Kapitel 1: Gegenstand und Aufgaben

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AUSSENWIRTSCHAFTSPOLITIK
VON
BERNHARD
KÜLP
D E S I G N:
STE PHAN RAD LE R
B E N JAM I N STE I M LE
1. Gegenstand der Lehrveranstaltung
Überblick
über den Gesamtstoff der Außenwirtschafts-
politik.
Vorlesung zusammen mit der Pflichtlektüre vermittelt den
Examensstoff.
2. Voraussetzungen
Grundlagen der Wirtschaftspolitik
Außenwirtschaftstheorie
3. Aufbau der Vorlesung
01. Gegenstand und Aufgaben
02. Währungspolitik: Historische Einführung
03. Währungspolitik: Theoretische Grundlagen
04. Währungspolitik: Das Instrumentarium
05. Währungspolitik: Die policy-mix-Strategie
06. Handelspolitik: Historische Einführung
07. Handelspolitik: Theoretische Grundlagen
08. Handelspolitik: Das handelspolitische Instrumentarium
09. Arbeitsmarktpolitik
10. Kapitalmarktpolitik
11. Integrationspolitik
12. Politik zugunsten der Entwicklungsländer
3. Aufbau der Vorlesung
01. Gegenstand und Aufgaben
02. Währungspolitik: Historische Einführung
03. Währungspolitik: Theoretische Grundlagen
04. Währungspolitik: Das Instrumentarium
05. Währungspolitik: Die policy-mix-Strategie
06. Handelspolitik: Historische Einführung
07. Handelspolitik: Theoretische Grundlagen
08. Handelspolitik: Das handelspolitische Instrumentarium
09. Arbeitsmarktpolitik
10. Kapitalmarktpolitik
11. Integrationspolitik
12. Politik zugunsten der Entwicklungsländer
4. Literatur
Lektüre:
 B. Külp, Außenwirtschaftspolitik, Düsseldorf 1978
 Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und
Wirtschaftspolitik , 9. Aufl., München 2007
 Bd. 1: Währung von M. Willms;
 Bd. 1: Außenhandel von D. Bender.
 Bd. 2: Außenwirtschaftspolitik von H. Berg.
Kapitel I: Gegenstand und
Aufgaben
Gliederung:
01. Definition der Außenwirtschaftspolitik
02. Gründe für gesonderte Behandlung
03. Übertragung des allgemeinen Ziel-Mittel-Trägerschemas
04. Das Ziel: ZB-Ausgleich
05. Das Ziel: Wechselkursstabilität
Gliederung:
01. Definition der Außenwirtschaftspolitik
02. Gründe für gesonderte Behandlung
03. Übertragung des allgemeinen Ziel-Mittel-Trägerschemas
04. Das Ziel: ZB-Ausgleich
05. Das Ziel: Wechselkursstabilität
Frage 1: Was versteht man unter Außenwirtschaftspolitik? (1)
1. Kriterium:
 Alle wirtschaftlichen Aktivitäten des Staates, bei denen
In- und Ausländer beteiligt sind oder
2. Kriterium:
 alle wirtschaftlichen grenzüberschreitenden Transaktionen zählen zur Außenwirtschaftspolitik.
Beide Definitionen verhalten sich wie zwei sich überlappende Kreise:
Frage 1: Was versteht man unter Außenwirtschaftspolitik ? (2)
Die
meisten relevanten Aktivitäten genügen beiden Kriterien.
Ein Beispiel für Aktivitäten, die nur dem 1. Kriterium genügen, wäre ein Urlaub von Ausländern in der BRD.
Ein Beispiel für nur grenzüberschreitende Aktivitäten wäre
bei einer Auswanderung gegeben.
Fazit: (1)
Zur Außenwirtschaft zählen alle wirtschaftlichen Aktivitäten, bei
denen entweder
sowohl Inländer als auch Ausländer beteiligt sind und/oder
bei denen grenzüberschreitende Transaktionen stattfinden.
Gliederung:
01. Definition der Außenwirtschaftspolitik
02. Gründe für gesonderte Behandlung
03. Übertragung des allgemeinen Ziel-Mittel-Trägerschemas
04. Das Ziel: ZB-Ausgleich
05. Das Ziel: Wechselkursstabilität
Frage 2: Welche Gründe rechtfertigen eine gesonderte
Behandlung der außenwirtschaftspolitischen
Probleme? (1)
Es liegen andere wirtschaftliche Bedingungen vor, z. B.
 eine verminderte Mobilität der Faktoren im grenzüberschreitenden Verkehr.
 Folge:
 Im Außenhandel gilt das Gesetz der komparativen
Kosten,
 in der Binnenwirtschaft das Gesetz der absoluten
Kosten (D. Ricardo).
Es sind andere politische Rahmenbedingungen gegeben, z. B.
 unterschiedliche Steuersätze und Zölle auf im In- und
Ausland produzierte Güter.
 Folge: Mobilität und Preisausgleichstendenz sind vermindert.
Frage 2: Welche Gründe rechtfertigen eine gesonderte
Behandlung der außenwirtschaftspolitischen
Probleme? (2)
Es
ist ein zusätzlicher Markt mit unterschiedlichen Bedingungen gegeben und zwar der Devisenmarkt.
 Hier ist die Gefahr zu geringer Elastizitäten größer, da
Wertgrößen im Spiel sind.
 Bei allgemeinen Märkten kommt es primär auf Mengenelastizitäten an.
 Die Stabilitätsbedingung lautet hier:
 S (e + h) > 0 mit e := Angebotselastizität
h := Nachfrageelastizität
Frage 2: Welche Gründe rechtfertigen eine gesonderte
Behandlung der außenwirtschaftspolitischen
Probleme? (3)
 Bei Devisenmärkten sind vor allem die Wertelastizitäten
zu beachten.
 Die Stabilitätsbedingung lautet hier:
S (hI + hA) > 1
 hI := Importnachfrageelastizität des Inlandes
 hA:= Importnachfrageelastizität des Auslandes
Die Wechselkursstabilität ist eher gefährdet als die Preisstabilität,
 da verschiedene Volkswirtschaften und Märkte im Spiel
sind und da
 permanente Datenänderungen erwartet werden müssen.
Stabilitätsbedingungen:
Allgemeine Märkte:
Die Summe der Elastizitäten muss größer null sein!
Devisenmarkt:
Die Summe der Importnachfrageelastizitäten hat größer
als eins zu sein!
Stabilitätsbedingungen:
allgemeiner Markt
N: Nachfrage
A: Angebot
h: Nachfrageelastizität
e : Angebotselastizität
p
x
(N-A)wenn (h  +  e )>0
Stabilitätsbedingungen:
Devisenmarkt
w
S : Saldo der Devisenbilanz
hI : Importnachfrageelastizität des Inlandes
hA : Importnachfrageelastizität
des Auslandes
$
S  wenn S (hI + hA) > 1 (Marshall-Lerner-Bedingung )
Fazit: (2a)
Eine
besondere Behandlung außenwirtschaftlicher Probleme
wurde von den Klassikern der Wirtschaftswissenschaft erstens
deshalb für notwendig erachtet, weil unterschiedliche Bedingungen vor allem im Zusammenhang mit der Mobilität der Produktionsfaktoren auch unterschiedliche Ergebnisse zur Folge haben.
Während z. B. in der Binnenwirtschaft die absoluten Kosten den
Ausschlag geben, gelte in der Außenwirtschaft die Theorie der
komparativen Kosten.
Auch unterschiedliche politische Rahmenbedingungen führen
zweitens zu unterschiedlichen Ergebnissen in Binnen- und
Außenwirtschaft.
In der Binnenwirtschaft gelte die Forderung nach Gleichbehandlung aller Bürger, während importierte Waren sehr wohl mit
Sonderabgaben (Zöllen) belegt werden können.
Fazit: (2b)
Als Folge wird in der Außenwirtschaft das Gesetz des Güterpreisausgleichs außer Kraft gesetzt.
Eine eigene Theorie und Politik der Außenwirtschaft erscheint
drittens auch deshalb angezeigt, da es nur in der Außenwirtschaft
Devisenmärkte gibt.
Während auf allgemeinen Märkten bereits dann mit Gleichgewichtstendenzen zu rechnen ist, wenn die Summe der Preiselastizitäten größer null ist, gilt für den Devisenmarkt die MarshallLerner-Bedingung, wonach der Devisenmarkt nur dann ein
Gleichgewicht garantiert, wenn die Summe der Importnachfrageelastizitäten des In- und Auslandes größer eins ist.
Bei dieser Formel spielt die Unterscheidung zwischen Mengenund Wertelastizitäten eine Rolle.
Bei endlichen Angebotselastizitäten gilt allerdings die etwas günstigere Robinson-Bedingung.
Fazit: (2c)
Gleichzeitig wurden für Märkte im allgemeinen möglichst flexible
und anpassungsfähige Preise postuliert,
während ein Teil der Ökonomen für den Devisenmarkt stabile
Kurse verlangt.
Gliederung:
01. Definition der Außenwirtschaftspolitik
02. Gründe für gesonderte Behandlung
03. Übertragung des allgemeinen Ziel-Mittel-Trägerschemas
04. Das Ziel: ZB-Ausgleich
05. Das Ziel: Wechselkursstabilität
Frage 3: Wie lässt sich das allgemeine Ziel-Mittel-Schema
auf die Außenwirtschaft übertragen ? (1)
Es gilt die Zielhierarchie:
 immaterielle Ziele;
 wirtschaftliche Grundziele und
 instrumentale Ziele.
Innerhalb der immateriellen Ziele geht es erstens um die Erhaltung der individuellen Freiheit:
 mit den Unterzielen: Freihandel,
 Freizügigkeit und
 volle Konvertibilität der Währungen.
Frage 3: Wie lässt sich das allgemeine Ziel-Mittel-Schema
auf die Außenwirtschaft übertragen ? (2)
Innerhalb der immaterielle Ziele wird zweitens das Ziel der
politischen Unabhängigkeit angestrebt, das vorwiegend gefährdet wird durch:
 ZB-Defizite,
 der Importnotwendigkeit existentieller Güter,
 verbunden mit einem Angebotsmonopol einzelner Länder
 sowie bei Spezialisierung auf ein einziges Exportgut.
Drittens wird innerhalb der immateriellen Ziele die politische Integration angestrebt. Es geht hierbei um
 Reisefreiheit,
 Freizügigkeit und
 eine friedliche Austragung von regionalen Konflikten.
Frage 3: Wie lässt sich das allgemeine Ziel-Mittel-Schema
auf die Außenwirtschaft übertragen ? (3)
Zu den Grundzielen zählen: Niveau, Allokation und Verteilung der Produktion.
 Es geht um eine Förderung der Weltproduktivität,
 eine optimale internationale Arbeitsteilung und um
 Faktorpreisausgleich.
Als instrumentale Ziele werden angestrebt:
 Ein ZB-Ausgleich und eine
 Wechselkursstabilität.
Innerhalb des Mitteleinsatzes wird erstens nach Eingriffsbereichen unterteilt. Wir unterscheiden:
 Devisenmarkt = Währungspolitik
 Gütermarkt
= Handelspolitik
 Arbeitsmarkt = Wanderungspolitik
 Kapitalmarkt = Kapitalpolitik
Frage 3: Wie lässt sich das allgemeine Ziel-Mittel-Schema
auf die Außenwirtschaft übertragen ? (4)
Innerhalb
des Mitteleinsatzes wird zweitens nach Einflussgrößen unterschieden und zwar nach:
 Preisen,
 Mengen und
 sonstigen Bedingungen.
Innerhalb des Mitteleinsatzes wird drittens nach der Eingriffsintensität unterschieden. Es geht hierbei um:
 Rahmenbedingungen;
 Marktinterventionen des Staates: Agrarmarkt, Devisenmarkt,
 Setzen von finanziellen Anreizen (Zöllen, Prämien),
 dirigistische Eingriffe: Kontingente und
 Staatsmonopole (früher in den Ostblockstaaten).
Fazit: (3a)
Das allgemeine Ziel-Mittel-Träger-Schema lässt sich auch auf die
Außenwirtschaftspolitik übertragen.
Zu den immateriellen Zielen der Außenwirtschaftspolitik zählen
hierbei Freihandel, Freizügigkeit, freie Konvertibilität der Währungen, politische Unabhängigkeit und Integration einzelner
Länder.
Das wirtschaftliche Grundziel aller außenwirtschaftlichen Aktivitäten besteht darin, dass sich jedes Land auf die Güter spezialisiert, in denen es komparative Vorteile aufweist.
Fazit: (3b)
In
verteilungspolitischer Hinsicht kann Freihandel sowohl die
internationalen Faktorpreisverhältnisse beeinflussen, wobei im
allgemeinen eine Nivellierungstendenz unterstellt wird,
als auch die interne Einkommensverteilung verändern, wobei der
jeweils bei Autarkie knappe Faktor aufgrund des Freihandels
Einbußen zu befürchten hat.
Die Instrumente der Außenwirtschaftspolitik lassen sich nach
Eingriffsbereichen und nach der Eingriffsintensität einteilen.
So befasst sich z. B. die Währungspolitik mit Eingriffen in den
Devisenmarkt, die Handelspolitik mit Eingriffen in die Gütermärkte.
Eine marktkonforme Eingriffsintensität liegt vor, wenn sich der
Staat auf die Festlegung von Rahmenbedingungen beschränkt, inkonforme Eingriffe liegen insbesondere bei Kontingentierungen
vor.
Gliederung:
01. Definition der Außenwirtschaftspolitik
02. Gründe für gesonderte Behandlung
03. Übertragung des allgemeinen Ziel-Mittel-Trägerschemas
04. Das Ziel: ZB-Ausgleich
05. Das Ziel: Wechselkursstabilität
Frage 4: Wie wird das Ziel des ZB-Ausgleichs begründet ?
(1)
Definition der Zahlungsbilanz
EINNAHMEN
AUSGABEN
Handelsbilanz
Güter-Exporte
Güter-Importe
DienstleistungsExporte
unentgeltl. Leist.
ins Inland
Kapital-Import
DienstleistungsImporte
unentgeltl. Leist.
ins Ausland
(langfr.) Kapital-Exp.
Kapital-Import
(kurzfr.) Kapital-Exp.
Dienstl.Bilanz
Bilanz
Übertra
gungsb.
langfristige
Kapital-Bilanz
kurzfristige
Devisen-Erlöse
Devisen-Ausg.
Devisen-Bilanz
S
!=! S (ex definitione)
Leist.-
Frage 4: Wie wird das Ziel des ZB-Ausgleichs begründet ?
(2)
Ist
eine Forderung nach Ausgleich der ZB überhaupt
berechtigt?
Die gesamte Zahlungsbilanz ist ex definitione ausgeglichen.
Die Forderung bezieht sich allein auf Teilbilanzen, und zwar
auf die Devisenbilanz oder die Leistungsbilanz.
Als Grundidee gilt die Herstellung des Gleichgewichts.
Vorschlag der Praxis: Leistungsbilanz als Ausgleichsziel!
 Kritik: Auch Kapitalbewegungen können erwünscht sein.
Deshalb Reformvorschlag Nr. 1: Grundbilanz (Funke)
 Nicht die Leistungs- sondern die Grundbilanz soll ausgeglichen werden!
 Zur Grundbilanz werden die langfristigen Kapitalbewegungen hinzugezählt.
Frage 4: Wie wird das Ziel des ZB-Ausgleichs begründet ?
(3)
Reformvorschlag Nr. 2:
 Es wird zwischen autonomen und induzierten Aktivitäten unterschieden.
 Autonom sind die normalen außenwirtschaftlichen Aktivitäten.
 induziert sind die Aktivitäten, welche eigens zum Ausgleich der Bilanz durchgeführt werden.
 Nur die autonomen Aktivitäten gilt es zum Ausgleich zu
bringen!
Frage 4: Wie wird das Ziel des ZB-Ausgleichs begründet ?
(4)
Reformvorschlag 1: Ausgleich der Grundbilanz (Funke)
EINNAHMEN
AUSGABEN
Güter-Exporte
Güter-Importe
DienstleistungsExporte
DienstleistungsImporte
unentgeltl. Leist.
ins Inland
unentgeltl. Leist.
ins Ausland
Kapital-Imp.
(langfr.) Kapital-Exp.
Kapital-Imp.
(kurzfr.) Kapital-Exp.
Devisen-Erlöse
S
!=!
Handelsbilanz
Dienstl.Bilanz
Devisen-Ausg.
S(ex definitione)
Leist.-
Bilanz
langfristige
Kapital-Bilanz
kurzfristige
Devisen-Bilanz
G
R
U
N
D
B
I
L
A
N
Z
Frage 4: Wie wird das Ziel des ZB-Ausgl. begründet ? (5)
Reformvorschlag
2: Unterscheidung autonomer und induzierter Aktivitäten bei Devisen- sowie kurzfr. Kapitalverkehr
Leistungsbilanz
Kapitalbilanz, langfristig
Kapitalbilanz, kurzfristig
Autonom
Induziert
Devisenbilanz
Autonom
Induziert
Frage 4: Wie wird das Ziel des ZB-Ausgleichs begründet ?
(6)
Als induziert gelten Zahlungsbewegungen, die eigens durchgeführt werden, um auf diese Weise einen Ausgleich der Devisenbilanz herbeizuführen.
 Beispiel: Devisenmarktinterventionen der Notenbank.
Warum ist ein Gleichgewicht erwünscht ?
 Bei Devisenbilanzdefiziten besteht eine politische Abhängigkeit.
 Defizite führen zu Arbeitslosigkeit:
 D LB < 0  Y   B
 Überschüsse führen zu Inflation:
 D LB > 0  Y  P
DLB: Leistungsbilanzsaldo; Y: BIP; B: Beschäftigung;
P: Preisniveau
Frage 4: Wie wird das Ziel des ZB-Ausgleichs begründet ?
(7)
Warum ist ein
Gleichgewicht erwünscht ? (Fortsetzung)
 Überschüsse wirken lohnquotenmindernd (N. Kaldor)
sges = sl *  + sg * g
I/Y
sges
I + LBÜ
g0
g1
g=1
g
Frage 4: Wie wird das Ziel des ZB-Ausgleichs begründet ?
(8)
Warum ist ein Gleichgewicht erwünscht ? (Fortsetzung 2)
 Ungleichgewichte bedeuten Fehlallokationen (These von
H. Giersch)
 Das Inflationsratengefälle zwischen der BRD und
dem Ausland in den 60ern schwächte den Wettbewerbs- bzw. Innovationsdruck ab,
 da aufgrund des permanenten Leistungsbilanzüberschusses die inländischen Unternehmer eine QuasiMonopolstellung innehatten.
Fazit: (4a)
Das
Ziel eines ZB-Ausgleiches bezieht sich stets auf eine Teilbilanz der gesamten Zahlungsbilanz, da letztere ex definitione
stets ausgeglichen ist.
Im allgemeinen wird ein Ausgleich der Leistungs- oder der Devisenbilanz gefordert.
Dahinter steht die Gleichgewichtsidee.
Allerdings wird dem Gleichgewichtsgedanken bei Zugrundelegung der Leistungsbilanz nur sehr unvollkommen entsprochen.
Es gibt deshalb Vorschläge, die Grundbilanz (Leistungsbilanz +
langfristiger Kapitalverkehr) oder die Bilanz autonomer Aktivitäten zum Ausgleich zu bringen.
Aber auch hier ergeben sich praktische Schwierigkeiten.
Fazit: (4b)
Ein Ausgleich
der Devisenbilanz ist aus mehreren Gründen er-
wünscht.
So führen längere Defizite in der Devisenbilanz zu politischer Abhängigkeit zum Gläubigerland.
Keynesianisch betrachtet wirken sich Leistungsbilanzdefizite beschäftigungsmindernd aus.
Aber auch Überschüsse der Teilbilanzen wirken sich wohlfahrtsmindernd aus, sie erzeugen Inflation, verringern die Lohnquote
und bewirken eine Fehlallokation aus neoklassischer Sicht.
Gliederung:
01. Definition der Außenwirtschaftspolitik
02. Gründe für gesonderte Behandlung
03. Übertragung des allgemeinen Ziel-Mittel-Trägerschemas
04. Das Ziel: ZB-Ausgleich
05. Das Ziel: Wechselkursstabilität
Frage 5: Wie wird das Ziel der Wechselkursstabilität
begründet ? (1)
Zum Begriff des Wechselkurses, Unterscheidungen:
 Devisenkurs versus €-Kurs
 Devisenkurs: (Preisnotierung), was kosten Devisen ?
Bsp.: [€ / $]  Wie viel Euro kostet ein Dollar?
 €-Kurs: (Mengennotierung), was kostet ein Euro ?
Bsp.: [$ / €]  Wie viel Dollar bekomme ich für einen
Euro?
 Leitwährungskurs versus bilaterale Kurse (vor Einführung des Euro)
 Bsp.: [ECU / DM] - [FF / DM]  Wie viel ECU bzw.
FF (Französischer Franc) bekomme ich für eine DM?
Stabile versus instabile Wechselkurse
w
w: Wechselkurs; t: Zeit
t
Frage 5: Wie wird das Ziel der Wechselkursstabilität
begründet ? (2)
 Leitkurse versus Tageskurse
 Die Leitkurse beziehen sich auf die langfristig angestrebten Kurse, die Tageskurse hingegen auf die kurzfristig geltenden Kurse.
 Flexible versus feste Wechselkurse als System
 In einem System fester Wechselkurse ist die Notenbank zur Stabilisierung der Kurse zu einer Intervention verpflichtet.
 In einem System freier Wechselkurse kann die Notenbank intervenieren, sie muss es aber nicht.
Frage 5: Wie wird das Ziel der Wechselkursstabilität
begründet ? (3)
 Stabile versus instabile Kurse als Zielgröße
 Im Zeitablauf können die Wechselkurse Schwankungen unterliegen oder auch stabil verlaufen!
 Nominelle (wn) versus reale Wechselkurse (wr):
 realer Wechselkurs: wr = wn * Pa / Pi
Kaufkraftparität: wr = 1
Pa : Preisniveau des Auslandes;
Pi : Preisniveau des Inlandes
Frage 5: Wie wird das Ziel der Wechselkursstabilität
begründet ? (4)
Zur Problematik des Stabilitätszieles:
 Begründung für das Stabilitätsziel:
 Das Risiko auf den Devisenmärkten ist größer als auf
Einzelmärkten.
 Kritik:
 Es besteht die Möglichkeit der Kursabsicherung über
die Devisenterminmärkte (Swapsatzpolitik und Devisenausgleichsfonds).
 Einzige Alternative zur Wechselkursanpassung ist die
Zulassung von Deflation u. Inflation.
Fazit: (5a)
Unter Wechselkurs versteht man das Austauschverhältnis zweier
Währungen zueinander.
Der Devisenkurs informiert darüber, was eine ausländische
Währung in inländischer Währung kostet,
während der Euro-Kurs angibt, welchen Wert die eigene Währung in ausländischen Währungseinheiten erzielt.
Man unterscheidet zwischen Leitwährungskursen und bilateralen
Kursen, zwischen Leitkursen und Tageskursen.
Fazit: (5b)
Auch ist die Frage nach dem Währungssystem (feste oder flexible
Kurse) zu trennen von der Frage nach stabilen und instabilen
Bewegungen des Wechselkurses im Zeitablauf.
Der reale Wechselkurs errechnet sich daraus, dass man den
nominellen Wechselkurs mit dem Preisverhältnis Pa/Pi gewichtet.
Bei Wahrung der Kaufkraftparität erreicht der reale Wechselkurs gerade den Wert eins.
Die Forderung nach möglichst stabilen Wechselkursen überrascht zunächst, da sich die Preise einzelner Güter möglichst
flexibel verhalten sollten, und
da fast jede Datenänderung eine Anpassung des Preises an die
veränderte Knappheitslage verlangt.
Fazit: (5c)
Begründet
wird die Forderung nach Wechselkursstabilität wie
folgt:
Auf einzelnen Gütermärkten sind die Bedingungen des Marktes
(Bedarf, Anzahl und Verhalten der Konkurrenten, Kosten der
Rohstoffe etc.) überschaubar, sodass auch das unternehmerische
Risiko nicht übermäßig hoch erscheint.
In den Wechselkurs gehen jedoch Änderungen in allen Gütern,
die international gehandelt werden, und aller Länder, die sich am
Außenhandel beteiligen, ein und damit ist das Wechselkursrisiko
höher als das Risiko des einzelnen Gütermarktes .
Fazit: (5d)
Kein Unternehmer kann über alle Änderungen in diesen Daten
informiert sein, sodass das Risiko des Außenhandels bei freien
Wechselkursen so hoch ausfallen muss, dass ohne Risikenschutz
überhaupt kein nennenswerter Außenhandel zustande kommt.
Kritisch muss darauf hingewiesen werden, dass über Devisentermingeschäfte und Swapsatzpolitik der Notenbanken dieses Risiko
verringert werden kann.
Weiterhin ist zu bedenken, dass Ungleichgewichte in den Devisenbilanzen immer nur entweder durch Wechselkursanpassungen
oder durch Inflations- und Deflationsprozesse abgebaut werden
können.
Fragen zu Kapitel 1: (1)
01. Nach welchen zwei Aktivitäten werden Maßnahmen der Außenwirtschaftspolitik von Maßnahmen der Binnenwirtschaftspolitik
unterschieden?
02. Die gesonderte Behandlung außenwirtschaftlicher Fragen wird
erstens damit begründet, dass in der Außenwirtschaft andere
Bedingungen vorliegen. Worin bestehen diese Besonderheiten?
03. Wie wirkt sich die geringere Mobilität in der Außenwirtschaft
aus?
04. Inwiefern gelten im Außenhandel auch andere Rahmenbedingungen?
05. Inwiefern gelten auf Devisenmärkten andere Bedingungen als
auf allgemeinen Märkten?
06. Welche immateriellen Ziele werden in der Außenwirtschaftspolitik verfolgt?
Fragen zu Kapitel 1: (2)
07. Wodurch kann bei einem anhaltenden Devisenbilanzdefizit die
politische Unabhängigkeit gefährdet werden?
08. Welche anderen Umstände können ein Land in die politische
Abhängigkeit führen?
09. Warum wird ein Zahlungsbilanzausgleich angestrebt, obwohl die
Zahlungsbilanz doch ex definitione ausgeglichen ist?
10. Welche Grundidee liegt der Forderung nach Ausgleich der Devisen- oder Leistungsbilanz zugrunde?
11. Worauf wird abgehoben, wenn man einerseits zwischen stabilen
und instabilen Wechselkursen und andererseits zwischen festen
und flexiblen Wechselkursen unterscheidet?
12. Warum fordert ein Teil der Wirtschaftswissenschaftler die Stabilität der Wechselkurse, obwohl von den allgemeinen Preisen
eine permanente Anpassung an die Datenänderungen verlangt
wird?
Antworten zu Kapitel 1: (1)
01. Es gibt zwei Kriterien, Maßnahmen der Außenwirtschaftspolitik
von den Maßnahmen der Binnenwirtschaftspolitik zu unterscheiden. Nach einem ersten Kriterium wird danach gefragt, ob
nicht nur Inländer, sondern auch Ausländer an den Aktivitäten
beteiligt sind. Nach einem zweiten Kriterium wird danach gefragt, ob die Transaktionen grenzüberschreitend sind.
02. Besondere Bedingungen liegen in der Außenwirtschaft insofern
vor, als die Mobilität über Grenzen hinweg geringer ist als innerhalb einer Volkswirtschaft.
03. In der Binnenwirtschaft entscheiden die absoluten, in der Außenwirtschaft hingegen nur die komparativen Kosten über das
Zustandekommen von Marktbeziehungen.
04. Während in der Binnenwirtschaft die Gleichheit vor dem Gesetz
gilt, können beim Außenhandel die Güter, welche mit dem Ausland gehandelt werden, mit Zöllen belegt werden.
Antworten zu Kapitel 1: (2)
05. Die Gleichgewichtsbedingung auf allgemeinen Märkten besagt,
dass die Summe der absoluten Elastizitäten größer null sein
muss. Ein Devisenmarkt verfügt nur dann über eine Gleichgewichtstendenz, wenn entsprechend der Marshall-Lerner-Bedingung die Summe der Elastizitäten größer eins ist.
06. Als immaterielle Ziele der Außenwirtschaftspolitik gelten die individuelle Freiheit der an der Außenwirtschaft beteiligten Personen, die politische Unabhängigkeit vom Ausland sowie die Integration der einzelnen Volkswirtschaften.
07. Die politische Unabhängigkeit kann durch anhaltende Devisenbilanzdefizite gefährdet werden, da die Gläubigerländer den
Schuldnerländern die Bedingungen diktieren können, die notwendig sind, um das Devisenbilanzdefizit zu verringern.
Antworten zu Kapitel 1: (3)
08. Der Mangel an eigenen Rohstoffen kann eine Volkswirtschaft in
Abhängigkeit ausländischer Staaten bringen. Auch die Spezialisierung auf einige wenige Exportgüter kann Abhängigkeiten zum
Ausland schaffen, wenn die Nachfrage nach diesen Gütern
weltweit zurückgeht.
09. Das Ziel des Zahlungsbilanzausgleiches bezieht sich immer nur
auf Teilbilanzen, da die gesamte Zahlungsbilanz ex definitione
immer ausgeglichen ist.
10. Der Forderung nach Ausgleich der Devisen- und Leistungsbilanz
liegt die Grundidee zugrunde, dass eine Volkswirtschaft nur
dann Bestand hat, wenn vorübergehende Ungleichgewichte stets
abgebaut werden.
Antworten zu Kapitel 1: (4)
11. Bei der Unterscheidung zwischen stabilen und instabilen Wechselkursen wird nach dem zeitlichen Verlauf der Wechselkurse
gefragt, bei der Unterscheidung nach festen und flexiblen Wechselkursen stehen hingegen unterschiedliche Wechselkurssysteme
zur Diskussion.
12. Diese Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern geht davon aus,
dass das mit dem Außenhandel verbundene Risiko wesentlich
höher sei als das allgemeine Unternehmerrisiko bei binnenwirtschaftlichen Entscheidungen. Kein Unternehmer sei in der Lage,
alle Datenänderungen, die in die Wechselkursänderungen eingehen zu überschauen.
Ende
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