Mailovatz, 13. 10. 15 - Europeana 1914-1918

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Transcribiert von Georg Karl Köberich , an Hand der vorliegenden (im Besitz von Felix Groß)
vorliegenden Originaltagebücher von Carl Schmidt.
Carl schrieb an seine Eltern aus Frankreich und Serbien
KriegsTagebuch
aus dem Jahr 1915
Bei der in diesem Tagebuch verwendeten Handschrift handelt es sich um eine lateinische
Schreibschrift, die aber teilweise schon die erst bis 1917 entwickelte deutsche Schreibschrift von
Sütterlin erkennen lässt. Die Rechtschreibung enthält Schreibweisen, die in der z. Z. umstrittenen
Reform wieder verlangt werden.
Ich halte mich an die im handschriftlichen Original verwendeten Regeln, ohne etwaige
Zweifelsfälle zu ändern.
Die Texterfassung erfolgt in 12 pt Times, ohne Randausgleich und ohne Silbentrennung.
Im Juli 2005(Georg Köberich)
Seite 19
Moulin, 19. IV. 15
Meine liebe Eltern!
Heute empfing ich Briefe vom 12. Und 14. IV. Ich hatte so gerne meinen gestern geschriebenen
Brief abgegeben. Vielen Dank besonders für die Veilchen aus dem Garten, sie sind mir ein lieber
Gruss gewesen. Mir geht’s sonst tadellos, langweilig das Wachen, aber ausdauern müßen wir ja.
Heute morgen haben wir, Kay, Horstmann und ich, mit grossem Stiel, gefrühstükt. Cacao gab die
Feldküche, das andere die vielen Sendungen von Haus. Heute ist das Wetter wieder tadellos.
Prächtiger Sonnenschein, jedoch Nachts ist es noch sehr kalt. Hauptsächlich in der Morgenstunde
von 3 – 5 Uhr kann man noch ganz nett frieren. Liebe Eltern haltet Euch gesund und dann wollen
wir auf ein frohes Wiedersehen hoffen. Wenn auch noch kein Ende zu sehen ist, ich glaube bald
eeignet sich etwas Entscheidendes und dann kommt der Friede schneller als man denkt. Viele
tausend Grüsse und herzliche Küsse Euer Euch innig liebender
Carl.
Moulin, 20. IV. 15
Meine lieben Eltern!
Besten Dank für Briefe und Sendungen vom 14. und 16. IV. Mir geht’s noch ganz Gut. Haben
jedoch schwere Tage hinter uns, und wer weis was noch kommt. Es freut mich das Heinrich, das
Eiserne Kreuz hat. Bei uns gibt es nur Eisen ins Kreuz. Na der Krieg dauert noch lange und hoffe
allen Verschleppung und Wartens (zum Trotz?) werde ich es im Laufe des Krieges wohl auch noch
zum Leutnant bringen. Hier ist das Wetter tadellos. Schön warm an den Nachmittagen. Ich schreibe
wieder auf Posten. Vor unserer Luftlinie steht ein französischer Fesselballon und knallt der Franzos
heute in einer Tour. Immer krachten, bersten die Granaten Amerikanische Munition. Ja wir haben
doch liebe Freunde in der Welt, die unseren Feinden so gut helfen. Heute morgen beim Graben
reinigen lagen wieder verchiedene Splitter von übernacht, wo ganz unverhofft Salven kamen. Aus
unserer Comp. ein paar Mann trafen und töteten. Die Ruhe wie sie früher hier war ist vorbei. In
Reserve am 26ten, geht’s wohl in das Dorf, wo wir Weihnachten waren. Vorgestern und gestern
wurde hier ein französischer Flieger von den Abwehrgeschützen herunter gehollt. Sonst nichts
neues. Ein Maschienengewehr hat uns Franzos. endekt, kaput mit Granaten. Es soll nun einen neuen
Stand haben und wahrscheinlich vor meiner Bude. Na giebts auch mit Zulage eine tägliche Ration.
Na 6 Tage wird’s ja nun noch, dann geht’s auf eine kurze Zeit wieder in Zivilisieerte Gegend. Jetzt
brummt es schon wieder. Deutscher Flieger bekommt Kartusche. Ein paar Unterhosen mach ich
dringend haben, gross und dünn und ein Hemd auch noch. Meine Wollzwitter sende ich auch
zurück, denn könnt ihr dann nächsten Winter wieder senden. Sonst geht’s mir gut. Post wird
abgegeben. Tausend Grüsse und Küsse
Euer Carl.
Endschuldige die flüchtige Schrift, je länger ihr gebraucht den Brief zu entziffern, jemehr gut habt
ihr dann. Na, solch Erdhaufen ist ja kein Schreibtisch.
Seite 20
Moulin, 22. IV. 15
Meine lieben Eltern!
Für die lieben Briefe vom 17. und 18. IV. meinen besten Dank. Pakete bekam ich gestern ziemlich
viele. Mir geht’s noch immer gut. Aller Voraussicht kommen wir Montag aus dem Graben. Na das
alte Lied, 20 Tage Graben, 10 Tage Reserve und immer dasselbe einerlei. Heute stehen wir ca. 3
Stunden des Tags Posten. Eben, meine 3 Stunden sind jetzt um, fangen die Franzosen mit
Schrapnels an zu ballern, furchtbarer Blödsinn diese Knallerei. Wenn man sich so die Landschaft
vor einem ansieht; ganz hinten Täler und friedliche Dörfer, vorne Gräben mit Soldaten dicht besetzt,
vorn Krieg und hinten Frieden, dann schüttele ich den Kopf. Was soll dies blödsinnige sich
gegenüberliegen. Wir wollen ja so gerne eine Grosse Endscheidungs-Schlacht haben. Eine Zeitlang
tüchtig schießen, ballern dann aber auch mal wieder Ruhe, und vor allem ein Ende. (Einfügung und
Original hier unklar). – Die Zeitungen habe ich eben gelesen. Der Papst, dieser alter Oelgotze, kann
ja auch nichts als singen, und das führt den Krieg auch nicht zu Ende. So lange Franzmann und
John Bull money haben, schicken ihnen die Amerikaner gewiss gerne Pulver und Blei und Minen,
solange bis der Krieg endet, prompt, und die Neutralen sind die einzig vernünftigen Leute in der
Welt. In der Carpathenschlacht geht’s weiter, zwischen Maas und Mosel ist nichts weiter los, und an
der großen langen Front liegt sich der Eine dem Anderen gegenüber, und macht sich bange, den
Schaden hat man im Stellungskrieg seither und auch kräftig. Sonntag hatten wir verschiedene
Bayrische Artillerie-Hauptleute und Leutnants – einen netten Kerl, nämlich ein Pionier-Officier,
eingebettet und wohl 50 Mann. Der Franzos hat auch ein großes Loch graben müßen. Bei uns ist
schon alles vergessen, Zwek hat es nicht gehabt, das so viele sterben mussten. Wir liegen immer
noch auf derselben Stelle. 400/500000 Mark sind nicht wenig allein für Munition die von uns in 3
Stunden verknallt werden. In der Bibel steht: Herr, wie ist dein Thierreich gross!
Na wie geht’s Euch sonst. Schike Mutter nur nach Wiesbaden und auch lass sie die Damen
mitnehmen. Lieber Vater Du bist ein guter Proviantmeister. Die Spargel waren wunderar, bitte sende
Dosen Grünwaren, Sparchel, Kaiserschotten, also junge Erbsen, Schnittbohnen, die mach ich denn
warm. Auch mal wie Elline aus Berlin Geflügel in Dosen, das kommt jedenfalls gut an. Liebe
Eltern, lieber Vater Ihr sorgt so gut für mich. Ohne die beiden Briefe morgens halte ich es garnicht
aus.
Tausend Grüsse
Euer Carl.
Seite 21
Moulin, 24. IV. 15
Mein lieber Vater!
Wenn Du diesen Brief bekommst ist Mutter wohl schon in Wiesbaden und bist Du ganz alleine zu
Hause. Lieber guter Vater wann werde ich wohl mit Bestimmtheit auf meine täglichen Grüsse
rechnen können, auch ich werde mich bemühen, dir jeden Tag wenn möglich einige Zeilen zu
senden. Heute morgen hatte ich Brief vom 20. IV. Tausend innigen Dank. Mir geht’s noch ganz gut.
Heute Mittag es ist um 2 Uhr haben wir ganz gemeines Artillerie-Feuer. Links neben meinem
Unterstand ist der ganze Graben zugeschüttet. Die französische Artillerie ist das Beste was das
französische Heer an Truppenteilen hat und steht leider noch viele Stufen über unserer. Es darf nicht
verlauten, jedoch am Sonntag 18. IV. hat bei unserer 7. Komp., 2. Komp., rechts von uns, unsere
eigene Artillerie in unseren Graben gefunkt. Hauptmann/Leutnant der Restrotte waren für die
betreffende Batterie getötet und auch einige Mannschaften sind von unseren Granaten ausgeblasen.
Gemein so als ob die französische Artillerie uns allein nicht genug leiden läßt.
Mutters Adresse: Läßt du mich wissen, nicht wahr. Ich stehe auf Posten in einer kleinen
Splitterdeckung. Aber auch wieder mein ganzer Stand voll Dreck geworfen von einer Salve, 4
Granaten, die lagen 2 – 3 m vor mir eingegangen. Die französische Artillerie schießt ausgezeichnet
gut. Hier ist schon die 3. Salve, die hier genau eingeht. Ich nehme an unsere Deckung die dann noch
vorwärts vor unserem Wall liegt –
Wie die Franzosen aber den 18. II. schreiben, sollen außer dem offiziellen Bericht die unsern
gestürmt haben. Wenn wir auch unsern Stand nicht verließen, so ist ein solcher Bericht doch eine
Lüge. Von Franzosen. Lieber Vater nun noch 2 Tage, dann auf 10 Tagen nach Nampel in der
Steinhöhle in Reserve. Da gibt es jedenfalls bis auf die verschiedenen Wachen nachts Ruhe,
wenngleich des Tags wohl nicht viel Ruhe zu erwarten ist. Heute lieber Vater ist es wieder ganz
gemein kalt, und ein eisiger Wind. Das Aprilwetter ist hier nicht besser als zu Haus. Wenn wir auch
einige bessere Tage gehabt haben. Deine Veilchen trage ich immer bei mir, sie kamen gut an und
dufteten noch etwas. Für heute nun viele tausend Küsse mein lieber guter Vater von deinem Karl.
Gruß an Mutter und all die andern.
Seite 22
Weisskirchen, 3. 10. 15
Meine lieben Eltern
Moulin, 26. IV. 15
Mein lieber Vater!
Heute Morgen habe ich keinen Brief bekommen, aber Pakete. Besten Dank dafür. Hoffe allso
morgen auf einige Zeilen. In den letzten Tagen sind die Franzosen ganz blödsinnig. Gerade da,
wo ich in Stellung liege wurde furchtbar geschossen. Eine ganze Reihe Granaten sind in den
Graben gegangen. Dann noch eins. Heute Abend hätten wir abgelöst werden sollen, nun
müssen wir noch 10 Tage Reserve und 10 Tage Hölle. Bei dieser Einteilung, um in der
richtigen Folge zu kommen, sind wir um 10 Tage zu kurz gekommen. Na das Wetter ist wieder
gut, wenn auch die Granaten sehr
sind und festsitzen.
Mutter ist nun wohl in Wiesbaden. Wenn ich Zeit habe werde ich auch einige Zeilen nach dort
senden, sonst kannst du ja an Sie schreiben.
Eben habe ich 3 Stunden von 11 – 2 Uhr in der Sappe gestanden. Es war ganz ruhig. Nun will ich
etwas frühstücken, und dann schlafen bis 8 Uhr. Mir geht’s sonst ganz gut. Habe doch sehr wenig
Lust mehr zum Krieg. Hoffentlich geht’s den Engländern bei Ypern tüchtig an den Kragen, und den
Franzosen in der Campanje (siehe Manuskript!). Das Regiment ist durch Tagesbefehl Nr. 84
ausgezeichnet worden, weil sie in der Campanje so tüchtig gekämpft haben. Regiment 84 und unser
Regiment waren ja in der 35. Brigade. Wie die 84er wegkamen, wurde die Brigade aufgelöst und
wir kamen in die 36. Brigade. Ob wir wohl auch noch hier weg kommen?! Man pflegt doch im
Regiment nicht immer an einer Stelle liegen zu lassen, da die Wachtsamkeit leidet. Und nun liegen
wir Hier schon seit Januar.
Lieber Vater wie geht es dir sonst, ist es nicht einsam. Ich wollte ich könnte bei dir sein, um mal
etwas vernünftiges besprechen und lernen zu können! Ich glaube bestimmt die Zeit ist nicht mehr
allzuferne. Tausend herzl. Grüße und Küsse
Dein Karl
Gruß an Mutter und Mucki (Mücke?)
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Moulin, 27. IV. 15
Lieber Vater!
Besten Dank für die Briefe vom 23. 4. Auch für die vielen Sendungen meinen besten Dank. Mir
geht’s, wie auch Dir ganz gut. Ob die Erfolge bei Ypern uns baldigen Frieden bringen? Ich möchte
gerne, daß wieder etwas passirt, was einem neue Hoffnung bringt. Wir bleiben ja nun noch 10 Tage
nach Camelin, wo wir auch Weihnachten gewesen sind. Das Dorf Camelin liegt bedeutend weiter
zurück als Nampel und Blerankudelle - (neu statt Bleraniourdelle?) – und werden wir da wohl mehr
Ekzerzieren (wie Manuskript!) müssen. Na, wenn man 30 Tage im Graben gelegen hat, so ist ein
wenig Bewegung ganz gut. Heute ist die französische Artillerie weniger aufgeregt. Habe von 9 Uhr
bis 3 ½ Uhr geschlafen, nun meine Briefe schreiben und dann Tagswache. Heute habe ich letzte
Nummer, und dann geht die Nachtwache los. Heute Nachmittag weht ein ganz warmer Wind und
der Himmel ist klar. Andauernd Flieger in der Luft, die von beiden Seiten, je nach Nationalität
heftig beschossen werden. Auch zwei Fesselballons stehen hinter den französischen Linien. Sonst
verläuft ein Tag wie der andere. Man steht auf Posten, sieht vorne immer daßselbe (Orthographie
wie im Manuskript!) Bild, und wird allmählich dabei von dem ewigen Gucken verrückt. Es ist nicht
so wie auf See, wo es immer etwas zu sehen gibt. In den dunklen Nächten, jetzt sind die Nächte ja
hell, muß man sich ja auf sein Gehör verlassen, und Tags passirt ja nichts. Dennoch wird sehr auf
Form geachtet, und jeder, der nicht ständig nach vorne sieht, angefahren. Lieber Vater, wie geht’s
im Geschäft, hat Venus bei der Klasse viel zu machen?, und nichts neues von Diana und Neptun.
Sollten die englischen Schiffahrtszeitungen, Nukastle (!) und Glasgow Herold nichts in ihrem
Schiffahrtsteil bringen. Von Hengel könnte man sie vielleicht wohl bekommen, oder über
Kopenhagen. Ich bek. mitunter noch mal Zeitungen von Kalender aus Davos, der ja früher bei Euch
auf dem Kontor war. Meistens jedoch nur Ilustrirte Zeitungen, aus Frankreich und England. Falls du
allso einmal ausländische Zeitungen bekommst, wäre ich sehr dankbar, wenn Du mir sie nach hier
sendest. Wie geht es Nillsen? Mutter schrieb, daß er Euch besucht hatte. Lieber Vater, viele, viele
tausend herzl. Grüße und Küsse
Dein Karl
An Mutter schreibe ich morgen. Bitte grüße Sie und auch Muki und alle andern auch. Ist Paul doch
noch in Flensburg, werde Ihn auch morgen schreiben.
Redaktioneller Hinweis: Die Regeln für direkte Anrede sowie allgemeine Groß- und Kleinschreibung kommen im
Manuskript sehr unterschiedlich vor. Eine konsequente einheitliche Übernahme ist nicht möglich!
Seite-24
Moulin, 28. IV. 15
Mein lieber Vater!
Besten Dank für deine lieben Briefe und den schönen Veilchengruß. Sage für alle die Pakete meinen
besten Dank. Mir geht’s noch ganz gut und hoffe dasselbe von dir und auch das Mutter bald erlöst
von Ihrem Reumatismus. Hier ist es jetzt mächtig grün geworden. Die Sonne brennt nur so herunter.
Lieber Vater, auf dem Boden bei uns zu Haus liegt eine Hängematte. Bitte wäge sie und lasse mich
das Gewicht wissen. Ich hatte mir nämlich gedacht man könnte sie vielleicht im Sommer mal
gebrauchen. Wenn es warm wird, wird es auch manches Ungezieger bringen. Ich will sie dann auch
nicht allzuviel bei der HNitze tragen. Also namentlich bitte das Gewicht. Heute gibt’s von Hier
eigentlich garnichts zu berichten. Will mich deshnalb kurz fassen. An Mutter kann Ich heute auch
nicht schreiben. Bitte grüße du Sie. Liebe Vater tausend innige Grüße
Von deinem Karl.
Grüße Hanne und danke für die Zeilen von der Hochzeitsfeier.
Seite-25
Seite 32
Kösteck, 4. 10. 15
Meine guten Eltern!
Heute morgen sind wir aus unserem alten Quartier weggezogen in ein Dorf, das weiter von der
Donau weg liegt. Ich liege noch mit einem Officier meiner Comp. und einem Fähnrich in ein ganz
vernünftiges Haus. Nur ist wenig Ruhe da, nämlich andauernd Truppen auf die Straße längs ziehen,
und sehr viel Artillerie. Mein Regimentsführer ist Freiherr von Wangenheim. Der war früher in
Flensburg, wie er mir bei der Vorstellung sagte.Wisst ihr wann ungefähr?! (Paul hat bei ihm geübt
1910).
Die Division führt der von Estorff, der früher in Africa, Süd-West war. Hier erwartet man, dass am
ca.6. ds. Monats, der Übergang über die Donau stattfinden soll. Wir sind in 2te Linie. Es wird
jedoch so viel gemunkelt, dass es sich garnicht lohnt, Euch das all zu erzählen. Die M. G. K. hat
ganz neue kleine 2räderiche Wagen und Maulesel bekommen. Anstatt die Grossen, die für das
Gebirge unbrauchbar sind. Ich bin erst vorläufig meinem Zug zugetheilt, um mir einige Kenntniß
von dem Schwindel zu erwerben. Meinen Koffer werde ich heute abend bekommen, und dann
meine Hosen entsprechend umändern lassen. Hoffentlich findet sich ein Schneider der das versteht.
Bitte sendet mir die Flensburger Nachrichten, und dann ab und zu Cognak und Zigarren, die man
hier garnicht bekommt. Dienst wird wenig gemacht, und habe ich vorläufig Zeit theoretisch zu
lernen. Gestern war große Impfung gegen alle möglichen Krankheiten, die es in Serbien geben soll.
Die meisten Leute sind heute ganz caputt davon. Ich habe garnichts gespürt. Also geht’s mir
tadellos, gesundheitlich. Sieben Tage soll die Post hier herunter gebrauchen, doch auch in 5 Tagen
ist schon was gekommen.
Ich freue mich auf den ersten Brief, und hoffe zu hören, das es Euch gut geht. Bitte sagt Paul, er
möchte mir einige zutreffende Bücher über das M. G. senden. Doch nicht zu viele.
Liebe Eltern ich hoffe mit Euch auf ein baldiges Wiedersehen.
Herzliche Grüsse und Küsse.
Euer Carl.
Ich habe keine Zeit allen zu schreiben, sagt Ihnen meine Adresse und bitte grüst die ganze Familie
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Weisskirchen, 3. 10. 15
Meine lieben Eltern!
Gestern abend bei meinem Regiment angelangt, und auf meinem Wunsch der M. G. K. zugetheilt.
Koch und Brink sind in ein anderes Regiment derselben Brigade gekommen. Mir geht’s gut und
hoffe dasselbe von Euch. Bitte schreibt mir nun umgehend, und wenn ihr was schikt denn vorläufig
nur einige Zigarren. Es ist hier blöde heiss und troken. Heute schönen Ritt im Gebirche gemacht 5
km von der Donau. Bitte last mich nun bald von Euch hören.
Viele herzliche Grüsse
Euer Carl. Auf Wiedersehen
Leutnant
103. Inf.-Division
205. Brigade
32. Inf.-Regiment M. G. K.
Weisskirchen, 3. 10. 15
Meine lieben Eltern!
Vielleicht mit diese Karte geht noch eine andere ab. Ihr bekommt hoffentlich meine Adresse. Ich bin
in der M. G. K. gekommen, und somit auf das Pferd, was ich stets gewünscht habe. Mir geht’s gut.
Heute morgen ins Gebirge geritten wunderbare Gegend dort, sehr heiss.
Bald geht’s nun wohl in Serbien rein, dann durch, und dann giebts hoffentlich Frieden. Bitte last
bald von Euch hören. Teilt allen meine Adresse mit, habe nämlich noch wenig Zeit zum schreiben.
Recht viele herzliche Grüsse
Auf Wiedersehn
Euer Carl
Maschienengewehr Kompagnie
2. Thür. Inf. Regt. Nr. 32
Seite-35
Kosdek/Serbische Grenze, 5. 10. 15
Meine lieben Eltern!
Mehr als ich dachte habe Zeit und Gelegenheit einige Zeilen zu schreiben, ich habe Euch versprochen,
soviel als möglich zu schreiben, hoffe denn auch eben so viel und mehr von Euch zu hören. Als wir in
Temesvar, unserem ersten Bestimmungsort ankamen, wurde uns mitgetheilt, das unsere Division in
Weisskirchen läge, also gings am folgenden Tag noch auf reisen. Von dort aus zur Division, und zur
Brigade, wo dann die entgültige Vertheilung auf die Regimenter vorgenommen wurde. Hier kamen wir
drei Flensburger durch einen Zufall auseinander. Na ganz hätten wir ja doch nicht zusammen bleiben
können. Ich in der 32. zu einem thüringischen Regiment und Brink und Koch zu der 116ten. Am Abend
vertheilte uns dann der Regiments Commandör auf die Compagnie. Nachdem er vorher fragte ob
Jemand irgend welche Wünsche. Da habe ich dann geäusert, dass ich für das Maschienen Gewehr
Interesse hätte, und schon war ich dar. Es sind bei den Kompagnien, wie im allgemeinen viel Offiziere,
und zu viele, 5 und auch sogar 6. Sie haben wohl auf baldigen Ausfall gerechnet. Bei der
Maschiengewehr Komp. sind 2 Offisiere (einmal mit s, aber auch mit c oder z!) und dann der
Hauptmann von der Reserve. Einer von den Beiden, ist nun noch gestern krank geworden. Leider bin ja
nun noch nicht, mit dem Maschienen Gewehr ausgebildet, sondern muß mir nun erst die nöthigen
Kenntniße hier erwerben. Das wird doch schon gehen. Ich reite jeden Morgen ein sehr gutes treues
Pferd, und finde mich damit schon ganz gut zurecht. Heute ist der Hauptmann mit dem andern Leutnant
nach Weisskirchen, 6 km geritten, und bin alleine in Kosdek. Da stets einer bei der Komp. bleiben muß.
Dienst ist bis jetzt auch fast gar keiner.
Heute morgen habe ich mir von einem aktiven Cerganten, das Maschienen Gewehr vor instruiren laßen.
Es sieht einem alles Complizierter aus, als es wirklich ist. Es ist nun 2 Uhr, habe gerade zu Mittag
gegessen. Mittags von der Feldküche die ganz gut kocht, und abends Gemeinsam beim Haujptmann.
Meine Wirtin einen Topf mit selbst eingekochten Firssigen (Pfirsichen?) abgekauft, von dem die Hälfte
schon verdaut ist. Nun bei einer Cigarette ein paar Zeilen an Euch liebe Eltern, und dann meinen
Mittagsschlaf, bis Jemand was von mir will, und mich wekt. Etwas mehr Dienst könnte ich schon
vertragen, doch wird das wohl nicht lange auf sich warten laßen. Habt Ihr die M. 500 bekommen? Die
von Mussler (Munster) an Euch abgegangen sind. Werde von hier aus mehr senden, da man ja sonst so
viel bei sich hat, und die M. 500 ja auch die Rechnungen nicht deken. Wie geht’s Euch liebe Eltern? Ich
hoffe und wünsche daß Ihr Euch gesund und munter haltet, bis ich wieder komme, lange kann es nun
doch wohl nicht mehr dauern? Heute hört man wieder etwas Kanonendonner von der Donau her, doch
ist es nur wenig. Stets und ständig ziehen jedoch Österreicher und deutsche Truppen durch das Dorf,
viele schwere Artillerie. Gestern kreisten 4 Flieger mit einemmal über Weisskirchen. Wenn man von
Kosdek (Koedek?) nach Weisskirchen fährt wie ich gestern abend, so kommt man an eine Stelle, wo die
Straße steil abfällt. Am Berg alles Weingärten im Thale der Stadt, und hinten bei jedem Haus meist
einstökige und dahinter die Donau boten ein prachtvolles Bild, bei glänzendem Wetter. Na liebe Eltern
ich hoffe auf baldige Nachricht von Euch und ein nicht zu fernes Wiedersehn
Euer Carl.
Seite 36
Rescia, 9. 10. 15
Meine lieben Eltern!
Heute 4 Tage in Serbien, jeden Tag Gefecht. Gerade die ersten 20 Serben gefangen genommen. Mir
geht sehr Gut Bitte sendet mir Cognak und Cigarren. Heute abend kommen wir in 2te Linie da
giebts mehr Ruhe, und Gelegenheit zu ev. einen Brief. Viele herzliche Grüsse und Küsse
Euer Carl.
11. 10. 15 Serbien 20 km rein
Meine guten Eltern!
Heute ist Montag also bald 8 Tage in Serbien. Ich bin mit dem M. G. K. in einem Kloster und
gerade 11 Stunden. Nach 4 Tagen troken geschlafen. Ein Kamerad geht zurück und nimmt Post mit.
Da will ich nun schnell einige Zeilen an Euch schreiben. Also mir geht’s Gut! Haben die letzten
Tage andauernd Gefechte gehabt. Mein Leutnant dessen Zug ich zugetheilt, ist neben mir gestern
verwundet, und führe ich nun den Zug als einziger Compagnie Offisier. An diesen Platz wo ich nun
liege. Denn Namen weis ich nicht, denn im Dunkeln kamen wir hier an, sind 2 Divisionen
zusammen. Es geht schnell vorwärts, und bald werden wir in Bulgarien sein. Also vielleicht ist denn
Auch bald Schluss. Mir geht’s wie gesagt sonst tadellos, und hoffe dasselbe von Euch.
Gestern haben wir 50 Serben gefangen. Unsehlige Tode haben sie liegen gelaßen und grosses
Geschütz. Unsere Artilleri arbeitet Gut. Leider haben wir ja auch viele Verluste. Einer meiner
Schützen Brustschuß 2 Kammeraten aus Munster tot.
Na, diese Berge hören nun auf. Und in dem Flachland geht’s leichter? (beritten?)
Liebe Eltern ich hoffe das es Euch Gut geht, und seid wegen mich beruhigt.
Tausend herzliche Grüsse
Euer Carl.
Seite 37
Beranje 10 km östlich Poserewak, 15. 10. 15, 10 Uhr vormittags
Gestern abend ist unser Bat., heute morgen das ganze Regiment aus der ersten in der zweiten Linie
gekommen, und liegen wir seit gestern abend in diesem Dorf. Leider ist unser Pachiofer (?)
und der Makatenter (Marketender) noch nicht heran, doch hat man trotzdem ja noch viele
Theile bei sich, resp. zu seiner Verfügung. Mir geht’s also noch andauernd sehr Gut. Und
hoffe dasselbe auch von Euch. Gestern schrieb ich Euch eine Karte, doch wird dieser Brief
wohl eher kommen, da ihm ein verwundeter Feldwebel mitnimmt. Also mir fehlt eine Uhr mit
Weker, sehr starker Kapsel die sofort!! nach hier abgehen muß. Ausserdem noch eine
Feldmütze weich mit grauem Mützenrand, die nicht so sehr schnell zu kommen braucht. Hier
hat man sonst ja alles was man braucht. Sobald der Makatenter kommt, kaufe ich mir
Zigarren und Cognak. Doch bitte sendet mir auch davon, denn erstens ist es ja besser, und
kommt’s ja von der Heimat. Wir sind nun endlich aus dem Gebirge raus, und hoffentlich
geht’s in der Ebene schneller vorwärts. Die Verluste im Gebirge sind verhältnißmäsig gering
doch hat das Reg. schon viele Offiziere in den 8 Tagen verloren, zwei meiner Freunde aus
Munster. Wie geht’s eigentlich in der Familie? Ich bin gespant auf all die Neuigkeiten, in den
hoffentlich bald eintreffenden Briefen. Was machen die Dampfer? Sind unsere Bilder gut
geworden? Habt ihr das Geld von Munster bekommen und die Pakete. Ist aus England was
neues dar. Diana u. Neptun? Wir hören hier garnichts, was in der Welt passiert? Bitte sendet
mir doch, die Flensburger Norddeutsche und ergänzt die Zeitung durch lange Briefe. Ihr könnt
ja gerne oft schreiben, denn die Briefe kommen ja doch lange nicht alle her. Heute war die
zweite Nacht unter einem Dach, sonst immer in Stellung, und die ersten Tage nur Gummi
Mantel, keine Lederweste und bersteten strömenden Regen, jetzt hat starker Sturm eingesetzt
und Kälte. Bleiben wir nun noch einige Tage hinten, kann ich aus meinem Koffer alles
Nöthige raus holen. Die Verflegung ist ganz ordentlich, gestern Schweine, heute morgen
gebratenen Schinken, Mittags Gans, abends Huhn, so schlägt man sich eben durch. Der
Rothwein ist sehr sauer aber kräftig. Er wird gekocht, etwas Wein, Arrak und Zucker, so
entsteht ein ganz trinkbarer Glühwein. So beschäftigt man sich in den Tagen der Ruhe mit
Essen und Trinken, Schlafen und ganzen Bergen von großen Wallnüssen. Liebe Eltern ich
habe Euch nun allerhand von meinem Leben geschrieben, nur die angenehme Seite, das
andere später mündlich so Gott will. Nun bitte sendet mir die gewünschten Sachen bald, und
lasset an Briefen nichts fehlen. Ich hoffe auf ein baldiges frohes Wiedersehen und sende Euch
für heute die herzlichsten Grüsse.
Euer Carl.
Grüst bitte die Familie
Seite 38
Mailovatz, 13. 10. 15
Meine lieben Eltern!
Zunächst viele herzliche Grüsse. Ich erwarte in den nächsten Tagen bestimmt Brief. Mir geht’s Gut,
und hoffe dasselbe von Euch. Jeden Tag geht’s weiter vor. Mein Zug ist heute in Reserve im Dorf.
Habe eben ein Zimmer ausgeräumt, und nun suche ich nach meine Hühner. Bitte sendet mir doch
auf schnellstem Wege eine Leuchtuhr mit starker Kapsel, meine ist total zertrümmert, sonst nur
Rauchmaterial und Rum, sowie gut verpakt einige Batterien. Liebe Eltern nur sehr selten ist
Gelegenheit zum schreiben. Briefpapier habe ich garnicht mehr, doch könnt Ihr ganz beruhigt sein.
Ich glaube das wir bald, durch Serbien durch kommen, wenn erstmal die Berge hinter uns liegen,
und der ganze Nachschub über die Donau ist. Wie geht’s den andern Kriegern aus der Familie? Seit
10 Tagen nichts von der Weltgeschichte gehört. Die Nächte im Freien sind zuletzt troken gewesen
und hoffe das der Regen noch aus bleibt, denn die ersten Tage waren sehr unangenehm zumal ich
nichts bei mir hatte. Von den Munster Cameraden die bei den 32ern sind sieht man jeden Tage
welche, zwei sind schon hops. Die Serben sind alle Hunde schießen mit den Geweren blödsinnig
genau. Na, sonst alles Gut. Ich hoffe Euch gesund und munter wieder zu sehen.
Bitte grüst die ganze Familie, seid selbst tausend mal herzlichst gegrüst von
Euern Carl.
Sapine, 18. 10. 15
Liebe Eltern!
Sind in den letzten Tagen ein gutes Stük vorwärts gekommen. Mir geht’s andauernd Gut. Hoffe in
diesen Tagen auf die ersten Briefe. Das Wetter ist mässig, doch troken.
Der Feind hält mehr stand, wie zu Anfang, ist doch hoffentlich bald erledigt. Also, hoffe dass es
Euch auch gut geht und auf ein baldiges Wiedersehen.
Euer Carl
Seite 39
Pekowatz, 24. 10. 15
Meine lieben Eltern!
Viele herzliche Grüsse. Mir geht’s noch sehr Gut. Heute sprach ich Brink und Koch, sie hatten Post
von Haus, ich noch keine. Hoffe doch bald darauf. Es geht jetzt flott vorwärts - !
Treffen bald die Bulgaren. Schreibt die Adresse von Ellines Freundin in Varna. Traf gestern I.
Maschinist von Diana 1907/08. Hagen heist er Zufall!
Wie geht’s Euch? Schreibt bitte oft. Uhr und Mütze kommen bald?
Nochmals viele herzliche Grüsse
Euer Carl
20 km südlich Petrovac, 28. 10. 15
Meine lieben Eltern!
Heute zum erstenmal Briefpost bekommen und mich unendlich dazu gefreut. Mir geht’s den
Umständen nach gut. Also in den letzten Tagen war es unmöglich zu schreiben. Immer vorwärts in
andauerndem Gefecht, und viel Regen, spät in schlechtem Quartier meist die mießen Schweineställe
und totmüde. Also bin ich entschuldigt. Geht mir doch andauernd gut, und hoffe dasselbe auch von
Euch. Die letzten Briefe vom 15. dieses Monats einmal Rum, 40 Cigarren, empfangen. Sendet ein
paar lange wollene Handschuhe fürs Pferd, am liebsten halb Leder, halb Wolle, nach bestem
Gutdünken. Vor 3 Tagen traf ich Brink und Koch, Ihr Regiment hat schlimme Sachen geleistet, und
durch die eigene Bummelichkeit unverhältnismäßig viele Verluste. Seit gestern Morgen bin ich
vorne. Am vorgestrigen Abend lag unter Gefecht, hatten wir mit der ganzen Kompagnie 6
Maschinengewehre uns an die Serben geschlichen, die auf offenem Felde lagen nicht eingegraben,
und ein Überfall gemacht auf 1000 Mtr in 10 Minuten mehrere 1000 Kugel, da hats aber gekopft!
Gestern bin ich mit den ganzen Rest an Munition vorne gewesen. Von Morgens 3 Uhr an
strömender Regen, Na das war kein Spaß, zumal viele französische Officiere nun die serbischen
Batterien leiten. Unsere Artillerie kann wegen der grundlosen Wege nicht folgen, so haben wir
gestern Abend unser Tal nicht erreicht und sind vor einem Dorf, dessen Name ich nicht sagen kann,
da meine Karten hinten liegen geblieben. In einer ganz verlassenen Schweinehütte habe ich mit
meinem Unteroffizier geschlafen. In der Nacht hat man uns noch 30 gefangene Serben gebracht. In
einem Schweinestall wo 4 Leute von meinem Zug, eben Platz haben konnte, habe ich Sie alle über
Einander hingeflackt. Hätte Sie Alle nieder machen lassen, wenn nicht die Schweine schon beim
Bataillon gemeldet gewesen wären. Ich kann nicht die Namen aller Saudörfer schreiben, man
kommt schnell durch, dann weiß
man nicht mehr, wies gewesen ist. Das Übelste bis jetzt, war die Anatema Stellung, und beim Dorf
Bacanac wo die Kerle das 7. Regt. fast eingeschlossen hatten. Am folgenden Morgen habe ich mit
meinem Zug in die dichten Reihen gepfeffert, und die Kerls sind wie die Fliegen gefallen. Na lange
dauerts hier nicht mehr wenn nur das Wetter günstig bleibt und die Wege passierbar sind. Auch die
Serben scheinen müde zu sein. Sie ergeben sich sobald die Gelegenheit günstig ist, sind sonst gute
Schützen und müssen vorsichtig bekriegt werden.
Seite 40
Heute ist die große Bagage mit meinem Gepäck hinten angelangt. Hoffe heute Abend Quartier für
die Nacht im Dorf zu bekommen, und mich neu einzukleiden, nach 4 Wochen.
Werde am 1ten 11ten 600 M schicken. Haben von Munster Geld mitgenommen, ca. 300 Mark. Die
500 waren nach Bezahlung von Fernglas und kleinere Rechnungen den Rest.
Bitte vom Geld das ich am ? ? ? sende, die Rechnungen von Jürgensen und Paul kürzen und den
Rest auf Conto.
Das Adda sich veheiratet ist ja gut. Bitte dankt Paul und Elline für Brief und Buch. Von Hans war
auch Brief. Vor einigen Tagen, traf ich bei der 2. Komp. als aktiven Feldwebel, einen Maschinisten
von Diana, Hagen hieß der junge Mann. Na, liebe Eltern viele Grüße und herzliche Küsse
Euer Carl.
Das ist ja ganz nett. Auf Wiedersehn grüße die Familie.
Sendet Rum, Cigarren, Cigaretten, Chocolade, Fleischconserven abwechselnd.
Ist eine Uhr unterwegs?!
Troponje, 20 km südost Svilajnac an der Resava, 30. 10. 15
Liebe Eltern!
Heute Abend sind wir in obigem Dorfe, allerdings der zweite Ort ist nur eine Angabe, um Euch das
Auffinden des Dorfes Troponje zu erleichtern. Wir sind über den Resavafluss gekommen, haben
heute im Ganzen 20 km zurückgelegt. An einer Stelle, ist schon der Anschluß zwischen Bulgaren
und Unsern hergestellt. Hoffentlich ist nun auch das Moravatal bald ganz offen. Gestern haben wir
Gefecht bei Rocewac. Die Serben hatten ungeheure Verluste, hauptsächlich durch unsere schwere
Artillerie. Über 1000 Gefangene hat unsere Division, unsere Batterie allein 300 gemacht. Dann
noch verschiedene Maschinengewehre. Heute Morgen traf ich Koch, und seine Kompagnie. Er
erzählte mir, Ernst Brink sei vorgestern schwer verwundet, und ein anderer Offizier des Regiments
sagte, daß er am folgenden Tag, also gestern, seinen Wunden erlegen ist. So hat denn er auch,
seinem Kaiser Alles gegeben. Er war nun der Dritte aus Munster, der tot ist. Viele sind verwundet.
Heute Abend habe ich meinen Koffer zum ersten Mal in Serbien zur Hand. Reine Wäsche aus der
Vorratskiste, Sekt und andere gute Sachen. Mir geht’s also noch gut. Das Wetter ist wieder gemein,
also das macht nichts. Es geht trotzdem gut vorwärts, und die Stimmung tadellos. Unsere Burschen
machen heute Abend, ein Spanferkel zurecht. Heute hatte ein Freund Blutwurst in Dosen, das war
sehr nett, sendet mir das auch. Überhaupt Wurst in Dosen, kein Fleisch, denn das haben wir genug.
Sonst fehlt mir die Uhr. Bitte liebe Eltern, schreibt oft. Laßt es gut gehen, grüßt Alle, und seid Ihr
besonders herzlichst gegrüßt und geküßt von
Eurem Carl
Seite 41
Macevac/Morave
Meine lieben Eltern!
Viele herzliche Grüße, jeden Tag vorwärts. Mir geht’s andauernd gut. Heute Abend soll Post
kommen.
Auf Wiedersehn.
Euer Carl.
Busilovac, 6. 11. 15
Meine lieben Eltern!
Zunächst viele herzliche Grüsse. Eure letzten Briefe waren vom 20. v. Mts. Vielen Dank dafür. Mir
geht’s noch andauernd Gut, und hoffe dasselbe von Euch auch. Wir sind in den letzten Tagen
unmittelbar an der Morave-Ebene diesseits des Flusses marschirt, und haben auch einigermaßen
günstiges Wetter, so das die Sache sehr interessant war. Nun haben wir die Bahn überschritten, die
von Parat(c)in nach der bulgarischen Grenze führt. Gestern hat ein Cafalerie Offizier (KavallerieOffizier) Patrole (Patrouille) unseres Regiments eine solche der Bulgaren bei Lefzje 10 Kilometer
östlich Busilovac getroffen und für uns ist heute Befehl unsern weiteren Marsch nach Osten in
Richtung der oben erwähnten Bahn fortzusetzen. In Paracin haben sich gestern 3000 Serben
kampflos ergeben, alle sind des Krieges müde, total demoralisirt. Trotzdem haben sie in den letzten
Tagen noch ganz verzweifelt Wi(e)derstand geleistet, und ihre Artillerie uns sehr viel Schaden
gethan. Einige Munsterkameraden sind auch dabei aufgegangen. Es giebt so vieles zu schreiben
doch reicht die Zeit nicht. Lange dauerts hier nicht. Nur eine Frage weniger Tage. Liebe Eltern ich
hoffe das Ihr wohlauf seit. Damit ich Euch vergnügt wieder sehen mach. Sendet die Uhr und
Marmolade und Conserven, denn die Verflegung ist zeitweilig knap. Nur Geflügel giebts in
schwerer Menge, doch das ist einem bald zuwieder.
Wie geht’s denn andern Kriegern was passiert in Flensburg? Viele tausend Grüsse und Küsse
Euer Carl.
Habe am 1ten 11ten Mark 600 gesandt. Ist das Geld angelangt. Grüst bitte die ganze Familie.
Brus., 15. 11. 15
Meine lieben Eltern!
Heute Brief vom 27. V. Mts. gehabt.
Mir geht’s Gut.
Herzlichen Gruss
Carl.
Seite 42
10. 11. 15
Meine lieben Eltern!
Mir geht’s noch Gut. Habe Brief vom 26ten 10. Ekommen, desgleichen von Hanne. Hoffentlich
kommt die Uhr bald, keinen Wecker nöthig. Es geht nun rasend schnell vorwärts. Brief folgt bald,
grüst die ganze Familie. Euch tausend herzliche Grüsse und Küsse
Euer Carl
Bobote bei Brus, 10. 11. 15 (Brief von gestern liegt bei)
45 km südwestlich Brusevac
Brusevac, 11. 11. 15
Liebe Eltern!
Wieder sind wir vorgekommen. Vor uns liegt das Lepenat-Pl. Es geht mir immer noch tadellos. Nur
hat die Verpflegung etwas zu wünschen gelassen. Seit einigen Tagen giebt’s nun schon kein Brot
mehr. Doch werden wir in einigen Tagen wohl längere Zeit halten, da die Herren Österreicher rechts
von uns, nicht mitgekommen sind. Gestern abend wurde mir das eizerne Kreuz überreicht – und
trage ich es jetzt mit der Hoffnung auch dasselbe glücklich nach Haus zu bringen.
Heute sollte nach einer grossen Weissagung ja Frieden werden, Na wenn auch heute nicht, lange
kanns nicht mehr dauern. Ich schreibe hier in einen Dorfpostamt. Sonst giebts nichts neues.
Ich habe als einziger von meinem Munster Kameraden das Kreuz bekommen was schon seit
Baianac eingereicht.
Liebe Eltern ich hoffe das es Euch gut geht und wir uns bald wieder sehn. Um 7 Uhr geht’s weiter,
daher mach ich nun schliessen. Viele tausend Grüsse und Küsse
Euer Carl.
Entschuldigt die flüchtige Schrift.
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