Ernst _Hoffnung und enttaeuschte Hoffnung der

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Univ. Prof. Dr. Michael Ernst
Universität Salzburg
Inst.f. Alt- u.Neutestamentliche Wissenschaft
Mittwoch,10. März 2004
HOFFNUNG UND ENTTÄUSCHTE HOFFNUNG DER JUNGEN KIRCHE
Im letzten Vortrag habe ich über das Gebet der Juden gesprochen und daran möchte ich heute
Anknüpfen.
Da gibt es im 18./19. Jhd in Rußland die sogenannten chassidim, das sind nach unserem
heutigen Sprachgebrauch charismatische Juden. Einer von ihnen ist Rabbi MenachemMendel von Witebsk (+ 1859) der wie alle chassidischen Meister ganz und gar in der
Erwartung des Messias lebte. Am Morgen trat er zum Fenster, blickte hinaus und stellte dann
melancholisch fest: „Er ist noch nicht da, denn die Welt hat sich nicht verändert.“ (Ellie
Wiesel: chassidismus)
Ja, das ist Hoffnung und enttäuschte Hoffnung und ich denke, daß es um diese 2
Themenbereiche heute gehen soll. Ich habe mein thema ein bißchen erweitert um den
Berreich der das letzte Mal zu kurz gekommen ist.
Der Hl. Hieronymus sagt: „Wer die Schrift nicht kennt, kennt christus nicht!“
Also beginnen wir im Alten Testament, das war die bibel Jesu und der Urkirche. Daraus
möchte ich Ihnen zwei kleine Beispiele bringen und dann schauen wir zu Jesus und die Jünger
im Urchristentum und überlegen uns, was die Bibel erzählt zu diesen Themen: Hoffnung und
enttäuschte Hoffnung.
Ich beginne mit einer Geschichte, die sie alle kennen, mit dem buch Ruth. Es hat gerade 4
Kapitel und beginnt folgendermaßen: „Zur Zeit, als die Richter regierten,(lange vor David)
kam eine Hungersnot über das Land. Da zog ein Mann mit seiner Frau und seinen beiden
Söhnen aus Bethlehem fort, um sich im Grünland Moabs niederzulassen. Der Mann hieß
Elimelech, seine Frau Noomi und seine Söhne hießen Machlon und Kiljon. Sie waren
Efratiter aus Bethlehem in Juda.“ So geht das los. Dahinter steht Hoffnung: Im ausland
wird’s uns besser gehen, da brauchen wir nicht zu verhungern. Die Geschichte geht dann
bekanntlich so weiter, daß zuerst Elimelech stirbt, dann sterben bald die beiden Söhne und
dann steht Noomi da mit den beiden Schwiegertöchtern und sagt: „Ich habe niemanden mehr!
Das soziale Netz der damiligen Zeit, die Familie, die Großfamilie, ist nicht da. Ich bin ja
fremd!“Sie ist in einer hoffnungslosen Situation. Zunächst war die Familie in der Situation in
Juda zu verhungern – sie gehen ins ausland, und dort erleben sie bald die nächste
hoffnungslise Situation und was will Noomi tun. Sie will zurück nach Hause in der Hoffnung,
daß sie dort noch irgendwie überleben kann. Die Schwiegertöchter wollen ursprünglich mit
aber sie sagt ihnen: „das ist doch völlig sinnlos, wenn ihr da bleibt, dann habt ihr doch noch
eure familien und euer soziales Netz. Kehrt also um meine Töchter, geht, ichselbst bin doch
viel zu alt noch einem Mann zu gehören, selbst wenn ich dächte, ich habe noch Hoffnung, ja
wenn ich noch diese Nacht einem Mann gehörte und gar noch Söhne bekäme..........“
Also bis die erwachsen sind, das ist doch sinnlos, das könnt ihr vergessen!!
Sie wissen, wie die Geschichte weitergeht, die eine Schwiegertochter bleibt wirklich im
Lande Moab und die andere, Ruth geht mit ihr nach Juda zurück. Sie sagt: „Wohin du gehst,
da will auch ich hingehen!“ Sie wird dann schließlich die Urgroßmutter des David.
Das ist das Thema des Buches Ruth: Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit.
Das war das erste Beispiel, das mir spontan eingefallen ist, als ich mir dieses thema in der
Bibel angeschaut habe.
Einen zweiten kleinen Text im Alten Testament kennen Sie vielleicht nicht so gut. Er stammt
aus einem der ganz großen Prophetenbücher aus Jeremia 32. Die Geschichte spielt 587
v.Chr. :
Das Wort, das vom Herrn an Jeremia erging im zehnten Jahr Zidkijas,des Königs von Juda –
das ist das achzehnte Jahr Nebukadnezzars. Damasl belagerte das Heer des Königs von
Babel Jerusalem. Der Prophet Jeremia befand sich im Wachhof am Palast des Königs von
Juda in Haft.“ Warum ist Jeremia in Haft: Weil er dem König weissagt, daß er in
Gefangenschaft geraten wird. Das ist wehrkraftzersetzung, deshalb kommt er ins Gefängnis.
Jeremia weiß genau, Babylon ist stärker, der König von Babel wird Israel besiegen, wird
jerusalem erobern, er wird die Oberschicht und den Großteil der Stadtbevölkerung in die
Verbannung führen. Er weiß das, weil Gott ihm das gesagt hat. In dieser Situation passiert
folgendes:Jeremia sagt: Das Wort des herrn erging an mich: Hanamel; der Sohn deines
Onkels Schallum, wird zu dir kommen und sagen: Kauf dir meinen Acker in Anatot; denn dir
steht es nach dem einlösungsrecht zu , ihn zu kaufen. Tatsächlich kam Hanamel, der sohn
meines Onkels, dem wort des Herrn gemäß zu mir in den Wachhof und sagte zu mir: Kauf
doch meinen Acker in anatot (im Land Benjamin); denn du hast das Erwerbs- und
Einlösungsrecht. Kauf ihn dir! Da erkannte ich, daß es das Wort des Herrn war. So kaufte ich
von Hanamel, dem Sohn meines Onkels, den Acker in Anatot und wog ihm das Geld ab;
siebzehn silberschekel betrug die Summe. Ich schrieb die Kaufurkunde, versiegelte sie, nahm
auch Zeugen hinzu und wog das Silber auf der Waage ab, alles nach Gesetz und Vorschrift.
Dann nahm ich die Kaufurkunde, die versiegelte und die offene. Ich übergab die urkunde
Baruch, dem sohn Nerijas, des Sohnes Machsejas, in Gegenwart Hanamels, des Sohnes
meines Onkels, und vor den Zeugen, die die Kaufurkunde unterschrieben hatten, sowie in
Gegenwart aller Judäer, die sich im Wachhof aufhielten. In ihrer Gegenwart gab ich Baruch
den Auftrag:( So spricht der Herr der Heere, der Gott Israels:) Nimm diese Urkunden, die
versiegelte Kaufurkunde und auch die offene, und leg sie in ein Tongefäß, damit sie lange Zeit
erhalten bleiben. Denn so spricht der Herr der Heere, der gott Israels: Man wird wieder
Häuser, Äcker und Weinberge kaufen in diesem Land.
Das ist doch eine komische Geschichte – oder?Der gefangene Prophet muß einen Acker
kaufen. In einer Situation, wo er weiß, es geht eh alles den Bach hinunter. Keine Chance
mehr! Was ist das ? Mir ist ein jüdischer Ausdruck dafür eingefallen. Das ist meschugge!
Jeremia ist meschugge vor Hoffnung, daß es weitergeht: „Man wird wieder Äcker kaufen, in
diesem Land!“ Er ist völlig verrückt vor lauter Hoffnung, daß es weitergeht. Es ist ganz
schlimm augenblicklich, es wird viele tote geben und in dieser Situation ist Jeremia so
meschugge, daß er einen Acker kauft und zwar rechtlich ganz korrekt mit 2 Urkunden
Und Zeugen etc.
So sind Propheten!
Zum Thema Hoffnung müßte ich Ihnen noch viele Stellen aus dem Alten Testament bringen,
nämlich die Hoffnung, die Israel beseelt, daß sich alles zum Besseren wenden wird und Gott
seinen versprochenen Gesalbten, den Messias senden wird.
So ist der Mensch: Er blickt nicht nur in die Vergangenheit, sondern er blickt auch in die
Zukunft.Das ist eines der Elemente, warum man den Menschen vom Tier unterscheiden kann,
nämlich seine Fähigkeit, in die Zukunft zu schauen und danach sein Leben einzurichten. Das
ist es was Hoffnung heißt: den Ausblick über die Gegenwart hinaus.
Und jetzt schauen wir zu Jesus.
Das gibt es den aufregendsten Text von Jesus, wo es auch um Hoffnung und enttäuschte
Hoffnung geht. Es ist ein Gleichnis, das Sie alle kennen, ich möchte es trotzdem
interpretieren.
Lukas erzählt im 15. Kapitel folgende Geschichte:
Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten
empörten sich darüber und sagten: Er gibt sichmit den Sündern ab und ißt mit ihnen!
Damit verletzt er die Reinheitsvorschriften, schon deshalb kann er gar kein Prophet sein.
Es gab 2 Gruppen: Zöllner und Sünder auf der einen Seite, die Pharisäer und Schriftgelehrten
auf der anderen Seite. An wen wendet sich Jesus? An alle, gar keine Frage. Die Hoffnung
Jesu besteht eigentlich darin, daß er Israel bekehren wird, daß er Israel von Neuem auf den
Weg zu Gott bringen wird – das ist seine Hoffnung. Und in diesem Zusammenhang erzählt er
dann das Gleichnis:
Ein Mann hatte 2 Söhne: Der Jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das
Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.“
Dann kommt dieses sogenannte Gleichnis vom verlorenen Sohn, was ja eigentlich kein
Gleichnis vom verlorenen Sohn ist. Die Überschrift ist ganz schlecht, denn : Wer ist die
Hauptperson in diesem Gleichnis? Es gibt welche, die sagen: das ist da Gleichnis vom
barmherzigen Vater – das ist es ja in Wirklichkeit auch nicht. Es ist das Gleichnis vom
Daheimgebliebenen Sohn!
Wir alle sind Daheimgebliebene, weil der verlorenen sohn ist ja gerade bei den Schweinen,
dem kann ich das Gleichnis sowieso nicht erzählen – wir alle sind in der Situation des älteren
Sohnes, der sich fürchterlich über diesen Bruder ärgert, der da zurückgekommen ist und um
den macht man jetzt so ein theater. Sogar das Mastkalb wird geschlachtet, ja wieso
eigentlich?! Dieser Lump hat sein ganzes Geld durchgebracht und jetzt das --- sie kennen das
wie das geht. Also wenn Sie sich über den Jüngeren noch nicht geärgert haben, dann haben
Sie sich mit dem Gleichnis noch nicht beschäftigt. Ja freilich ist das ärgerlich für den Älteren.
Übertragen Sie das ruhig auf die kirchliche Situation. Ich unterstelle Ihnen, daß Sie
regelmäßig in die Gottesdienste gehen, so wie Sie ausschauen und dann kommt da so ein
hergelaufener Lump dazu und man fragt sich: wieso ist der auch, was hat der da zu suchen?
Der hat doch sein ganzes Leben von Gott nichts wissen wollen und nur, weil er einmal über
die Schwelle der Kirche gestolpert ist, ist er auf einmal drin und wir sollen seine Fehler
ausbaden! Das Gleichnis ist doch ganz einfach zu verstehen. Es hat 2 Teile. Der erste Teil
von Vers 11 – 25. Dieser erste Teil handelt von dem jüngeren Sohn. Der zweite Teil ab Vers
25 schildert die Lage des älteren Sohnes. Dieser endet mit dem Satz: „ Aber jetzt müssen wir
uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war
verloren und ist wiedergefunden worden.“
Diessen Satz finden Sie auch am Schluß des ersten Teiles. Das sagt der Vater: „Denn mein
Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.“ Das nennt
man einen Refrain. Zwei Strophen enden mit demselben Refrain. Nach dem ersten Refrain
steht aber noch ein ganz kleiner Satz: „Und sie bagannen ein fröhliches Fest zu feiern“
Im zweiten Teil steht nach dem Satz nichts mehr. Solche Geschichten nennt man in der
Literaturwissenschaft: Geschichten mit einem offenen Schluß. Wer muß nun den offenen
Schluß ausfüllen ? Der Leser. Bleibt also die Rätselfrage: Feiert nun der ältere Bruder mit
oder nicht? Das wird ja nicht erzählt, das ist doch spannend. Die Hoffnung Jesu besteht
darin, daß der Bruder mitfeiert. Jetzt sind wir beim Thema Hoffen. Was tut er? Unsere
christliche Erziehung legt uns die Antwort förmlich in den Mund:“ Ja natürlich feiert er mit!
Er kommt doch nicht aus - oder?!
Natürlich feiert er nicht mit! Das ist ja das Problem. Enttäuschte Hoffnung Jesu. Warum
meinen Sie bin ich so sicher, daß ich weiß daß der ältere Sohn nicht mitfeiert?
Weil hier die situation aus dem Leben Jesu im Gleichnis versteckt ist. Deshalb habe ich Ihnen
am Beginn des 15. Kapitels den ersten Satz vorgelesen. „Alle Zöllner und Sünder kamen um
ihn zu hören, die Pharisäer und Schriftgelehrten aber empörten sich.“ Da haben Sie doch die
Personenkonstellation von diesem Glaichnis. Der jüngere Sohn, das sind die Zöllner und
Sünder, da ist der Vater in diesem Gleichnis natürlich Jesus selbst und der ältere Sohn, das
sind die Pharisäer und Schriftgelehrten.
Die Hoffnung Jesu besteht darin, daß die Einladung, die er ausspricht auch angenommen
wird. Jesus hofft, daß sich Israel bekehrt. Wie sagt er zum älteren Sohn: „ Mein Kind, du bist
doch immer bei mir und alles was mein ist , ist dein!“ Das ist seine Hoffnung. Und wie geht
die Geschichte bekanntlich aus? Der Ältere feiert nicht mit. Im Gleichnis, um auf dieser
Ebene zu bleiben müßte man eigentlich weitererzählen, der Ältere tut sich mit sweinen
Freunden zusammen und bringt den Vater um.
Enttäuschte Hoffnung Jesu. Bekanntlich geht die Geschichte Jesu so aus – er wird
umgebracht. Ich meine, daß man das Gleichnis so lesen muß.
Und wie ist die Situation der Jünger nach dem Tod Jesu?
Lukas 24/ 13 – 35
DA gibt es die berühmte Erzählung von den 2 Jüngern, die unterwegs sind, weil sie abhauen
wollen. Alles ist völlig hoffnungslos und sinnlos. Sie machen sich auf den Weg nach
Emmaus.
„Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.“ Dann trifft Jesus auf sie.
Sie erkennen ihn aber nicht. Es kommt zum Gespräch: „Weißt du denn nicht was hier
geschehen ist? Was denn“ Sie antworteten: Das mit Jesus von Nazareth. Er war ein Prophet,
mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.Doch unsere Hohenpriester und
Führer haben ihn zum Tode verurteilt und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten
gehofft, daß er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag,
seitdem das geschehen ist.“
In dieser Situation der enttäuschten Hoffnung und Hoffnungslosigkeit geschieht es, daß Jesus
sich ihnen offenbart.
Das ist übrigens eine Geschichte, die jeden professionellen Schriftasuleger leicht ärgern muß.
Jesus erklärt den beiden auf dem ganzen langen Weg die Schrift, Er tut dasselbe was auch ich
mein ganzes Leben lang versuche – und – erkennen sie Ihn? Nein! – Wann erkennen Sie ihn?
Beim Brotbrechen, nicht durch die Schrifterklärung, erst durch die Eucharistie. Merken Sie
sich das, man braucht beides!
Das ist die Situation nach dem tod jesu, es gibt ständig diese Spannung von Hoffnung und
Hoffnungslosigkeit. „Wir hatten gedacht er werde Israel erlösen! – eine enttäuschte Hoffnung,
weil die Erwartungshaltung verkehrt ist. Wie hatten denn die Leute damals Erlösung
verstanden? Vorallem politisch, er wird doch endlich die Römer aus dem Land hinauswerfen,
das heißt in dieser zeit des 1. Jahrhunderts Erlösung. Es gibt eine eigene Gruppe im Judentum,
die versucht die theologischen Erwartungen und die theologische Vorstellung von Erlösung
politisch umzusetzen. Diese Gruppe sind die Zeloten. Sie sagen: Wenn der Satz stimmt:
JAHWE allein ist der Herr über Israel, dann müssen wir etwas dazu tun um Ihm zu
unterstützen. Diese Gruppe „erreicht“ den Ausbruch des jüdischen Krieges und die totale
Ausradierung der Juden aus Jerusalem. Das ist eine böse Geschichte. Das heißt, wenn
theologische Hoffnungen politisch umgesetzt werden, so endet das immer böse!
Glaubt der Mensch allerdings, ich brauch garnischts tun, Gott macht eh alles, ich kann mich
getrost zurücklehnen, so ist das genauso verkehrt. Etwas muß ich trotzdem tun.
Im Prinzip wissen wir das ja alle. Ich knüpfe hier an den vortrag vom letzten Jahr an vom
Gebet der Juden. Was beten wir den immer? Ja, das Gebet Jesu: Vater im Himmel, Dein
Reich komme !
Wann denn? Also heuite muß es ja nicht sein – oder? Nicht so schnell. Wie beten Sie: Dein
Reich komme, was steht denn da dahinter?Was heißt denn das eigentlich, gibt es da auch
Hoffnung? Es ist hoffentlich nicht nur eine Floskel ! Was heißt denn dein Reich komme? Es
heißt: Dein Wille geschehe. Der Wille Gottes geschieht im Himmel und so soll er auch auf
Erden geschehen. Wenn ich den Willen gottes tue, dann kommt das Reich Gottes. Das lehrt
uns Jesus, das hat etwas mit mir zu tun, ich muß etwas tun. Unsere große Gefahr ist , daß wir
immer schauen: was tut der, was tut dfie. Der Blick ist verkehrt, es geht mich an herauszu
bekommen was der Wille Gottes ist und das kann ich aus der bibel erfahren. Daß das Reich
Gottes nicht automatisch die Kirche ist, ist klar – aber mir scheint: etwas stimmt da nicht bei
unseren Gebeten.
Wei hat man im frühen Christentum Hoffnung verstanden?
Paulus 1. Tessalonikerbrief, Kap.4 / 13 – 18
Es zeigt sich, wie christen sich erlebt haben, nämlich daß sie anders sind als Menschen, die
keine Christen sind:
„Brüder, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht
trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben.“
Das heißt Heiden sind Menschen, die keine Hoffnung haben – aber das kann man doch auch
nicht sagen!
Die Hoffnung von Christen richtet sich auf das Heil von Gott her – das haben Nicht-Christen
nicht. Die denken vielleicht wenn sie von Hoffnung reden an Glückserwartungen in der
Zukunft, aber das was christliche Hoffnung heißt, das haben Heiden nicht. Wir sind anders.
Daraus spricht schon das Selbstbewußtsein der jungen Kirche. Wir dürfen Hoffnung haben,
auf die Auferstehung natürlich.
Hoffnung ist bei Paulus ein großes Thema im Römerbrief 4/17 – 21
Das Musterbeispiel für Hoffnung ist für Paulus Abraham. Abraham glaubte, daß die ihm von
Gott gegebene Verheißung in Zukunft eintreten werde und daß das jetzt schon Auswirkungen
in der Gegenwart hat. „ Nach dem Schriftwort: Ich habe dich zum Vater vieler Völker
bestimmt, ist er unser aller Vater vor Gott, dem er geglaubt hat, dem Gott, der die Toten
lebendig macht und das, was nicht ist , ins Dasein ruft. Gegen alle Hoffnung hat er voll
Hoffnung geglaubt, daß er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich
werden deine Nachkommen sein. Ohne im Glauben schwach zu werden, war er, der fast
Hundertjährige, sich bewußt, daß sein Leib und auch Sarahs Mutterschoß erstorben waren.
Er zweifelte nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde stark im Glauben,
und er erwies GottEhre, fest davon überzeugt, daß Gott die Macht besitzt, zu tun was er
verheißen hat.“
Ist es möglich so zu glauben? Glaube auf die Zukunft hin? Ist es normal wie Abraham zu
glauben, daß er, der fast Hundertjährige Vater eines Volkes werden soll, zahlreich wie die
Sterne am Himmel, die man nicht zählen kann?
Die antwort darauf kann nur heißen: Es hängt ab vom Gottesbild, das wir haben.Was traue ich
Gott zu? Sie merken hier, was Paulus meint, wenn er von Hoffnung spricht, was man Gott
zutrauen darf, ja muß. Er spricht von gott als einem, der die Toten lebendig macht und das
was nicht ist ins Dasein ruft. Gott, der die ganze Welt aus dem Nichts ins Dasein ruft und
gerufen hat, er kann auch was tot ist lebendig machen. Das ist Auferstehungsglaube –
Hoffnung auf die Auferstehung. Ja! Aber nicht nur. Wer ist hier in diesem Beispiel, das
Paulus uns gibt tot? Abraham, er ist eigentlich schon erstorben und die Sarah auch, sie sind so
uralt, daß aus ihnen kein neues Leben entstehen kann. In dieser Situation traue ich Gott zu,
daß er aus etwas Totem immer noch etwas Lebendiges machen kann. Wenn ich ihm zutraue,
daß er die ganze Welt erschaffen hat, dann kann ich ihm das auch zutrauen. Ich muß doch
Gott alles zutrauen – oder? Wie steht es um unser Gottesbild, was trauen wir ihm zu?
Hoffentlich trauen wir Gott ein paar Verrücktheiten zu!
Soweit Paulus. Es gibt bei ihm keinen einzigen Satz von enttäuschter Hoffnung. Er hat aus
dieser Hoffnung gelebt, nichts konnte ihn erschüttern.
Kapitel 5
„Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren
Herrn.Durch ihn haben wir Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns
unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer
Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung,
Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung aber läßt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes
ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“
Da kommen alle Themen der christlichen Verkündigung vor. Die Vorstellung von dem was
Gerechtigkeit heißt, ist bei uns aus der griechischen Philosophie genährt und nicht aus dem
Alten Testament. Da heißt sie nämlich etwas ganz anderes.
Wir glauben, gerecht ist eine Sache, die gut ausgeglichen ist. Das steht auch schon im Kodex
des Hammurabi 1800 v.Chr. Wenn dir einer ein Auge ausschlägt, darfst du ihm aucheines
ausschlagen. Das überlassen wir heute dem Richter. Die Vorstellung steht dahinter, daß dann
das Unrecht wieder ausgeglichen ist. Weiter heißt es bei Hammurabi: Wenn ein Baumeister
einHaus baut und es stürzt ein, und von dem, der im Haus wohnte wird ein Kind erschlagen,
dann muß dem Baumeister ein Kind erschlagen werden
Das heißt Aug um Auge – nicht mehr. Wenn dir einer ein Auge aussschlägt, so darst du ihn
nicht umbringen. Das ist bereits ein Fortschritt in der Rechtsauffassung. Wenn wir heute beim
Stammtisch zuhören, können wir die Worte „die gehören alle umgebracht!“ schon immer
wieder hören. Da sind wir hinter Hammurabi.
Gerechtigkeit in der Bibel heißt aber ganz etwas anderes. Der Mensch stellt sich die
Frage:Wei stehe ich vor Gott da, wie nimmt er mich an?
Gott nimmt mich so wie ich bin umd er macht mich richtig. Richtig stehen wir vor ihm, da
sind wir ganz, gesund und heil – nicht zerbröselt, so wie wir uns oft selber sehen – wir sind
eben gerecht vor Gott. Warum? Wieso?
Weil Gott uns das schenkt, deshalb sind wir so. Gott will uns so – wir können das nicht
verdienen. Das heißt gerecht gemacht aus Gnade, nicht weil ich so toll bin. Das kann ich mir
nur schenken lassen. Wer hat mir das verschafft? Christus am Kreuz! Dadurch haben wir
Frieden. Durch Christus haben wir Zugang zur Gnade erhalten
Was heißt Gnade?
In unserem aktiven Sprachschatz kommt das Wort Gnade nicht mehr oder kaum vor. Es gibt
noch die gnädige Frau, oder der Bundespräsident begnadigt einen Häftling. Das genaue
Gegenteil von Gnade kennen wir viel besser, meist ist es schon für unsere Kinder von
enormer Wichtigkeit – und das ist die Leistung.
Gnade ist ein zentraler Begriff in der Verkündigung – nämlich daß wir bereit sein müssen uns
einfach etwas schenken zu lassen ohne gleich zu denken: was muß ich da zurückschenken.
Oder stellen Sie sich vor Ihr Mann kommt nach Hause und bringt Ihnen blumen, einfach so.
Wie oft fragen sich dann die Gattinnen: Warum tut er das, was hat er angestellt, hat er etwa
sschlechtes Gewissen? Ich unterstelle Ihnen: Sie schenken jemandem etwas, weil Sie ihn
mögen! Sie kennen diese Erfahrung. Das hat etwas mit Gnade zu tun. Gott liebt uns, deshalb
schenkt er uns Gnade Man muß das lernen, sich beschenken zu lassen , aber auch zu
erkennen, wo wir Beschenkte sind.
Durch Christus haben wir Zugang zur Gnade erhalten in der wir stehen und rühmen uns
unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Herrlichkeit, das heißt auf Griechisch doxa und das ist die Übersetzung eines hebräischen
Begriffs, den man nicht sauber übersetzen kann. Im Hebräischen heißt dieser Begriff chalot.
Das ist der Lichtglanz, der um Gott herum ist und der ganzschwer wiegt. Für uns ist die
Vorstellung schwierig, daß Licht ein Gewicht hat. Für diesen Begriff gibt es weder im
Griechischen noch im Lateinischen ein Wort. Das Wort chalot heißt schwer, gewichtig. So
als ob man Licht wiegen könnte. Die Menschen des Alten Testamentes haben sich vorgestellt,
daß die Lichtfülle um Gott so riesengroß ist, daß sie schwer ist. Das also ist Herrlichkeit
Im Lateinischen wird aus demm griechischen doxa = gloria und das heißt Ehre. Gloria in
excelsis deo – Ehre sei Gott in der Höhe. Da merken Sie, wie sich alles durch die Übersetzung
ändert. Eigentlich sollte dieses Gloria übersetzt heißen : Herrlichkeit ist um Gott im Himmel.
Gott braucht nicht unsere Ehre, die wir ihm erweisen.
Paulus macht uns die Hoffnung, daß wir in diese Herrlichkeit hineingenommen werden. Diese
Hoffnung haben wir, weil ich weiß, daß christus mir durch seinen Tod am Kreuz den Zugang
zu der Herrlichkeit Gotters eröffnet und ermöglicht hat. Da komme ich hin, das bekomme ich
geschenkt. Paulus weiß aber ganz genau in welcher Situation er momentan ist. Diese Situation
heißt Bedrängnis. Es geht uns nicht ganz gut hier auf Erden, wir brauchen uns nichts
vormachen. Aber Bedrängnis bewirkt Geduld, die man lernen kann, geduld bewährung und
Bewährung Hoffnung. Hoffnung aber läßt nicht zugrunde gehen! Wenn ich Hoffnung habe,
kann ich leben. Die Begründung dafür ist, daß die Liebe Gottes ausgegossen ist in unsere
Herzen. Das ist die Liebe, die Gott zu uns hat und das passierte in der Hl. Taufe.Daran können
wir uns im Regelfall nicht erinnern, denn wir wurden als ganz kleine Kinder getauft. Wenn
Sie aber dann sagen: Ich bin ja nicht gefragt worden – so stimmt das nicht, weil wir ja bei
jeder Tauferneuerung nach unserem Widersagen gegen Satan und nach unserem Glauben
befragt werden. Und diese Tauferneuerung geschieht bei der Erstkommunion, bei der
firmung und in jeder Osternachtsfeier. Wir machen das hoffentlich nicht immer nur als
Floskel mit!
Der 1. Petrusbrief, Kap 1/3 – 8
Ist eigentlich eine Taufpredigt.
Hier lesen wir ganz ähnliche Gedanken, wie bei Paulus. Es wird die Situation in der die
Menschen leben ganz nüchtern betrachtet:
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen
Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine
lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe
empfangen, das im Himmel für euch aufbewart ist. Gottes Macht behütet euch durch den
Glauben, damit ihr das Heil erlangt, das am Ende der Zeit offenbar werden soll. Deshalb seid
ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müßt.
Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, daß er wertvoller ist als
Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird euerm Glauben Lob,
Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn habt ihr nicht gesehen, und
dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt ann ihn und jubelt in
unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärten Freude, da ihr das Ziel des Glaubens
erreichen werdet: euer Heil.
Obwohl ihr jetzt unter mancherlei Prüfungen leiden müßt... Wir leben in einer agnostischen
Gesellschaft, wir leben mit Menschen, denen Gott ganz wurscht ist, die mit dem Christentum
nichts am Hut haben. Jemand der den Gottesdienst besucht wird blöd angeschaut. Wir werden
zunehmend eine Sondergruppe, wenn wir unseren Glauben leben. Der Glaube muß sich
bewähren und dann kommt das Bild mit dem Feuer – von dem wir ganz falsche Vorstellungen
über seine Bedeutung haben. Feuer ist in der Antike ein Bild um klar zu machen, daß etwas
gereinigt wird. Beim Erzabbau kann man mit einer ziemlich hohen Temperatur Metall zum
Schmelzen bringen und dann wird das reine Gold gewonnen und man kann die Schlacken
entfernen.Das Gold ist also im Feuer geprüft. Die alte Vorstellung vom Fegefeuer kommt
davon . Fegen = reinigen Das Bild will also sagen, da wird der Glaube gereinigt, wie im
Feuer. Im Lateinischen ist das Fegefeuer das purgatorium = Reinigungsort. In der
Bewährungssituation wird der Glaube geprüft, stehst du dazu daß du ein Christ bist? In dieser
Situation haben wir eine lebendige Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi. Damit wird
aber noch etwas vwerbunden: das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe – sollen
wir empfangen, das im Himmel für uns aufbewahrt ist.
Erbe stammt ja normalerweise von den Vätern. Wieso haben wir im Himmel ein Erbe
liegen?Wer hat uns das hinterlassen? Die Väter, die Vorfahren. Wir haben also
Glaubensvorfahren, die uns im Himmel einen Schatz bereitet haben. Das ist neben unseren
Vorfahren im Glauben vorallem Jesus, der im Himmel ist und für uns dort ein Erbe
hinterläßt. Wenn wir auch dort hin kommen, dann dürfen wir dasd in Empfang nehmen und
dieses Erbe ist: Das Heil bei Gott zu sein! Hoffnung hat damit zu tun, daß wir unsere
Gedanken und unsere Lebensausrichtung in diese Richtung lenken sollen.
Wir stehen in der Gegenwart, da gibt es Bedrängnis und Anfechtung. Wie gehe ich mit
meinem Glauben um? Wenn ich zu dem Glauben dieses Element Hoffnung hinzufüge,
Hoffnung ist ja Glaube auf Zukunft hin, dann heißt das: Ich darf in eine bestimmte Richtung
denken . Gleichzeitig muß ich aber in die Vergangenheit schauen, denn da kommt die
Grundlage meiner Hoffnung her, das hat mit dem Tod Jesu und mit der Erlösung durch Jesus
zu tun, aus der Vergangenheit soll ich über die Gegenwart in die Zukunft blicken, auf dieses
Hoffnungserbe, das für mich bereit liegt.
Es gibt ein ganzes Buch in der Heiligen Schrift, das eigentlich nur als Buch der Hoffnung zu
lesen und zu verstehen ist, das ist die Apokalypse, die Offenbarung des Johannes und da
speziell die letzten Kapitel.
Nun möchte ich Ihnen aber den vorletzten Vers der bibel nicht vorenthalten . Er stammt aus
der Offenbarung des Johannes Kap 22/20.
Er, der dies bezeugt spricht: Ja, ich komme bald.- Amen . Komm Herr Jesus!
Im Aramäischen heißt das Marana-ta. So sollen wir beten. Die ersten Christen haben das mit
Inbrunst und Zuversicht gebetet – wahrscheinlich auch in der eucharistiefeier, vor der
Kommunion : Marana-ta = Unser Herr, komm! Und nach der Kommunion Maran – ata=
unser Herr ist gekommen. Können, ja wollen wir das auch?Wollen wir wirklich, daß er
kommt? Glauben wir, daß er unser Heil ist?
Dieses Gebet können wir nur ehrlich sprechen wenn wir überzeugt sind – Jesus ist unser Heil.
Marana – ta!
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