08 - Landratsamt Reutlingen

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08.10.2002 Umweltwettbewerb 2002: 57
Beiträge - ein neuer Rekord
Pressemitteilung Nr. 155/2002 vom 08.10.2002
Der diesjährige Umweltwettbewerb des Landkreises Reutlingen hat alle Erwartungen übertroffen: noch
nie haben so viele Projekte am Wettbewerb teilgenommen. Nach Abgabeschluss am letzten Schultag vor
den Sommmerferien lagen 57 Wettbewerbsbeiträge auf dem Tisch - ein neuer Rekord. Der Wettbewerb
war zugleich ein Beitrag des Landkreises zum Landesjubiläum und stand unter dem Motto "Wir sind auf
dem Weg - auf dem Weg in eine umweltfreundlichere Zukunft.
Preisgelder von insgesamt 13.000 EURO werden nun an die Preisträger der mitwirkenden Vereine,
Schulklassen, Jugendgruppen, Verbände, Gewerbebetriebe und kirchlichen Organisationen sowie Städte
und Gemeinden verteilt, die am 17. Sept. 2002 von einer Jury ermittelt wurden. Dazu mußten die 57 Text, Foto- und Filmbeiträge für die Jurysitzung aufbereitet und nach Themen und Wirkungen geordnet
werden.
Landrat Dr. Edgar Wais ist nicht nur stolz auf die große Zahl, sondern vor allem auch auf die Qualität der
Einsendungen. ?Die Beiträge verdeutlichen, ebenso wie die vielen in den Umweltwettbewerben der
vergangenen Jahre eingereichten Projekte, das breite ökologische und soziale Engagement in der
Bürgerschaft, vor allem auch bei vielen Jugendlichen und ihren Betreuern und sind wichtige Bausteine für
eine nachhaltige Umweltentwicklung?. Zur Preisverleihung am 8. Oktober hat er alle Preisträger in den
großen Sitzungssaal des Landratsamts Reutlingen eingeladen.
Die Preisträger im Einzelnen:
1. Preis (3000,-- EURO):
Den ersten Preis erhalten folgende Projekte und Initiativen:
für den Aufbau und Betrieb des Umweltbildungszentrums Listhof
Ziel: Kinder u. Jugendliche sollen durch Umweltpädagogik und verschiedene Veranstaltungen motiviert
werden, mit ihrer Umwelt und den Lebensgrundlagen verantwortungsbewußt umzugehen, um
nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu erhalten.
Freude an der Natur; Erhaltung v. Biotopen; Einführung in die Umwelttechnik; praktische
Landschaftspflege.
Maßnahmen: Exkursionen im Naturschutzgebiet, Natur- und Projekttage, Einführung in die
Umwelt(mess)technik, Naturgeburtstage, Leistungsabzeichen Natur usw.
Ergebnis: Im Jahr 2001 wurden 207 Veranstaltungen durchgeführt, und 4000 Besucher gezählt.
Die besondere Arbeit des Listhofs zeigt sich insbesondere an zwei Projekten, die gemeinsam mit dem
Listhof den ersten Preis erhalten:
Bau einer Kräuterspirale am Umweltzentrum Listhof
Ziel: Vermittlung von Basiswissen im Bereich Umwelt- u. Naturschutz; Kinder über ihre Freude an
Naturerlebnissen dazu motivieren, sich für die Belange des Umwelt- und Naturschutzes einzusetzen.
Maßnahmen: Beim Anlegen einer Kräuterspirale mit Teich lernen die Kinder Pflanzen und Tiere, die dort
eingepflanzt bzw. heimisch werden sollen und deren Lebensbedürf-nisse, kennen. Auch verschieden
Baumaterialien und Naturprodukte werden erlernt.
-Förderschule Reutlingen-Orschel-Hagen
-Neugestaltung eines Pausenhofs in Zusammenarbeit mit dem Listhof.
Ziel: Erstellung eines neuen Pausenhofs mit einem ?Naturerlebnisbereich? (Spiel- und Erfahrungsgeräte)
Förderung der sinnlichen Erfahrung im Umgang mit Naturphänomenen, Wahrnehmung von Natur,
Umwelterfahrungen, Körperwahrnehmung, Koordination durch die Schüler unter Verwendung natürlicher
Materialien; Umweltpädagogik, Sensibilisierung der Schüler für das Thema Umwelt und Natur durch
praktische Tätigkeit.
Maßnahmen: Erstellung eines ?Dschungelpfades? (40 m durch Strauchwerk mit Rindenmulch),
Fühlparcours, Balancierbalken, Erdhügel, Kletterstämme und Lebensräume für Tiere (Igelreservoir,
geplant: Nisthilfen, Teichbiotop usw.)
Hierzu: Zurückschneiden von Astwerk, Fällen und Entrinden von Bäumen, Ausheben von Erde, Transport
von Erdmaterial und Mulch usw., Einbringung von Schotter etc.
Teilnehmer: ca. 100 Schüler, Gestaltungsphase: 8 Wochen,
2. Preis (2000,-- EURO):
Obst- und Gartenbauverein Eningen u.A. e.V.
Projekt: ?Rettet den Eninger Streuobstgürtel?
Ziel: Erhaltung und Wiederherstellung der in den letzten Jahren durch Unwetter und Krankheiten
dezimierten Streuobstwiesen.
Maßnahmen: Es wurden abgängige Bäume ersetzt und zum Teil auch baumfreie Wiesen mit
verschiedenen Apfel-, Birnen- und Nussbaumsorten neu bepflanzt.
Ergebnis: Pflanzung von 272 Bäumen seit 1999. Kosten: 6.033,77 Euro, wovon 70,2 % von der
Gemeinde erstattet wurden. 53 Teilnehmer (Vereinsmitglieder)
2. Preis (2000.-- EURO):
Obst- und Gartenbauverein Pliezhausen
Projekt: Obstsortenmuseum?
Ziel: des Museums ist die Erhaltung alter Apfel- und Birnensorten aus der Region. Den nachfolgenden
Generationen soll das Museum als Genreservoir dienen.
Maßnahmen: Seit 12 Jahren werden auf einem Gemeindegrundstück Jungbäume gepflanzt und mit alten
heimischen Obstsorten veredelt. Aufstellen einer Schautafel (gefördert v. PLENUM); die Sammlung
beinhaltet derzeit 76 Apfel- und 31 Birnensorten auf einer Fläche von ca. 5 ha.
Ergebnis: In 12 Jahren wurden ca. 240 Bäume gepflanzt. Die Kosten wurden komplett von der Gemeinde
übernommen. Jährlicher Pflegeaufwand ca. 150 ? 200 Stunden.
3. Preis (1000.-- EURO):
Gemeinde Grafenberg
Projekt: ?Umweltschutz in der Bauleitplanung?
Ziel: Umweltschutz durch, bzw. in der Bebauungsplanung.
Maßnahmen: Das Projekt ?Gewerbepark Hochsträß? ist ein gutes Beispiel für Bebauungsplanung im
Sinne des Umweltschutzes. Immissionsarme Energieversorgung per Gas, Dachabwassertrennung zur
Entlastung der Kläranlage (Regenwasser wird durch ein offenes Grabensystem über eine neu angelegte
Retentionsfläche dem Helfersbach zugeleitet), Pflanzgebote für angrenzende Grünflächen und
empfohlene Dachbegrünung. Der Erdaushub wurde zum Aufbau einer Retentionsfläche benutzt und mit
Obstbäumen bepflanzt. Fläche: ca. 3 ha
Ergebnis: Durch das Trennsystem wurden 13.125.00 Liter Wasser abgeleitet, die nicht über die
Kläranlage fließen, wodurch Energie und Kosten eingespart wurden. Durch Bepflanzung der
Retentionsfläche und die meist permanente Wasseranstauung ist ein Feuchtgebiet mit Biotopcharakter
entstanden.
3. Preis (1000.-- EURO):
NABU Ortsgruppe Pfullingen
Projekt: ?Artenschutzprogramme und neue Jugendgruppe?
Ziel: Die Erhaltung und der Schutz von gefährdeten Vogelarten, insbes. Schleiereule, Wasseramsel u.
Eisvogel. Sensibilisierung der Kinder für Naturschutz, Vertiefung des Naturverständnisses, Sicherstellung
des Nachwuchses und die Fortführung der Naturschutzarbeit.
Maßnamen: Es wurden Nisthilfen für Wasseramseln, Eisvögel und Schleiereulen u.a. aufgehängt und
versucht, die natürlichen Lebensräume zu erhalten oder wieder herzustellen (Feldscheune, Kirchtürme
usw. Nistkästen). Teilweise wurden künstliche Futterplätze errichtet. Für den Eisvogel wurde eine
künstliche Bruthöhle angelegt u. dessen Lebens-bedingungen an der Echaz verbessert, damit er dort
nicht nur als Gast, sondern auch als Brüter angetroffen werden kann.
Die im Frühjahr 2002 neu gegründete Kinder- und Jugendgruppe befaßt sich mit vielen Themenblöcken,
bei denen das Naturerlebnis im Vordergrund steht (?Ansprechen v. Kopf, Herz u. Hand?). Wichtige
Themen sind Artenschutz (insb. Vögel) und die Biotoppflege.
Ergebnis: Nisthilfen in 29 Gebäuden für Schleiereulen. Ausfliegen v. 21 jungen Schleiereulen und 11
Turmfalken. Betreuung v. 38 Nisthilfen für die Wasseramsel. 18 Kästen waren mit Bruten belegt.
Betreuung u. Kontrolle weiterer 900 künstlicher Nisthilfen in Pfullingen u. Lichtenstein. 2002 haben ca.
200 Kinder Veranstaltungen der Jugendgruppe besucht.
3. Preis (1000.-- EURO):
Jungfischer der Fischergemeinschaft Oferdingen e.V.
Projekt: ?Renaturierung des Reichenbaches?
Ziel: Renaturierung des einbetonierten Reichenbaches.
Maßnahmen:
1. Kartierung des Ist-Zustandes (Gewässergüte: 3,04 (1=sehr gut bis 4= sehr schlecht);
2. Zerstören der Betonrinne mit Schlagbohrer, Vorschlaghammer u. Brecheisen;
3. Verwendung der zerkleinerten Betontrümmer als Geschiebe
4. Pflanzung mehrerer Schwarzerlen zur Ufersicherung u. ?gestaltung;
5. Erfassung des Ist-Zustandes (Gewässergüte 2,81).
Die Maßnahmen werden fortgeführt; Oberziel: Ansiedlung von Eisvogel u. Wasseramsel.
Ergebnis: 2001: Ca. 100 Arbeitsstunden, Renaturierung v. 50 m Bachlauf; 2002: 60 Arbeits-stunden.
Verbesserung d. Wassergüte von 3,04 auf 2,39. Herstellung der Durchgängig-keit renaturierter
Bachabschnitte für Fische (durch Kontrollbefischung nachgewiesen).
3. Preis (1000.-- EURO):
Bund Naturschutz Alb-Neckar e.V. (BNAN)
Projekt: ?Dolinenweg Hengen?
Ziel: Erläuterung der Karstformen und Vermittlung der Schutzwürdigkeit von Dolinen
Maßnahmen: Aufstellung v. 6 Tafeln mit Texten u. Farbbilder, Eröffnung: April 2001.
Ergebnis: Hunderte Stunden ehrenamtl. Arbeit, Kosten: ca. 14000 DM.
Anerkennungspreise (jeweils 250,-- EURO):
utlingen
Projekt: ?Maßnahmen zum Schutz von Jungamphibien?
Ziel: Rettung und Schutz des Erdkrötenvorkommens nach einem drastischen Rückgang der Population
zwischen 1997 und 1999 von insgesamt 5354 auf 2142 Tiere.
Maßnahmen: integriertes Schutzkonzept für ein landesweit bedeutsames Erdkrötenvor-kommen im
Bereich Markwasen RT.
Einzelmaßnahmen: 1. Wassergüteuntersuchung (Ursachenanalyse für Rückgang);
2. Entfernung von übermäßigem und exotischem Fischbesatz aus den Gewässern (ca. 5000 Fische in ca.
100 Sunden);
3. Änderung des Mähplanes im Hauptwanderbereich d. Krötenwanderung;
4. Betreuung d. Laichwanderung (Bau eines Zauns, Einsammeln, Erfassen, Aussetzen);
5. Absammeln, Erfassen u. Umsetzen der Jungtiere;
6. umweltpädagogische Führungen (19) mit Öffentlichkeits- u. Aufklärungsarbeit.
Ergebnis: Die Krötenpopulation konnte sich wieder erholen, Annäherung an ein natürliches
Gleichgewicht.
Projekt: ?Artenschutz?
Ziel: Erhalt von Nistmöglichkeiten für Meisen u.a. Tiere.
Maßnahmen: Fotodokumentation der Reinigungs-, Reparatur-und Kontrollarbeiten an Nistkästen. Die
Kinder verbrachten vier Nachmittage damit, die über 50 Nistkästen im Stadtwaldgebiet und rings um die
?Alteburg? zu kontrollieren und zu pflegen.
-Scholl-Realschule Bad Urach
Naturprojekt: Umweltpädagogik
Ziel: Wissensvermittlung, Naturschutz u. Umweltpädagogik
Maßnahmen: Praxisorientierte Wissensvermittlung auf dem Gebiet des Umwelt- und Natur-schutzes und
der Landwirtschaft mit einwöchigem Zeltaufenthalt in Buttenhausen zur Umsetzung des Erlernten.
Bildung von 8 Arbeitsgruppen (Schäferei, Imkerei, Wasser-, Waldwirtschaft, Milchwirtschaft u. Weide,
Wacholderheide, Magerrasen u. Schäferei), welche sich auf ihrem Gebiet Fachwissen aneigneten und
dieses mit ?Praktika? ? z.B. mit einem Besuch beim Imker - und dem Zeltaufenthalt vertiefen und in die
Praxis umsetzen konnten. Weitergabe des Wissens durch Referate als sogenannte Multiplikatoren.
Erstellung von Videos und CDs über Referate und einzelne Projekte.
Projekt: ?Wacholderheidenverbund?
Ziel: Erhaltung und Pflege von Wacholderheiden und Kalkmagerrasen.
Maßnamen: Die Schäferei hat es geschafft, die gesamten bisher unbewirtschafteten Wacholderheiden
und Kalkmagerrasen im Bereich Mägerkingen ? Trochtelfingen ? Hausen ? Oberstetten in einem
umfassenden ?Weideverbundsystem? zu vernetzen. Die von Familie Mackeldey praktizierte Form der
Koppelschafhaltung ist ideal zur schonenden und effektiven Pflege von Wacholderheiden und
Kalkmagerrasen geeignet. Es kann relativ genau steuernd eingegriffen werden, indem die Schafe genau
dann von der Fläche genommen werden, wenn der Verbiss ausreichend ist.
Ergebnis: Die von Familie Mackeldey bewirtschafteten 63 Hektar Kalkmagerrasenflächen und
Wacholderheiden haben durch die Beweidung wieder das charakteristische Aussehen und die Merkmale
dieser Biotopformen.
- Landschaftspflege
Projekt: ?Rekultivierung Wacholderheide bei Hayingen?
Ziel: Rekultivierung der alten Wacholderheide ?Barbaraberg? seit 1999.
Maßnamen: Übermäßiger Bewuchs von Fichten, Kiefern und Hecken wurde entfernt um Platz für die
Wacholderheiden typische Vegetation zu schaffen. Es ist eine Umsiedlung von Wacholderbüschen auf
den Barbaraberg geplant, weil die meisten Büsche dort stark beschädigt waren und abstarben.
Ergebnis: Viele Pflanzenarten kommen wieder vor, z.B. Fliegenragwurz, Frühjahrsenzian, Küchenschelle
usw.
Sonderpreis (250,-- EURO):
Fa. ars nova, Rainer Blum, Videofilm
Projekt: ?Lebendige Bäche und Flüsse?
Ziel: Dokumentation der Verbesserungsmaßnahmen des RT Arbeitskreises Lebendiger Neckar und
deren ökologischen Auswirkungen; Erhöhung der Aufmerksamkeit für den Lebensraum Fließgewässer;
Anschauungsbeispiel für spätere vergleichbare Vorhaben;
es sollen Umweltverbände, Schulen und andere Organisationen angesprochen werden.
Maßnahmen: In ca. 400 unbezahlten Arbeitsstunden wurde ein 24-minütiger Video-Farbfilm gedreht. Das
Umweltministerium unterstützte das Projekt, so dass die Kosten für Material, Gerät und Dienstleistung
Dritter finanziert werden konnten. Der Projekt begleitende Videofilm spricht den morphologischen und
ökologischen Zustand des Neckars und seiner Zuflüsse an. Problemstellen (Wanderhindernisse, Kanäle,
Ufer) werden aufgezeigt und die Aktivitäten des Arbeitskreises zur Verbesserung, bzw. Beseitigung von
Schwachstellen werden dargestellt.
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