Das ICH (Selbst) - Fredi Steiner ZEN Meditation

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Das ICH (Selbst)
Gibt es überhaupt ein ICH oder Selbst, was verstehen wir unter dem ICH. Besteht das ICH (Mensch /
Ego) einfach aus einer Masse von Materialien die sich wiederum in kleinste Atome (Quarks) aufteilen,
die sich stetig verändern, wer sind wir denn?
Oder ist das ICH eine Zusammenballung von geistigen Vorstellungen, die dann unser eigenes Ego
bilden? Sind wir überhaupt wir selbst? Nehmen wir uns selber zu wichtig oder sind wir auf unserem
Planeten oder Planetensystem überhaupt wichtig?
Alle grossen religiösen Traditionen sprechen von der Notwendigkeit, das Ich zu "verlieren", sich vom
Ich zu distanzieren. Das Ich (Ego / Seele) versperrt und den Weg zur völligen Hingabe an Gott oder
ein göttliches Prinzip (gem. theistischen Religionen) oder in dem man in sich hinein schaut und
entdeckt, dass dieses Ich nie wirklich existiert hat (Buddhismus und hinduistische AdvaitaPhilosophie). Durch äussere Umstände und dem Umfeld (Personen, Objekte, Subjekte) werden wir
wie in einem Theater oder Film in eine Rolle gepasst, welche unser Bewusstsein oder das Ich bildet
(Arm, reich, mächtig, gierig, triebhaft, usw.) und meinen, das bin ich, das ist die Realität, was in
Wirklichkeit eher als Trugbild, Scheinwelt oder Wahnwelt angesehen werden muss. Da sich unser
Bewusstsein alle Augenblicke durch stets neuer Sinnesaufnahmen unaufhaltsam verändert, sind wir
auch in unserem Geist nie der gleiche Mensch, nebst der fortlaufenden Vergänglichkeit unseres
materiellen Körpers.
Wenn die Individualität verloren ist, gibt es uns dann überhaupt noch, oder sind wir in einer gewissen
Art unsterblich? Diese Fragen sind so tiefgreifend, dass sie letztlich nicht mit Worten zu erklären sind.
Mit Worten können wir uns diesem Zustand nur annähern, aber damit nie ans Ziel oder an unsere
höchste Wirklichkeit oder Wahrheit, die nicht Vielheit sondern Einheit ist, gelangen.
Aus psychologischer wie spiritueller Sicht ist das Ich eine Ansammlung von Eigenschaften,
Merkmalen, Einstellungen, usw, die wir über unsere Sinne in unserem normalen Bewusstsein
aufgenommen haben und daraus ein geistiges Konstrukt (gem. buddh. Ansicht ein Phänomen oder
Scheinbild) entstanden ist. Lediglich Objekte, Subjekte und andere Menschen zeigen mit auf, wer ich
bin. Als Säugling gibt es noch kein begriffliches Denken, Kleinkinder können noch staunen, später
sind es Eltern, Lehrepersonen, Kolleginnen und Kollegen, Partnerschaft, Freundeskreis, usw, die das
eigene Ich beeinflussen, das weltliche Ich ist dauernd in Veräderung, bleibt nicht starr, ist es dann
noch ein Ich oder Selbst? Das Ich ist keine absolute Wahrheit, keine elementare Erscheinung, es ist
nur ein Bild von dem Ich, gefärbt von Vorstellungen, Vorurteilen, Illusionen mit deren subjektiven Sicht
der jeweiligen Daseinszustände oder des Lebens.
Wir idendifizieren uns dennoch unablässig mit dem dauerhaften und beständigen Ich und müssen es
immer voller Angst und Mut verteidigen und immer wieder bestätigen, als existiere es wirklich. Wir
verteidigen und beurteilen oder verurteilen es mit Stolz oder Schuldgefühlen. Dies verstärkt auf
unterschiedliche Weise die Illusion der Existenz des Ich, es besteht dauernd ein übermässiger
Dualismus und ein stetiges Werten aller Erscheinungen, was unserer menschlichen Natur entspricht.
Eine innere Überwindung dieser Zustände, welche wir als wahre Existenz annehmen kann nur durch
gezielte und selbsterkennende Anwendung erreicht werden. Meditation oder auch tiefgreifende Arten
von Psychotherapie sind eine Möglichkeit, die kleine Ich zu durchschauen und am Ende abzulegen.
Wenn wir dieses illusionäre Ich verlieren, verlieren wir in Wirklichkeit nichts, wie können wir etwas
verlieren das nur in einem geistlichen Scheinbild existiert? Wir lassen ganz einfach nur eine Reihe von
Vorstellungen fallen, ein Schleier der Unwissenheit, wo wir bisher unser Sein betrachtet haben. Wir
gewinnen eine Sicht mit höchster Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Die Mystiker sprechen von einer
gewaltigen Ausdehnung des Seins, wenn diese Unwissenheit abgestreift ist. Unsere normalen
andauernden Beschäftigungen mit dem Selbst das stetige Werken mit dem Ich beschränken diese
Ausdehnung, welche vollkommene Verwirklichung von Liebe, Mitgefühl und Einheit umfasst. Der
Mystiker sagt:" Es ist nicht, das ich nichts bin, sondern dass ich alles bin:"
Wir sind in der Regel immer bewusst oder unbewusst im Zentrum der Auseinandersetzungen in
unserem alltäglichen, extremen und dualistischen Denkweisen. Es ist unser alltägliches Erleben der
Welt, die aus realen und unabhängigen Dingen bestehen soll und die wir mit einem realen und
unabhängigen Selbst erleben. Dieses Selbst-Konstrukt ist ein Resultat der Alltagserfahrung, dass
Menschen sich nicht als Bündel zielloser Reflexe erleben, sondern als die Suveräne ihres Denkens
und Handels. Auch die äussere Welt präsentiert sich als fest gefügte Umwelt, wahrgenommen aus
einer stabilen Perspektive, die durch Denk- und Verhaltensmuster im eigenen Körper verankert ist.
Wir verlassen uns auf die Sinneswahrnehmungen (nur so wie wir die Dinge erleben, nur aus unserer
eigenen, individuellen Sicht) und auf die alltäglichen Konzepte. Wir sind so schnell und leichtgläubig
bereit, den Objekten und dem Selbst eine neue Substanz zu unterstellen. Metaphysische, religiöse
und wissenschaftliche Konzepte haben die Tendenz, die alltäglichen Eindrücke von einem
unabhängigen Selbst und unabhängigen Objekten zu verfestigen, zu verabsolutieren und zu
systematisieren.
Das Ich und Selbst kann nur im Augenblick erlebt werden, wo keine geistigen und gedanklichen
Konstrukte kommen und vergehen und diese stets Hindernisse zum eigenen Ich darstellen. Im
unmittelbaren Erleben ist der Mensch nicht mehr ein "ICH mit Gesicht" als Summe von Eigenschaften,
die er an sich selbst von aussen her feststellt. Wir sind vielmehr die leibhafte Wirklichkeit selbst, das
Hier und Jetzt, das niemals "festgestellt" werden kann. Das Ich zu finden ist in unserem
oberflächlichen Dasein und unserer jeweiligen Situation höchst schwierig zu finden, weil wir als
erlebnishungrige Wesen mit andauernden Verstandesarbeit nicht im leibhaften Augenblick existieren
können, weil wir uns nur in unseren vorgegaukelten "Wirklichkeitsmodellen" verlieren.
Wir bauen in unserem Geist mit unserem Verstand und dem begrifflichen Denken andauernd neue
Konstrukte und Phänomene auf, welche im nächsten Augenblick schon wieder durch andere Eindrücke überdeckt werden und unser Bewusstsein ständig neu formatieren. Wir sind uns nicht bewusst,
dass alle verarbeiteten Erscheinungen nur in unserer eigenen Vorstellung existieren und wir uns
daran unser eigenes Ego verfestigen mit dem Gefühl, dass das real sei. Durch diese Abläufe
entstehen immer wieder neue innere Spannungsfelder, daraus entstehen unsere Leiden, welche wir in
unserem Dasein und Fortbestehen wie nach einer inneren, tiefen Gesetzmässigkeit brauchen. Umso
schwerer ist es, gegen diese inneren, bestehenden Widerstände sowie unsere Triefhaftigkeit
aufzukommen. Mit Worten kann diese Situation nicht eingedämmt werden, weil diese die IchHaftigkeit nur neu formatieren und sich so von der Wirklichkeit distanziert. Nur in der meditativen
Versenkung und Sammlung, ohne Worte, lässt sich zur inneren Ruhe kommen, jeder Mensch muss
diese Erfahrung zum Weg zu seiner Mitte selber finden durch richtiges Verhalten, richtige Einsicht und
grossen Willen.
Aufgrund des starken Ich-Bezugs und Befriedigung der Sinnlichkeit auf oberflächlichen Dinge erleben
wir Stress oder Leid (Dukkha), das sich unaufhaltsam wiederholt und unser Bewusstsein dauernd in
Trab hält. Unsere eigenen Begierden lassen uns nicht los, wir sind in unserem eigenen Denk- und
Verhaltensmustern gefangen und brauchen sie sogar, weil wir uns paradoxerweise darin aufgehoben
fühlen. Jedes gesprochene Wort oder jeder gedachte Eindruck tangiert die Ich-Haftigkeit, letztlich
muss der Mensch, solange er Mensch bleibt, mit der Ich-Haftigkeit leben, da ohne gezielte
Anstrengung und Übung immer ein Rest bleibt (Karma), was auch den eigenen Tod überdauert. Wie
die Ich-Haftigkeit nicht abgestreift werden kann, müssen sich alle Wesen mit den dazugehörigen
"Dünkeln" und Leiden (auch Freuden) im Dasein zurechtfinden.
Wer weniger inneres Selbstvertrauen hat wird den eigenen Ich-Bezug (Ego) zu oberflächlichen Dingen
wie Geld, Macht, usw. entsprechend aufbauen.
Fredi Steiner, Zen
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