Schneeland Sundance Filmfestival 2005 Filmfestival Max Ophüls Saarbrücken 2005 Ein Film von Hans W Geißendörfer * Basierend auf dem Roman von Elisabeth Rynell * Erschienen im btb -Verlag Mit: Julia Jentsch, Maria Schrader Thomas Kretschmann, Ulrich Mühe Eine Co-Produktion der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion GmbH und des Westdeutschen Rundfunks Kinostart: 20. Januar 2004 Pressebetreuung: arne höhne.presse+öffentlichkeit.berlin boxhagener strasse 18 • 10245 berlin t.: + 49 30 29 36 16 16 f.: + 49 30 29 36 16 22 Infos und Fotos zum Download unter: www.kinowelt.de www.hoehnepresse.de Besetzung Aron Ina Elisabeth Knövel Salomon Helga Ingmar Hilma Britta Mari Tora Rubert Thomas Kretschmann Julia Jentsch Maria Schrader Ulrich Mühe Oliver Stokowski Ina Weisse Martin Feifel Susanne Lothar Caroline Schreiber Beate Abraham Brigitte Annessy Joachim Krol 2 Stab Regie und Drehbuch Musik Schnitt Kamera Ausstattung Kostümbild Maske Casting Originalton Sounddesign Mischung Kameraassistenz und 2. Kamera 1. Regieassistenz 2. Regieassistenz Continuity Materialassistenz Kostümbildassistenz Garderobe Oberbeleuchter Bühnenmeister Aufnahmeleitung Filmgeschäftsführung Produktionsleitung Herstellungsleitung Creative Producer Redaktion Produzent Hans W. Geißendörfer Irmin Schmidt Peter Przygodda (ABAPE) Oliver Grothoff Hans Günther Bücking (BVK) Bengt Svedberg Åsa Nilson Andreas Janczyk Jutta Burkhardt Diana Hein Christa Lambertz Nessie Nesslauer Horst D. Scheel Roland Winke Erik Seifert Hadon Install André Bendocchi-Alves (ABAPE) 40° Martin Steyer Sebastian Janke Chris Tromboukis Regine Stier Ruth Hetzer Andrea Bosse Gina Witzel Max Zaher Kerstin Westermann Møre Thole Wolfgang Dell Rüdiger Höhn Thomas Menne Joakim Wasberg Holger Kunze Corinna Kiesewetter Tobias Reiner Andreas Habermaier Roswitha Ester Andrea Hanke Hans W. Geißendörfer Technische Angaben 35mm / Farbe / Deutsch Länge: 145 min. Format: Cinemascope Produktion: August/September 2003 sowie Februar/März 2004 an Originalmotiven in Mittelschweden 3 INHALT Statement von Hans W. Geißendörfer 5 Kurzinhalt 6 Langinhalt 7 Produktionsnotizen 9 Interviews Interview Julia Jentsch (Ina) 11 Interview Maria Schrader (Elisabeth) 14 Interview mit Hans W. Geißendörfer 17 Kurzbiografien Julia Jentsch 21 Maria Schrader 23 Thomas Kretschmann 25 Ulrich Mühe 27 Oliver Stokowski 29 Ina Weisse 31 Joachim Krol 32 STAB Hans Werner Geißendörfer ( Regie) 34 Hans-Günther Bücking ( Kamera ) 36 Geißendörfer Film und Fernsehproduktion (Produktion) 38 Elisabeth Rynell (Romanvorlage) 39 4 Statement von Hans W. Geißendörfer SCHNEELAND erzählt zwei Geschichten, aus dem Lappland von heute und 1937, die sich am Ende des Films zu einer Zeit vereinigen. Alles ist eine Welt. Ich habe versucht, einen Film zu machen, der mit Licht und Dunkel genauso sorgfältig und überlegt umgeht, wie mit dem Schicksal und der Psyche seiner Figuren. Nichts ist zufällig, alles ist gewollt bis in die weitesten Hintergründe der Landschaften. Ich habe versucht, das menschliche Urgestein Sehnsucht, Liebe und Tod mit meinen wunderbaren Schauspielern und großen Bildern auf seine archaische Kraft zu reduzieren und habe dem Kernsatz des Films „Liebe ist stark wie der Tod“ viel Platz gegeben. Ich wollte diesmal nicht weggucken, mich nicht abwenden, wenn es weh tut. Ich habe viel riskiert und versucht, den gegebenen Voyeurismus der Kamera durch mitfühlende Beobachtung zu ersetzen. 5 KURZINHALT Schweden, Gegenwart. Bei einem Autounfall verliert die Schriftstellerin Elisabeth (Maria Schrader) ihren Ehemann und bleibt allein mit drei Kindern zurück. Verzweifelt beschließt sie, dem Geliebten in den Tod zu folgen. Sie macht sich auf den Weg in die Schneewüste Lapplands, wo sie ihrem Mann vor Jahren begegnete. In dieser unendlichen Landschaft stößt sie in der Nähe eines Einsiedlerhofes auf den eingefrorenen Leichnam einer alten Frau im Schnee. In deren verlassenem Haus entdeckt Elisabeth immer neue Spuren einer bewegenden Leidenschaft: Die Geschichte der außergewöhnlichen und radikalen Liebe zwischen Aron (Thomas Kretschmann), der mit einem dunklen Geheimnis durch die Welt wanderte, und Ina (Julia Jentsch), die seit ihrer Kindheit im Banne eines übermächtigen Vaters (Ulrich Mühe) steht. Über die Zeiten hinweg schöpft Elisabeth Kraft aus der lange zurückliegenden Liebe von Ina und Aron. Die Funken des fremden Schicksals springen auf sie über, sie fasst neuen Lebensmut und kehrt zu ihren Kindern zurück. 6 LANGINHALT Durch einen Autounfall verliert die Schriftstellerin Elisabeth (Maria Schrader) ihren Mann Ingmar (Martin Feifel). Sie beschließt, ihm in den Tod zu folgen und kehrt zum Sterben dorthin zurück, wo sie ihren Mann lieben gelernt hatte: in die Schneewüste Lapplands. Dort stößt sie auf die Spuren einer dramatischen Liebes- und Lebensgeschichte. Lappland in den 1930er Jahren: Tiefer Schnee, eisiger Sturm und beißende Kälte. Ein Fremder namens Aron (Thomas Kretschmann) zieht mit seinem zotteligen Hund Lurv durch Nordschweden. Er sucht eine Übernachtungsmöglichkeit. Die Bauersleute Helga (Ina Weisse) und Salomon (Oliver Stokowski) nehmen ihn in ihre Familie auf ohne Fragen zu stellen. Bald schon ahnen sie, dass Aron ein Mann mit geheimnisvoller Vergangenheit ist. Eine schwere Last scheint ihn zu bedrücken. Auf dem Einsiedlerhof Nattmyrberg, eine Tagesreise entfernt von dem Haus der Bauersleute, leben Ina (Julia Jentsch), ihr Vater Knövel (Ulrich Mühe) und Mutter Hilma (Susanne Lothar). Knövel ist ein gebrochener Mann, der seinen Buckel wie ein Stigma trägt, das Leben selbst als seinen größten Feind begreift und seine Familie tyrannisiert. Dies trifft vor allem Ina. Knövel meint, dass Ina nur geboren wurde, um ihn zu quälen und sich zwischen ihn und seine Frau zu stellen. Als Hilma stirbt, eskaliert die Lage; Knövel erklärt Ina: "Wichtig ist, dass du weißt, dass du jetzt Tochter und Frau zugleich bist." Aron bleibt bei Helga und Salomon und darf während der Sommermonate die Pferde auf der Hochweide bei Nattmyrberg weiden - ein Vertrauensbeweis, da die Pferde das wertvollste Kapital der Dorfbewohner sind. In der einsamen Abgeschiedenheit des Hütens entdeckt Aron ein Mädchen beim Beeren sammeln. Es ist Ina, die verschreckt die Flucht ergreift. Unter dem Einfluss des rätselhaften Fremden beginnt Ina sich zu verändern. Sie fasst Mut und beginnt, sich zu wehren. Gegen den ausdrücklichen Widerstand ihres Vaters verlässt sie erstmals den Hof, um Butter und Käse im nächsten Ort zu verkaufen. Eine Frau namens Mari (Beate Abraham) erkennt Ina und sieht die Wunden von Knövels Schlägen. Ina, so Maris Rat, solle abhauen, am besten sofort. Sogar in der Bibel stehe geschrieben, dass die Kinder ihre Eltern verlassen sollen. Doch Ina sieht das anders: "Wir leben wohl außerhalb von alledem in Nattmyrberg." In der Gegenwart stapft Elisabeth durch die Schneewüste zum verlassenen Nattmyrberg-Hof und findet dort die Leiche einer alten Frau. Langsam zeichnet sich eine geheimnisvolle Verbindung zwischen den Zeiten und den Frauen ab, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Elisabeth findet heraus, dass es sich bei der Toten um Ina handelt und beginnt mit einer Mischung aus schriftstellerischem Interesse und kriminalistischem Gespür anhand von Schriftstücken, Zeichnungen und anderen Fundstücken Indizien für Inas Lebensgeschichte zu sammeln - ein Leben voller Härte und Grausamkeit, das durch eine übergroße, tiefe Liebe eine Wende erfahren hat. Instinktiv spürt Elisabeth Parallelen zu ihrem eigenen Schicksal. Auf der Pferdeweide spürt Aron, dass die junge Ina heimlich immer wieder zu ihm kommt, ohne sich zu zeigen. Eines Tages verletzt er sich absichtlich am Fuß, um 7 Inas Mitleid zu erregen und sie aus ihrem Versteck zu locken - doch Ina bleibt verschwunden. Als er später in sein Lager zurückkommt, entdeckt er jedoch Salbe und Binden, die sie ihm heimlich gebracht hat. Auch in den nächsten Wochen hält sich Ina versteckt. Sie fühlt sich von ihrem Vater verunreinigt, beschmutzt und gezeichnet, trotzdem offenbart sie sich Aron am Ende des Sommers und tritt völlig nackt vor ihn. Auf Arons Frage warum sie dies tat, antwortet sie nur: "Weil Du wissen musst." Er hüllt die Frierende in wärmende Decken, und weiß vor lauter Nacktheit nicht wohin mit seinen Händen. Elisabeth wühlt sich immer tiefer in das Leben Inas, und die Art, wie Ina mit ihrem Schicksal umgegangen ist, gibt ihr dabei neuen Lebensmut. Im Schneesturm mit der Leiche der alten Ina und in deren Haus gefangen, will sie wieder zurück in ihr eigenes Leben, zurück zu ihren Kindern, die sie im übermäßigen Schmerz zurückgelassen hatte. "Es gehört Demut dazu, sich lieben zu lassen. Als senke man das Gesicht." Der Herbst kommt. Aron muss mit den Pferden zurück ins Tal. Der Abschied von Ina wird nur durch die Gewissheit erträglich, dass sie sich im nächsten Sommer wiedersehen können. Gleichzeitig aber weiß Aron, dass Ina den langen Winter allein mit ihrem Vater sein wird. Nach diesem Winter voller Sehnsucht kommt Aron mit den Pferden zurück auf die Hochweide, und für Ina und Aron beginnt eine wunderbare Zeit. Sie schlafen zum ersten Mal miteinander und fassen immer tieferes Vertrauen ineinander. Erstmals erzählt Aron die ganze Geschichte seines Lebens und vertraut Ina sein dunkles Geheimnis an: Er ist ein Mörder. Als Strafe für seine Untat hat er sich zu einem Büßerleben in Armut und Einsamkeit entschlossen. Doch Inas Liebe ist seine Erlösung, so wie seine Liebe ihre Heilung ist. Sie wollen heiraten. Von der Hochweide zurück erzählt Aron seinen Wirtsleuten Helga und Salomon von Ina und macht sich kurz nach Winteranfang mit Lurv auf, um in der nächsten Stadt Hochzeitsringe und Brautkleid zu kaufen. Auf Nattmyberg tötet Ina indessen ihren Vater während eines Vergewaltigungsversuchs. Wenig später kehrt Lurv ohne Aron zurück zu Helga und Salomon. Salomon macht sich auf die Suche nach seinem Freund. Auf einem zugefrorenen See, neben einem Eisloch, findet er Arons Rucksack... 8 PRODUKTIONSNOTIZEN Einen ungeheueren Sog entwickelte die Geschichte dieser beiden jungen Frauen, die sich im eisigen SCHNEELAND über die Jahrzehnte hinweg verbünden. Ungeachtet der Strapazen, die ein Dreh in der kalten, stürmischen Winterlandschaft von Lappland, bei Temperaturen um minus 20 Grad bedeutet, war es nicht nur für den Regisseur, sondern auch für die Schauspieler Liebe auf den ersten Blick. Seit einigen Jahren hatte Hans W. Geißendörfer nach einer Vorlage für seinen nächsten Kinofilm Ausschau gehalten, als eine Freundin ihm Elisabeth Rynells SCHNEELAND zum Lesen gab und er sofort wusste, dass er seine Geschichte gefunden hatte, fast so als würde der Ruf dieser tapferen, jungen Frauen über die Zeiten hinweg locken. Da die Landschaft wesentlicher Bestandteil der Geschichte ist, und im Grunde die Rolle eines weiteren Charakters annimmt, gestaltete sich schon die Suche nach dem Schauplatz sehr schwierig. Zunächst hoffte Hans W.Geißendörfer auf die Hilfe von Elisabeth Rynell und ließ sich von der Autorin an die Orte führen, an die sie beim Schreiben gedacht hatte, ohne jedoch zu wissen, dass es die Originalschauplätze ihres eigenen Lebens waren: " Die haben mir aber nicht gefallen, ebenso wenig wie dem Kameramann," erinnert sich der Regisseur. "Das hatte nichts damit zu tun, was ich mir vorgestellt hatte. Es war viel zu lieblich, wenig poetisch, da hätten wir auch im Schwarzwald oder im Fichtelgebirge drehen können. Wir haben eine Einsamkeit gesucht, eine karge Landschaft, kein Grün, keine Bäume. Wir haben sehr lange gebraucht, es ist nicht mehr so leicht in Europa diese großen, leeren Landschaften zu finden.“ Fast ein Jahr lang dauerte die Motivsuche, bevor Geißendörfer in Mittelschweden fündig wurde, in Südlappland, an der norwegischen Grenze, wo die Höfe von Salomon und Knövel in die Landschaft gebaut wurden, Salomons Haus in etwas 400 Metern Höhe und Knövels weiter oben auf einem Hochplateau (ca. 1000 Meter über dem Meeresspiegel). Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Wahl des Drehortes war, dass Schauspieler und Team in der Nähe untergebracht werden konnten, um lange Reisen zum Drehort zu vermeiden. Auch die kommunale Verwaltung der Lappen, die das Land bewirtschaften und Rentierzucht betreiben, sorgte für eine Fülle von Auflagen. So mussten Geburten- und Schlachtzeiten der in einem achtzig Quadratkilometer großen Gebiet verstreuten Rentiere ebenso berücksichtigt werden wie der Schutz der Jungtiere. Zudem war zu befürchten, dass die extremen Wetterbedingungen den Dreh übermäßig verteuerten: Im Winter herrschen in dieser Gegend 18 -25 Grad Minus, bei starken Stürmen und oft meterhohem Neuschnee, der jedes Durchkommen unmöglich macht. Jedes Mitglied des Teams bekam eine veritable Expeditionsausrüstung: "Wir sahen alle aus wie die Michelinmännchen", lacht Hans W. Geißendörfer. All diesen Strapazen zum Trotz wurde die Überlegung, im Studio zu drehen, schnell wieder verworfen: "Die authentischen Wetterbedingungen helfen den Schauspielern ungeheuer.", sagt Geißendörfer. "Es ist einfach etwas ganz anderes, ob Maria Schrader in der Kälte von Eis und Schnee in dieses kalte, seit langem leerstehende Haus kommt und wirklich friert, oder ob sie im geheizten Set unter den Scheinwerfern, die auch noch Wärme verbreiten, bei 22 Grad Wärme so tut, als ob sie friert." Maria Schrader kann das nur bestätigen "Von so einer Landschaft kann man sich völlig vereinnahmen lassen. Die Kälte, die Gerüche in 9 diesem Haus, die vereisten Fenster, das ist alles ganz real, und macht es leicht, sich von seinen Gefühlen wegspülen zu lassen, in seinem Innenleben zu versinken." Selbst im Sommer wurde die Hoffnung auf erheblich bessere Bedingungen enttäuscht, statt den üblichen 15 bis 20 Grad hat es in den sieben Drehwochen fast täglich geregnet und gestürmt, und war kaum je wärmer als 15 Grad, bei Durchschnittstemperaturen zwischen fünf und sechs Grad, die im ganzen Sommer Anoraks, Parkas und anderen Wärmeschutz nötig machten. Statt jedoch auf die Laune zu drücken, haben die schwierigen Wetterverhältnisse die Teammitglieder nur enger verbunden: "Erstaunlicherweise führen solche Dinge nicht zu Depressionen", sagt Geißendörfer " stattdessen schweißen solche kleinen Katastrophen nur stärker zusammen. Jeder sagt dann, „wir packen's trotzdem! Es war teuflisch schwierig, aber hat sehr viel Spaß gemacht". Gleich an ihrem ersten Drehtag hatte Maria Schrader ein beeindruckendes Erlebnis, als sie morgens sehr früh, vor Sonnenaufgang zum Drehort fuhr. „Das war ein so unglaublich schöner Sonnenaufgang, dass ich den Fahrer bat, anzuhalten, weil ich das unbedingt fotografieren wollte. Ich hatte so eine Landschaft noch nie gesehen, so endlose Schneewüsten... Ich habe die Wüste gesehen, war aber noch nie so nördlich. Dann sind wir weitergefahren, und ich sah den Set zum ersten Mal, diesen alten, verlassenen Hof, und da stand noch so eine kleine schwarze Gestalt, hinten in der Ebene, das war der Kameramann, dem es genau wie mir ging. Er sagte dann, dass er nicht weiß, was ich später anhaben würde, ich solle aber einfach mal da hinten hin gehen, weil er es unbedingt drehen wollte: ´So ein Licht kriegen wir nie mehr!` So haben wir die erste Einstellung gedreht, bevor der Regisseur oder irgendjemand sonst da war." Für alle Beteiligten wurde die Landschaftserfahrung zu einem eindrucksvollen Erlebnis. " Ich bin gar nicht so ein nordischer Mensch, " räumt Maria Schrader ein, „ich bin auch überhaupt kein Skifahrer, aber diese Landschaft hat mich völlig überwältigt. Einmal sind wir mit dem Auto über einen vereisten See gefahren und haben dort einen Elch gesehen. Großartig war auch diese Szene, für die wir mit den Skidoos, diesen Motorrädern auf Skiern um den ganzen Berg rumfahren mussten, und dann von hinten hoch, damit wir vor dem Drehen keine Spuren im Schnee hinterlassen. Dann steht man auf so einem Bergkamm und hat so eine endlose Eiswüste vor sich, um dann da durchzustürmen. Nach zehn Metern kriegt man kaum noch Luft, weil es so wahnsinnig anstrengend ist, weil man bis zu den Hüften im Schnee steht, und man weiß, dass nur einmal gedreht werden kann, weil dann die Spuren da sind....Es war unglaublich und hat mir sehr gut gefallen. Ich hätte das noch viel länger machen können!" 10 Interview: Julia Jentsch Sie spielen in SCHNEELAND eine junge Frau in extremen Lebensbedingungen: Was hat Sie an der Rolle gereizt? Als meine Agentin mir das Drehbuch zugeschickt hatte, war ich sofort völlig begeistert. Ich hab es regelrecht verschlungen. Das hat von der ersten Seite an einen richtigen Sog auf mich ausgeübt, und mich wie ein Roman sofort in diese andere Welt befördert. Ich liebe diese poetische Sprache, sie besitzt eine Intensität, die in mir sofort sehr viele Bilder erzeugt. Mich hat die Heftigkeit der Rolle gereizt, und die damit verbundene Herausforderung. Besonders gut gefiel mir auch, zu sehen, wie sich so ein großes Unglück, so ein schreckliches Leben durch die Liebe in etwas Positives verwandeln kann. Und dass sich darüber hinaus nicht nur Inas Leben verwandelt, sondern auch noch einer anderen Person Kraft gibt: Elisabeth sieht, was dieser Frau alles passiert ist, dass sie trotzdem weitergelebt, Kinder und Enkelkinder bekommen hat. Daraus zieht sie die Kraft, ihr Leben weiterzuleben und zu den Kindern zurückzugehen. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen den beiden Frauen? Es gibt über die Zeiten hinweg eine richtige Seelenverwandtschaft zwischen ihnen. Da geht es auch darum, welche Bedeutung die Vergangenheit für heute hat, und was vom Leben bleibt, das es einmal gab. Elisabeth geht in die Wildnis, um sich umzubringen, und begegnet dort plötzlich einer Frau aus der Vergangenheit, deren Gedanken sich in ihrem Kopf festsetzen, nur durch die Spuren, die sie in dem verlassenen Haus findet. Wie wichtig war Ihnen der emanzipatorische Aspekt? Es ist einfach gut zu sehen, wie diese Frau Stärke entwickelt und dann beginnt, sich zu wehren. Inwieweit können Sie sich mit diesen schwierigen Prozesses des Erwachsenwerdens in den drei Filmen identifizieren? Im Vergleich mit Sophie Scholl, die im Nationalsozialismus gelebt hat, Jule, die in DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI mit diesem Schuldenberg zu tun hat und Ina, die von ihrem Vater missbraucht wird, habe ich es natürlich viel leichter. Die Umgebung, in der ich in Berlin aufgewachsen bin und die gesellschaftlichen Verhältnisse sind recht unproblematisch. Gerade darum interessiere ich mich für diese Geschichten und daher auch meine Lust mich mit ihnen auseinander zu setzen, mich ihnen über Fantasie und Vorstellungskraft anzunähern. Wie haben Sie sich auf die Rolle einer Frau in den dreißiger Jahren in Schweden vorbereitet? 11 Die Vorbereitung begann im Grunde schon mit einem Gespräch mit Hans, dann habe ich das Buch gelesen und immer um Material gebettelt. Ich habe daraufhin ein paar Fotos aus der Zeit bekommen, die mir eine Idee von diesem Alltag vermitteln. Dann bin ich einige Male ganz praktisch auf einen Milchhof am Rand von Berlin gegangen, um das Melken auszuprobieren, damit das nicht völlig linkisch aussieht. Darüber hinaus ist das Kostüm natürlich auch eine sehr große Hilfe, teilweise hatte ich ja zehn Röcke übereinander an, aus rauen Stoffen. Überhaupt vermittelt sich das Lebensgefühl dieser Zeit ganz direkt und physisch über das ganze Umfeld, wenn man nur eine Feuerstelle zum Kochen hat, die Fische in einem Tonkrug verstaut, und diese Betten mit den Fellen sieht... Waren Sie wegen der drastischen Darstellung von Sex und Gewalt beunruhigt? Beim Lesen habe ich gar nicht daran gedacht, und die Schönheit der Liebeszenen tritt ja gerade gegen diesen schlimmen Hintergrund, gegen die Brutalität besonders stark hervor. Als ich dann wusste, dass ich die Rolle spiele, habe ich mich schon gefragt, wie das sein wird. Schwierig fand ich dabei insbesondere die Prügelszenen mit dem Vater. Es war mir aber ziemlich schnell klar, dass die zur Geschichte dazu gehören, dass man die körperlichen Qualen zeigen muss, um das Ausbrechen verständlich zu machen. Wie haben Sie die Extreme dieser Landschaft empfunden? Die Landschaft war sehr beeindruckend, man fühlte sich unglaublich verloren in dieser endlosen Weite, da waren die Bilder aus dem Buch sofort da. Man spürt die Entfernungen, die Einsamkeit und Abgeschiedenheit ganz physisch am eigenen Leib. Fanden Sie es schwierig mit relativ sparsamen Dialogen auszukommen? Nein, das gefiel mir an der Rolle. Im Kino mag ich es selbst sehr gerne, wenn man den Menschen erst Mal ganz in Ruhe zuschauen kann, was sie tun. Wie haben Sie das Zusammentreffen der ganz unterschiedlichen Schauspielstile beispielsweise von Uli Mühe und Thomas Kretschmann wahrgenommen? Dieses Zusammentreffen war sehr interessant. Thomas ist jemand, der am liebsten gar nicht richtig probt, sondern gleich den ersten Versuch aufnimmt. Uli dagegen erarbeitet sich eine Rolle durch intensive Proben, wie er das vom Theater kennt. Hans W. Geißendörfer und Hans Weingartner, mit dem Sie DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI gedreht haben stehen ja auch für sehr unterschiedliche Regiestile.... Ja, und es ist schön, beides erlebt zu haben. Geißendörfer weiß sehr genau, wie er die Szene zeigen will, Kameratechnik und -fahrten sind bei ihm viel aufwändiger und wenn sie einmal ausgetüftelt sind, ist man auch sehr festgelegt. Im Vergleich dazu hatten wir bei Weingartner mit den digitalen Handkameras natürlich viel größere Freiheiten, da entstehen viele Ideen aus dem Moment heraus, da wird vor Ort noch viel verändert und Unterschiedliches ausprobiert. Diese verschiedenen Methoden 12 gibt es ja auch im Theater, da sind immer Regisseure, die sehr offen arbeiten, und andere, die alles sehr genau festlegen, und oft sind es ja auch die Geschichten, die nach einer bestimmten Form verlangen. Für mich sind es gerade die Unterschiede des Ansatzes, die spannend sind, die Abwechslung, auch zwischen Theater und Kino. Was bekommen Sie im Kino, das Ihnen das Theater nicht bieten kann? Das ist eine ganz andere Arbeitsenergie, weil jeder Tag zählt, weil alles, was gedreht wird, Teil des fertigen Films sein kann. Es ist faszinierend, dass all diese Teile nachher von anderer Hand zu einer Geschichte zusammengefügt werden. Andererseits ist es auch schön, eine ganze Geschichte von Anfang bis Ende zu erzählen, und dass man sich Zeit lassen kann, bis es wirklich stimmt. Ich mag diese Kontraste, die ganz unterschiedlichen Arbeitsweisen. 13 Interview Maria Schrader Seit AIMEE UND JAGUAR sind Sie mit einer ganzen Reihe von Filmen immer wieder in die Vergangenheit eingetaucht. Welche Kraft können diese alten Geschichten für heute entwickeln? In ROSENSTRASSE und SCHNEELAND bin ich ja beide Male eine Zuschauerin aus der Jetztzeit, jemand, der sich aufsaugen lässt, vom Schicksal der anderen, im Unterschied zu MESCHUGGE, in dem ich viel stärker selbst betroffen war. In ROSENSTRASSE und SCHNEELAND hat es eine geradezu reinigende Wirkung vom Schicksal eines anderen eingenommen zu werden, die Intensität eines anderen Lebens so in sich aufzunehmen, dass sie einen verändert und kräftigt. Durch Inas Lebensgeschichte findet Elisabeth ihre Kraft wieder, nicht nur weil ihr Schicksal auf den ersten Blick so viel grausamer ist, sondern auch, weil sie sich plötzlich in Gesellschaft befindet, eine Seelenverwandtschaft zu jemandem erkennt, der in einer ganz anderen Zeit, zu ganz anderen Bedingungen und mit ganz anderen Schwierigkeiten gelebt hat. Sie kann sich aus ihrer Einsamkeit befreien, weil sie sich plötzlich als Teil eines Größeren empfindet, auf eine fast religiöse Weise. Nachdem Elisabeth die erste Nacht, in der sie sterben möchte, überlebt, denkt sie gar nicht mehr darüber nach, was ihr nächster Schritt ist. Ihre Ziellosigkeit treibt sie einfach weiter, sie wacht wieder auf, geht nicht mehr ganz so verzweifelt und viel zu erschöpft, um Entscheidungen zu treffen los und stößt auf dieses Haus, diese alte tote Frau, in deren fremdem Leben sie dann zu hausen beginnt. Für sie ist es eine schicksalhafte Begegnung, dass sie gerade an diese verschneite Hütte gerät. Dabei wird diese Geschichte für Elisabeth als Schriftstellerin ja auch zur literarischen Inspiration. Das finde ich sehr wichtig, und eigentlich bahnt sich das ja auch schon viel eher an, als es jetzt im Film ausgesprochen wird, wenn sie sagt "Ich werde Deine Geschichte aufschreiben. Ich werde sie Deinem Sohn erzählen. Ich werde sie überhaupt allen erzählen." In diesem Moment entsteht mit der Aufgabe, dem Plan, den sie fasst, ja auch ganz konkret ihre Zukunft, die Möglichkeit zur Heimkehr. Es gibt derzeit eine ganze Reihe von Filmen, die das Verhältnis von Realität und Fiktion, von Inspiration und künstlerischem Werk thematisieren, THE DOOR IN THE FLOOR beispielsweise, oder der neue Film von Wong Kar We i, 2046. Es ist großartig, wenn man als Zuschauer, egal, ob es sich dabei um einen Film, ein Theaterstück, eine Ausstellung oder eben ein reales Erlebnis handelt, solche Initialerlebnisse hat. Das bringt mich dazu etwas neu zu überdenken oder etwas Neues anzufangen, und genau das passiert innerhalb dieses Films mit Elisabeth. Sie wird durch ein eigenes, starkes Erlebnis an diesen Ort gespült und dort von sich selbst und ihrem Schicksal abgelenkt. Sie sieht etwas anderes, dass sie verändert. Es ist fast so, als würde die tote Frau im Schnee darauf warten, von ihr begraben zu werden, als würden diese Bücher darauf warten, von ihr gelesen zu werden. Indem sie Inas Geschichte aufschreibt und weitergibt, führt sie sie auch in etwas anderes über, so entsteht aus dem Leid der beiden eine neue positive Kraft. Was hat Sie an der Rolle besonders interessiert? 14 Reizvoll fand ich das, wovor ich auch am meisten Angst hatte: Die Trauer, die Einsamkeit, zehn Tage alleine spielen, und im Grunde nur die Landschaft als Partner haben und eine imaginäre Person. Ich habe noch nie einen Film gemacht, in dem die Landschaft eine so wichtige Rolle spielt, dieses Verlorensein in der Weite, dieses sich Verirren, den Naturgewalten und der Kälte so ausgesetzt zu sein, was ja auch etwas sehr Tröstendes hat. Das habe ich beim Drehen noch nie empfunden, bisher hatte ich es ja immer mit diesen stadtneurotischen Geschichten zu tun. Ich habe die Landschaft wirklich wie einen Partner empfunden und das sehr genossen. Inwiefern haben Sie dieses harsche, eisige Land als tröstend wahrgenommen? Es gibt diesen Moment, in dem Elisabeth allein in der Schneegrube sitzt und es nicht schafft, sich einfach nur ruhig hinzulegen, um zu sterben. Sie stapft durch den Schnee, und irgendwann sinkt sie in die Knie und nimmt plötzlich wahr, wie schön die Welt ist. Das war tatsächlich ein Moment, in dem auf der einen Seite die Sonne unterging, und auf der anderen der Mond auf. Da entstand aus der bedrohlichen Weite eine unglaubliche Schönheit, und plötzlich hatte die Weite auch etwas sehr Beruhigendes. Man konnte sie so und so betrachten, schrecklich und schön zugleich. Bisweilen erinnerten diese Szenen mit der Leiche auch an Tom Hanks, der in CASTAWAY auf der einsamen Insel einen Ball zum Gefährten macht. Hanks hat damals erzählt, dass er es für ihn sehr befreiend war, weitgehend ohne Sprache zu agieren. Können Sie das nachempfinden? Absolut, obwohl Elisabeth ja immer noch sehr viel spricht, mit sich selbst und imaginär mit der toten Ina. Normalerweise lassen sich Schauspieler nur ungern ihre Texte streichen, aber ich habe immer dafür plädiert, noch mehr Text wegzunehmen, weil die stummen Momente oft viel stärker sind. Das macht mir keine Angst, ich habe immer schon davon geträumt, mal einen Stummfilm zu machen. Im Gegenteil, es ging mir eher so, dass ich es schwieriger fand, alleine zu sein und trotzdem zu reden, weil ich normalerweise nicht mit mir selbst spreche. Sie haben kurz hintereinander mit Margarete von Trotta und Hans W. Geißendörfer gearbeitet, die beide einer anderen Generation deutscher Filmemacher angehören. Haben Sie Unterschiede zu den Jüngeren wahrgenommen? Beide Regisseure waren in ihren Geschichten sehr stark auf der Suche nach Gefühlen, nach einem rückhaltlosen Gefühlskino. In beiden Filmen habe ich mich manchmal nach ein bisschen Ironie gesehnt, nach einem anderen Ton oder der Möglichkeit, etwas mehr um die Ecke zu spielen, anstatt so geradeaus mitten rein ins Gefühl zu gehen. Vielleicht ist das eine Generationenfrage, wie man das Leiden zeigt, wie viel Unglück man ertragen kann oder zumuten möchte, beide Filme erzählen ja schwere Geschichten. Als Schauspieler muss man da dem Regisseur oder der Regisseurin vertrauen und ich habe mit Margarete und Hans recht ähnliche Erfahrungen gemacht. Beide sind sehr schauspielerfreundliche Regisseure, aber auf ihrem Weg ganz kompromisslos. Auf jeden Fall sind ihre Arbeitsweisen ähnlich, da passiert nichts unvorbereitetes, unkontrolliertes, es herrscht große Konzentration am Set, es wird geprobt und geführt, sehr klassisch eben, ohne Chaos. Sie haben selbst eine Tochter. Was geht da in Ihnen vor, wenn Sie eine Mutter 15 spielen, die ihre drei Kinder verlässt? Das ist tatsächlich extrem, darüber haben wir sehr viel gesprochen. Ich glaube, dass Elisabeth keine freie Entscheidung trifft, es ist eher zwanghaft, was sie tut. Sie ist von ihrem Mann abhängig und hat im Leben und als Mutter kein großes Selbstbewusstsein. Im Film wird nur angedeutet, dass sie schwierige Zeiten hinter sich hat und auf die Hilfe von Mann und Schwester angewiesen ist. Sie ist ein bedürftiges Wesen, das dem Alltag gegenüber eher hilflos ist, eine labile Person, die sich über den Beruf der Schriftstellerin auch zurückzieht und in eine Parallelwelt flüchtet. In dem Moment, in dem ihr Mann stirbt, hat sie ihren Anker verloren, er hat ihr Halt gegeben, sie gefördert und unterstützt und jetzt, da er nicht mehr da ist, knickt sie um wie eine Blume. Sie verlässt ihre Kinder nicht bewusst, sie glaubt wirklich, dass es ihnen bei ihrer Schwester besser gehen wird, sie lässt sie zurück, weil sie es sich selbst gar nicht zutraut. Aus meiner Perspektive ist dieser Schritt sehr krass, genauso wie die Szene, in der sie am Telefon vom Tod ihres Mannes erfährt und die Kinder anbrüllt, dass der Vater tot ist. Das ist ganz schrecklich, brutal und hilflos, und geht nur, weil man ahnt, wie gefangen und ausgeliefert sie ist. Das Interessante ist ihre Entwicklung, dass sie im Verlauf dieses Films für sich allein die Kraft findet, weiterzuleben und zu den Kindern zurückzugehen. 16 INTERVIEW HANS W.GEISSENDÖRFER Die Geschichte, auf die Elisabeth in der einsamen Hütte im Schnee stößt, gibt ihr die Kraft, zu leben und wohl auch zu schreiben. Können Sie das als Filmregisseur und Geschichtenerzähler nachvollziehen? Ich wäre sicher nicht so ein leidenschaftlicher Filmregisseur, wenn ich nicht die Hoffnung hätte, dass Geschichten verführen können, und natürlich freut sich jeder Autor, egal ob es sich um ein Gedicht, ein Essay, einen Roman oder ein Drehbuch handelt, wenn dieses Stück eine Wirkung hat. Dass es allerdings soweit geht, dass eine Geschichte einem Menschen Überlebensmut gibt, kann nicht der gewöhnliche Anspruch an künstlerisches Schaffen sein und schon gar nicht ans Kino. Wie sind Sie auf das Buch gekommen? Durch den Tipp einer Freundin, die Schauspielerin ist und wusste, dass ich nach einem Stoff suche. Ich habe mich dann ganz schnell verliebt, die Geschichte hat für mich sofort einen ungeheuren Sog entwickelt. Das hat etwas unheimlich Archaisches, es geht um Liebe, um Einsamkeit und um den totalen Egoismus, um das ganze Urgestein des Menschseins und das habe ich schon lange nicht mehr so intensiv erlebt. Bei der Begegnung mit der Autorin hat sich dann bestätigt, dass das keine intellektuellen Abhandlungen sind, sondern erlebte Gefühle, das hat mir den Mut gemacht, das Ganze ins Kino zu übersetzen. Mit der Rahmenhandlung umfasst der Film einen Zeittraum, der in etwa Ihrem Leben entspricht. Ist das Zufall? Eine der Motivationen, diesen Film zu machen, war der Wunsch, von zwei oder sogar drei Generationen zu erzählen, in einem Zeitraum von sechzig, achtzig Jahren. Es gibt die Gegenwart und die Vergangenheit und am Ende versuche ich, den Zuschauer mit dem Gefühl zu entlassen: alles ist eine Zeit. Die Zeitebenen verschmelzen und in der Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit entsteht für Elisabeth eine Zukunft. Inwieweit das auch mit meinem eigenen Lebensabschnitt zu tun hat, habe ich mir nicht überlegt. Nach den Bergen von Davos im ZAUBERBERG kehren Sie nun wieder in so eine extreme Landschaft zurück. Landschaften befruchten meine Fantasie. Wenn ich viel denken oder schreiben muss, aber auch wenn ich Probleme habe oder mich aus einer Aufregung heraus beruhigen will, ist die Landschaft, genau wie die Musik sehr, sehr wichtig. Dann sitze ich z.B. stundenlang am Meer und manchmal entstehen dann auch echte Glücksmomente. Dabei vertritt SCHNEELAND eine durchaus romantische Vorstellung von Landschaft als Spiegel der Seele. 17 Grundsätzlich prägen Landschaften die Menschen, und ganze Völker. Wenn man im Norden, in Island oder auch in Lappland aufwächst, ist das etwas ganz anderes, als wenn man in Bayern aufwächst. Das hat nicht nur mit der Dunkelheit zu tun, sondern auch mit den Lebensformen, die durch die Landschaft, die Natur, die Wetterbedingungen bedingt sind. Gab es bei der Besetzung jemanden, an den sie von Anfang an dachten? Maria Schrader war für mich von Anfang an „Elisabeth“. Wir wussten beide, dass es eine riesige Herausforderung sein würde, eine Schriftstellerin ohne Partner zu spielen. Sie hat ja nur ein paar Minuten lang Familie, dann ist sie allein und hat nur noch eine Leiche als Gesprächspartner. Danach ist sie ganz auf sich gestellt, muss ganz alleine vermitteln, was in ihr vorgeht. Wenn es keinen Partner gibt und keine Ablenkungen fürs Auge, dann wird jedes Detail wichtig, die Körpersprache, jede Handbewegung, ob sie den Handschuh so oder anders hält. Elisabeth ist da wirklich die einsamste Frau der Welt, und ich war sehr glücklich, dass Maria zugesagt hat und bewundere ihren Mut, sich diesen schweren Bedingungen und der Kälte auszuliefern, und z. B. die „Komik des Frierens“ zu spielen, und die Hysterie des Sterbenwollens. Aber sie vermittelt auch die immer leiser werdenden Passagen der Rückkehr ins Leben, wie sie das Leben der Toten langsam recherchiert, und wie diese Biografie ein immer größer werdendes bewunderndes Staunen auslöst, dass sie wieder zurück in ihr eigenes Leben führt. Sie erfährt, dass ihre Welt in einer riesengroßen, anderen Welt und in anderen Seelen geborgen ist, und dass der Schmerz zum Leben gehört, ebenso wie der Tod. Wie können Sie als Regisseur ihrer Schauspielerin dabei helfen? Natürlich gibt man die üblichen Stützen, stellt mit Licht, Frame, Temperatur, Ausstattung die Unterstützungen durch das Umfeld her, und man erarbeitet inhaltliche und psychologische Erklärungen, doch dann ist der Schauspieler allein. Man kann korrigieren, wenn etwas zu laut oder zu leise, zu langsam oder zu schnell ist, aber das ist immer nur Oberfläche. Die Seele muss der Schauspieler selbst finden. Es gibt in Ihrer Filmografie eine gewisse Affinität zu diesen ein wenig "überspannten" Frauen, von Marie France Pisier im ZAUBERBERG, Angela Winkler in EDITHS TAGEBUCH, Maria Schrader hier... Sagen wir doch ganz einfach, das sind starke Frauen. Es gibt einen Film über meine Arbeit, der heißt DIE STÄRKE DER FRAUEN LIEGT IN IHRER PHANTASIE, eine sechzigminütige Dokumentation. Es stimmt, dass all meine Filme Frauen als Hauptfiguren haben, auch in SCHNEELAND geben die Männer kein überragend gutes Bild ab und die Frauen sind die stärkeren Figuren. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich in einer vaterlosen Generation aufgewachsen bin, unsere Väter sind ja fast alle im Krieg geblieben und wir wurden von Müttern, Omas und älteren Schwestern erzogen. Wenn Frauen in der entscheidenden Phase des Lebens von 0 bis 20 die prägenden Charaktere sind, hat man sicher eine nie aufhörende Neugierde daran, was die eigentlich machen, woher sie kommen und wohin sie uns „führen“ wollen. „Überspannt“ würde ich aber meine „Filmfrauen“ nicht nennen, das 18 sind eher alles sehr sensible Frauen, mit einer großen Labilität, nicht im Sinne von Schwäche, sondern von Veränderung, mit einer großen Beweglichkeit, und sie sind alle sehr mutig, richtige Kämpfernaturen. Ist es Zufall, dass Sie so oft mit Theaterschauspielern arbeiten? Nein, ich liebe Theaterschauspieler, weil ich weiß, dass sie sehr viel Handwerk mitbringen. Manchmal muss man ein bisschen aufpassen, dass die Theatralik nicht zu stark wird, aber es ist gar nicht schwer, die Unterschiede in der Spieltechnik herauszuarbeiten, weil diese Schauspieler ihren Körper beherrschen. Andererseits ist jemand wie Thomas Kretschman, der nicht vom Theater kommt, auch sehr gut fürs Kino, weil er z. B. mit viel Instinkt arbeitet. Thomas hat seine amerikanischen Kollegen sehr genau studiert und gelernt mit ihren Techniken zu spielen. Dazu kommt seine irre Screenpräsenz und es war ein großes Glück bei dieser Arbeit seinen stoischen, minimalistischen Stil auf vier Theaterschauspieler stoßen zu lassen. Thomas spielt Aaron, einen Fremden, der aus einer anderen Welt kommt, und für mich war es toll zu sehen wie die beiden Spieltechniken kreativ aufeinander prallen, und wirken und sich prima ergänzen. Auf den ersten Blick hat Ulrich Mühe den schwersten Part Er hat sofort die Kraft in der Figur gesehen, und hat dem Knövel eine Lebendigkeit und Verzweiflung, Liebessehnsucht und abgrundbösen Egoismus gegeben, der mich beim Arbeiten selbst überrascht hat. Uli ist sooo klug! Er hat eine ungeheure Vielfalt der Gesten und Stimmen, und eine Fähigkeit Sprache zu formulieren, eine Wortkraft, die man so nur haben kann, wenn man ein uriges Talent hat und vom Theater kommt. Ich habe sehr viel von ihm gelernt. Waren Sie von Anfang an entschlossen, Sex und Gewalt so drastisch darzustellen? Wir haben uns von vorn herein ganz klar entschieden, da wo es weh tut, hinzuschauen und bei der Brutalität nicht abzublenden. Man kann das natürlich auch anders lösen, die Tür zumachen und die Vorstellung von dem was da passiert der Fantasie des Zuschauers überlassen. Doch das Leid dieses Mädchen, das sie ja immerhin auch zur Mörderin macht, ist nur zu verstehen, wenn man es als Zuschauer mit ertragen muss, wenn man sieht, wie sie mit dem Vater schlafen muss, wie das physisch aufeinander geht, in ihren Augen, ihren Händen, seinem Gesicht.... Normalerweise liest man in der Zeitung, da hat mal wieder ein Vater seine Tochter mehrfach vergewaltigt, und dann denkt man sich "mein Gott was für ein Arsch", aber es bleibt jedem überlassen ob er es sich überhaupt vorstellen will. Wenn man in die Tiefe der bösen Möglichkeiten eines Menschen vordringen will, kann man das nicht verdecken. Für die Schauspieler bedeutet das natürlich eine wahnsinnige Herausforderung. Alle haben sehr schnell die Nacktheit akzeptiert, weil sie verstanden haben, dass wir nicht voyeuristisch arbeiten werden. 19 SCHNEELAND ist ein sehr kunstvoller Film: Wie sehen Sie das Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion für Ihre Arbeit? Jede schöpferische Tätigkeit, alles was man schreibt oder erzählt, ist aus den Erfahrungen des Alltags entwickelt und steht im Zusammenhang mit den Erlebnissen des Autors, das Eine ist vom Anderen nicht lösbar. In meiner Arbeit ist die LINDENSTRASSE sehr nah an der Wirklichkeit, in einem Film wie SCHNEELAND steht dagegen die andere Welt, die Welt des Kinos, die Fantasie im Vordergrund, der Wille zum präzisen Bild und zu einer ausgefeilten Ästhetik. Da geht es mir darum, die Wirklichkeit zu verändern, sie eigentlich sogar zu vergessen und stattdessen eine neue Wirklichkeit zu erschaffen, nämlich die des Films. Die Schauspieler sollen nicht in der Realität spazieren gehen, sondern in den Bildern, sie sollen in der Fiktion so aufgehen, dass man die Vorbilder aus der Wirklichkeit völlig vergisst. Ich persönlich habe bis heute noch keinen einzigen Film gemacht, der versucht hat, Wirklichkeit zu portraitieren, ich habe immer versucht, durch Stilwillen und Interpretation eine neue Welt zu erschaffen. Die Bilder müssen der Vorstellung von Hans-Günter Bücking, dem Kameramann und mir gehorchen, da gibt es keinen einzigen Zufall, bis zum letzten Staubkorn ist alles so gewollt und inszeniert. 1000 Folgen LINDENSTRASSE im Fernsehen und ein Kinofilm wie SCHNEELAND: Auf den ersten Blick könnte der Kontrast kaum größer sein. Das kommt alles aus einem Herzen, auch wenn es verschiedene Formate sind. LINDENSTRASSE ist absoluter Pop, Populärkunst, wie sie in Deutschland leider nicht gefeiert wird, die ich aber sehr liebe. Ich würde mir wünschen, dass in Deutschland die Verachtung der Intellektuellen und Künstler aufs Fernsehen nicht so groß wäre. Da gehöre ich zu den Wenigen, die keine Berührungsängste haben. Kino ist dagegen in jeder Hinsicht ein ganz anderes Format, ästhetisch, politisch, produktionstechnisch und künstlerisch. 20 Kurzbiografien: Julia Jentsch FILM und TV 2005 SCHNEELAND, Kino, Regie: Hans W. Geißendörfer 2004 DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI, Kino, Regie: Hans Weingartner DER UNTERGANG, Kino, Regie: Oliver Hirschbiegel 2003 TATORT - BITTERES BROT; TV-Movie; Regie: Jürgen Bretzinger JAN JULE PETER, Kino, Regie: Hans Weingartner 2002 BLOCH – TAUSENDSCHÖNCHEN, TV-Movie, Regie: Christoph Stark UND DIE BRAUT WUSSTE VON NICHTS, TV-Movie, Regie: Rainer Kaufmann 2001 DIE VERBRECHEN DES PROF. CAPELLARI, TV-Movie, Regie: Helmut Metzger MEIN BRUDER DER VAMPIR, Kino, Regie: Sven Taddicken DIE ERPRESSUNG - EIN TEUFLISCHER PAKT, TV-Movie, Regie: Stefan Krohmer JULIETTA, Kino, Regie: Christoph Stark 2000 PRAXIS BÜLOWBOGEN, TV-Serie, Regie: Christine Kabisch ZORNIGE KÜSSE, Kino, Regie: Judith Kennel THEATER: seit 2001 Münchner Kammerspiele: OTHELLO/Shakespeare; Rolle: Desdemona; Regie: Luk Perceval ORESTIE/Eurypides; Rolle: Elektra; Regie: Andreas Kriegenburg BEDBOUND/Enda Walsh; Rolle: Tochter; Regie: Monika Gintersdorfer DAS GOLDENE KIND/Kerstin Specht; Rolle: Anna; Regie: Monika Gintersdorfer DANTONS TOD/Büchner; Rolle: Marion; Regie: Lars-Ole Walburg 2000 BLAUBART - HOFFNUNG DER FRAUEN/Loher; Maxim Gorki Theater; Rolle: Julia; Regie: Aureliusz Smigiel DIE PERSER/Aischylos; bat Berlin; Rolle: Chor; Regie: Angelika Waller IN THE MIRROR; bat Berlin; Tanztheater; Regie: Anja Pocher 1996/97 URFAUST/Goethe; Freie Bühne Witzleben; Rolle: Gretchen; Regie: Heiner Neumann 1995 DIE LÄSTIGEN/Hugo von Hofmannsthal; Rolle: Orphise; Regie: Heiner Neumann 21 Auszeichnungen: 2002 THEATER HEUTE beste Nachwuchsschauspielerin 2002 2000 Max-Rheinhardt-Preis für DIE PERSER 22 Maria Schrader FILM und TV (Auswahl) 2005 SCHNEELAND, Kino, Regie: Hans W. Geißendörfer 2003 THE TULSE LUPER SUITCASE, Kino, Regie: Peter Greenaway 2002 ROSENSTRASSE, Kino, Regie: Margarethe von Trotta 2001 RUBIKON, TV-Movie, Regie: Thomas Berger VÄTER, Kino, Regie: Dani Levy 2000 JOSEPHINE, Kino, Regie: Raijko Grilic EMIL UND DIE DETEKTIVE, Kino, Regie: Franziska Buch COMMERCIAL MEN, Kino, Regie: Lars Kraume „Jupiter“ der Zeitschrift „Cinema“ als beste Schauspielerin des Jahres 1999 THE ROAD TO SANTIAGO, TV-Movie, Regie: Robert Young 1997 AIMÉE UND JAGUAR (Silberner Bär „Berlinale“ 1999, Deutscher Filmpreis, Bayerischer Filmpreis), Kino, Regie: Max Färberböck MESCHUGGE, Kino, Regie: Dani Levy BIN ICH SCHÖN?, Kino, Regie: Doris Dörrie 1996 KINDERMORD, TV-Movie, Regie: Bernd Böhlich DER UNFISCH, Kino, Regie: Robert Dornhelm 1995 STILLE NACHT, Kino, Regie: Dani Levy RISIKO NULL, TV-Movie, Regie: Roland Suso Richter UNMÖGLICHE HOCHZEIT, TV-Movie, Regie: Horst Sczerba 1994 KEINER LIEBT MICH (Bayerischer Filmpreis, Bundesfilmpreis), Kino, Regie: Doris Dörrie FLIRT, Kino, Regie: Hal Hartley 1993 MAGIC MÜLLER, TV-Movie, Regie: Thomas Bohn OHNE MICH, TV-Movie, Regie: Dani Levy EINER MEINER ÄLTESTEN FREUNDE, TV-Movie, Regie: Rainer Kaufmann 23 BURNING LIFE (Hessischer Filmpreis, Bayerischer Filmpreis, Bundesfilmpreis), Kino, Regie: Peter Welz 1992 JE M`APELLE VICTOR, Kino, F/B/GER, Regie: Guy Jaques 1991 I WAS ON MARS (Max Ophüls Preis), Kino, Regie: Dani Levy 1988 ROBBYKALLEPAUL, Kino, Regie: Dani Levy THEATER: DIE NIBELUNGEN, Nibelungenfestspiele Worms, Regie: Dieter Wedel DER GLÄSERNE SCHUH, Stadttheater Basel, Regie: Stefan Bachmann 24 Thomas Kretschmann FILM und TV 2005 SCHNEELAND, Kino, Regie: Hans W. Geißendörfer 2004 DER UNTERGANG, Kino, Regie: Oliver Hirschbiegel 2002 THE PIANIST, Kino, Regie: Roman Polanski RUA ALGUEM 5555, Kino, Regie: Egidio Eronico IMMORTAL, Kino, Regie: Enki Bilal DER SOLIST – IN EIGENER SACHE, TV-Movie, Regie: Stephan Wagner 2001 BLADE II, Kino, Regie: Guilliermo del Torro DER SOLIST – KURIERTAG, TV-Movie, Regie: Stephan Wagner 2000 FEINDLICHE ÜBERNAHME – ALTHAN.COM, Kino, Regie: Carl Schenkel THE KNIGHTS OF THE QUEST, Kino, Regie: Pupi Avati DER SOLIST – NIEMANDSLAND, TV-Movie, Regie: Thomas Freundner 1999 U 571, Kino, Regie: Jonathan Mostow DER SOLIST – KEIN WEG ZURÜCK, TV-Movie, Regie: Carlo Rola 1998 EIN TÖDLICHES WOCHENENDE, TV-Movie, Regie: Torsten C. Fischer SILENCED, TV-Movie, Regie: Michael Rowitz 1997 UNA BELLA COPIA (LOVE AND KILL), Kino, Regie: Claudio Fragasso TOTAL REALITY, Kino, Regie: Phillip Roth DIE DIEBIN, TV-Movie, Regie: Michael Karen DIE MÄDCHENFALLE, TV-Movie, Regie: Peter Ily Huemer LA PRINCIPESSA E IL POVERO / DIE FALSCHE PRINZESSIN, TV-Movie, Regie: Lamberto Bava 1996 THE TOUCH, Kino, Regie: Enrico Coletti PRINCE VALIANT, Kino, Regie: Anthony Hickox UNTER DIE HAUT, TV-Movie, Regie: Christoph Schrewe 25 1995 MARCIANDO NEL BUIO, Kino, Regie: Massimo Spano THE STENDAHL SYNDROME, Kino, Regie: Dario Argento LA DERNIÈRE FÈTE (GESCHICHTE EINES UNTERGANGS), TV-Movie, Regie: Pierre Garniere-Deferre EINE UNMÖGLICHE LIEBE, TV-Movie, Regie: Vivian Naefe 1994 BRENNENDES HERZ, Kino, Regie: Peter Patzak 1993 DIE BARTHOLOMÄUSNACHT, Kino, Regie: Patrice Chereau FEMMES, Kino, Regie: Patrick Allessandrin 1992 STALINGRAD, Kino, Regie: Joseph Vilsmaier ENGEL OHNE FLÜGEL, Kino, Regie: Maria Theresa Wagner DIE RATTE, Kino, Regie: Klaus Lemke 1991 KRIGERJENS HJERTE (WARRIOR’S HEART), Kino, Regie: Leidulf Risan 1990 DER MITWISSER, Kino, Regie: Ulrike Neulinger AUSZEICHNUNGEN Max-Ophüls-Preis 1991 für "Der Mitwisser" 26 Ulrich Mühe FILM und TV (Auswahl) 2005 SCHNEELAND, Kino, Regie: Hans W. Geißendörfer 2003 IM SCHATTEN DER MACHT, TV-Movie, Regie: Oliver Storz 2002 DER STELLVERTRETER (AMEN), Kino, Regie: Costa Gavras 2001 GOEBBELS UND GEDULDIG, TV-Movie, Regie: Kai Wessel 1998 DER LETZTE ZEUGE, TV-Serie, Regie: Bernhard Stephan 1997 FUNNY GAMES, Kino, Regie: Michael Haneke 1996 DAS TÖDLICHE AUGE, TV-Serie, Regie: D. Röhnfeld 1995 NIKOLAIKIRCHE, TV-Movie, Regie: Frank Beyer 1992 SCHTONK, Kino, Regie: Helmut Dietl BENNY’S VIDEO, Kino, Regie: Michael Haneke 1990 DER KLEINE HERR FRIEDEMANN, TV-Movie, Regie: Peter Vogel 1989 DAS SPINNENNETZ, Kino, Regie: Bernhard Wicki THEATER Städtisches Theater Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) Berliner Volksbühne Deutsches Theater Berlin Salzburger Festspiele Burgtheater Wien THEATERSTÜCKE (Auswahl) GESPENSTER (Rolle: Osvald Alving) DAS LEBEN EIN TRAUM (Sigismundis) EGOMT (Titelrolle) PHILOTAS (Titelrolle) 27 JÜDIN VON TOLEDO (König Alphons) HAMLET (Titelrolle) PEER GYNT (Titelrolle) CLAVIGO (Titelrolle) AUSZEICHNUNGEN „Die große Klappe“ (Kritikerpreis) Kritikerpreis der Berliner Zeitung Helene-Weigel-Medaille Bayerischer Filmpreis Deutsche Darstellerpreis der Film- und Fernsehregisseure Gertrud-Eysold-Ring Bambi Kainz-Medaille „Telestar“ für „Der letzte Zeuge“ „BZ“ Kulturpreis 28 Oliver Stokowski FILM und TV 2005 SCHNEELAND, Kino: Regie: Hans W. Geißendörfer 2004 TATORT – INSIDE OUT, TV-Movie, Regie: Christoph Stark 2003 HILDES REISE, Kino, Regie: Christof Vorster 2002 MANN OH MANN, TV-Movie, Regie: Peter Weck FAMILIE À LA CARTE, TV-Movie, Regie: Peter Timm DIE GEISEL, TV-Movie, Regie: Christian Görlitz DER ERMITTLER, TV-Movie, Regie: Dirk Regel, Peter Fratzscher 2001 EIN YETI ZUM VERLIEBEN, TV-Movie, Regie: Thorsten Schmidt 2000 DAS EXPERIMENT, Kino, Regie: Oliver Hirschbiegel TATORT – DIE KLEINE ZEUGIN, TV-Movie, Regie: Miguel Alexandre 1999 LIEB MICH, TV-Movie, Regie: Maris Pfeiffer U-571, Kino, Regie: Jonathan Mostow 1998 DOPPELPACK – DAS DUELL, TV-Movie, Regie: Rolf Silber TV-Film ST. PAULI NACHT, Kino, Regie: Sönke Wortmann 1997 - 2000 POLIZEIRUF 110, TV-Movie, Regie: Marc Hertel, Michael Knof 1996 LANDGANG FÜR RINGO , TV-Movie, Regie: Lars Becker 1995 DIE REISE NACH WEIMAR, TV-Movie, Regie: Dominik Graf 1995 ECHTE KERLE, Kino, Regie: Rolf Silber 1994 WILLKOMMEN IN BABYLON, TV-Movie, Regie: Rolf Silber 29 1988 TIGER, LÖWE, PANTHER, Kino, Regie: Dominik Graf THEATER: Residenztheater München 1998 - 2001 HAMLET/ Matthias Hartmann ENDSTATION SEHNSUCHT / Klaus Emmerich 1993 - 1998 DIE WILDENTE / Thomas Reichert IN DEN AUGEN EINES FREMDEN / Leander Haußmann BUNBURRY / Leander Haußmann DIE EINGESCHLOSSENEN / Matthias Hartmann DON CARLOS / Matthias Hartmann FRÄULEIN JULIE / Matthias Hartmann DER CLARISSE KOMPLEX / Hans Neuenfels GESCHICHTEN AUS DEM WIENERWALD / Hans Neuenfels SHAKESPEARES SÄMTLICHE WERKE, LEICHT GEKÜRZT / Daniel Karasek Staatstheater Hannover 1989 – 1993 LULU / Matthias Hartmann DIE DREIGROSCHENOPER / Matthias Fontheim AUSBILDUNG: 1985 – 1989: Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Graz-Schauspiel, Magister of Arts 1982 – 1985: Musikstudium: Kontrabass, E-Bass, Klavier AUSZEICHNUNGEN: 2001: Nominierung für den deutschen Fernsehpreis für "Der Ermittler", Kategorie "Beste Serie" verbunden mit "Bester Schauspieler Serie" 1999: Kurt Meisel-Preis der Freunde des Bayerischen Staatsschauspiels ab 1996 Gast am Burgtheater Wien und bei den Salzburger Festspielen 30 Ina Weisse FILM und TV (Auswahl) 2005 SCHNEELAND, Kino, Regie: Hans W. Geißendörfer 2003 SAMS IN GEFAHR, Kino, Regie: Ben Verbong 2002 DIE ZWEITE CHANCE, TV-Movie, Regie: Michael Keusch DER ELEFANT, TV-Movie, Regie: Lutz Konermann AUSGELIEFERT, TV-Movie, Regie: Andreas Prochaska KATZENZUNGEN, TV-Movie, Regie: Thorsten C. Fischer 2000 LIEBESTOD, TV-Movie, Regie: Stephan Wagner 1999 ZIELFAHNDER, TV-Serie, Regie: Werner Masten, Michael Werlin u.a. 1997 DIE SEXFALLE, TV-Movie, Regie: Michael Keusch DAS BABYJAHR, TV-Movie, Regie: Markus Bräutigam SINGLE SUCHT NACHWUCHS, TV-Movie, Regie: Uwe Janson DER DRECKIGE TOD, TV-Movie, Regie: Michael Mackenroth 1996 VATER UNTER VERDACHT, TV-Movie, Regie: Markus Bräutigam TRÜGERISCHE NÄHE, TV-Movie, Regie: Udo Witte 1995 ECHTE KERLE, Kino, Regie: Rolf Silber BRÜDER AUF LEBEN UND TOD, TV-Movie, Regie: Friedemann Fromm TATORT - HEILIG BLUT, TV-Movie, Regie: Hartmut Griesmayr THEATER: FAUST Münchner Kammerspiele HELD DER WESTLICHEN WELT Kammerspiele München VICTOR ODER DIE KINDER AN DIE MACHT Kammerspiele München KOMÖDIE DER IRRUNGEN Nationaltheater Mannheim SCHILLERPROJEKT Nationaltheater Mannheim SLOANE SQUARE Nationaltheater Mannheim ILLUSIONEN Nationaltheater Mannheim 31 Joachim KróI FILM und TV (Auswahl) 2005 SCHNEELAND, Kino, Regie: Hans W. Geißendörfer 2004 SILENTIUM, Kino, Regie: Wolfgang Murnberger DRECHSLERS ZWEITE CHANCE, TV-Movie, Regie: Jobst Oetzmann 2003 LAUTLOS, Kino, Regie: Mennan Yapo WENN WEIHNACHTEN WAHR WIRD, TV-Movie, Regie: Sherry Hormann 2002 BEAR’S KISS, Kino, Regie: Sergei Bodrov DONNA LEON – NOBILITÀ und IN SACHEN SIGNORA BRUNETTI, TV-Movie, Regie: Sigi Rothemund 2001 VIEL PASSIERT – DER FILM, Kino, Regie: Wim Wenders ANNE FRANK – THE WHOLE STORY, TV-Movie, Regie: Robert Dornhelm 2000 DER KRIEGER UND DIE KAISERIN, Kino, Regie: Tom Tykwer DONNA LEON – VENEZIANISCHE SCHARADE und VENDETTA, TV-Movie, Regie: Christian von Castelberg 1999 GLOOMY SUNDAY – EIN LIED VON LIEBE UND TOD, Kino, Regie: Rolf Schübel 1998 BIN ICH SCHÖN?, Kino, Regie: Doris Dörrie LOLA RENNT, Kino, Regie: Tom Tykwer ZUGVÖGEL - EINMAL NACH INARI, Kino, Regie: Peter Lichtefeld DIE UNSCHULD DER KRÄHEN, TV-Movie, Regie: Horst Sczerba 1997 DIE STUNDE DES LICHTS, Kino, Regie: Stijn Coninx 1996 ROSSINI – ODER DIE MÖRDERISCHE FRAGE, WER MIT WEM SCHLIEF, Kino, Regie: Helmut Dietl DAS SUPERWEIB, Kino, Regie: Sönke Wortmann ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG, TV-Movie, Regie: Nico Hofmann EINE UNMÖGLICHE HOCHZEIT, TV-Movie, Regie: Horst Sczerba 1995 SCHRÄGE VÖGEL, TV-Movie, Regie: Thomas Wegman 32 UND DIE TOTEN LÄSST MAN RUHEN, TV-Movie, Regie: Dorothea Neukirchen 1994 KEINER LIEBT MICH, Kino, Regie: Doris Dörrie DER BEWEGTE MANN, Kino, Regie: Sönke Wortmann EINMAL MACHT UND ZURÜCK – ENGHOLMS FALL, TV-Movie, Regie: Heinrich Breloer POLIZEIRUF 110 – TOTES GLEIS, TV-Movie, Regie: Bernd Böhlich 1993 DIE TÖDLICHE MARIA, Kino, Regie: Tom Tykwer EUROCOPS – LETZTE FAHRT, TV-Movie, Regie: Michael Mackenroth 1992 WIR KÖNNEN AUCH ANDERS, Kino, Regie: Detlev Buch DAS NEST – WANDLUNGEN, TV-Movie, Regie: Kaspar Heidelbach 1991 HAPPY BIRTHDAY, TÜRKE!, Kino, Regie: Doris Dörrie LEBEN FÜR LEBEN – MAXIMILIAN KOLBE, Kino, Regie: Krystof Zanussi 1988 WO IMMER DU BIST, Kino, Regie: Kryzstof Zanussi 1986 TIECKT NACH ROM, TV-Movie, Regie: Vivian Naefe 1984 KALTES FIEBER, Kino, Regie: Josef Rusnak THEATER: DIE RÄUBER Schauspielhaus Bochum AMPHITRYON Schauspielhaus Bochum DER KIRSCHGARTEN Schauspielhaus Köln HAUS UND GARTEN Schauspielhaus Bochum PREISE UND AUSZEICHNUNGEN (Auswahl): DEUTSCHER FILMPREIS 1993 als bester Darsteller für „Wir können auch anders“ BAYERISCHER FILMPREIS 1994 als bester Darsteller für „Der bewegte Mann“ und „Die tödliche Maria“ DEUTSCHER FILMPREIS 1995 als bester Darsteller für „Der bewegte Mann“ FILMPREIS DER STADT HOF 2000 33 Hans Werner Geißendörfer Geboren April 1941 in Augsburg. Von 1962 bis 1967 Studium der Germanistik, Theaterwissenschaften, Psychologie und afrikanischen Sprachen an den Universitäten Marburg, Erlangen, Wien und Zürich. Aktives Engagement beim Studententheater. Erste 16-mm-Dokumentar- und Underground-Filme. Nach dem Studium Reisen in Europa, Asien und Afrika. 1968 erste Regieassistenz bei George Moorse. 1969 erste Regie: „DER FALL LENA CHRIST“ (TV s/w, 90 Min.) VIER DEUTSCHE FILMPREISE: 1970: Filmband in Gold für JONATHAN 1976: Filmband in Silber STERNSTEINHOF 1978: Filmband in Gold für DIE GLÄSERNE ZELLE 1982: Filmband in Silber für DER ZAUBERBERG 1979 „OSCAR“-NOMINIERUNG für DIE GLÄSERNE ZELLE 1993 „GOLDEN GLOBE“-NOMINIERUNG für JUSTIZ FERNSEH- UND MEDIENPREISE: „Bambi“ (1988) und „Goldene Kamera“ (1998) für LINDENSTRASSE „Adolf-Grimme-Preis“ mit Gold als Erfinder und Produzent LINDENSTRASSE (2001) „Bobby“ – Medienpreis der Bundesvereinigung Lebenshilfe für die besonderen Verdienste um die Anerkennung behinderter Menschen in der Gesellschaft (2001) 34 Filmographie/ Kino: 1969 JONATHAN Buch und Regie 1975 STERNSTEINHOF Buch (mit Hermann Weigel nach einem Roman von Ludwig Anzengruber) und Regie 1976 DIE WILDENTE Buch (nach einem Theaterstück von Henrik Ibsen) und Regie 1977 DIE GLÄSERNE ZELLE Buch (mit Klaus Bädekerl nach Motiven des Romans von Patricia Highsmith) und Regie 1980/81 DER ZAUBERBERG Buch (nach einem Roman von Thomas Mann) und Regie 1982/83 EDITHS TAGEBUCH Buch (nach dem Roman von Patricia Highsmith) und Regie 1989 BUMERANG BUMERANG Regie 1991 GUDRUN Regie 1993 JUSTIZ Buch (nach dem Roman von Friedrich Dürrenmatt) und Regie 35 Hans-Günther Bücking FILM und TV (jeweils Kamera; Regiearbeiten extra erwähnt) 2005 SCHNEELAND, Kino, Regie: Hans W. Geißendörfer 2002 JENNERWEIN, Kino, Regie und Kamera: Hans-Günther Bücking 17. JUNI - DER GROSSE AUFSTAND, TV-Movie, Regie: Peter Keglevic TAUERNGOLD, TV-Movie, Regie: Rüdiger Nüchtern 2001 BETTY, TV-Movie, Regie: Peter Keglevic DER TANZ MIT DEM TEUFEL, TV-Movie, Regie: Peter Keglevic 666 - TRAU KEINEM MIT DEM DU SCHLÄFST, Kino, Regie: Rainer Matsutani 2000 POLIZEIRUF 110 – FLUCH DER GUTEN TAT, TV-Movie, Regie: Hans-Günther Bücking FALLING ROCKS, TV-Movie, Regie: Peter Keglevic 1999 DIE HÄUPTER MEINER LIEBEN, Kino, Regie und Kamera: Hans-Günther Bücking 1998 SOLO FÜR KLARINETTE, Kino, Regie: Nico Hofmann WIDOWS, Kino, Regie: Sherry Hormann DAS MERKWÜRDIGE VERHALTEN GESCHLECHTSREIFER GROSSSTÄDTER..., Kino, Regie: Marc Rothemund VICKYS NIGHTMARE, TV-Movie, Regie: Peter Keglevic 1997 TODESSPIEL, TV-Movie, Regie: Heinrich Breloer DIE CELLISTIN, TV-Movie, Regie: Sherry Hormann 1993 JUSTIZ, Kino, Regie: Hans W. Geißendörfer WIR ENKELKINDER, TV-Movie, Regie: Bruno Jonas GUDRUN, Kino, Regie: Hans W. Geißendörfer 1991 LEBEWOHL, FREMDE, Regie: Tevfik Baser EINMAL ARIZONA, Regie, Kamera und Buch: Hans-Günther Bücking NIE IM LEBEN, Regie: Helmut Berger 1987 DER GLÄSERNE HIMMEL, Regie: Nina Grosse 36 AUSZEICHNUNGEN 2004 JENNERWEIN: Kamerapreis "Romy", Filmpreis Österreich, Nominierung Deutscher Kamerapreis, Nominierung für den VFF TV Movie Award 2002 DER TANZ MIT DEM TEUFEL: Deutscher Kamerapreis 1991 NIE IM LEBEN: International de Cinèma, beste Photographie 1988 DER GLÄSERNE HIMMEL: Deutscher Kamerapreis Spielfilm diverse andere Preise 37 Geißendörfer Film und Fernsehproduktion Die Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion GmbH (GFF) wurde 1985 von dem Autor, Regisseur und Produzenten Hans W. Geißendörfer gegründet. Neben zahlreichen Filmproduktionen ist die ARD- Fernsehserie "Lindenstraße" mit fast 1000 Folgen Ihr bekanntestes Produkt. In den nächsten Jahren werden neben der ARD-Serie "Lindenstraße" auch wieder verstärkt Fernseh- und Kinofilme produziert. GFF-Geschäftsführer Hans W. Geißendörfer: "Wir waren zwar in den vergangenen zehn Jahren im Filmgeschäft nicht untätig, haben aber mehr in England produziert als in Deutschland. Während der Arbeit an meinem Film ,Schneeland' ist die Lust, deutsche Stoffe zu entwickeln und zu produzieren, wieder größer geworden." Ziel ist es , in den nächsten Jahren zwei Filme pro Jahr zu stemmen. Die GFF beschäftigt zu Zeit ca. 80 Mitarbeiter, der Firmensitz ist Köln. 38 Elisabeth Rynell Elisabeth Rynell, geboren 1954, lebt in Umeå. 1975 publizierte sie ihren ersten Gedichtband, der großes Echo bei Kritik und Publikum fand. Danach erschienen mehrere Gedichtsammlungen, ein Roman und Essays. Ihren großen Durchbruch hatte Elisabeth Rynell in Schweden mit dem Roman Schneeland, der autobiografische Elemente enthält. Für Schneeland erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, der Roman stand monatelang auf den schwedischen Bestsellerlisten und wurde von der Presse hymnisch gefeiert. Die Romanvorlage zu "Schneeland" ist unter gleichem Titel im btb Verlag erschienen. Im Februar 2005 erscheint Rynells zweiter Roman "Die Silberspange" auf Deutsch. Für Rezensionsexemplare und Presseanfragen zum Buch wenden Sie sich bitte an: Britta Puce, btb Verlag, Presseabteilung, Verlagsgruppe Random House, Neumarkter Str. 28, 81673 München, Tel.: 089-4136-3564, Fax: 089-4136-3474, E-Mail: [email protected] 39