Virale Meningitis - einmal anders Nie zu alt für

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Virale Meningitis - einmal anders
S. Kurtovic, D. Grgic, B. Rodic, P.E. Ballmer, U. Karrer
Kantonsspital Winterthur (Winterthur
Fallbeschreibung: Ein 16jähriger Patient wurde uns notfallmässig zugewiesen wegen Kopfschmerzen
seit 4 Tagen, rezidivierenden Erbrechens und wiederholt subfebrilen Temperaturen um 37,5°. Seit 1
Tag bestand eine diffus begrenzte Effloreszenz mit 5 Bläschen links thorakal. Vier Tage zuvor war der
Patient aus einem 3-wöchigen Italienurlaub zurückgekehrt. Anamnestisch Varizellen im 2. Lebensjahr,
FSME geimpft, keine Vorerkrankungen, keine Medikamente ausser Ibuprofen 400 mg. Bei Aufnahme
klagte der Patient über ausgeprägte Lichtscheu, Müdigkeit, Inappetenz und subjektives
Aufmerksamkeitsdefizit. Er war in reduziertem Allgemeinzustand, afebril und hatte einen deutlichen
Meningismus bei ansonsten normalem neurologischen Status. Im Labor zeigten sich eine
Lymphopenie, ein erhöhtes Bilirubin und normales CRP. Der HIV-Test war negativ. Die Liquorpunktion
ergab eine monozytäre Pleozytose, ein erhöhtes Eiweiss und verminderte Glukose, ohne Nachweis
von Mikroorganismen. Unter der Verdachtsdiagnose einer VZV (Varizellen-Zoster-Virus) -Meningitis
mit Herpes zoster linksthorakal begannen wir die antivirale Therapie mit Acyclovir. Die Diagnose
konnte mittels positiver VZV-PCR im Liquor gesichert werden. Unter der antiviralen und analgetischen
Therapie zeigte sich eine rasche Besserung der Beschwerden, die antivirale Therapie konnte nach 7
Tagen bei rückläufiger Zellzahl und negativer PCR im Liquor gestoppt und der Patient in gutem
Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden.
Diskussion: Die Inzidenz der viralen Meningitis liegt bei etwa 7/100 000 bei über 16jährigen.
Enteroviren (Coxsackieviren und Echoviren),gefolgt von FSME (in Endemiegebieten), sind bei
Erwachsenen die häufigsten Erreger. Der Anteil aller Herpesviren (HSV 1/2, EBV, VZV, CMV) an
viralen Meningitiden beträgt 0,5 bis 3%, wobei es sich meist um die Reaktivierung einer latenten
Infektion handelt. Die VZV-Meningitis kann auch ohne das typische Exanthem auftreten. Bei einem
Alter > 60 Jahre und bei bekannter Immunschwäche (HIV, D. m., therapeutische Immunsuppression)
sollte bei einer aseptischen Meningitis an VZV gedacht, nach Effloreszenzen gesucht und die
Diagnose mittels PCR gesichert werden. Bei Immungesunden ist der Nutzen einer antiviralen
Therapie nicht gesichert.
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Nie zu alt für seltene Ursachen einer Hepatitis
V. Niggemeier, D. Portmann, R. Imoberdorf
Kantonsspital Winterthur (Winterthur)
Fallbeschreibung: Eine 90-jährige Patientin wurde uns zur weiteren Diagnostik zugewiesen, nachdem
im Rahmen der Abklärung von rezidivierenden Abdominalschmerzen und Nausea bei der Hausärztin
erhöhte Leberwerte festgestellt worden waren. Trotz Sistieren von Atorvastin und Gliclazid hatten sich
die Werte progredient gezeigt.
Bei Eintritt fanden sich deutlich erhöhte Transaminasen (GOT 987 U/L, GPT 515 U/L, Norm je <40
U/L) sowie erhöhte Cholestasezeichen (Alk. Phospatase 330 U/L, Norm <130 U/L). Die klinische
Untersuchung war unauffällig. Sonographisch liess sich keine intra- oder extrahepatische Cholestase
nachweisen. Die Hepatitisserologien sprachen für frühere Hepatitis A bzw. B-Infektionen, eine akute
Infektion schlossen wir mittels negativer HBV-DNS-Bestimmung aus.
Als Ursache konnte bei Nachweis von antinukleären Antikörpern eine Autoimmunhepatitis
diagnostiziert werden, welche sich in der Leberbiopsie bestätigte.
Unter hochdosierter Steroidtherapie waren die Leberwerte regredient (vgl. Kurve 1). Wegen der
längerfristigen Immunsuppression wurde eine PCP-Prophylaxe mit Bactrim begonnen. Im Verlauf
wurde der Einsatz von Imurek mit Ziel einer weiteren Reduktion der Steroiddosis angestrebt. In
ambulanten Nachkontrollen lagen die Transaminasen im Normbereich und die Patientin war
beschwerdefrei.
Diskussion: Die Autoimmunhepatitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Leber
unbekannter Ätiologie, die unbehandelt bei den meisten Patienten zur Leberzirrhose und -insuffizienz
führt. Beobachtungen von Klinik und Labor weisen darauf hin, dass es sich um eine multifaktorielle
Krankheit handelt, bei welcher genetische wie auch Umweltfaktoren einen Entzündungsprozess
auslösen und unterhalten.
Man unterscheidet zwei Typen nach dem Vorhandensein spezifischer Autoantikörper im Serum.
Charakteristisch für die Autoimmunhepatitis Typ 1 sind Autoantikörper gegen die glatte Muskulatur
sowie antinukleäre Antikörper, wie bei unserer Patientin. Obschon meistens Personen mittleren Alters
betroffen sind, kommt die Diagnose in 20% der Fälle bei Patienten über 60 Jahren vor (1). Bei der
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