DOC - Hochschule Hamm

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HSHL-EXPERTEN
Hamm/Lippstadt, 15. März 2013
Erstes solarthermisches Wüstenkraftwerk geht in Betrieb: HSHLProf. Dr.-Ing. Olaf Goebel , ehemaliger technischer Leiter des
Projektes, im Gespräch
Am 17.03.2013 wird das größte solarthermische Wüstenkraftwerk
„Shams 1" in Abu Dhabi in einer feierlichen Zeremonie eröffnet und in
Betrieb genommen. Die Konstruktion des 100-Megawatt-Kraftwerks
verantwortete Prof. Dr.-Ing. Olaf Goebel, der heute im Studiengang
„Energietechnik und Ressourcenoptimierung“ an der Hochschule
Hamm-Lippstadt lehrt.
Prof. Goebel, als ehemaliger Head of Engineering bei Masdar,
haben Sie von 2007 bis 2012 die Planung des solarthermischen
Kraftwerks „Shams 1“ verantwortet. Was sind die größten
Herausforderungen bei der Konstruktion eines solchen Projektes?
Prof. Goebel: „Regionen wie Nordafrika oder der Nahe Osten haben
zwar den Vorteil der starken Sonnenstrahlung, in den heißen und
sandigen Gebieten ist der Bau solcher Anlagen jedoch aus mehreren
Gründen eine große technische Herausforderung: Zum einen bedarf der
Wüstensand einer aufwändigen Bodenpräparation, um zu einem
geeigneten Bauuntergrund zu werden. Zum anderen ist in der Wüste
nicht ausreichend Wasser vorhanden, um die zwingend erforderliche
Kühlung eines solchen Kraftwerks sicherzustellen. Die Lösung hierfür ist
eine Trockenkühlung, wie sie auch bei ‚Shams 1‘ umgesetzt wurde.
Diese funktioniert ähnlich wie die Kühlung eines Automotors.“
Wie genau unterscheidet sich Solarthermie, wie sie „Shams 1“
nutzt, von Solarzellen, die heutzutage auf zahlreichen Hausdächern
zu finden sind?
Prof. Goebel: „Bei Solarzellen, also der Photovoltaik, wird die
Sonnenenergie direkt in Strom umgewandelt. Bei der Solarthermie
hingegen wird durch die Sonne gewonnene Energie in Wärme
umgewandelt, gespeichert und zur Stromproduktion genutzt. Die
Technologie, die hierbei zum Einsatz kommt, heißt Concentrated Solar
Power, kurz CSP. Bei einem solarthermischen Kraftwerk wie ‚Shams 1‘
wird Sonnenstrahlung über zahlreiche Spiegelsysteme in einem
Absorber gebündelt. Dieser erhitzt sich, und die Wärme wird mit Hilfe
von Turbinen zur Stromproduktion genutzt. Die Solarthermie ist deutlich
effizienter als Photovoltaik. CSP ermöglicht, dass Wärme in speziellen
Wärmespeichern konserviert werden kann. Thermische Solarkraftwerke
können also im Gegensatz zu Solarzellen auch nachts Strom liefern.“
Welche Rolle spielen Photovoltaik und Solarthermie in Zukunft bei
unserer Energieversorgung?
Prof. Goebel: „Definitiv eine Bedeutende. Am 05.07.2012 veröffentlichte
die Internationale Energieagentur IEA eine Studie, laut der die weltweite
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Hamm, 15.03.2013
Photovoltaik-Kapazität bis 2017 230 Gigawatt erreichen wird. Das ist
dreimal mehr als heute. Die Kapazität solarthermischer Kraftwerke soll
sich im gleichen Zeitraum mehr als verfünffachen und 11 Gigawatt
erreichen. Um beim Beispiel von ‚Shams 1‘ zu bleiben: Mit der
Stromerzeugungskapazität des Kraftwerks, nämlich 100-Megawatt,
könnten ca. 120.000 Menschen in Deutschland mit Strom versorgt
werden. Dies ist eine Ressource mit hohem Potential.“
Werden wir bald auch solarthermische Kraftwerke in Deutschland
haben?
Prof. Goebel: „Nein, sicher nicht. Das hat damit zu tun, dass wir nicht im
so genannten ‚Sonnengürtel‘ der Erde liegen. Dort – etwa zwischen dem
nördlichen und südlichen 35. Breitengrad – herrscht ein hoher Anteil
direkter Sonneneinstrahlung. Genau dieser wird benötigt, um ihn mit
Spiegelsystemen zu fokussieren und ihn für eine solarthermische
Stromerzeugung zu nutzen. In Europa sind lediglich südliche Länder wie
Spanien, Portugal oder Italien sinnvoll. In Spanien gibt es auch bereits
ca. 50 solarthermische Kraftwerke. Außerhalb Europas sind natürlich
Standorte wie Kalifornien, Südafrika, Nordafrika und der Nahe Osten
prädestiniert. Das im Sonnengürtel vorhandene, technisch nutzbare
Potenzial ist dabei deutlich größer als der weltweite Strombedarf.
Entscheidend für die Zukunft der Solarthermie wird jedoch sein, wie die
im Sonnengürtel gewonnene Energie kosteneffizient in Länder wie
Deutschland transportiert werden kann. Technisch ist dies heute schon
möglich. Es sind aber noch viele kommerzielle Fragen zu klären, bevor
diese Vision Wirklichkeit wird.“
Das solarthermische Wüstenkraftwerk in Abu Dhabi ist mit Hilfe der
viel gelobten ‚Deutschen Ingenieurkunst‘ entstanden, was hat die
Arbeit an dem Projekt für Sie ausgezeichnet?
Prof. Goebel: „Es freut mich, dass viele der Schlüsselkomponenten des
Kraftwerkes aus Deutschland kommen. Die Tatsache, dass deutsche
Firmen im weltweiten Wettbewerb das Rennen gemacht haben und
Aufträge im Wert von fast 100 Millionen Euro realisieren konnten, zeigt
uns, wie wettbewerbsfähig unsere Industrie im Sektor Energietechnik ist.
Ich freue mich darauf, als Professor für ‚Erneuerbare Energieerzeugung‘
an der HSHL einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Industrie die jungen
Ingenieurinnen und Ingenieure bekommt, die sie zum Erhalt dieser
Poleposition braucht.
Weiterhin erwähnenswert ist die Arbeit in einem wahrlich internationalen
Team. In meiner Abteilung arbeiteten Menschen aus Abu Dhabi,
Jordanien, Spanien und Deutschland. Die Zusammenarbeit hat dabei
hervorragend funktioniert.“
Vita Prof. Dr.-Ing. Olaf Goebel:
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