2011 enditnow-Tag Materialsammlung

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Tag zur Prävention von Missbrauch und Gewalt 2011
enditnow
Materialsammlung
“GELIEBT UND ERMUTIGT”
von
Mable C. Dunbar
Prepared by the General Conference
Abuse Prevention Emphasis Day Committee
Composed of representatives from:
Adventist Chaplaincy Ministries
Adventist Review
Children’s Ministries
Education Department
Family Ministries
Health Ministries
Ministerial Association
Women’s Ministries
Youth Ministries
Übersetzung: Eva Reuter, Abteilung Frauen. Österreichische Union
März 17, 2011
Liebe Schwestern!
Herzliche Grüße an euch, in Jesus. Wie viele Menschen kennst du, die geliebt werden? In diesem Jahr ist
unser Material für den Tag zur Verhütung von Missbrauch und Gewalt überschrieben mit „Geliebt und
Ermutigt“. An diesem besonderen Tag ist es unser Gebet, dass Gott unsere verletzten Schwestern und
Brüder durch uns lieben möge und dass er uns alle dazu ermächtigt, unseren Wert in Gottes Augen zu
erkennen.
Unsere Autorin ist Dr. Mable C. Dunbar. Sie ist eine der wenigen Menschen in dieser Welt, die das
Vorrecht und die Verantwortung haben, mit Frauen und deren Kindern zu arbeiten, die mit familiärer
Gewalt konfrontiert sind. Dr. Dunbar leitet in den Vereinigten Staaten drei Häuser für missbrauchte
Frauen und besitzt jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet der Gewalt gegen Frauen.
Satan, der Feind unserer Seelen möchte nicht sehen, dass die Verletzten geheilt und gefördert werden.
Gott ruft uns dazu auf, seine Hände und Füße zu sein, um anderen zu helfen. Er hat uns, den Schwestern
der Gemeinde, eine heilige Verantwortung auferlegt denen zu helfen, die in Not sind. Wir sind dazu
aufgerufen, die Leidenden zu besuchen und diejenigen zu lieben, die sich nach zartem Mitgefühl sehnen.
Schließe dich uns an, wenn wir sagen, “Gebrauche mich Herr. Ich bin bereit, anderen in ihrer Not Liebe
und Ermutigung zu geben.” Wenn wir das tun, wird Gott diese Menschen ebenfalls dazu befähigen,
seinem Ruf zu folgen.
Mit herzlichen Segenswünschen,
Heather-Dawn Small, Director
2
Inhaltsverzeichnis
Begrüßungsschreiben…………………………………………….................................………………...…… 2
Über die Autorin ……………………………………………………....................................…………………
3
Kindergeschichte: “Wenn deine Last schwer ist”...…………..................................………….... 4
Aktivität für Kinder – Blatt zum Ausmalen……………………………………………………………..…….. 6
Predigt “Geliebt und ermutigt”………………………………………..…..…………………………………… 7
Freitagabend / Sabbatschul-Programm (Rollenspiel ANNAHME)…………………….…………….. 16
Sabbat Nachmittags-Programm oder Abendstunde …………..………………….…………….………… 21
Jugendprogramm …………………………………………………………….……………………………………..……… 27
Über die Autorin
Mable C. Dunbar, Ph.D., L.P.C., ist die Direktorin der Abteilungen Frauen, Familie und Seelsorge
der Upper Columbia Conference. Sie ist auch die Geschäftsführerin des Netzwerkes für die
Heilung
von Frauen (früher Polly’s Place Network). Sie ist eine staatlich anerkannte
professionelle Beraterin, geprüfte Therapeutin für kognitive Verhaltenstherapie und zertifizierte
Beraterin bei familiärer Gewalt. Sie ist die Autorin von “The Truth about Us: How to Discover the
Potential God Has Given You”, und Co-Autorin von “We Suffered in Silence” und “No More
Excuses”.
3
Kindergeschichte “Wenn deine Last schwer ist”
(Überarbeitet von www.Sermon4Kids.com)
THEMA: Jesus wird dir helfen, mit Schwierigkeiten zurechtzukommen.
ANSCHAUUNGSMATERIAL: Verschiedene Gegenstände, die nicht zu schwer sind. Z. B. ein
Stein, ein Ziegelstein oder ein Rad.
BIBELTEXT: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch
erquicken." Matthäus 11: 28 [LU]
Wie stark bist du? Denkst du, dass du sehr stark bist? Wie viele von euch glauben, dass
sie diesen Ziegelstein aufheben können? Na, da musst du schon ganz schön kräftig sein.
Wie viele von euch meinen, dass sie ein Rad aufheben könnten? Nun, ich denke, wenn dir
jemand dabei hilft, schaffst du es.
Einige von euch mögen schwere oder traurige Sachen erlebt haben oder ihr kennt
jemanden, bei dem das so ist. Vielleicht hast du eine körperliche Behinderung, die dein
Leben schwierig macht. Oder vielleicht hat dein Vater seine Arbeit verloren und deine
Familie hat nicht viel Geld. Es kann sein, dass jemand in deiner Familie Krebs oder eine
andere ernste Erkrankung hat, vielleicht auf eine andere Weise verletzt wurde und du dir
Sorgen um diesen Menschen machst. Oder es fällt dir schwer, in der Schule gute Noten
zu schreiben. Ich weiß nicht, welche Schwierigkeiten du in deinem Leben erlebt hast.
Manche kannst du selbst bewältigen, aber vielleicht gibt es auch einige Dinge, die du
nicht alleine schaffen kannst. Du musst es auch nicht!
Jesus sagt: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch
erquicken." Es gibt keinen Grund, sich mit den Schwierigkeiten abzuquälen, die für dich
zu schwer sind. Es gibt zwei Dinge, die du tun kannst, wenn du ein großes Problem hast.
Das eine ist, dass du zu Jesus beten und dich ihm anvertrauen kannst. Er wird dir helfen.
Es ist aber genauso wichtig mit deinen Eltern, mit einem Lehrer, deinem SabbatschulLehrer oder irgendeinem anderen Erwachsenen zu reden, der dir helfen kann.
Wenn du sehr traurig bist, dann denke daran, einen erwachsenen Menschen um Hilfe zu
bitten.
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Wir alle können lernen, Jesus zu vertrauen. Er wird uns helfen.
Lieber Herr Jesus, wir sind dir dankbar dafür, dass wir, wenn wir Sorgen und Probleme
haben, mit jemandem sprechen können, der für uns sorgt und auch du wirst uns helfen.
Amen.
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Aktivität für Kinder
Blatt zum Ausmalen (www.sermons4kids.com)
DANKE JESUS, DASS DU MIR HILFST
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Predigt “Geliebt und ermutigt”
(FO 2)
Einleitung
1.Mose 1:26-27 und 1.Mose 2:18-24 erzählen die besondere und heilige Erschaffung der Menschen. Vom Anfang an waren Frauen und Männer dazu geschaffen, zu regieren und über die
Erde zu herrschen. “Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei,
die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das
Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott
schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und
Weib.“
(FO3)
Gott erschuf Männer und Frauen, um in vollkommener Harmonie miteinander und mit Gott zu
sein. Sie wurden geschaffen, um auf der Erde als Gottes Repräsentanten zu fungieren. Sie sollten
ihn in allem widerspiegeln: im Gehorsam, in den Segnungen, im Regieren, und in der
Fortpflanzung.
(FO4)
Die destruktive Agenda
Luzifer war als ein heiliger Cherub geschaffen worden. Irgendwann jedoch wurde er stolz und
wollte wie Gott sein. Er sagte zu sich selbst: ”Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron
über die Sterne Gottes erhöhen, ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung im fernsten
Norden. Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten.“
(Jes.14:13-14). Er überzeugte viele andere Engel davon, dass diese Forderung rechtens sei. Bald
entstand ein Krieg im Himmel. Satan und seine Sympathisanten wurden besiegt. Sie wurden aus
dem Himmel hinausgeworfen, auf diese Erde. Satans Rachegelüste und sein Wunsch nach Macht
und Kontrolle wuchsen. Als Adam und Eva von der verbotenen Frucht aßen, nutzte Satan
geschickt deren Angst, Scham und Schuld, um das Abbild Gottes in ihnen zu zerstören. Satan
arbeitet noch immer daran, die Menschheit zu zerstören. Eine seiner Methoden besteht in
häuslicher Gewalt und Missbrauch.
Gewalt in Form von Schlagen, Beschimpfen oder Erpressen sind Verhaltensmuster, die Personen
anwenden, um Macht und Kontrolle über einen anderen Menschen zu erlangen, ohne seine oder
ihre individuellen Rechte zu beachten.
7
(FO 5)
Der Missbrauch mag physisch, sexuell, religiös, verbal, emotional, ökonomisch oder psychisch
sein. Es können Aktionen oder deren Androhung sein. Durch den Missbrauch wird beabsichtigt,
einen Menschern zu ängstigen, einzuschüchtern, zu terrorisieren, ihn zu manipulieren, zu
kränken, zu demütigen, zu beschuldigen, zu beschämen oder zu verwunden.
Die Fakten
Häusliche Gewalt ist ein ernstes, weltweites Problem. Sie verletzt die grundlegenden
Menschenrechte und endet oft mit ernsten Verletzungen oder mit dem Tod. Gewalt in Familien
ist nicht geschlechtsspezifisch. Allerdings sind häufiger Frauen die Opfer.
Global gesehen werden die Rechte der Frauen auf verschiedene Weise von sozialen,
ökonomischen, politischen und religiösen Kräften beeinflusst. Mache Frauen erleben die
Verletzung der Menschenrechte in einer Form, die nicht in eine der geläufigen Definitionen
dieser vier Typen von Gewalt fallen. Solch eine Verletzung kann eine erzwungene oder frühe
Heirat sein, weibliche Beschneidung, Ehrenmorde, Gewalt aufgrund Uneinigkeiten bei der
Aussteuer, Vergewaltigung, die Tötung von Mädchen und erzwungene Sterilisation. Einige
Formen der Gewalt mögen Reaktionen auf die Regierungspolitik oder die Gesetze sein. Das trifft
beispielsweise auf die “ein-Kind-Politik” in China zu, die zu einem Anstieg der Tötung weiblicher
Säuglinge geführt hat.1
“Soziale Traditionen und religiöse Anschauungen spielen bei der weiblichen Beschneidung und
den Ehrenmorden eine Rolle. Eine frühe bzw. erzwungene Heirat wirkt sich auch auf die Kosten
im Gesundheitsbereich aus, da zu frühe Schwangerschaften die Gesundheit der jungen Frauen
gefährden. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko, dass es zu familiärer Gewalt kommt und
Bildungsmöglichkeiten sowie Arbeitsperspektiven sind oft deutlich eingeschränkt. In Kulturen, in
denen die Reinheit einer Frau die Ehre der Familie bedeutet, werden Vergewaltigungen immer
häufiger zur Kriegstaktik sobald Konflikte in solchen Gebieten ausbrechen.”2
(FO 6)
Gewalt gegen Frauen innerhalb der Familie geschieht gleichermaßen in den entwickelten, wie
auch in den sogenannten Entwicklungsländern. Sie wurde lange als eine private Angelegenheit
betrachtet. Doch die Statistiken zeichnen ein erschreckendes Bild der sozialen und
gesundheitlichen Folgen die durch Gewalt gegenüber Frauen entstehen.
1
2
One Child Policy in China Designed to Limit Population Growth by Matt Rosenberg, About.com Guide
Advocates for Human Rights, February 1, 2006.
8
(FO 7) Bei Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren ist Gewalt die Hauptursache für Tod und
Arbeitsunfähigkeit. Weltweit werden 40-70% aller weiblichen Mordopfer durch ihren Partner
getötet. In Peru zeigt der Kriminalbericht auf, dass Frauen in 70 % aller bei der Polizei
gemeldeten Vorfälle von ihren Ehemännern geschlagen wurden. In den Vereinigten Staaten wird
alle 18 Minuten eine Frau geschlagen. In der Tat ist in den USA häusliche Gewalt die
Hauptursache für Verletzungen bei Frauen im gebärfähigen Alter.
Weibliche Beschneidung ist eine weitere Art entsetzlicher Gewalt, die Frauen angetan wird. Laut
Weltgesundheitsorganisation wurden zwischen 85 und 115 Millionen Mädchen und Frauen einer
Beschneidung unterzogen und leiden dadurch an verschiedenen gesundheitlichen Folgen. Die
meisten von ihnen in Afrika und in einigen Ländern des Mittleren Osten. Jedes Jahr stehen ca.
zwei Millionen Mädchen in der Gefahr, beschnitten zu werden. Der beste Weg diesen Praktiken
ein Ende zu bereiten ist Bildungskampagnen durchzuführen und über die gefährlichen Folgen
aufzuklären.
Auch Gewalt im Zusammenhang mit der Aussteuer und frühe Verheiratung bedrohen das Leben
junger Frauen und Mädchen. Studien zeigen, dass das Einfordern der Aussteuer eine bedeutende
Rolle spielen wenn es dazu kommt, dass Frauen verbrannt werden oder wenn der Tod von
Frauen als Selbstmord hingestellt wird. In Indien werden im Schnitt täglich fünf Frauen aufgrund
von Streitigkeiten bezüglich der Aussteuer verbrannt – und von vielen anderen Fällen wird
niemals berichtet.
Weitere Gewalthandlungen gegenüber Frauen sind Vergewaltigung, sexuelle Nötigung in der
Ehe, sexuelle Belästigung, Prostitution und Menschenhandel. Hinzu kommen Vergehen wie
Pornographie und die Misshandlung von Migrantinnen am Arbeitsplatz.
In den Vereinigten Staaten zeigen die Statistiken, dass alle sechs Minuten eine Frau vergewaltigt
wird. Ein Bericht aus sieben verschiedenen Ländern hat ergeben, dass über 60% der Opfer
sexueller Nötigung ihre Peiniger kennen. In Südafrika geschieht alle zwanzig Sekunden eine
kriminelle sexuelle Handlung.
Viele Frauen werden zur Prostitution gezwungen. Entweder durch ihre Eltern, Ehemänner oder
Freunde. Oder sie finden sich in der Prostitution aufgrund ihrer schwierigen wirtschaftlichen und
sozialen Verhältnisse wieder. Manche werden von Agenturen geködert, die ihnen versprechen,
einen Ehepartner oder eine Arbeit im Ausland zu vermitteln. Schlussendlich landen sie häufig in
illegal betriebenen Bordellen. Sie werden wie Sklaven behandelt, körperlich missbraucht und
ihre Pässe werden einbehalten.
9
Jedes Jahr werden schätzungsweise zwei Millionen Frauen in der weltweiten Sexindustrie
gefangen. Unzählige Kinder und andere Frauen sind gezwungen, schlecht bezahlte Arbeiten zu
verrichten.
(FO 8) Bezüglich des Menschenhandels gibt es nach Aussage der UNO keine exakte Statistik.
Doch die Zahl der Frauen, die Jahr für Jahr über Landesgrenzen hinaus verkauft werden, könnte
doppelt so hoch sein wie die Zahl derjenigen, die zu Hause misshandelt werden.
(FO 9) Der Handel mit Frauen und Mädchen hat besonders in asiatischen Ländern alarmierende
Ausmaße erlangt. Über 100.000 Frauen werden in Südasien jedes Jahr verkauft.
Am schlimmsten ist es, wenn geschlechterbezogene Gewalt von denjenigen unterstützt oder
ignoriert wird, die für die Einhaltung der Gesetze und den Schutz der ihnen Anbefohlenen
zuständig sind. Das sind Fälle, in denen Mädchen von Seiten ihres Vormundes Gewalt angetan
wird, aber es betrifft auch Frauen in Situationen bewaffneter Konflikte. Dazu kommt Gewalt, die
Flüchtlingen und vertriebenen Frauen angetan wird.
(Fo 10 kann ausgelassen werden, sie ist eine Wiederholung)
(FO 11) Gewalt geschieht in vielen Heimen, einschließlich christlichen Familien. Wir dürfen nicht
denken, dass Missbrauch nicht auch in adventistischen Familien vorkommen kann.
(FO 12) Eine Studie, die in der Nordamerikanischen Vereinigung an 1.431 erwachsenen Männern
und Frauen durchgeführt wurde, kam zu überraschenden Ergebnissen: Fast 34% der Frauen und
20% der Männer gaben an, von ihrem Ehepartner tätlich angegriffen worden zu sein.
Diese Tatsache können wir nicht ignorieren. Wir können nicht länger das Böse dulden, das den
Willen eines Menschen bricht und Leben zerstört. Wir müssen daran denken, dass wir als „Hüter
unserer Schwester, unseres Bruders“ Verantwortung tragen.
Die eigentliche Frage
Sind das Überhandnehmen und die verheerenden Folgen häuslicher Gewalt in erster Linie eine
Frage des Geschlechts? Nein! Häusliche Gewalt und Missbrauch in seinen vielfältigen
Erscheinungen sind der Beweis für “Satans Reich, das dabei ist, Ordnung, Liebe und Freude
innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen zu zerstören… Wir können das Böse nicht als eine
vage geistige Kraft abtun, die irgendwo außerhalb des menschlichen Verhaltens waltet. Das Böse
ist in einer übermenschlichen Persönlichkeit verwurzelt: Satan….
10
(FO 13) Böse Handlungen sind sündige Handlungen. Es sind Übergriffe auf Gottes Moralgesetze.
Sie trennen den Übeltäter von Gott und seinen Mitmenschen.”3 Häusliche Gewalt ist Sünde!
Satan will, dass Männer und Frauen aneinander schuldig werden, sich beschämen und sich
voreinander fürchten. Er will sie davon abhalten, sich gegen ihn zu verbünden, dem wahren
Feind unserer Seelen. Unser Kampf geschieht eigentlich nicht unter uns - Männer gegen Frauen,
Angestellte gegen Vorgesetzte oder Eltern gegen Kinder. Der Kampf wird gegen den Feind der
Seelen geführt.
(FO 14)
Der Plan, zu lieben und zu ermutigen
Wir müssen unsere Gaben dazu einsetzen, um Gott, einander und der Welt um uns herum zu
dienen. Es ist äußerst wichtig, dass wir der nächsten Generation vermitteln, wie Einigkeit und der
Austausch von Gefälligkeiten zwischenmenschliche Beziehungen fördern.
(FO 15)
Frauen wie Männer benötigen einander, und keiner der beiden kann dem Herrn effektiv dienen,
wenn er eine unabhängige, überlegene Haltung einnimmt oder Minderwertigkeitsgefühle
gegenüber dem anderen hat. Wir müssen als Team zusammenarbeiten.
George Craig sagt: “Partnerschaft ist kein Prinzip, sondern eine Beziehung zwischen Personen,
die gemeinsame Unternehmungen machen, gemeinsam Risiken eingehen, gemeinsam Privilegien
genießen und gemeinsam Verantwortung tragen.”
Der erste Korintherbrief sagt uns im 12. Kapitel, dass jeder Mensch besondere geistliche Gaben
erhält, um mitzuhelfen den Leib der Gemeinde aufzubauen. Diese Gaben werden durch den
heiligen Geist nach seinem Ermessen verliehen, ohne eines der beiden Geschlechter zu
diskriminieren.
(FO 16) Die Gemeinde wird gesegnet, wenn die Rollen beider, der Frauen und der Männer, nicht
nur anerkannt, sondern auch eingesetzt und unterstützt werden. Wenn das geschieht, werden
auch die Beziehungen gestärkt. Ehen werden gestärkt.
(FO 17) Unsere Gemeinden und die Gesellschaft werden gestärkt. Wir werden ein System der
Anbetung und des Dienstes pflegen, das mithelfen wird, den Kreislauf der häuslichen Gewalt und
des sexuellen Missbrauchs zu stoppen. Dadurch helfen wir, ein sicheres, liebevolles und
ermutigendes Umfeld zu schaffen, in dem alle leben und gedeihen können.
(FO 18)
3
James and Phyllis Alsdurf, Battered into Submission. Westmont, IL: InterVarsity Press, 1986, pp. 61-62.
11
Wie behandelte Jesus missbrauchte Frauen?
Ich frage mich oft, was eine Frau vor zweitausend Jahren in der Gegenwart unseres Herrn
erlebte. Was lernte sie dazu, als sie mit ihm kommunizierte? Was sah sie in seinen Augen, wenn
er sie anblickte oder was hörte sie in seiner Stimme, wenn er zu ihr sprach? Befreite seine
Stimme sie von Ängsten, die mit Zerbrochenheit, Schikanen, Missbrauch, Ablehnung und Leid
zusammenhingen? Schmolzen ihre Gedanken der Verlassenheit oder Unzulänglichkeit dahin,
wenn er seine Hand auf ihre Schulter legte? Offenbarte seine Gegenwart Anteilname und
Akzeptanz? Wie behandelte Jesus Frauen?
1. Er vergab ihnen. (Lukas 7:37-48; Markus 14:3-9)
Eines Tages lud ein Pharisäer Jesus zum Essen ein. Als eine Frau, die ein sündiges Leben geführt
hatte davon erfuhr, dass Jesus in dem Haus dieses Mannes zum Essen war, kam sie mit einem
Alabasterfläschchen voll duftendem Salböl. Sie beugte sich weinend zu seinen Füßen nieder. Sie
fing an, Seine Füße mit ihren Tränen zu befeuchten, trocknete sie mit ihren Haaren. Dann salbte
sie die Füße Jesu mit ihrem Salböl. Die anderen Gäste waren entsetzt, doch Jesus sagte zu ihr:
”Du hast viel Liebe gezeigt. Deine Sünden sind dir vergeben. Dein Glaube hat dich gerettet; geh’
hin in Frieden.”
2. Er verdammte sie nicht, sondern er zeigte ihnen Barmherzigkeit. (Johannes 8:1-11)
Welche Gedanken mögen Jesus durch den Kopf gegangen sein und welche Gefühle müssen sein
Herz durchflutet haben, als man eines Tages eine Prostituierte vor ihn zerrte? Eine Frau, die grob
behandelt, bedroht und vor seine Füße geworfen wurde. Sie wurde des Ehebruchs beschuldigt
und ihre Ankläger wollten, dass Jesus sagen sollte, was mit ihr geschehen solle. Sie war
verängstigt. Ein Wort von Jesus würde ihren Tod bedeuten. Stille erfüllte den Platz, als er sich
bückte und in den Sand schrieb. Nachdem er zu Ende geschrieben hatte, fragte er sie: “Frau, wo
sind deine Ankläger? Hat dich niemand verdammt?” “Niemand, Herr!” Er beruhigte sie und
erteilte ihr einen Auftrag: “So verdamme ich dich auch nicht. Geh’ und sündige nicht mehr.”
3. Er zeigte ihnen Liebe, Verständnis und Mitgefühl. (Johannes 4:6-26)
Die samaritische Frau stammte aus einer Bevölkerungsgruppe, die von den Landsleuten Jesu
verachtet wurde. Noch dazu als Frau wurde sie in der damaligen Zeit als minderwertig
betrachtet. Als sie an diesem Tag zum Brunnen kam, wartete Jesus geduldig, um mit ihr zu
sprechen. Er wusste, dass sie bereits mehrere Männer gehabt hatte und sich nach Liebe und
Sicherheit sehnte. Er wusste, dass ihr Herz schrie, als er mit ihr voller Mitgefühl sagte: “Ich bin
der Messias.” Er war nicht da, um ihr ihre Schuld vorzuhalten, sondern um ihr Liebe, Güte und
Mitgefühl zu zeigen, nachdem sie so viel Leid und Ablehnung erlebt hatte. Er war da um ihr das
ewige Heil anzubieten.
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4. Er heilte sie, reinigte sie und richtete sie auf. (Markus 5:25-34; Matthäus 9:20-22)
Eine andere Frau kam mit einem ernsten gesundheitlichen Problem. Sie blutete bereits seit zwölf
Jahren. Deswegen war sie auch aus ihrer Familie ausgeschlossen und verstoßen worden. Sie
hatte bereits viele Ärzte aufgesucht. Ihre Ersparnisse waren aufgebraucht. Eines Tages saß sie im
Staub an einer der galiläischen Straßen und wartete darauf, dass Jesus vorüberziehen würde.
Inständig dachte sie: “Ich muss nur den Zipfel von seinem Gewand berühren und ich werde
geheilt werden.” Sich durch die Menge in seine Richtung hin zwängend streckte sie voller
Vertrauen ihre Hand aus. Eine einzige Berührung mit seinem Gewand und die zwölf Jahre des
Leides waren vorbei. Dann war da der Augenblick, in dem er sie ansah. Sein Blick ließ sie wissen,
dass er von ihrem Leiden wusste und dass er verstanden hatte, wie entkräftet sie war. Er freute
sich mit ihr, dass sie geheilt war, dass sie wieder rein war und dass seine Kraft in ihr wirken
konnte.
Christus fühlte mit allen Menschen mit, auch mit den Frauen. Er stellte sich gegen das Vorurteil
seiner Tage, dass Frauen minderwertig seien und außer zum Arbeiten und als Eigentum des
Mannes keinerlei weiteren Wert besäßen. Anhand dieser Begebenheiten, die in der Bibel
berichtet werden, wird für uns ersichtlich, dass er Frauen schätzte und er tut es heute ebenso.
(FO 19)
Wie werden wir heute geliebt und ermutigt?
 Jesus vergibt uns.
 Jesus zeigt uns Liebe und Anteilnahme.
 Jesus heilt uns, reinigt uns und macht uns stark.
 Jesus verdammt uns nicht, sondern zeigt uns seine Barmherzigkeit.
 Jesus heilt unsere Seelen.
(FO 20)
 Jesus weckt uns vom geistlichen Tod auf.
 Jesus gibt uns die Möglichkeit, gerettet zu werden. Der Weg der Erlösung ist für Männer
und Frauen derselbe. Jedem kann vergeben werden, jeder kann ewiges Leben erhalten
und ein Sohn oder eine Tochter in Gottes Familie werden. (Römer 8:16-17).
(FO 21)
 Jesus gibt uns uneingeschränkte Kraft und Möglichkeiten. “Jeder Mensch, der nach dem
Bild Gottes gestaltet wurde, ist mit einer ähnlichen Kraft ausgestattet wie der Schöpfer:
mit Individualität und mit der Kraft zu denken und zu handeln.” (Education, p. 17)
(FO 22)
 Jesus wird mit uns sein: “Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.”
(Hebräer 13:5)
13

Seine Liebe zu uns ist ewig und fährt damit fort uns zu ihm zu ziehen, selbst wenn wir uns
von ihm abwenden! “Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen
aus lauter Güte.” (Jeremia 31:3)
(FO 23)
Zusammenfassung
Häusliche Gewalt in ihren vielen Formen ist ein Angriff auf Gottes Moralgesetz. Sie geschieht
hinter verschlossenen Türen und hinterlässt verwelkte Seelen, ermattete Gemüter. Ständige
körperliche, emotionale und sexuelle Verletzungen können bis zum Tod führen. Es ist nicht eine
Frage des Geschlechts sondern ein Ergebnis der Sünde. Es ist Satans Ziel, das Bild Gottes in uns
zu zerstören.
Deswegen ist es von Bedeutung, dass wir als gläubige Siebenten-Tags-Adventisten alles uns
Mögliche tun, um gemeinsam oder als Einzelne häuslicher Gewalt und Missbrauch ein Ende zu
machen. Das kann geschehen, indem man Opfern beisteht, Täter zu Beratungsstellen begleitet,
Kinder betreut und das gesunde Funktionieren der Familien in unseren Gemeinden und an
unseren Wohnorten unterstützt.
Viele haben sich von der Religion abgewandt, weil sie die Widersprüchlichkeiten zwischen
Menschen sahen, die glauben, dass Jesus kam, um die Gefangenen zu befreien (Lukas 4:18) und
der weiterhin fehlenden Unterstützung für Frauen, Männer und Kinder, die leiden, wo auch
immer häusliche Gewalt ihr böses Gesicht zeigt.
Wir müssen damit fortfahren, uns privat und öffentlich zu diesem Thema zu äußern. Wir können
nicht weiterhin leugnen, dass solche Dinge in unseren Heimen, Gemeinden und in unseren
Städten geschehen. Wir haben eine Pflicht, dieses Thema so oft wir können auf verschiedene
Weise anzusprechen. Indem wir so handeln - wer weiß, wessen Leben wir retten können? Die
folgende Geschichte möchte zeigen, welche Bedeutung es haben kann, sich mutig einzusetzen.
“Eines Abends war ich auf einer schwach beleuchteten Straße, als ich dumpfe Schreie
wahrnahm, die aus dem Gebüsch kamen. Beunruhigt verlangsamte ich meine Schritte, um zu
lauschen. Ich erschrak, als mir klar wurde, dass ich die Geräusche eines Kampfes hörte: tiefes
Schnaufen, eine wilde Rauferei und das Zerreißen von Kleidern. Nur wenige Meter von mir
entfernt wurde eine Frau überfallen.
Sollte ich mich einmischen? Ich fürchtete um meine eigene Sicherheit und ärgerte mich über
mich selbst, dass ich an diesem Abend entschieden hatte, einen anderen Weg nach Hause zu
nehmen, als den ich sonst ging. Was, wenn auch ich zum Opfer werden würde? Sollte ich nicht
14
besser zur nächsten Telefonzelle laufen und die Polizei rufen? Obwohl es mir wie eine Ewigkeit
schien, dauerten meine Überlegungen nur Sekunden. Doch die Schreie des Mädchens wurden
bereits leiser. Mir war klar, dass ich schnell handeln musste. Wie konnte ich hier einfach
weitergehen? Nein, ich konnte dieser mir unbekannten Frau nicht einfach den Rücken
zukehren, selbst wenn ich dabei mein eigenes Leben riskieren würde.
Ich bin weder ein sehr mutiger Mann, noch bin ich ein sportlicher Typ. Ich weiß nicht, woher ich
den Mut und die Kraft hatte—doch als ich mich dazu entschlossen hatte, diesem Mädchen zu
helfen, war ich plötzlich wie verwandelt. Ich rannte ins Gebüsch und stieß den Angreifer von
der Frau weg. Als ich ihn packte, fielen wir zu Boden, wo wir einige Minuten miteinander
rangen, bis der Angreifer aufsprang und davonlief. Schwer atmend richtete ich mich wieder
auf und ging auf das Mädchen zu, das schluchzend hinter einem Baum kauerte. In der
Dunkelheit konnte ich kaum ihre Silhouette wahrnehmen, doch ich bemerkte, wie sie unter
Schock stehend zitterte.
Um sie nicht weiter zu verängstigen, sprach ich sie zunächst aus der Entfernung an: “Alles ist in
Ordnung“, sagte ich. „Der Mann ist davongerannt. Du bist jetzt in Sicherheit.”
Nach einer langen Pause vernahm ich erschrocken ihre Worte, die sie verwundert äußerte.
“Papa, bist du es?” Und dann kam hinter dem Baum meine jüngste Tochter Katherine hervor.’4
Wenn wir uns dazu entschließen, unser Leben für andere einzusetzen, werden wir die wahre
Bedeutung der Liebe entdecken. Durch Christus wird dann die erstaunliche Kraft und Macht
des Willens umgewandelt. Indem wir anderen Gutes tun, werden wir auch für uns selbst viel
Gutes bewirken. Gott möchte, dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um häusliche
Gewalt, Missbrauch in seinen unterschiedlichen Formen und die Gewalt zwischen den
Geschlechtern zu beenden. Wenn wir uns entschließen, so zu handeln, wird Gott uns die
Kraft, den Mut und die Weisheit dazu verleihen.
Unsere Antwort
Es ist mein Gebet, dass du dich entschließen wirst alles zu tun was dir möglich ist, um häusliche
Gewalt und sexuellen Missbrauch zu beenden - wann und wo immer du kannst. Ich bete darum,
dass du erkennen kannst, wie sehr Gott jeden Menschen liebt und für ihn Sorge trägt. Dass du
täglich um seine Kraft bittest, um recht zu handeln, Liebe und Güte zu üben und demütig mit ihm
zu wandeln.
Bitte erhebt euch von euren Plätzen und lasst uns gemeinsam das Lied Nr. 324 “Näher, mein
Gott zu dir” singen.
4
Greg O’Leary, in Small Miracles. by Yitta Halberstam. Holbrook, MA: Adams Media, 1998.
15
Gebet
(Bete für Missbrauchsopfer und um den Mut, gegen Missbrauch und Gewalt an Frauen das Wort
zu ergreifen und zu handeln.)
Freitagabend / Sabbatschulprogramm
Rollenspiel / Sketch
(geeignet für Jugendliche, junge und ältere Erwachsenes)
Vorschlag für den Ablauf
Eröffnungsgebet
Einführende Informationen über häusliche Gewalt
Sketch
Fragen an Irene/Boten
Gruppendiskussion
Abschlusslied
Abschlussgebet
Sketsch: “ANNAHME”
Personen
Irene
ein Erzähler
acht Boten
Szene 1
Irene erzählt von ihrer Scham
Erzähler – Szene 1
Acht Negativbotschaften werden an Irene gerichtet
(Jede Botschaft wird aufgeschrieben und einem Boten gegeben, der sie Irene vorliest)
Boten treten ab
Szene 2
Erzähler – Szene 2
Acht positive Botschaften werden an Irene gerichtet
(Jede Botschaft wird aufgeschrieben und einem Boten gegeben, der sie Irene vorliest)
Die Boten umschließen Irene
Irene rezitiert ihr Lob
16
Methodik
1. Die Ziele dieses Rollenspiels sind: (1) Wahrnehmen der positiven/negativen Botschaften, die
wir an Menschen weitergeben, die häusliche Gewalt oder Missbrauch erlebten oder die
darunter leiden. (2) Lernen, wie wir als Gläubige sowohl den Opfern als auch den Tätern
unterstützend zur Seite stehen können.
2. Szene 1: Irene sitzt auf einem Stuhl und blickt in das Publikum. Sie steht mit gesenktem Kopf
und erzählt von ihrer Scham und setzt sich dann. Der Erzähler liest Szene 1. Acht Personen
gehen dann auf sie zu und lesen ihr die negativen Botschaften vor. Nachdem sie das erledigt
haben, gehen sie von ihr weg.
3.
Szene 2: Der Erzähler liest Szene 2. Dieselben acht Personen gehen wieder auf Irene zu und
lesen ihr dieses Mal positive Botschaften vor. Sie bilden einen Halbkreis um sie, wie wenn
sie Irene schützen wollten. Irene steht, blickt in das Publikum und trägt ihr Lob vor.
4.
Der Erzähler oder eine andere vorgesehene Person stellt dann Irene und den Überbringern
der Botschaften die vorbereiteten Fragen. Irene und die Botschafter sitzen dann in der
größeren Gruppe und beteiligen sich an der Diskussion.
ANNAHME
Irenes Scham:
Furcht und Zittern ist über mich gekommen, und Grauen hat mich überfallen.
Ich sprach: O hätte ich Flügel wie Tauben, dass ich wegflöge und Ruhe fände!
Siehe, so wollte ich in die Ferne fliehen und in der Wüste bleiben.
Ich wollte eilen, dass ich entrinne vor dem Sturmwind und Wetter.
Mein Herz ist voller Angst und Qual.
Todesängste sind über mich gekommen.
Wenn mein Feind mich schmähte, wollte ich es ertragen; wenn einer, der mich hasst, groß tut
wider mich, wollte ich mich vor ihm verbergen.
Aber nun bist du es, mein Gefährte, mein Freund und mein Vertrauter,
die wir freundlich miteinander waren, die wir in Gottes Haus gingen inmitten der Menge! (Psalm
55:4-8; 13-15)
SZENE EINS
17
Erzähler: Du magst Irene im Kreis deiner Freunde oder Kirchenmitglieder erkennen oder auch
nicht. Irene hat vor zwölf Jahren Jack geheiratet. Das Paar hat drei Kinder. Irene stammt aus
einem sehr konservativen christlichen Haus. Ihre Eltern waren strenggläubige Kirchgänger, die
auf völligem Gehorsam von ihr und ihren älteren Geschwistern bestanden. Sie erzählt von der
Zeit, als sie hart bestraft wurde, weil sie ihren Bibelvers nicht perfekt aufsagen konnte. Sie
erinnert sich daran, wie sie zur Kirche gehen musste als sie krank war. Sie erinnert sich daran,
wie sie bei allen kirchlichen Veranstaltungen dabei sein musste und stundenlang auf harten
Bänken sitzen musste, weil ihre Eltern beschlossen hatten, aus ihr eine „gute“ Christin zu
machen. Trotz alledem was sie als Kind erlebt hatte, weigerte sich Irene irgendjemandem etwas
über ihr Leben zu erzählen, weil sie dachte, dass ihr niemand glauben würde. Denn ihr Vater war
ein bekannter Pastor und ihre Mutter leistete ihm Folge, egal worum es ging!
Als Irene 22 war, traf sie Jack, 26, von dem sie ganz hingerissen war. Nur wenige Monate später
waren die beide verheiratet. Jack war ebenso ein “guter” Christ und versprach, gut für sie zu
sorgen. Sechs Monate nach der Hochzeit begann Jack, sie physisch und sexuell zu missbrauchen.
Doch sie erzählte niemandem davon.
Nach sechs Jahren Ehe und regelmäßigen
Gottesdienstbesuchen fing Jack an, ihre beiden Töchter physisch und sexuell zu missbrauchen.
Irene beschloss letztendlich, dass es an der Zeit war, einige ihrer Kirchenmitglieder um Hilfe zu
bitten. Als sie dies wagte, bekam sie die folgenden negativen Botschaften:
Negative Botschaften:

BETE DARÜBER. GOTT WIRD DIR DIE KRAFT GEBEN, DURCHZUHALTEN.

DEINE KINDER BRAUCHEN EINEN VATER

HALTE DEINE FAMILIE UM JEDEN PREIS ZUSAMMEN

DIE EHE IST EINE PRIVATE ANGELEGENHEIT

WARUM VERGIBST DU IHM NICHT EINFACH? ER IST SO EIN GUTER MANN!

WAS WERDEN DIE LEUTE ÜBER DIE KIRCHE SAGEN, WENN DU IHN EINFACH VERLÄSST?

WAS HAST DU IHM GETAN, DASS ER SICH SO VERHÄLT?

WENN DU DICH ÄNDERST, WIRD ER SICH AUCH ÄNDERN!
18
SZENE ZWEI
Erzähler: Irenes Kirche ist innovativ, kreativ, und dynamisch. Die Mitglieder sind der Ansicht, dass
sie das seelische und physische, wie auch geistliche Wohl jedes Einzelnen beachten müssen,
wenn sie ihren Kirchenmitgliedern helfen wollen und auch Menschen für ihre Kirche gewinnen
wollen. Ihr Pastor, der einen speziellen Kurs über die Dynamik häuslicher Gewalt und sexuellem
Missbrauch besuchte, ermutigt die Leiter der Kirche, eine anonyme Befragung durchzuführen,
um herauszufinden ob es in der Kirche Personen gibt die häusliche Gewalt und/oder sexuellen
Missbrauch erlebt haben bzw. momentan davon betroffen sind. Die Kirchenleitung entdeckte,
dass mindestens ein Drittel der Mitglieder (Männer wie Frauen) in der Vergangenheit
Missbrauch erlebt hatte oder momentan damit konfrontiert wird, jedoch nicht wagen darüber zu
sprechen, weil sie das Gefühl haben, dass man ihnen ihre Geschichte nicht glauben würde. Einige
befürchteten sogar, ihre Stellung in der Kirche oder ihren Einfluss in der Gesellschaft zu
verlieren.
Die Leiter waren betroffen über diese Ergebnisse und beschlossen, mehr über die Dynamik
häuslicher Gewalt und Missbrauch zu erfahren. Sie wollten wissen, wie sie ihren missbrauchten
und/oder missbrauchenden Mitgliedern helfen könnten. Sie entdeckten Texte in der Bibel, die
im Zusammenhang bezüglich männlicher/weiblicher Funktionen und deren Unterwerfung
stehen. Sie erstellten Pläne und begannen mit einigen Programmen, um Opfern und Tätern zu
helfen.
Sie bemerkten bald, dass mehr missbrauchte Menschen (Christen wie auch Säkulare) zu ihnen
kamen und sie um Hilfe baten. Die Gemeinde wurde empfänglicher für einige der anderen
Programme, die angeboten wurden. Sie sahen auch, dass sich mehr Kirchenmitglieder dazu
bereit erklärten, in verschiedenen Diensten mitzuarbeiten, die durch die Hilfe für betroffene
Familien entstanden waren. Ihr Ruf, eine fürsorgende Gemeinde zu sein sprach sich in der Stadt
herum. Innerhalb weniger Monat merkten die Leiter in Irenes Kirche, dass ihre Mitglieder mit
neuem Leben erfüllt waren, sich mehr betätigten und begeisterter waren, wenn es darum ging,
anderen zu helfen. Ihre Mitgliederzahl nahm stetig zu. Als Irene kam und sie um Hilfe bat, bekam
sie folgende positive Botschaften zu hören:
Positive Botschaften:
19

GOTT LIEBT DICH UND WÜNSCHT SICH, DASS DU IN FRIEDEN LEBEN KANNST.

DU HAST DAS RECHT, FÜR DICH UND DEINE KINDER NACH SICHERHEIT ZU SUCHEN.

ICH WÜRDE DIR GERNE HELFEN. WÜRDEST DU MIR ERLAUBEN, EINE PROFESSIONELLE
PERSON ZU KONTAKTIEREN?

ICH GLAUBE DIR.

FÜHLE DICH FREI, MIR DEINE GEFÜHLE MITZUTEILEN. ICH BIN BEREIT, DIR ZUZUHÖREN.

WAS SIND DEINE NÖTE?

ICH MÖCHTE DAS BESTE FÜR DICH.

DU BIST NUR FÜR DEIN EIGENES VERHALTEN VERANTWORTLICH.
Irenes Lob:
Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen des HERRN,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
Als ich den HERRN suchte,
antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
(Psalm 34:2-5, 19)
Fragen an Irene:
1. Wie hast du dich gefühlt, als du die negativen Botschaften gehört hast?
2. Wie hast du dich gefühlt, als du die positiven Botschaften gehört hast?
Fragen an die Botschafter:
1. Wie hast du dich gefühlt, als du die negativen Botschaften überbracht hast?
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2. Wie hast du dich gefühlt, als du die positiven Botschaften überbracht hast?
Fragen für das Gruppengespräch:
1. Auf welche Weise ignoriert oder leugnet die Gemeinde das Vorhandensein von Gewalt
und sexuellem Missbrauch in unseren Heimen und Kirchen?
2. Wie verhalten wir uns als Kirche gegenüber Opfern und Tätern von häuslicher Gewalt und
sexuellem Missbrauch?
3. Welche Möglichkeiten gibt es für uns als Glaubensgemeinschaft, die helfen den Kreislauf
der häuslichen Gewalt und des sexuellen Missbrauchs zu beenden?
4. Wie weit geht unser persönlicher Einsatz und was setzen wir in die Tat um, damit diese
Pläne
durchgeführt
werden?
Was
konkret
tut
meine
Gemeinde?
5. Was
kann
ich
tun?
21
Sabbat Nachmittagsprogramm oder Abendstunde
Fallbeispiel und Podiumsdiskussion
(geeignet für junge und ältere Erwachsene)
Vorschlag für den Ablauf
 Eröffnungsgebet
 Einführung in das Programm
 Vorstellung der Teilnehmer an der Podiumsdiskussion
 Musikbeitrag
 Podiumsdiskussion
 Fragen aus dem Publikum
 Abschlussgebet
Fallbeispiel
Don verdiente 59,000 € pro Jahr. Er gab seiner Frau Beth wöchentlich 21,-€, um Lebensmittel
und sonstige Dinge des persönlichen Bedarfs für sich und ihre 5-jährige Tochter zu kaufen. Don
dachte, dass er sein Teil dazu beitrug die Familie zu versorgen, weil er alle Rechnungen bezahlte
während seine Frau zu Hause blieb. Eines Tages, als Beth ihm mitteilte, dass sie mehr Geld
bräuchte um die Haushaltsausgaben zu begleichen, wurde Don böse und gab ihr eine Ohrfeige.
Er sagte ihr, sie sei dumm und seelisch unausgeglichen.
In den folgenden Monaten brüllte er sie immer wieder an und beschimpfte sie. Einige Male
schlug er sie sogar, wenn ihm ein Essen nicht geschmeckt hatte.
Schlussendlich beschloss Beth, dass sie die Misshandlungen durch ihren Ehemann nicht länger
dulden wollte. Sie wollte die Scheidung. Sie suchte den Rat ihres Seelsorgers und bat ihn die
Angelegenheit vertraulich zu behandeln. Er sagte ihr, Don wäre einer der nettesten Christen, die
er kenne und habe sich um die Kirche sehr verdient gemacht, da er viele kirchliche Projekte
finanziell unterstützte. Er machte ihr den Vorschlag, eine psychologische Beratungsstelle
aufzusuchen und wies sie darauf hin, dass ihr Ehemann möglicherweise an einem Burnout litt.
Deshalb solle sie versuchen, ihm mehr zu gehorchen. - Schließlich wolle sie doch nichts tun, was
ihre Ehe auseinanderbrechen ließe. Er erinnerte sie daran, dass Gott Scheidungen hasst.
Einige Tage später erhielt Beth Besuch von der Gemeindeleiterin und ersten Diakonin, die ihr
sagte, sie solle die Kirche nicht blamieren, indem sie falsche Anschuldigungen über ihren
Ehemann in Umlauf brächte. Sie sagte Beth auch, dass sie keine Scheidung in Betracht ziehen
22
solle, da ihr hierfür die biblische Grundlage fehlen würde.
Als Don bemerkte, dass Beth mit dem Pastor über ihre Beziehung gesprochen hatte,
misshandelte er sie und ihre Tochter erneut verbal und physisch. Beth beschloss, ihren Mann zu
verlassen und fand für sich und die Tochter Zuflucht in einer weltlichen Fürsorgeeinrichtung für
Opfer häuslicher Gewalt.
Sie war desillusioniert und enttäuscht von der Kirche und der Kirchenleitung. Es gab keinerlei
Diskretion. Sie konnte nicht verstehen, wie ihr Ehemann es geschafft hatte, einige der Leiter
davon zu überzeugen, dass sie der Grund für die zerbrochene Beziehung sei. Daher beschloss sie,
dass sie nicht weiterhin einer Kirche angehören wollte, die sich weigerte, ihr zu glauben und sie
mit ihrer Tochter zu schützen und zu unterstützen. Weil sie den Herrn liebt, beschuldigte sie ihn
nicht für ihr Leid, beschloss jedoch, sich einer anderen Kirche anzuschließen.
Methodik
1. Moderator: Ein Moderator liest das Fallbeispiel vor.
2. Diskussionsteilnehmer: Wähle Personen aus, Fachkenntnisse und Verständnis für häusliche
Gewalt haben. Sie können aus verschiedenen Bereichen stammen, die mit diesem Thema
konfrontiert werden: Ärzte, Rechtsanwälte, Pädagogen, Seelsorger, ehemalige Täter und
ehemalige Opfer. Lass sie die folgenden Punkte aus ihrem jeweiligen Blickwinkel behandeln.
3. Diskussionspunkte:
a. Definition der verschiedenen Formen des Missbrauchs
b. Welche Botschaften hat der Pastor Beth übermittelt?
c. Welche Botschaften haben die Leiter der Kirche Beth vermittelt?
d. Welche tiefer liegenden unausgesprochenen Botschaften waren an Don gerichtet?
e. Wie sollte die Antwort an Beth lauten?
f. Wie sollte die Antwort an Don lauten?
g. Welche Verantwortung trägt die Kirche gegenüber Beth, Don und ihrer Tochter?
h. Wie kann die Kirche mit öffentlichen Stellen zusammenarbeiten, um dieser Familie zu
helfen?
23
Jugendprogramm
(geeignet für Schüler der Mittel- und Oberstufe und junge Erwachsene)
Vorschlag für den Ablauf
 Song Service
 Eröffnungsgebet
 Einführung in das Programm: (Gib Informationen über familiäre Gewalt und Gewalt unter
Partnern)
 Musikbeitrag
 Aktivität
Aktivität
1. Gib - wenn möglich - jedem Teilnehmer eine Kopie des Blattes “Gerüchte und negative
Meinungen bezüglich Gewalt unter Partnern”. Gib jeder Person eine Kopie der Fragen.
2. Teile die Teilnehmer in Gruppen von 3 bis 5 Personen auf, um die Liste der Gerüchte und
negativen Meinungen zu besprechen und herauszufinden, warum diese nicht in Ordnung
sind. (Die Gruppen können entweder aus Mädchen oder aus Jungen bestehen.)
3. Ermutige die Jugendlichen nach der Gruppenarbeit, in der gesamten Gruppe ihre
Ansichten mitzuteilen, wie junge Erwachsene respektvoller miteinander in einer
partnerschaftlichen Beziehung umgehen können.
Gerüchte und negative Meinungen (Jungen)
1.
2.
3.
4.
Ein junger Mann muss in der Beziehung die Verantwortung tragen.
Sollte er sie schlagen, trägt sie die Schuld.
Einige Mädchen reden mit mir; deshalb interessieren sie sich für mich.
Es ist richtig, sie zu schlagen. Dann wird sie mich dann das nächste Mal nicht mehr
verärgern.
Gerüchte und negative Meinungen (Mädchen)
1. Ich liebe ihn. Ich bin die Einzige, die ihm helfen kann.
2. Wenn ein junger Mann wütend wird, kann er nichts dafür.
3. Ich hätte nicht an ihm herumnörgeln sollen. Es ist meine Schuld, dass er wütend
geworden ist.
4. Wenn ich mich ändere, wird er sich auch ändern.
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Weitere Aktivitäten für jüngere und ältere Erwachsene
1.
2.
3.
4.
5.
Erstelle eine Liste der Hilfen für Opfer und Täter.
Organisiere pädagogische und soziale Aktivitäten und nimm selbst daran teil.
Gründe eine Anlaufstelle in der Gemeinde, um Opfern und Tätern zu helfen.
Unterstütze örtliche Schutzprogramme.
Biete Workshops/Seminare/Präsentationen in deiner Ortsgemeinde und an deinem
Wohnort an.
6. Organisiere öffentliche Treffen und lade Vertreter der Kriminalpolizei, Rechtsanwälte,
Erzieher, Sozialarbeiter, etc. zur Teilnahme ein.
7. Arbeitet in kreativer Weise zusammen, um Hilfen, Fortbildungen und
Vorbeugungsmaßnahmen für Opfer, Täter, Gemeindeglieder und
Verantwortungsträger in der Gesellschaft anzubieten.
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