Pediculus 02-2011

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Pediculus capitis, P. humanus,
Phthirus pubis
Läuse des Menschen
Kopflaus
Allgemeine Angaben
Name (Bezeichnung): Läuse (Anoplura); griech. anoplos: unbewaffnet; griech. ura: Schwanz; lat. pediculus: Stielchen; lat. caput: Kopf; lat. humanus: menschlich; griech. phthiros: Laus
deutsche Namen: Kopflaus, Kleiderlaus, Filzlaus
Stamm: Arthropoda, Klasse: Insecta, Ordnung: Anoplura, Familie: Pediculidae;
Erstbeschreibung: P. capitis: De Geer 1778; P. humanus: Linné 1758
Die Risikogruppen nach BioStoffV gelten nur für biologische Arbeitsstoffe; in der
Risikogruppe:
Funktion als Vektor von Krankheitserregern gilt die Schutzstufe, die der Risikogruppe des entsprechenden Erregers entspricht (EU, BiostoffV, GenTSV)
Konsiliar-/Referenzlabor: Parasitologie, Universität Düsseldorf (Prof. Dr. H. Mehlhorn)
Molekularbiologie, Morphologie und Physiologie
Morphologie:
Entwicklung der 3 Arten über Ei, 3 Larven zum Adultus binnen ca. 17 Tagen, alle
Stadien saugen Blut, besitzen keine Flügel und halten sich mit den typischen
Klammerbeinen an den Haaren fest (Abb.). Sie kleben ihre Eier (Nissen) wasserunlöslich an Haare bzw. Kleidung (je nach Art).
Physiologie:
Alle Stadien trinken alle 2 – 3 Stunden Blut beim Wirt (Mensch).
Natürlicher Standort
Stationärer Ektoparasit
Wirtsbereich:
weltweit, ausschließlich auf dem Körper des Menschen
Pathogenität/Gesundheitliche Bedeutung
Obligater Blutsauger sowie potenzieller Vektor (nur Kleiderlaus) von Erregern (Rickettsia prowazekii –
Fleckfieber, Bartonella quintana – Wolhynisches Fieber, Borrelia recurrentis – Epidemisches Rückfallfieber)
Infektiöse/zur Infestation befähigte Stadien: Es treten Larven und Adulte auf neue Wirte über.
Pathogenitäts-/Krankheitsauslösende Faktoren: Speichel, evtl. per Kot übertragene Erreger (bei Kleiderläusen)
Krankheit
Bezeichnung:
Patenz:
Symptome:
Pediculose, Läusebefall, Verlausung
evtl. Jahre (durch Vermehrung), die einzelne Laus lebt als Adultus etwa 1 Monat
bei einzelnen evtl. symptomlos, ansonsten meist erst nach mehreren Wochen Jucken, Alopezie, Ekzeme, Weichselzopf (Haarverklebung), bei nässenden Sekundärinfektionen allergische Reaktionen; bei Filzlaus-Befall Auftreten bläulicher Hautverfärbungen (franz: Taches bleues) vornehmlich im Bereich der Schambehaarung
Diagnose:
Auffinden von Stadien und angeklebten Eiern (Nissen)
Therapie:
Waschen der Haare z. B. mit WASH-AWAY® (Fa. Alpha-Biocare),
INFECTOPEDICUL® (Fa. Infectopharm), nach 8 Tagen wiederholen
Prophylaxe (Prävention): Körper-/Haarkontakt mit Befallenen vermeiden, nicht die Kleidung Befallener
anziehen, auch nicht die gleichen Kämme, Haarbürsten verwenden
Epidemiologie
Übertragungswege und Eintrittspforten: P. capitis, Phthirus pubis: Körper-/Haarkontakt; P. humanus
(Kleiderlaus): auch durch kontaminierte Kleidung/Bettwäsche
Durch Überwandern beweglicher Stadien. Erreger, wie Rickettsien, aus infizierten
Läusen werden mit dem Kot ausgeschieden und können z. T. kutan und/oder über
Schleimhäute, auch aerogen, übertragen werden.
Erregerreservoire: nur Mensch
Inzidenz/Prävalenz: in Deutschland aktuell zunehmend, häufigstes Auftreten September bis Februar
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Stand: 02/2011
Widerstandsfähigkeit – Tenazität
Resistenzen:
In letzter Zeit sind gegen die medikamentösen Mittel auf Insektizidbasis (z. B. Permethrin) starke Resistenzen aufgetreten.
Arbeits- und Gesundheitsschutz/Gefährdungsbeurteilung
Schutz-/Sicherheitsstufe: wenn mit einer Erregerübertragung/Laborinfektion gerechnet werden muss,
Schutz-/Sicherheitsstufe entsprechend der Risikogruppe des Erregers
Gefährdende Tätigkeiten: regelmäßige Tätigkeiten mit engem Kontakt zu Befallenen in Gesundheitsdienst- und Wohlfahrtspflege, Kinderbetreuung, Schule, Justizvollzug
Spezielle tätigkeitsbezogene Sicherheitsmaßnahmen:
Technische Schutzmaßnahmen:
Die mikrobiologische Sicherheitswerkbank kann entfallen. Bei Tätigkeiten mit infizierten Läusen, z. B. Sektion, Gewinnung von Hämolymphe, Mageninhalt oder gewebe, Kot oder bei experimenteller Infektion mit Erregern (rektal, intrazölomal),
Arbeitsfläche mit dicker Plastik- oder Aluminiumfolie abdecken, die desinfiziert, erhitzt (mindestens 60 °C) oder autoklaviert werden kann. Abflämmbare, erhitzbare
(mindestens 60 °C) oder desinfizierbare Arbeitsmittel verwenden. Fluchtsichere, desinfizierbare Fütterungskäfige, z. B. aus Metall, verwenden. Bei Tätigkeiten mit Läusen im Labor ein Entweichen verhindern (z. B. Arbeitstische mit erwärmbarem
Rand).
Organisatorische Schutzmaßnahmen:
Anzahl der Läuse durch Zählen kontrollieren. Da bestimmte Erreger in tiefgefrorenen Läusen überleben, die Läuse stets mit deutlichem Hinweis auf das Gefährdungspotenzial aufbewahren. Überzählige Individuen in 70%igem Alkohol abtöten
oder autoklavieren.
Desinfektion/Entwesungsmaßnahmen:
Überzählige Läusestadien, Papiereinlagen aus Zuchtkäfigen usw. für mehrere Tage
in 70%igen Alkohol einlegen, auf mindestens 60 °C Kerntemperatur erhitzen oder
autoklavieren.
Versuchstierhaltung:
Läusehaltung in bruch- und fluchtsicheren, nicht zu niedrigen Behältnissen, z. B.
Zylinder mit Gazeabdichtung, Ölstreifen am Innenrand der Öffnung. Zylinder in eine
Wanne stellen, die mit Wasser gefüllt ist, das mit Detergenz versetzt ist (ca. 2 x Fläche des Zylinders) (Wasserfalle). Fütterung der Kleiderläuse nur an Membranen.
Transport:
Läuse, Larven und Nissen nur in bruch- und fluchtsicheren Behältnissen versenden
Persönliche Schutzausrüstungen (PSA): Bei Tätigkeiten mit infizierten Läusen geeignete Schutzhandschuhe und Mundschutz tragen. Bei Rickettsien-Infektionen und bei Tätigkeiten mit
Wildstämmen, deren Pathogenfreiheit noch nicht feststeht: Mundschutz tragen bei
Arbeiten mit Fütterungs-, Zucht- oder Haltungskäfigen und sonstigen Arbeitsmitteln
wie Gazesaugflächen, Stoffstreifen für Eiablage, Papiereinlagen u. a.
Berufsbedingte Erkrankungen/gefährdete Personen und Berufsgruppen: Dermatitiden; Pflegepersonal, Ärzte, Kindergärtnerinnen, Lehrer, Justizvollzugsbeamte, Polizisten, Hotelangestellte (Zimmerpersonal)
Sofortmaßnahmen bei Unfällen/Erste Hilfe: Bei Verdacht auf eine durch Läuse übertragene Infektion
sofort Vorgesetzten informieren und erfahrenen Arzt konsultieren.
Arbeitsmedizinische Vorsorge: keine besonderen Maßnahmen
Andere gesetzliche Regelungen: bei Läusebefall des Menschen in öffentlichen Einrichtungen Infektionsschutzgesetz (IfSG) beachten
Literatur
Lane, R.P., Crosskey, R.W.: Medical insects and arachnids, Chapmann and Hall, London 1993
Martini, E.: Lehrbuch der medizinischen Entomologie. 3. Aufl., G. Fischer, Jena 1946
Mehlhorn, H., Eichenlaub, D., Löscher, T., Peters, W.: Diagnose und Therapie der Parasitosen des
Menschen, 2. Aufl., G. Fischer, Stuttgart bzw. Urban/Fischer, München 1995
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Stand: 02/2011
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