TÜRSTEHER FÜR INFEKTIONSERREGER – IMPFSTOFFE

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VAKZINOLOGIE UND ANGEWANDTE MIKROBIOLOGIE
„PRIMUM NON NOCERE – ZUERST EINMAL NICHT SCHADEN“
Prof. Carlos A. Guzmán, Abteilung Vakzinologie und Angewandte Mikrobiologie
TÜRSTEHER FÜR INFEKTIONSERREGER – IMPFSTOFFE
Impfungen gelten als effizientester Weg, Krankheiten zu begegnen. Die Kunst der Impfstoffforscher ist, Substanzen zu
finden, die verhindern, dass wir an Krankheiten wie Grippe, Polio, Röteln, Tetanus, Diphtherie oder Typhus erkranken. Das
Immunsystem schlägt Alarm und schreibt dann ein molekulares Protokoll über den Vorgang. Bei einem realen Angriff kann
es oft noch nach Jahren schnell und effektiv reagieren.
Die zentrale Frage, die Carlos A. Guzmán, Leiter der
Das Ziel ist, neue Impfstrategien zu entwickeln, die zu
k Impfstoffe
Abteilung Vakzinologie, sich stellt, lautet: „Was brauchen
wirksamen und verträglichen Impfungen führen und uns
Auch Vakzine genannt.
wir, um Schutz zu bekommen – welcher Art muss die
damit resistent gegen die Krankheitserreger machen.
Stoff – meist aus
Immunantwort sein, damit eine Impfung uns zuverlässig
Krankheitserregern
und langfristig vor einem bestimmten Krankheitserreger
Zudem suchen die Wissenschaftler um Carlos A. Guzmán
gewonnen – der das
schützen kann?“
nach neuen Wegen, Impfstoffe zu verabreichen. Seine
Immunsystem für diese
Vision: Impfstoffe nicht länger unter die Haut zu spritzen,
speziellen Krankheits-
Um diese Frage zu beantworten, versuchen Carlos A.
sondern dort einzusetzen, wo die Erreger angreifen – bei-
erreger aktiviert, um
Guzmán und sein Team, die Reaktionen des Körpers zu
spielsweise an den Schleimhäuten.
den Organismus vor
verstehen, die ein Infektionserreger auslöst – oder eben
einer Infektion zu
auch ein Impfstoff. „Wir müssen die grundlegenden
schützen.
Prozesse untersuchen, da wir gelernt haben, dass eine
starke Immunantwort nicht ausreicht, um erfolgreich zu
k Schleimhaut
impfen“, betont der Vakzinologe. „Die Antwort muss
Schutzschicht, die das
nicht nur stark sein, sondern auch gut
Innere von Hohl-
in die molekularen Ab-
organ auskleidet.
läufe
DIE PRALINE AUF DER IMPFSTOFFTORTE
des
Immunsystems
passen.“ Wie eine passende
Antwort aussieht, lernt er von Kranken,
denn das Immunsystem eines Körpers, der sich mit
„Das ist sozusagen die Praline auf der Impfstoff-Torte“,
sagt Carlos A. Guzmán. In der Praxis wäre das etwa
eine Impfung mit einem Nasenspray. Das funktioniert
genauso, wie das Nasenspray, das wir bei Schnupfen
anwenden, um wieder Luft zu bekommen. Nur statt die
einer Infektion auseinandersetzt, erzeugt die passende
Schleimhäute abschwellen zu lassen, präsentiert der
Reaktion. Die Suche nach Impfstoffen beginnt also
feine Sprühnebel der Nase einen Gegner – einen Bau-
im Krankenhaus. Dort suchen die Wissenschaftler bei
stein des Infektionserregers.
Erkrankten nach wichtigen Infektionserregern und nach
neuen klinischen Hinweisen, die ihnen verraten, wie das
Immunsystem auf den Erregerangriff reagiert.
Die Antwort bei Impfungen über die Nase ist verblüffend:
Das Immunsystem baut zunächst
Ob Impfung per Nasenspray oder Spritze – hinter der
k Antigenspezifische
Abwehrkräfte gegen den angeb-
Entwicklung eines neuen Impfstoffes steht aufwändige
Zelle
lichen Krankheitserreger in der
und langwierige Forschungsarbeit. Ist eine Substanz
Abwehrzellen des
Nasenschleimhaut auf – das ist zu
vielversprechend, muss sie in langen Testreihen geprüft
Immunsystems, die
erwarten. Aber im Anschluss finden
werden. „Um diese langen und kostenintensiven Wege
auf ein bestimmtes
die Wissenschaftler nicht nur in der
abzukürzen, müssen wir neue Strategien entwickeln“,
biologisches Molekül
Nase, sondern im gesamten Körper so
erklärt Carlos A. Guzmán. „Ein Weg, den wir gehen, ist
aus dem Krankheits-
genannte antigenspezifische Zellen,
die Humanisierung von Mäusen. Dabei nähern wir das
erreger – das Antigen
mit denen das Immunsystem sich an
Immunsystem der Mäuse dem der Menschen an.“ Denn
– reagieren.
die Krankheit erinnert. „Umgekehrt ist
wenn ein Impfstoff in einer Maus erfolgreich ist, muss er
es nicht so“, betont er, „immunisieren
das noch lange nicht im Menschen sein. So ähnlich unse-
k Immunsystem
wir mit einer Spritze, finden wir keine Immunantwort
re Gene auch sind – die Immunantwort von Mensch und
Abwehrsystem
in den Schleimhäuten.“ Und das ist für den Impfschutz
Maus hat signifikante Unterschiede. „Mit dieser Reihe
höherer Lebewesen,
wenig effektiv, denn die Schleimhäute lassen den Krank-
von Ansätzen schließt sich der Bogen unserer Forschung:
das Schäden durch
heitserreger – trotz Impfung – erst einmal in den Körper,
Wir kommen wieder in die Klinik zurück. Diesmal jedoch
Krankheitserreger oder
bevor die Abwehrreaktion des Immunsystems startet.
nicht, um kranke Patienten zu untersuchen, sondern um
körpereigene Fehlfunk-
neue Krankheiten zu verhindern.“
tionen verhindern oder
beheben soll.
CARLOS GUZMAN
Carlos A. Guzman studierte Medizin an der National University of Rosario und erhielt seine Facharztzulassung in Medizinischer Bakteriologie in Argentinien. Mit einem Stipendium des italienischen
Außenministeriums forschte er danach am Institut für Mikrobiologie der Universität Genua, Italien.
Dort promovierte er zum Doktor der Medizin und Chirurgie und zum Doktor der Mikrobiologie.
Seit 1989 ist er auf dem Gebiet der Vakzinologie tätig und leitet seit 1994 die Gruppe Impfstoffforschung am Braunschweiger HZI, damals GBF. Zudem ist er APL-Professor an der Medizinischen
Hochschule Hannover und deutscher Koordinator der internationalen Doktorate “Experimentelle
Onkologie”. Seine Arbeit dient der Entwicklung neuer Adjuvantien und der Etablierung Salmonella
150 Schriften in internationalen Fachzeitschriften zu diesem Thema veröffentlicht und ist KoErfinder zahlreicher internationaler Patente.
Stand: April 2009
spp. als Transportsystem für DNA-Impfungen und therapeutische Moleküle. Er hat bereits mehr als
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