und Währungsunion. Kritische Analyse der Auswirkungen des Euros

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Europäische Wirtschafts- und Währungsunion. Kritische Analyse der
Auswirkungen des Euros auf die Entwicklung der länderspezifischen
Staatsverschuldung
Bearbeitet von
Markus Steden
Erstauflage 2015. Taschenbuch. 176 S. Paperback
ISBN 978 3 95425 920 5
Format (B x L): 15,5 x 22 cm
Wirtschaft > Wirtschaftspolitik, Öffentliche Wirtschaftsbereiche > Europäische Union:
Wirtschaft
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Leseprobe
Textprobe:
Kapitel 3.2, Voraussetzungen für die Implementierung der europäischen Gemeinschaftswährung:
3.2.1, Allgemeine Zusammenhänge:
Die Basis für eine Implementierung der europäischen Gemeinschaftswährung beläuft sich im
Wesentlichen auf die Erkenntnis, dass die Möglichkeit von Auf- und Abwertungen nationaler
Währungen durch die jeweiligen Staaten resp. durch deren nationalen Notenbanken hinsichtlich
einer dauerhaften Sicherung sowie Steuerung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit innerhalb eines
zentral geregelten Währungsraumes nicht in dem hierfür notwendigen Ausmaß gegeben sind. In
diesem Zusammenhang hat die Einführung des Euros nicht nur einen zwangsläufigen Einfluss auf
die europäisch ausgerichteten Wirtschafts- und Währungsbeziehungen nach sich gezogen,
sondern darüber hinaus signifikante Auswirkungen auf das weltweite Währungssystem zur Folge
gehabt, indem ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nur ein globalwirtschaftlich bedeutender
Wirtschaftsraum – der US-amerikanische Wirtschaftsraum in Verbindung mit dem US-Dollar,
obgleich in diesem Kontext auf eine mehr als 200-jährig bestehende Geschichte mit den damit
verbundenen Erfahrungswerten zurückgegriffen werden kann – existierte, sondern ein hierzu
parallel verlaufender, europaorientierter Wirtschaftsraum auf die Transaktionen des
Weltwährungssystems entsprechende Wirkungen generieren kann. Im Zuge der europäischen
Gemeinschaftswährung können die jeweiligen Staaten demnach keine individuellen
geldpolitischen Maßnahmen für die Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit ergreifen, sodass für das
Funktionieren sowie für ein nachhaltiges Bestehen eines einheitlichen europäischen
Währungsraumes entsprechende realwirtschaftliche Kennzahlen zugrunde gelegt werden, welche
wiederum von den Teilnehmerländern erreicht werden müssen. Im Hinblick auf die
Voraussetzungen für ein langfristiges Existieren des Euros lassen sich lediglich historische
Abläufe heranziehen, wenngleich hierbei – neben einer zentral organisierten Währungspolitik –
eine einheitlich ausgestaltete Finanzpolitik stets gegeben war. Im Vorfeld der Einführung der
Gemeinschaftswährung wurde infolgedessen über die Notwendigkeiten im Bezug auf die
finanzpolitisch, wirtschaftlich sowie institutionell festzulegenden Kriterien öffentlich kontrovers
diskutiert, um im Ergebnis maßgebende Leitlinien für den Erfolg der Europäischen
Gemeinschaftswährung zu gewährleisten und einer zu schnellen Implementierung vorzubeugen.
Jene Voraussetzungen waren mit der Einführung des Euros nicht gegeben, sodass das
Zustandekommen der europäisch ausgerichteten, einheitlichen Währung politisch motiviert
gewesen ist. Darüber hinaus wurden jedoch nicht nur die als grundsätzlich anzusehenden
Faktoren in die entsprechende Abwägung hinsichtlich einer Einführung resp. einer NichtEinführung mit einbezogen, sondern gleichermaßen kostengebundene Argumentationen
angeführt. Insbesondere die Verringerung von Transaktionskosten sowie einer damit
einhergehenden Erhöhung der ökonomischen Transparenz im Allgemeinen wurden als zentrale
Punkte aufgeführt, zumal der Umstellungsprozess von individuellen Währungen hin zu einer
einheitlich geprägten Währung zum einen nicht im Rahmen einer Reform durchgeführt und zum
anderen nicht als ökonomische Wende angesehen werden sollte, wenngleich in der Praxis nahezu
sämtliche am Wirtschaftskreislauf teilnehmenden Einrichtungen ihre Strukturen gänzlich neu
ausrichten mussten, was in der Folge – im Gegensatz zu der politischen Argumentation – zu einer
entsprechend hohen Kostenbelastung geführt hatte.
3.2.2, Optimaler Währungsraum:
Ein optimaler Währungsraum kann in seiner Ausgestaltung in zwei verschiedenen Varianten
existent sein, da entweder innerhalb des Gebietes eine gemeinsame Währung zum Tragen kommt
oder unterschiedliche Währungen auf Basis festgesetzter Wechselkurse aneinander gekoppelt
sind. Der Aspekt eines festen Wechselkurssystems zur Erklärung eines optimalen
Währungsgebietes weißt in diesem Kontext einen größeren Bestandszeitraum auf, da der Theorie
einer Währungsunion erst zu einem späteren Zeitpunkt Rechnung getragen worden ist. Die
grundsätzliche Zielausrichtung eines optimalen Währungsraumes reduziert sich daher auf die
Fragestellung, nach welchen Kriterien die Erreichung von gesamtwirtschaftlichen Zielsetzungen
effizient erfolgen kann. Das entscheidende Merkmal hierbei ist die vollständige sowie
unwiderrufliche Abhängigkeit der einzelnen Währungen untereinander bei einem gleichzeitig
vorherrschenden unlimitierten Kapital- und Handelsverkehr, wobei die Grenzen der teilnehmenden
Staaten zueinander nicht zwangsläufig mit den Grenzen des Währungsraumes einhergehen.
Dabei ist zunächst in einer allgemeinen Betrachtung festzuhalten, dass der Beitritt eines bis dahin
währungs- und geldpolitisch eigenständig agierenden Landes in eine Währungsunion sowohl
ökonomisch geprägte Nutzen als auch Kosten für den entsprechenden Staat mit sich bringt, wobei
sich die Nutzen im Wesentlichen auf die Verringerung von Transaktionskosten sowie auf den
Entfall von Wechselkursrisiken konzentrieren und sich die Kosten dahingehend erhöhen, da bei
einem eventuell eintretenden wirtschaftlichen Schock, welcher sich lediglich auf das jeweilige
Land bezieht, dieses darauf geld- und währungspolitisch nicht reagieren kann und demnach eine
stabilisierungspolitische Abhängigkeit eingeht. Zur Erläuterung der o.g. allgemeinen Aspekte,
werden im Folgenden unterschiedliche Faktoren, welche einen entsprechenden Einfluss auf die
Wirkung eines optimalen Währungsgebietes aufweisen, analysiert.
Mit der ‚Theorie optimaler Währungsräume’ hat sich erstmals der kanadische Volkswirt und
Wirtschaftsnobelpreisträger, ROBERT ALEXANDER MUNDELL, im Jahre 1961 beschäftigt. Im
Kern seiner Ausarbeitungen beschreibt MUNDELL die sog. Faktormobilität im Zusammenhang mit
deren Intensitätsgrad. Im Wesentlichen erfolgt dabei eine Analyse des Faktors Arbeit, indem die
Mobilität der entsprechenden Arbeitnehmer entweder – bei einem hohen Grad – dazu führt, dass
sich die Festsetzung von Wechselkursen als ökonomisch vorteilhafter darstellt, als es in diesem
Kontext bei variablen Wechselkursen der Fall wäre, oder – bei einem niedrigeren Grad – die
Wechselkursflexibilität in den Fokus genommen werden müsste, um mögliche
Nachfrageeinbrüche in der jeweiligen staatsspezifischen Wirtschaft durch die Auf- resp.
Abwertung der eigenen Währung abmildern zu können. Konkret bedeutet dies, dass die jeweiligen
Arbeitnehmer bei einer ausbleibenden Beschäftigung in ihrem Heimatland in ein anderes Land mit
einer Nachfragestabilität bei einem gleichzeitig höheren Lohnniveau solange übersiedeln bis die
Parität des Lohn- und Preisniveaus zwischen dem Heimat- und dem Auswanderungsland
wiederhergestellt ist.
Eine auf der Analyse MUNDELLs aufbauende Theorie erfolgte im Jahre 1963 durch den –
ebenfalls kanadischen – Volkswirten, RONALD MCKINNON, welcher den sog. Offenheitsgrad als
wesentliches Kriterium für das Funktionieren eines festen Wechselkurssystems kennzeichnete.
Insbesondere die Möglichkeit einer Währungsabwertung würde, gemäß der Ergebnisse
MCKINNONs, in den Volkswirtschaften, welche keinen hohen Integrationsgrad mit der
Weltwirtschaft aufweisen, in letzter Konsequenz dazu führen, dass aufgrund einer
landesspezifischen Währungsabwertung eine Erhöhung der Inlandsgüternachfrage und eine
zeitgleich stattfindende Verringerung des Angebots und im Ergebnis eine
Preisniveaudestabilisierung entsteht. Demnach kommen auf Basis jener Analyse nur diejenigen
Länder für einen Währungsraum bzw. für die Implementierung einer gemeinsamen Währung in
Frage, die eine entsprechend hohe Konvertibilität mit der Weltwirtschaft aufweisen.
Eine weitere Theorie, welche sich im Bezug auf die Existenz optimaler Währungsräume bezieht,
stammt von dem US-amerikanischen Volkswirten, PETER B. KENEN, aus dem Jahre 1969, in
dessen Kern sich dieser mit dem Diversifikationsgrad von Volkswirtschaften sowie dessen
Auswirkung auf ein Funktionieren von optimalen Währungsräumen befasst. Danach ist
entscheidend, wie hoch jener Diversifikationsgrad innerhalb einer Volkswirtschaft hinsichtlich der
dortigen Produktion sowie des dortigen Exports ausgebildet ist, d. h., dass die Wahrscheinlichkeit
eines externen Schocks durch die Produktion vieler verschiedener Güter einerseits erhöht werden,
andererseits dies jedoch nur einen kleinen Teil des Exports treffen und durch die Exportsteigerung
eines anderen Wirtschaftszweiges neutralisiert würde. Hieraus folgernd ist die eigenständige
Abwertungsmöglichkeit der jeweiligen Landeswährung im Zuge eines hohen
Diversifikationsgrades zu vernachlässigen. Herrscht – im Gegensatz zu einem hohen Maß an
Diversifikation – eine ausgeprägte Spezialisierung innerhalb einer Volkswirtschaft vor, sinkt auf
der einen Seite die Wahrscheinlichkeit eines positiven oder negativen Schocks, auf der anderen
Seite würde dieser jedoch bei einem Eintreffen ungleich größere Auswirkungen auf die zugrunde
liegende Volkswirtschaft nach sich ziehen. Basierend auf dieser Annahme, würde eine
Beibehaltung der nationalen Währungsabwertungsmöglichkeit die Preiswettbewerbsfähigkeit
aufrecht erhalten und somit gegen eine zentralisierte Währungslösung tendieren.
Zusammenfassend fußt die Theorie KENENs auf der Annahme, dass die Bildung einer
Währungsunion nur durch jene Länder durchgeführt werden soll, welche einen hohen
Diversifikationsgrad und damit von der Notwendigkeit einer eigenen Währungsabwertung
unabhängig sind. Allerdings ist in diesem Zusammenhang kritisch anzumerken, dass sich dies
jedoch nicht auf den Rückgang der allgemeinen volkswirtschaftlichen Nachfrage bezieht, sondern
ein potenzieller Nachfrageeinbruch hinsichtlich explizit genannter Waren fokussiert wird.
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