Galaxien - LSW Heidelberg

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Galaxien Bausteine des
Universums
Max Camenzind
TUDA @ SS2011
Der Virgo-Haufen – 5 x 3 Grad
M 86
M 88
M 84
NGC 4477
NGC 4473
M 91
M 87
M 90
M 89
Image: Rogelio Bernal Andreo
16 Mpc entfernt
NGC 4438/Augen
Der Virgo-Haufen
M 84
NGC 4388
M 86
Markarian´s Augen
1,5 x
Vollmond
Coma-Haufen Bausteine des
Universums
100 Mpc entfernt
Galaxien Bausteine des
Universums
Was sind Galaxien ?
• Sternsysteme: Kugelsternhaufen (einfache
Sternsysteme) – Zwerggalaxien – Ellipsen &
Scheibengalaxien
•  Massen: (106 – 1013) MS
• Morphologie der Galaxien  Hubble
Sequenz, moderne Klassifikationen.
• Leuchtkraftfunktion der Galaxien.
• Beobachtbare Parameter  „FundamentalEbene“ der Galaxien.
• Scheibengalaxien und Dunkle Materie
• Schwarze Löcher in Galaxienzentren
M10 - Kugelsternhaufen (GC)
> 100.000 Sterne
47 Tuc - Kugelsternhaufen
Aufnahme: 20” Cassegrain / 4 kpc entfernt
Radiale Profile Kugelsternhaufen
 „Isotherme Sphären“
Core
~ r-2
CoreRadius
Rc
Die Flächenhelligkeit
Dominante Massenverteilung
IV (R)
10mag / sec2 
R 2
R 8
Gezeitenradius
logR[min]
Core-Radius:
Flächenhelligkeit
(rc )  0.5(r  0)
FarbenHelligkeitsDiagramm
(CMD)
der
GCs
 Wichtig für
Kosmologie
 Altersbestimmung
Warum sind Kugelsternhaufen stabil?
• Gravitation der Sterne muss durch Druck
ausgeglichen werden.
•  Stochastische Bewegung der Sterne
erzeugt einen Druck: P = r s² (s. Jeans-Glg)
Sterndichte
 aus Flächenhelligkeit
 Isotherme Modelle
Geschwindigkeitsdispersion der Sterne
~ 10 - 15 km/s
 aus Linienbreite
Isotherme Sphären
Hydrostatisches Gleichgewicht:
Nochmaliges ableiten 
Asymptotisch r >> Rc:
Relaxation von Sternsystemen
Frage: Auf welcher Zeitskala erleiden Sterne im System
signifikante Stöße ?
Anzahl Wechselwirkungen im System mit Radius R
und Anzahl Sterne N aus W´keit P für Stoß mit 1 Stern:
Mittlere Geschwindigkeitsänderungen heben sich auf,
jedoch nicht die Varianz:
Verwende Virial-Satz:
2T = -Vpot 
mittlere Geschw. v;
große Ablenkungen selten!
Mittlere Ablenkung für einen Durchgang durchs System:
Relaxation erfolgt, falls
d.h. wir benötigen Nrelax Sterndurchgänge

Nrelax = N / 8 ln(N)
Relaxationszeit definiert als
Abschätzung Relaxationszeit
Mittelung über Maxwell-Verteilung 
Relaxationszeit von Sternsystemen
Galaxien  komplexe
Sternsysteme
Scheibe
Elliptisches
Sternsystem
Elliptische Galaxien – quasi-rund
Elliptische
Galaxien:
Ähnlich zu
KugelsternHaufen –
weisen auch
Core-Halo
Struktur
auf –
jedoch nicht
isotherme
Sternverteilung
Dichte fällt
sehr schnell ab.
M 87
Zentralgalaxie
Virgo-Haufen
Ellipse E1
1000 Mia MS
Spektrum einer E Galaxie
 dominiert durch massearme Sterne
kein UV
 keine
A, B, O Sterne
TiO Banden
M Zwerge
Nicht viel Emission im Blauen!
Helligkeitsprofile
 R1/4 Gesetz, n=4 (de Vaucouleurs)
2 Typen von E Galaxien:
Core und Cuspy Ellipsen
CoreRadius
Rc
Core
Andromeda Galaxie M 31
typische Scheibengalaxie
~ 100 Mrd. Sterne
Andromeda / Spitzer  Staub
Scheiben
rotieren maximal
 geometrisch dünn
 aus 21 cm H
 Masse
rotiert
von uns weg
Bulge
Sphäroid
rotiert
auf uns zu
21 cm Wasserstoff-Linie
Vera Rubin
M 31 – Profil & Rotation
konstant !
R1/4 Bulge
Expo Scheibe
Sombrero M 104 [HST]
S0 = Scheibe + Ellipse
Staub
Sterne
NGC 1700
S0 Galaxie
Seitenaufsicht
Galaxien Galerie / Zolt Frei (Princeton)
Die Hubble-Sequenz 1926
• 1923 entdeckt Hubble (1889-1953), dass der
„Spiralnebel“ Andromeda nicht zu unserer
Galaxis gehört und eine eigene Galaxie bildet
(durch Vermessen von Cepheiden).
• Um die neu entdeckten Objekte klassifizieren
zu können, entwickelt Hubble 1926 die bis
heute bekannte „Hubble-Sequenz“ .
• Sie ist heute noch gültig.
Blue Sequence
Red Sequence
Die Hubble-Sequenz 1
• Prinzipiell 3 große Kategorien:
– Elliptische Galaxien rotationssymmetrischer
Gestalt E0 – E7
• E0 – kreis rund; E7 – stark elliptisch
– Spiralgalaxien mit symmetrischen Spiralarmen
• werden weiter unterschieden in: Sa, Sb, Sc, Sm mit
zentraler Verdichtung; SBa, SBb, SBc, SBm mit
Balken („barred“)
– Irreguläre Galaxien Irr ohne Symmetrien
(Magellansche Wolken)
Die Hubble-Sequenz 2
• Hubble Sequenz wurde vielfach verfeinert
und angepasst.
– Hubble selbst versuchte 1936 den Übergang von
E zu S flüssiger zu gestalten und fügte die
Linsengalaxien S0 („S Null“) hinzu.
– die Sd, Sm, Im, SBd, SBm, IBm wurden von G.
de Vaucouleurs (1918-1995) hinzugefügt.
– [ Sandage (geb. 1926) führte im „Hubble Atlas of
Galaxies“ einen Suffix für den Ursprung der
Spiralarme ein; s - Zentralgebiet; r - extra Ring ]
Die Hubble-Sequenz 3
• Nachteile
– abhängig von Projektionseffekten.
– wird von persönlicher Überzeugung des
Beobachters beeinflusst.
– z.B. LMC erscheint aufgrund der vielen, von
Gaswolken umgebenen blauen Sterne besonders
unregelmäßig.
– die Erweiterung um S0 passt nicht mit
Beobachtungen der Helligkeit überein.
Hubble Sequenz – offene Fragen
• In wie weit kann die Hubble-Sequenz als
Entwicklungsdiagramm verstanden
werden?
•  nein !!!!
• Durch welche Parameter kann die HubbleSequenz charakterisiert und damit
unabhängig vom Betrachter werden?
• Gibt es alternative Klassifikationen? - ja
Beobachtete Eigenschaften
verschiedener Galaxien
• in elliptischen Galaxien beobachtet man:
– rote, alte Sternenpopulationen
– wenig Gas und Staub (mit sehr hohen
Temperaturen ~ 107 K, ionisiert, Röntgengas)
• in Spiralgalaxien beobachtet man:
– je ‚später„, desto mehr junge, massive Sterne
– im Zentrum röter (also älter) als in den
Spiralarmen bei niedrigerem Gasgehalt
Komponenten einer Galaxie
Die Komponenten
einer Scheiben-Galaxie
Halo Dunkler Materie
und Sterne
Stellare
Scheibe
Lage
der Sonne
Typische
Distanzen
Bulge
GasScheibe
Konstante Rotation ist generisch
Nukleus
• Bulge
• Scheibe
• Halo
Masse einer Scheibengalaxie
Halo aus
Dunkler Materie
M(<r) = V²Rot r / G
Halo-Modelle aus Rotations-Kurven
von Stern- oder Gasscheiben
• Dark Matter Halo:
– Welche Form?
– Isotherme Modelle
r (r) 
r0
1  ( r / rc )2
ergeben Rotationskurve
 rc
 r 
vhalo ( r )  4Gr r 1  arctan  
r
 rc 

2
0 c
– Simulationen  NFW Profile
CDM Simulationen: NFW-Profile
• Detaillierte Simulationen von CDM Halos finden,
dass die Dichteprofile “steeply cusped” (Kuspen)
sind, mit Massendichte im Zentralbereich des
Halos ~ r-a, a=1 (Navarro, Frenk & White 1996,
1997)
Allgemeine Form
NFW Profil: a=1
r (r) 
rs
( r / rs )[1  ( r / rs )]
2
r (r) 
rs
( r / rs )a [1  ( r / rs )]3a
• Dunkle Materie (CDM) bildet Halos auf allen
Skalen – von Mondmasse bis zu 1015 Sonnen.
•  von Zwerggalaxien bis Galaxienhaufen ?
Morphologie - Sb Galaxien
„Grand Design“
Spirale (Sc)
2 Spiralarme
Morphologie - SB Galaxien - SBa
Morphologie - SBb Galaxien
NGC 1300
HST
Balkenspirale
Morphologie - SBc Galaxien
Morphologie - Irreguläre
Galaxien – LMC / SMC
Panorama Milchstraße &
LMC & SMC ESO Paranal
Zwerg-Galaxien
•
•
•
•
Geringe Leuchtkraft: 106 – 109 L
Geringe Masse: 107 – 1010 M
Geringe Ausdehnung, ~ einige kpc
Geringe Flächenhelligkeit  schwierig
mit Teleskopen zu finden!
• Sind in der Anzahl jedoch dominant!
• Dominieren die Leuchtkraftfunktion der
Galaxien in Haufen.
Zwerg-Galaxien Typen
• Verschiedene Typen von Zwerg-Galaxien:
– Zwerg-Ellipsen (dE): Note that these are structurally
very different from luminous E‟s. Gas-poor, old stellar
population. Note that many dE‟s have nuclei (dE,N).
– Zwerg-Sphäroide (dSph): Gas-arme, diffuse Systeme.
Low luminosity (low surface brightness end of dE‟s).
– Zwerg-Irreguläre (dIrr): Extreme end of late type
spirals. Active, on-going star-formation but low surface
brightness (like dSph‟s). Gas-rich. Note that there are
no dwarf spirals!!
• Gibt es Verwandtschaften zwischen dE‟s and dIrr‟s ??
Treten als
Begleiter auf
M31: Sb
M32 (cE): kompakte
Ellipse
NGC205 (dE)
Leo I - dSph
Pegasus
- dSph
Sagittarius dwarf, shredded by the Milky Way
Majewski et al. 2003
Canis Major, shredded by the Milky Way
Ibata et al. 2003, nearest galaxy to MW, just discovered!
Dichtefluktuationen im Frühen
Universum  Galaxienbildung
Galaxien entstehen aus
primordialen
Dichtefluktuationen,
die kurz nach dem Big
Bang entstehen, in der
Inflation anwachsen
und im CMB sichtbar.
Diese
Dichtefluktuationen
bilden Filamente,
Galaxien entstehen in
Knoten längs den
Filamenten.
Zur Bildung einer Spiralgalaxie
 Gas hat viel Drehimpuls ~
Sternbildung
CDM Halo
Elliptische Galaxien aus Merger
Bildung nur via Mergers ?
• In Galaxienhaufen ist die Kollisionswahrscheinlichkeit nicht gering.
• Dadurch werden Galaxien gestört und
können sogar “mergen”.
• Mergers führen häufig zu giant elliptischen
Galaxien (sog. cD) im Zentrum von reichen
Galaxienhaufen (Virgo, Coma).
• Durch Merging von S-Galaxien entstehen
E‟s. Werden alle E‟s durch Merger
gebildet? – wohl kaum!
Spiralen begegnen sich
Merger - Antennen Galaxien
Merger - Simulation
Merger – Arp 273
d = 100 Mpc
Stellare Geburtsrate in Galaxien
E
Sb
Stellare Geburtsrate in Galaxien
• da E„s keine Scheiben und alte SternenPopulationen haben, muss Gas fast
vollständig während des Kollaps (tc ≈ 109
Jahre) aufgebraucht worden sein.
• allein mit dieser einen Annahme folgt,
dass die IBR (= „interstellar birth rate“)
in den ersten Jahren, je nach Annahme
der Zeit tc, bis zu 50 mal größer als die
aktuelle IBR ist.
Stellare Geburtsrate in Galaxien
• anders bei SO Galaxien
– da Sterne jünger, muss Gas übrig geblieben sein,
aus dem sich Sterne bilden konnten.
– heute keine Sternentstehung, kaum Gas.
– da sich dichter Bulge im Zentrum bilden konnte,
liegt die Vermutung nahe, dass SFR für t< tc nur
unwesentlich geringer war als bei E.
– für t> tc muss SFR höher als bei den E-Typen
gelegen haben, das restliche Gas wurde innherhalb
von wenigen 109Jahren verbraucht.
Stellare Geburtsrate in Galaxien
Verteilung Flächenhelligkeit
DWARFS
GIANTS
Leuchtkraftfunktion
Feld – dominiert von
Spiralgalaxien und dIrr
Haufen – viel mehr
E/S0 Galaxien, schwache
dE, viel mehr
Zwerggalaxien
 Damit treten in
Haufen häufiger
Merger auf.
Bingelli (1988)
Leuchtkraftfunktion der Galaxien
• Schechter Funktion: gilt allgemein für Galaxien
Power-Law slope a
Log((L))
*
Exponential Cut-off
L*
Log (Luminosity)
a
L
 L  dL
d L   *   exp   
 L* 
 L*  L*
Leuchtkraftfunktion
der Galaxien im SDSS
Masse Dunkle Materie:
?
1012 MS
1010 MS
108 MS
107 MS
Fundamental-Ebene der
Galaxien
• 3 Messbare Größen:
• (i) Effektiv-Radius Re (Halblichtradius)
oder Core-Radius Rc
• (ii) Zentrale Flächenhelligkeit me
• (iii) Geschwindigkeitsdispersion s
• Frage: Gibt es Korrelationen ?
•  „Fundamental-Ebene“ der Galaxien
Kormendy Relation
aus SDSS
Galaxien-Sequenzen
Fundamental-Ebene
Eigenschaften der FP
• Sequenz der Kugelsternhaufen liegen Vförmig zur Sequenz der Elliptischen
Galaxien (E„s).
• Bulges bilden die Fortsetzung der E„s.
• Effektiv-Radius der E„s und S0„s korreliert
mit der Geschwindigkeitsdispersion und der
zentralen Flächenhelligkeit (Kormendy
Relation)  muß erklärt werden
log(Re) = 1,20 log(s) + 0,32 log(me) – 8,70
Masse-Leuchtkraft
Verhältnis
Massereiche Ellipsen durch M-Zwerge dominiert
100 Milliarden Schwarze Löcher
in Galaxienzentren
• Jede Galaxie beherbergt ein Schwarzes Loch
in ihrem Zentrum ~ 0,2% der Bulge-Masse.
• Unsere Milchstraße:  speziell
 4,3 Mio Sonnenmassen;
• Andromeda:  100 Mio. Sonnenmassen;
• Messier 32:  2,5 Mio. Sonnenmassen;
• Messier 87:  6 Mrd. Sonnenmassen;
• Quasare: weit entfernte aktive Galaxien
 100 Mio. – 10 Mrd. Sonnenmassen.
Sombrero und das SL
1 Mrd. Sonnenmassen
In ~ 50 benachbarten Galaxien Massen der SL vermessen,
jedoch nicht den Spin a:  Massen von 1 Mio – 10 Mrd Sonnen
MH ~ s4
Magorrian
Relation
Camenzind 2007
Zusammenfassung
• Kugelsternhaufen (GCs) sind die einfachsten
Sternsysteme, ~100.000 Sterne, isotherme
Dichteverteilung, kosmologisch wichtig.
• Relaxationszeit entscheidet über stoß-dominiert
vs stoßfrei; GCs nicht stoßfrei, E„s sind stoßfrei!
• Elliptische Galaxien ähnlich zu GCs, jedoch
stoßfrei, haben deVaucouleurs Helligkeitsverteilung.
• Hubble-Sequenz immer noch gültig, jedoch im
frühen Universum viele Zwerggalaxien und
Irreguläre.
• Leuchtkraftfunktion ist Schechter-artig, nicht
global  globale LF noch nicht bekannt.
Gunn-Filter Profile
Galaxien Farb-Sequenzen
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