Die Keratokunjunktivitis der Katze

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Die Keratokunjunktivitis der Katze
„Wer könnte glauben, dass hinter diesen leuchtenden Augen keine Seele steckt?“ (Theophile Gauthier)
Leuchten die Augen jedoch nicht mehr, liegt oft eine Erkrankung der Hornhaut vor.
VON Dr. MED. VET. Sabine Volopich
Leitfaden Entzündliche Erkrankungen der Binde- und der
Hornhaut stehen an erster Stelle der Augenerkrankungen
der Katze. Die Therapieerfolge sind leider nicht selten unbefriedigend, und es kommt oft zu Rezidiven. Wird nicht
rechtzeitig die geeignete Therapie eingeleitet, so kann dies
zu bleibenden Schäden oder gar zum Verlust des Auges führen.
Die folgenden Ausführungen sollen daher eine Hilfestellung bei Diagnose und Therapie geben, um einen optimalen Heilungsverlauf zu gewährleisten.
Konjunktivitis Die Konjunktivitis der Katze (Bild 1) ist meist
in der Infektion mit einem Krankheitserreger begründet.
Das feline Herpesvirus 1 (FHV-1) ist als Haupt­ursache anzusehen. Die primäre Infektion mit dem FHV-1 ist durch Mattheit,
Fieber, Niesen oder Husten, Schnupfen und Nasenausfluss sowie
Konjunktivitis mit Augenausfluss charakterisiert. Das Virus wird
durch direkten Kontakt oder Aero­solbildung von Katze zu Katze
übertragen. Es infiziert die Schleimhäute des Respirationstrakts
sowie die Konjunktiva und im geringen Grad auch das Korneaepithel. Es verursacht bei der Replikation Nekrosen des Gewebes.
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Das FHV-1 repliziert nach einer primären Infektion in den
Epithelien des oberen Respirationstrakts und verursacht durch
den zytopathischen Effekt die klinische Symptomatik. Nach einer 48- bis 72-stündigen Inkubationszeit führt die Erst­infektion
zu einer Konjunktivitis. Das Virus repliziert auch im Korneaepithel, ohne dass dies klinisch in Erscheinung tritt. Es kommt zu
einem serösen Augenaus­fluss und zu bilateraler konjunktivaler
Hyperämie. Die Sym­ptome bestehen in der Regel über einen
Zeitraum von 10 bis 14 Tagen, doch variie­ren die Inkubationszeit und die Dauer der Erkrankung mit der inokulierten Virusmenge.
Ältere Katzen können ebenfalls an einer Konjunktivitis erkranken, wenn sie in ihrem Leben schon einmal eine FHV-1Infektion durchgemacht haben und es nun zu einem erneuten
Schub – meist infolge von Stress (andere Erkrankungen, Operationen, Veränderungen im Lebensraum, Trächtigkeit und Laktation, Gabe von Glukokortikoiden) – kommt. Respiratorische
Symptome fehlen dann oft. Häufig wird bei diesen Tieren eine
beidseitige Konjunktivitis be­obachtet. Infektionen mit dem felinen Leukämievirus (FeLV) oder dem felinen Immundefizienzvirus (FIV) können durch die Schwächung des Immunsystems
gehäuft zum Auf­treten von Herpesinfektionen führen. Es kann
auch zu einer Reduktion der Tränenproduktion und einer Verminderung der Sensibilität der Kornea kommen.
Nach der Genesung bleiben etwa 80 % der Katzen latent infiziert, und bei 45 % dieser Tiere wird das Virus spontan reaktiviert und führt entweder zu einem asymptomati­schen Ausscheiden oder einem Wiederausbrechen der Krankheit, nachdem das
Virus entlang der Axone zum Auge wandert. Das Herpesvirus
kann unter anderem latent im Ganglion trigeminale, aber auch
in der Kornea persisitieren.
Das typische Krankheitsbild der Infektion mit dem obligat
intrazellulären Bakterium Chlamydophila felis tritt bei Katzen
jeden Alters auf und zeichnet sich durch eine meist unilaterale
Konjunktivitis aus. Eine Infektion des Gastrointestinal- oder
Respirationstraktes kommt vor, tritt jedoch nur selten klinisch
in Erscheinung. Eine Ansteckung erfolgt durch Kontakt, Tröpfcheninfektion oder Infektionsträger, und die Inkubationszeit beträgt nur 3–5 Tage. Die Elementarkörperchen der Chlamydien
überleben einige Tage bei Raumtemperatur und die verschiedenen Stämme weisen eine unterschiedliche Virulenz auf.
Welpen und Jungtiere sind vermehrt betroffen. Charakteristische Sym­ptome sind Hyperämie und Chemosis der Bindehaut,
seröser Augenausfluss, der in chronischen Fällen purulent werden kann, Blepharospasmus und seltener die Bildung von Follikeln. Geringgradiger Nasenausfluss und Niesen können ebenfalls Symptome einer akuten Chlamydieninfektion sein. Die
Konjunktivitis ist primär unilateral, innerhalb der nächsten Tage
tritt sie jedoch meist auch am anderen Auge auf.
Die Symptome kommen durch eine Lyse der Wirtszellen während der Ausschüttung der Elementarkörperchen zustande. Einige Katzen können auch unsymptomatische Träger sein. Der
Erreger kann im Genital- und Gastrointestinaltrakt persistieren.
Die Coinfektion mit dem felinen Immundefizienzvirus (FIV)
kann zu einem verlängerten Krankheitsbild und einer chronischen Konjunktivitis führen.
Chlamydophila felis hat ein zoonotisches Potenzial und kann
von der Katze auf den Menschen übertragen werden. Allerdings
ist die Übertragungsrate eher gering.
Griffecke_Vetmedin_01_08
17.12.2007
Als Sekundärerreger können
Infektionen mit Mykoplasmen
(Mycoplasma felis, M. gatae und M. arginini) zu einer Konjunktivitis führen. Die Infektion ist durch Epiphora und papilläre Hypertrophie der Binde­haut charakterisiert. Zusätzlich kann es zu
Follikelbildung, Chemosis und der Bildung von aus weißem
Exsudat bestehenden konjunktivalen Pseudomembranen
State of
kommen.
the heart.
Als andere Ursachen für eine Konjunktivitis bei
der Katze kommen vor allem Caliciviren, selten
auch Reoviren, verschiedene Bakterien (Bordetella bronchisepticum, Pasteurella spp.,
Staphylococcus spp., Streptococcus spp.,
Moraxella spp., Salmonella typhiwww.vetmedin.co.uk
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Konjunktivitis einer Katze mit FHV-1-Infektion: gerötete und ödemisierte
Bindehäute und seromuköser Augenausfluss
murium) und Parasiten (Thelazia californiensis, Larven von Cuterebra sp.) in Frage.
Allergische bedingte Konjunktivitiden der Katze sind sehr selten und sollten daher in der Liste der Differenzialdiagnosen weit
unten stehen.
Neonatale Konjunktivitis Die neonatale Konjunktivitis tritt
als akute Entzündung der Bindehaut bei neonatalen Katzenwelpen auf. Es kommt zu einem mukopurulenten Augenausfluss.
Tritt die Erkrankung vor dem 10.–14. Lebenstag auf, wenn die
Lider noch nicht geöffnet sind, wölben sie sich durch darunter
angesammeltes Sekret vor.
Als Ursache dieser Entzündung sind alle zuvor genannten
Erreger einer Konjunktivitis zu nennen. In schweren Fällen
können als Spätfolgen ein Symblepharon und eine Vernarbung
der Hornhaut auftreten.
Pseudopterygium/Symblepharon (Bild 2) Bei Katzenwel-
pen kommt es im Zuge einer Herpesinfektion am Auge oft
zu einer massiven Ausschwitzung von Entzündungsprodukten
und Fibrin durch die Bindehaut. Infolgedessen und durch Bildung von Ulzera der Binde- und Hornhaut kann es zu dauerhaften Verklebungen der Bindehaut mit der Hornhaut (=
Pseudopterygium) oder der Bindehaut miteinander und somit
einer Verklebung der Lider und/oder der Nickhaut (= Symblepharon) kommen.
Epitheliale und stromale Keratitis Das feline Herpesvirus 1
kann auf zwei Wegen eine Erkrankung der Kornea hervor­rufen.
Einerseits verursacht es Hornhauterosionen durch seinen
direkten zytopathischen Effekt auf das Hornhautepithel. Dies
führt zu den typischen dendritischen Läsionen. Allerdings hat
das Virus nur einen geringen Tropismus zum Korneagewebe.
Bei einer experimentellen Infektion sind diese Läsionen in
einem zweiphasigen Verlauf zu sehen. Zwischen dem dritten
und dem sechsten Tag der Infektion treten an der Stelle, wo
sich das lokal applizierte Virus vermehrt, zahlreiche mikro-
2
Katze mit Pseudopterygium (rauchige Trübung und Gefäße auf der Horn­haut
entsprechen der verwachsenen Bindehaut) und Symblepharon (per­manenter
Nickhautvorfall durch verwachsene Bindehaut der Nickhaut und des Unterlids)
dendritische Muster auf. Sie verschwinden danach und sind
erst am Tag 11, wenn durch die Nekrose der Konjunktiva
neues infektiöses Virus freigesetzt wird, wieder zu sehen.
Während der Primärinfektion können unschein­bare Veränderungen der Kornea (mikrodendritische Läsionen) auftreten.
Durch das FHV-1 bedingte Hornhautulzera sind oft sehr
schmerzhaft und können entweder spontan abheilen oder
sogar unter antiviraler Therapie zu chronischen indolenten
Ulzera werden. Eine akute epitheliale Keratitis wird von einer milden Konjunktivitis, Blepharospasmus und serösem bis
mukopurulentem Augenausfluss begleitet. Die Läsionen sind
punkt- bis linienförmig (= dendritisch) (Bild 3). Verschmelzen diese dendritischen Läsionen zu einer landkartenartigen
Form, so nennt man sie geografische Ulzera. Bei chronischen
Fällen kann es zu einem milden Ödem des Hornhautstromas
kommen. Auch eine Vaskularisation und Fibrose der Kornea
sind möglich. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass durch das
FHV-1 eine Einschmelzung des Hornhautstromas hervorgerufen werden kann.
Andererseits kann das FHV-1 auch stromale Defekte wie
rauchig bis milchige Hornhauttrübungen und -ulzera mit
Gefäßeinsprossung hervorrufen, die in keinem direkten Zusammenhang zur Virus­replikation stehen (Bild 4). Durch Suppression der lokalen Immunantwort etwa durch eine Infektion
mit dem FeLV/FIV oder durch Umweltstress kann das Virus
in das Hornhautstroma gelangen. Die Keratitis wird in der
Folge durch eine Im­munreaktion auf das virale Antigen unter
Beteiligung von CD4+-Lymphozyten verursacht. Die Symptome sind eine Vaskularisierung der Hornhaut, stromale zelluläre Infiltrate und ein Hornhautödem. Eine stromale Keratitis
entwickelt sich häufig bei Katzen, die lokale Glukokortikoide
verabreicht bekommen haben.
Der bakteriellen Keratitis muss eine traumatische Unterbrechung des Korneaepithels vorausgehen, sodass sich Bakterien niederlassen können. Bei der Katze treten primäre Krankheiten der
Adnexe, die zu einer Irritation des Epithels führen könnten, nicht
häufig auf, und so ist diese Form eher seltener zu beobachten.
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Dendritische Keratitis: Die durch das Herpesvirus verursachten Läsionen Stromale Keratitis: massive Infiltration des Hornhautstromas mit
des Hornhautepithels färben sich mit Bengalrosa und zeigen eine
Entzündungszellen sowie Gefäßeinsprossung und Hornhautödem
astartige Verzweigung.
Eosinophile Konjunktivitis/Keratitis (Bild 5) Die Ursache
dieser Erkrankung ist noch nicht vollständig geklärt. Meist beschränken sich die Veränderungen auf das Auge.
Das typische Bild der proliferativen Keratokonjunktivitis besteht
aus einer weißen bis rosa, ödematösen, unregelmäßigen, vaskularisierten Masse, die meist vom nasalen oder temporalen Limbus, der
peripheren Kornea oder der angrenzenden bulbären Konjunktiva
ihren Ursprung nimmt. Die Nickhaut kann ebenfalls betroffen sein
und mit zunehmender Chronizität kann sie sich auf die gesamte Kornea ausbreiten. Meist tritt diese Krankheit zunächst unilateral auf,
kann schließlich aber auch am zweiten Auge in Erscheinung treten.
Histopathologisch stellt sich die eosinophile Keratitis als ein
chronisch granulomatöser, entzündlicher Prozess dar, charakterisiert durch ein Infiltrat be­stehend aus Entzündungszellen (vor
allem Plasmazellen und Lymphozyten, eosi­nophile Granulozyten
und gelegentlich Histiozyten und Mastzellen).
Da in Studien bei einer Mehrzahl an Katzen mit diesem
Krankheitsbild FHV-1-DNA nachgewiesen werden konnte,
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wird vermutet, dass das Virus das auslösende Agens sein könnte.
Einen Fallbericht dazu finden Sie auf Seite 34.
Schwarze Hornhautnekrose (Bild 6) Die Schwarze Horn-
hautnekrose der Katze ist durch die Degeneration von Kollagen
und die Akkumulation eines braunen Pigments charakterisiert.
Sie ist auch unter den Namen Hornhautsequester, Cornea nigra,
Hornhautmumifizierung, fokale Hornhaut­degeneration mit Sequestrierung, Keratitis nigrum, chronische nekrotisierende Kera­
titis und primäre nekrotisierende Keratitis bekannt.
Es besteht eine Prädisposition bei brachycephalen Katzenrassen (Perserkatzen, Himalayakatzen, Burmakatzen). Außerdem
soll es zu einem vermehrten Auf­treten der Krankheit bei Colour­
point-Katzen kommen. Hierbei könnte es sich um einen autosomal rezessiven Vererbungsmodus han­deln.
Die Erkrankung kann ein- oder häufiger beidseitig auftreten,
wobei beide Augen nicht zeitgleich betroffen sein müssen, und
kann auch mehr oder weniger schmerzhaft sein.
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Eosinophile Keratitis: Es zeigen sich die typischen weißen Plaques auf
Hornhaut und Konjunktiva und ein limbaler Gefäßwall
Die Läsion befindet sich üblicherweise im Zentrum der Hornhaut, hat eine annähernd zirkuläre Form und ist variabel pigmentiert. Heller pigmentierte Läsionen können von Epithel bedeckt
sein, während dunkle Läsionen oft ulzeriert sind. In der Peripherie ist das Epithel häufig ödematös und lose. Meist ist die Kornea
nur bis zu ihren mittleren Schichten betrof­fen, doch kann sich
der Sequester auch bis zur Descemetschen Membran erstre­cken.
Mit Fortschreiten der Krankheit kann es zur Vaskularisation der
Projekt1:Layout
04.09.2007
19:05kommen.
Seite 1
Hornhaut und1 zum
stromalen Ödem
Histopathologisch setzt sich der Sequester aus degeneriertem
Kollagen und Fibroblasten mit einer angrenzenden Zone aus Entzündungszellen (Lymphozyten, Plasmazellen und seltener polynukleäre Leukozyten, Makrophagen und Riesen­zellen) zusammen.
Die Ursache der Schwarzen Hornhautnekrose ist unklar. Da die
Erkrankung vor­wiegend bei brachyzephalen Katzen zu finden ist,
nimmt man an, dass die Irritation durch ein nasales Entropium
und den exponierten Bulbus sowie korneale Mikrotraumata dafür verant­wortlich sind. Auch aufgrund einer Infektion mit dem
FHV-1 kann es zur Bildung eines Hornhautsequesters kommen.
Lokale Mecha­nismen im Hornhautmetabolismus werden als Ursache diskutiert.
Bei dem Pigment handelt es sich nicht um Melanin. Es wird
vermutlich vom geschä­digten Hornhautstroma über den Tränenfilm absorbiert. Durch eine Stoffwechselstörung der Hornhaut
kann durch Polymerisierung der oxidierten For­men von Tyrosin,
3,4-Dihydroxyphenylalanin (DOPA), Epinephrin und Katecholamin dunkles Pigment entstehen.
Diagnose Die Diagnose kann aufgrund der klinischen Sympto-
matik, des zytologische Bildes, des Erregernachweises und des Ansprechens auf die Therapie gestellt werden. Da aus dem Konjunktivalsack der Katze physiologischerweise verschiedene Bakterien
(vornehmlich Staphylococcus aureus und Staphylococcus epidermidis)
isoliert werden können, ist eine bakteriologische Untersuchung
meist nur von geringem diagnostischen Wert.
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Schwarze Hornhautnekrose: Der lackartig-schwarze Bereich der Horn­
Kerneinschlusskörperchen in den Epithelzellen: zytologisches Bild eines
haut ist abgestorbenes Gewebe, in das Pigment eingelagert ist. Es wird Konjunktivalabstriches einer Katze mit Keratokonjunktivitis (1000x,
von Blutgefäßen demarkiert und ist von einem Hornhautödem umgeben. Hemacolor Schnellfärbung)
Zytologische Untersuchung Diese stellt vor allem bei pri-
mären Infektionen und der eosinophilen Keratitis ein wichtiges diagnostisches Mittel dar.
Bei einer Infektion mit FHV-1 sind Kerneinschlusskörperchen
in den Epithelzellen der Konjunktiva zu finden (Bild 7). Die bei
einer chronischen FHV-1-Infektion häufig auftretenden neutrophi­
len Granulozyten haben einen geringen diagnostischen Wert.
Charakteristisch für eine Chlamydieninfektion sind zytoplasmatische Einschlusskörperchen in den Epithelzellen der Konjunktiva zwischen Tag 3 und 14 der Infektion (Bild 8).
Als typisches zytologisches Bild einer Mykoplasmeninfektion
können in den Epithel­zellen basophile Einschlusskörperchen gefunden werden.
Das zytologische Bild einer eosinophilen Keratitis zeichnet sich
durch eosinophile und neutrophile Granulozyten aus (Bild 9).
Für die zytologische Untersuchung wird Zellmaterial nach
Eintropfen eines Lokalanästhetikums mithilfe eines Baumwolltupfers oder besser eines Zytobürstchens entnommen und auf
einem Objektträger abgerollt. Die Ausstriche werden an der Luft
getrocknet, durch dreimaliges Abflammen hitzefixiert und anschließend gefärbt.
PCR Als golden Standard des Herpesvirus-, Calicivirus-, Chla-
mydien- und Mykoplasmennachweises ist derzeit die Polymerasekettenreaktion (PCR) zu sehen. Jedoch beweist ein positives Ergebnis der PCR nicht, dass gerade eine aktive Infek­tion
im Gange ist. Auch können falsch positive und negative Ergebnisse vor­kommen.
Bei der nested PCR kann die Sensitivität deutlich erhöht
werden. Zur Probenentnahme können Baumwolltupfer oder
Zytobürstchen dienen, die in ein geeignetes Medium verbracht
werden. Biopsieproben sind in der Regel nicht notwendig, da
sie keine vermehrt positiven Resultate ergeben.
Nachdem der direkte Erregernachweis einige Zeit in Anspruch nimmt, nicht immer mit einem zutreffenden Ergebnis
zu rechnen ist und am Therapieplan meist nicht viel ändert, ist
er in der Klinik nur von beschränktem Wert.
Serologie Diese ist auf Grund der hohen Rate an geimpften
Katzen von geringer klinischer Bedeutung. Um Katzen mit einer
chronischen Herpesvirusinfektion zu tes­ten, bringen auch paarige Serumproben keinen Vorteil, da die Titer in diesen Fällen
dazu tendieren, auf einem Plateau zu bleiben.
Therapie Beim Einsatz von lokal zu applizierenden Präparaten
sollte, wenn möglich, Augensalben vor -tropfen der Vorzug gegeben werden. Diese verbleiben länger am Wirkort und müssen
somit infrequenter verabreicht werden.
Antivirale Medikation Das feline Herpesvirus 1 ist gegen fol-
gende lokale Virusstatika sensibel: Idoxuridin, Vidarabin, Trifluorothymidin und Aciclovir. Es handelt sich dabei um Stoffe, die
in die DNA-Synthese eingreifen. Ein In-vitro-Versuch mit felinen Herpesviren ergab eine maximale Empfindlichkeit gegenüber Trifluorothymidin, gefolgt von Idoxuridin und Vidarabin.
FHV-1 soll relativ resistent gegen Aciclovir sein.
Da diese Stoffe auf Säugetierzellen eine mehr oder minder
toxische Wirkung haben, können sie zu Reizungen führen und
werden von manchen Katzen schlecht vertragen. Sie sollten zumindest 4x täglich (besser bis zu 8x täglich) verabreicht werden.
Als systemisches Virusstatikum wird seit kurzem Famciclovir
erfolgreich eingesetzt. Im Gegensatz zu Aciclovir wird es von den
Katzen gut vertragen und kann daher auch über einen längeren
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Zeitraum verabreicht werden.
Bei der derzeit gängigen Dosie-17.12.
rung wird ¼ Tablette der 125mg-Tabletten pro Katze 1x täglich
(bei Katzenwelpen ⅛ Tablette/Katze 1x täglich) verabreicht. Da
lokale Virusstatika gerade bei Hornhauterosionen und -ulzera
zu schmerzhaften Reizungen führen können, sollte
vor allem in solchen Fällen systemisch verabreichtem
Famci­clovir der Vorzug gegeben werden.
Als Begleittherapie kann die Aminosäure L-Lysin über das Futter verabreicht werden (2x täglich
250 mg = 1 Messerspitze). Es wird statt Arginin
in das Erbgut des Herpesvirus eingebaut und
soll so die Replikationsrate reduzieren. LLysin eignet sich daher auch zur ProMetacam®
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Zytoplasmatische Einschlusskörperchen in den Epithelzellen:
zytologisches Bild eines Konjunktivalabstriches einer Katze mit
Konjunktivitis (1000x, Hemacolor Schnellfärbung)
Seit ein felines rekombinantes Interferon omega auf dem Markt
erhältlich ist, wurden Studien zur Wirksamkeit gegen Infektionen
mit FHV-1 durchgeführt. Zur lokalen Applikation wird die 1ml
Ampulle (= 10ME) 20fach mit steriler physiologischer Kochsalzlösung verdünnt und in Augentropfflaschen abgefüllt. Die Augentropfen sind im Kühlschrank 2 bis 3 Wochen und im Tiefkühlfach
mehrere Wochen lang haltbar. Zu Studienzwecken wurden sie 3 x
täglich eingetropft, und es hat sich gezeigt, dass sie keine virusstatische, sondern entzündungshemmende Wirkung haben und vor
allem bei Fällen mit Konjunktivitis eingesetzt werden können.
Die Verträglichkeit ist sehr gut. Durch das Abrinnen eines Teils
der Augentropfen über den Tränennasengang kommt es auch im
Nasenrachenraum zur Bildung von antiviralen Proteinen. Auch
subkutane Injektionen mit dem unverdünnten Präparat können
hilfreich sein, werden aber oft aufgrund des hohen Preises vom
Besitzer abgelehnt.
Antibiotika Antibiotische Augensalben kommen bei Defekten
der Hornhaut oder nachgewiesenen Chlamydieninfektionen
zum Einsatz. Bei der Wahl der antibiotischen Augensalbe sollte
ein Präparat mit Wirksamkeit gegen Chlamydien und Mykoplasmen gewählt werden (z. B. Oxytetracyclin).
Möchte man bei einer manifesten Chlamydieninfektion die
Erreger aus dem Körper eliminieren, so werden Tetracycline systemisch in der Dosierung von 10 mg/kg 2 x täglich über einen
Zeitraum von 28 Tagen verabreicht.
Entzündungshemmer Da allergische Konjunktivitiden bei der
Katze sehr selten sind, ist die einzige Indikation, Glukokortikoide bei Erkrankungen der Binde- bzw. Hornhaut der Katze einzusetzen, die eosinophile Konjunktivitis bzw. Keratitis. Bei allen
anderen Krankheitsformen ist die Gabe von Glukokortikoiden
kontraindiziert. Durch die entzündungshemmende Wirkung
kommt es zwar kurzfristig zu einer Besserung der Symptome,
der Krankheitsverlauf wird jedoch verlängert und die Symptome
können sich verschlechtern.
Es sollte weiters beachtet werden, lokale Kortisonpräparate
nur bei intaktem Hornhautepithel anzuwenden. Glukokortikoide erhöhen die lytische Aktivität von Hornhautkollagenasen,
9
Eosinophile Granulozyten: zytologisches Bild eines
Konjunktivalabstriches einer Katze, die weiße Auflagerungen auf der
Hornhaut zeigte (600x, Hemacolor Schnellfärbung)
sodass es rasch zu einem Einschmelzen der Kornea kommen
kann. Es ist daher angebracht, vor dem Einsatz solcher Präparate
einen Fluorescein-Test durchzuführen. Bei der lokalen Applikation sollte auf Acetat- und Alkoholformulierungen verzichtet
und stattdessen auf Phosphate zurückgegriffen werden, die die
Hornhaut nur in geringem Maße penetrieren können.
Die lokale Therapie mit Glukokortikoiden sollte zu Beginn
6x täglich erfolgen. Meist kommt es dann zu einer schnellen
Besserung, und das Medikament kann ausgeschlichen werden.
Einige Katzen müssen jedoch lebenslang mit lokalen Glukokortikoiden (1–2 x täglich) oder Cyclosporin A (2 x täglich)
behandelt werden, um einen Rückfall zu verhindern.
In schwerwiegenden Fällen kann der Einsatz von Megestrolacetat (0,5 mg pro kg 1 x täglich; nach Besserung der klinischen
Symptomatik auf eine Applikation alle 2–7 Tage reduzieren)
notwendig sein.
Zu beachten ist auch, dass lokal und systemisch verabreichte
Glukokortikoide zu einer Reaktivierung von latentem Herpesvirus führen können und somit der Therapieerfolg gut überwacht
werden sollte bzw. es notwendig ist, die Besitzer ausreichend zu
instruieren, sodass bei einem Wiederauftreten klinischer Symptome eine antivirale Therapie erfolgen kann.
Chirurgische Eingriffe Bei Katzenwelpen mit neonataler
Konjunktivitis vor dem Öffnen der Lider müssen diese mithilfe einer Schere getrennt werden. Nachdem bei so jungen
Katzen der Lidreflex und die Tränenproduktion noch inadäquat ausgebildet sein können, muss mit der Gabe von lokalen
antibiotischen Augensalben und Tränenersatzpräparaten ein
Austrockenen der Hornhaut verhindert werden.
Bei therapieresistenten Hornhauterosionen, Hornhautulzera und Schwarzer Hornhautnekrose sollte eine Keratektomie
durchgeführt werden. Bei tiefergehenden Defekten sollte anschließend eine Nickhautschürze oder sogar ein Konjunktivalflap angelegt werden. Die Nickhautschürze wird für 2 Wochen
belassen, der Stiel des Konjunktivalflaps kann in der Regel nach
3 Wochen durchtrennt werden. Der Bindehautlappen soll auch
das erneute Auftreten einer Schwarzen Hornhautnekrose an
dieser Stelle verhindern.
Coverstory | Kleintierpraxis | 23
Standardtherapie einer Herpes­infektion am Auge
Kombination
und /
oder
Kombiniert
mit
Wirkstoffe
Verabreichung
Virusstatikum
Trifluorothymidin
4x täglich
eintropfen
Virusstatikum
Famciclovir
1x 1/4 (1/8)
Tablette eingeben
Antibiotikum
Oxytetracyclin
2x täglich
einsalben
Aminosäure
L-Lysin
2x täglich 1 Msp.
ins Futter
Neben der medikamentellen Therapie sollten bei einer Konjunktivitis beziehungsweise Keratokonjunktivitis von Katzenwelpen in der akuten Phase täglich die durch die Fibrinausschwitzung entstandenen Verklebungen unter Verwendung
von lokalanästhetischen Augentropfen und einer Pinzette gelöst werden.
Ein bestehendes Pseudoperygium kann durch Keratektomie
und Einnähen der abgetragenen und am Limbus umgeschlagenen Konjunktiva in den Fornix therapiert werden. Da die
Bindehaut jedoch die Tendenz hat, wieder auf die Kornea zu
wachsen, sind die Erfolge oft bescheiden. Einsetzen von Kontaktlinsen und Anwendung von Zytostatika und Glukokortikoiden können das Ergebnis verbessern. Es ist jedoch anzuraten,
solche Eingriffe nur bei Augen durchzuführen, die hochgradige
Veränderungen aufweisen oder korneal blind sind.
Sonstiges Der Schirmer-Tränentest ist bei Katzen mit Kerato-
konjunktivitis oft vorübergehend reduziert (< 8mm/Minute). Es
kann daher hilfreich sein, ein Tränenersatzpräparat (z.B. Na-Hyaluronat) als Begleittherapie zu verschreiben.
Hornhauterosionen und -ulzera können mit fünfprozentiger Jodlösung (Solutio jodi spirituosa) und einem Baumwollstieltupfer touchiert
werden, um so loses Epithel zu entfernen und mögliche Krankheitserreger abzutöten. Bei indolenten Ulzera sollte keine Gritkeratomie durchgeführt werden, da dies zur Bildung einer Schwarzen Hornhautnekrose
führen kann und die Viren tiefer in das Hornhautgewebe bringt.
Da diese Katzen oft ein geschwächtes Immunsystem besitzen,
kann als Begleittherapie ein immunmodulierendes Präparat eingesetzt werden. Inaktives Parapoxvirus ovis wird subkutan injiziert, um die allgemeine Immunabwehr anzuregen.
Die Zusammenstellung der Medikamente muss natürlich
dem individuellen Krankheitsbild angepasst werden. Im Allgemeinen sollte jedoch bei einer Konjunktivitis bzw. epithelialen
und stromalen Keratitis ein lokales oder systemisches Virusstatikum mit einem lokalen Antibiotikum kombiniert werden
(siehe Tabelle).
Dr. med. vet. Sabine Volopich, Diplomate ECVO
war sechs Jahre an der Augenstation der VUW tätig, seit 1.2.2007 Augenfachtierärztin in der Tierklinik Holla­brunn.
Kontakt: [email protected], 0 29 52/49 49,
www.tieraugen.at
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