06-PM-Tumorablation-Pereir

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DEUTSCHE RÖNTGENGESELLSCHAFT
Presseinformation zum 92. Deutschen Röntgenkongress, 1. – 4. Juni 2011 im CCH Hamburg
Mit
Mikrowellen
und
Kügelchen
–
wie
interventionelle
Radiologen Krebs behandeln
Neue Leitlinien bestätigen den Einsatz der minimalinvasiven Methoden zur Behandlung
des hepatozellulären Karzinoms
Hamburg im Juni 2011. Radiologen sind nicht „nur“ Diagnostiker. Mit der interventionellen
Radiologie stellen die „Bildgeber“ der Medizin eine ganze Palette an minimalinvasiven
Methoden zur wirkungsvollen und für den Patienten schonenden Tumorbekämpfung bereit.
Bei der Therapie des hepatozellulären Karzinoms (HCC), dem primären Leberzellkarzinom,
zieht bei selektierten Patienten die bildgesteuerte Tumorablation mittlerweile mit der
konventionellen, chirurgischen Tumorentfernung gleich – eine entsprechende Erstellung der
Behandlungsleitlinie ist für Deutschland in Arbeit, sagt Professor Dr. Philippe L. Pereira,
Klinikdirektor an den SLK-Kliniken Heilbronn. Er wird auf dem 92. Deutschen
Röntgenkongress die aktuellen Entwicklungen und Studien in der minimalinvasiven
Behandlung dieser häufigen Krebsart vorstellen.
Nur ein Stich durch die Haut
„Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen den perkutanen und den intraarteriellen
Verfahren“, erklärt Professor Pereira und beschreibt damit die beiden Wege, auf denen sich
der ‚Interventionalist‘ (international „Interventioneller Onkologe“) dem Tumor im
Lebergewebe nähern kann. Bei den perkutanen Verfahren sticht der Radiologe eine oder
mehrere Sonden von etwa 1,5 Millimeter Durchmesser durch die Haut des Patienten, um zum
Tumor vorzudringen. Vor Ort angelangt entströmen der Sonde Radiofrequenzen oder
Mikrowellen, die den Tumor mit Temperaturen bis zu 120 Grad Celsius verkochen.
„Das Verfahren selbst ist nicht neu“, sagt Professor Pereira, schon in den 20er Jahren habe
man elektromagnetische Wellen zur Verödung von Tumoren eingesetzt – allerdings bei den
meist sehr kleinen Hirntumoren. „Die Größe war lange Zeit ein limitierender Faktor für die
Mikrowellenanwendung“, erklärt Professor Pereira. „Inklusive des Sicherheitsabstands, also
des gesunden Geweberings um einen Tumor, den wir ebenfalls entfernen müssen, ist die zu
behandelnde Fläche bis zu fünf Zentimeter im Durchmesser. Moderne Sonden können dieses
Gewebegebiet sicher verkochen.“
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Der Patient spürt wenig von dieser hohen Wärmeeinwirkung, die Nadel erhitzt sich nicht, das
Lebergewebe selbst ist schmerzfrei. Betäubt wird nur die Einstichstelle, der Patient kann
während des Eingriffs wach bleiben. Ein großer Vorteil, denn auf die belastende Vollnarkose
bei ohnehin schwerkranken Patienten kann bei der interventionellen Technik verzichtet
werden.
Ideal für schwer zugängliche Tumoren
Ein weiterer Vorteil des minimalinvasiven Verfahrens: „Mit der Sonde kommen wir auch
dorthin, wo der Chirurg in der offenen OP nicht mehr oder nur unter erheblichen Mühen
hingelangt“, so Pereira.
Üblicherweise ist das Verfahren dreigeteilt: Zunächst wird mithilfe eines schnittbildgebenden
Verfahrens (Computertomografie oder Magnetresonanztomografie) der Tumor geortet und die
Entscheidung über den Zugangsweg für die Sonde gefällt. Wichtig ist hierbei, empfindliche
Gewebestrukturen, allen voran größere Gefäße, zu meiden. Dann folgt – ausgehend von der
„Landkarte“, die das CT oder MRT bereitstellt, die exakte Platzierung der Sonde. Nach etwa
einer viertel Stunde der Mikrowellenanwendung wird eine erneute Aufnahme erstellt und
kontrolliert, ob das Tumorgewebe bereits vollständig verkocht ist – wenn ja, ist der Eingriff
nach einer viertel Stunde abgeschlossen.
Kleinste Kügelchen schneiden den Leberkrebs oder die Lebermetastasen von der
Blutzufuhr ab
Nicht nur durch die Haut, auch über die Gefäßbahnen kann der Interventionalist zum Tumor
gelangen. Bei den intraarteriellen Verfahren wird ein Gefäßkatheter eingesetzt, der zumeist
über die Arterie in der Leiste unter Röntgenkontrolle an das Tumorgewebe herangeführt wird.
Dort angekommen streut der Katheter mikrofeine Partikel aus, die ein Zytostatikum, ein
chemotherapeutisches Medikament, enthalten können. „Wir bringen das Medikament genau
dorthin, wo es wirken soll und dämmen damit die Nebenwirkung, die man von der
systemischen Chemotherapie kennt, radikal ein“, sagt Professor Pereira.
Auch bei der intraarteriellen Methode haben technische Verfeinerungen die Behandlung
immer besser werden lassen, sagt Pereira mit Blick auf die Studienlage. Denn die
Trägerpartikel, die zugleich dafür sorgen, dass der Tumor von der Gefäßversorgung
abgeschnitten wird, sind mittlerweile untern einem Millimeter, teilweise nur noch 0,04 mm
groß. Die Partikel dringen tief in die Kapillaren des Tumors ein und schneiden ihn damit
komplett von der Blutversorgung ab.
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Neue Leitlinien: Minimalinvasive Therapie kurativ einzusetzen
Aufgrund der in verschiedenen Studien nachgewiesenen Erfolge der mininmalinvasiven
Tumorablation werden jetzt sowohl die perkutane als auch die intraarterielle Behandlung des
kleinen HCC in die Behandlungsleitlinien als gleichrangig zur chirurgischen Methode
aufgenommen. Beide Verfahren, die Chirurgie wie die Intervention zeigt hier eine 50-60
Prozentige Überlebensrate beim Patienten nach fünf Jahren. Diesen kurative Aspekt der
interventionellen Radiologie hebt Prof. Pereira besonders hervor: „Über Jahre hinweg waren
die Krebsbehandlungsmethoden der Radiologie vor allem palliativer Natur, wir haben
vorrangig Metastasen bei ohnehin schwerstkranken Patienten behandelt. Jetzt zeigt sich, dass
die Interventionelle Radiologie Krebspatienten auch abschließend heilen kann.“
Minimalinvasive Tumorablation auf dem 92. Deutschen Röntgenkongress 2011
Refresherkurs Interventionelle Radiologie – Tumorablation HCC
Prof. Philippe L. Pereira Donnerstag, 02.06.2011 14:00 bis 15:30 Uhr
Pressekontakt:
Florian Schneider
Pressereferent
Deutsche Röntgengesellschaft e.V.
Tel.:
030 – 916 070 19
Fax:
030 – 916 070 22
E-Mail: [email protected]
Internet: www.drg.de
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