Toleranz - Reform

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Der
Sabbat
Wächter
Laodizea
- Schicksal oder
Chance
Zeitschrift für Erweckung und Reformation
Jahrgang 90 Nummer 4 - 2015
Alter
Glaube
und
neue
Toleranz
Befreit
durch die Wahrheit
Nr. 4 - 2015
Adventliche
Verkündigung
1
Inhalt
Der
Sabbat
 Wächter
___________
Jahrgang 90, Nr. 4
Leuchtturm der Hoffnung, des Glaubens und der
Wahrheit in einer verworrenen Welt.
Unser Glaube:
• Der allweise, liebende Gott schuf alle Dinge des
Universums durch seinen Sohn, Jesus Christus; er ist
der Eigentümer und Erhalter.
• Er begegnete der Herausforderung seiner liebenden
Führung und Autorität, indem er die Welt mit sich
versöhnte durch das Leben, den Tod und die Auferstehung seines Sohnes, das Wort, das Fleisch wurde.
• Der Heilige Geist, Jesu Stellvertreter auf Erden,
überzeugt von der Sünde, führt zur Wahrheit und
überwindet, wenn er im Menschen wohnt, alle Ungerechtigkeit.
• Die Bibel ist der Bericht über das Handeln Gottes mit
der Menschheit und der Maßstab jeglicher Lehre; die
Zehn Gebote sind die Abschrift seines Charakters und
die Grundlage aller dauernden Reform.
• Sein Volk, in Übereinstimmung mit Gottes Wort
und unter der Leitung des Heiligen Geistes, ruft alle
Menschen auf, durch den Glauben an Jesus mit Gott
versöhnt zu werden.
• Die Prophetie der Bibel offenbart, dass die Weltgeschichte bald mit der sichtbaren Wiederkunft Jesu als
König, ihren Abschluss finden wird. Alle, die ihn als
Erlöser der Welt und ihren Herrn angenommen haben,
werden von ihm aus Gnaden aufgenommen.
Gemeindeschrift der
Internationalen Missions­gesellschaft
der Siebenten-Tags-Adventisten,
Reformations­bewegung Deutsche Ausgabe
Redaktion:
Medienteam/Literaturausschuss der Deutschen Union
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der Siebenten-Tags-Adventisten,
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Seite
Aktuelles
Alter Glaube und neue Toleranz F. Herbolsheimer
3
Laodizea - Schicksal oder Chance H. Welker
8
Gottes Herausforderung für das Jahr 2016
6
W. Schultz
Bibelstudium
Warum leiden wir? Teil 2 K. Barath
21
Adventliche Verkündigung M. Müller
13
Befreit durch die Wahrheit I. Müller
18
Kinder und Jugend
Vom verlorenen Groschen I. Müller
25
Gemeinde
Berichte
27
Angebote, Informationen
Neu: Newsletter
Termine 2016
Kalender 2016
32
32
32
Gestaltung/Layout: I. Müller
Fotos, wenn nicht anders benannt, I.+J. Müller
Bibelstellen, wenn nicht anders angegeben:
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durchgesehene Ausgabe,
(c) 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
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D er
S abbatwächter
Aktuelles
Alter
Glaube
und die neue
Toleranz
F. Herbolsheimer
Selten wurde dem Glauben an Gottes Wahrheit Wertschätzung und Toleranz entgegengebracht. Als Mose mit
den Gesetzestafeln, vom Sinai herunterkam, empfingen
ihn die Israeliten, statt in Erwartung auf Gottes Botschaft,
mit ausgelassenem Tanz um das goldene Kalb, das sie
an Gottes Stelle verehrten. Mose, der auf dem Berg die
göttliche Majestät erlebt hatte, war darüber so erschüttert,
dass er die Fassung verlor und die Gesetzestafeln zerbrach.1
Jesus, der vom Himmel gekommen ist, verkündete seinen Zuhörern: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem
Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet
die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch
frei machen.“ Über die Reaktion der Hörer auf diese
großartige Predigt lesen wir: „Da hoben sie Steine auf,
um auf ihn zu werfen. Aber Jesus verbarg sich und
ging zum Tempel hinaus.“ (Joh. 8, 31.59.)
1 vgl. 2. Mose 32, 1-6
Nr. 4 - 2015
Trotz großem Widerstand entstehen
Gemeinden in Jerusalem und Rom
Die Juden zur Zeit Jesu und danach, gaben sich alle
Mühe, zu verhindern, dass die Lehre Jesu vom Volk
angenommen werde. Als ihre Argumente nichts gegen die
Wahrheit ausrichten konnten, wurde brutale Gewalt eingesetzt. Jesus wurde gekreuzigt. Stephanus gesteinigt
und Jakobus enthauptet.2 Die Gemeinde wurde verfolgt,
so dass die Gläubigen fliehen mussten. Von Toleranz war
nichts zu sehen. Dennoch breitete sich das Evangelium
aus und Gemeinden entstanden an vielen Orten. Auch in
der Welthauptstadt Rom entstand eine blühende Gemeinde,
zu der selbst Mitglieder aus der kaiserlichen Familie
gehörten.3 Das hat natürlich die Gegnerschaft von Leuten
2 vgl. Apg. 12,1.2
3 vgl. Phil. 4,22
3
Aktuelles
wie Kaiser Nero, Diokletian, Galerius und anderer geweckt.
Wie steht die neue Toleranz
Die Versammlungen der Christen wurden verboten. Doch
zu alten Werten und Wahrheiten?
der Glaube schafft Rat. Die Gläubigen versammelten sich
im Untergrund, in den Katakomben. Damit gaben sich die
Die neue Toleranz geht davon aus, dass es die absoVerfolger aber nicht zufrieden. Ihr Hass und ihre Grausamkeit kannten keine Grenzen. Man fing die Gläubigen und lute Wahrheit nicht gibt. „Alles ist relativ“, d.h. verhältniswarf sie in den Arenen den wilden Tieren vor, zur Belusti- mäßig. Es wird so beschrieben: „Wahrheit im objektiven
gung des Volkes. Diesem grausamen Spiel wurde im Jahr Sinne gibt es nicht, Wahrheit ist ein Produkt der persön313 n.Chr. mit dem Mailänder Toleranzedikt von Kaiser lichen Kultur.“4 Somit haben die verschiedenen Kulturen
Konstantin I. und seinem Mitregenten Lucinius ein Ende eigene Wahrheiten und Religionssysteme hervorgebracht.
gesetzt. Den Christen wurde dieselbe Freiheit (Toleranz) Weil demnach alle Religionen und Weltanschauungen auf
gewährt, ihre Gottesdienste abzuhalten, wie den anderen dieselbe Weise entstanden sind, müssen sie auch gleichwertig behandelt und toleriert werden. Dabei ist aber die
Kulten.
Als dann nach der sog. Konstantinischen Wende die erste Frage: Können denn sich widersprechende Lehren
Kirche selbst erstarkte und als Papstkirche eigene Leh- und Systeme gleichzeitig wahr sein? Und wenn es wie bei
ren und Riten entwickelte, erwies sie keine Toleranz gegen Glaubensfragen und Entscheidungen um ewiges Leben
jene, die sich ihren Bräuchen und Gesetzen nicht beugten. und Tod geht, kann man da ruhig sagen: Alle Religionen
sind Wege zu Gott und zum
Derselbe Kreislauf von Macht, Intoleranz und
Himmelreich?
Verfolgung wiederholte sich in der Inquisition,
Können denn sich widerBedeutet die neue Toleranz
den Ketzerverfolgungen und Unterdrückung
für Christen wirklich, dass sie
sprechende Lehren und
aller, die sich ihrem Machtanspruch nicht beubei Andersgläubigen Missigen wollten.
Systeme gleichzeitig wahr
onsarbeit unterlassen müsGlücklicherweise kann sich aber Gewaltherrsein?
sen, wie oft gefordert? Das
schaft und Unterdrückung weder unter Völkern
Und wenn es wie bei
wäre doch im Widerspruch zu
noch in Kirchen auf Dauer halten. Die ReformaGlaubensfragen und EntJesu Auftrag an seine Jünger.
tion des 16. Jahrhunderts und die französische
Er sagte: „Mir ist gegeben
scheidungen um ewiges
Revolution unterbrachen die geistliche und
alle Gewalt im Himmel und
politische Macht der Kirche. Toleranz trat an die
Leben und Tod geht,
auf Erden. Darum gehet hin
Stelle der Unduldsamkeit und Unterdrückung.
kann man da ruhig sagen:
und macht zu Jüngern alle
Jeder kann seinen Glauben frei bekennen und
Alle Religionen sind
Völker; taufet sie auf den
ausleben.
Wege zu Gott und zum
Namen des Vaters und des
Ähnliches erlebten wir auch auf der politiSohnes und des Heiligen
Himmelreich?
schen Ebene. Systeme wie NationalsozialisGeistes und lehret sie
mus und Kommunismus, die die Freiheit des
halten alles, was ich euch
Glaubens und Denkens nicht tolerierten, sind
befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage
untergegangen.
bis an der Welt Ende.“ (Matth. 28, 18-20)
Oder sind alle, die einer Religion angehören, auch KinWas heißt Toleranz?
der Gottes? Sicher nicht, deshalb hat Jesus, als er seine
Jünger aussandte, sie zuerst zu den „verlorenen Schafen“
Das Hauptwort „Toleranz“ ist von dem lateinischen Tätigaus dem Hause Israel gesandt.5 Demnach steht die neue
keitswort „tolerare“ = ertragen, erdulden, abgeleitet. ToleToleranz hier im Widerspruch zum Auftrag des Herrn.
ranz bedeutet somit, Duldsamkeit gegen Überzeugungen,
Die biblische Wahrheit will uns Menschen auf einem
die von der eigenen abweichen. In der Zeit der Aufklärung
haben es Voltaire und Lessing so umrissen: Duldung erhabenen moralischen Stand halten. Wird der von Gott
Andersgläubiger, Andersdenkender und Andersartiger – vorgesehene Weg vom Menschen verlassen, ist das
soweit sie geltende Gesetze respektieren und die Rechte erhoffte Glücksgefühl in einer vermeintlichen Freiheit
anderer Menschen nicht verletzen. Obwohl es Voltaire, meist nicht von langer Dauer. Unmoral trennt von Gott,
Lessing und anderen Vorkämpfern der Aufklärung nicht bringt Leid Kummer und Krankheit. Zerrüttete zwischenum Glauben und biblische Wahrheit ging, bewegten sie menschliche Beziehungen, kaputte Ehen, Scheidungssich meistens im Rahmen von Recht und Ordnung. Damit waisen, sexuelle Orientierungslosigkeit und eine Jugend
blieben sie auch biblischen Anforderungen diesbezüglich ohne vorbildliche Erziehung gehen einher mit der Abkehr
nahe. Sie lauten: „…ertragt einer den andern…“ (Eph. von Gott.
4,2) „nehmt einander an, wie Christus euch angenomWir leben in einer Zeit, die eine größtmögliche Akzeptanz
men hat“. (Rom. 15,7). „ertrage einer den andern und
vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat aller Anschauungen und Verhaltensweisen fordert. Alles
ist erlaubt und alles ist gut – scheint das geforderte Motto
gegen den andern..“ (Kol. 3,13).
Das Wort Toleranz ist schon als „absolute Wahrheit“ zu sein. Die Bibel sagt genau das Gegenteil:
„Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.“
bezeichnet worden oder als „die höchste aller Tugenden“;
doch dann mit der Einschränkung: „sie wird oft missver- (1. Korinther 10,23)
standen, weil die Fundamentalisten in unserer Kultur sie 4 J. McDowell, Die neue Toleranz, CLV, S. 38
falsch definiert haben“.
5 vgl. Matth. 10,5.6
4
D er
S abbatwächter
Aktuelles
Nicht wenige Christen sind besorgt über das Tolerieren
Pastor Latzel aus Bremen musste solche lautstarken Proeiner Moral, die an den Grundfesten der Schöpfungsord- teste, selbst von seinen Vorgesetzten erfahren, als er auf
nung rüttelt. Die Ehe zwischen Mann und Frau, das Auf- Fehlverhalten durch den Zeitgeist aufmerksam machte. Er
wachsen der Kinder in einer Familie mit Vater und Mutter sprach sich z.B. gegen eine Vermischung der Religionen
– sind das überholte Konzepte? Wie tolerant ist Gott?
aus und forderte, dass Christen in ihrem Glauben rein bleiViele Theologen und Kirchen schließen sich dem Weg ben sollten.13
derer an, die in ihrer Lebensgestaltung nicht die Bibel zu
Rate ziehen:
„Der Präses der westfälischen Kirche Alfred Buß (BieleWir sollten uns als Gemeinde nun gerade darum bemüfeld), hatte auf einer Veranstaltung des Zentrums ,Homo- hen, ein klares festes Verständnis für die Wahrheit Gottes
sexuelle und Kirche‘ während des Kirchentages in Bremen zu bekommen, sie überall auszuleben und dann in Einiggesagt, Homosexualität sei etwas Normales wie das Links- keit mutig weiterzugeben. Es gibt noch viele Menschen,
händersein und müsse von Christen akzeptiert werden.“6
die auf ein solches Zeugnis warten.
2004 erklärte die Bischofskonferenz der Vereinigten
Als ich mit meiner Familie noch in Berlin wohnte, suchte
Evangelisch-Lutherischen-Kirche Deutschlands (VELKD), uns eines Sonntags eine uns unbekannte Frau aus der
dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften kirch- weiteren Nachbarschaft auf. Sie sagte: „Heute hält unser
licher Amtsträger in Gemeinden zulässig seien, „wenn dort Pfarrer einen Vortrag über die Adventisten, da müssen
diese Form akzeptiert wird.“7
sie unbedingt hin.“ „Was soll ich dort“, fragte
Als diese Vorhaben umgesetzt
ich unschlüssig. „Ja, da müssen sie hin, vielWir sollten uns als
wurden, wurde die evangeleicht können sie etwas richtigstellen.“ Sie
Gemeinde nun gerade
lische Kirche öffentlich beglücksagte es so überzeugend, dass ich nicht
darum bemühen, ein
ablehnen konnte. Ich ging dann rechtzeitig hin
wünscht, dass sie nun auch in
und stellte mich als Adventist vor. Der Pfarrer
der Gegenwart angekommen
klares festes Verständkam sichtlich in Verlegenheit und befürchtesei.
nis für die Wahrheit
te, dass ich stören wollte. Er meinte dann:
Gottes zu bekommen,
„Wenn Sie etwas dazu sagen wollen, dann
Hat das Wort Gottes in der
sie überall auszuleben
bitte nicht während des Vortrags. Danach gebe
Gegenwart seinen Platz? Martin
und dann in Einigkeit
ich Ihnen Gelegenheit, Stellung zu nehmen.
Luther prägte den Satz:
Ich werde das auch zu Beginn des Vortrags
„Die Bibel ist nicht antik, auch
mutig weiterzugeben.
sagen.“ Es gab dann tatsächlich einiges, das
nicht modern, sie ist ewig.“8
richtiggestellt werden musste. Er gab dann zu,
dass er die Adventisten nur von gegnerischen
Nachdem Martin Luther das
evangelische Pfarrhaus gründete, indem er das Zölibat für Abhandlungen kannte. Als er mir nach dem Vortrag die
Pfarrer aufhob, wurde es als Vorbild für die Gemeinde versprochene Gelegenheit gab, konnte ich von unserer
Entstehung, unserem Glauben und der Adventhoffnung
gepriesen. Was ist nun daraus geworden?
„Leben nach Luther“ ist der Titel einer Wanderausstellung Zeugnis geben. Dadurch war der Pfarrer vor allen seizur Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses.9 nen Zuhörern so berührt, dass er sagte, „Ja, dann sind
Also ab mit der in der Bibel beschriebenen Pfarrfamilie ins wir ja Brüder.“ und nahm mich fast in den Arm. Ich habe
Museum?
aus dieser Begegnung gelernt, dass wir die neue Toleranz
Gemeindeglieder sorgen sich um ihre Kirche, wenn im positiv in Anspruch nehmen sollten. Wo immer Menschen,
Pfarrhaus mit kirchlichem Segen ein homosexuelles Paar Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften bereit sind,
lebt. Gottes Wort nennt ihre Lebensweise Gräuel.10 Gefor- uns anzuhören, sollten wir diese Gelegenheit ergreifen.
dert wird aber eine Toleranz, die in Richtung einer Akzep- Wir lehnen es als Gemeinschaft ab, uns vertraglich in der
tanz geht. Während Toleranz die passive Duldung bedeu- Ökumene zu engagieren. Eine Befürwortung sämtlicher
tet, ist Akzeptanz das aktive, zustimmende Werturteil.11
Religionen als verschiedene Wege zum Himmel ist nicht
Gibt es eine Duldung für die Unduldsamen?
unsere Glaubensüberzeugung. Aber wir haben einen Auftrag, „in alle Welt“ zu gehen.14 Paulus stand in Athen inmitVerantwortungsträger und Laien, die solches Verhalten ten zahlloser Götzenstatuen und verkündigte den wahren
missbilligen und dank der neuen Toleranz ihre Stimme Gott.15
dagegen erheben, müssen erfahren, dass man ihnen
Die neue Toleranz, das Interesse an Andersartigkeit und
keine Toleranz gewähren will. Sie werden als Fundamen- die Neugierde Fremden gegenüber, kann uns Türen öfftalisten beschimpft. Im Beispiel der Homosexualität wird nen. Denn wenn wir zu der biblisch begründeten Wahrheit
behauptet, dass sie an einer Phobie leiden.12
stehen, gehört es dazu, dass wir jede Gelegenheit nutzen,
um sie zu bezeugen.
Dazu möge der Herr uns Mut und Kraft geben.
6 Idea 17. Juni 2009, S. 4
7 Idea 23. Jan. 08
8 http://www.nordbayern.de/region/erlangen/die-bibel-ist-nicht-antiknicht-modern-sondern-ewig-1.1378897
9 vgl. http://www.luther2017.de/neuigkeiten/pfarrhaus-ausstellungleben-nach-luther-im-martin-luther-forum-ruhr-in-gladbeck/
10 vgl. 3. Mose 18,22
11 vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Akzeptanz
12 Homophobie, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Homophobie
Nr. 4 - 2015
Die Internetseiten wurden im August 2015 aufgerufen.
13 vgl. http://www.welt.de/regionales/hamburg/article137740590/Umstrittene-Predigt-Meinungsfreiheit-oder-Hetze.html
14 vgl. Markus 16,15
15 vgl. Apostelgeschichte 17,16-34
5
Aktuelles
Gottes
Herausforderung
Foto: Magdalena Ślachetka
für das Jahr
Wilfried Schultz
Das Jahr 2015 ist schnell vergangen und jetzt stehen wir
wieder vor einem neuen Jahr 2016! Was wird dieses Jahr
mit sich bringen? Welche Ziele stecke ich mir für dieses
Jahr und was ist des Herrn Wille, dass ich gerettet werden
kann?
Unglücksfälle, Flugzeugabstürze, Kriege, Wirbelstürme,
Feuer, Hochwasser, Kriminalität und andere Nachrichten
hören wir fast täglich, sodass wir uns schon daran gewöhnt
haben. Wie viele Menschen wurden plötzlich aus dem Leben
gerissen ohne für den Tod bereit zu sein! Und was wird
morgen sein? Was wäre, wenn es mich beträfe?
Gott wünscht, dass wir das Ziel nicht aus den Augen
verlieren. Er sehnt sich danach, dass wir nach einem
geheiligten Leben streben, nach einem vollkommenen
Charakter. Dies ist jedoch nur durch die Gabe des Heiligen Geistes möglich. Ja, durch eine ununterbrochene
Beziehung mit unserem Heiland Jesus Christus.
„Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von
Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit,
6
2016
zur Heiligung und zur Erlösung,“ (1.Kor.1,30) „wieviel
mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den
ewigen Geist als ein makelloses Opfer Gott dargebracht
hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr
dem lebendigen Gott dienen könnt.“ (Hebr.9,14)
„Nur vollständige Übereinstimmung mit dem Willen
unseres Vaters, der im Himmel ist, bedeutet Heiligung.
Rev.&Herald, March 25, 1902“1
„Wahre Heiligung bedeutet vollkommene Liebe und
Gehorsam, sowie vollständige Übereinstimmung mit dem
Willen Gottes.“2
„Heiligung ist ein fortschreitendes Werk, ein Vorwärtskommen von einem Stadium der Vollkommenheit zum
anderen. My Life Today 250“3
1 Dr. Colin Standish, Vollkommenheit ...der Reichtum des Himmels,
S.43
2 E.G. White, Die Apostel, 2011
3 Dr. Colin Standish, Vollkommenheit ...der Reichtum des Himmels,
S.43
D er
S abbatwächter
Herausforderung für das Jahr 2016
„Heiligung ist ein fortschreitendes Werk. Über die einander folgenden Schritte schreibt uns der Apostel Petrus:
‚Wendet allen euren Fleiß daran und reichet dar in eurem
Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis und in der
Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in
der Geduld Gottseligkeit und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe allgemeine Liebe.
Denn wo solches reichlich bei euch ist, wird‘s euch nicht
faul noch unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unsers
Herrn Jesu Christi.‘ 2.Petrus 1,5-8. ,Darum, liebe Brüder, tut desto mehr Fleiß, eure Berufung und Erwählung
festzumachen; denn wo ihr solches tut, werdet ihr nicht
straucheln, und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unsers Herrn und
Heilandes Jesu Christi.‘ 2.Petrus 1,10.11.
Hier ist ein Pfad, auf dem wir sicher wandeln und niemals
straucheln werden. Diejenige, welche sich um die Erlangung der christlichen Tugenden eifrig bemühen, haben die
Zusicherung, dass Gott ihnen die Gaben seines Geistes
vielfältig geben wird.“4
Also liegt die ständige Entscheidung, uns dem Herrn
Jesus völlig auszuliefern, an uns. Jesus ist in die Welt
gekommen, „um unsere Sünden hinwegzunehmen; und in
ihm ist keine Sünde.“ (1.Joh.3,5) „wer in ihm bleibt, der
sündigt nicht; wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen und
nicht erkannt.“ (1.Joh.3,6)
„Keiner von uns wird je das Siegel Gottes erhalten, wenn
unsere Charaktere noch Flecken oder Runzeln aufweisen.
Es bleibt uns überlassen, unsere Fehler auszumerzen und
den Tempel der Seele von jeglicher Verunreinigung zu
säubern. Dann wird der Spätregen auf uns fallen wie der
Frühregen auf die Jünger zu Pfingsten.“5
„Sobald sich der Charakter Christi vollkommen in Seinem
Volk widerspiegelt, wird Er kommen, um sie als Sein
Eigentum zu fordern.“6
Welch eine Herausforderung ist an uns gestellt, welch
einen Glauben an seine Verheißungen wünscht sich Gott
von uns, damit er für uns wirksam werden kann! „… damit
wir durch den Glauben den Geist empfingen, der verheißen worden war.“ (Gal.3,14.)
Deshalb müssen wir konkret darum beten und uns viel mit
der Gabe des Heiligen Geistes beschäftigen. So schreibt
Lukas, der Arzt: „...wieviel mehr wird der Vater im Himmel
den heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!“ (Luk.11,13)
Welch eine Aufforderung, täglich konkret zu beten und
gleichzeitig den Verheißungen Jesu Glauben schenken.
„Nur denen, die demütig vor Gott sind, die auf seine Führung und Gnade warten, wird der Geist gegeben. Dieser
verheißene, im Glauben beanspruchte Segen hat alle
andern Segnungen im Gefolge. Er wird nach dem Reichtum der Gnade Christi gegeben, und Jesus will ihn einer
jeden Seele mitteilen nach der Fähigkeit, die sie besitzt,
ihn aufzunehmen.
Das Mitteilen des Geistes ist das Mitteilen des Lebens
Christi. Nur die, welche auf diese Weise von Gott gelehrt
sind, nur die, an deren Herzen der Geist wirkt und in
deren Wandel Christi Leben sich bekundet, können
Christum wahrhaft darstellen.“7
4 E.G. White, Ruf an die Jugend, S. 71.72.
5 E.G. White, Zeugnisse für die Gemeinde, Band 5, S.224
6 E.G. White, Christi Gleichnisse S. 42
7 E.G. White, Diener des Evangeliums, S. 253.254.
Nr. 4 - 2015
Als Jesus Christus Mensch wurde, offenbarte Er den
Willen und Charakter seines Vaters. Er sagte: „Und wer
mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.“ (Joh.
12,45) Somit wirkte Jesus auf Erden wie ein Vorbild, ein
Repräsentant des Vaters im Himmel. Von Christus wissen
wir, dass keine Sünde an ihm gefunden wurde. Er war vollkommen rein, kein Makel noch Fehler war an ihm gefunden
worden. Als Reiner unter unreinen Menschen verkündigte
Jesus mit Vollmacht die Botschaft des Himmels.
Auch wir sind aufgefordert, wie Henoch mit Gott unter
unreinen Menschen zu wandeln. Die Menschen sollen
sehen, dass wir Gemeinschaft mit dem Himmel haben und
als Gottes „Bodenpersonal“ seinen Charakter und Wesen
offenbaren und verkündigen. Und darauf wartet Gott! Er
will uns mit Vollmacht des Heiligen Geistes erfüllen. Doch
sind wir bereit dazu?
„Es ist an der Zeit, in unsrer Weihe ernsthafter zu werden. Uns ist das schwierige, aber glückliche und herrliche
Werk aufgetragen, Christum jenen zu offenbaren, die sich
in Finsternis befinden. Wir sind dazu berufen, die besonderen Wahrheiten für diese Zeit zu verkündigen. Zu diesem Zweck ist die Ausgießung des Geistes notwendig. Wir
müssen darum bitten; der Herr wartet darauf, dass wir es
tun. Wir waren bisher nicht ganzherzig in diesem Werk. ...
Was wir brauchen, ist der belebende Einfluss des Heiligen Geistes. Es soll ‚nicht durch Heer oder Kraft, sondern
durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth‘.
Betet ohne Unterlass und wacht, indem ihr in Übereinstimmung mit euren Gebeten wirkt. Wenn ihr betet, glaubt und
vertraut auf Gott. Dies ist die Zeit des Spätregens, wo der
Herr reichlich von seinem Geist mitteilen wird. Seid inbrünstig im Gebet und wachet dazu im Geist.“8
Sind wir heute bereit, uns von Gott in gewaltiger Weise
gebrauchen zu lassen? Ist unser Charakter vorbereitet,
um versiegelt zu werden? Haben wir uns völlig dem Herrn
Jesus hingegeben, damit Er mit uns machen kann, was er
will? Ist unsere Verbindung zu Jesus ununterbrochen? Ist
unser Leben ein Leben voller Erfahrungen? Führen wir ein
Leben in der Heiligung und des ständigen Wachstums?
Lasst uns aufwachen von unserem Alltagstrott und unser
Ich kreuzigen. „Jetzt müssen wir das Gefäß leeren und
sorgfältig von seiner Unreinheit reinigen. Jetzt müssen wir
vor Gott heilig sein. Dies ist unser Werk gerade in diesem
Augenblick. Du sollst nicht auf irgendeine besondere Zeit
warten, in der ein wunderbares Werk getan wird, diese
Zeit ist heute.“9
„Wir müssen Gott unsere Herzen übergeben, auf dass
er uns erneuern, heiligen und für seinen himmlischen Hof
zubereiten kann. Wir dürfen nicht auf eine besondere Zeit
warten. Heute müssen wir uns ihm hingeben und uns entschließen, nicht mehr länger Knechte der Sünde sein zu
wollen.“10
Welches Ziel setze ich mir heute für das Jahr 2016?
8 E.G. White, Zeugnisse für Prediger, S. 441
9 The Upward Look, S.283
10 E.G. White, Ausgewählte Botschaften, Band 1, S. 326
7
Aktuelles
Laodizea
– Schicksal oder Chance?
Helmut Welker
Die meisten Touristenbusse, welche auf der Straße von
Izmir oder Antalya Gäste nach Pamukkale zu den weltberühmten Kalksinterterassen bringen, fahren an der
unscheinbaren Abzweigung vorbei. Diese nehmen meist
nur Bibelgläubige – die Abzweigung nach Laodizea.
Wir finden im Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in
Kolossä vier Hinweise auf den Ort Laodizea. Zwei weitere
Erwähnungen der Stadt Laodizea, am Fluss Lykos, gibt es
in der Offenbarung.
Kol. 4, 15 + 16 zeigt uns den Zusammenhang zwischen
den Gemeinden Kolossäa und Laodizea. Die beiden Städte
liegen nur ca. 10 km auseinander: „Bitte grüßt die Brüder in Laodizea von mir. … Wenn ihr diesen Brief gelesen
habt, gebt ihn an die Gemeinde in Laodizea weiter, damit
sie ihn lesen können. Lest auch den Brief, den ich an sie
geschrieben habe.“ [NL]
So muss es einen Brief des Paulus an die Gemeinde zu
Laodizea geben. Heute gilt dieser Brief als verschollen.
In einigen griechischen Handschriften des 1. Timotheusbriefes finden wir die Mitteilung des Apostel Paulus:
„Geschrieben in Laodizea, der Hauptstadt der Provinz
Phrygia Pacatiana.“
Hintergrund der Sendschreiben
an die sieben Gemeinden
Johannes wurde auf die kleine Felseninsel Patmos verbannt. Sie liegt im Ägäischen Meer, etwa 90 km südwestlich von Ephesus, der heutigen Stadt Smyrna.
In ihrer Abgeschiedenheit schrieb er im fortgeschrittenen Alter die Offenbarung. Dort schildert er seine, von
Jesus Christus erhaltene Vision. Er sah den Menschensohn, Jesus Christus, im Himmel. Dessen Stimme sprach
zu ihm: „Schreibe auf, was du gesehen hast – das, was jetzt
geschieht, und das, was später geschehen wird.“ Offb. 1, 19
[NL]
Wieder aufgerichtete Reste eines repräsentativen Bauwerks in Laodizea
Ach, dass du kalt oder warm wärest!
Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufest. ...
Und kaufe auch weiße Kleider ...
Und kaufe Salbe für deine Augen ...
Bleibe nicht gleichgültig, sondern kehre um ...
So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun ...
Offb. 3, 15-20
8
D er
S abbatwächter
Laodizea
Jedes Sendschreiben wurde von Jesus Christus diktiert:
„Schreibe diesen Brief dem Engel der Gemeinde ….“ Im
Vergleich zu den Briefen an die anderen Gemeinden, ist
die Gemeinde Laodizea die am schärfsten getadelte Einheit. Über sie werden uns keine positiven Aussagen übermittelt.
„Die Gemeinde war nicht von Ketzerei bedroht, sondern
das Problem war viel eher ein Leben in Muße, Luxus und
Gleichgültigkeit. Ein ausreichendes Verständnis des Evangeliums war noch vorhanden, wie auch christliche Formen
und Praktiken, so dass die Glieder zufrieden waren. Und
doch war die Gemeinde in eine Art Selbstbetrug verfallen.“
[1]
Laodizea am Fluss Lykos
Laodikeia, deutsch Laodizea, war eine antike Stadt,
ca.10 km südlich der bekannten Stadt Hierapolis. Sie wird
in Kol. 4, 1 erwähnt.
Die erste Nennung des Ortes lautet: Diospolis, die Stadt
des Zeus. Später wurde die Stadt von Antiochus II. in
Laodikeia, nach seiner Frau Laodike, benannt. In römischer
Zeit war die Stadt Zentrum eines Gerichtsbezirks der Provinz Asia und befand sich an der Kreuzung zweier wichtiger Straßen. Sie erhielt vom Kaiser sogar das Recht einer
eigenen Münzprägung, d.h., sie besaß ihr eigenes Geld.
In den Jahren 363 und 364 fand das Konzil zu Laodizea statt. Unter den verschiedenen Beschlüssen ist einer
besonders wichtig: Kanon 29: Christen sollen nicht am
Samstag (Sabbat) ruhen, sondern den Herrn am Sonntag
ehren. Nach mehreren Erdbeben im 5. und 7. Jahrhundert
wurde Laodizea verlassen und vergessen.
Wer heute nach Laodizea reist, findet dort riesige Ausgrabungen der Universität Denizli. Dort wurde eine der
ältesten Kirchen der Welt, um ca. 320 nach Chr. erbaut,
gefunden. Der Tagesspiegel aus Berlin schreibt am 18.
Mai 2011: „Ausgezeichnet erhalten ist die Kirche für ihre
1700 Jahre obendrein. Die Inschriften auf den Mosaiken
am Boden sind mühelos zu lesen; auch die Malereien an
den Wänden sind noch zu sehen. Besonders beeindruckend ist das Taufbecken, das in der angebauten Taufkapelle in den Boden eingelassen ist, mit Stufen zum Einund Aussteigen für die damaligen Taufen.“
Bedeutung der Symbole
in den einzelnen Briefen
Die ersten Empfänger, Leser und Hörer dieses Sendschreibens waren Zeitgenossen des Apostel Johannes.
Jesus Christus benutzte Beispiele aus der Stadt und
deren Umgebung, damit die Empfänger und Hörer des
Sendschreibens seine Aussagen richtig verstanden und
einordneten.
Nr. 4 - 2015
Lauwarmes Wasser
Ca. 6 km südlich von Laodizea befand sich eine heiße
Quelle. Das heiße Wasser wurde eingefasst, in offenen
Kanälen, durch Rohre über Aquädukte und durch Tunnel
nach Laodizea geleitet. Dort war das Wasser nicht mehr
heiß, auch nicht warm. Es war lau und schal, zu nichts zu
gebrauchen. Man spuckte es aus.
„Ach, dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau
bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien
aus meinem Munde.“
Offb. 3,15 und 16
Mit dem Ausspeien ist,
symbolhaft, die Trennung
vom Herrn ausgedrückt.
Es bedeutet Endgültigkeit.
Mit dem Ausspeien
ist, symbolhaft, die
Trennung vom Herrn
ausgedrückt.
Es bedeutet Endgültigkeit.
Die Quelle südlich Laodizeas sprudelte heißes
Wasser.
Im
anderen
Nachbarort, in Kolossäa,
ca. 15 km östlich gelegen, gab es Quellen, welche das
ganze Jahr über eiskaltes Wasser führten. Ach, dass du
kalt oder warm wärest! Offb. 3,15. Das eiskalte Wasser
aus Kolossäa war genauso nützlich wie das heiße Wasser
aus der nahen Quelle. Nur das lauwarme Wasser in Laodizea war wertlos.
Reichtum
Begünstigt durch die zentrale Lage im westlichen Kleinasien, eigenen Banken und einer florierenden Baumwollindustrie herrschte großer Wohlstand in der Region.
Die Stadt Laodizea wurde im 1. Jahrhundert nach Chr.
zweimal durch Erdbeben schwer verwüstet. Die römischen
Kaiser boten ihr finanzielle Aufbauhilfe an. Sie lehnte beide
Male stolz die Unterstützung ab: „Wir schaffen es alleine,
aus eigener Kraft.“
„Du sagst: Ich bin reich. Ich habe alles was ich will. Ich
brauche nichts!“ Offb. 3,17
Aufgrund des immensen Reichtums gelang der Wiederaufbau erfolgreich. Laodizea entwickelte sich zur Provinzhauptstadt und einem Zentrum für griechische Kunst
und erhielt vom römischen Kaiser den Titel: Freie Stadt.
Laodizea war die größte Stadt in Kleinasien nach Ephesus. Sie hatte zwei Theater, (eines mit 20 000 Sitzplätzen),
das größte Stadion und die größten Thermen in Kleinasien. Die Stadt konnte es sich leisten, ein Stadion mit
Marmor zu verkleiden. Im ganzen römischen Reich war
nur der Circus Maximus in Rom größer als das Stadion in
Laodizea, nur die Caracalla-Thermen in Rom waren größer als die Thermen dieser Stadt.
9
Laodizea
Gold kaufen
Liebe oder Strafe
Allenthalben sah man Gold als Ausdrucksmittel von Wohlstand und Pracht. Die Goldschmiede lebten gut davon. „Ich
rate dir, dass du Gold von mir kaufest…“ Offb. 3, 18. Reines
Gold, durch nichts verschmutzt. Gold hatte wegen seiner
Wertbeständigkeit in der Antike einen guten Ruf.
Weiße Kleider
„Und kaufe auch weiße Kleider, damit du dich
wegen deiner Nacktheit nicht schämen musst.“
Offb. 3,18 [NL]
Die entscheidende Aussage im Zusammenhang mit Laodizea lesen wir in Vers 19: „Welche ich liebhabe, die strafe
und züchtige ich.“ Offb. 3,19. Die Liebe Gottes, nicht die
Strafe, ist Motivation für sein ganzes Handeln. Gott liebt
uns so, dass er seinen einzigen Sohn für uns gefallene
Sünder dahingab. „Wahre Liebe tadelt, korrigiert und diszipliniert.“ [2] In anderen Übersetzungen [NL] lautet es
so: „Welchen ich liebhabe, den weise ich
zurecht und erziehe ihn streng.“
„Welche ich
liebhabe, die
strafe
und
züchtige ich.“
Offb. 3,19.
Warum heißt es „Weiße Kleider?“ Angeklagte
mussten damals vor Gericht in Schwarz erscheinen. Verurteilte wurden entkleidet. Freigesprochene erhielten ein weißes Gewand. [2] Das
weiße Kleid war das Symbol für Freispruch!
Jesus will uns von der Verurteilung befreien.
Durch seinen Opfertod auf Golgatha entfernte er
das schwarze Kleid des Angeklagten und bietet uns die
weiße Kleidung des Freigesprochenen an.
Augensalbe
Laodizea war, neben den Banken, für seine führende
Medizinschule bekannt. Bedingt durch feinen Staub, Wasserknappheit und allgemeine Unsauberkeit waren Augenkrankheiten keine Seltenheit. Die Mineralien des stark
kalkhaltigen Wassers von Pamukkale (Hierapolis) wurden
Grundstoff für die weithin bekannte Augensalbe.
„Und kaufe Salbe für deine Augen, damit du sehen
kannst.“ Offb. 3, 18 [NL]
Christus steht vor der Tür
Vor Jahren fand ich folgenden Bericht:
„Vor drei Jahren stand ich mit Freunden an
der Ausgrabungsstätte des antiken Laodizea. Archäologen haben die Stelle markiert, an denen sich früher Straßen kreuzten
und wichtige öffentliche Gebäude standen.
Doch heute ist Laodizea ein mit Steinen
übersätes Trümmerfeld. Man sieht Marmorbrocken, Säulenfragmente und Überreste von verwitterten Bausteinen.
Ich entfernte mich ein wenig vom Rest der Reisegruppe,
um einen kurzen Augenblick der Ruhe zu genießen. Als
ich um eine Ecke bog, spürte ich, wie plötzlich mein Atem
schneller ging, wie wenn man etwas Altgewohntes an
einem unerwarteten Ort sieht. Denn vor mir erhob sich
über zwei Meter hoch eine antike Türöffnung Laodizeas, so
wie sie vor Jahrhunderten dort gestanden haben musste.
Das massive Tor bot einen eindrucksvollen Rahmen für
den strahlend blauen Himmel. An jenem Tag hörte ich die
Worte Jesu so klar und deutlich in meinem Herzen, als
wäre ich in der alten Gemeinde gewesen, der sie einst
vorgelesen wurden: ‚Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an.‘ Offb. 3,20.“
Säulenreihe an der Straße quer durch Laodizea
10
D er
S abbatwächter
Laodizea
Dieser Vers wurde meist dazu gebraucht, Menschen, die
Jesus noch nicht kannten, zu zeigen, dass er schon lange
um sie wirbt, und sie nur die Tür öffnen müssen. Im eigentlichen Sinne ist der Vers hier aber anders gemeint: Die
Gemeinde von Laodicea besteht aus Christen, die Jesus
vor die Türe verbannt haben und ihr Leben selbst meistern
wollen. Jesus zieht sich aber nicht zurück. Nein, voller
Liebe klopft er an und ruft, um sich erneut erkennbar zu
machen: ‚Hört auf meine Stimme, erkennt, dass ihr falsch
liegt. Öffnet die Türe und tut Buße, dann werde ich wieder
bei euch einkehren und mit euch Gemeinschaft haben‘.
Ersetzen wir einmal das Wort „ich“ mit „Jesus Christus“.
Siehe, Jesus Christus steht vor der Tür und
klopft an.
Wenn wir die in den Sendschreiben genannten Gemeinden als Gemeinde Christi in den jeweiligen Zeitperioden
sehen, dann ist Laodizea die siebte Gemeinde, das Volk
Gottes in der letzten Zeitperiode vor der Wiederkunft
Christi. Folglich gilt Offb. 3,20 für uns, unsere Zeitperiode,
unsere Gemeinde, für mich: „Siehe, Jesus Christus steht
vor meiner Tür und klopft an.“
„Der himmlische Gast steht vor deiner Tür…“ RH 2. Nov.
1866. „Der Herr klopft an der Tür deines Herzens…“ RH
25. Febr. 1890. „Jesus geht von Tür zu Tür, steht vor jedem
Seelentempel und ruft aus: „Siehe, ich stehe vor der Tür
und klopfe an!“ RH 7. Aug. 1894. (Kursiv vom Verfasser).
Es ist ein charakteristisches Merkmal der Gemeinde Laodizea: Jesus steht vor der Tür, vor der Gemeinde.
(E.G. White, Bibelkommentar, S. 521. 522.)
Jesus beendet diesen Tadel nicht ohne eine großartige
Verheißung auszusprechen: „Wenn jemand … die Tür öffnet, werde ich eintreten und wir werden miteinander essen.“
Offb. 3,20. [NL] Jesus kommt, wenn wir Ihn einlassen. Die
Entscheidung liegt jetzt an uns: Jesus steht vor der Tür
und wir allein entscheiden, ob er bei uns einzieht.
Siegesbotschaft
Im Brief an die Gemeinde in Laodizea erreichen die
Gerichts- und auch die Gnadenbotschaft ihren Höhepunkt. Das Sendschreiben ist geprägt von einem ‚Entweder‘ und einem ‚Oder‘. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Die
am schärfsten getadelte Gemeinde erhält gleichzeitig
die größte Verheißung. Jesus bietet den scheinbar abgeschriebenen Menschen in Laodizea die Mitregentschaft an:
„Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem
Stuhl zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt
mit meinem Vater auf seinen Stuhl.“ Offb. 3, 21
Die Christen, die ihm die Türe öffnen, werden mit ihm,
als Ehrengast, auf dem Throne sitzen. „Dies ist die größte
Verheißung in der Schrift.“ J.A. Bengel 1687 – 1752. [3]
„Ein Platz bei Jesus ist die höchste denkbare Ehre für einen
Christen.“ [4]
Nr. 4 - 2015
Tor in Laodizea
Unser Schicksal ist, dass wir in der Zeitperiode Laodizeas
leben, dass sie die am schärfsten getadelte Gemeinde ist,
dass über Laodizea nur Negatives berichtet wird, dass sie,
versinnbildlicht, ausgespien wird und letztendlich Jesus
vor der Tür stehen lässt: Das ist unser Schicksal!
Wir werden im Sendschreiben aufgefordert, unsere Situation zu ändern, zu verändern. Unser treusorgender Erlöser Jesus Christus lässt uns nicht alleine, er eröffnet uns
nun die Chancen: „So jemand meine Stimme hören wird
und die Tür auftun.“ Offb. 3,20 Jesus erfüllt den Menschen
ganz. „Bei Christus herrscht Gnade im Überfluss und jene,
die sich auf die Seite des Erlösers stellen, werden zu neuen Geschöpfen. Sie werden im Charakter mit Gott eins.
Darin besteht die Liebe! Der Sohn Gottes pflanzt die
Tugenden seines Charakters in alle ein, die ihn in ihr
Leben aufnehmen. Durch sein grenzenloses Opfer erhebt
er die Menschheit aus der Stellung von Sklaven Satans
und macht Männer und Frauen zu Söhnen und Töchtern
des himmlischen Königs.“ E.G. White, Brief 38, 1907,
(Christus ist Sieger, 2003, Text 27.1.)
11
Laodizea
Mit dem Öffnen der Tür erhalten wir neues Leben. Das
alte, belastende Leben ist vorbei.
„Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so
werde ich zu ihm hineingehen und das Mahl mit ihm essen
und er mit mir.“ Offb. 3,20
Und der Engel sagte: „Schreib auf: Gesegnet sind diejenigen, die zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen
sind.“ Und er fügte hinzu: „Das sind Gottes Worte, die
wahr und zuverlässig sind“ Offb. 19,9. [NL]
Unsere Chance:
Wenn wir Jesus
einlassen,
dann
werden wir mit ihm
beim
Hochzeitsmahl des Lammes
speisen.
„Wenn wir Christus das
Haus unseres Herzens
betreten lassen, wird er uns
das Haus seines Vaters
betreten lassen. Und wenn
wir Christus überdies noch
erlauben, mit uns an unserem Tisch zu sitzen, wird er
uns erlauben mit ihm auf seinem Thron zu sitzen.“ [5]
Unsere Chance: Wenn wir
Jesus einlassen, dann werden wir mit ihm beim Hochzeitsmahl des Lammes speisen.
„Wer bereit ist zu hören, der höre auf das, was der Geist
den Gemeinden sagt.“ Offb. 3, 22. [NL] Der Geist Gottes
will mit der Gemeinde und mit mir kommunizieren!
„Der Glaube an Christus bedeutet mehr als die Vergebung von Sünden. Er beinhaltet, dass die Sünden weggenommen werden und das entstandene Vakuum durch
den Heiligen Geist gefüllt wird. Der Verstand wird von Gott
erleuchtet, das Herz von Selbstsucht entleert und von der
Gegenwart Christi erfüllt. … Nur die Taufe mit dem Heiligen Geist und nichts anderes kann uns dahin führen.“
EGW – Advent Review and Sabbat Herald 10. Juni 1902.
(Das Wirken des Heiligen Geistes, 2009, Text 5.9.)
„Und betet stets in allen Anliegen mit Bitten und Flehen
im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen
für alle Heiligen.“ Eph. 6,18
„Desgleichen auch der Geist hilft unsrer Schwachheit
auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie
sich‘s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns aufs
Beste mit unaussprechlichem Seufzen.“ Röm 8, 26
Der Heilige Geist schafft die Verbindung zwischen unserer
Limitierung und der Unendlichkeit Gottes.
Wir sollen die Bibel nicht lesen, um unsere eigenen Meinungen bestätigt zu finden, sondern wir sollten unter Gebet
und Leitung des Heiligen Geistes lesen, was Gott uns in
seinem Worte sagen will. Diese Antworten können von
unseren eigenen Ansichten abweichen.
In seiner großartigen Abschiedsrede Joh. 14 – 16 erklärt
Jesus die Aufgaben und die Bedeutung des Heiligen
Geistes.
12
Wenn wir diese letzte große Rede Christi gelesen haben,
dann stehen wir voll Dankbarkeit und Bewunderung vor
der großartigen göttlichen Gabe des Heiligen Geistes. Wir
danken unserem Heiland und Erlöser für den Stellvertreter
(Parakleten). Wir bitten, dass uns dieser Stellvertreter in
„alle Wahrheit leiten“ wird. Wir beten, dass dieser Stellvertreter Christi „uns an alle Worte Christi erinnert“. Wir
danken für die Gabe des Heiligen Geistes, des Trösters,
„der uns nie verlassen“ wird. Wir freuen uns, dass der Ratgeber „das offenbaren wird, was er von Jesus empfangen
hat.“ Wir bitten Gott um Hilfe, dass der Heilige Geist uns
benutzt, sein Werk zu tun. Wir bitten, dass wir dem Wirken
des Heiligen Geistes nicht im Wege stehen.
Wir leben in der Zeitperiode, die in der Bibel mit Laodizea beschrieben ist. Das ist unser Schicksal. Dass Jesus
Christus, der für uns gestorben ist, der uns erlöst hat, vor
unserer Tür steht und um Einlass bittet, dass wir einen von
Gott gesandten Tröster, den Heiligen Geist, haben, der
uns in alle Wahrheit leiten und uns nicht verlassen wird,
das sind unsere Chancen.
„Der Geist und die Braut sagen: »Komm!« Und wer sie
hört, soll sagen: »Komm!« Wer durstig ist, der komme.
Wer will, soll kommen und umsonst vom Wasser des
Lebens trinken!“ Offb.22,17
Jesus Christus, der Johannes auf Patmos den Auftrag
gab, seine Offenbarung niederzuschreiben, bedient sich
seines Geistes, um die entscheidende letzte Einladung an
die Menschheit auszusprechen: Der Geist und die Braut
sprechen: Komm!
Der Brief an die Gemeinde Laodizea ist ein leidenschaftliches Bild auf das Erlösungswerk Gottes und seine Liebe
und Sorge um die Menschheit. Gott bemüht sich wieder
und wieder um die Menschen. Es ist ihm nicht egal, ob
sie ins Verderben rennen. Nein, er steht vor unserer Tür
und klopft an. Wer auf Jesu Stimme hört, sich seine Fehler durch den Heiligen Geist zeigen lässt, mit dem wird er
Gemeinschaft pflegen und hält das größte Geschenk für
ihn bereit!
Es liegt an uns allein, ob die Botschaft an die Gemeinde
zu Laodizea unser Schicksal oder unsere Chance wird!
[1] Müller, Ekkehardt, Der Erste und der Letzte – Studien
zum Buch der Offenbarung, S. 134, Verlag Peter Lang,
Frankfurt, 2011
[2] a.a.O. S. 136
[3] Mayer, Helmut, Christus und die Zukunft der Kirche,
S. 130, Advent-Verlag, Hamburg, 1999.
[3] a.a.O. S. 138
[4] Müller, S. 137 f
[5] a.a.O. S. 138
[NL] Bibelübersetzung Neues Leben, Haenssler-Verlag
Holzgerlingen, 2005
Fotos: S. 8 + 10: Klaus Walter, Wikimedia.org.
S. 11: Dr. Mark Harris, http://mdharrismd.com/
D er
S abbatwächter
Bibelstudium
Adventliche
Verkündigung
Marcus Müller
Advent. Ankunft. Die Straßen und Geschäfte
schmücken sich mit Kerzen, Tannen und bunten
Kugeln. Erwartungsfreude zieht durch die Häuser. Plätzchenduft dringt aus Omas Küche. Die
Christen der großen Kirchen beginnen das neue
Kirchenjahr mit der Adventszeit. Die Inhalte der
Gottesdienste werden entsprechend ausgerichtet. Adventisten feiern 12 Monate im Jahr Advent.
Eine Dezemberpredigt in der Kirche könnte der
adventistischen Botschaft sehr nahe kommen.
Könnte. Wenn die Ankunft Jesu nicht bei der alljährlichen Geburt Jesu stehenbliebe. Alle Jahre
wieder?
Wir betrachten einen Bibeltext, der für die
Adventszeit in der evangelischen Kirche ausgewählt wurde: 1. Korinther 4,1-5.
Übersetzung 1. Korinther 4,1-5
1 So betrachte ein Mensch uns: als Diener Christi
und Treuhänder der Geheimnisse Gottes!
2 Hierbei verlangt man von den Haushaltern,
dass einer für treu befunden wird.
3 Mir aber ist es völlig gleichgültig, ob ich von euch
gerichtet werde oder von einem menschlichen Gerichtstag, ja, nicht einmal mich selbst richte ich.
4 Denn keiner Sache bin ich mir bewusst,
aber nicht deswegen bin ich gerechtfertigt
- doch der mich Richtende ist der Herr.
5 Daher richtet nicht vor der Zeit über etwas, bis der Herr
kommt, der auch ans Licht bringen wird das Verborgene
in der Finsternis und die Ratschläge der Herzen offenbar
machen wird. Und dann wird einem jeden das Lob von
Gott zuteilwerden.
Nr. 4 - 2015
Erste Gedanken zum Bibeltext
„So betrachte ein Mensch uns: als Diener Christi [...]
Daher richtet nicht vor der Zeit über etwas, bis der Herr
kommt [...]“ Wir sollen als Diener Christi erkannt werden
und sollen weder über andere noch über uns vor der Wiederkunft der Herrn richten.
Dieser Text wird gern für einen Gottesdienst in der evangelischen Kirche gewählt, z.B. für den 3. Adventssonntag,
der den Namen „Der Vorläufer des Herrn“ trägt. Johannes
der Täufer wird hier in den Vordergrund gerückt. Eine
spannende Kombination für eine adventistische Botschaft!
13
Adventliche Verkündigung
Was beutet es, Diener Christi zu sein?
Im Neuen Testament bedeutet „Diener“ meist, dass der
so Bezeichnete zu einer Gruppe von Leuten gehört, welche einer höheren Instanz untergeordnet ist. Wie begeben
sich Menschen in den Status des Dienenden?
Der Theologe Wolfgang Trillhaas beschreibt den Beginn
des Bekenntnisses als Christ: Die Taufe. Sie ist das
öffentliche Bekenntnis, dass ein Mensch als Christ leben
möchte und somit zum „Leib Christi“1 gehört. „Die Taufe ist
das Wasser, in Gottes Gebote gefasst und mit Gottes Wort
verbunden.“2 Die Taufe betrachtet er als „grundsätzliche
Wende zu einem neuen Leben“.3
Luther umschrieb dies im Kleinen Katechismus als „täglicher Tod des alten Adams“.4 Durch die Buße des Gläubigen wirkt die Taufe im christlichen Leben fort. Das
Bekennen Christi sollte täglich aufs Neue geschehen.
„Wahre Religion bedeutet, dass ihr das Wort in euer praktisches Leben bringt. Ohne praktische Ausführung des
Wortes ist euer Bekenntnis wertlos.“5 Dieses neue Leben
in Christus führt kein heimliches Dasein.
Ein Diener Christi hat einen Erkenntnisprozess
durchlaufen:
1. Ich bin ein persönliches Geschöpf Gottes.
Die Begriffe „Schöpfung“ und „Geschöpf“ sind in unserem
Sprachgebrauch allgegenwärtig. Was jeder persönlich
darunter versteht, muss er mit allen Konsequenzen für
sich entscheiden.
Wie die Evangelische Kirche heute zur Schöpfung steht,
zeigt uns ein Bericht im Internet:
„Die EKD zieht in einer am Dienstag (Anm. 2008) veröffentlichten Studie klare Grenzen zum Kreationismus
(Anm.: Glaube an die 6-Tage-Schöpfung), der die wissenschaftliche Evolutionstheorie zur Entstehung der Welt in
Frage stellt. Sie kritisiert darin auch einen neuen Atheismus, der den biblischen Schöpfungsglauben bekämpft.
Beides seien „Irrwege“.
In der Schule sollten die Evolutionstheorie und der
Schöpfungsglauben thematisiert werden, wird empfohlen.
Für Kreationismus gebe es jedoch keinen Platz im evangelischen Religionsunterricht.“6
Das Wissen um die Schöpfung Gottes wegzunehmen,
war ein Ziel Satans. Als Strategie hierzu bekämpfte er das
Sabbatgebot, das Gott als Schöpfer benennt. Im Sonntagsgebot der Kirchen fehlt der Schöpfungsbezug. „Der
Sabbat ist darum als Gedächtnistag der Schöpfung wichtig, weil er immer den wahren Grund vor Augen führt,
warum die Anbetung Gott gebührt: weil Gott der Schöpfer
ist und wir seine Geschöpfe sind. ...“7
1 vgl. Römer 12,4-6.
2 Trillhaas, Dogmatik, S. 339.
3 ebd. S. 340.
4 vgl. Bekenntnisschriften, 516.
5 E.G. White, Zeugnisse für Prediger, S. 106
6 http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2008_04_01_2_ekd_text_94.html
7 E.G. White, Gedanken über das Buch Offenbarung, S. 154.155.
14
2. Ich bin ein Sünder und bedarf der Erlösung.
Durch den Sündenfall ist der Mensch nicht mehr im
„ursprünglich Zustand“ der Schöpfung. Die Sünde veränderte den Menschen. So sind gedanklich für den Theologen Trillhaas Schöpfung und Sünde untrennbar verbunden, da die Schöpfung erst die Voraussetzung zum
Sündenfall lege.8 Ohne den von Gott geschaffenen Menschen könne dieser nicht sündigen.
Ist Gott also indirekt Schuld am Sündenfall, weil er den
Menschen schuf? Hier gibt es viele Fragen: War der Mensch
in der Lage, nicht zu sündigen? Die Möglichkeit der Sünde
setzt das Vorhandensein eines Gesetzes voraus. Gab es
das? Wir Adventisten sagen: ja. Viele verneinen es. Doch
was hätten wir für einen Gott, der erst nach dem ersten
Mordfall9 ein Gesetz dagegen erfinden müsste?
Dass ich ein Sünder bin, daran trägt Gott keine Schuld.
Vielmehr trägt er meine Schuld, indem Jesus an meiner
Stelle starb.
3. Durch die Annahme des Opfers Jesu wird
mir Erlösung zuteil.
Da wir aber nicht nur selbst Sünder sind, sondern auch von
Sündern umgeben, müssen wir uns einer Gefahr bewusst
werden: Dass wir die eigene Sünde in Relation zu den Sünden anderer Sünder setzen. Dies kann zur Verharmlosung
oder zum Entschuldigen der eigenen, ganz persönlichen
Sünden führen. Doch ist jeder letztendlich persönlich verantwortlich und wird auch persönlich dafür gerichtet werden. Im Blick auf das Gesetz ist die Erkenntnis der Sünde
auch Erkenntnis Gottes, da er unser Richter sein wird. Daran
schließt die Hoffnung auf die zukünftige Rechtfertigung an.
Die Hoffnung ist rein zukünftig zu sehen, wenn es heißt:
„Wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung
aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man
hoffen, was man sieht?“ (Römer 8,24)
Hoffnung ist stets mit Wünschen und Sehnen verbunden,
der Sehnsucht nach etwas Wunderbarem. Keiner erhofft
sein Unglück. Hoffen im Sinne des Advents bedeutet: die
Erwartung des Erlösers und damit verbunden die eigene
Erlösung.
Interessant ist, was Theologen über das zukünftige
Gericht sagen. Der schon zitierte Theologe Wolfgang Trillhaas sieht einen Widerspruch zwischen verschiedenen
biblischen Aussagen.10 In Johannes 3,18, „Wer an ihn
glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist
schon gerichtet [...].“, finden wir den Gedanken, dass die
Gläubigen gar nicht gerichtet werden. Andererseits lesen
wir in sowohl 1. Korinther 4,5 als auch in 2. Korinther 5,10,
dass die Menschen nach ihren Werken bzw. Taten gerichtet werden. Diese beiden unterschiedlich wirkenden Aussagen bekommt der Theologe nicht in Übereinstimmung.
Offensichtlich fehlt hier ein Bindeglied. Dieses finden wir
in der adventistischen Lehre: das Untersuchungsgericht.
8 vgl. Trillhaas, Dogmatik, 190.
9 vgl. 1. Mose 4,8
10 vgl. Trillhaas, Dogmatik, 500.
D er
S abbatwächter
Adventliche Verkündigung
„Wir leben zur Zeit des großen Versöhnungstages, wo
unsere Sünden durch Bekenntnis und Reue im Voraus ins
Gericht gelangen. [...] 1844 betrat unser großer Hoherpriester das Allerheiligste des himmlischen Heiligtums, um mit
dem Untersuchungsgericht zu beginnen. Dort wurden die
Fälle der verstorbenen gerechten Toten vor Gott geprüft.
Wenn dieser Dienst abgeschlossen ist, findet das Gericht
an den Lebenden statt.“11
Wenn Jesus sagt: „Siehe, ich komme bald und mein Lohn
mit mir …“ (Offb. 22,12), dann muss zuvor eine „Abrechnung“ stattgefunden haben. Diese „Abrechnung“, diese
Prüfung, ob und welcher Lohn
Was bedeutet es zu geben sei, ist als besonderes
für eine Person, im Wirken Jesu fast vollständig in
Gericht zu stehen, Vergessenheit geraten. Warum
während sie sich nur? „Satan hat jedoch versucht, dieser Botschaft so nach
weder vorbereitet und nach ihre Kraft zu nehmen,
hat noch selbst damit die Gemeinde nicht für
weiß, dass gerade den großen Tag des Herrn
über sie Gericht bereit ist.“12
„… wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. Und er
ist die Versöhnung für unsere Sünden …“ (1. Joh. 2,1.2.)
Adventszeit = Vorbereitungszeit
bereitet hat noch selbst weiß,
dass gerade über sie Gericht
gehalten wird? Es fehlt der Verteidiger! Dieser wurde nicht
dazu geladen. Der Angeklagte weiß weder, dass er jetzt
einen Verteidiger braucht, noch dass ihm einer zur Verfügung stünde. In so eine tragische Situation will Satan die
Menschen führen. Er setzt alles daran, dass wir im Gericht
nicht bestehen. So ist es seine wahrhaft teuflische Idee,
das Wissen und Verständnis um das Gericht und den Verteidiger wegzunehmen.
Die Adventspredigten der evangelischen Kirche legen
den besonderen Fokus auf die Vorbereitung und innere
Sammlung der Gläubigen. Dies wird auch in den Liedern
und entsprechenden liturgischen Farben ausgedrückt.
Dabei wird schnell deutlich: Es geht stets um die Erwartung des ersten Kommens Jesu. Diesem bereits stattgefundenen Ereignis gilt alle Aufmerksamkeit und Freude.
Zu Recht dürfen wir uns freuen und Gott loben. Doch
bleibt die Mehrzahl der Christenheit „Alle Jahre wieder …“,
wie es in einem Weihnachtslied heißt, bei dieser Geburt
stehen.
Wenn wir einmal davon absehen, dass Jesus nicht zu
Weihnachten geboren wurde, das Datum ist uns in der
Bibel nicht genannt, so bleibt doch die Verwunderung über
die geringe Beachtung des zweiten Kommens. Schon der
Name „Advent“ impliziert ein zukünftiges Ereignis, denn
auf eine bereits geschehene Ankunft muss man weder
warten noch sich darauf vorbereiten.
Ganz anders liest sich die Theorie des Adventsverständnisses: „Zum einen wartet man auf den Gedächtnistag
(Weihnachten), bei dem man sich an das erste Kommen
Jesu in seiner Geburt erinnert. Zum anderen wartet man
darauf, dass Jesus das zweite Mal erscheint, am Ende
der Tage, zum Jüngsten Gericht. Nach diesem Verständnis sollen Buße, Fasten, Gebete und gute Werke in dieser
Zeit im Mittelpunkt stehen.“13 Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass im Mittelalter das adventliche Fasten
sehr ernst genommen wurde. Weltliches Vergnügen, Tanz,
11 E.G. White, Ausgewählte Botschaften Band 1, S. 126
12 ebd.
13 https://www.ekd.de/advent_dezember/brauchbar/advent.html
gehalten wird?
Was bedeutet es für eine
Es fehlt der Ver- Person, im Gericht zu stehen,
teidiger!
während sie sich weder vor-
Nr. 4 - 2015
15
Adventliche Verkündigung
Fleischgenuss und sogar Hochzeiten waren verboten.
Heute sehen die äußeren Zeichen der Adventszeit so aus,
dass „die Menschen Straßen und Wohnungen schmücken
und sich auf die Ankunft des Heilands vorbereiten.“14
Wie aber sollte die Vorbereitung auf die Ankunft Jesu
wirklich aussehen?
„Die Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi besteht in
der Heiligung durch Christus zum Gebrauch unsrer besten
Eigenschaften. Jeder junge Mensch hat das Vorrecht, sich
zu einem edlen Charakter zu entwickeln. Dazu aber muss
er sich eng an seinen Heiland anschließen. Er ist ja unsre
Kraft, Stärke und Macht.“15
Wer möchte ich sein?
Wir Christen warten auf dasselbe, worauf auch schon
Johannes, der Täufer, gewartet hat. Der Wegbereiter Jesu
erwartete das erste Kommen des Messias. In seine
Lebenszeit fiel die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem.
Auch wir denken sehr gern, dankbar und froh an dieses
wunderbare Ereignis zurück. Doch ist das alles?
„Dafür halte man uns: für Diener Christi und Verwalter
der Geheimnisse Gottes.“ Eine ganz persönliche Frage
wird hier aufgeworfen. Für wen möchte ich gehalten werden? Wer möchte ich selber sein? Unsicherheit schwingt
in den Worten mit. Unsicherheit, ob mein Nächster mich
recht versteht und meine Taten einzuordnen weiß.
„Diener Christi“ sind wir. Was würde der Apostel Paulus
uns zurufen, wenn er heute zwischen uns treten würde?
Können wir uns diese Begegnung vorstellen? Paulus wirkt
verstaubt von der langen Reise. Er hat einen dicken Mantel um die Schultern geworfen. Er rennt uns entgegen und
dann schaut er uns mit klarem Blick an. Er ruft uns mit
fester Stimme zu: „Ihr gehört zu Christus. Ihr seid Christen!“. Diese Worte sind wie ein Zuspruch. Sein Zuspruch
für uns alle und jeden ganz persönlich. Keinen, den man
mit Papier umwickeln kann. Keinen, um den man eine
Schleife schlingt. Er füllt den Raum aus und hallt in
unseren Herzen nach. „Ihr seid Christen“ wiederholt Paulus, damit diese wichtige Botschaft auch ja niemand überhört. „Ihr seid Christi Eigentum“. Und Dafür halte man uns:
„Christi Eigentum“.
Einst besang genau dieses Arno Backhaus mit den fröhlichen Worten „Ich bin nur einer von Millionen im Telefonbuch, ABER ICH BIN EIN DIENER DES SCHÖPFERS
DIESER WELT.“
Sehen wir uns so? Als ein „Eigentum Christi“? Nehmen
andere uns so wahr?
„Treuhänder der Geheimnisse Gottes“ sind wir. Die Bibel
als das Wort Gottes, welches die „frohe Botschaft“ in sich
trägt, ist hier gemeint. Wir sind die Treuhänder, die Verwalter. Dazu müssen wir, das, was wir treuhänderisch verwalten sollen, kennen.
14 ebd.
15 E.G. White, Ruf an die Jugend, S. 28
16
Den Wert des Wortes Gottes zu erkennen, ist heute
schwerer denn je. Moderne Menschen gehen nach Zeitund Materialwert der Bibel. Sie sehen einen geringen
Verkaufspreis oder die kostenlose Bibel eines Missionswerkes. Viele Haushalte sind heute in einen frühmittelalterlichen Zustand verfallen: Sie besitzen keine Bibel mehr.
Während in vorreformatorischer Zeit eine Bibel ungefähr
ein Jahresgehalt kostete, ist heute das mangelnde Bedürfnis schuld am Fehlen der Bibel. Was ist schlimmer: Das
Wort Gottes besitzen zu wollen, es sich aber nicht leisten
zu können oder es sich zu leisten, das Wort Gottes nicht
zu brauchen?
In meiner Familie werden Bibeln gesammelt. Ein Bibelmuseum zu öffnen, wäre der Traum meiner Eltern. Ich
besitze selbst einige alte Exemplare. Wovon hängt deren
Kaufpreis ab? Vom Erhaltungszustand. Wenn die Bibel
noch wie neu aussieht, ist sie am teuersten. Die Menschen, die so eine gut erhaltene Bibel besaßen, besaßen
das Wort Gottes nicht wirklich. Wohl hatten sie das entsprechende Buch im Schrank. Doch wer den Inhalt nicht
aufnimmt, hat den Schatz der Bibel nicht gehoben. Darum
ist eine völlig abgegriffene Bibel die wertvollste!
Zur Bewahrung der Bibel gehört ebenso, deren Inhalt zu
schützen. Nichts hinzuzufügen und nichts wegzunehmen
lautet die Warnung auf der letzten Bibelseite.16
Wie können wir uns vor falschen Lehren bewahren? Bei
unklaren Lehraussagen oder allem, was fraglich erscheint,
empfehle ich, möglichst nah an den Grundtext heranzugehen. Mehrere Übersetzungen nebeneinander zu studieren, gibt ebenfalls einen guten Überblick. Wenn Menschen
vor Gott im Gericht stehen, wird es nicht helfen, wenn sie
sagen: „Mein Pastor hat aber gesagt …“ Jeder ist selbst
verantwortlich und noch nie war es so leicht, die Bibel
lesen zu können. Es ist ein Geschenk und eine besondere
Gnade, dass wir Zugang zur Bibel haben. Weltweit sieht
es anders aus. Mehr als 100 Millionen Christen werden
verfolgt. Auf den Besitz einer Bibel steht die Todesstrafe.
Die Hauptursache der Verfolgung ist der Islamismus. Am
stärksten verfolgt werden Christen in Nordkorea, gefolgt
von Somalia, Syrien, Irak, Afghanistan, Saudi-Arabien,
den Malediven, Pakistan, Iran und Jemen. Insgesamt stehen 50 Länder auf dieser Liste.17
In unseren Ländern mit Glaubensfreiheit jagen viele
Menschen irdischen Schätzen hinterher. Sie planen,
rackern sich ab, investieren und betreuen ihre Schätze.
Alles für vergängliche Wünsche, während der Weg zur
Ewigkeit in ihrem Bücherregal verstaubt. Ein Treuhänder
hingegen hat den Wert der Bibel erkannt.
Der Treuhänder wartet auf das Wiederkommen seines
Herrn, dessen Besitz er treuhänderisch verwaltet. Ein
schweres Los? Paulus wirft ein: „Wir haben den Geist!“.
Und wir haben das Wort Gottes. Wir werden geprüft und
wir sollen für „treu befunden werden“. Wir sind verantwortlich für unser persönliches Handeln, für den Umgang
mit Gottes Wort, für die Situation in der Gemeinde und
16 vgl. Offb. 22,18.19. 17 vgl. http://www.welt.de/politik/ausland/article123650893/Wo-derBesitz-der-Bibel-mit-dem-Tod-bestraft-wird.html
D er
S abbatwächter
Adventliche Verkündigung
die Verkündigung der frohen Botschaft. All dies wird einmal von Gott geprüft werden – und vielleicht wird gerade
jetzt unser Fall im Untersuchungsgericht aufgerufen.
„Jetzt ist die Zeit, in der wir Charaktere für das zukünftige,
das unvergängliche Leben bilden sollen. Jetzt müssen wir
uns vorbereiten auf das Untersuchungsgericht.“18
Die Einladung zum Leben in, mit und durch Glauben ist
uns zugegangen. Die Bibel hat sie uns zugestellt. Wir können nicht sagen: Das haben wir nicht gewusst.
Die Einladung, zu Christus zu gehören.
Die Einladung, ein Diener Christi zu werden.
Die Einladung, ein Treuhänder der Geheimnisse Gottes
zu werden.
Jeder, der aufmerksam ist und sich interessiert, kann hier
vom christlichen Glauben erfahren. Auch wenn seine Eltern
ihn nicht christlich erzogen. Auch wenn er noch nie eine
Bibel in der Hand hatte. Auch wenn er noch zweifelt und
viele Fragen hat. Wir nennen uns das christliche Abendland und es sind durchaus noch Spuren davon zu finden.
Ob Kathedralen oder Dorfkirchen, Kreuze am Wegrand,
ein Bibelvers an einer Hauswand oder die Kinderbibel im
Supermarkt, ein „christlich“ im Parteinamen oder christliche Feiertage – alles böte einen Anlass zum Forschen
und Suchen nach der Wahrheit. Was hat es mit der Bibel
und mit Gott auf sich? Das Internet ist eine neue, viel
genutzte Plattform zur Verkündigung. Auch unsere
Gemeinschaft bietet allen Suchenden viele Informationen
auf ihrer Internetseite.
Jetzt ist die Zeit des Advents, der Wartezeit „bis der Herr
kommt!“. Es ist nicht die Wartezeit auf die Geburt Jesu wie
in den Zeiten Johannes des Täufers. Vor gut 2000 Jahren
ist uns der Erlöser geboren. Die gegenwärtige Adventszeit
ist unsere Vorbereitungszeit auf seine Wiederkunft.
Wir können Treuhänder Gottes sein. Wir können seine
„frohe Botschaft“ annehmen und weitertragen. Nicht nur
im Dezember. Doch besonders jetzt sind viele Menschen
offen für Gottes Wort. Das sollten wir nutzen.
Wer nicht gleich Bücher verschenken mag oder nicht
immer die passenden Flyer zum Weitergeben in der
Tasche hat, kann zumindest eine kleine Visitenkarte mit
unserer Internetadresse bei sich haben. Auch dies ist eine
effektive Möglichkeit, auf Gott hinzuweisen. Wir sind
keine Treuhänder, die etwas vergraben oder einschließen. Durch Teilen und Weitergeben sammelt der Schatz
der Bibel das wertvollste für Gott ein: Seine Kinder, die im
Glauben mit ihm leben wollen, bis in Ewigkeit.
Halte Ausschau nach Gelegenheiten zum Gespräch, zur
Weitergabe von Schriften und zum persönlichen Kontakt!
Nutze die Angebote unseres Edelstein Verlages, um Material zur Verkündigung zu bestellen! Sei ein Diener Christi,
indem du aktiv wirst! Das größte und glaubhafteste „Verkündigungsmaterial“ bist du selbst. Lebe als ein glaubwürdiger Christ und lade durch dein Leben andere zum
Christsein ein.
Die Internetseiten wurden am 22.9.2015 aufgerufen.
18 E.G. White, Christi Gleichnisse, S. 339
Nr. 4 - 2015
17
Bibelstudium
Befreit
durch die Wahrheit
Ines Müller
Wer diese Aussage liest, wird sie auf eine bestimmte Weise betonen, jeder unter schiedlich,
je nachdem, worauf er den persönlichen Schwerpunkt legt.
1. Befreit durch die Wahrheit
2. Befreit durch die Wahrheit
Die Möglichkeit oder Notwendigkeit einer Befreiung setzt
den Zustand der Unfreiheit voraus. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um Menschen handelt, die durch
irgendetwas oder irgendwen gefangen genommen wurden
und sich beständig in dieser Gefangenschaft befinden.
Die Situation einer Gefangenschaft kann umfassender
sein, als die Vorstellung einer Gefängniszelle. Es gibt ein
gefangen, gebunden und abhängig Sein im Sinne des Verlustes der persönlichen Freiheit, weil eine Person, ein Verhaltensmuster oder eine Sache die Herrschaft über Willen, Entscheidungen und Verhalten übernommen hat. In
so eine Situation kann jemand bewusst oder unbewusst,
durch eigene Schuld oder auch die anderer Menschen,
sogar die seiner Vorfahren, hineingeraten sein.
Das Mittel der Befreiung ist ein ultimatives und vollständiges.
Es heißt nicht: „mit“, denn dann könnten noch weitere
Befreiungszutaten nötig sein. Es heißt nicht: „mit Hilfe“,
denn auch dann würde bestenfalls eine Unterstützung zur
Erlangung der Freiheit angeboten. Es heißt nicht: „ohne“,
denn das Fehlen dieses Befreiungsmittels bedeutet den
Bestand der Gefangenschaft. Es heißt auch nicht: „trotz“,
denn was hier angeboten wird, ist kein Hindernis auf dem
Weg zur Freiheit, sondern der einzige Weg, diese zu
erlangen.
Gefangen zu sein, wird als dramatischer Zustand erlebt,
dessen Ende herbeigesehnt wird – so ist die allgemeine
Meinung. Doch viele Menschen sind gefangen und merken
es nicht. Sie betrachten sich als frei und werden doch festgehalten und regiert von Menschen oder Dingen, von
denen sie nicht loskommen oder nicht loskommen möchten.
Wer nach langer Gefangenschaft befreit wird, erlebt die
Freiheit als unendlich großes, wertvolles Geschenk, das
er nie wieder verlieren möchte.
18
3. Befreit durch die Wahrheit
„Die“ ist ein bestimmter Artikel. Er wurde bewusst gewählt.
Die Aussage wäre eine völlig andere, stünde „eine“ als
unbestimmter Artikel da. Die Unterscheidung der Artikel
im Sprachgebrauch definiert auch hier das folgende Substantiv. Es geht nicht um irgendeine unbestimmte Sache,
eine unter vielen Möglichkeiten. „Die“ drückt aus, dass
hier von etwas absolut Konkretem gesprochen wird, von
etwas Einmaligen. Gleichzeitig vermittelt das „Die“ auch
eine große Sicherheit, denn es gibt nicht viele, vielleicht
noch unbekannte und schwer zu findende Befreiungsmittel. Nein, es ist schon gefunden und es ist bekannt.
D er
S abbatwächter
Befreit durch die Wahrheit
Inselfestung Wilhelmstein, Museum
4. Befreit durch die
Wahrheit
Ein viele Jahre Gefangener leidet still vor sich hin. Er
wurde als Verbrecher verurteil – zu Recht. Längst hat er
aufgehört, von der Freiheit zu träumen. Er hat keine Hoffnung mehr. „Wie es mir geht, weiß niemand. Keiner interessiert sich für mich. Ich wurde hier vergessen.“ So verstreichen seine düsteren Tage, immer im gleichbleibenden
Elend mit karger Gefängniskost und ohne Sonnenschein.
Plötzlich kommt ein Mann in seine Zelle, spricht zu ihm
und eine schwache Hoffnung keimt auf. „Befreit“ – wie
sehnsüchtig lauscht er diesem Wort, das sein einziges Ziel
darstellt, an das er vor langer Zeit aufgehört hat zu glauben. Die Formulierung „durch die“ erzeugt eine Anspannung in dem Leidenden, die ihn förmlich beben lässt. Der
Verbrecher packt seinen Besucher bei den Schultern und
schüttelt ihn, als wollte er, dass endlich die Lösung seines
Problems, das Geheimnis seiner Befreiung, aus ihm herauspurzeln soll. „Durch die – durch was?“ schreit er den
Überbringer der Botschaft an. „Nun sag schon! Wodurch
kann ich befreit werden?“.
Der Besucher kennt seinen Status. Er hat sich den
besten Beruf der Welt ausgesucht, indem er seiner Berufung zum Freudenboten gefolgt ist. Mit strahlenden Augen
und einem Lächeln, das sich des positiven Echos seiner
Botschaft schon gewiss ist, verkündet er dem am ganzen
Körper Zitternden: „Befreit durch die Wahrheit.“
„Es gibt wirklich Hilfe für mich?“ „Aber sicher.“ hört er den
Besucher in einem Tonfall sagen, in dem man zu einem
verängstigten Kind spricht. Fast unbeweglich steht der
Mann da, während er selbst mit den Armen rudert. Dann
neigt der Schuldige den Kopf zur Seite und kraust die
Stirn. „Wahrheit? Und das soll ausreichen? Ich brauche
eine Ausbrecherbande, die am besten mit einem Bulldozer
durch die Wand meiner Zelle donnert.“
Nr. 4 - 2015
Der Angesprochene nickt, als kennte er dieses Argument
schon. „Wärst du dann wirklich frei? Wärst du dein restliches Leben nicht auf der Flucht, müsstest dich überall
verstecken und hättest ständig Angst, wieder gefasst zu
werden?“ Der Verbrecher senkt die Augen, als stellte er
sich gerade so ein ruheloses Leben als entflohener Strafgefangener vor. Er kann nichts mehr sagen. Was war das
für eine unerträgliche Situation, ja eine Folter, ihm Hoffnung auf Freiheit zu machen und dann?
„Du brauchst eine Begnadigung!“ schallt es in der kleinen
Gefängniszelle. Und der Sprecher sagt es gerade so, als
hätte er die entsprechenden Papiere schon in der Tasche.
Energisch schüttelt der Verbrecher den Kopf. „Unmöglich.
Ich habe einfach zu viel Schuld auf mich geladen.“ Seine
Worte werden immer leiser und sein Schluchzen ist unüberhörbar. „Mir vergibt doch keiner – schon gar nicht, einfach
so. Und anzubieten als Gegenleistung habe ich nichts.“
Der Besucher kramt in seiner Aktentasche, die dem Häftling vorher gar nicht aufgefallen war. Ein großes, wichtig
aussehendes Papier kommt zum Vorschein. Er hält es
dem Weinenden genau vor die Nase. „Da steht ja mein
Name drauf!“ schnieft er. „Ja, und sieh nur den Titel des
Dokuments: Begnadigung!“ Der Gefangene ist nicht in
der Lage, das Papier festzuhalten, so sehr zittern seine
Hände. Er möchte so viel sagen und bringt kein Wort hervor. „Nimmst du die Wahrheit der Begnadigung an?“
Welch eine Frage! Noch zur selben Stunde verlässt der
zuvor Hoffnungslose und mit großer Schuld Beladene als
freier Mann das Gefängnis und beginnt ein völlig neues
Leben.
Begnadigung
Jeder Mensch, der ohne Gott lebt, sitzt im Gefängnis der
Sünde, im Gefängnis der Trennung von seinem Schöpfer,
im Gefängnis der Abhängigkeiten und Süchte, im Gefängnis der Hoffnungslosigkeit, weil am Ende dieses Erdenlebens – ob als Vergnügen oder im Elend verbracht – der
Tod wartet. „Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht
einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner,
der nach Gott fragt. … Der Sünde Sold ist der Tod.“
(Römer 3,10; 6,23)
Die Befreiung aus dem Gefängnis der Sünde ist die
Wahrheit der Begnadigung durch Jesus Christus. „Wenn
eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß
werden …“ (Jesaja 1,18)
Die Schuld des Sünders trug Jesus ans Kreuz und starb
den Opfertod an Stelle des Sünders. Der Prophet Jesaja
sagt über den Erlöser:
„Führwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich
unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der
geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.
Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und
um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt
auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine
Wunden sind wir geheilt.“ (Jesaja 53,4.5.)
„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichem Segen im Himmel durch Christus. … In ihm haben wir die
Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden,
nach dem Reichtum seiner Gnade.“ (Epheser 1,3.7.)
19
Jesus Christus ist der Besucher, der in die Gefängniszelle tritt und zu jedem persönlich sagt: „Ich bin der Weg
und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum
Vater denn durch mich.“ (Johannes 14,6)
Gnade, völlig unverdient und ohne Gegenleistung angeboten, ist ein unermessliches Geschenk.
Jesus streckt seine Hände aus, in denen er dieses
Geschenk der Begnadigung, der Befreiung und Erlösung
hält und bietet ein völlig neues, befreites Leben an, das in
ein ewiges Leben mündet.
„Darum umgürtet eure Lenden eures Gemüts, seid
nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die
Gnade, die euch angeboten wird in der Offenbarung
Jesu Christi.“ (1. Petrus 1,13) Jesus sagt:
„Wenn ihr bleiben werdet in meinem Wort, so seid
ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit
erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
… Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. … Wenn
euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.
… Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen in
Ewigkeit.“ (Johannes 8,31.32.34.36.51.)
Jeder Befreite befindet sich in 3 Positionen:
1. Die Position des begnadigten Sünders
„Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine
Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche
mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von
meiner Sünde; denn ich erkenne meine Missetat, und
meine Sünde ist immer vor mir.“ (Psalm 51,3-5)
„Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind,
dem die Sünde bedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem
der Herr die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist
kein Trug ist.“ (Psalm 32,1.2.)
2. Die Position des von der Sünde Befreiten
„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von
deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist
nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und
mit einem willigen Geist rüste mich aus.“ (Ps. 51,12-14)
20
Die Sehnsucht Gefangener
nach einem Weg in die Freiheit
Zeichnung von Häftlingen
der ehem. Justizvollzugsanstalt Naumburg
3. Die Position des Freudenboten
„Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi
seid … Lasst euch versöhnen mit Gott!“
(2. Korinther 3,3; 5,20)
„Der Herr wünscht, dass sein Volk im Glauben gegründet
ist und sein großes Werk der Erlösung begreift. … Christus
hat der Sünde ein Ende gesetzt, indem er den schweren
Fluch am eigenen Leib mit ans Kreuz nahm. Alle, die an
ihn als ihren persönlichen Erlöser glauben, hat er von dem
Fluch der Sünde befreit. Er hat die Macht der Sünde im
Herzen gebrochen. Das Leben und Wesen der Gläubigen
bezeugt die Echtheit der Gnade Christi. Jesus gibt denen,
die ihn darum bitten, den Heiligen Geist; denn jeder Gläubige muss unbedingt von aller Verunreinigung sowie von
dem Fluch und der Verdammung des Gesetzes befreit
werden. Nur durch das Wirken des Heiligen Geistes und
durch die Heiligung in der Wahrheit wird er tauglich für den
Himmel; denn Christus wirkt in uns. Seine Gerechtigkeit
ruht auf uns. Ohne sie wird niemand in den Himmel eingehen. …
Wer ein Bewerber für den Himmel sein möchte, muss
der Forderung des Gesetzes nachkommen: „Du sollst
Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte und
deinen Nächsten wie dich selbst.“ Lukas 10,27. Das ist nur
möglich, wenn wir im Glauben die Gerechtigkeit Christi ergreifen. Indem wir auf Jesus sehen, wird uns ein Keim des
Lebens ins Herz gelegt. Der Heilige Geist treibt das Werk
voran, und der Gläubige macht Fortschritte in der Gnade,
in der Kraft und im Charakter. Er wird dem Bilde Jesu ähnlich, bis er im geistlichen Wachstum zur Vollkommenheit
in Christus heranreift. Auf diese Weise nimmt Jesus den
Fluch der Sünde von dem Gläubigen und befreit ihn von
ihrer Macht und Wirksamkeit.“
(E.G. White, Ausgewählte Botschaften Band 1, S. 392.393.)
D er
S abbatwächter
Bibelstudium
Warum leiden wir?
Teil 2
Kurt Barath
Im ersten Teil wurde festgestellt:
1. Gott gebraucht die Erfahrungen seiner Kinder,
um den Feind zum Schweigen zu bringen.
2. Durch Leid können wir Gott verherrlichen.
3. Leid macht uns christusähnlicher.
4. Leid macht uns dankbar.
5. Leid lehrt uns, in der Abhängigkeit von Gott
zu leben.
6. Leid lehrt uns Geduld.
Wir haben bereits erwähnt, dass Gott an uns handeln
muss, damit wir lernen, geduldig zu sein.
„Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden. Denn
die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch
den heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Römer 5,5) Diesem Vers geht ein anderer voraus.
„Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der
Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld
bringt; Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.“ (Römer 5,3) Paulus konnte diese Worte sagen,
weil er als Christ viele Erfahrungen gemacht hatte. Es ist
nicht immer leicht, so etwas zu sagen, aber Paulus konnte
es! Geduld lernt man nur durch Ertragen. Wenn unsere
Geduld nicht wie unser Glaube auf die Probe gestellt wird,
lernen wir es nie, geduldig zu sein!
7. Leid macht uns mitfühlend.
„Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesus Christus,
der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der
uns tröstet in aller unsrer Trübsal, damit wir auch trösten
können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem
wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden
Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch
reichlich getröstet durch Christus. Haben wir aber Trübsal,
so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost,
so geschieht es zu eurem Trost, der sich wirksam erweist,
wenn ihr mit Geduld dieselben leiden tragt, die auch wir
leiden.“ (2.Kointher 1,3-6)
Jeder, der erfahren hat, wie die Hand Gottes sein Leben
formt und zurecht bringt, weiß, dass man mit anderen nur
Nr. 4 - 2015
mitfühlen kann, wenn man selbst einmal Mitgefühl nötig
hatte. Die Welt ahnt wenig vom echtem christlichem Mitgefühl, vom wirklichen Mitleiden mit den anderen; es ist eine
Tatsache, dass wir, wie Hiob sagt, „schlechte Tröster“ sind,
wenn wir nicht selbst gelitten haben. Die Menschen, die
unserem Herzen den größten Trost und den größten Frieden bringen, sind die, die aus eigener Erfahrung sprechen.
Dies gilt nicht nur für körperliches Leid, sondern ebenso
für unser geistliches Leben.
Wer Jesus Christus dienen
Die Menschen, die
will, wird bei der Begegunserem Herzen den
nung mit anderen Christen
bald sagen können, wer von größten Trost und
ihnen eine tiefe Erfahrung den größten Frieden
mit dem Erlöser gemacht bringen, sind die, die
hat. Mit solchen Christen aus eigener Erfahkönnen wir Gemeinschaft
rung sprechen.
haben. Wir sprechen dieselbe Sprache. Die Minuten
und Stunden fliegen dahin
und wir fühlen uns erleichtert und getröstet, wenn wir
unsere Erfahrungen mit dem Herrn Jesus Christus gegenseitig austauschen. Wenn wir dagegen mit denen Gemeinschaft suchen, die die tiefe Innigkeit einer persönlichen
Beziehung mit Christus durch den Glauben nicht erfahren
haben, schleppen sich die Stunden zäh dahin und wir werden dieser Art der falschen Gemeinschaft müde. Dasselbe
gilt für körperliches Leid.
Diejenigen, welche Gott gebraucht, um uns Trost zu
spenden, können klug und mitfühlend in einer Weise mit
uns reden, die uns Trost, Frieden und Erleichterung bringt.
Und eben diese Menschen sind selbst durch schwere Prüfungen gegangen und wissen, wovon sie reden.
Nun wollen wir an den denken, der am besten und vollkommensten von allen mitleiden kann — an den Herrn
Jesus Christus. Es gibt einen, der in unserem Leid mitfühlen kann, denn es gibt keine einzige Erfahrung, die er nicht
kennen würde. Jedes Tal, das wir durchwandern müssen,
hat er bereits durchwandert.
Er wusste, was es heißt, arm zu sein. Er wusste, was es
heißt, von Freunden verraten und verlassen zu werden.
Er wusste, was es heißt, durstig und erschöpft zu sein. Er
wusste, was es heißt, schlaflose Nächte im Gebet für die
Menschen zu verbringen, von denen man abgelehnt wird.
Er wusste, was es heißt, versucht zu werden und doch
als Sieger hervorzugehen. Er wusste, was es heißt,
21
Warum leiden wir?
Schmerzen zu leiden, als man ihn ans Kreuz von Golgatha hing und ihm Nägel durch seine gesegneten Hände
und Füße trieb, bis er schließlich ausrief: „Mein Gott, mein
Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46)
Er wusste, was es heißt, durch das Tal des Todes zu
gehen, den Tod für jeden einzelnen Menschen zu erleiden. Er wusste was es heißt, unter der Verdammnis des
Gesetzes mit all seiner Bedrohlichkeit zu stehen, denn er
trug die Sünden der anderen. Deshalb kann er heute denen
helfen, die versucht werden. Es gibt nicht, was er nicht
auch durchgemacht hätte.
„Denn es ziemte sich für den, um dessentwillen alle Dinge
sind und durch den alle Dinge sind, dass er den, der viele
Söhne zur Herrlichkeit geführt hat, den Anfänger ihres
Heils, durch Leiden vollendete. … Denn worin er gelitten
hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die
versucht werden“ (Hebräer 2,10.18.)
Oh leidender und müder Mensch, blicke jetzt auf den
Herrn Jesus Christus und lasse dich von ihm trösten!
Bei unserer Suche nach dem Zweck des Leidens müssen wir uns ein wichtiges Grundprinzip ins Gedächtnis
rufen. Es lautet ganz einfach: „Wen der Herr liebt, den
züchtigt er.“ (vgl. Offenbarung 3,19)
Wenn wir Christus gehören, dürfen wir damit rechnen,
dass er an unserem Wohlergehen interessiert ist, er will
uns ihm ähnlich machen. Er will aus jedem Gläubigen das
Größtmögliche an Fruchtbarkeit und Dienst herausbringen. Er arbeitet deshalb hart an uns, um uns zu dem zu
machen, was wir sein sollen.
„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge
zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss
berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch
vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“ (Römer 8,28.29.)
Ich habe sowohl Vers 28 als auch Vers 29 zitiert, weil ich
sie für untrennbar halte. Den meisten Gläubigen ist der
Vers 28 vertraut. Aber nur wenige wären in der Lage, den
nächsten Vers zu zitieren. Aber der Vers 28 ist ohne den
folgenden Vers unvollständig, denn der nachfolgende Vers
gibt den Grund dafür an, warum Gott Zeit und Arbeit für
uns aufwendet. Diejenigen, die er ersehen hat, bestimmte
er dazu, wie sein Sohn Jesus Christus zu werden. Wenn
wir uns bewusst werden, wie unähnlich die meisten von
uns Christus sind, beginnen wir zu erkennen, dass viel
Arbeit notwendig ist, um dieses Ziel zu erreichen.
In einer anderen Bibelstelle wird gesagt, dass Gott denen,
die „aufrecht vor ihm wandeln“ nichts Gutes versagen
wird. Wenn es nach dem weisen Ratschluss Gottes das
Beste für uns ist, Not und Leid zu ertragen, so dürfen wir
erkennen, dass ein liebender Gott das Leid deshalb nicht
von uns fernhält, weil er uns zu dem machen will, was wir
sein sollen. Denke daran, der normale Weg des Gläubigen
ist der Weg des Leids. Jesus sagte:
„In der Welt habt ihr Angst.“ (Johannes 16, 33) und Paulus belehrt uns, dass wir „durch viele Bedrängnisse in das
Reich Gottes eingehen.“ (Apostelgeschichte 14,22)
22
D er
S abbatwächter
Warum leiden wir?
Dadurch ergibt sich folgender Grundsatz:
Wenn wir nicht Leid, Anfechtungen und Verfolgung zu
ertragen haben, gehören wir entweder nicht dem Herrn
oder wir sind in Bezug auf Frucht und Dienst wertlos. Wir
sollten nie vergessen, was Gott sagt:
Wenn wir nicht
Leid,
Anfechtungen und Verfolgung zu ertragen
haben,
gehören
wir entweder nicht
dem Herrn oder
wir sind in Bezug
auf Frucht und
Dienst wertlos.
„Welche ich liebhabe, die
weise ich zurecht und züchtige
ich. …“ (Offenbarung 3,19)
Wir haben einige Gründe
angeführt, warum Gott Leid
und Trübsal bei uns zulässt:
Gott lässt es zu, um den Teufel zum Schweigen zu bringen,
um uns christusähnlicher zu
machen, um unseren Glauben
zu stärken, um unser Leben
zu reinigen, um uns Geduld
zu lehren, um uns mitfühlend zu machen, um uns von der
Welt abzusondern und insbesondere, damit er selber verherrlicht wird. Wir fügen noch einige weitere Gründe hinzu,
auch wenn wir wissen, dass man die Liste ins Unendliche
fortführen könnte. Die Segnungen, die durch die Züchtigung des Herrn kommt, sind zahllos und vielfältig. Aber
es gibt einen Grund, den wir auf keinen Fall vergessen
dürfen.
8. Leid macht und erhält uns demütig.
Gott will, dass seine Kinder demütig sind. Der Stolz war
es, der den Teufel sündigen ließ; der Stolz führte den Sündenfall von Adam und Eva herbei. Gott hasst den Stolz.
Er erhöht den Demütigen. Deshalb liegt ein wesentlicher
Grund für die Not und die Prüfungen, denen wir nach dem
Willen Gottes ausgesetzt sind, darin, dass wir die wichtigste und unerlässliche Lektion des christlichen Wachstums lernen: die Demut.
Ein hervorragendes Beispiel gibt uns der Apostel Paulus. Er musste mit einer Behinderung leben, die er „Pfahl
im Fleisch“ nannte. Viele haben sich über die Art dieser
Behinderung Gedanken gemacht. Einige meinen, Paulus
hätte als Folge der grell blendenden Vision am Tage seiner
Bekehrung unter einer Bindehautentzündung gelitten.
Andere meinen, er sei sprachbehindert gewesen oder
hätte Malaria gehabt. Wir wollen hier nicht untersuchen,
was nun stimmt. Wir sind vielmehr daran interessiert,
warum der Herr diesen treuen Diener sein Leben lang unter
diesem „Pfahl im Fleisch“ leiden ließ.
Paulus berichtet in 2. Korinther 12, dass er an einem
bestimmten Punkt seiner christlichen Erfahrung einen
Blick ins Paradies, in den dritten Himmel, hatte werfen
dürfen. Dort seien ihm direkt von Gott Dinge offenbart worden, die noch keinen anderen gezeigt worden seien. Dies
war ein wundervolles Erlebnis, aber Paulus behauptete
deswegen nicht, vollkommen zu sein, und er erkannte,
dass in ihm, das heißt in seinem Fleisch, nichts Gutes
Nr. 4 - 2015
steckte. Deshalb war ihm auch klar, dass ein solches
Erlebnis leicht zur Grundlage für Selbstverherrlichung und
fleischlicher Stolz werden könnte. Er sagt in 2. Korinther
12,7-10:
„Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen
nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch,
nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen
soll, damit ich mich nicht überhebe. Seinetwegen habe ich
dreimal zum Herrn gefleht, dass er von mir weiche. Und
er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen,
denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum
will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit,
damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten
Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in
Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen; denn wenn
ich schwach bin, so bin ich stark.“
Diesen Worten des Paulus kann eigentlich nichts mehr
hinzugefügt werden. Er erhielt die gültige Versicherung
des Herrn, dass sein „Pfahl im Fleisch“ dazu dienen solle,
ihn nicht stolz und aufgeblasen werden zu lassen, sondern
ihn demütig zu machen. Wenn er seine Demut verlieren
würde, würde Gott ihn nicht mehr gebrauchen können. Wir
können diese Wahrheit vielleicht auf unser eigenes Herz
und unser eigenes Leben anwenden. Der Grund, warum
der Herr uns nicht die so sehr erbetene Erleichterung
bringt, liegt wohl darin: Er weiß, dass es uns nur schaden
würde, wenn er unserer Bitte nachkäme. Als Gläubige dürfen wir nicht vergessen, dass Gott Gebete immer beantwortet, aber seine Antwort lautet nicht immer „ja“.
Manchmal antwortet er in seiner unendlichen Weisheit
mit „nein“, denn er weiß, was für uns das Beste, ist.
Ich wollte, alle Leidenden, die sich fragen, warum Gott
ihre Gebete um Heilung und Wiederherstellung nicht beantwortet, wüssten über diesen Punkt Bescheid. Gott beantwortet ihre Gebete. Aber er beantwortet sie vielleicht nicht
so, wie sie es gerne wollen. Vielleicht standen ihre Gebete
nicht im Einklang mit seinem Willen. Vielleicht haben sie
das Gebet des Erlösers nicht zu Ihrem Gebet gemacht.
„Vater, ist´s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber;
doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“
(Matthäus 26,39)
Unsere Gebete müssen im Einklang stehen mit dem Willen Gottes, weil Gott besser weiß, was uns gut ist. Wir sind
im Glauben nur Kinder, unser Verständnis und unser Wissen sind sehr begrenzt. Aber wir haben einen himmlischen
Vater, der weiß was für uns gut ist. Oft treten wir vor ihn
und beten und bitten und betteln um etwas, ohne dass wir
scheinbar nicht leben können. Aber er sagt bestimmt und
freundlich: „Nein, mein Kind, ich kann deiner Bitte nicht
nachkommen. Du kannst diese Sache, die dir jetzt als die
wichtigste der Welt erscheint, nicht haben.“ Auch wenn wir
dieses „Nein“ jetzt noch nicht verstehen können, kann ich
euch versichern, dass wir nach und nach, je näher wir der
vollen Reife als Kinder Gottes zuschreiten, verstehen werden, warum unsere Bitte nicht erfüllt wurde.
23
Warum leiden wir?
9. Leid lehrt uns beten.
Ich bin sicher, dass wir niemals wirklich beten lernen,
wenn wir nicht in eine Situation gestellt werden, in der
uns nur noch das Gebet bleibt. Solange wir uns noch
selbst helfen können, vernachlässigen wir oft das Amt
des Gebets. Aber wie wirkungsvoll können wir beten,
Unsere
Gebete
wenn wir nichts anderes
mehr tun können. Die größmüssen im Einten Beter, die ich je gekannt
klang stehen mit
habe, waren gleichzeitig die
dem Willen Gottes,
am meisten Leidenden. In
weil Gott besser
meinem Dienst erhalte ich
weiß, was uns gut
die größte Kraft von denen,
die nichts mehr tun können
ist.
als beten, die mir sagen: Wir
beten für dich.
10. Leid bringt Belohnung.
Das Leiden bringt viele Folgen mit sich, aber zum Schluss
möchte ich noch auf einen Punkt eingehen:
Für den Leidenden gibt es eine besondere Belohnung.
Wie ihr wisst, gibt es eine Belohnung für den christlichen
Dienst, für das Gewinnen von Seelen und für das Warten
auf die Wiederkunft Christi; aber der Herr hält für diejenigen, die geduldig für ihn leiden, eine ganz besondere
Belohnung bereit. Paulus sagt: „ ... dulden wir, so werden
wir mit herrschen …“ (2.Timotheus 2,12)
Für diejenigen, die hier auf Erden geduldig für den Herrn
gelitten haben, gibt es im Reich Gottes einen besonderen Dienst, eine besondere Macht, ein besonders Amt und
eine besondere Autoritätsstellung. Petrus schreibt: „Ihr
Lieben, lasst euch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas
Seltsames; sondern freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit
der Offenbarung seiner HerrDas
christliche
lichkeit Freude und Wonne
Leben ist, wenn wir
haben mögt.“
so sind, wie Gott
(1.Petrus 4, 12.13.)
Und in Hebräer 2,10 erfahuns haben will,
ren wir, dass Christus durch
Glaube plus Leid.
Leiden vollkommen gemacht
Dies ist Gottes
wurde.
Handlungsweise.
Jemand sagte einmal sehr
richtig: „Stahl ist gleich Eisen
plus Feuer. Erde ist gleich
zerschlagenem Gestein. Leinen ist gleich Flachs plus dem
Kamm, der die Fasern trennt, der Dreschflegel, der sie
zerstampft und dem Weberschiffchen, das webt.“
Das christliche Leben ist, wenn wir so sind, wie Gott uns
haben will, Glaube plus Leid. Dies ist Gottes Handlungsweise. Auf diese Weise macht uns Gott zu dem, was wir
sein sollen.
Gottes Wege gehen durch Feuer und durch Feuer macht
er uns vollkommen. Amen.
24
D er
S abbatwächter
Kinder und Jugend
Vom verlorenen Groschen
In diesem Sommer fanden zwei Kinderbibelwochen in Brahmenau/Thüringen statt.
Neben fröhlicher Gemeinschaft und interessanten Ausflügen, wurden auch wichtige Bibeltehmen
behandelt. Eine Kinderpredigt soll hier für alle aufgeschrieben werden, die nicht dabei sein konnten.
Ines Müller
Die Bibel schildert uns eine wunderbare Geschichte zum
Thema Freude im Lukasevangelium, Kapitel 15.
Jesus war von Menschen umgeben, wie so oft. Es ist
nicht die Situation eines Staatsbesuches, bei der ein angesehener Politiker auf andere angesehene Politiker trifft.
Jesus hat nicht diesen Status in der gesellschaftlichen
Hierarchie. Dennoch wirkt er, überall, wo er auftaucht, wie
ein Magnet: Menschen mit Problemen, Kranke, Schwache, Ausgegrenzte und Menschen, die ihre Schuld fühlen,
suchen die Nähe Jesu.
Jesus, der Sohn Gottes, läuft diesen Leidenden und Hilfe
Suchenden nicht davon. Er lässt es zu, dass sie bei ihm
sind. Mehr noch, er pflegt eine Beziehung mit ihnen, indem
er sogar mit ihnen isst.
Gemeinsames Essen, das ist ein Akt der Freundlichkeit,
der Gastfreundschaft und der gegenseitigen Verbundenheit. Tischgemeinschaft bringt Nähe.
So eine Nähe lässt Jesus mit Menschen zu, mit denen
die hoch angesehenen Pharisäer und Schriftgelehrten
nichts zu tun haben wollen, mit den Sündern.
Was geht´s die Pharisäer an, mit wem Jesus am Tisch
sitzt? Warum tuscheln sie und beklagen sich sogar?
Könnte es ihnen nicht einerlei sein?
Vielleicht nagt ihr Gewissen an ihnen und sie fühlen,
dass Jesus das macht, was sie längst schon hätten selbst
tun müssen: sich derer annehmen, die Gottes Liebe und
Botschaft brauchen.
Warum wandten sich die Pharisäer nicht den Sündern
zu? Hatten sie Angst, sich mit ihnen zu zeigen oder sich mit
deren Sünde zu beflecken. Ihre Gründe, zu den Sündern
Abstand zu halten, waren auf jeden Fall so groß, dass sie
es in Kauf nahmen, dass ein Sünder ein Sünder blieb und
verloren ging.
„Alles nicht so schlimm, oder? Was soll´s? Die paar Sünder! Der Himmel wird gefüllt mit uns frommen Pharisäern.
Wir machen alles richtig. Wir haben den Himmel verdient.
Gott freut sich jetzt schon über uns und er wird sich freuen,
wenn wir im Himmel sind.“ So ähnlich haben die Pharisäer
vielleicht gedacht.
Jesus dachte nicht wie sie. Ihm ist kein Mensch gleichgültig, auch ein Pharisäer nicht. Deshalb beschreibt
er ihnen die himmlische Freude über einen Sünder, der
zu Gott findet. Jesus macht sich richtig Mühe. Er erzählt
Gleichnisse vom Verlust: ein verlorenes Schaf, ein verlorener Groschen, ein verlorener Sohn.
Jesus erzählt gleich drei Gleichnisse, beispielhafte
Geschichten, zum selben Thema:
Ein Sünder, der umkehrt, ist eine riesengroße Freude.
Was müssen heute Eltern unternehmen, damit sich ihre
Kinder freuen? Was muss ein Lehrer sich einfallen lassen,
damit sich seine Schüler auf den Unterricht freuen? Was
muss ein Gemeindeleiter veranstalten, um seine Gemeinde
zu erfreuen? – Wir seufzen. Die Antwort lautet: Eine Menge.
Was muss auf dieser kleinen, ungerechten und schon
halb zerstörten Erde geschehen, damit sich Gott im Himmel und mit ihm alle Engel freuen?
Vielleicht eine wunderbare, große Kathedrale bauen?
Oder einige Tausend Euro spenden? Oder eine längere
Zeit fasten?
Womit kann der Himmel so richtig erfreut werden?
Freude lässt sich schwer abmessen. Doch Jesus versucht es. Er beschreibt in der Geschichte „Vom verlorenen
Groschen“ Freude in einer mathematischen Größe.
Die Kinder gestalteten die Gottesdienste mit.
Nr. 4 - 2015
25
Vom verlorenen Groschen
Vom verlorenen Groschen
„Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und
einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt
das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet?
Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen
und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn
ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte.
So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln
Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lukas 15,8-10)
Zehn Groschen – das klingt wenig. Aus Silber. Naja, so
viel wird das schon nicht sein. Und wenn einer verbummelt
wird? Ach, es sind doch noch neun übrig. Da fällt der Verlust
nicht weiter auf. Es ist nicht wert, darüber nachzudenken.
In Jesu Geschichte ist das anders. Ein Silbergroschen
entsprach einem guten Tagesverdienst (vgl. Matth. 20,116). Im heutigen Wert entspräche das ca. 50 Euro. Für
viele Menschen ist heute ein Fünfzig-Euro-Schein viel
Geld. Da lohnt es sich, danach zu suchen, auch wenn
noch 450 Euro in der Geldkassette liegen.
Doch wir müssen anders rechnen. Es geht um den zehnten Teil dessen, was die Frau hatte. Sie besaß nicht zehn
Silbergroschen und hatte noch 200 auf einem Bankkonto.
Also müssen wir unser gesamtes Geld, die Summe auf
dem Kontoauszug, das Kleingeld im Portemonnaie und
das Geburtstagsgeld von der Oma, das noch im Briefumschlag steckt, zusammenzählen. Vielleicht ist dann
unser Silbergroschen 500 Euro wert, 1000 oder sogar
noch mehr. Es lohnt sich zu suchen.
Die Frau aus Jesu Geschichte betreibt einen riesigen Aufwand. Sie sucht gründlich und hört nicht auf, bis sie den
Silbergroschen gefunden hat. Wie lange das gedauert hat,
wissen wir nicht. Sie wird ganz schön ins Schwitzen gekommen sein. Vielleicht wollte sie auch schon aufgeben.
Doch dann, endlich blinkt ihr der Silbergroschen entgegen. Welch eine Freude! Welch eine Erleichterung! Sie ist
glücklich und droht, vor Freude fast zu platzen. Sie muss
das unbedingt ihren Nachbarn und Freundinnen erzählen.
Richtig freuen geht allein nicht so gut. Freude will sich mitteilen: „Freut euch mit mir!“ Die Frau hatte schon fast die
Hoffnung aufgegeben. Wie groß ist nun die Freude!
Achtung! Die Freude ist nicht 50 Euro wert oder 500 oder
mehr! Es geht um die Tatsache, etwas Verlorenes gerettet
zu haben. Ein Verlust ist eine sehr traurige Angelegenheit.
Dieses Verlorene, für das schon keine Hoffnung mehr
bestand, wieder zu haben – das ist eine riesige Freude.
Alle, die Gott schon kennen und mit ihm leben, sind ihm
eine Freude. Doch noch immer ist ein großer Verlust da,
denn nicht jedes seiner menschlichen Geschöpfe liebt
Gott. Jeder unbekehrte Sünder ist wie ein verlorener Silbergroschen.
Eine Riesenfreude herrscht im Himmel nicht erst, wenn
Massen von Menschen zu Gott kommen. Schon ein einziger Mensch, einer wie du und ich, genügt, damit sich
Gott und alle Engel freuen.
Wenn Gott sich so über einen geretteten Sünder freuen
kann, dann können wir das auch. Wenn dem Himmel
ein einzelner Mensch so wichtig ist, dann sollte er auch
uns wichtig sein. Jeder Einzelne ist es wert, gesucht und
gefunden werden – damit wir uns gemeinsam mit dem
ganzen Himmel freuen können.
Möchtest du so ein gefundener Groschen sein? Jesus
ruft nach dir. Lässt Du dich finden? Jeden Morgen darfst
du sagen: „Lieber Heiland, ich möchte heute bei Dir sein
und mit Dir leben. Ich danke dir, dass Du mich davor
bewahrt hast, verlorenzugehen.“
Wenn du dich für Jesus entschieden hast, dann mache
deinen Bund mit Jesus in der Taufe fest! Das ist die wichtigste
Entscheidung
deines Lebens. Frage
deine Eltern, in der
Gemeinde oder schreibe an unsere Versandadresse im Impressum,
wenn du mehr darüber
wissen möchtest.
Gott ist unsere Burg!
Ein Tag auf der Rudelsburg
- mit Burg-Quiz, Schatzsuche, Bibelspiel,
gemeinsamem Essen, Sport und Spaß.
26
D er
S abbatwächter
Gemeindeleben
„Ich werde gebraucht.“
In diesem Jahr durften wir unserer lieben Schwester
Helene Rohrer zu ihrem 90. Geburtstag gratulieren.
Schwester Rohrer ist seit vielen Jahren ein treues, engagiertes Mitglied der Gemeinde Iserlohn. Ich erlebe sie
immer freudig und optimistisch. Schaut man auf ihren
Lebensweg, dann war es nicht immer so hell und freundlich.
Am 20.01.1925 wurde sie in Badingen-Stendal (Brandenburg) geboren und verbrachte dann 2 Jahre in einem
Waisenhaus in Münster. Später fand sie eine Familie. Eine
gläubige, alleinstehende Katholikin suchte für ihr jüngstes Kind Antonia eine Schwester und so adoptierte sie
Helene, die nun als 14. Kind in die Großfamilie aufgenommen wurde.
An körperlich schwere Arbeit wurde Helene schon früh
herangeführt. Von sieben Jahren an musste sie in der
Landwirtschaft und im Haushalt arbeiten, auch in den
Ferien. Mit 13 Jahren wurde sie aus der Schule genommen, um ganztägig in der Landwirtschaft zu arbeiten. Nur
der Sonntag war frei, für den Kirchgang.
Gern hätte sie einen Beruf erlernt, zum Beispiel Kindergärtnerin oder etwas im medizinischen Pflegebereich.
Aber es war ihr nicht möglich. Ihre Mutter sagte, es sei
nicht wichtig, einen Beruf zu erlernen und sie sollte
schauen, dass sie bald „unter die Haube“ komme. Überhaupt sollte sie lernen, immer nur etwas zu sagen, wenn
man sie fragte. Daran hielt sie sich auch und schluckte
oftmals Ungerechtigkeiten herunter, anstatt sich zu wehren. Sie lernte zu dienen. Ihr ganzes Leben arbeitete sie
in verschiedenen Haushalten oder in der Landwirtschaft.
Mit 23 Jahren heiratete sie den Feinmechaniker Jacob
Rohrer. 20 Ehejahre waren ihr gegeben. Dann starb ihr
Mann im frühen Alter von 52 Jahren an Lungenkrebs.
Als ich sie so reden hörte, dachte ich, wie sehr doch die
Menschen heute damit beschäftigt sind, sich ihre Träume
zu erfüllen. Wie war das im Leben von Helene? Die meisten ihrer Träume gingen nicht in Erfüllung.
Aber im hohen Alter sollte sich ihr Leben ganz zum
Positiven verändern. Im Kurhaus Elim lernte sie Schwester
Wegenast kennen, die sie dann an Glaubensgeschwister
in ihrer Umgebung weiter vermittelte. Sie erhielt Bibelstunden von Bruder Herbolsheimer und wurde am 29.08.1998,
im Alter von 73 Jahren, getauft. Jetzt hat Helene neue und
bessere Träume. Träume, die sogar in Erfüllung gehen
werden.
Jesus Christus ist ihr bester Freund geworden. Ihr neues
Ziel ist die himmlische Heimat.
Als treues Glied der Gemeinde Iserlohn ist sie sehr aktiv.
Auf Helene ist immer Verlass. Sie hütet das Haus und den
Garten, wenn Geschwister Jeltsch abwesend sind, sie hält
am Sabbat die Sabbatschule und vermittelt immer eine
frohe Stimmung. Man möchte kaum glauben, dass sie
schon 90 Jahre alt ist. Mit wachen Augen und einem regen
Geist nimmt sie am Leben teil. Sie lebt gesund, hat eine
positive Lebenseinstellung und singt gern.
Heute wohnt sie in Dortmund in einem Seniorenwohnhaus. Es ist nicht leicht, sie ans Telefon zu bekommen. Ab
9.00 Uhr morgens kann es schon schwierig werden.
Nr. 4 - 2015
- Schwester Helene Rohrer
„Ich werde gebraucht. Ich werde gebraucht.“ sagt sie
immer und meint damit, dass sie den Tag über ständig im
Dienst für die Mitbewohner unterwegs ist.
Wir können viel von ihr lernen. Ihr kindliches Vertrauen
zu Jesus, ihre positive, freudige Lebenseinstellung und ihr
bedingungsloser Dienst am Nächsten können uns allen
ein Vorbild sein.
Möge Gott sie uns noch lange erhalten.
Christine Laugallies
Erscheinen meines Gottes Wege
Erscheinen meines Gottes Wege
mir seltsam, rätselhaft und schwer
und gehn die Wünsche, die ich hege,
still unter in der Sorgen Meer,
will schwer und trüb der Tag verrinnen,
der mir nur Sorg´ und Leid gebracht.
Dann darf ich mich auf eins besinnen:
dass Gott nie einen Fehler macht.
Wenn unter ungelösten Fragen
mein Herz verzweiflungsvoll erbebt,
an Gottes Liebe will verzagen,
weil sich der Unverstand erhebt,
dann darf ich all mein Müdes Sehnen
in Gottes Rechte legen sacht
und sprechen unter vielen Tränen:
dass Gott nie einen Fehler macht.
Drum still, mein Herz, und lass vergehen,
was irdisch und vergänglich heißt,
im Lichte droben wirst du sehen,
dass gut die Wege, die er weist.
Und solltest du dein Liebstes missen,
ja, ging´s durch finstre, kalte Nacht,
half fest an deinem sel´gen Wissen:
dass Gott nie einen Fehler macht.
Herbert Sack
27
Gemeindeleben
Jugendleiterfortbildung in Mosbach vom 17.-19. Juli 2015
Wir leben ohne Zweifel in einer Zeit, in der wir täglich Versuchungen verschiedener Art ausgesetzt
sind. Mehr als je zuvor versucht Satan, unsere Aufmerksamkeit von Gott abzulenken, unsere Sinne zu
betrüben und uns zu schwächen. Manchen fällt es
leichter, standhaft zu bleiben, als anderen und da uns
Gott den freien Willen gegeben hat, liegt es an uns,
die richtige Entscheidung zu treffen. Doch, um Entscheidungen treffen zu können, die mit Gottes Willen
übereinstimmen, brauchen wir ein festes Fundament
und Willenskraft, uns nicht dieser Welt anzupassen,
damit wir prüfen können „was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille
Gottes ist.“ (Römer 12,2)
Der Gemeinde ist eine
Dieses Fundament wird in
große
Verantwortung
der Kindheit und Jugend
gelegt, indem man lernt,
auferlegt, die Jugend
wer man ist und wohin man
zu fördern und sie zu
geht. Identitätsfindung ist
motivieren, zu selbstein wichtiger Bestandteil
bewussten und eifrigen
des Lebens eines jeden
Mitarbeitern Gottes zu
Jugendlichen und sollte
auf keinen Fall dem Zufall
werden.
überlassen werden. Der
Gemeinde ist eine große
Verantwortung auferlegt, die Jugend zu fördern und
sie zu motivieren, zu selbstbewussten und eifrigen
Mitarbeitern Gottes zu werden. Deshalb sollte die Kinder- und Jugendarbeit eine zentrale Rolle in unserer
Gemeinde spielen, denn diese Generation ist die
Zukunft der Gemeinde und wird das Werk zu Ende
bringen.
Genau aus diesem Grund versammelten wir uns
vom 17. bis 19. Juli in Mosbach unter dem Motto
„Methoden der Jugendarbeit“. Alle, die sich für die
Jugendarbeit engagieren wollen, waren herzlich
eingeladen an der Jugendleiterfortbildung teilzunehmen. Mit Br. Esteban Hunger betrachteten wir am
Freitag, wie man eine effektive Jugendstunde im
Lichte Gottes gestaltet. Nach einem guten Einstieg
muss jede Jugendstunde einen geistlichen Inhalt
vermitteln, der den wichtigsten Teil darstellt. Dabei
ist zu beachten, dass die Erfahrung mit der Zeit
zunimmt und die Motivation durch die Vielfalt der
Inhalte, Methoden sowie Arbeitsformen aufrechterhalten wird. Diese „machen eine gute Gruppenstunde,
ein gutes Seminar oder auch einfach eine gelungene
Freizeit aus.“ (www.kjr-stormarn.de)
Als Nächstes betrachteten wir mit Br. Gustavo
Castellanos, wie die „Jugendarbeit im Lichte von
Bibel und Zeugnissen“ aussieht. Wir tauschten uns
über die unterschiedlichen Ziele der Arbeit mit Jugendlichen aus und wurden daran erinnert, dass die
Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen immer
unsere oberste Motivation sein sollte.
Am Sabbat durften wir die Botschaft unter dem
Titel „Sogar für nur einen“ ebenfalls von Br. Gustavo
empfangen. Genauso wie Jesus den Tod am Kreuz
sogar für nur einen von uns erlitten hätte, sollten
auch wir mutig in der Missionsarbeit aktiv sein, denn
auch wenn manchmal unsere Anstrengungen
wenig Frucht zu bringen scheinen, liegt alles in
Gottes Hand. Wir können unser Bestes geben und
den Rest Gott überlassen. Auch wenn wir pflanzen
und begießen, ist Gott der Einzige, der das Gedeihen gibt (vgl. 1. Korinther 3,7).
Am Nachmittag ging es rund um das Thema Mission. Als Erstes sprach Br. Wilfried Schulz zu uns.
Das Thema lautete die „Mission von Andreas und
dir“. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war der
erste Missionar. Er verlangte danach, die Freude,
die sein Herz erfüllte, mit seinen Mitmenschen zu
teilen. Wir sind aufgerufen, wie Andreas alles aufzugeben, was uns von Gott trennt und unser Leben
Christliche Erlebnispädagogik in Theorie und Praxis
28
D er
S abbatwächter
Gemeindeleben
ihm zu widmen. Nur derjenige, der eine persönliche
und lebendige Beziehung zu Christus pflegt, kann ein
erfolgreicher Mitarbeiter Gottes sein. Außerdem sprachen wir über die effektivste Methode der Jugendarbeit: die Methode Christi – die einzige Methode, durch
die Menschen wirklich erreicht werden können. Diese
Methode beinhaltet die persönliche Anteilnahme an
dem Wohlergehen unserer Mitmenschen. Wie Jesus
sind wir aufgefordert, ihnen Mitgefühl zu zeigen, ihren
Bedürfnissen zu dienen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies bildet die Grundlage der Missionsarbeit. Wir
sprachen darüberhinaus über verschiedene Beispiele
praktischer Mission und wie wir die Jugend in einen
Missionsplan einbinden können.
Als Nächstes ging es mit einer interessanten
Gesprächsrunde weiter, die Br. Miguel Cabrera leitete.
Wir tauschten uns darüber aus, wie wir mit Jugendlichen Mission für Jugendliche machen können und die
Herzen erreichen können. Dabei nutzen wir die Gelegenheit, neue Ideen und Vorschläge miteinzubringen.
Nach einem gemeinsamen Abendessen sprach
Schw. Ines Müller über die Sabbatgestaltung und
die Wichtigkeit eines Nachmittagsprogramms, in
dem Jugendliche und Kinder als Akteure aktiv sind.
Der Sabbat sollte so gestaltet werden, dass er zum
schönsten Tag der Woche wird, auf den sich jeder
in der Familie und in der Gemeinde freut. Die drei
wichtigsten Worte bzw. Ziele sind Wärme, Liebe und
Geborgenheit.
Am Sonntag ging es mit dem Programm weiter. Schw.
Madlene Barath erklärte, wie wir eine erfolgreiche
Gruppenarbeit gestalten können und worauf man
dabei achten sollte. Wir schauten uns die Vorteile an,
die die Arbeit in Gruppen bietet und wie man Probleme,
die innerhalb von Gruppen entstehen könnten, bewältigen kann. Schw. Conny Köbele erklärte Näheres über
Nr. 4 - 2015
soziale Aktivitäten innerhalb der Gemeinde und Schw.
Manuela Di Franca stellte uns die Christliche Erlebnispädagogik vor. Diese stellt einen sehr interessanten
Bereich dar, in dem man durch anschauliche Beispiele
einfache Verbindungen zum Glaubensleben herstellen
kann. Dies fördert die soziale Kompetenz, die Persönlichkeitsentwicklung und das verantwortungsvolle Denken. Wir durften sogar das Gelernte gleich anhand von
ein paar praktischen „Spielen“ hautnah erleben. In der
darauffolgenden
Diskussionsrunde sprachen wir über
Falls du motiviert
die Wichtigkeit von Gemeinbist,
für Gott zu
schaft der Jugendlichen auarbeiten und andere
ßerhalb des Gottesdienstes,
denn soziale Aktivitäten und
durch die Jugendgemeinsame
Erfahrungen
arbeit
motivieren
schweißen zusammen.
willst, dann bist du
Ein herzliches Dankeschön
herzlich eingeladen,
an das Organisationsteam
an unserer nächsten
und an alle, die ein Thema
oder einen Vortrag übernahJugendleiterfortbilmen oder in einer anderen
dung teilzunehmen.
Form mitgeholfen haben.
Wir danken auch Schw. Jacqueline Hunger, die für unser
leibliches Wohl sorgte, obwohl sie mit ihrer erst
wenige Monate alten Tochter alle Hände voll zu tun hat.
Wir möchten an all jene appellieren, die dieses Mal
nicht teilnehmen konnten: Falls du motiviert bist, für
Gott zu arbeiten und andere durch die Jugendarbeit
motivieren willst, dann bist du herzlich eingeladen, an
unserer nächsten Jugendleiterfortbildung teilzunehmen. Wir werden mehr darüber lernen, wie wir am
besten jungen Menschen in Not helfen können, um
sie für Jesus zu gewinnen. Der genaue Termin wird
bekanntgegeben. Wir hoffen auf deine Teilnahme und
rege Mitarbeit!
Paola Dineva
29
Gemeindeleben
Jugendwochenende Klagenfurt vom 24. – 26. Juli 2015
Glück suchen oder Gott finden?
Vom 24. bis 26. Juli 2015 versammelten wir uns in
der wunderschönen Stadt Klagenfurt zu einem gemeinsamen Wochenende unter dem Motto „Glück suchen
oder Gott finden“.
Am Sabbat durften wir die Predigt von Br. Stephanus
Sidorenko hören und versuchten, die Frage „Wie finde
ich Gott?“, zu beantworten.
Die gute Nachricht ist, dass Gott gefunden werden
möchte, ja, es ist sogar sein ausdrücklicher Wunsch.
Gott steht mit offenen Armen da,
bereit, uns zu empfangen. Wo
Gott steht mit
liegt nun das Problem? Wie jede
offenen Armen
andere Beziehung, ist die Beziehung zu Jesus nicht eine einseida, bereit, uns zu
tige Beziehung, das bedeutet,
empfangen.
dass jeder etwas dazu beitragen
muss, um sie lebendig und aufrecht zu erhalten. Doch als Erstes
sollte sich jeder die Frage stellen: „Trachte ich nach
Jesu Nähe nur dann, wenn ich ein Problem habe? Oder
gehe ich täglich Hand in Hand mit Jesus?“ Eine Bedingung, um Gott zu finden, ist, sich von allen natürlichen
Neigungen abzuwenden. Wir werden Gott nicht finden,
wenn wir nach unseren eigenen Wünschen handeln.
„Suchet, so werdet ihr finden.“ (Matthäus 7,7) Um Gott
zu finden, müssen wir ihn suchen, was wiederum
bedeutet, dass wir ein gewisses Maß an Verlangen
haben müssen, ihn zu finden. Dabei ist zu beachten,
dass wir Gott in dem Maße finden werden, wie wir ihn
finden wollen. Auf unserem Weg zu Gott dürfen wir
jedoch wissen, dass wir nicht allein sind und deshalb
können wir Gott bedingungslos vertrauen. Er wird uns
helfen und uns aufrichten, auch wenn alles um uns
herum zusammenzubrechen scheint.
Nach dem Mittagessen und einem schönen Spaziergang, ging es weiter mit einem Gruppengespräch
30
geleitet von Br. Esteban Hunger. Als Erstes durften wir
uns in kleinen Gruppen über die unterschiedlichen Hindernisse auf unserem Weg zu Gott unterhalten. Darunter waren: „Faulheit“, „Tradition“, „Ablenkungen“, „Gott
hat mich enttäuscht“, „der Kampf ums Überleben“,
„materielle Dinge“ und „die Lösung meiner Probleme“.
Anschließend fassten wir die Ergebnisse in einem
Gruppengespräch zusammen.
Gott lässt manchmal Schwierigkeiten zu, damit wir
lernen, das Böse zu überwinden und um uns stark
zu machen. Er lässt Prüfungen zu, damit wir an Erfahrungen zunehmen, damit wir erkennen, dass wir von
ihm abhängig sind und seine gnädige Hand ergreifen
müssen, um Frieden und Erlösung zu finden. Und wir
dürfen sicher sein, dass wir den Kampf nicht alleine
kämpfen müssen. Gott hat sogar versprochen: „Ich
werde für euch kämpfen und ihr sollt still sein.“
(2. Mose 14,14)
Zum Sabbatschluss hatte Br. Moritz Barath die Andacht
mit dem Titel „Warum ist es wichtig, Gott zu suchen?“.
Er veranschaulichte mit einem praktischen Beispiel wie
wichtig es ist, Gottes Anweisungen zu vertrauen und
seine Hilfe anzunehmen, damit wir ihn finden und eine
lebendige Beziehung mit ihm pflegen können.
Am Sonntag hatten wir sehr viel Spaß beim Klettern.
Wir wurden erinnert, dass wir nie aufgeben dürfen,
auch wenn manchmal der Weg sehr steinig und hart
ist und wir glauben am Ende zu sein. In solchen
Momenten dürfen wir sicher sein, dass Gott da ist, um
uns zu sichern und aufzurichten, falls wir fallen.
Wir wollen Gott für die segensreichen Stunden danken und dafür, dass er uns die Möglichkeit gibt, uns
in friedvollen Zeiten zu versammeln. Wir wurden alle
geistlich gestärkt und ermutigt. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, an die Veranstalter, an die
Sprecher und an die Küche. Möge Gott uns alle segnen
und helfen, den Weg zu ihm zu finden!
Paola und Meriam Dineva
D er
S abbatwächter
Gemeindeleben
Taufen und Segnung des Ehebundes nach 30 Ehejahren
Gemeinde Berlin. Am 11. Juli
dieses Jahres durften wir als
Gemeinde das freudige Ereignis
zweier Taufen feiern. Gerald und
Anita Woydt heißen die Täuflinge,
die ihren Bund mit dem Herrn an
diesem Tag geschlossen haben.
Es war eine Freude mit anzusehen,
wie zwei Menschen schon Monate
vorher die Wochen bis zur Taufe
zählten. Ihr Wunsch war es dann
auch, dass ihre Ehe, welche sie vor
genau 30 Jahren auf dem Standesamt schlossen, den Segen Gottes
noch nachträglich erhalten sollte.
Gerald und Anita Woydt bekamen
von ihrem Hausarzt eine Einladung
zu einem veganen Kochkurs und
wurden so in unsere Gemeinde
geführt. Bald nahmen die Beiden
am Gottesdienst teil, erhielten Bibelstunden und bereiteten sich gründlich auf ihre Taufe vor.
Für Anita und Gerald begann „ein wunderbarer Weg der
Verheißungen und Erfahrungen mit Gott, der sie über die
Taufe bis hin zum ewigen Leben führen möchte“, wie sie
selbst in einem zur Taufe persönlich vorgetragenen Zeugnis schilderten. Dazu gehörte auch folgendes Glaubenszeugnis in Form eines Gebets, das alle Leser ermutigen
und stärken möchte:
„Liebe Geschwister, liebe Freunde und Gäste. Ehe wir
uns zu euch wenden, möchten wir zuerst unserem lieben
himmlischen Vater Dank sagen. Lieber Vater, wir danken
dir, dass Du Deine rettende Hand nach uns ausgestreckt
hast. Wir haben sie ergriffen. Wir haben Dir unsere Herzen geöffnet, um Deinen Heiligen Geist in uns aufzunehmen. Wir haben zu Dir gebetet, dass Du Ihn uns senden
mögest, in Fülle, um unser Herz zu formen, wie der Töpfer seinen Ton. Wir haben Ihn angenommen und zugelassen, dass Er unser Wesen verändert und als Er unser
Wesen verändert hat, haben wir wunderbare Erfahrungen
gemacht. Für diese Erkenntnis danken wir Dir. Du hast
uns gezeigt, wie wichtig Dein Wort und Deine Wahrheit
für uns sind. Wir sollen Vertrauen zu Dir haben und nicht
zweifeln. Und wenn sich dann etwas offenbart, um was wir
gebetet haben, dann sind es für uns die glücklichsten und
wunderbarsten Augenblicke, ja es sind Erfahrungen, die
wir durch Dich, lieber Vater, gemacht haben. Das hat sich
glaubensstärkend auf uns ausgewirkt. Oh, Heiliger Vater,
wie sehr hast Du die Welt geliebt, dass Du Deinen eingeborenen Sohn gegeben hast. Wie sehr hat Er gelitten, als
Er für uns am Kreuz gestorben ist, damit wir sündige Menschen gerettet werden. Somit hat sich Dein Erlösungsplan
erfüllt, dass Dein Sohn Jesus Christus zum Mittler, zum
Fürsprecher für uns Menschen, zu Dir, lieber Vater,
geworden ist. Denn Du hast Deinen Sohn nicht in die Welt
gesandt, damit Er die Welt richte, sondern, damit die Welt
Nr. 4 - 2015
Die Täuflinge Gerald und Anita Woydt
mit Bruder Robert Röglin
durch Ihn gerettet werde. Jesus sprach: „Ohne mich, könnt
ihr nichts tun!“ Wir können nun alle Buße tun, und unsere
Sünden bei Dir ablegen, dass sie uns bitte vergeben werden. Wir wollen es Dir danken und Dich lobpreisen. Wir
wollen Deine menschlichen Werkzeuge sein. Wir wollen
Dir dienen, in Demut, Liebe und Treue, um für andere ein
Licht zu sein. So möchten wir nun beide, durch unsere
Taufe, Deinem Sohn Jesus Christus nachfolgen, Dass wir
in Ihm sind und Er in uns. Hab Dank, lieber Vater, dass
Du uns bis hin zur Taufe geleitet hast. Hab Dank, lieber
Vater, dass Du in Deiner großen Güte und Barmherzigkeit
so viel Liebe, Friede und Freude in unser Herz gebracht
hast. Dafür danken wir dir und wir wünschen uns und
allen unseren lieben Brüdern und Schwestern, dass unser
Glaube, getragen vom Heiligen Geist, auf dem schmalen
Pfad geleitet, bekleidet mit weißen, unbefleckten Kleidern
und dem Mantel der Gerechtigkeit, hindurch durch die
enge Pforte, die zum Heiligen Vater und zum ewigen
Leben führt, bis in alle Ewigkeit, wo wir hoffentlich alle auf
der neuen Erde zusammen sein werden. Das wünschen
wir uns und allen in Wort und Gebet. Amen!...“
Beiden neuen, lieben Geschwistern danken wir für dieses wunderbare Glaubenszeugnis und wünschen ihnen
unsererseits, dass der Herr sie bewahrt vor der Stunde der
Versuchung, die ein jeder von uns irgendwann in seinem
Glaubensweg durchstehen muss. Lasst uns beten dafür,
dass ihrer und unser aller Glaube niemals aufhören mag.
Wir freuen uns mit euch, liebe Anita und lieber Gerald,
dass ihr nun Glieder unserer Gemeinde Berlin und Glaubensgemeinschaft geworden seid. Möge der Herr euch
auf eurem weiteren Weg reichlich segnen!
Amen
Gabriele Röglin
31

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Der Ausschuss der Deutschen Union
TERMINE 2016
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25.-28.03.16 Jugendkonferenz
01.-03.04.16 Konferenz in Polen
06.-08.05.16 Konferenz in der Schweiz
13.-15.05.16 Konferenz in Österreich
20.-22.05.16 Ostdeutsche Vereinigungskonferenz
Naumburg
05.06.16 DU-Delegatenversammlung Mosbach
10.-12.06.16 Konferenz in Holland
17.-19.06.16 Unionskonferenz Mosbach
24.-26.06.16 Westdeutsche Vereinigungskonferenz
Pracht
15.-18.07.16 Reise in die Vergangenheit
(Sachsenhausen, Brandenburg, Berlin ...)
29.07.-08.08.16 Sommerfreizeit der Jugendabteilung
10.-12.10.16 Mitarbeiterseminar Mosbach
Unionschor in Mosbach:
5.-7.02.; 3.-5.06.; 9.-11.09.; 28.10.-01.11.2016
- Änderungen vorbehalten -
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KALENDER
12 Postkarten mit Bibelversen
Motivausschnitte auf der Titelseite
Rückseite mit Gutschein-Angeboten
Spiralbindung
Spendenvorschlag: je 3€
Bestelladresse: Edelstein-Verlag
siehe Impressum, über die Jugendleiter
oder über [email protected]
Kontodaten für Spenden für den Kalender:
Int. Missionsgesellschaft
IBAN DE67620500000007931000
BIC HEISDE66XXX
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