkeit erheblich aus.
Im zweiten Halbjahr 2000 erzielte das Start-up mit über 40 Kunden bereits Erlöse von
270.000 Mark. Im Geschäftsjahr 2001 sollen sich die Erlöse auf etwa 2,7 Millionen Mark verzehnfachen.
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Zurzeit beschäftigt Nettraffic in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb, Support und Consulting
fünfzehn Mitarbeiter. Bis Ende des Jahres 2001 soll die Zahl der Mitarbeiter auf rund 25
erhöht werden.
Informationen zur Person:
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Geboren: 22. Juni 1963 in Oberhausen, ledig, keine Kinder
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Ausbildung
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Studium: Oktober 1983 bis Mai 1989 Studium der Sozialwissenschaften an der
Georg August Universität in Göttingen
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Fortbildung: August 1991 bis Mai 1992 Gesellschaft für Informationsverarbeitende
Berufe
Beruflicher Werdegang
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Januar 1985 bis Juli 1991: Verlag Heinz Heise: Redaktionsassistenz bei
INPUT64, Redakteurin iX, zuletzt Leitende Redakteurin
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November 1995 bis Dezember 1998: Chefredakteurin der Zeitschrift Business
Online, zunächst im Konradin Verlag, dann auf selbstständiger Basis
Selbstständigkeit
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Herbst 1997: Ausgründung der Business Online
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Frühjahr 1999: Mitherausgeberin ISPWatch
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Anfang 1999 bis Mitte 2000: Internet-Beratung, Freie Journalistin
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Mitte 1999: Gründung der Nettraffic Internet Performance
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Mitte 2000: Finanzierung der Nettraffic durch Risikokapital
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Katja Maria Wilke, Yellobit Digitale Dienste, Hamburg
Yellobit: Gründung und Unternehmenszweck
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Firmengründung 1998 mit drei Partnern aus den Bereichen Softwareentwicklung und
Design
Zielsetzung: Die Entwicklung datenbankbasierter (Web)-Applikationen
Erstes Büro: Gründerzentrum im Alten Schlachthof (Schanzenviertel)
Seit März 2000: Zugehörigkeit zum Netzwerk Neue Medien TINfactory, Hamburg
Bahrenfeld (www.tinfactory.de)
Team: 10 Personen
Fazit: Die berufliche Selbstständigkeit ist eine lebensbereichernde und sehr spannende Herausforderung, wobei die große Kunst darin besteht, sich immer wieder selbst zu motivieren.
Informationen zur Person:
Studium der Germanistik und Romanistik in Göttingen, Madrid, Barcelona, Hamburg
Produktionsleitung bei einem Clipping-Dienst
Projektmanagement Internet/Intranet bei einer Software-Entwicklungsfirma
Seit 1998 selbstständig
Seit 2000 Mutter einer Tochter
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Impressum:
Herausgegeben vom:
Senatsamt für die Gleichstellung, Hamburg
Oktober 2001
Fachliche Koordination:
Christiane Uschkereit, Diana Winkler-Büttner
Redaktion:
Monika Fresenius
Druck:
Die Dokumentation steht im Internet als Download unter folgender Adresse zur
Verfügung:
http://www.hamburg.de/fhh/behoerden/sfg/publikationen.htm
Anmerkung zur Verteilung:
Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Senats der Freien und Hansestadt
Hamburg herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerberinnen und Wahlwerbern
oder Wahlhelferinnen und Wahlhelfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Das gilt für
Bürgerschafts-, Bundestags- und Europawahlen sowie die Wahl zur Bezirksversammlung.
Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen
der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Information oder
Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Auch
ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise
verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zugunsten einzelner politischer
Gruppen verstanden werden könnte.
Die genannten Beschränkungen gelten unabhängig davon, wann, auf welchem Weg und in welcher
Anzahl diese Druckschrift dem Empfänger zugegangen ist. Den Parteien ist es jedoch gestattet, die
Druckschrift zur Unterrichtung Ihrer eigenen Mitglieder zu verwenden.
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