Persönliche Daten Name: ___________________________________________ Adresse: ___________________________________________ Telefonnummer: ___________________________________________ Patientenausweis Liebe Patientin, lieber Patient, Diese Broschüre entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Frau Dr. Kalischewski, niedergelassene Neurologin in Leipzig und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Myasthenie Gesellschaft. Ihr Arzt hat bei Ihnen, vielleicht erst vor kurzem, die Diagnose Myasthenia Gravis gestellt. Ein schwieriges Wort, verbunden mit vielen Fragen, die sich aus der nunmehr neuen Lebenssituation ergeben. Dieser Ratgeber soll Sie mit den wichtigsten Begriffen vertraut machen, Ihnen Mut geben und Ihnen Tipps und Tricks für Ihren persönlichen Alltag vermitteln. Wir wünschen Ihnen alles Gute! Ihre Temmler Pharma GmbH & Co. KG Inhaltsverzeichnis Einleitung 5 Was versteht man unter Myasthenie? 7 Wie wird die Myasthenie festgestellt? 9 Erste Anzeichen 12 Myasthenie – wie behandeln? Einsatz von Acetylcholinesterase-Hemmern Was sind Immunsuppressiva? Thymektomie Was ist der Thymus? Was hat der Thymus mit der Myasthenie zu tun? Plasmapherese und Immunadsorption 14 15 17 18 18 19 20 Krisensituationen 21 Hilfe zur Selbsthilfe 22 Nützliche Informationen 26 Literaturangaben 27 Myasthenie verstärkende Medikamente und ihre Ausweichpräparate 28 Einleitung B Der Begriff „Myasthenia gravis“ stammt aus dem griechischen, wobei „Myasthenia“ für Muskelschwäche und „gravis“ für schwer steht. ei vielen Patienten beginnt die Krankheit schleichend. Sie nehmen zwar die ersten Symptome wahr, aber in unserer schnelllebigen Zeit werden diese oft mit Übermüdung, Stress und alltäglichen Zivilisationskrankheiten gleichgesetzt. Zu Beginn einer Myasthenie-Erkrankung klagen die Patienten häufig über Doppelbilder und hängende Augenlider (medizinisch Ptose genannt). Nicht selten sind es auch Familienangehörige und Freunde, die die Veränderungen beim Betroffenen als erstes feststellen. Auch für Außenstehende ist diese Krankheit nur schwer zu verstehen, da sie nicht nachvollziehen können, wieso der Betroffene - eben noch fit und munter - nun plötzlich Probleme beim Gehen oder Sprechen hat. So wie bei Karl M. und einigen anderen Patienten, deren Erfahrungen wir Ihnen in dieser Broschüre wiedergeben möchten, um Ihnen Mut und Stärke im Umgang mit der Krankheit zu geben. „Ich hatte in den letzten Jahren nie Krankheiten, außer hin und wieder eine leichte Erkältung im Winter. Ich fühlte mich gesund und fit, bis meine Sportsfreunde mich beim Tennisspielen auf mein hängendes Augenlid aufmerksam machten und mir rieten, zum Arzt zu gehen.“ „….in den Ferien dann wieder dieselben Probleme, nur viel stärker. Jetzt fiel ich schon hin, konnte nicht mehr laufen, nur noch langsam gehen und das nur auf sehr kurzen Strecken. Alle meinten ich spinne (auch mein Partner), weil doch jeder Mensch gehen könnte, warum ich dann nicht?“ Das „Warum“ steht häufig im Vordergrund der vielen Fragen, die die Betroffenen in Bezug auf ihre Krankheit haben. Wir möchten Ihnen helfen, Antworten auf Ihre Fragen zu finden. Karl M. ist einer von ca. 10.000 Myasthenie-Patienten in Deutschland. 5 Lassen Sie sich von uns begleiten! 6 W as versteht man unter Myasthenie? Die Myasthenie wird in der medizinischen Fachliteratur als „belastungsabhängige Muskelschwäche“ beschrieben, die sich „in Ruhe wieder bessert“. Die Gründe für diese Schwäche liegen in einer verminderten Signalübertragung vom Nerv zum Muskel. Wie kann es dazu kommen? Im menschlichen Körper laufen fortwährend die unterschiedlichsten Prozesse ab, die dafür sorgen, dass unser Körper genau die Dinge macht, die wir ihm, meist unbewusst, „befehlen“. Verantwortlich hierfür ist eine Vielzahl von Informationen, die mit Hilfe des Nervensystems von Zelle zu Zelle weitergegeben werden. D a die gesendete Nachricht auch von der nachfolgenden Zelle wieder aufgenommen werden muss, verfügt jeder Botenstoff über eine eigens für ihn eingerichtete „Empfangsstelle“, einen sog. Rezeptor. Der Empfänger für Acetylcholin heißt also „Acetylcholinrezeptor“. Bei einem Großteil der MyastheniePatienten bildet der eigene Körper Antikörper gegen den Acetylcholinrezeptor, so dass die Erregungsübertragung gehemmt ist. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Autoimmunkrankheit. Acetylcholin ist ein wichtiger Botenstoff bei der Übertragung von Impulsen! Autoimmunkrankheit – was ist das? Vereinfacht kann man sagen, dass die Übertragung der Informationen mit dem Funktionsprinzip eines Zwischensteckers vergleichbar ist. Das menschliche Abwehrsystem ist dafür da, uns vor Krankheitserregern, wie z. B. einer drohenden Erkältung, zu schützen. In einigen Fällen richtet sich die Immunabwehr jedoch gegen den eigenen Körper und verursacht dadurch Krankheiten. Den Platz der Stecker nehmen im menschlichen Körper die Synapsen ein. Sie bekommen Informationen und leiten diese an die nachfolgende Synapse weiter. Dies geschieht solange, bis die Information an Ihrem Bestimmungsort angekommen ist. Die Signalübertragung von Synapse zu Synapse erfolgt mittels Botenstoffen. Acetylcholin ist einer von ihnen. Im Fall der Myasthenie bildet der Körper Antikörper gegen den Acetylcholinrezeptor, also gegen die „Empfangsstelle“ der Signalübertragung. Diese Antikörper reduzieren die verfügbaren Rezeptoren und führen somit zu einer Störung der Erregungsübertragung. Dies hat zur Folge, dass der Reiz nicht mehr richtig weitergegeben wird und erste Anzeichen von Schwäche sichtbar werden. Charakteristisch für eine Myasthenie-Erkrankung ist die rasche Ermüdung in Belastungssituationen und eine Erholung in der Ruhephase. 7 8 Grafik aus Köhler/Sieb Myasthenia gravis, 2003, II. Auflage Z ur Sicherung seiner Vermutung wird er mit Ihnen verschiedene Untersuchungen durchgeführt haben, wie z. B. den „Myasthenie-Score“ wobei Sie gebeten wurden, bestimmte Bewegungen durchzuführen, wie sie hier zum Teil nochmals dargestellt sind. W ie wird die Myasthenie festgestellt? Die Myasthenie ist eine Krankheit, die sich nur sehr schwer diagnostizieren lässt. Vielleicht haben auch Sie einige Stationen durchlaufen müssen, bis Ihre Diagnose feststand. Wenn dem so ist, dann hilft es Ihnen vielleicht zu wissen, dass Sie damit nicht alleine sind. Einer Umfrage unter Betroffenen zufolge dauert es in Deutschland bis zu 2,7 (!) Jahre, bis die Diagnose Myasthenie gestellt wird. Dies ist neben dem seltenen Auftreten der Krankheit auch in der schwierigen Abgrenzung zu anderen, ähnlichen Krankheitsbildern begründet. Es bedarf schon einiger Erfahrung seitens des behandelnden Arztes, um bei einer so seltenen Erkrankung die richtige Diagnose zu stellen. Haben Sie im Verlauf dieser Übungen eine aufkommende Schwäche gespürt, so könnte dies als ein erstes Anzeichen für die Krankheit gewertet werden. Da jedoch auch andere Muskelerkrankungen diese Symptome aufweisen können, wird Ihr behandelnder Arzt ergänzend eine pharmakologische Testung mit Ihnen durchgeführt haben, den Tensilon-Test. Bei diesem Test wird Ihnen eine Substanz injiziert, deren Wirkung nur sehr kurz anhält und zu einer kurzfristigen Verbesserung der Symptome führt. Eine positive Reaktion auf dieses Medikament beinhaltet meist auch ein positives Ansprechen auf einen Acetylcholinesterase-Hemmer (s. Seite 15) und erhöht gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit der Diagnose „Myasthenia gravis“. Zunächst wird der Arzt Sie zu Ihren Symptomen und Ihrer Vorgeschichte befragt haben. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der sog. Anamnese. 9 10 E ine weitere Methode zur Diagnosesicherung ist die Untersuchung des Blutes nach Antikörpern. Wie Sie bereits erfahren haben, handelt es sich bei der Myasthenie um eine Autoimmunkrankheit, bei der Antikörper gegen den Acetylcholinrezeptor gebildet werden. Diese Antikörper lassen sich allerdings nur bei 70 % der Patienten im Blut nachweisen, so dass das „Nicht-Vorhandensein“ der Antikörper die Diagnose Myasthenia gravis nicht ausschließt. Zur weiteren Diagnosesicherung wird eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt. Hier wird eine „künstliche“ Belastungssituation der Muskulatur erzeugt. Mittels leichten Stroms wird der Muskel mehrfach hintereinander gereizt (3/s). Nimmt die Amplitude der Muskelanspannung ab, ist dies für die Diagnose einer Myasthenia gravis richtungsweisend (Dekrement). H aben Sie einige Tests wieder erkannt? Dann werden Sie jetzt vielleicht zu recht sagen, da fehlt doch noch was. Richtig! Nicht angesprochen wurde bisher das CT/MRT des Brustkorbs, das bei Ihnen vermutlich ebenfalls durchgeführt wurde. Bei allen Patienten mit Verdacht auf Myasthenie wird unabhängig von den sonstigen Testungen eine Computer- oder MagnetresonanzTomographie durchgeführt, um eine mögliche Raumforderung der Thymusdrüse bspw. ein Thymon, einen Tumor an der Thymusdrüse, auszuschließen. E rste Anzeichen Die Kombination der fünf Hauptuntersuchungen Befragung nach den Beschwerden des Patienten und Analyse der Vorgeschichte Klinisch neurologische Untersuchung und Myasthenie-Score Tensilon-Test (Pharmakologische Testung) Serienstimulation (elektrophysiologische Testung) Bestimmung von Antikörpern im Blut Das positive Ergebnis eines einzelnen Testes ist in der Regel nicht ausreichend, um die Diagnose Myasthenie zu stellen. Häufig müssen mehrere der oben genannten Untersuchungen durchgeführt werden um zu einem sicheren Ergebnis zu kommen. 11 „Ich weiß nicht genau, wann die MG wirklich begonnen hat. Das erste Mal bewusst habe ich Doppelbilder im Sommer 2004 wahrgenommen. Beim Lesen und Autofahren sah ich manchmal alles verschwommen. Ich dachte mir aber nicht viel dabei, ich war ja doch schon 40 Jahre, und dass man in diesem Alter einmal eine Brille braucht, war mir als Erklärung genug.“ Wie bei Kathrin S., so treten bei den meisten Betroffenen zunächst erste Anzeichen im Bereich der Augen auf. 12 M an spricht in diesem Zusammenhang dann von einer „okulären“ (das Auge betreffenden) Myasthenie. Vielleicht haben auch Sie die ersten Vorboten der Krankheit in Form von Doppelbildern und hängenden Augenliedern wahrgenommen. Es gibt jedoch weitere, sehr unspezifische okuläre Störungen, die nicht eindeutig der Myasthenie zugeordnet werden können, wie z. B. S ind neben den Augen auch weitere Muskelgruppen, wie z. B. Arme und Beine betroffen, spricht man von einer generalisierten Myasthenie. Weitere Symptome einer generalisierten Myasthenie können sein: Verwaschene, näselnde Sprache Schluckstörungen Schwäche der Kau- und Unterkiefermuskulatur Probleme den Kopf zu halten Müde/schwere Beine und Arme Seltener: Verschwommenes Sehen Müde bzw. schwere Augen Lichtempfindlichkeit Verstärkte Anstrengung beim Lesen 13 Schwäche der Atemmuskulatur Muskelschmerzen Der Weg zum Augenarzt statt zum Neurologen liegt dann oft näher, kann aber die Diagnose erheblich verzögern. Leider bleibt die Krankheit nur bei 10 % der Betroffenen auf die Augen beschränkt, so wie bei Alexandra K. Egal welche Diagnose Ihr Arzt bei Ihnen gestellt hat, die Myasthenie gehört heute zu einer der am besten erforschten Autoimmunkrankheiten, deren Symptome durch die vorhandenen Medikamente relativ gut behandelt werden können. Welche Medikamente das sind und welche alternativen Behandlungsmethoden es noch gibt, erfahren Sie auf den nachfolgenden Seiten. „Es fing bei mir im März 2006 mit hängenden Augenlidern an. Nachdem mein Augenarzt dies auf die Arbeit am PC zurück führte, machte ich mir weiter keine Sorgen. Ende Februar 2007 gingen die Beschwerden auf Arme und Beine über. Haare föhnen oder die Treppe zu meiner Wohnung bereiteten mir plötzlich große Schwierigkeiten, so dass ich mich von meinem Hausarzt untersuchen ließ. Der überwies mich dann zu einem Neurologen.“ M yasthenie – wie behandeln? Für Myasthenie-Patienten steht eine Vielzahl guter Behandlungsmethoden zur Verfügung. Allerdings können die derzeit auf dem Markt befindlichen Medikamente die Krankheit nicht heilen, sondern lediglich ihre Symptome bessern. 14 D W Nachdem Sie nun wissen, wie die Erregungsübertragung funktioniert, werden wir uns nun mit den einzelnen Funktionen innerhalb der Synapsen befassen. ie Behandlung der Myasthenia gravis beruht auf vier Säulen: Verbesserung der neuromuskulären Erregungsübertragung durch Acetylcholinesterase-Hemmer Immunsuppressive Therapie Therapie der akuten Verschlechterung (myasthene Krise) Thymektomie Die nachfolgenden Seiten werden Ihnen einen Überblick über die unterschiedlichen Medikamente und Methoden zur symptomatischen Behandlung der Krankheit geben. E insatz von Acetylcholinesterase-Hemmern ie wirkt aber nun Pyridostigmin? Kommt ein Impuls (ein sog. Aktionspotenzial) in einer Synapse an, wird ein chemischer Vorgang ausgelöst. Dabei wird Acetylcholin in densynaptischen Spalt ausgeschüttet, um dort von den Rezeptoren der gegenüberliegenden Synapse (auch Postsynapse genannt) in „Empfang“ genommen zu werden. Dieser Prozess dauert nur den Bruchteil einer Sekunde. In dieser kurzen Zeit muss der Botenstoff „seine Nachricht“ übermittelt haben. Gelingt ihm das nicht, kann das Signal nicht richtig weitergegeben werden, und der gewünschte Effekt (z. B. das Heben des Beines) bleibt aus oder kann nur reduziert durchgeführt werden. Bei einem Myasthenie-Patienten sind einige Rezeptorstellen durch die Antikörper nicht funktionsfähig bzw. abgebaut worden, so dass die Impulsweiterleitung verringert ist. Pyridostigmin sorgt nun dafür, dass das Acetylcholin für einen längeren Zeitraum im synaptischen Spalt (= Verbindungsstelle zwischen zwei Synapsen) verfügbar ist und der Rezeptor somit genügend Zeit hat, die Information aufzunehmen und zu verarbeiten. Acetylcholinesterase-Hemmer mit dem Wirkstoff Pyridostigminbromid sind Mittel der ersten Wahl in der medikamentösen Behandlung der Myasthenie. Sie bewirken eine rasche Abnahme der Muskelschwäche und unter Dauertherapie eine Stabilisierung der Muskelkraft und ein Ausbleiben bzw. selteneres Auftreten der Symptome. Die Dosierung erfolgt in Abhängigkeit von der Schwere der Symptome und ist individuell unterschiedlich. 600 mg Pyridostigmin/Tag sollten nicht überschritten werden. 15 16 P T Die Wirkung von Pyridostigmin setzt in der Regel nach 15 – 45 Minuten ein und hält ca. 2 – 4 Stunden vor. Die Retardformulierung wirkt 6 - 8 Stunden. Sicher ist Ihnen zu Beginn Ihrer Behandlung auch schon der Begriff Thymektomie begegnet. Dieser leitet sich aus dem Wort Thymus ab. Man vermutet, dass der Thymus bei der Entstehung der Myasthenie eine wichtige Rolle spielt. yridostigmin hemmt also die Acetylcholinesterase, den Vorgang, der für den Abbau des Acetylcholins verantwortlich ist. Neben den Acetylcholinesterase-Hemmern ist die immunsuppressive Therapie ein wichtiger Baustein in der Behandlung der Myasthenia gravis. W as sind Immunsuppressiva? Das Immunsystem umgibt uns wie ein Schutzschild, um uns vor Krankheiten zu schützen. Im Falle einer Myasthenie-Erkrankung funktioniert diese Immunabwehr nicht mehr richtig, da sie ihre Tätigkeit gegen den eigenen Körper, in diesem Falle gegen die Acetylcholinrezeptoren richtet, und somit die Symptome der Krankheit hervorruft. Wir haben dies bereits unter dem Stichwort „Autoimmunkrankheit“ erläutert. Immunsuppressiva haben die Aufgabe, die natürliche Antikörperausschüttung des Körpers zu verhindern bzw. zu vermindern. Allerdings gelingt dies nicht immer, so dass eine alleinige (Mono-) Therapie mit Immunsuppressiva nur ganz selten erfolgreich ist. 70 % aller Patienten bekommen eine Kombinationstherapie aus Pyridostigmin und einem Immunsuppressivum. Hier stehen verschiedene Präparate zur Auswahl. Ihr Arzt wird mit Ihnen das für Sie optimale Medikament ausgewählt haben. Da durch eine immunsuppressive Therapie die natürliche Abwehrreaktion des Körpers gemindert wird, ist es für Myasthenie-Patienten besonders wichtig, auf ihre Gesundheit zu achten, sich ausgewogen zu ernähren und ihren Körper in Maßen zu belasten. 17 hymektomie W as ist der Thymus? Der Thymus, der auch Bries genannt wird, liegt hinter dem Brustbein über dem Herzbeutel. Bei der Geburt und im Kindesalter ist der Thymus voll ausgebildet. Schon bei Jugendlichen bildet er sich zurück, bis er schließlich nur noch einige Reste Mark- und Rindengewebe enthält. Diese sind eingebettet in Thymusfettgewebe, das sich im Gegenzug verstärkt. 1. Große herznahe Venen 2. Rechter Lappen des Thymus 3. Herzbeutel 4. Aortenbogen mit den daraus abgehenden großen Arterienstämmen 5. Linker Lappen des Thymus. Quelle: Der Körper des Menschen, 11. Auflage 1998, 308, Thieme Verlag. Der Thymus ist ein sehr wichtiges Organ für das Immunsystem. In ihm werden die T-Lymphozyten (gehören zu den weißen Blutkörperchen) geprägt, die eine wichtige Aufgabe bei der speziellen Immunabwehr haben. Der Thymus ist sozusagen die Schule, in der sich die T-Lymphozyten auf ihre wichtige Aufgabe vorbereiten. 18 W P Man geht davon aus, dass der Thymus eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Myasthenie spielt und hier möglicherweise die Antikörper gegen den Acetylcholinrezeptor produziert werden. Bewiesen ist diese Vermutung bislang jedoch nicht. Häufig ist bei Myasthenie-Patienten die Thymusdrüse vergrößert und nicht regulär zurückgebildet (Thymitis) oder verändert (Thymom). Dann ist eine Operation unbedingt notwendig. Ziel dieser Behandlungsmethoden ist die rasche Entfernung von Acetylcholinrezeptor-Antikörpern aus dem Blut des Patienten. Beide Maßnahmen gleichen vereinfacht gesagt einer Blutwäsche. as hat der Thymus mit der Myasthenie zu tun? Die operative Entfernung des Thymus bringt bei rund 80 % der Patienten eine deutliche Besserung, wobei 30 % dieser Patienten sogar über eine Totalremission, d. h. ein Ausbleiben der myasthenen Symptomatik berichten konnten. Bei 20 % der Patienten hatte die Thymektomie keine oder unter Umständen sogar negative Auswirkungen. Besonders hohe Erfolgsquoten auf einen positiven Verlauf der Krankheit nach einer Thymektomie haben Patienten vor dem 60. Lebensjahr mit einem guten Allgemeinzustand und kurzer Krankheitsdauer. Die Thymektomie sollte jedoch nicht als isolierte Maßnahme gesehen werden, sondern neben der medikamentösen Therapie (Acetylcholinesterase-Hemmer und Immunsuppressiva) ein fester Baustein in der Behandlung der Myasthenia gravis sein. lasmapherese und Immunadsorption Bei der Plasmapherese wird das antikörperhaltige Blutplasma entfernt und durch Spenderplasma oder Fremdeiweiß ersetzt. Bei der Immunadsorption erhält der Patient sein eigenes und nur unwesentlich verändertes Plasma (die Antikörper werden entfernt) zurück, was zu einer besseren Verträglichkeit der Behandlung führt. Durch das Entfernen der Antikörper aus dem Blut tritt bei den Patienten meist eine rasche Besserung der Symptomatik ein, die jedoch in der Regel ohne begleitende Kortison-Therapie keine dauerhafte Wirkung zeigt. Daher gehören sowohl Plasmapherese als auch die Immunadsorption nicht zur Standardtherapie der Myasthenie. Beide Verfahren werden eingesetzt bei: Bevorstehenden Operationen zur Stabilisierung einer schweren generalisierten Myasthenie Fehlender Wirksamkeit der Immunsuppression Drohenden oder bestehenden Krisensituationen im Verlauf der Erkrankung 19 20 K H Im Laufe einer Myasthenie-Erkrankung kann es zu Zustandsverschlechterungen kommen, die in einer Krise münden können. Bei 5 – 27 % aller Patienten kommt es im Laufe ihrer Erkrankung zu einer oder mehreren krisenhaften Verschlechterungen. In den ersten 5 Krankheitsjahren treten diese häufiger auf als im weiteren Verlauf der Krankheit. Bei ca. 5 – 10 % verläuft eine solche Krise tödlich. Es gibt Dinge, die man selbst unternehmen kann, um eine Krisensituation zu vermeiden: Wie kann es zu einer solchen Krisensituation kommen? So banal dieser Tipp für Sie zunächst auch klingen mag ein gutes Allgemeinbefinden ist die Grundvoraussetzung für einen stabilen Krankheitsverlauf. Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen, versuchen Sie Stress zu vermeiden und bewegen Sie sich regelmäßig in Maßen. risensituationen Die Ursachen einer auftretenden Krise können sehr vielfältig sein. Meist sind sie die Folge von Infektionen, psychischen Belastungssituationen oder Therapiefehlern. ilfe zur Selbsthilfe Achten Sie auf Ihre Gesundheit Vorboten einer drohenden Krisensituation können sein: Informieren Sie Ihre Umwelt über Ihre Krankheit Rasch zunehmende Schluck- und Sprechstörungen Erschwertes Atmen, Atemnot Erhöhter Speichelfluss Weisen Sie Angehörige, Freunde und Kollegen auf Ihre Krankheit hin und unterrichten Sie diese, was in einer Notfallsituation zu tun ist. Erschwertes Abhusten, verminderter Hustenstoß Vermeiden Sie bestimmte Medikamente Eintritt einer ausgeprägten Schwäche der Muskulatur mit Gehunfähigkeit Treten bei Ihnen im Laufe Ihrer Erkrankung derartige Anzeichen auf, sollten Sie unverzüglich Ihren Arzt oder ein nahe gelegenes Krankenhaus aufsuchen. Jegliche Anzeichen einer drohenden Verschlechterung müssen sehr ernst genommen werden, da sie eine lebensbedrohliche Gefährdung darstellen! 21 Eine solche Krisensituation ist lebensbedrohlich und erfordert daher eine sofortige stationäre Behandlung des Patienten! Eine Vielzahl von Medikamenten kann die Myasthenie verschlimmern. Welche das genau sind, können Sie dem Anhang entnehmen. Nehmen Sie diese Liste zu jedem Arztbesuch (z. B. Zahnarzt) mit und weisen den Arzt auf Ihre Krankheit hin. 22 Schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe an Der Austausch mit anderen Betroffenen ist für viele Patienten sehr hilfreich. Die Deutsche Myasthenie Gesellschaft bietet regelmäßig Treffen an, bei denen sich Betroffene austauschen können, sicher auch in Ihrer Umgebung. Die Kontaktadresse finden Sie im Anhang. Wer lieber anonym bleiben möchte, hat die Möglichkeit an bestimmten Chat-Foren im Internet teilzunehmen. Vermeiden Sie Stress Auch wenn Sie derzeit keine Beschwerden haben, vergessen Sie bitte nicht, dass Ihr Körper einer besonderen Belastungssituation unterliegt und wesentlich empfindlicher auf Stress und Überforderung reagiert als bei einem gesunden Menschen. Lehnen Sie sich in solchen Situationen bewusst zurück und gönnen Sie sich eine Auszeit. Es ist niemandem geholfen, wenn Sie für eine noch viel längere Zeit ausfallen. Hören Sie auf Ihren Körper Achten Sie auf Signale, die Ihnen Ihr Körper sendet und nehmen Sie diese ernst! Im Laufe der Krankheit werden Sie sehr schnell feststellen, was Ihnen gut tut und was Sie lieber vermeiden sollten. Achten Sie auf eine regelmäßige Medikamenteneinnahme Einige Patienten neigen dazu, Ihre Medikation eigenständig zu ändern. Meist geschieht dies während eines stabilen Verlaufes der Krankheit. Trotzdem ist davon dringend abzuraten, da gerade ein gutes Allgemeinbefinden ein Zeichen für eine optimale Einstellung der Medikamente ist. Durch das eigenständige Absetzen der Tabletten kann es zu Rückfällen bis hin zu schweren Krisensituationen kommen, die nicht selten mit einem längeren Krankenhausaufenthalt verbunden sind. Ändern Sie Ihre Medikation immer nur nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt! Gehen Sie regelmäßig zur Untersuchung Nehmen Sie eine Grippe nicht auf die leichte Schulter Durch die immunsuppressive Therapie ist Ihr Körper anfälliger für Infektionen jeglicher Art. Beim Auftreten der ersten Symptome sollten Sie sofort Ihren behandelnden Arzt aufsuchen. Bitte bedenken Sie, dass bereits eine eigentlich banale Erkältung schwerwiegende Auswirkungen auf Ihren Gesamtzustand haben kann. Sehen Sie von Selbstmedikationen ab und lassen Sie sich nur etwas von Ihrem behandelnden Arzt verschreiben. Er weiß am besten, welches die geeigneten Mittel in einer solchen Situation sind. Wählen Sie sich einen Arzt Ihres Vertrauens aus, bei dem Sie sich gut aufgehoben fühlen und der Erfahrung mit diesem seltenen Krankheitsbild hat. Berichten Sie ihm regelmäßig über Ihren Gesundheitszustand und lassen Sie auch kleine Veränderungen nicht unberücksichtigt! Tragen Sie einen Notfallausweis Diesen sollten Sie stets gut sichtbar in Ihrer Geldbörse bei sich tragen. Er sollte neben Ihrer aktuellen Medikation auch den Namen und die Erreichbarkeit Ihres behandelnden Arztes beinhalten. 24 „Es hat lange gedauert, bis ich meine Krankheit akzeptieren konnte. Heute sehe ich sie fast wie eine wenig geliebte Verwandte, der ich Respekt und Achtung entgegen bringe, um keinen Ärger mit ihr zu bekommen. Sie nimmt regen Anteil an meinem Leben und gibt zu fast allen Neuigkeiten ihren „Kommentar“ ab. Aber ich habe inzwischen auch gelernt, dass selbst diese wenig geliebte „Tante Myasthenie“ ihre guten Seiten hat. Ich habe durch sie unendlich viel gelernt und sie passt gut auf mich auf, indem sie mich frühzeitig vor zuviel Anstrengung warnt.“ Wie Wiebke und die meisten der hier zitierten Patienten werden auch Sie im Laufe der Zeit lernen, mit der Erkrankung umzugehen. N ützliche Informationen Adressen von Selbsthilfeorganisationen Deutsche Myasthenie Gesellschaft e.V. Westerstr. 93 28199 Bremen Tel: 0421 – 59 20 60 Fax: 0421- 50 82 26 E-Mail: [email protected] Internet: www.dmg-online.de Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. Im Moos 4 79112 Freiburg Tel: 07665 – 94 47 0 Fax: 07665 – 94 47 20 E-Mail: [email protected] Internet: www.dgm.org Informationen im Netz Wir hoffen, dass wir dazu beitragen konnten und wünschen Ihnen alles Gute! Temmler Pharma GmbH & Co. KG 25 www.temmler.de Auf unserer Homepage finden Ärzte und Patienten viele Informationen zur Myasthenie und anderen neurologischen Erkrankungen. Surfen Sie doch mal vorbei! www.myasthenia-gravis.de Eine private Website mit vielen guten Tipps und praktischen Hilfestellungen 26 L iteraturangaben BRANDT, DICHGANS, DIENER Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen 4. Auflage, Kohlhammer Verlag Stuttgart, 2003 KOEHLER, SIEB Myasthenia gravis, 2. Auflage, Bremen: UNI-MED, 2003 SCHUMM Therapie der myasthenen, cholinergen und insensitiven Krise. In: Neurologische Syndrome der Intensivmedizin Kohlhammer Verlag Stuttgart, 1998 SCHUMM Leitfaden für Myasthenia gravis Patienten Bremen: Deutsche Myasthenia Gravis und myasthene Syndrome, Dtsch. Ärzteblatt, 97, A3496-A3500 TOYKA Therapiekonzept bei Myasthenie Nervenheilkunde, 13, 8-11 Myasthenie verstärkende Medikamente und ihre Ausweichpräparate Von einigen Medikamenten ist bekannt, dass sie eine Myasthenie verschlechtern können. Diese finden Sie im Anhang. Zu den meisten Medikamenten gibt es Ausweichpräparate, die ebenfalls in der Liste aufgeführt sind. In den Fällen, wo es kein Ausweichpräparat gibt, muss die Entscheidung durch Ihren behandelnden Arzt getroffen werden, welches für Sie die geeignete Therapieform ist. Da die Ausprägung der myasthenen Symptomatik von Patient zu Patient sehr individuell ist, kann auch das Ansprechen auf Medikamente sehr unterschiedlich sein. Diese Liste ist daher als Hilfestellung zu sehen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bedarf immer der weiteren Abklärung eines Myasthenie erfahrenen Arztes. TOYKA, HENINGER Acetylcholin-Rezeptor und Antikörper in der Diagnostik der Myasthenia gravis, Dt. med. Wochenschrift, 1986, 111:1435-1439 27 28 Myasthenie verstärkende Medikamente und ihre Ausweichpräparate Myasthenie verstärkende Medikamente Aminoglykoside: Aminoglykoside Amikacin (Biklin®) Genamycin (Refobacin®) Paromomycin (Humatin® zur Darmdekontamination wird nicht resorbiert) Kanamycin (Kanamytrex®) Cephalosporine: Neomycin (Bykomycin®) Streptomycin (Streptomycin-Heyl®) Ceftix®, Cepovenin®, Claforan®, Elobact®, Elzogram®, Gramaxin®, Mandokef®, Mefoxitin®, Oracef®, Panoral®, Rocephin® Cefoxitin (Moxitin®) Tobramycin (Gernebcin®) Chloramphenicol (Paraxin®) Penicilline: Nitrofurane (Furadantin®) (bei schwerer Myasthenie Vorsicht) auch mit Ampicillin (!), z. B. Binotal® (nur unter ärztlicher Überwachung und Beobachtung der myasthenen Symptomatik) Glykopeptide Teicoplanin (Targocid®) Vancomycine (Vancomycin®) Levofloxacin (Tavanic®) Oxazolidinone Enoxacin (Enoxor®) Linezolid (Zyvoxid®) Ofloxacin (Tarivid/Uro Tarivid®) Norofloxacin (Barazan®) Moxifloxacin (Avalox®) Carbapeneme: Sulfonamide (?) Imipenem + Cilastatin (Zienam®, Metoxitin®) Ketolide Thelithromycin (Ketek®) Nach einzelnen Beobachtungen problematisch, vor allem bei Mischpräparaten wie Sulfamethoxaz + Trimethoprim Eusaprim®, Bactrim®, Berlocid®, Cotrim®, Trimethoprim als Monotherapie bei Harnwegsinfekt unproblematisch Lincosamide: Infectotrimet Clindamycin (Sobelin®) Bislang nie Verschlechterung (eigene Beobachtung) Meropenem (Meronem®) Lincomycin (Albiotic®) Neomycin + Bacitracin Chinolone/Gyrasehemmer: Ciprofloxacin (Ciprobay®) Ausweichpräparate Ausweichpräparate 1. Antibiotika (Substanzen zur Behandlung bakterieller Infekte) Netilmycin (Certomycin®) Myasthenie verstärkende Medikamente Fosfomycin Monuril 3000® Infectofos® Thyrothricin (Thyrosolvetten, Dorithricin®) (Thyrosirinal®) Isoniazid (Neoteben®) Erythromycin (Erythronic® Infectomycin®) Rifamipicin (Rifa®) Clarithrymocin (Klacid®) Ehambutol (Myambutol®) Pyrimethamine + Sulfadoxin (Fansidar®) 29 30 Myasthenie verstärkende Medikamente Ausweichpräparate Myasthenie verstärkende Medikamente HIV-Virustatika: Ausweichpräparate Zidovudin® (Retrovir) Azithromycin (Zithromax®) Roxithromycin (Rulid®) Streptogranine: (Synercid®) Tetracycline: z. B. Minocyclin (Klinomycin®) Doxycyclin (Vibramycin®) (beachte Kombinationspräparate) Oxazolidinone: Lamivudin + Zidovudin – Abacavir (Combivir®, Trizivir®) Zyvoxid® Aztreonam (Azactam®) Efavirenz (Sustiva®) Neuraminidase Inhibitoren Metronidazol (Clont®) Atovaquon (Wellvone®) Oseltamivir (Tamiflu®) Antimykoticum Ketoconazol (Nizoral®) Zanamivir (Relenza®) Itraconazol (Sempera®) Caspofungin (Candidas®) Fluoconazil (Diflucan®) Nystatin (Biofanal®, Adiclair®) (bei weiteren Virustatika nach bisherigen Erfahrungen keine Verschlechterung der Myasthenie zu befürchten) Amphotericin B Torbinafin (Lamisil®) Anthelmintika Antimalariamittel: Proguanil (Palutride®) Mefloquin (Lariam®) Atovaquon (Malarone®) Chinin® Chloroquin (Resochin®) Antivirale Medikamente: Keine Beobachtungen eindeutiger Myasthenieverschlechterung 31 Anthelmintika Pyranthalpamoate (Antihelmintcum- Mebendazol Helmex®) Surfont® Vermox® Niclosamid Yomesan® Praziquantel Cysticide® Virustatika Aciclovir (Zovirax®) Ganciclovir (Cymeven®) Famciclovir (Famvir®) Valaciclovir (Valtrex®) 32 Myasthenie verstärkende Medikamente Ausweichpräparate Myasthenie verstärkende Medikamente Ausweichpräparate 2. Muskelrelaxantien (Substanzen zur Muskelentspannung) Suxamethonium (Lysthenon®, Pantolax®) Gallamin (Flaxedil®) Chlormezanon (Muskel-Trancopal®) Baclofen (Lioresal®) Lidocain (Xylocain®) Tizanidin (Sirdalud®) Propafenon (Rytmonorm®) Unter anästhesiologischer Kontrolle und strenger Indikation zur Sedierung vor Narkose Tetrazepam (Musaril® niedrig dosiert) ACE-Hemmer Captopril (Lopirin®) Lisinopril (Acerbon®) Ramipiril (Delix®) Mexiletin (Mexitil®) Enalapril (Xanef®, Pres®) Betablocker Angiotensin-II-Antagonisten Propranolol (Dociton®, Beta-Tablinen®) Candesartan (Atacand®, Blopress®) Dantrolen-Natrium (Dantamacrin®) Zur Relaxation Alcuroniumchlorid (Alloferin®) Atracurium (Tracrium®) Pancuroniumbromid (Pancuronium®) Valsartan (Diovan®) Metoprolol Oxprenolol (Trasicor®, Beloc®) Losartan (Lorzaar®) Pindolol (Visken®) Zentrale Sympatikolytica Sotalol (Sotalex®) Clonidin (Catapresan®) Metoprolol (Beloc®, Beloc-Zok®, Lopresor®) Moxonidin (Cynt®) Vecuroniumbromid (Norcuron®) α-Methyl-Dopa (Presinol®) 3. Kadiovaskuläre Medikamente (Substanzen zur Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen, Hypertonie, Hypotonie) Antiarrhythmica Natriumkanalblocker Chinidin (Chinidin duriles®) Ajmalin (Gilurytmal®) Procainamid (Procainamid®) 33 Digitalis (Novodigal®, Lanitop®) Digimerck® Atenolol (Tenormin®) Reserpin-Mefrusid (Bendigon®) Bisoprolol (Concor®) Oxprenolol (Trasicor®) Alpha-Rezeptorenblocker z. B. Prazosin/Doxazosin (Diblocin®, Minipress®) Carvedilol (Dilatrend®, Querto®) Urapidil (Ebrantil®) Ca-Antatonisten vom Verapamil-Typ Phenoxybenzamin (Dibenzyran®) Bunazosin (Andante®) Vasodilatatoren 34 Myasthenie verstärkende Medikamente Ausweichpräparate (Adalat®, Duranifin®) Dihydralazin (Nepresol®) Nisoldipin (Baymycard®) Minoxidil (Lonolox®) Nitrendipin (Bayotensin®) Nitroprussid-Na (Nipruss®) Myasthenie verstärkende Medikamente Ethosuximide (Petnidan®, Suxinutin® Pyknolepsinum®) Gabapentin (Neurontin®) Ausweichpräparate Lamotrigin (Lamictal®) Levetiracetam (Keppra®) Topiramat (Topamax®) Pregabalin (Lyrica®) Nimodipin (Nimotop®) Amlodipin (Norvasc®) Ganglioplegica Diuretika (cave Hypokaliämie) Spironolactone (Aldactone®) Paraldehyde Magnesium Sulfat Primidon/Barbiturate in niedriger Dosierung. Problematisch hohe Dosen (Luminal®, Liskantin®, Mylepsinum®) Diuretika Etacrynsäure (Hydromedin®) Benzothiadiazine (Esidrix®, Hygroton®) Piretanid (Arelix®) Furosemid (Lasix®) Acetazolamide (Diamox®) 5. Cholesterin-Triglycerid-Senker Statine ? Keine eindeutigen Hinweise für Verschlechterung. Bezafibrat (Cedur®) Etofibrat (Lipo-Merz®) Fenofibrat (Lipidil®) Torasemid (Unat®) CSE-Hemmer z. B. Atorvastatin (Sortis®) 4. Antikonvulsiva + Sedativa (Substanzen zur Behandlung von epileptischen Anfällen und zur Beruhigung Lovastatin (Mevinacor®) Benzodiazepine (Valium®, Rivotril®) Carbamazepin (Tegretal®, Timonil®) Pravastatin (Pravasin® protect) Midazolam (Dormicum®) Oxcarbamazepin (Timox® (?)) Diphenylhydantoin (z. B. Zentropil®, Phenhydan®) Valproinsäure (Ergenyl®, Orfiril®) Anionenaustauscher Cholestyramin (Quantalan®) 35 Niktoinsäurederivate Ezetimib (Ezetrol®) Ezetimib + Simvastatin (Inegy®) 36 Myasthenie verstärkende Medikamente Ausweichpräparate (Substanzen zur Behandlung von psychiatrischer Erkrankungen) Levomepromazin (Neurocil®) Thioridazin (Melleril®) Haloperidol (Haldol®) Chlorpromazin (Megaphen®) Tricyclische Antidepressiva Imipramin, Amitryptilin (z. B. Anafranil®, Saroten®, Tofranil®) Benzodiazepin (Valium®, Adumbran®) Tetracyclische Antidepressiva (Tolvin®, Ludiomil®) Trimipramin (Stangyl®) Serotonin-Reuptake-Hemmer (z .B. Cipralex®, Cipramil®, Fevarin®, Fluctin®, Seroxat®, Zoloft®) Niedrig dosiert auch: Lorazepam (Tavor®) Alprazolam (Tafil®, Xanax®) Chlordiazepoxid (Librium® 5 und 10 mg) Buspiron (Bespar®) Chloralhydrat (Chloraldurat®) Droperidol Mirtazapin (Remergil®) Amphetamine Reboxetin (Edromax®) (Substanzen zur Behandlung von Krämpfen und Koliken) Atropin niedrig dosiert erlaubt, z. B. bei starken cholinergen Nebenwirkungen bzw. cholinerge Krise (s.o.) (Atropinum®) Papaverin (z. B. Opdensit®, Panergon®) Oxybutynin (Dridase®) Tolterodin (Detrusitol®) Ipatropiumbromid (Itrop®) Chinin in Limptar®; Therapie von Muskelkrämpfen 9. Analgetika (Substanzen zur Behandlung von Schmerzen) Morphine (Atemdepression) Flupirtinmaleat (Katadolon®) Tiopronine (Captimer®) Acetylsalicylsäure (Aspirin®) Propyphenazon (?) (Optalidon®) Chloroquin (Resochin®) Indometacin (Amuno®) Codeine (?) D-Pencillamin (Metalcaptase®, Trolovol®) Colchicine Chinin-haltige Medikamente, auch Getränke Diclofenac (Voltaren®) Ibuprofen Goldpräparate Cox-II-Hemmer Drofenin (Spasmo Cibalgin®) N-Butylscopolaminiumbromid (Buscopan®) Metamizol (Novalgin®) 7. Rheumamittel, Antiphlogistika 37 Ausweichpräparate 8. Spasmolytika 6. Psychotrope Substanzen Lithiumcarbonat (Quilonum®, Hypnorex ret.®) Myasthenie verstärkende Medikamente Acetylsalicylsäure ASS Buprenorphin (Temgesic® (?), Transtec®) Hydromorphon (Paladon®, Dilaudid®) Indometacin (Amuno®) Levomethadon (L-Polymidon®) Oxycodon (Oxygesic®) Paracetamol (Ben-u-ron®), LidocainPflaster (Versatis®), Pethidin(Dolantin®) Piritramid (Dipidolor®) Tilidin (Valeron N®) Tramadol (Tramal®) 38 Myasthenie verstärkende Medikamente Ausweichpräparate Myasthenie verstärkende Medikamente 10. Augentropfen 13.Varia (Vorsicht bei okulärer Myasthenie) (Verschiedene) Beta-Rezeptorenblocker Timolol (Timoptic®) Betaxolol (Betoptima®) Guanethidinsulfat (Suprexon®) Pilocarpin-haltige Augentropfen und Augensalben. Vorsicht bei Kombinationspräparaten mit Kortikosteroiden bzw. Antibiotika wie Aminoglykoside, Tetracycline und Makrolide (Pilocarpol®, Spersacarpin® 11. Hormone Gestagene Seltene Verschlechterungen Kontraceptiva mit Oestrogenen + Gestagenen Kortikosteroide Schilddrüsenhormone 12. Parkinson-Medikamente Muskarinrezeptorantagonisten Trihe- L-Dopa (Madopar®, Nacom®) xyphenidyl (Artane®) Dopaminagonisten (Pravidel®, Doperin®, Sifrol®, Requip®) Budipin (Parkinsan® ?) Biperiden (?) (Aktineton®), Rasagilin(Azilect®), Entacapon Amantadine (z. B. PK-Merz®, (Comtess®) Tasmar, Rotigotin Symmetrel®) (Neupro®) 39 Ausweichpräparate Aprotonin (Trasylol®) Botulinumtoxin D, L-Carnitine Chinin (Limptar® + Grippemittel) Ciclosporin (?) sehr selten (Sandimmun®) Citrat-induzierte Hypocalcämie zur Antikoagulation, z. B. bei Plasmapherese Interferon Alpha 2b Interferon Beta 1b Ipratropiumbromid (Itrop®) mit Ipratropiumbromid Inhalation (Atrovent®) Jodhaltige Kontrastmittel Kortikosteroide z. B. Prednison (Decortin®) (nur unter Kontrolle, da zu Beginn der Therapie Gefahr der schweren Dekompensation) Magnesium-haltige Medikation, z. B. Maaloxan®, Magnesiumsulfat (bei Eklampsie), Nikotinpflaster Piperacin (Tasnon®, Vermicompren®) Pyranthelpamoate (AntihelminticumHelmex®) Schlafmittel und Tranquilizer v. a. Benzodiazepine Schutzimpfungen (Verschlechterung nach Lebendimpfstoffen, z. B. Gelbfieber, Cholera-Impfung und Gabe von Tetanus-Antitoxin) Statine (?) Tolterodin (Detrusitol®) Trimetaphan (Arfonad®) Zolpiden (Stilnox®) Zopiclon (Ximovan®) 40 N otizen 41 Temmler Pharma GmbH & Co. KG Temmlerstraße 2 35039 Marburg www.temmler.de [email protected]