Grundlagen der Lerntheorie - Barbara-Julia-BJ

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Grundlagen der Lerntheorie
Die Lerntheorien wurden von Pavlov, Skinner und Thorndyke in der ersten Hälfte des letzten
Jahrhunderts erforscht.
Ein Lebewesen lernt weil es angeborene biologische Gegebenheiten hat. Eben wie die Funktion der
Organe unterliegen auch die Mechanismen des Lernens gegebenen Regelmäßigkeiten. Für das
Lernen müssen die Sinnesorgane, die Nerven und Organe zusammenarbeiten. Damit diese 3 Teile
optimal zusammenarbeiten können, muss das zu Lernende in optimaler Form dargeboten werden.
Lerntheorien
Der Russe Pavlov und die US-Amerikaner Thorndyke und Skinner haben sich besonders mit den
Lerntheorien von Tieren befasst. Der bekannteste Versuch ist der Pavlovscher Versuch: Hund Glocke - Speichel (weitere Ausführung siehe Klassische Konditionierung)
Als Ergebnis ihrer Forschungen wurde die klassische und instrumentell bzw. operante
Konditionierung definiert. Beide bilden die Grundlagen der Lerntheorie.
Klassische Konditionierung
Damit bezeichnet man die Verbindung (Assoziation) von zwei Reizen (Stimuli), die aus einer
regelmäßigen zeitlichen Paarung dieser Reize resultieren.
Der Pavlov'sche Versuch ist dafür sehr bezeichnend:
Futter löst bei einem Hund Speichelfluss aus. Wenn nun regelmäßig bevor Futter gegeben wird eine
Glocke erklingt, führt das bei häufiger Anwendung zu einer Assoziation zwischen Ton und Futter.
Sobald die Assoziation gemacht ist, kommt es bereits beim Erklingen der Glocke zum Speichelfluss.
Dieser Vorgang findet unabhängig vom Verhalten und Bewusstsein statt und ist vom Individuum
nicht zu beeinflussen. Damit eine Assoziation entstehen kann, müssen 5 Punkte eingehalten
werden:
1. Zeitabstand der Reize muss stimmen: beide Stimuli müssen innerhalb einer bestimmten Zeit
aufeinander folgen.
2. die Intensität beider Reize muss ausreichend stark sein, aber der zweite Reiz muss intensiver
sein. Je intensiver beide Reize sind, desto schneller erfolgt eine Assoziation.
3. eine ausreichend häufige Paarung der Reize muss stattfinden.
4. der erste Reiz muss den zweiten zuverlässig ankündigen.
5. Die Stärke der Assoziation hängt davon ab, wie häufig die Reize gepaart werden und wie
zuverlässig der erste Reiz den zweiten vorhersagt.
Instrumentelle Konditionierung
Bei dieser Konditionierung handelt es sich um eine Assoziation zwischen drei Sachen: einem Reiz
(Stimulus), einer Reaktion auf diesen Reiz (Verhalten) und eine Konsequenz. Das zukünftige
Verhalten wird von der Erfahrung geprägt die mit diesem Verhalten gemacht werden.
Es gibt Grundsätze die bei Misserfolg und Erfolg jeweils gelten:
Ein gewünschtes Verhalten wird immer öfter auftreten und stärker werden wenn drei Punkte
beachtet werden:
- Das Verhalten muss Erfolg haben
- Wenn das Verhalten etwas Angenehmes zur Folge hat (Belohnung)
- Wenn durch das Verhalten etwas Unangenehmes entfernt wird
Ein ungewünschtes Verhalten wird weniger oft auftreten und schwächer werden, wenn folgende
Punkte beachtet werden:
- Das Verhalten keinen Erfolg hat
- Wenn etwas Angenehmes entfernt wird
- Wenn etwas Unangenehmes hinzugefügt wird
Stimulus
Reaktion
Menschen essen Hund bettelt
Konsequenz
Verhalten
Erfolg: er erhält etwas
Er bettelt weiter
Menschen essen Hund bettelt Misserfolg: er erhält nichts Er gibt betteln auf
Bei dieser Konditionierung ist es jedoch ebenfalls wichtig, um einen Zusammenhang zwischen
einem Verhalten und der Konsequenz zu speichern, einen sehr geringer Zeitabstand zwischen
Verhalten und Folge einzuhalten.
Je nachdem was einem Verhalten, ob erwünscht oder unerwünscht, folgt werden die Verstärkungen
bzw. Strafen unterschiedlich benannt.
+
Das Verhalten wird stärker
Das Verhalten wird schwächer
-
Positive Verstärkung
Negative Verstärkung
Etwas Gutes wird zugefügt
Etwas Unangenehmes wird entfernt
Positive Strafe
Negative Strafe
Etwas Schlechtes wird zugefügt
Etwas Gutes wird entfernt
Positive Verstärkung (Belohnung)
Alles was bei einem Verhalten in irgend einer Art und Weise eine angenehme Konsequenz hat wird
als positiver Verstärkung bezeichnet.
Bei den Verstärkungen unterscheidet man angeborene Verstärker und Sekundäre Verstärker. Der
meist angewandte angeborene Verstärker ist das Futter. Ein sekundärer Verstärker sind erlernte
Verstärker. Bei Menschen ist ein sekundärer Verstärker z.B. das Geld. Beim Hund ist ein
sekundärer Verstärker derzeit der Clicker. Neben diesen Beispielen gibt es noch weitere sekundäre
Verstärker. Es gibt z.B. die Reaktion der sozialen Gruppen bzw. des sozialen Partners. Er wird
sozialer Verstärker genannt. All diese Verstärker wirken jedoch wieder nur, wenn das Timing
zwischen Verhalten und Konsequenz stimmt.
Nun stellt sich die Frage, welche Belohnung für den eigenen Hund die geeignete ist. Es gibt viele
Varianten einen Hund zu belohnen.
Welche Belohnung am besten wirkt, hängt von folgenden Punkten ab:
- Von den angeborenen Eigenschaften des Hundes
- Dem erlernten Verhalten
- Die Situation in der sich der Hund befindet
Aus diesen drei Punkten wird deutlich, dass es für keinen Hund ein Kochrezept gibt, wie er immer
belohnt werden muss / sollte. Vielmehr muss für jeden Hund ein individuelles Rezept entwickelt
und angewandt werden. Doch selbst wenn ein Rezept kreiert wurde, auch dieses muss
Situationsbedingt verändert werden.
Damit ein Hund erfolgreich lernt und übt sollte der Hund eine Belohnung bekommen, die er im
Augenblick gerne haben möchten oder auch tun möchte. Dabei gilt, je mehr der Hund Interesse an
etwas hat, desto größer ist auch seine Motivation etwas zu tun.
Bei der Wahl der Belohnung sind einige Dinge zu bedenken:
- Zuwendung in jeder Form wirken besser, wenn sie dem Hund nicht sowieso unbegrenzt zur
Verfügung stehen
- Spiele funktionieren besser, wenn sie dosiert angeboten werden und beendet werden bevor der
Hund "die Schnauze voll hat"
- Spielzeuge motivieren mehr zur Leistung, wenn sie nicht immer zur freien Verfügung stehen
- Ein weiterer guter Verstärker ist Futter. Es ist lebensnotwendig und somit ein angeborener
Verstärker
Beim Belohnen mit Futter ist jedoch der richtige Einsatz gefragt. Führt der Hund immer nur die
Übungen aus wenn er das Leckerchen schon sieht, so ist es kein Belohnen mehr, sondern eine
Bestechung. Da der Hund die Übungen aber für den Menschen ausführen soll. Das Leckerchen
sollte also nur kurz präsentiert werden und zwar zu Beginn einer neuen Übung. So schnell wie
möglich sollte aber erst als Anschluss an die Übung die Belohnung kommen.
Bsp Beibringen des "Sitz". Das Leckerchen wird also später als Bezahlung im Austausch dafür
gegen, dass der Hund ein gewünschtes Verhalten gezeigt hat.
Wichtige Punkte zur Futterauswahl:
1. Futter mit hohem Eiweißgehalt kann den Gehirnstoffwechsel beeinträchtigen und zur Beruhigung
führen
2. Schokolade kann giftig sein
3. manche Hunde vertagen künstliche Farben und Konservierungsstoffe nicht
4. Allergien und Futterunverträglichkeiten berücksichtigen
5. eine Futterbelohnung sollte motivieren, aber ein Futter, das zu sehr begeistert, vermindert die
Konzentrationsfähigkeit für die Aufgabe
6. Die Größe einer Futterbelohnung sollte weniger als die Hälfte eines Daumennagels sein, sonst
wird der Hund satt, fett und gelangweilt
7. wenn eine Belohung nicht mehr wirkt, sollte etwas neues genommen werden
8. ein Hund braucht ein normales ausgeglichenes Futter und sollte nicht zum größten Teil mit
Belohnung ernährt werden - aber normales Futter kann als Belohnung eingesetzt werden
Wie wird richtig belohnt?
Wird ein neues Verhalten erlernt, sollte zunächst jedes Mal belohnt werden. Ist der Hund
zuverlässig wird mehr verlangt:
- das Verhalten erst nach dem 2., 3., 4. Mal belohnen oder wenn es schnell, bzw. besonders gut
gemacht ist
- der Hund weiß, dass etwas gutes in der Tasche ist, jedoch weiß er nicht wann und ob er es
überhaupt bekommt
- noch besser ist unterschiedliche Belohnungen zu haben, so dass der Hund noch nicht einmal
weiß, was für eine Belohnung er bekommt: Käse, Wurst, Huhn, Zuwendung, Spielzeug- eine
spontane Entscheidung. Für besondere Leistungen einen Jackpot
Wie geht man bei Misserfolgen vor?
Ein Verhalten, das nichts bringt, wird weniger oft auftreten, schwächer werden und schließlich
verschwinden. In der Evolution ist kein Platz für Energieverschwendung. Es ist lebenswichtig für
das Überleben mit Energien sinnvoll umzugehen. Bevor ein verhalten, das bisher erfolgreich war,
aus Mangel an Erfolg gelöscht wird, kann es zu einer vorübergehenden Steigerung kommen!!!!
Strafen (Negative Folgen)
Strafe für ein Verhalten wäre: das Verschwinden von etwas Gutem oder das Zufügen von etwas
Unangenehmen. Auch Strafen haben nur bei richtigem Timing und der erforderlichen Stärke und
Konsequenz die erwünschte Wirkung.
Die Effektivität einer Strafe beruht auf:
- Timing - beste Wirkung hat eine Strafe zu Beginn des unerwünschten Verhaltens ( damit kein
kurzfristiger Erfolg für unerwünschtes eintritt)
- Intensität - die Strafe muss stark genug sein, um unerwünschtes Verhalten zuverlässig auf der
Stelle abzubrechen
- Konsequenz - Strafe muss jedes Mal erfolgen, wenn unerwünschtes Verhalten auftritt
Bei nicht Einhaltung kann die erwünschte Verknüpfung ausbleiben, unerwünschte Assoziationen
sind jedoch jederzeit möglich:
- Mit einem Wort, das bei dem unangenehmen Ereignis gesagt wird
- Mit der gesamten Situation, in der das unangenehmen Ereignis erfolgt
- Mit anderen, zufällig vorhanden oder plötzlich auftauschenden Auslösern z.B. Personen,
Gerüchen, Gegenständen
Wird falsch gestraft, kann das ernste Konsequenzen haben. Es kann soweit gehen, dass der Hund
eine ernsthafte Störung in der Beziehung Mensch - Hund bekommt. Schließlich ist der Hundeführer
immer zugegen wenn gestraft wird.
Worauf ein Hund besonders achtet:
1. orientiert sich angeborener Weise an Mimik, Körperhaltung und Körpersignalen. Hunde lernen
Körpersprache leichter als Worte
2. Bei Assoziationen können Menschen "Gerüche" nicht abschätzen ( Beispiel Assoziation Geruch furchterregende Situation)
3. Hunde generalisieren Angst leicht: Angst wird auf Grund einer schlechten Erfahrung
verallgemeinert. Z.B. Erfahrung mit einem kleinen Jungen ' allgemein Probleme mit kleinen Jungen
4. Freude und angenehme Gefühle werden nur langsam verallgemeinert. Gegenkonditionierung,
also dafür sorgen, dass ein Reiz der Angst auslöst, angenehme Gefühle auslöst, ist langwierig.
Vorsicht ist lebenserhaltend. In der Evolution gibt es keinen Platz für Mut
Auch erlerntes Verhalten wird nur langsam generalisiert. Sitz und Platz muss ausreichend an vielen
Orten wiederholt werden, damit es auf Abruf funktioniert. Ein Hund, der nicht gehorcht (ins Platz
geht) macht das nicht um zu ärgern, sondern weil nicht oft genug unter bestimmten Situationen
geübt wurde. Je nach Aufgabe und Hund kann das zwischen 2000 und 20000 mal sein.
Sitz Hundeplatz und Sitz Küche, zwei Übungen, ähnlich wie Walzer links und
rechtsherum.
Lernen kann nur erfolgen, wenn das Timing stimmt. Hunde, die spezielle Aufgaben
erfüllen sollen (Blindenhunde, Rettungshunde) müssen natürlich eine Ausbildung haben.
Bei Familienhunden wird häufig erwartet, dass sie alles von alleine lernen. Aber das
Leben für Hunde in der heutigen Gesellschaft stellt hohe Anforderungen, auf die sie
ausreichend vorbereitet werden müssen!
Quelle Kleintiermedizin Nr.5 /2001
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