Astronomie

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DPG-Fortbildungskurs für Physiklehrer
im Physikzentrum Bad Honnef
25. - 29. Juni 2012
Astronomie
Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Udo Backhaus (Universität Duisburg-Essen)
Dr. Michael Geffert (Argelander-Institut der Uni Bonn)
Überblick:
Geschichte der Astronomie
• The transits of Venus in 2004 and 2012: Opportunities for science education (St. v.
Roode, Holland)
• Johann Gottfried Galle und die Entdeckung des Planeten Neptun (M. Geffert, Bonn)
Didaktik der Astronomie
• Beobachtung und Interpretation astronomischer Phänomene im Physikunterricht (U.
Backhaus, Essen)
• Über den Horizont zum Himmel. Horizontastronomie als Unterrichtsthema (Steinrücken,
Recklinghausen)
• Astronomische Beobachtungen und Modelle im Astronomieunterricht (O. Schwarz, u. a.,
Siegen)
Neue Entwicklungen in der Radioastronomie
• Licht ins Dunkel – Die Zukunft der Radioastronomie (N. Ben Bekhti, Bonn)
• Planetenentstehung (G. Wurm, Duisburg)
Optische Astronomie
• Mit Schülern auf der Suche nach Exoplaneten (S. Bauer, R. Schünecke, Essen, Lippstadt)
• Optische Spektroskopie (P. Stinner, Wissen)
Praktische Astronomie
• Astronomisches (Schlechtwetter-) Praktikum
• Astronomische Bildbearbeitung (F. Hessman, Göttingen)
• Der Tanz der Jupitermonde (T. Hebbeker, Aachen)
• Sonnenuhren (A. Fösel, Erlangen)
Außerschulische Lernorte
• Das Schülerlabor an der Universität zu Köln (A. Schulz, Köln)
• 60 Jahre Observatorium Hoher List (M. Geffert, Bonn)
• Das Teleskop in Schnörringen (T. Eversberg, Bonn)
• Flucht vor der Lichtverschmutzung (A. Hänel, Osnabrück)
Postersession und Kurzbeiträge der TagungsteilnehmerInnen: Anregungen von Lehrern für
Lehrer
Exkursion zu den Radioteleskopen auf dem Effelsberg und dem Stockert
Abendvortrag: Das expandierende All. Der Nobelpreis für Physik 2011 (C. Wolf, Oxford)
Ablauf: Der Kurs beginnt mit einem gemeinsamen Mittagessen am Montag um 12:30 Uhr, und
endet nach einem Mittagessen um 12:30 am Freitag. Es besteht die Möglichkeit, schon am
Sonntag anzureisen.
Kursgebühren einschl. Unterkunft und Verpflegung von Montag bis Freitagmittag: € 302 (€ 242
für Lehramtskandidaten und Referendare) . Fahrtkostenzuschüsse für DPG-Mitglieder.
Anmeldung und mehr Infos unter www.pbh.de
Zeit
Montag
25. Juni
Dienstag
26. Juni
Mittwoch
27. Juni
8.00 – 9.00
Planetenentstehung (Wurm,
Duisburg)
Anreise
Licht ins Dunkel – Die
Zukunft der
Radioastronomie (Ben
Bekhti, Bonn)
10.30 - 11.00
Astronomische Phänomene
und ihre Interpretation
(Backhaus, Hannover)
Das Schülerlabor der
Universität zu Köln (A.
Schulz, Köln)
12.30
Begrüßung
15.30 - 16.00
The Transits of Venus in
2004 and 2012:
Opportunities for Science
Education (v. Roode)
Postersession und
Anregungen von Lehrern für
Lehrer
(Kurzbeiträge der
Teilnehmer)
Kaffeepause
Flucht vor der
Lichtverschmutzung
(Hänel, Osnabrück)
Von der Astro-AG zur
Forschung (Eversberg,
DLR)
Astronomisches Praktikum
(Backhaus, Hannover, u. a.)
Abreise
Exkursion zu Effelsberg
und Stockert
Kaffeepause
Tanz der
Jupitermonde
(Hebbeker, Aachen)
Sonnenuhren (Fösel,
Erlangen)
Die Erdbewegung mit
Schulmitteln untersuchen
(Schwarz, Siegen)
Anregungen für Experimente,
… (Doktoranden, Siegen)
Abendessen
Astronomisches Praktikum II
Astronomische
Bildverarbeitung (Hessman,
Göttingen)
Sonnenuhren leicht
gemacht (Fösel,
Erlangen)
Das expandierende All. Der
Nobelpreis für Physik 2011
(Wolf, Oxford)
Abschlussabend
18.00 - …
Stand: 3. Mai
Mit Schülern auf der
Suche nach
Exoplaneten (Bauer;
Schünecke, Essen)
Optische Spektroskopie
(Stinner)
Mittagessen
Horizontastronom.
(Steinrücken,
Recklinghausen)
20.00 - …
Spannende
Entdeckungsgeschichten:
Die Entdeckung des Neptun
(Geffert, Bonn)
Kaffeepause
11.00 -12.30
16.00 - 17.30
Freitag
29. Juni
Frühstück
09.00 - 10.30
14.00 - 15.30
Donnerstag
28. Juni
Titel und Abstract
Über den Horizont zum Himmel - Horizontastronomie als
Unterrichtsthema
Burkhard Steinrücken, Planetarium Recklinghausen
Die Beobachtung des Himmelsrandes und der auf- und untergehenden Gestirne gehört zu
elementaren astronomischen Anfangserfahrungen. Intuitiv zieht der beobachtende Mensch das
durch die Schwerkraft (Lotrichtung) und die Horizontebene gegebene Bezugssystem anderen
abstrakten, himmelsfesten und schräg zur Horizontebene gelagerten Bezugsräumen vor.
Wie mit Hilfe einfacher Horizontbeobachtungen der Sprung zum Himmel und den Gestirnsbahnen
und -örtern gelingt, wird in diesem Vortrag erläutert. Die Größe der Erde, der Abstand zum Mond,
die tägliche Rotation der Erde, ihr jährlicher Umlauf um die Sonne und ihre Taumelbewegung
(Präzession) - zu allen diesen Aspekten der Astronomie sind Aussagen auf der Basis von
Beobachtungen am Horizont (allgemeiner: im Horizontsystem) möglich.
Auch lassen sich mit horizontastronomischen Methoden interessante und kontrovers diskutierte
Fragestellungen z.B. aus der Archäoastronomie und der Kunstgeschichte thematisieren und lösen,
sodass die Horizontastronomie noch forensische Qualität besitzt!
Der Tanz der Jupitermonde
Thomas Hebbeker, RWTH Aachen
Die von Galileo Galilei entdeckten Jupitermonde und deren Bewegung erlauben grundlegende
astronomische Messungen und Tests. Mit relativ einfachen Mitteln kann man den Umlauf der vier
Galileischen Monde vermessen und damit das 3. Keplerscher Gesetz überprüfen und auch die
Jupitermasse bestimmen. Im Laufe des Jahres variiert der Abstand Erde-Jupiter. Nimmt er zu,
`verspäten´ sich die Jupitermonde einige Minuten. Schon Ole Rømer erkannte, dass man so die
Lichtgeschwindigkeit oder die Astronomische Einheit ermitteln kann. Der Vortrag berichtet wie
mit einem 6“-Newton-Teleskop und einer digitalen Spiegelreflexkamera die Mondpositionen
aufgenommen und dann ausgewertet wurden.
Sonnenuhren leicht gemacht
Angela Fösel, Universität Erlangen
In unserer Zeit der hochentwickelten Technik haben manche Gegenstände und Errungenschaften
vergangener menschlicher Kulturen keinen Gebrauchswert mehr. So sind wir beispielsweise auf
Sonnenuhren als "natürliche Zeitmesser“ nicht mehr angewiesen. Jenseits der Frage nach dem
praktischen Nutzen besteht jedoch gegenwärtig wieder großes Interesse an solchen Uhren,
insbesondere auch an
Schulen. Im Physikunterricht ermöglichen Sonnenuhren den direkten Umgang mit
naturwissenschaftlichen Fragestellungen. Sie lassen zudem Raum für eigene Erfahrungen und
fördern eigenständiges wie auch kreatives Handeln.
Im Rahmen eines Überblicksvortrages werden Eigenheiten und Funktionsweise verschiedener
Arten und Typen von Sonnenuhren vorgestellt. Die Integration dieser Thematik in den
Physikunterricht wird explizit diskutiert.
Im Workshop am Abend werden mit Hilfe von Alltagsmaterialien Sonnenuhren gebaut und auf
ihre Funktionsweise hin getestet.
Planetenentstehung: Vom einfachen Experiment zum vielschichtigen
Modell
Gerhard Wurm, Universität Duisburg-Essen
Die Geschichte der Planetenentstehung gibt es in zwei Versionen. Die erste Variante ist einfach
und beginnt mit Staubpartikeln. Die stoßen zusammen, haften und wachsen so zu terrestrischen
Planeten. Etwas größere Exemplare sammeln Gas (Wasserstoff und Helium) auf und werden zu
Gasriesen wie Jupiter. Die zweite Version ist komplexer. Bereits mm-große Staubaggregate haften
nicht mehr gut. Metergroße Objekte werden zertrümmert, werdende Planeten driften viel zu
schnell in die Sonne und Gas ist sowieso nicht mehr da, bis mal ein Objekt groß genug wäre, um
es gravitativ an sich zu binden – kurzum, Planetenbildung scheint kaum möglich. Und doch gibt es
das Sonnensystem und die immer zahlreicheren Extrasolaren Planeten. Ich werde versuchen zu
zeigen, was wir heute wissen, wo die Schwierigkeiten und mögliche Lösungen liegen und wie man
auch heute noch ‚neue’ physikalische Effekte einbringen kann und vielleicht muss, um das Rätsel
der Planetenentstehung zu lösen. Dies alles gibt es aus der Sicht eines Experimentalphysikers und,
wenn alles gut geht, auch mit ein paar ‚einfachen’ Versuchen.
Astronomische Phänomene und ihre Interpretation
Udo Backhaus, Hannover (Universität Duisburg-Essen)
Umfragen und eigene Erfahrungen beim Umgang mit SchülerInnen und Studierenden zeigen
immer wieder eine bestürzende Unkenntnis astronomischer Phänomene – und zwar auch dann,
wenn theoretische Aussagen, z. B. über unser Sonnensystem und den Aufbau des Universums,
korrekt wiedergegeben werden können. Im Vortrag werden Anregungen gegeben, wie
SchülerInnen zur Beobachtung astronomischer Phänomene angeregt und die dabei gemachten
Erfahrungen zu den aus Fernsehen und populärer Literatur bekannten Sachverhalten in Beziehung
gesetzt werden können.
Anregungen von Lehrern für Lehrer
Alle KursteilnehmerInnen
Die TeilnehmerInnen sind aufgefordert, eigene Unterrichts- und Projektideen für die Schule im
Rahmen auf Plakaten oder mit Experimenten, evtl. auch durch kurze Vorträge, zu präsentieren.
Die Erdbewegung mit Schulmitteln untersuchen
Oliver Schwarz, Universität Siegen
Wie allgemein bekannt ist, lässt die die Eigendrehung der Erde experimentell durch den FoucaultPendelversuch nachweisen. Aber welche Möglichkeiten existieren, andere Aspekte der
Erdbewegung mit Schulmitteln zu untersuchen? Hierzu zählen etwa die Bahnbewegung der Erde,
der Nachweis der Ortsabhängigkeit der Fallbeschleunigung auf der Erdoberfläche, die Abplattung
der Erde oder die klassische Periheldrehung der Bahn unseres Heimatplaneten. Im Vortrag wird
erläutert, wie man diese Effekte mit den Mitteln der Schule durch Beobachtungen, Experimente
oder einfache Modellüberlegungen nachweisen bzw. gedanklich nachvollziehen kann.
Kurzvorträge von Doktoranden der Universität Siegen
Tran Ngoc Chat: Effiziente Nutzung der Solartechnik aus astronomischer Sicht
Die Nutzung der Solarenergie wird in Zukunft auch immer stärker in den Fokus der Schule
rücken. Dabei ist die Einbeziehung astronomischer Grundlagen essentiell für ein ganzheitliches
Verständnis. Es wird ein Modell vorgestellt, anhand dessen sich die Sonneneinstrahlung auf die
Erdoberfläche oder eine Solaranlage untersuchen lassen. Das Modell verdeutlicht die
astronomischen Gegebenheiten, die zu unterschiedlicher Energieeinstrahlung im Tages- oder
Jahresverlauf führen. Auch wird die technische Seite, d.h. Aspekte optimalen Aufstellung und
Orientierung von Solarzellen betrachtet.
E. Krause: Das Fernrohr im Schülerselbstbau: Ein einfacher Bastelsatz für den Unterricht
Durch das eigenständige Bauen eines Fernrohrs kann dessen Funktionsweise besser verstanden
werden. Der vorgestellte, selbst entwickelte Bastelsatz soll zeigen, wie eine solche Arbeit mit
einfachen Mitteln umzusetzen ist.
S. Kraus: Das Unsichtbare begreifbar machen: Astronomische Modelle für Blinde
Es werden Möglichkeiten erläutert, astronomische Inhalte auch für blinde und sehbehinderte
Lernende zugänglich zu machen und auch für Sehende die Astronomie ein Stück weit „greifbarer“
und begreifbarer zu gestalten. Dazu werden tastbare Modelle und Grafiken gezeigt, die
verschiedene Bereiche der Astronomie abdecken.
I. Militschenko: Physik des Planeten Erde: Experimente zum Thema Plattentektonik
Geo- und umweltphysikalische Fragestellungen stellen einen der thematischen Schwerpunkte im
Schülerlabor der Universität Siegen dar. So werden z.B. auch Themen wie Gewitter oder
Platentektonik eingeführt. Der Zugang zu diesen Naturphänomenen wird in der Regel durch
Schülerexperimente am besten ermöglicht, daher wurden unter anderem zum Thema
Plattentektonik Modellexperimente entwickelt, die im Rahmen der Fortbildung erläutert und
vorgeführt werden.
A. Weber: Ein einfaches Federmodell zur Druckverteilung im Stern
Der innere Aufbau von Sternen ist heutzutage sehr gut erforscht und es gibt ausgefeilte Modelle
zur Beschreibung des Verlaufs von Dichte, Druck und Temperatur innerhalb eines Sterns.
Problematisch daran ist, dass dazu ein System von Differentialgleichungen zu lösen ist, welches
nur in wenigen Sonderfällen ein rein analytisch erzielbares Resultat aufweist und deshalb
numerisch am Computer untersucht werden muss. Die größte Schwierigkeit bei präzisen Modellen
liegt also in der notwendigen Mathematik und erschwert das eigentliche physikalische Verständnis
vom inneren Aufbau der Sterne. Ziel soll es sein, möglichst einfache Modelle zu entwickeln,
welche jedoch zufriedenstellende Resultate liefern. Eine Auswahl solcher Modelle wird
vorgestellt.
Das expandierende All
Wie Sternentod uns lehrt, Einsteins größte Eselei zu würdigen
Christian Wolf, Dep. Of Physics, University of Oxford
Seit knapp 100 Jahren wissen wir, dass das Universum sich ausdehnt. Die Antike glaubte noch,
Leben und Tod seien irdische Fehlbarkeiten, während das All in himmlischer Statik ruhte. Doch
weit gefehlt: Sterne werden geboren und sterben, und die Chemie des Alls wandelt sich mit jeder
Generation. Selbst Einstein zwang seine Gleichungen dazu, ein statisches Universum
vorherzusagen, was er später als seine „größte Eselei“ empfand. Doch Einsteins Eselei hatte einen
wahren Kern, wie Forscher nun herausfanden: In der Ausdehnung des Alls wirken unbekannte
Kräfte, eine „Dunkle Energie“. Ihr Nachweis wurde jüngst mit dem Nobelpreis für Physik geehrt.
Einmal mehr sind wir weit davon entfernt, alles begriffen zu haben.
Licht ins Dunkel - die Zukunft der Radioastronomie
Dr. Nadya Ben Bekhti, Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
Im Radiowellenbereich liegt eine der wichtigsten spektralen Linien der Astronomie, die HI-21cmLinie des neutralen Wasserstoffatoms. Erst 1931 beobachtete Karl Jansky die erste Radioquelle
außerhalb unseres Sonnensystems – das Zentrum unserer Milchstraße. Mit dieser Entdeckung
eröffnete sich ein neues Fenster ins Universum. Seitdem sind vielfältige Objekte in diesem
Spektralbereich gemessen worden: Supernova-Überreste, Pulsare, interstellare Gase und Quasare.
Die Radioastronomie blickt in eine vielversprechende und erfolgreiche Zukunft. In internationalen
Kooperationen werden Großprojekte im Radiobereich wie z.B. ALMA (Atacama Large
Millimeter Array), SKA (Square Kilometer Array), und LOFAR (Low Frequency Array) geplant,
die den Rätseln des Entstehens unseres Universums auf die Spur kommen sollen. Mit diesen
Projekten wird eine völlig neue Welt erschlossen: Magnetfelder, Hochenergie-Teilchen und die
Untersuchung des frühen Universums bis zurück zum Urknall. Nicht umsonst ist die
Radioastronomie mit bisher vier Nobelpreisen der erfolgreichste Teil der beobachtenden
Astronomie.
Das Schülerlabor der Universität zu Köln - Konzept und erste
Erfahrungen
Andreas Schulz, Universität Köln
In den Ländern ohne eigenständigen Astronomie-Unterricht bleibt nur die Möglichkeit,
astronomische Inhalte in den Physik- (und vielleicht auch den Geographie-) Unterricht zu
integrieren. Drei Themenschwerpunkte werden dazu vorgeschlagen: 1.)
Planetenatmosphären/Oberflächen, 2.) die Physik der Sterne, 3.) Kosmologie. 1.) ist bedeutsam,
weil alle Planetenatmosphären/oberflächen außer der der Erde auf diesen Planeten Leben wie auf
der Erde ohne großen technischen Aufwand unmöglich machen. Der Vergleich von insbesondere
Venus und Mars mit der Erde zeigt dies eindrucksvoll. Das Phänomen "Stern" ist das wichtigste
Strukturmerkmal in unserem Kosmos im Hinblick auf unser Leben, da einerseits die Entstehung
der Erde ein "Nebenprodukt" der Sonnenentstehung ist und die Erde ohne die Sonne auch nicht
bewohnbar wäre, andererseits alle chemischen Elemente außer Wasserstoff und Helium in
stellaren Prozessen entstehen. Die Kosmologie erklärt den gegenwärtigen Zustand des Kosmos als
ganzen und fragt nach dem Woher und Wohin. Hier zeigt sich besonders eindrucksvoll, wie
Wissenschaft ein spannender (und andauernder) Prozess ist - an dem die Schüler, geführt durch
den Lehrer, teilhaben sollen - und kein fertiges "Produkt", das der Schüler in Empfang zu nehmen
hat.
Spannende Entdeckungsgeschichten
Zum 200. Geburtstag des Neptunentdeckers Johann Gottfried Galle
Michael Geffert, Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
In der breiten Bevölkerung wird die Aufgabe eines Astronomen oft darin gesehen, dass er neue
Himmelsobjekte entdecken soll. Einige Entdeckungsgeschichten von Objekten unseres
Sonnensystems sind voll von Irrtümern, menschlichen Schwächen und Kuriositäten. Anfang Juni
jährt sich der Geburtstag von Johann Gottfried Galle (1812-1910), der im September 1846 als
erster Mensch Neptun als Planeten unseres Sonnensystems in seinem Fernrohr beobachtete und
identifizierte, zum zweihundertsten Mal. Dieses Jubiläum wird zum Anlass genommen, einige
Kapitel der Entdeckungsgeschichte von Planeten und Kometen unseres Sonnensystems
vorzustellen. Sie bieten interessante Möglichkeiten im Unterricht und bei Schulprojekten.
The transits of Venus in 2004 and 2012: opportunities for science
education
Steven van Roode
The transits of Venus in 2004 and 2012 provided an unparalleled opportunity for science educators
to have their students gain an understanding of celestial mechanics, get an idea of the historical
development of scientific ideas and experience international collaboration between astronomers
themselves first hand. In this talk I will discuss these three areas of interest and explore how the
2004 and 2012 experiences may affect future developments in didactics of science education.
Astronomisches Praktikum
Udo Backhaus, Hannover
Im Praktikum wird den TeilnehmerInnen anhand von “Schlechtwetter-Aufgaben” Gelegenheit
gegeben, reale (bzw. meist einfach selbst zu gewinnende) Beobachtungsdaten zu interpretieren
und quantitative Schlüsse aus ihnen zu ziehen. Die Aufgaben sind auch für den Einsatz in der
Schule gedacht. Beispiele:
• Die Entfernung des Mondes (aus Finsternisfotos oder Parallaxenmessungen)
• Der Radius der Marsbahn (aus Beobachtungen der rückläufigen Bewegung)
• Die Entfernung zur Sonne (nach Aristarch, aus Fotos vom Venustransit, nach Römers
Methode)
• Messungen mit einer Sonnenuhr (exakte Zeitmessung oder Bestimmung der geografischen
Position)
• Eigenbewegung und Parallaxe von Barnards Pfeilstern
• Die Entfernung der Hyaden
Workshop: Astronomische Bildverarbeitung
F. Hessman, Institut für Astrophysik, Universität Göttingen
Astronomie ist zwar kein Schulfach in den meisten Bundesländer, aber astronomischen Themen
können benutzt werden, um schulrelevante Inhalte in der Physik, Mathematik, Informatik,
Chemie, Geschichte und sogar Biologie zu motivieren und zu verbinden. Da die moderne
experimentelle Astrophysik von der Öffentlichkeit durch die reichhaltige Bildsprache von Nebeln
und Galaxien und die Vorstellungen von exotischen Objekten wie Schwarzen Löchern und
extrasolaren Planeten wahrgenommen wird, liegt es nahe, moderne und vor allem realistische
astronomische Experimente in der Schule zu ermöglichen. Dazu ist es nötig, die SchülerInnen zu
befähigen, astronomische Beobachtungen selbst zu machen und die gewonnenen digitalen Bilder
quantitativ auszuwerten.
Durch die Verwendung eines ferngesteuerten Teleskops ist dies sogar während der Schulzeit
möglich.
Der Workshop zeigt, wie man astronomische Bilddaten in Form von physikalischen Experimenten
auswertet: Bestimmung von Sterntemperaturen (ohne Magnitudinus!); Helligkeiten und deren
Veränderung (z.B. auch als Video); Zusammensetzung von Farbbildern. Voraussetzung für die
Teilnahme ist das Mitbringen eines eigenen Laptops. Das lizenzfreie Bildverarbeitungspaket
ImageJ mit passenden astronomischen Zusatz-"plugins" und Beispieldatensätze werden zur
Verfügung gestellt.
Mit Schülern und einem fernsteuerbaren Teleskop auf der Suche
nach Exoplaneten
Sebastian Bauer, Leibniz-Gymnasium, Essen; Ronald Schünecke, Ev. Gymnasium Lippstadt
Wir stellen dar, wie Schülergruppen mit dem über das Internet steuerbaren Monet-Teleskop in
Texas Doppelsternsysteme beobachten mit dem Ziel, Exoplaneten zu finden. Wir gehen auf den
astrophysikalischen Hintergrund und die Beobachtungspraxis ein und erläutern die
Auswertungsmethoden von der Erstellung einer Lichtkurve bedeckungsveränderlicher Sterne bis
zum Nachweis von Exoplaneten.
Unter günstigen Wetterbedingungen in Texas können wir das Teleskop live vorführen und
Beispielaufnahmen anfertigen.
Optische Spektroskopie
Peter Stinner, Kopernikus-Gymnasium Wissen
Seit einigen Jahren bietet die Firma Baader-Planetarium den DADOS-Spaltspektrographen an.
Dieses Gerät ermöglicht schulischen Lerngruppen quantitative Spektroskopie im sichtbaren
Spektralbereich auf hohem Niveau. Anhand von DADOS-Spektren diverser Sterne, galaktischer
Gasnebel und planetarischer Nebel werden die Aufnahme von Spektren als digitale Bilddateien,
das Kalibrieren des Spektrographen, die Praxis der Gewinnung von Spektren aus den Bilddateien,
sowie die physikalische Auswertung und Interpretation der Spektren diskutiert.
Interessierte Physikkurse und astronomische Arbeitsgemeinschaften können das Kalibrieren des
Spektrographen, die Extraktion von Spektren aus Bilddateien und deren physikalische Auswertung
nachvollziehen. Dazu stehen diverse Spektren von Himmelsobjekten in Form von digitalen
Bilddateien und eine ausführliche Anleitung zur Verfügung.
Flucht vor der Lichtverschmutzung
Auf der Suche nach den dunkelsten Beobachtungsplätzen
Andreas Hänel, Fachgruppe Dark Sky, Museum am Schölerberg, Osnabrück
Heutzutage hat kaum ein Schüler je einen natürlich dunklen Himmel erlebt, zu stark ist er in
Mitteleuropa durch künstliche Lichtquellen aufgehellt. Die spannende Suche nach dunklen
Beobachtungsorten wird beschrieben, wie Mithilfe von Satellitenaufnahmen solche Orte gefunden
werden können, wie mit einfachen Methoden auch von Schülern die Himmelsqualität gemessen
werden kann und was man an solchen Orten noch beobachten kann.
Ausgehend von so einem Naturerlebnis soll gezeigt werden, warum die schwachen Sterne durch
künstliches Licht verschleiert werden und welche Möglichkeiten zur Reduzierung der
Lichtverschmutzung es gibt. Dabei werden einige Ergebnisse vorgestellt, die im Rahmen von
Schülerarbeiten oder -praktika entstanden sind.
Von der Astro-AG zur Forschung
Thomas Eversberg, DLR
Um Schüler für die MINT-Fächer zu interessieren, ist die Astronomie das Allzweckwerkzeug
schlechthin. Um dieses Interesse zu festigen, braucht es jedoch praktische Erfolgserlebnisse. Das
Schnörringen Telescope Science Institute in Waldbröl wird mit einem der größten Teleskope
Deutschlands, einem regionalen Schulnetzwerk und kontinuierlicher Forschungsarbeit in der
professionellen Astronomie eine Brücke zwischen Nachwuchs und Spitzenforschung anbieten.
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