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Die eine Bibel und die vielerlei Bibeln
Heute betrachten wir die Bibel in ihrer Bedeutung für die Gegenwart
- die Frage: „Warum gibt es so viel verschiedene Bibeln?
- Steht denn nicht in allen dasselbe?
- Mit dieser Frage wollen wir uns heute befassen.
Alle unsere Bibelausgaben sind Übersetzungen aus dem hebräischen oder griechischen
Urtext.
Welche Übersetzung passt am besten zu mir?
Steht in allen Bibel dasselbe? Ja - wenn man das Inhaltsverzeichnis ansieht.
Wie übersetzt man einen Text in eine andere Sprache?
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Bevor wir uns dieser Frage zuwenden, müssen wir uns grundsätzlich darüber im Klaren sein, dass die
biblischen Erzähler oder Verfasser ihre Botschaft immer an eine ganz konkrete Hörerschaft ihrer Zeit
gerichtet haben. Das war z.B. in der Zeit des Neuen Testaments eine bestimmte Gemeinde oder eine
Gruppe von Gemeinden in einer ganz bestimmten Region des römischen Reiches in Palästina,
Kleinasien oder Europa. Diese Gemeinde lebte in einer ganz bestimmten geschichtlichen Epoche, in
einem ganz bestimmten politischen und kulturellen Umfeld und hatte ihre ganz konkreten Fragen und
Probleme. Und darauf wollte der biblische Verfasser mit seinem Beitrag antworten.
Eine wesentliche Zielsetzung beim Lesen der Bibel ist also, zu erfassen, wie eine Aussage im Urtext
gemeint war und wie sie die ursprünglichen Hörer oder Leser verstanden haben. Dann kann man seine
Botschaft fruchtbringend auf heute übertragen.
Dieses Ziel kann eine Übersetzung auf zwei unterschiedlichen Wegen erreichen:
Der Übersetzer fragt: Was steht im Text?
Der zweite Weg: Im Blick auf den Leser: Der Übersetzer fragt: Was soll der Leser verstehen?
Nachteil ist hier, dass oft Interpretation des Übersetzers in den Text mit einfließt, dass er sich zum
Beispiel bei der Wiedergabe für die eine und damit gegen andere Bedeutungen entscheiden muss und
diese dadurch unter Umständen verloren gehen. Die Bedeutungen von Worten in verschiedenen
Sprachen sind ja nicht genau gleich.
Welche Bibel passt am besten zu mir?
1. Die wichtigsten Übersetzungen der Gegenwart
Ich möchte Ihnen jetzt die zehn meistgebrauchten Bibelübersetzungen der Gegenwart
vorstellen
Interlinear-Übersetzung:
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Dabei handelt es sich um eine Übersetzung, die den Text in der hebräischen oder griechischen Sprache
und eine Wort-für-Wort-Übersetzung in die deutsche Sprache genau untereinander stellt.
Münchener Neues Testament
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Sehr wörtliche Übersetzung, aber ohne Griechisch, also nur in Deutsch.
Neues Testament von Fridolin Stier
- (Im 2. Teil hat er uns den Psalm 1 hebräisch vorgesprochen.) Nahe am Urtext. Sprachlich ausdrucksvoll,
aber manchmal etwas ungewohnt: Er benützt nicht einfach das Umgangsdeutsch, sondern verwendet
teils alte, teils selbstgeprägte Ausdrucksformen
Revidierte Elberfelder Bibel
1
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Sehr wörtliche und eine der zuverlässigsten Übersetzungen. Die Fußnoten vermitteln dem Leser einen
Eindruck von den Schwierigkeiten des Übersetzens und gelegentlich auch der Unmöglichkeit, zu
einem sicheren Verständnis des Textes zu gelangen.
Zürcher Bibel
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Diese Übersetzung der evangelischen Kirche zwinglianischen Bekenntnisses zeichnet sich zum einen
durch die Nähe zum Urtext, zum anderen auch durch ihre schöne Sprache aus.
Luther-Bibel
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Die Luther-Bibel (revidierter Text von 1984) ist der maßgebliche Bibeltext der Evangelischen Kirche in
Deutschland für Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge.
Sehr geeignet für Leser, die mit dem Luthertext aufgewachsen sind. Zu den leicht verständlichen
Übersetzungen würde man diese Bibel heute nicht mehr zählen.
Einheitsübersetzung
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Die Einheitsübersetzung heißt so, weil sie 1979/80 im gemeinsamen Auftrag der katholischen Bischöfe
des deutschen Sprachraums herausgegeben wurde.
Die Psalmen und das Neue Testament wurden im offiziellen Auftrag der katholischen und der
evangelischen Kirche übersetzt und von den deutschsprachigen Bischofskonferenzen sowie vom Rat der
Evangelischen Kirche in Deutschland angenommen.
In der katholischen Kirche des deutschsprachigen Raums werden die Texte der Einheitsübersetzung
offiziell im Gottesdienst verwendet. Deshalb haben katholische Christen bei Bibelstellen meist diese
Übersetzung „im Ohr" (wie die evangelischen die Luther-Übersetzung).
Für alle Bibelleser geeignet. Neigt dazu, „starke" bzw. provozierende Aussagen etwas „zu glatten".
Neue Genfer Übersetzung
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Für „Einsteiger" ist sie wegen ihrer flüssigen Sprache ebenso gut geeignet wie für „Geübte" wegen der
vielen Hinweise auf den ursprünglichen Wortlaut oder andere Übersetzungsmöglichkeiten.
Die Gute Nachricht - die Bibel in heutigem Deutsch
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„Die gute Nachricht - Die Bibel in heutigem Deutsch" wurde im Auftrag der deutschsprachigen
katholischen und evangelischen Bibelgesellschaften in Europa übersetzt. Sie ist somit die erste
vollständige ökumenische Bibel.
Die Gute Nachricht ist in erster Linie für Leser bestimmt, denen die Sprache der kirchlichen Überlieferung
fremd ist und die mit den Texten der Heiligen Schrift noch nicht vertraut sind.
Eine gut brauchbare Bibel zum Einstieg ins Bibellesen und für Menschen, die gerne flüssig längere
Texte am Stück lesen wollen.
Hoffnung für Alle
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Die HOFFNUNG FÜR ALLE legt noch mehr Wert auf leichte Lesbarkeit im Alltagsdeutsch als die Gute
Nachricht. Für Menschen, die den Bibeltext einfach so lesen wollen, ohne viel Hintergrund zu haben. Die
„Hoffnung für alle" liest sich flüssig wie ein Roman. Allerdings gerät sie doch manchmal sehr an die
Grenze zur Übertragung. Als Übersetzung ist sie daher nur bedingt empfehlenswert.
Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift
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Hierbei handelt es sich um die Bibelausgabe der Zeugen Jehovas. Die deutsche Ausgabe stellt eine
Übersetzung der englischen dar und enthält somit eine Übersetzungsebene mehr als die anderen
Ausgaben. Zielsetzung dieser Vorgehensweise war wohl, eine Bibelausgabe zu schaffen, die für Zeugen
Jehovas in aller Welt gleich ist.
Bei der Textwiedergabe fällt auf, dass die NW gerade dort, wo Lehren der ZJ betroffen sind, teilweise
etwas anders übersetzt als alle anderen Bibelausgaben. Die Evangelische Zentralstelle für
Weltanschauungsfragen kommt zu folgendem Urteil (idea, 1.2.86, zitiert nach Brüning, Sind Zeugen
Jehovas Christen?, S.88):
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„Besondere" Übersetzungen Außer diesen 10 Übersetzungen gibt es
noch Bibelausgaben, die in irgendeiner Hinsicht sozusagen „aus dem
Rahmen fallen":
Martin Buber, DIE SCHRIFT
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Die Schrift ist eine deutschsprachige Übersetzung der Heiligen Schriften des Judentums von
Martin Buber und Franz Rosenzweig. Sie entstand von 1926 bis 1938, davon bis 1929 gemeinsam mit
Franz Rosenzweig. Von 1954 bis 1962 wurde sie überarbeitet. Eine Übersetzung des Alten Testaments
mit dem Versuch, den sprachlichen Klang hebräischer Wörter im Deutschen nachzubilden. Eine
Übersetzung, die nicht nur den Hauch der Originalsprache, sondern auch eine original jüdische Sicht des
Alten Testaments vermittelt.
Sie ist eigentlich nicht zum Stilllesen, sondern, wie die Hl. Schrift ursprünglich überhaupt, zum
lauten Vortrag bzw. zum Hören gedacht.
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Naftali Herz Tur-Sinai, DIE HEILIGE SCHRIFT
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Eine weitere gute Tenak-(=AT) Übersetzung ins Deutsche hat Naftali Herz Tur-Sinai geschrieben. Naftali
Herz Tur-Sinai lebte ebenfalls im 20. Jh. und war einer der besten Hebräisch-Kenner in Israel.
David H. Stern, DAS JÜDISCHE NEUE TESTAMENT
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David H. Stern (geb. 1935) ist amerikanischer Jude. Nachdem er 1972 zum Glauben an Jesus Christus
gekommen war, studierte er katholische Theologie und wurde selbst theologischer Lehrer. Mehrere Jahre
lang setzte er sich für die sog. „messianischen Juden" in den USA ein, bevor er 1979 mit seiner Frau und
ihren zwei Kindern nach Israel auswanderte. Von dort aus widmet er sich dem gegenseitigen Verständnis
von Judentum und Christentum.
Anselm Grün, DIE BIBEL
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Anselm Grün, Benediktinermönch, verwaltet die Benediktinerabtei Münsterschwarzach; gesuchter
geistlicher Berater und Kursleiter für Meditation, Fasten und Kontemplation. Er ist Autor zahlreicher
Bücher.
Seine Bibel ist keine Vollbibel, sondern enthält eine gute Auswahl der bedeutendsten Texte des Alten
und Neuen Testaments nach der 1968 erschienenen „Herder"- Übersetzung.
Welche Übersetzung passt am besten zu mir?
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Das lässt sich nicht generell sagen. Die Entscheidung hängt vor allem von einer Antwort auf folgende
Fragen ab:
1. Wie vertraut ist mir die Bibel?
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Je vertrauter mir Wortlaut und Inhalt, desto naher am Urtext kann ich bleiben - je unbekannter, desto
mehr sollte ich in Richtung sinngemäße Übersetzung suchen.
2. Wofür brauche ich die Bibel?
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Für die tägliche Schriftlesung werde ich mir vielleicht eine andere Bibel aussuchen als für die Arbeit in
einem ökumenischen Bibelkreis; möchte ich denselben Wortlaut wie im Gottesdienst, werde ich die
„amtliche" Version der EÜ. oder der Lutherbibel wählen usw.
Mit oder ohne Kommentar?
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Manche Bibeln begleiten den Text mit Erklärungen in Fußnoten (z.B. Jerusalemer Bibel) oder nach
einzelnen Textabschnitten („Stuttgarter Erklärungsbibel" oder „Stuttgarter AT bzw. NT"). Manche
enthalten darüber hinaus einen Anhang mit Wort Erklärungen. Das kann oft ganz nützlich sein, weil es
Hintergrundwissen vermittelt, das Begriffe oder Textstellen besser verstehen lässt.
Allerdings muss man berücksichtigen, dass inhaltliche Auslegungen oft vom bibeltheologischen Ansatz
des Verfassers her geprägt sind. Man muss sich daher darüber klar sein, dass sie nicht dasselbe Gewicht
haben wie der Text selbst und dass sie keine verbindliche Auslegung des Textes darstellen.
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Nur Text oder mit Bildern?
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Ob man eine reine Textausgabe oder eine Bibel mit Bildern bevorzugt, hängt vom eigenen Bedürfnis ab
und vom „Verwendungszweck" der Bibel. - Wer z.B. sich in Bibeltexte meditierend einlassen möchte,
dem können gute Bilder ganz hilfreich sein. Es gibt Bibeln, die von einem Künstler gestaltet sind (z.B.
Sieger Köder, Marc Chagall, Friedensreich Hundertwasser usw.).
Viele Bilderbibeln verwenden aber auch Bilder quer durch die 2000-jährige christliche Kunstgeschichte.
Man muss sich bei solchen Bildern, vor allem von biblischen Szenen, immer klar machen, dass sie oft
eher dem Geschmack der Zeit des Künstlers entsprechen als der biblischen Realität, auch wenn sie aus
großer Frömmigkeit gemalt wurden. Sie brauchen dann meist ihrerseits eine einführende Erklärung.
Wenn Bilder dagegen dazu dienen, geschichtliche kulturelle und geografische Fakten zu illustrieren,
können sie dem Betrachter helfen, sich in das Umfeld des biblischen Textes einzufühlen.
Computer-Bibeln
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Computer-Bibeln sind nicht für die tägliche Bibellesung gedacht, sondern zum Arbeiten mit dem Bibeltext.
Sie bieten dazu (je nach Ausgabe) vielfältige Funktionen: Suche nach Bibelstellen und Begriffen, die
Übernahme von Bibeltexten in die externe Textverarbeitung, die parallele Darstellung von Bibelstellen in
verschiedenen Übersetzungen und vieles mehr. Wir haben vorhin z.B. den Bibel-Stick und die SmartCard gesehen.
Kinderbibeln
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Eine Klasse für sich. Es gibt heute ganz hervorragend für Kinder geeignete Bibeln.
Dazu sollte man aber keinen Kaufhauskatalog durchblättern, sondern z.B. den Katalog des Katholischen
Bibelwerks oder der Evangelischen Bibelgesellschaft zu Hilfe nehmen. Hier hat man am ehesten die
Garantie, dass theologische und pädagogische Fachleute (die teils auch eigene Kinder haben) am Werk
sind.
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