Einführende Beschreibung

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Das Praxis-Projekt Persönliche Bewusstseinskultur:
Gerd Metz
Das Projekt ist eine Unternehmung, die folgendes Ziel hat:
Eine Zusammenstellung von inneren und äußeren Praktiken, welche im Alltag der meisten Mitglieder
moderner Gesellschaften gelebt werden können.
Innere Praktiken sind Praktiken, die sich auf die Vorgänge des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens, Wollens
und der Bewusstseinsprozesse eines Menschen beziehen und diese kultivieren und verfeinern helfen.
Äußere Praktiken sind mit Absicht ausgeübte oder auch bewusst unterlassene (ungünstige) Handlungen und
Verhaltensweisen, die zum Ziel haben, im Alltag und in den Lebensverhältnissen eines Menschen günstige
Bedingungen zu erzeugen oder zu erhalten und weiterzuentwickeln. Günstige Bedingungen sind solche, die
es einem Menschen ermöglichen und ihn darin unterstützen, sich innerlich und äußerlich in einem guten Fluß
zu erleben (Flow), seine Fähigkeiten entfalten und seine Werte leben zu können und sich in einen größeren,
Sinn stiftenden Zusammenhang eingebettet und wertvoll zu fühlen.
Welche Praktiken sind das und wie werden sie zusammengestellt?
Es sind Praktiken des Innehaltens, des bewussten Wahrnehmens und der Selbstreflexion, der Übung
seelischer Qualitäten wie Präsenz, Ausrichtung, Selbstfürsorge u.v.m., der Verhaltenssteuerung, der
achtsamen Kommunikation und der Kultivierung eines persönlichen Lebensstils, der eine befriedigende und
positive Antwort findet auf die Frage: „Wie will ich leben?“
Das Erfinden, die Auswahl und Zusammenstellung dieser Praktiken kann ein individueller als auch
kollektiver Forschungs- und Entwicklungsprozess sein. Ich selbst begreife mich dabei sozusagen im Moment
als „Projektleiter“. Als solcher bereite ich die konzeptionellen Grundlagen auf und stelle Praxiselemente
zusammen. Diese Praxiselemente unterziehe ich selbst einem kontinuierlichen persönlichen Alltagstest und
stelle sie außerdem - mit der Bitte um feedback - daran interessierten Einzelpersonen und Gruppierungen,
mit denen ich Kontakt habe, zum eigenen Erforschen und Experimentieren zur Verfügung (schriftlich per email-Anhang).
Diese „Forschungsmitarbeiter“ können sich z.B. rekrutieren aus: einigen meiner Coaching- und
Psychotherapieklienten, Menschen aus meinem Bekanntenkreis, Teilnehmer des Nürnberger Integralen
Salons und Salons in anderen Städten, Mitglieder meiner Männergruppe, Menschen aus meinem
Movements Netzwerk, ehemalige Teilnehmer meiner MBSR-Kurse und der Kurse anderer MBSR-Lehrer
u.a. Die Rückmeldungen aus den Erfahrungen der Menschen mit diesen Praxiselementen fließen wieder bei
mir zusammen, sodaß sich aus diesen Auswertungen, Anpassungen und Neuerfindungen nach und nach
diejenigen Elemente herauskristallisieren können, welche das Potential in sich tragen, den größten Nutzen
für eine möglichst große Zahl von Menschen zu generieren. Parallel dazu sichte ich auch die aktuelle
Literatur zu Praxisanleitungen und Psychologie einer modernen Erwachsenenentwicklung und mache sie für
das Projekt fruchtbar.
Ziel ist, dass am Schluß eine Anzahl von zunächst 12 Praxiselementen steht, die, einander ergänzend und
stimulierend wie ein Praxis- System wirken, welches umsetzbar und effektiv ist und einer größeren Zahl von
Menschen Lust macht es im Alltag auszuprobieren.
Das Quadrantenmodell von Ken Wilber (und andere Modelle) bilden den theoretischen Rahmen zur Auswahl
und zum zueinander-in-Bezug-setzen dieser Praxisbausteine.
Die Absicht zu diesem Projekt ist von folgender Grundannahme geleitet:
Als Menschen sind wir in der Lage, uns unserer inneren und äußeren Lebensbewegungen bewusst zu sein
(Gedanken, Gefühle, Willensimpulse, Handlungen). Dies einerseits im zeitlichen Abstand (durch
Reflexionen auf vergangene oder künftig erwartete Lebensbewegungen) und andererseits als gegenwärtiges
Gewahrsein in dem selben Moment in dem sie geschehen. Das bedeutet, dass es uns möglich ist, Richtung
und Qualität unseres Lebensstroms mit Hilfe unserer Bewusstheit mitzugestalten (aber nicht zu
kontrollieren!). Dies unterscheidet uns radikal von den Tieren.
Eine ehrliche und genaue Selbsterforschung zeigt aber auch dies:
Nicht selten haben wir das Gefühl, dass wir unser Leben eben nicht aus einem freien Bewusstsein heraus
mitgestalten, sondern eher von den äußeren Umständen und unseren unsortierten inneren seelischen Kräften
„gelebt werden“ statt zu leben und dass wir unseren Alltag „abspulen“ ohne in Kontakt mit dem Wunder des
Lebens zu sein.*(siehe unten) Wenn wir uns fragen „Wie will ich leben“, ist es für viele von uns so, dass
das, wie wir unseren Alltag und unsere Lebensumstände aktuell erfahren, oft nicht so recht zu unserem Bild
davon passen, wie wir gerne leben wollen. Wobei sich dies nicht nur auf unsere äußeren Lebensverhältnisse
bezieht, sondern mindestens genauso auch auf unser Verhältnis zu uns selber, d.h. wie wir mit uns selbst, mit
unserer Art zu leben im Einklang und mit uns im Reinen sind.
Daraus, und aus der tief empfundenen Ahnung, dass eine andere Art Leben möglich ist nährt sich eine
subtile Sehnsucht. Eine Praxis haben antwortet auf diese Sehnsucht.
Was meine ich mit diesem Ausdruck? Mit dem Ausdruck Eine Praxis haben meine ich: die permanente
Übung der Hingabe an die Entfaltung meines Lebensstroms im Inneren und im Außen durch das
Hinlauschen auf seine Bewegungen und durch die Übung seiner bewussten Gestaltung, so, wie ein Künstler
sich an die Gestaltung seines Werkes - wie es durch ihn hindurch fliessend entsteht - hingibt.
Eine Praxis haben ist:
> den Lebensprozess sich entfalten zu lassen und diese Entfaltung zu kultivieren und bewusst zu begleiten
> der Übergang von einem Leben vorwiegend im Reaktions- und Autopilot-Modus zu einem Leben
in Wachheit und innerer Freiheit
> sich mit der wachsenden Zahl von Menschen, die ebenfalls eine Praxis haben durch diese Gemeinsamkeit
verbunden zu fühlen
> etwas unvergleichlich Individuelles
Die Praxisbausteine:
> sind überschaubar in der Anzahl und handhabbar im Anforderungsgrad
> sind integral, d.h. verschiedene Dimensionen des Erlebens einbeziehend, wie z.B. Innenwelt und
Außenwelt; Einzeldinge und Gesamtverhältnisse/größere Kontexte; Verhalten, Körper, Energie,
Beziehungen
> dadurch ergänzen sie sich und wirken synergistisch
> sind flexibel und lassen Raum für Veränderung, Exploration und Evolution. Jeder kann sie nach seiner
individuellen Passung kürzen, erweitern, vertiefen, vereinfachen, ergänzen oder nach eigenem
Geschmack und Vermögen auch nur Einige davon auswählen.
> die einzelnen Praxiselemente sind zusammengehalten und begründet durch konsistente kognitive
Landkarten und Modelle
> sie sind in ihrer Gesamtwirkung langfristig transformativ, d.h. sie haben eine Wirkung in Richtung
integrale Entwicklung. Diese Wirkung ist nach und nach feststellbar über Introspektion, über Verhaltensund Alltagsbeobachtung, durch Spiegelung und feedback von Mitmenschen und manchmal auch durch
positive Veränderungen in den Lebensverhältnissen
Mein Rollenverständnis:
Ich begreife mich selbst dabei nicht als spiritueller Lehrer im traditionellen Sinne, der, im Vergleich zu den
anderen, so was wie eine „höhere Stufe“ erreicht habe und von dieser aus Aufgaben gibt, sondern eher so
etwas wie ein Impulsgeber und Koordinator für eine gemeinsame „Feldforschung „ für das Forschungsund Praxisfeld Alltag (als Forschungsleitung sozusagen).
* „Menschen, für die das ganze Leben nur ein Sonntagnachmittag war, ein Nachmittag, der vielleicht nicht
ganz und gar jämmerlich war, aber ziemlich heiß, stumpfsinnig und unbequem. Sie haben geschwitzt und
sich sehr aufgeregt. Sie wussten nicht, wohin sie gehen und was sie tun sollten. Dieser Nachmittag hat sie
nur mit der Erinnerung an kleinlichen Ärger und an Langeweile zurückgelassen, und dann war er plötzlich
vorbei. Es war schon Nacht.“
Aus Carlos Castaneda: „Erzählungen der Macht“
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