Inhaltsverzeichnis

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Protokoll zum Experimentalvortrag der anorganischen Chemie.
Hinweis:
Dieses Protokoll stammt von der Seite www.chids.de (Chemie in der Schule).
Dort können unterschiedliche Materialien für den Schulunterricht heruntergeladen werden,
unter anderem hunderte von Experimentalvorträgen so wie der vorliegende:
http://www.chids.de/veranstaltungen/uebungen_experimentalvortrag.html
Thema:
Chrom
und seine
Verbindungen
Phillips Universität Marburg
Experimentalvortrag im L3-Studium
Leitung: Prof. B. Neumüller,
Prof. M. Bröring, Dr. P. Reiss
Vorgelegt von: Marcus Kallin
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
1
1.1 Geschichte des Chroms
1
1.2 Eigenschaften des Elementes Chrom
2
1.2.1 Allgemeine Eigenschaften
2
1.2.2 Chemische Eigenschaften
2
1.2.3 Physikalische Eigenschaften
3
1.2.4 Physiologische Eigenschaften
4
2. Die Rolle von Chrom im Alltag
6
2.1 Die Darstellung von Chrom
6
2.2 Wichtige Chromverbindungen
7
2.2.1 Chromlegierungen und Verchromen
8
2.2.2 Chrom als Farbstoff
8
2.2.3 Sonstige Verwendungszwecke
3. Versuche des Lehramtsvertrages
3.1 Versuche zu den Eigenschaften
10
12
12
3.1.1 Vergleich von aktiviertem und passiviertem Chrom
12
3.1.2 Chromat und Dichromat Gleichgewicht
14
3.2 Redox-Reaktionen
16
3.2.1 Anodische Oxidation von Chrom
16
3.2.2 Reduktion von Chromat
17
3.2.3 Thermische Reduktion von Chromat
19
3.3 Chrom(III) und seine Farbigkeit
20
3.3.1 Hydrationsisometrie
20
3.3.2 Lösen von Chrom(III)-chlorid
21
4. Schulrelevanz
23
5. Literatur- und Abbildungsverzeichnis
25
1
1. Einleitung
1. Einleitung
1.1 Geschichte des Chroms
Die Geschichte des Chroms beginnt im Jahre 1761. Zunächst wurde es von dem deutschen
Naturforscher und Geologen Johann Gottlob Lehmann als ein orange-rotes BleichromatMineral (PbCrO4) im Ural entdeckt. Dieses Erz nannte er vorerst Rotbleierz, da er es als eine
Blei-Eisen-Selen-Verbindung identifizierte. Somit blieb Chrom an sich noch unentdeckt. Im
Jahre 1770 fand der deutsche Biologe Peter Simon Pallas, an gleicher Stelle das gleiche
Bleimineral. Wegen der Rotfärbung des Materials nannte er es Krokoit (von griechisch krokos
= safranfarben). Das Chrom an sich blieb jedoch weiterhin unentdeckt. Die Verwendung des
Rotbleierzes als Farbpigment nahm jedoch schnell zu.
Abb. 1.1. (von links nach rechts): Rotbleierz, L.N. Vauquelin, M.H. Klaprozh, H. Goldschmied
Im Jahre 1797 gewann der französische Apotheker und Chemiker Louis-Nicolas Vauquelin
Chrom(III)oxid (Cr2O3) aus Krokoit und Salzsäure, wobei der deutsche Chemiker Klaproth
das Chrom gleichzeitig im Rotbleierz entdeckte. 1798 erhielt Vauquelin schließlich als Erster
verunreinigtes elementares Chrom durch Reduktion von Chrom(III)oxid mit Holzkohle.
Spuren des neuen Elementes konnte Vauquelin seither auch in Edelsteinen wie Rubin und
Smaragd nachweisen. Das Wort Chrom leitet sich vom griechischen Wort chroma (= Farbe)
ab. Aufgrund der farbgebenden Eigenschaften des Chroms wurde ein aus Krokoit
gewonnenes strahlendes Gelb – das Chromgelb – zur damaligen Modefarbe. Zu dieser Zeit
war es als "Postgelb" (seit 1809 durch Louis-Nicolas Vauquelin hergestellt; Bleisulfat /
Bleichromat) bekannt. Noch heute leiden die Sonnenblumen von van Gogh unter dem Zerfall
zu Bleisulfid (damit wichtige Farbe für Altersbestimmung von Bildern), aber auch die
Mischfarbe aus Zinnobergrün und das Smaragtgrün (Chromoxidhydrat) stammt hierher.
Hans
Goldschmidt
gelang
es
im
Jahre
1894
mit
dem
Goldschmidtverfahren
(Thermitverfahren; Aluminothermie) reines Chrom zu gewinnen. Dennoch wurden Chrom2
1. Einleitung
verbindungen im gesamten 19. Jahrhundert als Farbpigmente verwandt und fanden erst gegen
Ende des 20. Jahrhunderts Verwendung für korrosions- und hitzebeständige Legierungen.
1.2 Eigenschaften des Elementes Chrom
1.2.1 Allgemeine Eigenschaften
Chrom ist ein stahlgraues-blaues, hartes, korrosions- und anlaufbeständiges Schwermetall,
welches im Reinzustand zäh, aber form- und schmiedbar ist. In der Lithosphäre tritt Chrom
nur in gebundener Form, meist als Chromeisenstein/Chromit (FeCr2O4) oder Rotbleierz, aber
auch als Chrom(III)-oxid oder Chromocker (Cr2O3) auf. Mit 0,02 % Anteil der Erdkruste ist
Chrom ein sehr häufig auftretendes Metall. Chrom findet sich vor allem in Lagerstätten und
wird hauptsächlich in Südafrika (78%) und Simbabwe (19%) abgebaut.
Chrom besitzt die Ordnungszahl 24 und ist das erste Element der sechsten Nebengruppe
(Molybdän das zweite und Wolfram das dritte). Chrom steht somit zwischen Vanadium
(fünfte Nebengruppe) und Mangan (siebte Nebengruppe). Bereits vor seiner eigentlichen
Entdeckung dienten Chromverbindungen als Farbpigmente, die besonders als Künstlerfarben
Verwendung fanden. Heute wird 3/4 des Weltjahresumsatzes (einige zig Kilotonnen) für die
Herstellung von Ferrochrom verwendet, 1/8 für Feuerwerkskörper und 1/8 für reines Chrom
und Chromverbindungen.
1.2.2 Chemische Eigenschaften
Chrom ist ein Übergangsmetall und zeigt eine Elektronenkonfiguration von [Ar] 3d5 4s1
(eigentlich erwartet: [Ar] 3d4 4s2). Dies resultiert daraus, dass es energetisch günstiger ist, die
4s- und 3d-Schalen halb (oder voll) zu besetzen. Durch die Abgabe eines Elektrons der 4s- an
die 3d-Schale wird eine Halbbesetzung dieser Schalen erreicht.
In der Natur tritt Chrom in vier Isotopen hervor.
vorkommende Isotop, gefolgt von
53
24
52
24
Cr (9,50 %),
Cr ist mit 83,79 % das häufigste natürlich
50
24
Cr (4,35 %) und
54
24
Cr (2,36 %). Neben
diesen natürlich vorkommenden sind weitere fünf künstliche Isotope des Chroms bekannt:
55
24
Cr (3,5 min HWZ)
51
24
Cr (27,8 d HWZ).
56
24
Cr (5,9 min HWZ),
49
24
Cr (41,9 min HWZ),
48
24
Cr (23 h HWZ) und
51
24
Cr (Nuklid) kommt hierbei eine wichtige Bedeutung als Tracer in der
Humanmedizin zu.
3
1. Einleitung
Abb. 1.2 PSE-Schema zu Chrom:
Ordnungszahl: 24
Wichtigste Oxidationsstufen: 6, 3, 2, 0. Wobei Oxidationsstufe
3 besonders häufig vorkommt.
Elektronegativität: 1,7
Relative Atommasse: 51,9961 U
Des Weiteren ist Chrom elektrisch leitfähig und besitzt einen Atomradius von 129 pm. Die
häufigsten Oxidationsstufen des Chroms sind +II, +III und +VI, wobei +III die beständigste
in saurer und wässriger Umgebung und +VI besonders im alkalischen Milieu stabil ist. +V
Verbindungen disproportionieren bereits in wässriger Lösung zu +III und +VI Verbindungen.
Die besondere Stabilität der Cr(III)-Verbindung lässt sich damit erklären, dass Cr(II)Verbindungen einen rein basischen Charakter aufweisen und starke Reduktionsmittel sind –
Cr(VI)-Verbindungen besitzen einen rein sauren Charakter und sind starke Oxidationsmittel –
die Cr(III)-verbindungen hingegen sind im Redox- sowie Säure-Base-Verhalten amphoter.
1.2.3 Physikalische Eigenschaften
Chrom liegt natürlich in zwei Modifikationen vor, wobei α-Chrom kubisch raumzentriert ist
und β-Chrom eine hexagonal dichteste Kugelpackung einnimmt. Das silbrig-blau Metall ist in
Reinform gut schmiede- und dehnbar, wird bei Verunreinigungen mit Sauer- oder Wasserstoff
jedoch schnell spröde und brüchig. Die Dichte des Metalls beträgt 7,14 g/cm3 wobei es eine
Schmelztemperatur von 1903°C und eine Siedetemperatur von 2640°C aufweist.
Bei Raumtemperatur ist Chrom außerordentlich widerstandfähig, es oxidiert an feuchter Luft
kaum und reagiert nicht mit Halogenen, weshalb es häufig zum Schutz (z.B. Verchromen,
etc.)
4
1. Einleitung
anderer Metalle eingesetzt wird. Stark erhöhte Temperaturen führen jedoch schnell zu
Reaktionen mit Nichtmetallen wie Chlor, Sauerstoff, Schwefel, etc.
Eine wichtige Eigenschaft des Chroms ist die Möglichkeit es zu passivieren, was es
beständiger gegen Säuren macht. Aktives (nicht vorbehandeltes) Chrom besitzt ein
Normalpotential von -0,74 V und liegt somit in der Spannungsreihe zwischen den unedlen
Metallen Zink (-0,76 V) und Eisen (-0,46 V), wohingegen passiviertes (vorbehandeltes; z.B.:
mit starken Oxidationsmitteln) Chrom mit einem Normalpotential von +1,33 V eine Stellung
zwischen den edlen Metallen Quecksilber (+0.86 V) und Gold (+1,50 V) in der
Spannungsreihe einnimmt.
1.2.4 Physiologische Eigenschaften
Dreiwertiges Chrom ist ein für den menschlichen Zuckerstoffwechsel essentielles
Spurenelement. Es ist vor allem ein wichtiger Bestandteil des Glukosetoleranzfaktors (GFT),
aber auch für den Lipidmetabolismus essentiell. Der Wirkungsmechanismus von Chrom im
menschlichen Stoffwechsel ist jedoch bisher nicht vollständig geklärt. Der GFT gilt als
möglicher Bestandteil des Insulin-Rezeptors (Tyrosinkinase-Rezeptor) und ein Mangel von
Chrom führt nachweislich zu Problemen der Zuckerkonzentration im Stoffwechselsystem.
Abb. 1.3 Glukosetoleranzfaktor (GFT):
Das Bild zeigt einen oktaedrischer Cr(III)-Komplex mit zwei
trans-ständigen Nikotin-Ligandan.
Chrom hat somit Einfluss auf die Entstehung von Glukoseintoleranz, Diabetes mellitus Typ I
und Typ II sowie auf den Blutlipidspiegel. Der Schätzwert der ÖGE (Österreichische
Gesellschaft für Ernährung) für den Tagesbedarf liegt in Anbetracht der lückenhaften
Datensituation bei 50-300µg/d; der Tages-Höchstwert liegt bei 10 mg.
5
1. Einleitung
Besonders Chrom(VI)-Verbindungen sind gefährlich für den Menschen, sie verätzen Haut
und besonders Schleimhäute (auch die Augen), wobei sie dort zu schlecht heilenden
Geschwüren führen. Diese Ödeme erzeugende Substanzen gelten des Weiteren als cancerogen
sowie mutagen. Bei Vergiftungen mit Cr(VI)-Verbindungen kommt es zu schwerwiegenden
Magen-Darm-Erkrankungen, Leber- und Nierenschäden. In der Blutbahn reduzieren die roten
Blutkörperchen Cr(VI)-Verbindungen zu Chrom(III)-Verbindungen, die jedoch in den
Erythrozyten erhalten bleiben und dort als cancerogen eingestuft werden; nicht selten folgt
hieraus eine Leukämie-Erkrankung.
1958 empfahl die WHO (World Health Organization) für Chrom(VI)-Verbindungen eine
maximal zulässige Konzentration von 0,05 mg/Liter im Trinkwasser. Auch nachfolgende
Untersuchungen führten zu keiner Anpassung dieser Empfehlung.
6
2. Die Rolle von Chrom im Alltag
2. Die Rolle von Chrom im Alltag
Chrom findet sich an verschiedenen Stellen in unserem Alltag. Aufgrund seiner Härte, seines
Glanzes und seiner Fähigkeit zur Passivierung wird es vor allem zum Schutz anderer Metalle
eingesetzt. Die Korrosions- und Hitzebeständigkeit von Chrom-Legierungen sind ein weiterer
Grund für die Verwendung von Chrom in der Metallindustrie. Die Farbigkeit des Chroms
wird zum Färben von Glas oder zur Herstellung bestimmter (Künstler-)Farben ausgenutzt.
Chromverbindungen finden in der chemischen Industrie vielfältige Anwendungsgebiete. Im
Folgenden werden einige dieser Anwendungsgebiete des Chroms genauer betrachtet.
Abb. 2.1. Poliertes metallisches Chrom:
Das Bild zeigt ein Stück poliertes, reines Chrom.
2.1 Die Darstellung von Chrom
Chrom wird hauptsächlich als Chromeisenstein/Chromit (FeCr2O4) oder Rotbleierz, seltener
auch als Chrom(III)-oxid (Cr2O3) aus Lagerstätten in Südafrika und Simbawe abgebaut. Das
geförderte Chromiterz wird zunächst vom tauben Gestein befreit. Im zweiten Schritt erfolgt
ein oxidierender Aufschluss in Hitze wobei das Chrom zu Dichromat wird. Anschließend
wird es mit Kohlenstoff zum Chrom(III)-oxid und schließlich mit Aluminium zum
elementaren Chrom reduziert. Chrom kann nicht durch Reduktion mit Kohle aus den
oxidischen Erzen gewonnen werden, da hierbei Chromkarbid entstehen würde. Reineres
Chrom wird durch elektrolytische Abscheidung des Cr3+-Ions aus schwefelsaurer Lösung
dargestellt. Entsprechende Lösungen werden durch Auflösen von Chrom(III)-oxid oder
Ferrochrom in Schwefelsäure hergestellt. Ferrochrom als Ausgangsstoff erfordert hierbei
allerdings eine vorherige Abtrennung des Eisens. Eine weitere Aufreinigung des Chroms wird
durch weitere Reinigungsschritte nach dem van-Arkel-de-Boer-Verfahren herbeigeführt.
7
2. Die Rolle von Chrom im Alltag
Schematische Darstellung der nass-chemischen Chromdarstellung:
Um das Chrom(III)-oxid aus dem Chromeisenstein zu gewinnen und es von dem im Erz
enthaltenen Eisen zu trennen, wird zunächst eine Oxidation des enthaltenen Eisen(II)-oxides
mit Sauerstoff durchgeführt. Hierbei fällt wasserunlösliches Eisen(III)-oxid, wobei das
enthaltene Chrom(III)-oxid zu wasserlöslichem Chromat (Na2CrO4) und weiter zu Dichromat
(Na2Cr2O7) wird.
1
 Na CO 2 CO2
 H SO  Na2 SO4
Cr2O3  1 O2 23 
 2 Na2CrO4 2 4  
 Na2Cr2O7  H 2O
2
Das gesammelte Dichromat mit Aluminiumchlorid wieder in Dichromtrioxid überführt und
schließlich mit Aluminium zu Chrom reduziert.
Cr2O3  2 Al 
 2Cr  Al2O3
Diese Aluminothermie lässt sich auch problemlos im Labor nachvollziehen. Als Zündgemisch
wird hierfür ca. 12 g eines Magnesium : Bariumperoxid (2:1) Gemisches, als
Reaktionsgemisch ca. 64 g eines Chrom(III)-oxid (54 %), Kaliumdichromat (20 %) und
Aluminium (26 %) Gemisches. Als Flussmittel kann Calciumdiflurid verwendet werden.
Abb. 2.2 Schema einer
Aluminothermie:
Die Holzkiste, der Sand und der
Tontiegel dienen als Brandschutz- und Reaktionsgefäß.
Das Filterpapier fängt Funken
auf. Das Magnesiumband und
der Thermitzünder zünden das
Zündgemisch aus Magnesium
und
Bariumperoxid.
Das
Reaktionsgemisch besteht aus
Chrom(III)-oxid,
Kaliumdichromat und Aluminium. Das
Flussmittel ist Calziumdiflurid.
2.2 Wichtige Chromverbindungen
In der chemischen Industrie wird das orangefarbene Kaliumdichromat als kräftiges
Oxidationsmittel eingesetzt. Im Laborbereich wurde es in Form von Chromschwefelsäure zur
Reinigung von Glasgeräten verwendet. Beim Kontakt mit Chlorid-Ionen wird jedoch das
flüchtige, krebserregende Chromylchlorid (CrO2Cl2) gebildet, weshalb es diese Anwendung
8
2. Die Rolle von Chrom im Alltag
zurückgeht. In schwefelsaurer Lösung wandelt es primäre Alkohole leicht in die betreffenden
Aldehyde um, was man zum halbquantitativen Nachweis von Alkohol in der Atemluft nutzen
kann. Eine weitere Bedeutung kann dem Cr(II) zufallen. Es gibt kaum ein Reduktionsmittel,
das so schnell Sauerstoff aus der Luft aufnimmt wie Cr(II). Aber auch ohne Luftzutritt sind
solche Cr(II)-Lösungen nur dann kurze Zeit stabil, wenn sie aus reinstem Chrom (z. B.
Elektrolytchrom) gewonnen werden.
Die häufigsten Verwendungszwecke für Chrom finden sich in Legierungen, dem Verchromen
und als Farbgebende Verbindungen.
2.2.1 Chromlegierungen und Verchromen
Der Hauptanteil der Jahresweltproduktion an Chrom wird als wichtiger Legierungsbestandteil
für nichtrostender und hitzebeständiger Stähle bzw. eisenfreien Legierungen verwandt. Im
Fall der Stähle wird hierzu Ferrochrom (ca. 60% Cr) aus FeCr2O4, Quarz und Koks im
Elektroofen als Ausgangsstoff, im Falle der eisenfreien Legierungen je nach Bedarf ChromNickel- oder Chrom-Cobalt-Legierungen verwandt. Reines metallisches Chrom wird seltener
für die Herstellung bestimmter Metallteile (z.B. in Flugzeugturbinen) und Metall-Keramiken
(z.B. 77% Cr / 23% Al2O3) benötigt oder als Katalysator in der chemischen Industrie
eingesetzt.
Aufgrund der Eigenschaften des passivierten Chroms und seiner bei richtiger Behandlung
silber-glänzenden Erscheinung wird Chrom des Weiteren zum Schutz anderer Metall
und/oder zur Verzierung ebensolcher eingesetzt. Beim Verchromen wird mit Hilfe eines
Galvanischen Verfahrens eine Chromschicht aufgebracht, welche ihrem späteren Zweck
entsprechend weiterbehandelt wird. Bei dem Hartverchromen wird die Chromschicht bis zu
einer Dicke von 700 µm als Korrosions- und gleichzeitig Verschleißschutz, direkt auf das
entsprechende Metall aufgebracht; beim Dekorverchromen beträgt die Schichtdicke zwischen
0,3 und 1 µm. Die Dekorverchromung dient zwar auch als Korrosionsschicht (z.B. bei AutoFelgen) wird aber, auch häufig aus Dekorgründen auf Kunststoffen angebracht. Ein vorhergehendes Aufbringen einer Metall-Schicht (z.B. Nickel) ist bei dem Dekorverchromen neben
einer gründlichen Nachbehandlung sehr wichtig, um die Teile Verschleißfest und „chromglänzend“ zu bekommen.
9
2. Die Rolle von Chrom im Alltag
Abb.
2.3.
Beispiele
Verchromter Teile:
Das Turbinenblatt (links)
und die Motorteile (rechts)
sind hartverchromt. Die
Autofelge (mitte oben) und
der Küchenmixer (mitte
unten)
sind
dekorverchromt.
2.2.2 Chrom als Farbstoff
Bereits zu Anfang wurde gesagt, dass der Name Chrom von dem griechischen Wort chroma =
Farbe abstammt, es ist also essentiell, auch auf die Eigenschaften als Pigment einzugehen. Es
zeigt sich dass verschiedene Chrom-Ionen in Lösung abhängig vom pH-Wert verschiedene
Farbigkeit aufweisen (siehe Tab. 2.4) und sich diese auch im festen Zustand nutzen lässt.
Schon das von J.G. Lehmann gefundene Rotbleierz fand bereits neun Jahre später eine
dauerhafte Verwendung als rotes Farbpigment. Das zur selben Zeit aus Krokoit gewonnene
Blei(II)-chromat (PbCrO4) wurde als „Postgelb“ eine Modefarbe. In der Malerei (sowohl dem
eigentlichen Beruf, als auch in der künstlerischen Ausprägung) fand man
Chromverbindungen als Pigmente in vielen Grün-, Gelb- und Rottönen.
Das „Postgelb“(Chromgelb) wurde hierbei als Reinfarbe neben dem
Chromrot und dem Chromgrün verwandt und kann gerade im
künstlerischen Bereich dazu beitragen ein Gemälde zu datieren, da die
bleihaltigen (gelb bis rot) Chromfarben in der Malerei im frühen 19ten
Jahrhundert nicht weiter verwandt wurden. Ein gutes Beispiel sind
hierfür die Sonnenblumen von Vincent van Gogh, die farblich durch
Abb. 2.4 van Gogh,
Sonnenblumen (1880)
oxidative Reaktionen mit den Jahren immer dunkler werden.
10
2. Die Rolle von Chrom im Alltag
Tab. 2.4. Farbgebung der Chrom-Ionen in Lösung:
Die Tabelle zeigt eine Auflistung der Farbigkeit von verschieden oxidierten Chrom-Ionen in saurer und
basischer Lösung.
Chrom ist des Weiteres als farbgebendes Pigment in Glas oder Edelsteinen vorhanden, die
Farbe ist hierbei von der Oxidationsstufe des Chroms abhängig. Chrom(III)-Verbindungen
sind in Smaragden sowie Tsavoriten vorhanden und werden benutzt,
um Glas (oder Emaille) smaragdgrün einzufärben. Chrom(IV)Verbindungen dagegen färben Glas gelblich und kommen in der Natur
neben Eisen in den Pigmenten von Granat-Edelsteinen vor. Eine
rötliche Färbung von rosa bis hin zu violett entsteht in der Natur durch
das grüne Chrom(III)-oxid in Mischkristallen mit Aluminium(III)-
Abb. 2.5: Smaragd
oxid (rosa-rot, z.B.: in Rubinen) oder Eisen(II)-oxid (rot-violett, z.B.: im Topas oder Saphir).
Abb. 2.6: orange-gelber
(Mali-)Granat
Abb. 2.7: rosa-violetter
Saphir
Abb. 2.8: Rubin
In der Dermatologie finden gerade synthetisch hergestellte rosafarbene Rubin- oder mit
Chrom versetzte Saphire/Korund-Stäbe Einsatz als aktive Medien in Rubin-Lasern.
2.2.3 Sonstige Verwendungszwecke
Neben
den
bereits
genannten
Vorkommen
und
Verwendungsmöglichkeiten
von
Chromverbindungen findet sich noch eine Vielzahl von Einsatzgebieten für Verbindungen
dieses Elements. Im Bereich der Laborarbeit wird Kaliumdichromat als Reinigungsmittel für
gläserne Laborgeräte, als Fixiermittel bei Farbstoffen und als Titrationsmittel verwendet. In
11
2. Die Rolle von Chrom im Alltag
den Anfängen der Fotographie wurde Ammonium- und Kaliumdichromat eingesetzt, um bis
zu vierfarbige Bilder zu erzeugen. Die ferromagnetische Wirkung vom Chrom(IV)-oxid wird
zur Herstellung von magnetischen Tonbändern genutzt, um ein verbessertes Rausch-SignalVerhältnis zu erhalten.
Eine weitere Verwendung von Chrom ist die Ledergerbung. Chrom gilt immer noch als
wichtigstes Mittel zur Ledergerbung, da Cr(III) - Ionen eine große Tendenz dazu haben
oktaedrische, kinetisch stabile, kationische, anionische und neutrale Komplexe zu bilden. Bei
der Gerbung mit Chrom werden diese Eigenschaften ausgenutzt, um die in der Haut
vorhandenen Kollagene über deren -COOH, -OH und -CO - Gruppen zu vernetzen. Die
Hautstruktur wird auf diese Weise stabiler und temperaturunempfindlich, wobei sie zusätzlich
Feuchtigkeit verliert sowie Quellbarkeit einbüßt, was zur Aushärtung des Leders führt. Es ist
davon auszugehen dass zur Zeit ca. 80 % des Bekleidungsleders mit basischen Cr(III)-Salzen
gegerbt werden obwohl dies eine erhöhte Umweltbelastung und eine gewisse Gefahr auf
allergische Reaktionen durch im Stoff verbliebene Salze bestehen läßt.
12
3. Versuche des Lehramtsvortrages
3. Versuche des Lehramtsvortrages
Im Folgenden werden die innerhalb des Vortrages durchgeführten Versuche dargestellt. Die
Versuche wurden ausgesucht, um einen guten Einblick in die grundlegenden Eigenschaften
von Chrom zu geben sowie seine Bedeutung im Alltag aufzuzeigen.
3.1 Versuche zu den Eigenschaften
Die in der Einleitung bereits erwähnten Eigenschaften des Chroms und seiner Verbindungen
sollen in diesem Abschnitt näher betrachtet sowie anschaulich vorgeführt werden. Im
Speziellen wird hier auf die Leitfähigkeit und Passivierung von Chrom sowie die Stabilität
des Chromats eingegangen. Die ausgewählten Versuche orientieren sich direkt am Unterricht
der Oberstufe und sind so gewählt, dass sie dort auch durchführbar sind.
3.1.1 Vergleich von aktiviertem und passiviertem Chrom
Material
Schmirgelpapier
2 Chrombleche
1 Petrischale
1 Reagenzglas
Salzsäure R: 34-37 S: (1/2)-26-45
Salpetersäure R: 8-35 S: (1/2)-23-26-36-45
Overhead projektor
Der erste Versuch befasst sich mit einer grundlegenden Eigenschaft des Chroms die eine
große Bedeutung für den Einsatz von Chrom im Alltag hat. Zunächst wird ein Stück
Chromblech gründlich gereinigt, leicht angeraut und in Salpetersäure passiviert. Dieses
passivierte Chromblech wird vergleichend mit einem (ebenfalls gereinigtem) nicht
passivierten Chromblech in Salzsäure gegeben. Es zeigt sich dass am passivierten
Chromblech keine Reaktion eintritt, da eine Gasbildung ausbleibt. Als Erweiterung werden
nun die beiden Chromblech in der Salzsäure in Kontakt miteinander gebracht. Bereits nach
13
3. Versuche des Lehramtsvortrages
wenigen Sekunden zeigt sich auch am passivierten Chromblech eine Gasentwicklung, da
dieses nun reaktiviert ist.
Durch das behandeln des aufgerauten Chromblechs mit der Salpetersäure entsteht auf dam
Chromblech eine wenige Molekülschichten dicke Oxidationsschicht, die das Chromblech
gegen weitere Säureangriff inert macht (Passivierung). Die Normalpotentiale von nicht
passivierten Chrom (E° = -0,74 V) sowie passivierten Chrom (also Chromoxid; E° = +1,33 V)
zeigen, dass Chrom an sich zwischen Eisen und Zink liegt und unedel ist, wohingegen
Chromoxid zwischen Quecksilber und Gold liegt, also edel ist. Die kompakte Dichte des
Chromoxids ist weiterhin ausschlaggebend dafür, dass Chrom passivierbar ist. Durch den
Kontakt der verschieden edlen Metalle entsteht in der Säure ein Elektronenfluss vom aktiven
zum passivierten Chromblech, der im Gegensatz zu der von der Säure ausgelösten Reaktion
nicht von der Oxidationsschicht aufgehalten wird. Auf diesem Weg reaktiviert das aktive
Chromblech das passivierte Chromblech und die Säure löst beide Bleche langsam auf.
Abb. 3.1: Versuch: Vergleich aktives und passiviertes Chrom.
A: Passivierung des Chrombleches mit Salpetersäure.
B: Reaktion des passivierten (grau) und eines aktives Chromblechs in Salzsäure.
C: Reaktion in Salzsäure nach Reaktivierung des passivierten Chromblechs durch das aktive Chromblech.
14
3. Versuche des Lehramtsvortrages
3.1.2 Chromat und Dichromat Gleichgewicht
Material
Reagenzglasständer
3 Reagenzgläser
Kaliumchromat R: 49-46-36/37/38-43-50/53 S: 53-45-60-61
Salzsäure R: 34-37 S: (1/2)-26-45
Natronlauge R: 35 S: 26, 45, 37/39
Der folgende Versuch befasst sich mit den wichtigsten Chromverbindungen, den Chromaten
und deren Verhältnis untereinander. Zunächst werden drei Chromatlösungen in Reagenzgläser
gegeben. Das mittlere soll hierbei als
Kontrolle
gelten
und
zeigt
die
eigentliche Farbe des Chromats in
Lösung;
gelb.
Die
verbleibenden
Chromatlösungen werden nun langsam
mit Säure bzw. Base versetzt bis eine
Änderung der Farbigkeit eintritt. Es
zeigt sich, dass bei Zugabe von Basen
keinerlei Farbänderung jedoch bei
Säurezugabe eine orange-rote Färbung
2CrO4  2 H 3O  

2 HCrO4  2 H 2 O 

Cr2O72 ( aq)  3H 2O
Formel. 3.2: Gleichgewichtsreaktion von Chromat und
Dichromat.
Oberhalb von pH 6 liegt das Gleichgewicht ganz links
unterhalb von pH 2 ganz rechts. Das Hydrogenchromat lässt
sich ungelöst nicht nachweisen.
eintritt. Diese Färbung ist auf die Bildung des Dichromat - Ions zurückzuführen. Chromat und Dichromat - Ionen stehen in Lösung in einem protonenabhängigen Gleichgewicht
(Formel 3.2). Bereits ab einem pH - Wert von 6 und darüber liegt dieses Gleichgewicht
vollständig auf Seiten des Chromats; ab pH 2 und darüber liegt es vollständig auf der Seite
des Dichromats. Zwischen dem Chromat und Dichromat lässt sich in der Lösung auch
Hydrogenchromat nachweisen, was den Übergangszustand und das eigentliche Gleichgewicht
ausmacht. Chromat - Ionen bilden räumlich eine tetraedrische Struktur, und Dichromat Ionen sind zwei eckenverküpfte Tetraeder, die durch eine Kondensationsreaktion zweier
Chromate entstehen. Gibt man weiterhin einen Dichromat - Impfkristall in die stark
15
3. Versuche des Lehramtsvortrages
angesäuerte Lösung kommt es zum Ausfallen von tiefroten Kristallen. Diese tiefroten
Kristalle sind Tri-, Tetra- oder Polychromate, die sich in stark sauren Lösungen durch
Kondensationsreaktionen
aus
Chromaten
und
Dichromaten
bilden
können.
Die
Kondensationsreaktionen führen zu Verknüpfungen der tetaedrischen Struktur der einzelnen
Chromat - Ionen.
Abb. 3.3: Raumstrucktur von Chromat und Dichromat.
Chromat und Dichromat liegen als Teraeder bzw.
eckenverknüpfter Tetraeder vor. großen weiße Kugeln:
Sauerstoffatome; kleine weiße Kugeln: Chromatome;
schwarze Linien: Bindungen; gestrichelte Linien:
geometrische Strucktur
Abb. 3.4: Raumstrucktur von Trichromat.
Trichromat liegt Eckenverknüpfung dreier Teraeder
vor. (Polychromate genauso) großen weiße Kugeln:
Sauerstoffatome; kleine weiße Kugeln: Chromatome;
schwarze Linien: Bindungen; gestrichelte Linien:
geometrische Strucktur
16
3. Versuche des Lehramtsvortrages
3.2 Redox-Reaktionen
Im folgenden Abschnitt soll auf einige mögliche Redoxreaktionen von Chrom und
Chromverbindungen eingegangen werden. Die Versuche eignen sich als Vorführexperimente
sowie Schülerversuche in der gymnasialen Oberstufe und wurden als an Chrom orientierte
Redox - Beispiele ausgewählt. Es wurde dabei versucht eine Brücke zum Alltag und der
Verwendung von Chrom in diesem zu schlagen sowie Interesse bei den Zuschauern zu
wecken, indem anschauliche und greifbare Beispiele durchgeführt wurden.
3.2.1 Anodische Oxidation von Chrom
Material
Stativ mit Klemmen
Stromquelle mit Kabeln
Eisenblech
Chromblech
Becherglas 200 mL
Salpetersäure R: 8-35 S: (1/2)-23-26-36-45
Der im Folgenden beschriebene Versuch führt uns weg vom elementaren Chrom und hin zu
den Chromaten, die eine bedeutende Rolle unter den Chromverbindungen einnehmen. Leider
sind Chromate sehr toxisch und die Versuche mit ihnen lassen sich in der Schule kaum
durchführen, dennoch ist es wichtig, diesen Schritt der Entwicklung zu Beschreiten um
Chrom zu verstehen. Ausgehend vom elementaren Chrom wird durch eine Elektrolyse das
Chromat erzeugt. Als Anode dient ein einfaches Chrom-, als Katode ein einfaches Eisenblech.
Die Reaktion findet in verdünnter Salpetersäure statt. Nach einiger Zeit bilden sich die ersten
Cr(VI) – Ionen, die als dünne gelbe Schlieren in der Salpetersäure zu erkennen sind. Nimmt
die Konzentration des sich bildenden Chromats in der Säure zu lässt sich eine Orangefärbung
erkennen. Würde man den Stromfluss dieser Reaktion umkehren entspricht der Aufbau einer
galvanischen Verchromung.
17
3. Versuche des Lehramtsvortrages
2
Cr  2 H 2O 
CrO
4 ( aq )  4 H 2

2
2CrO42  2H 3O  
Cr
O
2 7 ( aq )  3H 2O

Formel 3.5: Elektrolyse von Chrom.
Durch die Elektrolyse entstehen Chromat – Ionen und Wasserstoffgas. Da die Elektrolyse
in Salpetersäure stattfindet wird aus dem Chromat jedoch schnell Dichromat.
3.2.2 Reduktion von Chromat
Material
Reagenzglasständer
2 Reagenzgläser
Ethanol R: 11 S: (2)-7-16
Kaliumchromat R: 49-46-36/37/38-43-50/53 S: 53-45-60-61
Natronlauge R: 35 S: 26, 45, 37/39
Eisen(III)-chlorid R: 22-38-41 S: 26-39
Teströhrchen
Glasrohr
Watte
Kieselgur
Becherglas 100 mL
Trichter
Luftballon mit Luft und ein paar Tropfen Ethanol R: 11 S: (2)-7-16
Kaliumchromat R: 49-46-36/37/38-43-50/53 S: 53-45-60-61
18
3. Versuche des Lehramtsvortrages
Da Chromate und besonders Dichromate höchst toxisch und starke Oxidationssmittel sind ist
darauf zu achten, dass man diese umsetzt, bevor man sie entsorgt. Die Umsetzung erfolgt
durch eine Reduktion mit Hilfe von Ethanol. Bei der Umsetzung wird aus der Cr(VI)- eine
Cr(III)- Verbindung, zu erkennen ist dies bereits an der Farbe der Lösung, da Cr(VI) - Ionen
orange - rot (im sauren Milieu) und Cr(III) - Ionen grün in Lösung vorliegen, was dies als
Vorführversuch im Anschluss an andere Versuche anbietet. Das eingesetzte Ethanol wird bei
Cr2 O72  6e   14 H   2Cr 3  7 H 2 O
3C 2 H 5 OH  3CH 3 CHO  6 H   6e 
Gesamt :
Cr2 O72  3C 2 H 5 OH  8H   2Cr 3  3CH 3 CHO  7 H 2 O
Cr O
2
2
7
 3CH 3CHO  14 H   2Cr 3  3CH 3COOH  7 H 2 O

Formel 3.6: Reduktion von Dichromat mit Ethanol.
Dargestellt sind die Reduktions- und die Oxidationsgleichung für das Dichromat bzw. das Ethanol sowie
eine Gesamtgleichung. In einer weiteren Redoxreaktion kann ein weiteres Dichromat – Ion das entstehende
Aldehyd zu Essigsäure umsetzen.
der Redoxreaktion zu Aldehyd oxidiert und kann des Weiteren durch ein weiteres Dichromat Molekül zu Essigsäure oxidiert werden. Um die Oxidation von Ethanol bis hin zur Essigsäure
verfolgen zu können kann man der Lösung etwas Natriumhydroxyd beigeben um Acetat Ionen
mit
Eisen(III)-chlorid
nachweisen zu können (Formel 3.8).
Durch
die
Zugaben
von
Natriumhydroxid ändert sich die Farbe
Cr 3  3OH  
 CrOH 3
Cr OH 3  3OH   Cr OH 6 
3
der Lösung in ein tieferes Grün, da
sich amphoteres Cr(III) - Hydroxid
bildet, was als Komplex in Lösung
Formel 3.7: Bildung von Chromhydroxid.
Dargestellt ist die Bildung von Chrom(III) – Hydroxid und
die Komplexbildung mit weiterem Hydroxid - Ionen.
bleibt und eine tief – grüne Farbe hat
(Formel 3.7).
CH 3COO   Fe3  FeCH 3COO 3
Formel 3.8: Acetatnachweis mit Eisen(III) - Ionen.
Im alkalischen Milieu bilden sich aus Acetat – und Fe(III) – Ionen
festes, rotes Eisen(III) - Triacetat.
19
3. Versuche des Lehramtsvortrages
Die gerade beschriebenen Mechanismen finden auch
außerhalb der Chromat - Entsorgung einen Einsatz im
Alltag.
In
nicht
digitalen
Alkoholteströhrchen
(Alkotest) befindet sich schwefelsaures Chromat auf
Kieselgur,
umschlossen
Deckmaterial
(Abb.
3.9).
von
luftdurchlässigem
Falls
sich
im
Atem
desjenigen, der in den Genuss des „Blasens“ kommt,
Alkohol befindet, verlaufen auf dem Kieselgur die oben
beschriebenen Reaktionen ab und die orange - roten
Kieselgur - Perlen färben sich grün.
Abb. 3.9: Alkotest Box.
3.2.3 Thermische Reduktion von Chromat
Material
Bunsenbrenner
Feuerfeste Unterlage
Aceton R: 11-36-66-67 S: (2)-9-16-26
Ammoniumdichromat R: 45-46-60-61-2-8-21-25-26-34-42/43-48/23-50/53 S: 53-45-60-61
In diesem Teil soll wiederum Chromat reduziert werden, diesesmal jedoch durch thermische
Zersetzung. Der Veruch ist auch unter dem Namen der rauschende Vulkan bekannt, da man
einen kleinen Berg aus Ammoniumdichromat anhäuft, den man dann entzündet. Um den
Versuch „in Gang“ zu bekommen gibt man etwas Aceton auf die Spitze des „Vulkans“ bevor
man ihn entzündet. Das orange - rote Ammoniumdichromat verbrennt nun zu Stickstoff, dem
grünen Chrom(III)- oxid und Wasser wobei das entstehende Stickstoffgas, das entstehende
Chrom(III)- oxid aufwirbelt und um den Vulkan herum verteilt. Auf Grund dieses Effektes
entsteht der Eindruck man sehe einen kleinen Vulkan.
20
3. Versuche des Lehramtsvortrages
NH 4 2 Cr2O7
 Cr2O3  N 2  4 H 2O
Formel 3.10: Thermische Zersetzung von Ammoniumdichromat.
Das Ammoniumdichromat (orange – rot) verbrennt zu Wasser, Stickstoff und
Chrom(III) - oxid (grün). Das Stickstoffgas wirbelt hierbei das Chrom(III) – oxid
auf und verteilt es um den „Vulkan“ herum.
3.3 Chrom(III) und seine Farbigkeit
Der letzte Abschnitt im Bereich der Versuche mit Chrom befasst sich mit seiner Farbigkeit
und schlägt damit einen Haken zurück zum Anfang des Vortrags. Es soll anschaulich
dargestellt werden warum Chrom, zu Recht Chrom heißt. Gleichzeitig soll ein Einblick in die
Komplexchemie sowie chemische Gleichgewichte und Löslichkeit gegeben werden.
3.3.1 Hydrationsisometrie
Material
Reagenzglasständer
Reagenzglasklammer
Reagenzglas
Bunsenbrenner
Chrom(III)-sulfat R: 34-20/21/22 S: 45-26-36/37/39-22
Im folgenden Versuch wird die Hydrationsisometrie als Spezialfall der Ionisationsisometrie
bei Cr(III) gezeigt. Chrom(III)-sulfat liegt in Lösung als violetter Hexaquakomplex vor,
dessen Ladung von dem gelösten Sulfat - Ionen ausgeglichen wird ( [Cr(H2O)6]3+). Erwärmt
man diese Lösung jedoch so ändert sich ab 43°C die Farbe von violett auf grün. Bei diesem
Vorgang handelt es sich um eine Ionisationsisometrie bzw. eine Hydationsisometrie, da zwei
Wassermoleküle den Komplex verlassen und lediglich im Kristallwasser weiter vorliegen
([CrSO4(H2O)4]+). Ab einer Temperatur von 70°C liegt das Gleichgewicht vollständig auf der
21
3. Versuche des Lehramtsvortrages
Seite des Tetraaquakomplexes. Kühl man die Lösung nun wieder ab verschiebt sich das
Gleichgewicht zurück zum Hexaqukomplex, stellt sich jedoch erst nach knapp 20 h ein.
CrH O 
3
2
6


 SO42  CrSO4 H 2O4   2H 2O
Formel 3.11: Hydrationsisometrie.
Bei Erhöhung der Temperatur über 43°C wird aus dem Hexaqua- ein Teraaquakomplex und die
Farbe ändert sich von violett nach grün. Eine Änderung in die andere Richtung tritt bei
Abkühlung jedoch nur sehr langsam ein.
3.3.2 Lösen von Chrom(III)-chlorid
Material
Reagenzglasständer
Reagenzglasklammer
4 Reagenzgläser
Bunsenbrenner
Ethanol R: 11 S: (2)-7-16
Chrom(II)-chlorid R: 22 S: 24/25
Chrom(III)-chlorid R: 22 S: 24/25
Zinkpulver R: 50/53 S: 60-61
Salzsäure R: 34-37 S: (1/2)-26-45
Im folgenden Versuch spielt wieder eine Hydrationsisomerie eine Rolle, wobei sich zunächst
jedoch die Schwierigkeit im Lösen der Chromverbindug darstellt. Chrom(III)- chlorid ist in
Wasser sowie Ethanol schwerlöslich, was sich auch durch erwärmen nicht beheben lässt. Das
Chrom(III)- chlorid liegt in Wasser als dunkelgrüner [CrCl3(H2O)3)] Komplex vor, wobei
das Kristallgitter so stabil ist, dass keinerlei Lösung eintritt. Versetzt man die Lösung nun
jedoch mit einem Cr(II) - Salz zeigt sich eine langsam eintretende Farbänderung hin zu
violett. Cr(II) - Ionen übertragen Elektronen auf die Cr(III) – Ionen, welche sofort in Lösung
gehen, aber sofort wieder oxidieren und Komplexe bilden. Die neuen Komplexe sind
Hydrationsisometrien des [CrCl3(H2O)3)]
Komplexes und
nicht mehr schwerlöslich.
22
3. Versuche des Lehramtsvortrages
CrCl H O  
3
2
3

CrCl2 H 2O 4   2 H 2O  Cl 
 3H 2O 


CrCl1 H 2O 5 

2

Cr H 2O 6 
 H 2O  2Cl  
3
 3Cl 
Formel 3.12: Hydrationsisometrie.
In diesen Gleichgewichtsreaktionen sehen wir eine Änderung von einem Triaqua- hin zu einem
Hexaquakomplex des Cr(III). Die Farbigkeit ändert sich von dunkelgrün hin zu violett.
Elektonenspendende Reaktionen begünstigen die rechte Seite Wärmezufuhr die linke.
Der Versuch lässt sich beschleunigen wenn man anstelle eines Cr(II) - Salzes etwas Zink und
Salzsäure zu der Lösung gibt. Das Zink - HCl - Gemisch ist ein sehr starkes Reduktionsmittel
(über den entstehenden naszierenden Wasserstoff), was die Cr(III) - Ionen einfach reduziert
und damit die Schwerlöslichkeit aufhebt. Wie auch bei den Cr(II) - Salzen oxidieren die Cr(II)
- Ionen sehr schnell wieder, da Cr(III) - Ionen und Komplexe wesendlich stabiler sind. Wie
auch im Versuch zuvor tritt ein verschieben des Gleichgewichts nach knapp 20 Stunden
wieder ein.
23
4. Schulrelevanz
4. Schulrelevanz
Die hier vorgeführten Versuche zum Thema Chrom lassen sich in den Schulunterricht
übertragen. Anhand des Lehrplans für die gymnasiale Mittel- und Oberstufe des Lands
Hessen habe ich folgende geeignete Themengebiete finden können:
► Klasse 8

Salze - Elektrolyse & Ionenbegriff
Im Themengebiet Elektrolyse und Ionenbegriff kann exemplarisch auch Chrom verwandt
werden um den Unterricht zu bestreiten. Die Bildung von (Di-)Chromat, die ich oben
beschrieben habe sollte jedoch nur als Lehrerversuch durchgeführt werden.
► Klasse 11 & 12

Redoxreaktionen

Kohlenstoffchemie (Alkoholtest)
Das Themengebiet Redoxreaktionen eignet sich ebenfalls um beispielhafte Erklärungen,
Übungen und Versuche anhand von Chrom durchzuführen. Die thermische Reduktion würde
ich
allerdings
wiederum
nur
als
Lehrerversuch
durchführen.
Betreffend
der
Kohlenstoffchemie halte ich den Alkoholtest für ein anschauliches Beispiel und außerdem als
Schülerversuch für unbedenklich. Bei entsprechend kleinen Kursen sollte auch die
Herstellung der Teströhrchen in einer elften Stufe durchführbar sein.
► Klasse 13

Chemische Analysen (z.B.: Nachweis Chrom in Kosmetika)

Komplexchemie

Chemisches Gleichgewicht
Im Bereich der chemischen Analyse gibt es eine Vielzahl möglicher Versuche die in einer
Vielzahl alltäglicher Gegenstände Chrom nachweisen können. Es empfiehlt sich aus meiner
Sicht hier ein breites Spektrum an Nachweisreaktionen durchführen zu lassen, wobei auch
möglichst verschiedene Elemente nachgewiesen werden sollen; Chrom sollte dort nicht außen
vor bleiben.
24
4. Schulrelevanz
In der Komplexchemie und den Unterrichtseinheiten über das chemische Gleichgewicht
können durchaus Beispiele anhand von Chrom aufgezeigt werden. Gerade die Farbigkeit von
Chrom könnte hier einen anschaulichen Vorteil bieten.
► Fächerübergreifend

Biologie/Chemie: Umweltschutz (Bsp.: Gerbung mit und ohne Chrom)

Kunst/Chemie: Was steckt in den Farben
In fächerübergreifendem Unterricht kann vor allem im Hinblick auf Umweltschutz über
Chrom und seine Verbindungen gesprochen werden. Toxikologische Aspekte allgemein und
das Erarbeiten alternativer Möglichkeiten z.B. bei der Ledergerbung könnten sicherlich den
Lerneifer der Schüler steigern.
Eine Kombination von Chemie und Kunst, könnte anhand der Chrombestandteile in Farben
gefunden werden und gleichermaßen einen Einblick in Farbwahl bestimmter Epochen sowie
ein Verständnis für die Gegenwart der Chemie im Alltag schaffen.
Falls es möglich ist Projektwochen anzubieten, könnten sicherlich umfassendere
Themengebiete gefunden werden die sich z.B. mit Verchromen befassen.
25
5. Literaturverzeichnis
5. Literatur- und Abbildungsverzeichnis
Literatur
Atkins, P. W. (2001). Physikalische Chemie.
Campell, N. A. (2003). Biologie.
Falbe, J.; Regitz M. (1996). Römpp. Chemie Lexikon.
Holleman, A. F.; Wiberg, E. (1995). Lehrbuch der anorganischen Chemie.
Küster, F. W.; Thiel, A. (1993). Rechentafel für die chemische Analytik.
Mortimer, C. E. (2001). Basiswissen der Chemie.
Silbernagel, S. (2003). Taschenatlas der Physiologie.
Strähle, J.; Schweda, E. (1995). Lehrbuch der analytischen und präparativen anorganischen
Chemie.
Voet, D.; Voet, J. G. (1995). Biochemistry.
Abbildungen
Abb. 1.1 Bild 1
geomuseum.tu-clausthal
Bild 2-4 nndb.com
Abb. 1.3 Biochemistry; Voet, Voet
Abb. 2.1 uuuu
Abb. 2.3 speck-tuning
ee aerospace.com
surlatable.com
hl Oberflächendesign
Abb. 2.4 reproarte.com
Abb. 2.5 naturalgems.de
Abb. 2.6 naturalgems.de
Abb. 2.7 naturalgems.de
Abb. 2.8 naturalgems.de
Abb. 3.9 Dräger Homepage
26
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