Geno- und Pathotypisierung von Pseudomonas aeruginosa

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Geno- und Pathotypisierung von
Pseudomonas aeruginosa
Die zunehmende Verfügbarkeit umfangreicher Sequenzinformationen für
verschiedenste Organismen bildet eine
wesentliche Grundlage zum Einsatz
von DNA-Array Technologien. Mit Hilfe
von Oligonukleotidsonden-Arrays ist
es möglich, neue medizinische Diagnostikfelder zu erschließen. Hauptziele in diesem Zusammenhang stellen
die Gewinnung eines hohen diagnostischen Informationsgehaltes in kurzer
Zeitdauer sowie eine kostengünstige,
leicht zu handhabende, aber dennoch
robuste Experimenttechnik dar. Der
hier vorgestellte DNA-Test zur Genound Pathotypisierung von Pseudomonas aeruginosa mit dem ArrayTube
System ist ein Beispiel für die gute
Erreichbarkeit der skizzierten Ziele.
gung an nosokomialen (im Krankenhaus
erworbenen) Infektionen. Zusätzlich hat
P. aeruginosa bei Mukoviszidose-Patienten durch die chronische Besiedelung
der Atemwege einen entscheidenden
Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung.
Aufgrund der großen Anpassungsfähigkeit des Bakteriums ist die effiziente Behandlung von P. aeruginosa-Infektionen
vor allem auf Intensivstationen häufig
problematisch. Es ist daher entscheidend, die Ausbreitung des Erregers von
Patient zu Patient möglichst zu unterbinden bzw. im Fall einer Verschleppung
den Verbreitungsweg rasch aufzuklären.
Um dies zu erreichen und entsprechende
Maßnahmen ergreifen zu können, muss
eine schnelle und sichere Typisierung
des jeweiligen P. aeruginosa-Stammes
gewährleistet sein.
Medizinisch-biologischer Hintergrund
Pseudomonas aeruginosa ist ein gramnegatives Bakterium mit ubiquitärer
Verbreitung. Als opportunistisches Pathogen kann P. aeruginosa eine hohe
Morbidität bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem verursachen, beispielsweise durch seine häufige Beteili-
Diagnostik
Die Typisierung von P. aeruginosa Isolaten erfolgte bisher meistens durch
Untersuchungen des Restriktionsfragmentlängen-Polymorphismus
(RFLP).
Derartige Untersuchungen erfordern einen so hohen Aufwand an Zeit und tech-
nischen Vorkenntnissen, dass sie für
Routinelabors ungeeignet sind. Es war
daher das Ziel, basierend auf der ArrayTube (AT) Technologie von CLONDIAG einen schnellen und einfachen Test zu entwickeln, mit dem auch ein nicht
spezialisiertes mikrobiologisches Routinelabor innerhalb eines Arbeitstages
eine Typisierung von P. aeruginosa
durchführen kann. Die ArrayTube (AT)Plattform wurde aufgrund ihrer einfachen Handhabung, Flexibilität und der
erfolgreichen Anwendung in anderen diagnostischen Assays gewählt [1, 2].
Für das Array zur Typisierung der
P. aeruginosa-Isolate wurden geeignete
Oligonukleotid-Sonden auf Basis der Sequenzbereiche von 14 SNPs (Single Nucleotide Polymorphism) aus konservierten P. aeruginosa Genen ausgewählt.
Weitere Sonden des Arrays enthalten
spezifische DNA-Sequenzen aus Geninseln und Pathogenitätsfaktoren wie exoS,
exoU oder Flagellin. Diese zusätzlichen
Sequenzen ermöglichen eine noch differenziertere Typisierung, die in der Gesamtheit aller verwendeten Faktoren
eine Genauigkeit von >99,99 % erreicht.
Abb.1: Experimenteller Ablauf des P. aeruginosa-DNA Patho- und Genotypisierungstests auf Basis der ArrayTube-Plattform
BIOforum 06/2004, S.48–49, GIT VERLAG GmbH & Co. KG, Darmstadt, www.bioforum.de
Abb.2: Detektionsmuster (nach Hybridisierung im ArrayTube) dreier P. aeruginosa-Stämme. In der unteren Chiphälfte (gelb) befinden sich die SNP-Sonden, in der oberen Hälfte (blau) die Sonden mit spezifischen DNA-Sequenzen aus verschiedenen Pathogenitätsfaktoren und Geninseln. A und B stammen von
klonalen Varianten, C von einem anderen P. aeruginosa Klon.
Ergebnisse
Zur Etablierung eines zuverlässigen
Tests mit dem AT-System wurde parallel
zu den Array-spezifischen Parametern
(Sondenauswahl, -optimierung und Detektionsverfahren) auch die Methoden
zur Probengewinnung der P. aeruginosa
Stämme optimiert.
Ausgehend von einer Agarplatte mit
P. aeruginosa ist es möglich, einen
Stamm innerhalb von 6 Stunden zu typisieren. Die Amplifikation aller zu untersuchenden 50 DNA-Sequenzen kann dabei in einer einzigen Multiplex-PCR
direkt aus den gewaschenen Bakterien
erfolgen. Die Detektion erfolgt durch
eine kalorimetrische Farbreaktion im
AT-Lesegerät (Abb. 1). Die komplette Arbeitstation mit PC und Software ermöglicht neben automatischer Detektion und
Analyse auch die Verwaltung und den
Austausch der erhaltenen Daten. Zur
Durchführung des Tests sind außer dem
AT-Lesegarät und der Software nur Standard-Laborgeräte erforderlich, so dass
eine P. aeruginosa-Typisierung in jedem
Routinelabor möglich ist. Auf die nosokomiale Ausbreitung eines Stammes kann
so rasch und effizient reagiert werden.
Für die schnelle und automatische Analyse von ArrayTubes im Routinebetrieb
steht außerdem eine Auslesestation ATS
zur Verfügung, die den aktuellen EURichtlinien zur in-vitro Diagnostik entspricht.
Drei Typisierungsbeispiele von P. aeruginosa-Stämmen sind in Abbildung 2
dargestellt.
Neben der Einfachheit und Schnelligkeit des ArrayTube-Assays liegt ein weiterer Vorteil in der Flexibilität dieses
Systems. In nachfolgenden AT-Chip-Generationen können zusätzliche P. aeruginosa-Sequenzen, z. B. für den Nachweis
bisher unbekannter Pathogenitätsfaktoren, sofort aufgenommen werden. Das
Ergebnis der Typisierung wird automatisch in einem universellen, austauschbaren Format abgelegt. Durch eine
breite Nutzung des Tests von vielen Anwendern wird es zusätzlich möglich, anhand des SNP-Genotyps das pathogene
Potential verwandter Stämme zu vergleichen und so neben einer Hygienekontrolle auch einem behandelnden Arzt
Entscheidungshilfen zur Therapie zu geben.
Referenzen
[1] DNA-based detection of Staphylococcus aureus resistance genes, Genome Letters 2,
116–128 (2003)
[2] DNA-Array-Technologie für die Diagnostik,
BIOforum 25, 636–637 (2002)
Dr. rer.nat. Lutz Wiehlmann
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Benny Siebert
Technischer Angestellter
Prof. Dr. Dr. Burkhard Tümmler
Leiter der Klinischen Forschergruppe
Medizinische Hochschule Hannover
Klinische Forschergruppe OE6711
30623 Hannover
[email protected]
Dr. rer.nat. Gerd Wagner
Dipl. biol. Peter Slickers
Elke Müller
CLONDIAG chip technologies
Löbstedter Str.103-105
07749 Jena
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