Pediculus capitis, P. humanus, Phthirus pubis Läuse des Menschen Kopflaus Allgemeine Angaben Name (Bezeichnung): Läuse (Anoplura); griech. anoplos: unbewaffnet; griech. ura: Schwanz; lat. pediculus: Stielchen; lat. caput: Kopf; lat. humanus: menschlich; griech. phthiros: Laus deutsche Namen: Kopflaus, Kleiderlaus, Filzlaus Stamm: Arthropoda, Klasse: Insecta, Ordnung: Anoplura, Familie: Pediculidae; Erstbeschreibung: P. capitis: De Geer 1778; P. humanus: Linné 1758 Die Risikogruppen nach BioStoffV gelten nur für biologische Arbeitsstoffe; in der Risikogruppe: Funktion als Vektor von Krankheitserregern gilt die Schutzstufe, die der Risikogruppe des entsprechenden Erregers entspricht (EU, BiostoffV, GenTSV) Konsiliar-/Referenzlabor: Parasitologie, Universität Düsseldorf (Prof. Dr. H. Mehlhorn) Molekularbiologie, Morphologie und Physiologie Morphologie: Entwicklung der 3 Arten über Ei, 3 Larven zum Adultus binnen ca. 17 Tagen, alle Stadien saugen Blut, besitzen keine Flügel und halten sich mit den typischen Klammerbeinen an den Haaren fest (Abb.). Sie kleben ihre Eier (Nissen) wasserunlöslich an Haare bzw. Kleidung (je nach Art). Physiologie: Alle Stadien trinken alle 2 – 3 Stunden Blut beim Wirt (Mensch). Natürlicher Standort Stationärer Ektoparasit Wirtsbereich: weltweit, ausschließlich auf dem Körper des Menschen Pathogenität/Gesundheitliche Bedeutung Obligater Blutsauger sowie potenzieller Vektor (nur Kleiderlaus) von Erregern (Rickettsia prowazekii – Fleckfieber, Bartonella quintana – Wolhynisches Fieber, Borrelia recurrentis – Epidemisches Rückfallfieber) Infektiöse/zur Infestation befähigte Stadien: Es treten Larven und Adulte auf neue Wirte über. Pathogenitäts-/Krankheitsauslösende Faktoren: Speichel, evtl. per Kot übertragene Erreger (bei Kleiderläusen) Krankheit Bezeichnung: Patenz: Symptome: Pediculose, Läusebefall, Verlausung evtl. Jahre (durch Vermehrung), die einzelne Laus lebt als Adultus etwa 1 Monat bei einzelnen evtl. symptomlos, ansonsten meist erst nach mehreren Wochen Jucken, Alopezie, Ekzeme, Weichselzopf (Haarverklebung), bei nässenden Sekundärinfektionen allergische Reaktionen; bei Filzlaus-Befall Auftreten bläulicher Hautverfärbungen (franz: Taches bleues) vornehmlich im Bereich der Schambehaarung Diagnose: Auffinden von Stadien und angeklebten Eiern (Nissen) Therapie: Waschen der Haare z. B. mit WASH-AWAY® (Fa. Alpha-Biocare), INFECTOPEDICUL® (Fa. Infectopharm), nach 8 Tagen wiederholen Prophylaxe (Prävention): Körper-/Haarkontakt mit Befallenen vermeiden, nicht die Kleidung Befallener anziehen, auch nicht die gleichen Kämme, Haarbürsten verwenden Epidemiologie Übertragungswege und Eintrittspforten: P. capitis, Phthirus pubis: Körper-/Haarkontakt; P. humanus (Kleiderlaus): auch durch kontaminierte Kleidung/Bettwäsche Durch Überwandern beweglicher Stadien. Erreger, wie Rickettsien, aus infizierten Läusen werden mit dem Kot ausgeschieden und können z. T. kutan und/oder über Schleimhäute, auch aerogen, übertragen werden. Erregerreservoire: nur Mensch Inzidenz/Prävalenz: in Deutschland aktuell zunehmend, häufigstes Auftreten September bis Februar 1 Stand: 02/2011 Widerstandsfähigkeit – Tenazität Resistenzen: In letzter Zeit sind gegen die medikamentösen Mittel auf Insektizidbasis (z. B. Permethrin) starke Resistenzen aufgetreten. Arbeits- und Gesundheitsschutz/Gefährdungsbeurteilung Schutz-/Sicherheitsstufe: wenn mit einer Erregerübertragung/Laborinfektion gerechnet werden muss, Schutz-/Sicherheitsstufe entsprechend der Risikogruppe des Erregers Gefährdende Tätigkeiten: regelmäßige Tätigkeiten mit engem Kontakt zu Befallenen in Gesundheitsdienst- und Wohlfahrtspflege, Kinderbetreuung, Schule, Justizvollzug Spezielle tätigkeitsbezogene Sicherheitsmaßnahmen: Technische Schutzmaßnahmen: Die mikrobiologische Sicherheitswerkbank kann entfallen. Bei Tätigkeiten mit infizierten Läusen, z. B. Sektion, Gewinnung von Hämolymphe, Mageninhalt oder gewebe, Kot oder bei experimenteller Infektion mit Erregern (rektal, intrazölomal), Arbeitsfläche mit dicker Plastik- oder Aluminiumfolie abdecken, die desinfiziert, erhitzt (mindestens 60 °C) oder autoklaviert werden kann. Abflämmbare, erhitzbare (mindestens 60 °C) oder desinfizierbare Arbeitsmittel verwenden. Fluchtsichere, desinfizierbare Fütterungskäfige, z. B. aus Metall, verwenden. Bei Tätigkeiten mit Läusen im Labor ein Entweichen verhindern (z. B. Arbeitstische mit erwärmbarem Rand). Organisatorische Schutzmaßnahmen: Anzahl der Läuse durch Zählen kontrollieren. Da bestimmte Erreger in tiefgefrorenen Läusen überleben, die Läuse stets mit deutlichem Hinweis auf das Gefährdungspotenzial aufbewahren. Überzählige Individuen in 70%igem Alkohol abtöten oder autoklavieren. Desinfektion/Entwesungsmaßnahmen: Überzählige Läusestadien, Papiereinlagen aus Zuchtkäfigen usw. für mehrere Tage in 70%igen Alkohol einlegen, auf mindestens 60 °C Kerntemperatur erhitzen oder autoklavieren. Versuchstierhaltung: Läusehaltung in bruch- und fluchtsicheren, nicht zu niedrigen Behältnissen, z. B. Zylinder mit Gazeabdichtung, Ölstreifen am Innenrand der Öffnung. Zylinder in eine Wanne stellen, die mit Wasser gefüllt ist, das mit Detergenz versetzt ist (ca. 2 x Fläche des Zylinders) (Wasserfalle). Fütterung der Kleiderläuse nur an Membranen. Transport: Läuse, Larven und Nissen nur in bruch- und fluchtsicheren Behältnissen versenden Persönliche Schutzausrüstungen (PSA): Bei Tätigkeiten mit infizierten Läusen geeignete Schutzhandschuhe und Mundschutz tragen. Bei Rickettsien-Infektionen und bei Tätigkeiten mit Wildstämmen, deren Pathogenfreiheit noch nicht feststeht: Mundschutz tragen bei Arbeiten mit Fütterungs-, Zucht- oder Haltungskäfigen und sonstigen Arbeitsmitteln wie Gazesaugflächen, Stoffstreifen für Eiablage, Papiereinlagen u. a. Berufsbedingte Erkrankungen/gefährdete Personen und Berufsgruppen: Dermatitiden; Pflegepersonal, Ärzte, Kindergärtnerinnen, Lehrer, Justizvollzugsbeamte, Polizisten, Hotelangestellte (Zimmerpersonal) Sofortmaßnahmen bei Unfällen/Erste Hilfe: Bei Verdacht auf eine durch Läuse übertragene Infektion sofort Vorgesetzten informieren und erfahrenen Arzt konsultieren. Arbeitsmedizinische Vorsorge: keine besonderen Maßnahmen Andere gesetzliche Regelungen: bei Läusebefall des Menschen in öffentlichen Einrichtungen Infektionsschutzgesetz (IfSG) beachten Literatur Lane, R.P., Crosskey, R.W.: Medical insects and arachnids, Chapmann and Hall, London 1993 Martini, E.: Lehrbuch der medizinischen Entomologie. 3. Aufl., G. Fischer, Jena 1946 Mehlhorn, H., Eichenlaub, D., Löscher, T., Peters, W.: Diagnose und Therapie der Parasitosen des Menschen, 2. Aufl., G. Fischer, Stuttgart bzw. Urban/Fischer, München 1995 2 Stand: 02/2011